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Rezensionen verfasst von
Andreas S. "AS" (München)

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Egg Tooth [Vinyl LP]
Egg Tooth [Vinyl LP]
Preis: EUR 21,40

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Weitergeschlichen, 22. Juni 2017
Rezension bezieht sich auf: Egg Tooth [Vinyl LP] (Vinyl)
~
Die Ephemerals. Es gibt sie noch und wie! Und es gibt wieder ein neues Album. Unschwer daran zu erkennen, dass im Soulregal ein Cover nicht reinpassen will. Genial Jungs. Langsam glaube ich, dass das Masche ist. Ja, ich bin da naiv, solche Berechnetheit kann ich mir erst einmal nicht vorstellen. Aber inzwischen halte ich es für möglich, dass Ihr darauf abzielt, dass man unwillkürlich das Cover herauszieht, das nicht reinzupassen scheint. Vielleicht seid Ihr auch nur unverbesserliche Antistilikonen und interessiert Euch einen feuchten Dreck für Konventionen. Auch das wäre nicht nur legitim sondern beneidenswert cool.
Kurzum auch dieses Albumcover widerspricht sämtlichen Stilgepflogenheiten des Genres (vgl. Chasin Ghosts und die dortige Rezension). Sofern es denn ein Genre gibt, in das dieses Album passt. Beim letzten Album kamen bereits Zweifel auf, es dem gesetzten Soulfan ohne weiteres anzuempfehlen. Nun machen die Jungs neuerliche Ausflüge, öffnen etliche Türchen weiter.
Gut so. Verdammt gut so. Wolfgang Valbrun hat für drei Combos Soul in der Stimme. Welch bessere Grundlage könnte es geben, weitere Kreise zu ziehen. Und das tun sie ohne krampfhaft von bisherigen Tugenden abzuweichen, weshalb das Resultat irgendwie ungewohnt klingt, aber irgendwie fühlt man sich doch daheim bei den Ephemerals.

Das erste Stück klingt fast nach den Red Hot Chilli Peppers, dann kommt eine Prise Everlast und Konsorten ins Spiel, dann wieder die reinen Ephemerals mit ihrer eigenen beseelten und immer luftigen Art.
Mehr jazzige Elemente (die typische Ephemerals Orgel verlangt auch geradezu in diese Richtung losgelassen zu werden), Sprechgesang, Trip Hop (ohne abgedroschen zu klingen, die Gefahr ist ja im Trip Hop inzwischen groß) und deftigere Rockelemente schmecken dieses Album dankbar vom letzten ab, ohne in den alten Topf zu Spucken. Toll. Warum können das nicht alle Bands. Sich deutlich genug weiterentwickeln ohne alles bisherige über Bord zu werfen.

Dies ist ein tolles Album, unkonventionell, es tritt sämtliche Stilschubladen mit schweren Stiefeln zu, ist sehr abwechslungsreich und schafft dennoch eine Atmosphäre, die es als Ganzes dastehen lässt. Die Musik der Ephemerals ist vielleicht noch intensiver geworden, aber lässt sich trotzdem viel viel Raum und bleibt beschwingt. Diese Kombination ist so wunderbar wie selten.

Die LP ist für den zu bietenden Einsatz wieder überaus erschwinglich, diesmal allerdings im Herzen ganz schwarz. Für deutlich unter Zwanzig gibt es ein Gatefoldcover, eine schwere saubere und in der Mitte gelochte Platte. Der aufgenommene Klang ist sehr ordentlich, wenn auch nicht großartig. Das Flair, das dieses Album verströmt, lässt aber keinen Raum für ernsthafte Kritik an der Wiedergabequalität.
Bitte Probehören und dabei mindestens drei Stücke anspielen.
Kommentar Kommentare (5) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 5, 2017 10:40 AM MEST


Chasin Ghosts
Chasin Ghosts
Preis: EUR 11,11

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Soul im Ambientpelz, 1. Juni 2016
Rezension bezieht sich auf: Chasin Ghosts (Audio CD)
~
Wer hat denn da so ne Ambient-/Loungeplatte falsch einsortiert? Zwischen den handverlesenen Soulscheiben hat sowas doch nun wirklich nichts zu suchen.

Aber weit gefehlt. Einen so schönen Beweis für Diddleys alte Regel, die da ungefähr lautet: "You Can't Judge a record by the cover.", hat es schon lange nicht mehr gegeben.

Kurzum, die Scheibe war sowas von richtig einsortiert. Sie enthält nämlich absolut lupenreinen Soul. Alles was zu nem ordentlichen Soul-Prachtschinken dazugehört, wurde hier akribisch eingefangen, sozusagen in Reinkultur. Schmachtende Melodien, akkurate Rhythmen, peitschende oder schmelzende Bläser und eine nach allen Regeln der Kunst kratzig pienzende Stimme. Das ganze Programm. Bereit zum sofortigen Anheimeln. Wie ein Schaffell vor dem knisternden Kamin.

Nach kurzer Recherche ist es klar, hier ist natürlich einer vom Fach unterwegs. Hillman Mondegree, der 2013 seine londoner Band Hannah Williams And The Tastemakers verließ (obwohl auch keineswegs zu verachten: A Hill of Feathers [Vinyl LP] [Vinyl LP]), stellte eine neue Truppe zusammen und legt hiermit bereits das zweite Album vor.

