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Rezensionen verfasst von
Joachimski "Leseteufel" (München)
(REAL NAME)   

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In guten wie in bösen Tagen: Psychothriller
In guten wie in bösen Tagen: Psychothriller
von Jamie Mason
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

1.0 von 5 Sternen Von Müttern und Töchtern, 24. Juli 2017
Die amerikanische Autorin Jamie Mason legt mit „In guten wie in bösen Tagen“ („Monday's lie“) ihren zweiten Roman vor und hat mit beiden Erfolg in den USA, wenn dem Klappentext zu trauen ist. Den Leseteufel erinnert das Sujet an „Gone Girl“, auch dies ja eine Riesenerfolg. Und der Topos des ungetreuen Ehemanns, der seine Frau in den Tod treibt, um an ihr Geld zu kommen und eine andere heiraten zu können, ist ja uralt. Entsprechende Filmklassiker bieten hinreichendes Material, das Mason auch reichlich nutzt. Gleichzeitig schildert sie die starke Mutterbindung der Protagonistin, die in der Ich-form ihre Geschichte erzählt.
Das eigentlich Verstörende an diesem Buch ist die überbordende Sprache, mit der die Autorin ihren „Psychthriller“ zu etwas Besonderem machen möchte. „Sprachgewaltig“, wie angeblich Tana French Masons Erzählweise nennt, ist sie eher nicht, sondern einfach schief, übertrieben, oft sinnentstellend. Und das liegt gewiss nicht an der Übersetzung von Katia Bendels, die sich redlich bemüht, den Stuss in leidliches Deutsch zu übertragen.


Befangen
Befangen
von Scott Turow
  Gebundene Ausgabe

2.0 von 5 Sternen Missglückte Vergangenheitsbewältigung, 24. Juli 2017
Rezension bezieht sich auf: Befangen (Gebundene Ausgabe)
Scott Turow (Jg.1949) ist erfolgreicher Anwalt in Chicago und siedelt seine Justizkrimis im fiktiven Kindle County an. Hier spielt George Mason, Richter am Berufungsgericht, die Hauptrolle, dem ein vier Jahre zurückliegender Fall einer Gruppenvergewaltigung zur Berufung vorliegt, da die Frage der Verjährung von der Erstinstanz nicht berücksichtigt wurde. Die jungen Männer, die damals in einer Sauf- und Vergewaltigungsorgie eine junge betrunkene Frau missbraucht haben, haben dies gleichzeitig gefilmt, so dass neue Beweise aufgetaucht sind. Vielleicht hat Turow, wie sein Richter, einen ähnlichen Vorfall in seiner eigenen Vergangenheit aufzuarbeiten, jedenfalls lässt er das seinen Richter ausführlich tun. Für Juristen sicherlich ein interessanter Fall, wenn auch mit Gschmäckle, für nicht initiierte Leser eher dröge.


Die stille Zeugin: Kriminalroman
Die stille Zeugin: Kriminalroman
von Kate London
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,00

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Eine blasse Vorstellung, 1. Juni 2017
Die Autorin dieses Krimierstlings hat ein bewegtes Leben hinter sich. Sie arbeitete als Schauspielerin und Regisseurin und trat 2006 in London in den Polizeidienst ein.
Es wird nach einigem erzählerischen Durcheinander deutlich, dass sie einerseits vom Standpunkt der jungen unerfahrenen Hauptfigur, der Ermittlerin Lizzie erzählt, die als „stille Zeugin“ ein Drama auf einem Hausdach beobachtet, bei dem ihr alter erfahrener Partner Matthews und eine junges Mädchen abstürzen, während Lizzie den kleinen Jungen, den das Mädchen als Geisel genommen hat, retten kann und daraufhin verschwindet.
In zahlreichen Rückblenden erfahren wir die Vorgeschichte des tragischen Geschehens. Die aktuellen Ermittlungen werden von Sarah Collins geleitet, sozusagen das zweite alter ego der Autorin.
Die Quintessenz der Geschichte soll wohl sein, wie aus kleinen rassistischen Vorfällen die ganz große Tragödie entstehen kann. Da aber alle Beteiligten merkwürdig blutleer wirken, kann die Story das Interesse zumindest dieses Lesers hier nicht gewinnen.


