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Beiträge von Brilli
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Rezensionen verfasst von
Brilli (Hagen, Westfalen)

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Die Glücklichen: Roman
Die Glücklichen: Roman
von Kristine Bilkau
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Glücklichen?, 27. September 2015
Rezension bezieht sich auf: Die Glücklichen: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ob man ein Paar als glücklich bezeichnet, kommt eigentlich auf die Perspektive an, unter der man es sieht. In diesem Fall hier allerdings passte das „Glücks-Klischee“ absolut.

Isabell, Georg und Sohn Matti besaßen eine großzügige, helle Altbauwohnung in einem eleganten, beliebten Stadtviertel, wo die Jungen, Privilegierten mit ihren Familien ihr wohlsituiertes Leben führten. Sie hatten Zugang zu Allem, was gut und teuer war, von der Selbstverständlichkeit erlesener Weine und Delikatessen bis zum Bummel durch exquisite Boutiquen, Cafés und Trendläden.

Nach Beendigung der Babypause konnte Isabell zurückkehren in ihren Beruf als Cellistin. Vielleicht war die Abendanstellung im Orchester eines Musicaltheaters nicht der absolute Traumjob für sie, aber Matti hatte einen Platz im Kindergarten, und was der Haushalt als Einsatz erforderlich machte, konnte sie sich mit Georg teilen, der als Journalist einer Tageszeitung freie Mitarbeits-Zeiten hatte. Es schien alles wunderbar geregelt bis auf plötzlich auftretende, kleinere Unstimmigkeiten..... denn mehr war es doch eigentlich nicht, dieses Zittern der Hände, die Angst zu versagen und das aufflammende Lampenfieber, das sie häufig vor Beginn der Vorstellung packte.

Vielleicht waren die Anforderungen, die das Leben an sie stellte, zu hoch, war die doppelte oder gar dreifache Pflicht für Beruf, Mann und Kind doch nicht so spurlos zu bewältigen. Die Symptome kamen schleichend wie ein lautloser Feind. Sich einander zu offenbaren schien keine Option, das heil anmutende Gefüge sollte nicht verletzt werden, zumal auch Georg betroffen war als seine Zeitung ihm in der allgemein herrschenden Krise keine berufliche Sicherheit mehr bot und damit das finanzielle Fundament ins Wanken geriet.

Krampfhaft versuchte man auf beiden Seiten das Sterben von Zukunftsträumen zu verhindern und sich an Irrealem festzuhalten.

Halt aneinander zu finden, Sicherheit zu spüren, die aus Gemeinsamkeit entsteht, schien nicht möglich, weil beide Menschen erkannten, dass ihr Verhältnis zerbrechlich geworden war, als sie ihr unbeschwertes Leben aufgeben mussten und damit ihr vermeintlicher Anspruch auf Sicherheit erlosch.

Kristine Bilkau hat ein sehr intensives, kluges Buch geschrieben, dessen Gedanken und Bilder nach dem Lesen noch lange verweilen und Ersatz für die ein wenig minimalistische Handlung sind. Sie taucht facettenreich ein in unsere Zeit, in die Situation eines sozialen Standes, spricht über dessen Erwartungen, Ansprüche und Forderungen ebenso wie über alle Ängste, Einsamkeiten und Sehnsüchte. Die Autorin vermittelt mit klaren, gefühlvollen Worten den authentischen Verlauf einer Verunsicherung, der ebenso gut jeder Lesende zum Opfer fallen könnte, und die wortreiche Sprache, die über Längen ohne wörtliche Rede auskommt, hält für mich die Bindung des Lesers zum Protagonisten auf besondere Art gleichzeitig eng als auch neutral, sodass man nicht einmal ihre Namen gebrauchen müsste, wenn es nicht des Erkennens bedurft hätte.

Ein interessantes, vielschichtiges Debüt.


Zeit der Wahrheit: Roman
Zeit der Wahrheit: Roman
von Renate Ahrens
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Südafrika - mon amour., 13. September 2015
Rezension bezieht sich auf: Zeit der Wahrheit: Roman (Taschenbuch)
Zoe – ein geheimnisvolles, griechisches Wort, das Liebe und Sein auf höchster Ebene bedeutet – ein Wort, das Pia Lessing lange Zeit nicht gehört hatte, bis zu dem Tag, an dem sie es von den Lippen ihres sterbenden Vaters las. Zoe – das war der Vorname ihrer südafrikanischen Nanny gewesen, die sich liebevoll in den Jahren um sie gekümmert hatte , in denen die Familie dort in Kapstadt gelebt hatte. Lachen und unbeschwerte Fröhlichkeit verbanden sich mit der Erinnerung an Zoe, beschützende Wärme empfand sie heute noch, wenn sie an ihre tröstlichen Umarmungen dachte, und ein Duft von Zimt und Vanille lag in der Luft.

