Herbst/Winter-Fashion Hier klicken Jetzt informieren studentsignup Cloud Drive Photos OLED TVs Learn More TDZ Hier klicken Learn More Fire Shop Kindle PrimeMusic GC HW16
Profil für STB > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von STB
Top-Rezensenten Rang: 7.098
Hilfreiche Bewertungen: 1349

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
STB

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-18
pixel
Antenna
Antenna
Preis: EUR 5,00

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Der letzte ZZ Top-Welterfolg, 1. August 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Antenna (Audio CD)
Mit ihrem 11. Studioalbum "Antenna" beschließen ZZ Top 1994 einen musikalischen Zyklus. Nachdem sie mit einer Soundveränderung vom rustikalen Texas Boogie-Rock hin zum Synthesizergetränkten Stadionrock und den den drei Erfolgsalben "Eliminator" (1983), "Afterburner" (1985) und "Recycler" (1990), sowie einem Greatest Hits Album (1992) zu Weltstars aufgestiegen sind, heißt das Motto nun: weniger ist mehr. Ein kompletter Verzicht auf elektronische Effekte lässt sich auf "Antenna" zwar nicht ausmachen - eine deutliche Reduktion ist aber dennoch erkennbar. Der gefährliche, zähnefletschende Sound der Gibson Les Paul steht nun wieder eindeutig im Vordergrund. Wie schon in den 1970ern. Die Rückkehr zu ihren Wurzeln bedeutet für ZZ Top auch gleichzeitig das Ende des kommerziellen Welterfolgs. "Antenna" ist ihr letzter wirklicher Verkaufs-Hit. Der Titel des Werkes huldigt den unzähligen Piratensendern, die von der mexikanischen Grenze aus wesentlich zum Durchbruch vieler lokaler Bands beigetragen haben.

Finanziell ist die "Lil' ol Band from Texas" 1994 bereits abgesichert. Billy Gibbons (Gesang, Gitarre), Dusty Hill (Gesang, Bass) und Frank Beard (Schlagzeug) unterzeichnen einen lukrativen Deal mit der Plattenfirma RCA, der ihnen 40 Millionen US-Dollar für die nächsten 5 Alben garantiert. Die drei Texaner sind mittlerweile Weltstars, die langen Rauschebärte von Gibbons und Hill zu ihrem Markenzeichen geworden, das dank irrwitziger Musikvideos weit über die US-Grenzen hinaus Bekanntheit erlangt hat. Sie hätten also getrost so weiter machen können wie zuletzt. Doch Bandkopf Billy Gibbons erkennt rechtzeitig, dass eine Veränderung notwendig ist.

So tönt gleich die erste Single "Pincushion" mächtig rotzig und macht klar: ZZ Top sind zurück, mit all ihrer brachialen Urgewalt. Die Eingängigkeit der letzten Alben ist geblieben, auch die Soundspielereien, aber die Gitarre klingt wieder wesentlich gewaltiger und heftiger. Ist immer noch Stadiontauglich, dürfte aber einige der neu hinzu gewonnenen Fans eher verschreckt haben. Die Nummer wird allerdings nur in England ein Top 20 Hit. In den USA lässt das Interesse an den drei Kultfiguren merklich nach.

Daran ändert auch die zweite Single "Breakaway" nichts, obwohl sie das texanische Lebensgefühl perfekt vertont. Die Blues-Ballade ist staubig wie eine der heruntergekommenen Landstraßen und gleichzeitig unglaublich gefühlvoll. Gibbons' eingängige Melodielinie in Verbindung mit dem monströsen Gitarrensound machen den Titel zum Höhepunkt des Albums. Heute ein leider vergessener Klassiker, der ZZ Top auf einem ihrer vielen kreativen Höhepunkte zeigt. Am Besten mit geschlossenen Augen zu genießen. Wehmut und Seelenwohl lagen innerhalb eines Songs wohl selten so nah beieinander. Ganz groß!

"World of Swirl" dagegen haut mächtig auf die Kacke. Das ist breitbeiniger Stadionrock wie er im Buche steht. Gibbons treibt die Les Paul protzig durch die mit einem mehrstimmigen Refrain versehene Nummer. Die dritte Single gehört ebenfalls zu den besten Songs der Platte. Dynamisch, spritzig und vor allem unglaublich cool.

Gleiches gilt auch für "Fuzzboxx Voodoo". Mr. Groovalicious Reverend Billy G. schüttelt sich ein Riff aus dem Ärmel, bei dem Stillsitzen umöglich ist. Verboten eingängiges Stück, zu dem so manche Dame sicherlich schon die Hüllen hat fallen lassen. Der Rhythmus lädt förmlich dazu ein.

Bei "Girl in a T-Shirt" bleiben die Kleider zumindest im Titel an. Der Song groovt zwar auch recht heftig, fällt aber im Vergleich zu den ersten vieren etwas ab. Dreckig ist er allemal, ZZ Top lassen ungeniert die Machos raushängen.

Mit "Antenna head", gesungen von Bassist Dusty Hill, ist dann endgültig das Mittelmaß erreicht. Außer einem Refrain, der im Ohr bleibt, lässt sich wenig spannendes feststellen.

"PCH", in Frankreich als Single veröffentlicht, fällt auch eher unter die Kategorie "ganz okay". Nicht spektakulär, aber auch nicht schlecht. Ein solider Album-Track.

"Cherry Red" hingegen atmet am Offensichtlichsten von allen Titeln den 80er-Rock. Edel produziert und mit Hit-Refrain ausgestattet.

Mit "Cover your Rig" wird es dann richtig dirty. Der tonnenschwere Blues groovt düster und verweist vom Stil her schon einmal auf das noch räudigere Nachfolgealbum "Rhythmeen" (1996).

Die beiden Abschlussnummern "Lizard Life" und "Deal goin' down" sind zwar geschmeidig und hier und da sogar filigran, können aber vielen normalen Albumtracks der Vorgänger nicht das Wasser reichen. Gleiches gilt auch für den nur in Europa veröffentlichten Bonustrack "Everything".

Im Gesamteindruck bleibt von "Antenna" vor allem der Umstand haften, dass ZZ Top weg wollen vom künstlichen Synthie-Rock Image. Leider ziehen sie dieses Vorhaben nicht so konsequent durch wie auf den drei Nachfolgealben. Heißt: die elektronischen Spielereien sind immer noch da und lassen das Album an manchen Stellen ungewohnt kalt klingen. Letztlich kann die LP am Treffendsten als Hybrid, als Übergangswerk zwischen zwei unterschiedlichen Bandphasen beschrieben werden. Vielleicht ist es gerade diese Unentschlossenheit, die verhindert, dass das Album in den USA groß abräumt. Stattdessen verkauft es sich in Europa hervorragend. Nach einer ausgiebigen Welttournee kehren ZZ Top in Studio zurück und veröffentlichen 1996 mit "Rhythmeen" einen Longplayer, der sie endgültig von sämtlichen soundtechnischen Altlasten befreit und eine neue Ära einläutet.

"Antenna" ist bestimmt nicht das Beste Album in der langen Karriere der 1969 gegründeten Band. Ungerechtfertigterweise aber wird es immer wieder sträflich unterschätzt. Denn neben einigem Durchschnitt finden sich auch hervorragende Titel auf der Platte. Sie hat eine Chance verdient.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 17, 2012 10:31 AM MEST


Texicali
Texicali

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der Texas-Snack für Zwischendurch, 7. Juli 2012
Rezension bezieht sich auf: Texicali (MP3-Download)
9 lange Jahre sind vergangen seit dem grandiosen letzten ZZ Top Studioalbum "Mescalero" (2003). Seither heißt es in regelmäßigen Abständen, Billy Gibbons (Gitarre und Gesang), Dusty Hill (Bass und Gesang) und Frank Beard (Schlagzeug) befänden sich im Studio, um neues Material aufzunehmen. Doch statt eines Studiowerkes liefern sie 2008 das wenig inspirierte Live-Album "Live from Texas" ab. Als 2012 auch noch der Mitschnitt des legendären 1980er Konzertes aus der Essener Grugahalle mit dem Titel "Live in Germany" erscheint, schwinden die Hoffnungen auf die 15. LP des Trios beträchtlich. Doch dann, wie aus dem Nichts, veröffentlichen sie Ende Juni die mit Starproduzent Rick Rubin aufgenommene EP "Texicali". Sie enthält vier neue Tracks und soll als Teaser für das kommende Album fungieren. ZZ Top gehen mit der Zeit: die neuen Songs sind ausschließlich als Download verfügbar.