Allerdings ist da auch noch etwas anderes. Zwischen den Zutaten astreinen Souls sind da noch ein paar Elemente, die aufs zweite Hinhören eine verblüffend eigene Note hinzugeben. Da ist so eine erfrischende Lockerheit, ein mutiger genreübergreifender Abwechslungsreichtum und überhaupt jeglich fehlende Angst, Elemente verschiedener Stilrichtungen zu kombinieren.
Ja, die Jungs hier versuchen nicht noch ein weiteres Retrosoulschiffchen auf der momentan mächtig ansteigenden Welle mitschwimmen zu lassen, sondern schaffen etwas erstaunlich eigenständiges. Ganz unauffällig lassen sie Country-, Folk-, Blues- und Rockelemente einfließen und zwar so elegant wie selbstverständlich. Teils sind es die Instrumente, teils die Grooves und teils die Arrangements, die die besondere Mischung ergeben. Aber auch die Stimme von Wolfgang Valbrun ist erfreulich vielschichtig und reicht vom bereits angesprochenen sehr vereinnahmenden Klageton, über sehr dynamische kravitzähnliche Rocktöne, bis hin zu den großen raunenden Soulsprechstimmen.

Das erste Album, das übrigens wie ne laue Folk-Platte aussieht, bot schon mehr oder weniger die gleiche Mischung, aber nun ist der Full Blend unwiderstehlich gereift und überaus köstlich. Das ist eine moderne Soulinterpretation die weder krampfhaft anders ist, noch sich an vergangene Zeiten anbiedert.

Als wäre das noch nicht genug, ist auch die Scheibe selbst noch für eine Überraschung gut. Es beginnt bei der Vinylfarbe. Ohne die Überraschung nehmen zu wollen: lupenreiner Durchblick auf die Rillen. Und es geht weiter mit der Fertigungsqualität, die für aktuelle Verhältnisse (klar) überdurchschnittlich gut ist: platt, rund und sauber (soweit das bei der Farbe zu beurteilen ist). Schließlich das schier unglaubliche: das ganze gibt es zum absolut moderaten Preis.

Da heißt es Zugreifen, solange das Teil zu diesen Bedingungen erhältlich ist und Mitgrooven. Und wenn auch der eingefleischte Soulfreund gehört hat, was sich hinter der Fassade verbirgt, ist ihm selbst dies Cover nicht mehr peinlich, wenn Besuch kommt.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 5, 2016 10:09 PM MEST


It's a Holiday Soul Party! (Red Vinyl/LP+MP3) [Vinyl LP]
It's a Holiday Soul Party! (Red Vinyl/LP+MP3) [Vinyl LP]
Preis: EUR 25,28

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Happy Christmas, 6. Dezember 2015
~
Alle Jahre wieder,
sind die Läden voll,
ewig gleiche Lieder,
ach wie ist das oll.

Eine Zeit lang hab ich es als Herausforderung betrachtet, in dem Heuhaufen der Weihnachtsmusikveröffentlichungen die Stecknadelkopfperlen zu finden und zwar solche Scheiben, die nicht gleich schon am ersten Advent die Sehnsucht auf Neujahr - zumindest musikalisch - unerträglich machen.

In diesem Jahr war es allerdings leicht. Es war Liebe auf den - immerhin - zweiten Blick. Nachdem der erste flüchtige Blick auf das Cover mich noch etwas Fremdeln ließ, schlich sich bei genauerem Hinsehen doch geschwind ein ziemlich breites Schmunzeln ein.

Ja, in erster Linie ist das ein neues Album der großartigen Sharon Jones & The Dap Kings. Das zweite nach ihrer Genesung und es ist alles wie gehabt. Zum Glück. Eine großartige, mit jedem Album noch etwas reifende Sängerin und eine kongeniale schmissige Begleitband. Soul wie eh und je, sehr frisch und spielfreudig serviert. So sind wir das aus dem Hause Daptone & Co gewohnt. Diesmal sind es eben Weihnachtssongs. - Aber Vorsicht bzw. keine Angst, das heißt bei dieser Mannschaft nunmal nicht rührseelige Besinnlichkeit, im Gegenteil.
Gleich beim forschen Einzählen zum Eröffnungssong, wird klar, wohin hier die kleine Winterreise geht. Hier herrscht Schwung und Rhythmus! Kraftvolle Stimmen, energiegeladene Bläser und schallende Gitarren lassen Weihnachten wirklich zum Fest der Freude werden.
Die meisten Songs sind von den beteiligten selbst geschrieben, aber natürlich wurden auch auf dieses Weihnachtsalbum drei vier traditionelle Nummern mit aufgenommen. Allerdings haben die Herrschaften auch hier ganze Arbeit geleistet und gewinnen diesen Liedern ziemlich neue Seiten ab.

