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STB

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The Rise of Chaos
The Rise of Chaos
Wird angeboten von DVDMAXXX
Preis: EUR 11,79

5 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Business as usual mit Abnutzungserscheinungen, 8. August 2017
Rezension bezieht sich auf: The Rise of Chaos (Audio CD)
Dass Accept seit ihrem sensationellen Comeback mit "Blood of the Nations" im Jahr 2010 wieder zu den brillantesten Metal-Bands des Planeten gehören, ist unbestritten. Dass sie allerdings mit jedem weiteren Album zunehmend an Biss verloren haben, wohl ebenfalls. "Stalingrad" (2012) war schon nicht mehr der ganz große Wurf, aber verdammt stark, "Blind Rage" (2014) immer noch solide, jedoch wesentlich abgeklärter. Auf dem vierten gemeinsamen Album "The Rise of Chaos" (2017) präsentiert sich die Truppe um Meistergitarrist Wolf Hoffmann, Bassist Peter Baltes und Sänger Mark Tornillo nun eine Spur zu eingefahren. Aus der ungezügelten Frische des Debüts wurde ein ganz gewöhnlicher Job, so wirkt es. Man liefert das, was man immer liefert: Fette Monster-Riffs, einprägsame Gang-Shouts und raspelnde Vocals. Nach wie vor auf einem exorbitant hohen Niveau, nur steht den Fans dieses Mal nicht mehr der Mund offen.

Die Platte punktet erneut vor allem auf klanglicher Ebene. Der kristallklare, ultra fette Sound von Andy Sneap ist in einem von rumpeligen Krach-Produktionen dominierten Genre nach wie vor einzigartig. Viele Fans und Kritiker sehen es als Schwachpunkt, dass der hochbegabte Engländer erneut an den Reglern dreht. Für mich ist seine Arbeit das entscheidende Detail, welches Accept zu einer Weltklasse-Band macht. Wieso klingen die Aufnahmen von Iron Maiden oder Judas Priest wie aus einem runtergekommenen Demostudio, wenn Sneap beweist, dass man mit digitaler Produktionsweise gleichsam authentisch wie zeitgemäß klingen kann? Das werde ich wohl nie verstehen. Vor allem der von ihm gezauberte, knackig-präsente Drumsound sucht seinesgleichen.

Nun aber zum musikalischen Teil. Zehn Songs sind an Bord, den Anfang macht "Die by the Sword". Sofort wird deutlich, dass man den Kurs des Vorgängers "Blind Rage" weiter fährt. Weniger Uptempo, dafür mehr Melodie. Prinzipiell ein guter Ansatz, in diesem Fall klingt das aber etwas bieder. Die Nummer ist recht flott ohne abzuzischen, recht heavy ohne wirklich zu zerstören. Es fehlt einfach das Sahnehäubchen. Wir reden hier unbestritten über Welt-Niveau, trotzdem ist der Mangel an Hingabe unüberhörbar. Ich hätte mir einen richtigen Feuerspucker als Einstieg gewünscht. Es bleibt einfach (zu) wenig hängen.

Im schweren "Hole in the Head" wird die sowieso schon leicht gedrosselte Geschwindigkeit noch weiter herunter gefahren. Braucht etwas Zeit zur Entfaltung, dann zündet es aber richtig. Ein brutaler Banger voller Aggression - so geht das! Die tonnenschweren Riffs erdrücken einen fast und Tornillo schreit sich die Seele aus dem Leib. Da ist es doch, das zuvor vermisste Feuer. Überzeugend.

Der Titeltrack "The Rise of Chaos" hat mich schon als Vorab-Single latent gelangweilt. Sägende Gitarren, rauer Gesang, schwacher Refrain ist wohl die treffendste Zusammenfassung. Zu einem gelungenen Metal-Monster gehört meines Erachtens ganz zentral auch ein hervorstechender Chorus und der fehlt bei diesem Song einfach. Hört sich zu repetitiv und nicht stimmig an. Höchstens okay.

Dafür gelingt mit "Koolaid" eine der größten Heldentaten der Bandgeschichte. Textlich geht es um das Jonestown-Massaker, bei dem der Sektenführer Jim Jones 1978 über 900 Menschen in den rituellen Selbstmord getrieben und sich schließlich (vermutlich) selbst das Leben genommen hat. Das Getränkepulverkonzentrat "Kool-Aid" war dabei ein Bestandteil des tödlichen Cocktails, der den Mitgliedern verabreicht wurde. Die Phrase "Don't drink the Kool-Aid" ist seither im amerikanischen Sprachgebrauch als Synonym für eine Warnung vor blindem Gehorsam zu verstehen - das schließt die Brücke zum Albumtitel "The Rise of Chaos". In einer dunklen Welt voller Bedrohungen lässt es sich nur überleben, indem man das Hirn einschaltet, lautet die grundsätzliche Botschaft des Werks. Dennoch verstehen sich Accept höchstens am Rande als politische Band und so bereitet die musikalische Verpackung trotz des schweren Themas eine Menge Freude. Das Schlagzeug groovt wie die Hölle, das Riff donnert in bester AC/DC-Manier und der Refrain ist ein unverschämter Killer. Mit weitem Abstand das Highlight des Albums. Hätte ich mir als erste Single gewünscht. Hier funktioniert die Mélange aus Melodie und Rotzgitarren exzellent. Ich könnte mir vorstellen, dass "Koolaid" bei entsprechender Promotion sogar in den Charts etwas reißen würde. Der größte Hit, den Hoffmann und Co im neuen Jahrtausend veröffentlicht haben. Geht mir nicht mehr aus dem Kopf.

Auch "No Regrets" hat mich sofort begeistert. Kaum zu glauben, es wird tatsächlich mal die Doublebass ausgepackt. Vortreffliches Gebolze in Kombination mit herrlichen Melodiebögen, das der Seele gut tut und den Kopf frei pustet. Genau deshalb liebe ich klassischen Heavy Metal so sehr. Accept lassen endlich die Muskeln spielen, der Chorus wird einem förmlich in die Hirnrinde gezimmert.

Das kauzige "Analog Man" schlägt wieder in die AC/DC-Kerbe, vor allem der gefährliche Bass von Peter Baltes macht Spaß. Schlüssige Nummer über die Überforderung alternder Rocker in einer digitalisierten Welt. Lässt sich vortrefflich mitbrüllen. Single-Kandidat.

Von den letzten vier Liedern des Albums bleibt nur noch das feine "World's Colliding" hängen. "What's done is done", die zweite Uptempo-Nummer "Carry the weight" und "Race to Extinction" sind ganz nett, aber eigentlich nicht der Rede wert.

So überwiegt nach einer guten Dreiviertelstunde der Eindruck, dass Accept es besser können. Nur "Hole in the Head", "Koolaid", "No Regrets" und "Analog Man" bestehen den Vergleich mit dem Material der letzten Jahre. Zu wenig für eine Band, die außergewöhnlich begabt ist. Trotz des exzellenten neuen Drummers Christopher Williams fehlt der frische Wind. Vielleicht hätte Wolf Hoffmann dieses Mal nicht (wie üblich) alle Gitarren selbst einspielen, sondern dem nur für die Tourneen gebuchten Zweit-Gitarristen Uwe Lulis (Ex-Grave Digger) auch etwas Raum geben sollen. Nach dem kühlen Rausschmiss von Herman Frank und Stefan Schwarzmann wäre das ein Signal der Öffnung gewesen, das die Band meines Erachtens dringend benötigt. Denn ja, die Verbindung mit Sänger Mark Tornillo funktioniert hervorragend, dennoch muss sich etwas Grundlegendes verändern. Ansonsten gibt es auch auf dem nächsten Album wieder nur Altbekanntes mit Abnutzungserscheinungen.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 10, 2017 11:41 AM MEST


Close To The Sun
Close To The Sun
Preis: EUR 16,99

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Das gab's noch nie: Place Vendome enttäuschen auf ganzer Linie, 22. März 2017
Rezension bezieht sich auf: Close To The Sun (Audio CD)
Mensch, Kiske. Was ist los mit dir? Hat dich die Leidenschaft verlassen? Schon deine Performance als Gast auf dem Avantasia-Album "Ghostlights" von 2016 wirkte seltsam lustlos und abgeklärt. Ein Jahr später steht es offenbar noch schlimmer um dich. Anders ist das, was du auf "Close to the Sun" ablieferst, kaum erklärbar. Klar, die Songs sind an sich schon sehr belanglos, da kann auch der beste Sänger kaum noch etwas retten. Aber deshalb komplett Schmalspur fahren? Das ist man bisher nicht von dir gewohnt.

Das untrügliche Gespür für fette AOR-Hits, das dein Studio-Projekt "Place Vendome" auf den drei bisherigen Alben ausgezeichnet hat - mit einem Mal wie weggeblasen. Stattdessen gibt es plötzlich biederen Einheitsbrei aus der Mottenkiste des abgestandenen Achtziger-Rocks. Das schmerzt umso mehr wenn man weiß, was eigentlich in dir steckt, lieber Michael Kiske. Wenn man weiß, dass du einer der unverkennbarsten, berührendsten Rock-Sänger bist, die es wohl jemals gegeben hat.

Jedem, der die Welt des mittlerweile 49-Jährigen entdecken will, seien die Place-Vendome-Wunderwerke "Place Vendome" (2005), "Streets of fire (2009) und "Thunder in the Distance" (2013) wärmstens ans Herz gelegt. Sie bieten High-Class-AOR, wie ihn in den letzten Jahren kaum eine Band hinbekommen hat. Kompositionen, Gesangsvortrag und Produktion sind bis ins letzte Detail ausgeklügelt und mit Herzblut umgesetzt worden. Hier klingt nichts nach leblosem Studio-Projekt. Das Anfang 2017 erschienene "Close to the Sun" führt das alles allerdings ad absurdum. Lasche Songs, gelangweilter Gesangsvortrag und ein matschiger Sound - also das komplette Gegenteil des bisher Dagewesenen.