Eines vorneweg: Trotz angekündigter Soundveränderungen sind ZZ Top immer noch ZZ Top. Die Gitarre brät, der Bass rollt und das Schlagzeug knallt. Dazu Billy's tiefe Reibeisenstimme - genau das lieben die Fans seit 1969. Dennoch ist Rick Rubin's Einfluss hörbar. Der Sound der EP ist rau, klingt an manchen Stellen eher nach besserem Demo denn nach Hochglanzproduktion. Wieso der einstige Soundkönig Rubin in den letzten Jahren dermaßen an Qualität verloren hat, bleibt rätselhaft. Seine Produktionen klingen zunehmend steriler und weniger voluminös. Hoffentlich wird das kommende Album diesbezüglich besser.

"I gotsta get paid" ist der Referenzsong von "Texicali". Er ist eine groovende Hard Rock-Coverversion des Hip Hop Klassikers "25 Lighters", was man jedoch nicht merkt. Die Lil' ol Band from Texas spielt die Nummer so, als habe sie sie selbst geschrieben. Billy Gibbons hält musikalisch ständig die Ohren offen und lässt neue Einflüsse in seiner Musik zu, ohne sich stilmäßig zu verraten. Das erste Stück geht voll in Ordnung. Lustig ist auch das zugehörige kurze Promo-Video, das ZZ Top als Werbefiguren für eine Biermarke zeigt. Sie stehen in einem begehbaren Kühlschrank an einer Tankstelle und jedesmal wenn sich ein Kunde ein Bier herausholen will, spielen sie "I gotsta get paid". Amüsante Idee. Ein komplettes Video, das erste seit 1996, wäre mir aber wesentlich lieber.

Der zweite Song "Chartreuse" (was soviel heißt wie grün-gelb) ist ein Bastard aus über 40 Jahren Bandgeschichte. Das Anfangsriff kopiert "Tush", das Solo zitiert mehr als offensichtlich "Sharp dressed man" und bei genauerem Hinhören lassen sich bestimmt noch andere Referenzen erkennen. Für eine EP ist sowas vertretbar, zumal die Nummer wirklich ins Ohr geht. Ein satter Boogie-Rocker. Frisch und spritzig.

"Consumption" ist nicht wirklich schlecht, klingt aber "Chartreuse" zu ähnlich. Es gibt hier zwar keine Zitate aus alten Songs, aber das Stück rumpelt sich etwas zu routiniert durch die Gegend. Positiv festzuhalten ist der knackige Schlagzeugsound von Frank Beard. Live klingt er mittlerweile furchtbar langweilig. Auf "Texicali" hingegen rummst er ganz schön. So muss das sein.

Der Höhepunkt des kurzen Texas-Snacks ist ganz klar die melancholische Blues-Ballade "Over you". Die Atmosphäre eines warmen, sich dem Ende neigenden Sommertags in Verbindung mit Liebeskummer ist perfekt eingefangen. Zudem spielt Billy Gibbons eines seiner besten Soli seit vielen Jahren. Echt eine herausragende Nummer, die der EP die 4 Sterne einbringt.

Ansonsten ist die Angelegenheit nämlich recht mittelmäßig. Die Freude über das neue Studiomaterial ist groß und so neigt man als Fan dazu, kleinere Schwächen zu übersehen. Nüchtern betrachtet muss man sagen, dass "Texicali" bei weitem nicht schlecht ist. ZZ Top haben aber auch schon deutlich kreativer und unberechenbarer geklungen. Noch wirkt das ganze bis auf eine Ausnahme etwas uninspiriert. Zumindest hätte es keine 9 Jahre gebraucht, um solche Songs zu schreiben.

Nichts desto trotz sollte nicht vergessen werden, dass es sich hierbei lediglich um einen Vorboten des Albums handeln soll. Die besten Songs können also noch kommen. Ein schlechtes Album haben die drei Texaner noch nie veröffentlicht. Nach der feurigen letzten Platte "Mescalero" kann auch dieses Mal wieder einiges erwartet werden. Das Vorab-Demo des Songs "Flyin' high" bei youtube machte bereits Appetit. Billy, Dusty und Frank werden ihre Fans auch diesmal nicht enttäuschen. Mit "Texicali" ist ein erster großer Schritt getan. Das Warten auf das neue Album wird so noch schwerer.


Unisonic
Unisonic
Preis: EUR 6,99

4.0 von 5 Sternen Eine Großtat für Menschen ohne musikalische Scheuklappen, 27. Mai 2012
Rezension bezieht sich auf: Unisonic (Audio CD)
Drei lange Jahre hat es gedauert, bis die Supergroup Unisonic nach ihrer Gründung 2009 die gespannte Fangemeinde mit ihrem Debutalbum beglückt. Die Truppe, bestehend aus Michael Kiske (Gesang, Ex-Helloween und Place Vendome), Kai Hansen (Gitarre, Ex-Helloween, aktuell Gamma Ray), Mandy Meyer (Ex- Gotthard und Krokus), Dennis Ward (Bass, Pink Cream 69) und Schlagzeuger Kosta Zafiriou (Ex-Pink Cream 69) vereint geballte Melodic Metal bzw. Melodic (Hard) Rock Kompetenz und liefert insgesamt 12 Songs ab. Bereits vor der Veröffentlichung ist klar, dass man von dieser Formation keine Double-Bass getränkten Speed Metal Songs erwarten kann. Sänger Michael Kiske bewegt sich seit seinem Ausstieg bei Helloween 1994 vornehmlich in sanfteren Melodic Rock und AOR Gefilden. Dem klassischen Metal hat er entsagt, auch wenn sich seine Einstellung dazu über die Jahre wesentlich gebessert hat. Dennoch bewegt sich das selbstbetitelte erste Album von Unisonic vorwiegend im Bereich des melodischen Hard Rock mit dezenten AOR Einsprengseln.

Die Vorab Single "Ignition" erzeugt bei vielen alten Helloween Fans bereits große Vorfreude auf das Album. Tatsächlich ist der darin enthaltene Titelsong und Opener "Unisonic" die mit Abstand härteste Nummer der CD. Die zackige Hymne ballert ordentlich los, ohne in hyperschnelle Edguy-Gefilde abzudriften. Ein sattes Statement zu Beginn, das zeigt, dass die Herren mittleren Alters ordentlich Dampf unterm Kessel haben. Michael Kiske packt das Genretypische Vibrato aus, seine Stimme klingt aber anno 2012 wesentlich edler und erwachsener als auf seinem Helloween Debut "Keeper of the Seven Keys Part 1" (1987). Mit damals 19 Jahren quietschte sich der Hamburger durch Passagen, die nicht einmal der Große Rob Halford hätte meistern können. Es ist angenehm zu hören, dass Kiske darauf mit über 40 weitgehend verzichtet. Seine beeindruckende Stimme hat solch nerviges Gejaule auch gar nicht nötig.

"Souls Alive" ist die erste Nummer, die Unisonic jemals gemeinsam komponieren. Bereits 2009 als Demo via youtube veröffentlicht, klingt die Albumversion noch einen Tick satter und kraftvoller. Der Refrain funkelt golden, die Gitarren flirren und im Hintergrund unterstützt ein Keyboard dezent geschmackvoll. Hochprofessionelle Melodic Rock-Kost, die deutlich macht, dass hier absolute Könner am Werk sind. Wenige Bands bewegen sich in dem oftmals bieder wirkenden Genre derart gekonnt und unpeinlich wie Unisonic.

Ein weiterer Beweis hierfür ist "Never too late". Das von Kai Hansen geschriebene Gute Laune Stück ist bester Mitsing-Rock für lange Cabriofahrten an Sommertagen. Macht ganz einfach Spaß. Puristen werden mit der vergleichsweise harmlosen Nummer ihre Probleme haben, mir gefällt sie sehr gut. Schlägt in die selbe Kerbe wie etwa der Place Vendome Song "Follow me" oder "Don't walk away" aus dem Kiske/Somerville Projekt. So muss guter Melodic Rock anno 2012 klingen.

"I've tried" weist dezente Progressive-Einflüsse auf. Hübscher Basslauf und ein Rush-artiger Refrain. Einer der Höhepunkte des Albums, gerade wegen seines fast poppigen Klanggewandes. Das ist ganz einfach richtig gute Musik - wenn man nicht mit Scheuklappen an die Sache herangeht.

"Star Rider" klingt dann wieder etwas traditioneller. Der bombastische Refrain schwillt zwar etwas kitschig aus den Boxen, die Nummer geht aber trotzdem völlig in Ordnung. Würde auch auf einem Avantasia Album eine gute Figur machen.

