Hier klicken Sale Salew Salem Öle & Betriebsstoffe für Ihr Auto Jetzt informieren Books Summer Shop 2017 Cloud Drive Photos Learn More TDZ HI_PROJECT Hier klicken Mehr dazu Mehr dazu Shop Kindle AmazonMusicUnlimited AmazonMusicUnlimited longss17
Profil für Berthold Knoche > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von Berthold Knoche
Top-Rezensenten Rang: 3.727.012
Hilfreiche Bewertungen: 674

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
Berthold Knoche (Waldsolms / Hessen)
(REAL NAME)   

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10
pixel
Die Identität: Roman (Fischer Taschenbibliothek)
Die Identität: Roman (Fischer Taschenbibliothek)
von Milan Kundera
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 9,00

4 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Männer drehen sich nicht mehr nach mir um, 16. Mai 2007
Der Autor

Milan Kundera, 1929 in Brünn (damals Tschechoslowakei) geboren, ist einer der bekanntesten und kommerziell erfolgreichsten Tschechischen Autoren. Er lebt aber seit 1975 in Frankreich, seit 1994 schreibt er auch in französischer Sprache.

Die Identität

Es geht um Wahrnehmung, gute Absichten, Realität und Traum, und es geht um Liebe. Chantal und Jean-Marc sind ein nicht mehr ganz junges Liebespaar. Anlässlich eines unbedeutenden Ereignisses stellt sie fest, dass ihr die Männer nicht mehr hinterher schauen, sich nicht mehr nach ihr umdrehen, oder sie hat auf jeden Fall den Eindruck, dass das so ist. Um sie zu trösten schreibt ihr Jean-Marc als heimlicher Verehrer einen anonymen Brief. Er hat geglaubt, sie würde ihm den zeigen, und er hätte Gelegenheit ihr zu sagen, dass der Briefschreiber recht habe, dass sie eine attraktive Frau sei und sich das nur eingebildet habe. Allerdings zeigt sie ihm den Brief nicht.

Kundera erzählt die Geschichte abwechselnd überlappend mal aus 'ihrer' Sicht, mal aus 'seiner', wichtige Ereignisse bekommen wir also beider Perspektive erzählt. Sie stellt vermutungen an, von wem der Brief ist und kommt auch irgendwann drauf, die Briefe, denn es kommen weitere, er fragt sich, wieso sie ihm die nicht zeigt, beide interpretiern in das Verhalten des anderen etwas hinein, was garnicht ursächlich war, längst verschlossene Wunden reißen wieder auf. Kundera führt das alles zu einem traumhaften Ende, also auch für happyendbegeisterte ein schönes Buch.

Textbeispiel

Sie schloss die Augen, das angenehme Wort »Promiskuität« kam ihr in den Sinn und setzte sich fest; sie sagte es lautlos vor sich hin: »Promiskuität der Ideen«. Wie konnten sich diese so widersprüchlichen Einstellungen in ein und demselben Kopf ablösen wie zwei Geliebte in demselben Bett? Früher war sie darüber fast entrüstet, aber heute entzückte es sie: weiß sie doch, daß der Gegensatz zwischen dem, was Leroy einst sagte und was er heute vertritt, keinerlei Bedeutung hat. Weil alle Ideen gleichwertig sind. Weil alle Behauptungen und Stellungnahmen den gleichen Wert haben, sich aneinander reiben, sich überschneiden, sich liebkosen, sich vermischen, sich streicheln, sich betatschen, kopulieren können.

Das Buch

Der Fischerverlag hat eine Reihe mit Taschenbüchern aufgelegt, die diesen Namen wirklich verdienen. Pappeinband, Lesezeichenbändchen, liebevoll gestaltet und nur vierzehn mal neuneinhalb Zentimeter groß.


Die Identität: Roman
Die Identität: Roman
von Milan Kundera
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,90

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Männer drehen sich nicht mehr nach mir um, 16. Mai 2007
Rezension bezieht sich auf: Die Identität: Roman (Gebundene Ausgabe)
Der Autor

Milan Kundera, 1929 in Brünn (damals Tschechoslowakei) geboren, ist einer der bekanntesten und kommerziell erfolgreichsten Tschechischen Autoren. Er lebt aber seit 1975 in Frankreich, seit 1994 schreibt er auch in französischer Sprache.

