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Rezensionen verfasst von
Lesetante

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Spinner (detebe)
Spinner (detebe)
von Benedict Wells
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,00

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Freiheit --> Chaos ---> Klarheit, 27. November 2016
Rezension bezieht sich auf: Spinner (detebe) (Taschenbuch)
Was lange währt, wird endlich gut!

Zugegeben, ich habe mich sehr schwer getan mit diesem Buch, ich wurde lange nicht warm damit, legte es immer wieder weg und ließ es dann konsequent liegen, bis ich mir und dem überarbeiteten Roman zuletzt doch noch eine Chance gab.

Angestachelt durch den Achtungserfolg seines letzten Buches "Vom Ende der Einsamkeit" wollte ich unbedingt mehr lesen und war sehr froh, als ich vom Verlag "Spinner" zugeschickt bekam.

Jesper Lier, 20 Jahre alt, Halbwaise und Möchte-gern-Schriftsteller kehrt seiner Heimat München den Rücken und geht für ein Jahr nach Berlin, wo er frei sein und seinen Roman "Leidensgenossen" schreiben will. Er landet im Keller, säuft, raucht, isst nicht und verliert sich in Phantastereien, die er zu Papier bringt. Daraus entsteht ein Roman-Monstrum, das er einem Verleger vorstellen will, als dieser aus dem Leben scheidet.

Umgeben von zwei Freuden begleiten wir Jesper eine Woche durch sein Leben. Er verliebt sich, gerät in eine abstruse Verfolgungsgeschichte, hängt in Clubs herum, wird mit Homosexualität konfrontiert, landet im Krankenhaus und findet sich in all dem Chaos irgendwie vielleicht selbst. Die Chance sich komplett zu verlieren ist jedoch auch nicht gerade gering.

Benedict Wells gelingt es hervorragend die Orientierungs- und Haltlosigkeit eines frisch aus der Schule gekommenen jungen Mannes zu porträtieren. Als Leser schüttelt man den Kopf und will d Jesper zurufen, dass er endlich im Leben ankommen soll. Der Blick auf den Protagonisten ist dabei nie herablassend oder bewertend, sondern der Autor zeigt ihn, wie er ist. Durch den Ich-Erzähler ist es möglich, dass man ganz nah an Jesper heran kommt, in seine Gedankenwelt - so abstrus sie auch sein mag - eintauchen kann.

Bendedict Wells greift ein wichtiges Thema der Gegenwart auf. Nach der Schule stehen viele junge Menschen da und wissen nicht, wohin mit sich. Nicht jeder ist so straight, dass er bereits während der Schulzeit die nächsten Schritte plant. Der Held der Geschichte weiß nicht, wohin mit sich, hat Flausen im Kopf, denen er nachjagt, dabei muss er natürlich vor Wände laufen.

Sehr schön finde ich, dass der Autor ihm zwei Weggefährten an die Seite stellt, die zwar ihre eigenen Sorgen haben, aber sie sind da, er ist nicht allein.

Letztendlich muss ich sagen, dass ich gut daran getan habe, dem Buch noch eine Chance zu geben, denn es ist wirklich gut, was mich tatsächlich überrascht.


HELIX - Sie werden uns ersetzen: Roman
HELIX - Sie werden uns ersetzen: Roman
von Marc Elsberg
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,99

5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen viel erwartet - wenig bekommen, 10. November 2016
Ich habe mich so sehr gefreut, dass ich das neue Buch von Marc Elsberg vom Bloggerportal zugeschickt bekam, denn die ersten beiden Bücher „Blackout“ und „Zero“ fand ich fantastisch, erschreckend, real und grandios in der Recherche und Idee.

Nun also „Helix“ – ich erwartete Großes, Überraschendes, reale Fiktion, kurz eine Anknüpfung an die ersten beiden Romane.

