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Rezensionen verfasst von
Samael (Berlin)

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Die unglaubliche und traurige Geschichte von der einfältigen Eréndira und ihrer herzlosen Großmutter: Erzählungen
Die unglaubliche und traurige Geschichte von der einfältigen Eréndira und ihrer herzlosen Großmutter: Erzählungen
von Gabriel García Márquez
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Großartig bis schwach, 20. August 2007
Ich kann mich dem insgesamt sehr positiven Urteil der vorhergehenden Rezensenten über dieses Buch nur bedingt anschließen. Die Leistung der ersten Geschichten des Buches ist es wohl, eine gewisse karibische Atmosphäre zu schaffen. Dennoch störe ich mich enorm an der im Ganzen sinnlosen Handlung. Teilweise wird hier einfach nur herumerzählt, es ist, wenngleich auf einem ansprechenden sprachlichen Niveau, Gelaber. Mit Geschichten wie "Blacamán der Gute, Wunderverkäufer" oder "Die letzte Reise des Gespensterschiffs" kann ich herzlich wenig anfangen. Die mittleren Erzählungen legen schon etwas zu, namentlich "Der schönste Ertrunkene von der Welt", die mit gefühlvollen Beschreibungen und märchenhaftem Charme besticht. Aber all das würde das Buch meiner Meinung nach noch nicht rechtfertigen. Der wirkliche Glanzpunkt ist die lange Schlussgeschichte um die junge Hure Eréndira und ihre herzlose Großmutter, die dem Buch auch seinen Titel gegeben hat. Hier dienen die Elemente des magischen Realismus, anders als in anderen Erzählungen dieses Bandes, wirklich der Unterstreichung des Gesagten, die Charaktere sind stark gezeichnet und die Geschichte glänzt mit zarter Poesie - weniger der Sprache als des Erzählten. Ein melancholischer und mystischer Hauch liegt auf dem Ganzen.
Ein Gesamturteil lässt sich über diesen schmalen Erzählungsband kaum fällen, zu sehr unterscheiden sich die Geschichten in ihrer Qualität. So groß meine Vorbehalte den ersten Geschichten des Buches gegenüber aber auch sein mögen, aufgrund der letzten Geschichte kann ich doch zum Kauf raten.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 9, 2010 8:09 PM CET


Die Klavierspielerin
Die Klavierspielerin
von Elfriede Jelinek
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

31 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Meisterwerk, das schwer im Magen liegt, 20. August 2007
Rezension bezieht sich auf: Die Klavierspielerin (Taschenbuch)
Ich möchte vorausschicken, dass, auch wenn meine Rezension für dieses Werk nicht nur loben ausfällt, ich keiner von den gar nicht wenigen Menschen bin, die Elfriede Jelinek den Nobelpreis von Grund auf missgönnen. Ihre Sprache hat nicht ihresgleichen und das ist auch der Hauptpunkt, den ich diesem Buch zugute halte. Jelineks Sprache ist ungemein kompakt, subtil werden literarische Andeutungen eingestreut, die Worte und Sätze sind geschliffen und von expressionistischer Kraft und Sätze wie: "Kunst und Ordnung, die verfeindeten Verwandten.", oder "Derzeit bleibt der junge Mann lieber mit sich allein, einen besseren Kameraden kennt der Wolf nicht, bevor er die Ziege trifft.", sind einfach großartig.
Die absolute Kunstsprache, so gekonnt sie auch sein mag, kommt allerdings dem Lesefluss nicht zugute. Man muss schon sehr konzentriert lesen und kommt dennoch langsam voran. Erschwerend kommt hinzu, dass Jelinek darauf verzichtet, Anführungsstriche zu verwenden und auch den Sprecher nicht immer benennt, sodass man bei der wörtlichen Rede aus dem Kontext schließen muss, wer gerade spricht. Gelegentlich wird die Beschreibung geradezu zum Selbstzweck, wenn Metaphern so stark ausgebaut werden, dass ihr Bezug zur Realität verloren geht. Der Text zerfällt in Episoden, die wie Schaukastenbilder einzeln beleuchtet werden, aber nicht recht zusammenzugehören scheinen.
Die Handlung ist schnell erzählt und geht nur geringfügig über das hinaus, was auf dem Buchrücken steht. Der eigentliche Konflikt des Romans in weniger ein personeller als ein psychologischer.
Jelinek schreibt mit großer Verachtung und Zorn, an kaum jemandem wird ein gutes Haar gelassen. Durch eine Brille, die weniger rosa nicht sein könnte, wirft sie einen Blick auf Charaktere und Gesellschaft. Wenngleich sie die Vulgärsprache nicht scheut, rutscht sie sprachlich nie ins Geschmacklose ab, was sie inhaltlich durchaus tut. Das allerdings ist Teil des Programms des Romans. Sexuelle Abarten werden bis zum Ekel beschrieben. Ob das nun richtungweisend oder banal ist, kann ich nicht beurteilen. Fakt ist, dass, so krank das Erzählte auch sein mag, die Autorin mit der Sprache umzugehen versteht.
Insgesamt ist "Die Klavierspielerin" formal gesehen ein Werk von großer schriftstellerischer Meisterschaft - Spaß allerdings macht es keinen.