Sea Detective: Ein Grab in den Wellen
Sea Detective: Ein Grab in den Wellen
von Mark Douglas-Home
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

3.0 von 5 Sternen Das Meer als Hauptdarsteller, 4. Mai 2017
Der Schotte Douglas-Home war jahrelang Herausgeber großer schottischer Tageszeitungen, ehe er mit dem Schreiben anfing. Aus diesem “Sea-Detective” mit dem Protagonisten Cal McGill, einem Meeresbiologen, soll eine Krimireihe werden. Dafür muss der Autor aber noch ein bisserl üben, denn er hat die Handlung mit zu vielen Themen überfrachtet und trotzdem kaum Spannung aufgebaut.
Aber da der Schauplatz des Krimis zum Teil eine abgelegene fiktive Insel der Äußeren Hebriden ist, liest sich der Schottland-affine Leseteufel geduldig ein. Wieder einmal wird Vergangenheit aufgearbeitet, hier die des Großvaters, und wie immer in der schottischen Geschichte ist es eine zutiefst tragische. Peter May hat das ja schon gekonnt vorgemacht.

Dazu mischt D.-H. aber noch, wie könnte es anders sein, die kriminellen Machenschaften eines Pädophilenrings, der sich junge Mädchen aus Indien für seine perversen Spiele kommen lässt und die Opfer nach Gebrauch im Meer versenkt.

Es kommt zu einem eher mäßigen showdown. Interessant am Rande, dass die auftauchenden Journalisten, also M.-H.s Kollegen, so negativ gezeichnet sind. Und vielleicht hat ja die Verlagerung von Ermittlungen auf die Meere und ihre Strömungen Entwicklungspotential.


Ich habe ihn getötet: Inspektor Kaga ermittelt
Ich habe ihn getötet: Inspektor Kaga ermittelt
von Keigo Higashino
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,95

5.0 von 5 Sternen Ein "whodunit" der besonderen Art, 13. März 2017
Der Japaner Higashino, Jg. 1958, ist in seinem Heimatland ein bekannter Autor von Kriminalromanen, und dem Klett-Cotta Verlag sowie der Übersetzerin Ursula Gräfe sei Dank, dass sie den Autor auch bei uns bekannt gemacht haben.
Einzig irreführend der Kommentar der FAZ, dies sei “ein Thriller der besonderen Art”. Es ist stattdessen der klassische whodunit, variiert durch einige erzähltechnische Besonderheiten.

So wird die Ermordung des berühmten Schauspielers und Autors Makato am Tag seiner Hochzeit ausschließlich aus der Sicht der drei Hauptbeteiligten erzählt, als da sind der Bruder der Braut Takahiro Kanbayashi, der zu seiner Schwester Miwako ein mehr als brüderliches Verhältnis hat, die Lektorin Kaori Yukizasa, die früher mit dem Bräutigam liiert war und Naoyuki Suruga, Manager des Ermordeten.
Am Tag vor dem Mord begeht eine weitere Exgeliebte des Autors in dramatischer Weise Selbstmord, nicht ohne vorher die Pillen Makatos, die er täglich nehmen muss, zu vergiften. Die Ermittlungen von Inspektor Kaga drehen sich darum, wer aller die Pillendose Makatos manipulieren konnte.

Bis zum Schluss lässt der Autor offen, wer der Mörder nun ist. Dafür kommen in einem Anhang ein Professor und dessen Assistent zu Wort, die sich über Krimiautoren mokieren, die Lösung vorantreiben, aber wiederum dem Leser die letzte Folgerung überlassen.
Ein sehr ungewöhnlicher Krimi, auch durch die fremdartige, suggestive Sprachmelodie. Natürlich hat der Leseteufel seine Probleme mit den fast unaussprechlichen Namen, aber er würde sehr gern die weiteren Fälle des Inspektors verfolgen.


Die tödliche Familie Lee: Inspektor Singh ermittelt in Malaysia
Die tödliche Familie Lee: Inspektor Singh ermittelt in Malaysia
von Shamini Flint
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,00

5.0 von 5 Sternen Ein Hercule Poirot aus Singapur, 6. März 2017
Shamini Flint (Jg. 1970), Rechtsanwältin in Singapur, ist eine neue Stimme im Chor der internationalen Krimischriftsteller. Mit ihrem Singapurer Inspektor Singh eröffnet sie eine Reihe, und das ist ihr hervorragend gelungen. Seine Ähnlichkeit mit Hercule Poirot ist nicht zu übersehen; wie dieser wird Singh nicht in seinem Heimatland tätig, wo er sich unter seinen Vorgesetzten den Ruf eines eigenwilligen Ermittlers erarbeitet hat, sondern in Kuala Lumpur in Malaysia. Dort ist nämlich die Singapuresin Chelsea Liew des Mordes an ihrem Mann Alan Lee angeklagt, und Singh soll dafür sorgen, dass sie ein ordentliches Verfahren bekommt.

