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Rezensionen verfasst von
Caliban (Süddeutschland)
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Lincoln (English Edition)
Lincoln (English Edition)
Preis: EUR 13,49

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Großartige und gut lesbare Darstellung, 23. November 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Lincoln (English Edition) (Kindle Edition)
Das vorliegende Werk nimmt sich viel Zeit, die Entwicklung der Persönlichkeit Lincolns nachzuzeichnen. Im Vorwort nimmt der Verfasser den Leser schon dadurch für sich ein, dass er sich vor allem auf Originalquellen und nicht auf andere Biographien stützt. So nimmt die Zeit bis zur Präsidentschaft ungefähr 25 % des Umfangs (Kindle-Zählung) ein. Dem Leser wird dabei in keiner Weise langweilig. Zunächst ist man bestürzt über die einfachen und rohen Verhältnisse, aus denen Lincoln stammt. Er wird in einer Blockhütte in Kentucky geboren, die kein Fenster hat und kaum größer als 15 qm ist. Weil der Vater nicht erfolgreich ist, zieht die Familie nach Indiana weiter, wo man in ähnlichen Verhältnissen lebt, bis die Mutter an einer Vergiftung von Kuhmilch stirbt (die Kühe streiften damals frei herum und fraßen auch giftige Kräuter). Die Familie zieht weiter nach Illinois, wo die neue Stiefmutter Lincoln einige schöne Jahre bereitet (er hat ihr dies nie vergessen). Insgesamt besucht er in seinem Leben ganz verschiedene, improvisiert und nicht sonderlich professionell wirkende Schulen. Seine gesamte Schulzeit liegt bei einem Jahr. Jura bringt er sich selbst bei, nachdem er mit 21 Jahren das Elternhaus verlassen hat. Er studiert den Blackstone und wird von einem Richter in Springfield ohne Schul- oder Universitätsabschluss als Rechtsanwalt zugelassen. In diese frühe Zeit fällt auch sein Engagement für die Partei der Whigs, aus der später die von ihm mitbegründeten Republikaner entstehen. Der Autor zeichnet ein sehr lebensnahes Bild, scheut auch vor einer kritischen, aber gut begründeten Charakterisierung der Ehegattin Lincolns nicht zurück. Dieser selbst kam nicht als eine Art Heiliger in seine Ämter, sondern kämpfte selbst - häufig in der Sache auch erfolglos - gegen seine politischen Gegner mit harten Bandagen. Das berühmte Rededuelle mit Douglas wird sehr sorgfältig nachgezeichnet. Die Wahl in das Präsidentenamt erschien - gemessen an Lincolns Bemühungen um das Senatsamt - fast ein Kinderspiel. Die darauffolgenden Jahre werden differenziert und spannend dargestellt. Vor allem wird deutlich, wie es Lincoln in dieser Zeit gelang, durch sein Verhalten den bis heute bestehenden Ausnahmestatus zu erringen.

Die Lektüre dieses Werks ist äußerst spannend und lehrreich. Man erfährt auf plastische Weise viel von den Zeitumständen. Der Circuit Court(!) etwa reiste als Gericht in einer festgelegten Tournee aus Richtern und Rechtsanwälten durch die Lande. Oft übernachteten alle Beteiligten im selben Raum. Lincoln unterhielt die Gesellschaft mit kleinen Anekdoten und Scherzen. Auf keinem überlieferten Portrait kommen sein Schalk und Humor zum Ausdruck. Dies gelingt dem Verfasser vorliegend umso mehr. Klare Empfehlung!


Complete Operas (Limited Edition inkl. Texte von Christian Wildhagen + Künstlerfotos)
Complete Operas (Limited Edition inkl. Texte von Christian Wildhagen + Künstlerfotos)
Preis: EUR 74,99

61 von 71 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Nur zwei Aufnahmen lohnen die Anschaffung wirklich!, 22. November 2012
Bei der Bewertung dieser Ausgabe muss ich mich dem ersten Rezensenten anschließen. Aus meiner Sicht lohnen sich nur zwei Aufnahmen in dieser Sammlung wirklich und rechtfertigen die Anschaffung: Dabei handelt es sich um den Tristan mit Carlos Kleiber und den Parsifal mit Solti, die beste Studioaufnahme des Werkes überhaupt. Alle anderen Aufnahmen sind eher von durchschnittlicher Qualität. Der Ring mit Levine kann vor allem bei der Walküre und wegen der überforderten Hildegard Behrens bei Siegfried und Götterdämmerung auch schmerzliche Erlebnisse bereiten. Ich würde deshalb jedem, der sich eine Ausgabe der Wagner-Opern zulegen will, stattdessen zu folgenden Einspielungen raten:

1. Fliegender Holländer: Die Aufnahme mit Sinopoli erscheint mir eher von mittlerer Art und Güte. Hier empfehle ich als Alternative Der Fliegende Holländer (Gesamtaufnahme) wegen der dramatischen Darstellung von George London und Leonie Rysnaek.

2. Auch den Tannhäuser sollte man nicht unter Sinopoli kennenlernen, der seine Stärken anderswo (Puccini) hatte. Ich empfehle Tannhäuser. Dieser ist vielleicht klanglich nicht so opulent, beeindruckt aber durch eine fantastische Elisabeth Grümmer und natürlich Fritz Wunderlich.

3. Lohengrin. Die vorliegende Einspielung gehört zu Soltis schwächeren. Die Referenzaufnahme ist weiterhin Wagner: Lohengrin (Gesamtaufnahme), zu der man ohne weitere raten kann. Noch ein bisschen besser (denn die Schwachstelle James King ist hier behoben)ist Lohengrin - Bayreuth 1959. Diese letzte Aufnahme ist richtig teuer, lohnt sich jedoch, weil man Jahre lang keine andere "braucht".