Johann Wolfgang Goethe: Sein Leben erzählt von Otto A. Böhmer
Johann Wolfgang Goethe: Sein Leben erzählt von Otto A. Böhmer
von Otto A. Böhmer
  Taschenbuch

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Einstieg in ein schier unendliches Thema, 16. August 2007
Kaum eine Biographie, kaum ein Werk ist so umfassend und interessant wie das von Johann Wolfgang von Goethe. Die Biographien, viele hundert Seiten umfassend, füllen bereits ganze Bibliotheken.
Vergleichsweise bescheiden kommt hingegen Otto A. Böhmers Goethe-Biographie daher, auf gerade mal 119 Seiten erzählt er die Geschichte des Gottvaters der deutschen Literatur. Kann ein so kurzer Text dem Dichter überhaupt gerecht werden? Die Antwort lautet: Nein! Aber das will dieses schmale Bändchen auch gar nicht. Böhmer berichtet anschaulich und in einfacher Sprache von Leben und Schaffen des Genies. Mehr als einen kurzen Überblick kann es dabei ob der Reiche des goetheschen Lebens freilich nicht geben. Das Buch ersetzt nicht die großen Goethe-Biographien, es ist aber für all jene, die vielleicht die 500-Seiten-Ziegel scheuen, nicht die schlechteste Variante, einen kleinen Einblick in Leben und Werk des "Lieblinskinds der Götter" zu bekommen.


Landleben: Lesung
Landleben: Lesung
von John Updike
  Audio CD

11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Großer Erzähler, wenig Erzählenswertes, 16. August 2007
Rezension bezieht sich auf: Landleben: Lesung (Audio CD)
John Updike ist einer der großen alten Herren der amerikanischen Literatur und Daueranwärter auf den Literaturnobelpreis.
In dem Buch "Landleben" lässt Updike das Leben des alternden Owen Mackenzie Revue passieren. Es ist kein außergewöhnliches Leben, zwei Ehen, Kinder, verschiedene Wohnorte in verschiedenen Kleinstädten Amerikas. Updike zeichnet hier jedoch keine Biographie im üblichen Sinne, sondern erzählt eine EROTISCHE Biographie. Und zwar nicht (nur) dahingehend, die verschiedenen sexuellen Eroberungen des Protagonisten literarisch-pornografisch zu schildern, sondern das ganze Leben aus dem Blickwinkel der Erotik zu sehen.
Die große Stärke des Werkes ist die Sprache. Updikes Sätze fließen wunderbar musikalisch dahin und er schafft es, wenngleich er die Vulgärsprache nicht scheut, poetisch und zart über Sex zu schreiben.
Der meisterhaften Sprache steht der mäßig interessante Inhalt gegenüber. Die Handlung ist kaum mehr als eine lose Verknüpfung von Episoden, von Lebensstationen, so zufällig wie die Wirklichkeit. Updike gelingt es hier nicht, ein dramatisch-interessantes Element einzufügen und so zieht sich das Buch von Anfang bis Ende ohne große Höhen oder Tiefen dahin.
Hans P. Hallwachs war als Leser für dieses Hörbuch eine gute Wahl. Er liest mit der intellektuellen Distanz, die dem vergeistigten, zarten Text angemessen ist, ohne jemals kühl zu werden.
Insgesamt ein interessantes Werk, ein Stück Erzähltes eines großen Erzählers, wohl aber nicht sein Glanzstück.