Zur Feier gibt es rot-transparentes Polyvinylchlorid, hier fallen naturgemäß nicht einmal die bei Daptone üblichen Fingergrapscher und sonstigen kleinen Unsorgsamkeiten auf. Die Pressung scheint, soweit erkennbar, erstaunlich ordentlich und ziemlich platt und auch das Loch ist fast mittig gelungen. Die Papphülle diesmal besonders traditionell und sehr dick, so dick, dass die Platte schon kaum mehr reingeht und der Schutzumschlag von vorneherein entsprechend zerknickt ist, aber das sind alles Randerscheinungen, dafür ist auch der Preis, wie bei Daptone üblich, noch etwas moderater.
Alles in allem ein echtes happy Christmas Paket. Und wer nicht so ganau hinhört, hat sogar für das ganze Jahr ein neues Album von Sharon Jones & The Dap Kings. Hier wird Weihnachten wirklich zur Party oder jede Party zu Weihnachten.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 13, 2015 6:12 PM CET


United
United
Preis: EUR 17,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Meilenstein, 9. Oktober 2015
Rezension bezieht sich auf: United (Audio CD)
~
Da ist etwas besonderes mit diesem Album. Es ist das zweite lange Werk von Dobré und angeblich soll doch das zweite immer das schwierigste sein. Ist natürlich relativ. Meistens wird diese Ausrede ja dann benutzt, wenn eine Band mit dem Debüt direkt einen Hit landen konnte und zu schnell einen Nachfolger nachschiebt. Entweder wurde sie von der Plattenfirma gedrängt oder wollte selbst einfach die Erfolgswelle noch etwas weiter reiten. Mit diesem Szenario vor Augen trauen sich andere Bands wiederum beim zweiten Anlauf schon gar nichts mehr zu und verschlimmbessern viel zu oft und zu lange an den neuen Ideen herum, bis vom ursprünglichen Charme nichts mehr übrig ist.

Jetzt könnte man sagen, so ein unbändiger international kaum zu verkraftender Erfolg war das erste Album der münchner Jungs gar nicht und so konnten sie ganz entspannt an das zweite Werk herangehen. Aber auch das ist nicht die ganze Wahrheit. Denn das erste Album war noch weniger ein mal eben aus dem Ärmel geschüttelter Zufallstreffer, sondern das Produkt einiger Jahre Vorarbeit. Es gab aus dem Stall vorher fast zahllose Onlineveröffentlichungen, verschiedene EP und so scheint es eher eine ganz normale Entwicklung zu sein, wenn eine Band reift und über die Jahre einfach nach und nach besser wird.
Aber auch das ist es noch nicht. Dieses Album hat etwas unbeschreibliches.
Es macht einen großen Schritt, ohne sich zu weit vom Bisherigen zu entfernen. Es ist stilistisch genauso offen, genauso abwechslungsreich, aber irgendwie konsistenter, zum Album gereifter. Es ist selbstbewusster (selbst wenn auch bisher schon dieser freche zuversichtliche Unterton bestechend war), ohne arrogant zu werden. Und es ist erwachsener, ohne im entferntesten angekommen oder uninspiriert zu wirken. Im Gegenteil. Ja, mögen sie bitte nie richtig erwachsen werden, denn es gehört mit zum Wichtigsten was Joe und seine Bande ausmacht, diese Verspieltheit, fast in jedem Lied Schlenker oder Extravanganzen einzubauen, aus denen andere Künstler jeweils leicht noch ein zwei weitere Lieder machen würden, und doch verlieren sie nie den Faden, spielen ihre Stücke rund und unverkennbar. Auch gehen ihnen scheinbar niemals die Ideen aus. Das ist eine Dichte, eine Reichhaltigkeit und purer Luxus in den Songs, wie nur bei wenigen Bands.
Diese Reichhaltigkeit, die war immer schon. Nur jetzt ist noch eine gute Portion Lässigkeit dazugekommen. Wo sie früher manchmal vor Fröhlichkeit förmlich übersprühten, sind sie immer noch beschwingt wie nur wenige es schaffen, aber sie scheinen zu entspannen. Vielleicht trauen sie ihrem eigenen Selbstbewusstsein langsam über den Weg. - Ja, traut Euch, es ist ein guter Weg.

Der Stil ist grundsätzlich wie gehabt, typisch Dobré, wirkt aber noch (international) konkurrenzfähiger. Pop, Folk, die Rhythmen meistens flott und zwar so beschwingt, dass man unmöglich einfach nur regungslos lauschen kann, hier mal eine groovige Reggaeanleihe, dort eine funkige Gitarre und da wieder eine gallopierende akustische Countryfolk-Gitarre. Die Klänge kommen aus so ziemlich allen Gattungen, die der Popmusik schon immer gut zu Gesicht standen. Immer wieder schiebt sich eine schummrige Orgel ins Bild oder ein koketter zunächst vielleicht irritierender Klangeffekt, der sich aber gleich wieder wie selbstverständlich im Rhythmus auflöst. Abwechslung ist Dobrés zweiter Vorname. Und dazu Joes unverkennbarer Gesang, der unerschrocken keiner Hürde ausweicht und doch immer er selbst bleibt.
Das Album birgt einige potentielle Hits, das coole "Time", das in bester US-Folk Tradition stehende "But" oder das an beste englische Popmusik des letzten Jahrhunderts erinnernde "Number In The Back", aber mit "An English Summer" hat es eine Nummer im Herzen, die einmal gehört, in jeder guten wie schlechten Situation ein warmes beschwingtes Gefühl bereitet. Das so federleicht daherkommt, wie es sofort zum dicken Pfund wird, das man nie wieder hergeben mag. Gelungener kann ein Popsong nicht sein. Ihn zu hören fühlt sich einfach an wie zu Hause, egal wann, egal wo.