"Never change me" ist der nächste gute Laune Rocker und ein wahrer Ohrwurm. Man bekommt das erfreute Grinsen gar nicht mehr aus dem Gesicht. Kiske zeigt in den tieferen Parts die Varianz seiner Jahrhundertstimme und der Refrain geht einem nicht mehr aus dem Kopf.

Wieso die Power-Ballade "Over the Rainbow" nur als Bonustrack auf der Limited Edition enthalten ist, erschließt sich mir nicht, handelt es sich doch mit weitem Abstand um den besten Song der CD. Bands wie Rainbow, Iron Maiden oder Judas Priest wären selbst in den glorreichen 1970er und 80er Jahren angesichts eines derartigen Geniestreichs vor Neid erblasst. Was für ein Brett! Gewaltiger Gänsehautalarm. Die Nummer strotzt nur so vor Melodie und Gefühl. Man schließt die Augen und lässt sich genussvoll treiben im tiefblau schimmmernden Melodie-Ozean. Ja, eine derart poetische Sprache ist hier angebracht. Kai Hansen, danke für dieses Meisterwerk! Jetzt schon ein Klassiker der melodischen Rockmusik.

"Renegade" weckt den geneigten Hörer im Anschluss mit knackigem Schlagzeug und einem wuchtigen Riff aus den Träumereien. Neben dem Titelsong die krachendste Komposition der Platte. Live mit Sicherheit ein Garant für hüpfende Massen. Doch auch hier gilt: Metal ist das nicht. Die Hooks stehen ganz klar im Vordergrund, alles klingt wie aus einem Guss.

Der traditionelle AOR Rocker "My Sanctuary" ist bereits aus der Vorab Single bekannt. Nicht ganz so spektakulär wie ein Großteil des übrigen Materials, trotzdem aber von hoher Qualität. Die meisten anderen Bands würden sich danach die Finger lecken.

Das stampfende "King for a Day" ist das einzige Stück, das etwas abfällt. Musikalisch weiß es zwar zu überzeugen, der mehrstimme Gamma Ray Refrain tönt jedoch etwas zu klassisch teutonisch. Schöner Tempowechsel ab der Mitte, aber etwas mehr Einfallsreichtum hätte gut getan. Ein kleiner Ausrutscher ist aber angesichts der hohen Qualität der anderen Songs zu verschmerzen.

Zumal "We Rise" wieder zurückfindet in die Spur. Das ungewöhnlichste Stück der Platte mit fast poppiger Struktur und gerade deswegen einer der Höhepunkte. Kai Hansen und Dennis Ward beweisen ein weiteres Mal, dass sie in der Lage sind modernen Hard Rock mit großartigen Melodien zu schreiben ohne dass es peinlich wird. Schöne Nummer. An dieser Stelle hätte auch gerne Schluss sein dürfen.

Stattdessen aber folgt mit "No one ever sees me" die einzige Michael Kiske Komposition zum Abschluss. Eigentlich hat der Sänger in den vergangenen Jahren bei Balladen stets eine hervorragende Figur gemacht. Dieser schmalzige Kitschklumpen allerdings hätte nicht sein müssen. Weit entfernt von Meisterwerken der Marke "My Guardian Angel" oder "Right here", die er mit dem sensationellen AOR Projekt Place Vendome veröffentlicht hat. Schade, dass eine starke Platte einen derart belanglosen Abschluss finden muss. Kiske kann es viel viel besser.

Trotz des leichten Dämpfers gegen Ende ist festzuhalten, dass "Unisonic" ein rundum gelungenes Debut darstellt. Haufenweise große Melodien, dynamische Riffs und eine druckvolle Produktion von Dennis Ward machen es zu einer hörenswerten Angelegenheit. Die Songs sind zwar meistens in Bezug auf die Arrangements recht simpel gehalten und dürften Fans von komplexen Songstrukturen eher nicht befriedigen. Wer aber einfach nur gut gemachte, eingängige Rockmusik hören möchte, der ist hier genau richtig. Das perfekte Album für einen entspannten Sommertag. Schon jetzt darf man gespannt sein auf das nächste Album. So kann es weiter gehen, meine Herren.


Celebrator-Rare Tracks (Digipak)
Celebrator-Rare Tracks (Digipak)
Preis: EUR 18,99

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Nur für Hardcore-Fans, 26. Mai 2012
Rezension bezieht sich auf: Celebrator-Rare Tracks (Digipak) (Audio CD)
U.D.O. feiern im Jahre 2012 ihr 25. Bandjubiläum. Die Truppe um Sänger Udo Dirkschneider und Gitarrist Stefan Kaufmann (beide Ex-Accept) liefert seit 1987 konstant Alben ab. Nicht alle sind durchgängig gelungen, doch U.D.O. haben sich seither eine solide Fangemeinde auf der ganzen Welt erspielt. Eine Doppel-CD ist dem feierlichen Anlass also angemessen. Die Idee, darauf rare B-Seiten und Bonustracks zusammen zu stellen, hat durchaus ihre Berechtigung. Dass aber Stefan Kaufmann ALLE Songs (bis auf die drei Fremdkooperationen von Udo) in jenem unsäglichen Steril-Sound des letzten Studioalbums "Rev-Raptor" remixed hat, macht die Partylaune zu nichte. Besonders die Computer Bassdrum verwandelt die eigentlich ganz guten Titel in langweiligen, größtenteils verzichtbaren Einheitsbrei.

"Celebrator" heißt das gute Stück, das mit insgesamt 25 Songs ordentlich bestückt ist. Der geneigte Fan dürfte sie zwar bis auf die beiden unveröffentlichen Tracks schon alle besitzen, für gelegentliche U.D.O.-Fans ist die Compilation aber eine gute Möglichkeit, an Raritäten zu kommen. Einige Songs stechen heraus, wie etwa das stampfende "Stormbreaker", die gefühlvolle Ballade "Run!", das punkige "Bleeding heart", das düstere "Bodyworld" oder das traditionelle "Hardcore Lover". Sie zeigen U.D.O. von der besten Seite: harte Riffs, hohe Raspelstimme und eingängige Refrains. Doch der Großteil des Materials kann nicht überzeugen und das aus den verschiedensten Gründen. Einerseits kommt bei nichtssagenden Songs wie "The Silencer" oder "Artificialized" das typische U.D.O.-Feeling gar nicht erst auf. Andererseits zerstört der unsägliche Mix eigentliche Highlights wie "The Key", das knackige Accept Cover "XTC" oder die Mega-Ballade "Azrael".

So sind es alles in allem tatsächlich die Fremdkooperationen, die am Meisten Spaß machen. "They only come out at night", Udo's Zusammenarbeit mit den finnischen Glamrockern Lordi, zelebriert den traditionellen Hard Rock mit stolz geschwellter Brust. Auch der Hammerfall-Track "Head over heels" und das "Born to be wild" Cover mit Raven gehen voll in Ordnung. Mehr ist aber nicht drin mit "Celebrator".

Letztlich ist die Platte eine Zusammenstellung von Songs, die es meistens zurecht nicht auf die jeweiligen Alben geschafft haben und die durch den fürchterlichen Mix noch weiter an Qualität verlieren. Eine verpasste Chance zum Jubiläum. Es bleibt zu hoffen, dass Stefan Kaufmann bald einsieht, dass es mit diesem Drum-Sound nicht mehr weitergehen kann. Sonst kommen bald alle neuen U.D.O. Alben aus der Konserve. Das wird einem echten Metal-Helden überhaupt nicht gerecht.


Live in Germany 1980
Live in Germany 1980
Wird angeboten von SEDIVA Deutschland
Preis: EUR 12,63

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen ZZ Top auf dem Zenit ihrer Kreativität, 24. April 2012
Rezension bezieht sich auf: Live in Germany 1980 (Audio CD)
Endlich gibt es ihn auch auf CD, den legendären Auftritt von ZZ Top im Rahmen des WDR Rockpalastes 1980 in der Essener Grugahalle. Unter Fans gilt diese Aufnahme gut dreißig Jahre lang als begehrtes Bootleg, ehe sie 2009 erstmals als DVD erscheint. Die Audio-Version lässt zwar zwei Jahre auf sich warten, ist qualitativ aber über jeden Zweifel erhaben. "Live in Germany 1980" zeigt eine Band auf dem kreativen Höhepunkt ihrer Karriere. Das sechste Album "Deguello" (1979) hat sich prächtig verkauft und ihnen 9 Jahre nach dem Debut auch einen ersten Charterfolg in Europa beschert. Als logische Konsequenz führt Billy, Dusty und Frank ihr Weg durch die Welt auch erstmals nach Deutschland.