Obwohl auch dieses Mal wieder die Stammband um Bassist und Produzent Dennis Ward (Pink Cream 69, Unisonic u.v.m.) am Start ist, kommt die gewohnt leichtfüßige Energie nicht rüber. Schon der Eröffnungs-Titel "Close to the Sun" bietet nichts, was nachhaltig im Ohr bleiben würde. Im Gegenteil, der arg jammerige Chorus nervt direkt beim ersten Mal. So etwas habe ich bei Michael Kiske noch nie erlebt. Auch manche früheren Songs waren nicht das gelbe vom Ei, aber was hier über die gesamte Laufzeit des Albums geboten wird, ist erschreckend. Einzig die beiden Singles "Welcome to the Edge" (angenehm tiefere Stimmlage) und "Light before the Dark" (ebenfalls angenehm tiefere Stimmlage) gehen als annehmbar durch, wären auf den anderen LPs aber kaum aufgefallen. Dass man das brutal schwache "Hereafter" als Lyric-Video ausgewählt hat, ist eine Farce. Null Stimmung oder Atmosphäre. Das ist aufgeblasene Wichtigtuerei ohne jegliche Tiefe oder catchy Refrain.

Ganz schön schwer, so rigoros zu sein, aber wenn man ehrlich ist, hat der ganze Output nicht mehr als zwei Sterne verdient. Auch nach mittlerweile sechs vollständigen Durchläufen plätschern die Songs trivial vor sich hin. Spätestens ab der Hälfte der 12 Stücke ist es für den Hörer nur noch Pflichterfüllung. Zwischendurch bietet das nette "Across the Times" einen kleinen Lichtblick, doch die Struktur des Jammer-Refrains von "Riding the Ghost" macht die zarte Hoffnung auf Besserung sofort zunichte. Zudem hätte ich es nicht für möglich gehalten, dass ein Spitzenkomponist wie Magnus Karlsson eine derartige Nullnummer wie "Falling Star" abliefern kann. Sein nicht minder begabter Kollege Alessandro Del Vecchio (Hardline u.v.a.) macht es mit "Yesterday is gone" zumindest ein wenig besser und verhindert den Totalausfall. Die restlichen Tracks sind für die Tonne.

Und Michael Kiske? Der kämpft sich irgendwie durch. Bei seinen Fähigkeiten ist es wohl unmöglich, eine wirklich schlechte Leistung zu bringen. Gut ist sie aber halt auch nicht. Ich würde sagen sie bewegt sich gefährlich nah am untersten Rand dessen, was der Hamburger aus sich heraus holen kann. Irgendwie hinter sich gebracht und dabei blass geblieben ist das schlimmste Zeugnis, das man einem Sänger diesen Kalibers ausstellen kann.

Zumindest das farbintensive Cover entspricht dem bisherigen Standard. Das plus zwei ordentliche und zwei irgendwie akzeptable Lieder reicht einfach nicht. Als Fan wünsche ich mir, dass bei seiner nächsten Arbeit wieder der Funke überspringt und man dem Weltsänger anmerkt, dass er Bock auf das hat, was er da macht. Keine halben Sachen mehr. Lieber erst etwas veröffentlichen, wenn es richtig gut geworden ist und vor allem: Schlechtes Material muss in Zukunft gnadenlos aussortiert werden. Kiske, bitte schnellstmöglich aufwachen!


The Valley Of Tears - The Ballads
The Valley Of Tears - The Ballads
Preis: EUR 8,89

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Stimmige Idee, mäßige Umsetzung, 12. Februar 2017
Ein reines Balladen-Album ergibt wohl bei kaum einer anderen Rockband mehr Sinn als bei den Melodiekönigen von Magnum. Sie stehen zwar nicht ausschließlich für langsame Nummern, doch wenn sie sie im Gepäck haben, geraten diese meistens sehr prächtig und gefühlvoll. Vor allem aber schwimmen sie leicht mal unter dem Mainstream-Radar und erfahren beim breiten Rock-Publikum nicht die ihnen eigentlich angemessene Würdigung. Deshalb ist "The Valley of Tears - The Ballads" (2017) prinzipiell eine gute Idee. Allerdings lässt die Song-Auswahl zu wünschen übrig. Das ist der große Schwachpunkt.

Den Anstoß für diese Liedersammlung gibt Dionne Clarkin, die Tochter von Bandboss Tony. Daraufhin sucht der die seines Erachtens geeignetsten Stücke heraus. Einige werden neu aufgenommen, die Restlichen erfahren einen Remix und eine Live-Version ist auch dabei.

Ich finde es irgendwie interessant, wie sehr sich Tony Clarkins Geschmack anscheinend von meinem unterscheidet. "Dream about you", "A face in the Crowd", "The last Frontier", "The Valley of Tears" und "Putting things in Place" wären bei mir niemals in die engere Auswahl gekommen. Gute Songs, ohne Frage, aber es gibt mindestens ein Dutzend stärkere Magnum-Balladen. Auffällig ist, dass sich der Gitarrist und alleinige Komponist wohl bewusst nicht weiter zurück gewagt hat als bis ins Jahr 1992, um die sattsam bekannten Hits zu umgehen. Der älteste Track "Broken Wheel" vom sträflich unterbewerteten "Sleepwalking" aus eben diesem Jahr ist für mich eine echte Überraschung. Im Original hat mir immer etwas gefehlt, durch die Neuaufnahme wird der Song plötzlich zum herzerwärmenden High-Class-Rock. Übersänger Bob Catley klingt hier mit fast 70 außerdem stärker als anno 1992.

Die Referenz dieser Kompilation ist "Back in your arms again", die meines Erachtens stärkste Magnum-Ballade ever. Wer sich gerne in romantische Gefühlswelten träumt, wird hier voll auf seine Kosten kommen. Eine edle, stolze Hommage an die Liebe. Die Neuaufnahme ist mir Soundmäßig aber ein bisschen zu schmalspurig (sprich digital) unterwegs. Das Original vom Album "Rock Art" (1994) klingt eine Spur rockiger und organischer. Dennoch eine Jahrhundertballade. Von der Bedeutung nur knapp dahinter rangiert das hier nicht berücksichtigte "The last Dance" (1985), das meines Erachtens zwingend hätte dabei sein müssen.

Auch "Lonely Night" erfährt eine (akustische) Neuauflage. Gefällt mir in der Fassung von 1993 besser.

Auf die Live-Version von "When the World comes down" hätte ich wohl ebenfalls verzichtet, dennoch finden sich auch genug Argumente dafür, dass dieser Klassiker seinen Weg aufs Album gefunden hat.

Pluspunkte gibt auf jeden Fall das stimmungsvolle Cover, das von Bassist Al Barrow gestaltet wurde und im Hintergrund dezente Verbeugungen vor dem eigentlichen Cover-Illustrator Rodney Matthews aufweist. Warme Farben, geheimnisvolle Tiefe, Wohlfühlatmosphäre, Freiheit - alles Attribute, die Magnum-Fans besonders schätzen und die sich hier wiederfinden.

"The Valley of tears" ist also auf der rein musikalischen Seite nichts anderes als ein nettes Gimmick für Sammler und Leute, die mal kostengünstig reinschnuppern wollen. Für eine Hit-Compilation ist die Song-Auswahl dann doch zu dürftig. Allerdings gewinnt die Platte eine (traurige) Wichtigkeit, ist sie doch die letzte Arbeit von Keyboarder Mark Stanway mit der Band. Ende 2016 gibt er aufgrund von "unveränderlichen Umständen" seinen Ausstieg bekannt - nach 36 Jahren. Innerhalb des kleinen Magnum-Universums kommt das einer Supernova gleich. Stanway ist nämlich maßgeblich verantwortlich für die opulenten Ausschmückungen, die die gerade in den letzten Jahren sehr Rifforientierten Songs süffig abgerundet haben. Es wird sich sicher ein geeigneter Nachfolger finden, allerdings hat der Tastenmann einen derart leisen Abgang durch die Hintertüre eigentlich nicht verdient. Bei der hohen Produktionsfrequenz der Band wird der Neue sicher bald vorgestellt und mit dem nächsten Album eingeführt werden. Dass eine derart enge, perfekt abgestimmte Zusammenarbeit wie von Catley und Clarkin mit Stanway noch einmal möglich sein wird, bezweifle ich.

Ich hätte für ein Magnum-Balladenalbum folgende Songs gewählt:

1 Back in your arms again
2 Stormy Weather
3 The last Dance
4 Shoot
5 The Flood
6 I will decide myself
7 Don't fall asleep
8 The Spirit
9 Inside your head
10 Les Morts dansant
11 Lonely Night (Akustik Version 1993)
12 On Christmas Day (Re-Recorded 2014)
13 The Blue and the Grey
14 The Moonking
15 Crying time
16 Neuer Track (Bonus)
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 28, 2017 6:45 PM CET


Hardwired...To Self-Destruct (Deluxe) [Explicit]
Hardwired...To Self-Destruct (Deluxe) [Explicit]
Preis: EUR 12,49

11 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Die Glut lodert, aber das Feuer brennt nicht, 24. November 2016
Der 18. August 2016 ist ein einschneidender Tag für mich. Ein Tag, der mich einer meiner Lieblingsbands urplötzlich wieder nahe bringt. So als ob man seine Jugendliebe nach einer Ewigkeit wieder trifft und sich sofort diese unbeschreiblich intensive Anziehungskraft von einst einstellt.

In den rund acht Jahren vor besagtem Datum beschleicht mich unaufhaltsam das mulmige Gefühl, dass Metallica nicht mehr in der Lage sind, mich im tiefsten Inneren zu packen. Das Aha-Erlebnis von einst ist zu einer verblassten Erinnerung verkommen, die Augen leuchten nicht mehr. Wie bei einer Liebesbeziehung, in der nach leidenschaftlichen Anfangszeiten die Routine einkehrt.

Wo mich "St. Anger" 2003 (Ich liebe es - abgesehen vom Snare-Sound - bis heute und stehe gerne dazu!) noch vollkommen umhaut und bewirkt, dass ich mir sämtliche Alben der Band in Rekordzeit beschaffe und nahezu davon besessen werde, dämpft "Death Magnetic" (2008) meine Euphorie deutlich. Zum ersten Mal will mich ein Metallica-Werk einfach nicht so richtig fesseln. Sehr ungewohnt. Grundsolide Arbeit mit einigen Glanzlichtern, aber gleichzeitig im Thrash-Kontext der Band auch viel zu routiniert und ohne große Überraschungen. Letzteres ist eigentlich schon immer DIE Stärke von Metallica.

