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Rezensionen verfasst von
Hendrik Benteler "HendRik"

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Distant Satellites (Limited Edition)
Distant Satellites (Limited Edition)
Preis: EUR 16,49

7 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft?, 15. Juni 2014
Klar, dass es so kommen würde: Von wegen „Distant“! Diese Musik geht ganz schön nah.
Und das ist an sich nichts Besonderes im Hause ANATHEMA, denn trotz aller Richtungswechsel von Doom Metal zu Dark- und Progressive Rock bis hin zum atmosphärischen Stilmix von heute hat diese britische Konstellation immer, zu jeder Zeit, in erster Linie das getan: Sie ist den Fans nahe gegangen. Ob mit melancholischer Musik inklusive Suizidstimmung, wie sie auf „Eternity“ und „Alternative 4“ geboten wurde, oder mit den pompösen Liebeserklärungen an die Schönheit des Daseins der letzten beiden Alben. Gefühl, das ist die Konstante im Schaffen der Band, und die ist offensichtlich auch immer noch der Kern der Musik.
In der Hinsicht ist "Distant Satellites" also wieder ANATHEMA pur!

Und ansonsten?
Auch! Auf den ersten Blick zumindest.

Vor allem auf der ersten Hälfte des Albums macht sich der Eindruck breit, dass Anathema versucht haben, den weltoffenen, wunderschönen Stil des Vorgängers „Weather Systems“ auf eine Atmosphäre zu übertragen, die an ältere Werke wie „A Natural Disaster“ oder insbesondere „Judgement“ erinnert. So bekommt der von Fans vergötterte Zweiteiler „The Untouchable“ einen Nachfolger zur Seite gestellt, nämlich die „The Lost Song“-Trilogie – gerade deren zweiten Teil würde ich als ein besonderes Prunkstück des Albums bezeichnen. Gleichzeitig versucht sich das Album aber auch an der sphärischen, nächtlichen Magie, wie sie „Judgement“ versprüht hat.

Im direkten Vergleich zur „alten Zeit“ fällt vor allem positiv auf, wie die Musiker an ihren Instrumenten gereift sind. Gerade John Douglas glänzt am Schlagzeug mehr als je zuvor und zaubert dabei einige krumme Rhythmen auf die Felle – siehe „The Lost Song Part 1 & 3“ oder „Ariel“. Darüber hinaus singt Vincent kraftvoll und klar wie nie zuvor - und Lee mit noch mehr ehrlicher Emotion … dabei wissen wir seit „A Natural Disaster“, dass das schon immer ihre größte Stärke als Sängerin war.

Noch eine Freude: Die Produktion ist sehr natürlich und warm ausgefallen. Sie trägt ein gewisses Live-Feeling mit sich, was ausgezeichnet zur Stimmung des Albums passt. Da ist es nur selbstverständlich, dass offenbar kaum bis gar nicht nachbearbeitet wurde. Solche Kleinigkeiten wie ein oder zwei eher unsauber gesungene Noten verkrafte ich da gerne, denn so ehrlich klingt kaum mehr eine Neuveröffentlichung!

So viel dazu; und ich muss zugeben, die erste Hälfte des Albums ist zwar stark und ANATHEMA in Reinform, aber was ganz Neues bekommt man hier noch nicht aufgetischt. Die Versöhnung dafür: Das Finale des Albums, bestehend aus dem Brecher „You’re Not Alone“, dem Instrumental „Firelight“, dem 8-Minuten-langen Titeltrack und dem Ausklang „Take Shelter“. Hier wagt die Band einen Schritt in den elektronischen Sound, den sie auf „The Storm Before the Calm“ bereits angeschnitten hatten. Dabei handelt es sich aber nicht mehr um Probeläufe einer experimentierfreudigen Band, jetzt gehen sie in die Vollen. Vorstellbar, dass der eine oder andere Fan, insbesondere aus der Metal-Base, seine Probleme mit dem Trance-mäßigen Stil haben wird. Ich aber, obwohl eingesessener „Metalhead“, bin fasziniert von den Klangwelten, die hier wie selbstverständlich aus den Ärmeln geschüttelt werden. Obwohl es sich hierbei nicht unbedingt um die stärksten Songs des Albums handelt, so erzielen sie zweifellos die Wirkung, auf die sie ausgerichtet sind: Am Ende von „Distant Satellites“ lassen einen ANATHEMA noch mal richtig tief in die Atmosphäre des Albums versinken.

Abschließend lässt sich sagen, dass ANATHEMA mit dem neuen Album zunächst eine gute Mischung aus alt („A Natural Disaster“) und neu („Weather Systems“) geschaffen haben, das mit zunehmender Spielzeit aber mehr und mehr aus dem Schatten dieser beiden Alben rauswächst und zum Schluss mit elektronischen Elementen eine ganz individuelle Stimmung aufbaut, die es bei ANATHEMA so noch nicht gegeben hat. Eine raffinierte Gradwanderung zwischen den Stärken von Gegenwart und Vergangenheit und dem Blick nach vorne, die der Band großartig gelungen ist!
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 17, 2014 12:11 PM MEST


Silverthorn (BOX-Set)
Silverthorn (BOX-Set)
Wird angeboten von hotshotrecordsmailorder
Preis: EUR 22,49

11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein goldiger Silberling!, 24. November 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Silverthorn (BOX-Set) (Audio CD)
KAMELOT - das ist nicht nur eine weitere austauschbare Symphonic Power Metal-Band, sondern ein Mix aus Speed-Metal-Riffs, progressiven Rythmen, feierlichen Refrains, epischen Einlagen und leichtem Musical-Einschlag; das Ganze stets verfeinert mit philosophisch angehauchten Texten und für gewöhnlich einer Menge Gastsänger(innen). Und das ist die Mischung, die sie zu meiner Lieblingsband gemacht hat!

