Jeans Store Hier klicken Jetzt informieren Neuerscheinungen Cloud Drive Photos UHD TVs Learn More designshop Hier klicken Fire Shop Kindle Soolo Summer Sale 16
Profil für Isabella Kramer > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von Isabella Kramer
Top-Rezensenten Rang: 3.868
Hilfreiche Bewertungen: 1404

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
Isabella Kramer "SistaEasy" (Bonn)
(REAL NAME)   

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-14
pixel
A Summer Place
A Summer Place
Wird angeboten von RAREWAVES USA
Preis: EUR 13,03

4.0 von 5 Sternen Ein etwas anderer Film aus den 50ern. Drama um Sex und seine Folgen, mutig und gut besetzt, 27. Juni 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: A Summer Place (DVD)
Bart Hunter (Arthur Kennedy) und seine Frau Sylvia (Dorothy McGuire) betreiben zusammen mit ihrem Sohn Johnny (Troy Donahue) eine Villa als Hotel und Feriendomizil. Auf „Pine Island“ ist aber nur die Fassade gut erhalten, man darf sich da einiges nicht näher ansehen. Bart und Sylvia sind pleite und müssen trotz Protest von Bart einen alten Bekannten bei sich aufnehmen: Ken Jorgensen (Richard Egan) hat früher selbst auf Pine Island gearbeitet als Rettungsschwimmer und Helfer für kleine Reparaturarbeiten und kommt nun als Millionär zusammen mit seiner Frau Helen (Constance Ford) und seiner Tochter Molly (Sandra Dee) wieder auf die Insel. Bart befürchtet, dass Ken nun auf sie herabsieht und Bart seinen Diener spielen darf. Ken scheint aber aus anderen Gründen zurückgekommen sein: Er und Sylvia hatten vor 20 Jahren ein Verhältnis, was Sylvia auf Drängen ihrer Eltern beendete, schließlich war damals Bart finanziell gesehen die bessere Partie. Wie sich Ken und Sylvia eingestehen, haben sie nur eine halbe Ehe geführt, beide sind unglücklich und im Grunde nur wegen der Kinder noch verheiratet. Kens kalte Ehefrau Helen sorgt schon seit Jahren dafür, dass sie getrennte Schlafzimmer haben und sie die Oberhand bei Mollys Erziehung behält, während Ken sich fast ausschließlich Gemecker anhören darf.
Sylvia hat dafür mit Barts starkem Alkoholproblem zu kämpfen. Es kommt, wie es kommen muss: beide erneuern ihre Affaire und derweil bändeln auch die beiden Kinder miteinander an. Lange bleibt es natürlich kein Geheimnis, die jeweiligen Scheidungen stehen vor der Tür, Molly und Johnny sollen auch die Finger voneinander lassen und werden auf weit entfernte Schulen geschickt. Aber Liebe findet immer einen Weg….

Achtung, es folgt ab jetzt der ein oder andere Spoiler. Für 1959 hat man ganz schön viel in dieses Drama gepackt, zumal auch für die Zeit recht gewagte Themen hier angesprochen werden. Als Tabubruch würde ich es auch ansehen, schließlich haben wir es hier mit Sex (auch unter Minderjährigen), Ehebruch und Scheidung zu tun. Wenn innerhalb der ersten 10 Minuten Molly ihrem Vater erzählt, dass sie sich im Bewusstsein, dass der Nachbarsjunge zusieht, einmal ausgezogen hat, sie sich aber dabei dann doch geschämt hat und der Vater locker darauf reagiert, dass jeder Mensch ein paar Dinge hat für die er sich schämt, dann weiß man schon, dass man es hier nicht mit einem typischen 08/15-Filmchen der lieben und netten Vorzeige-50er Jahre zu tun hat. Das Wort „Sex“ fällt auch schon kurz darauf. Während Ken sich als lockerer Vater gibt, ist die Mutter entsprechend strenger. Als Molly nicht die Kleidung anziehen will, die ihre Mutter ihr gekauft hat, weil sie sie aussehen lassen wie ein Junge, geht die Diskussion schon los: „So you insist on dexexing her….as though sex were synonymous with dirt.“ – so Ken zu Helen.
Ken und Sylvia wollen eigentlich recht schnell ihre Beziehung offiziell machen und die Scheidung angehen, haben aber beide Angst um den Verlust ihrer Kinder, denn beim jeweiligen Ehepartner sollen die Kinder nicht bleiben. Also geht man zunächst die heimliche Affäre mit nächtlichen Treffen im Bootshaus ein.
Als es doch herauskommt, werden die Kinder tatsächlich Bart und Helen zugesprochen und Traumpaar Ken und Sylvia, die nun ihre Hochzeit angehen, haben das Nachsehen. Aber die Kinder sind sowieso geschockt über das Verhältnis ihrer Elternteile, wollen von den beiden erst mal nichts wissen und sind wohl ganz froh, nicht bei ihnen zu leben. Zu leiden haben die beiden dennoch, denn sie sind leidenschaftlich ineinander verliebt und müssen dank der Zwangstrennung und dem Entsenden auf weit entfernte Schulen heimlich über Briefe und gelegentliche Telefonate den Kontakt halten. Ganz besonders Helen hält gar nichts davon, sich „cheap“ zu geben und will Molly weiterhin als anständiges Mädchen heranziehen. Molly und Helen geraten immer häufiger aneinander. Im Grunde kommt da die Einladung von Ken genau recht. Er hat den Kontaktabbruch nicht mehr ausgehalten und ist einen Schritt auf Molly zugegangen, die ja sonst ein sehr inniges Verhältnis zu ihm hatte: Er hat Molly und Johnny dazu eingeladen, 2 Wochen in seinem neuen Strandhaus bei ihm und Sylvia zu verbringen. Molly und Johnny nutzen die Zeit, auch wenn Molly ein „good girl“ sein möchte, kommt es anders und es müssen Entscheidungen getroffen werden…

Bei so vielen Tabubrüchen kommt das Ende dann doch verhältnismäßig brav daher mit der wieder den 50er Jahren geschuldeten schnellen (Zwangs-)Heirat. Nun ja, damit kann ich leben, die Handlung davor gab immerhin den nötigen Ausgleich dafür. Zumindest sagt Sylvia kurz vorm Ende genau das richtige zum jungen Liebespaar: „We live in a glass house. We’re not throwing stones.“. Schöne Selbsterkenntnis.
Einziger richtiger Knackpunkt aber für mich: Molly hat schon zu Beginn des Filmes durchblickt, dass ihr Vater keine glückliche Ehe führt, Helen ist ja auch eine eiskalte Frau, die keine Gefühle zeigt, Molly hängt verständlicherweise nicht sonderlich an ihr. Warum sie sich dann für ihren Vater nicht freuen kann, der mit Sylvia endlich glücklich ist, mag sich mir nicht ganz erschließen.
Was mir viel Spaß zwischendurch bereitet hat ist der meist angetrunkene Bart, der Helen zwischendurch mal schön aus der Fassung bringen kann mit seiner recht direkten Art. Irgendwie hätte ich mir fast gewünscht, dass er aus Rachegefühl sich an Helen ranschmeißt, da passiert aber gar nichts, zumal Helen nur angewidert von Bart ist.
Bart hat in meinen Augen sowieso ein paar Sympathiepunkte verdient, zumal ich ihn nicht als reinen Buh-Mann sehe. Im Grunde hat er die Trinkerei wohl hauptsächlich angefangen, weil er wusste, dass Sylvia schon bei ihrer Hochzeit sich zur Vernunftehe mit ihm entschieden hatte, anstatt ihrer Leidenschaft für Ken nachzugeben. Er wusste, dass er nur die 2. Wahl war. Trauriges Kerlchen, der mit viel Sarkasmus einen noch zum Lachen bringen kann. Bitter hingegen sein letzter Auftritt im Film.

Ein wenig Trivia:
Der Film basiert auf dem 1958 gleichnamig erschienenen Bestseller von Sloan Wilson, wo die Handlung sich über 4 Jahre zieht, im Film wurde die Handlung auf 1 Jahr verkürzt.
Kens leidenschaftliche Ansprache seiner Frau Helen gegenüber über Ihre Scheinheiligkeit hat in der Radio City Music Hall damals für stehenden Applaus gesorgt.
Ursprünglich waren Natalie Wood und Tab Hunter für die jungen Hauptrollen vorgesehen.
Die Außenaufnahmen sind in Monterey entstanden (im Film wird von Maine gesprochen), bei einigen Aufnahmen kam das Mrs. Clinton Walker House in Carmel-by-the-Sea zum Einsatz.
„A Summer Place“ erhielt seinerzeit gemischte Kritiken, war aber ein Kassenschlager.
Troy Donahue erhielt als bester Nachwuchsdarsteller den Golden Globe.
Die häufig gespielte Titelmusik von Max Steiner wurde durch Percy Faiths Orchesterfassung zum Charterfolg.

Zur DVD:
Da der Film einen deutschen Titel hat („Die Sommerinsel“) wundert es mich ein wenig, warum es keine deutsche DVD gibt – aber auch für eine VHS hat es wohl nie gereicht, im Kino lief er allerdings 1960 hierzulande. Schade! Daher muss man mit dieser DVD wohl Vorlieb nehmen.
Die hier vorliegende DVD von Warner läuft trotz Regionalcode 1 auf meinem Blu-ray Player. Wird wohl daran liegen, dass es eine Dual-Layer DVD ist vermute ich. Ich bin nicht so der Technik-Freak, daher nur reine Spekulation.
Das Bild ist recht ordentlich, der Film ist in voller Länge (ca. 130 min.) auf Englisch mit englischen Untertiteln (!) abspielbar. Als Extra ist nur ein „Theatrical Trailer“ vorhanden (3:10 min., engl.).

Fazit: „A Summer Place“ ist der etwas andere 50er Jahre Film, der sich was traut und noch dazu mit richtig guten Darstellern ins Schwarze trifft. Es geht im Grunde um Sex und seine Folgen, Scheidungen inklusive. Aber auch viel Liebe und Liebesleid darf man erwarten. Ein Drama ganz nach meinem Geschmack, noch dazu für seine Zeit, abgesehen vom Ende, einfach mutig. Volle Empfehlung trotz etwas spärlicher DVD, aber immerhin darf man sich über englische Untertitel freuen.


