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Beiträge von Martin Resch
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Rezensionen verfasst von
Martin Resch "makarresh" (Hamburg)
(REAL NAME)   

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Pet Sounds
Pet Sounds
Wird angeboten von ZOverstocksDE
Preis: EUR 4,98

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der große Wurf des Brian Wilson, 12. Mai 2008
Rezension bezieht sich auf: Pet Sounds (Audio CD)
Bis ins Jahr 1965 waren die Beach Boys die einzige große amerikanische Konkurrenz für die britischen Beatbands, die, angeführt von den Beatles, das Kommando über die amerikanischen Charts übernommen hatten. Die Hits der Beach Boys funktionierten nach einem einfachen, aber genialen Konzept: Eingängige Melodien, relativ simple Texte über die Freuden des Lebens an den Stränden Kaliforniens, Bikinimädchen, Surfen und Autos. Good clean fun, von Mastermind Brian Wilson virtuos komponiert und mit wundervoll aufeinander abgestimmten Jungmännerstimmen aufgenommen.
Nach dem Album "Summer Days (And Summer Nights)", auf dem sich mit "Help Me, Rhonda" und "California Girls" noch einmal zwei ewige Beach Boys - Hits finden, hörte Brian, der nach einem Nervenzusammenbruch auf der Bühne nicht mehr mit der Band auf Tournee fuhr, plötzlich auf, Songs über Strand, Surfen (Wilson hatte in seinem Leben noch auf keinem Surfbrett gestanden) und Mädchen zu schreiben, und wandte sich zusammen mit dem Texter Tony Asher der Introspektion zu. Es entstand eine Sammlung von Songs, die zusammengenommen eine Phänomenologie der Liebe ergeben und dieses Thema von allen Seiten beleuchten. Dazu schrieb Wilson eine Musik, die eine bis dahin in der Popmusik noch nie gehörte Komplexität besaß und deren Poesie ihresgleichen suchte. Statt fröhliche Sonnensongs gab es plötzlich Einblicke in das seelische Innenleben des Komponisten, der seine Sehnsüchte, Ängste und Träume offenlegt und über allem die ewige Sehnsucht nach Liebe. Eine so erwachsene Weltsicht hätte man zuletzt von den Beach Boys erwartet. Der weiteren Bandmitglieder reagierten entsprechend verstört, als sie von der Tour zurückkamen und sahen, womit sich ihr musikalischer Mastermind währenddessen beschäftigt hatte und mußten von Brian Wilson förmlich zur Aufnahme gezwungen werden.
Das Resultat "Pet Sounds" gehört wohl für alle Zeit zum Schönsten, was die Popmusik jemals hervorgebracht hat. Die Musik besitzt nicht mehr ganz die Eingängigkeit der Vorgängeralben, trotzdem finden sich mit "Wouldn't It Be Nice", "Sloop John B" und "God Only Knows" ein paar veritable Beach Boys - Hits, die zwar nicht ganz den Erfolg der Vorgängersingles erreichten, dennoch ihre Wirkung auch in den Charts nicht verfehlten.
Jeder Song auf "Pet Sounds" ist ein kleines Wunderwerk perfekten Arrangements, zunächst scheint oft das reine Chaos zu herrschen, doch nach mehrmaligem Hören ergibt sich ein in sich geschlossenes und harmonisch großartiges Meisterstück und eine wahre Perle der Popkultur. Songs wie "I Just Wasn't Made For These Times", "You Still Believe In Me" oder "Caroline, No" sind vollendete Kunstwerke, die zukunftweisende Wirkung hatten und selbst als beinharter Klassikhörer muß man dem einmaligen kompositorischen Talent des auf einem Ohr tauben Brian Wilson Respekt zollen.
Das nächste Werk sollte noch ambitionierter werden, Wilson tat sich mit dem Avantgarde - Dichter und Songwriter Van Dyke Parks zusammen und wollte mit dem Album "Smile" eine "Teenage Symphony to God" schaffen. Das Projekt scheiterte am Widerstand der anderen Beach Boys, der Plattenfirma und Brians labiler Persönlichkeit und Drogensucht. Erst im Jahr 2004 erschien das wohl am längsten vorangekündigte Album der Popgeschichte, leider natürlich ohne die originalen Beach Boys, die entweder tot oder mit Wilson zerstritten und längst über ihren musikalischen Zenith waren.
So steht "Pet Sounds" als uneingelöstes Versprechen für das, was noch hätte sein können, wären die Umstände nicht so ungünstig gewesen. Eines der einflußreichsten und schönsten Alben der Popgeschichte.