Leider hat Marc Elsberg mit seinem neuen Roman meine Erwartungen so gar nicht erfüllen können, denn:

Die Story ist nicht neu, auch nicht in der Literatur. Ich habe den gleichen Stoff vor Jahrzehnten schon bei Johannes Marius Simmer („Doch mit den Clowns kamen die Tränen“) gelesen. „Helix“ erinnerte mich sehr an diesen Roman von Simmel, der bei mir die gleiche Wirkung hatte wie Elsbergs „Blackout“.
Irgendwie wirkt die Geschichte unausgegoren, ja sogar ein bisschen zusammen geschustert. Mir fehlt die Leidenschaft des Erzählens, der Sog, den ich von Elsberg kenne.
Sicher ist eine Spannungskurve vorhanden und für LeserInnen, die Simmels Buch nicht kennen, ist die Geschichte bestimmt sehr gut, aber mich konnte die angedachte Spannung nicht erreichen.
Wer ist eigentlich der Hauptpersonencast? Ist es die FBI-Agentin, die Ehefrau mit dem übergroßen Kinderwunsch, die beiden „modernen“ Kinder? Auch das ist mir nicht klar geworden.
„Moderne“ 10-Jährige, die Helikopter fliegen und ein Staatsoberhaupt entführen – das ist mir zu abstrus und hat mit einem für mich möglichem Szenario nichts zu tun.
Leider hat mich der neue Roman so gar nicht überzeugt. Ich habe ihn gelesen, aber damit tat ich mich schwer, denn ich wartete bis ungefähr zur Mitte auf den Moment, an dem mich der Autor mit seiner Geschichte kriegt. Von „Blackout“ kannte ich das, dass ich mich in das Buch hinein arbeiten/ -lesen musste, bevor der Funken übersprang. Und er sprang über! In „Helix“ gab es für mich leider einen Funken, insofern auch keine Zündung und das enttäuscht mich, denn ich hatte mir das wirklich gewünscht. Aber der Hälfte las ich das Buch dann nur noch, um es zu lesen. Vieles war vorhersehbar und die Geschichte riss mich überhaupt nicht vom Hocker.

Leider und das muss ich betonen, denn ich mag die ersten beiden Bücher wirklich sehr, aber es bestätigte sich, was bei „Zero“ schon durchklang, dass es schwer werden würde, an einen Knaller wie „Blackout“ anknüpfen zu können. Ich hätte es mir und Elsberg gewünscht. Vielleicht beim nächsten Roman …


Love and Confess: Roman
Love and Confess: Roman
Preis: EUR 9,99

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Leben erLEBEN, 18. August 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Love and Confess: Roman (Kindle Edition)
Zwei Teenager, die des Lebens aus unterschiedlichen Gründen überdrüssig sind, lernen sich über eine Online-Plattform, auf der man Selbstmordpartner finden kann, kennen und verabreden sich zum gemeinsamen Sprung aus dem Leben.

Es geht um Schuld, Verzweiflung, Einsamkeit, Depression (die wunderbar als schwarze Qualle beschrieben wird, die alles positive aus dem Körper saugt), selbst gewählte Isolation und um einen Perspektivwechsel, der dadurch ermöglicht wird, das die beiden Charaktere nicht mehr allein mit ihrem Vorhaben unterwegs sind, sondern jetzt jemanden haben, dem sie sich anvertrauen können und der sie versteht. Es ermöglicht ihnen zu sehen, wie jemand, der sie versteht, weil er in einer ähnlichen Situation ist, sie sieht.

Ein Buch mit einem schweren Thema, das ich so noch nicht gelesen habe, das vieles in mir aufwühlt, das ich einige Male beiseite legen musste, weil der Druck groß war, das mich aber auch hoffnungsvoll gestimmt hat, weil der Ton sich veränderte, als es für die 16-jährige Aysell nicht mehr nur darum geht, die Dunkelheit zu fühlen, sondern sie anfängt positive Gefühle zuzulassen.

Es geht letztendlich darum, das Leben in einer Art und Weise zu erLEBEN, dass es Sinn macht sich darauf einlassen zu WOLLEN.

Eine eindrucksvolle Geschichte, die zwar minimal in eine Seichtheit namens Liebe abgleitet, die dennoch gekonnt die Gefahr umschifft, eine Liebesgeschichte zu sein, denn darum geht es nicht. Es begegnen sich Menschen, die füreinander da sind, die einander Bedeutung verleihen und durch deren Blick man sich anders wahrnehmen und seine Einstellungen zu sich selbst und dem eigenen Dasein überprüfen kann.