The Fox by Sandy Dennis
The Fox by Sandy Dennis
DVD ~ Douglas B. Whitley Jr.
Wird angeboten von FHL Store
Preis: EUR 45,49

4.0 von 5 Sternen Kammerspiel, wo bei dreien einer zuviel ist, kleines und mutiges Stück Filmgeschichte aus 1967, 27. Juni 2016
Rezension bezieht sich auf: The Fox by Sandy Dennis (DVD)
Jill Banford (Sandy Dennis) und Ellen March (Anne Heywood) leben alleine auf einer einsam gelegenen ländlichen Hühnerfarm im verschneiten Kanada. Während die aufgeweckte und manchmal zum Plappermaul neigende Jill sich eher um die Hausarbeit und ums Kochen kümmert, verrichtet die sehr ruhige March (Jill nennt sie „March“ anstatt Ellen, daher übernehme ich das hier so) die schwereren Arbeiten wie Holz hacken oder kleinere Reparaturarbeiten. Sie ist außerdem ständig mit dem Gewehr unterwegs, denn ein Fuchs hat ihnen schon öfter da Ärger gemacht und die Hühner angefallen. Als March aber die Chance hat, den Fuchs zu erschießen, kann sie es nicht. Jill versteht das Zögern von March überhaupt nicht.
Überhaupt sind die beiden sehr unterschiedlich: während Jill sich in der Einsamkeit richtig wohl fühlt und glücklich ist, kann March der Lebensart weniger abgewinnen. Als Jill sie fragt, ob sie unglücklich ist, verneint sie das zwar überzeugend, dennoch scheint ihr etwas zu fehlen.
Eines Tages bekommen die beiden Frauen unerwarteten Besuch: Paul (Keir Dullea) taucht auf, der eigentlich seinen Großvater auf der Farm erwartet hätte – der Großvater war der Vorbesitzer und ist wohl im Jahr zuvor gestorben, wovon Paul nichts wusste. Jill freut sich über den Besucher und lädt Paul gleich dazu ein, doch zu bleiben, zumal sie seine Hilfe ganz gut gebrauchen könnten, während March dem neuen Mitbewohner eher skeptisch gegenübersteht. Gleich zu Beginn scheint sich da etwas anzubahnen, Paul sucht immer wieder Marchs Blicke. Als Paul unerwartet March bedrängt, ihn zu heiraten, ist es mit Jills Gastfreundlichkeit vorbei und nichts wird mehr sein, wie es mal war….

In diesem Absatz können nun ein paar Spoiler folgen. Für 1967 ist „The Fox“ ganz schön gewagtes Kino. Der Film findet auch Erwähnung in Bezug auf die Entwicklung des homosexuellen Kinos. Sexuelle Spannungen sind schon in den ersten Minuten spürbar, wenn March die Massage von Jill einen Tick zu sehr genießt und sie anschließend ein Bad nimmt, wo die erregte March sich im Anschluss selbst befriedigt. Auch als March am nächsten Tag bei einem Spaziergang dem Fuchs begegnet, dieser aufgeladene Blickwechsel zwischen dem Fuchs und ihr – man könnte meinen, die beiden begehren sich, zumal sich March kurz zuvor noch im Spiegelbild eines Flusses betrachtet und dabei ihre Brüste berührt hat. Der Fuchs hat sie dabei im Grunde ertappt. Natürlich kann March ihn wieder nicht erschießen und er entwischt erneut. Als Paul dann auftaucht, der es trotz der anfänglichen Ablehnung von March, deutlich auf sie abgesehen hat, nimmt das Drama seinen Lauf:
Jill stell klar, dass sie nach Bekanntgabe der anstehenden Heirat der beiden, das Zusammenleben zu dritt nicht mehr dulden wird: „There is no room here for a married couple.“. Für Paul ist alles recht simpel: „I want her. That’s all. I’m gonna take her.“, gegenüber Jill wird er dann auch härter: “I don’t see what she’s got here with you.”.
Sandy Dennis wurde hier eine Rolle auf den Leib geschrieben. Dieses quirlige junge Ding, was manchmal auch mir etwas zu viel quatscht, ist doch innerlich so unsicher. Sie will weiterhin mit March alleine weiter leben und erkämpft sich in einer Woche, wo Paul nicht da ist, auch wieder das ursprüngliche Verantwortungsgefühl von March zurück. March scheint die erwachsenere zu sein, so könnte man meinen. Aber in March steckt mindestens ebenso viel Unsicherheit, wenn nicht gar mehr, als in Jill. Wenn Paul in ihrer Nähe ist, will sie ihn nur berühren, sagt sie einmal gegenüber Jill. Aber als Jill March ihre Liebe gesteht, kommt auch hier eine Leidenschaft hoch – das kann nicht nur Verantwortungsgefühl gegenüber Jill sein, da ist doch mehr, aber Paul kommt ja zurück und man kann sich denken, dass er sich nicht abwimmeln lässt. So ein Typ bekommt seinen Willen, koste es, was es wolle – damit haben wir auch schon die Parallele zum schlauen Fuchs, den man nicht unterschätzen darf…

„The Fox“ (Untertitel „….the symbol oft he male“) ist recht spartanisches, leises und auch mal unbehagliches Kino: wir haben zunächst 2, später 3 Hauptdarsteller. Es ist ein kleines Kammerspiel geworden, was nur durch die Schnee-Außenaufnahmen zwischendurch unterbrochen wird. Diese Aufnahmen bringen aber wenig Auflockerung, es bleibt angespannt, es brodelt, der Film lädt sich durch vielsagende Blicke (auch im Schatten, damit wird oft gespielt, ein wenig Noir also) regelrecht auf bis zum dramatischen Höhepunkt.
Meinen Nerv hat der Film damit ziemlich genau getroffen, ich konnte mich dem Film keine Minute entziehen.

Ein wenig Trivia:
Der Film basiert lose auf der gleichnamigen Erzählung von D. H. Lawrence von 1923. Laut Erzählung spielt sich die Handlung 1918 in England ab, für den Film wurde es aber nach Kanada in die aktuellere Zeit verlegt, sie versprachen sich damit mehr Erfolg beim Publikum. Der Film wurde kurz nach der Auflösung des „Motion Picture Production Codes“ veröffentlicht und beinhaltet einige Nacktszenen, die oben erwähnte Selbstbefriedigung und auch Sex zwischen Paul und March. Der Film wurde ursprünglich mit „R“ eingestuft (ab 16 oder unter 16 in Begleitung Erwachsener), 1973 wurde er neu veröffentlicht und mit „PG“ bewertet (Eltern als Begleitung werden empfohlen).
Dadurch, dass der Film in Kanada gedreht wurde, wurde der Film als bester fremdsprachiger Film bei den Golden Globes nominiert und gewann auch die Trophäe. Außerdem gab es Nominierungen für Drehbuch, Regisseur und für Anne Haywood als beste Darstellerin in einem Drama. Eine Oscar-Nominierung gab es damals für die Musik von Lalo Schifrin.
Bei den Kritikern kam der Film meist gut an, auch war er in England ein Kassenschlager, zählt er doch zu den 5 beliebtesten Filmen, die 1968 rausgekommen sind.

Zur DVD: Bei mir steht „DVD Download“ auf der Rückseite der DVD, sie ist auf allen Playern abspielbar. Die DVD ist wohl der Warner Archive Collection entsprungen und wurde qualitativ nicht überarbeitet. Man darf also keine Top Qualität erwarten. Ein paar Schlieren sind zu sehen und das Bild ist nicht immer ganz scharf, hier und da auch etwas verwaschen bei den Außenaufnahmen. Insgesamt kann man aber mit der Qualität leben. Eine deutsche Version gibt es leider nicht (obwohl es in Deutschland zumindest eine Kinoaufführung gab, aber auch auf VHS schaffte er es nicht hierzulande).
Die DVD bietet nur den englischen Ton, leider keine Untertitel und hat nur einen Trailer (2:58 min., engl.) zu bieten, den ich nicht als solchen bezeichnen würde, da er lediglich einen Teil vom Beginn des Filmes zeigt, es ist kein zusammengeschnittener Trailer, der ein wenig von der Handlung verrät.

Fazit: Spannendes Kammerspiel mit viel Symbolik, sexuellen Spannungen und vielsagenden Blicken, ein Film, der seiner Zeit voraus war – und den kurioserweise heute kaum einer kennt. Ungewöhnliches Drama mit einem tollen Dreier-Gespann an Schauspielern – und natürlich dem Fuchs! Das richtige für ruhige Momente.


El Ruido Y La Furia Bd *** Europe Zone ***
El Ruido Y La Furia Bd *** Europe Zone ***
DVD ~ Yul Brynner
Wird angeboten von DVD STORE SPAIN
Preis: EUR 15,00

4.0 von 5 Sternen The Sound and the fury - die spanische Blu-Ray kommt mit englischem Ton und guten Bild daher, 20. Juni 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezensiert hatte ich den Film bereits unter einer anderen DVD, also bitte nicht wundern, falls einem die Rezi bekannt vorkommt.
Da ich nun diese Blu-Ray mit dem Titel "El Ruido Y La Furioa Bd *** Europe Zone ***" erworben habe, wollte ich vorab noch etwas dazu schreiben:
Die Blu-Ray ist auf unseren deutschen Blu-ray-Playern einwandfrei abspielbar, das Menü ist auf Spanisch, Extras gibt es leider keine!
Als Sprachen sind nur Englisch und Spanisch verfügbar, Untertitel nur auf spanisch und portugiesisch - leider kein Englisch, worauf ich ein klein wenig gehofft hatte (die Produktangaben sind ja hier nicht immer vollständig) sehr sehr schade!!
Das Bild ist einwandfrei und scharf, keine Schlieren o. ä. zu sehen, für einen Film von 1959 schon gut gelungen.

Nun zum Film "The Sound and the Fury" (dt. Titel übrigens "Fluch des Südens", es gab lediglich eine deutsche Kinofassung, er ist leider nie auf deutscher VHS, DVD etc. erschienen):

Quentin (Joanne Woodward) fühlt sich gefangen: Sie lebt bei ihren beiden Onkeln Howard (John Beal) und Ben (Jack Warden) in Louisianna. Nicht genug damit, dass Onkel Howard ein Säufer und Onkel Ben zurückgeblieben ist – Jason (Yul Brynner), ebenfalls im Haushalt und Freund der Familie, spielt sich als Familienoberhaupt auf und gerät dabei regelmäßig an Quentin, wenn sie mal wieder die Schule geschwänzt hat. Jason, der alleinige Geldverdiener, ist um den Ruf der Familie besorgt und versucht ihn wieder aufzurichten. Nicht einfach, denn selbst seine eigene Mutter (Francoise Rosay), die auch in dem Anwesen lebt, knurrt nur durch das Haus. Sie nimmt ihr Frühstück in ihrem Schlafzimmer ein und verlässt nie das Gebäude. Abgesehen von der aufmüpfigen Quentin ist Jason der Einzige, der das Haus regelmäßig verlässt zur Arbeit im Bekleidungsgeschäft oder auch nur, um sich in der Öffentlichkeit zu zeigen und möglichst allen Menschen freundlich zu begegnen – das er das in erster Linie auch für die junge Quentin macht, die ihr ganzes Leben noch vor sich hat, sieht sie selbst natürlich nicht.

Problematischer wird es, wenn Quentins Mutter Caddy (Margaret Leighton) plötzlich auftaucht. Sie hat sich anscheinend genug „vergnügt“ und will dann doch einmal Mutter spielen. Jason ist davon nicht begeistert. Jahrelang hatte sie nur Geld gesendet für Quentin, wovon Jason gezwungenermaßen selbst Geld abzweigen musste, denn mit seinem Job konnte er alleine die Familie mitsamt Haushälterin Dilsey (Ethel Waters) und deren Enkel Luster (Stephen Perry) nicht durchbringen. Nach einer fast irrwitzigen Szene, wo Jason mit Quentin an Caddy im Auto vorbeifährt – denn sie wollte Quentin wenigstens einen „Moment“ mal sehen – ahnen wir, dass Caddy sich doch noch im Haus einnisten wird.
Quentin freut sich sehr, wieder eine Mutter zu haben, hatte sie doch zuvor jede Gelegenheit genutzt, nicht zu Hause zu sein (zu Beginn sehen wir sie aus einem Bus steigen, mit dem sie wohl die ganze Nacht Rundfahrten gemacht hatte) – die erste Gelegenheit wird natürlich genutzt, um den verhassten Jason vor der Mutter schlecht zu machen. Da die Mutter aber heilfroh ist, überhaupt in dem Haus wieder wohnen zu dürfen, hält sie sich über Jason zurück und Quentin hat jetzt noch eine Hoffnung: gerade frisch verliebt in den Jahrmarkt-Angestellten Charlie Busch (Stuart Whitman), hat sie die Zuversicht, mit ihm möglichst schnell das Weite zu suchen...