Nach "Poetry for the Poisoned" (einem der unterbewertetsten Alben überhaupt!) besinnen sich KAMELOT zum einen auf ihre melodischsten Seiten, wodurch es Stellen auf dem Album gibt, die durchaus an "Epica"-Zeiten erinnern. Zum anderen gibt es aber auch neue Einflüsse, was vor allem daher kommt, dass besonders Keyboarder Oliver Palotai (in der Orchestration) und Sänger Tommy Karevik (in den Gesangsmelodien) ihre eigenen Stile dazugeben. Dadurch schimmern ihre eigenen Bands, SONS OF SEASONS und SEVENTH WONDER (beide fast ebenso genial!), an einigen Stellen hindurch, was den Sound noch transparenter macht.
Außerdem haben wir es dieses Mal wieder mit einem Konzeptalbum zu tun, und darin waren KAMELOT schon immer meisterlich. Zwar ist der Zusammenhang zwischen den Songs lange nicht so dicht wie auf "Epica", aber trotzdem vorhanden - dafür sorgt der cinematische Aufbau des Albums, das sich langsam dem prasselnden Finale nähert, sowie auch das "Silverthorn-Thema", das sich durch das ganze Album zieht wie eine Filmmusik. Die Story, welche im zusätzlichen Booklet der Special Edition erklärt wird, ist auf den ersten Blick ganz nett, auf dem zweiten kann man aber einiges entdecken. So bin ich auch zu einer "Aha!"-Erkenntnis gelangt, auf die es in den Texten und im Artwork auch ein paar Hinwiese gibt.

KAMELOT lassen sich von ihrem Sängerwechsel kaum beeindrucken und ziehen ihr eigenes Ding jenseits aller Klischees durch. Bei aller metallischen Kraft, die hinter den Songs steckt, schrecken sie nie vor zum Sterben schönen Melodien ("Falling Like the Fahrenheit"), elektronisch anmutenden Keyboard-Attacken ("My Confession"), exotischen Instrumenten ("Veritas") oder weiblichen Screams ("Sacrimony") zurück. Trotzdem gliedert sich alles in eine tiefwinterliche Atmosphäre ein, die zwar recht düster ist, aber immer genug Licht durchscheinen lässt, dass man sich als Hörer noch pudelwohl fühlen kann.
Vor allem Tommy Karevik beeindruckt mich mit dem Selbstbewusstsein, mit dem er die Aufgabe angeht, Roy Khan - den "Unersetzlichen" - zu ersetzen, und dem das auch noch gelingt! Er fängt das verdunkelte Broadway-Feeling der Band perfekt ein und verändert den Charakter seiner Stimme je nach Stimmung des Songs. In "Song for Jolee" porträtiert er den von schlechtem Gewissen durchtränkten Protagonisten, während er im Antagonist-Song "Veritas" Roberts Rolle aggressiv, wütend verkörpert, um denselben Charakter in "Falling Like The Fahrenheit" in seiner bittersüßesten Melancholie darzustellen - er ist es, der der ganzen Geschichte Tiefe verleiht.

Ich möchte nicht auf jeden Song eingehen, sondern nur auf "Prodigal Son", der nur 2 Sekunden kürzer ist als "Memento Mori", das neunminütige Meisterwerk aus "The Black Halo", und mit diesem an Qualität beinahe gleichauf ist! Es kommt selten vor, dass man sich nach einem Neunminüter denkt: "Man, der hätte noch ein paar Minuten länger sein dürfen!" Hier kommt nämlich einfach alles zusammen, was die Band ausmacht, verpackt in einen komplexen Songaufbau und von einer so dichten Atmosphäre umhüllt, dass einem die Nackenhaare hochschießen.

Zwar würde ich nicht behaupten, dass Kamelot dem "Black Halo" ein ebenbürtiges Werk gegenübergestellt haben, aber sie haben den Sängerwechsel fast ungeschoren überstanden und hiermit für mich eines der besten Kamelot-Alben geschaffen. Man darf gespannt sein, auf welche neuen Wege sich Kamelot mit Karevik noch einlassen werden!


