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Rezensionen verfasst von
Martin Resch (Hamburg)

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Fidelio (Ga)
Fidelio (Ga)
Preis: EUR 28,13

8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ausgezeichneter Fidelio, 20. April 2009
Rezension bezieht sich auf: Fidelio (Ga) (Audio CD)
Ludwig van Beethoven, das Genie, das dramatische Spannung in Kammer - und Orchestermusik einbrachte (man höre nur seine Symphonien 3-9), musste sich logischerweise auch zum Musiktheater hingezogen fühlen. Er komponierte mehrere Bühnenmusiken, so zu Goethes "Egmont" und Shakespeares "Coriolan", blieb aber in diesem Genre stets ein Fremder.
Nur eine einzige Oper hat Beethoven geschaffen, er brauchte dafür zwölf Jahre, schrieb drei Fassungen, vier Ouvertüren und hinterließ unzählige Skizzen. Trotzdem bezeichnete ihn Richard Wagner als "Vater des deutschen Musikdramas". Warum tat sich Beethoven nun als Bühnenkomponist so schwer?
Er war, anders als die damals vorherrschenden italienischen Maestri Salieri, Spontini, Rossini u.v.a. kein Komponist, der ausschließlich für das Theater schuf. Der Opernbetrieb mit seinem Primadonnentum, dem reinen Schönklang und den vordergründigen Effekten war ihm fremd und zuwider. Rossini holte sich, als er den verehrten Kollegen einmal in Wien besuchte, von dem bereits Ertaubten einige heftige Rüffel und immerhin den Rat ab, "möglichst viele Barbiere zu schreiben". Beethoven interessierte sich hauptsächlich dafür, die inneren Vorgänge der handelnden Personen in die Musik einfließen zu lassen. Die Szenen im "Fidelio", in denen ihm das vollauf gelingt, gehören zu den stärksten Momenten der Theatergeschichte, so Leonores "Komm, Hoffnung" - Arie, der Chor der Gefangenen, Florestans Arie "In des Lebens Frühlingstagen", das Duett "O namenlose Freude" und noch viele weitere Musiknummern.
Den Durchbruch verdankt der "Fidelio", wie so viele geniale Kompositionen, einem Zufall. Zweimal war das Werk bereits erfolglos unter dem Titel "Leonore oder die eheliche Treue" über die Bühne gegangen und Beethoven hatte die Oper schon endgültig zurückziehen wollen, da wünschten einige Mitglieder des Theaters an der Wien, das Stück im Rahmen einer Benefizveranstaltung aufzuführen. Beethoven arbeitete sein Werk nochmals um und unter dem neuen, endgültigen Titel "Fidelio" erlebte die Oper einen vollständigen Triumph, trat eine bis heute andauernde Reise über die Bühnen der Welt an. Das wohl ewig gültige Thema, die Befreiung durch Liebe aus den Fängen der Tyrannei ist ungebrochen populär und verliert wohl (leider) nie seine Aktualität, man sehe nur die jüngere deutsche Geschichte, den Untergang der nationalsozialistischen Diktatur und den Zusammenbruch des Ostblocks.
Der Dirigent Sir Georg Solti hatte sein Leben lang eine besondere Beziehung zum "Fidelio". Während des zweiten Weltkrieges hatte er sechs Jahre lang nicht arbeiten können, hatte miterleben müssen, wie die Nazis seine Heimat Ungarn überrannten, bis das Land von den Sowjets zuerst befreit und abermals unterdrückt wurde. 1946 dirigierte er die Oper erstmals in Stuttgart, etwas später in München, was ihm zum Durchbruch verhalf und seine weltweite Karriere startete. 34 Jahre später entstand diese Aufnahme, die für mich neben der DG - Einspielung unter Leonard Bernstein aus der Unzahl von Fidelios heraussticht. Zum einen liegt das an Soltis temperamentvoller, mitreissender und teilweise fast "wütender" Leitung, die diese Aufnahme zum kompromisslosen Plädoyer für die Freiheit macht, zum anderen an der hervorragenden Besetzung.
Hildegard Behrens ist meiner Meinung nach die beste und überzeugendste Leonore, die man auf CD bekommen kann. Die dramatische Ausdruckskraft der Rolle liegt voll auf ihrer Linie und die relative Kürze der Partie kommt ihrer kraftraubenden Stimmführung besser entgegen, als so manche lange Wagner - Partie. Neben der "Salome" unter Karajan sollte man dieses Dokument einer hervorragenden Sängerin unbedingt besitzen.
Auch der ansonsten oft mehr als problematische Peter Hofmann zeigt sich hier in bestechender Form. Anders als etwa René Kollo verläßt er nie die Gesangslinie, um seinem Florestan Ausdruck zu verleihen. Er hat seine Stimme absolut im Griff, der Hang zum "Knödeln" fehlt hier noch völlig. Hofmann präsentiert einen stimmlich wie schauspielerisch ausgezeichneten Florestan.
Eindeutig ein Gewinn gegenüber Bernstein ist die Besetzung des Kerkermeisters Rocco mit Hans Sotin. Lange Zeit wurde diese sehr wichtige und tiefgründige Rolle als typischer Singspiel - Vatercharakter abgetan, der keine sonderlich interessanten Eigenschaften besitzt. Dabei hat gerade der Rocco zwei Gesichter. Zum einen ist er der freundliche und gütige Vater der Marzelline und Förderer des Fidelio, auf der anderen Seite der stets opportunistische Befehlsempfänger, der mit keinem Wort dem Mordplan des Don Pizarro widerspricht, ihn nur nicht selbst ausführen will, um nicht in Schwierigkeiten zu geraten. Sowohl die früher oft gestrichene "Goldarie" (an Fidelio schätzt er vor allem dessen Sparsamkeit), als auch seine Worte nach dem erlösenden Trompetensignal ("O fürchterliche Stunde! O Gott, was wartet mein?") zeichnen ein Charakterbild, das treffender den typischen, sich stets vor dem höher Stehenden duckenden Menschen nicht zeigen könnte. Mit stimmlichen Mitteln zu glänzen gibt die Partie nicht her. Rocco will von einem erstklassigen Sänger - Schauspieler dargestellt werden und ist bei Sotin in den allerbesten Händen.
Überzeugend agiert auch Theo Adam als Don Pizarro. Seine etwas heisere Stimme ist wie geschaffen für diesen Bilderbuch - Bösewicht. Schauspielerisch ist diese sehr einsilbige Rolle nicht besonders dankbar, und so spielt Adam das, was der Pizarro sein soll: Ein Mensch, den man gerne hasst. Beim Sprechen sächselt er etwas, was allerdings genauso wenig stört, wie der oft gescholtene S - Fehler der Behrens.
Sehr gut besetzt sind die kleineren Rollen, die Marzelline mit einer sensiblen Sona Ghazarian, der Don Fernando mit einem väterlich - gütigen Gwynne Howell, sowie der Jaquino mit einem recht engagierten David Kuebler.
Ein Sonderlob gibt es für den Chicago Symphony Chorus, der die Gefangenen - Szene und das große Schlußbild zu Höhepunkten der Aufnahme macht.
Bedauerlich ist das Fehlen der Ouvertüre "Leonore III", ein großartiges Musikstück, das bei Theateraufführungen gerne zwischen Kerker- und Schlußbild gespielt wird und symphonisch das Geschehen zusammenfasst. Zwar bleibt auf diese Weise das Stück im Fluß (die fast 15 - minütige Ouvertüre reisst beizeiten ein Loch in die Handlung), doch als "Anhängsel" wäre sie, von dem grandios aufspielenden Chicago Symphony Orchestra dargeboten, höchst willkommen gewesen.
Doch auch so ist diese Aufnahme ein mitreißendes und aufwühlendes Zeugnis dieser einmaligen Oper, die niemanden kalt lassen kann (außer Musikkritiker, versteht sich).
Fünf Sterne, uneingeschränkt.