4. Ring: Die vorliegende Einspielung erzeugt vor allem durch den Sound und das Dirigat von Levine. Stimmlich bereitet sie eher negative Grenzerfahrungen. Einem Einsteiger würde ich immer zur Solti-Aufnahme des Rings (Decca) raten. Hier stimmen Stereoklang und musikatlische Interpretation perfekt überein. Wenn es dann eine zweite Sichtweise sein soll, steht man als Anfänger zunächst vor der Alternative: Karajan (bei DG, der vorliegend besser gepasst hätte) hat leider nicht die herausragenden Stimmen wie Solti, gleicht dies jedoch durch eine kammermusikalisch stimmige Interpretation aus, die als solche aufhorchen lässt. Karl Böhm (vormals Philipps) leitet eine Live-Einspielung von den Bayreuther Festspielen. Er hat große Stimmen, die die Live-Atmosphäre (leider auch mit allen Nebengeräuschen) auf den Zuschauer überspringen lässt. Wenn der Appetit noch nicht gestillt ist, bieten sich die Einspielungen mit Keilberth (Stereo-Aufnahme) und vor allem auch mit Clemens Krauss (Orfeo) an. Persönlich würde ich nach langen Jahren immer zu Clemens Krauss Der Ring des Nibelungenals erster Wahl greifen. Er hat Sänger, die im Zenit ihrer Leistungsfähigkeit stehen und spornt diese zu Höchstleistungen an.

5. Tristan: Die Aufnahme von Kleiber ist hochkarätig, keine Frage. Dennoch ist ihr die Aufnahme von Böhm The Originals - Wagner (Tristan und Isolde) überlegen. Wenngleich auch die Studioaufnahme von Furtwängler in den Himmel gelobt wird, wirkt Böhm lebendiger und frischer. Er lässt erkennen, wie dieses Musikdrama eine ganze Generation verzaubern konnte

6. Meistersinger: Hier würde ich dem Anfänger zu Karajan raten Meistersinger von Nürnberg (Gesamtaufnahme). Ewig streiten sich die Liebhaber über die Leistung von Theo Adam bei dieser Aufnahme. Aber sie fängt die Stimmung des Werkes großartig ein und überzeugt auch klanglich. Eine Alternative auf Augenhöhe stellt für mich die Interpretation von Kubelik dar: Die Meistersinger Von Nürnberg

7. Parsifal: Hier überzeugt die vorliegende Edition auf ganzer Linie. Wer gleichermaßen auf Klangqualität und Interpretation Wert legt, ist als Anfänger hier richtig. Die klassische Aufnahme stellt allerdings Parsifal (Ga) dar. Hier kann man hören, das noch etwas mehr an interpretatorischer Vertiefung möglich ist als bei Solti. Der Preis liegt allerdings in störenden Publikums- und Bühnengeräuschen. Viele beeindruckende Aufnahmen sind gefolgt. Mir persönlich (hier gibt es auch dezidiert andere Auffassungen) gefällt auch die Aufnahme von James Levine Wagner: Parsifal (Gesamtaufnahme) (Aufnahme New York 1991/92) sehr gut.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 4, 2013 12:46 AM MEST


Sony HMZ-T2 Videobrille, 3D-Viewer (2-OLED-Display, virtueller 5.1 Surround Sound) weiß
Sony HMZ-T2 Videobrille, 3D-Viewer (2-OLED-Display, virtueller 5.1 Surround Sound) weiß

13 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fünf Sterne trotz aller berechtigter Einwände, 22. November 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ich hatte mich bereits letztes Jahr für den HMZ T1 interessiert. Aber irgendwie wurde dieses Produkt auf Geheimkanälen vertrieben. Ein netter Bekannter ließ mich damals eine Folge der BBC-Doku zu den Polarkreisen auf dem Gerät ansehen. Seitdem blieb das Interesse wach. Jetzt habe ich den HMZ T2 seit zwei Wochen in Betrieb und habe trotz aller Vorbehalte einen sehr guten Eindruck. Noch einen Hinweis: Ich bin zwar auch Vine-Tester, gehörte aber nicht zu den glücklichen, die das Gerät gratis bekamen. Was nun folgt, ist also die Sicht desjenigen, der für sein Gerät zahlen musste.

Zunächst zur Ausgangssituation: Ich bin kein Gamer, sondern habe das Gerät zum Ansehen von Blu-Rays, vor allem in 3D, erworben. Dafür aber eignet es sich hervorragend. Jetzt zu den einzelnen Punkten, die auch für mich im Vorfeld kritisch waren, auf die ich keine Antwort fand.

1. Tragekomfort

Ich bin selbst Brillenträger und habe einen relativ großen Schädel (XXL bei Hüten;)). Dennoch komme ich mit dem Gerät insoweit prima klar.
Allerdings trifft es zu, dass das Tragen des HMZ T2 im Sitzen auf Dauer unbequem und nach einer Zeit sogar unerträglich wird. Der Grund ist folgender: Die Brille darf nicht auf der Nase aufliegen und wird deshalb über drei Punkte befestigt: Ein Gummiband liegt im Nacken, das verstellbare Hauptband am Hinterkopf und der gegenüberliegende Druckpunkt auf der Stirn. Als ich die Klagen über die Schmerzen an der Stirn las, ging ich - offen gesagt - zunächst von der üblichen Wichtigtuerei im Internet aus und maß dem keine große Bedeutung bei. Aber hier habe ich mich geirrt. Der Druck auf die Stirn ist auch bei diesem Gerät besonders groß und lästig.
Aber: Verwendet man das Gerät im Liegen (auch leicht abgeschrägt) muss das verstellbare Hauptband nicht so festgezurrt werden wie beim Sitzen. Dann kann man bequem einen Film wie "The Amazing Spiderman" in voller Länge ansehen. Das Gerät funktioniert dann so, dass man in den Film hineingezogen wird und die Technik rasch vergessen ist.

