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Rezensionen verfasst von
suse9

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Winterkrieg: Roman
Winterkrieg: Roman
von Philip Teir
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schonungslos ehrlich, 22. September 2014
Rezension bezieht sich auf: Winterkrieg: Roman (Gebundene Ausgabe)
Selten findet man Bücher, bei denen sowohl Cover, Titel als auch Inhalt eine Einheit bilden. Ich bin begeistert, dass dem Verlag dies bei „Winterkrieg“ gelungen ist.

Ein paar Monate nur begleiten wir die Familie um den Soziologen Max. Ein paar Monate, die gezeichnet sind durch äußere und innere Kälte, Alkohol, Begierde und Frust. Dabei begegnen wir Katriina, die stets in Bewegung ist und dabei den Blick auf das Wesentliche verloren hat. Ihre Tochter Helene scheint das Glück mit ihrem Ehemann und den 2 Kindern gefunden zu haben, während Eva noch auf der Suche danach ist. Der erfolgreiche Max buhlt als unverstandener Mann, Vater und Opa um die Gunst des Lesers, die ich ihm jedoch nicht entgegenbringen kann. Und das zieht sich auch durch das ganze Buch. Man sucht vergebens nach Sympathieträgern, findet diese gerade noch in den Kindern. Alle Charaktere haben eine Seite an sich, die ich nachvollziehen und verstehen kann, jedoch handeln sie auch so, dass die Sympathiepunkte recht schnell aufgebraucht sind. Ich treffe auf eine Familie, die viel redet aber oft das Wesentliche nicht sagt – eine richtige Familie eben.

Das Buch „Winterkrieg“ liest sich gut weg, der Schreibstil ist angenehm, wenn auch nicht außergewöhnlich. Was ist also das Besondere dieses Romans? Er ist ehrlich, schonungslos ehrlich. Wer an Sätze glaubt wie: „…und sie lebten glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende…“, ist hier falsch aufgehoben. 30 Jahre Ehe bedeuten nicht nur 30 Jahre Glück und Zufriedenheit. Eher findet man Kampf um jeden Tag, Anstrengung, Kompromisse, Verletztsein. Natürlich auch Geborgenheit, Zärtlichkeit, Verzeihen, Freude – aber eben nicht nur. Und das macht „Winterkrieg“ deutlich. Mir gefällt es, wie genau der Autor zwischenmenschliche Beziehungen beobachtet und zu Papier bringt. Oft musste ich beim Lesen auch schmunzeln, nur zu vertraut schienen einige Passagen, Charaktere zu sein. Untypisch für mich sind nun ein paar unterstrichene Sätze in meinem Exemplar zu finden, denn ich musste einfach Zustimmung signalisieren. Der Autor versteht es geschickt, Probleme anzusprechen, ohne dabei auf die Mitleidsschiene zu rutschen. Letztendlich macht er deutlich, dass jeder für sich selbst entscheiden muss, wohin er gehen will.

„Winterkrieg“ ist ein unglaublich schonungsloses, ehrliches Buch, das zum Nachdenken anregt. Nur ein kleiner Einblick in das Leben einer Familie wird uns gewährt, aber dieser lohnt sich, darüber zu diskutieren.

Mir hat der Roman sehr gut gefallen. Keine Kuschelgeschichte für Kerzenscheinabende, aber gut beobachtet und interessant zu Papier gebracht.


The Secret History
The Secret History
von Donna Tartt
  Taschenbuch
Preis: EUR 7,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gut zu lesen, beklemmend und absolut erschreckend, 3. September 2014
Rezension bezieht sich auf: The Secret History (Taschenbuch)
Richard ist nicht glücklich zu Hause. Seine Eltern interessieren sich nicht sonderlich für ihn und als er dann auch noch Zukunftspläne schmiedet, die mit denen seines Vaters nicht übereinstimmen, entziehen sie ihm jegliche Unterstützung sowohl finanzieller als auch persönlicher Art. Er ist also völlig auf sich gestellt, als er im College seiner Wahl eintrifft. Sein Augenmerkt fällt auf einen Kurs, der sich mit griechischer Geschichte auseinandersetzt und zu dem nur einige Auserwählte, vorzugsweise gut situierte Schüler Zugang finden. Mit einer Notlüge verschafft er sich das Ticket und sieht sich plötzlich aufgenommen in den elitären Zirkel um Professor Julian Morrow. Die Gruppe lernt nicht nur gemeinsam sondern verbringt auch fast jede freie Minute zusammen, so dass Richard, isoliert vom Rest der Studentenschaft, eine Welt kennenlernt, die nicht nur für ihn neu und geheimnisvoll ist.