Aber auch Streitgespräche und Vorwürfe im Zusammenleben ihrer Eltern brachte sie mit den Erinnerungen an ihre Nanny zusammen, laute, wütende Worte der Mutter, die sie der Nanny entriss und irgendwann war dann auch der Zeitpunkt des Abschieds gekommen, an dem sie den schwarzen Kontinent überstürzt verließen und nach Hamburg zurückgingen.

Was war damals gewesen, was war vorgefallen, dass in ihrem Hause die Erinnerung an Südafrika tabu war? Pia wußte es nicht, konnte nur Vermutungen anstellen, aber sie fühlte, dass sie sich auf die Suche machen würde, die Rätsel ihrer Vergangenheit zu lösen.

Als sie 1996 den Auftrag erhielt als journalistische Beobachterin über den Ablauf der südafrikanischen Wahrheits–und Versöhnungs-Kommission zu berichten, kehrte sie damit auch gleichzeitig zurück zu den unbekannten Wurzeln ihrer Kindheit und der schwierigen Bewältigung des eigenen Ichs.

Dieser Weg würde schwer sein und es würde ihre ganze Stärke erfordern, diese Zeit der Wahrheit für sich zu entdecken.

Renate Ahrens hat mit flüssigem Stil und schöner, wortreicher Sprache dem Leser die Schilderung einer Suche nahegebracht. Es ist nicht irgendeine Suche, sondern eigentlich das Forschen nach etwas Verlorenem, dessen Auffindung dann über Umwegen in die eigene Mitte führt. Die Schilderung der zahlreichen, oft erfolglosen Ermittlungensversuche ist intensiv quälend und sogar deprimierend, ja, ab und zu möchte man auch als Leser aufgeben und sich ergebnislos bescheiden. Und dann kommt da wieder eine Kleinigkeit, ein Wink, der Hoffnung schöpfen lässt, so wie es doch auch in der Realität des Lebens meist weitergeht, authentisch und überzeugend. Zwischendurch erlebt der Leser den wunderbaren Ausblick auf imponierende Landschaften des fremden Kontinents aber auch den oft verstörenden Einblick in die unverständlichen Apartheids-Gesetze eines dunklen Erdteils.

Ein schöner Roman, der sich angenehm lesen lässt und auch relativ schnell Spannung aufbaut, was das Vorhaben seiner Hauptprotagonistin anbelangt. Trotz positiver Entwicklung der Geschichte bleibt ein kleiner Wermutstropfen, der mit Zoes Schicksal zusammenhängt – wieder mal nicht die heile Welt, die wir alle so lieben, die wir alle anstreben und doch nicht verwirklichen können.

Unabhängig davon sind für das Buch jedoch alle Sterne angebracht.


Für alle Tage, die noch kommen: Roman
Für alle Tage, die noch kommen: Roman
von Teresa Driscoll
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ich kann bei dir sein - wann immer du willst., 31. August 2015
Was macht eine Mutter, wenn sie weiß, dass ihr Leben nicht ausreicht, um ein geliebtes Kind zu begleiten, ihm zur Seite zu stehen, wenn es Hilfe braucht, Trost zu spenden, wenn es Kummer hat oder die glücklichen Momente des Lebens mit ihm zu teilen? Eleanor Dance hatte ein Rezeptbuch für ihre Tochter Melissa geschrieben. Ein Buch für "die Zeit danach". Es waren Rezepte, die sie gemeinsam mit ihr in unbelasteten Zeiten ihrer Kindheit in der Küche zubereitet hatte, die wie ein Schlüssel auch andere Erinnerungen wachriefen und die Vergangenheit lebendig werden ließen. Als James Hall, der Mann, dem ihre Mutter das Buch anvertraut hatte, ihr das Vermächtnis zu ihrem fünfundzwanzigsten Geburtstag übergab, war Melissa erschreckt und verwirrt. Konnten all' die Jahre, in denen der Kontakt zu Eleanor keine Stimme gehabt hatte, überbrückt werden, konnten die Zeilen der Mutter ihr das bringen, was Melissa bisher nicht empfangen hatte? Der Zeitpunkt in ihrem Lebens war unendlich wichtig, denn ihre eigenen Gefühle waren durcheinander, bedurften einer Klärung, und das Gespräch mit der Mutter konnte helfen, sich selbst und den Anderen Vertrauen zu schenken.
In flüssiger, angenehmer Sprache erzählt Teresa Driscoll die Geschichte dieser Mutter-Tochter-Beziehung, nimmt Vater und Lebenspartner mit hinein, erzählt aus deren unterschiedlichen Perspektiven, sodass die Entwicklung der Situationen in eine überzeugende Glaubhaftigkeit voneinander gestellt wird. Der Leser erhält die Möglichkeit, immer wieder aus Sicht der einzelnen Familienmitglieder auf die Zeit zu blicken, die der anrührende und spannende Roman umfasst. Ein Kaleidoskop menschlicher Empfindungen wird in feinfühliger Sensibilität dargestellt und lässt doch jeglichen übertriebenen Druck auf die Tränendrüsen vermissen, der sonst häufig praktiziert wird, wenn es um derartige Themen geht.
Die in mir anfänglich noch vorhandene Distanz zu den Personen baute sich im Laufe der Geschichte nahezu unmerklich komplett ab, sodass ich irgendwann erstaunt feststellte, dass ich mit zunehmender Spannung intensiv auf den Fortgang der Ereignisse wartete und von der zarten Überzeugungskraft der Autorin eingeholt wurde.
Das Buch ist nicht nur auf Grund der ausgefallenen Situation, die es beschreibt, Spiegel eines ungewöhnlichen Lebensalltags. Es verbindet Tapferkeit und Schmerz, Hoffnung und Liebe mit feinen Strichen wie der Maler die Farben seines Aquarells und wird dadurch zum empfehlenswerten Leseerlebnis.


