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Rezensionen verfasst von
Novalisleser (Jena)

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Falsche Bilder - Echtes Geld: Der Fälschungscoup des Jahrhunderts - und wer alles daran verdiente
Falsche Bilder - Echtes Geld: Der Fälschungscoup des Jahrhunderts - und wer alles daran verdiente
von Stefan Koldehoff
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wie Beltracchi die Kunstwelt mit Bildern aus der Sammlung eines Anständigen beglückte, 6. Januar 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Informativ und gut recherchiert von dem Autorenduo Koldehoff und Timm, jedoch mit offenen Fragen. In dem mehrfach ausgezeichneten Buch wird das Gebaren des Kunsthandels kritisch durchleuchtet, die Behandlung von Kunstwerken als reine Spekulationsobjekte, die Schleichwege des Kunstmarkts, die manchmal wahnwitzig überhöhten Preise, die Gier mancher Sammler bedeutende Namen in ihrer Bildersammlung zu besitzen, das anmaßende Auftreten und die schlampige Arbeit einiger Kunstexperten, z. B. der W. Spies, die Vernebelungstaktik einiger Händler, als Zweifel an der Echtheit von Bildern aufkommen. Das Gepoltere der beiden Autoren, im Kölner Beltracchi- Prozess "hätte hier eigentlich auch eine ganze Branche auf der Anklagebank sitzen sollen" (S. 10), Kunsthändler, Museen, Sammler und Experten, kann man jedoch mit Vorbehalt zur Kenntnis nehmen.
Offen bleiben in dem Buch der beiden Journalisten Fragen, wieso im Zeitalter der modernen Untersuchungsmethoden, von der chemischen Analyse, Isotopenanalyse bis zur Röntgenuntersuchung, lange Zeit niemand wagte die Bilder der plötzlich aus dem Nichts aufgetauchten "Sammlung Jägers" zu untersuchen und dem Fälscher das Handwerk zu legen. Wer die Zeit Beltracchis, das Zeitalter der "anständigen Deutschen", in Augenschein nimmt, sieht, dass nicht nur Kunstsammler, Händler und Galeristen, sondern auch die Öffentlichkeit, Medien und der "investigative Journalismus" sich blamiert hatten, die Echtheit der Bilder der "Sammlung Jägers" wurde lange Zeit ernsthaft kaum in Frage gestellt.
Ein Erfolg, wie der von Beltracchi, zweifellos ist er der erfolgreichste Kunstfälscher der neueren Kunstgeschichte, war in diesen Dimensionen nur in dieser Zeit und nur in Deutschland möglich. Beltracchi bescherte Politik, Kultur und der Presse das, was sie schon lange suchten, endlich den anständigen Deutschen, den anständigen Sammler Jägers, der seine gesammelten Bilder vor der Aktion "Entartete Kunst" der Nazis und vor der Vernichtung gehütet hatte (S. 135, 166). Endlich hatte man etwas gegen das schlechte Gewissen, nachdem sich damals so viele an der Kulturbarbarei der Nazis beteiligt hatten. Der Coup, Bilder aus der nachgelassenen Sammlung eines "anständigen" Deutschen zu verkaufen, eine Sammlung die nie existiert hat, war zweifellos genial. Nachdem man den anständigen Deutschen Werner Jägers gefunden hatte, Fernsehen und Presse ihn ehrfürchtig angestaunt hatten, wagte lange Zeit niemand, mehrere Jahrzehnte lang, die Bilder zu untersuchen. Wenn erst einmal Kunstwissenschaftler, Chemiker und Physiker ein Bild untersuchen, dann hat ein Fälscher keine Chance, das wusste Beltracchi.
In der Politik hatten alle den anständigen Deutschen gefunden: Gerhard Schröder, der das Wort "anständig" so häufig gebraucht hatte wie kein anderer Politiker. Der verkaufte schließlich nach einer verlorenen Wahl seine politische Leiche an einen russischen Diktator, der eine Gallionsfigur für ein Erdgasunternehmen brauchte und der dem abgehalfterten Exkanzler eine goldene Hängematte bescherte. Mit Dieter Hildebrandt hatten wir den "anständigen" Kabarettisten. Der Entlarver und Bloßsteller von Nazis, unser Dr. Murke, war, von ihm verschwiegen, selber NSDAP- Mitglied. SS- Mitglied Günter Grass, unser "anständiger" Schriftsteller, hätte den Nobelpreis nicht bekommen, wenn seine Mitgliedschaft bekannt geworden wäre, aber er war klug und zur passenden Zeit verschwiegen. Gregor Gysi, der "anständige" Politiker, präsentierte eine "anständige" Partei, eine Partei als Fälschung, alte SED- Mitglieder wurden als neue Linke ausgegeben. Beltracchi lieferte uns dazu passend den "Anständigen Kunstsammler". Wer genug Zeit hat, kann weitere ungezählte "Anständige" auflisten.
"Die öffentliche Meinung ist in manchen Jahrhunderten die schlechteste aller Meinungen" (Chamfort). In den vergangenen Jahrzehnten war in der Öffentlichkeit, Presse und dem Fernsehen eine für deutsche Verhältnisse ungewöhnliche Toleranz und Verharmlosung für bloßgestellte Lügner, Korrupte und Täuscher zu beobachten gewesen. Auch die vielen Deals der Justiz, zum Beispiel mit korrupten Gewerkschaftsbossen und Managern, mit Straferlass für die Täter, hatten zu einer Aushöhlung des Rechtsbewusstseins geführt (Beltracchi- Deal: S. 205 f.). Nur vor diesem Hintergrund ist zu erklären, weshalb zahlreiche Hinweise von Ermittlern, von den beiden Autoren akribisch aufgelistet, in den drei Jahrzehnten Tätigkeit der Fälscher nicht zum Auffliegen der Fälscherbande Beltracchi führten. Der Nährboden für einen Meisterfälscher war in Deutschland von Justiz, Politik, Presse und Kulturszene vorbereitet worden. Hier auf dem Moder von Verwesung konnte dann Beltracchi ungestört pflanzen und ernten, die große Kunstwelt mit seinen Produkten beliefern. Unsere Zeit hatte uns einen Meister seines Fachs beschert. Nicht Schröder, Hildebrandt, Grass und Gysi, sondern Beltracchi war der Meister der Trickser, Täuscher und Fälscher.
Die Recherchen von Koldehoff und Timm lieferten, auch mit dem Verzicht auf den Bezug zum zeitgeschichtlichen Hintergrund, die bisher vollständigste und am sorgfältigsten aufbereitete Darstellung des Falls Beltracchi, spannend geschrieben, ein Buch das der Leser nicht weglegt, bevor er es bis zur letzten Zeile gelesen hat.