Der Ring des Nibelungen (Ga)
Der Ring des Nibelungen (Ga)
Preis: EUR 55,99

17 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der MET - Ring: Eine Großtat von James Levine, 19. April 2009
Rezension bezieht sich auf: Der Ring des Nibelungen (Ga) (Audio CD)
Der Ring des Nibelungen - Wagners Monsterwerk, über 15 Stunden Musik, ein riesiges Orchester, 16 zu besetzende Hauptrollen, ständige Schauplatzwechsel und endlose Deutungsmöglichkeiten. Jeder Dirigent, jeder Regisseur wird davon träumen, einmal dieses Großprojekt in Angriff zu nehmen. Und nätürlich hatte jeder bedeutende (und so mancher weniger bedeutende) Dirigent seit Erfindung der Schallaufzeichnung den Ehrgeiz, seine Sichtweise von Wagners Weltendrama ganz oder wenigstens teilweise für die Nachwelt zu konsevieren. Theoretisch kann der Musikfreund sein ganzes Leben damit verbringen, kann wählen zwischen Furtwängler, Solti, Karajan, Böhm, Barenboim, Boulez, Sawallisch, Haitink, Janowski und noch unzähligen mehr.
Den Referenz - Ring gibt es meiner Kenntnis nach nicht. Jede Aufnahme, die ich gehört habe, hat ihre Stärken und Schwächen. Diese Gesamteinspielung, die in den späten 80er und frühen 90er Jahren entstand, hat zwar auch ihre (kleinen) Durchhänger, doch ist sie für mich die homogenste Aufnahme mit einem durchgehend hochkarätig besetzten Ensemble. Einzig Böhms Live - Einspielung von 1967 kann in punkto musikalischer Stringenz und Sängerqualität mithalten, leider krankt diese Aufnahme an zeitweise recht bescheidener Tonqualität.
Levine wählt, wie gewohnt, gemessene Tempi und gibt der Musik einiges an Weichzeichner mit auf den Weg. Dadurch gerät er nicht in Gefahr, dem schieren Bombast und dem berüchtigten "furor teutonicus" zu verfallen, was gerade beim "Ring" ein nicht zu unterschätzendes Risiko ist. Levine geht es darum, die Geschichte in Fluß zu halten, die zahllosen Motive in der Partitur mit den Motivationen der handelnden Personen zu verbinden, wodurch seine Interpretation größtmögliche Klarheit gewinnt. Hier wird nicht einfach wild drauflosgewagnert, das Werk wird durchleuchtet und so führt eins logisch zum anderen. Daß das keine intellektuell - akademische 16 - Stunden - Konsevatoriumsvorlesung zum Thema Ringkunde wird, liegt am blutvoll aufspielenden Orchester der Metropolitan Opera, sowie an den hervorragend musizierenden und (größtenteils) agierenden Sängern.
Da ist zuerst James Morris als Wotan zu nennen. Sein voluminöser Baß - Bariton passt ausgezeichnet zum Göttervater, er singt mit bester Textverständlichkeit und hat keinerlei Sprachschwierigkeiten. Es gelingt ihm, sein Rollenportrait über die gesamte Dauer des Werkes glaubhaft zu gestalten. Im "Rheingold" ist er ein fast jugendlicher Wotan, der, um die Welt nach seinen Vorstellungen beherrschen zu können, sich leichtsinnig in unlösbare Probleme verstrickt, in der "Walküre" ein desillusionierter, enttäuschter Wahrer sinnloser Verträge, im Siegfried schließlich der ruhelos nach der letzten Lösung suchende Wanderer. Ein rundum gelungene Darstellung.
Seine Fricka ist die große alte Dame des Wagnergesanges, Christa Ludwig. Doch klingt sie alles andere als alt, ihre Stimme zeigt keinerlei Ermüdungserscheinungen. Auch ihr gelingt eine vollauf überzeugende Leistung. Ihre Fricka ist eine energische Mahnerin und Hüterin der Ehe, ohne je tantenhaft oder gar hysterisch zu klingen.
Ekkehard Wlaschiha hat es etwas schwerer. Er singt insgesamt zwar einen recht glaubhaften Alberich mit charaktervoller, etwas rauher Stimme, doch fehlt ihm sowohl die Wollust gegenüber den Rheintöchtern, als auch der ultimative Wille, die Gier nach der Macht. Gegen den Über - Alberich des letzten Jahrhunderts, Gustav Neidlinger, verliert er einiges an Kontur, aber solche Vergleiche sind eigentlich unfair.
Als sein Nibelungen - Bruder Mime glänzt Heinz Zednik. Nicht umsonst hat er sich in dieser Rolle weltweit Ruhm erworben. Zednik bringt ein absolut glaubhaftes Rollenportrait des von Neid und Mißgunst zerfressenen Zwerges zu Gehör. Dabei verläßt er nie die Gesangslinie, wird nicht zum "Rapper" oder zur Karikatur, wozu diese Rolle schon so machen verführt hat. Eine ausgezeichnete Leistung.
Ein weiterer Glanzpunkt der Besetzung ist Kurt Moll, der hier gleich in drei Rollen überzeugt. Im "Rheingold" gibt er den melancholischen Riesen Fasolt, in der "Walküre" einen gefährlichen, grimmigen Hunding und im "Siegfried" einen gewaltigen, im Sterben wahrhaft weisen Fafner.
Weitere ausgezeichnete Auftritte im "Rheingold" liefern Siegfried Jerusalem als Loge, Siegfried Lorenz als Donner, Brigitta Svedén als Erda, sowie Hei - Kyung Hong, Diane Kesling und Meredith Parsons als perfekt aufeinander eingespieltes Rheintöchter - Trio.
Die neuen Stimmen in der "Walküre" erfreuen durch die Bank. Als Wälsungenpaar glänzen Jessye Norman und Gary Lakes. Die Sieglinde der Norman besticht durch genaue, bewegende und stimmlich wundervolle Darstellung mit hervorragender Sprachgestaltung. Der Siegmund Gary Lakes kämpft zwar ein wenig mit der deutschen Diktion, doch wartet er mit einer prächtigen und machtvollen Stimme, die nie ins Brüllen verfällt, auf, und gestaltet den unglücklichen Helden sehr glaubhaft. Fünf Sterne für beide.
Hervorragend auch die Brünnhilde von Hildegard Behrens. Nach der "Salome" unter Karajan und der "Leonore" unter Solti liefert sie wieder ein energiegeladenes und überzeugendes Rollenportrait ab. Was ihr an stimmlicher Leistungsfähigkeit fehlt (eine neue Brigitte Nilsson ist sie nicht wirklich), macht sie durch darstellerische Intensität wett. Auch der berüchtigte S - Fehler stört kaum, die Behrens ist die bislang überzeugendste Brünnhilde des digitalen Zeitalters.
Mit ihrem Gegenpart Reiner Goldberg sieht es etwas anders aus. Zwar besticht sein Siegfried durch stimmliche Schönheit und Textverständlichkeit, nur wirkt er irgendwie etwas unbeteiligt, kommt an einige Altvordere (Windgassen, schon wieder so ein gemeiner Vergleich!!) bei weitem nicht heran. Einen wirklichen Ausfall kann man ihn nicht nennen, aber warum der damals in vollem Saft stehende Siegfried Jerusalem die Rolle nicht gesungen hat, ist mir ein Rätsel.
Auch in der "Götterdämmerung" gibt es hervorragende Sänglerleistungen zu hören. Altmeisterin Helga Dernesch, sowie Tatiana Troyanos und Andrea Gruber bestechen als Nornen - Trio. Die Gibichungen sind mit Bernd Weikl (Gunther) und Cheryl Studer (Gutrune) ausgezeichnet besetzt. Komplettiert wird das Ensemble durch einen wirklich pechschwarzen Hagen (Matti Salminen) und eine bewegende Waltraute (Hanna Schwarz).
Wer also einen "Ring" in selten gehörter Klarheit und musikalischer Schönheit ohne allzuviel "teutsches" Gedröhne sucht, der greife zu dieser ausgezeichneten Aufnahme.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 30, 2011 9:59 PM MEST