Ein international konkurrenzfähiges Album aus Deutschland, aus München, das insofern ein noch unberechtigtes Schattendasein fristet. Eigentlich kann es nur noch eine Frage der Zeit sein, wann die Rakete in andere Sphären abhebt.
Jungs werdet ruhig weiter noch lässiger, nur nicht arrogant - sonst schreibe ich hier nix mehr - und lasst Euch mit dem Ankommen noch Zeit. Wer die Gelegenheit hat, die Jungs leibhaftig zu erleben, der sollte sie sich nicht entgehen lassen. Live sind sie noch besser, noch mitreißender, noch eindringlicher. Und genau deswegen muss ich jetzt los...
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 15, 2015 3:38 PM CET


Hitnrun Phase One
Hitnrun Phase One
Preis: EUR 14,90

43 von 46 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Prince 10.0, 14. September 2015
Rezension bezieht sich auf: Hitnrun Phase One (Audio CD)
~
Vielleicht sind wir auch noch bei 9.0 oder sogar schon bei 11.0. Wer hatte zuletzt noch Lust, genau mitzuzählen, wie viele Häutungen unser Prince hinter sich hat. Erst waren es nur Namensänderungen, dann allerlei Veröffentlichungssperenzchen - nichts gegen unkonventionelle Veröffentlichungsmethoden, im Gegenteil einer musste anfangen, sich gegen das Diktat der Majorlabels zu wehren und Prince war diesbezüglich der erste und umtriebigste -, aber eines blieb dabei irgendwie auf der Strecke: Die Musik.

Nicht, dass Prince je schlechte Musik gemacht hätte, aber bei den letzten Alben, die alle solide und perfekt wie immer produziert waren, da trat die Entwicklung doch auf der Stelle. Prince schien sich auf das ganze Drumherum konzentriert zu haben und die Musik entstand nur noch so nebenbei. Klar, kann man sich darüber streiten, ob ein mittelmäßiges Prince-Album immer noch besser ist, als das Gros vom Rest, aber Hand aufs Herz, von den letzten Alben blieb nach kurzer Zeit, neben dem Wirbel um die Art der Veröffentlichung, nur wenig Musikalisches in Erinnerung.
Doch das ist jetzt endlich Vergangenheit!
Prince ist wieder Prince. Der Innovator. Der geniale. Der lässige. Der Vorreiter. Mutig, locker, leicht, gekonnt, variantenreich, unbequem, lieblich, laut, heftig, zart, soulig und vor allem funkig. So liebt man ihn, wenn man ihn liebt.

Wann hab ich mir zuletzt ein neues Album angehört und als es durch war, gleich noch einmal? Ich weiß es nicht. Es ist lange her. Doch vorhin ist es wieder einmal passiert. Aber eins nach dem anderen:
Das Album beginnt mit ein paar Samples aus seiner eigenen Vergangenheit, ein paar restliche Schuppen, die er sich von der Schulter wischt und dann ist so ziemlich alles anders. Gänzlich alles natürlich nicht. Trotz völlig neuer Sounds, einer Mixtur aus so ziemlich allem und schier unendlich vielen Überraschungen, ist eine Sache klar: Das ist Prince.
Aber er und das ist irgendwie noch überraschender, der Alleskönner, der alles selbst zu machen pflegt, der narzisstische, er ist mutig geworden, fast schon uneitel. Er wirft nicht nur demonstrativ die alten Samples über Bord, er lässt auch einer anderen Stimme den Vortritt. Judith Hill eröffnet mir ihrem Gesang das Album. - Die anderen 999 Überraschungen auf diesem Album auch noch aufzuzählen, würde nicht nur hier den Rahmen sprengen, sondern auch das Ziel verfehlen.
Das muss man sich anhören. Es lohnt sich. Wer dann sagt, "Is nicht mein Ding.", der wird es dennoch nicht bereuen, denn spannend ist das allemal und es gibt eine Ahnung davon, was State of the Art ist.
Prince schafft es scheinbar leichtfüßig so funkig zu sein wie schon lange nicht mehr oder auch noch nie, dabei rockt er auch mal gewaltig, packt den Elektroniker aus, spielt mit seiner Stimme und interessanten Effekten, schiebt mächtige Grooves in bester disco und house Manier ein und immer, wenn man meint, jetzt lehnt er sich irgendwo an, oder zielt auf dieses oder jenes Publikum, dann schlägt er einen Haken und kombiniert wieder alles anders.
Ein Album voller Tricks, an dem es lange was zu entdecken geben wird. Eine bunte Überraschungstüte, die am Anfang so heftig kommt, dass es nicht einfach scheint, den Faden aufzunehmen, aber am Ende fügt sich alles einfach doch zu Prince. Aber zu Prince dem neuen. Und es bleibt nur eins: Noch einmal.
Mit deutlich unter 40 Minuten ist das Album nicht unbedingt lang, aber es hat mehr zu sagen als so manches Mammutwerk. Auf ganz vielen Ebenen. An das wird man sich länger erinnern.
Kommentar Kommentare (20) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 29, 2016 5:42 PM MEST


Negativity (2lp+Mp3/Gatefold) [Vinyl LP]
Negativity (2lp+Mp3/Gatefold) [Vinyl LP]
Preis: EUR 27,76

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Musikalische Tiefstapelei, 15. August 2015
~
Die Rotzlöffel aus Providence haben ein neues Album. Naja, so neu ist es jetzt auch nicht mehr, aber nach dem Konzert vor einem guten Jahr, das sich gewaschen hatte und in jeder Hinsicht berauschend war, dauerte die Rekonvaleszenz etwas länger. Im Zuge dessen muss auch für eine ganze Weile diese falsche Gewissheit entstanden sein, die Rezension schon längst geschrieben zu haben. Vermutlich können das die Jungs unter diesen Umständen verzeihen und wer sich erinnert, war eigentlich nicht dabei. Höchste Zeit allerdings, ein paar Worte zu diesem Prachtstück zu verlieren.