Die Phönizier: Völker der Antike
Die Phönizier: Völker der Antike
von Glenn E Markoe
  Gebundene Ausgabe

5.0 von 5 Sternen Da gibt es eine ganze Menge mehr als Sie denken! meint Glenn E. Markoe, 18. Dezember 2014
Vierzehn Jahre alt und sicherlich in einigen kleinen Details überholt, doch Glenn E. Markoes „Die Phönizier“ ist immer noch das empfehlenswerteste Nachschlagewerk zum Thema Phönizier, nicht nur für den Laien. Die Gliederung des Buchs in einzelnen Aufsätzen zu Sachthemen, „Geschichte“, „Stadt“, „Wirtschaft“, „Sprache“, „Religion“, „Kultur“, „Handel“ und „Städte“, die auch als eigenständige Essais gelesen werden können, erleichtert das Hineinfinden und macht die Lektüre zu einem Genuss. Die Fülle des von Markoe, Kurator für Kunst des Altertums am Cincinnati Museum, Ohio, auf 228 Seiten zusammen getragenen Materials aus Forschungen, Ausgrabungen und Übersetzungen widerspricht der landläufigen Meinung, von den Phöniziern sei nur wenig bekannt.
Bereits anderen „amazon“- Lesern ist aufgefallen: Einzelne Thesen im Buch, die auf römischen Selbstdarstellungen beruhen, über die Beziehungen zwischen den Karthagern und den Römern, sind nach dem heutigen Erkenntnisstand weder beweisbar noch widerlegbar. Das soll jedoch den positiven Gesamteindruck des Buchs nicht schmälern.