Sacrimony (Angel of Afterlife)
Sacrimony (Angel of Afterlife)

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die perfekte Symbiose aus Epik und Düsternis, 13. September 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Sacrimony (Angel of Afterlife) (MP3-Download)
Wie schon auf ihren Vorgängeralben schaffen Kamelot es mit "Sacrimony (Angel of Afterlife)", einen hymnischen Refrain mit Ohrwurmcharakter in einen an sich eher düsteren Song mit nachdenklichen Lyrics einzubetten. Genau diese Zusammenarbeit der besten Attribute von progressivem und melodischem Metal macht die Band für mich so großartig.
Noch etwas, das ich an Kamelot schätze: Die Songs sind nicht nach dem ersten Refrain vorbei. Anstatt dass man nur noch Wiederholungen und vielleicht ein lückenfüllendes Solo geboten bekommt, setzen Kamelot immer noch einen drauf, wenn man glaubt, dass der Song nicht mehr geiler werden kann - bis zur letzten Sekunde!
Da wird dem Ganzen natürlich noch dadurch die Krone aufgesetzt, dass sich der Song in das dritte Konzeptalbum der Bandgeschichte eingliedert - die ersten beiden gehören zufällig zu meinen absoluten Lieblingsalben. Worum es in dieser Geschichte gehen wird, lässt sich durch den Text in diesem Song erahnen. Die ersten wichtigen Charaktere werden auch schon vorgestellt, durch die Gastauftritte von Elize und Alissa, die in diesem Song die puren Gegensätze darstellen.

Dass Kamelot einen neuen Sänger haben, möchte ich wirklich nur am Rande erwähnen. Ich will nicht, dass der Song bzw das Album darauf degradiert wird, dass es "das erste Album ohne Khan" ist. Nein, es wird ein Kamelot-Album wie jedes andere auch. Das hat "Sacrimony" bewiesen.


Nightfall In Middle-Earth - Remastered
Nightfall In Middle-Earth - Remastered
Preis: EUR 11,98

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Barden besingen Mittelerde: Ein Meisterwerk!, 5. August 2012
Nach dem durchschlagenden "Imaginations from the Other Side" standen BLIND GUARDIAN vor der schweren Aufgabe, diesen Geniestreich noch zu überbieten. Dafür verzichteten sie auf einiges an Eingängigkeit und bewegten sich einen Schritt mehr in die eher progressive Richtung. Außerdem steigerten sie den Anteil an epischen und folkigen Passagen. Diese Entwicklung geschah vor dem Hintergrund eines besonders großen Projektes: Das "Silmarillion" von Fantasy-Großmeister J.R.R. Tolkien musikalisch umzusetzen.

Nun ist das "Silmarillion" eine Sammlung aus unzähligen großen und kleinen Geschichten, die eine so tiefgreifende Atmosphäre und Bedeutung haben, dass es einem Musiker kaum möglich sein könnte, ihm gerecht zu werden. Doch wem könnte man diese Aufgabe schon eher zutrauen als BLIND GUARDIAN, die quasi ihre gesamte Karriere den Fantasy-Büchern und Mythen gewidmet haben?
Ich habe das Album gehört, noch bevor ich das "Silmarillion" gelesen habe und konnte die Handlungen der Songs deshalb nicht sofort nachvollziehen. Gerade die zahlreichen Interludien (11 von 22 Tracks) erschienen für mich teilweise überflüssig. Als ich das Buch aber las, stieß ich immer wieder auf Übereinstimmungen. Nach einer ganzen Menge von "Aha!"-Momenten erschloss sich mir nach und nach der Großteil der Lyrics. Seitdem bin ich beeindruckt, mit was für einer Intensität und Glaubwürdigkeit BLIND GUARDIAN diese Geschichten umgesetzt haben. Und auch die Interludien ergeben nun alle Sinn und halten das Gesamtwerk schlüssig zusammen.

Dabei thematisiert jeder Song einen anderen Abschnitt des "Silmarillions", wodurch jeder seinen eigenen Hintergrund und seine eigene Atmosphäre hat. Da gibt es Feanors Rachefeldzug gegen Morgoth im aggressiven "Cure of Feanor", Fingolfins heldenhaften Ritt im bombastischen "Time Stands Still (At the Iron Hill)", den Bau von Gondolin im hymnischen "Mirror Mirror", oder die Geschichte von Beren und Luthien - mein Lieblingskapitel des Buches -, die im melodischen "When Sorrow Sang" thematisiert wird. Nur der arme Túrin bekommt auf der regulären CD keinen eigenen Song vergönnt, auf der Remastered befindet sich aber der Bonus-Track "Harvest of Sorrow" als Ergänzung.
Die Vielfalt ist gewaltig. So findet sich alles auf dem Album, von energisch bis melancholisch, von progressiven Stampfern wie "Noldor (Dead Winter Reign)" bis zur wunderschönen Klavierballade "The Eldar". Das Ganze wird dann von 4 Zwischensongs, 4 Hörspieltracks und 3 Monologen zusammengehalten, die alle 20 bis 40 Sekunden lang sind.

FAZIT: Dieses Album ist sowohl etwas für Metalheads, als auch für "Silmarillion"-Fans, die sonst nichts mit Metal am Hut haben. Gerade die melodiöse Art von BLIND GUARDIAN sollte sie für jedermann zugänglich machen. Für mich ist "Nightfall in Middle-Earth" mittlerweile zum Meisterwerk der "Barden" herangewachsen und gleichzeitig eines der allerbesten Alben in meiner Sammlung. Dass es jemals Abnutzungserscheinungen zeigen würde, scheint für mich im Moment unvorstellbar.