2. Praktisches Handling

Ich wusste im Vorfeld nicht, ob das Aufsetzen des Helms nur nach einem jedes Mal nervigen Fest- und Loszurren bzw. Nachjustieren möglich sein würde; eine Rezension auf dieser Seite deutet dies an. Der HMZ T1 hatte hier einschlägige Probleme. Hier kann ich vollständige Entwarnung geben. Das Aufsetzen des Helms erfolgt - nach einer kleinen Übungs- und Orientierungsphase - bei mir mittlerweile in Sekundenschnelle. Dabei bin ich keineswegs besonders geschickt. Ich setze dabei nicht die Verdunkelungselemente ein, sondern sehe den Film in einem abgedunkelten Raum. Das funktioniert prima

Wie die meisten sicher schon wissen, wird der Helm durch ein HDMI-Kabel mit einem Steuerungselement verbunden, das seinerseits durch ein HDMI-Kabel mit einem Blu-Ray-Spieler verbunden wird. Beide HDMI-Kabel sind im Lieferumfang, so dass man nur noch einen Blu-Ray-Spieler braucht.
Die Einstellung des Helms empfand ich selbst auch als sehr leicht und eingängig.

Allerdings funktionierte bei mir die Steuerung des Blu-Ray-Spielers über den Helm nicht. Ich musste dabei deshalb den Kopf schütteln, weil ich mir extra im Vorfeld der Bestellung den BDP S-490 von Sony gekauft hatte. Dieser aber lässt sich durch den Sony-Helm nicht ansteuern. Oft sind es "Scherze" wie diese, die einem die Lust an den Geräten nehmen können. Denn nun muss ich den Helm aufsetzen, das Licht anlassen, unter dem Helmrand hindurchsehen und die Fernbedienung des Blu-Ray-Players bedienen und dann das Licht ausschalten!!!

Wer bis hierhin gelesen hat, wird sich vielleicht die Frage stellen, wie ich dem Gerät fünf Sterne geben kann. Die Antwort folgt jetzt:

3. Das Eigentliche: Die Performance
Der Bildeindruck des HMZ-T 2 ist aus meiner Sicht überwältigend. Um das Ergebnis vorwegzunehmen: Ich hatte Avatar zweimal im Kino gesehen (einmal 2D und danach 3D) und konnte die Aufregung über den Film nie verstehen. Als ich die 3D-Version hier ansah, begriff auch ich. Um mit Hilfe von Leinwand und Beamer ein vergleichbares Seherlebnis zu haben, müsste man nach meiner Schätzung einen mittleren fünfstelligen, wenn nicht sogar sechsstelligen Betrag hinlegen.

Anfangs hatte ich mir Sorgen wegen der In-Ear-Kopfhörer gemacht, die gegenüber dem HMZ T1 äußerlich etwas läppisch anmuten. Dies war jedoch unbegründet, obwohl es auch hier einen kleinen "Drawback" gibt. Die Leitung der Kopfhörer muss durch eine Rille im Hörer verlegt werden, wobei die Leitung durch zwei Klemmen an den Seiten fixiert wird. Das funktioniert jedenfalls bei mir nicht. Die Leitung rutscht ständig heraus und nervt. Ich habe sie mit durchsichtigem Tesafilm(!) fixiert und den Coolness-Faktor des ganzen Gerätes um 10 Punkte abgesenkt. Und dennoch: Auch der Sound ist phantastisch und trägt zu einem überwältigenden Kinoerlebnis bei.

Ich kann dies im Einzelnen schwer beschreiben, aber vielleicht erscheint es glaubhaft, dass alle technischen Ärgernisse im Detail zurückstehen, wenn man einen Film wie Amazing Spiderman einmal so erlebt hat wie ich auf dem HMZ T2. Es ist schlicht ein Genuss; man taucht mit Haut und Haaren in eine Welt ab. Wenn das Eidechsenmonster Spiderman in der Kanalisation auflauert und plötzlich aus dem Wasser springt, zuckt man zurück und will selbst die Flucht ergreifen. Wenn Jack auf seinem Ikran davonbraust, ist man mitten dabei. Ich bin kein fanatischer Fan von Comic-Verfilmungen und hatte mir nach Iron Man eigentlich geschworen, hierfür kein Geld mehr auszugeben. Aber nach dem Erlebnis der beiden genannten Filme (und übrigens auch des phantastischen Titanic-Version in 3D) wurde ich bereits wieder schwach und Avengers 3D ist auf den Weg gebracht.

Aus meiner Sicht kann der Helm seinem Benutzer ein fantastisches Kino-Erlebnis bescheren, wenn er mit den genannten Einschränkungen leben kann. Ich jedenfalls freue mich seit zwei Wochen, abends für eine Weile abzutauchen und alles um mich herum zu vergessen.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 4, 2012 8:05 PM CET


Germany and the Holy Roman Empire: Volume I: Maximilian I to the Peace of Westphalia, 1493-1648 (Oxford History of Early Modern Europe)
Germany and the Holy Roman Empire: Volume I: Maximilian I to the Peace of Westphalia, 1493-1648 (Oxford History of Early Modern Europe)
von Joachim Whaley
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 94,99

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine neue Sicht auf einen Teil deutscher Geschichte, 22. November 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Das zweibändige Werk von Whaley behandelt die Geschichte des Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation von 1500 bis zum Jahre 1806. Der Anfangspunkt liegt bewusst in der Zeit Kaiser Maximilians, weil sich zu diesem Zeitpunkt ein Kern dieses Reichs im deutschsprachigen Raum herauszukristallisieren beginnt. Die Bezeichnung vom Heiligen Römischen Reich deutscher Nation datiert aus der Mitte des 15. Jahrhunderts. Ich halte das Werk nach der Lektüre des ersten Bandes für eine ganz außergewöhnliche Darstellung, die dem deutschen Leser einen Teil der eigenen Geschichte, die oft als eine Periode des Niedergangs empfunden wird, zurückgibt, weil er sie in ein ganz anderes positives Licht rückt.