Markoes Buch wird schnell zu einem Führer für den Laien durch den Nebel phantasievoller zeitgenössischer Publikationen und vielerlei „Historys“ in den Medien zum Thema „Phönizier“. Fotos, Landkarten, Bibliographie, Glossar, Register und Zeittafel, das alles in bewährter Qualität des Theiss- Verlags präsentiert, machen das Buch auch für Studierende interessant.
Mögen doch zukünftige Publikationen zu dem Themenkreis in der gleichen Güte wie Markoes Buch erscheinen, wünscht sich der an Altorientalistik interessierte Leser.


Türkei: Wiege der Zivilisation
Türkei: Wiege der Zivilisation
von Michael Zick
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 36,95

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein weiter Blick zurück, 22. Juli 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ein weiterer prachtvoll gestalteter Bildband aus der verdienstvollen Reihe des Theiss- Verlags zur Geschichte der frühen Kulturen. Die großformatigen Farbfotos und der auch für Laien verständlich vorgetragene Text machen die Lektüre von Michael Zicks Buchs „Türkei, Wiege der Zivilisation“ zu einem Gewinn. Auch Urlaubern und Erlebnistouristen, die abseits der Badestrände das Land erkunden wollen, kann es empfohlen werden.
Der früh verstorbene Autor Zick hatte einen weiten Horizont. So ziemlich alles was es an Material über Ausgrabungen in der Region gab und was darüber an Deutungen und Lehrmeinungen in der Fachwelt kursierte, wurde von ihm berücksichtigt und vieles in einer Auswahl zusammengetragen, Spektakuläres und weniger Bekanntes. Zick nimmt den Leser mit auf eine vor 12 000 Jahren beginnende atemberaubende Reise durch die Geschichte. Sein unterhaltsamer mit dem Leser plaudernder Stil lässt leicht vergessen, dass Zick bei seinem Streifzug durch die Gefilde der Wissenschaft und Forschung der frühen Kulturen immer auf gesichertem Pfad geblieben ist: Fakten blieben bei ihm Fakten und Theorien blieben bei ihm Theorien.
Der Wissenschaftsjournalist Zick war frei von den Eitelkeiten der Fachleute. Er hütete sich davor, sich als „Fan“ einer einzelnen Lehrmeinung zu positionieren, so sehr er auch Prof. Klaus Schmidt verbunden war. Zick ließ in seinem Buch konträre Meinungen nebeneinander stehen, wissend, dass sich scheinbare Widersprüche durch neue Forschungsergebnisse von selbst aufheben können.
Vereinzelung, zeitlicher und räumlicher Abstand, die oft noch zu wenig erschlossene Umgebung von sensationellen Funden der Frühgeschichte lassen Raum für üppige Spekulationen und Zick kommentierte und relativierte humorvoll manche aus der Feder von Spezialisten stammende phantasievolle Deutung von frühgeschichtlichen Funden. Doch immer zeigte Zick Respekt und Achtung vor den Leistungen der Wissenschaftler, der Ausgrabungsteams und der die Schriften übersetzenden Sprachwissenschaftler.

Ein Universitätslehrer des Lesers pflegte allzu steilen Theorien so zu begegnen: „Da sind jetzt wieder ein Tell und jede Menge Tontafeln ausgegraben worden. Was Sie jetzt dazu an Thesen aufstellen, das können Sie nach Ausgrabungen der nächsten, jetzt noch ungeöffneten Tells, wieder begraben…“ Und auch Zicks Buch wurde bereits von diesem Schicksal eingeholt. Die These von der Vernichtung der Kultur Qatnas durch die Seevölker (S. 162) kann nach den jüngsten Ausgrabungen und Tontafelfunden (Pfälzner, Bonacossi u. a.) nicht mehr aufrecht erhalten werden.
Alles in allem, fünf Punkte sind Zicks Buch ohne Vorbehalte angemessen.


