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Chefmaus 68

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The Endless River
The Endless River
Preis: EUR 12,99

4 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Musikalische Selbstdemontage einer Rocklegende, 1. März 2015
Rezension bezieht sich auf: The Endless River (Audio CD)
Ich weiß, es braucht keine 10.000ste Rezension von THE ENDLESS RIVER. Ich habe das Album - natürlich - gekauft. Ich bin mit PINK FLOYD aufgewachsen, was meinen Musikgeschmack mehr prägte als alles andere, was damals auf den Plattentellern rotierte. In jedem Album, das die Band in den 70ern veröffentlichte, fühlte ich mich so wohl wie ein einem Zuhause, da kannte ich jeden Ton und jede Nuance auswendig, und ich habe auch jeden Ton und jede Nuance geliebt.

Dann kam THE ENDLESS RIVER.

Und ich wollte darüber schweigen.

Und dann veröffentlicht ein Engländer namens STEVEN WILSON sein viertes Album "Hand.Cannot.Erase", und JETZT, ja, jetzt brauche ich doch ein Ventil. Bei jenem Album habe ich mich immer wieder fragen müssen, ob PINK FLOYD heute so klingen würden, wenn sie nach THE WALL "überlebt" hätten. Und damit komme ich wieder auf THE ENDLESS RIVER zurück. Und ich werde fast wütend, weil es - natürlich - aus allen Poren PINK FLOYD atmet, und weil ich zwar dankbar bin für jeden Ton, der mich an die Großtaten meiner langjährigen Lieblingsband erinnert, mir aber andererseits dieser lieblose Remix typischer PINK-FLOYD-Versatzstücke inzwischen die Lust daran verdirbt, die Originale von damals zu hören, und das ärgert mich.

Ich finde es unaufrichtig von Mr. Gilmour (Dave, du warst mal mein Gitarrengott!), diese fluffige Resteverwertung als Konzept zu bezeichnen, und genauso fragwürdig finde ich die Behauptung, dem hochgeschätzten, leider verstorbenen Rick Wright damit Tribut zollen zu wollen. Ich wollte es schon 1987 und 1994 nicht wahrhaben (als PINK FLOYD sich an VW verkaufte): die Prog-Rock-Legende war schon lange nur noch eine riesige Gelddruckmaschine. Auch jetzt sitze ich vor dem Album und bemühe mich, irgendetwas Gutes, Schönes, Neues aus THE ENDLESS RIVER herauszuwringen, es muss doch da sein, es war doch früher da - und dann kommt ein Steven Wilson daher mit einer Musik (gleicher Stilrichtung), und es zieht einem (trotz anfänglicher Vorbehalte) derart die Füße weg und man begreift,wie Musik eigentlich funktioniert - und wie PINK FLOYD funktionieren müssten (und es nicht tun und auch nie mehr tun werden).

Ich finde nicht, dass es nur eine Geschmacksfrage ist; THE ENDLESS RIVER ist herausragend produzierter Mist und (sorry): eine musikalische Verarsche. Und die angemessenste Reaktion darauf wäre, das Album kompett zu ignorieren, aber das ist mir als leidenschaftlichem Fan leider, leider nicht möglich.
Kommentar Kommentare (8) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 12, 2015 10:45 PM CET


Hand.Cannot.Erase (Limited Edition)
Hand.Cannot.Erase (Limited Edition)
Wird angeboten von heinzman1
Preis: EUR 24,90

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wie aus Skepsis Begeisterung wird: Rezension eines großartigen Rockalbums, 1. März 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
"MEISTERWERK!" Wenn sowohl die internationale als auch die nationale Musikpresse so viel Vorschusslorbeeren für ein Album verteilen, bin ich inzwischen misstrauisch geworden. Selbst als Steven-Wilson-(Porcupine-Tree-)Fan. Was zum Beispiel zu einiger Enttäuschung über das Vorgängeralbum "The Raven Refused ..." bei mir führte, das vor zwei Jahren ebenfalls über den grünen Klee gelobt wurde. So bin ich mit ambivalenten Gefühlen und Erwartungen an dieses "Hand.Cannot.Erase" herangegangen.

