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A.G.

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Die Tribute von Panem - Mockingjay Teil 2 [dt./OV]
Die Tribute von Panem - Mockingjay Teil 2 [dt./OV]
DVD
Preis: EUR 13,99

10 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Knüpft grundsätzlich an die guten Vorgänger an, verspielt am Ende aber viel Kredit., 24. November 2015
Diese Rezension kommt von jemandem, der die Bücher nicht gelesen hat. Dementsprechend kann ich logischerweise auch nicht darauf eingehen, wie buchgetreu der Film die Handlung wiedergibt und vor allem nicht, ob mancher Schwäche im Film evtl. sogar Schwächen des Buches zugrunde liegen.

Mockingjay 2 bringt nun also die große Saga um Katniss Everdeen und ihrem Kampf gegen die Tyrannei des Kapitols in Panem zu ihrem Ende. Wie viele hab ich den letzten Teil seit Wochen herbeigesehnt, da ich insgesamt doch recht angetan von allen drei Vorgängern war (einzelne Schwächen seien verziehen; von Catching Fire existiert von mir sogar eine 5-Sterne-Rezension hier auf der Seite.)
Insgesamt kann ich sagen, dass ich - nachdem ich den Film am ersten Tag sehen durfte - ihn über die weitesten Teile seiner Laufzeit wieder sehr spannend und mitreißend fand, er mir aber - insbesondere am Ende - dann doch ein wenig das Kraut ausgeschüttet hat, weshalb ich ihn in der Gesamtbetrachtung als schwächsten Teil der Saga sehe.

Die Ausgangslage in der Handlung: Die Rebellen scharen Distrikt um Distrikt um sich, um gegen das Kapitol und Präsident Snow einen entscheidenden militärischen Schlag ausüben zu können. Vor diesem Hintergrund plagt sich Katniss zum einen mit dem weiterhin unter schwerer Gehirnwäsche stehenden Peeta, der die Zeit im Kapitol noch nicht wirklich überwunden hat, sowie mit ihrem anderen Herzensbuben Gale, der zunehmend in seiner Rolle im Militär und in seinem Kampfeseifer gegen das Kapitol aufgeht und teilweise dabei über die Strenge schlägt. Der Plan der Rebellenführerin Alma Coin scheint indes klar zu sein: Sie will die neue mächtige Frau in Panem werden, sobald sie Snow besiegt hat - den störrischen Spotttölpel in den eigenen Reihen hat sie dabei ganz eng im Auge...

Soviel zum Handlungsrahmen. Mockingjay 2 setzt nahtlos an Teil 1 an und erzählt in dessen Stil die Geschichte weiter. Sprich: Es beginnt ruhig und der Film fokussiert sich erneut auf die Themen Propaganda, geistige Kriegsführung, Taktiererei und ähnliches. Das hat mir in Teil 1 entgegen vieler gut gefallen, da es m.E. schön auf dystopische Art und Weise die Macht dieser "Waffen" abseits der Schlachtfelder in Szene setzt und dabei Stellung bezieht. Dementsprechend fand ich den Hauch von Medien- und ethischer Kritik auch dieses Mal wieder erfrischend, gerade zu Beginn.
Der Film steigert sich - was seine Spannungskurve angeht - dann auch schnell. Spätestens dann, wenn Katniss und ihr engstes Team vor der Herausforderung steht, beim Sturm des Kapitols "so called" 76. Hungerspiele zu "spielen", da Snow die Hauptstadt mit allerlei tödlichen Fallen gespickt hat. Dabei kommen natürlich auch Metaphern und "Hints" speziell auf The Hunger Games und Catching Fire nicht zu kurz.
Auch nicht zu kurz kommt dabei dieses Mal die Action, die ab sofort ständiger Begleiter auf der Leinwand ist und somit die Taktzahl hochhält. Effekttechnisch ist zwar nichts neues dabei, aber das war nie das Steckenpferd der Panem-Reihe und wiegt für mich nicht so schwer. Erneut stellen sich die altbewährten Nackenhäärchen auf, wenn Katniss und Co. vor tödlichen Gefahren erschrecken/ weglaufen/ beinahe kapitulieren. Erneut spielt der Film perfekt seine größte As-Karte aus, indem er Minuten schlimmster Gewalt und Verzweiflung in den Kontext propagandistischen Geplänkels setzt und sie mit den Worten Coins und Snows unterfüttert, die nur allzu schmerzlich an die Reden von Politikern in der Realität erinnern.
Und so geht es eigentlich auch weiter bis zum Showdown, zum Finale, das jeder so heißblütig erwartet hat. Und genau da reißen den Film meines Erachtens unnötige, dramaturgische Schwächen von seinem hohen Niveau. Um diese Punkte darzulegen, werde ich leider spoilern müssen, also ab hier:
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SPOILER-WARNUNG!
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- Zunächst: Leider hat es eine Schwäche, die ich in den vorigen Filmen schon als störend empfand, auch wieder in diesen geschlichen: Sobald die Spannung ihren Siedepunkt erreicht, sobald es richtig entscheidend wird und zur Sache geht, passiert was? Ja, Katniss verliert wieder das Bewusstsein und wenn sie aufwacht ist sie immer mindestens einigermaßen in Sicherheit, auf einem Krankenbett, schüttelt ihre Beine und latscht los, um sich zu erkundigen, was denn nun eigentlich passiert war.
In diesem Fall passiert das während des absoluten Showdowns der gesamten Saga, was ich nicht ganz verstehen kann und was mich ratlos machte. Hier verspielt man so viele Möglichkeiten.
- Dann zu meinem Hauptkritikpunkt: Die Todesszene einer wichtigen Nebenfigur gegen Ende (als alles eskaliert): Selten habe ich so eine emotionslose Szene gesehen, während der eine sympathische, lange aufgebaute und wichtige Figur stirbt. Und ich dachte, "Der Hobbit 3" habe in dieser Hinsicht lange noch Anrecht auf dieses zweifelhafte Etikett. Dabei meine ich mit "Emotionslos" nicht einmal die Darsteller in dieser Szene. Aber der Schnitt alleine zerstört diesen Moment, ganz zu schweigen von dem, was danach kommt...
- Innerhalb weniger Wimpernschläge wird das Ende eines Imperiums, ein Umsturz, eine immense Machtverschiebung und v.a. der Ausgang einer verlustreichen (!) und weitreichenden Schlacht abgearbeitet, als habe man plötzlich Zeitdruck, den Film nicht noch länger werden zu lassen. Dabei stößt man jeden Zuschauer in meinen Augen vollkommen vor den Kopf. Geliebte Charakter tauchen nicht mehr auf oder sterben gar unwürdige Tode. Gefühlt dauert es 5 Kameraschnitte, um von der Szene, in der Katniss das Bewusstsein verliert, dahin zu kommen, wo sie nach Hause zu Prims Kater kommt. Selten empfand ich ein Ende so demütigend für den Zuschauer.
- Dass generell am Ende das Kapitol auf schier billigste Art und Weise überrannt wird und militärisch außer ein paar Friedenswächtern nichts entgegenzusetzen hat, finde ich auch höchst schwierig für die Authentizität der Handlung. Schließlich hat man gerade 2 Stunden lang mitgefiebert, wie die Heldin eine nahestehende Person nach der anderen opfern musste, um einen Punkt zu erreichen, den die Militärs der Rebellen scheinbar kinderleicht fast ohne menschliche Verluste erreicht haben. Oder spart sich hier der Film nur wieder, dem Zuschauer entsprechende Bilder mitzuliefern? So wie es dargestellt wird, frage ich mich, wie das Kapitol militärisch je zu dieser gefürchteten Macht werden konnte, als die es 3 Filme lang dargestellt wurde.
- Die Schluss-Einstellung im Epilog. Ich würde zwar nicht soweit gehen, sie mit Twilight zu vergleichen wie ein(e) Mitrezensent(in). Aber diese hat für mich das fürchterliche Bild, welches das Ende der Filmreihe für mich abgibt, noch einmal verschäft. Blumenwiese? Tollende Kinder? Ernsthaft?
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Wie eingangs erwähnt: Da ich die Bücher nicht kenne, weiß ich nicht, inwieweit manche der in meinen Augen "Schwächen" auch im Buch schon solche sind und ich damit dem Film unrecht tue, wenn dieser bloß das Buch wiedergibt.
Aber leider hat mir das Finale des Films ziemlich die Laune verdorben. Es wirkt einfach unrund, zusammengepresst, notgedrungen und irgendwie falsch. Als habe die Regie in den letzten 15-20 Minuten gewechselt.. Als habe jemand gerufen "So, Leute, lass jetzt endlich Schluss machen, werdet's fertig!"