Kein Titel verfügbar

19 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ballad of a thin man, 1. März 2008
Im Moment sind biographische Filme über musikalische Idole der letzte Schrei in Hollywood, sie sind meist von hoher Qualität, ziehen eine Masse Publikum ins Kino und gewinnen regelmäßig Oscars, so kam schon Ray Charles zu Ehren, Johnny Cash und Edith Piaf folgten nach.
Nun ist also Bob Dylan an der Reihe, doch Regisseur Todd Haynes bricht hier aus den Konventionen der Filmbio aus. Es wäre sehr einfach gewesen, Junge wächst in Duluth, Minnesota auf und entdeckt den Rock'n'Roll, Junge geht nach New York und wird ein Star, Junge trifft Mädchen, Heirat, Scheidungsdrama, Krise, Absturz, Comeback usw., doch Todd Haynes will mit seinem Film nicht das Leben des Meisters nacherzählen, sondern dem Phänomen Bob Dylan nachspüren, die unzähligen Rollen widerspiegeln, mit denen sich Dylan in seiner Karriere immer wieder neu erfand und die Faszination, die von seinen Songs und Texten ausgeht, in Bildern darstellen.
Deshalb gibt es in diesem Film auch keine wirkliche Hauptrolle. Die Person, um die es geht, wird von sechs verschiedenen Schauspielern dargestellt, keine von ihnen heißt Bob Dylan und der Name fällt in dem Film nicht ein einziges Mal. Die Anfänge des Meisters als junger Folkie und Verehrer von Woody Guthrie repräsentiert Marcus Carl Franklin. Er spielt Dylan als kleinen schwarzen Jungen, der Ende der 50er Jahre unter dem Namen Woody Guthrie mit einer Gitarre, auf der "This machine kills fascists" steht, per Güterzug durch die USA reist (der junge Dylan stilisierte sich gern als ehemaliger Hobo) und die Welt so von allen Seiten kennenlernt, um schließlich am Krankenbett seines Idols zu singen.
Fast schon dokumentarisch ist der Handlungsstrang, in dem Christian Bale die Hauptrolle spielt. Er ist Jack Rollins, ein rebellischer Folksänger, dem seine Fans zu Füßen liegen, und der seine Bestimmung in der Bürgerrechtsbewegung gefunden zu haben glaubt. Er scheitert jedoch, zieht sich aus der Öffentlichkeit zurück und wird Prediger in einer Kirche der wiedergeborenen Christen (Dylans frühe Karriere als Prostestsänger und seine Gospelalben Ende der 70er standen Pate).
Über diesen Jack Rollins wird ein Film gedreht, die Hauptrolle spielt ein gewisser Robbie Clark (Heath Ledger in einer seiner letzten Rollen), dessen Karriere mit diesem Film erst richtig in Fahrt kommt. Zur selben Zeit verliebt er sich in die französische Malerin Claire, die Ehe hält 10 Jahre, dann kommt es zur dramatischen Scheidung (Dylans Ehe mit Sara Lowndes wird beleuchtet).
Beim Newport Folk Festival kommt es zu einem Skandal. Der bisher so beliebte Folksänger Jude Quinn (grandios als geschlechtsloses, spilleriges Etwas mit Sonnenbrille und riesigem Wuschelkopf: Cate Blachett) tritt auf einmal mit Band auf und schockiert die Fans mit lauter Rockmusik. Quinn tourt nach London, legt sich mit dem Establishment, dem Publikum (Dylans legendärer Auftritt in der Free Trade Hall in Manchester kommt zu Ehren) und der Kunstszene an, philosophiert mit (einem sehr gut getroffenen) Allen Ginsberg, albert mit den Beatles herum, streitet mit "Coco Rivington" (Warhol - Stilikone Edie Sedgwick), kollabiert von zuviel Drogen und zuwenig Schlaf und kommt bei einem Motorradunfall ums Leben. Cate Blanchett spielt phantastisch und sieht als Einzige Dylan wirklich ähnlich, in ihren Szenen wird Dylans Karriere Mitte der 60er Jahre reflektiert, dies mit viel Surrealismus, der in den Filmen dieser Zeit beliebt war und mit unzähligen Zitaten und Anspielungen auf Songs, tatsächliche Ereignisse und Legenden der 60er Jahre.
Nun zu Billy The Kid. Der ist auch Bob Dylan und wird von Richard Gere gespielt. Billy ist der Kugel seines Freundfeindes Pat Garrett entkommen und lebt zurückgezogen in einem von seltsamem Volk bewohnten Dorf namens Riddle. Die Idylle im Dorf, das das ganze Jahr Halloween feiert, wird bedroht, als ein Highway gebaut werden soll. Billy schlägt sich auf die Seite der Bevölkerung, überlistet die Highwaybauer um Garrett und entkommt seinen Häschern ein weiteres Mal. Er flüchtet sich in einen Güterzug und entdeckt dort die Gitarre, die der kleine Woody Guthrie versteckt hatte. Hier wird natürlich Dylans Mitwirkung in Peckinpahs Western "Pat Garrett & Billy The Kid" reflektiert, aber auch die geisterhafte Musik der "Basement Tapes" (die Bevölkerung von Riddle scheint sämtlich dem Plattencover entstiegen), die Americana von "John Wesley Harding" und die wilde, inprovisationsfreudige Zeit der "Rolling Thunder Review".
In Zwischenepisoden steht der Dichter Arthur (Ben Whishaw) vor Gericht und wird befragt, warum er aufgehört hat, Protestlieder zu dichten. Dieser sieht aus, wie eine Mischung aus Dylan und Arthur Rimbaud und gibt auf die Fragen stets surreal - poetische Antworten, die zum großen Teil aus Pressekonferenzen stammen und mit denen Dylan gern ahnungslose Journalisten an der Nase herumführte.
"I'm Not There" ist kein wirklich biographischer Film, es ist ein Film über die verschiedenen Facetten einer nicht fassbaren Perönlichkeit. Es ist kein Film über das Leben Bob Dylans, auch nicht wirklich über seine Kunst, Todd Haynes interpretiert das Werk des Meisters, beläßt ihm die Rätselhaftigkeit, läßt die verschiedenen Handlungen immer wieder ineinander übergehen oder sich abwechseln.
Es ist so gut wie unmöglich, "I'm Not There" beim ersten Ansehen ganz zu verstehen, zu zahlreich sind die Zitate und Anspielungen auf Leben und Werk Dylans.
Vielleicht ist der Film am ehesten mit seinen größten Songs wie "Desolation Row" oder "Visions Of Johanna" vergleichbar: Faszinierend, grandios, manchmal verstörend und unbegrenzt ausdeutbar.


Das kurze Leben. SZ-Bibliothek Band 11
Das kurze Leben. SZ-Bibliothek Band 11
von Juan C. Onetti
  Gebundene Ausgabe

