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Rezensionen verfasst von
Anonym

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Johannes Mario Simmel: Bis zur bitteren Neige (Filmjuwelen)
Johannes Mario Simmel: Bis zur bitteren Neige (Filmjuwelen)
DVD ~ Maurice Ronet
Preis: EUR 12,99

5.0 von 5 Sternen Gott schütze die Simmel-Romane Teil 5 - der Tod in Wien., 23. Juli 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
„Lass mich dein Schatten sein“ (Malcolm Lowry)
Johannes Mario Simmel und Gerd Oswald spielen Luchino Visconti, aber nicht im Venedig des Fin de Siecle sondern im Wien der 1970er. Maurice Ronet als versoffener Ex-Hollywoodstar Jordan, der aus seiner toten Beverly Hills-Ehe mit einer steinreichen, ihn allzu sehr liebenden Frau (und seinem heimlichen Verhältnis mit ihrer Tochter) nach Wien zu Dreharbeiten eines Spielfilms entflieht. Aber die Dramen kleben ihm am Fuss. Susanne Uhlen als Ronets Stieftochter ist grandios tragisch, Suzy Kendall als Ehefrau wirkt perfekt amerikanisch-banal und undurchschaubar gleichzeitig. Es komplettieren den wunderbaren Cast: der großartige Karl Renar (bekannt aus vielen grossen Ringelmann- Derricks!) als Faktotum „Mörtel“, Ferdy Maine ("Tanz der Vampire") als Jordans boshafter Gegenspieler Wallace, und Christine Wodetzky als Notärztin mit russischem Namen die sich an Ronets Fersen heftet, um die langsame, fast behaglich sich vollziehende Selbstzerstörung zu verhindern.
Und Maurice Ronet selbst in bewährt Ego-entfremdeter Art legt obendrein noch eine gespenstisch tolle Tony Curtis-hafte Stepnummer vor dem versammelten Filmteam hin. Überhaupt ein Totentanz das Ganze, eine letzte Runde für den untergehenden Star Jordan, in dem sich fast unheimlich Ronets eigenes Schicksal spiegelt. Der Film hat etwas Zeitlupenhaftes, er zelebriert Niedergang und Psychohorror im Schlaftabletten-Fiaker-Rythmus, manchmal quälend, aber stets faszinierend. Klaus Doldingers Kitsch-Musik pathetisiert und arpeggiert dazu verträumt vor sich hin. Und Charly Steinbergers Kamera ist mit ihren sanft bohrenden, weichgefilterten Gegenlichtern delirierender denn je.
Gerd Oswald ist mit "bis zu bitteren Neige" ein überraschend grosser Wurf gelungen, ein schleichend packendes "Spiel im Dasein", das ganz sachlich und kühl daherzukommen scheint, das den Simmel-Kosmos nicht in Alfred Vohrer`scher Barockmanier wild verdreht, und das gerade dadurch eine doppelt magische Wirkung ausstrahlt.
Einer der mit Abstand stärksten Filme der Simmel-Waldleitner-Reihe.


Dame König As Spion
Dame König As Spion
DVD ~ Gary Oldman
Preis: EUR 5,00

2.0 von 5 Sternen Carré kleinkariert, 5. Juli 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Dame König As Spion (DVD)
Ganz schwacher Versuch, John le Carrés Klassiker in Nescafé-Pulver-Form klein zu häckseln und den grossen Autor im- dem "zeitgemässen" Vorurteil über die 1960er entsprechend aufsitzend- wirklich lächerlich blaugrauen Kalten Kriegs-Look an neue Zuschauer- Generationen meistbietend zu verscherbeln.
Nichts von der Komplexität des ursprünglichen Stoffs bleibt übrig, nichts von der Labyrinthik der realen Front-Verläufe, die Figuren inklusive Smiley sind heruntergeschrieben zu Reitern ihrer Prinzipien, psychologisch flach und zügig exekutiert. Peinlich. Wenn Le Carré solche Verfilmungen nötig hat, um heute noch bestehen, dann wirft dies ein beängstigend ungutes Licht auf die gegenwärtige Kino-Zuschauerschaft.
Bitte dringend nur den BBC-Mehrteiler desselben Romans anschauen!