Nach dem vierten Durchhören bestätige ich nun gerne, dass mich seit langem kein Album mehr so begeistert, ergriffen und berührt hat. Auch wenn ich finde, dass das erste Drittel vergleichsweise schleppend in Gang kommt, so zieht es mir ab "Home Invasion" immer noch die Füße weg, denn was ab diesem 6. Song geschieht, ist die reinste Ohrenweide. Natürlich ist da zuerst "Ancestral" zu nennen, die gewaltige Climax, auf die alle vorherigen Songs hinarbeiten, ein traurig-schönes, erst zartes, dann brachiales Monument, das in einem Atemzug mit Porcupine Tree's Epen "Arriving Somewhere But Not Here" und "Anesthetize" genannt werden darf. Und die abschließenden "Happy Returns" samt Reprise "Ascendant Here On...", die nach diesem Parforceritt einen Abschluss bilden, der mich fast sprachlos und mit feuchten Augen zurückließ.

Das soll nur ein Appetithäppchen sein, denn die Rezi würde zu lang, wenn ich zu jedem Song etwas schreiben müsste. Einige Songs müssen noch erarbeitet werden, aber die emotionale Wucht des Gesamtkonzepts (siehe Hintergrundgeschichte) und ihrer musikalischen Umsetzung bringt auch mich zum Schwelgen. Musik die berührt, Musik, die von einem herausragenden Rock-Ensemble getragen wird mit einer Dynamik, teilweise Komplexität, dann wieder schmeichelnden Eingängigkeit, die so viele Einflüsse zu einem geschlossenen Ganzen zusammenfügt: Prog, Art-Rock, Ambient, Folk, Pop, Metal - und dennoch wie aus einem Guss. SO muss ein Konzeptalbum sein! An der Umsetzung gibt es absolut keine Abstriche zu machen - alles andere ist einfach Geschmackssache!

Ein paar Schlussbemerkungen. Zunächst muss ich unbedingt recherchieren, wer dieser Guthrie Govan ist, der für alle relevanten Gitarrensoli auf dem Album verantwortlich zeichnet. Großartiger Instrumentalist! - Zweitens: beim Hören vieler stilistischer Querverweise musste ich immer wieder an PINK FLOYD denken (und an ihren kläglichen Abgesang letztes Jahr); würden PINK FLOYD heute solche Musik machen, wenn sie nicht kurz nach THE WALL (1979) schon musikalisch und kreativ gestorben wären? Andererseits: wen interessieren noch PINK FLOYD angesichts solcher Konzeptalben wie diesem? - Und drittens, und das ist wirklich ärgerlich: Welcher Vollpfosten kam auf die Idee, einen FSK-0-Flatschen direkt auf das Hardcover zu kleben? Das Mistding ist nicht rückstandslos zu entfernen, an dieser Stelle bleibt der Karton krumpelig. Unverständlich, wie stümperhaft manche Leute sind.

Ansonsten: JA, so muss Rockmusik sein: vielseitig, emotional, handwerklich meisterhaft umgesetzt, überraschend, berührend, vielschichtig, anspruchsvoll - und doch griffig (auch wenn es ein paar Durchläufe dafür brauchen mag).
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 2, 2015 5:59 PM CET


Across the river
Across the river
DVD ~ Marco Marchese
Preis: EUR 9,99

3 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Ärgerlich, 22. September 2014
Rezension bezieht sich auf: Across the river (DVD)
Okay, man ist ja selbst Schuld, wenn man einen schlechten Film kauft. Zum Beispiel einen Trashfilm. Aber da weiß man wenigstens, was einen erwartet (bzw. was man nicht erwarten darf), und dann darf man sich hinterher auch nicht beschweren. Ärgerlich sind jedoch die Art von Filmen, die - wie ACROSS THE RIVER - großartig beginnen (und das zu halten scheinen, was der Trailer versprochen hat), aber dann im weiteren Verlauf zum Rohrkrepierer werden. Das kann durch Logiklöcher passieren oder ein bescheuertes Drehbuch oder schlechte Schauspielerleistungen.