Insgesamt, da mir die Filmreihe als solche so gut gefällt und ich auch diesem letzten Teil viel Positives, was Blockbuster-Kino ausmachen soll - abgewinnen kann, ringe ich mich zu 4 Sternen durch (3,5 aufgerundet). Der Gesamteindruck bleibt aber ein Mix aus "Ok" und "enttäuschend".

Das war die lange Reise, die man als Kinobesucher durch Panem machen durfte. Es war eine spannende, eine schöne Reise. Doch es ist irgendwie auch gut, dass sie jetzt vorbei ist.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 5, 2016 3:37 PM CET


Kompass
Kompass
Preis: EUR 5,99

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Textlich wieder auf "Goodbye Logik"-Niveau..., 15. August 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Kompass (Audio CD)
...und musikalisch so gut wie auf jeder ihrer bisherigen Platten. So würde ich das neue Album von Madsen, "Kompass", mit einem Satz zusammenfassen.
Nach nun drei Durchläufen der CD möchte ich kurz auf die einzelnen Songs eingehen.

1. Sirenen - 8/10
Der Opener, den man schon im Vorfeld kannte, ist kernig, hat eine tolle, gesellschaftskritische Note und rockt zufriedenstellend. So muss ein Auftaktsong sein.

2. Leichter - 9/10
Überraschend flotter Song angesichts der Thematik. Es geht um eine wackelnde Beziehung, die auf der Kippe steht und doch irgendwie so wichtig für die beiden Protagonisten ist. Textlich also mal was neues zu Trennungs- oder Verliebtheitsliedern. Geht ins Ohr.

3. Küss mich - 7/10
Die Single, ebenfalls schon seit einiger Zeit draußen, die ein bisschen den Job eines "Lass die Musik an" übernimmt. Netter Aufruf zu mehr zwischenmenschlicher Zuneigung :) Macht gute Laune und bereit Spaß. Der Refrain geht voll ins Ohr.

4. Kompass - 10/10
Wieder eher beschwingt und melancholisch zugleich und damit stark auf der emotionalen Schiene unterwegs, aber mit dermaßen tollen Lyrics, die selbst angesichts des hohen Madsen-Standards noch mal rausstechen. Erinnert irgendwie an Adel Tawil, was dem ganzen keinen Abbruch tut. Sicherlich finden den Song einige vielleicht zu schnulzig, aber ein nettes Statement über einen Menschen, dem man viel zu verdanken hat (ob jetzt Partner, Familie oder Freunde), das ich jetzt mal mit der Höchtsnote belohne.

5. Ich bin korrupt - 6/10
Ein Trennungslied, das aber fast komplett ohne Gefühlsduselei auskommt, sondern irritierenderweise positiv und fröhlich wirkt. Sicherlich kein Song, den man einen Tag nach einer Trennung hört, aber vielleicht mal 1-2 Monate danach. Musikalisch leider eher durchschnittlich, aber kein schlechter Song.

6. Ich trink nur eben aus - 8/10
So, nun legt Madsen die falsche Zurückhaltung bisschen ab und rockt wieder. Inhaltlich dreht sich der Song um die uns wohl allen bekannten Aktionismus-Ideen, die einem kommen, wenn man in der Kneipe über seine Zukunft fabuliert. Dementsprechend ein witziges Lied für Zwischendurch. Viel "Jetzt erst recht" und harte Riffe im Refrain, dazu ein bisschen Mitgröhlcharakter. Geht in Hosen-Richtung.

7. Fluten - 10/10
Apropos Tote Hosen. Die Riffs zu Beginn von "Fluten" erinnern fast schon frech an "Strom". Geil in jedem Fall. Was danach kommt, ist dann wieder ein Madsenscher Geniestreich: Der Refrain macht ja mal so eine Gänsehaut. Das musikalisch umgesetzte Gefühl, an einer Klippe vor dem Meer zu stehen, während einem der Wind ins Gesicht pfeift. In diesen Song kann man als Hörer wieder wunderbar seine ganz eigenen Geschichten hineininterpretieren - genau das liebe ich an meinen Lieblings-Madsen-Songs, zu denen nun auch "Fluten" gehört.

8. Unerreichbar - 9/10
Nach diesem Highlight kommt aber schon das nächste. "Unerreichbar" ist wieder eine typische Madsen-Ballade. Bisschen Selbstmitleid, Melancholie und Herzschmerz im Refrain und eine leichte musikalische Prise der Beatles in den Strophen runden den Song ab. Könnte auf jedem einzelnen der anderen Madsen-Alben stehen.

9. Graue Welt - 8/10
Und fröhlich wechseln sich weiter weiche und harte Töne ab. Nun geht wieder die Post ab. Metallige Riffs zu Beginn gehen in eine ungewohnte Singmelodie in der Strophe über, um dann in einen tollen Refrain überzugehen. Textlich geht es um Selbstbewusstsein, Freundschaft und die Angst vorm Alleinsein.

10. Nochmal - 9/10
Klar, logisch. Nun wieder eine Ballade. Schöne akkustische Gitarrentöne ertönen und leiten einen Song mit großen Country-Anleihen ein, der davon handelt, dass man manchmal Fehler machen darf und sollte, wenn man denn einfach versucht, sein Glück in die Hand zu nehmen. Positiv, mutmachend und zum Denken anregend.

11. Über die Berge - 8/10
Vielversprechende, beruhigende Klaviertöne unterlegen einen relativ ruhigen Track, der einfach laufen muss, wenn man mit offenem Fenster im Auto auf dem Weg in den Urlaub ist. Versprüht das Gefühl von Freiheit, Fernweh und des "Weiterziehens". Leider könnte er in meinen Augen im Refrain gerade am Ende noch bisschen mehr aus sich rauskommen.

12. Leuchttürme - 9/10
Den wohl für die Band ungewöhnlichsten Song haben sich die Jungs bis zum Schluss aufgehoben. Mit der Theatralik und den schweren Tönen einer HIM-Ballade wird das Finale eingeleutet. Geiler Groove, den man von Madsen in der Form noch nicht gehört hat. Spricht für ihre Vielseitigkeit bei aller Kontinuität, die sie auf ihrem Album bislang gezeigt haben.
Für Madsen auch ein relativ langer Track mit fast fünfeinhalb Minuten. Textlich vielsagend und geheimnisvoll, so wie der ganze Song. Eher weniger was für Zwischendurch. Aber live sicherlich eindrucksvoll mit seiner Mischung aus Schunkelmoment und Headbangkitzeln.

Unterm Strich erhält "Kompass" von mir die Bestnote. Von einer Band, die einem so am Herzen liegt, ist es doch am schönsten ein Album zu bekommen, das hauptsächlich das, wofür man die Band liebt, wiederholt (solange es nicht billig von den Vorgängeralben abkupfert). Das ist hier der Fall, durchsetzt mit einigen neuen Akzenten, die man so von der Band noch nicht kannte.

Anspieltipps:
- Leichter
- Kompass
- Fluten
- Unerreichbar


Victoria
Victoria
DVD ~ Laia Costa
Preis: EUR 7,99

7 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nervenaufreibend, gut gespielt, großartiger Schnitt: So geht deutsches Kino anno 2015!, 14. Juni 2015
Rezension bezieht sich auf: Victoria (DVD)
Ein Mädchen. Eine Stadt. Eine Nacht. Ein Schnitt.

So wirbt der Film "Victoria" auf seinem Filmplakat. Kurz, prägnant und vor allem: wahrheitsgemäß. Viel mehr als das und den groben Cast um Jungstars wie Frederick Lau wusste ich nicht über den Streifen von Regisseur Sebastian Schipper, bevor ich ihn gestern angeschaut habe.
Und vielmehr sollte man auch gar nicht wissen.
Denn eines ist - und das kann ich schon gleich zu Beginn mit Gewissheit sagen - klar. Ich kenne kaum einen Film, der so von seiner Spannung lebt und dem Zuschauer so sehr schweißnasse Hände bereitet, wie "Victoria". Und je weniger man von der Handlung im Vorfeld erfährt, desto besser ist das Erlebnis.

In dieser Stelle verzichte ich also komplett auf ein paar Sätze zum Inhalt. Man muss nicht mehr wissen, als dass es um Victoria geht, ein Mädchen im nächtlichen Berlin. Jede weitere Info wäre ein Frevel. "Victoria" lebt von diesen lebensnahen Momenten. Der FIlm ist so nah an der Wirklichkeit, dass man förmlich darin verschwimmt. Und wie in der Wirklichkeit weiß man eben nicht, was passieren wird.