Die Identität

Es geht um Wahrnehmung, gute Absichten, Realität und Traum, und es geht um Liebe. Chantal und Jean-Marc sind ein nicht mehr ganz junges Liebespaar. Anlässlich eines unbedeutenden Ereignisses stellt sie fest, dass ihr die Männer nicht mehr hinterher schauen, sich nicht mehr nach ihr umdrehen, oder sie hat auf jeden Fall den Eindruck, dass das so ist. Um sie zu trösten schreibt ihr Jean-Marc als heimlicher Verehrer einen anonymen Brief. Er hat geglaubt, sie würde ihm den zeigen, und er hätte Gelegenheit ihr zu sagen, dass der Briefschreiber recht habe, dass sie eine attraktive Frau sei und sich das nur eingebildet habe. Allerdings zeigt sie ihm den Brief nicht.

Kundera erzählt die Geschichte abwechselnd überlappend mal aus 'ihrer' Sicht, mal aus 'seiner', wichtige Ereignisse bekommen wir also beider Perspektive erzählt. Sie stellt vermutungen an, von wem der Brief ist und kommt auch irgendwann drauf, die Briefe, denn es kommen weitere, er fragt sich, wieso sie ihm die nicht zeigt, beide interpretiern in das Verhalten des anderen etwas hinein, was garnicht ursächlich war, längst verschlossene Wunden reißen wieder auf. Kundera führt das alles zu einem traumhaften Ende, also auch für happyendbegeisterte ein schönes Buch.

Textbeispiel

Sie schloss die Augen, das angenehme Wort »Promiskuität« kam ihr in den Sinn und setzte sich fest; sie sagte es lautlos vor sich hin: »Promiskuität der Ideen«. Wie konnten sich diese so widersprüchlichen Einstellungen in ein und demselben Kopf ablösen wie zwei Geliebte in demselben Bett? Früher war sie darüber fast entrüstet, aber heute entzückte es sie: weiß sie doch, daß der Gegensatz zwischen dem, was Leroy einst sagte und was er heute vertritt, keinerlei Bedeutung hat. Weil alle Ideen gleichwertig sind. Weil alle Behauptungen und Stellungnahmen den gleichen Wert haben, sich aneinander reiben, sich überschneiden, sich liebkosen, sich vermischen, sich streicheln, sich betatschen, kopulieren können.


Adrian Mole und die Achse des Bösen
Adrian Mole und die Achse des Bösen
von Sue Townsend
  Taschenbuch

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein Schwan kann einem Menschen den Arm brechen, 15. Mai 2007
Sue Townsend ist britische, englische Autorin, inzwischen etwa 60, und wohl vorwiegend durch ihre Buchserie über Adrian Mole bekannt geworden. Ich kannte sie bisher nicht, und auch ihre Hauptfigur Adrian und seine skurrile Familie waren mir bisher unbekannt.

Das Buch spielt zu der Zeit, als Blair und Bush beschließen, die Massenvernichtungswaffen im Irak mit Hilfe eines kleinen, begrenzten, bewaffneten Konflikts zu finden, Sadam zu stürzen und sich von den befreiten Irakern feiern zu lassen. Adrian Mole ist begeisterter Blair-Anhänger und Befürworter des Krieges. Als Blair erklärt, der Irak hätte Waffen, mit deren Hilfe er Zypern in 45 Minuten erreichen kann, canceled er seinen geplanten Urlaub dort und schreibt an Tony Blair, dass er eine Bestätigung dieses Sachverhalts braucht, weil sein Reiseveranstalter sich weigert, die Anzahlung herauszurücken. Handschriftlich reicht völlig.

Adrian Mole Arbeitet bei einem Buchhändler, ein bewundernswert ruhiger und gefestigter Mann, ein beneidenswerter Arbeitsplatz. Allerdings verdient er nicht sehr viel und lebt weit über seine Verhältnisse. Er kauft sich eine Loft-Wohnung und jede Menge Schnickschnack wie einen sprechenden Kühlschrank und eine Heimkinoanlage, die er allerdings nicht nutzen kann, erst kommt er mit den Fernbedienungen nicht klar, dann stellt sich heraus, dass die Räume so schlecht isoliert sind oder dass die Mieterin über ihm so geräuschempfindlich ist, dass er sich gar nicht mehr traut, einzuschalten.