„The Sound and the Fury“ ist ein dialoglastiger Film aus dem Jahre 1959, der von den Kritikern nicht sonderlich geliebt wurde. Regisseur Martin Ritt hatte ein Jahr zuvor, ebenfalls mit Joanne Woodward, den aufwühlenden „Der lange heiße Sommer“ gedreht. Mag man kaum glauben, spielte Woodward doch da eine erwachsene Frau während sie hier eine Jugendliche mit Kurzhaarschnitt mimen darf. Auch als Zuschauer hat man ein wenig Probleme damit, denn man sieht ihr schon deutlich an, dass sie locker 10 – 12 Jahre älter ist als die Rolle, die ihr hier zugedacht ist – aber wenn man darüber hinwegsieht, hat man es hier mit einem ordentlichen kleinen Südstaaten-Drama zu tun, das vermutlich mit einer der schönsten von Zorn und Leidenschaft gleichermaßen beherrschten Kuss-Szene aufwarten kann. Wunderbares Gefühlskino - wenn man sich denn darauf einlassen kann und will.

Ein paar Macken hat der Film schon: Was mich ein wenig gestört hat war das ungeklärte Verhältnis von Jason zur Familie. Nie wurde richtig erwähnt, wie es dazu kam, dass er zum Familienoberhaupt zwangsweise wird – das er ein alter Familienfreund ist, muss man sich selbst zusammen reimen. In einer Szene macht sich die gerade eingetrudelte Mutter von Quentin ein wenig darüber lustig, dass er früher in sie verliebt gewesen wäre. Sie kennen sich also schon aus Kinder-/Jugendtagen – mir ist das etwas zu wenig. Da wäre mehr Hintergrundwissen interessant gewesen. Wieso hat er dieses Pflichtgefühl der Familie gegenüber? Kleine Ergänzung vom 20.6.16: Beim 2. Sichten des Filmes ist mir aufgefallen, dass an einer Stelle erwähnt wird, dass Jasons Mutter wohl in die Familie eingeheiratet hat und daher auch noch dort haust.
In der mir unbekannten Buchvorlage von William Faulkner (dt. Titel „Schall und Wahn“, engl. wieder „The Sound of Fury“), auf die der Film lose beruht, soll es ganz anders sein: Jason ist kontinuierlich der „Böse“ – und in der Tat der Onkel von Quentin, also da ist ein verwandtschaftliches Verhältnis klar definiert. Im Film ist er bewusst nicht (richtig) verwandt, was für uns Zuschauer ein Glück und auch die bessere (und damit inzestfreie) Lösung ist. Das mag der Bücherfan natürlich ganz anders sehen, der ggf. bei den wenigen Gemeinsamkeiten (der Film hat nur einen kleinen Teil des Buches übernommen) mit den Augen rollen könnte.

Noch ein wenig Trivia:

Kirk Douglas wurde die Titelrolle des Jason ursprünglich angeboten, er lehnte aber ab.
Der Film- und Buchtitel „The Sound and the Fury“ ist ein Zitat aus Shakespeares „Macbeth”.
Eigentlich sollte Marylin Monroe die Rolle der Quentin spielen, sie entschied sich dann aber für die Rolle in „Manche mögen‘s heiß“ – was für ein Glück!
Die Handlung des Buches wurde vom Jahr 1928 in die 1950er Jahre verlegt.
Der Film spielte an den Kinokassen gerade so sein Budget wieder ein und gilt damit als Flop – Regisseur Martin Ritt war mit seinem Film am Ende auch nicht zufrieden und sagte in einem Interview, dass er einige Fehler gemacht hätte und keinen Faulkner-Roman mehr verfilmen würde („Der lange heiße Sommer“ ist übrigens auch einem Faulkner-Roman entsprungen!).

Fazit: Ein Film mit Macken, insgesamt aber dennoch schönes Gefühlskino mit einem wunderbaren Yul Brynner (mit Haaren!), der seine Zerrissenheit hier eindrucksvoll zur Schau stellt. Für mich eine kleine Überraschung, der Buchfan sollte aber vielleicht mit Vorsicht an den Streifen heran gehen.
P.S. Ich bin vielleicht ein wenig voreingenommen: für mich hat der Film in Teilen eine winzig kleine Ähnlichkeit mit dem von mir heißgeliebten „Lili“ (1953 mit Leslie Caron und Mel Ferrer – wo bleibt die deutsche DVD?!): Der verbitterte ältere Kerl (Ferrer bzw. hier Brynner), der Jahrmarkt (hier ja nur am Rande) und schließlich die Erkenntnis (Caron bzw. hier Woodward). „Lili“ spielt allerdings in einem ganz anderen Ambiente (eben der wunderbare Jahrmarkt und die unvergesslichen Puppen!) und hat diesen kindlich-entzückenden Charme – „The Sound and the Fury“ ist da schon wesentlich ernster und in einer Nebenhandlung rund um Onkel Ben, der Haushälterin und deren Enkel kann man auch schon mal schlucken. Charmant ist allerdings die Cafe-Szene mit dem ersten richtigen Gespräch zwischen Jason und Quentin - und das erste Mal, dass man Jason lächeln sieht. Da kann man(n oder Frau) schon mal ins Schwärmen geraten...


Death Collector
Death Collector
DVD ~ Joseph Cortese
Preis: EUR 5,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Fressen und gefressen werden - Als Scorsese Pesci entdeckte - leider miese DVD-Veröffentlichung (Bild/Ton), 7. März 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Death Collector (DVD)
So richtig viel zum Inhalt von „Death Collector“ kann ich leider nicht beitragen, da die DVD eine ziemlich lausige Tonqualität hat – noch dazu nur den Ton in Englisch und ohne Untertitel, was hier meiner Meinung nach zwingend notwendig gewesen wäre, um alle Dialoge zu verstehen. Ich habe also alleine wegen der Akustik zu wenig vom Filminhalt mitgebekommen, daher nur mal ganz grob, worum es im Ansatz geht:

Jerry (Joe Cortese), ein kleiner Mafia-Ganove, der gerade aus dem Knast entlassen wurde, ist auf der Suche nach einem Job. Schnell hat er sich darauf eingeschossen, für höhere Tiere den Geldeintreiber zu spielen. Er tut sich dabei zwischendurch auch mit Joe (Joe Pesci) und Serge (Bobby Alto) zusammen. Nur leider übertreibt Jerry es mit seiner überheblichen Art und ist damit seinen eigenen Auftraggebern schnell ein Dorn im Auge….

Auf „Death Collector“ (1976) bin ich gestoßen, da dies der Film gewesen ist, der Regisseur Martin Scorsese auf den Schauspieler Joe Pesci aufmerksam gemacht hat. Joe Pesci taucht zusammengerechnet ca. 15 Minuten hier als Nebendarsteller auf. Durch Scorsese ist Joe Pesci in „Wie ein wilder Stier“ (1979) neben Robert de Niro so richtig bekannt geworden. „Good Fellas“ (1990) und „Casino“ (1995) sollten mit dem Dreiergespann folgen.
Da „Death Collector“ noch den zusätzlichen deutschen Titel „Blutiger Zahltag“ hat, gab es auch mal eine deutsche Fassung (Videopremiere 1983), die allerdings nie den Weg auf DVD gefunden hat. Daher muss man leider mit dieser lieblosen, aber zumindest regionalfreien (auf allen DVD- und Blu-ray Playern abspielbare) DVD zurückgreifen. Ob die deutsche VHS eine bessere Qualität hatte, kann ich leider nicht beantworten, da ich den Film nur auf vorliegender DVD gesehen habe.
„Some quality may have been lost during the transferring process.“ Kann man auf der Rückseite der DVD lesen, was leider auch stark zutrifft. Die Bildqualität ist einfach schlecht, es wird auch mal öfter unscharf und beim Abspann kann man z. T. die Schrift nicht mal mehr lesen. Das ist noch nicht mal VHS-Qualität.
Die Tonqualität ist wie zu Beginn erwähnt eine einzige Katastrophe. Dadurch, dass die Außengeräusche oft lauter sind als die Gespräche, kann man den Dialogen nur teilweise folgen, egal wie laut man es aufdreht!
Wenn z. B. eine Zeitung gelesen bzw. umgeblättert oder eine Tür zugemacht wird, ist das extrem laut – hier ist die Tonabmischung einfach mies.

Gefällt denn der Film? Nun, mal ganz abgesehen davon, dass hier wirklich wegen dem Ton einiges auf der Strecke geblieben ist, ist der Film ein recht unentschlossenes Stückchen Filmgeschichte geworden. Einerseits soll Joe Cortese (der mich äußerlich ein wenig an den jungen de Niro erinnert) der harte Kerl sein, es wird auch mal richtig blutig geschossen (daher wohl die 18er-Freigabe) – dann aber wieder wird der Film mit funkiger Musik bewusst eher wieder in so einen coolen 70er Jahre Flair getaucht, den man nicht ganz so ernstzunehmen braucht. Passt nicht so ganz zusammen, genauso wenig passt da die Szene rein, in der die Jungs in einer Piano-Bar den Klavierspieler bewerfen (mit was auch immer, man kann in dunklen Szenen leider keine Details erkennen, ggf. waren es Nüsse) und dabei richtig Spaß haben, als der sich aufregt. Die Dialoge, die man versteht, sind auch nicht wirklich das Gelbe vom Ei, also da kommt auch mal öfter Langeweile auf. Pluspunkt sehe ich wirklich einzig im ansonsten recht solidem Schauspiel, also peinlich rumgekaspert wird hier eigentlich nicht. Die Ganoven kommen schon ganz gut rüber, das war es dann aber auch. Da es allerdings der erste und einzige Film von Ralph de Vito ist, kann man da wohl auch nicht viel erwarten. Leider ist über de Vito nur bekannt, dass er 1983 gestorben ist. Joe Cortese ist bis heute hauptsächlich in TV-Filmen und Serien zu sehen.

Zur DVD:
„Death Collector“ kommt leider ganz ohne Extras und einzig in englischer Sprache ohne Untertitel daher. Der Film hat eine Lauflänge von 90 Minuten.
Schlechte Bild- und Tonqualität sorgen hier wirklich für ein richtiges Ärgernis (und da bin ich nicht pingelig!), da man mehr oder weniger nur die Hälfte des Filmes versteht. Aber dadurch, dass ein Hinweis auf der DVD angebracht ist, war da wohl in der Tat nicht mehr viel zu retten. Das man dann aber nicht mal auf die Idee kommt, Untertitel hinzu zu fügen, ist schon ein Unding.
Ein paar Bildbeispiele habe ich dieser Rezension angehängt.