11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Extrem schwierig, 10. Januar 2008
Manche Bücher verschlingt man einfach (auch die sogenannte hohe Literatur), manche Bücher brauchen etwas mehr Zeit und viel Konzentration, um sie erfassen zu können und da gibt es noch die Extremfälle. Onettis "Das kurze Leben" gehört für mich in die letztere Kategorie. Der Autor macht es dem Leser von Beginn an nicht leicht. Schon die Geschichte an sich ist verwirrend genug.
Juan Maria Brausen steckt in einer Lebenskrise, er ist 40, das Leben scheint für ihn keine Überraschungen mehr zu beinhalten, er sieht im langweiligen Lebens - und Ehealltag keinen Sinn mehr und sucht mit zunehmender Verzweiflung einen Fluchtweg. Schließlich beginnt er, ein Drehbuch zu schreiben, erfindet einen Doppelgänger, der alles tut, was Brausen selbst nicht wagt und ein Leben voller Prostituierten, Kriminalität und Drogen führt. Brausen selbst wird immer mehr von seiner Figur angezogen, beginnt selbst dessen Leben zu führen und verliert sich langsam zwischen der frustrierenden Realität und seiner faszinierenden Fiktion, bis weder Figur noch Leser mehr zwischen wahr (was in einem Roman auch immer "wahr" sein mag) und falsch unterscheiden können.
Auf den ersten Blick eine spannende Geschichte über das Verschwimmem verschiedener Realitätsebenen, wenn man das Buch zu lesen beginnt, wird man auch sofort in die Welt der fitkiven Stadt Santa Maria hineingezogen und nimmt fasziniert teil am Verwirrspiel des Juan Maria Brausen. Doch Onetti macht es mit zunehmender Dauer seinen Lesern immer schwerer, bombardiert ihm mit Abschweifungen und Metaphern, bis man selbst keinen Anhaltspunkt mehr hat, welche Figur gerade spricht, denkt oder handelt, unweigerlich schweift man als Leser selbst immer wieder ab, um über das gerade Gelesene nachzudenken, um plötzlich wieder mit einer völlig anderen Situation konfrontiert zu werden.
Die zum Teil vernichtenden Kritiken hier kann ich gut verstehen, jedoch nicht ganz nachvollziehen. "Das kurze Leben" ist ein wirklich extrem schwierig zu lesendes Buch, dessen Zauber und Faszination sich nicht beim ersten Mal offenbart und den Leser nach dem Ende in eine ziemliche Ratlosigkeit entläßt.
Das mag frustrierend sein, spornt zumindest mich jedoch an, es ein weiteres Mal mit "Das kurze Leben" zu versuchen und vielleicht nach mehrmaligem Lesen den Geheimnissen dieses Romans auf die Spur zu kommen.
Wie sagt Gustav Seibt auf dem Schutzumschlag: "Ein zu wenig gelesener Autor."
Ich werde ihn wieder lesen.
Irgendwann.
Versprochen.


MTV Unplugged
MTV Unplugged
Preis: EUR 6,97

12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wunderschönes Live - Dokument, 29. September 2007
Rezension bezieht sich auf: MTV Unplugged (Audio CD)
Die "Unplugged" - Serie, die MTV in den 90er Jahren im Programm hatte, war eine extrem gute Erfindung und ein Prüfstein für jeden Musiker, der dort auftrat. Hier zeigte sich, wessen Songs wirklich was taugten und wer auch jenseits von Showeffekten und Gitarrengewitter bestehen konnte.
Einige Stars gaben bei "Unplugged" eine recht jämmerliche Figur ab, die erfahrenen Haudegen vom Schlage eines Neil Young, Eric Clapton und eben Dylan stützten sich auf ihr großes Repertoire und lieferten solide bis ausgezeichnete Auftritte, die Jugendidole von Nirvana bewiesen den Zweiflern ihr musikalisches Genie und sorgten für den absoluten Höhepunkt der Serie.
Dylan verläßt sich hier fast völlig auf sein schier unerschöpfliches Songmaterial und spielt seine immense Erfahrung voll aus. Immerhin hat der Meister einen wesentlichen Teil seiner Karriere völlig allein und ohne elektische Hilfsmittel bestritten. Bei "Unplugged" gibt es jedoch keinen gemütlichen Folk - Abend für junggebliebene Alt - 68er. Dylan hat eine ausgezeichnete Band im Rücken und spielt sich durch ein großartiges Set seiner besten Songs, hat sein Material voll im Griff und variiert es einmal mehr in der ihm eigenen Weise. Auch greift er hier auf einige Songs zurück, die man auf seinen anderen Live - Aufnahmen selten bis gar nicht und kaum in dieser Qualität zu hören bekommt.
His Bobness wirkt auf dieser CD ungemein motiviert und inspiriert, spielt Klassiker wie "Tombstone Blues", "The Times They Are A - Changin'" oder "Desolation Row", als hätte er sie gerade erst geschrieben und bringt auch Rariäten wie "John Brown" zu Gehör. Größtenteils verläßt er sich auf die klassischen Songs aus den 60er Jahren, Ausnahmen sind der neue Song "Dignity", ein echtes Dylan Original, bei dem einmal mehr gerätselt werden darf, was der Meister meinen könnte, und die wunderschöne Ballade "Shooting Star". "Rainy Day Women" bekommt, mal wieder einen neuen Text, "All Along The Watchtower" einen neuen musikalischen Anstrich jenseits des bewährten Arrangements von Jimi Hendrix, das Meisterwerk "Like A Rolling Stone" erstrahlt in neuem Glanz und Dylan legt sich als Sänger ins Zeug, als gäbe es kein morgen. Zum Wiederentdecken gibt es noch "Love Minus Zero/No Limit", ebenfalls mit schönem neuen Arrangement ohne kitschige Streicher und die alte Protesthymne "With God On Our Side".
Einziger Wermutstropfen ist hier, daß man bei der Plattenfirma offenbar besonders intensive Atmosphäre erzeugen wollte, also zog man die Begeisterungsausbrüche des Publikums etwas in die Länge, bei "Knockin' On Heaven's Door" läuft, warum auch immer, eine ziemlich nervige Applaus - Dauerschleife unter dem Song weiter.
Das wäre zwar nicht nötig gewesen, stört aber nur wenig. Bob Dylan zeigt sich auf diesem Album wieder als Herr seiner selbst und seiner Songs. Es ist eines seiner besten Live - Dokumente und für jeden Fan und jeden, der es noch werden will, absolut empfehlenswert.