Berlin Feuerland: Roman eines Aufstands
Berlin Feuerland: Roman eines Aufstands
von Titus Müller
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

5.0 von 5 Sternen Grenzgänger, 26. August 2015
Der junge Hannes Böhm lebte in Feuerland, dem Berliner Industrieviertel, in dem die Hoffnung auf Demokratie, Wohlstand, sichere Arbeit und Bildung seit Generationen weiter gegeben wurde und nie Erfüllung fand. Jeder versuchte sich mehr schlecht als recht durchzuschlagen und der Nährboden für Unzufriedenheit und Aufbegehren konnte nicht besser gedeihen als unter den dort herrschenden Gegebenheiten. Die Unruhen der Aufstände in Spanien, Frankreich und Österreich griffen auch auf deutsche Gebiete über und erreichten im Jahr 1848 das preußische Berlin, erreichten die Einwohner Feuerlands und brachten sie auf die Barrikaden.

Hannes Böhm, der sich ehrgeizig und erfinderisch eine Einnahmequelle erschlossen hatte, indem er wohlhabende Bürger der Oberschicht durch die düstere, elendige Welt Feuerlands führte, war bisher zufrieden mit seinem Los, das schmalen Gewinn abwarf und die staunenden Betrachter sogar dazu brachte, hier und dort Almosen für die Ärmsten abzugeben. Wie gerne gibt man doch, wenn man nicht teilhaben muss an solchem Leben und sich mit wohligem Schaudern nachher wieder abwenden kann.

Für Alice Gauer allerdings, die Tochter des Stadtschloss-Kastellans, die sich auch unter die neugierigen Beobachter gereiht hatte, war die Begegnung mit Feuerland von weitaus tieferer Bedeutung. Zwischen ihr und Hannes entwickelte sich eine zarte, empfindsame Bindung, ein tastendes Erfühlen gegenseitiger Zuneigung und die leise Ahnung einer schicksalhaften Verbundenheit. Ihre Welten konnten verschiedener nicht sein, ihre Herzen aber spürten nur einen neuen, wunderbaren Gleichklang, der für Widersprüchliches kaum Raum ließ. Sie hofften auf einen Weg, den man gemeinsam gehen konnte.

Als Hannes jedoch in den aufflammenden Kämpfen der März-Unruhen eine Position bezog, die ihm sein Gewissen diktierte, wurde die Grenze zwischen Feuerland und dem Berlin der herrschenden Klasse so brutal aufgerissen, dass der Liebe schwerlich eine Chance blieb.

Titus Müller hat einen wunderbaren Roman geschrieben, gleichzeitig authentisches Zeitporträt und feinfühlige Liebesgeschichte. Die Berliner Märzunruhen 1848, in denen der Konflikt zwischen dem preußischen König und den revoltierenden Aufständischen zum Ausbruch kommt, deren immer wieder enttäuschtes Verlangen nach Pressefreiheit, Mitbestimmung und Versammlungsrecht lautstark Beachtung fordert, sind der bedeutsame geschichtliche Hintergrund seines Werkes. In erzählerischer Bestform verbindet er authentische Personen wie den General Ernst von Pfuel oder Julius von Minutoli in ihrer Rolle als Verfechter der Mäßigung mit frei erfundenen Protagonisten, die einem Stück niedergeschriebener Geschichte Leben und Aktualität verleihen. Der Geist Alexander von Humboldts und die Gedanken eines Heinrich von Kleist enden nicht an der Grenze zum Feuerland. Sie sind Sinnbild der Freiheit und der Mensch ist es, der sie trägt – immer und überall hin.

Ein wunderbares Leseerlebnis, dem ich alle Sterne geben möchte.