Das Rätsel der Donauzivilisation: Die Entdeckung der ältesten Hochkultur Europas (Beck'sche Reihe)
Das Rätsel der Donauzivilisation: Die Entdeckung der ältesten Hochkultur Europas (Beck'sche Reihe)
von Harald Haarmann
  Gebundene Ausgabe

23 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Harald Haarmann erklärt die Donauzivilisation und lässt uns im Ungewissen, 18. Juni 2014
Sicherlich ist es anderen Lesern ebenso gegangen. Zunächst Jubel: Eine neue zusammenfassende Darstellung eines Kapitels europäischer Ur- und Frühgeschichte, reich illustriert, mit Kartenmaterial und Zeittabellen versehen. Die Freude wird dann dem Leser bei der Lektüre gründlich vergällt. Er findet die harsche Kritik anderer Rezensenten, unter denen Spezialisten aus den Bereichen Ur- und Frühgeschichte, Archäologie und Altorientalistik sind, an Haarmanns Buch voll bestätigt. Mit apodiktischer Gewissheit, unwiderlegbare und ewige Wahrheiten verkündend, trägt Haarmann steile Theorien vor. Ständig zitiert Haarmann sich selber aus seinen anderen Veröffentlichungen, beim unvoreingenommenen Leser erzeugt Haarmann den Eindruck, er befinde sich im Konsens mit der ganzen Fachwelt. Dazwischen folgt dann immer wieder Unbewiesenes, das als bewiesen ausgegeben wird. Schließlich beginnt der Laie, der nicht immer genau unterscheiden kann, was Dichtung und was Wahrheit in Haarmanns Buch ist, allem im Buch zu misstrauen und legt es beiseite, noch bevor er die Seite 100 erreicht hat.

An seinem selbstgewissen Ton erkennt man den "Quereinsteiger" aus einer anderen Fachrichtung, Haarmann ist Sprachwissenschaftler. Die Mitglieder der Zunft, Ur- und Frühgeschichtler, Archäologen und Altorientalisten pflegen sich sehr viel vorsichtiger und zurückhaltender auszudrücken, wissend, dass alle Theorien schon nach der nächsten Ausgrabungsserie überholt sein können. Ein Altorientalist, dessen Vorlesungen der Leser hörte, begann seinen Vortrag immer mit dem Satz: "Meine Damen und Herren, nach dem heutigen Stand der Ausgrabungen..."

Empfehlen kann man das Buch nicht. Mehr als einen Punkt kann der Leser beim besten Willen Haarmanns Buch nicht geben.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 18, 2017 9:03 PM MEST


Schätze des Alten Syrien: Die Entdeckung des Königreichs Qatna
Schätze des Alten Syrien: Die Entdeckung des Königreichs Qatna
von Landesmuseum Württemberg
  Gebundene Ausgabe

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bedrohte Schätze, 13. Februar 2014
Ein schön ausgestatteter Bildband, eine gute Werbung der Archäologen und Ur- und Frühgeschichtler für ihre Zunft. Das kunsthandwerkliche Können der Menschen vor viertausend Jahren wird dem heutigen Betrachter in ganzseitigen Farbfotos nahe gebracht. Auch wer die Ausstellung nicht gesehen hat, kann mittels des Bildbandes sein Wissen zur Geschichte des alten Vorderen Orients auf den neuesten Stand bringen. Und dieser Wissensstand wird wohl Jahrzehnte unverändert bleiben, Ausgrabungen und Forschungen in Syrien sind zum Erliegen gekommen. Bleibt zu hoffen, dass in den Wirren des Bürgerkriegs die Schätze der Museen nicht geplündert und verschleppt werden.
Hilfreich für den Laien sind eine synchronoptische Tabelle der Kulturstufen im östlichen Mittelmeerraum und im „Fruchtbaren Halbmond“ und zwei Karten der wichtigsten Ausgrabungs- und Fundorte. Zu empfehlen ist der Band nicht nur den Laien, Studierende finden ein 7seitiges Literaturverzeichnis vor. Das Preis- Leistungsverhältnis des Bands stimmt. Wer mehr will, muss sich die Berichte der drei Ausgrabungsleiter von Qatna besorgen, z. B. die 571 Seiten starken „Interdisziplinären Studien“ des Chefs des deutschen Teams, Prof. Pfälzner, für 178 Euro bei „amazon“.