Drei Jahre vor ihrem endgültigen kommerziellen Durchbruch mit dem Millionen-Seller "Eliminator" (1983) und der damit verbundenen Soundveränderung vom derben Blues'n'Boogie hin zum massentauglichen Stadionrock präsentiert sich die Lil' ol Band from Texas spielfreudig und feurig. Die langen Rauschebärte, DAS Markenzeichen der Band bis heute, sind damals nagelneu und noch kräftig braun. Der Gesamt-Sound ist zwar noch nicht ganz so fett und beeindruckend wie heute, aber Billy Gibbons' unfassbares Gitarrentalent wird bereits mehr als offensichtlich. Er spielt sich die Seele aus dem Leib, hüpft herum, tanzt und wackelt mit den Hüften, dass es eine Freude ist. Auch Bassist Dusty Hill bewegt sich deutlich mehr als heute. Einzig Drummer Frank Beard ist die selbe stoische Maschine wie damals geblieben. Nur dass sein Schlagzeugspiel anno 1980 wesentlich dynamischer und nicht so furchtbar langweilig klingt wie auf der uninspirierten 2008er Live LP "Live from Texas".
Die drei sind damals noch eine enthusiastische Rockkanone - die Coolness späterer Auftritte ist hier höchstens in Ansätzen erkennbar. Auch die Stimme von Billy Gibbons klingt bei weitem noch nicht so rau und tief wie heutzutage. Aber genau das macht den Charme dieses frühen Schaffensdokumentes von ZZ Top aus. Es ist noch nicht alles perfekt, die Band sucht noch nach ihrem endgültigen Image und trotzdem liefert sie schon eine verdammt unterhaltsame Show ab.

"Live in Germany 1980" beginnt mit einem sehnsüchtigen Trompeten-Intro, ehe ZZ Top mit ihrem damaligen Hit "I thank you" einsteigen. Es wird ein denkwürdiger Abend, der der Band in Deutschland eine riesige Fangemeinde bescheren soll. Man kann den Schweiß der Anstrengung förmlich riechen, der hinter der energetischen Performance steckt. Das bedeutet aber nicht, dass die Songs verkrampft klingen, ganz im Gegenteil. ZZ Top brennen ein Feuerwerk ab und man merkt, dass hier eine Band zu Werke geht, die unbedingt den Durchbruch schaffen will. Neben den auch heute noch im Repertoire befindlichen Alltime-Classics "Waitin' for the Bus/Jesus just left Chicago", "Tush", "La Grange" und "Cheap Sunglasses", geben die drei Texaner vor allem Titel aus dem Deguello-Album zum Besten.

Wieso nicht der ganze Gig auf CD gepresst wurde, erschließt sich mir nicht. So entgehen dem Hörer grandiose Songs wie "El Diablo" oder "Just got paid" sowie eine besonders frühe Version des "Tube Snake Boogie". Sehr schade, dass sie fehlen. Wer das vollständige Konzert erleben möchte, sollte zur DVD "Double Down" greifen. Nichts desto trotz ist aber auch die CD eine lohnenswerte Anschaffung, denn bis auf die etwas sterile Snare von Frank Beard ist der Sound herrlich rotzig und unbearbeitet. Außerdem kann man auf diesem legendären Mitschnitt hören, wie kraftvoll und präzise Billy Gibbons dereinst "Heard it on the X" spielte.

"Live in Germany 1980" macht rundum Spaß. Es ist endlich eine dem ZZ Top Kultstatus angemessene Live-CD. Möge das Trio in Ewigkeit weiter rocken.


auch
auch
Preis: EUR 14,21

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Abwechslungsreicher Melodie-Blumenstrauß, 19. April 2012
Rezension bezieht sich auf: auch (Audio CD)
Vielleicht hilft es bei der Bewertung des 12. Ärzte Albums mit dem verwirrenden Titel "auch", kein Fan der Berliner zu sein. Wenn man nämlich als neutraler Musikliebhaber und ohne Erwartungen an die Platte herangeht, wird man mit einigen hübschen Melodien und infantilen Späßen bestens unterhalten. Genau das ist aber wohl das Problem, das eingefleischte Anhänger der "Besten Band der Welt" mit den 16 Songs haben: sie sind zwar nett, aber nicht immer grandios, musikalisch manchmal sogar recht banal. Außerdem gehen einige nicht direkt ins Ohr, sondern benötigen Zeit. Auch das ist ungewohnt. Positiv hervorzuheben ist die Tatsache, dass zeitgleich mit Erscheinen des Werks Musikvideos zu allen Titeln auf youtube kostenlos angesehen werden können. Das erleichtert die Kaufentscheidung und präsentiert die Band in gewohnt albernem Humor. Zudem ist die Verpackung der CD wieder mal eine Großtat. Das Pizzaschachtel-Format des Vorgängers wurde beibehalten, diesmal beherbergt es allerdings ein selbst kreiertes Gesellschaftsspiel für Menschen von 6 bis 66.

Die Ärzte erfinden den Rock definitiv nicht neu mit diesem Album, einige Melodien klingen sogar wie schon einmal (besser) aus ihrer Feder gehört und bis auf zwei Ausnahmen beinhaltet die Platte tatsächlich keinen unsterblichen Hit. Wenn man das aber außer acht lassen kann und das Ganze mit herabgesetztem Anspruch angeht, ist "auch" dennoch eine spaßige, stimmige Angelegenheit, die fast ohne Totalausfall daherkommt und hier und da sogar zu überraschen vermag.

Ich persönlich habe erst im neuen Jahrtausend begonnen, mich für die Ärzte zu interessieren, besser gesagt mit dem grandiosen Doppelalbum "Geräusch" (2003). Zuvor sind mir die drei ziemlich auf die Nerven gegangen mit ihrem gewöhnungsbedürftigen Humor. Ich konnte einfach nichts mit ihnen anfangen, zumal mich die Vergewaltigung ihres nervigen 80er Hits "Westerland" als Sauflied auf unzähligen Trinkgelagen bis heute in meinen Alpträumen verfolgt. Das hat zur Folge, dass ich den Song immer noch abgrundtief hasse. Nichts detso trotz habe ich seit "Geräusch" meinen rigorosen Standpunkt deutlich gelockert. Ich kann sie jetzt ungezwungen gut finden. Und das liegt vor allem daran, dass sie sich mit zunehmendem Alter musikalisch immer mehr verändert haben. Ganz besonders nachzuhören auf "auch".

Fünf Jahre sind seit dem mäßigen "Jazz ist anders" (2007) ins Land gezogen. Farin Urlaub (Gesang + Gitarre), Bela B. (Gesang + Schlagzeug) und Rod Gonzalez (Gesang, Bass + Gitarre) haben sich in der Zwischenzeit ihren Soloprojekten gewidmet und manch einer schien die Ärzte schon langsam vergessen zu haben. Um sich wieder in Erinnerung zu rufen, erscheint im März 2012 die Single "ZeiDverschwänDung", ein Song von Bela B. Im Gegensatz zum Nummer 1 Hit "Junge" aus dem letzten Album zündet dieser Titel nicht sofort. Böse Zungen mögen sogar sagen, er zündet gar nicht. Tatsächlich gehört er zu den schwächsten der neuen Kompositionen, ohne wirklich schlecht zu sein. Trotz eingängiger lala-Chöre und nettem Text bleibt irgendwie nicht viel hängen. Wieso dieser Titel als erste Single ausgewählt wurde, erschließt sich nach wie vor nicht. Es fänden sich wesentlich bessere Kandidaten auf "auch".

Den Opener "Ist das noch Punkrock?" kann man zwar nicht dazu zählen. Ein lustiger Einstieg ist er dennoch. Ein typisches Farin Urlaub Stück übers Altern, das auch auf einem seiner Soloalben stehen könnte. Satte Gitarren, eine melodische Bridge - läuft.

Auf "Bettmagnet" wird Bela B. im Refrain von einer Frauenstimme unterstützt. Geht dynamisch nach vorne und bleibt im Ohr, ist aber trotzdem nur solide. Auf einem Soloalbum des Schlagzeugers wäre es aber sicherlich ein Singlekandidat.

"Sohn der Leere" ist der stärkste Track von Bassist Rod. Besonders der großflächige Refrain mit dem Flair eines James Bond Soundtracks weiß zu gefallen. Eine richtige kleine Hymne. Erzeugt bei manchem beim ersten Hören vielleicht Schulterzucken und entwickelt sich erst mit der Zeit, dann aber gewaltig.