24 Stunden in seiner Gewalt
24 Stunden in seiner Gewalt
DVD ~ Mickey Rourke
Wird angeboten von jp-top-dvd
Preis: EUR 8,90

5.0 von 5 Sternen Tour de Force, 3. Juli 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: 24 Stunden in seiner Gewalt (DVD)
Es war klar, daß Michael Cimino durch seinen gestrigen Tod augenblicklich zum Mythos erklärt werden würde. Ciminos kolossales Lebens-Werk erzählt von Mensch, Natur, amerikanischer Geschichte, von viel Blut, umkämpftem Boden, von Verzweiflung und Grössenwahn.
Auch das Kino ist eine Sache auf Leben und Tod. Und kaum einer hat dies das Hollywood-Establishment so spüren lassen - und dann in retour dessen Rache ebenso gnadenlos zu spüren gekriegt- wie Michael Cimino. Aber seine Kunst wird alle Skandale überleben.
Nachdem sein einstmaliger Super-Gau-Western "Heaven`s Gate" vor einigen Jahren endlich als Meisterwerk rehabilitiert wurde könnte man sich nun mal den mehr oder weniger missachteten drei höchst gelungenen Filmen danach zuwenden. Zunächst natürlich "Year of the Dragon", der soeben in Frankreich in einer Luxus-Edition herausgebracht wurde. Dann "24 Stunden in seiner Gewalt" und schliesslich "Der Sizilianer".
Hier nun in Kürze, was für Ciminos "24 Stunden" spricht. Er ist ein Remake, klar, und zwar von Wylers "An einem Tag wie jeder andere" von 1955, der war schwarz-weiss und noch spürbar dem gleichnamigen erfolgreichen Theaterstück (Joseph Hayes) nachgebaut, mit starker Starbesetzung, vor allem mit Humphrey Bogart als Eindringling und mit Frederic March als Patriarch der in Geiselhaft genommenen Familie.
"24 Sunden" ist ein 90er-Jahre Update des Stoffs. Rasant vom ersten Moment an, brutal, kompromisslos. Mickey Rourke und Anthony Hopkins quasi als Bogart und March lassen die Figuren des guten Familienvaters und des bösen Gangsters noch mehr ineinander verschwimmen als in der Wyler-Version.
Im Grunde spiegelt sich in dieser Ambivalenz der Charaktere auch Ciminos ganze Karriere: der angebliche bad guy, der Regisseur, der UA mit seinem behaupteten Grössenwahn bei "Heaven`s Gate" schrottete - er war eigentlich der good guy, er war derjenige, der dem moralisch bankrotten Allmachtsanspruch des an Selbstüberschätzung dahinsiechenden Produzentenkinos seine künstlerische Genialität entgegenzustellen versuchte. Ich zitiere aus einem Interview, das Cimino 2015 mit Fritz Göttler in der SZ führte, und in dem er erklärte, warum er manchmal Tage für ein einziges Landschaftsbild benötigte: "Die Indianer glauben, alles hat einen Spirit. Der Berg sagt sich: Ich werde diesen Burschen testen. Denn der Berg gibt dir nicht automatisch seine Schönheit. Er schaut, ob du ihresgleichen bist. Wenn du beweist, dass du es bist, wird er dir erlauben, sie zu sehen."
Ganz gross in "Desperate Hours" sind auch Kelly Lynch als Rourke`s ihm hörige Anwältin und Elias Koteas als sein Bruder.
Wenn man Volldampfkino mag -das sich manchmal nicht um die Begleitschäden schert- dann ist Ciminos Version die weitaus bessere als der gediegene Schwarz-Weiss-Klassiker. Erst in "24 hours" merkt man nämlich, daß die Gewalt, die in dieser Geschichte ausgeübt wird, im Grunde befreiend ist. Sie ist eine Tragödie, aber sie ist auch ein ersehnter, unkontrollierbarer Ausbruch von Ehrlichkeit in einer komplett verlogenen Gesellschaft.
7 Sterne.