Die deutsche Seele
Die deutsche Seele
von Thea Dorn
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 39,00

19 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Die Vorurteile meines Friseurs, 3. April 2013
Rezension bezieht sich auf: Die deutsche Seele (Gebundene Ausgabe)
Der Friseurmeister des Lesers hat zu allem eine Meinung, zum Klimawandel, Tilo Sarrazin, Wiedervereinigung, ein Konzert mit den Wildecker Herzbuben in der Stadthalle, erschwindelte Doktortitel und die Bankenkrise. Er kann auch reaktionär sein, wenn es um asylsuchende Ausländer geht, obwohl seine Eltern Heimatvertriebene sind. Er würzt alles mit humorvollen Bemerkungen zur Unterhaltung seiner Kunden.
In dem 560seitigem, großformatig gedruckten opus magnum "Die deutsche Seele", von Thea Dorn und Richard Wagner geht es bierernst zu. Der Leser erfährt unter anderem, dass unser schöner deutscher Wald von den Deutschen dazu gepflanzt wurde, damit Franzosen sich darin fürchten (S. 485). In großer Menge wurden von dem Autorenduo Zahlen, Daten, Fakten, Anekdoten, Vorurteile und Meinungen zum Thema zusammengetragen. Alles wurde philosophisch untermauert, sprachwissenschaftlich abgeklärt, historisch exakt recherchiert und zeitgenössisch soziologisch begründet, dann in erzählerischer Form vorgetragen und schließlich von den Lesern, meist zustimmend, weniger ablehnend, in ihren Kritiken auf die gleiche Weise verarbeitet. Dem Leser dem bei so viel professoraler Gelehrsamkeit die Luft ausgegangen ist, sei empfohlen, daneben her immer mal einen Blick in Oliver Kuhns und Daniel Wiechmanns kleines Taschenlexikon "Mein schwuler Friseur" zu werfen und dort wieder frische Luft aufzunehmen. Was bei Dorn & Wagner an Gemeinplätzen und Vorurteilen todernst und wortreich kommentiert daherkommt, wird bei Kuhn und Wiechmann mit wenigen Sätzen, treffend satirisch verhackstückt. Dorn & Wagner garnieren ihr schwer genießbares Ragout mit einer Portion Kulturfeuilleton, um es bekömmlicher zu machen. Wenn aber die hochgelehrte, in Philosophie und Theaterwissenschaft studierte, als Krimiautorin und Fernsehmoderatorin bekannte Dorn und der als Deutschlehrer, Journalist und Schriftsteller tätige Wagner dann in nur zwanzig Zeilen es schaffen, Nietzsche und Hölderlin (S. 16) zu verbinden (gleicher Vorname und beide dem Wahnsinn verfallen) dann noch Celan und Heidegger dazu nehmen (Kontrast: Nazigegner und Naziparteigänger), entringt sich dem schwer geprüften Leser ein "Uff" und er fängt an nach Luft zu ringen.
Der Leser ist skeptisch. Eine "deutsche Volksseele", gibt es das überhaupt, eine gemeinsame Seele in einem Volk von 82 Millionen Menschen aus Regionen unterschiedlicher Kulturgeschichte, darunter fast 10 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund, in einem offenen Land mitten in Europa, in dem sich Verkehrswege und Kultureinflüsse aus allen Himmelsrichtungen kreuzen? Oder ist sie ein Überbleibsel aus nationalistischen Beständen? Doch Dorn & Wagner zeigen es beide dem Leser. Es ist ganz einfach. Anstatt nach einer Volksseele zu suchen, die weisgott irgendwo herum schwebt, nehmen die beiden einfach Begriffe, die ihnen irgendwie verdächtig erscheinen als Stichworte und kombinieren sie mit einer Auswahl aus den zahllosen Dingen, die die Kulturgeschichte bietet. Und irgendwie passt das dann alles zusammen, Nietzsche zu Hölderlin und dazu noch Heidegger und Celan. Und tatsächlich ist dann eine Seele erstanden, sieht aber mehr aus wie eine Seele a la Dorn & Wagner. Aber auch Leser, denen die deutsche Volksseele schnurzegal ist, können Dorns & Wagners Werk nutzen, zu einem heiteren Begrifferaten. Die Leser wählen ein Stichwort und versuchen dann dazu passende Begriffe zu kombinieren. Ihr Ergebnis muss nicht hinter der von Dorn & Wagner erforschten Volksseele, oder was die beiden dafür halten, zurück stehen.
Thea Dorns und Richard Wagners Werk gehört zu den Büchern, die man nach der Lektüre gut sichtbar vorn in das Bücherregal einzureihen pflegt, um dem Besucher zu zeigen, dass man up to date ist und auf denen sich im Laufe der Jahre eine dicke Staubschicht als Zeichen des Unberührtseins ablagert. Kuhns und Wiechmanns Büchlein ist zwar vergriffen, aber bei "amazon" vereinzelt immer wieder zu haben. Wer es besitzt, bei dem bleibt es zerlesen auf dem Nachttisch als Dauerlektüre liegen.
Für die wenigen unterhaltsamen Abschnitte ihres Buchs gibt der Leser Thea Dorn und Richard Wagner zwei Punkte.