Die Familie Lee ist sehr wohlhabend und einflussreich, macht ihr Vermögen mit Holzhandel. Der Ermordete hat seine Frau, ein früheres Model, misshandelt und betrogen, so dass die Ehefrau allen Grund gehabt hätte ihn zu beseitigen, weil er im Scheidungsverfahren kurz davor stand, die drei Söhne zugesprochen zu bekommen. Er ist nämlich kurzerhand zum Islam übergetreten.

Hier sieht der Leser sehr deutlich, dass Flint als Rechtsanwältin arbeitet. Sie kennt sich aber nicht nur mit den "tricks of the trade" aus, sondern schildert auch sehr liebevoll, oft ironisch, die malysische Gesellschaft samt ihrer Polizei, hier vertreten durch Inspektor Mohammad und seinen Adjutanten Shukor. Dieser ist abgestellt, um Singh bei seinen Ermittlungen zu beaufsichtigen. Allmählich entsteht daraus ein eingespieltes Ermittlerduo, dem sich schließlich auch Mohammad anschließt.

Dabei drehen sich die Ermittlungen im Kreis. Chelsea kommt frei, weil ihr Schwager Jasper den Mord gesteht. Dieser kommt frei, als er sein Geständnis widerruft und die Beweise immer noch fehlen. Der dritte Bruder Kian Min gerät ins Visier, da er der eigentliche Chef des Holzimperiums ist und mit kriminellen Methoden die Abholzung in Naturschutzgebieten auf Borneo betreibt.

Bis zum Finale bleibt die Story spannend, gut übersetzt aus dem Englischen von Antoinette Gittinger. Der Leseteufel ist schon gespannt auf die nächsten Abenteuer des rundlichen Inspektors Singh, von denen es inzwischen 6 gibt.


Mein Leben für die Natur: Auf den Spuren von Evolution und Ökologie
Mein Leben für die Natur: Auf den Spuren von Evolution und Ökologie
von Josef H. Reichholf
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 26,99

5.0 von 5 Sternen Ein geglücktes Forscherleben, 10. Februar 2017
Im Vorwort behauptet Reichholf zwar, dies sei keine Autobiografie, aber er beschreibt in chronologischer Folge seine mehr als 50 Jahre als Wissenschaftler, von den Anfängen an den Innstauseen seiner niederbayrischen Heimat bis zu seinen zahlreichen Forschungsreisen und seiner Lehr- und Forschungstätigkeit in München.
Wie immer hätte ein aufmerksamer und kritischer Lektor seinem erzählerischen Überschwang gut getan, auch Reichholfs völlige Humorlosigkeit ist manchmal geradezu auf humorvolle Weise rührend, wenn er selbst die komischsten Episoden in absoluter Ernsthaftigkeit reportiert. Schade ist, dass der Fischer-Verlag dem Buch keine Abbildungen beigefügt hat.
Aber Reichholf ist ein so vielseitiger, von so großer wissenschaftlicher Neugier angetriebener Naturforscher, dass kein Bereich der Biologie, ob der Menschen oder der Natur, seinem Forschergeist entgeht. Und diese ständige Suche nach Ursachen und Fakten hinter allen Gegebenheiten der Natur ist überaus spannend.
Reichholfs Leben war wirklich der Natur gewidmet, jedoch nicht wie bei so vielen seiner umweltbewegten Zeitgenossen, die Ideologie an die Stelle von wissenschaftlichen Fakten setzen. Das hat Reichholf viel Kritik eingetragen, zeichnet ihn aber geradezu als unbestechlichen Forscher aus. Leider zählen, wie er selbst beklagt, in der öffentlichen Diskussion in Deutschland wissenschaftliche Erkenntnisse weniger als lautstark verkündete Glaubensdekrete.
Reichholf wird dem Leser zum Beispiel für ein geglücktes Leben für die Wissenschaft. Von der Wiedereinführung der Biber in Bayern bis zur Ausweisung von Naturschutzgebieten am unteren Inn gibt es viele Projekte, auf die Reichholf stolz sein kann. Und er zählt zu der verschwindend kleinen Gemeinde deutscher Wissenschaftler, die ihre Forschungsgegenstände allgemein verständlich und anschaulich darstellen können.