Auf den ersten Blick erwartet man eine Studenten-Internatsgeschichte, wie man sie schon oft gelesen oder im Kino gesehen hat. Nicht nur einmal hatte ich das Gefühl etwas Ähnliches schon vorgesetzt bekommen zu haben. Doch der Schein trügt hier gewaltig. Die Autorin erzählt in einer ruhigen entspannten Art und Weise, die gut unterhält und angenehm zu lesen ist. Allerdings baut sich die Dramatik langsam aber stetig auf, ein ungutes Gefühl schlich sich ein, und, nachdem ich bemerkte, worauf die Handlung hinauslief, war es mit dem wohligen Anfangsgefühl auch schnell vorbei. Wie es Donna Tartt anstellte, dass ich mich zeitgleich unbehaglich und in der Geschichte gut aufgehoben fühlte, ist mir ein Rätsel. Sie erzählt aus objektiver Sicht, scheinbar ohne Wertung und verzichtet mühelos auf offene Kritik. Dies alles überlässt sie dem Leser, und Haltung zu beziehen ist nicht immer einfach. Aber man muss sie einnehmen und wenn man dies tut, findet man keine Ruhe mehr.

„The Secret History“ ist kein actiongeladener Thriller, der blutrünstig auf den Leser losgeht und dennoch fällt es schwer, die Gedanken selbst in Pausen von dem Lesestoff zu lösen. Ruhig und ich möchte fast sagen in einem heiter wirkenden Tonfall wird eine beklemmende Geschichte erzählt, die noch lange nachhallt und nicht nur das Leben der Protagonisten nachhaltig verändert.


Die Vernichteten: Band 3
Die Vernichteten: Band 3
von Ursula Poznanski
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,95

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Guter 3. Teil mit ein paar Schwächen, 3. September 2014
Rezension bezieht sich auf: Die Vernichteten: Band 3 (Gebundene Ausgabe)
„Die Vernichteten“ ist ein würdiger Abschluss der Eleria-Trilogie, allerdings weist das Buch für mich ein paar Schwächen auf.
Der Roman begann ohne große Einleitung genau dort, wo der 2. Teil endete, was mir sehr gut gefiel, denn große Wiederholungen halten nur auf und jeder hat ja den 1. und 2. Band gelesen, bevor er sich an den 3. ranwagt. Trotzdem wurde noch genug aufgefrischt, so dass Vergessengeglaubtes schnell wieder ans Tageslicht kam. Der Einstieg war also gelungen und das Lesen bereitete Spaß. Nach kurzer Zeit stellte sich auch Spannung ein und die Handlung konnte mit einigen Überraschungen punkten.

Leider konnte die Spannung nicht komplett den ganzen Roman überdauern. Ria – wenn auch mutig – nervte mich zunehmend mit ihren ständigen Versuchen, Gefühle, Gedanken und Manipulationen in ihrem Gesicht so darzustellen, dass Gegner und auch Freunde getäuscht werden konnten. Aber ich bin vielleicht ungerecht, was die Heldin des Buches betrifft, da sie mich von Anfang an nicht überzeugen konnte. Trotzdem gibt es genug Sympathieträger, die mich durch die Außen- und Sphärenwelt trugen. Da waren Maiossa, Sandor genauso wie Tycho und Andris.

Leider hat die Autorin in diesem Band etwas getan, was ich bei ihren Jugendbüchern bislang erfreulicherweise nicht finden konnte. Sie hat auf Missstände zwar aufmerksam gemacht, das aber leider nicht nur ein- oder zweimal sondern ständig und immer wieder. Was ist aus dem Vertrauen geworden, das die Autorin ihrer Leserschaft sonst entgegenbrachte? Mit den Finger auf ein Unrecht zu zeigen und dann dem Leser selbst die Möglichkeit zu geben, daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen, war sonst eine Stärke, die in „Die Vernichteten“ leider nur in abgeschwächter Form anzutreffen ist. Es bleibt somit zu wenig Raum für eigene Gedanken und Schlussfolgerungen, zu viel wird vorgegeben, alles ausgesprochen.