ACROSS THE RIVER scheitert daran, dass die Dramaturgie, die zunächst subtil (Kameraführung im "Found-Footage-Stil") und dann durch ein gruseliges Setting (verlassenes Dorf) perfekt aufgebaut wird, dann ereignislos versandet. Die aufgebaute Spannung schlafft ab, als der Protagonist nur noch durch leere Häuser schleicht und nichts passiert. Es werden zwar immer wieder Spannungspitzen angetäuscht, die jedoch nicht eingelöst werden. Stattdessen ermüdet die sich ständig wiederholende Szenerie so sehr, dass - als dann zum Ende hin doch endlich etwas geschieht (zumindest so halbwegs), es einen nicht mehr aus dem Halbschlaft herausreißt.

Es ist nicht der Minimalismus, es ist nicht das passende Setting, es ist das schlappe Drehbuch, das diesen Film letztlich versaut, und es verärgert regelrecht, dass da nicht mehr draus gemacht wurde. Insofern muss ich leider von diesem Rohrkrepierer abraten.


Behind the Sun
Behind the Sun
Preis: EUR 16,99

8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Vollendung des Vorgängeralbums, 19. März 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Behind the Sun (Audio CD)
Vor nicht einmal einem Jahr veröffentlichten MOTORPSYCHO ihr letztes Album "Still Life With Eggplant". Der Nachfolger "Behind The Sun" enthält offensichtlich Aufnahmen aus denselben Aufnahmesessions mit Reine Fiske als zusätzlichem Gitarristen. Packt man die gesamten 14 Songs zusammen, hätte das ein perfektes Doppelalbum wie aus einem Guss ergeben. Was bei "Still Life With Eggplant" einen - für ein Album - eher zerrissenen Eindruck machte, fügt sich mit "Behind The Sun" nun wunderbar zusammen.

Für Neueinsteiger: stilistisch bewegen sich die Norweger zwischen 70er-Spacerock und Stoner-Rock. Das komplexe Schlagzeugspiel des aus dem Jazz-Bereich kommenden Kenneth Kapstad gibt den mal rifflastigen, mal sehr melodischen Songs jedoch noch eine besonders druckvolle Note.

(1) "Cloudwalker" und (2) "Ghost" machen einen ungewohnt relaxten Einstieg. Während "Cloudwalker" noch mit sommerlichem Groove dazu einlädt, das Verdeck vom Cabrio endlich zu öffnen, folgt mit "Ghost" eine tiefenentspannte Ballade, die sich eher bei SIGUR ROS ankuschelt als bei MOTORPSYCHO selbst.

Wer sich nun bereits Sorgen um die Band macht, kriegt bei den folgenden (3) "On A Plate", (4) "The Promise" und (5) "Kvaestor" das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht - sofern man auf sehr gepflegte Riffs steht. "On A Plate" ist bester Kiffer-Rock, "The Promise" zieht das Tempo noch mal an, während "Kvaestor" als reines Instrumental ab Minute 4 dem Schlagzeuger Gelegenheit für ein hochtouriges Solo gibt.

(6) "Hell Pt. 4 - 6" setzt "Hell Pt. 1 - 3" vom Vorgänger-Album fort und wird in (9) "Hell Pt. 7" seinen Abschluss finden. Pt. 4 wartet mit schöner Melodie zu gepickter Akustikgitarre vor schönem Bass-Groove auf, ehe der Song in Pt. 5 in die Bewusstlosigkeit zu sinken droht, aus der er aber in Pt. 6 mit hypnotischem Dauerriff wieder geweckt wird. Zu Pt. 7 komme ich gleich. (7) "Entropy" ist ein weiterer Höhepunkt, eine schöne Midtempo-Ballade mit dem melodischsten E-Gitarrensolo auf diesem Album, ehe mit (8) "The Magic & The Wonder" noch einmal ordentlich abgerockt wird.

(9) "Hell Pt. 7" ist ein Biest. Der Schlusssong greift das Riff aus Pt. 2 (Vorgängeralbum) auf, aber derart wahnwitzig potenziert, als würden zehn E-Gitarren gegen zehn Schlagzeuge kämpfen und statt einer Bassbegleitung eine Büffelherde durchs Wohnzimmer rasen. Da fliegen die Späne, das man nur noch staunen kann, als würde MOTORPSYCHO den eigenen Stil so ins Absurde übersteigern, dass sie sich selbst damit aufs Korn nehmen. Das ist ebenso gewaltig wie amüsant.