2011 dann die unterirdische Zusammenarbeit mit Lou Reed auf "Lulu". Meines Erachtens bis heute eines der drei schlechtesten Alben in meiner umfangreichen Musiksammlung. Das liegt zwar nicht hauptsächlich an Metallica, dennoch wächst damals in mir die Überzeugung, dass der Zauber leider verflogen ist. Bis zu jenem Tag im August 2016.

Eine Highspeed-Schlagzeugsalve, ein brutales Riff, ungezügelte Geschwindigkeit - und ich bin sofort wieder im Modus von 2003. Drei Minuten und neun Sekunden purer Thrash. Rein, klar, kompromisslos. Eine musikalische Erleuchtung. Der Song "Hardwired", erster Vorbote zum elften Metallica-Streich "Hardwired...to self destruct", entfacht das Feuer aufs Neue. Ich laufe herum wie aufgescheucht, kann nicht glauben was ich soeben gehört habe. Adrenalin schießt in meinen gesamten Körper, ich will bangen, bangen, bangen. Mich erfüllt eine Glückseligkeit, wie sie sonst nur ein kleines Kind spürt, das zu Weihnachten das Geschenk seines Lebens bekommen hat.

Das erste echte Lebenszeichen der Band seit acht Jahren ist extrem simpel gestrickt. Es geht über die gesamte Spielzeit kompromisslos in einem Affenzahn nach vorne und erntet genau deshalb mehr negative Kritik als Begeisterungsstürme. Viele Fans beklagen sich über die fehlende Komplexität. Stattdessen tönt da der kürzeste selbstgeschriebene Song der gesamten Bandgeschichte. Müsste ich das perfekte Heavy Metal-Stück nennen - das hier wäre meine erste Wahl. Gerade weil es so kurz und auf den Punkt ist.

Metallica haben es damit erneut geschafft zu verblüffen, unvorhersehbar zu sein. Genau das ist es, was ich an der Truppe so liebe! In den allermeisten Fällen kann im Vorfeld einer ihrer Platten nämlich niemand sagen, wie sie klingen wird. Ob Thrash-, Progressive- oder Heavy Metal (einmal sogar mit Orchester), Hard Rock, Coverversionen oder Avantgarde - diese Jungs haben im Kontext der harten Musik nahezu schon alles ausprobiert, was es auszuprobieren gibt und mich damit fast immer restlos begeistert. Weil sie hinter dem stehen, was sie tun. Weil sie sich nicht verbiegen wollen. Das ändert sich aber mit "Hardwired...to self destruct". Doch dazu mehr im Fazit.

Nach den beiden weiteren, gutklassigen Singles "Moth into flame" und "Atlas, Rise!" drängt sich der Eindruck auf, dass da ein musikalisches Großereignis bevor steht. Als dann schließlich am 18.11.2016 das gesamte Album vorliegt, stellt sich bei mir das ein, was ich eigentlich geglaubt hatte, dieses Mal nicht spüren zu müssen: Ernüchterung.

Wo nämlich der pfeilschnelle (und auf den letzten Drücker komponierte) Titelsong und Opener nur so vor Elan strotzt, sind ein Paar der restlichen Stücke überraschend unspektakulär geraten. Aber der Reihe nach.

Auf das Thrash-Statement zum Auftakt folgt sogleich das anspruchsvolle "Atlas, Rise!". Bloß nicht den Eindruck erwecken, man sei eine stumpfe Haudrauf-Kapelle. Hier regieren komplexe Strukturen, die sich auch nach mehrmaligem Hören nicht gänzlich entschlüsseln lassen. Es geht weiterhin flott zu, wenngleich nicht mehr ganz so hyperaktiv wie zum Einstieg. Das ist hochspannend. Allerdings wird sofort überdeutlich, was sich im weiteren Verlauf zum größten Schwachpunkt der Platte entwickeln soll: der Sound ist unwürdig. Die überpräsente, unerträglich knallige Snare hackt sämtliche Atmosphäre aus den Stücken und die Mischung ist bis zur Unkenntlichkeit komprimiert. Luft zum Atmen haben die 12 (bzw. 13) neuen Tracks zu keiner Zeit. Alles spielt sich mittig ab, ohne voluminösen Unterbau. Höhen und Tiefen gibt es nicht. Ein hässlich greller, eindimensionaler Sound, der klingt, als habe ihn irgendein Praktikant mal eben an einem Sonntagnachmittag gelangweilt aus seinem Laptop gequetscht. Dagegen war selbst die kreischige Abmischung von "Death Magnetic" akzeptabel. Jeder, der einmal in seinem Leben ein warmes, transparentes Analog-Album gehört hat, dürfte mir zustimmen dass das hier allerhöchstens mittlere mp3-Qualität besitzt. Hört man im Vergleich dazu beispielsweise das extrem wuchtige "Blood of the Nations" von Accept (2010), liegen Welten dazwischen.

Man stelle sich nur vor wie majestätisch das fies groovende "Now that we're dead" hätte klingen können...es ist eine Schande, dass diese Chance vertan wurde. Denn gerade jene schwere Hard Rock-Nummer in bester "ReLoad"-Tradition ist ein echter Schatz. Auf den ersten Blick auch etwas simpel gestrickt, aber gleichzeitig unglaublich wirkungsvoll. Auf so ein mächtiges Power-Riff wäre selbst Tony Iommi stolz. Das Ganze klingt wie ein Hybrid aus "Better than you" und "Devil's Dance". Für mich einer von insgesamt fünf unsterblichen Tracks auf diesem Album. Extrem heavy, aber gleichzeitig unverschämt eingängig. Dürfte vor allem Live ein Nackenbrecher sein.

Das aufgeheizte "Moth into flame" punktet ebenfalls - nicht nur mit den Lead-Gitarren im Maiden-Stil. Hier zeigen sich Metallica auch jenseits der 50 noch hochgradig inspiriert. Und das Hauptriff pflügt wie eine tonnenschwere Dampflock. Geil!

"Dream no more" kann ich anfangs nicht so viel abgewinnen. Nach mehreren Durchläufen offenbart sich jedoch ein dunkler Stampfer inklusive betörender Gesangslinie. Zudem gibt es nette Cthulhu-Anspielungen. Headbang-Alarm!

Die eindrucksvollste Komposition auf "Hardwired...to self destruct" stellt "Halo on fire" dar. Das einzige Lied mit einer Spieldauer von über acht Minuten beginnt mit brachialen Boss-Riffs, geht dann aber in eine Halb-Ballade über. Gerade in den von cleanen Gitarren begleiteten, ruhigen Parts, strahlt Sänger James Hetfield heller denn je. Er liefert einen der stimmlich besten Beiträge seiner Karriere. Im mächtigen Refrain folgt dann nach einer cleveren Laut-Leise-Steigerung die regelrechte Explosion. Die gesamte Nummer zündet sofort und gehört zum Gewaltigsten, was Metallica jemals veröffentlicht haben. Abwechslungsreicher Spitzen-Metal der Extraklasse. Wenn die extrem dünne Snare in den Strophen nur nicht so sehr nach Konserve klingen würde...

Bis hierhin ist der Gesamteindruck mehr als positiv. Würde es in dieser Qualität weiter gehen, hätten James Hetfield (Gesang und Rhythmusgitarre), Kirk Hammett (Leadgitarre), Rob Trujillo (Bass) und Lars Ulrich (Schlagzeug) mit Sicherheit eines der stärksten Metal-Alben des 21. Jahrhunderts abgeliefert. Doch dann treten zwei Probleme auf. Erstens ist an dieser Stelle CD Eins bereits beendet. Das erzeugt einen dramaturgischen Bruch, der anschließend nicht mehr zu kitten ist. Zweitens werden die Kompositionen ab jetzt deutlich weniger eindrucksvoll.

Die zweite Seite beginnt mit dem zunächst belanglos erscheinenden "Confusion". Das tighte Riff sticht zwar heraus, der Rest rauscht erst mal an einem vorbei, ohne zu zünden. Als ich allerdings das intensive Musikvideo dazu sehe (alle Titel wurden verfilmt), offenbart sich mir ein musikalisch wie textlich bemerkenswertes Anti-Kriegs-Statement. "One 2.0" sozusagen, nur nicht mal halb so rasant. Geht trotzdem unter die Haut.

"ManUNkind" hat sich mir bis zum Zeitpunkt dieser Rezension überhaupt nicht erschlossen. Hier findet sich nichts, was mein Interesse wecken würde. So oft ich das Ding auch höre - es tut sich nix. Das Riff ist ganz nett, ansonsten bleibt wenig hängen. Die Struktur ist mir einfach zu vertrackt.

Dafür knallt "Here comes Revenge" so richtig. Eine brutale, böse Nummer im Black Sabbath-Stil. Grüßt da etwa aus einer finsteren Ecke der missmutig dreinschauende Tony Iommi? Die an und für sich starke Nummer wäre überall auf der CD bestens platziert gewesen, nur nicht an dieser Position. Nach zuvor zwei mittelschnellen Songs wächst jetzt nämlich der Wunsch, dass das Tempo wieder merklich angezogen werden soll. Dem wird nicht Rechnung getragen.

Auch "Am I Savage?" ist nämlich nach dem selben Strickmuster aufgebaut. Das breitbeinige Doom-Riff wie aus der "Load"-Ära wird im Refrain von leichten Pantera-Anleihen flankiert. Ganz nett, mehr nicht.

Der Tiefpunkt ist für mich das völlig verunglückte "Murder One", das als Hommage an die 2015 verstorbene Motörhead-Legende Lemmy Kilmister gedacht ist, die Hetfield und Ulrich ganz besonders geprägt hat. Statt einer rasanten Fist-in-the-Air-Hymne wird ein zahmes, zahnloses Tribute geboten. Der Text überzeugt, musikalisch ist das in meinen Augen höchstens eine Vier. Wenn sich Lemmy da mal nicht im Grabe umdreht...