Bärenklau: Exkommissar Bösenschreck ermittelt (Kriminalromane im GMEINER-Verlag)
Bärenklau: Exkommissar Bösenschreck ermittelt (Kriminalromane im GMEINER-Verlag)
von Ralf Waiblinger
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bärenstarker Hund zurück auf der Krimi-Bühne., 5. August 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Wäre Spekulantius Bösenschreck nicht ein Malheur passiert, als er den Luggeleskäskuchen für seine Gattin Barbarella backen wollte, hätte er sich nicht in sein Auto schwingen müssen, weil er zum Stammhaus der Zuckerbäcker Koriander fahren musste, um Ersatz für die missglückte Torte zu holen. Und dort erschien er zur rechten Zeit, denn was er vorfand, war selbst für ihn, den harten Hund, eine zutiefst erschütternde Situation. Die Katzen, Margarina und Oblabert Koriander, seine Adoptiveltern, saßen innerlich gebrochen und in Tränen aufgelöst vor ihrem geöffneten Safe. Auf den ersten Blick schien es ihm, als sei alles Wichtige noch vorhanden, bis seine grauen Zellen eine entsetzliche Wahrheit registrieren mussten: es fehlte der Schatz der Familie, das Werk, auf dem die ganze Dynastie aufgebaut war. Das Koriandersche Familienbackbuch war Opfer eines schnöden Diebstahls geworden, das Geheimnis zur Herstellung duftender, süßer Spezialitäten war jäh der Exklusivität entrissen und nun vermutlich in den respektlosen Händen gewinnsüchtiger Banausen, eine hundsgemeine Tragödie unabsehbaren Ausmaßes. Der elterliche Katzenjammer griff Spekulantius ans Herz, und die beleidigende Gleichgültigkeit, mit der sein Nachfolger, Kommissar Butscher, dieses Verbrechen registrierte, sorgte für die Auferstehung aller kriminalistischen Instinkte, die während seiner Ehe mit Barbarella Piepenbringts im tatenlosen Wohlstand vor sich hingedümpelt hatten. Seine Spürnase hatte schnell wieder Witterung aufgenommen, sein Jagdinstinkt war immer noch ungebrochen, wie zu der Zeit, als er einer verbrecherischen Hasenbande eine gepfefferte Breitseite geboten hatte. Seine Methoden waren auch jetzt wieder ungewöhnlich, wenn auch ab und zu sogar legal. Als dem dreisten Raub allerdings noch ein Mord folgte, der offensichtlich in enger Verbindung zu der entwendeten „Feinschmecker-Bibel“ stand, hatte der furchtlose Ermittler im Handumdrehen selbst die Meute im Genick, die ihm das Fell über die Ohren ziehen wollte, und das würde er sicher nicht unbeschadet überleben. Gehört er, wenn am Ende das „große Halali“ erklingt, auf die Seite der Sieger oder haben die Bösewichte ihn „zur Strecke“ gebracht?
Wieder einmal ist hier im Waiblingerschen Atelier ein besonderer Tierkrimi entstanden, dessen kunterbunte Personen – so möchte ich sie einfach gerne bezeichnen – in Worten und Bildern für absolut unterhaltsamen Lesegenuss sorgen.
Abgesehen von der passenden Namensgebung für die Protagonisten, die sich den Lesern ironisch, intelligent und ausgezeichnet beobachtet erschließt, überzeugt der flüssige, gewandte Schreibstil des Autors. Die flott angelegte Handlung ist voll Spannung, Humor und schlagfertigem Witz, der den liebenswerten Hauptdarstellern – wie uns die phantastischen Skizzen zeigen - wunderbar zu Gesicht steht.
Um im literarisch-fabulierenden Metier des Buches zu bleiben, möchte ich zum Schluss sagen, dass es nicht das geringste Fitzelchen in diesem Roman herauszukramen gibt, das mir nicht gefällt – ich fände selbst dann keines, wenn ich es mit der Lupe suchen würde.
Aber diese Erfahrung sollten Sie selbst machen. Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen.