Fazit: Obwohl Scorsese durch „Death Collector“ auf Joe Pesci aufmerksam geworden ist, bleibt dieser mir gar nicht so groß im Gedächtnis. Joe Cortese als Hauptdarsteller hingegen ähnelt hier und da dem ganz jungen de Niro, was positiv auffällt. Überhaupt kann man schauspielerisch grundsätzlich nicht meckern, wenn die mäßigen Dialoge (die man versteht) nicht wären. Die Funkmusik gefällt mir zwar, passt aber nicht zum ansonsten möchte-gern-harten Gangster-/Mafia-Film. Für mich war der Film teilweise nahe einer Nullnummer. Schade, dabei hatte ich mich auf den Geheimtipp schon gefreut. Ich würde bei 2 Sternen landen, aber bei der miesen DVD geht es klar auf 1 Stern runter.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 21, 2016 8:48 AM CET


Boulevard: Ein neuer Weg [Blu-ray]
Boulevard: Ein neuer Weg [Blu-ray]
DVD ~ Robin Williams
Wird angeboten von PRO-FUN MEDIA GmbH
Preis: EUR 12,95

1 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Besser spät als nie..., 7. März 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Boulevard: Ein neuer Weg [Blu-ray] (Blu-ray)
Nolan (Robin Willams) lebt ein recht eintöniges, aber oberflächlich betrachtet ein zufriedenstellendes Leben. Er arbeitet seit über 25 Jahren bei der gleichen Bank, besucht fast täglich seinen Vater im Pflegeheim und bringt morgens seiner Frau Joy (Kathy Baker) den Tee ans Bett. Die beiden haben auch ein recht hübsches Haus, aber getrennte Betten in verschiedenen Zimmern. Sie scheinen sich damit aber ganz gut arrangiert zu haben, denn Groll merkt man zwischen den beiden keineswegs, es geht recht harmonisch zu..
Als Nolan eines Abends etwas verträumt einen Boulevard entlangfährt, wo Prostituierte und Stricherjungen ihre Dienste anbieten, rennt ihm Leo (Roberto Aguire) vors Auto. Nachdem sich Nolan bei Leo entschuldigt hat, fragt Leo ihn, ob er ihn mitnehmen könnte. Nolan willigt ein, fährt mit Leo in ein Motel, wo Leo seine üblichen Sexdienste anbieten will. Nolan lehnt ab und will nur reden. Es kommt zu häufigeren Treffen, Nolan vernachlässigt dabei Frau, Arbeit und seinen besten Freund und muss sich langsam entscheiden, wohin das Ganze führen soll....

Lange war unklar, ob es der kleine Indie-Film „Boulevard“, der bereits 2014 gedreht und im April desselben Jahres beim Tribeca Festival uraufgeführt wurde, in ein Kino, geschweige denn auf eine Blu-ray oder DVD hierzulande schafft. Schließlich hat die Blu-ray / DVD über das Queer Cinema Label Pro-Fun Media doch noch den Weg zu uns gefunden, was Robin Williams Fans sehr freuen dürfte, denn es ist seine letzte Hauptrolle. Überhaupt, wenn man sich mal ansieht, wo Robin Williams, abgesehen von dem meiner Meinung nach recht schwachen „The angriest man in Brooklyn“, zuletzt eine richtige Hauptrolle wahrgenommen hat, das ist doch schon etwas länger her gewesen. Er hatte in meinen Augen in seinen letzten Jahren leider auch kein so richtig glückliches Händchen bei der Filmauswahl. „One hour photo“ (2002), „The final cut“ (2004) als auch „House of D“ (auch 2004) waren meine persönlichen letzten Highlights mit ihm – aber das nur am Rande.
Bei „Boulevard“ kann er endlich wieder zeigen, was in ihm steckt. Die Rolle des Nolan ist eine sehr traurige Rolle. Er ist so festgefahren in seinem Leben und dabei, es einfach allen recht zu machen. Als Leo in sein Leben kommt, gerät so einiges in seinem Alltag durcheinander, worunter seine Frau Joy verständlicherweise sehr zu leiden hat, da er ihr erstmal auch ein paar Lügen auftischt und sie im Dunkeln lässt. Da er ihr aber fair gegenüber sein will, kommt die Wahrheit dann doch ans Licht.

Nun folgen einige Spoiler, aber ich denke, der Trailer hat davon schon viel gezeigt, dass man es z. T. auch schon vor Sichtung des Filmes weiß – man kann ansonsten gerne diesen Absatz überspringen.
Nolan ist schwul und das scheint auch vor Joy kein großes Geheimnis zu sein, daher die „Zweckehe“ – die zwei lieben sich, waren ggf. sogar mal ein richtiges „Paar“, was der Film offen lässt, aber sie lieben sich auf einer anderen Ebene. Freunden und Kollegen gegenüber wird das natürlich nie gesagt, um die Fassade aufrecht zu erhalten. Aber kurz nach Nolans 60. Geburtstag und dem Treffen von Leo scheint die Fassade Risse zu bekommen.
Bei Leo hat sich Nolan allerdings eine harte Nuss an Land gezogen. Leo will es auf das Geschäftliche, also nur den Sex, beschränken, während Nolan von Sex nicht viel wissen will, zumal er nach und nach auch mehr väterliche Gefühle gegenüber Leo entwickelt. Emotionen kann bzw. will Leo einfach nicht zulassen, er kann damit nicht umgehen. Lediglich in einer Szene, nachdem Leo Nolan ein Westernvideo geschenkt hat, merkt man für einen kurzen Augenblick, dass Leo doch mehr für Nolan empfindet, als er sich zugestehen will. Aber dieser eine Augenblick ist schnell vorbei und Leo richtet seine Mauer schnell wieder auf, was auch sehr deutlich zu sehen ist, als Nolan ihn mal einfach nur richtig umarmen will. Ob Nolan jemals eine Chance hätte, die Mauer richtig einzureißen bei Leo? So weit bringt uns der Film leider nicht – obwohl ich gerade das interessant gefunden hätte. Leo hat ihm einfach zu wenig gegeben, dass Nolan Grund genug hat, sich so sehr an den Jungen zu hängen – zumindest zeigt uns der Film da eben ganz klar zu wenig. Damit wirkt auf mich das Klammern von Nolan an Leo irgendwann doch ein wenig unglaubwürdig. Leo kommt mir oft zu einseitig daher, da bröckelt zu wenig auf, es gibt zu wenige Szenen mit den beiden, was ein wenig schade ist. Der Film setzt den Fokus dann doch mehr darauf, dass Nolan jetzt wohl endlich nach all den Jahrzenten ein neues Leben beginnen soll (das verrät auch der deutsche Zusatztitel „Ein neuer Weg“ schon, den man ebenfalls als Spoiler ansehen könnte) – und vielleicht auch Joy, obwohl sie gar nicht in die „Realität“, wie sie selbst im Streitgespräch mit Nolan zugibt, zurück möchte.
Mit 60 Jahren bricht es erst aus Nolan heraus – wie kommt das? Und wie kann es sein, dass ausgerechnet Leo, der doch Nolan so wenig zu geben hat, dafür sorgt, dass Nolan den Schritt in die einzig richtige Richtung für ihn wagt? Da liegt für mich der Knackpunkt. Das man irgendwann nicht mehr die Fassade aufrecht halten kann, ist vollkommen logisch, aber dazu bedarf es meiner Meinung nach einer stärkeren Persönlichkeit als Leo, die Nolan tatsächlich zu so einem Schritt bewegt.

Der eher unbekannte Film „Making Love“ aus dem Jahr 1982 hatte eine nicht unähnliche Thematik. Nur war in dem Fall dem deutlich jüngeren Ehemann noch nicht klar, dass er schwul ist, er stellte es im Laufe seiner Ehe fest – und auch er liebte seine Frau dennoch, aber der Bruch war unausweichlich. Wie „Making Love“ es allerdings mit Bravour schafft, daraus ein stimmiges Drama zu machen, ist nun mal eine Kunst für sich und schwer nachzueifern.
„Boulevard“ hinkt da ein wenig hinterher, auch wenn ich ihn als Ganzes durchaus gerne gesehen habe und mir gefällt, dass Robin Willams als auch Kathy Baker diesen kleinen Indie-Film wirklich bereichern mit ihren Darstellungen. So richtig emotional gepackt hat es mich allerdings dann nicht, da hatte ich wohl die Hoffnungen zu hoch gesetzt. So schön die Kamerabilder von Chung Hoon Chung („Oldboy“, „Stoker“) eingefangen wurden, so passend die ruhige Musik von David Wittman und Jimmy Haun auch ist, es fehlt mir hier aber einfach mehr Substanz bei der Beziehung zwischen Nolan und Leo. Da sind mir eher die Szenen zwischen Nolan und Joy oder auch die letzte Szene mit seinem Vater hängen geblieben, wo man durchaus auch mal schlucken muss.
Wie Regisseur Dito Montiel im Interview bei den Extras sagte, war der Ort Nashville passender für die Handlung – der ursprünglich gewünschte Drehort L. A. hätte wegen seiner Offenheit zur Handlung so gar nicht gepasst. In Nashville hingegen kann man sich schon eher vorstellen, dass ein armer Kerl wie Nolan tatsächlich es für heute noch unmöglich ansieht, sich zu outen. Das kommt in einer Anfangszene sehr gut zum Ausdruck, als Nolan in seiner Bank gerade wegen einer Kreditbewilligung eines schwulen Pärchens zu seinem Chef geht, um die nötige Unterschrift zu bekommen und dieser das mit „Gott wird mich dafür einen Kopf kürzer machen.“ kommentiert. Eine Schande, dass Nolan über zig Jahre so etwas über sich ergehen lassen musste. Nolan ist ein sehr vorsichtiger Mensch, lässt vieles über sich ergehen und nimmt es mit einem gequälten Lächeln hin.
Robin Williams gefällt mir hier mit seiner verletzlichen Zurückhaltung richtig gut, aber auch Kathy Baker als seine teils leidende Ehefrau trifft den Nagel schon ganz gut auf den Kopf in ihrem Spiel. Zu oberflächlich kommen mir die Freunde dafür daher, aber zumindest scheint Nolans bester Freund am Ende wirklich ein Freund zu sein.