Nevermind
Nevermind
Wird angeboten von mrtopseller
Preis: EUR 8,00

7 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der heilige Gral des Grunge, 25. September 2007
Rezension bezieht sich auf: Nevermind (Audio CD)
Nirvana hatten sich schon einen gewissen Status erspielt, als sie mit den Aufnahmen zu ihrem zweiten Album begannen. Daß sie damit eine Lawine lostreten würden, hätten Kurt Cobain, Krist Novoselic und der (neue) Schlagzeuger Dave Grohl sich wohl nicht gedacht. Das von Butch Vig mit der richtigen Mischung aus Indie - Rohheit und Mainstream - Glätte (Cobain war weniger überzeugt, er fand die Platte überproduziert und hätte lieber ein rauhes Punk - Album gehabt) abgemischte "Nevermind" stieg fast sofort in die Charts ein, verdrängte schließlich Michael Jacksons "Dangerous" von der Top - Position und wurde zu einem der meistverkauften Rockalben aller Zeiten.
Maßgeblich beteiligt am Erfolg der Platte war die Single "Smells Like Teen Spirit", eigentlich eine wütende Abrechnung Cobains mit der politikmüden und feiersüchtigen Jugend. Doch gerade die fand den Song klasse, das Video lief fast ständig auf MTV (jawohl, liebe Jugendliche, es gab eine Zeit, da liefen auf MTV Musikvideos) und die Single enterte weltweit die Charts. Das Phänomen Nirvana war geboren, die 80er Jahre mit ihren auftoupierten und auf Hochglanz gestylten Glam - Metal - Bands und den industriell hergestellten Superstars vom Schlage eines Michael Jackson gehörten der Vergangenheit an, zumindest für eine kurze Zeit war dieser "Grunge" genannte Musikstil, der in seinen besten Songs die wütende Energie des Punk mit der Sensibilität virtuosen Songwritings verband, die weltweite große Jugendbewegung. Man durfte wieder zu seiner Angst stehen, seiner Wut freien Lauf lassen und trug Papas alte Holzfällerhemden (wie das Idol Cobain), die es bald natürlich auch, dementsprechend auf alt getrimmt, zu kaufen gab.
Es war die große Zeit heute legendärer Bands wie Pearl Jam, Smashing Pumpkins oder Soundgarden. Leider lief sich das Phänomen wegen des extremen Hypes, der darum gemacht wurde, schnell tot. Aus dem kleinen, "exklusiven" Club der Grunge - Kids wurde eine weltweite Massenbewegung, alles, was aus Seattle kam und eine Gitarre halten konnte, bekam einen Plattenvertrag (zugegeben, es waren eine ganze Menge Luschen dabei) und durch die totale Kommerzialisierung wurde die Botschaft verwässert. Der ohnehin schon depressive Kurt Cobain kam mit seiner Rolle als Jugendidol und dem Erfolgsdruck überhaupt nicht zurecht, verfiel endgültig dem Heroin und beging schließlich am 5. April 1994 Selbstmord. Vom Verlust ihrer Identifikationsfigur erholte sich die Bewegung nie.
Heute gilt "Nevermind" als eines der wichtigsten Alben der Musikgeschichte, es trat eine Welle los, die viele hochklassige Bands ganz nach oben spülte und bis heute maßgeblichen Einfluß auf die Musikszene ausübt (am Anfang klingt irgendwie jede "Indie" - Band wie Nirvana). "Bleach", "Incesticide" und "In Utero" mögen authentischer, "Unplugged In New York" erschütternder sein, auf "Nevermind" zeigt sich das Genie des Songwriters Kurt Cobain und die Energie und Sensibilität der Band Nirvana von der besten Seite. Abgesehen von den Singlehits (neben dem grandiosen "Smells Like Teen Spirit", das auch nach dem tausendsten Hören nichts von seiner wütdenden Energie eingebüßt hat, gibt es noch das einfühlsame "Come As You Are", das phantastische "Lithium" und das rohe und virtuose "In Bloom", mein persönlicher Favorit) finden sich hier noch Hochkaräter wie "Polly", "On A Plain", "Drain You", oder "Breed". Gekrönt wird das Album durch die langsame, depressive Nummer "Something In The Way" und den Hidden -Track "Endless, Nameless", der das Album mit genialem Lärm beschließt.
"Nevermind" hat seit jeher viel Kritik einstecken müssen, schon die Hardcore - Fraktion der Grunge - Kids warf Nirvana wegen der geglätteten Produktion die Anbiederung an den Mainstream vor, heute wird es gerne als veraltet und phantasielos bezeichnet. Das Gegenteil ist der Fall, "Nevermind" ist eines der einflußreichsten und wichtigsten Alben aller Zeiten geworden, das unzählige Bands inspiriert hat und noch immer inspiriert, und das sich auf jeder ernstzunehmenden Bestenliste findet.
"Nevermind" ist wie ein guter Wein, mit dem Alter wird es immer besser.


Das Hotel New Hampshire
Das Hotel New Hampshire
von John Irving
  Sondereinband
Preis: EUR 12,90

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hochklassiger Familienroman, 19. September 2007
Rezension bezieht sich auf: Das Hotel New Hampshire (Sondereinband)
Als dieser Roman erschien, hatte sich John Irving bereits eine treue Leserschaft erschrieben. Mit "Garp und wie er die Welt sah" hatte er den Durchbruch geschafft, der Nachfolger "Das Hotel New Hampshire" blieb sowohl vom Niveau der Geschichte und des Schreibstils als auch von den Verkaufszahlen her auf dem gleichen Niveau und wurde 1984 erfolgreich verfilmt.
Irving ist ein virtuoser Erzähler, der den Leser mit einer spannenden, sich oft in viele Handlungsstränge aufteilenden Geschichte gefangen nimmt, sein Markenzeichen sind genau beobachtete, lebhafte Milieuschilderungen und ein oft makaberer Humor.
Diese Vorzüge finden sich auch reichlich in "Hotel New Hampshire". Das Buch ist ein sehr komischer, machmal aber auch sehr nachdenklicher und melancholischer Familienroman der etwas "anderen" Sorte, ein Buch über Menschen voller Träume, die sich auch von den größten Katastrophen nicht von ihrer Idee abbringen lassen und trotz wiederholtem Scheitern nicht den Mut verlieren. Ein Roman über den "amerikanischen Traum" und die absurden Versuche der Personen, ihn leben zu können.
Die Geschichte beginnt 1939 an der amerikanischen Ostküste. Mary Bates und Win Berry jobben nach der Highschool im Hotel New "Arbuthnot - By - The - Sea". Beide sind faziniert vom Hotelbetrieb und beschließen in jugendlichem Leichtsinn, selbst ein Hotel zu eröffnen. Als "Glücksbringer" erwirbt Win einen Tanzbären von dem jüdischen Schausteller Freud, als dieser nach Österreich zurückkehrt. Die zahlreichen Anläufe der Familie (Vater, Mutter, fünf Kinder und der Bär Earl), mit dem "Hotel New Hampshire" einen erfolgreichen Touristenmagneten aufzubauen, enden zielsicher immer wieder in einer tragikomischen Katastrophe, auch der Versuch, in Wien als Hoteliers mitten im Rotlichtviertel Fuß zu fassen, steht unter keinem guten Stern. Dreimal wird das "Hotel New Hampshire" gegründet, erst das Dritte und Letzte wird zum Erfolg, wenn auch anders als geplant.
Dazwischen läßt Irving immer wieder die absurdesten Verwicklungen sowohl in der Familie als auch mit Nebenpersonen entstehen, lieb gewonnene Hauptcharaktere sterben plötzlich mitten in der Handlung, um einer neuen, faszinierenden Figur Platz zu machen.
Ein zwar sehr umfangreiches Buch, bei dessen Lektüre die Zeit jedoch wie im Flug vergeht. Ein Roman, den man immer wieder lesen kann und der jedes Mal mit seinem Facetten - und Einfallsreichtum erfreut.