Das geheime Tagebuch der Lizzie Bennet
Das geheime Tagebuch der Lizzie Bennet
von Bernie Su
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Familien-Enthüllungen mit Prosecco-Flair., 17. Juli 2015
„Für eine Frau über dreißig ist die Wahrscheinlichkeit höher bei einem Terroranschlag getötet zu werden als zu heiraten.“ klärte Marylin Bennet ihre Töchter auf und versuchte auf Grund dieser erschütternden Prognose die Bekanntschaft ungebundener, möglichst finanzstarker Junggesellen zu machen, um sie mit einem ihrer Mädchen zu verkuppeln. Die drei Bennet-Mädels hatten zwar diese magische Altersgrenze noch nicht erreicht – Jane, die Älteste, arbeitete in einer Firma für exklusives Design, Lizzie hatte ihre Semester-Abschlussarbeit für Kommunikationswissenschaft vor sich und Lydia, die Jüngste, eben zwanzig, startete gerade ihr Uni-Studium – aber als umsichtige Mutter konnte man die Weichen nicht früh genug stellen, und das tat Marylin, ohne irgendwelche Skrupel oder von Peinlichkeit diktierter Zurückhaltung. Dass sie eine komplett andere Vorstellung von einer glücklichen Zukunft ihrer Töchter hatte als diese selbst, war offensichtlich. Eine privilegierte Stellung im Beruf durch den Erfolg intensiver Arbeit erschien ihr nicht als sonderlich erstrebenswert für eine Tochter aus gutem Hause, sehr wohl jedoch die Heirat mit einem zur Strecke gebrachten, gutsituierten Schwiegersohn aus adäquater Gesellschaftsschicht. Diese Gegensätze schafften natürlich oft elektrisch aufgeladene Luft im Hause der Bennets und etliche Gewitter waren vorprogrammiert. Da passte Lizzies zündende Idee gerade wunderbar, in ihrer Semester-Abschlussarbeit, die sich mit Botschaften und Medien befasste, einen „Videoblog“ über die Familie zu erstellen und zweimal pro Woche damit ins Internet zu gehen – authentisch und fair – und wie das geflügelte Wort sagt: “aus dem Leben gegriffen“. Die kurz aufkeimende Befürchtung, es könne sich nicht genug Material ansammeln, war schnell ausgeräumt, denn Bing Lee, der neue, steinreiche Nachbar, der ein Anwesen in Netherfield erwarb, war bei weitem nicht der einzige Mann, der in Mom Marylins Zukunftsplänen eine maßgebliche Rolle spielte. Weitere Kandidaten und höchst brisante Turbulenzen waren angesagt. Und das war vorauszusehen .... bei drei Mädchen!

Bernie Su und Kate Rorick haben in angenehmer, flüssiger Sprache ein amüsantes, geistreiches Buch geschrieben, das eine Fülle von kleinen, verrückten Szenen für den Leser bereithält. Die Geschichte, die Lizzie hier in ihrem Tagebuch erzählt, ist nicht neu – das kann sie auch nicht, weil es solche Geschichten gibt solange Eltern bestimmte Wünsche für das Leben ihrer Kinder haben und Unverständnis ernten, wenn sie damit auf deren Vorstellungen stoßen. Vielleicht ist es im normalen Alltag oft nicht ganz so lustig, nicht so amerikanisch, eher eckig als rund, aber ein wunderbares Stück Familienleben wird zur Unterhaltung des Lesers in diesem Roman hingeblättert und schafft absolutes Vergnügen. Die sympathischen Protagonisten gefallen in ihren Rollen, in vielen Situationen erkennt man schmunzelnd Parallelen zur eigenen gelebten Realität und genießt den Esprit der Handlung.

Ein heiteres Tagebuch, das sicherlich nicht geheim bleiben sollte.


Ein Sommer wie kein anderer: Roman
Ein Sommer wie kein anderer: Roman
von Emma Straub
  Broschiert
Preis: EUR 9,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Familienurlaub auf Mallorca - ein balearisches Rezept., 8. Juli 2015
Die Posts waren froh, das staubige, sommerschwüle Manhattan für ein paar unbeschwerte Ferientage hinter sich lassen zu können um mit kompletter Familie und Freunden die heitere, angenehm temperierte Luft Mallorcas zu genießen, deren erfrischende Brise die wunderbaren Impressionen von knorrigen Olivenbäumen, stacheligen Palmen, fruchtigen, aromatischen Getränken und wohlschmeckender, inseltypischer Küche in sich barg. Es sollte ein entspannender, lockerer Urlaub werden, in dem man die Seele baumeln ließ und der Genuss an erster Stelle stand. Grund genug hierfür war vorhanden, denn Jim und Fanny waren seit 35 Jahren glücklich miteinander verheiratet, Sohn Bobby war beruflich als Senkrechtstarter unterwegs und auf dem besten Wege seiner Langzeitfreundin Carmen einen Verlobungsring anzustecken, und Tochter Sylvia hatte ihren Highschool-Abschluss in der Tasche und einen sicheren College-Platz für den Herbst.

Aber ganz so ungetrübt wie es ausschaute war das Leben der Familie zu diesem Zeitpunkt nicht. Jim hatte Madison getroffen, die nur fünf Jahre älter als seine eigene Tochter war, ihm unerlaubte erotische Gedanken in den Kopf zauberte und dadurch seine berufliche Karriere bedrohte. Sylvia wollte auf keinen Fall als Jungfrau auf dem College einziehen, sondern setzte auf ihren Spanischlehrer Joan als Kandidat. Auch Charles, ein Freund von Fanny, der die Posts begleitete und seinen schwulen Lebenspartner Lawrence bei sich hatte, war mit den Gedanken immer wieder bei der Adoption eines Kindes, um das sich beide inständig bemühten. Und – last not least – war Bobbys berufliche Karriere wohl auch nicht komplett schuldenfrei geblieben.