Bismarck: Magier der Macht
Bismarck: Magier der Macht
von Jonathan Steinberg
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 29,99

15 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Bismarck magisch gemacht, 20. März 2013
Jeder Politiker, der seine Zeitgenossen überragte, der eine große historische Leistung vorweisen konnte, musste es sich gefallen lassen, dass ein ganzer Schwanz bunter Biografien in allen Farben an ihn geheftet wurde, von denen jede ein anderes Bild der Person erzeugte. "Von der Parteien Gunst und Hass verwirrt, schwankt sein Charakterbild in der Geschichte."
Auch bei Bismarck ergeben die vielen Biografien aus der Feder der Historiker kein klares Gesamtbild, sondern spiegeln nur die Zugehörigkeit der Historiker zu einem politischen Lager und die Konzessionen an den Zeitgeschmack wieder. Nach der nationalistischen Geschichtsschreibung mit der Überhöhung Bismarcks zum nationalen Heros hatten wir die "kritische" Geschichtsschreibung überstanden, in der der "Erzpreuße" und "Sozialistenfresser" in Grund und Boden gestampft wurde. Nun bekommen wir den "Dämon" und den "Magier" passend zum Zeitgeschmack.
Der Leser hat die Wahl: Entweder will er eine spannend und effektvoll geschriebene moderne Biografie von Bismarck lesen, wobei ihm die historische Leistung Bismarcks gleichgültig ist, dann mag er zu der Biografie "Bismarck, Magier der Macht" von Jonathan Steinberg greifen und bekommt dort das was er will. Oder er will sich dem Lebenswerk der historischen Persönlichkeit Bismarck größtmöglich nähern, dann wird er die aus der Feder von Bismarck selbst stammenden autobiographischen "Gedanken und Erinnerungen" lesen müssen. Und da der Leser davon ausgeht, dass jeder Schreiber seinen Lebenslauf beschönigt, wird der Leser sich mit den Gegnern Bismarcks und ihren Äußerungen über Bismarck beschäftigen müssen, um zu einem vollständigen Bild zu gelangen. Das sind vor allem der katholische Zentrumsführer Windthorst, der Sozialist Bebel und der junge Kaiser Wilhelm II. Dann bekommt der Leser ein von Jonathan Steinbergs Buch abweichendes anderes Bild von Bismarck, anstelle eines "Dämons" das Bild eines klug und rationell vorgehenden Politikers, der von Beginn seiner Karriere an klar und für jedermann einsehbar ein Ziel verfolgt hatte, die Schaffung eines deutschen Staats und der sich dabei nicht immer an die Spielregeln des Parlamentarismus hielt. Statt eines dämonischen, innerlich getriebenen Mannes, ersteht dann das Bild eines Politikers der "den Mantel der Geschichte ergreift", ein Mann hinter dem sich eine breite durch alle Lager, auch seiner Gegner, gehende Bewegung gesammelt hatte, die die Schaffung eines deutschen Staats herbei gesehnt hatte und die in Bismarck den einzigen geeigneten Politiker sah, der das Ziel erreichen konnte und die auch bereit war, einzelne Verstöße von Bismarck gegen Demokratie und Parlamentarismus zu tolerieren, wenn sie der Erreichung des großen Ziels gedient hatten.
Der Leser, der die Geschichte moderner Staaten kennt, wird die von vielen Historikern gepflegte und auch von Steinberg übernommene kritische Sicht auf Bismarcks Lebenswerk, die Einigung Deutschlands "von oben" (S.357 ff), als großen Makel, nicht allzu ernst nehmen. Er weiß, dass viele Nationalstaaten "von oben" geeint wurden, so England, die USA, Frankreich, Russland und Italien. Er weiß auch, dass die verantwortlichen Politiker, Cromwell, Lincoln, Henri IV., Iwan IV., Cavour und Garibaldi als Helden verehrt werden, obwohl sie Partikularisten und zerstrittene Parteien mit mehr oder weniger Druck "von oben", bis zum Bürgerkrieg gehend, zusammen getrieben hatten, um einen Staat zu schaffen. Die Spekulation des etwas weltfremden Geschichtsprofessors Jonathan Steinberg, "die Vereinigung Deutschlands wäre höchstwahrscheinlich durch einen freiwilligen Bund souveräner Fürsten erfolgt" (S. 16), an Stelle "von oben" durch Bismarck, wird von jedem belächelt, der den Partikularismus und die Sondersüchteleien der mehrere Dutzend zählenden deutschen Fürsten dieser Zeit kennt.
Breiten Raum hat in Steinbergs Buch die Setzung von Beziehungen von der Anamnese mit dem Lebenswerk Bismarcks, das ist zwar Mode, führt aber mehr von dem Lebenswerk einer historischen Persönlichkeit weg, statt zu ihm hin. Ebenso wie die zahlreichen Krankheitsgeschichten Martin Luthers nicht zum Verständnis der Reformation beitragen, führt auch die zu starke Fixierung auf die Anamnese Bismarcks in Steinbergs Buch nicht zu einem klaren Blick auf Bismarcks historische Leistung. Nach der Lektüre von Steinbergs Buch wird der Leser bei der Beschäftigung mit Bismarck auch weiterhin zu den Schriften Bismarcks und seiner Zeitgenossen greifen müssen, wenn er sich Klarheit verschaffen will. Der Leser wird dann auch die These ablehnen, dass Bismarcks Politik für alle Fehler späterer deutscher Politiker, von Wilhelm II. Großmachtstreben bis zu Hitlers Imperialismus, verantwortlich ist (S.656 ff). Zwei Punkte gibt der Leser für das umfangreiche Quellenverzeichnis Steinbergs.


