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Ein Kunde

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Das Unbehagen in der Kultur: Und andere kulturtheoretische Schriften
Das Unbehagen in der Kultur: Und andere kulturtheoretische Schriften
von Sigmund Freud
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

15 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Zu "Das Unbehagen in der Kultur" und "Warum Krieg?", 26. August 2003
Zu "Das Unbehagen in der Kultur". - Was ist der Sinn des Lebens? Man weiß es nicht. Was ist der Sinn, den die Menschen dem Leben geben, d. h., worauf zielt ihr ganzes Streben? Auf Glück. Die Menschen wollen glücklich sein, oder - wenn sie mit dem Alter gereift sind und erkennen, dass dies wohl auf ewig ein frommer Wunsch bleiben wird - zumindest Unglück und Leid vermeiden.

Kultur und Gesellschaft sind aus diesem Streben heraus erwachsen und entwickeln sich ob dieses Zweckes weiter fort und fort. Kultur und Gesellschaft also als die Orte, an denen das Glück zu Haus ist, oder zumindest als die Orte, zu denen Unglück und Leid keinen Einlass haben. Tatsächlich? Freud, und unsere Zustimmung ist ihm ohne Zweifel gewiss, ist da anderer Ansicht. Doch warum ist dies so? Woher stammt dies Unbehagen in der Kultur, fragt er sich, und geht dieser Frage auf den folgenden rund 80 Seiten, auf im Ergebnis psychoanalytischem Wege, nach ...

Sigmund Freuds kulturtheoretische Schrift enthält interessante, anregende und richtige Gedanken, Anleihen bei Arthur Schopenhauer (und Auseinandersetzung, wohl eher unbewusst, mit ihm) sind ebenso wenig zu übersehen wie die Tatsache, dass Theodor W. Adorno später Gedanken aufgreifen und weiterentwickeln wird, die Freud bereits ein paar Jahrzehnte früher, in der vorliegenden Schrift, äußert.

Obwohl eine interessante und anregende Lektüre, muss ich gestehen, dass mir das Ergebnis dieser Analyse der Gesellschaft nicht recht behagt. Es ist mir letztendlich wohl doch zu 'freudsch', um mich wirklich damit anfreunden zu können. Mehr Bedeutung messe ich den Gedanken bei, die Freud eher am Rande erwähnt, ohne tiefsinniger darauf einzugehen bzw. weiterzudenken. Ein hochinteressanter, richtiger und wichtiger Ausgangspunkt, doch der Weg, auf dem der Frage nachgegangen wird, ist nicht primär der meine.

Zu "Warum Krieg?". - Ebenfalls ein sehr interessanter und lesenswerter Aufsatz Freuds (in Form eines Briefs an Albert Einstein), in dem er tatsächlich NICHT der Frage "Warum (gibt es) Krieg(e)?" nachgeht, sondern vielmehr bemüht ist, auf Einsteins an ihn gerichtete Frage Antwort zu geben, "was man tun könne, um das Verhängnis des Krieges von den Menschen abzuwehren".

Warum aber wurde dieser Aufsatz/ Brief dann mit "Warum Krieg?" betitelt? Freud erkennt, dass, bevor Einsteins Frage beantwortet werden kann, erst mal die Frage beantwortet werden muss, warum es überhaupt zu Kriegen kommt - erst wenn darauf eine Antwort gefunden ist, kann überlegt werden, wie Krieg zukünftig verhindert werden kann, und es zeigen sich eben diese Überlegungen Freuds, obwohl sie genau genommen nur Mittel zum Zweck sind, als eigentlicher Kern seiner Ausführungen und führen Einstein als auch den Leser in Freuds Theorie vom Eros sowie vom Destruktions- bzw. Todestrieb ein.