Moulin Rouge (Steelbook) [Special Edition] [2 DVDs]
Moulin Rouge (Steelbook) [Special Edition] [2 DVDs]
DVD ~ Nicole Kidman

7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Meisterwerk des modernen Kinos, 12. August 2007
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Als Kitsch verschrien, als Meisterwerk umjubelt. Ein so außergewöhnlicher und Konventionen sprengender Film wie "Moulin Rouge" muss naturgemäß unterschiedliche Wertungen erfahren. Ich selbst stehe am äußersten Ende der positive wertenden Seite: Ich halte diesen Film für genial!
Buz Luhrman konnte bereits mit seiner Modernverfilmung von "Romeo & Julia" einen großen Kinoerfolg verbuchen. Auch hier wurde bewusst mit Übertreibungen, mit Farben und Sinneseindrücken gespielt. Aber "Moulin Rouge" stellt alles bisher da Gewesene in den Schatten. Es ist, wie Harold Zidler im Film so treffend bemerkt, ein Hochgenuss der Sinnenfreuden". Fantastische Kamera, großartige Kostüme und ein ausgezeichneter Cast lassen die Welt des Moulin Rouge zwar nicht realistisch, dafür aber mitreißend und unwiderstehlich entstehen. Der Film ist eine Mischung aus Drama, Oper und sinnenfroher Zirkusdarbietung.
Ein besonderes Herzstück ist natürlich die Musik, die von niemand geringerem als den Säulenheiligen des Pop selbst, von Elton John, Madonna etc. stammt. Das nur "Come what may" eigens für den Film geschrieben wurde und alle anderen Lieder im Grunde Coverversionen sind, stört mich kein bisschen, ich finde es vielmehr großartig, wie der Film das Musikmaterial, natürlich leicht verändert, in den Erzählfluss mit einbaut.
"Moulin Rouge" ist eine Wucht. Dass einem all der Glitter, Schmalz und die Musik ein wenig zu viel sein können, das kann ich verstehen. Ignorieren sollte man diesen Film auf keinen Fall.
Für mich ist "Moulin Rouge" eines der großartigen Beispiele dafür, was Kino auch heute noch Schöpferisches und Neues zu leisten vermag.


Lob der Disziplin: Eine Streitschrift
Lob der Disziplin: Eine Streitschrift
von Bernhard Bueb
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,00