Verdi: Der Troubadour (Gesamtaufnahme (Aufnahme Mailand 1956))
Verdi: Der Troubadour (Gesamtaufnahme (Aufnahme Mailand 1956))
Preis: EUR 60,83

8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wertvoller Troubadour, 12. September 2007
"Il trovatore" ist seit langer Zeit die Lieblingszielscheibe, wenn es darum geht, Abneigung gegen die Oper zu begründen. In der Tat fällt es leicht, dieses Werk zu kritisieren. Das Textbuch von Salvatore Cammarano ist, freundlich ausgedrückt, nicht gerade logisch, er nahm sich aus dem Drama "El trovador" des Spaniers Antionio Garcia Gutierrez einfach die dramatischsten Szenen und vermengte sie zu einer schwer nachvollziehbaren, immer wieder unglaubwürdige Volten schlagenden Handlung mit ziemlich schablonenhaften Figuren.
Giuseppe Verdi mochte das Libretto trotzdem, er fand das Stück schön, einfallsreich (das ist es in der Tat, soviele überraschende Wendungen sucht man in so mancher Fernsehserie vergebens) und voller dramatischer Szenen, die Verdi so sehr liebte. Vor allem die Zigeunerin Azucena, die heimliche Hautfigur der Oper, schlug den Komponisten in ihren Bann und er stattete sie musikalisch besonders liebevoll aus. Sofort nach der Vollendung des "Rigoletto" begann er mit der Komposition, die Oper wurde am 19. Januar 1853 in Rom uraufgeführt und brachte einen weiteren vollständigen Triumph für den Komponisten, innerhalb von zwei Jahren verbreitete sich das Werk über die ganze Welt und zählt noch heute zu Verdis populärsten Opern.
"Il trovatore" bedeutet einen Sieg der Musik über die Handlung, denn wegen der unlogischen Geschichte und den grob gezeichneten Figuren dürfte die Oper kaum die Zeit überdauert haben. Verdi zog hier allerdings sämtliche Register seiner einmaligen Begabung und schuf das musikalisch vielseitigste und melodienreichste Werk seiner frühen Schaffensphase. Er findet für jede Szene die richtige Atmosphäre und schafft sowohl ausdrucksstarke dramatische Bilder als auch innige Liebesgesänge und es gelingt ihm, das Innenleben der Figuren eindrucksvoll zu zeichnen. Ganze Bücher konnte man über Verdis Inspiration schreiben, die nie die Linie der Handlung aus den Augen verliert und für jede Situation eine genial einfach und einfach geniale musikalische Untemalung findet.
Natürlich ist "Il trovatore" noch immer eines von Verdis populärsten Werken und wurde sehr oft aufgenommen, was dem Käufer einmal mehr die Wahl erschwert. Diese Einspielung ist sowohl wegen der größtenteils hervorragenden Besetzung als auch wegen der musikalischen Interpretation Herbert von Karajans ein herausragendes Beispiel einer lebendigen und gründlich durchdachten Studioaufnahme. Sie stammt aus dem Jahr 1956, als Karajan zwar schon ein umjubelter Pultstar war, allerdings noch nicht seine Interpretation über den Willen des Komponisten stellte und sich als ein Dirigent voller ansteckendem Schwung und Theaterblut zeigte. Viele seiner besten Aufnahmen stammen aus dieser Zeit und auch "Il trovatore" ist ein Musterbeispiel für eine ideale Opernaufnahme. Karajan findet stets das richtige Tempo, die musikalische Spannung wird immer auf einem hohen Level gehalten und Karajan hat das sonst oft ziemlich chaotische Orchester der Scala perfekt im Griff. Historisch interessant ist diese Aufnahme obendrein dadurch, daß einige traditionelle Kürzungen zum ersten Mal wieder einbezogen wurden. Manrico singt hier beide Strophen der weltberühmten "Stretta" und Leonores Cabaletta "Tu vedrai che amore in terra" ist ebenfalls erstmals in einer "trovatore" - Einspielung zu hören, somit ist dies die erste wirkliche Gesamtaufnahme der Oper.
An der Besetzung gibt es kaum etwas auszusetzten. Maria Callas' einzigartige Stimme hatte zwar bereits 1956 etwas Schaden genommen, sie klingt schon ein wenig kehlig und neigt zur Vokalumformung. Trotzdem meistert sie die Schwierigkeiten der Rolle rundum ausgezeichnet, Maria Callas liefert hier einmal mehr den Beweis, daß mehr als eine schöne Stimme nötig ist, um zu überzeugen. So gelingt ihr hier eine ausnehmend lebendige Darstellung der etwas undankbaren Leonora, die eigentlich nur das arme Opfer ist, an dem zwei Männer herumzerren. Die Leonora der Callas ist entgegen der allgemeinen Rollenauffassung ungemein selbstbewußt, eine wirklich lebendige Frau und kein Opferlamm.
Rolando Panerai gestaltet seinen Graf Luna sehr vielseitig. Der Gegenpart des Toubardours wird meist als gandenloser, brutaler Bösewicht gezeichnet, daß auch er Leonora wirklich liebt, tritt oft in den Hintergrund. Panerai stattet ihn allerdings mit viel Gefühl aus und betont besonders die wenigen leisen Töne, was dem rüpelhaften Grafen eine selten gesehene weiche Seite gibt. Gesanglich ist er etwas von meisterhafter Stimmbildung entfernt, bei Panerai steht immer das Gestalterische im Vordergrund, was hier durch die Bank positiv zu Buche schlägt.
Für Azucena gibt es kaum eine bessere Besetzung als Fedora Barbieri. Die große Mezzosopranistin war auf die großen Verdi - Partien spezialisiert und wirft hier ein weiteres Mal ihre ganze Erfahrung und ihre große schauspielerische Begabung in die Waagschale. Ihre Gestaltung der Zigeunerin ist völlig überzeugend, ihre großen Szenen (selbst die oft etwas langatmige Erzählung der Vorgeschichte im zweiten Akt) sind Höhepunkte der Aufnahme, ihr größter Augenblick ist jedoch das wundervolle "Ai nostri monti" in der Kerkerszene. Gesanglich ist sie nicht mehr ganz so überragend wie in der älteren Einspielung dieser Rolle unter Renato Cellini, doch nimmt sie den Hörer hier noch einmal mit ihrer hervorragenden Interpreation gefangen.
Und da gibt es noch das Problemkind. Die Titelfigur gehört zum gestalterisch undankbarsten, was die Opernbühne zu bieten hat. Manrico ist geradezu die Karikatur des dummen Tenorhelden, der nur seinen Gefühlen folgt, in jede unglückliche Situation hineinstolpert, von seiner angeblichen Mutter als Werkzeug zur Rache mißbraucht wird und schließlich, um sie zu befreien, mit dem immer wieder mitreißenden "Di quella pira" mit Hurra ins Verdeben rennt. Nur wenige Tenöre vermochten es, den guten Manrico nicht als arienschmetternden Dummkopf darzustellen, so Jussi Björling, Carlo Bergonzi oder Placido Domingo. Giuseppe di Stefano gehört nicht gerade zu dieser Riege, als genialer Gestalter hat sich der Traupartner der Callas nie hervorgetan, dafür umso mehr als Impulssänger mit ausgesprochen schöner Stimme. Diese Tugend kommt auch hier größtenteils zum Ausdruck, so in den schönen Liebesszenen mit Leonora oder in der erschütternden Kerkerszene, in der er auf die bei vielen Tenören obligatorischen tragischen Schluchzer dankenswerterweise verzichtet. Sein Problem sind die Stellen, in denen Manrico den Helden spielen muß. Di Stefano war nie ein Ritter des hohen C wie ein del Monaco oder Corelli, sondern ein lyrisch geprägter Tenor, wie er etwa bei Puccini nötig ist. So muß sich di Stefano hier gewaltig durch die lauten Stellen stemmen und kriegt gerade mal so die Kurve, etwa in der "Stretta", die man hier eher mit ihm durchleidet, als sie zu genießen. Kann er jedoch seine gewohnte lyrische Linie singen, gelingen auch ihm Szenen von außergewöhnlicher Schönheit.
Insgesamt kann man sagen, daß man es hier, trotz der etwas unglücklichen Auswahl des Tenors, mit einer durch die Bank hervorragenden Aufnahme zu tun hat, deren Kauf man nie bereuen wird. Auch die Tonqalität ist für eine schon 50 Jahre alte Einspielung ungewöhnlich gut.
Mit diesem "Troubadour" macht man garantiert nichts verkehrt.