Gefasst machen sollte man sich aber auf so einiges. Der Film, der getragen wird von passend gecasteten und sehr talentierten jungen deutschen Schauspielern, allen voran Laia Costa als Hauptprotagonistin und Frederick Lau (u.a. aus "Die Welle" bekannt), entfaltet eine Sogwirkung wie kaum ein Zweiter.
Und er überrascht mit einem stilistischen Kniff, den ich einem deutschen Film nicht unbedingt zutraut hätte. Denn "Victoria" setzt mutig und rotzfrech die Idee, die schon vor kurzem beim Hollywood-Kracher "Birdman" zum Tragen kam, noch konsequenter um als noch Iñárritus Werk. Wo dieser noch mit versteckten Schnitten gearbeitet hat, verzichtet Schipper komplett auf verschiedene (selbst versteckte) Takes und lässt die vollen 140 (!) Minuten mit einer Handkamera abdrehen. Immer dicht dran und immer voll bei den Charakteren. Der Film wirbelt los und reißt einen einfach mit.
Sicher, am Anfang kommt das Auge noch nicht recht klar mit der ziemlich wackeligen Darstellungsform. Doch das legt sich bald und nach ca. einer Viertelstunde ist man so drin in der Geschichte um Victoria und den Jungs, denen sie spätnachts schicksalhaft über den Weg läuft, dass man sich darüber keine großen Gedanken mehr macht.

Aber auch abgesehen von bombastischen visuellen Präsentation und der echt nervenaufreibenden Geschichte besticht "Victoria" auch in anderen "Disziplinen".
Der Soundtrack passt sich wunderbar der Szenerie an und erfährt durch wohl überlegte und gut eingestreute Momente, in denen die Umgebungsgeräusche abgedämpft werden, großartige Höhepunkte. Verantwortlich ist der Komponist Nils Frahm. Unbeschriebenes Blatt an sich - hoffentlich nicht mehr lange.
Weiterhin positiv und v.a. angesichts der langen Laufzeit überraschend ist der Umstand, dass der FIlm in meinen Augen ohne sonderliche Längen auskommt. Sicherlich eine Konsequenz der dynamischen Kameraarbeit, sicherlich aber auch Anerkennung für die Qualität von Drehbuch und Darsteller-Riege.

Negatives finde ich kaum. Wenn überhaupt, dann störten mich ein paar Logiklöcher bzw. -ungereimtheiten ein bisschen. Darauf jetzt einzugehen würde nur unnötig spoilern, deshalb nur so viel: Wer im Film drin ist und mitfiebert, wird in denjenigen Momenten, an denen es etwas unlogisch wirken mag, gerne ein Auge zudrücken wollen. Der positive Eindruck überwiegt hier eindeutig. Zuletzt war ich mir bei manchen Szenen, in denen ich die Handlung nicht ganz glaubwürdig fand, auch nicht sicher, ob der Film nicht gerade extra diese Reaktion beim Zuschauer auslösen sollte.

Insgesamt auf jeden Fall ein Film, der einen geflashed zurücklässt und zu ausgiebigen Gesprächen beim Rausgehen und anschließenden Bierchen anregt. "Victoria" bewegt einen - und das weit über den Abspann hinaus.

Schipper ist ein großartiger Genre-Mix aus Drama, Krimi, Liebes- und Coming-of-Age-Geschichte gelungen, der fesselt, mitreißt, Tiefgang hat und dennoch so nah am Leben/ an der rauen Wirklichkeit ist.
Toll, dass das deutsche Kino von heute zu solchen Granaten fähig ist. Fünf verdiente Sterne.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 2, 2015 4:20 PM MEST


Still Alice - Mein Leben ohne gestern
Still Alice - Mein Leben ohne gestern
DVD ~ Julianne Moore
Preis: EUR 9,99

40 von 43 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "I wish I had cancer" - eine überragende Julianne Moore im Kampf gegen eine heimtückische Krankheit, 11. März 2015
Rezension bezieht sich auf: Still Alice - Mein Leben ohne gestern (DVD)
Zugegeben erst durch die Oscar-Verleihung und die damit einhergehende Ehrung von Julianne Moore als beste Hauptdarstellerin bin ich auf "Still Alice" aufmerksam geworden.
Es ist nicht der erste Film, der sich die Krankheit Alzheimer zum zentralen Thema nimmt, doch es ist, wie ich finde, sicherlich einer der besten.

Drehen tut sich alles um Alice Howland (Julianne Moore), eine angesehene Linguistikprofessorin, ihren Mann John (Alec Baldwin) und ihre Kinder (u.a. Kristen Steward großartig als jüngere Tochter Lydia). Bereits mit Anfang 50 bemerkt sie im Alltag, dass irgendetwas nicht mit ihr stimmt. Es häuft sich, dass sie Namen oder Orte vergisst oder die Orientierung verliert. Erste Besuche beim zuständigen Arzt bewahrheiten schnell die schlimme Diagnose: Alice leidet unter einer Frühform der Alzheimer-Krankheit, die zudem erblich veranlagt ist.

Still Alice behandelt in seiner (in meinen Augen erfreulich) gut komprimierten, knappen Art (101 Minuten, die allerdings unter die Haut gehen), wie allen voran Alice, aber auch ihre Familie, die alles andere als problemlos bis dato ihr Leben bestreitet, mit diesem Schicksalsschlag umgehen und wie die Krankheit mehr und mehr die Alice verdrängt, die sie einmal gewesen ist.
Mitreißend wird der Kampf der tapferen Protagonistin gegen das unaufhaltsame Verschwinden des eigenen Ichs auf die Leinwand gebracht.
Mitreißend - zum einen aufgrund der herausragenden Julianne Moore (dazu gleich mehr), aber auch durch das sehr gute Drehbuch von Richard Glatzer und Wash Westmoreland, die beide auch für die Regie verantwortlich zeichnen.

Die einzelnen Passagen, die einzelnen Stufen der Krankheit, die Alice erleiden/erdulden muss, werden sensibel und glaubhaft in die Handlung eingeflochten. Still Alice ist ein ruhiger Film und als solcher lebt er mehr denn je davon, wie die einzelnen Szenen wirken, wie authentisch sie sind und wie sehr sie schließlich auch Emotionen beim Zuschauer auslösen können. Hier beweist das Drehbuch wirklich Qualität.
So großartige Schauspieler wie Julianne Moore oder Alec Baldwin haben es dann leicht, durch gute Leistungen den Protagonisten so viel Kontur und Dimensionen zu verleihen, dass das Gesamtpaket dann ein herausragendes Drama darstellt.
Erstere will ich aber besonders hervorheben. Denn es gehört schon viel dazu, eine kranke Person mit einem Leiden, das man selbst nicht hat, so überzeugend darzustellen. Was Moore hier mit ihrer Mimik erreicht, verdient Höchstnoten. Sie schafft es, den Verfall, der vor allem auch körperlicher Natur ist, erschütternd echt darzustellen.

Still Alice bereitet wenig Freude im herkömlichen Sinn beim Ansehen. Es ist wirklich ein Drama der reinen Art, das wirklich ausgesprochen sensibel auf das Seelenleben der Alzheimer-Patientin und ihren nächsten Angehörigen eingeht. Platz für Stimmungsaufheller in Form von Gags oder ironischem Umgang mit der Krankheit (vgl. z.B. der jüngst in Deutschland produzierte "Hönig im Kopf") gibt es da eigentlich nicht und wäre hier in diesem Werk irgendwie auch fehl am Platz.
Anders verhält es sich aber grundsätzlich mit "positiven" Szenen oder Entwicklungen, von denen der Film durchaus welche zu bieten hat. Das viel beschriebene Licht am Ende des Tunnels, welches sich hier im speziellen Fall durch das rührende Zusammenwachsen der Familie zeigt, insbesondere die Annäherung der latent rebellischen Lydia und ihrer Mutter, sowie bei einer Rede, die Alice vor einem Verband für Alzheimer-Erkrankte hält. Defintiv DER Gänsehaut-Moment des Films. Ganz ohne übertriefenden Pathos oder zu viel Kitsch. Das sind echte Gefühle. Das ist großes Kino.

Mich hat der Film viel zum Nachdenken bewegt. Es gibt einfach wenig, was auch ich mir schlimmer vorstellen kann, als das eigene Gedächtnis zu verlieren. Denn was, wenn nicht das, ist es, was uns ausmacht? Alice sagt im Film an einer Stelle "I wish I had cancer" ("Ich wünschte, ich hätte Krebs"). Vielleicht bin ich verrückt, vielleicht ist es aber auch nur der überzeugenden Schauspielkunst von Moore oder dem Film an sich zu verdanken, aber der Satz hat mich sehr aufgewühlt, weil ich ihn augenblicklich nachvollziehen konnte. Natürlich im Hinblick darauf, was man im FIlm über diese unsägliche Krankheit kennenlernt und vor dem Hintergrund dessen, was man selbst schon in Verbindung mit Alzheimer erlebt hat. Auch die Begebenheit, dass die Krankheit als Erbkrankheit auch gewissermaßen das Leben von Alice' Kindern auf den Kopf stellt, ist etwas, was mich persönlich mitnimmt. Wie würde man selbst reagieren? Würde man den Test machen, der einem mehr oder weniger offenbart, dass einen in 20-30 Jahren das gleiche Schicksal erwartet wie seine Mutter, deren Leiden man hilflos und machtlos mitansehen muss?