Adrian verliebt sich in eine hübsche junge Kundin, die sich allerdings als Alptraum entpuppt, doch er schafft es nicht, sich von ihr zu trennen, auch als der Hochzeitstermin bereits feststeht, schafft er es nicht, ihr klar zu sagen, dass er nicht will. Dafür schreibt er jede Menge skurriler Briefe.

Unterhaltsam, witzig, bös teilweise, was nettes zum Zwischendurchlesen.


Komm, süßer Tod (Privatdetektiv Brenner, Band 3)
Komm, süßer Tod (Privatdetektiv Brenner, Band 3)
von Wolf Haas
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen 'Das ist schon a bisserl Ding', 8. Mai 2007
In den Brenner-Krimmis soll es immer so zugehen, ich hab erst diesen hier gelesen, darum kann ich es nur üüber diesen hier erzählen. Ein Ich-Erzähler erzählt die ganze Geschichte, und zwar so, wie ein 'lebendiger' Erzähler uns die erzählen würde. Er spricht den Leser also direkt an, mit so Konstruktionen wie 'jetzt pass auf, Lebensweisheit, wenn dir einer...' oder 'ob du's glaubst oder nicht' oder 'Das ist schon a bisserl Ding'.

Wer dieser Ich-Erzähler ist, woher er das alles weiss, das klärt sich in diesem Buch nicht auf, ist aber nicht so wichtig.

Brenner, der lange Jahre Polizist war und danach kurz Privatdetektiv, arbeitet jetzt als Rettungsfahrer. Als plötzlich das andere Wiener Rettungsunternehmen seinem Arbeitgeber die Patienten wegklaut, wird er von seinem Arbeitgeber gebeten, doch mal nachzuforschen, woran das liegt. Plötzlich geschehen noch 3 Morde, der Chef der Blutbank beispielsweise und ein Kollege vom Brenner müssen sterben, und auch hier wird er irgendwie in die Ermittlungen hineingezogen. Am Ende klärt er es natürlich auf, wie sich das für einen Krimi gehört.

Viel wichtiger sind aber der schwarze Humor vom Haas, die wunderschön nachempfundene Sprache, die die Erzählsituation perfekt abbildet, die skurrilen Details. Alles sehr makaber und bissig. Lesen!


Das stille Mädchen: Roman
Das stille Mädchen: Roman
von Peter Høeg
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,90

11 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Kierkegaard hätte an diesem Morgen dabeisein sollen, sie fuhren nämlich bis ins oberste Stockwerk, 3. Mai 2007
Peter Høeg ist den meisten bekannt geworden durch 'Fräulein Smillas Gespür für Schnee', das ist auch das einzige, was ich bisher von ihm gelesen hatte. Er wurde 1957 in Kopenhagen geboren. Er hat Literaturwissenschaft studiert und ist ausgebildeter Schauspieler und Tänzer. 'Das stille Mädchen' ist sein 5. Buch.

Es geht um ... - ja, das ist nicht so einfach. Ein bisschen hat man das Gefühl, alle Ideen, alle Gedanken, die ganze Welt des Autors ist in diesem Buch gelandet, lauter kostbare Textatome und Textmoleküle sind zu einem fast unüberschaubaren Roman verwoben worden. Unüberschaubar, zumindest für mich, aber auch der Verlag scheint ein wenig Zweifel zu hegen, sie haben extra eine Lesezeichenkarte mit den handelnden Personen beigelegt. Die gibt es auch im Internet, darum habe ich den Inhalt hier mal übernommen:

Kasper Krone, begnadeter Clown, Musiker und Pokerspieler, Bach-Verehrer, hat seit einem Unfall in seiner Kindheit eine besondere Begabung: Er hört jeden Menschen in seiner eigenen Tonart. Seitdem ist er ein Suchender nach Stille. Wegen Steuerschulden von der Ausweisung aus Dänemark bedroht

Maximillian Krone, Kaspers Vater, ursprünglich Artist, dann Jurist, liegt todkrank im Hospiz des Kopenhagener Reichskrankenhauses und hat Zugang zu vielerlei Informationskanälen