Never Mind the Bollocks - Here's the Sex Pistols
Never Mind the Bollocks - Here's the Sex Pistols
Wird angeboten von A ENTERTAINMENT
Preis: EUR 8,16

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das einzige Album der Skandalbrüder, 10. September 2007
Kaum eine andere Band verursachte einen solchen Wirbel wie die Sex Pistols. Die Band schaffte es mit ihrer extrem provokanten Attiüde immer wieder, in die Schlagzeilen zu geraten und mit spektakulären Aktionen auf sich aufmerksam zu machen.
Lange Zeit waren nicht einmal Singles der Band zu bekommen, die EMI hatte nach einem skandalträchtigen Fernsehauftritt die Single "Anarchy In The UK" eingezogen und den Pistols den Vertrag gekündigt, bei der Firma A & M erging es der Band nicht besser, die erste Pressung der höhnischen "Hymne" zum 25 - jährigen Kronjubiläum der Queen wurde sofort nach dem Erscheinen wieder eingestampft, die Pistols ein weiteres mal rausgeschmissen.
"God Save The Queen" erschien schließlich doch noch, auf dem eigentlich gehaßten Hippie - Label Virgin Records, was die Band mit einem Konzert auf einem Boot auf der Themse feierte, welches wie üblich von der Polizei beendet wurde.
Hinter dieser Aktion wie überhaupt hinter dem ganzen zu dieser Zeit so skandalösen Image der Band steckte ihr Manager Malcolm McLaren, der den Sex Pistols nicht nur ihr für jeden Punk stilprägende Outfit verpasste (unterstützt von der Designerin Vivienne Westwood), sondern auch mit den generalstabsmäßig geplanten Rowdy - Aktionen der Pistols den Bekanntheitsgrad seiner Schützlinge sehr erfolgreich steigerte (und damit davon ablenkte, daß kaum einer der Pistols sein Instrument wirklich beherrschte). Die Sex Pistols sind der beste Beweis für die Wirkung der richtigen Werbestrategie.
Knapp 1 1/2 Jahre waren die Pistols damals die Galionsfiguren der Punk - Bewegung (obwohl die Band selber von dem Begriff nichts wissen wollte), auf vier Singles verhöhnten sie das britische Establishment und besangen (falls man bei Johnny Rottens Mikrokünsten von Gesang sprechen kann) das Lebensgefühl und die Desillusioniertheit der Jugend der späten 70er Jahre, die sich von den Idealen der Hippie - Bewegung und deren Musik enttäuscht abgewandt hatte. Die Musik der Pistols passte optimal in die knallharte Realität und brachte die unterdrückte Wut, die viele fühlten, zum Ausdruck.
1977 schließlich erschien "Never Mind The Bollocks Here's The Sex Pistols", das offiziell einzige Album der Band und die Hysterie um die Sandaltruppe kollabierte sofort. Groß war die Enttäuschung, als die Platte sich als reine Hit - Sammlung mit sämtlichen Singles und deren B - Seiten und nur sechs neuen, wenn auch sehr potenten Stücken entpuppte. Die Musikpresse (nur in England, in Amerika kannte man die Band noch nicht und war von dem Album absolut begeistert) reagierte mit bissigen Verrissen, McLaren kommentierte seinen neuen Coup (auch negative Presse ist Publicity) als "The Great Rock 'N' Roll Swindle".
Natürlich legte sich der Sturm und heute ist das Album wohl das wichtigste Überbleibsel dieser einzigartigen Band. Die Texte von Johnny Rotten haben über die Zeit einiges von ihrer Schärfe und Provokation verloren, wenn man sich mal anhört, was man zum Beispiel von Gangsta - Rappern um die Ohren gehauen bekommt. Trotzdem reißt die Wucht der Songs auf dem Album noch immer mit, Stücke wie die Singles "Anarchy In The UK", "God Save The Queen", "Pretty Vacant" und "Holidays In The Sun" sind für die Rockmusik genauso wichtig und einflußreich geworden wie so mancher Song von den Großmeistern Beatles, Stones und Dylan und die so arg verrissene Platte prägte eine ganze Menge Bands nicht nur aus der "Punk" - Ecke bis heute. "Never Mind The Bollocks" ist eines der wichtigsten Alben aller Zeiten geworden.
Kurz nach der Veröffentlichung lösten sich die Sex Pistols auf, noch bevor die ersten Sicherheitsnadelträger und ihre Hunde in den Fußgängerzonen auftauchten. Geblieben sind ein Musterbeispiel für die optimale Vermarktung einer Band, das oft nachgeahmt wurde und eine Platte voller Songs mit unglaublich wütender Energie.
Ein weiteres Album für die Ewigkeit.