Mr Gwyn
Mr Gwyn
von Alessandro Baricco
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,00

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mr. Gwyn auf der Suche nach DER Geschichte in uns - wunderbar, 13. Juni 2016
Rezension bezieht sich auf: Mr Gwyn (Gebundene Ausgabe)
Seit Bariccos Roman "Seide" bin ich fasziniert von dem italienischen Autor, sodass ich neugierig auf "Mr. Gwyn" war. Das ist sein neuer Roman, den es seit Ende Februar in Deutschland zu kaufen gibt, in seinem Heimatland Italien ist dieser aber bereits 2012 erschienen.

Jasper Gwyn, Anfang 40, hat sich einen Namen als Schriftsteller gemacht. Sein Agent und bester Freund Tom freut sich, ein so starkes Zugpferd im Stall zu haben und ist dementsprechend negativ überrascht, als Gwyn beschließt, dass er künftig weder schreiben noch bereits Geschriebenes für eine weitere Veröffentlichung freigeben wird. Das sind zwei von 52 Punkten, die er nie wieder machen wird. Um das alles auch in die Realität zu transportieren, veröffentlicht er seine Liste in einer englischen Zeitung, für die er auch nie wieder schreiben wird. Er ist alleinstehend, ein Kind wird ganz nebenbei und flüchtig erwähnt, ebenso erfährt man, dass er auch Werke unter einem weiblichem Pseudonym veröffentlicht hat, ansonsten ist er sozial wenig eingebunden.

Mr. Gwyn hat ein bisschen Erspartes, das ihm die Möglichkeit gibt, sich in Ruhe zu überlegen, was er statt des Schreibens machen möchte. Beim Beobachten eines Künstlers kommt ihm irgendwann die Idee, dass er schriftliche Auftragsporträts von willigen Kunden erstellen könnte. Er selbst nennt sich Kopist. Er trifft umfangreiche und sehr detailverliebte Vorbereitungen und startet mit einem 36tägigen Experiment, das ihm Erkenntnis, Klarheit und Faszination bringt.

"Die Idee für das Buch hatte ich, als ich eines Tages durch ein Museum ging. Ich war ein wenig gelangweilt und müde und setzte mich auf eine kleine Bank. Von dort aus betrachtete ich die Besucher und die Bilder. In diesem Zwischenzustand der Müdigkeit kommen einem ja die besten Ideen und da ist die kleine Ideenzelle geboren, aus der Mr. Gwyn schließlich entstanden ist", erzählt der Autor. (Quelle)

Am Ende des Romans fügt Baricco drei Erzählungen ein, die unter dem Titel "Dreimal im Morgengrauen" erschienen sind und im Roman einem indischen Pseudonym von Mr. Gwyn zugeordet werden können, weil sie Teile seines Selbstporträts enthalten. In diesen drei Geschichten geht es jeweils um drei Frauen, die in einem Hotel mit unterschiedlichen Menschen interagieren.

Der Roman ist wunderschön geschrieben, ohne allzu greifbar zu sein. Gwyn ist wieder ein Protagonist, der einem durch die Finger gleitet, den man nicht verstehen kann, der nebulös in seiner Intention bleibt. Das macht die Faszination aus, denn Jasper Gwyn ist auch einer, der sich was traut, der ausbricht aus dem Bekannten, der Risiken eingeht, der mit sich experimentiert, der keine Angst vor dem Scheitern hat, der immer einen Fluchtweg weiß.

Die Idee, dass in jedem Menschen eine Geschichte steckt, ist wunderbar. Wir sehen nicht, was Jaspar Gwyn sehen kann. Dass er dafür Rituale braucht, macht die Sache umso spannender, denn er führt seine Auftraggeber ganz zu sich selbst, indem er sie pur sein lässt, wie sie sind. In ihrem absoluten Ist-Zustand sieht er ihre Geschichte und schreibt sie auf.

Unter dem Aspekt, dass die drei kurzen Erzählungen am Ende Jaspers eigene Geschichte zeigen, sind diese wunderbar harmonisch zu seinem Charakter. Auch dort begegnen uns Protagonisten, die selbstbewusst sind, Eigeninitiative an den Tag legen, sich was trauen.