Von dieser Sicht aus betrachtet war für alle der Urlaub nicht ganz so unkompliziert wie es den Anschein hatte, denn Harmonie und Entspannung waren gefährdet durch plötzlich erkennbare Konflikte, die sich durch Verdrängung nicht gelöst hatten und weitgreifende Veränderungen für alle mit sich brachten.

Emma Straub zeigt sich hier als Schöpferin einer intelligenten, vielschichtigen, humorvollen Familiengeschichte, die in ein paar kurzen Sommertagen ein detailliertes Kaleidoskop von Charakteren, Eigenschaften und Befindlichkeiten skizziert, die so authentisch und aktuell sind, dass der Leser keine Mühe hat, sich darin zurecht zu finden oder sich sogar damit zu identifizieren, denn ein kleines Stück einer Problematik wird wohl jeder in sich verschlossen haben, das darauf wartet, hervorgeholt und verarbeitet zu werden.

Die flüssige, gut gewählte Sprache lässt die Lektüre zu einem angenehmen Lese-Erlebnis werden und macht das kleine Buch zum Genuss.


Ocean King: Was einer unter Deck erleben kann
Ocean King: Was einer unter Deck erleben kann
von Slimane Kader
  Broschiert
Preis: EUR 12,99

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Lebens-Perspektiven - Nah' beieinander und doch von Welten getrennt., 29. Juni 2015
„Avec vue sous la mer“ - das ist der Titel der Originalausgabe dieses Romans von Slimane Kader, und das ist die Position, die sich Wam, der Held dieser Geschichte, für sein Leben wünscht als er auf dem Luxusliner „Ocean King“ anheuert, der 6000 Touristen durch die Karibik schippert. Er will der bedrückenden Aura der Pariser Vorstädte entfliehen, will dahin wo Sonne und Palmen glitzernden Wohlstand und Überfluss versprechen, will eine Welt voll Unbeschwertheit und Müßiggang erobern.
Aber dieser Kreuzfahrtriese, der seinem Namen mit königlicher Größe alle Ehre macht, hat nicht nur 6000 Passagiere an Bord, die genussvoll schwelgend ihre Urlaubstage in der Bläue der Karibik verbringen, sondern hält in seinem Bauch 2000 Arbeitskräfte bereit, die ständig im Einsatz sind, um den reibungslosen Ablauf des High Society Programms zu gewährleisten. Das sind die, denen man für die Dauer ihrer Arbeitszeit die Pässe weggenommen hatte, damit sie dem wellenpflügenden Moloch bis zum Ende der Fahrt zu Diensten sein mussten, weil sie ihre Papiere erst dann zurück bekamen, wenn der Luxus-Gigant sein endgültiges Ziel erreichte und alle Menschenfracht ausspie.

Die Fatties – wie die Touristen auf Grund ihres meist offensichtlichen Übergewichts genannt werden – bevölkern die Decks mit verzogenen, kreischenden Kindern, bequemen, ausladenden Sonnenliegen, die den sorgfältig eingeölten, von kosmetischen Operationen mühsam in Form gehaltenen Körpern eine bequeme Unterlage bieten und lassen keinen ihrer Ansprüche ungenutzt. Warum auch, wenn ein Fingerschnippen eine ganze Hierarchie von Untergebenen auf den Plan zu rufen vermag, denen nichts mehr eingebleut wurde, als absolutes touristisches Wohlbefinden zu erzeugen, damit die existenzsichernden Lobeshymnen, auf welche die Schifffahrtsgesellschaft angewiesen ist, nicht abreißen.
In diesem perfekt funktionierenden Räderwerk unten in schweißüberströmender, geschäftiger Tiefe hat jeder seinen Platz. Eine Armada von Bediensteten, vom Koch bis zur Revue-Tänzerin, vom Mechaniker über Wäschereihelfer, Oberkellner und Gigolos sind Menschen verschiedenster Nationalitäten hier gelandet, um Geld zu verdienen, ihren ärmlichen Verhältnissen in der Heimat zu entfliehen und vielleicht eines Tages den Schritt aus dem Bauch heraus an Deck, ans Tageslicht zu schaffen. Aber bis dahin gelten die Gesetze einer dunklen Arbeitswelt, die mit hohem Gewaltpotential, Angst und Neid dafür sorgt, dass Niemand diesem Kastensystem entfliehen kann, dass jeder „funktioniert“ und sich vertragsgemäß abrackert. Aber in allem Schweiß und erstickender Hitze gibt es doch das Gefühl einer Solidarität, die ab und zu das gemeinsame Schicksal spüren lässt und dadurch das Negative zu neutralisieren versteht.
Wams Position könnte man mit einer Portion Ironie als die facettenreichste innerhalb der „Bauchbesatzung“ bezeichnen – er ist ein „Joker“ - ein Mann für alle Fälle – vom „Hundeausführer“ über Rohrreiniger und Cookie-Bäcker bis hin zum Kinder-Animateur im Eisbär-Fell und hundertfachen Kakerlaken-Mörder, dessen berufliche Zugehörigkeitsgrenzen sich dadurch verwischen und einen Aufstieg vom Joker zum Teamchef oder vom Dunkel ins Licht erleichtern könnten.
Slimane Kader hat ein brillantes Bild unserer Gesellschaft gezeichnet. Mit reichhaltiger, flüssiger Sprache schreibt er über Banales und Bedeutsames, Absurdes und Normales, Enttäuschendes und Rührendes. Mit humorvollen Metaphern und intelligenten, sensiblen Beobachtungen holt er den Leser in unglaublicher Dringlichkeit zu sich an Bord und versteht, die widersprüchlichsten Gefühle in ihm zu wecken – Abneigung gegen die abstoßende, gedankenlose Dekadenz in der „upper-class“ und Partei zu ergreifen für die bezahlte Masse, die in eigener Gesetzmäßigkeit den Rücken für ein paar Dollars krümmt.
Ein Buch, das nachdenklich stimmt, neue Blickwinkel öffnet und doch viel versöhnlichen Humor zulässt, der allen menschlichen Stärken und Schwächen ihren Raum zubilligt.
Obwohl der Roman für mich während des Lesens einen gewissen Status der Anonymität nicht verlassen hat, also eine Identifikation mit Personen ausblieb, hatte ich doch ein anspruchsvolles Leseerlebnis, für das ich gerne alle Sterne vergebe.