Bereis im Vorwort zeigt der Autor, dass vor allem unter dem Eindruck der Erfahrungen mit der Europäischen Union eine Neubewertung des Heiligen Römischen Reichs (HRR) angezeigt erscheint. Wie die Union war das HRR eine schwerfällige, nach außen wohl wenig glanzvolle Institution, die sich jedoch als Friedensordnung hervorragend bewährt hat. Gerade dass im HRR Zwergstaaten gegenüber den mächtigen Fürstenhäusern der Habsburger, Wettiner oder Wittelsbacher überdauern konnten, zeigt, dass es innerhalb dieser Institution gelungen war, Konflikte friedlich auszutragen und ein auf Dauer sicheres Nebeneinander von Groß und Klein zu ermöglichen. Whaley zeigt, wie schon die ersten großen Reformen um die Jahrhundertwende zum 16. Jahrhundert letztlich Reaktionen auf Einflüsse von außen (Hussitenkriege, marodierende Söldnerheere aus dem Kampf in den Niederlanden usw.) waren, die mühsam vonstatten gingen, weil zahlreiche partikulare Egoismen berücksichtigt werden mussten. Oft waren mehrere Anläufe nötig, bis man sich zu einem gemeinsamen Vorgehen durchringen konnte. Deutlich wird aber auch, dass gerade das Reichskammergericht einen Weg eröffnete, Konflikte auf friedlichem Wege nach Maßgabe des Rechts zu lösen. Whaley erinnert dabei an den im 16. Jahrhundert weit verbreiteten Begriff von der "deutschen Liberalität", den man heute unter dem Eindruck der Reichseinigung 1871, aber auch der schlimmen Zeit in den dreißiger und vierziger Jahren des Zwanzigsten Jahrhunders kaum in den Mund nehmen möchte. Die Reformation stellt dieses komplizierte, nach außen unspektakuläre Gebilde vor eine mächtige Probe und Whaley versteht den Dreißigjährigen Krieg in erster Linie als einen Verfassungsstreit.

Das Buch stellt das Zeitgeschehen nicht als Ereignisgeschichte dar, sondern argumentiert eher analytisch. Dies stellt für den Leser über die weite Strecke eine Herausforderung dar; allerdings wird es wegen der zahlreichen interessanten Überlegungen, Deutungen und Analysen nicht langweilig, sondern auf eine sehr eigene Weise prickelnd.

Whaley zeichnet des Portrait eines institutionellen Kolosses, der nach außen schwerfällig und unspektakulär seinen Bürgern ein Leben in Rechtsfrieden und Wohlstand garantierte. Dies erscheint sympathischer als die oft spektakulärer wirkenden Aktionen der großen Rechtsbrecher (Ludwig XIV., Friedrich II von Preußen und Napoleon), die dieses Gebilde skurril und veraltet erscheinen ließen, tatsächlich aber ihren Ruhm auf Kosten des Lebens ungezählter Namenloser gründeten. Wer sich für deutsche Geschichte interessiert und englische Texte lesen kann, sollte hier unbedingt zuschlagen.


Kein Titel verfügbar

89 von 112 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kein Thriller, aber beeindruckend authentisch, 22. Oktober 2012
Jeder potenzielle Käufer dieser Serie sollte vielleicht vorab gewarnt sein: Sie funktioniert als Thriller eher mäßig, gewährt aber authentische Einblicke in den Behördenapparat und die amerikanische Gesellschaft. Während in Breaking Bad beide Seiten - die spannende Unterhaltung und der entlarvende Blick hinter die Kulissen - gleichermaßen gut funktionieren, treten hier die klassischen Spannungselemente außer in der ersten und letzten Episode deutlich zurück. Dafür aber wird dem Zuschauer ein sehr ehrlicher Blick in das Funktionieren der Homeland Security Agency (HSA, in den USA gelegentlich auch mit "Hundreds stand around" übersetzt) und die amerikanische Gesellschaft. Da gibt es einerseits die Mitarbeiter auf den unteren Hierarchieebenen, die mit selbstzerstörerischer Leidenschaft für die Sache kämpfen. Die Protagonistin Carrie (Claire Danes) gehört dazu und dann den Vizepräsident und den Behördenleiter, die stets und vor allem ans eigene Fortkommen denken und denen die Aufgaben der HSA im Grunde eher gleichgültig sind. Man muss den Mut der Produzenten bewundern, wenn sie beim Zuschauer nach und nach Sympahtie für die Gegner aus den Reihen von al-Qaeda wecken und die hässlichen Züge auf der eigenen, US-amerikanischen Seite zeigen. Ein Blick in die Fratze des Vizepräsidenten genügt bereits. Dabei geben die Schauspieler wirklich alles, was diese Serie ebenfalls aus dem Gros des Belanglosen heraushebt. Vor allem Claire Danes scheut keinen Einsatz, um ein medikamentensüchtiges, vereinsamtes Wrack zu geben. Schon in der ersten Episode (ich sage nur "Badezimmmerszene") räumt sie mit dem Klischee des adretten Businessgirls gewaltig auf. In den letzten Episoden zeigt sie einen seltenen Mut zur Hässlichkeit. Man erkennt, was die vielen völlig vereinsamten Singles in der HSA wie in einer Pseudo-Familie antreibt und wie sie dabei sind, ihr Leben zu zerstören. Dies mag ein Teil der Zuschauer vielleicht als nervtötend und wenig spannend empfinden, der andere, an etwas Authentizität interessierte Teil folgt der Serie dabei umso gebannter. Fazit: Die Serie ist nicht für jeden etwas! Wer gelegentlich etwas schwerere Kost vertragen kann, wird hier allerdings hervorragend bedient.
Kommentar Kommentare (6) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 14, 2014 11:45 AM MEST