Wer die Ruhe stört (Krimi/Thriller)
Wer die Ruhe stört (Krimi/Thriller)
von Poppy Adams
  Taschenbuch

5.0 von 5 Sternen Das Verhalten der Nachtfalter, 23. Januar 2017
Die Originalausgabe dieses Erstlings von Poppy Adams, einer Naturwissenschaftlerin und TV-Produzentin in London, heißt wesentlich weniger dramatisch als im Deutschen “The Behaviour of Moths”, was erheblich besser zu diesem Roman passt, denn im Mittelpunkt steht die alternde berühmte Nachtfalter-Forscherin Virginia Stone. Sie ist ihr ganzes Leben nicht über Bulburrow Court hinausgekommen, allenfalls mit ihrem Vater, ebenfalls berühmter Schmetterlingsforscher, wenn dieser beruflich in London zu tun hatte.
Als Ich-Erzählerin gewährt uns Virgina ganz allmählich immer mehr Einblicke in ihr nach außen hin recht ereignisloses Leben. Anlass gibt ihre Schwester Vivien, die nach mehr als 40 Jahren wieder in ihr Elternhaus und damit zu Virginia zurückkehrt, der dieses Eindringen in ihre sorgsam gehütete Einsamkeit gar nicht recht ist. Bulburrow Hall, ein ehemals prächtiges Anwesen, verfällt nach und nach, die Einrichtung hat Virginia vollständig verkauft, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, die beiden Seitenflügel und oberen Gemächer sind versperrt. Virginia lebt von ihrer Erinnerung an ihre Eltern Maud und Clive und an ihre Schmetterlingsforschungen.
Mit Viviens Auftauchen in diesem wohlgeordneten Verfall muss sich Virginia auch mit den Erinnerungen an ihre jüngere Schwester auseinandersetzen, für die sie sozusagen als frühe Leihmutter mit deren Mann Arthur ein Kind bekommen hat, das allerdings unmittelbar nach der Geburt starb. Die lebhafte, lebenslustige Vivien war in allem immer das geliebte Gegenstück zu Virginia. Wir erfahren auch, dass die Mutter Maud schwere Alkoholikerin war und Virginia in einem ihrer Delirien fast getötet hätte, was Vater Clive und Arthur gerade noch verhindern konnten. 2 Tage später stürzt Maud auf der steilen Kellertreppe zu Tode, der Vater überlässt alles Virginia und zieht sich ins Altersheim zurück, wo er an Alzheimer erkrankt und stirbt.
Vivien nun konfrontiert ihre Schwester mit der für sie, nicht jedoch für den Leser, verstörenden Nachricht, der Vater habe seine Frau umgebracht. Das beunruhigt Virginia so, dass sie ihrerseits tätig wird.
Die Geschichte ist, auch in der Übersetzung von Rita Seuß, sehr eindringlich und einfühlsam erzählt, spannend, ohne sich beim Leser anzubiedern. Der Lebenskreislauf der Falter wird zum Symbol für den der Heldin. Ohne nachzuahmen, erinnert Adams mit ihrem Sujet an “Der Hals der Giraffe” von Judith Schalansky, aber auch an “The Signature of all things”von Elizabeth Gilbert.