Wagner - Tristan und Isolde (GA)
Wagner - Tristan und Isolde (GA)
Preis: EUR 12,49

15 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Furtwänglers Tristan - Eine Aufnahme für die Ewigkeit, 19. April 2009
Rezension bezieht sich auf: Wagner - Tristan und Isolde (GA) (Audio CD)
Musikalisch wie dramatisch stellt "Tristan und Isolde" einen Wendepunkt in der Musikgeschichte dar. Geplant war ein Werk, das keiner Bühne größere Aufführungsschwierigkeiten bereiten und dessen Thema, die Liebe, aller Völkern der Erde gleichermaßen verständlich sein sollte. Wie so oft bei Wagner kam es anders.
Unter dem Eindruck der Liebe zu Mathilde Wesendonck, die, wohl auch durch den Reiz des Verbotenen gestärkt, außerordentlich tief gewesen sein muß, gestaltete Wagner den hochmittelalterlichen Ritterroman des Gottfried von Straßburg auf ureigene Weise. Der Liebestrank löst bei ihm nicht die Liebe zwischen Tristan und Isolde aus, vielmehr setzt er lange unterdrückte Gefühle frei. An die Stelle einer quasi unter Zwang entstandenen Liebe tritt eine Leidenschaft, deren höchste Erfüllung nur noch im völligen ineinander Aufgehen, in der Auflösung ins Nichts, im Tod gefunden werden kann.
Zu diesem für die Zeit unerhörten Thema schrieb Wagner eine Musik, die alle damaligen Konventionen überschritt. Mit Ausnahme des langen Duettes im zweiten Akt und dem Liebestod der Isolde hat die Musik über die ganze Dauer des Werkes keinen Ruhepunkt, befindet sich in ununterbrochener Bewegung und stellt plastisch die innere Aufwühlung der handelnden Personen dar. Die Musik stößt ins Seelische vor, läßt Träume und Sehnsüchte aufblühen, negiert die "reale" Existenz. Sehr lange Zeit schreckte jedes Theater vor der unmöglich scheinenden Aufführung des Werkes zurück.
Als diese Aufnahme entstand, führte der "Tristan" allerdings bereits seit beinahe 90 Jahren ein lebendiges Bühnendasein. 1952 sah Wilhelm Furtwängler endlich "den Augenblick gekommen, in dem man Schallplatten machen kann." Bis zu diesem Zeitpunkt hatte er es als unmöglich erachtet, sein musikalisches und zeitliches Empfinden mit den Gegebenheiten einer unorganischen technischen Aufzeichnung in Einklang zu bringen. Der legendäre Produzent Walter Legge schaffte es, den Dirigenten mittels neuester Aufnahmetechnik zu überzeugen, womit diese einzigartige Einspielung zu einem Großteil auf sein Konto geht.
Allein schon das berühmte Vorspiel rechtfertigt die Anschaffung . Natürlich gibt es mittlerweile technisch perfektere Versionen, aber was die musikalische Auslotung betrifft, gelingt allein Carlos Kleiber eine ähnlich erhebende und erschütternde Interpretation. Und Kleiber hatte bei weitem nicht so gute Sänger.
An erster Stelle ist da Kirsten Flagstad zu nennen. Diese war zum Zeitpunkt der Aufnahme bereits 57 Jahre alt, ist somit natürlich keine jugendlich-leidenschaftliche, sondern eine an mehreren Stellen geradezu weise Isolde. Daß sie nicht mehr auf dem Höhepunkt ihrer stimmlichen Leistungsfähuigkeit ist, bemerkt man nur im ersten Akt, wenn ausschließlich die beiden Frauen zu hören sind. Hier ist die einzige Schwachstelle dieser Aufnahme, da auch Blanche Thebom als Brangäne etwas überfordert ist und das Orchester teilweise überlaut spielt, was sehr zu Lasten der Textverständlichkeit geht. Mit der Liebestrank-Szene erreicht die Einspielung jedoch Weltniveau. Das lange, spannungsvolle Schweigen des Liebespaares, spärlich und doch unglaublich intensiv untermalt, die ausbrechende Leidenschaft im Kontrast mit dem Jubelgesang der Schiffsleute, der geradezu überirdische zweite Akt mit dem wohl längsten Duett der Operngeschichte, schließlich der Liebestod - eine rundere Darstellung der Isolde ist für mich nicht vorstellbar.
Auch Ludwig Suthaus war 1952 nicht mehr der Allerfrischeste. Er ist alles andere als ein jugendlicher Held, vielmehr verströmt seine Darstellung vom ersten Augenblick an eine tiefe Melancholie, die sich nach der Leerung des "bittern Kelches" in größte Leidenschaft und Todessehnsucht wandelt. Seine stärksten Momente hat auch er im zweiten Akt, sowie in den gewaltigen Ausbrüchen des todwunden Helden im dritten Akt. Anders als sehr viele seiner Vorgänger und Nachfolger in der Rolle bewältigt er diese Passagen von höchster Schwierigkeit durchgehend singend, verfällt nie in Gebrüll oder Sprechgesang. Für mich ist er insgesamt der Überzeugendste von allen Tristan-Darstellern.