"TCR" ist der erste Höhepunkt der Platte und das liegt vor allem an seiner unverschämten Eingängigkeit. "Wir kümmern uns um den Rock" teilen die Ärzte gewohnt bescheiden mit und man hat förmlich die springenden Massen bei den Livekonzerten vor Augen. Ein wuchtiger Headbanger mit Hit-Refrain. So muss das, meine Herren.

"Das darfst du" ist ein Bela-Stück mit hübscher Gesangslinie. Hier hört man sogar Glockengebimmel. Ein interessanter Farbtupfer.

Am kontroversesten diskutiert wird bisher "Tamagotchi". Der einzige von den dreien gemeinsam geschriebene Titel wird von Rod gesungen und macht mir persönlich unglaublich viel Spaß. Herrlich albernes Synthie Geblubber im Refrain, das in Verbindung mit dem drückenden Riff zum entrückten Ausflippen anregt. Wer außer den Ärzten würde eine Xylophon-Begleitung unter die Strofen legen? Textlich geht es um die Frage, was eigentlich das in den 90er Jahren total gehypte elektronische Haustier Tamagotchi 10 Jahre später so macht. Wirklich eine schräge Nummer, die bunte Funken sprüht und den Elektro-Pop der 90er zitiert. Ich finde es unterhaltsam, man muss sich aber darauf einlassen.

"M&F" ist der mit Abstand beste Song der Platte. "Huhu" Chöre, Geigen und ein extrem tanzbarer Rhythmus begleiten Farin Urlaub bei seiner treffenden Beobachtung des absurden Balzverhaltens zwischen Mann und Frau. Wenn das mal keine Single wird, weiß ich auch nicht. Meines Erachtens hätten sie diese Nummer vorab veröffentlichen sollen. Ein Hit in alter Ärzte-Tradition, trotz der etwas ungewöhnlichen Instrumentierung. Jetzt schon ein Klassiker, der auch in den Charts bestens funktionieren würde.

"Freundschaft ist Kunst" macht für Bela B. Verhältnisse ordentlich Dampf und ist sein gelungenster Beitrag auf der CD. Eine bissig-sarkastische Abrechnung mit pseudo-intellektuellem Getue. Könnte auch eine Single werden.

Das durchschnittliche "Angekumpelt" geht angesichts des mittlerweile doch enormen Niveaus der Platte an Position 9 etwas unter. Liegt vor allem an dem wenig einfallsreichen Refrain.

Der sozialkritische Höhepunkt des Albums ist "Waldspaziergang mit Folgen". Verpackt in ein humoristisches Soundgewand mit Flasett-Part, berichtet Farin Urlaub von den Irrwegen, die bei der allzu verbissenen religiösen Sinnsuche leider allzu oft beschritten werden. Mein persönlicher Lieblingssong des Albums. Der große Blonde mit der Stromgitarre schreibt mit weitem Abstand die besten Lieder der Ärzte.

Daher verwundert es nicht, dass der unglaublich groovende Singlekandidat "Fiasko" ebenfalls aus seiner Feder stammt. Man will enthusiastisch alle Glieder schütteln und lauthals mitsingen. Dabei ist der Text nicht mal wirklich originell. Macht nix, ist trotzdem spaßig.

"Miststück" und der "1/2 Lovesong"-Abklatsch "Das finde ich gut" sind die schwächsten Titel des Albums. Hier bleibt absolut nichts hängen. Hätten sie auch weg lassen können.

"Cpt. Metal" hingegen hat alles, was für mich die Ärzte ausmacht. Es handelt sich um eine ironische Auseinandersetzung mit engstirnigem Metal-Fantum, das auf eine liebenswerte Art verulkt wird. Frei nach dem Motto: was sind schon Spiderman oder Hulk, wenn man Käptn Metal haben kann? Das Soundgewand ist dementsprechend knackig, der Refrain frisst sich ins Hirn und Farin schüttelt sich ein anbetungswürdiges Gitarrensolo aus dem Ärmel, das allen Flitzefingern des Genres ebenbürtig isr. Einfach saugeil.

"Die hard" rockt ähnlich brachial, geht ins Ohr, bleibt aber etwas banal. Wobei die Aussicht, von Rod mit Wattebällchen beworfen zu werden, sicherlich viele in Angst und Schrecken versetzen dürfte.

Zum Abschluss gibt es noch die bereits erwähnte Single "ZeiDverschwÄndung", die im Gesamteindruck deutlich hinter vielem bleibt, was die Ärzte auf "auch" abliefern.

Letztlich bleibt festzuhalten, dass die Ärzte sich in den fünf Jahren seit "Jazz ist anders" noch einmal weiter entwickelt haben. Die 50 vor Augen wurde das Soundgewand entsprechend angepasst. Ungezügelte Punk-Vorschlaghämmer wird man vergeblich suchen. Stattdessen kommt erstaunlich oft der Experimentier-Baukasten zum Einsatz. Das tut dem Klangbild hörbar gut, verändert aber den gewohnten Sound für viele Fans wohl zu sehr. Nichts desto trotz haben die Ärzte auch im Jahr 2012 ihre Daseinsberechtigung. Ihre Fangemeinde allerdings könnte sich in Zukunft verändern. Die Fans aus alten Tagen dürften mehr und mehr verschreckt sein, dafür könnten neue Anhänger aus der jüngeren Zielgruppe dazugewonnen werden.

Wie lange das "freche Jungs" Image die Ärzte noch glaubhaft erscheinen lässt, wird sich zeigen. Schon jetzt wirken auf "auch" einige Zeilen unpassend infantil. Obwohl der oftmals sinnentleerte Humor ein Markenzeichen der Band ist, wird er mit fortschreitendem Alter der Protagonisten zusehends mehr angepasst werden müssen. Es würde aber zu ihnen passen, wenn sie sich darum einen feuchten Dreck scheren und einfach ihr Ding durchziehen. Wenn dabei ein so unterhaltsames Album herauskommt, soll es mir allemal recht sein.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 10, 2012 5:19 AM MEST


Circle of the Oath
Circle of the Oath
Preis: EUR 18,00

4 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Mit Vehemenz zurück in die 80er, 26. März 2012
Rezension bezieht sich auf: Circle of the Oath (Audio CD)
Das, was der überragende neue Titel "Where the wild waters flow" auf der letztes Jahr erschienen "The Ballads IV" Kompilation versprochen hat, kann Axel Rudi Pell mit dem darauffolgenden Studioalbum nicht ganz halten. Sein mittlerweile 15. Opus mit dem klangvollen Titel "Circle of the oath" ist aber dennoch hörenswert. Der blonde Gitarrist konzentriert sich anno 2012 vornehmlich auf satte Hard Rock Riffs. Die gigantischen Übermelodien der 90er sind zwar nicht mehr am Start, dennoch lässt sich eine Steigerung zum etwas zu konventionellen Vorgänger "The Crest" (2010) erkennen. Die ganze Angelegenheit wirkt wesentlich spritziger und nicht mehr ganz so routiniert.

"Circle of the oath" ist eine Zeitreise zurück in die 80er, als lange Mähnen noch modisch waren und Gitarrensoli von Männern in Glitzeranzügen gespielt wurden. Zeitgeistigkeit ist Pells Sache nicht und genau das schätzen seine Fans an ihm. Man bekommt genau das, was man erwartet. Seine Stammcombo um Sänger Johnny Gioeli, Schlagzeuger Mike Terrana, Keyboarder Freddy Doernberg und Bassist Volker Krawczak unterstützt ihn in dieser Besetzung mittlerweile seit 1998. Das spürt man. Hier präsentiert sich eine gewachsene Einheit. Alles ist perfekt aufeinander abgestimmt.

Nach dem obligatorischen Intro folgt mit "Ghost in the Black" der traditionelle heavy Opener. Pell lässt die Gitarre braten, die Double Bass kommt lediglich als dezentes Stilmittel zum Einsatz. Trotzdem eine zupackende Geschichte mit eingängigem Riff. Solide.

"Run with the wind", die vom Gesamteindruck her repräsentativste Nummer der CD, bietet die volle 80er Dröhnung. Eine Hymne für alle Biker dieser Welt. Kann man aber auch gerne mal im offenen Cabrio an einem Sommertag hören, während man sich den Wind um die Ohren flattern lässt. Nicht innovativ, aber trotzdem unterhaltsam.