So weit, so klasse! "Behind The Sun" ist besser als "Still Life With Eggplant", beide Alben zusammen ergeben aber Sinn. Man mixe sich alle sieben Teile von "Hell" direkt hintereinander und kann neben dem spacigen "Ratcatcher" und dem psychedelischen "Kvaestor" sehr ausgewogene und nicht unnötig ausufernde Rocksongs zwischen Melodie und ein bisschen Rockwahnsinn genießen. Beide Alben gehören unbedingt in die Sammlung, und auch für Neueinsteiger ist "Behind The Sun" absolut geeignet.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 22, 2014 12:34 AM CET


The Jim Jones Revue
The Jim Jones Revue
Preis: EUR 13,69

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Boogie-Woogie meets Punk, 20. Februar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: The Jim Jones Revue (Audio CD)
Das auf dem Cover abgebildete Klavier hat gelitten, wie man sieht - und wie man auf dem Debüt-Album der JIM JONES REVUE auch hört: absolut psychotischer, überdrehter Boogie-Woogie und Rock'n'Roll, wie Jerry Lee Lewis auf Ecstasy und mit einem brennenden Chinaböller in der Hose. Eigentlich ist die Aufnahme total übersteuert und dürfte bei jedem Hi-Fi-Fetischisten zu Ausschlag führen. Aber wisst ihr was? Mir gefällt gerade das! Dieses völlig hyperaktive Geschrei, dieser ungehobelte Sound, der permanente Tritt aufs Gaspedal - das macht so unglaublich viel Spaß und ist extrem kurzweilig.

Die Band nahm die 10 Songs innerhalb von zwei Tagen im Probenraum auf. Es folgten ein Plattenvertrag und zwei weitere Alben, die selbstverständlich besser produziert sind und auch noch ordentlich Dampf machen, die allerdings auch viel glatter klingen und nicht mehr diesen hingerotzten Charme des Debüts haben. Anspieltipps: "Rock'n'Roll Psychosis", "Hey Hey Hey Hey" und "Fish 2 Fry".


Rev
Rev
Preis: EUR 16,77

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zurück zu den Wurzeln, 7. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Rev (Audio CD)
Nein, ich hatte den Reverend nach dem letzten regulären Studioalbum "Laughin' And Cryin'" schon abgeschrieben. Das war 2009. Denn statt Psycho- und Rockabilly war da nur noch gediegener Country zu hören, nett zwar und musikalisch sicherlich hochwertig, aber ohne den Biss, für den ich diese wilde Band doch so liebte.

Mit "Rev" haben die Drei aber die Kurve wieder gekriegt. Haben sie eine Testosteron-Kur hinter sich? Oder wieder ordentlich Martini gekippt? Auf jeden Fall rotzt der Rock von Anfang an aus den Boxen, da wird schon im ersten (Doppel-)Song "Victory Lap/Smell Of Gasoline" ordentlich das Gaspedal durchgetreten. Das ist zwar nicht mehr so brachial wie seinerzeit "Psychobilly Freakout", aber dieselbe Energie wie damals, nur dass die Band diese in noch ausgereifterem Songwriting bündelt. "Schizoid" geht dann so ein bisschen in Richtung "Psychobilly Freakout", "Let Me Teach You How To Eat" eignet sich als eingängiger, erster Anspieltipp, "Spooky Boots" nimmt in seiner fast schon dramatischen Melancholie eine Sonderstellung ein. Erst ab Song 8 ("My Hat") ist mehr Old-School-Rock'n'Roll zu hören.