Zur Blu-ray:

„Boulevard“ läuft knappe 89 Minuten und ist auf der Blu-ray mit der deutschen als auch englischen Tonspur versehen, zusätzlich sind deutsche Untertitel anwählbar.
Die Extras lohnen sich:
-New York Film Critics Series: Question & Answers mit Regisseur Dito Montiel, Drehbuchautor Douglas Soesbe, Kathy Bates und Roberto Aguire (engl, dt. Untertitel):
Hier erfährt man interessantes über den Film in guten 31 Minuten, u. a. wie viel autobiografisches vom Drehbuchautor Douglas Soesbe drin steckt, der sich selbst erst sehr spät geoutet hat, wie es zum Drehort Nashville kam („Steuererleichterungen“) und natürlich auch wie die Zusammenarbeit mit Robin Williams war.
-Geschnittene Szenen (8:26 min., engl. ohne Untertitel)
-Outtakes (1:23 min, engl., ohne Untertitel)
-Original US-Kinotrailer (1:36 min, engl.)
-Deutscher Kinotrailer (1:39 min, dt.)
-Filmvorschauen zu „Romeos“ (1:29 min, dt.), „Cut Snake (1:52, engl., dt. Untertitel) und „Xenia“ (1:45 min, dt.)
-Weblink zu Pro-Fun Media

Ein wenig Trivia:

Falls sich einige fragen, warum der Film „Boulevard“ heißt: der Film sollte ursprünglich (da war noch von Drehort L. A. die Rede) „Santa Monica Boulevard“ heißen, da trifft man nämlich auf die dortigen Prostituierten und Stricherjungen. Roberto Aguire hat sich zur Vorbereitung auf seine Rolle tatsächlich mit einigen der dortigen „Dienstleister“ unterhalten. Ein Straßenschild, wo „George L. Boulevard“ zu lesen ist, sieht man ganz kurz im Film (bei 11:11 min.), nachdem Robin Williams das erste Mal an den Prostituierten und Stricherjungen vorbeigefahren ist.
Was ebenfalls im Interview auf der Blu-ray zu hören ist, ist der unglaubliche Zufall, dass sie als Drehort ein Haus eines Paares auserwählt hatten, was sich später ebenfalls als eine solche „Zweckehe“ entpuppte. Irre (traurig)!

Fazit: „Boulevard“ ist ein interessanter kleiner Film zu einem immer noch wichtigen Thema. Tragisch mitanzusehen, dass man Jahrzehnte mehr oder weniger gezwungen ist, so eine Hetero-Fassade aufrecht zu erhalten. Nur hätte man es kraftvoller, vielleicht auch ein Stück mutiger inszenieren können, in dem man Leo mehr in den Vordergrund rückt und der Beziehung zwischen Nolan und Leo mehr Zeit/Dialoge eingeräumt hätte. So bleibt es für mich am Ende unglaubwürdig, dass ausgerechnet er dafür sorgt, dass Nolan aus seinem Schneckenhaus raus kommt. Ich hatte die Erwartungen an die Geschichte zu hoch geschraubt und auf einen emotional packenderen Film gehofft. Wegen Robin Williams und Kathy Baker aber klar sehenswert.


Jimmy Hollywood
Jimmy Hollywood
DVD ~ Joe Pesci
Wird angeboten von High Voltage Multimedia
Preis: EUR 34,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Heruntergekommene "Traumfabrik" - Barry Levinsons realistischer Blick auf Hollywood mit launiger Quasselstrippe Joe Pesci, 15. Februar 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Jimmy Hollywood (DVD)
Jimmy Alto (Joe Pesci) ist ein bislang erfolgloser Schauspieler, der in Hollywood lebt und seine Hoffnung noch nicht aufgegeben hat. Gerade erst hat er das letzte Geld seiner Freundin Lorraine (Victoria Abril) für ein eigenes Werbeplakat ausgegeben, dass vor den Toren von Bel Air auf einer Bank einer Bushaltestelle zu sehen ist. Er denkt, dass nun doch wirklich das Telefon Sturm klingeln müsste nach ihm. Leider ist dem nicht so. Er vertreibt sich seine Zeit mit William (Christian Slater), der ein Gedächtnis-Problem hat und sich daher sehr oft wiederholt. Als bei Jimmys Auto eines Tages die Autoscheibe eingeschlagen und das Autoradio geklaut wird, kommt Jimmy auf eine Idee: er setzt sich mit William auf die Lauer nach dem Dieb und erwischt ihn tatsächlich. William und er fesseln den Kleinganoven und setzen ihn gefesselt mit einer kleinen Botschaft vor den Türen der Polizei ab. Jimmy denkt, die Polizei müsste doch eigentlich dankbar sein, aber die Polizei fahndet nun nach ihnen. Da kommt Jimmy auf die Idee ein Video zu drehen, wo er sich als „Jericho“ und damit als Anführer der „SOS“ (damit hatten sie den ursprünglichen Botschaftszettel anonym unterschrieben) – „Save our streets“, ausgibt. Jimmy ist im Video natürlich nur als Schatten zu sehen und gelangt schnell in alle Münder. Die Bürger von Hollywood sind begeistert – er meint, damit die Rolle seines Lebens zu spielen, Lorraine sieht das aber ganz anders…

Wenn einer Ahnung von der Traumfabrik hat, dann ist es Regisseur und Drehbuchautor Barry Levinson. Er zeigt uns das absolut ungeschönte und realistische Hollywood, zwar mit den bekannten Sternchen (die Jimmy am Anfang des Filmes so schön aufzählen kann), aber komplett ohne Glanz und Glamour, was man uns immer weißmachen will. Hollywood ist nämlich jenseits der Oscar-Verleihung alles andere als magisch. Am Walk of Fame tummeln sich neben den Touris auch viele sehr komische Gestalten, denen man nicht unbedingt zu nahe kommen will – von den Obdachlosen mal ganz abgesehen. Während Jimmy und William am Anfang des Filmes den Walk of Fame entlanglaufen, kommt das eigentlich abgewrackte Hollywood schon sehr gut zur Geltung. Jimmy erwähnt auch relativ häufig, dass es das alte Hollywood nicht mehr gäbe und damit hat er recht. Vorbei die Zeiten von Stars wie Joan Crawford, Edward G. Robinson & Co. – Jimmy meint in seinen zweifelnden Momenten, im alten Hollywood hätte er wesentlich bessere Chancen gehabt, es als Schauspieler zu etwas zu bringen. Es ist eine härtere Zeit angebrochen.
Damit haben wir auch schon den großen Pluspunkt an „Jimmy Hollywood“: Realismus. Das Jimmy zusammen mit William in einer Art Bürgerwehr hofft, damit als Schauspieler tatsächlich seinen Durchbruch zu schaffen, ist eigentlich aus der Verzweiflung entstanden. Jimmy redet sich vieles schön, wird aber vermutlich tief in seinem Inneren wissen, dass der Zug für ihn abgefahren ist. Er ist eine von vielen traurigen Figuren rund um und in Hollywood, der durch die „SOS“ sich selbst um seine kleine Existenz bringen kann. Auch wenn wir Jimmy einmal auf „seiner“ Werbebank sitzen sehen, die längst mit Graffiti versaut wurde, wirkt das schon etwas trostlos.
Barry Levinson hält Hollywood hier den Spiegel vor die Nase – sowas konnte er schon immer gut: bei „Wag the dog“ (1997) hatte er es auf Politik und Medien abgesehen, bei dem oft unterbewerteten „Toys“ (1992) nimmt er sich das Militär zur Brust und wer könnte den ebenfalls kritischen „Good Morning, Vietnam“ (1987) vergessen.

Bei Joe Pesci muss man sich erstmal an die blonde Mähne gewöhnen. Ist er doch sonst dunkelhaarig oft in Gangster- und/oder Mafia-Filmchen („Good Fellas“, „Casino“) zugange, kann sich mit dem Image aber auch mal gut selbst aufs Korn nehmen wie in der „Lethal Weapon“-Reihe in der Rolle des nervig-lustigen Leo Getz oder im kleinen, aber feinen „Kopflos – 8 Köpfe im Koffer“. Die ewige Laberbacke ist er aber auch in „Jimmy Hollywood“, das ist irgendwie doch typisch Joe Pesci, er weiß ja nicht mal den Nachnamen seines Kumpels William, so sehr quatscht er ihn zu. Wenn William doch mal zu Wort kommt, sagt er wegen seines Gedächtnisproblems häufig das gleiche, wie z. B. das er „Vom Winde verweht“ sehr mag oder er erwähnt oft „Die Mumie“ (1932), die ihm als Kind wohl eine ziemliche Angst eingejagt haben muss. Wer genau aufpasst, merkt aber auch, dass Jimmy eigentlich gerne mehr über seinen Freund wissen würde – anstatt aber da mal hartnäckig weiter zu fragen, schweift er wieder ab – zu sich selbst. Jimmy liebt zwar seine Freundin Lorraine, aber auch sie kommt gegen seinen Dickschädel nicht an, als er es mit „SOS“ zu weit treibt. Jimmy ist ein eher unruhiger Geist, der sich um andere Menschen letzten Endes recht wenig schert. Ständig geht es um seine (nicht vorhandene) Karriere. Das Lorraine da irgendwann mal ein wenig durchgreift, kann man gut nachvollziehen.

Warum nur 3 Sterne? Nun, der Film tritt ein wenig auf der Stelle. Man hat ziemlich schnell gecheckt, dass Jimmy einer von vielen armen Teufeln ist, der versucht, irgendwie in Hollywood Fuß zu fassen. Mal ganz abgesehen davon, dass die Rolle des William alleine wegen seinem Gedächtnisproblem zu kurz kommt (wo wohnt er eigentlich, wer kümmert sich sonst um ihn? Er wirkt nicht wie jemand, der alleine leben kann), ist es mir etwas zu wenig an Geschichte. Man versucht zwar mit den „SOS“-Aktivitäten noch ein wenig mehr Dramatik reinzubringen, aber so ganz gelingt es nicht. So realistisch Barry Levinson Hollywood auch schildert, so ganz realistisch scheint mir das (Über-)Leben von Jimmy nicht zu sein. Er hat keinen Job, Lorraine arbeitet als Friseuse – wie können die Zwei überhaupt die Miete tragen, geschweige denn sich überhaupt ein Auto leisten?
Zumindest kommt das Ende mit einer gelungenen Wendung mit fettem Augenzwinkern, dem Gastauftritt von Barry Levinson und einem anderen sehr bekannten Gesicht selbst eigentlich ziemlich gut weg. Ein paar mehr Höhepunkte im Laufe des Filmes wären allerdings schön gewesen. Irgendwie plätschert der Film gerade im Mittelteil bis zum Ende doch mehr oder weniger vor sich hin. Ich habe nichts gegen dialoglastige Filme (und „Jimmy Hollywood gehört ganz klar in diese Ecke), aber wenn man an einem Punkt kommt, wo zu viel wiederholt wird (z. B. die Swimming-Pool-Szene mit „Ist das mein Telefon?“ wird überstrapaziert) und zu wenig neues herum kommt, geht mir ein wenig die Geduld verloren – so ergeht es mir zumindest bei „Jimmy Hollywood“, auch wenn ich ihn als Ganzes durchaus mag.

Ein klein wenig Trivia:

„Jimmy Hollywood“ erhielt seinerzeit durchwachsene Kritiken und war ein Flop im Kino – in England erschien der Film direkt nur auf Video.
Der Schauspieler Ralph Tapakin ist als Fan von Jimmy im Krankenhaus zu sehen – er tauchte von „American Diner“ (1982) bis hin zu „Liberty Heights“ (1999) in allen Barry Levinson Filmen auf.

Zur DVDs:

Leider kommt die DVD völlig ohne Extras aus.
Verfügbare Sprachen: Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch
Untertitel: Deutsch, Englisch und diverse andere Sprachen (u. a. Englisch für Hörgeschädigte)

Fazit: „Jimmy Hollywood“ ist meiner Meinung nach schon ein bemerkenswertes kleines Filmchen, wenn man sich für ein realistisches Bild von Hollywood interessiert. Joe Pesci labert sich als möchte-gern-Schauspieler durch den Film, was hier und da etwas anstrengend sein kann, da es zu viele Wiederholungen gibt. Der Film tritt damit zu oft auf der Stelle und eine Kürzung der Filmlänge wäre bei stolzen 112 Minuten Länge sicher möglich gewesen. Christian Slaters Rolle an seiner Seite kommt dafür leider um einiges zu kurz und wirft Fragen auf, die nie beantwortet werden. Einen Blick wert ist der Streifen für Barry Levinson Fans auf jeden Fall.