Es ist ihr fünftes langes Werk und beim Hören wird schnell klar, es ist ein vorläufiger Höhepunkt. Von Deer Tick gibt es nichts schlechtes, doch bisher hatte jedes Album eine etwas eigene Stimmung. Je nach Gefühlslage und aktuellen Interessen der Beteiligten. Als der damalige Teenager John McCauley III, der in jeder Hinsicht ein Original ist, sein Debut "War Elephant" noch allein einspielte, war er der depressive, einsame Kerl, ganz in der Tradition von Hank Williams oder Townes Van Zandt. Das heißt nicht, dass dabei ein melancholisches Album herausgekommen wäre. Ganz im Gegenteil, McCauley schießt aus der Innentendenz stets über. Richtig traurig kann er nicht. Seine Melodien überborden die Inhalte und seine raunzige Art regelmäßig. Vielleicht liegt es an Rhodes Islands Provinz. Providenz klingt ja praktisch schon so. Viel kann da nicht los sein und so landet die gesammelte Kreativität und Energie eben in der Musik. Aber er wollte aus Deer Tick eine richtige Band machen, die Ryan Brüder kamen dazu und Andrew Tobiassen als weiterer Gitarrist und schon war das Ergebnis der Gruppendynamik mit "Born on Flag Day" ein abwechslungsreiches, richtig gut gelauntes Album. Der dritte Streich "The Black Dirt Sessions" besteht im Wesentlichen aus Songs, die bei den Aufnahmen zu "Born on Flag Day" bereits entstanden, nur noch nicht aufgenommen waren. Die Stimmung bei den Aufnahmen in New York im Black Dirt Studio, während der Ian O'Neil als weiterer Gitarrist zur Band stieß und sich Andrew Tobiassen bereits wieder mit eigenen Plänen verabschiedete, muss etwas nachdenklicher gewesen sein, jedenfalls klingt das Album so, im Vergleich zum Vorgänger. "Divine Providence" das vierte Album ist dann wohl endgültig als Affront gegen das Country-Etikett zu verstehen, das der Band neben anderen gerne angeheftet wird. Jedenfalls ist es das ruppigste, rockigste und lauteste Album der Band. Hinterher sagten sie, es entspräche ihrer momentanen Stimmung. Genau dieses Album haben sie jetzt machen wollen. Doch ohne zartere, ganz tief eingehende Harmonien geht es auch hier keineswegs.

Negativity wirkt nun vergleichsweise so, als wären sie erwachsen geworden. Als hätten sie ihre Linie gefunden. Alle Tugenden sind versammelt und dabei wirkt das Album nicht wie ein Abklatsch von Höhepunkten des bisherigen Schaffens, sondern gewachsen, schlüssig und rund. Typisch wie der Titel und als hätten sie die Pracht gespürt und nicht aushalten können, setzen sie mit "The Rock" bereits beim Auftakt auf erst Ruhe und dann ordentlich Sturm. Vielleicht ist auch noch ein bisschen Wut vom letzten Album übrig geblieben, seis drum. Da sind mindestens zwei bis drei Balladen, die es selbstbewusst mit der Übernummer Ashamed vom ersten Album aufnehmen wollen, auch Countryanklänge scheinen jetzt bewusst gesetzt und an den richtigen Stellen fehlt es nach wie vor nicht an Kraft und Temperament. Dennis Ryan (Schlagzeug) steuert wieder einen herzerweichenden Song bei und auch der sich im Gitarrenspiel mit McCauly kongenial ergänzende Ian O'Neil, sorgt mit seiner hörenswerten Stimme für zusätzliche Abwechslung. Dazu noch ein hübsches Duett mit Vanessa Carlton und fertig ist ein großartiges Stück amerikanischer Musik.
Rock, Blues, Folk und eben auch Country stehen hier als Paten und tief verwurzelt bei Fuß. Doch so typisch Deer Tick nach alldem klingen, so typisch amerikanisch ihre Musik eben klingt, so eigen ist das, was sie machen. Das war es immer schon, aber jetzt wird es besonders deutlich. Emanzipierter und selbstbewusster kann amerikanische Musik kaum verkörpert werden. Die Jungs beherrschen das was sie machen, sie haben einen unbändigen Spaß dabei und sie nehmen sich dabei selbst kein bisschen ernst.

Bedenken schließlich, darüber was nach so einer Entwicklung, nach so einem Höhepunkt noch kommen soll, dürften bei den Jungs vermutlich unbegründet sein. Sie wachsen und entwickeln sich organisch, lassen sich die nötige Zeit und sind viel zu umtriebig, als dass sie nun vor Eitelkeit kreativ erstarren. Wer nicht überzeugt ist, der stöbere im Internet nach dem schier unerschöpflichen Fundus an Auftritten und Spontanaktionen.