"Before I die" schlägt vom Aufbau her in die selbe Kerbe. Wieder sattes Midtempo, wieder ein wuchtiges Riff und eine geschmeidige Gesangslinie. Macht Spaß, ist aber dem Vorgänger recht ähnlich.

Bevor die Gefahr des immergleichen Aufgießens bewährter Muster zu stark wird, weiß Axel Rudi Pell an Position 5 tatsächlich zu überraschen. Der Titelsong beginnt mit einem Akustik-Gitarren Teil, den man so noch auf keiner seiner Platten gehört hat. Johnny Gioeli raunzt herrlich bluesig dazu, ehe sich der Titel nach 2.20 zu einem kräftigen Headbanger entwickelt. Der beschwörende Refrain hat etwas orientalisches, mindestens aber eine kräftige Dio-Schlagseite. Interessantes Experiment über 9.21 Minuten, das die typischen Melodic Rock Schemata gekonnt erweitert. Wirklich überzeugend und der stärkste weil ungewöhnlichste Titel des Albums.

"Fortunes of war" kehrt dann zum typischen Pell-Sound zurück. Das melodische Riff ist verdammt geeignet um breitbeinig zu posen oder die Mähne ordentlich flattern zu lassen. Obwohl konventionell arrangiert gehört der Titel zu denen, die beim ersten Hören gleich hängen bleiben.

Mit der Power-Ballade "Bridges to nowhere" werden die Midtempo-Gefilde dann erstmals verlassen. Geht gut ins Ohr, bleibt aber unspektakulär. Alles schon mal da gewesen. Ich weiß nicht ob ich eine Fehlpressung gekauft habe, aber bei dieser Nummer ist immer wieder ein sehr störendes knistern zu hören. Es klingt fast wie Clipping.

Ganz besonders auffällig wird das während der Strofen der Ballade "Lived our lives before". Das beeinträchtigt den Hörgenuss erheblich. Wirklich ärgerlich. Zumal das Stück durchaus atmosphärisch ist. Hat jemand ähnliche Probleme oder hab ich einfach nur Pech gehabt?

Das knistern hat sich beim soliden "Hold on to your dreams" wieder etwas beruhigt. Gioeli zieht die Worte im Refrain sehr lang, was mit der Zeit etwas nervt. Nicht wirklich schlecht, aber auch etwas zu sehr Hausmannskost. Packt mich nicht.

Bei "World of Confusion (The Masquerade Ball Part 2)" ist das knistern zurück. Ebenso wie Pells Kreativität. Der Song klingt inspiriert und frisch und hat ein sattes Riff. Zwar nicht ganz so stark wie der überragende erste Teil. Nichts desto trotz eine gewaltige Hymne und ein starker Abschluss einer insgesamt soliden LP.

Leider gelingt es Pell und seinen Mitstreitern nur hier und da so richtig mitzureissen. Vieles bleibt Stückwerk, klingt zu glatt. Das ist wirklich schade, ganz besonders da der Wattenscheider diesmal versucht, aus dem gewohnten Sound auszubrechen und einige spritzige Soli liefert. Letztlich überzeugen aber nur 4 Titel voll und ganz. Der Rest bleibt nur Durchschnitt. Deshalb von einem Flop zu sprechen, wäre aber viel zu weit gegriffen und würde der dennoch vorhandenen Qualität des Materials nicht gerecht werden. Wir sprechen hier schließlich über Pell und nicht irgendeinen dahergelaufenen Wichtigtuer. Er kann es nach wie vor.

Wie immer ist mein Hauptkritikpunkt weniger die Musik denn Mike Terranas steriler Drumsound. Da ist keine Wucht. Es genügt nicht, wie ein Berserker auf die Trommeln einzuschlagen, wenn diese jegliche Kernigkeit vermissen lassen. Technik schön und gut, aber Seele sollte schon auch vorhanden sein.

Abschließend ist festzuhalten: für den geneigten Pell-Fan bleibt mit "Circle of the Oath" alles wie immer. Ein Urteil, von dem ich mir nach dem letzten Album eigentlich erhofft hatte, es nicht mehr aussprechen zu müssen. Ich werde mir aber trotzdem auch das Nächste kaufen. Vielleicht ist das dann ja mal wieder ein echter Überflieger.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 29, 2012 2:01 AM MEST


Ignition (Mini Album)
Ignition (Mini Album)
Preis: EUR 6,99

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der Startschuss für eine vielversprechende neue Band, 31. Januar 2012
Rezension bezieht sich auf: Ignition (Mini Album) (Audio CD)
Hinter dem Bandnamen Unisonic stehen Michael Kiske (Gesang, Ex-Hellowen & Place Vendome), Kai Hansen (Gitarre, Gamma Ray & Ex-Helloween), Mandy Meyer (Gitarre, Ex-Gotthard & Krokus), sowie Dennis Ward (Bass) und Kosta Zafiriou (Schlagzeug) von der Karslruher Melodic Rock Truppe Pink Cream 69. Geballte Melodic Metal- und Rock Kompetenz und Prominenz also, die sich da zu einem neuen Projekt zusammen geschlossen hat. Laut den Musikern soll es aber mehr als nur ein Projekt sein. Sie verstehen sich als Band. Und genau das hört man auch auf ihrer ersten Veröffentlichung "Ignition". Was etwas vollmundig als "Mini-LP" angekündigt wurde, ist in Wahrheit zwar nichts anderes als eine 4 Track Single, aber die musikalische Qualität der Songs ist über jeden Zweifel erhaben. Die Rakete wurde gezündet und sie donnert mit ordentlich Power los.

Eigentlich hat man ja als Metal-Fan die Hoffnung schon aufgegeben, die legendäre Goldstimme von Michael Kiske noch einmal auf Albumdistanz mit Untermalung härterer Klänge zu hören. Seit seinem Ausstieg bei Helloween im Jahre 1994 verdingt sich der Hamburger vorwiegend als Gastsänger auf Projekten wie Avantasia (wo er auf einzelnen Tracks ordentlich losfetzt), Aina oder Revolution Renaissance, veröffentlicht Soloalben, oder ist als Stimme des sensationellen AOR-Studioprojektes Place Vendome zu hören. Ein Comeback im Metal, oder sogar auf der Live-Bühne, ist mehr als fünfzehn Jahre lang kein Thema. Irgendwann aber, aus welchem Grunde auch immer, wagt Kiske den Schritt zurück ins Rampenlicht und wird frenetisch gefeiert. Er ist unter anderem als Gast beim Avantasia Headliner Gig in Wacken zu bewundern und man sieht ihm deutlich die Freude an, auf der Bühne zu stehen. Auch wenn es schon Überwindung gekostet haben muss, nach so lange Zeit wieder live aufzutreten. Die Tour mit Unisonic führt folgerichtig erstmal vorwiegend auf kleinere Bühnen. Doch die Message ist klar: Kiske is back und zwar mit all seiner Klasse!

Das hört man auch auf "Ignition". Der erste Titel "Unisonic", erfreulicherweise auch mit einem Video bedacht, bewegt sich irgendwo zwischen softeren Helloween und härterem Melodic Rock. Die Angelegenheit rockt schön kraftvoll, mit dezenter Double Bass, aber ohne je richtige Speed Gefilde zu erreichen. Passt sehr gut zu Kiske. Aber auch der Rest der Band macht einen hervorragenden Job. Die Entscheidung, Kiskes alten Helloween-Kumpel Kai Hansen mit ins Boot zu nehmen, war grandios. Die Gitarrenduelle, die er sich mit dem früheren Gotthard-Mann Mandy Meyer liefert, strotzen nur so vor Kreativität. Auch wenn der Refrain des Songs nach zu ausgiebigem Hören ein gewisses Nerv-Potenzial entwickeln kann und nicht zu den absolut größten Kompositionen gehört, an denen Kiske je beteiligt war.

Deshalb schnell weiter zum zweiten neuen Song "My Sanctuary". Der ist im satten Midtempo Rock Bereich angesiedelt und eher klassischer Melodic Hard Rock als Metal, aber wen interessieren solche Klassifizierungen? Hauptsache es rockt und das ist der Fall. Wieder setzt Kiske sein typisches Vibrato ein, die Nummer strotzt nur so vor Melodie und überbordenden Gitarrenfunken. Richtig stark.