Die Brücke von San Luis Rey
Die Brücke von San Luis Rey
DVD ~ Robert De Niro
Wird angeboten von Dein Filmshop
Preis: EUR 7,99

7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Brücke zu Wilder, 3. September 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Brücke von San Luis Rey (DVD)
Nach vielen danebengegangenen Verfilmungen von Werken der Weltliteratur in der letzten Zeit sah sich der Zuschauer Mary Mc Guckians Verfilmung von Thornton Wilders "Brücke von San Luis Rey" mit großem Vorbehalt an - und wurde angenehm enttäuscht. Ein Team von Schauspielern der Spitzenklasse, Bates, G. Chaplin, de Niro, Murray Abraham, Keitel und Lynch, übersetzte Wilders viel gelesenes und viel zitiertes Buch mit den Mitteln der Schauspielkunst in einen gelungenen Spielfilm. Mary Mc Guckian ließ den Film ohne eigenmächtige Veränderungen der Handlung und der Dialoge dem Original folgen. Wilders Sprache und sein Anliegen, Grundfragen des menschlichen Seins, wurden einfühlsam vorgetragen ohne ins Sentimentale und ohne ins Klischee abzugleiten. Es entstand ein Film, der alles Grelle, Plakative, Modische und künstlich Aufgetragene meidet und der sicherlich nicht nach dem Geschmack von manchen professionellen Kritikern ist. Der Zuschauer wird den Film allen Freunden von Thornton Wilders Werk ohne Einschränkungen empfehlen.