Die Doppel-LP im Klappcover läuft auf 45 Umdrehungen, ein großartiger Ansatz. Leider ist bei meiner Ausgabe, die ich beim Konzert erwarb und schlecht umtauschen kann, die A-Seite ziemlich verrutscht, so dass sie bei 45 natürlich umso schneller hörbar eiert. Dafür ist ein Schlüssel zum Runterladen der mp3-Version dabei und ein ebenfalls geklappter großformatiger Einleger mit allen Texten sowie einem stimmungsvollen Schwarzweißbild der Band.
Jungs weiter so und ich verspreche, nächstes Mal schreibe ich die Rezension vor dem Konzert.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 7, 2015 10:30 PM MEST


Love Has Come for You
Love Has Come for You
Preis: EUR 19,28

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Geniezupf, 2. August 2015
Rezension bezieht sich auf: Love Has Come for You (Audio CD)
~
Hmm. Ein Album von Edie Brickell und einem Komiker. Was soll man davon schon erwarten?
Nein, Edie ist in diesem Fall kein männlicher Vorname. In den späten Achzigern war da mal so ein recht erfolgreiches Debutalbum von einer Frau Brickell mit der Begleitband "New Bohemians". Was davon noch in Erinnerung herumspukt, ganz ganz weit hinten vielleicht, gehört auch nicht gerade zu den Klängen der Achtziger, die heutzutage üblicherweise alle Nase lang wiederentdeckt werden.
Dann das Konzept: Weiblicher Gesang mit Banjo. - Kann das irgendwie tragen?
Banjo, das Instrument, das vornehmlich wegen seiner Durchsetzungsfähigkeit, aber keinesfalls wegen seines Wohlklangs erfunden wurde und dazu mehr oder weniger bloß eine weibliche, nicht allzu kräftige Stimme?

Die Antworten lauten. Viel und ja.
Erwarten darf man von dem Album viel und das Konzept trägt. Ja und wie das trägt.
Steve Martin zeigt seine mindestens dritte könnerhafte Seite, spielt sein fünfsaiter Banjo wunderbar, drängt sich nie in den Vordergrund, was vielleicht auch so eine Befürchtung gewesen sein könnte, im Gegenteil, er gibt der zauberhaften Stimme von Edie Brickell die bestmögliche Unterstützung, die vorstellbar ist. Brickell singt wunderschön, gleichzeitig klar und samtweich. Das Banjo treibt, begleitet, perlt, aber bleibt letztlich immer zurückhaltend genug.
Die Songs, die die beiden gemeinsam um Brickells Texte schrieben und eingespielten, sind im Temperament angenehm abwechslungsreich. An den richtigen Stellen fügen sich hier und da ein Bass, ein Hintergrundchor oder auch die im Bluegrass sonst unentbehrlichen Streicher ein. Das Klangbild bleibt aber immer eher bei einer Kammerbesetzung, denn einer typischen Bluegrassbigband nachzueifern. Und das ist das schöne, das besondere an diesem Album, es spielt mit verschiedenen Elementen, und obwohl es insgesamt eher karg inszeniert ist, fällt das Ergebnis sehr erfrischend aus. Dabei umgibt das Projekt immer noch die gewisse Note des Besonderen.
Klanglich ist das ganze entsprechend angemessen mit viel Fingerspitzengefühl aufgenommen.
Eine seltene, kleine große Platte.
Kommentar Kommentare (6) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 16, 2015 12:08 AM MEST


Big Love
Big Love
Preis: EUR 7,00

3 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Pageturner, 10. Juni 2015
Rezension bezieht sich auf: Big Love (Audio CD)
~
Schauderhaft. Dieses großformatige Plakat an der Wand. Tatsächlich lief mir ein Schaudern erst über den Rücken, dann durch den Körper, als ich dieser Tage Micks Bild überlebensgroß vor mir sah. Irgendetwas stimmte doch da nicht. Aber die Teile des Plakats waren auch schlecht geklebt und die Überschneidungen ließen das Bild noch befremdlicher wirken. Den Kampf zwischen Neugier und Schauder gewann schnell der letztere, so dass ich lieber nicht noch genauer hinsah. Nun kommt das Bild auf dem Plattencover zwar ohne Klebenaht aus, ist aber immerhin noch so groß, dass auch hier seltsame Details zu sehen sind.
Herr Hucknall war schon immer ein eitler Pfau. Umso mehr verwundert, dass er ein Ölgemälde oder ein Bild das wie ein Ölgemälde aussehen soll, auf das aktuelle Cover nimmt. Als Trick wäre das doch viel zu leicht durchschaubar. Für einen eitlen Trick wäre das Bild aber auch nicht geschönt genug gemalt. Im Grunde sieht das Bild so aus, als gäbe es zwei mögliche Entstehungsszenarien. Erstens, es ist ziemlich realistisch gelungen und zeigt ein grässlich misslungenes Ergebnis von Gesichtschirurgie und Botox oder zweitens, es ist ziemlich schlecht gelungen oder wenig versiert mit Photoshop bearbeitet und zeigt das Bild eines nicht in Würde alternden Musikers, der ohnehin noch nie für sein Aussehen, sondern für seine wunderschönen Songs bekannt war.
Warum überhaupt muss wieder einmal das Konterfei des großen Meisters aufs Cover? Sei es dahingestellt, aber die Verpackung des neuen Albums von Simply Red steigert die Lust auf den Inhalt keinesfalls.