Nach dem ganzen Midtempo-Geriffe dürfte an diesem Punkt so manchem die Lust vergangen sein. Man kann es keinem verübeln. Aber halt, da kommt noch was! Ein Orkan. Die Überschall-Rakete "Spit out the bone" fräst tiefe Furchen in jede Box dieses Planeten!!!! Sieben Minuten Thrash, wie ihn niemand besser spielen kann. Selbst Slayer dürften nach dieser Performance erst mal konsterniert üben gehen. Faszinierend, wie perfekt die sehr melodische Gesangslinie mit dem aggressiven Gesamtbild und den epischen Teilen der Nummer harmoniert. Dazu noch ein paar Doppel-Leadgitarren - fertig ist einer der besten Metal-Songs des jungen Jahrtausends. Einziger kleiner Kritikpunkt: Lars Ulrichs Patsche-Snare ist höchstens eine Parodie dessen, was man fetten Sound nennt. Lohnt sich dennoch. Der Mund wird einem garantiert offen stehen.

Stellt sich die Frage: sollte man ein Album so beenden? Einerseits spricht viel dafür, weil es ja schon mit einem Uptempo-Track begonnen wurde. Andererseits hätte "Spit out the Bone" meines Erachtens viel besser an den Beginn von CD Zwei gepasst. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das dem Gesamteindruck bzw. der Dramaturgie zuträglich gewesen wäre. Denn wenn ich ein Fazit ziehe und wirklich ehrlich bin, hat mich "Hardwired...to self destruct" nach dem ersten Hören extrem enttäuscht. Gerade hinten raus klingt vieles doch sehr ähnlich. Der ultra-komprimierte Sound tut sein Übriges. Wenn ein bisschen Varianz her soll, werden die Gitarren halt clean gespielt. Das wars. Erstaunlich oft kommt mir ein "Ja, aber..." in den Sinn. Lars Ulrich, der insgesamt eine durchaus starke Vorstellung liefert, packt viel zu oft die Snare-Roll aus. James Hetfield ist gesanglich voll auf der Höhe, macht sogar einige interessante Experimente, verschwindet allerdings zu oft im Mix. Und Kirk Hammett hat wohl noch nie in seinem Leben derart lustlose Soli gespielt. Ja, ihm wurden kurz vor Beginn der Aufnahmen sämtliche Ideen gestohlen, das rechtfertig jedoch nicht so eine Vorstellung. Wah-Wah an und losgedudelt...für einen der besten Gitarristen des Planeten ein Armutszeugnis. Immerhin ist Rob Trujillos Bass einigermaßen gut zu hören - bei Metallica nicht immer eine Selbstverständlichkeit.

Außerdem muss kritisiert werden, dass das gesamte Material so klingt, als wollte man es jedem Recht machen. Ein bisschen "Black Album" hier, etwas "Master of Puppets" da, dann noch ein Schuss "...and Justice for all" und eine gehörige Portion "Load/ReLoad" bzw. "Kill 'em all" - fertig. Eine eigene Identität wird so zu keinem Zeitpunkt entwickelt. Die Gruppe, die eigentlich jedes Mal etwas anderes abliefert, hat dieses Mal eher ein Best of im Gepäck. Prinzipiell ja keine schlechte Idee. Es wirkt halt nur sehr gezwungen, teilweise sogar anbiedernd. Zum ersten Mal habe ich diesen Eindruck. Ging mir bei keiner LP zuvor so. Auch und vor allem nicht beim viel kritisierten "St. Anger" und erst Recht nicht bei "Load". Damals stand man voll dahinter. Ist das heute auch noch so? Ich bezweifle es.

Bezüglich der Aufmachung des Packages gibt es hingegen nichts zu meckern. Das Cover-Artwork gefällt mir gut. Die Deluxe-Edition enthält zudem noch eine dritte CD mit vier Studio-Songs, sowie zehn Live-Mitschnitten. Wichtigster Bonustrack ist das abzischende "Lords of Summer", das bereits 2014 in einer anderen Version veröffentlicht, jetzt allerdings überarbeitet wurde. Wäre auf dem Hauptalbum hervorragend aufgehoben gewesen und hätte als schnelleres Stück die fehlende Abwechslung zwischen den ganzen Midtempo-Songs wett gemacht.
Das restliche Material, vor allem das mitreißende "Ronnie Rising"-Medley vom Dio-Tribute-Album sowie die anderen beiden Covers "When a blind man cries" (Deep Purple) bzw. "Remember Tomorrow" (Iron Maiden), kann sich genauso sehen lassen wie die Live-Songs. Da bekommt man echt was fürs Geld.

Meine Rezension mag sich sehr hart lesen. Wenn man aber bedenkt, was Metallica zu leisten imstande sind, müssen meines Erachtens hohe Standards angelegt werden. Bisher hat mir jedes Album gefallen, auch dieses. Bis auf "Lulu" und streckenweise "Death Magnetic" habe ich aber bei keinem Anderen eine derartige Distanz gefühlt. Das liegt in aller erster Linie am verunglückten Sound. Rein inhaltlich hätte ich gerne 3,5 (leider nicht möglich) oder sogar 4 Sterne vergeben. Die Abmischung zwingt mich aber zu dreien - wohlgemerkt nur im Kontext der Metallica-Geschichte. Nichts desto trotz freue ich mich ungemein über die neuen Kompositionen. Die Bay-Area-Thrasher bleiben natürlich weiterhin eine meiner Lieblingsbands. "Hardwired" würde ich sogar mittlerweile zu meinen fünf Lieblings Metal-Songs überhaupt zählen.
Leider werde ich mich wohl immer darüber ärgern, wie sehr ihr elftes (oder zwölftes?) Album durch den Mix verhunzt wurde. Das Ganze macht halt dadurch einfach viel weniger Spaß.

Kleine Ergänzung:

Wenn ich die Möglichkeit gehabt hätte über die Tracklist mitzuentscheiden, wäre das hier mein Vorschlag gewesen:

1 Hardwired
2 Moth into Flame
3 Now that we're dead
4 Atlas, Rise!
5 Confusion
6 Halo on fire
7 Spit out the Bone
8 Here comes Revenge
9 Dream no more
10 Lords of Summer

Ich bin mir sicher, dass das Album von mir dann fünf Sterne bekommen hätte und als Meisterwerk betitelt worden wäre. In dieser Version sind die Füllsongs einfach weg gelassen worden und die Dramaturgie ist eine ganz Andere, weil viel mehr Abwechslung entsteht. Dadurch wäre dann auch der Katastrophen-Sound nicht so ins Gewicht gefallen. Ist aber nur meine bescheidene, subjektive Meinung.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 1, 2017 12:58 AM MEST


Sacred Blood -Divine- Lies Ltd. CD+DV
Sacred Blood -Divine- Lies Ltd. CD+DV
Preis: EUR 10,99

5 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Glanzstücke und Belanglosigkeiten, 7. März 2016
Jetzt ist es tatsächlich passiert! Meine Lieblingsband hat ein Album herausgebracht, von dem mich die Hälfte der Songs kalt lassen. Niemals hätte ich das für möglich gehalten, zu sehr habe ich mich in die stimmungsvollen, feierlichen Jahrhundertmelodien des sträflich unterbewerteten Songwriters Tony Clarkin verliebt. Das letzte Werk "Escape from the Shadow Garden" (2014) war ein bisschen schwächer als das meines Erachtens größte Glanzlicht ihrer Karriere, "On the 13th Day" (2012), aber bei einem derartigen Überflieger ist das auch kein Wunder. Die Platte bot immer noch viel zu viel, um sie mal eben nebenbei zu hören und dann wieder wegzulegen. Schweren Herzens muss ich zugeben: Bei "Sacred blood, 'divinie' lies" (2016) geht es mir nun zum ersten Mal so. Nicht weil die Kompositionen schwach wären. Nein, die meisten von ihnen sind schlichtweg nicht mein Ding. Ein vollkommen neues Gefühl. Die Band, deren Lieder mich normalerweise sofort begeistern, kommt mit einer Veröffentlichung an, mit der ich (bis auf fünf Titel) nicht recht warm werde.

Es ist das 18. Album einer Karriere, die kommerziell gesehen eher von Tiefen als von Höhen bestimmt ist. Magnum bewegen sich die meiste Zeit abseits des Mainstreams. Abgesehen von den beiden Top 10-Alben in England ("Wings of heaven" von 1988 und "Goodnight L.A." von 1990) müssen sich die Melodic Rock-Könige mit einem Platz als Zaungast bei den ganz großen Bands begnügen. Ab und zu mal ein Auftritt im Vorprogramm, mehr ist nicht drin. Erst seit der Reunion mit "Breath of life" (2002) erfahren sie zumindest in den Charts eine kleine Renaissance, vor allem in Deutschland platziert sich seither nahezu jede Veröffentlichung mindestens in den Top 60.

"Sacred blood, 'divine' lies" schafft es hierzulande sogar bis auf Platz 20. Das deutsche Publikum schätzt traditionellen, süffigen Hard Rock aus der guten alten Zeit. Melodien, die sofort ins Ohr gehen und mit entsprechend offensiven Riffs garniert sind. Genau so beginnt das neueste Werk auch - mit einem der eindrucksvollsten Eröffnungssongs, der je eine Magnum-Platte zierte.

Das Titelstück ist ein Kunstwerk von atemberaubender Schönheit. Zupackendes Riff und ein krachender Chorus, auf den jede Metal Band ihr Leben lang stolz wäre. Was für ein mächtiges Gefühlsgewitter! Der fast 70-Jährige Meistersänger Bob Catley zeigt alle Facetten seiner unvergleichlichen Charakterstimme und brilliert mit klarer, druckvoller Intonation, während Clarkin sich eines seiner unbeschwertesten Soli aus dem Ärmel schüttelt. Es ist das vielleicht letzte Aufbäumen eines Genres, das gemeinsam mit seinen Gründervätern in seiner bisher gekannten Form untergehen wird. Trotzig recke ich im donnernden Refrain meine Faust empor und singe voller Inbrunst mit. Wie ich diese Musikrichtung liebe! Auch das schon immer sträflich vernachlässigte Thema "Musikvideo" wurde endlich angegangen und der Nummer ein geschmackvoller, farbintensiver Clip verpasst, den man vorzeigen kann.