Dennoch bereitete das Lesen des letzten Teils Freude, da alle Fäden verknüpft wurden, kein Geheimnis offen blieb und die Autorin sicher dem ein oder anderen die Augen geöffnet hat. Ursula Poznanski hat eine angenehme Art zu schreiben und kann unterhalten. Für mich war das Buch mittig sehr spannend, lies aber am Ende erheblich nach. Letztendlich aber ist die Trilogie lesenswert und ich mag sie gerne empfehlen.


The Silkworm (Cormoran Strike)
The Silkworm (Cormoran Strike)
von Robert Galbraith
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,99

5.0 von 5 Sternen Noch besser als der Vorgänger, 3. September 2014
Rezension bezieht sich auf: The Silkworm (Cormoran Strike) (Taschenbuch)
Selten habe ich mich auf einen Fortsetzungsroman so gefreut wie auf „The Silkworm“ und dazu noch auf einen Krimi. Dieses Genre zählt nun wirklich nicht zu meinen liebsten. Oft wirkt die Handlung vorhersehbar und wie schon mehrmals gelesen. Nicht so bei „The Silkworm“. Die Geschichte kann man einfach nicht im Vorfeld durchschauen, auch wenn man sich noch zu sehr anstrengt. Ich habe wirklich alles gegeben, aber bis zum Schluss tappte ich völlig im Dunkeln, was dazu führte, dass mich die Auflösung des Falls, die Entdeckung der geheimen Zusammenhänge zu lauten Überraschungsrufen veranlassten.

Der Roman beginnt unspektakulär – eine Ehefrau kommt zu Cormoran, der als Detektiv tätig ist, und bittet ihn, ihren untergetauchten Mann ausfindig zu machen, da die finanzielle Lage der Familie alles andere als rosig aussieht. Bei dem Verschwundenen handelt es sich um einen exzentrischen Autor, der sich mit der bevorstehenden Veröffentlichung seines neuen Buches nicht nur einen Feind gemacht hat.

Dies ist der 2. Fall, den wir mit Cormoran Strike lösen dürfen und ich denke, es macht Sinn, den Vorgänger zu kennen. Denn immer ist bei diesen Reihen auch die Hintergrundgeschichte der Protagonisten interessant. Cormoran und seine Assistentin näher kennenzulernen und zu begleiten, macht einfach Spaß.

Aber nicht nur die Auflösung des verzwickten Falles und die privaten Probleme der Protagonisten bereiten Vergnügen sondern vor allem die Art und Weise wie dies erzählt wird. Der Schreibstil Robert Galbraith (alias J.K. Rowling) liegt mir einfach. Wieso dies so ist, kann ich nicht erklären. Nur so viel steht fest: „The Silkworm“ ist interessant und spannend geschrieben. Langeweile tritt zu keiner Zeit auf. Ich fühlte mich wunderbar unterhalten und freue mich einfach auf das nächste von Buch von Robert Galbraith.


A Dance with Dragons: A Song of Ice and Fire: Book Five
A Dance with Dragons: A Song of Ice and Fire: Book Five
von George R. R. Martin
  Taschenbuch
Preis: EUR 6,99

9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Jetzt könnte der Winter kommen und die Bücher mit Schnee bedecken,, 10. Juli 2014
denn der 5. Teil der Saga zieht sich dann doch so sehr, dass ich letztendlich erleichtert war, das Ende erreicht zu haben. Sicher findet man in „A Dance with Dragons“ wieder jede Menge Intrigen, Geheimnisse, Schlachtgetümmel und Komplotte, aber dabei trifft man auf so viele Charaktere mit ähnlich klingenden Namen, dass ich zeitweise Gefahr lief, den Überblick zu verlieren. Ich vertrete zwar die Ansicht, dass der Leser sich schon selbst bemühen muss, alle Personen richtig zuordnen zu können, aber hier war es schlicht gar nicht nötig, da sie sich oft in unwichtigen Nebenhandlungen verloren.