Blackhat
Blackhat
DVD ~ Chris Hemsworth
Preis: EUR 7,99

4.0 von 5 Sternen Schaltet das Netz ab!, 20. Juni 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Blackhat (DVD)
In Michael Manns "Blackhat" geht es primär um die Digitalisierung der Welt. Es geht darum, erzählerisch darzustellen, dass diese technische Entwicklung im Grunde nichts Geringeres als eine Katastrophe ist, weil sie die Menschheit an sämtlichen neuralgischen Punkten der Globalisierung in ihrer Versorgung und in ihrer technischen und kommunikativen Entwicklung noch verletzlicher macht als sie es in der analogen Zeit schon war.
Michael Mann baut um diese These - Untertitel "Wer kontrolliert das Web?"- einen spannenden Hacker-Thriller mit "Thor" Chris Hemsworth. Das Web ist natürlich überhaupt nicht zu kontrollieren. Kriminelle und Terroristen können darin beliebig ein- und ausgehen und haben nun seit 25 Jahren das grösste denkbare Paradies zur Verfügung gestellt bekommen, um ihre Operations-und Gewinn-Chancen drastisch zu erweitern.
Der Film stellt optisch eindrucksvoll und exemplarisch dar, wie durch digitale Eingriffe die Überhitzung eines Atommeilers in China und das völlige Durchdrehen der Börsenkurse gesteuert werden können. Hemsworth - als hochbegabter Computervirtuose und fabelhafter Actionheld (eine in der Wirklichkeit wohl eher seltene Kombination)- jagt im Auftrag des FBI die Drahtzieher der Hacker-Kriminalität in den USA, in China und bis nach Indonesien.
Der Kontrast zwischen aufwendig gestalteten Netz-Grafiken und erfreulich analogen Schlägereien (mit zum Ende hin immer gnadenloseren Überlebenskämpfen der Helden) ist herzerwärmend. Die in den Kommentaren weithin beanstandete Liebesgeschichte ist vielleicht überflüssig, stört aber nicht weiter die entwaffnend klare Botschaft des Films: Schaltet das Netz sofort ab!


Operation Walküre - Das Stauffenberg Attentat
Operation Walküre - Das Stauffenberg Attentat
DVD ~ Tom Cruise
Preis: EUR 6,91

3.0 von 5 Sternen Mission impossible, 18. Juni 2016
Von Teilen der in den Ablauf der Produktion eingebetteten deutschen Filmkritik allzu hoch gehypter US-Versuch, das Stauffenberg-Attentat in Planung und Konsequenzen zu erzählen. Teuer, mit Tom Cruise. Grüngraue Uniformen en masse, mässig gute Visual effects (Bendlerblock mit Nazibeflaggung!!). Man sieht hoch interessante Talking heads (darunter auch einen sehr guten Hitlerdarsteller- David Bamber) mit leider sehr markigen Dialogen. Dazwischen völlig untaugliche Versuche, Stauffenbergs Familienleben zu bebildern: seine Söhne lachend mit Schwertern im Schlafanzug, die kleine Tochter fröhlich mit Soldaten-Mütze auf dem Kopf, die Ehefrau mit bangem Blick, ein Fliegerangriff kommt und eine Wagner-Schallplatte dreht sich ekstatisch dazu, inklusive der Kamera. Unfug.
Tom Cruise hervorragend, Thomas Kretschmann und Christian Berkel noch besser. Aber Regisseur Bryan Singers ("The usual Suspects", "X-Men") Vorstellung von Kinematographie ist dennoch zu beschränkt, um dem Geschehen die Härte und Gnadenlosigkeit zu verleihen, die es benötigt. Dauernd düst er mit der Kamera um die Darsteller herum, damit die Dialogszenen visuell moderner daherkommen. Es fehlt ihm die angemessene formale Strenge und Grösse. (Hätte er sich lieber mal bei Andrzej Wajdas "Katyn" bisschen was abgeguckt!)
Beste Szene: als die Meldung vom angeblichen Tod des Führers die Nachrichtenmädchen in Berlin erreicht. Die Erschütterung, die hochgehobenen Hände - weil alle gleichzeitig auf den Fernschreibern dieselbe Meldung erhalten- die erschrockenen Gesichter, die Tränen.
So kommt man aber der Vergangenheit nicht bei. Wer historisch interessiert ist, hält sich besser an Franz Peter Wirths "Operation Walküre", dem hervorragend nüchternen und umso wirkungsvolleren Dokumentarspiel aus den 60iger Jahren.