Ich habe den Roman sehr genossen und gebe deswegen eine klare Leseempfehlung. Im Vorfeld habe ich Leser-Kritiken gelesen, die den Roman überkosntruiert fanden oder die fehlenden Porträts bedauerten. Dem kann ich überhaupt nicht zustimmen, denn wie immer geht es Baricco nicht primär um Ergebnisse sondern um den Prozess. Es ist nicht so wichtig, was Mr.Gwyn zu Papier bringt, sondern wie er das Schreiben feiert und zelebriert. Auch die Konstruktion ist klar und eher einfach, denn der Autor folgt seinem Protagonsiten durch einige Jahre seines Lebens, stellt ihm nur sehr wenige Personen an die Seite und vermeidet Nebenhandlungen fast gänzlich. Ich finde es schade, wenn gute Literatur nicht als solche erkannt wird. Letztendlich ist der Roman still, leise, sanft und sehr weich. Er biedert sich nicht an, er wirkt einfach. Für mich ein Buch für mein Regal der Bücher, die es sich auf lange Zeit bei mir gemütlich machen dürfen.


Weit über das Land: Roman
Weit über das Land: Roman
Preis: EUR 18,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wenn einer beschließt zu gehen ..., 6. Juni 2016
Rezension bezieht sich auf: Weit über das Land: Roman (Kindle Edition)
Auf gut 220 Seiten entführt uns der Schweizer Autor in eine Welt, die zwischen dem Indikativ und dem Konjunktiv angesiedelt ist. Welchen Weg wir als Leser einschlagen, überlässt er uns und nicht selten passierte es mir, dass sich beide Angebote als real für mich darstellten.

Thomas, Anfang 40, steht eines Abends, nachdem die ganze Familie aus den Ferien in Barcelona nach Hause zurückgekehrt ist, von der Gartenbank auf, stellt sein noch nicht gänzlich geleertes Rotweinglas zu dem seiner Frau Astrid, die sich um das bedürftige Kind kümmert, lässt den Blick noch einmal über das begrenzte Grundstück schweifen, setzt sich in Bewegung, greift nach dem quietschenden Gartentor, öffnet und verschließt es hinter sich und geht weg. Er blickt sich nicht um, er geht einfach von dannen, dabei darauf bedacht, keine Spuren zu hinterlassen. Er überlässt sich seinem inneren Gefühl, übergibt sich der Gebirgslandschaft der Schweizer Alpen und ist er selbst.

Astrid, die erst gar nicht realisiert, dass ihr Mann weg ist, stellt sich ihrem häuslichen Leben mit den beiden Kindern, dem Haus und Garten und versucht, Thomas Verschwinden zunächst geheim zu halten. Nur die Polizei, der sie sein Verschwinden nach 36 Stunden gemeldet hat, weiß Bescheid, ist aber weitestgehend handlungsunfähig, da es keinerlei Hinweise auf eine Gefahr gibt.

Peter Stamm präsentiert die Geschichte aus beiden Blickwinkeln, dabei ist besonders auffällig, dass beide häufig in der Möglichkeitsform abtauchen, indem sie sich das Handeln des jeweils anderen vorzustellen und zu erklären versuchen. Astrid ist dabei diejenige, die emotionaler erscheint, die intensiver daher kommt, weil ihr Tun nach außen gerichtet scheint. Letztendlich findet aber auch bei ihr ein Rückzug statt, nur dass sie trotzdem nach außen noch funktioniert.

Die Landschaftsbeschreibungen zeichnen ein Bild der Freiheitsvorstellungen des Ehemannes. Natur und Protagonist verschmelzen zu einer Einheit. Das begünstigt die Irrealität des ganzen Tuns, das von der Ehefrau aufgegriffen wird und fortan an Strohalm fungiert.

Peter Stamm beweist wieder einmal, dass er uns seine Protagonisten nicht erklären muss. Er spielt mit hauchzarten Andeutungen, die uns nur erahnen lassen, aus welchen Beweggründen seine Protagonisten handeln, wie sie es tun. Fast verliert man in all den Umstandsbeschreibungen der Einzelcharaktere die große Liebesgeschichte aus dem Blick, die sich in der Retrospektive beider Handlungsträger entfaltet.

Der Roman ist ganz leicht und sanft, er zwingt uns nichts auf, er lässt offen, man findet keinen erhobenen Zeigefinger, sondern nur Ruhe und Sanftheit, dazu ein großes Maß an menschlichem Verständnis und Einblicke in die individuelle Bedürftigkeit des Menschen.