Von den Nebenrollen sticht vor allem Dietrich Fischer-Dieskau hervor. Er stand damals noch ziemlich am Anfang seiner großen Karriere und singt den Kurwenal als jungen Kämpfer von einfachem Gemüt ohne intellektuelle Verbrämung, ist noch meilenweit entfernt von Mätzchen späterer Zeiten und der traurigen zweiten Einspielung dieser Rolle unter Carlos Kleiber.
Josef Greindl ist zwar nicht der ideale König Marke, da stehen Martti Talvela, Kurt Moll und Gottlob Frick vor ihm, doch vermag er mit seiner etwas brüchigen, rauhen Stimme die Enttäuschung und die Trauer des betrogenen Königs sehr überzeugend darzustellen.
Nicht ganz glücklich bin ich mit der Brangäne von Blanche Thebom. An einigen Stellen kämpft sie stark mit der Sprache, ist im ersten Akt hörbar überfordert und gerät zeitweise ins Schreien. Sie steigert sich jedoch im zweiten Akt enorm, ihr Gesang vom Turm herab gehört zu den schönsten Stellen dieser Aufnahme.
Abgerundet wird das Ensemble von Rudolf Schock als junger Seemann und Hirt, der diesen kleinen Rollen ein lyrisches Eigenleben zu verleihen mag.
Dies ist nicht die ideale Tristan-Aufnahme, die gibt es nicht und wird es wahrscheinlich niemals geben. Doch kommt sie in ihrer Gesamtheit der Idealvorstellung dieser Mutter aller Liebesdramen ziemlich nahe.
Sie sollte in keiner Klassiksammlung fehlen, es sei denn natürlich, man mag keinen Wagner.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 18, 2013 4:58 PM CET


Der talentierte Mr. Ripley. SZ-Bibliothek Band 16
Der talentierte Mr. Ripley. SZ-Bibliothek Band 16
von Patricia Highsmith
  Gebundene Ausgabe
Wird angeboten von torstenjandt
Preis: EUR 4,85

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der erste Auftritt des Unfassbaren, 14. April 2009
Tom Ripley ist ein Genie, er weiß es nur noch nicht. Noch schlägt er sich in New York mit kleinen Betrügereinen mehr schlecht als recht durchs Leben, ständig in Sorge, erwischt zu werden. Da kehrt sich unvermutet alles um: der reiche Mr. Greenleaf stattet ihn mit einer ansehnlichen Summe aus und beauftragt ihn, dessen Sohn Richard, der in Italien ein Bohèmeleben führt und den Ripley flüchtig kennt, anch Amerika zurückzubringen. In Italien angekommen macht er Richard und seine Freundin Marge schnell ausfindig und drängt sich geschickt in ihr Leben. Anstatt "Dickie" allerdings ins Gewissen zu reden und zur Rückkehr zu bewegen, findet Ripley mehr und mehr Gefallen am Lotterleben am Meer und fühlt sich außerdem immer stärker zu Richard hingezogen. Erst als der alte Greenleaf ihm den Geldhahn zudreht, beschließt Ripley zu handeln und beginnt ein geniales Versteck - und Verwechslungsspiel.
Patricia Highsmith schuf mit Tom Ripley einen der faszinierendsten Charaktere der Krimigeschichte. Trotz seiner absoluten Moralfreiheit, die ihm erlaubt, die übelsten Verbrechen zu begehen und auf abenteuerliche Weise immer wieder seinen Verfolgern zu entkommen schafft es die Autorin, den Serienmörder als Sypathieträger darzustellen. Der Leser kann sich der Faszination für Tom Ripley kaum entziehen, verfolgt gebannt seine zahlreichen Winkelzüge und Entkommensstrategien und fiebert stets mit, ob es ihm auch diesmal gelingen wird, seinen Verfolgern, die ja eigentlich die "Guten" sind, zu entkommen.
Tom Ripley war wohl ursprünglich nicht als Held mehrerer Romane geplant, allerdings bewog der Erfolg von "Der talentierte Mr. Ripley" Patricia Highsmith dazu, ihn noch ihn vier weiteren Romanen, denen ebenfalls großer Erfolg beschieden war, zum Antihelden zu machen. So wird Tom Ripley wohl noch lange Zeit sein Unwesen in den Buchläden und Kinos treiben, und das hochverdient, denn eine faszinierendere Thrillerfigur als den durchtriebenen, pragmatischen Mörder wird es so schnell nicht mehr geben.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 25, 2013 2:27 AM MEST