Es ist nicht so, dass mir der 5. Band gar nicht gefiel, denn schließlich habe ich ihn ja zu Ende gelesen, aber ich hatte oft den Eindruck, dass George R.R. Martin selbst die Lust an seinen Helden verloren hat und es ihm egal ist, was aus ihnen wird. Natürlich gab es auch Lichtblicke während des Lesens. Einige Kapitel waren schon spannend geschrieben. Auch hatte ich Spaß daran, meiner Fantasie freien Lauf zu lassen und zu rätseln, worauf alles hinauslaufen würde. Die Lösungen für einige Geheimnisse habe ich mir schon zusammengesponnen und würde gerne wissen, wie richtig ich damit liege. Dennoch überwiegt die Enttäuschung über das Buch, da ich mich des Eindrucks nicht erwehren konnte, dass hier Seite um Seite geschunden werden sollte. Vielleicht war es so, dass Teil 4 und 5 doch als ein Buch geplant waren, diese aber dann geteilt und mit Kapiteln aufgefüllt wurden. Anders kann ich mir das Auf und Ab an Spannung und Langeweile nicht erklären.

Das altbewährte Prinzip, einen Knaller ziemlich am Schluss des Buches zu zünden, wurde auch hier wieder eingehalten, allerdings hat mich dieser – wenn auch unvorbereitet – dann doch nicht bis ins Herz getroffen. Zwar muss wieder einer meiner Sympathieträger dran glauben, aber wer weiß, wer weiß, was da noch wieder für Zauberspuk geschehen wird, um der Handlung wieder eine überraschende Wendung zu geben, die dann für mich keine Überraschung mehr wäre. Manches wetzt sich eben ab.

Das Spiel mit den Charakteren übertreibt der Autor meiner Meinung nach in dem 5. Buch etwas. Mir gefiel es bislang eigentlich recht gut, dass oft nicht vorhersehbar war, wie sich ein Protagonist verhalten würde. Es gab kein Weiß und Schwarz sondern nur Grau. Das machte die Handelnden menschlich und sympathisch - vielleicht zu sympathisch. Ist Tyrion zu sehr von der Leserschaft geliebt worden? War das für ihn gar nicht vorgesehen oder langweilte den Autor diese Sympathiewelle, auf der Tyrion schwamm? Denn hier im 5. Band darf er sich nicht von seiner besten Seite zeigen. Er nörgelt, quengelt, verliert sich in Selbstmitleid. Wo ist der Charme geblieben, der Witz, die Gerissenheit? Schade, dass Tyrion nicht Tyrion bleiben durfte.

Als ich mit „A Dance with Dragons“ begonnen hatte, hoffte ich noch, dass George R.R. Martin sich mit dem Folgeband beeilen würde, damit die Wartezeit nicht so lang wäre. Nun, er kann sich ruhig noch ein wenig Zeit nehmen, vielleicht ein paar Kürzungen vornehmen, einige sich ständig wiederholende kursiv geschriebene Sätze streichen und mal wieder ein Buch wie "A Storm of Swords" vorlegen.


The Unlikely Pilgrimage Of Harold Fry
The Unlikely Pilgrimage Of Harold Fry
von Rachel Joyce
  Taschenbuch
Preis: EUR 6,99

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine wunderschöne, nachdenklich stimmende Geschichte, 12. Juni 2014
Harold sitzt wie jeden Morgen am Frühstückstisch, neben seiner Frau, mit der er sich nicht mehr viel zu sagen hat. Ein Brief einer ehemaligen Kollegin bringt seine Routine ins Wanken. Ein paar Zeilen nur, die besagen, dass eben jene Kollegin, die er seit über 20 Jahren nicht mehr gesehen hat, im Sterben liegt und sich hiermit verabschiedet, veranlassen ihn, sich auf den Weg zu machen.