Le Monde Musical de Truffaut
Le Monde Musical de Truffaut
Preis: EUR 27,06

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Traum des rasenden Kino-Liebhabers, 6. Juni 2016
Rezension bezieht sich auf: Le Monde Musical de Truffaut (Audio CD)
Francois Truffauts Film- Musiken vereinen sozusagen den Wunschtraum des Kinos- den es vielleicht schon hegte im Moment seiner Geburt im Berliner Wintergarten? - für immer nur und ausschliesslich sich selbst zu genügen. Sich selbst zu gehören, wie die Malerei, die Literatur. Irgendwo angesiedelt zwischen Zuschauer-Becircung und Ekklektizismus (das schwere Wort bezeichnet die avantgardistische Forderung, vorhandene Erzählformen permanent völlig neu zu ordnen) wirken diese Musiken auch vollkommen ohne die Filme. Sie sind ein Kaleidoskop von widersprüchlichen Emotionen, sie sind eine geölte Gefühls-Maschinerie zwischen Spannung, Leidenschaft, Sehnsucht, Anmut, Sentimentalität, Mitleid....und einem gewissen - und zwar erstaunlich hohen- Anteil von Lebenshärte und Grausamkeit, ohne den Truffaut nun mal nicht zu haben ist.
Wenn die 4 Komponisten Antoine Duhamel, George Delerue, Maurice Jaubert und der Amerikaner Bernard Herman - deren Werke in dieser wunderbaren CD-Sammlung erstmals chronologisch, der Truffaut-Filmographie gemäss, aneinandergereiht sind - den Taktstock heben dann hüpft das Herz des Hörers. Fröhlich-melancholische Walzer (vor allem bei Delerue), barock wirkende Adagios, rasante Tempo-Komödien- oder Drama-Musiken, komplexe Arrangements (vor allem bei Duhamel und Jaubert) und Chansons. Truffaut hat seine Filme gebaut wie ein Kind, aus verblüffenden Szenen, aus seltsamen, liebenswerten Figuren mit rührenden Ticks und Besessenheiten, aus neu formulierten Worten der Liebe, aus innovativ gebastelten Erzähl-Versatzstücken - und aus Musik-Bauklötzen.
Er war ein sehr altes Kind und wusste viel. Das hört man hier.
Absolut maximale Wertung: 10 Sterne


Der Staat gegen Fritz Bauer
Der Staat gegen Fritz Bauer
DVD ~ Burghart Klaussner
Wird angeboten von schnuppie83
Preis: EUR 12,24

0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen der dritte fritz bauer, 6. Juni 2016
Rezension bezieht sich auf: Der Staat gegen Fritz Bauer (DVD)
Dieser Film ist sozusagen der kleinste gemeinsame Mittelwert der absurdesten Perücken-Parade, die der deutsche Film in seiner Geschichte je gesehen hat. Zunächst Gerd Voss im "Labyrinth des Schweigens": sehr ehrenwert, durch Bauers Haartolle nicht allzu entstellt, langweiliger Film.... Dann Burkhart Klaussner, Perücke Note 6 minus, grotesker Mabuse-Style, der Film ganz ok... Und dann noch Ulrich Noethen: das Haarstyling diesmal halbwegs akzeptabel, dafür der Film - nach den beiden anderen - völlig überflüssig.
Das ist also germanische Filmförderung: 3 Filme zur selben bundesdeutschen historischen Gestalt innerhalb von zwei Jahren? Lachhaft.
Fritz Bauer war ein grosser Mann, die Spielfilme über ihn sind alle drei-vor allem eben in ihrer Verdreifachung- beschämend.
Greifen Sie lieber zu den Fritz-Bauer-Dokus von Absolut Medien.


Pickpocket - SZ-Cinemathek 74
Pickpocket - SZ-Cinemathek 74
DVD ~ Robert Bresson
Wird angeboten von cinecitta69
Preis: EUR 7,48