Born Yesterday [UK Import]
Born Yesterday [UK Import]
DVD ~ Judy Holliday
Wird angeboten von de_findprice
Preis: EUR 2,64

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Deutscher Ton auf dem UK-Import! Amüsanter Spaß mit einem herrlich übellaunigem Broderick Crawford (leichte Spoiler), 5. Februar 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Born Yesterday [UK Import] (DVD)
Der schwerreiche Harry Brock (Broderick Crawford) quartiert sich in einem Hotelflügel in Washington ein, um ein paar nicht ganz so saubere Geschäfte abzuwickeln. Mit dabei hat er seine Freundin Emma (Judy Holliday) und seinen Anwalt Jim (Howard St. John). Da Emma nicht gerade die hellste Leuchte, aber immer hübsch anzusehen und stille Teilhaberin seiner Geschäfte ist, beschließt er, den jungen Paul (William Holden) als eine Art Lehrer für Emma zu engagieren, damit sie ihn nicht mehr so blamiert vor wichtigen Geschäftspartnern. Paul erweist sich als sehr geduldig und entflammt in Emma einen enormen Wissensdurst. Sie entwickelt sich schnell und bald wird sich zeigen, ob Harry sich damit wirklich einen Gefallen getan hat...

Regisseur George Cukor war 1950 kein Unbekannter, hatte er doch schon für Klassiker wie "Vom Winde verweht", "Der Zauberer von Oz" Co-Regie (allerdings "uncredited") übernommen und mit u. a. "Die Schwester der Braut" oder "Die Nacht vor der Hochzeit" auch sein Talent für romantische Komödien bewiesen.
Bei "Born Yesterday" bzw. "Die ist nicht von gestern" hat er eine recht simple Geschichte zwar nicht neu erfunden, sie aber ganz amüsant inszeniert. Judy Holliday ist mit Ihrer Stimme schon von vorne rein ein Hingucker - bzw. Hinhörer, wenn man das so nennen will. Man merkt vom ersten Moment an, dass sie das typische dumme Blondchen darstellen soll und das macht sie wirklich ordentlich (dafür gab's auch 1951 den Oscar!). Was mich weniger überzeugt ist die Wandlung - sicher ist sie gegen Ende noch immer keine Intelligenzbestie, aber sie scheint viel zu schnell Zusammenhänge erkennen zu können und sie dann auch entsprechend anzuwenden. Hat mich persönlich nicht so ganz überzeugt, aber da es eine Komödie ist und man hier nun mal damit rechnen muss, keine Dokumentation vorgesetzt zu bekommen, kann man natürlich auch darüber hinwegsehen.
Die romantische Seite kommt hier auch arg zu schnell und damit etwas unglaubwürdig zustande. Viel zu fix kommt es zum ersten Kuss zwischen Holden und ihr, da gefällt mir ein langsamerer Aufbau wie z. B. beim späteren "My fair Lady" (ebenfalls übrigens von Cukor) besser. Es wird somit nicht ersichtlich, warum Holden sich überhaupt zu ihr hingezogen fühlt. Wenn der Kuss später gekommen wäre, hätte es mehr Sinn gemacht, aber so richtige Funken zwischen Holden und Holliday habe ich da auch nicht wahrgenommen.
Am besten gefällt mir hier aber sowieso Broderick Crawford. Dieser ständig wütende Kerl, der aber zwischendurch doch zugibt, verrückt nach seiner Freundin zu sein und nicht schlafen kann, wenn sie nicht da ist haut einen mit seiner Taktlosigkeit, seiner Hektik und irgendwo auch seiner Hilflosigkeit schlicht um. Er bringt mich tatsächlich mehr zum Lachen als Judy Holliday es hier vermag (das kommt auch gut beim Kartenspiel der Beiden zur Geltung) - aber das ist natürlich wie immer Geschmackssache.

Zur DVD:

Zuerst mal das Wichtigste: der UK-Import hier kommt tatsächlich (auch wenn amazon uns das hier verschweigt bzw. nur Englisch angibt) mit Deutscher Sprache (Italienisch, Französisch und Spanisch sind auch als Sprache dabei) und diversen (auch deutschen) Untertiteln daher!
Wem also die deutsche DVD als zu teuer erscheint, kann hier beherzt zugreifen, da die DVD auch den Regionalcode 2 hat und auf unseren DVD- bzw. Blu-ray Playern läuft.
Empfehlen würde ich tatsächlich eher den englischen Ton, da Judy Hollidays Stimme im Original ein Knaller ist, man kann dann ja auch deutsche oder englische Untertitel hinzuschalten z. B..
Als Extra sind leider nur der Kinotrailer und ein paar Vintage-Plakate zu bestaunen. Das ist schwach.

Fazit: Broderick Crawford als ständig übelgelaunter Freund von dem vermeintlich blonden Dummchen Judy Holliday gefällt mir hier am besten, mir fehlt aber der Funke zwischen Holden und Holliday. Ein netter Spaß für zwischendurch.


The Defenders - Die komplette Serie [5 DVDs]
The Defenders - Die komplette Serie [5 DVDs]
DVD ~ James Belushi
Preis: EUR 20,92

0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Belushi und O'Connell als lustig aufgelegtes Anwaltsteam in Las Vegas, 19. Januar 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Morelli (James Belushi) hat mit seinem Partner Kaczmarek (Jerry O’Connell) eine recht erfolgreiche Anwaltskanzlei mitten in Las Vegas. Während Morelli nicht mit der Trennung von seiner Frau klar kommt, ist Kaczmarek meist als Frauenaufreißer in seinem Cabrio unterwegs.
Lisa Tyler (Jurnee Smollett-Bell) hat gerade frisch als junge Anwältin in der Kanzlei angefangen und muss sich erst mal mit dem flapsigen Umgangston zwischen Morelli, Kaczmarek und der quirligen Sekretärin Zoey (Tanya Fischer) anfreunden. Die ehemalige Tänzerin hat sich den Anwaltsjob hart erarbeitet und mit Vorurteilen gegenüber ihrer Vergangenheit ein wenig zu kämpfen. Das Privatleben der Anwälte kommt zu kurz, da sie sich sehr verbissen hinter ihre Fälle klemmen und dafür jede Menge Zeit drauf geht – kein Wunder, da es öfter auch mal um Mordfälle geht…

„The Defenders“ von 2010 ist eine recht unterhaltsame Anwaltsserie die man ein wenig im Comedy-Bereich zuordnen kann dank der Flachserei durch die Hauptdarsteller James (Jim) Belushi und Jerry O’Connell – wobei ich finde, dass Jerry O’Connell hierbei zu gekünzelt rüber kommt, für mich passten die beiden nicht so 100%ig zusammen, aber das ist wohl Ansichtssache – wenn man den Special Features glauben darf, hatten die beiden ordentlich Spaß beim Dreh.
Spaßig ist es ja auch, wenn Morelli z. B. abnehmen will und dann im Laufe des Tages immer aggressiver wird wegen dem Entzug der üblichen Leckereien.
Wer auf der Suche nach realistischen und eher ernsteren Anwaltsserien ist, der wird sich vermutlich mit dieser Serie nicht sonderlich anfreunden können. Auch wenn der ein oder andere Fall durchaus ernst angelegt ist, aber dadurch, dass im Grunde alle Fälle durch teils recht unrealistische Wendungen positiv für die Kanzlei ausgehen, sehe ich sie halt eher als leichte Unterhaltung für zwischendurch, zumal es selten Ansätze von tiefgehender Handlung gibt.

„The Defenders“ hat es lediglich zu einer Staffel mit 18 Folgen gebracht, wovon nicht alle Folgen gleich unterhaltsam sind meiner Meinung nach. Gerade in den ersten 2-3 Folgen war ich unsicher, ob ich die Serie weiter verfolgen soll, aber irgendwie blieb ich doch am Ball. Vermutlich, weil mich die (leider sehr wenigen) privaten Elemente von Morellis Leben gereizt haben. Die Sympathien hat Belushi mit der Rolle durchaus auf seiner Seite. Aber dennoch hätte ich hier gerne mehr gesehen – das gilt allerdings auch für die anderen Darsteller. Von Kaczmarek bekommt man nur anfangs mit, dass er ein Frauenaufreißer ist, später spielt sein Privatleben keine Rolle mehr. Die Sekretärin Zoey wird darauf beschränkt, nur im Büro ein paar Späße zu machen, hier fehlt auch mehr Hintergrund. Nichts desto trotz bringen einen Kleinigkeiten zum Schmunzeln, wenn z. B. Morelli den doch sehr mädchenhaften Kulli von Zoey mit der rosa Feder in der Hand hält. Auch ihr System mit den Post-it-Zetteln ist eine ganz niedliche Idee. Bei der insgesamt eher ernsteren Rolle von Lisa gibt es gegen Ende der Staffel ein paar Einblicke, was mir nicht reicht. Auch hätte man beim Schlagabtausch mit den Staatsanwälten durchaus mehr Witz reinbringen können (ich denke da gerne an Szenen von „Die Nacht hat viele Augen“ mit Richard Dreyfuss und Emilio Estevez z. B.– wie witzig war hier der Kleinkrieg zwischen den Jungs und den anderen Polizisten?! Diese Art von Humor hätte auch gut zu „The Defenders“ in dem Zusammenhang gepasst)
Da die Charaktere also nicht ganz ausgefeilt entwickelt wurden, bleibt es insgesamt eher oberflächlich, was bei mir zumindest für leichte Enttäuschung gesorgt hat – für zwischendurch ist die Serie ganz nett, man kann aber gut nachvollziehen, warum es nicht zu mehr Staffeln gekommen ist. Die Serie hätte sicher mit etwas mehr Mühe Potential gehabt, es zu mehr Staffeln zu bringen. Es wirkt einfach so, als wollte man alles schnell abgedreht haben, anstatt vielleicht mal hier und da etwas mehr in das Drehbuch bzw. speziell die Charakterentwicklung reinzustecken.

Ganz spaßig: in einer Doppelfolge (14+15) taucht Dan Aykroyd als nerviger Richter auf – natürlich nicht so irre wie bei „Valkenvania““ ;-)
Einen Gastauftritt gibt es in Folge 13 von Dean Norris (bekannt als „Hank“ von Breaking Bad), der ein wenig neugierig macht auf die dunkle Vergangenheit von Morelli.
Einen weiteren Gastauftritt durch James Brolin als Kaczmareks Vater gibt es in der 11. Folge.
In vier Folgen taucht Jim Belushis Sohn Robert Belushi (hier als „Rob Belushi“) auf als einer der Staatsanwälte, auf die Morelli und Kaczmarek grundsätzlich nicht gut zu sprechen sind.
Frank Sinatra Jr. ist in 3 Folgen zu sehen und darf in seinen Gastauftritten auch mal ein Liedchen (an-)schmettern.

Kleine Info am Rande:
„The Defenders“ ist trotz gleichnamigem Titel und der Anwälte kein Remake der Serie von 1961-1965 (bei uns unter „Preston & Preston“ bekannt).