Im Vorfeld habe ich schon die verschiedensten Meinungen zu diesem Buch gelesen. Dort waren von Laaaaangeweile über emotionale Tiefe bis hin zu Kitsch alles vertreten, und sicher sind auch all diese Empfindungen beim Lesen des Buches möglich. Es kommt einfach darauf an, wann, wie und warum man die Geschichte liest, und was man in ihr zu finden hofft. Ich selbst ging ohne große Erwartungen heran, wollte einfach nur selbst wissen, was nun hinter diesem Cover steckt, das mich ständig in der Buchhandlung anlachte. Für mich war es ein Glücksgriff. Ich fühlte mich gut aufgehoben an der Seite Harold Frys und begleitete ihn sehr gerne. Die Blasen an seinen Füßen schmerzten auch mich, und die Freundlichkeit der Menschen überraschte mich eingangs ebenso wie den Helden selbst.

Während Harold wanderte und die unglaublichsten Begegnungen erlebte, blieb ihm viel Zeit zum Nachdenken, und auch der Leser wurde angehalten, sein eigenes Leben und Verhalten auf den Prüfstand zu stellen. Und das machte auch die große Stärke dieses Buches für mich aus. Die Autorin maßte sich nicht an, Lösungen für Probleme aufzuzeigen, ganz leicht nur tippte sie mit dem Finger eine Wunde an und diese zu ignorieren war dem Leser dann nicht mehr möglich. Neben all den positiven und negativen Dingen, auf die Rachel Joyce aufmerksam machen wollte, verlor die Geschichte aber nie die Bodenhaftung. Harold stand bis zum Schluss im Mittelpunkt, aber nicht nur er ist am Ende um ein paar Erkenntnisse reicher.


Jojo
Jojo
von Steinunn Sigurdardóttir
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Beeindruckend - sowohl der Stil als auch die Geschichte selbst, 30. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Jojo (Gebundene Ausgabe)
Nachdenklich, unglaublich traurig und doch tief beeindruckt schlug ich dieses Buch nach den letzten Sätzen zu.

Erzählt wird die Geschichte Martin Montags, einem Arzt aus Leidenschaft, der um seine Patienten und den größten Feind, den Krebs, mit all seiner Kraft kämpft. Dabei trägt er ein Geheimnis aus Kindertagen mit sich herum, an das er durch ein erstes Gespräch mit einem neuen Patienten erinnert wird. Die Begegnung trifft ihn unvorbereitet und wirft ihn aus seiner gut strukturierten Bahn.

Die Autorin hat eine unglaubliche Art zu schreiben. „Jojo“ war mein erstes Buch von ihr und sie hat mich bereits mit den ersten Sätzen gepackt. Sie schreibt schnörkellos, ehrlich und klar. Trotzdem findet man in ihren kurzen Sätzen so viel Aussagekraft, dass es fast schmerzt. Ein ungutes Gefühl war dann auch mein ständiger Begleiter beim Lesen. Obwohl die Handlung eher leise daherkommt, steckt dennoch so viel Dramatik in ihr, dass ich mich nicht in der Lage sah, mich gemütlich in meine Leseecke zu lümmeln. Angespannt verfolgte ich Martins innere Kämpfe, und seine Hilflosigkeit wurde die meinige.

Kann man sagen, dass mir dieses Buch Vergnügen bereitete? Wohl kaum, denn es ist ein traurige Geschichte, aus der ich aber mit einem guten Gefühl herausgehe. Sie wird mich noch lange bewegen und zum Nachdenken veranlassen. Vergessen kann ich sie wohl nie mehr ganz, auch nicht den Stil in dem sie erzählt wurde. Dieser war dann aber doch ein großes Vergnügen, und staunend, wie viel Kraft in Worten stecken kann, wenn man sie so zusammenfügt wie Steinunn Sigurdardóttir. es getan hat, bleibe ich zurück.

Von mir bekommt "Jojo" eine hundertprozentige Leseempfehlung.