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Welch einen seltsamen Weg musste ich nehmen um zu dir zu gelangen", 5. Juni 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Pickpocket - SZ-Cinemathek 74 (DVD)
"Pickpocket" (Robert Bresson, 1959) ist dies alles: genial anmutige Choreographie des Taschendiebstahls, Verlust der "Gnade", Verlust der Liebe, und Sehnsucht nach Erlösung. Hauptfigur ist ein innerlich "gefallener" junger Mann, Michel, der den Triumph seines virtuosen Langfinger-Könnens geniesst: "Ich ging nicht mehr auf der Erde. Ich beherrschte die Welt" sagt der Ich-Erzähler. Einmal gibt es eine tolle moralische Debatte um die Legitimation des Diebstahls (auch für die todkranke Mutter, die der zerrissene Held zwar unterstützt aber nicht sehen will), und zwar mit einem Polizeikommissar, der ihn erst mal noch nicht überführen kann. Sind Gesetze verbindlich für alle?
Das Ende des Films sei nicht verraten.
Nach "Les Anges du Peche" und dem fantastischen "Les Dames du Bois de Boulogne" schwenkte Bresson in den 50ern zum Laientheater um, nannte seine ab da fast völlig unbekannten Hauptdarsteller seine "Modelle" und wollte nichts mehr von Schauspielern wissen. Dies hat seinen Filmen nicht immer nur gut getan. Wenn man mal vom wundervollsten all seiner Laiendarsteller absieht, dem Esel "Balthazar" im gleichnamigen Film.
Hier, in "Pickpocket" ist Bresson auf seinem inhaltlichen und stilistischen Höhepunkt, hier funktioniert alles schlafwandlerisch sicher auf einem Hochseil. Autorenkino in Vollendung.
Zehn Sterne.


Spetters [Blu-ray] [Limited Collector's Edition]
Spetters [Blu-ray] [Limited Collector's Edition]
DVD ~ Jeroen Krabbe
Preis: EUR 26,99