PS.: Wer sich für epische, komplexe Konzeptalben mit einer durchdachten Story interessiert, könnte ebenfalls bei KAMELOTs "Epica" fündig werden.


10,000 Days
10,000 Days
Preis: EUR 10,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen 10,000 Tage in 75 Minuten, 13. Juli 2012
Rezension bezieht sich auf: 10,000 Days (Audio CD)
Der Titel, den TOOL sich für ihr viertes Album ausgesucht haben, mutet schon monumental an: 10,000 Days. Das sind zwar umgerechnet nur etwa 27 Jahre, klingt aber nach weit mehr. Das macht diese Betitelung zu einer äußerst treffenden; denn obwohl "10,000 Days" mit seinen 75 Minuten beinahe die ganze Kapazität der Scheibe in Anspruch nimmt, ist diese Zahl kein Vergleich zu der schwer fassbaren Größe, die dieses Werk beim Hören offenbart. Es hört sich etwa, wie sich ein Buch liest, entwickelt sich stetig in unterschiedliche Richtungen und die Leitfäden der Songs entwickeln sich wie Handlungsstränge.

So eröffnen TOOL das beklemmende Werk mit dem kryptisch anmutenden Intro von "Vicarious" - welcher einer der mit Abstand zugänglichsten Songs von TOOL überhaupt ist. Von daher auch gleich der Anspieltipp. Brachial kommt er daher. Auf eine ganz eigene, "toolsche" Art wirkt er sogar bombastisch.
"Jambi" beginnt exakt da, wo sein Vorgänger endet, nämlich in einem Erdbeben, ausgelöst durch stampfende Drums und hämmernden Gitarren. Er nimmt das Tempo schließlich raus und entwickelt sich schnell zu einem Song, der so wandelbar ist wie Wasser - man weiß nie, wohin er als nächstes fließt; ob er gemächlich vor sich hintreibt oder sich zu einem Strom entwickelt, der alles mitzureißen droht.

Ein Glockenschlag eröffnet den zweiten Akt. "Wings of Mary" und sein Schwestersong "10,000 Days" sind das Herz des Albums und gleichzeitig sein Meisterwerk. Mit bedrückender Atmosphäre bereitet ersteres auf den Titelsong des Albums vor. Es klingt wie eine Dämmerung, bei der der Hörer sofort weiß, dass die Nacht eine außerordentlich finstere und stürmische sein wird. Mit einem endgültig klingenden Knall versiegt das letzte Sonnenlicht.
Die Nacht bricht herein. Und mit ihr das Monument, das die Band "10,000 Days" getauft hat - eine elfminütige Reise durch Regen und Finsternis, bei der jede Sekunde die vorherige zu überbieten scheint.

Nach diesem spirituellen, tiefgreifenden Song sehnt man sich nach etwas Bodenständigem. Und man bekommt es. "The Pot" beginnt etwas skurril und entwickelt sich schnell zu einem großartigen Metalstampfer mit einer herausragenden Leistung von Maynard James Keenan!
"Lipan Conjuring" ist zugegebenermaßen ein eher austauschbares Interludium. Als Trennwand zwischen der ersten und der zweiten Hälfte des Albums macht es aber Sinn.

Der nächste Höhepunkt folgt mit "Rosetta Stoned", dem zweiten 11-Minuten-Song. War der erste noch melancholisch und spirituell, geht nach dem Intro "Lost Keys" gleich die Post ab. "Rosetta Stoned" ist eine Achterbahnfahrt durch viele Songfragmente, die vielen anderen Bands vermutlich für ein ganzes Album gereicht hätten. TOOL hauen das alles in die 11 Minuten und sorgen somit dafür, dass der Track trotz Überlänge sehr abwechslungsreich ist - stellenweise sogar sehr hastig. Nach guten 8 Minuten explodiert er übrigens in meinen persönlichen Lieblingsteil des ganzen Albums, bei dem einfach alle Instrumente (inklusive Maynards Stimme) eine beeindruckende Soundwand bilden. Großes Kino!

"Intension" ist dann als Verschnaufpause gedacht und arbeitet überwiegend mit weltfremden Klängen, die in ihrer Unvertrautheit doch irgendwie etwas Schönes haben. Mit E-Drums und dem düsteren Gesang eines Maynard-Chors im 7/4-Takt wirkt er zum Ende hin gerne mal chaotisch.
Als letzter vollwertiger Song des Albums steht dann "Right in Two" an, der melancholisch beginnt und nach einem Percussion-Solo zu einem Stampfer mutiert, der geradzu cinematische Züge annimmt.

"Virginti Tres" (zu deutsch: 23) ist dann ein beklemmendes Schlussstück, das ganz ohne Instrumente auskommt. Über die Bedeutung der Zahl 23 für das Album wurde ja bereits viel diskutiert. Auffällig ist zweifelsohne, dass die 2 entgegengesetzten Gesichter auf dem Cover gemeinsam ein 3. ergeben, was ja immerhin auf die beiden Ziffern hindeutet. Übrigens ist die Länge des Albums ohne diesen letzten Track etwa 69 Minuten. Wenn man das durch 3 teilt (also die Zahl der Gesichter auf dem Cover) ergibt das - 23. Ob man an sowas glaubt, ist jedem selbst überlassen, ebenso wie der angebliche "Hidden Track", den ich persönlich für Schwachsinn halte. Aber diese Mystifizierung gehört bei TOOL nunmal dazu.
Dass sie mehr sind als nur Musiker zeigt sich schließlich auch im Artwork, bei dem Alex Grey und die Band sich mal wieder unheimlich viel Mühe gegeben haben.