Stine Claussen, Ingenieurin, Geologin und Hydrologin, frühere Geliebte von Kasper mit unklarer Vergangenheit und die Frau, die er noch immer liebt

KlaraMaria, das »stille Mädchen«, entführtes Kind mit vollkommen harmonischem Klangbild

Josef Kain, führender Kopf in der Wirtschaftskriminalität, will die besondere Begabung der »stillen Kinder« für sich ausbeuten

Mutter Maria, die »Blaue Dame«, Äbtissin und Metropolitin im Rabia-Stift, einem russisch-orthodoxen Frauenkloster, hat einen Pakt mit Kasper geschlossen

Schwester Gloria, die »Afrikanerin«, schwarze kampfsporterprobte Krankenschwester aus dem Rabia-Stift

Franz Fieber, früher Stuntman, technisch hochbegabt, nach einem schweren Unfall Chauffeur fürs Rabia-Stift

Daffy, früher Meisterdieb, jetzt Verwalter und Hausmeister

Vivian, »die Schreckliche«, Ärztin und Leiterin des Hospizes, Maximillians Freundin

Lone Bohrfeldt, Hebamme und Ärztin, Leiterin einer Geburtsklinik, war an der Studie über die »stillen Kinder« beteiligt, hochschwanger

Mørk, der »Kardinal«, hoher Beamter im Justizministerium mit großer Sehnsucht nach Gerechtigkeit

Asta Borello, Amtmännin im Finanzministerium, verfolgt Kaspers Ausweisung

Feodora Jensen, alte Artistin mit berühmter Vogelnummer, unglaublichem Gedächtnis und einem Erinnerungsarchiv

Ernst, der »Mann mit dem Hörgerät«, brutaler Leibwächter Kains

Gert Suenson, rotes Gesicht und türkisfarbene Augen, arbeitet beim Amt für Gewässer und Schiffahrt, Bootsführer

Professor Frank, der »blonde Prinz Eisenherz«, war an der Studie über die »stillen Kinder« beteiligt

Kejsa, die »Aristokratin vom Strandvej«, Polizistin

Sonja, leitet eine Zirkusagentur, Vertraute, Agentin und frühere Freundin von Kasper

Bastian, der verschwundene Junge

Weidebühl, Vertreter des Kirchenministeriums, Anwalt und Rechtsberater

Aske Brodersen, Entführer von KlaraMaria, arbeitet für Kain

Irene Pappas, die »blonde Frau«, Entführerin von KlaraMaria, Mitarbeiterin von Kain

Bobech Leisemeer, Inhaber und Küchenchef vom Restaurant Copenhagen Dolce Vita

Andrea Fink ist beim Polizeilichen Nachrichtendienst

Oberstleutnant Brejning, Der »Page«, arbeitet beim Militärischen Nachrichtendienst

Die Chaconne, Kaspers vornehme Lieblingsmusik, der fünfte Satz der Solo-Partita d-Moll für Violine von Johann Sebastian Bach (BWV 1004)

Die Handlung, besser der Text ist voller Symbolik, und für jemanden wie mich, mit schlechtem Gedächtnis und fast vollständiger Ignoranz gegenüber der abendländischen Kultur, ist es manchmal schwer zu unterscheiden, ob es sich wirklich um ein Symbol handelt, oder ob ich mir da nur was einbilde.

Dis Geschichte ist etwas an den Haaren herbeigezogen, die Personen teilweise ser archetypisch, vieles war mir zu verworren. Ich bin aber in vielen Dingen ein vorgangsorientierter Mensch, das bedeutet auch, dass ich beispielsweise bei Filmen Spaß an einem Bild, einer Szene haben kann, auch wenn ich die Geschichte abstrus finde und mir am Ende der Schluß nicht gefällt, und bei Büchern ist es genauso, die Textmolekülen machen mir großen Spaß, viele Ideen sind brillant, das ganze Buch ist mir zu überladen beziehungsweise es überfordert mich zumindest gedächtnismäßig. Beziehungsweise, ich bilde mir ein, mit einem besseren Gedächtnis, besserer Kenntnis der Bach'schen Musik, besserer Kenntnis der abendländischen Philosophen und besserer Kenntnis der Bibel hätte man noch mehr Spaß daran haben können. Aber Auch so hat es Spaß gemacht.