Die Cantos: Zweisprachige Erstausgabe
Die Cantos: Zweisprachige Erstausgabe
von Ezra Pound
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 128,00

29 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Geglückte Ausgabe eines schwierigen Dichters, 22. Oktober 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Für mich stellte die Begegnung mit den Cantos eine Liebe auf den zweiten Blick dar. Als ich in der zunächst erworbenen, rein englischen Ausgabe die chinesischen Schriftzeichen und die Zitate in aquatinischem Französisch sah (beides verstehe ich nicht), winkte ich zunächst lächelnd ab. Die Begegnung mit den beeindruckenden Personae-Gedichten, die einen konservativeren Geschmack bedienen, ließ mich im Lauf der Zeit umdenken. Mit dem unbedingt empfehlenswerten Werk von William Cookson Guide to the Cantos of Ezra Pound, das keine Werkausgabe, sondern nur einen Kommentar darstellt, konnte man sich die schwierigen Texte bislang erschließen. Dies ist mit dieser Ausgabe nun anders und besser geworden.

Zur Edition: Das Werk beeindruckt zunächst durch seine bibliophile Ausstattung. Das Buch ist in dunkelblauen Stoff gebunden und wird zum Schutz in einem soliden Kartonschuber geliefert. Die Schrifttype ist großartig auf schönem Papier (kein Bibelpapier) gesetzt. Neben der Übersetzung von Eva Hesse sind für mich die Anmerkungen von Heinz Ickstadt und Manfred Pfister (nicht zu verwechseln mit dem HIrnforscher) mindestens genauso wichtig. Sie nehmen die Seiten 1191-1427 ein. Diese Kommentierung des Originals ist unaufdringlich, in der Sache präzise und erfasst nach meinem ersten Eindruck alle schwierigen Stellen. Hinzu tritt für den im Englischen nicht ganz ungeübten Leser nun die vollständige Übersetzung von Eva Hesse, die eine wichtige Orientierung bei der Interpretation des Originals darstellt. Denn entgegen gelegentlich geäußerter Kritik überzeugt mich die Übersetzung nicht nur durch Sprachschönheit, sondern auch durch eine große Loyalität gegenüber dem Original. Mir haben schon die Ausgaben Pisaner Cantos LXXIV-LXXXIV und Personae: Sämtliche Gedichte 1908-1921 beim Verständnis der Texte weitergeholfen. Leider fehlt diesen jedoch ein brauchbarer Kommentarteil.

Nun aber: Warum Ezra Pound? Dieser Dichter bietet so viele Angriffsflächen, das man es manchmal müde ist, ihn zu verteidigen: Das faschistische und leider auch antisemitische Gedankengut stellen die eine Seite der Hypothek dar, der offensichtliche Eklektizismus die andere: Zu leicht ließen sich die Cantos auf folgendes Rezept zurückführen: Man nehme ein Wörterbuch mit chinesischen Schriftzeichen, eine Originalausgabe der Troubadourlyrik und ein Kompendium zur fernöstlichen Mystik, vermische die Komponenten aus diesen drei Quellen mit einigen Zweizeilern und entziehe sich damit dem Verständnis ebenso wie der Kritik. Dies war auch mein erster Eindruck; aber er trog. Setzt man sich mit diesen Werken ernsthaft auseinander, beeindrucken sie durch eine dunkle Leidenschaft und den unbeugsamen Willen, die Welt jenseits von oberflächlicher Inszenierung und insbesondere auch den Verheißungen des Kapitalismus zu sehen. Dag Hammarskjöld, der, wie gerade letztens zu erfahren war, an der Freilassung Pounds aus der amerikanischen Nervenheilanstalt maßgeblich beteiligt war, verwies die Kritiker auf das, was allein in der ersten Zeile des Canto LXXIV an Nachdenkenswertem steckt: "The enormous tragedy of the dream in the peasant's bent shoulders", hier übersetzt:"DIe enorme Tragik des Traums im Krummen Rücken des Bauers" (ich habe den HInweis auf das Zitat von Hammarskjöld übrigens von Cookson). Wenn man den Text dieses Cantos weiter liest und nun - dank der Anmerkungen zu dieser Ausgabe - nicht mehr an den altgriechischen Zitaten aus der Odyssee oder den Einschüben aus dem provencalischen Französisch scheitert, kann man diese Werke genießen, wie einen gut gereiften Whisky. Und dies gilt nicht nur für die bekannten Pisaner Cantos, sondern auch für die früheren und frühesten Werke. Gerade die ersten Cantos, die ganz dem Seefahrermythos verhaftet sind, erscheinen dem Leser vielleicht zugänglicher als vieles Spätere (die schlicht gehaltenen späten Cantos vielleicht ausgenommen).

Wer es ganz ernsthaft mit Pound versuchen möchte, dem würde ich vielleicht zunächst zu der oben bereits genannten zweisprachigen Ausgabe der Personae-Gedichte raten. Leider ist sie ohne Kommentarteil, was die Edition stark entwertet. Die Erklärung zu vielen kritischen Stellen findet man aber auch im Internet (dort existieren Teilkommentierungen). Weil diese Gedichte ein herkömmliches Vorverständnis von Lyrik leichter bedienen als die Cantos, kann sich der Leser einen zugänglicheren Eindruck von der Sprach- und Bildwelt von Pound verschaffen und ist deshalb eher bereit für den schweren Weg durch die Cantos. Das vorliegende Werk leistet zur Reise durch die Cantos jedenfalls einen hervorragenden Beitrag: Durch die Kommentierung und die Übersetzung verschafft es einem deutschen Leser mit Englischkenntnissen einen leichteren Zugang zum Originalwerk als den meisten englischen Muttersprachlern, für die es eine vergleichbare Ausgabe aus Text und Kommentar mit Verständnishilfe nicht gibt! Ich kann es daher dem Interessierten nur empfehlen.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 14, 2012 7:01 PM CET