Still Alice stellt diese Fragen in den Raum. Und lässt den Zuschauer damit zumeist allein. Er beschreibt hauptsächlich und hält sich mit Wertungen weitgehend zurück. Umso erdrückender ist der Film. Die Hilflosigkeit ist greifbar. Die Ausweglosigkeit ist spürbar.
Und der Wunsch nach einem Tod, der das Dahinvegitieren in einem Heim vorwegnimmt, wird irgendwie nachvollziehbar.

Abschließend kann ich nur sagen, dass ich den Film wirklich empfehlen kann. Er wühlt auf - ja. Aber er lässt auch Raum für das Quäntchen Hoffnung; nicht auf Heilung, aber das was wir uns alle wünschen: Liebe, die auch die schlimmsten Tragödien überwindet.
Mir persönlich hat Still Alice die Krankheit Alzheimer ein großes Stück näher gebracht und meine Empathie für die Erkrankten gesteigert.
Gehört für mich zum Kreis dieser Filme, die man mal gesehen haben sollte und die einen persönlich auch wirklich bereichern. Zumindest wünsche ich das allen, die diesen Film ansehen.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 28, 2016 12:05 PM CET


Birdman, oder (die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)
Birdman, oder (die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)
DVD ~ Michael Keaton
Preis: EUR 6,29

7 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Verdient die überschwängliche positive Kritik über alle Maße, 25. Februar 2015
Er war der absolute Abräumer am vergangenen Oscar-Sonntag.
Und ja, irgendwie war es zu erwarten und irgendwie ist es auch nur logisch.
Denn Birdman (- oder: Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit) ist einfach ein absolutes Meisterwerk. Der von Alejandro González Iñárritu geschaffene Film sahnte richtig ab, u.a. erhielt der Regisseur selbst die höchste Auszeichnung für seine Arbeit.
Ich habe den Film bei Kinostart gesehen und bin wahrlich auch jetzt noch beeindruckt.
Über die Handlung hat man mittlerweile ja schon auf allen Kanälen ausführlich Informationen finden können - es geht um den von Michael Keaton dargestellten abgehalfterten Actionstar Riggan Thompson, der niemals mehr an seinen Erfolg als "Birdman" anknüpfen konnte und nun am New Yorker Broadway versucht, durch eine Theaterproduktion zurück zum großen (alten) Ruhm zu gelangen.
So weit, so gut.

Die Art und Weise, wie Iñárritu die Story inszeniert, ist allerdings als erste Sahne zu bewerten. Anfangen möchte ich mit der anfänglich kurios wirkenden Idee, den Film ohne bzw. nur mit sehr wenigen, fast nicht sichtbaren Schnitten abzudrehen. So bleibt der Streifen eigentlich non-stop in Bewegung, die Kamera klebt an den Figuren und begleitet sie durch Räume, Gänge, Katakomben und die Straßenschluchten von New York. Ohne Pause bleibt man nah am Geschehen und die Szenenübergänge verlaufen absolut fließend. Zeitsprünge werden elegant durch einen Schwenk in den Himmel gelöst, der sich dann von Tag in Nacht verwandelt.
Besser als so konnte man den im Film dauerhaft präsenten Faktor "Stress" und diese innere Getriebenheit, der auch der Protagonist Thompson anheimfällt, definitiv nicht darstellen. Zurecht mit dem Oscar gewürdigt hilft diese grandiose Kameraführung dabei, dass Birdman - wenn auch ganz klar echtes Kunstkino und fernab von jeglichen hollywoodtypischen Erzählstrukturen - stets greifbar bleibt und durchgängig spannungsgeladen voranprescht.
Mir ist es selten passiert, dass ein Film mit dem Anspruch eines Birdman, eben anders zu sein und den Zwängen des 08/15-Kinos zu entfliehen, derart wenige Längen aufweist. Er saugt einen ein wie eine Droge, wie ein Trip, und entführt einen in die teilweise diffuse, teilweise von Träumen und Wahnvorstellungen versetzte Welt von Birdman Thompson.

Kommen wir zu den Darstellern. Diese gingen erstaunlicherweise allesamt bei den Oscars leer aus, gerühmt wurde eher der Film an sich. Doch die Nominierungen für Keaton, Edward Norton und Emma Stone kommen nicht von ungefähr und sind v.a. mehr als berechtigt.
Keaton spielt sich quasi selbst, denn wie hinlänglich bekannt ist, hat er selbst einmal einen Superhelden gemimt und konnte persönlich ebenfalls nicht mehr an die alten Tage als Batman anknüpfen. Birdman ist also gewissermaßen seine eigene Comeback-Story. Ich habe Keaton noch in keiner Rolle so stark gesehen wie hier. Besser kann man in meinen Augen nicht spielen. Und zu Höchstleistungen wird er getrieben durch das Zusammenspiel mit dem erstklassigen Rest-Cast. Norton ebenfalls in seiner meiner Meinung nach bisher besten Rolle (und die Messlatte hing seit Fight Club sehr hoch) als extravaganter Mike Shiner überzeugt ebenso wie Emma Stone als Thompsons drogenabhängige Tochter.
Nortons vielseitige Figur fungiert in einer Doppelfunktion gewissermaßen als Antagonist und Sidekick für Keaton, der das Theaterstück stets auf dem Grat zwischen absoluter Katastrophe und Meisterwerk wandern lässt. Bis zum Ende ist das Knistern zwischen ihm und Keaton förmlich zu spüren, jede gemeinsame Szene ist ein absoluter Hochgenuss.
Emma Stone zeigt ebenfalls, was in ihr steckt und spielt seit "The Help" endlich wieder eine wirklich ernsthafte Rolle. Wandelbar von hinreißend bis angsteinflößend mit tollem Mimenspiel gehört ihr die Zukunft. Wenn man ihre nächsten Projekte so ansieht, dann wird das nicht ihre letzte Oscar-Nominierung bleiben.

Der Soundtrack von Birdman besteht zum großen Teil aus Percussion- und Schlagzeuggetrommel. Treibend, unruhig und im Film genau richtig, abseits der Leinwand würde ich ihn mir zwar nicht anhören, da er mir dafür zu eintönig ist. Richtig genial ist dagegen das klassische "Flying Theme", welches erklingt, als Thompson während einer seiner Wahnvorstellungen durch das taghelle New York fliegt (!) - eine Szene, die für mich schon jetzt zu den All-Time-Top 100 der Filmgeschichte gehört.

Man könnte noch vieles über Birdman sagen, dieses außergewöhnliche Monstrum von einem Film, der wirklich alles hat, was großes Kino braucht.
Er hält Hollywood definitiv den Spiegel vor und es ist mehr als eine skurrile Randnotiz, dass ebenjenes Hollywood nun diesen Film als den besten 2015 offiziell gekürt hat.
Was für mich aber am meisten zählt ist, dass Birdman - übrigens wie auch andere grandiose Filme in den letzten 12 Monaten - als Ausrufezeichen verstanden werden kann. Als Ausrufezeichen, dass das Kino auch anno 2015 immer noch in der Lage ist, sich neu zu erfinden. Immer noch großartige Geschichten schreiben kann. Großartige Momente zaubern kann. Und immer noch nie Dagewesenen schaffen kann. Birdman, das 12-Jahres-Projekt Boyhood und auch der 4-fache Oscargewinner von Wes Anderson, Grand Budapest Hotel, zeigen das zurecht und zwar unabhängig davon, dass alle drei zu den Hauptnominierten der Academy zählten.

Danke für dieses geniale Meisterwerk.