Ein großes Werk von TOOL, das jeden begeistert hätte, wenn die Band nicht schon vorher zwei der besten Alben der Metalgeschichte vorgelegt hätten. Die harte Konkurrenz hat dazu geführt, dass einige "10,000 Days" als ein verhältnismäßig schwaches Album abtun - meiner Meinung nach entfaltet es seine Größe aber erst, wenn man es gesondert von den anderen Alben sieht. "10,000 Days" ist groß genug, um auf eigenen Füßen zu stehen und nicht von vorherigen Heldentaten der Band gehalten zu werden.


Siege Perilous
Siege Perilous

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Siege Perilous - Das Bindeglied, 3. Juli 2012
Rezension bezieht sich auf: Siege Perilous (Audio CD)
"Siege Perilous" war das erste KAMELOT-Album nach dem Ausstieg von Mark Vanderbilt. Roy Khan war damals nur im Underground bekannt. Nach der Auflösung seiner Band CONCEPTION (welche soweit ich weiß aus finanziellen Gründen erfolgte), wurde Khan von der verschworenen Truppe zu allererst beim Fallschirmspringen getestet, bevor sie sich entschieden, ihn als neuen Sänger zu rekrutieren - das zeigt schon, dass die Band ein ziemlich schräger Haufen ist - und ein geschlossener Kreis, schließlich ist von 1999 bis 2009 kein einziges Mitglied der Band ausgestiegen.

Kommen wir nun aber zur Platte selbst. "Siege Perilous" heißt sie (benannt nach der Suche nach dem Heiligen Gral in der Arthus-Sage) und war also die Feuerprobe für Khan. Eine neue Stimme bedeutet unter Umständen auch, dass die Texte einen ganz neuen Charakter bekommen, selbst wenn sie im selben Stil geschrieben sind wie die vorherigen. Damit das Ganze immer noch als KAMELOT zu identifizieren ist, wurde der Sound an sich nicht stark abgeändert. "Siege Perilous" zeigt sich weniger hart als der Vorgänger - das liegt aber auch an der deutlich sanfteren Stimme Roy Khans. Vanderbilt neigte schließlich dazu, die Noten regelrecht zu erschlagen. Khan hingegen ... nun, er klingt eher, als würde er sie zu einem Drink einladen.

Im Vergleich zu "Fourth Legacy", "Karma" oder "Epica" fällt dieses Album deutlich aus dem Rahmen. Bei ersterem brauchten KAMELOT sich keine Gedanken mehr darum machen, dass die Fans sich noch an Khans Stimme gewöhnen mussten, und waren somit in der Lage, sich einen Stilumbruch in eine eingängigere Richtung zu leisten. Deshalb sehe ich dieses Album als das Bindeglied zwischen der Anfangsära mit Vanderbilt und der mit Roy Khan.
Der Stil der alten - Die Stimme der neuen.

Weil es sich nunmal um KAMELOT handelt, sind da auch schon einige Highlights dabei. Der düstere Anfang "Providence", das flotte "Millenium" oder das unheilvolle "Where I Reign" - jeder Song hat einen eigenen Charakter und seine Höhepunkte. Besonders gerne mag ich "Parting Visions", eine Up-Tempo-Nummer mit wunderschönem Refrain, und "Once A Dream", eine Halbballade der Extraklasse. Mit den späteren Werken der Band hat das alles herzlich wenig zu tun - gut klingen tut es trotzdem, außerdem erfolgt natürlich alles auf musikalisch anspruchsvolle Weise, so wie man es gewohnt ist.
Ebenfalls erwähnenswert wäre noch das instrumentale Schlussstück "Siege", das durch Sturm und Stille geht und besonders durch Thomas Youngblood Gitarrenarbeit überzeugen kann. Die Instrumentals der Band konnte ich schon immer gut leiden - schade, dass davon in letzter Zeit nur so wenige gekommen sind.

Mängel zeigt das Album in der Produktion. Der Sound ist, ähnlich wie bei den vorangegangenen Alben, sehr dumpf und kommt recht schwachbrüstig daher. Es spricht jedoch für die Qualität der Band, dass die Musik auch ohne herausragende Produktion überzeugend klingt.

FAZIT: Wer sich wirklich für die Vergangenheit dieser großartigen Band interessiert, sollte einmal reinhören und prüfen, ob er mit ihrem alten Sound klarkommt. Dieser erinnert noch wesentlich stärker an Bands wie QUEENSRYCHE, ist aber auch weniger ausgegoren als der der späteren Alben. Wer sich auch mit der Produktion anfreunden kann (ich persönlich habe mich sehr schnell daran gewöhnt), wird seine Freude an dem Album haben.
4 Sterne für das Produkt, aufgrund der unverschämten 3-Sterne-Rezension unter mir gibt es jedoch die satten 5 zum Ausgleich.