Zweifelsohne war Sigmund Freud ein kluger Mann und scharfsinniger Denker, dessen Gedanken nachzudenken und sich mit ihnen zu beschäftigen, eine außerordentlich lohnende Angelegenheit ist. Wer Interesse an Freud hat und Wahrheit bei ihm findet, dem lege ich sehr ans Herz, den oben bereits erwähnten Arthur Schopenhauer vorzunehmen. Freud war offensichtlich sehr von Schopenhauer, der nicht allein ein großer Philosoph, sondern auch ein ebensolcher Psychologe war, beeinflusst, was er jedoch bedauerlicherweise nur allzu selten ausgesprochen hat.


Welt und Mensch: Eine Auswahl aus dem Gesamtwerk (Reclams Universal-Bibliothek)
Welt und Mensch: Eine Auswahl aus dem Gesamtwerk (Reclams Universal-Bibliothek)
von Arthur Hübscher
  Sondereinband
Preis: EUR 7,40

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen aphoristischer Querschnitt, 9. Juli 2003
Für Schopenhauer-Liebhaber wie -Einsteiger lohnenswert: Schopenhauer, "Welt und Mensch, Eine Auswahl aus dem Gesamtwerk" (hrsg. von A. Hübscher)! Das rund 200-seitige Reclam-Büchlein bietet eine Auswahl aus Schopenhauers Gesamtwerk in Form von Aphorismen, so dass man auch zwischendurch immer mal wieder darin herumstöbern kann. Liebhaber finden vielleicht einige ihrer Lieblingsstellen, Einsteiger können wunderbar ins schopenhauersche OEuvre hineinschnüffeln und sich einen ersten Eindruck verschaffen - sehr empfehlenswert! Einzig ärgerlich sind die sehr sparsamen Quellenangaben, die sich zudem ausschließlich auf die von A. Hübscher besorgte Ausgabe beziehen.


Schatten über Innsmouth: Eine Horrorgeschichte (suhrkamp taschenbuch)
Schatten über Innsmouth: Eine Horrorgeschichte (suhrkamp taschenbuch)
von H. P. Lovecraft
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

2 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Schatten auch über der ersten Hälfte der Erzählung, 28. Mai 2003
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Wenngleich Lovecraft sich einer geschickten Erzähltechnik bedient, indem er zum einen einen Ich-Erzähler verwendet (wodurch der Leser sich unmittelbar dem Geschehen inbegriffen fühlt) und diesen rückblickend erzählen lässt, so dass er bei Bedarf auch große Distanz einnehmen und sich in ominösen Andeutungen und Vorausdeutungen ergehen kann, und es zum anderen durch übermäßigen Gebrauch deskriptiver, doch unkonkreter Begriffe (z. B. abnormal, monströs, grotesk u. dgl.) der Phantasie des Lesers überlässt, diese auszufüllen (und was führchten wir mehr als das Unbekannte?), überzeugt die vorliegende Erzählung doch erst in der zweiten Hälfte, beginnend mit der Flucht des Protagonisten aus Innsmouth, wobei sich auch die übliche, für die Qualität der gesamten Erzählung wesentliche, Schlusspointe nicht vermissen lässt.

Insgesamt sicherlich nicht seine beste Erzählung, doch ebenso wenig seine schlechteste; auf Grund der zu langatmig geratenen ersten Hälfte: gute 3 Punkte für einen unterhaltsamen, kurzweiligen Lesespaß!


Geh mir aus der Sonne!, Jubil.-Ausg.
Geh mir aus der Sonne!, Jubil.-Ausg.
von Peter Köhler
  Gebundene Ausgabe

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "Denn die Erfahrung ist eben dies ...", 31. März 2003
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Meinem Vorredner kann ich nur mit Abstrichen zustimmen, denn es sollte nicht unerwähnt bleiben, dass dieses Büchlein nicht nur "gute" und "weniger gute" Anekdoten enthält, sondern auch solche, die für den Laien verständlich sind, und solche, und zwar nicht wenige, die es (leider) nicht sind und sich an ein fachkundiges Publikum richten. Hier eine kleine Kostprobe:

"In Heidelberg war es, wo Hegel dann auch einmal aus der 'Phänomenologie des Geistes' las. Die Spannung war groß. 'Denn die Erfahrung ist eben dies', rief Hegel in den Saal, 'dass der Inhalt - und er ist der Geist - AN SICH, Substanz und also GEGENSTAND des BEWUSSTSEINS ist. Diese Substanz aber, die der Geist ist, ist das WERDEN seiner zu dem, was AN SICH ist; und erst als das an sich reflektierende Werden ist er an sich in Wahrheit der GEIST.' Die Zuhörer trauten ihren Ohren nicht. So war das also mit dem Geist! Unglaublich! Erst als Hegel fortfuhr: 'Dies Ich = Ich ist aber die sich in sich selbst reflektierende Bewegung', atmeten sie erlöst auf, und endlich mit dem Satz: 'Dieses Entlassen seiner aus der Form seines Selbst ist die höchste Freiheit und Sicherheit seines Werdens von sich', hatte Hegel natürlich die Beifallsnicker wieder auf seiner Seite."

Dennoch - auch ob solch kryptischer Anekdoten bekommt das Büchlein eine klare Kaufempfehlung von mir (der Laie wie der Kenner wird Passendes für sich finden und seinen Spaß daran haben), wobei ich mich meinem Vorredner anschließe und "Geh mir aus der Sonne!" auch als Geschenktipp wärmstens empfehlen kann!

Und noch etwas - kein Grund, an der oben zitierten Anekdote zu verzweifeln, denn:

"Auf dem Sterbebett musste sich Hegel eingestehen: 'Eigentlich hat mich von allen meinen Schülern nur der Gans verstanden', Hegel hielt kurz inne, '- und der nur falsch.'"


Philosophische Bibliothek, Bd.512, Was ist Aufklärung? Ausgewählte kleine Schriften, mit einem Text zur Einführung von Ernst Cassirer
Philosophische Bibliothek, Bd.512, Was ist Aufklärung? Ausgewählte kleine Schriften, mit einem Text zur Einführung von Ernst Cassirer
von Horst D. Brandt
  Broschiert
Preis: EUR 12,90

11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wahlspruch der Aufklärung!, 10. November 2002
Der vorliegende Band "Was ist Aufklärung?" enthält bedeutende populär-philosophische "ausgewählte kleine Schriften" von Immanuel Kant (1724-1804), erschienen in der Berlinischen Monatsschrift, die Zeitgenossen als das Hauptorgan der Berliner Aufklärung galt.

Obwohl, um sie möglichst jedem Leser zugänglich zu machen, in populärem (allgemeinverständlichen) Ton verfasst, ist die Lektüre, obgleich man förmlich spürt, wie Kant bemüht ist, sich möglichst verständlich auszudrücken, doch nicht ganz so einfach. Wie bei allen philosophischen Texten ist mindestens zweimaliges, in Teilen mehrmaliges Lesen unvermeidbar, da z. B. besonders gegen Ende der Schrift "Was ist Aufklärung?" die Syntax an Komplexität doch deutlich zunimmt.

Die Einführung von Ernst Cassirer darf man, meine ich, ruhig überspringen, da diese nicht in populärem Ton verfasst ist und sich, zumindest für mich, als schwerer verständlich als die Kant-Lektüre selbst herausgestellt hat. Auch, so schien mir, kann es zu Verständnisproblemen kommen, wenn man nicht bereits über einen entsprechenden Background der Kantischen Philosophie verfügt, was schade ist, wird dieser Band doch gerade als guter Erstkontakt mit Kant empfohlen.


Herr der Fliegen: Roman
Herr der Fliegen: Roman
von William Golding
  Sondereinband
Preis: EUR 7,95

3 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Über das Tier im Menschen, 12. Oktober 2002
Rezension bezieht sich auf: Herr der Fliegen: Roman (Sondereinband)
Nicht ohne Grund ist der Erzählung ein Zitat, ein Abtausch zwischen Faust und Mephistopheles, dem "Fliegengott", dem Geist, der stets verneint, aus Goethes "Faust I" vorangestellt, macht es den Leser doch gleich zu Beginn bekannt mit dem, was in jedem von uns steckt, bereit ist, wieder hervorzubrechen, sobald die Fesseln der Zivilisation sich lockern, fallen: dem Tier im Menschen.