Origins
Origins
Preis: EUR 15,08

11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "I am the Crown of Gallia!" oder: Die längst überfällige Krönung der Könige des Pagan Metals!, 12. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Origins (Audio CD)
Seit dem Wochenende nenne ich das nun schon sechste Studioalbum der schweizerischen Pagan-Metaller Eluveitie mein Eigen und es ist - soviel sei schon mal gesagt - wieder über jeden Zweifel erhaben. Echt unfassbar, was dieses Oktett (bei dem mit Nicole Ansperger, die als Nachfolgerin für Meri Tadic einen tadellosen Einstand feierte, eine neue Violinistin mit von der Partie ist) auch dieses Mal wieder auf die Beine gestellt haben.
Bevor ich auf die einzelnen Songs eingehe, muss man auch bei "Origins" wieder das tolle Booklet loben, dieses Mal bei der DVD-Edition eingearbeitet in die Papphülle mit den beiden Disks, sodass man wirklich schon fast ein richtiges Buch in den Händen hält, während die Scheibe ihre ersten Umdrehungen im CD-Player macht. Hier besonders erwähnenswert sind die ausführlichen Stories und Hintergrundgeschichten zu jedem einzelnen Song.

Bewerten werde ich im Folgenden nur die vollwertigen Songs:

1. Origins
Schönes Intro, erinnert an das von "Helvetios". Tut seinen Zweck, indem es einen schnurstracks in die Welt der Helvetier zurückversetzt.

2. The Nameless
Fetziger Song zu Beginn. Zeigt sehr früh, dass der musikalische Weg aus "Helvetios" auch auf dieser Scheibe fortgesetzt wird. Harte Death Metal Riffs garniert mit Eluveite-typischen Folkmelodien.
8/10

3. From Darkness
Dieser Track wartet mit einem unheimlich gänsehautmäßigen Refrain auf! Auch er ist wieder sehr schnell gehalten und macht alles richtig.
9/10

4. Celtos
Das erste Mal, dass auf "Origins" die tolle Gesangskombination von Chrigel und Anna Murphy zu Tragen kommt. Auch das erste Lied des Albums, welches nicht auf Englisch geschrieben wurde.
Toller Song, könnte für mich auch auf "Ven" stehen. Hier bekennen sich Eluveitie auf jeden Fall zu ihren Wurzeln. Fans von "Evocation" dürften hier erstmals auch wieder voll auf ihre Kosten kommen!
10/10

5. Virunus
Nachdem "Celtos" eher im Midtempo gehalten war, drücken die Schweizer nun wieder ordentlich auf die Tube. "Virunus" ist wieder schnell, laut, hart. Wieder ein typischer Eluveitie-Song, allerdings ohne das gewisse Etwas.
8/10

6. Nothing (Intermezzo)
Das erste Intermezzo" des Albums, auf dem die Geschichte von Origins" weiter vorangebracht wird.

7. The Call Of The Mountains
Dieser Song war einer derer, die man schon lange vor ET des Albums im Internet anhören konnte. Er wurde auf allen, in der heutigen Schweiz geläufigen Sprachen aufgenommen und ist damit ein Unikum. Hier ist er in der englischen Version enthalten und dürfte durchaus die Geister scheiden. Definitiv ist "The Call Of The Mountains" der poppigste Eluveite-Song, doch er hat eine schöne Melodie, die den Song trägt, außerdem wird auch er von der fabelhaften Stimme von Anna Murphy bereichert. Ich höre ihn sehr gerne. Mal was anderes.
9/10

8. Sucellos
"Sucellos" löst dann auch sogleich alle Zweifel in Luft auf, dass Eluveitie softer werden würden. Im Stile eines "Havoc" oder "The Siege" wird einem hier ordentlich der Gehörgang entrümpelt. Absolute Moshpit-Gefahr ergibt sich aus dem Intro mit nachfolgendem Doppelbass-Gewitter. Dürfte auf Konzerten für Furore sorgen!
10/10

9. Inception
Nicht weniger hart, dafür um einiges düsterer kommt "Inception" daher. Dieser Song ist der wohl am schwersten Zugängliche des Albums. Entfaltet aber nach mehrmaligem Hören eine anziehende Faszination - auch so hat man diese Band bislang sehr selten gehört.
8/10

10. Vianna
Und wieder ist es Anna Murphy, die ihren nächsten großen Auftritt hat. Hier wieder im Duett mit Chrigel in einem Song, der wohl den Part von "A Rose for Epona" übernehmen soll, wenngleich er demgegenüber ein bisschen abfällt. Dennoch sehr atmosphärisch und zerbrechlich. Gefällt mir.
9/10

11. The Silver Sister
Und wie es schon in den vorigen Songs auf "Origins" der Fall ist - nach einem eher langsameren Stück knallt es nun wieder richtig. Bei "The Silver Sister" holt mich Chrigel mit einem sehr verzweifelt und wehklagend klingenden Gesang in den Strophen ab, während der Refrain durch eine weiche Flötenmelodie eine sehr ungewöhnliche aber gleichzeitig für die Band auch wieder typische Note erfährt.
10/10

12. King
Und erstklassig geht es auch weiter. "King" ist eine Wucht. Kurzum. Für mich eines der Überlieder von Eluveitie albumübergreifend. Hier stimmt einfach alles. Ich kann das schwer an bestimmten Dingen festmachen, aber "King" vereint alles, was man an Eluveitie liebt (außer dass dieses Mal Anna als Sängerin nur sehr zurückhaltend am Ende ein paar Akzente beisteuert). Könnte ähnlichen Kult-Status erreichen wie seinerzeit ein "Inis Mona". Meines Erachtens das musikalische Highlight des Albums, trotz dem Umstand, dass es die erste Singleauskopplung war.
10/10

13. The Day Of Strife
Nach zwei so überragenden Tracks ist es natürlich für den darauffolgenden Song schwer, gut wegzukommen. "The Day Of Strife" ist schnell und macht im Endeffekt nichts falsch, ist aber auch nichts Besonderes. Am ehesten von allen Songs auf dem Album ein Skip-Kandidat, andere Bands würden sich für so einen Song allerdings trotzdem die Finger abschlecken.
7/10

14. Ogmios (Intermezzo)
Ein letztes Intermezzo leitet den abschließenden Song des Albums ein...

15. Carry The Torch
Auch "Carry The Torch" beschließt "Origins" jetzt nicht mit einem absoluten Feuerwerk, sondern ist ein solider Eluveitie-Song, hauptsächlich im Mid-Tempo, der ähnlich wie der Track davor, gegen die Wucht, die zuvor "King" erzeugte, etwas alt aussieht. Bei so einem langen Album mit erneut 12 vollwertigen Songs ist es meines Erachtens aber kein Beinbruch, wenn ein oder zwei davon keine Riesen-Hits sind, sondern eher nur das Gesamtkunstwerk abrunden.
7/10

16. Eternity (Outro)
Wo es ein Intro gibt, darf natürlich auch ein Outro nicht fehlen, in dem "Origins" durch ein paar abschließende Worte vor sanften, keltischen Klängen allmählich zu einem schönen Ende kommt.

Gesamtwertung (12 bewertete Songs): 105 von 120 Punkten!

Das würde streng genommen, auf Sterne umgemünzt 4,37 ergeben. Allerdings finde ich "Origins" als Gesamtwerk einfach wieder gnadenlos überzeugend, musikalisch abwechslungsreich und gleichzeitig auch als eine Ode an die eigenen Stärken der Band, die sich unterm Strich treu bleibt. Deshalb gebe ich gerne 5 Sterne für "Origins", wenngleich ich es möglicherweise einen ganz winzigen Ticken hinter "Helvetios" einordnen würde.

Fans, die Eluveitie hauptsächlich für Musik, wie sie auf "Evocation" dargeboten wird, lieben, sollten sich die Platte vor dem Kauf meines Erachtens zumindest einmal anhören. Denn "Origins" ist wieder ein sehr hartes, brachiales Album geworden, zwar garniert mit guten, auch ruhigen Zwischentönen, aber eben doch wie "Helvetios" sehr nah am Death Metal.
Allen, denen wie mir die musikalische Entwicklung, die die Band vor allem seit "Helvetios" gemacht hat, vollends zusagt, dürfen bedenkenlos zugreifen und sich über die beste Folk Metal-Scheibe des Jahres freuen!


Planet der Affen - Revolution
Planet der Affen - Revolution
DVD ~ Andy Serkis
Preis: EUR 7,97

86 von 104 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Von dreidimensionalen Affen und eindimensionalen Menschen, 8. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Planet der Affen - Revolution (DVD)
Als das SZ Magazin letztes Jahr Andy Serkis, den Schauspieler, der dem Affen Caesar Mimik & Gestik per Motion Capture verleiht, in einem Interview fragte, warum er so gerne in derartige Rollen (King Kong, Gollum, Ceasar) schlüpfe, antwortete er: "Lieber ein spannendes Tier als ein eindimensionaler Mensch".
Eine Aussage - die ich so sofort unterschreiben würde, vor allem nachdem ich "Revolution" im Kino gesehen hatte. Es entbehrt nämlich nicht einer gewissen Tragikomik, dass "Planet der Affen: Revolution", das neueste Kapitel um den ewigen Kampf zwischen Menschen & Affen, leider genau an dieser Problematik krankt. Doch dazu nachher mehr.