Symbolismus: 25 Jahre TASCHEN (Big Art)
Symbolismus: 25 Jahre TASCHEN (Big Art)
von Gilles Néret
  Gebundene Ausgabe

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein weiter Blick, 17. August 2012
Sicherlich ist es anderen Lesern ebenso gegangen. In Michael Gibsons und Giles Nérets Bildband "Symbolismus" fand der Leser viele Künstler versammelt, die er in den bekannten Standardwerken der Kunsthistoriker und in den großen Kunstgalerien bisher nicht unter dem Titel Symbolismus, sondern in anderen Zuordnungen vorgefunden hatte. Gibson und Néret schlagen den Bogen weiter als andere vor ihnen, über zwei Jahrhunderte und über Europa und Nordamerika hinweg. Doch das Wagnis hat sich gelohnt. Entstanden ist nicht ein weiteres Buch in der unendlichen Reihe der Bücher über Ismen in der europäischen Kunst, sondern im weiten Blickfeld der Autoren ein Werk über den "Ausdruck einer Geisteshaltung einer Epoche" (Gibson). Mag der Leser auch einzelne der von Gibson und Néret dargelegten Beziehungen und die Einbindungen von einigen Künstlern in den Überbegriff "Symbolismus" als zu weit hergeholt sehen, seine Sicht wird sich erweitern. Nach der Lektüre von Gibsons und Nérets Werk versteht der Leser jetzt den Symbolismus nicht mehr nur als eine Sammlung von Stilprinzipien einer Künstlerelite, sondern als ein folgenreiches geistig- kulturelles Phänomen in der Kulturgeschichte Europas und Nordamerikas.


Der Traum des Kelten: Roman
Der Traum des Kelten: Roman
von Mario Vargas Llosa
  Gebundene Ausgabe

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Europäer aus der Sicht eines Peruaners, 16. Juli 2012
Die Biographie des Sir Roger Casement aus der Feder von Mario Vargas Llosa gehört zu den Büchern, in denen selbst eine abgebrühte Leseratte sich gleich nach dem ersten Durchblättern sofort fest liest und erst nachdem sie das Buch ganz gelesen hat, zum nächsten Buch greift.
Durch die breiten Recherchen Llosas ist das Buch ein wertvoller Begleiter für den Leser durch die sehr widersprüchlichen Quellen hindurch geworden. Die Bandbreite der Texte der Quellen reicht von offenem Hass und Verleumdung von Casement in britischen Darstellungen bis zur leuchtenden Verklärung von Casement in irischen Chroniken. Für den Leser ist es ein wundervolles Erlebnis, wie Llosa den vom Leser in seiner Jugend als Held bewunderten Casement sieht, wie Llosa das Bild eines großen Menschenrechtlers und Wegbereiters der Befreiung Irlands erstehen lässt. Ein Werk, würdig eines Nobelpreisträgers. Sicherlich ist das Buch nicht nach dem Geschmack von Liebhabern von Llosas Militärschwank "Der Hauptmann und sein Frauenbataillon".

Zwei kleine Anmerkungen, die die große Leistung Llosas nicht mindern sollen:
- Bei der Überführung des Leichnams Casements, 1965 von England nach Irland, hat sich der Präsident Irlands, Eamon de Valera, bestimmt nicht von seinem Sterbebett erhoben, um Casement zu würdigen, wie Llosa im Epilog meint. De Valera starb erst 1975.
- In der Danksagung am Schluss des Buchs zählt Llosa, sortiert nach Ländern, alle Quellen auf, die er bei den Recherchen für sein Buch benutzt hat. Deutschland fehlt, obwohl fast das ganze Kapitel XIV sich mit Casements Aufenthalt in Deutschland beschäftigt. Für dieses Kapitel wurden von Llosa die Kontakte Casements mit deutschen Politikern recherchiert und von Llosa Hinweise auf viele Fakten gegeben, deren Kenntnis nur durch Einsichtnahme in deutsche Archive möglich war.


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