Auch zu "Crazy Old Mothers" existiert ein Video, allerdings in schwarz-weiß. Das Stück richtet sich an all jene, die glauben, im Leben eine Chance verpasst zu haben. Tenor: Es ist nie zu spät! Einfach machen! Angeschoben von einem mächtigen Stampf-Riff entwickelt sich ein schwelgerischer Mutmacher, der trotz des etwas unglücklichen Titels ein voller Erfolg ist.

Für "Gypsy Queen" lässt sich Clarkin von der einzigartigen Atmosphäre bei einem Konzert in St. Petersburg inspirieren. Doch statt balladesker Dichte gibt es tanzbaren Hard Rock. Man kann sich die herumwirbelnden russischen Mädchen voll wilder Leidenschaft bildlich vorstellen, Handclaps inklusive. Ist okay, auch wenn der Refrain mit der Zeit etwas ermüdet.

Das flotte "Princess in Rags (The Cult)" schließt sich tempotechnisch nathlos an. In einem ähnlichen Stil wie der Song "On the 13th Day" gehalten, mit vorpreschender Hook im dezenten Stakkato-Stil. Begeisternd, mitreißend, kraftvoll. Das Solo klingt, als stamme es von einem lebenshungrigen 20-Jährigen, der seine besten Jahre noch vor sich hat und nicht von einem Endsechziger. Magnum präsentieren sich als bis ins kleinste Detail abgestimmte Hit-Maschine, der man ihr weit fortgeschrittenes Alter zu keiner Sekunde anmerkt. Das ist stilvolle, zeitlose Musik, die auch ein jüngeres Publikum problemlos gut finden kann.

Die leiseren Töne werden ebenfalls zum Erfolg. Der betuliche Schunkler "Your dreams won't die" bezaubert vor allem in den mit Streichern unterlegten Strophen. Hymnen-Rock, der in den 1980ern Begeisterungsstürme ausgelöst hätte. Zwar hätte es beim Refrain etwas mehr Abwechslung sein können, aber dafür entschädigen die einfallsreichen Melodiebögen im restlichen Arrangement.

Es wäre möglich gewesen die eigenen Meisterwerke zu übertreffen, wäre es so weiter gegangen. Doch Tony Clarkin, Bob Catley, Mark Stanway (Keyboard), Al Barrow (Bass) und Harry James (Schlagzeug) verlässt urplötzlich die Treffsicherheit bei den Refrains.

"Afraid of the Night" verspricht vom Titel her eine geheimnisvolle Kaminfeuer-Geschichte, doch stattdessen handelt es sich um eine nichtssagende, rumpelnde Rocknummer. Hinterlässt nur Schulterzucken. Das ist nicht stark genug für ein Magnum-Album.

Ab jetzt wird es überraschend progressiv. Die Hooks stehen nicht mehr im Vordergrund, stattdessen muss man sich Zeit nehmen um die vielschichtigeren Strukturen zu erkunden. Die Nummern setzen sich nicht gleich beim ersten Durchlauf fest. Das stampfende "A forgotten Conversation" baut gekonnt Spannung auf und besticht mit dramatisch hämmernden Passagen. Geht als solider Albumtrack durch.

"Quiet Rhapsody" hingegen klingt unfertig. Außer einem krachenden Riff sticht in meinen Augen nichts hervor. Unbestritten eine fachmännische Komposition, bloß kann ich wenig damit anfangen. Clarkin gehen die Ideen nicht aus, er spielt nur nicht das was mir gefällt.

"Twelve men wise and just" hat ähnlich wenig zu bieten. Der galoppierende Refrain ist ganz nett, aber nichts was mich umhaut.

Auch der harmlose Abschluss "Don't cry Baby" reißt mich nicht vom Hocker.

Wo sind sie hin, die opulenten, poetischen Märchengeschichten aus den träumerischen Gedankenwelten des Tony Clarkin? "Sacred blood, 'divine' lies" ist eher ein wütendes Hard Rock-Album als ein gefühlvoller Seelenstreichler. Ja, ich liebe die härtere Gangart bei Magnum, sie steht ihnen bestens. Doch dieses Mal bleibt die Atmosphäre zu oft auf der Strecke. Da hatte "Escape from the Shadow Garden" eine bessere Balance zwischen Storytelling und Power.

Das gilt auch für die drei Bonustracks. Unglücklicherweise sind sie nur auf der Zusatz-DVD zu finden und liegen nicht als Audio-Versionen vor. Fetter Minuspunkt! Zwei von ihnen sind tatsächlich nur nette Extras.

"Phantom of Paradise Circus" präsentiert feine Akustik-Gitarrenparts, der Rest dümpelt so vor sich hin. Für einen überzeugenden Refrain hat es nicht mehr gereicht.

"No God or Savior" unterhält mit tiefer gestimmten, bösen Gitarren. Als Zugabe völlig okay.

Der schnörkellose Rocker "Don't grow up" allerdings ist für mich neben dem Titeltrack die beste Nummer der gesamten Platte. Hätte sich super unter den 10 Hauptsongs gemacht. Positives Partystück. Passt halt textlich nicht ganz zum Rest, ich verstehe schon weshalb es im Bonusmaterial gelandet ist. Trotzdem schade.

Welches Urteil lässt sich also fällen? Ich finde, Magnum sind auch im hohen Alter in bestechender Form. Trotzdem gefällt mir "Sacred blood, 'divine' lies" vom Gesamteindruck her neben "Breath of life" und "Into the Valley of the Moonking" von den Alben seit dem Comeback am wenigsten. Nicht weil ihnen die Leidenschaft abhanden gekommen wäre, sondern weil mich die Songs dieses Mal einfach nicht so ansprechen. Die Hit-Dichte ist nicht so hoch wie sonst. Selbst der von mir fast schon vergötterte Rodney Matthews hat meines Erachtens nur ein mittelprächtiges Cover abgeliefert.

Ich hoffe, dass Clarkin seinen Arbeitsrhythmus beibehält und Catley seine Stimme noch ein paar Jährchen auf diesem Level halten kann. Solche Überlegungen spielen in ihrem Alter ja stets eine Rolle. Es wäre wünschenswert, dass sie sich mit einem besseren Album in die Rente verabschieden.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 11, 2016 3:43 PM CET


Ghostlights
Ghostlights
Preis: EUR 23,74

5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Melodiezauberer Sammet betört mit seinem siebten Streich, 4. Februar 2016
Rezension bezieht sich auf: Ghostlights (Audio CD)
Meat Loaf ist doof! Eigentlich mag ich den beleibten Herren mit der Powerstimme ja wahnsinnig gerne, aber aus irgendwelchen Gründen wollte er partout nicht auf dem siebten Avantasia-Abum "Ghostlights" (VÖ Januar 2016) zu hören sein. Dabei hatte sich Mastermind und Songwriter Tobias Sammet die Teilnahme der Rocklegende so sehr gewünscht. Ob die Absage durch das Management oder durch den Künstler selbst erfolgte, ist nicht so ganz klar. Jedenfalls hat Meat Loaf sich die Chance auf ein gewaltiges Publikum entgehen lassen, denn das wird das bekannteste Allstar-Projekt des Metals auch dieses Mal garantiert erreichen.

Der US-Amerikaner wäre eigentlich für die Single "Mystery of a blood red Rose" eingeplant gewesen. Singt jetzt stattdessen Sammet selbst und nimmt damit zudem am deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest teil. Es lässt sich darüber streiten, ob man als Hard'n'Heavy-Truppe mit gewissem künstlerischem Anspruch seine Nase bei dieser Parade der bunten Belanglosigkeiten in die Kamera halten sollte. Unstrittig ist hingegen, dass Avantasia europaweit mittlerweile solch eine breite Käuferschicht ansprechen, dass sogar ein Sieg bei der Endausscheidung in Stockholm denkbar wäre. Außerdem passt die Aktion bestens zur sympathischen "Ich-mach-was-ich-will"-Attitüde ihres Kreativkopfes.

Mit "Ghostlights" hätte man im Teilnehmerfeld des ESC sicherlich eines der ausgetüfteltsten Werke im Petto. Wieder mal arten die Kompositionen der Metal Oper aus, die Gesamtspielzeit beläuft sich (inklusive Bonustrack) auf knappe 75 Minuten. Ein üppiger Melodiereigen, der trotz deutlich hörbarem Großangriff auf die Charts keinesfalls unter mangelnder Klasse leidet. Sammet schüttelt sich 12 (bzw. 13) Nummern von internationalem Topformat aus dem Ärmel. Die Gästeliste ist entsprechend gespickt mit prominenten Namen.

Neben den Alteingesessenen Bob Catley (Magnum) und Michael Kiske (Ex-Helloween, Unisonic) sind außerdem Dee Snider (Twisted Sister), Ronnie Atkins (Pretty Maids, Nordic Union), Jorn Lande (Ex-Masterplan, Jorn, Allen/Lande uvm), Geoff Tate (Ex-Queensrÿche), Sharon den Adel (Within Temptation), Marco Hietala (Nightwish) Herbie Langhans (Ex-Seventh Avenue) und Robert Mason dabei. Dazu als Backgrundsängerin Cloudy Yang. Als Instrumentalisten wirken mit: Bruce Kulick, Sascha Paeth, Oliver Hartmann (Gitarre), Michael Rodenberg (Keyboards), Edguy-Tier Felix Bohne an den Drums und Tobi Höchstselbst am Bass. Was für ein Who is Who der Szene!

Wieder einmal gilt es, diese unterschiedlichen Musiker zu einem stimmigen Ganzen zu verschmelzen. Sammet schafft das erneut, "Ghostlights" wirkt flüssig und aus einem Guss.