Füchse lügen nicht: 2 CDs
Füchse lügen nicht: 2 CDs
von Ulrich Hub
  Audio CD
Preis: EUR 11,99

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Mein Reisepass! Wo ist mein Reisepass? Ich krieg noch die Krise!", 14. April 2014
Rezension bezieht sich auf: Füchse lügen nicht: 2 CDs (Audio CD)
(Hörbuchrezension)

Schafe sind dumm, Tiger mutig, Füchse schlau und Hunde haben eine gute Spürnase – oder doch nicht? Die Tiere wollen verreisen und warten auf ihren Flieger. Doch kein Flugzeuglärm ist zu hören, die Abfertigungshalle verwaist und selbst im Duty Free Shop arbeitet niemand. Nachdem sie dies bemerkt haben und jeder auf die für ihn typische oder untypische Art darauf reagiert, versuchen die Tiere mehr oder weniger gemeinsam die Situation zu meistern.

Am liebsten lese ich Bücher selbst, da man bei Hörbüchern immer die Stimmen und Stimmungen vorgesetzt bekommt. Außerdem ist nicht jeder Autor, der hervorragende Bücher schreibt, auch gleichzeitig ein guter Vorleser. Hier jedoch stimmt einfach alles. Ulrich Hub versteht es, seinen Charakteren Leben einzuhauchen und dem Leser die verschiedensten Situationen passend zu vermitteln. Eigentlich richtet sich dieses Buch ja an die kleinen Zuhörer, aber ich als Erwachsene hatte dermaßen viel Spaß beim Hören, dass mir nicht nur einmal die Lachtränen in den Augen standen. Die vielen kleinen, feinen Anspielungen auf aktuelle Ereignisse sind einfach köstlich. Ich bin mir zwar nicht sicher, ob diese auch für Kinder gut verständlich sein werden, aber das war für mich in dem Moment des Hörens auch nicht wichtig. Man findet sich einfach selbst in den Figuren wieder. Und wer nicht über die Gans, die ihren Reisepass sucht oder den Tiger mit den schwarzen Streifen lachen muss, kann dies vielleicht auch im richtigen Leben nicht über sich selbst.

Ich finde es schön, wie Ulrich Hub – es ist dies übrigens mein ersten Buch von ihm – seine kleinen Leser ernst nimmt. Die Handlung ist zwar lustig aber nicht aufgesetzt albern und könnte – wenn vielleicht auch nicht mit Tieren – doch so wirklich geschehen. Außerdem vermittelt er wie nebenbei ein paar wichtige Lebensweisheiten, wobei er auf den erhobenen Erwachsenenzeigefinger völlig verzichtet, was der Geschichte von mir noch einen weiteren Sympathiepunkt einbringt.

„Füchse lügen nicht“ ist ein Hörvergnügen für Jung und Alt und erhält von mir 5 dick gelb ausgemalte Sterne und ein Empfehlungsschreiben als Wurfpostsendung in jeden Briefkasten.


A Song of Ice and Fire 3. A Storm of Swords.
A Song of Ice and Fire 3. A Storm of Swords.
von George R. R. Martin
  Taschenbuch
Preis: EUR 6,99

5.0 von 5 Sternen Der Autor spielt ein grausames Spielchen mit mir, 3. April 2014
Über die Handlung werde ich bewusst nichts schreiben, denn wer das 3. Buch in die Hand nimmt, weiß, warum

Ich fange aber langsam an, George R.R. Martin nicht zu mögen. Er treibt mit mir ein böses Spiel. Auf meine Befindlichkeiten nimmt er überhaupt keine Rücksichten, lässt Sympathieträger unglaubliche Dinge tun, die ich verabscheue und meine Feinde wachsen mir ans Herz. Ich frage mich, ob ich überhaupt schon einmal ein Buch gelesen habe, in dem die Handlung derartig unvorhersehbar ist wie in diesem. Und das ist auch die absolute Stärke der Geschichte. Der Leser sollte sich nicht so sicher fühlen mit seinen Spekulationen und wer sich relaxt in die Sofaecke kuschelt, hat sowieso schon verloren.

Auch wenn der Beginn des 3. Buch nicht unbedingt mit großer Action aufwarten kann, ist die Handlung dennoch spannend und eine Intrige jagt die nächste. Die Aufmerksamkeit des Lesers ist nach wie vor gefragt, weil die vielen Charaktere schon einmal durcheinanderzugeraten scheinen. Ein kleines Detail hier und nebensächliches Wort da und schon werden Zusammenhänge klar, die vorher im Nebel lagen. Längst nicht alles wird geklärt, und es bleibt noch genug Raum für eigene Theorien. Ich fühlte mich wieder sehr gut unterhalten mit der Lektüre.