Das war also der erste Sängerwechsel - wie die Band den zweiten durchsteht, das wird sich zeigen. Die meisten Bands meistern solche heiklen Angelegenheiten so wie auf "Siege Perilous": Mit neuem Sänger den alten Stil weiterverfolgen und im nächsten Album erst gänzlich neue Pfade erforschen. So haben es ja auch NIGHTWISH gemacht. Ich wünsche der Band auf jeden Fall noch einen ähnlich großartigen Werdegang wie zuvor.
Und wenn ich ehrlich bin: Ich glaube, der Karevik, der schafft das! ;)


Still Life (+5.1 Mix)
Still Life (+5.1 Mix)
Preis: EUR 10,75

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ...Opeth!, 3. Mai 2012
Rezension bezieht sich auf: Still Life (+5.1 Mix) (Audio CD)
Was Opeth mit jedem Album für Klangwelten schaffen, was sie für Genres verschmelzen, welche Geschichten sie erzählen, wie viele musikalische Revolutionen sie wagen - das ist schwer in Worte zu fassen. So viel Tiefgang in allen Belangen muss auch erst einmal verdaut werden. In der Zwischenzeit kann man im Design des geradezu verschwenderisch gestalteten Digibooks im Einband versinken.

Und irgendwann, und das ist einfach so, da kann man als Musikliebhaber einfach nichts gegen machen, da stellt man sich die Frage: Wie bitte kann Musik so drastisch zwischen schonungsloser Brutalität, schauriger Atmosphäre, betörender Schönheit, lässigem Jazz und noch viel mehr wechseln, den Rest der Zeit alles auf einmal sein und trotzdem so homogen wirken, dass man die meisten Übergänge kaum bemerkt? Und wie soll man das nennen?
Dark Progressive Jazz Folk Death Metal?

Schwachsinn. Dafür gibt es nur ein Wort.
Nämlich "Opeth"!
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 3, 2016 8:36 PM CET


Der Pfad der Winde: Roman (Die Sturmlicht-Chroniken, Band 2)
Der Pfad der Winde: Roman (Die Sturmlicht-Chroniken, Band 2)
von Brandon Sanderson
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Auftakt eines Jahrhundertwerkes, 11. April 2012
In der Originalausgabe ist "The Way of Kings" stolze 1200 Seiten lang - quasi eine Buchreihe für sich. Da sich die deutsche Sprache wesentlich längeren Wörtern und mehr Konsonanten bedient als die englische, wurde die deutsche Ausgabe über 1600 Seiten lang - völlig unmöglich, das in einen Band zu quetschen. Deshalb blieb nur eine Möglichkeit, nämlich das Epos zu spalten. Das ist ärgerlich und teuer, aber nachvollziehbar.
Allerdings hat die Teilung einige Nachteile für das Werk an sich mit sich getragen. Denn "The Way of Kings" lebt auch von einer sehr intelligent konstruierten, enorm langsam steigenden, ja fast schon zu dreist gedehnten Spannungskurve. Soll heißen, dass der gesamte erste Band der deutschen Fassung ziemlich ereignislos daherkommt und erst gegen Ende endlich an Fahrt aufzunehmen scheint. Das hat vermutlich viele Leser davon abgeschreckt, sich die zweite Hälfte zuzulegen.

Glücklicherweise war ich zu dem Zeitpunkt bereits ein großer Fan von Sandersons Werken. Die "Kinder des Nebels"-Trilogie bezeichne ich als das Beste, das ich je gelesen habe - noch viel besser als anderer Fantasy, weil emotionaler, komplexer, liebenswerter. Mit jedem Buch jener Trilogie ist es ihm gelungen, einen eigenen Epos zu schaffen und neue Maßstäbe zu setzen.
Als ich zum ersten Mal las, dass die neue Reihe ein Zehnteiler werden sollte, mischte sich Begeisterung mit einer gewissen Ehrfurcht.

Nach der ersten, wie gesagt sehr schleppend verlaufenen, Hälfte legt die zweite nun richtig los. Ich hatte von Sanderson ja viel erwartet, aber was er gegen Ende dieses Buches abliefert, stellt (mal wieder) das allermeiste bisher Gesehene in den Schatten. Er liefert begeisternde Charaktere, innige Gänsehautmomente, intelligent verknüpfte Handlungsstränge und behandelt wie auch schon bei "Kinder des Nebels" existenzielle philosophische Fragen - so intellektuell war Fantasy selten!
Im Gegensatz zu allen anderen Autoren, die ich gelesen habe, zeigt Sanderson vor allem eines: Die Liebe zum Leben und zur Menschlichkeit.

Negativ anzumerken wären nach wie vor die Längen, die aber eine spannungserzeugende Rolle spielen und für die man mehr als nur entschädigt wird. Ansonsten vielleicht, dass das Ende des Gesamtwerkes auch relativ viele, alte wie neue Fragen aufwirft, was das Warten auf das zweite Epos noch schwerer erträglich macht.
Ansonsten bin ich völlig hin und weg von dem Buch. So kann ich nur noch empfehlen: Holt euch den "Pfad der Winde" selbst wenn euch die erste Hälfte nicht so gut gefallen hat. Schließlich kommen noch ganze neun weitere Epen. Ich schätze, wer jetzt schon abbricht, wird eines der größten Fantasy-Werke aller Zeiten verpassen.
Es lohnt sich!