Klausen: Roman (suhrkamp taschenbuch)
Klausen: Roman (suhrkamp taschenbuch)
von Andreas Maier
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,00

7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Damit war es geschehen. Klausen war nun ein Tatort., 1. April 2007
Andreas Maier (*1.9.67) ist ein deutscher Schriftsteller, der über Thomas Bernhard promoviert hat (ihr erinnert euch sicher noch an 'Holzfällen' und 'Der Untergeher' aus einem der letzten Blogs) und seine Romane erinnern im Stil und Ton auch sehr an eben Bernhard. Ich hab bisher Wäldchestag, Kirillow und eben jetzt Klausen gelesen. Er nimmt sich immer ein relativ unbedeutendes Ereignis und beleuchtet das aus allen Seiten. Er erzählt im Stil einer Reportage oder eines Berichtes, der mündlich erzählt wird. Später beim Textbeispiel wird es vielleicht klarer.

Klausen ist ein kleiner Ort in Südtirol, an dem eine 'Tat' begannen wird, die eher unbedeutend ist oder zumindest nur lokale Bedeutung hat, und die im Zusammenhang mit der durch das Eisacktal verlaufenden Brennerautobahn steht. Maier stellt uns die gesamte lokale Prominenz vor, alles Menschen wie du und ich, also bei Licht betrachtet alles schräge Gestalten, mit Profilneurosen, Alkoholproblemen, ungelösten Sinnfragen, Alltagsproblemen und so weiter. Er begleitet diese Klausener ein paar Tage lang und berichtet uns. Dies, wie bei Maier (und auch bei Bernhard) üblich, in fast nur einem Absatz, fast ohne wörtliche Rede, aber nicht, wie manche (Amazon)-Reszensenten geschrieben haben, komplett im Konjunktiv, sondern nur da, wo es gramatikalisch richtig ist, in der Indirekten Rede, beispielsweise.

Textbeispiel gewünscht? Da:

Der Unterwirt in Feldthurns konnte später niemandem mehr sagen, ob es sich bei seinem Gast mit eindeutiger Sicherheit um Josph Gassner gehandelt hatte oder nicht, Er erzählte, dieser junge Mann habe sich einen sauren Kalbskopf und einen Viertel Roten bestellt, er, der Unterwirt, habe sich das deshalb gemerkt, weil der Gast lediglich ein Glas Wein getrunken, aber den Kalbskopf überhaupt nicht angerührt, sondern blos prüfend angestarrt habe, auf eine sehr auffälligeund absonderliche Weise, so dass er , der Wirt, gefragt habe, ob denn etwas mit dem Kalbskopf sei. Der Mann habe diese Frage jedoch überhaupt nicht beachtet, sondern einen Schnaps bestellt und begonnen, seinerseits nach ganz verschiedenen Sachen zu fragen. Er wirkte dabei dem Wirt zufolge einerseits aufgeräumt, andererseits aber seltsam interessiert. Der Unterwirt erzählte, dass er im Feldthurner Kulturverein sei, daß er dort den Vorsitz innehabe, daß das Schloss Feldthurn eine einzigartige Sehenswürdigkeit sei, daß Feldthurns überdies ein Schwimmbad besitze, und er erzählte alles das allein aus dem Grund heraus, weil der Gast beim Zuhören in immer größere Begeisterung kam.

Ja, so geht das weiter. Gut 200 Seiten, großer Spaß. Unbedingt lesen.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 26, 2016 12:27 PM MEST


Bis bald. Roman
Bis bald. Roman
von Markus Werner
  Taschenbuch

8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bis bald, 28. März 2007
Rezension bezieht sich auf: Bis bald. Roman (Taschenbuch)
Markus Werner (*27.12.44) ist ein schweizer Schriftsteller. Er ist ausgebildeter Lehrer und hat erst als 40-jähriger seinen Debutroman veröffentlicht.

In Werners Romanen, zumindest in denen, die ich bisher von ihm gelesen habe (Zündels Abgang, Froschnacht, Bis bald, Festland, Am Hang) geht es immer um Menschen, die beobachtend am Rand der Geselschaft stehen.