No Direction Home: The Soundtrack -- Bootleg Series Vol. 7
No Direction Home: The Soundtrack -- Bootleg Series Vol. 7
Preis: EUR 19,87

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wie aus Bob His Bobness wurde, 13. April 2009
2005 war ein phänomenales Jahr für die Dylan - Gemeinde. Nach jahrzehntelangem Rätseln um weiße Flecken in Leben und Werk des Meisters äußerte sich der Verehrte schließlich nach ewiger Verweigerung getreu der Devise "Don't Look Back" auf einmal selbst. Zusätzlich zur (wiederum stark stilisierten) Autobiographie "Chronicles" kam ein hervorragender Dokumentarfilm über Dylans frühe Karrierejahre (genauer von den Anfängen bis zum Rückzug ins Privatleben nach seinem Motorradunfall 1966) von Martin Scorsese ins Kino, der dem Fan sowie dem Neueinsteiger schon lange begehrte Informationen über den Lebensweg des Meisters liefert.
Natürlich mußte zu einem Ereignis dieser Größenordnung auch ein entsprechender Soundtrack her und so erschien in der immer wieder hochgelobten "Bootleg Series" diese wunderbare Doppel - CD, die einem ermöglicht, das Phänomen Dylan von der (angeblich) ersten Aufnahme überhaupt (1959) bis zur sensationellen Liveversion von "Like A Rolling Stone" (17. Mai 1966) aus der Free Trade Hall in Manchester durch die frühen Jahre seiner einmaligen Karriere zu begleiten.
CD 1 ist dem Werden des Meisters vom klampfenden Teenager Robert Zimmerman über den Folkie und Protestsänger in New Yorker Village, als der er eine Fangemeinde um sich scharte, die ihn fast gottgleich verehrte, bis zur langsamen Abkehr von den Idealen der Folkbewegung und der Entstehung der ersten rätselhafen Songwortkaskaden gewidmet. Viele Schätze finden sich hier, z. B. Dylans allererste Aufnahme "When I Got Troubles", natürlich nicht wegen der großartigen dichterischen Leistung (und schon gar nicht wegen der Aufnahmequalität), sondern wegen des historischen Werts, über die ersten Gehversuche in New York (alternative Version des "Song To Woody" vom Debutalbum, eine wunderbare Liveversion von Guthries "This Land Is Your Land" und bisher unveröffentlichte Alternate Takes und Liveaufnahmen von Klassikern wie "Blowin' In The Wind", "Masters Of War", "Mr. Tambourine Man" oder "Chimes Of Freedom". Die CD endet prophetisch mit "It's All Over Now, Baby Blue", im zweiten Teil wird der radikale Bruch vollzogen.
CD 2 reflektiert zwei der turbulentesten Jahre (1965/66) in Dylans Karriere, in denen er sich von den Idealen der Folkbewegung abkehrte und mit Band und elektrischen Instrumenten ins Studio ging und auftrat. Besonders interessant ist dieser Teil für den Fan, weil man hier endlich alternative Versionen zu den Songs bekommt, die noch immer zu den besten in seinem Schaffen gehören und weil diese Phase in den ursprünglichen "Bootleg Series" (wohl kaum ohne Kalkulation) bis auf einige wenige Demos ausgespart wurde. Hier sind sie also endlich, Versionen der großen Meistersongs, die es nicht auf die Alben schafften, jede einzelne ein Schatz für den Dylanologen und den normalen Fan, die sich kaum satthören werden können an den Alternative Takes von Großtaten wie "Just Like Tom Thumb's Blues", "Desolation Row", "Visions Of Johanna" oder "Tombstone Blues". Ergänzt wird der essentielle Kanon durch drei herausragende Liveaufnahmen, eine krachende Version von "Maggie's Farm" vom berühmten Auftritt beim Newport Folk Festival, sowie ein ausgezeichnetes "Ballad Of A Thin Man" und die bereits sattsam bekannte ultimative Version von "Like A Rolling Stone", beide aufgenommen auf der legendären Großbritannien - Tour im Frühahr 1966.
Zu den beiden CDs gibt es noch ein schönes Büchlein mit der üblichen Portion Heldenverehrung durch den einstigen Stones - Manager Andrew Loog Oldham und Al Kooper, sowie wenig erhellende Infos über die Songs auf den CDs, dafür allerdings eine erfreuliche Vielzahl Dylan - Fotos aus dem reflektierten Karriereabschnitt vom pausbäckigen Teenager zuhause in Duluth bis hin zum androgynen, unnahbaren Dichterfürsten von 1966.
Wie für jeden anderen bisher erschienenen Teil der Bootleg - Series gilt auch hier: Uneingeschränkt zu empfehlen.


Humperdinck: Königskinder (Gesamtaufnahme)
Humperdinck: Königskinder (Gesamtaufnahme)
Wird angeboten von LP und CD Verkauf
Preis: EUR 42,24