Zusammengefasst: Großartig


Kinderjahre
Kinderjahre
von Jona Oberski
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 20,00

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Geht unter die Haut, 30. Mai 2016
Rezension bezieht sich auf: Kinderjahre (Gebundene Ausgabe)
Der niederländische Autor Jona Oberski berichtet rückblickend über seine frühen Kinderjahre, die er mit seiner Ursprungsfamilie verlebte. Im Alter von vier Jahren wird er gemeinsam mit seinen Eltern von den Nationalsozialisten verschleppt und in das Konzentrationslager Bergen-Belsen gebracht. Das passierte im Jahre 1942 und bis zur Befreiung durch die Sowjets verbleibt er im Konzentrationslager.

Der Autor, der zum Zeitpunkt der Niederschrift 40 Jahre alt war, rekapituliert die Ereignisse, wie er sie als Kind wahrgenommen hat. Dabei begibt er sich in die Perspektive seines vier - siebenjährigen jungen Ichs und berichtet aus der kindlich naiven Perspektive, was er alles wahrnahm, aber nicht verstand, was er alles sah, jedoch nicht realisieren konnte. Dabei ist es für den Leser schwer, das Grauen durch die Augen und mit dem Verständnis des kleinen Jungen zu sehen, der nur beobachtet, aber nichts begreift. Die Tragweite des Geschehens ist für diesen kleinen Menschen nicht fassbar, so ist es für ihn zum Beispiel viel wichtiger, von der Krankenbaracke den kürzesten Schattenweg zur Schlafbaracke zu suchen, anstatt seiner Mutter die wichtige Nachricht des Arztes zu übermitteln. Ihm kann der Ernst der Situation nicht bewusst sein, denn er ist zu jung und hat überhaupt keine Anlagen, in den Menschen etwas Böses zu sehen.

An der Hand des kleinen Jungen begibt sich der Leser auf den Weg nach Bergen-Belsen, in die überfüllte Schlafbaracke, wo der Kleine sich das oberste Bett eines 4-Etagen-Bettes mit der Mutter teilt, den Vater nur sieht, wenn er schwer krank ist, als Mutprobe in das Tropenhaus geschickt wird und der, wenn er Glück hatte, in die Tiefen der großer Essenskessel abtauchen durfte, die er dann auslecken und sich somit den Magen füllen konnte.

Ein Schaudern begleitete mich während des Lesens und nicht nur einmal musste ich an den Roman "Der Junge im gestreiften Pyjama" denken, denn wie dieser ist "Kinderjahre" eindringlich, intensiv, trotz aller Unschuld so grausam und zwingt den Leser fast in die Knie, weil man sich wieder und wieder bewusst ist, dass das keine Fiktion sondern die Erinnerungen eines Mannes sind, der seine unschuldigsten Jahre in der schuldhaftesten Zeit und Umgebung zubringen musste, die die Weltgeschichte kennt.

Von mir gibt es eine eindeutige Leseempfehlung!


Der Dieb
Der Dieb
von Fuminori Nakamura
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,00

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Verloren in der japanischen Unterwelt - zu hoch gepriesen, 24. Mai 2016
Rezension bezieht sich auf: Der Dieb (Gebundene Ausgabe)
"Der Dieb" ist mein erster japanischer Roman, den ich gelesen habe. In dem Roman des fast 40jährigen Japaners geht es um Nishimura, einem Meisterdieb, der sich auf Portemonnaies von reichen Menschen spezialisiert hat. Von dem Protagonisten erfährt man, dass er eine Zeit lang aus Tokio verschwinden musste, weil er in bei einem kriminellen Gewaltakt mitgewirkt hat. Nach einiger Zeit kommt er zurück, lebt in einer kleinen Bruchbude und stiehlt eher um des Stehlens willen. Das Geld, das er damit macht, gibt er großzügig weg. Eines Tages beobachtet er in einem Supermarkt eine Mutter, die ihren kleinen Sohn zum Stehlen auffordert. Er nimmt sich des Kleinen an, will, dass er - wenn er schon stiehlt - es auch richtig macht und in seinem Leben etwas erreicht.