Los geht's mit "Mystery of a blood red Rose". Zugegeben, ich war nach dem ersten Hören ziemlich enttäuscht. Der Sound dünn, die Drums platt und ein mittelmäßiger Refrain - dachte ich zunächst. Wenn man sich aber Meat Loafs Jahrhundert-Röhre bei diesem Stück vorstellt, avanciert es zum Hit. Vielleicht deswegen gewinnt es für mich mit jedem Durchlauf dazu. Nach wie vor nicht mein Liebling, weil etwas beliebig, aber aus wirtschaftlichen Überlegungen heraus die folgerichtige Single. Ein ähnliches Urteil wie bei "Sleepwalking" aus dem letzten Album "The Mystery of time" von 2013.

Seinen Zauber entfaltet "Ghostlights" in meinen Augen erst mit dem zweiten Titel "Let the Storm descend upon you". DAS ist Avantasia! Über 12 Minuten atemberaubende Harmonien, veredelt von Sammet, Lande, Mason und Atkins. Nicht besonders rasant, dafür aber ultra-melodisch, abwechslungsreich und mit einem Chorus für die Götter. Außergewöhnliche Stimmen (leider ohne Bob Catley, der das Sahnehäubchen gewesen wäre) in einem farbenfrohen Arrangement - eine Eins Plus! Nicht nur Melodic Metal-Fans werden hier ins Staunen kommen. Einer der besten Tracks der Avantasia-Geschichte!

Wenn Dee Snider anschließend in "The Haunting" seine pechschwarzen Flügel ausbreitet, bleibt nur noch die bedingungslose Kapitulation. Eine überragend dichte Alptraum-Vision mit leicht dissonantem Charakter. Wer bisher gedacht hatte, dass Snider kein besonders herausragender Sänger ist, sieht sich hier eines Besseren belehrt. Mit breiter Brust stolziert er durch die unheilschwangere Halb-Ballade und erinnert teilweise an Jon Oliva in Hochform. Vor allem der beeindruckende Refrain hat es mir angetan.

Beide Nummern erreichen fast die für mich nach wie vor unschlagbare Genialität von Sammets größtem Meisterwerk "The Mystery of time". In Bezug auf das schwere "Seduction of decay" kann ich mich da nicht anschließen. Geoff Tate verzichtet angenehmerweise auf übertriebenes Gequieke, die Hook macht mich allerdings nicht besonders an. Irgendwas fehlt. Schon heavy, klar, aber auf seltsame Weise klingt es mehr wie ein unausgegorenes Song-Fragment. Ich kann wenig damit anfangen. Rauscht so an mir vorbei, ohne hängen zu bleiben.

Beim Titelsong "Ghostlights" ist das anders. Michael Kiske legt los und liefert direkt ab. Das Stück sticht vor allem durch sein erhöhtes Tempo heraus. Kiskes Vortrag ist wie immer technisch astrein, auch wenn er mich mittlerweile mit seiner höheren Stimmlage etwas nervt. Der Mann ist einer der begabtesten Sänger des Planeten und versucht doch in letzter Zeit zu häufig, wie damals mit 18 bei Helloween zu klingen. Heutzutage wirkt das von einem Typen um die 50 ein bisschen peinlich. Auch wenn er es zweifelsohne unfallfrei hinkriegt und es einfach nach wie vor drauf hat. Das Stück an sich ist solide.

Spannend finde ich das vieldiskutierte "Draconian Love". Eigentlich sollte Herbie Langhans im Studio nur das Demo einsingen, doch Sammet war vom Ergebnis derart überzeugt, dass er die Nummer so abgenickt hat. Eine gute Entscheidung. Kraftvoller Hard Rock mit Goth-Einschlag à la HIM und einem wieder mal ultra-eingängigen Refrain. Gefällt mir ziemlich gut.

Bei "Master of the Pendulum" mit Marco Hietala von Nightwish scheinen sich Fans und Kritiker einig zu sein. Die Begeisterung ist groß, ich kann sie nicht ganz teilen. Ein schnellerer Song mit netter Hook, jedoch auch ziemliche Hausmannskost. Kein Grund weiterzuschalten, ein Knaller ist es in meinen Ohren aber nicht.

Mit der verträumten Ballade "Isle of Evermore" folgt anschließend das kommerziellste Lied des Albums. Sharon den Adel holt einen mit ihrer lieblichen Stimme sofort ab. An sich echt stark, wenn nur diese unsäglich patschende, programmierte Snare nicht wäre. Das ist übelster Billig-Rotz aus der Konserve, der jegliches Flair zerstört. Sehr schade.

Zum Glück gleicht "Babylon Vampires" das sofort wieder aus. Für mich der beste Track des Albums. Flott, elegant und mit einem der geilsten Refrains aller Zeiten gesegnet! Wer hier von Austauschbarkeit spricht, hat meines Erachtens nicht genau hingehört. Die Komposition an sich mag ein wenig vorhersehbar sein, der unverhohlen 80er-lastige Chorus toppt aber alles. Für solche Highlights möchte ich Tobi Sammet küssen. Auf die Wange. Das muss reichen! Währenddessen recke ich meine Hände empor und singe entfesselt mit.

Jorn Lande hat in "Lucifer" seinen großen Auftritt. Der Norweger war auf dem Vorgänger nicht am Start und zeigt hier, was das für ein Verlust gewesen ist. Mit seinem rauen Organ frisst er sich tief in die Seele. Der vermutlich eindrucksvollste Metal-Sänger seit Ronnie James Dio. Hier wird klar was er zu leisten imstande ist, wenn man ihm (anders als auf einigen seiner Soloarbeiten) ordentliches Material anbietet. Hut ab!

"Unchain the light" geht als weiterer Uptempo-Track durch. Kiske und Atkins sind gewohnt versiert zur Stelle und machen die Nummer zu einer der Stärksten der Platte.

Richtig, einer fehlt jetzt noch im Bunde - Magnum-Frontmann Bob Catley. Sammet lässt ihn im Schlusstrack "A restless heart and obsidian Skies" endlich von der Leine und der charismatischste aller Storyteller verzückt sogleich mit seiner sanften Schmeichelstimme. Feierlicher Harmonie-Blumenstrauß, der einen mit einem Lächeln entlässt. Da war er dann doch noch, der gute Bob. Die Welt ist in Ordnung.

Der Bonustrack "Wake up to the Moon" hätte nicht unbedingt sein müssen. Ein bisschen lahm, der erwartete Ausbruch lässt vergeblich auf sich warten. Zieht sich.

Die Limited Edition bietet zudem eine vor allem für Sammler interessante Live-CD mit diversen Mitschnitten der Wacken-Konzerte. Hübsche Dreingabe.

Fazit: Komponist, Texter und Sänger Tobias Sammet hat mit "Ghostlights" kaum etwas falsch gemacht. Man kann sich wie immer auf ihn verlassen, die Titel sind gut bis sehr gut. Zur totalen Euphorie, die für mich "The Mystery of time" und auch das letzte Edguy-Album "Space Police - Defenders of the crown" (2014) aus seiner Feder erzeugt haben, reicht es jedoch nicht ganz. Dafür ist der Sound zu glattgebügelt, sind einige Arrangements zu routiniert. Desweiteren wirken manche Gesangsparts ein bisschen sehr abgeklärt. Gab es auf den vergangenen Alben öfter mal individuelle Höhepunkte der Einzelstimmen, glänzt hier eher das Ensemble als Ganzes. Trotzdem gehört der siebte Avantasia-Longplayer natürlich zum Hochwertigsten was im Melodic Metal zu kriegen ist. Die erneut prachtvolle Aufmachung des Digipacks trägt ihren Teil dazu bei. Die Metal Oper lebt glücklicherweise weiter. Nächstes Mal dann ja vielleicht endlich auch mit Meat Loaf, dem alten Spielverderber.


Game Of Sins Digi.
Game Of Sins Digi.
Preis: EUR 10,99

14 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Schnarchnasiger Tiefschlag der Metal-Wundertüte, 20. Januar 2016
Rezension bezieht sich auf: Game Of Sins Digi. (Audio CD)
Ach ja, der gute, alte Axel Rudi Pell. Das weiß man als Fan was man hat. Da muss man nicht nachdenken, es gibt kaum Experimente, sondern genau das was man seit jeher schätzt und haben will. Da wird mit großer Inbrunst der melodische Hard Rock zelebriert, wie er seit den 70ern und 80ern zwar schon nicht mehr angesagt ist, aber für Retro-Fans (zu denen ich mich eindeutig auch selbst zähle) immer noch eine gewaltige Anziehungskraft besitzt. Der Bochumer Gitarrist hat sich damit seine Nische geschaffen, in der er hervorragend funktioniert. Seit seinem Debüt "Wild Obsession" von 1989 ist er nach und nach zu einer europäischen Metal-Institution mit einer festen Anhängerschaft geworden.

Allerdings schwanken gerade in den letzten zehn Jahren die Leistungen von Album zu Album immer auffälliger. Nicht nur bei den Kritikern, sondern auch im eigenen Fanlager werden die einzelnen Veröffentlichungen zunehemend kontroverser diskutiert. So fand ich z.B. sein letztes Werk "Into the Storm" (2014) ziemlich stark, während es aber auch viele Stimmen gab, die die Platte nur im Mittelmaß ansiedelten. Genau umgekehrt geht es mir mit "Game of Sins" aus dem Januar 2016.

Es ist Pells 17. LP. Ein Umstand, der schon für sich alleine ein Extralob wert ist. Nur wenige Bands besitzen heute noch ein derartiges Durchhaltevermögen. Allerdings birgt der Zwei-Jahres-Turnus, mit dem der 55-Jährige mittlerweile seine Kunst unters Volk bringt, auch gewisse Gefahren. Immer häufiger verirren sich allzu viele Füllsongs auf die Platten, immer häufiger wirkt es, als nehme man sich nicht mehr genug Zeit für ausgefeiltes Songwriting. Schnell schnell statt Beharrlichkeit. Es hat sogar den Anschein als würde inzwischen jede einigermaßen brauchbare Idee ihren Weg aufs fertige Produkt finden. Mal wird das augenfälliger (z.B. im meines Erachtens sehr schwachen "The Crest"), mal hält sich die Ausschussware erfreulicherweise in Grenzen (wie beim eben erwähnten "Into the Storm"). Axel Rudi Pell ist zu einer Wundertüte geworden.