Feldherren, Krieger und Strategen: Krieg in der Antike von Achill bis Attila
Feldherren, Krieger und Strategen: Krieg in der Antike von Achill bis Attila
Preis: EUR 25,99

24 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Interessante Kulturgeschichte des Krieges in der Antike, 8. Oktober 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Laut Vorwort stellt das Werk die wechselseitigen Beziehungen von Kriegs- und Gesellschaftsgeschichte im Anschluss an die angelsächsische Literatur in den Mittelpunkt der Überlegungen. Sofort kommt dem interessierten Leser das Werk von Keegan Die Kultur des Krieges in den Sinn. Gegenüber diesem liefert der Verf. eine erfreulich eigenständige Darstellung für den Zeitraum vom Griechenland Homers bis praktisch zum Untergang des römischen Reichs. Sofort springt ins Auge, dass sich das Werk auf dem neuesten Forschungsstand befindet. Dies zeigen etwa die gegenüber Keegan wesentlich differenzierteren Überlegungen zur Entstehung der Hopliten-Phalanx. Während sich bei dem Engländer noch die Vorstellung findet, dass die Griechen regelmäßig eine rasche Entscheidungsschlacht erzwingen wollten, um als Bürger wieder zu Ackerbau und sonstigen Verrichtungen zurückkehren zu können, verdeutlich Schulz hier den ganz grundsätzlich viel kriegerischen Charakter der griechischen Kultur. Vor allem im Rahmen der Abhandlung des attisch-delischen Seebundes wird beeindruckend deutlich, dass die Blütezeit Athens unter Perikles durch ständige Beutezüge der großen Flotte finanziert wurde. Weiß man das, leuchtet auch viel eher ein, warum Athen im Konflikt zwischen Korinth und Kerkyra nicht nachgeben konnte, sondern die Auseinandersetzung mit Sparta riskieren musste: Man hätte sonst die Dominanz in einem wesentlichen Teil des für Beutezüge bestimmten Meeresabschnitts zur Disposition gestellt und die eigene Lebensgrundlage gefährdet. Vor allem die Geschichte der Phalanx von ihren eher einfachen Anfangsbedingungen (die Helden Homers gruppieren sich nur beim Rückzug, nicht beim Angriff) zur wissenschaftlich ausgeklügelten Technik der makedonischen Heere weiß den Leser zu fesseln. Für mich stellten vor allem auch die Kapitel über die Heerstechnik der Diadochenheere eine Bereicherung dar. Man versteht erst auf dieser Grundlage die Vorgehensweise Hannibals richtig. Denn er bediente sich - bei aller eigenen Genialität - vor allem der griechischen Militärtechnik (Pyrrhus galt Hannibal als großes Vorbild, wie ich ebenfalls aus dem vorliegenden Werk weiß).

Den Erfolg der eher schlichten Manipel-Technik der römischen Legionen erklärt der Verf. hingegen - für mich ebenfalls überzeugend - aus den großen personellen Reserven der Römer. Gerade die Kriege gegen Pyrrhus zeigen, dass die Römer Niederlagen in ihren Folgen leichter tragen konnten, als die an Mannschaftsstärke regelmäßig knappen Heere der Griechen. Die vglw. einfache Technik der römischen Legionen erlaubte es geradezu, Anfänger schneller einzugliedern. Dies war im Rahmen der spätgriechischen Phalanx wegen der zugrundeliegenden Militärtechnik hingegen nicht möglich.

Ein weiterer Schwerpunkt des Buches liegt in der anschaulichen Darstellung der Techniken der Seekriegsführung. Der Verf. zeigt, dass die Griechen zum Zeitpunkt der Schlacht von Salamis technisch gegenüber den Persern weit zurücklagen. In der Zeit des attisch-delischen Seebundes führten sie indes die Technik des "diekplous" zu seltener Meisterschaft. Deutlich wird auch, dass eine Alternative im Flottenbau aber immer auch darin bestand, auf die Massivität der Schiffskörper zu setzen und diese mit Geschützen, Türmen und Enterbrücken zu bestücken. Dann konnte der zu wendigen Manövern fähige Gegner oft auf sehr brachiale Weise vorher gestoppt werden. Ich habe den ersten karthagischen Krieg erst verstanden, nachdem mir klar wurde, dass die Römer - wen wundert es - auf die brachiale Methode setzen, während die Karthager Meister der klassischen Manövriertechnik waren. Angenehm räumt Schulz hier auch mit den alten, auf Polybios zurückgehenden Mythen von der raschen Errichtung einer römischen Flotte auf der Grundlage einer gestandeten karthagischen Trireme auf.

Vielleicht darf ich abschließend nur eine Warnung aussprechen: Das Buch liefert keine detaillierten Schlachtenbeschreibungen. Selbst zentrale Ereignisse wie Cannae werden nicht im Detail beschrieben (Empfehlung: The Ghosts of Cannae: Hannibal and the Darkest Hour of the Roman Republic, sondern nur im Ergebnis gedeutet und in den Gesamtzusammenhang gestellt. Gerade die "Schlachten" Caesars, die wohl mehr ein Völkermorden waren, werden nur knapp und als solche angesprochen. Dafür werden beeindruckend die Einflüsse der Militärtechnik auf Gesellschaftsstrukturen gezeigt: Die Ruderbesatzung spiegelt dabei den Aufstieg der vermögenslosen Freien (Theten) ebenso wie die Legion des Marius das Erstarken des römischen Bürgers. Zu Recht wird deshalb Marius und Sulla größeres Augenmerk geschenkt, als Caesar und Octavian. Letztere zogen nur die Konsequenz aus den Fakten, die die ersteren geschaffen hatten.