Bei einem seiner Streifzüge begegnet er zunächst einem ehemaligen Mittäter und später auch dem Drahtzieher des Überfalls aus der japanischen Yakuza und die Vergangenheit droht ihn einzuholen.

Der Roman "Der Dieb" wurde vom Wall Street Journal als einer der zehn besten Romane des Jahres 2012 ausgezeichnet. Für mich ist es eine komische Lesart gewesen, denn zum Beispiel taucht als Symbol immer wieder ein Turm auf, mit dem ich nichts anfangen kann. Die zurückgenommene Sprache, die sehr klar ist, gefällt mir. Die Geschichte an sich ist nicht neu und wenn man böse wäre, könnte man in ihr sogar eine Anleitung zum Stehlen sehen, denn es wird ausführlich darauf verwiesen, wie es am besten geht. So manches Mal beschaute ich meine Finger und überlegte, wie ich es wohl machen sollte.

Generell ist die Stimmung sehr bedrückend, denn es scheint keinen Ausweg aus der japanischen Unterwelt zu geben. Auch ein Streben oder eine Suche nach einem solchen ist durch den Autor nicht angelegt. Die Geschichte des kleinen Jungen macht mich als Leserin traurig, denn für ihn scheint es keine andere Perspektive zu geben.

Etwas typisch Japanisches kann ich nicht feststellen. Die Geschichte ist interessant, mehr aber leider auch nicht. Es ist kurzweilig, sprachlich nichts Besonderes und für zwischendurch eine nette Lektüre.


Die Geschichte der Baltimores: Roman
Die Geschichte der Baltimores: Roman
von Joël Dicker
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,00

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Reicht nicht gänzlich an den Erstling heran, 22. Mai 2016
Marcus Goldman, den man schon aus Dickers Erstling "Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert" kennt, reist nach Boca Raton (Florida), wo er ein Haus gekauft hat, um dort einen neuen Roman zu schreiben. Er ist um die 30 Jahre alt, als Schriftsteller mit einem Buch über seine Cousins Hillel und Woody berühmt und reich geworden und begegnet in seinem Schreibdomizil seiner ehemaligen Freundin Alexandra wieder, die er 7 Jahre nicht gesprochen hat. Diese Begegnung und das Entrümpeln des Hauses seines Onkels Saul führen ihn zurück in seine Vergangenheit, wo er zusammen mit seinen Vettern die Goldman-Gang bildete und eine sorglose Kindheit und Jugend in Baltimore verlebte. Er erinnert sich an die Goldmans in Baltimore, zu denen er leider nicht gehörte - wohl aber sein Cousin Hillel und später auch der angenommene Pflegesohn Woody - und zu denen er sich als Neffe und Vetter so hingezogen fühlte, weil sie all das hatten und verkörperten, was die Goldmans in Montclair nicht (erreicht) haben. Die Jungen wachsen wie Brüder auf, bis sie eines Tages dem echten Leben mit all seinen Tragödien begegnen, daran wachsen und zerbrechen.

Joel Dicker legt mit seinem zweiten Roman eine gewaltige Familiensaga vor, die mich fesselte und über weite Strecken begeisterte. Der Roman ist anders als von mir erwartet, denn nach seinem erfolgreichen ersten Buch platzte ich schier vor Neugier, was diesem genialen Autor noch einfallen würde. Auch bei "Die Geschichte der Baltimores" hatte ich immer Gefühl, dass sich die Geschichte genauso zugetragen hatte. Fast las ich es Biographie, wobei ich dazu keine Angaben finden konnte. Insofern gehe ich davon aus, dass er eine große Fiktion des jungen belgischen Autors Joel Dicker ist, die ihm sehr gut gelungen ist.

Von Beginn an wird eine große Katastrophe thematisiert, die nebulös bis zum Ende bleibt, von der man aber weiß, dass sie das Leben des Protagonisten so entscheidend verändert hat, dass danach nie mehr etwas war wie vorher. Aus der Ich-Perspektive nimmt der Autor den Leser mit auf eine Reise in die Vergangenheit, die man durch die Augen von Marcus wahrnimmt. Dieser berichtet als Außenstehender über sein gemeinsames Leben mit den Baltimores. Man lacht über die Jungs, man ärgert sich, weil sie nicht so miteinander verbunden zu sein scheinen, wie man es dem Montclair-Goldman wünschen würde, man ist entsetzt über den Verlauf der Geschichte, freut sich über so viel Ideenreichtum und wünscht sich, dass menschliche Abgründe nicht überhand nehmen.