Ja und der Inhalt. 12 relativ abwechslungsreiche Songs. Wie erwartet gekonnt geschrieben, arrangiert und produziert. Die bekannte Stimme, routiniert genug, das Alter zu überspielen, das das Cover so schlecht verhehlen mag.
Aber die Genialität, diese unvergleichlich einwickelnden Melodien und Arrangements, die einen, einmal gehört, nie wieder losließen, wo sind die? Und bei genauem Hinhören, fehlt der Stimme auch die Wärme, die Wucht und diese ganz gewisse soulige Note. Der Sänger auf diesem Album klingt nicht schlecht, aber ziemlich austauschbar.
"Love Gave Me More", klingt sogar wie ein Abklatsch von einem alten Song, "Tight Tones" überdies wie ein Versatzstückewerk aus allerlei Soulfunksongs. Erst "Coming Home" kann etwas an altem Drive anknüpfen und "The Old Man And The Beer" ist eigentlich noch ganz hübsch, bevor das Album weniger balladesk, denn gänzlich altersschwach ausläuft. Dabei waren es doch gerade die Balladen, die den rotharigen Wuschelkopfs einst so unbesiegbar machten.

Ein Album, das für Simply Red sicher keine neuen Fans hinzugewinnen wird. Da es niemand weh tut, dürfte es ganz gut als Klangtischdecke geeignet sein, wenn das nächste Mal Gäste zum Essen kommen. Seine größte Qualität wird das Album allerdings darin beweisen, die alten Fans daran zu erinnern, die früheren Meisterstücke mal wieder rauszukramen.

Huahh, schnell das Cover umdrehen. Überhaupt, die Rückseite ist echt nett gemacht.
Kommentar Kommentare (6) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 19, 2015 4:51 PM MEST


Don't Lose This [Vinyl LP]
Don't Lose This [Vinyl LP]
Preis: EUR 24,19

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen unvermischter Glücksfall, 28. April 2015
Rezension bezieht sich auf: Don't Lose This [Vinyl LP] (Vinyl)
~
Dieses Kleinod kommt aus dem Nachlass der Familie Staples oder genauer, aus Pops Staples' Nachlass, dem Oberhaupt der Familienband The Staples Singers.
Erfreulicherweise hat hier nicht posthum irgendwer die Speicher ausgeräumt und irgendwelche frühen Kassettenrecorderaufnahmen aus der Wohnküche der Familie durch irgendein ein Remasteringprogramm gejagt. Im Gegenteil, das sind die letzten Aufnahmen Pops Staples aus dem Jahr 1998, in astreiner Qualität.
Auf dem Sterbebett bat er seine Tochter Mavis, ihm diese Aufnahmen noch einmal aufzulegen. Als er sie gehört hatte, gab er ihr das Band mit den Worten: "Don't Lose This"
Der Titel des Albums, das sie daraus machen würde, stand fest.

Einige Zeit nach seinem Ableben, Mavis hatte die Aufnahmen viele Male durchgehört, war ihr klar, diese Stimme und dieses Gitarrenspiel, das sie so liebte, verdient etwas besonderes. Daher bat sie ihren Freund Jeff Tweedy (Wilco) diese Aufnahmen behutsam anzureichern, aber den originalen Klang zu belassen.

Und Hut ab, das ist mal wieder ein Album das klingt wie eine Aufnahmesession bei der man mitten drin sitzt. Authentisch, roh und gekonnt. Außerdem klingt es unglaublich frisch, das Alter ist ihm nicht anzuhören und das bleibt vermutlich auch so. Bei ein paar Songs hat Tweedy also E-Gitarren, Bass und sein Sohn Spencer Schlagzeug ergänzt, hier und da mal ein Wurlitzer. Insgesamt fällt es nicht einmal auf, dass die Stücke nicht immer so waren, wenn man es weiß. Alles klingt sehr natürlich. Einige Songs sind ganz subtil belassen, nur zurückhaltende atmosphärische E-Gitarre und die Stimmen von Pops, Mavis, Cleotha und Yvonne.
Stilistisch bewegen sich die Songs zwischen Blues, Gospel und Soul in ursprünglichster Art, teilweise ganz reduziert, so intim wie elektrisierend, teilweise beschwingt soulig.

Schöner kann Hausmusik nicht sein.

Die Scheibe aus der knallroten Klapphülle ist ordentlich gefertigt und klingt sehr gut. Dabei ist ein Coupon für die Datenversion.


Reason (Deluxe Edition) (+4 Bonus Tracks)
Reason (Deluxe Edition) (+4 Bonus Tracks)
Preis: EUR 15,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Leider perfekt., 26. April 2015
~
Das ist ein perfektes R&B-Album, wie es kein amerikanischer Produzent hätte besser machen können. Er hätte auch eine Heerschar von tollen Sängerinnen an der Hand gehabt, die das alle mehr oder weniger genauso großartig umgesetzt hätten wie hier Selah Sue.
Ja, das ist natürlich keineswegs schlecht. Das ist sogar großartig. Absolut! Das muss man erst mal hinkriegen. Die sympathische Belgierin kann das.
Aber?
Ja, sie kann eben mehr. Und das kommt bei diesem Album, auf das ihre Fans rund vier Jahre warten mussten, nur zu fünf Prozent zum Tragen. Jetzt kann man um paar Punkte feilschen, aber darauf kommt es gar nicht an. Ob fünf, zehn oder fünfzehn Prozent Selah Sue bei einem Album, das ist so oder so zuwenig.