Außerdem gibt es noch die Demo Version des allerersten Songs, den Unisonic jemals aufgenommen haben zu hören. "Souls Alive" heißt der Titel, der bereits 2010 erschienen ist. Dass sich weitere Aufnahmen dann verzögert haben und das erste Album erst im März 2012 erscheint, ist den terminlichen Koordinationsschwierigkeiten der Bandmitglieder geschuldet, die auch noch anderweitig in Lohn und Brot stehen. "Souls Alive" ist ein Song, der den Spirit der beiden Place Vendome Alben mit Kiske atmet: satter Melodic Rock mit Hitrefrain. Starke Nummer, die aber wohl nicht auf dem Album zu finden sein wird.

Die Live-Zugabe "I want out", ein alter Helloween-Klassiker, dürfte allen Kiske Fans die Tränen in die Augen treiben. Unglaublich dynamisch gespielt und sensationell gesungen. Besonders wie er den letzten langen Ton steht, ist atemberaubend. Endlich ist diese Legende zurück auf der Bühne. Ich kann es kaum abwarten, ihn einmal live zu sehen. Michi, es wurde Zeit!

"Ignition" ist ein wirklich gelungener Vorgeschmack auf das Album im März. Hoffentlich erwarten uns da ähnliche Granaten wie "Unisonic" oder "My Sanctuary". Dann ist diese neue Band schon jetzt ein Grund, die Fahne des melodischen Power Rock mit stolz geschwellter Brust in den Himmel zu recken. Ja Freunde, es gibt sie tatsächlich noch, die wirklich gute Musik!


Blood of the Nations
Blood of the Nations
Preis: EUR 18,99

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Musik genial - Texte schwachsinnig, 30. Januar 2012
Rezension bezieht sich auf: Blood of the Nations (Audio CD)
Was für ein sensationelles Brett - das ist meine erste Assoziation, als ich im August 2010 zum ersten Mal in die lang ersehnte zwölfte LP von Accept reinhöre. Die Gitarren sägen so gnadenlos, dass man sofort heftigst mitbangen muss. Andy Sneap hat einen überragend voluminösen Sound gezaubert, die Songideen sind frisch und unglaublich spritzig. Man könnte also meinen "Blood of the Nations" ist ein absoluter Oberkracher. Auf musikalischer Ebene ist er das auch tatsächlich. Aber als ich dann das Booklet öffne und mir die Texte zu Gemüte führe, werde ich richtig sauer. Mark Tornillo, der neue Sänger, zeichnet für gehirnamputierten Krampf wie "Blood of the Nations" oder "Teutonic Terror" verantwortlich. Unterhaltung hin oder her - sowas darf nicht sein! Meine Helden plötzlich in der gleichen Lyrik-Liga wie Manowar?

Aber der Reihe nach. Als Peter Baltes und Wolf Hoffmann den Entschluss fassen, Accept nach 14 Jahren Studioabstinenz wiederzubeleben, denken sie natürlich darüber nach, Ex-Sänger Udo Dirkschneider zurück zu holen. Der war 2005 bereits bei einer Live-Tour dabei. Doch dessen eigene Band U.D.O. ist ihm mittlerweile so wichtig, dass er sie nicht für Accept aufgeben will - es sei denn, Hoffmann und Baltes treten ihm die Rechte am Bandnamen ab, dass er, falls das Comeback scheitert, unter dem Accept-Banner auftreten kann. Als Peter und der Wolf ablehnen, schmollt Udo und es entbrennt ein heftiger Streit, der sich durch die einschlägigen Fachmagazine zieht. Eines wird dabei schnell klar: Sowohl für Udo als auch Ex-Drummer Stefan Kaufmann bleibt künftig bei Accept die Türe verschlossen. Angesichts der gemeinsamen Erfolge ist das für alle Fans sehr schade. Doch Accept lassen sich nicht beirren und engagieren kurzerhand einen neuen Frontmann. Nachdem der erste Versuch ohne Udo 1989 mit dem Album "Eat the Heat" floppt, sind Kritiker und Fans gleichermaßen skeptisch, ob es was werden kann mit dem neuen Mann namens Mark Tornillo. Der war früher bei TT Quick und ist in Deutschland weitgehend unbekannt. Als 2009 die ersten Demos der gemeinsamen Zusammenarbeit erscheinen, ahnt so mancher schlimmes. Doch das Endprodukt "Blood of the Nations" überrascht schließlich alle.

Nach dem eher durchschnittlichen letzten Album "Predator" (1996) zeigen Accept endlich wieder ihre Stärken. Die Riffs drücken kraftvoll, der Bass brummelt böse und das Schlagzeug peitscht die ganze Angelegenheit druckvoll nach vorne. Mark Tornillo präsentiert sich als würdevoller Udo-Ersatz. Zwar ist seine Stimme nicht ganz in den teils schwindelerregenden Höhen von Dirkschneider beheimatet, schreien kann er aber trotzdem ordentlich. Gesanglich bewegt er sich eher auf der Basis des Blues und das mit einer gehörigen Portion Schmackes. Der Sound der Platte ist zudem herrlich oldschoolig. Ganz so schnell wie in "Fast as a shark" oder "TV War" geht es zwar nicht zu. Trotzdem sind Accept auch im neuen Jahrtausend ein richtiges Metal-Monster.

Den Auftakt zum Comeback macht mit "Beat the Bastards" gleich einer dieser textlichen Rohrkrepierer. Die Matte flattert, doch wenn man das erste Mal über die Lyrics nachzudenken beginnt, schämt man sich fast. Klar gehören zum Metal ernste, düstere oder auch mal makabere Texte. Kriegs- und Gewaltverherrlichung allerdings geht gar nicht.

Auf die Spitze treiben es Accept diesbezüglich mit der ersten Single "Teutonic Terror". Das Riff kracht herrlich brachial, aber beim Text kann man sich entscheiden ob man lachend den Kopf schütteln, oder empört sein soll. Ich entscheide mich für eine Mischung aus beidem. Sicherlich ist im Metal vieles Show, aber man darf es auch nicht übertreiben. So einen Text will ich einfach nicht lesen. Jammerschade angesichts dieser GEILEN Musik. Da hilft auch Hoffmann's Ausrede nicht, es sei doch alles nur Show und man habe einfach nach einem geilen Titel gesucht. Ein bisschen differenzieren muss man schon.

"The Abyss" ist meines Erachtens der Ausfall des Albums. Wieso man den Titel als Doppel-Single mit "Teutonic Terror" veröffentlicht hat, erschließt sich mir nicht. Klingt uninspiriert, wie eine bessere B-Seite.

Tja, und dann. Was soll ich sagen. Der Titelsong "Blood of the Nations" setzt dem Ganzen die Krone auf. In der letzten Textzeile heißt es zwar "War is hell", als Anti-Kriegs Statement aber kann und will ich das nicht akzeptieren. Erst recht nicht, wenn es vorher geheißen hat: "Together we fight/For the blood of the nations/Warriors on demand/We kill and we die/For the blood of the nations/It's a noble cause... and the blood is on their hands". Nee Freunde, so nicht! Das gibt mächtig Abzug bei der Bewertung.

"Shades of death" hingegen geht sowohl musikalisch als auch textlich in Ordnung. Düsteres Szenario, man kriegt "a strange chill on a ghostly lake" und sieht die Untoten um einen herum durchs Moor wandern. So muss das sein! Ist ja alles nur Spaß. Hauptsache es geht nicht um Krieg.

Dass Accept auf diesem Album "Locked and Loaded" sind, dürfte mittlerweile bemerkt worden sein. Trotz Doublebass und bösen Gangs-Shouts reg ich mich langsam echt auf.

Zum Glück kriegen sie mit der traurigen Ballade "Kill the pain" gerade noch die Kurve. Sehr melodisch und gefühlvoll inszeniert. Letztlich aber die einzige Verschnaufpause des Albums.

Denn danach geht es wieder volle Kanne nach vorne. Der "Rollin' Thunder" fegt übers Land und endlich kann ich auch nach mehrmaligem Hören unbeschwert mitbangen. Verdammt geil.

Noch fetter ist die zweite Single "Pandemic". Was für ein krachendes Riff. Herman Frank und Wolf Hoffmann duellieren sich was das Zeug hält und die gebellten Gang-Shouts lassen mich ausflippen. Richtig fette Midtempo Nummer, die auch für Hard Rock Freunde interessant sein dürfte.

"New World Comin'" bewegt sich in ähnlichen Gefilden, wirkt nur eine Spur schwächer. Dennoch solide.

Naja und dann triffts halt diesmal einen, der die Armen beraubt. In "No Shelter" wird dazu aufgerufen ihn gnadenlos fertig zu machen. Nein, nicht mit mir. Auch wenn die Nummer gewaltig abzischt.