Ehen in Philippsburg. SZ-Bibliothek Band 9
Ehen in Philippsburg. SZ-Bibliothek Band 9
von Martin Walser
  Gebundene Ausgabe

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4.0 von 5 Sternen Sittengemälde aus dem Wirtschaftswunderland, 6. September 2007
Martin Walsers erster Roman "Ehen in Philippsburg" erschien im Jahr 1957 und führte zum endgültigen Durchbruch des Autors. Er zeichnet darin satirisch das Lebensgefühl der Deutschen in den 50er Jahren, die die beschämende Vergangenheit des Nationalsozialismus am liebsten totschwiegen, sich an dem kräftig von Amerika vorangetriebenen Wirtschaftswunder erfreuten und allmählich wieder ihr Selbstvertrauen zurückgewannen (Fußballweltmeister war man ja immerhin auch noch geworden).
Der Roman spielt in einer deutschen Großstadt, der der Autor den Namen Philippsburg gegeben hat, was jedoch nichts mit der gleichnamigen Kleinstadt in Baden - Württemberg zu tun hat. Vielmehr steht der Name symbolhaft für jede deutsche Großstadt und die im Roman portraitierten Personen sind typische Repräsentanten für das Lebensgefühl der Deutschen in der Wirtschaftswunder - Ära.
Mehr oder weniger Held des Buches ist der Anfangs mittellose Journalist Hans Beumann, der kurz nach seinem Studium seine Karriere in der bereits wieder pulsierenden Großstadt beginnen will. Er verkehrt mit Anwälten, Chefredakteuren, Rundfunkintendanten, Industriellen, den Größen der Gesellschaft der jungen Bundesrepublik. Der äußere Schein ist stets glänzend, ein jeder der oberen 10000 rühmt sich selbst für seinen Erfolg und wird erwartungsgemäß von der Gesellschaft verehrt. Anders sieht es im Privatleben der erfolgreichen Männer aus. Viele Ehen werden nur noch von Ehrgeiz, Gewohnheit oder der Angst vor einem Skandal zusammengehalten. Jeder der Karrieristen hält sich eine Geliebte, die Ehefrauen sind zu stillhaltenden, häuslichen Gastgeberinnen verkommen. Wahre Liebe und Leidenschaft sind den Protagonisten abhanden gekommen, es geht nur noch um neue Eroberungen und das Erklimmen der nächsten Stufe der Karriereleiter, während die Fähigkeit wirklich zu lieben immer mehr schwindet und die Emotionen zunehmend verkümmern. Anfangs steht der junge Journalist der neuen deutschen Gesellschaft kritisch gegenüber, mit den ersten Erfolgen wandelt er sich jedoch sehr schnell in einen weiteren Aufsteiger und schließt sich dem allgemeinen Trend an.
Walser hat hier einen gnadenlos beobachtenden, die allgemeine Aufbruchsstimmung hervorragend wiedergebenden Roman geschrieben, der einen ironischen Blick hinter die glänzende Fassade der Wirtschaftswunder - Zeit wirft und den den Größen er neuen Gesellschaft den Heiligenschein vom Kopf reißt.
Sein erster Roman brachte Martin Walser noch im Erscheinungsjahr den Hermann - Hesse - Preis ein und verhalf ihm zum Durchbruch als einem der erfolgreichsten Autoren der Nachkriegsliteratur.
Noch heute ein sehr lesenswertes Buch.