Ich gebe zu, beim ersten Hören klang zwar alles wie aus einem Guss, aber nicht wirklich neu; so manches Gitarrenlick verschaffte eher ein Déja-Vu in Bezug auf andere Band-Klassiker. Und klar, die Spielarten des Rock'n'Roll und Boogiewoogie sind auch eher eingeschränkt, wenn die Songs auf dem üblichen Bluesschema gründen. Aber spätestens beim dritten Hören kommen die Feinheiten raus, die ausgefeilten und hier auch ausgedehnteren Gitarrensoli, die Rhythmus- und Tempowechsel, da wird zum Schluss noch mal angezogen, die Gretsch-Gitarre geschrubbt, die Double-Base hochgefahren und auf dem Bass geslapt, dass es die wahre Freude ist. Und - zum ersten Mal gibt es auf einem Reverend-Album keine schwachen Songs, keinen Griff nach der Skip-Taste. "Rev" macht durchgängig Dampf und gute Laune!

Sollte es gar mein Lieblingsalbum vom Reverend werden? Das wäre vielleicht verfrüht. Aber 5 Sterne sind es allemal! Also: wer Rock'n'Roll, Rockabilly und Psychobilly liebt, sollte sich unbedingt mit diesem Album beschäftigen!


New Chautauqua (Touchstones Edition/Original Papersleeve) [Original Recording Remastered]
New Chautauqua (Touchstones Edition/Original Papersleeve) [Original Recording Remastered]
Preis: EUR 7,99

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Kleinod des Jazz und Folk, 30. Oktober 2013
Pet Metheny ist einer der ganz großen Jazz-Gitarristen, der auch mit den anderen ganz Großen im Jazz schon zusammengespielt hat. Man könnte jetzt ebenso ausufernd wie begeistert über sein Gesamtwerk, seinen charakteristischen Stil, die musikalische Bandbreite seines Schaffens referieren. Hier möchte ich jedoch nur ein kleines Frühwerk hervorheben, das - als drittes Album 1978 veröffentlicht - bis heute doch eine stilistische Ausnahmestellung unter Metheny's Alben einnimmt.

Auf NEW CHAUTAUQUA präsentiert sich Metheny als Solist auf verschiedenen Akustischen, E-Gitarre und Bass. Stilistisch kann man die (rein instrumentalen) Songs eher schon dem Folk zuordnen, was durchaus als Anreiz zum Reinhören verstanden werden soll, auch wenn man mit Jazz sonst überhaupt nichts anfangen kann.

Das schwungvolle Titelstück eröffnet den Reigen wie ein Soundtrack zu einem Roadmovie, weckt Lust, sich an einem freundlichen Sommermorgen ins offene Cabrio zu setzen und ins Blaue zu fahren. Bis man mittags irgendwo im ländlichen Nirgendwo zur Miniatur COUNTRY POEM eine Pause in der Hitze einlegt. Der zweigeteilte Zehnminüter LONG-AGO CHILD / FALLEN STAR wartet dagegen mit einem kühlen, düsteren Stimmungswechsel auf, eine in hoher Tonlage gezupfte E-Gitarre erzeugt eine mystisch-meditative Gewitterstimmung, die sich in der zweiten Hälfte zu fließender, an- und abschwellender Akustikgitarre ausregnet.

Mit HERMITAGE folgt eine Ballade mit leicht angebluestem Einschlag, dessen wunderschöner Melancholie man sich kaum entziehen kann. SUENO CON MEXICO ist das genaue Gegenteil davon: eine fröhliche, munter gepickte Geschichte mit spanisch-folkloristischen Einflüssen, die mitten ins Herz hinein strahlt. Und wer immer schon mal wissen wollte, wie man die Morgendämmerung bis zum Durchbrechen des ersten Sonnenstrahls vertont, wird dies beim abschließenden DAYBREAK in Perfektion erleben.

NEW CHAUTAUQUA führt uns durch alle Stimmungslagen, zaubert ein wunderschönes Kopfkino herbei, ist in sich völlig stimmig, harmonisch, strahlend, berührend und im besten Sinne entspannend! Ich wurde in den 80ern an das Album herangeführt, habe es dann (innerlich wie äußerlich) verloren, weil ich mich mehr mit psychedelischem Hardrock beschäftigte - und habe es jetzt wiederentdeckt, um es noch mehr zu lieben als damals!

Die remasterte Edition wartet mit warmem, transparentem Klang auf. Die CD befindet sich in einem einfachen Pappcover, das man, wie seinerzeit die LP, aufklappen kann; unspektakulär aber schnuckelig, außer dass das ganze Teil so schmal ausfällt, dass man die Beschriftung auf dem Rücken kaum lesen kann.