"Game of Sins" kränkelt meines Erachtens besonders an seiner Lieblosigkeit. Songs wie "Falling Star" oder der "Before I die"-Klon "Till the World says goodbye" klingen nüchtern hingerotzt. Ohne Tiefe oder auch nur einen Funken Leidenschaft. Es wirkt als habe man eben mal wieder ein Album machen müssen und halt irgendwas rausgehauen, hauptsache die Plattenfirma ist beruhigt. So ein Urteil tut weh, gerade wenn man als langjähriger Fan (der jedes Album besitzt) eigentlich weiß, was Pell und seine Leute zu Leisten imstande wären.

Die Fähigkeiten blitzen ja immerhin ein paar Mal auf. Die kernigen Opener "Fire" und "Sons in the Night" sind vollkommen okay. Versierte Riffs, druckvoller Gesang und altbekannte, aber nicht langweilende Arrangements. Das hat definitiv internationale Klasse. Auch der schleppende Titelsong "Game of Sins" gefällt mir gut. Gerade in den wuchtigeren Titeln offenbart die Band um Charakterstimme Johnny Gioeli in den letzten Jahren ihre besten Momente. Bei den ersten drei Nummern stimmen Härte und Ohrwurm-Faktor. Da denkt man noch, dass das eine richtig starke Platte werden kann. Doch dann geht es rasant bergab.

Abgesehen von der netten Ballade "Lost in love" vermag keiner der weiteren Tracks Aufmerksamkeit zu erregen. Hauptproblem sind die wieder mal bis in die Unendlichkeit langgezogenen Refrains, die fehlenden Ideenreichtum überdecken sollen (siehe vor allem "Falling Star" und "Forever Free"). Bei der 08/15-Single "The King of Fools" ist der Chorus sogar schockierend nichtssagend. Hätte ich Axel Rudi Pell zum ersten Mal mit diesem Lied gehört, ich würde wohl denken das sei die langweiligste Truppe des Planeten. Wieso hält man so einen Rohrkreppierer für eine würdige Auskoppelung?

Das Dylan-Cover "All along the Watchtower" kann man als Bonustrack durchaus mal machen. Niemand hat sich blamiert und der Hörer verspürt jetzt auch nicht den Drang auszuschalten. Die Frage ist halt, was man will. Ist es einem schon genug dass es Pell und seine Jungs überhaupt noch gibt, oder zeigt man eine gewisse Erwartungshaltung, die sich aus früheren Glanztaten speist? Bei mir ist eher Zweiteres ausgeprägt. Ich weiß was diese Band kann und finde es umso bedauerlicher, wenn dann ein schnarchiges Album wie "Game of Sins" dabei herauskommt.

Hätte man sich auf eine EP mit den Titeln "Fire", "Sons in the Night", "Game of Sins", "Lost in love" und "All along the Watchtower" beschränkt, wäre ich begeistert gewesen. So kann ich nicht mehr als zwei mickrige Sterne geben. Vielleicht sollte Axel Rudi Pell mal darüber nachdenken sich mehr Zeit zu lassen oder wirklich nur eine EP rauszubringen. Ich bin eigentlich ein Alben-Fan, aber wenn es nicht mehr für 10 hochwertige Tracks reicht, dann ist die Kurzversion in Zukunft möglicherweise befriedigender. Aber bestimmt erscheint in zwei Jahren dann wieder ein echter Kracher und ich muss mein Urteil revidieren. Bei der Metal-Wundertüte Pell weiß man nie.
Kommentar Kommentare (5) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 29, 2016 5:45 PM CET


Perfectamundo
Perfectamundo
Wird angeboten von positivenoise
Preis: EUR 10,60

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Latino-Opa Billy lässt die Puppen tanzen, 3. Januar 2016
Rezension bezieht sich auf: Perfectamundo (Audio CD)
Anschnallen, die Reise beginnt. Es geht vom staubigen Texas in verrauchte kubanische Bars, wo leicht bekleidete Mädchen aufreizend die wohlgeformten Hüften kreisen lassen. Und zwischen ihnen ein Mittsechziger mit üppigem Bartwuchs, der mit einer fetten Zigarre im Mund die Party in Schwung bringt. Sein Name: Billy Gibbons. Sein Beruf: Gitarrist und Sänger in der kultigen "Lil' ol Band from Texas", weltweit unter dem Namen ZZ Top bekannt. Kurz vor der Rente hatte das hagere Kerlchen mit der markanten Kopfbedeckung doch noch Lust auf seine erste Soloplatte. Herausgekommen ist ein exotischer Cocktail aus verschiedenen Stilen, der nur am Rande mit seiner Stammband zu tun hat.

"Perfectamundo" (erschienen im Oktober 2015) wird den gewöhnlichen ZZ Top-Hörer verschrecken. Die üblichen, brachialen Hard Rock-Riffs finden sich hier nur an wenigen Stellen. Stattdessen legt Reverend Billy G. Wert auf Tanzbarkeit und Latin-Flair. Mit seiner Truppe liefert er 11 vibrierende Tracks (davon drei Covers) zwischen Salsa, Funk, Texmex und dezentem Südstaaten-Rock. Die Hammond-Orgel spielt eine gewichtige Rolle und sogar ein Rap-Part findet sich auf dem Album. Zeigt, wie offen Gibbons sein musikalisches Schaffen anlegt. Er schreckt nicht vor Crossover zurück, hauptsache es klingt cool und beeindruckt die Damen. Daher tummeln sich hier die unterschiedlichsten Instrumente und elektronischen Spielereien, die das Werk vielseitig und feurig klingen lassen.

Die Platte hat jedoch ein ähnliches Problem wie ZZ Top nach ihrem Stilwechsel in den 1980ern, als sie sich weg vom Blues'n'Boogie und hin zum Synthesizer-Stadion-Rock bewegten - viele Hörer können mit der radikalen Neuorientierung nichts anfangen. Schließlich will man als Fan seinen gewohnten Sound, auf den man so steht. Wenn dann etwas vollkommen Anderes dabei herauskommt, stößt das auf Ablehnung. Dabei sind die Songs allesamt unterhaltsam - falls man bereit ist, sich zu öffnen.

Ja, der Sound ist sehr modern und recht hell. Ja, das Schlagzeug klingt an vielen Stellen wie aus dem Computer. Ja, die Kompositionen sind okay, aber nicht weltbewegend. Und trotzdem reicht es, um Spaß zu haben und sich ein bisschen lateinamerikanisches Flair ins biedere deutsche Wohnzimmer zu holen. Billy hatte einfach mal Bock auf was Neues und dafür ist eine Soloplatte genau der richtige Rahmen. Mit ZZ Top wird er dann auf dem nächsten Album wieder klingen, wie gewohnt.

Fazit: "Perfectamundo" ist mit seinen ausschweifenden Klangvariationen alles andere als leblose Retortenkost, aber eben auch kein Meisterwerk. Ich persönlich finde es sehr lobenswert, dass ein Musiker, der seit über 45 Jahren im Geschäft ist, noch so einen weiten Horizont hat. Wenn er dann auch noch in der Lage ist, die Party in Gang zu bringen, ist doch alles in bester Ordnung.


Battering Ram
Battering Ram
Preis: EUR 15,99

9 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Randnotiz einer imposanten Karriere, 18. November 2015
Rezension bezieht sich auf: Battering Ram (Audio CD)
So ganz kann ich die teils euphorischen Reaktionen auf Saxons 21. Album "Battering Ram" (2015) nicht nachvollziehen. Ja, die Produktion ist druckvoll und modern, ja, der Gesamteindruck wirkt metallischer als der des Vorgängers "Sacrifice" (2013). Aber wo sind die herausstechenden Knallersongs? In meinen Augen handelt es sich um 11 handwerklich einwandfreie Titel, die man sich bedenkenlos reinpfeifen kann, die jedoch auch relativ schnell wieder vergessen sind. "Massenware" wäre ein zu hartes Urteil, die Richtung stimmt aber definitiv. "Lionheart" (2004) und "Unleash the Beast" (1997) bleiben für mich mit ihrer Vielseitigkeit und Dynamik die besten Saxon-Werke. "Battering Ram" kann da nicht mithalten. Es überwiegt eher die Freude darüber, dass es überhaupt etwas Neues von Biff Byford und seinen Mannen gibt, als die Begeisterung über gelungene Songs. Mit Mitte 60 noch so produktiv zu sein, verdient immerhin Respekt.

Das Album startet mit dem flotten Titelsong, der sogleich ein vertrautes British Metal-Flair verbreitet. Fetter, fast schon angeberisch wuchtiger Sound von Produzent Andy Sneap, der das Schlagzeug deutlich ins Zentrum stellt. Leider zerhackt es viele Tracks zu sehr, die Snare klingt übermäßig trocken und stumpf. Dadurch wirkt alles sehr stromlinienförmig und eben auch schnell beliebig und eintönig. Die Lebendigkeit bleibt auf der Strecke. Es hat den Anschein als sei besonders viel Wert darauf gelegt worden möglichst "perfekt" zu klingen, was die Ecken und Kanten, die den eigentlichen Charakter eines Albums ausmachen, verschleiert. Am Ende bleibt nicht mehr als eine farblose Hülle. Dennoch ist es erfreulich, dass Drummer Nigel Glockler nach seiner OP wegen eines Hirn-Aneurysmas wieder hörbar wohlauf ist.

"The Devil's Fooprint" zählt ebenfalls zu den Uptempo-Stücken und glänzt mit einem Refrain, der hängen bleibt.

Das schleppende "Queen of hearts" wurde im Vorfeld besonders positiv aufgenommen. Mächtiger Headbanger der traditionellsten Sorte. So stellt man sich gut gemachten, erdigen Power Metal vor.

Anschließend wird das Material dann immer verzichtbarer. Das künstlich auf hart getrimmte "Destroyer" hat letztlich wenig bis nichts zu bieten, "Hard and Fast" ist höchstens ganz nett, "Eye of the Storm" lärmt, ohne zu begeistern.