Bei "Bucketful of hate" lässt sich textlich ähnliches vermuten, doch Accept belassen es bei der Beschreibung des Hasses. Das ist auch gut so, immerhin zieht hier keiner in den Krieg und kämpft für das Blut der Nationen. Und Spaß macht die Nummer allemal, besonders im arschgeilen Refrain. Hier wird gefälligst mitgegröhlt!

Wer sich die Limited Edition des Albums zulegt, kriegt als zusätzliches Schmankerl noch den Bonustrack "Time Machine", der ganz gewaltig in die 80er entführt. Atmosphärisch, dicht, irgendwo zwischen Halbballade und krachender Hymne. Richtig stark!

Was bleibt also als Fazit? 6 (wenn man den Bonussong mitzählt) der 13 Titel erfreuen das Metal-Herz. Bei den anderen sollten Hoffmann und Co. vielleicht künftig Joey DeMaio das Texten überlassen. Der würde das ähnlich hinkriegen. Es ist echt schade drum, denn musikalisch haben Accept in ihrer gesamten Karriere selten inspirierter geklungen als auf "Blood of the Nations". Selbst wenn ich es mir ganz fest vornehme, ich kann die Texte und das geschmacklose Cover einfach nicht ausblenden. Sorry Jungs, nix gegen euch, ihr könnt's ja eigentlich. In Zukunft nur ein bisschen seriöser. Und bitte bitte das nächste Album NICHT "Stalingrad" nennen. Dann werd ich richtig sauer!


Hoodoo
Hoodoo
Preis: EUR 8,99

10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Minimum Innovation, Maximum Spaß, 21. Januar 2012
Rezension bezieht sich auf: Hoodoo (Audio CD)
In der Schweiz gibt es drei echte Hard Rock Größen, die teilweise auch international Beachtung finden. Zum Einen Shakra aus der Region Bern, die als Einfluss den klassischen Hard Rock der 1970er Jahre angeben (Rainbow, Deep Purple) und Wert auf melodische und doch harte Arrangements legen. Zum Anderen gibt es Gotthard, die Truppe aus Lugano, die gerne einmal als die "Europäische Version von Bon Jovi" bezeichnet wird, was meines Erachtens eher eine Verunglimpfung als ein Kompliment darstellt. Bis zum tragischen Tod des Sängers Steve Lee im Oktober 2010 sind Gotthard ein absoluter Top-Act der nationalen Szene, sie füllen mit ihrer Melange aus sattem Rock und gefühlvollen Balladen Stadien und riesige Hallen, sind große Sympathieträger.

Die Dritte und bisher erfolgreichste Gruppe sind schließlich Krokus. Die Solothurner orientieren sich hauptsächlich am typischen AC/DC Stil. Zu Beginn der 1980er Jahre steigen sie zu internationalen Stars auf. Die Alben "Metal Rendezvous", "Hardware", "One Vice at a time" und vor allem "Headhunter" gelten bis heute als ihre Stärksten. Neben dem legendären Hammersmith Odeon in England headlinen sie weitere große Festivals, touren durch die USA und werden dort zu einem durchaus bekannten Act. Sie erhalten die Ehrenbürgerschaft von Tennessee und erreichen Platin-Status. Aufgrund der ständigen Besetzungswechsel wird es aber in der Folge zunehmend ruhiger um Krokus. Die Verkaufszahlen der Alben sind durchwachsen. Erst als Charakterstimme Marc Storace 2002 zur Band zurückkehrt, stellt sich wieder der Erfolg ein. 2006 landen sie mit dem Album "Hellraiser" sogar auf Platz zwei der Schweizer Charts.

Der große Coup allerdings gelingt 2008: für einen Reunion Auftritt im Berner Stade de Suisse kommt die erfolgreichste Krokus Besetzung um Marc Storace (Gesang), Fernando von Arb (Gitarre), Mark Kohler (Rhythmus Gitarre), Chris von Rohr (Bass) und Freddy Steady (Schlagzeug) wieder zusammen. Die jahrelang zerstrittenen Kollegen finden tatsächlich nochmals zueinander und entschließen sich sogar, ein gemeinsames Album aufzunehmen. Unter dem Titel "Hoodoo" erscheint es im Februar 2010. Es ist das mittlerweile sechzehnte von Krokus und erregt nicht nur nationale Aufmerksamkeit.

Die elf Songs strotzen nur so vor Energie und die gealterten Herren beweisen, dass sie ihr Handwerk auch nach all den Jahren immer noch bestens verstehen. Zwar sucht man vergebens nach innovativen oder gar progressiven Elementen, doch das erwartet auch keiner von Krokus. Hauptsache es macht Spaß und das ist definitiv der Fall.

Die wenigen Riffs, die AC/DC bisher nicht eingefallen sind, gibt es bei Krokus. Böse Zungen nennen sie eine eins zu eins Kopie der australisch-britischen Legenden. Der Einfluss ist nicht abzustreiten, aber zuweilen klingt der Krokus-Sound etwas metallischer als bei AC/DC. Auch die Stimme von Marc Storace bewegt sich nicht ganz in den kreischigen Höhen von Brian Johnson.

Doch nun zu "Hoodoo". Nach dem durchschnittlichen Einstieg mit "Drive it in", legt bereits die zweite Nummer "Hoodoo Woman" ordentlich los. Dieser Titel wird im Vorfeld als erste Single veröffentlicht und präsentiert die typischen Krokus Markenzeichen: ein schnörkelloses Riff, präzises Vier-Viertel Schlagzeug, pumpender Bass und giftiger Gesang. Macht richtig Spaß, auch wenn es sehr traditionell klingt. Die 80er sind wieder lebendig.

Mit dem Steppenwolf-Cover "Born to be wild" geht es sogar zurück in die 70er. Es ist fragwürdig, ob die Rockwelt ein weiteres Cover dieses Titels gebraucht hat. Mir hätte nichts gefehlt, wenn darauf verzichtet worden wäre.

"Rock'n'Roll Handshake" ist ein groovender Boogie-Rocker, der so tatsächlich auf einer AC/DC Platte zu hören sein könnte.

"Ride into the Sun" heißt mein persönlicher Favorit auf diesem Album. Kaum zu glauben, dass hier eine Schweizer Band am Werk ist. Das Stück klingt dermaßen amerikanisch, dass man wirklich glaubt, auf seinem Pferd im Wilden Westen in den Sonnenuntergang zu reiten. Richtig starke Nummer mit einem geilen Refrain.

Die zweite Single "Too hot" macht ähnlich viel Spaß. Sie schunkelt sich im mittleren Boogie-Tempo durch die Boxen und kulminiert in einen unwiderstehlichen Hit-Refrain. Man kann schon beim ersten sofort mitsingen und tut das sogleich aus vollem Halse. Guter, alter Hard Rock wie man ihn sich als Fan nur wünschen kann.

"In my Blood" schlägt in die selbe Kerbe, zieht das Tempo jedoch etwas an und präsentiert Marc Storace in höherer Stimmlage. Spätestens jetzt ist Ausflippen und kräftiges Matteschütteln angesagt. Die Gangshouts lassen sich auch bei erhöhtem Genussmittelkonsum noch fröhlich mitbellen. Wirklich eine spaßige Angelegenheit.

"Dirty Street", "Keep me rolling" und "Shot of love" führen den Sound konsequent weiter. Eine Ballade wie zum Beispiel "Screaming in the Night" wird man auf "Hoodoo" nicht vorfinden. Im Gegenteil, das Album endet mit der schnellsten Nummer "Firestar", die sich dezenten Metal-Einflüssen bedient.

Auf der Limited Edition wurde eine Bonus-DVD beigelegt, die die besten Ausschnitte aus dem Stade de Suisse-Auftritt, sowie informative Interviews mit den Bandmitgliedern enthält. Ein nettes Zusatzschmankerl für den geneigten Fan, der sich vor Freude die Augen reibt, dass seine alten Helden tatsächlich wieder den Weg auf die Bühne und ins Studio gefunden haben.

"Hoodoo" lebt vor allem von seinem hohen Nostalgiefaktor. Die Platte nimmt den Hörer mit in die guten alten 80er, als der Rock noch Rock und Bands noch Bands waren. Obwohl es sich um ein durch und durch altmodisches Album handelt, leidet die Qualität nicht. Die Songs sind allesamt spritzig und dynamisch, die Refrains gehen ins Ohr. Einen großen Verkaufserfolg kann man heutzutage mit derartiger Musik nicht mehr landen. Um der hungrigen Fangemeinde eine gute Zeit zu bescheren, reicht es aber allemal.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 7, 2014 10:10 AM MEST


Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-18