5.0 von 5 Sternen Jung und frei...., 1. Juni 2016
ACHTUNG SPOILER
Liebenswerte, wenn auch gleichzeitig zutiefst grimmige und manchmal beachtlich drastische Provinz-Milieustudie Ende der 70er, mit 3 holländischen Motocross-Fahrern im Mittelpunkt.
Am Horizont über dem Fluss rauchen noch die Fabriken, die kleine Stadt ist sehr christlich und die männliche Jugend würde sich tierisch langweilen gäbe es nicht Motorräder und Mädchen, inklusive spät-pubertären Anwandlungen wie Geschlechtsteil-Vermessungen. Die ehrgeizige Frittenbuden-Monroe Fientje (Renée Soutendijk) frisiert die begabte kleine Rennfahrer-Truppe erotisch und geschäftlich eine Etage teurer, schläft darüberhinaus noch mit dem örtlichen Fernsehreporter, und sofort haben sie japanische Sponsoren und bessere Mopeds (holländisch: 'Bromfiets"). Vor allem der talentierte Rien berechtigt zu grössten Hoffnungen. Eef, der Mechaniker, hat Probleme mit seinem prügelnden erzreligiösen Vater und mit seiner Sexualität. Der dritte, Hans, wartet etwas geduldiger auf seine Chancen - sowohl auf der Motocross-Strecke wie bei Fientje.
Rien baut einen tragischen Unfall und ist gelähmt, Ende der Karriere. Auch Gott kann ihm nicht mehr helfen.
Eef beklaut die Schwulen, die nachts durch die Fußgängerzone von Rotterdam schleichen. Dafür wird er von mehreren Männern vergewaltigt und stellt fest, er mag es.
Hans bekommt von Gerrit, dem Motocross-Weltstar (Rutger Hauer) auf demütigende Weise seine Grenzen gezeigt und wird auf der Rennstrecke gnadenlos vorgeführt.
Alles endet in Tod und Trümmern und zerstörten Träumen- und dann doch nicht ganz..
Was für eine versunkene Jugend-Welt. Zynisch, sarkastisch und sehnsüchtig. Eine Jeunesse dorée, die mit der heute unbegreiflichen Einsamkeit, nicht ständig elektrische Nachrichten zu kriegen und von sich zu geben, ohne Facebook, Likes und Dauerkommunikation klar kommen mußte. Sowie auch mit der damaligen unendlich scheinenden Grösse der Erde. Nach Kanada will Fientje- Anfangs der 70er ein echt exotischer Aussteiger-Traum. Zur Liebe im Wohnwagen und zu Gesprächen über Zukunftsträume spielt das Radio entfernt 'San Fernando" von Abba oder 'Griechischer Wein"' von Udo Jürgens. Die Dialoge sind von herber Zärtlichkeit. Was wie ein lustiger Jugendfilm beginnt, wird eine bittere Groß-Satire, wird eine wie im deutschen Titel versprochene "knallharte" Volksbelustigung und ein erzählerischer Exzess gleichzeitig.
Ein Epos- sehr schöne Titelmelodie von Ton Scherpenzeel, damals bei der holländischen Popgruppe '"Kayak"'- und sozusagen das Ende des Frühwerks von Verhoeven, der für "Spetters" höchst giftig und politisch organisiert beschimpft wurde, und der danach nur noch einen Film in Holland drehte ("Der 4. Mann"). Es folgte die europäisch-amerikanische Großproduktion "Flesh and Blood" und dann endlich der Sprung über den Teich mit den bekannten legendären Konsequenzen.
Der Darsteller des Rien, Hans van Tongeren, beging ein Jahr nach dem Film Selbstmord. Ein Tod wie ein Menetekel über dem nur kurz blühenden holländischen Subversiv-Kino.
Kombinierte DVD/BluRay-Ausgabe mit Christoph Hubers freudig-enthusiastischem Text und endlosen tollen Extras. Darunter ein Making of, bei dem auch ein damaliges Mitglied der holländischen Filmförderung interviewt wird, der - wie alle anderen aus der einstigen Jury- das Drehbuch "Mist" fand, klischeehaft, oberflächlich und "kommerziell" (damals ein schlimmes Schimpfwort unter Auswahljurys). Drehbuchautor Soetemans antwortet heute darauf: '"Man wird von den Kommissionen wie ein Kleinkind behandelt, egal ob man erfolgreich ist oder nicht." Verhoeven steht daneben, schäumt und witzelt noch immer über den Vorgang. Eingereicht wurde nach der Ablehnung des Projekts damals ein zweites Drehbuch, alle Zoten waren daraus verschwunden, stattdessen eine "einfühlsame Familienkomödie". Gedreht wurde dann heimlich aber doch das Ur-Drehbuch. "Eine vertretbare Guerillataktik. Alle Mittel sind recht, solche Leute zu bekämpfen", sagt Verhoeven dazu. Klar, einen Film wie diesen kriegt man nicht mehr hin in einer auf pädagogisch wertvollen Pseudo-Kommerz fixierten beamteten Förderlandschaft. Dafür brauchte es auch eine innere und äussere Freiheit und Radikalität, die das Kino in Europa damals virtuos pendeln liess zwischen Filmkunst von Eric Rohmer oder Antonioni und Zombi-Schockern von Lucio Fulci oder realistisch brutalen Gesellschafts-Fresken wie dieses von Verhoeven.
Wunderbares Making of und ein bravouröses einstündiges Erinnerungsgespräch mit einem der grössten deutschen Kameraleute: Jost Vacano, der von Verhoeven, Holland, USA, Hollywood und Stars wie Schwarzenegger und Sharon Stone erzählt.
Grossartig digitalisiert mit teils Gefühls-echten 70er-Neon-Farben.
Koch Media sei ewig Dank je well.
Zehn Sterne.


Aenigma
Aenigma
DVD ~ Jared Martin

4.0 von 5 Sternen "Aenigma" - 1987, 29. Mai 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Aenigma (DVD)
Dass dieser Film angeblich nur ein Abklatsch von de Palmas "Carrie" sein soll kann ich nicht bestätigen. Eine Internatsschülerin rächt sich aus dem Koma an ihren bösartigen Mit-Zöglingen, die sie in einen schweren Unfall hineingetrieben haben. Sie bedient sich dabei eines nervenkranken Mädchens als ausführendem Medium ihrer Mordfantasien.
Lucio Fulcis Nummernrevue bizarrer Todesarten ist durchaus originell, aber die Freigabe ab 18 eher lächerlich. Das parapsychologische Spannungsverhältnis zwischen der Halbtoten in der Klinik und ihrer ausführenden Täterin im Internat ist packend erzählt. Verglichen mit den berühmten Zombi-Fulcis ist dies eine geradezu charmante Soft-Core-Variation, zwar in leicht nervendem, permanentem Curacao-Blau-Bildern gehalten, aber dafür mit rasant interessanten Aspekten und einem starken Seelen-vereinigenden Schluss, der im Trocken-Eis-Nebel verschwindet.
Fulci on his way to heaven.


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