Schon auf ihrem ersten Album, das insgesamt noch etwas heterogen und nicht ganz fertig wirkte, befanden sich Nummern, die unnötig üppig produziert waren, speziell die ersten fünf. Die Verantwortlichen Patrice und Farhot (den Selah Sue vermutlich ansteuerte, weil er auch Nneka produziert, die sie als eine ihrer Referenzen angibt) hatten sie nicht ideal beraten. Im Grunde erkannten beide ihr Potential nur quantitativ. Trotzdem war es ein großartiges Album oder besser gesagt eine großartige Songsammlung.

Damals beim Konzert, da hatte ich eigentlich vor, ihr irgendwann zuzurufen, dass sie beim nächsten Album auf ihre Stimme und ihr Gitarrenspiel vertrauen soll. Am besten einfach das Verhältnis aus den Wuchtbrummen und den feinen, reduzierten, intimen Nummern wie "Mommy", "Explanations" und "Summertime" umdrehen. Aber daran war nicht zu denken. - Großartig, was das zauberhafte, possierliche Wesen da präsentierte. Dieser Schwung, diese Freude, dieser Schmiss und allem voran diese leicht zerbrechliche, aber unglaublich kraftvolle Stimme. Was sie da auf der Bühne vorführte, diese Energie, diese Lust und diese Fertigkeit, das ließ keine Luft mehr für irgendwelche kritischen Gedanken. Ergreifend.

Dann vier Jahre Besinnung bis zu einem neuen Werk, kann das gutgehen? Im Grunde unmöglich. Welches Kunstwerk wird durch so langes Feilen und Schleifen besser? Glatter wird es. Und perfekter. Aber auch nur auf den ersten Blick. Auf den zweiten sind jegliche Ecken und Kanten bitter zu vermissen. Weg ist auch die Vielfalt, die zuvor von Ragga bis zu Folk ging, aber immer mit einer guten Schippe Soul. Weg ist auch die Gitarre. Und stattdessen klingt es, als ob mit jedem Tag mehr in die Songs hineinproduziert worden wäre. Bis zur Unkenntlichkeit. Bombast und Völle. Der Schwede Ludwig Göransson (HAIM) und der Däne Robin Hannibal haben hier ganze Arbeit geleistet.
Und trotz der Masse ist die Kraft, ja die Wut weg, die das erste Werk mit seinem wuchtigen Groove charakterisierte. Sie bekam das allein mit Gitarre und Stimme schon so hin, dass man sich nicht entziehen konnte.
Dieses Album hat das alles nicht und ist schlicht überproduziert.
Selah Sues großartige Stimme schafft es zwar ohne weiteres gegen das ganze Brimborium anzukommen, aber ihre besondere Charakteristik wird durch Hintergrund- und Echochöre, die aus allen erdenklichen Richtungen erschallen, regelrecht weichgekocht. Dazu singt sie außer in den Refrains fast durchgehend mit viel Luft oder Hauch. Das klingt so exzellent wie langweilig. Fast ganz weg ist der außerordentliche Charme. Dazu kommt, dass jeder Refrain hochgefahren wird, soweit es geht. Zwar kann sie dort immerhin aus vollem Hals eine Stärke ihres Könnens beweisen, aber es fehlen Varianten. Soll nicht heißen, dass die Musik banal oder ohne Einfälle arrangiert wäre, aber das Klangbild der Songs ist durchgehend wenig variantenreich, ist jeweils spätestens nach ein zwei Strophen austauschbar. Ob das jetzt auch an einem weniger inspirierten Songwriting liegt oder die Songs einfach erdrückt werden, ist nicht so richtig auszumachen, aber es besteht der starke Verdacht, dass die Songs bereits im Keim erproduziert wurden.

Und so ist die Deluxe Edition im Grunde sogar als Nachteil anzusehen, denn hier gibt es noch mehr vom Gleichen. Bestenfalls die letzte Nummer, die akustische Version von Alone, lässt vermuten, wie sie eigentlich klingen könnte, aber leider ist ausgerechnet dieses Lied kompositorisch wenig überraschend und langweilt schnell, wenn es nicht sogar nervt.
Ganz anders und unbedingt zu empfehlen sind die aktuellen Videos der "On The Road"-Reihe, die zeigen wo die Reise hingehen könnte. Fast so ergreifend wie live.

Daher ist auch zu vermuten, dass die Produktion des Albums ihren Konzerten keinen Abbruch tun wird, aber es bleibt zu hoffen, dass sie bald an einen Produzenten gerät, der ihr wahres Potential erkennt und den Mut hat, Selah Sue ihre Kraft, ihre mitreißenden Rhythmen und ihren Charme aus der Subtilität einer reduzierten Inszenierung entfalten zu lassen.

Potential und Können verdienen volle Punktzahl, das Fingerspitzengefühl der Umsetzung kaum ein bis zwei, das Potential, das das Album für künftige Konzerte liefert, rechtfertigt aber ein Aufrunden auf glatte vier Punkte.
Kommentar Kommentare (5) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 4, 2015 9:23 PM MEST


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