Zur DVD-Box:

Eine Folge dauert im Schnitt ca. 40 Minuten. Die DVD-Box mit allen 18 Folgen besteht aus 5 Discs, wobei auf der 5. Disc die letzten 2 Folgen als auch die Special Features zu finden sind.
Zu den Special Features (alle auf Engl. + div. Untertitel) gehören:
„Die Eröffnungsrede“ (ca. 24 min):
Niels Mueller (Co-Creator/Executive Producer) erzählt über die Entstehung der Serie. Nicht uninteressant ist dabei, dass sie durch eine Dokumentation über 2 Anwälte in Las Vegas (Michael Cristalli und Marc Suggese) auf die Idee gekommen sind, die Serie zu entwickeln. Außerdem werden hier noch viele Ausschnitte von „The Defenders“ und kurze Interviews der Darsteller gezeigt, wo auch nochmal auf die Gastauftritte von James Brolin und Dan Aykroyd eingegangen wird.
„Set-Tour mit den Darstellern“ (ca. 5 min):
Belushi und O’Connell zeigen den Gerichtssaal der CBD Radford Studios, das Gefängnis, Richterzimmer und Büroräume der Kanzlei.
„Gag Reel“ (ca. 5 min)
„Casting The Defenders“ (ca. 5 min)
“Network On-air Promos” (ca. 2 min)

Fazit: “The Defenders” ist leichte und auch mal amüsante (Anwalts-)Kost für zwischendurch mitten im etwas abgedrehtem Las Vegas-Ambiente. Belushi hat sichtlich Spaß an seine Rolle, für O’Connell kann ich mich weniger erwärmen, da wäre mir ein anderer Partner lieber gewesen. Für Belushi-Fans daher schon einen Blick wert. Aus meiner Sicht aber eher ein Leih- als Kauftipp, da mir die Charaktere etwas zu oberflächlich dargestellt werden. Hier wäre sicher mehr drin gewesen.


Es geschah in einer Nacht  (Mastered in 4K) [Blu-ray]
Es geschah in einer Nacht (Mastered in 4K) [Blu-ray]
DVD ~ Clark Gable
Preis: EUR 8,99

9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Mauern von Jericho, Möhren und eine freche Anhalter-Taktik - Gable und Colbert im zeitlosen Klassiker, 7. Januar 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ellie (Claudette Colbert) hat sich gerade mit Westley (Jameson Thomas) verlobt und wird daraufhin prompt von ihrem schwerreichen Vater (Walter Conolly) auf seinem Boot mehr oder weniger gefangen gehalten. Er will ihr nochmal gut zureden, diesen „Windhund“ nicht zu heiraten, Westley passt ihm so gar nicht in den Kram für seine wohlbehütete Tochter. Ellie hat es satt und springt kurzerhand vom Boot, um die Flucht vor ihrem Vater zu ergreifen und sich auf nach New York zu machen, wo sie Westley heiraten möchte. Der Vater setzt natürlich alles dran, seine Tochter wieder aufzuspüren.
Ellie gelingt es, in einen Bus zu steigen, der sie mit mehreren Zwischenstopps letzten Endes nach New York bringen soll. Allerdings hat sie den gerade arbeitslos gewordenen Reporter Peter (Clark Gable) von nun an als (un)freiwilligen Begleiter auf der langen Fahrt an ihrer Seite, der schnell raus hat, wer da neben ihm im Bus sitzt und eine große Story wittert, um wieder gute Karten bei seinem Ex-Boss zu haben. Als sie wegen einer Buspanne und mangels genügend Geld gezwungen sind, sich bis New York zusammen durchzuschlagen, ist das der Beginn von vergnüglichen Eskapaden…

Die Screwball-Komödie „Es geschah in einer Nacht“ (Originaltitel „It happened one night“) von 1934 basiert auf der Kurzgeschichte „Bus Stop“ von Samuel Hopkins Adams und gewann 1935 erstmals die „Big Five“ bei der Oscarnacht: Bester Film, Beste Regie, Bestes Drehbuch, Bester Hauptdarsteller und Beste Hauptdarstellerin – bei dem Film waren sich wohl auch die meisten Kritiker einig im positiven Sinne und meiner bescheidenen Meinung nach ganz mit Recht!
Es ist ein Riesenspaß, Gable und Colbert zuzusehen, wie sie aneinander geraten, er die „Mauern von Jericho“ im Motelzimmer aufrichtet und sie auf freche Weise es schafft, dass sie per Anhalter mitgenommen werden. Selbst 82 (!) Jahre später ist es immer noch ein überraschend moderner Film, bei dem auch jüngere Gemüter sicher ihren Spaß dran haben können. Einfach ein zeitloser charmanter Klassiker für alle Generationen.

Ein wenig Trivia:
Wegen dem engen Zeitplan von Claudette Colbert musste Frank Capra seinen Film innerhalb von lediglich 4 Wochen abdrehen. Colbert hat trotz doppelter Gage am Set wohl ständig was zu meckern gehabt (wie gut, dass man das beim Film kein Stück merkt!).
Der Film kam im Oktober 1935 zunächst im Originalton mit deutschen Untertiteln in Deutschland ins Kino, wurde dann aber so erfolgreich, dass er noch im Dezember synchronisiert wurde: Siegfried Schürenberg sprach Clark Gable und Til Klokow synchronisierte Claudette Colbert. 1979 entstand allerdings eine neue Synchronfassung, die auch auf der vorliegenden Blu-ray zu hören ist:
Norbert Langer, bekannt als Synchronsprecher für Tom Selleck, spricht Clark Gable und Renate Küster, u. a. Synchronsprecherin für Jane Fonda, spricht Claudette Colbert. Da ich die alte Synchronisation leider nicht kenne, kann ich nicht urteilen, welche Fassung nun die bessere ist, mir gefällt allerdings grundsätzlich Norbert Langer als Synchronsprecher sehr und zu Clark Gable passt es gut und wirkt eben dadurch auch recht modern.
Ganz lustig: Fritz Freleng, Erschaffer der Figur Bugs Bunny, hat seine Figur z. T. auf das Wesen des Oscar Shapeley (Roscoe Karns als nerviger Mitfahrer im Bus) entwickelt und die Art und Weise, wie Bugs Bunny seine Möhre futtert, basiert auf Clark Gables Möhrenkauen im Film.

Zur Blu-ray:

Es sollte trotz buntem Cover bekannt sein, dass der Film in schwarz/weiß ist.
Lauflänge: ca. 105 min.
Die restaurierte Fassung macht sich auf der Scheibe ganz gut, ein paar wenige unscharfe kurze Szenen sind allerdings geblieben (siehe beigefügte Produktbilder) – kann man glaube ich bei dem Alter des Films sehr gut mit leben.
Verfügbare Sprachen sind Englisch, Deutsch, Italienisch, Spanisch, Portugiesisch und Französisch.
Untertitel gibt es massig von Englisch und Deutsch bis hin zu Isländisch und Ungarisch (22 insgesamt!) – erwähnenswert ist dabei noch, dass es auch Untertitel auf Englisch für Hörgeschädigte gibt (alle Untertitel sind den Produktbildern zu entnehmen).
Als zusätzliche Extras sind dabei:
„Frank Capra Jr. remembers…“It happened one night“ – ein Interview mit Frank Capras Sohn, wo er u. a. auch davon erzählt, wie es zum Film kam und insbesondere auch zu den kurzen 4 Wochen Drehzeit (ca. 11 min., engl. + div. Untertitel verfügbar).
Audiokommentar von Frank Capra Jr. (engl.) – leider wird dieser nicht untertitelt, Untertitel sind nur für den Film selbst verfügbar.
Original Kinotrailer (engl., 1 min 24 sec + div. Untertitel)
Original Live-Radiosendung (engl., 54 min 37 sec + div. Untertitel) – Herrliche Werbung: „Präsentiert von Lux Seifenflocken“, gefolgt von ein paar Infos zu Clark Gable und Claudette Colbert mit anschließendem Live-Hörspiel zum Film (ab 3:56 min, Ende bei 53:27 min, danach wieder etwas Werbung und ein kurzes Interview mit Gable und Colbert).
„Vintage Advertising“ – Galerie mit Werbeplakaten und Fotos (16 Stück, 3 davon in Farbe).

Fazit: Ein zeitloser Klassiker auf ordentlicher Blu-ray. Für Filmliebhaber, die ihn noch nicht kennen: unbedingt nachholen! Clark Gable als gerissenes, aber charmantes Schlitzohr und die pfiffige Claudette Colbert sorgen dafür, dass die Laufzeit im Nu vergeht. Herrlich komische Unterhaltung!
Kommentar Kommentar | Kommentar als Link


Alles steht Kopf
Alles steht Kopf
DVD ~ Amy Poehler
Preis: EUR 7,99

9 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein Film mit starkem Nachwirkungseffekt - leichte Spoiler, 20. Oktober 2015
Rezension bezieht sich auf: Alles steht Kopf (DVD)
„Alles steht Kopf“ ist ein Film, der mich nachträglich ganz schön beschäftigt. Was hat der Film für eine Nachwirkungs-Wucht und das, wo er in der Tat nicht perfekt ist, denn man hätte durchaus mehr beleuchten, mehr Gefühle reinbringen können, mehr „Inseln“ und wie ein Vorrezensent bereits erwähnte hätte man eben auch in der Außenwelt einiges mehr machen können – wie sieht es im Inneren der anderen Menschen aus? Die kurzen Szenen von Innenleben von Mama und Papa waren mir da auch zu wenig. Und trotzdem hat der Film mich letzten Endes doch „gekriegt“.