Sie merken vielleicht: Die Fülle der Eindrücke, die dieses Buch vermittelt, ist wirklich groß. Insgesamt handelt es sich um sehr anregendes und leicht verständlich geschriebenes Buch. Ich kann es nur empfehlen!


BE (Biografien)
BE (Biografien)
Preis: EUR 9,99

20 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Biographisches Kleinod!, 12. September 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: BE (Biografien) (Kindle Edition)
Im vorliegenden Werk habe ich zunächst eher mäßig interessiert bei einem Bekannten geblättert, bis ich an die Stelle mit "Prinz Eisenherz" kam. Die Autorin konnte BE wohl die größte Freude dadurch bereiten, dass sie ihm die drei ersten Bände der Bocola-Ausgabe über die Abenteuer des Prinzien schenkte. Eichinger verschlang diese regelrecht und machte den Herausgebern beim Verlag mit einer E-Mail gehörig Dampf, nicht so lange mit der Veröffentlichung der Folgebände zu zögern, weil sie sonst wie alle ihre Vorgänger scheitern könnten. Dies aber wollte er als Fan nicht erleben. Ich hoffe - selbst ein Eisenherz-Fan -, dass Eichinger den Abschluss der Hal Foster-Jahre noch erlebt hat. In dieser kleinen Szene liegt eine zentrale Stärke des vorliegenden Werks: An sehr bildhaften, mit viel Liebe erzählten Szenen verdeutlicht es den Menschen hinter dem in der Öffentlichkeit kolportierten Bild des Machers, Frauenhelden usw. Die Autorin macht sich dabei als Ehefrau das größte Kompliment selbst, indem sie sich erkennbar wirklich für Eichinger als Menschen interessiert hat. Dafür sprechen die detaillierten Szenen aus der teils idyllischen, dann aber im Internat wohl eher traumatischen Kindheit. Aber auch die zahlreichen Affairen mit den attraktivsten Schauspielerinnen werden unverkrampft und nie effektheischend oder geschmacklos angesprochen Als Leser kann man gerade wegen der Detailtreue und der Empathie bei der Darstellung dem in der Öffentlichkeit oft schroff und kühl wirkenden Portraitierten hier in ganz eigener Weise näher kommen. Dies aber lohnt sich aus folgenden Gründen:

Ich empfand es bei der weiteren Lektüre immer wieder sehr interessant, bekannte Filme (nicht nur eigene Werke) aus dem Blickwinkel Eichingers mit sehen zu können. Wenn die Autorin etwa von den gemeinsamen Eindrücken über "Vertigo" von Alfred Hitchcock berichtet und das Besondere an diesem Film, den ja jeder anders sieht, in der Inszenierung und Kostümierung der weiblichen Hauptdarstellering versteht oder wenn Eichinger R.W. Fassbnders "Katzelmacher" als abgefilmtes Theaterstück kritisiert, spürt man ein scharfes Auge und einen durchdringenden Verstand, für den man sich mehr und mehr zu interessieren beginnt. Das gilt zunehmend auch für den Menschen Eichinger. Vorliegend findet vor allem keine Verklärung statt, wohl aber eine liebevoll zugetanes Portrait eines besonders interessanten Menschen, der stets "sein Ding" machte: In den hippie-dominierten 70ern trug er Anzug und Kurzhaarfrisur, nur um in den achtziger Jahren entgegen dem Trend in die lässige Ecke zu wechseln. Dass die Gattin über Eichingers lebenslangen Zug zum Rotlichtmilieu mit leichter Hand berichten kann, nimmt für beide ein. Hinzu treten - wen wundert es bei einem solchen Leben - interessante Erlebnisse mit zahlreichen Zeitgenossen, Weggefährten und Antipoden. Mich hat jedenfalls keine Prominentenbiographie seit der von Andrew Agassi so gut unterhalten wie diese!


Ravel - The Complete Edition
Ravel - The Complete Edition
Wird angeboten von ZeitGeistErleben
Preis: EUR 69,50

54 von 54 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mit viel Liebe zur Musik ausgewählt!, 10. September 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Ravel - The Complete Edition (Audio CD)
Nicht wenige Leser dieser Zeilen werden bereits eine Ravel-Sammlung besitzen. Mir ging es vor dem Kauf nicht anders. Doch hatte ich weder die Lieder noch die CD mit den drei Rom-Kantaten. Gemessen am ursprünglich hier geforderten Preis, der mittlerweile wohl noch etwas gestiegen ist, war die Sammlung allein schon aus dieser vordergründigen Sicht einladend. Insgesamt besticht sie durch ein sehr hohes Niveau und gibt zumindest das mir bekannte Werk Ravels lückenlos wieder:

CD 1: Die frühen Klavierwerke und der Tombeau de Couperin mit Thibaudet. Thibaudet ist für mich d e r moderne Ravelpianist, was sich auch vorliegend bei der Interpretation der Jeux d*'Eau oder bei der Sonatine von 1905 bewahrheitet. Ich hätte gerne auch das gesamte Klavierwerk in seiner Interpretation genommen. Aber zum Charakter der vorliegenden Werkauswahl zählt wohl, dass verschiedene Künstler mit klassischen Aufnahmen zum Zug kommen.

CD 2: Die Valses nobles mit Argerich, die Miroirs mit Pierre-Laurenz Aimard und der Gaspard de la nuit mit Pogorelich. Gerade den überaus virtuosen Gaspard de la Nuit gibt es ironischerweise auch in einer schönen Aufnahme mit Argerich und einer in Frankreich sehr beliebten mit Aimard. Dass hier Pogorelich ausgesucht wurde, hat dennoch seinen Sinn, weil er eine der virtuos brillantesten, klanglich schönsten und in den beiden letzten Bildern auch dämonischsten Interpretationen vorlegt. Die Valses sind bei Argerich ebenfalls sehr gut aufgehoben; die teilweise massiven Akkorde geht sie mit großem Schwung und nie grob an. Aimard kommt mit den Miroirs fast ein wenig zu kurz. In der Alborado del gracioso kann er jedoch seine außergewöhnliche Anschlagskultur demonstrieren.