INHALT:
"Revolution" knüpft mehr oder weniger nahtlos an die Geschichte aus dem ersten Film der neuen Reihe - "Prevolution" - an. Das Virus ALZ-113, das im Vorgänger noch von Menschen entwickelt worden war, um Alzheimer zu bekämpfen, raffte binnen ca. 10 Jahren fast die gesamte Weltbevölkerung in einer tödlichen Epidemie dahin. Nur wenige "Immune" sind übrig geblieben und versuchen fortan, ihr Überleben in kleinen Enklaven inmitten der verwaisten Großstädte zu sichern.
Die Affen um Caesar dagegen haben sich in die Wälder in der Nähe von San Francisco zurückgezogen und dort so etwas wie eine Zivilisation aufgebaut. Caesar hat hier mittlerweile eine Familie gegründet, einen ausgewachsenen und einen neugeborenen Sohn und ist der Anführer seines "Stamms". Dort kreuzen sich, nach über zwei Jahren, in denen die Affen keinem Menschen mehr begegnet waren, eines Tages die Wege der Primaten mit einem Trupp Aufklärern um den Wissenschaftler Malcolm (Jason Clarke), seiner Freundin Ellie (Keri Russell) und seinem Sohn Alexander (Kodi Smit-McPhee). Sie sind auf dem Weg zu einem Staudamm inmitten des Affen-Territoriums, von wo aus sie dauerhaft Elektrizität für die Bewohner von San Francisco sicherstellen könnten, um zu verhindern, dass die menschliche Lebensweise wieder ins Spätmittelalter zurückversetzt würde.
Den Zweifeln des militanten Führers der Menschen in der Stadt Dreyfuß (Gary Oldman) zum Trotz, welcher die Affen am liebsten sofort kriegerisch vertreiben würde, versucht Malcolm mit Caesar ein Friedensabkommen zu schließen. Der Menschenaffe bewilligt letztlich, dass die Arbeiten am Staudamm aufgenommen werden dürfen, im Gegenzug lässt er sich zusichern, dass sich die Wege der Menschen und Affen danach nicht mehr kreuzen sollten.
Doch die pazifistischen Anstrengungen von Caesar und seinen menschlichen Freunden gefallen weder Dreyfuß noch dem mehr und mehr abtrünnigen Affen Koba, der drauf und dran ist, offen gegen Caesar zu rebellieren und einen Krieg gegen die Menschen vom Zaun zu brechen...

MEINUNG:
"Revolution" ist echtes Popcorn-Kino. Soviel steht in jedem Fall fest. Mit visuell beeindruckenden Bildern, pompösen Actionszenen und tollem Sound hinterlässt der Streifen wahrlich eine echte Schneise der Verwüstung. Gerade die Kampfszenen waren wirklich beeindruckend.
Doch auch abseits der Scharmützel erzeugt "Revolution" eine stimmige Endzeit-Atmosphäre. San Francisco, zwar m.E. etwas übertrieben zugewuchert nach nur etwa 10 Jahren, bildet als verwüstete, verlassene Metropole ein krasses visuelles Gegenteil zu der Welt, die man noch im ersten Teil kennengelernt hat. Schmerzlich sind Szenen, in denen man das "Geburtshaus" Caesars als heruntergekommene Hütte wiedersieht, einzig und allein unverkennbar durch die Dachluke, von der Caesar einst den Kindern auf der Straße zugesehen hatte.
Hier macht der Film sehr viel richtig. Es kommt direkt so etwas wie Melancholie auf.

Ein weiterer Punkt, der wirklich positiv hervorgehoben werden sollte, ist das Motion Capture der Affen. Was im Vorgänger schon fantastisch ausgesehen hat, ist nunmehr wirklich nahezu perfekt umgesetzt. Jeder Affe sieht einfach so wahnsinnig lebensecht aus. In "Revolution" geschieht das aber nicht nur durch die tollen technischen Mittel, mithilfe derer man die Mimik eines Schauspielers, speziell auch seine Augenpartie, perfekt auf den Affen übertragen kann, sondern auch durch Kleinigkeiten wie zum Beispiel die unterschiedlichen Beschaffenheiten der Felle der Affen, die richtig authentisch und echt herauskommen, speziell auch verbunden mit den 3D-Effekten des Films.

Rein visuell ist "Revolution" wirklich einer dieser Filme, die durchaus auch als Referenz angesehen werden können.

Warum also "nur" drei Sterne?
Leider wurde ich mit der Story des Films nicht wirklich warm. Klar, es ist und bleibt ein Actionstreifen, ein Blockbuster. Dennoch lege ich auch in solchen Filmen durchaus Wert auf eine spannende, gerne auch wendungsreiche Geschichte. Der Vorgänger hatte es hier zugegeben noch einfacher, da alleine die Zeit, in der Caesar aufwächst und mehr und mehr dazulernt, eine spannende Phase war, der man auch als Zuschauer gerne beiwohnte. Der Film entlud sich dann in einem epischen Finale und konnte so vor allem dramaturgisch alles richtig machen.
Die Story in "Revolution" dagegen ist m.E. etwas dünn ausgefallen und ist vor allem sehr schnell sehr leicht vorhersehbar.
Auch kleinere Längen und Logiklöcher haben sich hier und da eingeschlichen. Beispielsweise fand ich es extrem unglaubwürdig, dass die Menschen bis dato nicht versucht hatten, Kontakt mit der Außenwelt aufzunehmen (Sie wohnen in San Francisco, es ist ja nicht gerade so, als dass die nächsten Großstädte tausende Kilometer entfernt wären) um beispielsweise ihre prekäre Lage anderweitig zu verbessern.
Auch die Art und Weise, wie das riesige Waffenarsenal voller vollautomatischer Gewehre, Gatlings und Co., welches das Überleben der Menschen nachhaltig sichern kann, lediglich von zwei Trunkenbolden "bewacht" wird und auch nach dem ersten tierischen Besuch naiv ungeschützt bleibt, ist recht albern.

Doch solche "Fehler" lassen sich in jedem Actionstreifen finden, insofern würde ich das auch "Revolution" nicht total negativ ankreiden, wäre da nicht noch ein zweiter Punkt, wo der Film schwächelt und zwar - wie ich eingangs schon angeschnitten hatte - bei den Charakteren selbst.
Schnell sind die "Guten" und die "Bösen" im Film hinreichend herausgestellt worden und ab da stellt sich dann nur noch die Frage, wann welche Handlungsmuster, die man daraus ableiten kann, greifen. Leider sind auch die Charakterentwürfe in "Revolution" etwas zu sehr nach Schema F geraten. Die Affen kommen dabei wirklich noch sehr gut weg. Caesar ist natürlich eine extrem interessante Figur, sowohl in "Pre-" als auch in "Revolution", und gewinnt in diesem Film noch mehr an Tiefgründigkeit hinzu. Auch Kobo, der zwar optisch mit sehr viel Nachdruck als potentieller "Widersacher" präsentiert wird, darf sich mit inneren Konflikten auseinandersetzen und das sehr nachvollziehbare und bewegende Bild eines verbitterten, von Hass und Rachsucht zerfressenen Geschöpfs abgeben.
Bei den Menschen hingegen setzt Regisseur Matt Reeves leider vollkommen auf festgefahrene Stereotypen, im Gegensatz zu den Affen vollzieht keiner hier irgendeine Wandlung im Laufe der Geschichte und auch ihre persönlichen Vergangenheiten und Beweggründe bleiben weitgehend unbeleuchtet.

- Da ist der edle, strahlende Held ohne Verfehlung,
- da ist seine gutmütige Frau, idealerweise Ärztin,
- ihr selbstverständlich nicht gemeinsamer Sohn, der vordergründlich da ist, damit man ein paar rührende Affe-Mensch-Szenen einstreuen kann,
- der etwas grobe, witzig-charmante Dunkelhäutige im Forscherteam, der allerdings keine Rolle für die Handlung spielt
- und, wer natürlich nicht fehlen darf: der blöde, waffenvernarrte Freak, den keiner leiden kann und der die Expedition gefährdet.

Zu guter Letzt ist auch Dreyfuß nicht in der Lage, im Laufe der Handlung sein Hirn einzuschalten und handelt nach dem bösen, bösen ausgelutschten "Ich gebe dir noch 3 Tage, dann ballere ich alles zu Klump"-Prinzip. Hier kann auch Gary Oldman, sonst ein fantastischer Mime, wenig retten, um seine Figur vielschichtiger wirken zu lassen.
Da war durch James Franco und John Lithgow schon mehr geboten, wobei man fairerweise sagen muss, dass deren Charaktere auch mehr hergegeben haben.