156 von 181 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Etwas übers Ziel hinausgeschossen, 12. August 2007
Ich bin achtzehn Jahre alt und selbst noch Schüler an einem Gymnasium in Überlingen (wo übrigens Herr Bueb lebt und sich das Salem International College befindet). Ich gehöre somit wohl eher nicht zur anvisierten Leserschaft des Autors, wird mir hier doch vorgehalten, wie schlimm es mit meiner Generation stehe und dass uns nur mit dem, wenn schon nicht physischen so doch ideologischen Rohrstock beizukommen sei.
Ich habe "Lob der Disziplin" aus Interesse gelesen. Der Mangel an Motivation, der schlechte Kurs der Bildung und das Verlachen und die Ablehnung jener, die sich (gegen die allgemeine Praxis) in der Schule einbringen, sind mir persönlich durchaus auch schon aufgefallen. Als Diskussionsbeitrag, was das Buch schon dem Untertitel nach sein will, ist das Werk sicherlich geeignet.
Allerdings schießt Herr Bueb meiner Meinung nach etwas übers Ziel hinaus. Das Gesamtbild, das er von Jugendlichen zeichnet, entspricht kaum der Realität. Er vertritt offenbar die Ansicht, das junge Menschen grundsätzlich nicht wüssten, was gut und richtig für sie sei und nur ihren animalischen Spiel- und Vergnügungstrieben folgen würden und somit die sehr viel reiferen und weiseren Erwachsenen bräuchten, um ihnen, notfalls mir Zwang, den rechten Weg zu weisen. Das Bild vom unmündigen, um seiner selbst willen ständig zu reglementierenden Jugendlichen scheint mir eindeutig zu negativ, zumindest lässt es sich nicht allgemein anwenden. Die Ideen der Abschaffung der Demokratie in der Schülersprecherschaft oder der Rückkehr zu verpflichtenden Gottesdiensten an den Schulen, worin die religiöse Überzeugung des Theologen Bueb zu Tag tritt, halte ich für verfehlt und anachronistisch.
Insgesamt heiße ich das Erscheinen dieses Buches gut, allerdings würde ich dringend davon abraten, es als Bibel der Erziehung heranzuziehen. Die Inhalte sollten nicht unreflektiert akzeptiert sondern hinterfragt werden. Dass dies in der Gesellschaft geschieht, zeigen die zahlreichen Interviews mit Herrn Bueb in Zeitungen und Fernsehen oder das Buch "Vom Missbrauch der Disziplin". Die Diskussion um Bildung, Laisser-faire und Disziplin hat das Buch auf jeden Fall wieder angestoßen.
Kommentar Kommentare (10) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 16, 2016 3:02 PM MEST


Harry Potter and the Deathly Hallows (Harry Potter 7)
Harry Potter and the Deathly Hallows (Harry Potter 7)
von J.K. Rowling
  Gebundene Ausgabe

18 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Trotz kleiner Schwächen gelungen, 12. August 2007
Nun ist also der letzte Band der Harry Potter-Saga erschienen und wie nicht anders zu erwarten war, zerreißt die so genannte seriöse Literaturkritik ihn mit Freuden in der Luft. Kaum verwunderlich, wenn an Fantasy desinteressierte Literaten und Journalisten zur einer sechshundert Seiten-Lektüre geprügelt werden und das ganze noch in englischer Sprache. Bei manchen Rezensionen zu diesem Buch wie überhaupt so häufig im Bereich der Fantasy-Literatur hat man das Gefühl, der Autor wolle unterschwellig sagen: "Das ist ja alles gut und schön, aber wieso lesen die Kinder denn nicht Grass?"

Meiner Meinung nach ist nach den etwas schwächelnden Bänden fünf und sechs mit dem letzten Band wieder eine deutliche Steigerung zu verzeichnen. Die Handlung wird gestrafft, das Geflecht der Handlungsstränge entwirrt sich und die Geschichte wird nach über einem Jahrzehnt nun endlich zu Ende geführt.
An die Qualität der ersten vier Bände kann das Buch nicht anknüpfen. Das allerdings liegt bei Fantasy-Epen in der Natur der Sache. Zum Schluss bleibt eben nur noch wenig Raum für Zwischentöne, Alltagsbeschreibungen und Details, die schweren Geschütze müssen aufgefahren werden, um die Geschichte zu einem würdigen und prallen Abschluss zu bringen. Das Buch wirkt denn auch ein wenig überladen, die Herrschaften von Warner Bros. werden bei der Verfilmung, die in einigen Jahren mit Sicherheit kommen wird, wieder alle Hände voll zu tun haben, um die gewaltige Vorlage würdig auf die Leinwand zu bringen.
Dieser Kritikpunkt macht aber andererseits auch eine Stärke des Buches und der Harry Potter-Bände überhaupt aus. Wenngleich der Umfang der Bücher tendenziell immer mehr zugenommen hat, so bleibt doch der Umstand, dass der Text überaus aktionsreich, geradezu komprimiert ist. Die Ereignisse überschlagen sich, der Leser wird bei der Stange gehalten und auf jeder Seite kann eine neue Überraschung warten.
Die Anspielungen auf faschistische Regime (oder auf "Das Dritte Reich", wie manche Kritiker etwas effektheischend schreiben) würde ich nicht als Kritikpunkt ansetzen. Diese Elemente dienen der Emphatisierung der Dringlichkeit der Situation und sind im Zusammenhang der Handlung durchaus passend.
Da es hier gewissermaßen um Krieg geht, ist es einleuchtend, dass zahlreiche Charaktere das Zeitliche segnen. Oftmals erscheint mir der Tod der Charaktere aber etwas unmotiviert, was natürlich mit der Sinnlosigkeit des Sterbens im Kampf gerechtfertigt werden könnte, ich fand die zum Teil sehr knapp beschriebenen Todesfälle jedoch eher als störend.
Eine gelungene Idee ist es, dass zum Schluss hin nicht die eher durchschnittlichen magischen Fähigkeiten des Zauberlehrlings von zentraler Bedeutung sind, sondern seine Integrität und sein Opferwille. Alles in allem geht es auch in diesem Band wieder recht moralisch zu (was die Kritik religiöser Kreise an den Harry Potter-Bücher noch irrationaler erscheinen lässt). Werte wie Freundschaft, Selbstlosigkeit und Treue werden hoch gehalten.