Ein Insel-Krimi: Die Namenlosen von Amrum - Archivar Steffen Stephan und das Geheimnis des Friedhofs; ein packender Nordseekrimi (Sutton Krimi)
Ein Insel-Krimi: Die Namenlosen von Amrum - Archivar Steffen Stephan und das Geheimnis des Friedhofs; ein packender Nordseekrimi (Sutton Krimi)
von Jürgen Rath
  Broschiert
Preis: EUR 12,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Mordsee"-Spuren führen zu außergewöhnlicher Krimilektüre., 26. Juni 2015
Steffen Stephan arbeitete als Archivar am Sozialhistorischen Institut in Hamburg und hatte zusammen mit dem Historiker Dr. Zöllner und dem Fotografen Sergio Conetti etliche erfolgreiche Bücher über Friedhöfe erstellt, die – interessant und ansprechend von den drei Experten konzipiert – ein Erfolg für den herausgebenden Verlag gewesen waren. Aber mittlerweile hatte sich das Ding totgelaufen, war diese „Friedhofswelle“ verebbt und mindestens so tot wie die Leichen, die dort in ihren Gräbern ruhten und keinen Studenten mehr auch nur ins erste Semester lockten. Zumindest war das die momentane Situation, wenn man den Ausführungen Professor Hübners Glauben schenken wollte, der schon erste Maßnahmen ergriffen hatte. Dr Zöllner musste bereits zu Trenchcoat und Hut greifen, seinen aufgeräumten Schreibtisch verlassen und war dann nach ein paar Abschiedsworten gegangen. Conetti eilte mit geschulterter Fototasche zu einem anderweitigen Termin, bei dem es ein paar bellende Hunde abzulichten gab, die irgend welches Hundefutter in sich hineinschlangen. Nie würde er dort die geliebte Nähe zum Jenseits und das wundersame Energiepotential finden können, das ihm die Arbeit auf alten, prachtvollen Friedhöfen geboten hatte. Die berufliche Luft für Steffen wurde nun ebenfalls recht dünn,das spürte er auch ohne Hübners Hinweis, dass man auf Seiten des Verlages auf ein neues Konzept warte und nicht viel Geduld an den Tag lege. Wenn etwas schief lief im Leben, dann meist in allen Bereichen, da machte Steffen keine Ausnahme, denn privat ging's gerade auch ein bisschen aus der Spur – oder wie nennt man das, wenn einen die Freundin sitzen lässt? Ferientage wären dringend vonnöten, aber ist Camping-Urlaub auf Amrum mit einer Broschüre über gesundes Heilfasten im Gepäck wirklich die beste Methode, ein neues Konzept für berufliche Erfolge zu entwickeln, wie es Hübner von ihm erwartete? Auch die quirlige, unkonventionelle junge Studentin Lilianne Feldmann, die ihm als Praktikantin vom Festland auf die Insel folgen musste, um ihn bei seiner Projektgestaltung zu unterstützen, entsprach letztendlich so gar nicht seinem etwas hölzernen, bieder-konventionellen Naturell, war also sicherlich ebenfalls kein Grund zur Freude. Als sie dann bei ihren Recherchen auf dem „Friedhof der Namenlosen“ auf Ungereimtheiten in der Grabbelegung stießen, wurde ihnen der Boden unter den Füßen verdammt heiß, und die vorher schon wortkargen Inselbewohner bildeten eine bedrohliche Mauer das Schweigens. Sollte der aufgespießte Totenkopf-Falter eine Warnung sein? In wessen Focus befanden sich die beiden Ahnungslosen plötzlich? Sie waren einem Geheimnis auf die Spur gekommen, dessen Aufdeckung verdammt gefährlich für sie sein konnte.
Wieder einmal – ebenso wie in seinem Kriminalroman „Nordhörn“ - versteht es Jürgen Rath in absolut professioneller Manier einen unschlagbaren Mix aus mehreren Elementen herzustellen. Er verbindet Handlungsstränge aus verschiedenen Zeitebenen, um mit dem einen die Basis für den anderen zu bilden, konfrontiert die gegensätzlichsten Charaktere um atmosphärische Authentizität zu erzeugen und bedient sich dann hier altvertrauter Protagonisten-Merkmale, um dem Leser das Vergnügen zu bereiten, Steffen Stephan wiederzutreffen. Und dessen unvergleichliche Art – schrullig, akribisch und ein bisschen hausbacken – hat echten „Wieder-Erkennungs-Wert“ und begegnet dem Leser wie ein alter Bekannter. Aber auch Lilianne, die „Neu-Gestaltete“ ist ausgezeichnet gelungen und spielt meisterhaft ihren Gegenpart. Rundheraus gesagt: Die Besetzung stimmt auch in diesem Roman absolut.
Wieder einmal punktet der Autor mit seinem hervorragenden historischen Wissen, einer leserfreundlichen Auflistung im Glossar sowie seiner Amrum-Skizze und dem gesamten informativen Anhang.
Jürgen Rath ist ein Schriftsteller, der auf hohem Niveau arbeitet und auch hier wieder mühelos diesen level erreicht, den er sich selbst vorgegeben hat.
Ein kriminalistisches Lesevergnügen – angenehm „blutarm“, aber intelligent, geistreich und humorvoll.