Und so kann man Andy Serkis wirklich beglückwünschen, dass er, gemäß seinem eigenen Motto, hier tatsächlich ein spannendes Tier darstellen kann und nicht - wie seine "menschlichen" Kollegen - mit unliebsamen, eindimensionalen menschlichen Figuren vorliebnehmen muss.
Dass "Revolution" unterm Strich so aber leider vollkommen auf die Schwarz-Weiß-Malerei-Schiene abdriftet, kann allerdings auch er nicht verhindern.

FAZIT:
Die Optik und die visuellen Effekte, das brillante Motion Capture und auch die inhaltliche Konzentration auf die Affen haben mir sehr gut gefallen und überzeugten.
Handlung und Charaktere (v.a. der Menschen) lassen allerdings, auch im Hinblick auf "Prevolution", etwas zu wünschen übrig und drücken bei mir persönlich allzu stark auf die Spaßbremse.
Insofern gebe ich 3 Sterne (laut Amazon: "nicht schlecht"), was für mich diesen Film gut wiederspiegelt.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 13, 2015 6:23 PM CET


Inside Llewyn Davis
Inside Llewyn Davis
DVD ~ Oscar Isaac
Preis: EUR 6,79

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Großartige Musik, atmosphärische Bilder - und eine kleine "Schwäche", 1. August 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Inside Llewyn Davis (DVD)
"Inside Llewyn Davis" ist sicherlich kein einfacher Film.
Das hat zum einen damit zu tun, dass die Coen-Brüder dafür verantwortlich zeichnen, was für mich zwar ein Qualitätssiegel ist, für viele aber die Warnung impliziert, dass man durchaus auch Probleme mit dem Film haben könnte.
"Inside Llewyn Davis" ist im Endeffekt ein typischer Coen-Film, was Dramaturgie, Bilder, Soundtrack und Atmosphäre angeht. Dementsprechend viel macht er in meinen Augen auch richtig und bleibt mir somit auch in positiver Erinnerung.

Während den ca. 100 Minuten, die der Film dauert, lernt man als Zuschauer Llewyn Davis kennen, einen zweifellos talentierten aber hoffnungslos mittellosen Amateurmusiker (gespielt von Oscar Isaac, u.a. bekannt aus "Drive" & "Die zwei Gesichter des Januars"), der mangels Gagen und kommerziellen Erfolgs seiner selbst aufgenommenen Platte von Tag zu Tag hier und dort bei Freunden und Bekannten aufkreuzt, um überhaupt ein Bett zum Schlafen zu haben. Schnell wird klar, dass Davis ein besonderer Musiker ist, dem allerdings nicht nur seine eigene, tragisch verlaufene musikalische Vergangenheit, sondern auch die knallharte Realität des Alltags wie eine brandende Wellt entgegenschlägt.
In mehr oder weniger einer Woche, die der Film abdeckt, wird man Zeuge vom Leben eines Musikers, wie es ihn wahrscheinlich aberhunderte Male da draußen gibt. Gut, aber nicht massentauglich. Musikalisch vielversprechend, privat aber eine einzige Katastrophe. So eben auch der gewissermaßen trödelige, lethargische Davis, der sich auf einmal einer möglichen Schwangerschaft seiner Ex-Freundin, die ihn nicht nur deshalb mit Verachtung straft, und diversen anderen, gestörten Bekanntschaftsverhältnissen konfrontiert sieht.
Das Einzige, was ihm bleibt, ist die Musik. Und die sorgt auch hauptsächlich dafür, dass dieser Film mit seiner berührend traurigen, aber teilweise auch heiteren Art und Weise das Herz des Zuschauers erreicht.

Die meisten Songs sind von Isaac selbst eingesungen. Und er entpuppt sich als wahnsinnig toller Sänger mit einer unverwechselbaren Folk-Stimme, die perfekt auf den Charakter und seine Musik zugeschnitten ist. Auch erweist sich Isaac als respektabler Gitarrist. Musikalisch stellen ihm die Coen-Brüder keinen anderen als den früheren Boygroup-Teenieschwarm Justin Timberlake zur Seite, der in einer Nebenrolle als Lebensgefährte von Davis' Ex-Freundin (Carey Mulligan) überzeugend agiert. Zusammen mit Adam Driver bilden die drei in einer Szene ein wunderbares musikalisches Trio, bei dem man nicht anders kann, als über beide Ohren zu grinsen.
Ansonsten ist der Soundtrack - das Herzstück dieses Films - verhalten und eher ruhig, die Folk-Songs, die Isaac zum Besten gibt, erzeugen Sehnsucht und Melancholie, womit sie also alles richtig machen. Besonders gut gefielen mir die Tracks "Hang me, oh hang me", das zu Beginn und am Ende des Films läuft, sowie der Song, den Davis beim Vorspielen bei einem Plattenproduzenten spielt: "The Death of Queen Jane".

Wie schon angesprochen ist "Inside Llewyn Davis" auch von der Kameraarbeit und den gezeigten Bildern her absolut überzeugend und auf gewohnt hohem Niveau wie andere Coen-Filme.
Besonders gut gefielen mir auch die fein gestreuten Bildmetaphern, die immer wieder auftreten und echte "Running Gags", wie Davis' tierischen Begleiter filmtechnisch großartig ergänzen.

Insgesamt kann ich an dem Film also eigentlich kaum was aussetzen, überzeugt er doch vollends durch seine Musik, seine guten Darsteller und dichte Atmosphäre. Auch mit seiner ruhigen Art und wortkargen Dialogszenen komme ich prima klar, da vor allem letztere dennoch echte Topmomente des Films darstellen, z.B. Davis' Besuch bei seinem Vater oder seine Begegnung mit dem Jazzmusiker Roland Turner (großartig gespielt vom alten Coen-Weggefährten John Goodman).

Ich kam beim Anschauen allerdings nicht umhin, den Film mit einem anderen, "Inside Llewyn Davis" sehr ähnlichen Werk zu vergleichen, nämlich mit "Once". Keine Frage - musikalisch sind beide Filme über alles erhaben und nehmen sich kaum etwas. Auch in anderen Punkten gefallen mir sie erstaunlich identisch gut.
Nur was die Handlung, und hier vor allem die besondere "Aussage" angeht, fehlt mir bei "Inside Llewyn Davis" einfach das gewisse Etwas.
Wo "Once" am Ende einfach eine fabelhafte, charmant gelöste Antwort auf eine der großen Fragen des Lebens liefert, lässt "Inside Llewyn Davis" den Zuschauer beim Beginn des Abspanns ein bisschen - ich nenne es einfach mal - einsam zurück. Das dürfte durchaus im Interesse von Ethan und Joel Coen gewesen sein, ist mir als Zuschauer allerdings gerade im Direktvergleich mit "Once" etwas zu dürftig. Vielleicht bin ich aber in solchen Fällen einfach zu altmodisch und kitschig. Sicherlich nicht jeder braucht am Ende noch den großen Wink mit dem Zaunpfahl.

Unterm Strich ist für mich "Inside Llewyn Davis" aber auf jeden Fall ein sehr sehenswerter Film. Für alle Fans der Coen-Brüder sowieso, für Liebhaber von Musikfilmen und Folkmusik ebenfalls und ganz im Speziellen auch für alle, die "Once" großartig fanden.


Rusted Nail
Rusted Nail
Preis: EUR 1,29

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Läuft Gefahr, in die Belanglosigkeit abzudriften, 8. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Rusted Nail (MP3-Download)
Ich bin ein In Flames Fan der - ich nenne sie mal - zweiten Stunde. Sprich, ich habe die Band in der zweiten Schaffensphase (Clayman bis Come Clarity) kennen- und lieben gelernt. Dementsprechend kann ich musikalisch eigentlich sowohl mit dem klassischen Göteborger Melodic Death Metal der Scheiben davor sowie mit den neueren, etwas rockigeren Alben etwas anfangen.

Rusted Nail - und ich kann mir gut vorstellen, dass das auch für Siren Charms im Gesamten gilt - wird nun zum ersten Mal ein Härtefall für mich werden.

Anfangen tut es noch sehr atmosphärisch und In-Flames-typisch. Hört sich zwar irgendwie schon wie dagewesen an, hat aber was.
Auch der Refrain ist durchaus gelungen und erinnert mich an A Sense of Purpose. Textlich nicht umwerfend, aber live sicherlich ein Mitgröhlkandidat.
Womit ich aber wirklich ein Problem habe, ist der Gesang von Anders in den Strophen. Dieser nimmt dem Song einfach seine Dynamik, finde ich. Der Pre-Chorus danach passt irgendwie dann gar nicht, weder zur Strophe noch zum Refrain und wirkt wie ein Fremdkörper. Erst wenn der Gitarrenlauf dann den Chorus ankündigt, ist man als Zuhörer wieder voll dabei.
Insgesamt hat man einfach das Gefühl, dass der Song aus mehreren verschiedenen Ideen und Gedankengängen entstanden ist, die man wohl besser auf verschiedene Tracks aufgeteilt hätte.