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Zu Unrecht vergessenes Meisterwerk, 12. April 2009
Engelbert Humperdinck ist einer der nicht wenigen Komponisten, die mit einem einzigen Werk Weltruhm errangen, diesen Erfolg aber nie wieder erreichen konnten. Die Märchenoper "Hänsel und Gretel" brachte dem Komponisten auf einen Schlag Berühmtheit ein und hält ihn bis heute im Gedächtnis und in den Spielplänen. Für so manchen hat die Liebe zur Oper wohl mit einer der traditionellen Aufführungen dieser ersten Kinderoper zu Weihnachten begonnen. Daß Humperdinck noch mehrere Opern geschrieben hat, ist den meisten unbekannt und seine anderen Werke sind fast vergessen, was einen ungemein traurig stimmt, hat man sich erst einmal "Königskinder" angehört.
Ursprünglich sollte Humperdinck nur ein paar Lieder zu einem weiteren Märchenspiel schreiben, daraus wurde allerdings ein abendfüllendes Musikdrama, in dem der Komponist einmal mehr seine Begabung, volkstümliche Melodien mit meisterhafter spätromantischer Musik unter deutlichem Einfluß Richard Wagners zu vermischen, eindrucksvoll demonstriert. Die Uraufführung des vollständigen Musikdramas am 28. Dezember 1910 in New York führte zwar zu einem einhelligen Erfolg (ein Kritiker verstieg sich gar zu der Bemerkung, "Königskinder" sei die wichtigste Oper seit Wagners "Parsifal", was ein klein wenig übertrieben sein könnte), trotzdem verschwand die Oper schon kurze Zeit später von den Spielplänen und wurde lange Zeit allenfalls zu besonderen Anlässen hervorgeholt. Erst in den letzten Jahren entsann man sich wieder der Schönheiten dieser Partitur und so erlebt "Königskinder" seit kurzer Zeit eine kleine, aber feine Wiedergeburt auf den Bühnen.
Ebenso selten, wie sie im Theater gegeben wurde, wurde die Oper auch aufgenommen und die hier besprochene Einspielung war über lange Zeit die einzig erhältiche. Über 30 Jahre haben diese "Königskinder" nun schon auf dem Buckel, aber es wird wahrscheinlich noch lange dauern, bis man eine Aufnahme von ähnlicher Qualität bekommt. Das liegt vor allem an Heinz Wallbergs schwungvollem, uneitlem Dirigat und dem ausgezeichneten Münchner Rundfunkorchester, das die Schönheit der Oper voll zum Ausdruck bringt und die Musik, speziell bei den wundervollen Aktvorspielen, zum Leuchten bringt.
Auch an den Sängerleistungen gibt es wenig zu mäkeln. Eine bessere Gänsemagd als Helen Donath kann man sich kaum vorstellen. Perfekt gibt sie das junge, unschuldige Mädchen mit wunderschöner Stimme und genau der richtigen Portion Ausdruck, um nicht in den Kitsch abzugleiten. Die Erfahrung ihrer Auftritte als Pamina oder Eva (Meistersinger) hört man deutlich und so bringt sie die Gänsemagd auf Augehöhe mit diesen beiden großen Operngestalten.
Ein wenig anders sieht es mit dem Königssohn von Adolf Dallapozza aus. Zwar ist er ein hervorragender Sänger - Schauspieler, wovon man sich in einigen Opern - und Operettenverfilmungen überzeugen kann, allerdings fehlt ihm für die sehr schwierige Partie des Königssohns ein wenig die Sicherheit in den höheren Lagen. Solang er die liedhafte, lyrische Linie singen kann, ist er tadellos, doch fehlt ihm der heldische Glanz, der für diese Rolle ebenfalls vonnöten ist. Ein zwar überzeugender, aber etwas biederer Königssohn.
Die sehr wichtige Rolle des Spielmanns scheint wie für Hermann Prey geschrieben. Der zu seinen Glanzzeiten immens populäre Bariton war Spezalist für volksnahe Charaktere und so wirft er sich hier mit voller Energie in eine weitere Paraderolle. Stimmlich ohne jeden Fehl, gelingt es ihm allerdings speziell im tragischen dritten Akt nicht immer, die Kitschfalle zu umschiffen und wirkt beizeiten ein bißchen übersentimental. Allerdings sind das nur wenige und durchaus verzeihliche Ausrutscher.
Grundsolide bis ausgezeichnet ist der Rest des Ensembles, wobei besonders die Hexe von Hanna Schwarz herausragt. Die Honoratioren der Märchenstadt Hellabrunn sind bei Karl Ridderbusch (Holzhacker), Gerhard Unger (Besenbinder) und Günter Wewel (Wirt) gut aufgehoben. Alle zeichnen mit ihren Partien ein genaues Charakterbild ihrer Figuren, ohne ins Klischee abzugleiten.
Insgesamt eine sehr schöne, rundum stimmige Aufnahme, die vor allem von Helen Donaths hervorragender Leistung und dem wundervollen Orchester getragen wird. "Königskinder" ist ein noch immer ungehobener Schatz, der lange nicht die Popularität genießt, die er verdient hat. Zum Kennenlernen sei diese Aufnahme wärmstens empfohlen.


Tell Tale Signs: the Bootleg Series Vol.8
Tell Tale Signs: the Bootleg Series Vol.8
Preis: EUR 16,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die weltbeste Resterampe, 8. April 2009
Die Bootleg - Series hat schon einige verborgene Schätze zutage gefördert, die in Bob Dylans scheinbar unerschöpflichem Songausstoß irgendwie untergangen waren oder es aus anderen Gründen nicht auf die Alben geschafft hatten. So gab es in Teil 1 - 3 einen umfassenden alternativen Karriereabriß mit unveröffentlichem Material gerade aus seiner frühen Phase, als ihm die Songs nur so zuflogen, Alternativversionen zu bekannten Hits und ausgezeichnete Liveversionen, die ein weiteres Mal diejenigen Lügen straften, die immer noch die pseudokluge These vertreten, Dylan sei der Einzige, der seine Songs nicht singen könne. Auch die (endlich offizielle) Veröffentlichung des berühmten "Royal Albert Hall" - Konzerts, ein Querschnitt durch die erste "Rolling Thunder Revue", ein tolles Konzert von 1964 (der junge Dylan knapp zwei Stunden als Alleinunterhalter) und der schöne Soundtrack zu Scorseses Filmbiographie "No Direction Home" sind wahre Schätze für den Dylan - Fan.
Nicht anders ist es jetzt mit Teil 8 der Serie. "Tell Tale Signs" setzt wieder da an, wo Teil 3 geendet hatte. Es wird der Karriereabschnitt von 1989 - 2006 beleuchtet, also die Zeit nach der großen Krise der 80er, die mit "Oh Mercy" einen versöhnlichen Abschluß fand bis zu den drei großen Alben, die Dylan wieder zu einem der angesagtesten Songwriter der Welt machten. Und wie schon auf den vorher veröffentlichten Teilen der Bootleg - Series gibt es hier jede Menge zu entdecken. Unveröffentlichte Versionen heute liebgewonnener Klassiker wie "Mississippi" (gleich zweimal vertreten, in karg instrumentierten Fassungen, da der Song zuerst für "Time Out Of Mind" vorgesehen war), "Someday Baby" oder "Ain't Talkin'" (beide von "Modern Times"), eine Menge unveröffentlichtes Material, von denen sich so einiges als Hochkaräter erweist (besonders die Outtakes vom "Time Out Of Mind" wie "Red River Shore", "Marchin' To The City" und "Dreamin' Of You") und wunderbare, ebenfall unveröffentlichte Liveversionen ("High Water", "Ring Them Bells", "Lonesome Day Blues").
Ein wenig zu kurz kommt Dylans in den letzten Jahren recht umfangreiche Soundtrackarbeit, wobei man sich hier ebenfalls auf die großen Perlen konzentriert ("'Cross The Green Mountain" ist einer der Höhepunkte und der grandiose Abschluß des Albums) und die Phase der Rückbesinnung Anfang der 90er Jahre, während der der Meister nur mit Gitarre und Harmonika, wie am Anfang seiner Karriere, eine Vielzahl teils uralter Traditionals aufnahm. Auf "Tell Tale Signs" gibt es aus dieser Zeit leider nur Robert Johnsons "32 - 20 Blues", der großen Hunger auf mehr macht.
"Tell Tale Signs" hält mühelos das hohe Niveau der Bootleg - Series und zeigt Dylan als gereiften, souveränen und traditionsbewußten Songwriter und Performer, der seinem Motto, niemals stehenzubleiben, treu geblieben ist.
Erhöht die Vorfreude auf Teil 9 und das neue Album.