In einer zweiten Ebene begleitet man Marcus in der Gegenwart - im Zusammenspiel mit seinem neugierigen und ambitionierten Nachbarn Leo, der das Berufsleben schon lange hinter sich gelassen hat, in der zaghaften Kommunikation zwischen den ehemaligen Partnern Markus und Alexandra und beim Entrümpeln des Hauses von Onkel Saul.

Dicker steuert von zwei Zeitebenen aus auf die immer wieder angekündigte Katastrophe zu, die sich am Ende wie ein Gewitter über dem Leser entlädt. Dieses Bauprinzip gefällt mir ausgesprochen gut, auch wenn der Vergangenheit viel mehr Raum eingeräumt wird als der Gegenwart, was aber in der Natur der Sache liegt, denn diese ist zwingend für das Verständnis der Jetztzeit.

Der Roman hat mir gut gefallen. Teilweise fand ich, dass die große Katastrophe zu häufig angedeutet wurde, denn dadurch entstand der Eindruck, dass das Buch Längen hatte. Dem ist nicht so, es ist spannend, macht Spaß und lässt einen nicht mehr in Ruhe. Joel Dicker muss seine Leser nicht bei Laune halten, das macht die Geschichte an sich, es braucht kein immer währendes: "Haltet durch, das Spannende kommt noch."

Insgesamt reicht "Die Geschichte der Baltimores" nicht an die Qualität und Faszination des Erstlings heran. Trotzdem ist es ein absolutes Lesevergnügen mit einer eindeutigen Message.


Anna und Armand: Wie meine Großeltern im Krieg die Liebe fanden und das Leben sie doch für immer trennte
Anna und Armand: Wie meine Großeltern im Krieg die Liebe fanden und das Leben sie doch für immer trennte
von Miranda Richmond Mouillot
  Audio CD
Preis: EUR 16,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Katharina Thalbach liest wunderbar, 15. Mai 2016
Hörbuch - Bewertung:

Katharina Thalbach, die ich überaus schätze, brachte mich mit der ersten CD fast zum Weinen, so berührte sie mich. Sie liest mit einer Tiefe und Wandlungsfähigkeit, die ich selten so erlebt habe. Dazu habe ich mich sofort in ihre Interpretation von Anna verliebt, die sie mit einem Dialekt liest, dass man meint, sie hätte nie anders gesprochen. Daran erkennt man den Profi Thalbach. Ich liebte die ersten beiden CDs, danach verliert sich die Geschichte, wie die Autorin sich beim Aufschreiben ihrer autobiografischen Informationen verliert, weil sie die Frage, ob ihre Großeltern durch die Liebe verbunden waren und warum sie diese verloren haben, nicht gänzlich beantworten kann und das Ganze für sie ein Mysterium bleibt. Darin liegt - meines Erachtens - die Schwierigkeit, denn die Intention ist sehr früh klar und trotzdem stochert die Enkeltochter Miranda in der Vergangenheit herum, vermischt diese Recherchen mit Geschehnissen aus ihrem eigenem Leben und verliert sich und ihre Idee dabei.

Da kann Katharina Thalbach leider auch nicht viel daran ändern, denn sie liest nur, was die Autorin produziert hat. Das tut sie bis zum Ende wunderbar, jedoch verliert sich die änfängliche Faszination meinerseits mit der Geschichte.

Allerdings gefällt mir der Ansatz trotzdem sehr gut, denn die Enkeltochter zeichnet ein realistisches Bild zweier verlorener Seelen, die sich einst liebten, deren Liebe die Nachkriegswehen trotz eines gemeinsamen Nestes in Frankreich jedoch nicht überstand und beide beschlossenen getrennte Wege zu gehen. Warum das so war, erfährt die Autorin nicht. Als Leser/Hörer mag man vermuten, dass sie Großmutter, also Anna die treibende Kraft war, denn sie ist Zeit ihres Lebens sehr fortschrittlich und emanzipiert gewesen. Sie strebte immer nach dem MEHR in ihrem Leben und ich konnte sie mir nicht als Matriarchin in Frankreich vorstellen.