In 'Bis bald' geht es um den Denkmalschützer Lorenz Hatt. Die Erzählsituation ist folgende. Hatt liegt in seinem Krankenbett in seiner Wohnung und erzählt einem Besucher die geschichte seiner Krankheit und damit verbunden, darüber hinaus, die Geschichte seines Lebens. Jeden Tag, andem er erzählt, gibt ein Kapitel, mal länger, wen es ihm nicht gut geht auch nur ein paar Seiten. Manchmal geht es auch garnicht um ihn, sonden um den Hund seiner Zugehfrau oder um den Inhalt eines Buches, das er gerade liest. Insgesamt aber spannt sich die Geschichte einer Herzkrankheit auf, einem gesunden Mann, mitten im Leben, geht plötzlich das Herz abhanden.

Markus Werner geht nicht ohne Textbeispiel. Der Protagonist sitzt im Wartzimmer, und macht sich so Gedanken über das Warten: «Nach einer Weile sagst du dir, als müsstest du dich selbst entlasten: Warten tun alle. Und zum Beweis erstellst du in Gedanken eine Liste. Gewartet wird zum Beispiel auf die Beförderung, auf eine Antwort, auf grünes Licht, auf die Verdauung, aufs Wochenende, auf den Kellner, auf Hochzeit, Niederkunft und Scheidung und auf die Lottozahlen, auf Regen, auf den Bus, auf Sonnenschein, auf die Periode, auf die Urteilsverkündung, auf Schnee, auf Derrik, auf die Pausenglocke, auf die Entwicklung der Ferienfotos, auf das Amen, auf ein Mittel gegen Haarausfall, auf Erlösung, auf die Gäste, aufs Wunschkonzert, aufs Resultat, auf den Orgasmus, aufs jüngste Gericht, auf den Einfall, auf die Ankunft, auf den richtigen Zeitpunkt, auf die Post, auf bessere Zeiten, auf den Schlusspfiff.»

Ja, Markus Werner lebt zum Glück noch, es kann noch einiges kommen, ich hoffe darauf. Ich bin gerade dabei, alles von ihm zu lesen, die Bücher unterscheiden sich stark, auch wenn Werner natürlich wie alle anderen eine 'Lebensgeschichte' hat, die er immer wieder erzählt. Ich könnte nicht sagen, welches Buch man von ihm als erstes lesen soll, warum nicht dieses hier. Bis bald.


Der Untergeher. SZ-Bibliothek Band 5
Der Untergeher. SZ-Bibliothek Band 5
von Thomas Bernhard
  Gebundene Ausgabe

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Klaviervirtuosen, 27. März 2007
In diesem Buch vermischt Bernhard Fiction und Realität auf unterhaltsame Art und Weise. Der berühmte Pianist Glenn Gould ist eine der Hauptpersonen dieses Romans. Außer um ihn geht es um die Titelfigur Wertheimer und um den Ich-Erzähler. Die drei Klaviervirtuosen aus jeweils wohlhabendem Haus lernen sich bei einem Kurs von Horowitz am Salzburger Mozateum kennen. Dem Ich-Erzähler und der Titelfigur wird schnell klar, dass sie niemals die Genialität des dritten erreichen können und beenden deshalb ihre Pianistenlaufbahnen, bevor sie diese überhaupt begonnen haben und scheitern von da ab.

Die Erzählzeit ist nach der Beerdigung von Wertheimer, der als 51-jähriger Selbstmord begannen hat. Glenn Gould ist zu diesem Zeitpunkt auch bereits tot, er starb etwa ein Jahr früher an einem Schlaganfall. In der (Bernhard-üblichen) vielschichtigen Geschichte erzählt der Ich-Erzähler, wie er nach der Beerdigung am letzten Zufluchtsort des Untergehers in ein Gasthaus geht, um dort ein Zimmer zu mieten bis zu dem anschließenden Besuch im Landhaus des Verstorbenen, und alles, was ihm in dieser Zeit durch den Kopf geht. Also während er in den Gasthof geht, denkt er daran, wie sie sich damals kennengelert haben und so weiter.

Etwas näher am Wahnsinn noch als 'Holzfällen', vorallem durch die Vermischung von erdichtetem mit authentischem Material, eine wirkliche Empfehlung.