Kill Bill Collection - Volume 1 & 2 [2 DVDs]
Kill Bill Collection - Volume 1 & 2 [2 DVDs]
DVD ~ Uma Thurman

10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Grandioser Rachezug der Braut, 5. April 2009
Quentin Tarantino ist ein immer wieder gern diskutiertes Thema unter Filmfans weltweit. Seine Technik wird seit seinem Durchbruch mit "Pulp Ficiton" auch von alteingesessenen Regisseuren immer wieder gern kopiert und auf diese Weise wurde der Halbautodidakt der wohl einflußreichste Filmschaffende der letzten 20 Jahre. Jedesmal, wenn ein neuer Tarantino - Film im Kino Premiere feiert, streiten sich die Experten: Ist es nun hohe Kultur oder ist es Müll? Ist Tarantino der große Neuerer der Filmwelt oder klaut er einfach nur aus unzähligen, meist längst vergessenen Streifen und fügt die Einzelteile virtuos zusammen? Nähme man die ganzen Zitate und in anderer Form schon einmal gesehenen sensationellen Szenen einmal weg, bliebe dann vom großen Tarantino noch irgendwas übrig? Von seiner Fähigkeit, unvergessliche Szenen zu bauen über sein Gespür für den optimalen Einsatz von Musik bis hin zu seinem Fußfetischismus gibt es unzählige Exegesen über sein gemessen an anderen Meisterregisseuren noch recht schmales Werk und bis bei diesen Diskussionen etwas auch nur ansatzweise Brauchbares herauskommt, habe ich mich entschieden, seine Filme einfach nur zu lieben. Tarantino hat einen untrüglichen Instinkt für dramatische Wirkung einer Szene, einen unbestechlichen Blick, was Rollenbesetzungen angeht und verhalf nicht nur Uma Thurman zum endgültigen Durchbruch, sondern kurbelte auch die stagnierten Karrieren von Bruce Willis, John Travolta, Michael Keaton usw. wieder an. Seine Filme liebt man oder haßt man, man wird kaum jemanden finden, dem sein Werk egal ist.
"Kill Bill" ist meiner Meinung nach bislang sein Meisterwerk. Insgesamt vier Stunden lang zeigt Tarantino eine epische Geschichte um ewige Themen: Schmerz, Verbrechen, Rache, Liebe und Erlösung. Ursprünglich als ein Film geplant (was wahrscheinlich zu einem ähnlichen Desaster geführt hätte, wie seinerzeit Michael Ciminos "Heaven's Gate"), entschied man sich nach konsequenter Weigerung des Regisseurs, "Kill Bill" um mindestens eine halbe Stunde zu kürzen, für eine Veröffentlichung in zwei Teilen. So bekommt man hier zwei inhaltlich zwar klar verbundene, in Machart und Aussage jedoch recht unterschiedliche Filme, von denen jeder für sich auf seine Art ein Hochkaräter ist.
Im 1. Teil steht klar die Action im Vordergrund. Als einstmals wichtigstes Mitglied des "Deadly Viper Assasination Squad" macht sich Uma Thurman als zunächst namenloser Racheengel auf die Jagd nach ihren einstigen Komplizen und ihrem frühreren Geliebten, dem vorerst recht mysteriösen Bill, nachdem diese ihre Hochzeit in ein Blutbad verwandelt und die schwangere Braut selbst mit einem Schuß ins Gesicht ins Koma geschickt haben. Nachdem die Braut im Krankenhaus wieder zu sich gekommen ist und festgestellt hat, daß sie ihr Baby verloren hat, besorgt sie sich auf recht unkonventionelle Art einen fahrbaren Untersatz, fertigt eine Todesliste an, fliegt nach Tokyo und überredet den Meisterschmied Hattori Hanzo, der eigentlich der Herstellung von Mordinstrumenten abgeschworen hat, zu einem letzten Meisterschwert. Mit dieser tödlichen Katana ausgestattet geht es in einem beeindruckenden Showdown im "Haus der Blauen Blätter" gegen die "Crazy 88" und den Boss der Bosse der Yakuza, die einstige Mitkillerin O - Ren Ishii (Lucy Liu). Teil 1 besticht durch das rasante Erzähltempo (natürlich wieder mit Tarantinos bewährtem Stilmittel, die zunächst völlig unklare Handlung mittels Rückblenden zu erhellen), virtuosen Einsatz verschiedener Filmtechniken (Schwarzweiß - Überblendungen an prägnanten Stellen, ein Anime - Film usw...), martialische und hervorragend choreographierte Kampfszenen und unvergessliche Bilder wie das finale Duell zwischen O - Ren und der Braut im verschneiten Hof des Restaurants.
Im 2. Teil geht es entschieden subtiler und dialoglastiger zu Werke. Ich kann mich noch gut erinnern, wie sich im Kinocenter in Celle die versammelte (meist männliche) Jugend mit großer Vorfreude auf ein weiteres Schlachtfest versammelt hatte und schließlich mit langen Gesichtern das Kino verließ. "Kill Bill Vol. 2" beleuchtet das Innenleben der Figuren, man bekommt eine bestens aufgelegte Uma Thurman, die eine ausgezeichnete schauspielerische Leistung liefert, einen unnachahmlich lakonischen Michael Madsen, eine Daryl Hannah, die sich in beeindruckender Weise von der 80er - Jahre - Standard - Blondine zur Charakterschauspielerin gewandelt hat und einen absolut coolen (wenn auch etwas wackeligen) David Carradine als Erzbösewicht mit weicher Seite zu sehen.
Kritik und Publikum sind noch immer gespalten, was "Kill Bill" angeht. Viele sehen eine logische Weiterentwicklung in Tarantinos Werk und erklären den Film (für mich funktioniert er in der Tat nur als ein Film) zu seinem Meisterwerk. Diejenigen, die auf ständiger Wiederholung beharren und auch von Tarantino erwarten, daß er "Reservoire Dogs" und "Pulp Fiction" wieder und wieder dreht, sehen sich von ihrem Idol (das wohl schon seit "Jackie Brown") verraten und im Stich gelassen. Wie auch immer, die beständige Diskussion hält einen Film am Leben und in Erinnerung und "Kill Bill" ist ein Film, der nie in Vergessenheit geraten sollte, dazu ist er zu genial inszeniert.
Auf beiden DVDs gibt es die (für den europäischen Markt) ungekürzten Versionen des Films mit diversen Extras (Making Of zu beiden Filmen, Musikvideos und entfallene Szenen) in bester Bild - und Tonqualität zu sehen, leider bekommt man keine weiteren Extras im Unterschied zu den ursprünglichen Kauf - DVDs dazu. Aber keine Sorge, der Director's Cut wird bestimmt eines Tages in den Läden stehen.
Bis dahin kann man nur sagen: Ein wunderbarer, vielschichtiger, actionreicher und mit Humor der tiefschwarzen Sorte getränkter Film, den man immer wieder sehen kann. Unbedingte Empfehlung.