Immerhin steigern sich die Engländer gegen Ende wieder etwas. Das schnelle "Stand your Ground" macht Spaß, "Top of the World" besitzt einen hübschen AOR-Chorus und "To the end" geht als schwere Hymne durch.

Das einzige wirkliche Experiment der Platte trägt den Titel "Kingdom of the Cross". Sänger Biff Byford vertont eines seiner Kriegsgedichte und spricht die Strophen, statt sie zu singen. Ungewöhnlicher Kontrapunkt zu den sonstigen, sehr gewöhnlichen Metal-Schlachtrössern. Einer der wenigen Momente, in denen wirklich Atmosphäre erzeugt wird, selbst wenn man inhaltlich nicht mit allem übereinstimmen muss was hier gesagt wird.

Die abschließende Hard Rock-Nummer "Three sheets to the wind (The Drinking Song)" entlässt einen mit guter Laune aus der Platte.

Wie gesagt, "Battering Ram" ist am Ende nicht mehr als eine Randnotiz in der imposanten Diskografie der Männer aus Yorkshire. Schön, dass sie noch da sind, schön, dass sie weiterhin ihr Ding durchziehen. Die Luft ist zwar nicht raus, aber ein wirklich erfrischendes und einzigartiges Album erwarte ich nicht mehr von dieser Band. Trotzdem bleibe ich natürlich Sympathisant.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 12, 2015 8:20 PM CET


Hellfire Club
Hellfire Club
Preis: EUR 16,99

5.0 von 5 Sternen Ein absoluter Killer!, 14. Oktober 2015
Rezension bezieht sich auf: Hellfire Club (Audio CD)
"Hellfire Club" ist scharf, krachend und auf den Punkt. Ein vitales Metal-Album voller rotznäsiger Energie. Edguys endgültiger kommerzieller Durchbruch vom lokalen Topact zur deutschlandweit (und bald auch international) beachteten Ausnahmekapelle. Seit ihrem Debüt "Kingdom of Madness" im Jahr 1997 haben sie sich kontinuierlich gesteigert und schließlich 2004 mit "King of Fools" auch erstmals eine Top-40-Single am Start. Endlich erfährt der hochtalentierte Songwriter Tobias Sammet jene Wertschätzung, die ihm eigentlich schon lange zusteht.

Ausschlaggebend für den Erfolg des Albums ist seine Direktheit. Edguy verzetteln sich nicht mit verschwurbelten Progessive-Elementen oder überpräsenten Keyboard-Anbiederungen. Stattdessen haben die raspelnden Gitarren von Jens Ludwig und Dirk Sauer jederzeit Vorfahrt. Dieser Umstand macht aus einem an sich recht konventionell zusammengesetzten Power Metal-Werk ein unvergessliches Erlebnis. Die allergrößte Freude ist jedoch Felix Bohnkes angenehm natürlicher, metallischer Drumsound, der den 12 Songs die nötige Kante verleiht. Man fühlt sich direkt vor Ort im Proberaum, Nase an Nase mit den Musikern. Ungefiltert, roh und geradeaus. Ein Traum.

Nach dem unwiderstehlichen "Welcome to the Freakshow"-Introschrei bratzen Gitarren und Doublebass los, dass einem die Nackenhaare zu Berge stehen. Das Höllenfeuer lodert bis zum Firmament und ein vollkommen irrer Trip beginnt, den man so schnell nicht vergessen wird. "Mysteria" legt die Latte extrem hoch, doch schnell wird klar: die anderen Lieder können da problemlos mithalten.

Dem speedigen Riffgewitter folgt ein spritziger Zehnminüter im mittleren Tempo namens "The Piper never dies". Ja, das ist sehr melodieorientiert, aber gleichzeitig so ungeschliffen, dass selbst Fans dunklerer Metal-Spielarten anerkennend nicken müssen. Sensationelle Bridge, überragender Refrain, dichte Atmosphäre - dieser Track hat alles. Er ist gleichsam musicalesker Arena-Rock wie unheimliches Storyteller-Epos. Eine ganz, ganz große Komposition, die die Genregrenzen weit öffnet. Es dürften sich weltweit nicht mal ein dutzend Bands finden, die jemals Ähnliches erschaffen haben.

Das pfeilschnelle "We don't need a hero" bietet schon wieder einen Weltklasse-Refrain. Sammets doch etwas enervierendes Gequieke stößt an manchen Stellen sauer auf, allerdings ist der Track so charmant gemacht, dass sich darüber getrost hinwegsehen lässt.

Der eigentlich unvermeidliche Durchhänger, er kommt einfach nicht. Song um Song schleudern Edguy Hits für die Ewigkeit raus. "Down to the Devil" bildet da keine Ausnahme. Klingt etwas gebremster als "We don't need a hero", dafür nicht minder begeisternd. "The mad parade ist coming home" heißt es hier und man folgt ihr ungebremst in den Abgrund. Völlig egal was da kommt, ich lasse mich liebend gerne um den Finger wickeln. Auch und besonders vom König der Deppen, der anschließend vorbei schaut.

Ungenierter Disco-Keyboardsound, ein simples, aber effektives Stampf-Riff, abgefahrene Bass-Vibes und ein saustarker Chorus - man kann es einfach nicht besser machen. "King of Fools" ist bis heute ein Live-Klassiker der Band. Sammet und Kollegen machen einen großen Haufen auf Genre-Konventionen und steigern dadurch den Spaßfaktor ins Unermessliche. Zugleich öffnen sie sich Tür und Tor zu einem Publikum, das sie bis dato gar nicht wahrgenommen hat, Auftritte in zuschauerträchtigen Fernsehshows inklusive. Wenn, wie in diesem Fall, die Qualität nicht darunter leidet, sondern richtig gute Arbeit belohnt wird, dann sei es den Protagonisten von Herzen gegönnt. Seither gehören sie mit fast jeder neuen Veröffentlichung zu den Stammgästen in den Top 10 der deutschen Charts.

Die emotionale Ballade "Forever" schreit einem förmlich entgegen, dass sie zur Hitsingle gemacht werden will. Doch Edguy verzichten sympathischerweise auf eine Auskoppelung und so kann man sich ungetrübt an einer weiteren Großtat erfreuen. Trotz einer gehörigen Portion Pathos klingt die Nummer zu keiner Zeit überproduziert, sondern leidenschaftlich und mitreissend.

Das wilde, fast schon punkige "Under the Moon" fegt mit ungebremsten Doublebass-Salven aber umgehend sämtliche Sentimentalitäten von Bord. Bis heute einer meiner Edguy-Lieblingssongs überhaupt. Ein gut fünfminütiger Tritt in den Allerwertesten, bei dem man bestens mitsingen kann. Unbegreiflich, wo Tobias Sammet seine Inspiration für so viele Kracher her nimmt.

Die zweite Single "Lavatory Love Machine" (Platz 75 in Deutschland) ist bester 80er Hard Rock mit völlig durchgeknalltem Text. Wer ein Fünkchen Humor besitzt und sich nicht um "Do's" und "Don'ts" eines doch oftmals sehr engstirnigen Genres schert, wird begeistert sein. Auch das trashige Video sei wärmstens empfohlen.

Lyrisch ähnlich wahnwitzig geht es im flotten "Rise of the Morning Glory" zu. Die eloquenteste Art einen hemmungslosen Beischlaf zu beschreiben.

Entsprechend erregt stöhnt sich der Gehörnte durch das anschließende Intermezzo "Lucifer in love", ehe der "Navigator" breitbeinig auf einem hammerharten Stampf-Riff in die Stadt reitet. Eine hymnenhafte Nummer mit ordentlich Power unterm Sattel.

Als man es kaum noch für möglich hält, schleicht sich dann doch noch ein kleiner Hänger ein. Die kitschige Streicher-Ballade "The Spirit will remain" hätte getrost in irgendwelchen Archiven verschimmeln können. Das Stück will ein gefühliger Soundtrack sein, besitzt aber nicht die nötige Überzeugungskraft.

Glücklicherweise ist auf der Limited Edition an dieser Stelle noch nicht Schluss. Die Neuauflage eines Titels namens "Children of Steel" aus dem Jahre 1994, der bisher nur als Demo existierte, hat nochmal ordentlich Dampf unterm Kessel. Es böllert und kracht an allen Ecken und Enden, sodass der kleine Ausrutscher schnell vergessen ist.

Als Zugabe darf Kreator-Shouter Mille Petrozza beim bereits bekannten Opener "Mysteria", der nochmals als Bonustrack serviert wird, sein Organ strapazieren.

"Hellfire Club" ist für mich eines der stärksten melodischen Metal-Alben überhaupt. Selten wurde diese Art von Musik so lebendig, frisch und vielseitig dargeboten. Der überbordende Ideenreichtum des damals 26-Jährigen Tobias Sammet steckt in jeder einzelnen Sekunde der Platte und seine Schulfreunde aus alten Tagen wissen genau, wie sie die Einfälle ihres Bandleaders umzusetzen haben. Dazu kommt der unbedingte Wille, dem Ganzen ein möglichst erdiges Soundgewand zu verpassen. In den kommenden Jahren rücken Edguy mehr und mehr von dieser Linie ab und werden unter Produzent Sascha Paeth (wie auch Sammets Allstar-Project Avantasia) zum hochglanzpolierten Elite-Act. Das mag sowohl kommerziell als auch künstlerisch nachvollziehbar sein, schließlich gilt es, sich ständig weiter zu entwickeln. Es schürt allerdings auch den Eindruck, dass der fehlende Charakter im Soundgewand die letzten paar Prozent an Genialität verschüttet, die "Hellfire Club" zu einer Sensation werden ließen. Außer "Space Police - Defenders of the Crown" von 2014 hat mich keines der Nachfolgewerke ähnlich aus den Socken gehauen, obwohl durchgehend großartiges Material abgeliefert wurde.

Es gibt also leider keinen Weg zurück zum alten Sound, der mich damals wie heute so begeistert hat. Somit bleibt das sechste Edguy-Album wohl auf Ewig ihr unangefochtenes Meisterstück. Ich werde es immer und immer wieder genießen und mich weiterhin wundern, wie man nur so genial sein kann. Danke Tobi, danke Edguy für eines meiner absoluten Lieblingsalben.


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