Eben dies ist es, was Golding in seinem "Herr der Fliegen" anhand einer Gruppe von Kindern, die durch einen Flugzeugabsturz auf einer abgelegenen Insel stranden, durchspielt. Hält die Vernunft zu Beginn der Tragödie noch das Zepter, oder besser: das Muschelhorn in der Hand, so ist sie gezwungen dieses nach und nach abzugeben, abzugeben an den destruktiven Urtrieb des Menschen, das Tier im Menschen, den Fliegengott, den Herren der Fliegen, bis hin zur letzten, grausamen Konsequenz, mit der auch die letzte Fessel der Zivilisation fällt ...


Buddenbrooks: Verfall einer Familie
Buddenbrooks: Verfall einer Familie
von Thomas Mann
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,00

5.0 von 5 Sternen Spaßhaft, höchst spaßhaft!, 11. Oktober 2002
"Buddenbrooks, Verfall einer Familie", Thomas Manns erster großer Roman, 1901 veröffentlicht, 1929 mit dem Nobelpreis für Literatur prämiert (wohlgemerkt erst nachdem 1912 "Der Tod in Venedig" und 1924 "Der Zauberberg" erschienen waren).

Und wie Thomas Mann zur Zeit der Veröffentlichung selbst erst soeben den Kinderschuhen entwachsen war, so steckt seine Schreibe in "Buddenbrooks", im Vergleich zu seinen späteren Werken, noch in selbigen. Die Syntax ist noch nicht so kompliziert, wie man es von Thomas Mann gewohnt ist - wie angenehm werden die einen sagen -, doch damit verbunden hat auch die Sprache zu ihrer Schönheit, der Poesie ihrer vollendeten Komposition, noch nicht gefunden. Nichtsdestotrotz versteht es Thomas Mann auch (schon) in "Buddenbrooks" virtuos mit Sprache umzugehen, wobei besonders bemerkenswert ist, dass ein beträchtlicher Teil der Charakterisierung seiner Figuren über - natürlich - Sprache geschieht. Mann stattet seine Figuren mit allerlei sprachlichen Eigenheiten aus oder lässt sie wie selbstverständlich in Plattdeutsch, bayrisch oder gar in einem Kauderwelsch aus Französisch und Plattdeutsch sprechen. Das hat natürlich seinen Reiz, doch bedarf es ein Weilchen bis man, z. T. seitenlange, Dialoge in Platt lesen und vor allem verstehen kann ...

Erzählt wird, über vier Generationen, der Niedergang der Lübecker Kaufmannsfamilie Buddenbrook, wobei wir überwiegend die dritte Generation, in Person von Thomas Buddenbrock und seiner Schwester Antonie Buddenbrook, den Protagonisten des Romans, auf ihrem Lebensweg begleiten. Bestechend sind besonders bei diesen beiden Figuren die feinsinnige Charakterzeichnung und Entwicklung, die Thomas Mann ihnen hat angedeihen lassen.

Thomas Buddenbrook, auf den ersten Blick Kaufmann mit Leib und Seele, ist sein Beruf tatsächlich nicht Berufung. Seinen Lebtag im Konflikt mit sich, im Konflikt zwischen "praktischem Menschen" (Bürger) und "zärtlichem Träumer" (Künstler), wie er selbst es benennt, geht er schließlich an diesem zu Grunde; und bei Antonie, Tony genannt, auf den ersten Blick, und auch wohl im Grunde, ihr Leben lang ein naives Mädchen, "eine Gans", "ein dummes Ding", wie sie selbst beständig kundgibt, erlebt der Leser immer wieder Augenblicke außerordentlicher Klarheit, während derer Lebenswahrheiten und Weisheiten aus ihr hervorsprudeln, wie es keiner der schier unzähligen anderen Figuren des Romans vergönnt ist. Antonie, die vordergründige Antagonistin der Korsage des Bürgertums, deren Höchstes es jedoch ist, eben diesen Traditionen zu entsprechen, und die mit einfältigem, flammenden Stolz den Namen Buddenbrook in Angedenken an die Familiengeschichte auf Händen - oder besser: auf hoch erhobener Nasenspitze - vor sich trägt ...