Blue
Blue
Preis: EUR 7,99

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Jonis Ausbruch aus der Folkecke, 2. April 2009
Rezension bezieht sich auf: Blue (Audio CD)
Drei wundervolle Alben lang hatte Joni Mitchell die "Lady Of The Canyon" gegeben und war so zur Galeonsfigur einer neuen Generation von Frauen in der Popmusik geworden, die sich allesamt als hochbegabte, sensible Künstlerinnen zeigten und meist nur mit Gitarre bewaffnet den noch immer oft belächelten Frauen in der Rockmusik gewaltig Ansehen verschafften. 1971 wagte Joni schließlich den Ausbruch aus der Folkecke und brachte "Blue" heraus, eines der revolutionärsten Alben der Rockgeschichte.
Was man hier zu hören bekommt, ist nicht nur eine gute halbe Stunde wunderschöne Musik, die immer wieder das Folkgenre verläßt und vorher kaum gehörte Jazz - Anklänge bringt (was sich in den 70ern immer mehr zum Markenzeichen Joni Mitchells entwickeln sollte), sondern auch das ungeschönte Selbstportrait einer selbstbewußten und sensiblen Künstlerin, die keinerlei Probleme damit hat, auch ihre Verletzlichkeit schonungslos offenzulegen.
"Blue" versammelt einen Kanon großartiger, innovativer Songs, die nicht nur aus der Reihe der Mitchell - Klassiker nicht mehr wegzudenken sind, sondern auch eine ganze Menge nicht nur weiblicher Songwriter zu ähnlichen Großtaten inspirierte. Man kann kaum einen Song aus diesem Album herausheben, jeder für sich ist ein Hochkaräter und "Blue" ist eines dieser Alben, die niemals ihre Gültigkeit und Aktualität verlieren werden. Vielleicht nicht Jonis bestes Album, aber mit Sicherheit ihr wichtigstes und ehrlichstes.
Wie heißt es so schön im Titeltrack: "Songs like tattoos", man wird sie nie wieder los.


Der Fangschuß
Der Fangschuß
von Marguerite Yourcenar
  Gebundene Ausgabe

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Düster, tragisch, hervorragend, 12. März 2009
Rezension bezieht sich auf: Der Fangschuß (Gebundene Ausgabe)
Marguerite de Crayencour, die ihre Werke stets unter der Pseudonym Marguerite Youcenar veröffentlichte, wurde vor allem durch ihre historischen Romane wie "Ich zähmte die Wölfin", in denen sie psychologisch fundiert das Leben historischer Persönlichkeiten wie des römischen Kaisers Hadrian nacherzählte, einem größeren Publikum bekannt. In ihren früheren Werken jedoch war sie eine Meisterin der Verflechtung von Dichtung und Wahrheit in intensive, mit eindringlicher Sprache erzählte Geschichten, von denen der 1939 erschienene Kurzroman "Der Fangschuß" nur ein beeindruckendes Beispiel ist.
Der Korpsführer Erich von Lhomond erholt sich von einer Verwundung im Spanischen Bürgerkrieg in Italien und berichtet seinen Kameraden von einem unvergeßlichen Erlebnis aus der Zeit kurz nach dem Ersten Weltkrieg, als er während der russichen Revolutionswirren als Anführer eines Korps der Weißgardisten mit seiner Truppe sein Lager im Schloß eines Jugendfreundes in Katovice aufgeschlagen hatte. Das Schloß wird bewohnt von Erichs Freund Konrad und dessen Schwester Sophie, die sich verzweifelt in den Korpsführer verliebt. Immer wieder von diesem zurückgewiesen, ergibt sie sich wahllos sexuellen Eskapaden, mit der Hoffnung, Erich eifersüchtig zu machen. Dieser fühlt sich jedoch zu Konrad hingezogen und so entsteht eine ebenso heftige wie quälende Dreiecksbeziehung und eine fesselnde Geschichte über Hingabe, Enttäuschung und ungestilltes Verlangen.
In intensiver, subtiler Erzählweise schafft Marguerite Yourcenar hier ein kleines Meisterwerk. Vor dem Hintergrund den hin und herwogenden russischen Bürgerkriegs und der düsteren Kulisse des verfallenden Schlosses entsteht ein kammerspielartiger, psychologisch meisterhafter Roman über menschliche Begierden und seelische Abgründe. Die drei Hauptfiguren sind in unentwirrbaren Verstickungen gefangen und können gar nicht anders, als sich stets gegenseitig aufs Neue seelische Qualen zuzufügen, Yourcenar zeichnet ein genaues psychologisches Bild, der von wirklich lebenden Vorbildern inspirierten Hauptfiguren und schafft abseits der üblichen Kriegsliteratur einen kurzen, aber umso intensiveren Roman, der noch immer durch seine hervorragende Charakterisierung der Figuren und die tragische, allzu menschliche Geschichte, in der alles auf die unanbwendbare Katastrophe zuzusteuern scheint, den Leser gefangen nimmt.
Ein ausgezeichnetes Buch, das man, einmal angefangen, kaum mehr aus der Hand legen kann.


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