Riley ist ein 11jähriges Mädchen, was absolut in einer heilen Welt lebt mit liebenden Eltern – das ändert sich im Grunde auch während und gegen Ende des Filmes nicht. Die „Außen“-Geschichte könnte man also durchaus als oberflächlichen Kram abhaken. Einzig der Umzug ins weit entfernte San Francisco ohne beste Freundin und ihr geliebtes Eishockeyteam lässt Rileys Gefühlsfehlt so richtig durcheinander geraten, und hier kommen wir zur fast meisterhaft inszenierten „Innen“-Geschichte:
In Rileys Kopf spielt sich so allerhand ab in der „Kommandozentrale“: da sind Freude, Kummer, Angst, Wut und Ekel mit am Steuer, die Rileys Gefühlsfehlt meistens recht gut im Griff haben. Durch einen Unfall aber landen Freude und Kummer weit weg von der Kommandozentrale im Langzeitgedächtnis und müssen sich ihren Weg zurück erarbeiten zur Kommandozentrale. Dabei begegnen Sie Rileys vergessenem unsichtbaren Freund aus Zuckerwatte Bing Bong. Bing Bong freut sich, dass er Freude und Kummer helfen kann und kennt sogar Abkürzungen, wie sie es schneller über einen Gedankenzug zur Kommandozentrale schaffen, aber der Weg ist auch voller Gefahren, denn in der Zwischenzeit müssen sich Wut, Angst und Ekel in der Kommandozentrale um Rileys Gefühle kümmern und können natürlich nicht für den nötigen Ausgleich durch Freude und Kummer sorgen. Dadurch wird Riley nach außen hin natürlich giftig ihren Eltern gegenüber und heckt einen Plan aus, der unter keinem guten Stern steht…

Ich muss zugeben, die ersten Eindrücke bei „Alles steht Kopf“ äußerten sich bei mir erst mal so: kann ich „Freude“ vielleicht erschießen?! Mit ihrer permanent extrem guten Laune und ihrem bestimmenden Wesen gegenüber den anderen Gefühlen ging sie mir ganz schön auf die Nerven. Freude ist sicher ein tolles Gefühl und jedem sei sie gegönnt, keine Frage. Aber so extrem, wie sie hier ganz besonders zu Beginn dargestellt wird, ist es mir etwas zu viel des Guten. Zumal sie auch ein hinterhältiges Stück ist, wie sie versucht, Kummer immer wieder von Riley fernzuhalten – was natürlich in einzelnen Szenen auch ulkig sein kann. Da kommen bei mir gemischte Gefühle aus Mitleid für Kummer aber durchaus auch Anerkennung für die jeweils witzige Idee hoch. Richtig interessant wird der Film wirklich, wenn Freude und Kummer aus der Kommandozentrale geschleudert werden und dann doch zwangsweise sich zusammenraufen müssen, da Kummer das Handbuch gelesen hat und sich so im Langzeitgedächtnis und seinen Irrgängen zumindest theoretisch auskennt. Als der rosa elefantenähnliche Bing Bong auftaucht, der zu frühen Kindheitstagen von Riley eine ganz besondere Bedeutung hatte, gewinnt der Film richtig an Seele, zudem macht Freude schon eine Wandlung durch – und hier merkt man sehr deutlich, welches erfahrene Team hier mal wieder zugeschlagen hat:

Ich kann dem Schöpfer von „Toy Story“ (wer sich erinnert: der erste Lang-Animationsfilm von Disney! Der Kurzfilm „Tin Toy“ aus dem Jahr 1988 von ihm ließ aber schon erahnen, was für ein Genie er ist!) und Urgestein in der Animationsbranche John Lasseter (hier „nur“ ausführender Produzent) gar nicht genug dafür danken, dass er mit den bislang 3 Geschichten rund um „Toy Story“ (ein 4. Teil folgt 2018!) schon einen Weg geebnet hat, wo Gefühle, Herz und Seele immer mit im Boot sind. Pete Docter war schon bei den Drehbüchern von „Toy Story“ beteiligt und hat sich mit der „Monster AG“, „Wall-E“ und „Oben“ mit all seinen liebevollen Ideen und Details für immer einen Platz in meinem Herzen geschaffen, zumal das eben Filme sind, die nicht auf Kleinkindniveau zurechtgestutzt wurden, sondern auch die Erwachsenen ansprechen können und sollen und wenn es nur mit kleinen Nebenszenen ist, was an den Kids vorbei geht. Pete Docter hat sich für „Alles steht Kopf“ mit Ronnie del Carmen einen alten Bekannten (Storyboard Artist bei „Oben“ und „Ratatouille“ ) als Co-Regisseur dazu geholt und auch wieder eine Geschichte geschaffen, die Tiefgang hat und damit für den Nachwirkungseffekt sorgt.

Die Ideen bei „Alles steht Kopf“ sind mal wieder große Klasse. Die Gedanken in Form von bunten Kugeln (passend zur Farbe des jeweiligen Gefühls, gelb für Freude, rot für Wut etc.) zu visualisieren alleine ist schon ein toller Kniff. Und dann diese wunderschön gestalteten Inseln: Die „Quatsch-Mach-Insel“, die „Eishockey-Insel“, die „Ehrlichkeits-Insel“, die „Freundschafts-Insel“ und die „Familien-Insel“ sind die wichtigsten Bestandteile in Rileys Gefühlswelt und es ist wirklich schade, dass hier nicht noch mehr Inseln mit dabei sind. Das gleiche gilt auch bei den gerade mal 5 Gefühlen, hier waren ursprünglich sogar 27 (!!) geplant, die Macher wollten es aber nicht so kompliziert gestalten.
Dennoch werden die Kinder auch mit etwas Düsterem konfrontiert: Der Abladeplatz der verlorenen Gedanken ist düster und fast ausweglos gestaltet. Eine gute Abwechslung zum ansonsten doch recht knallbunten Filmchen. Auch wenn in der Innenwelt da so viel zusammenbricht – das ist ganz schön bedrohlich inszeniert, aber genau das gefällt mir! Wir sollen als Zuschauer ja auch mal richtig mitzittern und fühlen und vielleicht auch mal ein Tränchen vergießen ohne das man zu arg in den Kitsch-Bereich gerät. Albernheiten hat der Film auch genügend zu bieten, da kommen die Kids dann auf Ihre Kosten. Hierbei ist auch der Abspann ganz besonders wichtig, schade, dass diese hektisch eingestreuten Szenen als Gags viel zu schnell vorbei sind und man so schnell gar nicht alles mitbekommen kann. Lustig ist auch, wenn man Wut mal beobachtet. Er liest oft Zeitung und die Schlagzeile repräsentiert immer das, was Riley gerade wiederfährt, z. B. „Kein Dessert“.
Eine ganz besondere – und sicher auch umstrittene – Figur ist Rileys imaginärer Freund aus früherer Zeit: Bing Bong ist vielleicht ein wenig albern hier und da, man sieht ihn aber auch in rückblickenden Erinnerungen zusammen mit Riley eine Menge Blödel-Spaß machen, was ja zur Kindheit unbedingt dazu gehört. Bing Bong ist traurig darüber, dass er bei Riley, die ja mittlerweile 11 Jahre alt ist, in Vergessenheit geraten ist (der Grundgedanke kommt einem aus „Toy Story wieder bekannt vor). Da ist schon ein erstes Stückchen Kindheit verloren gegangen, was einerseits ein klein wenig traurig stimmen kann, andererseits aber auch einfach zur Weiterentwicklung im Leben dazu gehört.
Gewundert habe ich mich darüber, dass man nach dem letzten Disney-Film „Baymax“ sich schon wieder San Francisco als Spielort vorgenommen hat. Ok, bei „Baymax“ war man so geschickt, dass man eine Mischung aus San Francisco und Tokyo genommen und das Ganze recht clever als „San Fransokyo“ betitelt hat (übrigens fantastisches Art Design!) – aber dennoch ist hier ein einfach zu schneller Wiederholungseffekt da. So sehr ich die Stadt auch liebe, aber ich denke, da hätte man locker eine ganz andere Stadt nehmen können. Wie wäre es z. B. mit Chicago und seinen schicken Hochbahnen? Da wäre fürs Auge doch sicher auch was dabei gewesen. Aber das nur als kleine Anmerkung am Rande.
Mein persönliches Schmankerl, wenn man beim Abspann bis zum Ende sitzen bleibt: „Dedicated to our children. Don’t grow up. Ever.“ – wie könnte man es besser ausdrücken? Meiner Meinung ist man nie zu erwachsen für einen (solchen) Animationsfilm.

Auch wenn es schon erwähnt wurde: der kleine Vorfilm „Lava“ ist gelinde gesagt eine Kitsch-Gesangs-Katastrophe – und ich bin sonst ein Riesenfan von diesen kleinen Filmchen. Wie schön war zuletzt z. B. der kleine Vorfilm „Feast“ (dt. Titel „Liebe geht durch den Magen“) mit dem kleinen Hund, der unter dem Liebesleben seines Herrchens ein wenig zu leiden hat in Bezug auf seine Futterumstellung – sehr niedlich!

Mal etwas Trivia an dieser Stelle:
Eine der Gedanken-Kugeln zeigt die Heiratsszene von Carl und Ellie aus „Oben“.
Das Gefühl Freude ist einem Stern (daher leuchtet sie auch immer), Kummer einer Träne, Wut einem Feuer-Ziegelstein, Angst einem empfindlichen Nerv und Ekel ist Brokkoli nachempfunden.
Psychologen und andere Experten wurden beim Schreiben des Drehbuchs hinzugezogen, damit Rileys Gedankenwelt so exakt wie möglich dargestellt werden konnte. Dadurch wurde auch realisiert, dass Kurzzeitgedanken, die im Laufe des Tages entstehen über Nacht ins Langzeitgedächtnis wandern.
In Rileys Klassenzimmer ist eine Karte im Hintergrund zu sehen, auf der Pins in der ganzen Welt gesetzt sind. Diese Pins deuten auf Städte, in der die Disney/Pixar-Filme gespielt haben
Wie bereits erwähnt sollten ursprünglich 27 Gefühle im Film eine Rolle spielen. Von den Haupt-Gefühlen wurden am Ende die Gefühle Überraschung, Stolz und Vertrauen gestrichen.
Die „Yeast of Edin“ Pizzeria im Film basiert auf einer Bäckerei, die in der Nähe der Pixar-Studios gelegen ist und tatsächlich jeden Tag nur eine Pizza-Sorte anbietet (Brokkoli war natürlich eine davon!).
Mindestens dreimal im Film taucht der „Pizza Planet Truck“ auf (Pizza Planet war ein Lokal aus Toy Story, wer sich noch erinnert).
Die Farben von Bing Bongs Blume repräsentieren die Farben der Gefühle: gelb für Freude, grün für Ekel etc.
Interessant: wer ein wenig aufgepasst hat: Chef unter den Gefühlen ist bei Riley Freude, bei Rileys Mutter aber Kummer und bei Rileys Vater Wut.
Wenn man bei der Umzugsfahrt zwischen Minnesota und San Francisco von Riley und ihren Eltern genau aufpasst, dann kann man die Vögel aus dem Pixar-Kurzfilm „Der Vogelschreck“ an einer Stelle kurz sehen.
Der Junge, den Riley sich als Freund vorgestellt hat, ist Mitgliedern der Band „One Direction“ nachempfunden, von der die Tochter von Pete Docter (auf der Riley basiert) ein Fan ist.
Die Gedanken-Kugeln basieren auf den kinetischen Ball-Skulpturen des Künstlers George Rhoads.

Fazit: „Alles steht Kopf“ hatte es mir anfangs noch nicht so angetan, aber im Laufe der Handlung konnte ich mich diesem mal wieder sehr ideenreichen Geniestreich der „Toy Story“ – Schöpfer mit viel Liebe fürs Detail einfach nicht mehr entziehen. Ganz besonders haben es mir die Inseln, der etwas düstere Teil des Filmes und Bing Bong angetan. Einfach mal etwas anderes und vor allem regt es zum Nachdenken über die eigene Kindheit an. Irgendwie traurig, wenn man mal wieder realisiert, wie viel einem durch die Pubertät (sie wird hier nur angedeutet) und das Erwachsenwerden doch verloren geht. Daher sei nochmal wiederholt gesagt: „Don‘t grow up!“ – bei solchen Filmen dürfen wir alle wieder Kind sein ;-)
Einziger Wermutstropfen für mich: ich hätte mir wirklich mehr Gefühle, Inseln und mehr aus der Außenwelt gewünscht, die doch recht simpel daher kommt und der eine Portion Realismus (weniger perfekte Eltern z. B.) nicht geschadet hätte, aber vielleicht wäre der Film dann auch nicht mehr so kindgerecht geworden. Für mich 4 verdammt gute Sterne mit der Tendenz zu 5.


Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-14