The Man Comes Around
The Man Comes Around
Preis: EUR 7,29

136 von 140 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Album für die Ewigkeit, 2. September 2007
Rezension bezieht sich auf: The Man Comes Around (Audio CD)
Mit "The Man Comes Around", dem letzten zu Johnny Cashs Lebzeiten erschienenen Album aus der American Recordings - Reihe, schließt sich der Kreis. Die Themen der ersten beiden CDs drehten sich um allerlei Mühsale des Lebens, für deren unsentimentale Schilderung der Man In Black berühmt war, auf "Solitary Man" konzentrierte sich das Thema, beeinflußt durch Cashs schwere Krankheit, auf die unabwendbaren Schicksalsschläge und den Tod. Der vierte Teil der American Recordings spinnt diesen Faden zwar weiter, doch im Gegensatz zum sehr düsteren Vorgänger geht es hier primär um die Erlösung, die auf das Leiden folgen muß.
"Spirit", sagte Cash selbst, sei das Thema des Albums, der menschliche Geist, der von den Schwierigkeiten und Katastrophen des Lebens geprägt wird, oft leidet und doch nie bricht, solange er kämpft. Cashs Stimme klingt hier beizeiten schwer angeschlagen, die Krankheit hört man immer heraus, doch auch noch immer den unbedingten Durchhaltewillen.
Das Album beginnt mit "The Man Comes Around", einer biblisch inspirierten Phantasie über das Jüngste Gericht, in der sich Cash als Textdichter von dylanscher Verklausulierungsbegabung präsentiert. Ein recht sperriger, aber eindringlicher Einstieg.
"Hurt" ist der erste Höhepunkt des Albums. Der Nine Inch Nails - Song wirkt wie für den späten Cash geschrieben, seine Version übertrifft das Original bei weitem und ist beeindruckend arrangiert: Von einem leisen Einstieg steigert sich das Stück in eine gewaltige "Wall Of Sound", wird am Schluß (bewußt natürlich, wenn Rick Rubin einen Fehler macht, dann will er ihn machen) übersteuert und klingt schließlich, wieder zur Ruhe gekommen, leise aus. Das geniale Video, das zu dieser Nummer gedreht wurde, ist ein Rückblick auf Cashs lange Karriere und machte dem Man In Black zum bisher ältesten Grammy - Preisträger für ein Musikvideo.
"Give My Love To Rose" ist schon eine bekannte Cash - Nummer, deren Neuaufnahme jedoch sehr gut auf das Album passt, der Sänger findet einen sterbenden Mann an den Bahngleisen und nimmt sich seiner an. Ein Song über Buße und Vergebung.
"Bridge Over Troubled Water" hat so gar nichts vom Kitsch des Originals von Simon & Garfunkel, das Stück klingt hier wie ein Kirchenlied, dem von Cashs brüchiger Stimme und dem schrägen Harmoniegesang Fiona Apples jedes Pathos geraubt wird. Eine musikalisch sehr eigenwillige, aber faszinierende Fassung.
"Hung My Head" stammt von Sting, der Man In Black macht aus dem Song über einen Mord aus Versehen eine nachdenkliche Moritat über Verbrechen und vergeben.
"First Time Ever I Saw Your Face" ist ein klassischer Evergreen, dem es fast nichts mehr zuzufügen gibt, nur fehlte eben noch eine Version von Johnny Cash, der sich hier als Traditionswahrer zeigt und das Stück schlicht und ohne Pathos vorträgt.
"Personal Jesus" ist der nächste Geniestreich. Das Depeche Mode - Stück passt auf den ersten Blick mal wieder so gar nicht in den Cash - Kosmos, zeigt aber einmal mehr, daß Cash keinerlei Berührungsängste hatte. Vom Original bleibt einzig der Text und der Rhythmus übrig, auf Effekte wird verzichtet und das Stück in einen absolut kitschfreien Gospel - Song mit lässigem Boogie - Piano verwandelt. Eine der gelungensten Cover - Versionen aller Zeiten.
"In My Life" hat es da als Folgesong recht schwer. Das Beatles - Stück passt zwar ausgezeichnet auf das Album und natürlich klingt es völlig anders, wenn ein erfahrener Sänger, der bereits das Ende seines Lebens vor Augen hat, es interpretiert. Hier hat jedoch die Kreativität etwas nachgelassen und Cash kann dem Song keine neuen Seiten abgewinnen. Keine schlechte Version, aber der schächste Track auf dem Album.
Mit "Sam Hall" zeigt sich Cash noch einmal als der Outlaw, dem alles egal ist. Die Rolle spielte Cash oft in seinen Songs und hat über die Jahre und trotz der schweren Krankheit nichts von seiner Glaubwürdigkeit verloren.
"Danny Boy", die inoffizielle irische Nationalhymne, darf auf einem Album über Tod und Erlösung natürlich nicht fehlen. Cash tappt hier etwas in die Kitschfalle, das Stück kommt etwas zu kirchenliedhaft daher. Trotzdem gelingt dem Man In Black eine recht beeindruckende Vorstellung. Ein Song zum Schwelgen.
"Desperado" hat wieder die Klasse, die das Album ausmacht. Von der Hochglanzfassung der Eagles ist, trotz der Beteiligung Don Henleys bei der Aufnahme, nichts übriggeblieben. Bei Cash wird aus dem glänzenden Colt eine rostige alte Knarre, wie sie jeder düstere Held eines Italo -Western bei sich hat.
"I'm So Lonesome I Could Cry" erweist dem Großmeister der Country - Musik Hank Williams die Ehre. Hundertmal aufgenommen sticht diese Fassung des Klassikers mit Cash und Nick Cave am Mikro heraus und übertrifft noch die Intensität des Originals. Einer der besten Songs auf dem Album.
"Tear Stained Letter", ein Cash - Original, fällt im Vergleich dazu wieder etwas ab, doch sieht man hier einmal mehr den legendären trockenen Humor des Man In Black.
"Streets Of Laredo", einer der absoluten Klassiker der Country - Musik, darf hier natürlich auch nicht fehlen. Der Song über einen sterbenden Cowboy zeigt Cash (es ist schon seine zweite Version dieses Songs) noch einmal voll auf der Höhe, seine Stimme hat hier wieder den berühmten satten Bariton und die Interpretation macht einem weiten Bogen um Klischee und Pathos. Nur Johnny Cash konnte diesen Song so singen.
Das Album endet mit "We'll Meet Again", mit dem sich schon die Byrds auf ihrem ersten Hit - Album "Mr. Tambourine Man" verabschiedet hatten. "The Whole Cash Gang" ist hier am Mirko vertreten und entläßt den Hörer mit einem Silberstreif am Horizont und der Hoffnung auf eine weitere Fortsetzung der American - Reihe.
Leider starb Johnny Cash einige Zeit nach der Veröffentlichung des Albums. Er hatte jedoch noch viel Material hinterlassen, von dem schon einiges veröffentlicht wurde (auf dem großartigen Box - Set "Unearthed" und dem Album "A Hundred Highways"), wer weiß, vielleicht sind die letzten Worte des Man In Black noch immer nicht gesprochen.
"The Man Comes Around" markiert jedoch im Nachhinein einen Endpunkt. Es ist das letzte zu Cashs Lebzeiten erschienene Album, bei dem er noch voll beteiligt war und zeigt ihn noch einmal als hervorragenden Musiker und Songwriter, der sich auch von den schwersten Schicksalsschlägen nicht besiegen läßt.
Ein Album, von dem man nie genug bekommen kann.
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