Beim nächsten Mann links abbiegen: Roman
Beim nächsten Mann links abbiegen: Roman
von Caro Martini
  Taschenbuch

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Heute muss es nicht mehr Glücksklee sein....., 14. Juni 2015
Wie aufregend ist eigentlich so ein Alltag, wenn man einen sicheren Job an der Uni hat, dort in seinen Chef, den Anglistikprofessor David Engelbrecht verliebt ist, der menschlich gesehen eigentlich zu den „Nullen“ zählt, wenn man eine Freundin hat, deren Liebesleben einem Kamasutra gleicht, während man selbst sich mit dem Lesen der „Pesthure“ begnügt oder man nicht weiß, wie putzmunter ein aktiver Vierbeiner die Wohnung umzugestalten vermag? Eigentlich ist das tägliche Einerlei recht öde, muss man dann irgend wann feststellen – aber dann ist man schon mitten drin in den Turbulenzen!
Welch sonderbare Wendungen ihr Leben durch ein simples Navi nehmen würde, hätte Lucie Stein vorher nicht in ihren kühnsten Träumen geahnt. Auch wenn dieses ungewöhnliche Navigationsgerät auf nicht alltägliche Weise in ihre Hände geriet, indem sie es auf dem Trödelmarkt einem geheimnisvollen Mann in weitem, rotem Mantel abkaufte, der anschließend vom Boden verschwunden schien, deutete doch nichts daraufhin, dass es anscheinend für sie gemacht war und von diesem Moment an Weg und Ziel in ihrer Lebensplanung übernahm. Mit umwerfend schmeichlerischer „George-Cloony-Stimme“ dirigierte das Navi sie auf unvorhersehbare Art immer wieder dem Glück ihrer Zukunft entgegen - manchmal „undercover“ und beileibe nicht offensichtlich, aber auf humorvolle und kapriziöse Weise stets gelungen und unentrinnbar. George veränderte alles im Leben von Lucie Stein und nach kurzem Zögern und zerstreuten Zweifeln fuhr sie auf neuen Strecken und - der ausgeklügelten, fantasievollen Navigationstechnik sei Dank – dem auf sie zugeschnittenen Glück entgegen.
Caro Martini hat ein heiteres, fantasievolles Buch geschrieben, in dem der Humor und die vielen kleinen Weisheiten des Lebens ebenso ihren Platz haben wie Selbsterkenntnis und schmunzelnd-kritische Nasenstüber für Handlungsorte und Situationen der Gesellschaft, unterhaltsam und feinfühlig beobachtet. Dem Leser bereitet es Vergnügen, zusammen mit wunderbar skizzierten Protagonisten in flüssiger Sprache durch die bunte Palette einer federleichten Sommergeschichte geführt zu werden, und anschließend recht gut unterhalten seine Leseempfehlung auszusprechen.


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