Insgesamt halte ich den letzten Band für gelungen und einen würdigen Abschluss der Harry Potter-Reihe. Ein absoluter Geniestreich zum Schluss ist er nicht, was allerdings dem Lesevergnügen von Millionen junger und ältere Leser kaum einen Abbruch tun sollte.
Ich fand es spannend, eines der größten Literaturphänomene aller Zeiten miterleben zu dürfen.


Das Muschelessen: Roman
Das Muschelessen: Roman
von Birgit Vanderbeke
  Taschenbuch

15 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Enttarnung einer falschen Idylle, 10. August 2007
Rezension bezieht sich auf: Das Muschelessen: Roman (Taschenbuch)
Mit Schrecken muss ich feststellen, dass die durchschnittliche Bewertung für "Das Muschelessen" von Birgit Vanderbeke bisher bei gerade mal zweieinhalb Sternen liegt. Neunzehn Rezensenten lehnen das Buch gar ganz ab.
Meine Entrüstung lässt bereits meine eigene Einstellung zu diesem Werk vermuten: Ich finde "Das Muschelessen" großartig. Ein wenig Toleranz wird vom Leser zu Beginn zwar schon erwartet, der langgezogene Schreibstil, die nie enden wollenden Sätze können anfangs vielleicht ermüdend wirken. Aber die einfache und scheinbar ungegliederte Sprache hat durchaus ihre Bedeutung. Es wird gezeigt, dass das ganze Buch eigentlich nur ein innerer Monolog der Protagonistin ist, die überraschend kühlen Reflexionen einer jungen Frau über ein an sich äußerst emotionales Thema. Allerdings ist Protagonistin nicht ganz richtig, ist doch der eigentliche Hauptcharakter des Werkes der Vater.
Die Idylle, das Ideal der Familie wird hier auf anfangs subtile und dann immer deutlichere Weise demaskiert, die Familie offenbart sich als Reich der Willkür eines Haustyrannen. Klassische Familienkonflikte, freilich arg überzeichnet, werden hier aufgerollt, der Konflikt zwischen dem, was sich angeblich und nach Meinung des Vaters gehört und dem, was sich die Frau und die beiden Kinder wünschen, dem Properen und dem Lebendigen, dem Rational-Analytischen und der freien Emotionalität.
Was mit dem Kochen von Muscheln für eine Familienfeier beginnt, entwickelt sich auf nahezu unfreiwillige Weise zum Strafgericht über einen Mann - das Urteil ist zum Schluss jedenfalls klar.
Wer vorurteilsfrei an diesen schmalen Band herangeht, der kann meiner Meinung nach nur gewinnen. Ich finde, dass "Das Muschelessen" die große Beachtung, die ihm zuteil wurde, voll und ganz verdient.