PS: Aufmerksame Leser des Autors werden in diesem Buch auf eine Kleinigkeit stoßen, die, wenn man den Gedankengang weiterverfolgt, zu einem Schluss von großem Ausmaß führen kann. Haltet die Augen offen!


Ghost Opera-the Second Coming/Re-Release
Ghost Opera-the Second Coming/Re-Release
Wird angeboten von MUSIC-2000
Preis: EUR 16,80

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Für jeden, der das Original nicht hat, ein Muss, 25. März 2012
Das Re-Release des 'Ghost Opera'-Albums aus 2007 beinhaltet neben dem Standard-Album noch eine zusätzliche CD mit 10 Live-Tracks und 4 Bonus-Songs. Zu dem eigentlichen Album sag ich mal nur soviel, dass es ein weiteres gelungenes Machwerk der melodisch-proggigen Metaller ist. Mehr habe ich beim regulären Album bereits geschrieben.

Natürlich wird bei einem Re-Release nach nur einem einzigen Jahr sofort 'Fan-Abzocke', etc gerufen, und das ist ja auch verständlich. Allerdings finde ich es schon ein wenig ungerecht, wie grob da mit der Band herumgesprungen wird, wobei die Musiker selbst wahrscheinlich gar nicht so viel zum Marketing ihrer Musik zu sagen haben - so läuft die Musikindustrie ja leider, und zwar nicht erst heute.
Andererseits haben Kamelot doch schon einmal ein (übrigens erstklassiges) Live-Album auf den Markt gebracht, nämlich die 'Expedition', zur Jahrtausendwende. Dieses war ganz ähnlich aufgebaut: 8 Live-Song plus 3 unveröffentlichte Tracks, alles auf hohem Niveau, allerdings halt ohne das damalige Album 'The Fourth Legacy'. Damals hat niemand auch nur ein schlechtes Wort über die Veröffentlichung verloren. Dieses Output ist ja quasi exakt von derselben Sorte, nur halt dass das 'Ghost Opera'-Album beiliegt. Folglich hätte also niemand gemeckert, wenn man das Originalalbum einfach nicht dazugelegt hätte, oder?
Dass man somit als eifriger Fan, der sich das Album 2007 bereits gekauft hat, ein zweites Mal holen muss, ist es schon ein wenig ärgerlich, aber mittlerweile ist da ja auch kein preislicher Unterschied mehr, den diese zweite CD ausmachen würde.

Die Live-Songs sind alle gut geworden, leider sind es ausnahmslos nur Songs aus den letzten beiden Alben ('Black Halo' und 'Ghost Opera'), was ich sehr schade finde, schließlich sind auch die älteren Alben reichhaltig an livetauglichen Krachern, die auf keinem Kamelot-Konzert fehlen dürften - nicht einmal 'Karma' ist dabei! Vielleicht hat man diese Songs auch weggelassen, weil sie auf der 'One Cold Winter's Night'-DVD bereits genug geehrt wurden.

Die Highlights der CD sind aber ohne Zweifel die 3 Bonus-Songs. 'Season's End' ist ein schöner, langsamer Song, 'Pedulous Fall' eher hymnisch. Beides sind B-Seiten aus der 'Ghost Opera', aber sehr schön anzuhören.
Noch besser kommt die B-Seite aus dem 'Black Halo' daher: 'Epilogue' dauert nur unauffällige zweieinhalb Minuten, aber diese haben ihm gereicht, um sich mit Khans toller Stimme und ansonsten nur Piano und Akustik-Gitarre bei mir echt tief ins Herz zu graben: Ein toller Song, der meiner Meinung nach auf der Original-CD von 'The Black Halo' zumindest als Hidden Track hätte vorhanden sein sollen.
Der Song wird übrigens auch bei der hier verewigten Live-Show gespielt und kommt mit noch mehr Herzblut rüber als in der Studio-Aufnahme.

Der letzte Bonus-Song ist das 'Remix' von 'Rule the World'. Ob dieses Unglück mit Einverständnis der Band geschehen ist, wage ich zu bezweifeln. Ich persönlich finde es jedenfalls extrem dürftig.

Wer das Original noch nicht hat, kann als Fan der Band getrost zuschlagen. Alle anderen sollten sich überlegen, ob ein Live-Album das Geld wert ist. Wenn man als Ergebnis dann zu einem 'Nein' gelangt, kann man sich die drei B-Seiten ja einzeln als MP3s kaufen.