Der Trost des Nachthimmels: Roman
Der Trost des Nachthimmels: Roman
von Dževad Karahasan
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 26,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der Trost der Sterne über die Zeiten hinweg, 22. Dezember 2016
Dzevad Karahasan (Jg. 1956) gilt nach Klappentext als der bedeutendste, mit vielen Preisen bedachte Schriftsteller Bosniens und hat an diesem 700-Seiten-Roman 11 Jahre gearbeitet. Für den Erfolg in Deutschland verantwortlich ist die ausgezeichnete Übersetzung von Katharina Wolf-Grießhaber, die sich mit großem Einfühlungsvermögen in diese orientalische Welt des späten 10., frühen 11. Jahrhunderts n. Chr. eingearbeitet hat.
Zudem hat der Roman wie eine Zwiebel mehrere Schichten, die der Leser aber erst am Ende erkennen kann.
Zunächst taucht er ein in die Gesellschaft von Isfahan unter der Herrschaft der Seldschuken. Er lernt den Hofastronom, Mathematiker und Philosophen Omar Chayyam kennen, der trotz seiner Jugend hohes Ansehen genießt und den plötzlichen Tod eines angesehenen Bürgers aufklären soll. Aha, denkt der Leseteufel, ein historischer Krimi, und hat damit nicht Unrecht. Wir lernen den Polizeichef und seinen Mitarbeiter kennen, Omar findet heraus, dass der Tote vergiftet worden ist, auch, dass nur die älteste seiner drei Frauen die Mörderin sein kann. Weil er sich aber gleichzeitig in Sukayna, die Tochter des Hauses verliebt, verläuft die Ermittlung im Sande. Stattdessen heiraten Omar und Sukayna, eine bis zum Schluss glückliche Ehe.
Jetzt wendet sich der Autor der weiteren Gesellschaft in Isfahan zu, den diversen Freunden und Gönnern Omars, darunter dem Großwesir. Hassan taucht auf, ein junger, vielseitiger Mann, der sich gegen die türkische Besetzung Persiens wendet und auch sonst, ein typischer Politiker, sich wichtig macht und Unruhe stiftet. Dass Karahasan 11 Jahre an diesem Roman gearbeitet hat, merkt man daran, dass er nicht nur girlandenartig kleine Geschichten einflicht, sondern ganze Passagen wörtlich wiederholt.
Hassan überwirft sich mit der Regierung, muss fliehen und gründet die Assassinen, die den gesamten vorderen Orient terrorisieren. Diese Kapitel gehören zu den beklemmendsten, denn Karahasan schildert hier im mittelalterlichen Gewand den Aufstieg der heutigen IS-Kämpfer.
Dann folgt eine Zeitraffung von 40 Jahren und wir erleben den inzwischen fast 80jährigen Chayyam, der sich in seine Heimatstadt Nischapur zurückgezogen hat. Die Freundschaft mit dem jungen Bosnier Vukac bringt ihm neue Lebenskraft und Vukac die Gelegenheit, von dem alten Weisen zu lernen, bis Chayyam stirbt.
Karahasan erzählt orientalisch weitschweifig, vertraut nie seiner ersten Formulierung, sondern schiebt gleich 2,3 Variationen nach, was gelegentlich ermüdet. Aber insgesamt ist es ein großartiges, wenn auch von Melancholie getragenes Werk.


Schwesterherz: Ein neuer Fall für DCI Lou Smith
Schwesterherz: Ein neuer Fall für DCI Lou Smith
von Elizabeth Haynes
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Vaterliebe und ihre Folgen, 14. Dezember 2016
Elisabeth Haynes arbeitete lange Jahre als Beraterin der britischen Polizei, ehe sie anfing, Krimis mit der Ermittlerin Lou Smith zu schreiben. Dies ist ihr zweiter, und der Leseteufel kann gut erkennen, dass Haynes bei der Polizei eindringliche Psychogramme von Tätern und Opfern erstellt hat, denn das ist auch ihre erzählerische Stärke.
Die 15jährige Protagonistin Scarlett lebt mit ihrer ein paar Jahre jüngeren Schwester in einer dysfunktionalen Familie mit einem Vater, der an seinen Töchtern sexuell mehr interessiert ist als an seiner Ehefrau, die sich nicht zufällig wie ein Teenager kleidet.
Zehn Jahre vor Beginn der Handlung ist Scarlett während eines Familienurlaubs auf Korfu verschwunden und seitdem fehlt jede Spur von ihr. In einer Mischung aus Rückblenden aus Scarletts Sicht, Ermittlungsprotokollen und Beschreibung der Arbeit und Seelenzustände der Ermittlerin Lou entwickelt sich die Handlung.
Lou war schon vor 10 Jahren mit Scarletts Fall befasst und jetzt taucht Scarlett als junge Frau in einem Bordell in Briarstone, ihrer Heimatstadt und Lous Arbeitsstelle, auf, weigert sich aber, ihre Geschichte zu erzählen.
Dieser Ausgangspunkt eignet sich natürlich für die von Haynes gewählten Erzähltechniken und gibt der Autorin Gelegenheit, die grausamen Praktiken im europäischen Sex trade zu schildern; sie zählt dabei aber auch auf die verkaufsfördernde voyeuristische Schlüssellochperspektive, die den Leser bei der Stange halten soll.
Beim Leseteufel gelingt ihr das nur bedingt und lädt nicht dazu ein, weitere Romane der Autorin zu lesen.


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