Es wird abzuwarten sein, wie der Rest von Siren Charms klingt. Hoffnung hab ich noch, denn auch bei Sounds of a Playground Fading war die Single Deliver Us meines Erachtens eher einer der belangloseren Songs auf dem Album, welches mir dann im Gegensatz zu vielen anderen Fans noch ziemlich gut gefallen hat.


Boyhood
Boyhood
DVD ~ Ellar Coltrane
Preis: EUR 5,99

88 von 96 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Dafür wurde Kino erfunden!, 25. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Boyhood (DVD)
Es ist schwer, Worte zu finden, für einen Film wie es "Boyhood" geworden ist. Dieses über 12 Jahre hinweg von Regisseur Richard Linklater gedrehte Werk hat schwer Eindruck bei mir hinterlassen und ist für mich neben "Her" und "Grand Budapest Hotel" DAS Kinohighlight des Jahres.

Über die Entstehung des Films wurde mittlerweile ja haufenweise berichtet. Linklater hat vor über 12 Jahren damit angefangen, eine Coming-of-Age Geschichte in einer Art zu verfilmen, wie es bislang nie zuvor getan worden ist. Er wollte die Geschichte erzählen von Mason (Ellar Coltrane), einem relativ durchschnittlichen amerikanischen 6-Jährigen aus Texas, der zusammen mit seiner Schwester (gespielt von der Regisseurstochter Lorelei Linklater) in einer typischen amerikanischen Familie aufwächst, auf die Highschool geht, dort heranwächst zu einem Jugendlichen und schließlich volljährig wird und aufs College geht.
Indem Linklater hierfür vor 12 Jahren mit einem kleinen Cast anfing und mit diesem stetig über die Zeit hinweg immer wieder Episoden seiner Geschichte abdrehte, kommt man als Zuschauer in den Genuss, dass man den Schauspielern selbst beim Älterwerden zusehen kann. Keine Kinder- und Erwachsenenrollen, keine klischeehaft zusammengeschusterten Kulissen, um den Wandel der Zeit zu dokumentieren.
Nein, hier ist alles echt. Hier ist alles in der Zeit gedreht, in der die Szene spielt, mit den gleichen Schauspielern, wie in den Jahren zuvor.

Allein diese Eigenschaft macht "Boyhood" natürlich schon von Natur aus besonders und einzigartig. Doch es hätte genügend Möglichkeiten gegeben, dieses Projekt dennoch in den Sand zu setzen. Was hätte es beispielsweise genutzt, wenn der Cast ein- und derselbe ist, die gezeigte Entwicklung der Figuren, die dargestellt werden, allerdings unglaubwürdig ausfallen?
Zum Glück blieb diese Angst unbegründet! Die Entwicklung aller Charaktere ist so glaubwürdig, auf den Typ des Schauspielers zugeschnitten und einfach so real wirkend, dass man nicht selten beim Anschauen das Gefühl hat, eine Dokumentation zu sehen anstelle einer fiktiven Spielfilmhandlung. Man spürt die Spielfreude der Schauspieler in jeder Sekunde des Films - ja man spürt, dass sie sich wahrlich identifizieren mit ihren Rollen, dass sie sehr vieles ihrer Persönlichkeit und Seele in den Film miteinbringen und somit das Potential, das ihnen durch diese lange Produktionszeit zur Verfügung gestellt wird, voll ausschöpfen.

Überhaupt ist die Authentizität von "Boyhood" die wohl größte Stärke des Films. Wie oben schon angeschnitten: Durch den Umstand, dass immer im jeweiligen Jahr, in dem eine Szene spielt, diese auch gedreht wurde, musste hier nichts nachträglich hin dekoriert werden, musste man keine Zeit künstlich "wiederauferstehen" lassen für die Kamera, sondern filmte quasi das Leben selbst.
Linklater gelingt es durch geschickte Einbettung der Handlung in die aktuellen Geschehnisse und Gesprächsthemen der jeweiligen Zeit, die Glaubwürdigkeit seines Films enorm zu erhöhen. Hierbei zeigt er besonderes Fingerspitzengefühl, auch in den oft sehr beiläufigen Dialogzeilen, in denen der jeweilige Zeitgeist aufgegriffen wird oder auch Dinge, die die Leute damals beschäftigten.
(Herrlich ist beispielsweise gerade angesichts des jüngsten Kenntnisstands seine Szene, in der Vater & Sohn im Jahre 2005 über die schwierige Umsetzbarkeit einer weiteren Star Wars Trilogie fabulieren; nur um eine Szene zu nennen, die einem schlicht ein Lächeln auf die Lippen zaubert).
Ansonsten schaut ein 7-jähriger Mason fröhlich Dragon Ball Z im Fernsehen, spielt mit seinem Stiefbruder auf der ersten X-Box, oder mit einem Tamagotchi und auch zum Veröffentlichungstermin des neuen Harry Potter Bandes reihen sich Mason und seine Schwester in die lange Schlange von Kindern mit leuchtenden Augen vor der Buchhandlung ein...

Zur Handlung selbst möchte ich gar nicht viele Worte verlieren. "Boyhood" behandelt wie schon erwähnt die Kindheit und das Aufwachsen von Mason und seiner Schwester und zeigt nebenher die Entwicklung aller nennenswerten Menschen in deren privaten Umfeld, z.B. dem leiblichen Vater, der getrennt von der Mutter lebt, die wiederum im Laufe der Zeit verschiedene Partner hat. Gerade durch die Lebensgefährten der Mutter gerät der Familienfrieden immer wieder ins Wanken.
Es ist eine klassische Coming-of-Age Geschichte mit Fokus auf die Vater/Mutter-Kind-Beziehung und durchaus auch mit philosophischen und gesellschaftskritischen Ansätzen bezüglich des jeweiligen historischen Rahmens. Es ist ein Film, der sicherlich auch vor allem durch seine leisen Momente und Konzentration auf die Charaktere punktet.

Getragen wird er aber durch die herausragenden Schauspielleistungen. Hier gibt es keinen Ausfall, von der Titelrolle bis zum letzten Komparsen. So authentisch und nachvollziehbar muss man erst einmal spielen können, vor allem als Kinderdarsteller, der analog mit seiner Filmrolle mitwächst.
Hervorheben möchte ich Ethan Hawke: Dieser mimt den anfangs etwas in den Tag hineinlebenden Amateurmusiker und Vater von Mason auf bombastische Art und Weise, auch seine Rollenentwicklung ist grandios umgesetzt. Selten war mir ein Filmcharakter auf Anhieb so sympathisch.
Mason selbst und damit Ellar Coltrane macht seine Sache allerdings ebenfalls richtig, richtig gut. Man fiebert, leidet und freut sich mit ihm durch seine Kindheit und Jugend, dass es ein wahres Fest ist. Man erlebt die signifikanten Erlebnisse des heranwachsenden Menschen durch seine Augen hautnah mit und verirrt sich angesichts der gezeigten Szenen oft mal in sein eigenes Langzeitgedächtnis, in seine eigene Kindheit, Pubertät und Jugend. So ging es jedenfalls mir, was mich überraschte, da die Geschichte sonst doch sehr gut gerade das typisch amerikanische Leben einfängt.

Ein weiterer, herausragender Pluspunkt des Films ist sein überragender Soundtrack, der auch den Wandel der Zeit gut abbildet und sonst eine perfekte Mischung aus Melancholie, Lebensfreude und dem typisch jugendhaften Fernweh darstellt. Von Bob Dylan über Paul McCartney und Gnarls Barkley bis hin zum Titelsong "Hero" von Family of the Year ist hier alles geboten, was das Ohr begehrt - und vor allem passend auf die jeweilige Situation zugeschnitten.

Fazit:
Mich hat "Boyhood" umgehauen. Dass dieser Streifen gut werden könnte, war mir nach dem Trailer und nach den ersten Infos über seine ungewöhnliche Entstehungsgeschichte irgendwie klar. Dass er allerdings eine solche Magie versprühen würde, hätte ich nicht erwartet.
Diesen Film muss man gesehen haben. Für Filme wie "Boyhood" gibt es das Kino! Jede, der 163 Spielminuten ist ein cineastischer Hochgenuss.
Dieses Meisterwerk hat das Zeug zum absoluten Klassiker.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 6, 2015 6:51 PM CET


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