5 Album Set (Lost Souls / The Last Broadcast / Lost Sides / Some Cities / Kingdom Of Rust)
5 Album Set (Lost Souls / The Last Broadcast / Lost Sides / Some Cities / Kingdom Of Rust)
Preis: EUR 14,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Muss für den Fan anglophilen Poprocks, 10. Oktober 2013
Sie sind Briten und werden oft in die COLDPLAY-Schublade gesteckt, aber diese sprengen sie. Ihr gitarrenorientierter Pop ist höchst melodisch. Sie klingen oft ein bisschen retro, meist melancholisch, oszillieren zwischen kraftvoll-treibenden Songs und zarten, kitschfreien Balladen. Die Melodieverläufe brechen immer wieder mal aus, die Arrangements sind abwechslungsreich, und doch ist ihr Stil unverkennbar.

Vor allem: für einen Spottpreis gibt es die kompletten fünf ersten Alben: das Debüt "LOST SOULS" (2000), das Magnum Opus "THE LAST BROADCAST" (2002), die B-Seiten-Sammlung aus diesen beiden Alben "LOST SIDES" (2003) und die nicht minder starken Nachfolger "SOME CITIES" (2005) und "KINGDOM OF RUST" (2009). Leichter kann einem der Einstieg in diese Band nicht gemacht werden, daher unbedingte Kaufempfehlung.


Blackfield IV
Blackfield IV
Preis: EUR 9,99

6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Kleines schnuckeliges Pop-Ding, 30. August 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Blackfield IV (Audio CD)
BLACKFIELD - das ist eine Band in Co-Produktion zwischen dem britischen Prog-Meister STEVEN WILSON und dem israelischen Popstar AVIV GEFFEN, die 2004 das gleichnamige Debütalbum veröffentlichten. Der melancholische Poprock, der hier dargeboten wurde, zählt m. E. zu dem Besten und Schönsten, was die Band produziert hat.

Nun zog sich STEVEN WILSON, der in den Folgejahren mit seinem Hauptprojekt PORCUPINE TREE und neben vielen Nebenprojekten seit 2008 vor allem seine sehr progressiven Solo-Projekte pflegte, immer mehr aus diesem hier zurück, so dass er auf dem vierten BLACKFIELD-Album nur noch in homöopathischer Dosis mitwirkt. Was sich auf dem Vorgänger "Welcome To My DNA" schon abzeichnete, ist auf "IV noch ausgeprägter: jegliche progressive Einflüsse eines Steven Wilson sind verschwunden, dafür schwelgt das Album ausschließlich in Geffens großen Pop-Gesten.

Will sagen: alle Songs sind von Geffen geschrieben. Das ist nicht schlimm, denn seine Melodieverläufe und Refrains wissen, wie man Gänsehaut verursacht. Und dennoch will sich Ärger und Enttäuschung einstellen: zunächst droht Geffen - vor allem in "Jupiter" - in die Sparte "Schlager" abzukippen. Zweitens wirken die Songs nicht richtig auskomponiert und werden meistens abrupt abgewürgt, wenn mit Orchestern und elegischem Melodiebogen gerade erst Stimmung aufgebaut wurde. Drittens sorgt die Spieldauer von gerade mal 31 Minuten für Zähneknirschen - zumal weil bei dem Songmaterial nicht nur mehr Spielraum, sondern auch Spieldauer drin gewesen wäre.

Das "Schlimme" dabei ist: man kann diesem Album trotzdem einfach nicht böse sein! Geffen fängt einen immer wieder mit seinen Melodien ein, allen voran "Pills", "Springtime", "X-Ray" oder "Kissed By The Devil", auch die mit Harfe vorgetragene Miniatur "The Only Fool Is Me". Der Fan des Stadionrock wird das arg kommerzielle "Sense Of Insanity" ebenso lieben wie "Lost Souls", und die Gastsänger fügen sich gut in das Gesamtbild ein.