Holzfällen: Eine Erregung (suhrkamp taschenbuch)
Holzfällen: Eine Erregung (suhrkamp taschenbuch)
von Thomas Bernhard
  Taschenbuch

7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen dachte ich auf dem Ohrensessel, 27. März 2007
Der Protagonist, Ich-Erzähler, erzählt von einem 'Künstlerischen Abendessen' beim Ehepaar Auersberger. Die Erzählsituation ist dreischichtig, er erzählt, was bei dem Abendessen passierte und vor allem was er dabei dachte, erst 'auf dem Ohrensessel' während auf den Ehrengast gewartet wird, einen Burgschauspieler, dann beim Essen und anschließend im Musikzimmer denkt der Protagonist an die Zeit vor 20, 25, 30 Jahren, als er regelmäßig Gast war bei Auersberger, an die Beerdigung einer gemeinsamen Freundin am selben Nachmittag und an die Situation der Einladung, als die Auersberger ihn angesprochen haben auf dem Graben, am Tag des Selbstmordes dieser gemeinsamen Freundin.

Bernhard ergeht sich in Wiederholungen, strukturellen Wiederholungen und Mustern. Der Untertitel von dem Buch ist 'Eine Erregung' und genau so muss man es lesen. Ein grantelnder, unzufriedener knapp 50-jähriger erzählt, wie verlogen alle um ihn rum sind, wie banal die Gespräche, erinnert sich dabei, selbst so banal gewesen zu sein oder immer noch zu sein und offenbart auch seine eigene Verlogenheit dabei. So schimpft er fast 300 Seiten lang auf die Auersberger, erzählt aber, dass er beim Abschied gesagt habe, wie sehr es ihm gefallen hat, und so weiter.

Tolle Sprache, wunderschöne Strukturen, wie ein Rausch ohne Kater.


Die kleine Garbo
Die kleine Garbo
von Bodo Kirchhoff
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das weiß man nicht., 15. Februar 2007
Rezension bezieht sich auf: Die kleine Garbo (Gebundene Ausgabe)
Hoederer ist ein klassischer Looser, vom Pech verfolgt. Wegen ein paar Kindereien von der Lehrerlaufbahn ausgeschlossen, wegen ein paar anderer kleiner Fehler aus dem Job geflogen, von der Frau verlassen wegen eines anderen, der mehr Erfolg hat, er sieht sein Leben am Ende. An einem garstigen Wintertag beschließt er sich umzubringen. Aber wie alle, die eigentlich am Leben hängen, schafft er es nicht einfach so, obwohl er eine Pistole hat. Mit seinem Motorrad fährt er aus der Stadt.

Am Ende eines Ortes am Ende der Welt geht er in eine kleine Bankfiliale, eigentlich, um sich aufzuwärmen, plötzlich überkommt es ihn, er zieht die Pistole und begeht einen Überfall. Der geht natürlich auch schief, er erbeutet zwar ein paar Euro, allerdings tötet er aus versehen eine Bankkundin, ein Querschläger trifft sie im Auge.

Ein weiterer Mensch stirbt, die Umstände will ich jetzt nicht verraten, auf jeden Fall landet er in einer Limousine mit einem Engel. Der Engel, das ist ein junger Fernsehstar, ein 12-jähriges Mädchen, schon fertig für den geplanten Nachtdreh, deshalb im Engelkostüm.

Er entführt die kleine. Sie fahren durch einen undurchdringlichen Wald, während an anderer Stelle alles zur Rettung vorbereitet wird.

Das Kind, Marie-Luise, 'Malu' genannt, ist ziemlich der Gegenentwurf zu Hoederer, jung, erfolgreich, gut gemanagt, altklug. Trotzdem ist sie es, die Hoederer die richtigen Fragen stellt. Die 2 verbringen eine Nacht miteinander, reden über Bruchrechnung, 60er-Jahre-Musik, Opern, Schwarz-Weiß-Filme, Pferde und Kreuzfahrten und arbeiten so 2 Leben auf, die beide noch verbesserungsfähig sind.

Kirchhoff ist einer meiner Lieblingsautoren, ich gebe zu, dass mein Urteil vielleicht nicht objektiv ist, andererseits, kann ein Urteil über Literatur objektiv sein, und wenn, sollte es das?


Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10