Leider muss ich in meine Lobesrede aber auch einen kleinen Kritikpunkt einbauen. Mir waren einige Passagen zu lang, und ich konnte mich des Eindrucks nicht erwehren, dass der Autor nach Seiten bezahlt wurde. Hier hätten ein paar Kürzungen gutgetan. Langeweile stellte sich zwar noch nicht ein, aber ein wenige ungeduldig wurde ich schon. Doch natürlich kam wieder alles anders als erwartet. George R.R. Martin hatte noch ein paar Überraschungen auf Lager, die ihresgleichen suchen. Rücksichtslos schwang der Autor das Schwert und mähte nieder, was nicht schnell genug auf seinem Pferd war. Fassungs- und hilflos musste ich mit ansehen, wie die Geschichte ihren Helden mitspielte. (Zum Glück hatte ich jemanden in meiner Nähe, dem ich meine Eindrücke und Gedanken unmittelbar mitteilen konnte.) Während ich noch den ein oder anderen Verlust zu verkraften hatte, ging die Achterbahnfahrt weiter, und wieder musste ich überrascht aufstöhnen. Selten las ich einen Roman, bei dem ich so viel laute Gefühlsausbrüche hatte .

Auch wenn der erste Teil des Buches ein paar Längen aufweist, hat es die zweite Hälfte dermaßen in sich, dass ich nicht genau sagen kann, ob mich eher die unvorhergesehenen Ereignisse oder die grausamen Cliffhanger mehr aus der Bahn geworfen haben. Auf jeden Fall ist für mich hier die Reise noch nicht zu Ende, obwohl ich mir langsam die panische Frage stelle, wer denn eher fertig sein wird – ich mit dem 6. oder George R.R. Martin mit dem 7. Buch?


Blinde Vögel (Kaspary & Wenninger ermitteln, Band 2)
Blinde Vögel (Kaspary & Wenninger ermitteln, Band 2)
von Ursula Poznanski
  Broschiert
Preis: EUR 16,95

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Platz 6 für "Blinde Vögel", 6. März 2014
„Blinde Vögel“ ist der zweite Fall, den wir gemeinsam mit Bea und Florin lösen dürfen. Während die Ermittler versuchen herauszufinden, ob es sich bei den beiden Toten auf dem Campingplatz um Selbstmörder handelt oder sie einem Verbrechen zum Opfer gefallen sind, geschieht ein weiteres Unglück, und eine Spur führt zur Facebook-Lyrik-Gruppe.

Der Krimi liest sich flüssig und ist leicht verständlich, wobei die Spannung allerdings auf sich warten lässt. Bringt man genug Geduld mit, wird man im letzten Drittel der Handlung belohnt. Die Auflösung kommt überraschend und ist gut in Szene gesetzt. Mir hätte es jedoch besser gefallen, wenn mich die Ermittlungen mehr mitgerissen und gefordert hätten. Ein ungeduldiges Kribbeln und Grübeln über Zusammenhänge und Verdächtige wollte sich nicht so richtig einstellen, und das macht für mich eigentlich einen guten Krimi aus. Zu den Charakteren fand ich keinen kompletten Kontakt, da sie teilweise zu oberflächlich dargestellt waren. Das könnte aber auch an der Oberflächlichkeit und Anonymität sozialer Netzwerke im Allgemeinen liegen. Florin – mein Sympathieträger – durfte sich in der Geschichte leider nicht richtig ausleben. Bea hingegen schwelgte voll in Selbstmitleid ob der ungerechten Behandlung durch ihren Ex-Ehemann.

Obwohl die Auflösung des Falles für mich überraschend kam und der letzte Abschnitt wirklich spannend war, so dass sich mein Lesetempo rasant beschleunigte, gehört „Blinde Vögel“ nicht an die Spitze der Poznanski-Bücher. Ich hoffe, dass das nächste Treffen mit Beatrice und Florin wieder ein wenig aufregender und interessanter wird.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 12, 2014 5:17 PM MEST


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