Ghost Opera/Ltd. (CD + DVD)
Ghost Opera/Ltd. (CD + DVD)

5.0 von 5 Sternen Bühne frei für Kamelot!, 25. März 2012
Rezension bezieht sich auf: Ghost Opera/Ltd. (CD + DVD) (Audio CD)
Der Albumtitel ist beinahe irreführend, denn im Gegensatz zu einer Oper folgt dieses Album keiner Geschichte, nicht einmal einem groben Konzept. Tatsächlich ist das einzige Konzept, das Kamelot mit diesem Album befolgt haben jenes, möglichst wenig Konzept zu haben. Schließlich haben sie mit 'Epica' (2003) und 'The Black Halo' (2005) zuvor gleich zwei Teile einer einzigen zusammenhängenden Geschichte vertont und mit denen gleich zweimal das scheinbare Non-Plus-Ultra überboten. Den Maßstäben des Meisterwerkes 'The Black Halo' wird die Geisteroper nicht ganz gerecht. Der Band ist auf dem Album jedoch anzumerken, dass sie mit allen Mitteln versucht haben, einen direkten Vergleich mit ihrem letzten Juwel zu vermeiden.

So ist dieses Album wohl als das experimentellste der Bandhistorie zu bezeichnen. Es wird teilweise mit progressiven Riffs gespielt (vor allem in 'Rule the World'), hier und dort werden mal Geräuschkulissen hinzugefügt (besonders bemerkenswert in 'Blücher': hier kommt sogar ein auf deutsch im Flüsterton vorgetragenes 'Vater Unser' vor), exotische Instrumente verwendet ('Love You To Death', 'Rule the World') und auch vor einigen elektronischen Effekten schrecken sie nicht zurück ('Human Stain'). Folglich sind alle Songs von Grund auf unterschiedlich.
Da ist natürlich alles dabei: Symphonic, Progressive, Speed, Klavierballade, Rockballade - sprich die gesamte (schon immer sehr umfangreich gewesene) Soundpalette der Band. Dazu noch als Gastsängerinnen Amanda Somerville und Simone Simons (letztere leider nur als Hintergrundstimme in 'Blücher').
Khan selbst zeigt sein Können auch auf diesem Album, er verzerrt seine Stimme aber teilweise sehr stark, was vermutlich nicht jedem zusagen wird. Die anderen Musiker agieren natürlich auf gewohntem Hammerniveau, auch wenn die Gitarren durch die verstärkte Orchestrierung etwas mehr im Hintergrund stehen als im äußerst gitarrenlastigen 'Black Halo'.

Auch textlich wird das Anti-Konzept entschlossen durchgezogen. Jeder Song erzählt eine Kurzgeschichte, jede auf ihre Weise tiefgründig und interessant. In den meisten Songs geht es aber um Tod und Verlust. Den großen Kontrast stellt die Klavierballade 'Anthem' gegen Ende des Albums dar, die Khan für seinen Sohn wenige Wochen vor dessen Geburt geschrieben hat. So hinterlässt das Album schlussendlich trotz der düsteren Grundstimmung einen optimistischen Eindruck.
Wirkliche Schwächen hat das Album meiner Meinung nach nicht, solange man es nicht mit vorangegangenen Meilensteinen der Bandgeschichte vergleicht. Dann fehlt dem Werk aber ein Finale (wie 'Elizabeth', 'III Ways to Epica', 'Memento Mori' oder später ja auch 'Poetry for the Poisoned'), und auch ansonsten etwas Struktur, die auf den vorherigen Album gerne mit Interludien hergestellt wurde.

Die Abwechslung des Albums kostet selbstverständlich den Zusammenhang. Das finde ich aber nicht schlimm, da genau das schließlich das Ziel der Band war. Man muss das Album halt andern angehen als die konzeptlastigen Vorgänger.
Höhepunkte lassen sich nur schwer nennen, spontan würde ich aber in erster Linie die ersten drei Songs nennen: Das progressive, orientalische 'Rule the World', das bombastische, schaurige 'Ghost Opera' (so orchesterbetont waren Kamelot noch nie!) und das vertrackte, verspielte 'Human Stain', das neben einer tickenden Uhr noch einen wunderschönen und tiefreichenden Text zu bieten hat. Außerdem hat 'Up Through the Ashes' es mir noch angetan ' ein ebenfalls symphonischer Song aus der Sicht von Pilatus bei der Verurteilung Jesu. Khan beweist hier einmal mehr, was für ein guter Darsteller er ist. Zudem noch das mitreißende Keyboard-Solo von 'Silence of the Darkness' - gespielt von Oliver Palotai, dem neuen deutschen Keyboarder der Band - sowie der einfach nur unendlich schöne Refrain von 'Mourning Star'. 'Eden Echo' hebt sich vor allem durch die Taktwechsel hervor, die schon bei 'Karma' oder 'III Ways To Epica' gut rübergekommen sind.
Alles in allem also ein düsteres und gleichzeitig wunderschönes Album, das wie gewohnt toll gemachten Progressive Metal in melodischem Power Metal-Gewandt bietet. Man muss ihm nur eine Chance geben, denn wer ein zweites 'Black Halo' erwartet, wird von vornherein enttäuscht werden.

Wichtig:
Ich empfehle das Re-Release 'The Second Coming', das auf einer zusätzlichen Live-CD noch ein paar 'B-Seiten' enthält, die dieser Bezeichnung spotten.
Die DVD-Version kommt zwar in einem recht schicken Digi-Pack, ist aber weniger lohnenswert, da die Extras eher mickrig ausgefallen sind.


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