The Glenn Gould Edition
The Glenn Gould Edition

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Selten und wunderbar - Gould mit Orchester, 10. August 2007
Rezension bezieht sich auf: The Glenn Gould Edition (Audio CD)
Wenn heute junge Pianisten wie Martin Stadtfeld die Cembalokonzerte von Johann Sebastian Bach ganz selbstverständlich auf dem Klavier spielen, so ist das teilweise wohl auch dem Enfant terrible der klassischen Pianisten, dem Kanadier Glenn Gould zu verdanken. Wie Gould überhaupt das kompetetive Element in der Musikbranche verachtete, so empfand er sogar die Konkurrenz zwischen Solist und Orchester in Konzerten als störend. Seine späteren Aufnahmen umfassen denn auch hauptsächlich Sololiteratur für Klavier. Umso schöner ist es da, dass Gould die Cembalokonzerte von Bach doch auf Video und vor allem auf Schallplatte aufzeichnete.
Umstritten, ebenso verdammt wie bejubelt kommt man an den Bachinterpretationen Goulds doch nicht vorbei. Der absoluten Präzision und der einmaligen Klaviertechnik Goulds, speziell dem außergewöhnlichen Non-legato Anschlag in den schnellen Sätzen steht der wunderbare lyrische Sinn der langsamen Sätze gegenüber. Das Columbia Symphony Orchestra unter der Leitung von Leonard Bernstein und Vladimir Goldschmann begleitet Gould mit warmem und vollem oder je nach Bedarf dezentem Klang.
Für mich sind die Bacheinspielungen Goulds die absoluten Referenzaufnahmen. Wer Bach liebt und nicht auf die historische Aufführungspraxis besteht, der liegt mit dieser wunderbaren Aufnahme auf jeden Fall richtig.


Grieche sucht Griechin / Mr. X macht Ferien / Nachrichten über den Stand des Ze (detebe)
Grieche sucht Griechin / Mr. X macht Ferien / Nachrichten über den Stand des Ze (detebe)
von Friedrich Dürrenmatt
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,90

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Subtil, humorvoll, böse - großartig!, 10. August 2007
Dürrenmatt gab dem kurzen Roman oder der langen Erzählung "Grieche sucht Griechin" den Untertitel "Eine Prosakomödie". Wer die großen Komödien Dürrenmatts - vor allem "Die Physiker" und "Der Besuch der alten Dame" - kennt, wird tatsächlich auch in diesem Prosatext vieles finden, was Dürrenmatt als Bühnenautor auszeichnet. Zu nennen wären da: Fabelhafte Dialoge, der doppelte Boden der Sprache, die bitterböse Gesellschaftskritik verpackt in einer flüssigen und freien Sprache sowie die tiefere Botschaft, die unterschwellige philosophische Aussage des Geschriebenen. Aber vor allem, und das macht Dürrenmatt kaum einer nach, der subtile, pechschwarze Humor. Alle bekommen hier einmal wieder ihr Fett weg, die Kirche, der Staat, die Spießbürger und die Gesellschaft überhaupt.
Das Buch enthält neben "Grieche sucht Griechin" auch noch zwei kürzere Prosatexte Dürrenmatts: "Mister X macht Ferien", eine Persiflage auf Himmel und Hölle (leider nur als Fragment vorhanden, der Großteil der Handlung ist nicht ausformuliert, sondern liegt nur als Entwurf vor) sowie die Groteske "Bericht über den Stand des Zeitungswesen in der Steinzeit", ein kurzer und meiner Meinung nach etwas schwächelnder Bericht eines Redakteurs der Steinzeitpresse.
Dürrenmatt ist sowohl ein Meister der Dramas als auch der Prosa. Wer subtilen und durchaus auch etwas bösen Humor mag, dem rate ich dringend zur Lektüre von "Grieche sucht Griechin", für Dürrenmattliebhaber ist es ohnehin ein Muss.


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