Erwähnung finden muss an dieser Stelle auch die Figur des Herrn Kesselmeyer, an der ich persönlich ganz besonders viel Freude hatte. Zu Beginn von Antonie eingeführt als "guter Hausfreund", entpuppt sich Kesselmeyer schließlich als eine ebenso skurrile wie bösartige, ja diabolische Person ... - "spaßhaft, höchst spaßhaft!"
Ganz zu schweigen von Herrn Dr. Brecht, Zahnarzt seines Zeichens ... Herrlich! Schon in jungen Jahren zeigt sich Thomas Mann als großer Humorist, der die "Buddenbrooks" mit feinsinniger Ironie durchwebt.

Ebenso wenig verschweigen möchte ich drei schillernde Höhepunkte des Romans:
Zum einen ist da Hannos Klavierspiel. Bezaubernd, verzückend, höchst beeindruckend ist es, wie es Thomas Mann gelingt, die Sprache selbst, während er Hannos Spiel beschreibt, klingen und singen zu lassen, wie er in diesen Passagen die Sprache selbst zur Musik werden lässt.

Zum anderen wäre da die 'berühmte', häufig angeführte Schopenhauer-Passage, in welcher Thomas Buddenbrook, der sein Ende nahen spürt, angeregt durch die Philosophie Arthur Schopenhauers, zumindest für einen Augenblick, einen Aufstieg seines Geistes in bisher ungeahnte, gleißend strahlende Höhen erlebt, und der ihn Dinge erkennen lässt, die er sich vormals nicht hätte erträumen können. - Thomas Mann singt hier ein Hohelied auf Schopenhauer, dessen Werk ihn, neben dem Goethes, Wagners und Nietzsches, besonders geprägt hat, und macht in diesem Zuge auch seinen Lesern Lust auf einen Blick in die schopenhauersche Gedankenwelt ...

Und schließlich, wenn es auch ein wenig makaber klingen mag, die Inszenierung des Todes Hanno Buddenbrooks. - Den geschilderten Krankheitsverlauf hat Thomas Mann übrigens nahezu wörtlich aus einem Lexikon übernommen und lediglich seinem Stil angeglichen (diese 'Technik', von T. M. "Montage" genannt, wird viele Jahre später in Manns wichtigstem und letztem großen Werk, dem "Doktor Faustus" (1947), ihre Vollendung erfahren).

Ist auch zu diesem frühen Zeitpunkt in Thomas Manns Schaffen, wie bereits erwähnt, die ihm eigene, gewaltige sprachschöpferische Kraft und Genialität in "Buddenbrooks" noch nicht zu voller Blüte gelangt, so war Thomas Mann jedoch seine ungeheuer differenzierte Beobachtungsgabe und die Kunstfertigkeit, diese facettenreichen Beobachtungen in Worte zu fassen, auch damals schon eigen und trägt maßgeblich dazu bei, "Buddenbrooks" zu einem großartigen Erlebnis und einem der bedeutendsten literarischen Werke zu machen.


Die Physiker. Eine Komödie in zwei Akten
Die Physiker. Eine Komödie in zwei Akten
von Friedrich Dürrenmatt
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,00

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wie ein Kind vor dem Chemiebaukasten, 16. Juni 2002
Weitsichtiges Drama Dürrenmatts über die Unmündigkeit des Menschen, den sein eigener "Fortschritt" überholt und die Vernunft dabei abgehängt hat.
Sehr empfehlenswert. Schwankt zwischen Komödie und Tragödie, wobei so manches Lachen im Halse stecken bleibt.


Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull
Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull
von Thomas Mann
  Audio CD
Preis: EUR 26,99

8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Thomas Mann liest aus seinem Felix Krull, 7. Juni 2002
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Die 4 CDs enthalten Mitschnitte aus den Jahren 1953-55 der von Thomas Mann kurz vor seinem Tod 1955 vorgenommenen Lesereise zum Felix Krull.

Thomas Mann liest: Zweites Buch, 5., 7. (Ausschnitt), 8. (Ausschnitt) Kapitel; Drittes Buch, 1. (Ausschnitt), 5., 10. Kapitel. - Die Aufnahmen sind von verschiedener, jedoch niemals schlechter, Tonqualität.

Es ist eine Freude, dem Meister zu lauschen, zumal die Aufnahmen sehr authentisch sind: Das Umblättern der Seiten ist ebenso zu hören wie die Reaktionen der Zuhörer, und selbst ein Thomas Mann ist nicht davor gefeit, sich gelegentlich zu verlesen.

Was das Buch als solches betrifft, so ist der 1954 erschienene Schelmenroman ein guter Einstieg in die Literatur Thomas Manns. - Erzählt wird die äußerst amüsante, mit feiner Ironie durchwobene Lebensgeschichte eines weltgewandten Lebenskünstlers; ... böse Zungen mögen gar sprechen von der eines Betrügers, ... genauer: des Betrügers schlechthin: Felix Krull - und zwar von niemand geringerem als von diesem höchstselbst!

Sicher, die Syntax ist kompliziert, setzt voraus, dass der Leser sich darauf einlässt, und erfordert Konzentration und Geduld; - in ihrer Schönheit, der Poesie ihrer vollendeten Komposition entschädigt sie jedoch vollkommen dafür. Und nicht nur durch diese. Der geneigte Leser wird, abgesehen von dem herrlichen Plot, verwöhnt mit einer Priese (gut verständlicher) Philosophie und Lebenswahrheiten über menschliches Zwischeneinander und über die Liebe, bei denen man sich zurücklehnt und sie sich auf der Zunge noch einmal zergehen lässt.

"Der Memoiren erster Teil" lautet der Untertitel. Und in der Tat ist es bedauerlicherweise weder Felix Krull noch Thomas Mann vergönnt gewesen, diese Erzählung zu beenden. Diese Tatsache mag Anteil daran haben, dass das Geschehen zum Ende hin, im letzten Viertel, ein wenig zu zerfließen scheint und ins Stocken kommt. Allzu lang lässt Thomas Mann seinen Felix Krull in Lissabon verweilen, zu ausführlich über die Liebe philosophieren. Doch wie schon erwähnt, und das mag den Leser diesbezüglich etwas milder stimmen: Das Ende des Romans ist nicht auch das Ende der Geschichte, sondern ist lediglich als der Abschluß einer der zahlreichen Episoden, aus denen die Erzählung besteht, zu verstehen.


Schlafes Bruder
Schlafes Bruder
von Robert Schneider
  Taschenbuch

1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Süskind lässt grüßen, 13. Mai 2002
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Schlafes Bruder (Taschenbuch)
Herrlich groteske Erzählung über das Leben, Lieben und Leiden des Musikus Johannes Elias Alder.
Wer Patrick Süskinds "Das Parfum" liebt, wird auch "Schlafes Bruder" mögen, denn: es ist deutlich inspiriert von Süskinds Meisterwerk. Was dort Jean-Baptiste Grenouille mit seinem famosen Riecher war, ist bei Schneider bereits genannter Elias Alder mit seinem über alle Maßen scharfen Gehör und musikalischen Talent.
Empfehlenswert schon allein auf Grund der eigentümlichen Sprache, die Schneider seinem Erzähler in den Mund legt - ein Genuss!


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