Bevor nun meine Rezension länger wird als das Album selbst: BLACKFIELD IV ist ein schnuckeliges kleines Dream-Pop-Album, ein leckerer Snack für zwischendurch - auch wenn es nie aus dem Schatten zumindest der ersten beiden Alben heraustreten kann.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 31, 2013 11:56 AM MEST


Kveikur
Kveikur
Preis: EUR 7,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen SIGUR RÓS auf neuen Wegen, 26. Juni 2013
Rezension bezieht sich auf: Kveikur (Audio CD)
"KVEIKUR" ist das siebte Studioalbum der isländischen Band SIGUR RÓS, und wie bisher wandeln sie auch bei diesem ihren sehr charakteristischen Stil etwas ab. Noch nie war ein Album der Band so griffig und druckvoll und gleichzeitig so nah dran am Pop. Das dürfte denjenigen Hörern, die mit SIGUR RÓS bislang nichts anfangen konnten, den Zugang sehr erleichtern, mehr als alle früheren Alben.

Die Produktion ist sehr fett, als wollte das verbliebene Trio den Ausstieg des Keyboarders dadurch kompensieren. Damit stellt "KVEIKUR" quasi das Gegenstück zum luftig-flüchtigen Vorgänger "VALTARI" dar oder zum eher kammermusikalisch instrumentierten Vor-Vorgänger "MED SUD I EYRUM VID SPILUM ENDALAUST". Weiterhin verzichtet die Band auf die weitschweifigen, elegischen Spannungsbögen der Alben davor, denn bis auf den Opener "Brennisteinn" sind alle Songs auf Längen unter 7 Minuten komprimiert.

Sie "kommen also zur Sache", als wollten sie das schwache, verhuschte letzte Drittel von "VALTARI" schnell vergessen machen: "Brennisteinn" und "Kveikur" gehören zu dem Düstersten und Druckvollsten, was SIGUR RÓS je geschrieben haben, und auch zu dem Besten! Da vermischen sich kontinuierlich Hölle und Himmel, schwebender Engelsgesang mit düsteren Abgründen, elektronische Gewitter mit feierlich-getragenen Bläsern.

Immer wieder werfen Verzerrungen und Störgeräusche dunkle Schatten auf Musik und Melodie, ohne diese jedoch zu beeinträchtigen. Jonsis Gesang wird oft mit Effekten belegt, da gibt es Verzerrungen oder Rückwärtsecho, das mal engelsgleich entrückt, mal gespenstisch klingt. Und hintergründige Samples setzen wohlplatzierte Akzente. Selbstverständlich gibt es auch luftige Momente in den Songs, so wie in "Hrafntinna", wo die fast sakral anmutenden Bläsersätze zum Ausklang mitten ins Herz hinein treffen.

Bleibt noch Erklärungsbedarf für den Begriff "poppig": straighte Drumloops geben der Musik von SIGUR RÓS klarere Strukturen denn je, und so wird das überragende "Ísjaki" trotz seines wolfsähnlichen Geheuls fast zu einem Tanzhit. Allerdings empfinde ich diese neue Eingängigkeit bei den Songs "Stormur", "Rafstraumur" und "Bláþráður" eher schon als Makel; solche Titel werden sich im großen Stadion sicherlich gut machen, ich empfinde sie allerdings schon fast zu gewöhnlich und gefällig, zu glatt und zu nett - auch wenn sie immer noch eindeutig nach SIGUR RÓS klingen. Hier hat "KVEIKUR" leider durchaus Schwächen. Auch "Yfirborð" wirkt unentschlossen, jedenfalls kriege ich die langsam schwebenden Gesangslinien noch nicht mit dem schnellen Programming im Hintergrund überein.

"Var" stellt als ruhiges Piano-Instrumental dann wieder einen sehr schönen Ausklang dar und erinnert in seiner schönen Schlichtheit noch einmal an "VALTARI".

Da vier von neun Songs nicht zünden wollen, gebe ich einen Stern Abzug, "Brennistein", "Hrafntinna", "Ísjaki" und "Kveikur" allein sind aber schon die Anschaffung dieses Albums wert, auf dem SIGUR RÓS neue Klänge probieren, ohne ihre Identität und ihren charakteristischen Klang zu verlieren.


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