Ein Hörbuch, dass sich allein schon wegen Katharina Thalbach lohnt, in dessen Zenrum eine Frau steht, die über 90 Jahre alt wurde und in ihrem Leben und Streben fest verwurzelt war.


Wo steckst du, Bernadette?: Roman
Wo steckst du, Bernadette?: Roman
Preis: EUR 8,99

5.0 von 5 Sternen Grandios unterhaltsam, 2. Mai 2016
Bernadette Fox, Anfang 50, hat sich selbst verloren, nachdem sie ihren größten Erfolg den Bach herunter gehen sah. Sie hat sich in Seattle verkrochen, in sich verschanzt und gibt sich ihrem eigenen alltäglichen Wahnsinn hin. Auf der einen Seite lässt sie ihr Leben von einer Assistentin in Indien managen. Niemand weiß, wie sie an Manjula gekommen ist, doch sie zahlt ihr großzügige 0,75 Cent Arbeitslohn die Stunde, dafür übergibt sie ihr sämtliche Vollmachten für ihr bescheidenes Dasein. Auf der anderen Seite hasst sie die Vollzeitmuttis, die sie boshaft Gnitzen nennt. Ihr eigenes Engagement für die Schule ihrer Tochter Bee besteht aus jährlichen Checks, für deren Deckung ihr Mann zuständig ist. Die Abneigung zu den Vorstadtfrauen beruht auf Gegenseitigkeit. Da die Gnitzen Bernadette nicht einfach in Ruhe lassen können, kommt es zu einem Krieg, aus dem Bernadette einfach spurlos verschwindet. Vorher wird ihr Vertrauen noch maßlos enttäuscht, als sie erfährt, dass Manjula nicht wirklich eine Assistentin aus Indien ist.

Die Geschichte ist wir ein ICE, sie rast von dannen und man hat keine andere Chance als auf den Zug durch Bernadettes Fox Leben aufzuspringen. Man begegnet einer Frau, die hoch bejubelt wurde, wobei sie das selbst nie nachvollziehen konnte, denn alles, was sie tat, tat sie als Freigeist, der darauf erpicht war, Dinge zu optimieren. Sie ist nicht der Star, den man aus ihr machen wollte, fühlt sich jedoch um einen echten Erfolgsmoment, um ihre eigene Zufriedenheit betrogen, als ein reicher Hollywood-Schnösel IHR Haus kauft und einfach abreißt - weil er es kann. Das Leben meinte es seit diesem Vorfall nicht gut mit ihr und schenkte ihr nur eine Tochter, die die ersten fünf Lebensjahre auch ums Überleben kämpfte. Bernadette verliert sich, ihren Esprit, ihre Kreativität, den Bezug zur Realität und flüchtet sich in abstruse Ängste, die sie selbst behandelt.

Die Protagonistin ist sehr liebevoll gezeichnet, in all ihrer Verschrobenheit, vermeintlichen Schwäche und Unentschlossenheit. Sie brauchte einen echt harten Tritt vor's Schienbein, bis sie sich endlich aufmachte, um sich wieder zu finden. Dass das in der Antarktis sein würde, hätte weder sie noch der Leser je gedacht.

Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht von Bee, der 14jährigen Tochter, die allerdings nur selten die Chance bekommt, die Geschichte darzubieten, denn dem Leser liegt ein FBI-Dossier vor, das aus etlichen Briefen, Berichten, Emails etc. besteht, die uns Bernadette vorstellen. Gespräche der Gnitzen, der Email-Kontakt mit Indien, Beschwerden, Anzeigen, Arztberichte zeigen uns eine Frau, über deren Scharfsinn man lachen muss, die man aufgrund ihres Gutmenschentums bedauert und auf die man ab und zu auch wütend ist, weil sie ihren Allerwertesten nicht hoch bekommt.

Eine wirklich tolle Geschichte, die ich so noch nicht gelesen habe. Die Machart ist grandios, vor allem, dass die Autorin ihren Stil so durchgehalten hat.
Am Ende wächst zusammen, was zusammen gehört und das mit sehr viel Liebe, Freiraum und Freiheit.

Eine unbedingte Leseempfehlung!


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