CD 3: Hier finden sich Werke für 4 Hände und für 2 Klaviere, ua. Ma Mère l'Oye (Pascal & Dénise Rogé) und Rapsodie Espagnole (Vladimir und Vovka Ashkenazy). Auch ein Arrangement der Nocturne von Debussy für zwei Klaviere, das ich nicht kannte, aber interessant die Stimmen des Originals herausarbeitet findet sich hier.

CD 4: Werke für Violine und Klavier wie etwa die Violinsonate und die Tzigane mit Chantal Juillet und Pascal Rogé sowie die Cello-Sonate mit Truls Mori und Rogé

CD 5: Das Streichquartett von 1903 in der Interpretation des Melos-Quartetts ist ein echter Höhepunkt der gesamten Edition. Hören Sie nur in den ersten Satz hinein und Sie werden wissen, was ich meine. Das Werk verkörpert bereits den vollen Ravel-Stil der mittleren Zeit und wird hier in seltener Wärme und viel Sinn für den zurückgenommenen, sanft musikalischen Tonfall gegeben. Dies gilt auch für das ebenso berückende Klaviertrio mit dem Beaus Arts Trio.

CD 6: Hier beginnt das Liedwerk. Für mich persönlich stellen diese Werke den Höhepunkt dieser Edition dar. Denn sie decken den ganze Ravelstil ab. Die 3 poèmes de Malarmés gibt es hier mit einer kammermusikalischen Begleitung (Nash-Ensemble); auf einer späteren CD folgt die Orchesterfassung. Die Werke sind einer sehr sensitiven Fin-de-Siècle-Stimmung gehalten und insoweit von berückender Schönheit. Die Interpretation von Felicity Palmer ist schlicht umwerfend. Dann aber folgen Lieder im kindliche naiven und volksliedhaften Ton (Histoire Naturelles, 5 mélodies populaires grecques usw.) ebenfalls mit Felicity Palmer. Schließlich ist auch Cecilia Bartoli mit den Mélodies hebraiques und den chants populaires zu hören (begleitet von Myung Wun Chung).

CD 7 bringt viele Einzellieder mit Klavierbegleitung. Es handelt sich um ältere Aufnahmen mit Souzay, aber auch neuere Interpretationen.

CD 8 beinhaltet Orchesterlieder wie die Shehrazade (mit Ouvertüre). Hier kommen die 3 poèmes de Mallarmé wieder, diesmal mit Suzanne Danco (ebenfalls klasse). Und eine prächtige Zugabe stellen die Trois Chansons mit dem Monteverdi Choir unter Gardiner dar.

CD 9: Daphnis et Chloé mit Dutoit, sicher eine der schönsten Aufnahmen des Werks

CD 10: Das Klavierkonzert in G-Dur mit Argerich (aber hier gibt es natürlich auch Michelangeli) und das Klavier für die linke Hand mit Beroff. Den Tombeau de Couperin und die Valses nobles et sentimantels mit Abbado (sehr schön).

CD 11: Orchsterwerke mit Dutoit: Bolero, Alborado, Ma Mère l'Oye, Barque und Rapsodie espagnole. Dutoit und das Symphonieorchester Montréal haben hier Maßstäbe gesetzt.

CD 12/13: Die beiden Opern L'enfant et les sortilèges und L'heure espagnole mit Maazel. Beide Einspielungen, der nicht sofort zugänglichen, aber absolut lohnenswerten Werke gelten als klassische Referenz. Eine gelungene Alternative stellen die beiden Einspielungen mit Previn - hier L'enfant Ma mere l'oye / L'Enfant et les Sortileges - dar. Besonders lobenswert: Die Texte befinden sich im Booklet!

CD 14: Das Schmankerl für mich persönlich: die drei Rom-Kantaten von Ravel. Diese Platte hatte ich bei ihrem Erscheinen verpasst; sie wurde mittlerweile für Liebhaberpreise über dem Gesamtpreis der vorliegenden Edition gehandelt. Die Werke sind in einem an Wagner erinnernden Stil gehalten und verblüffen durch einen opernhaften, teilweise an Puccini gemahnenden Stil. Alle drei Werke sind hörenswert und auch hier finden sich die Librettotexte im Booklet.

Insgesamt eine hervorragende Auswahl.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 7, 2012 6:16 PM CET


Antonio Vivaldi (Musique) (French Edition)
Antonio Vivaldi (Musique) (French Edition)
Preis: EUR 27,99

5.0 von 5 Sternen Endlich eine seriöse Großbiographie!, 10. September 2012
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Die Musikwissenschaftlerin Mamy legt hier die erste moderne und seriöse Großbiographie zu Antonio Vivaldi vor. Einschlägige Versuche gibt es seit den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts als die großen Manuskriptsammlungen entdeckt wurden. Nur waren die ersten Werke fast allein auf den Solokonzertkomponisten Vivaldi zugeschnitten. Das kirchenmusikalische Werk und die Opern sind aber erst in letzter Zeit ins Bewusstsein gedrungen. Da Vivaldi jedoch nach eigenem Verständnis vor allem Vokalkomponist war, bedeutet die ältere Sicht notgedrungen eine Verzerrung. Diese Lücke schließt das vorliegende Werk. Es orientiert sich konsequent am neueren Forschungsstand wie etwa dem zweibändigen Werk von Reinhard Strohm zu den Vivaldi-Opern: The Operas of Antonio Vivaldi. Die zeitliche und auch künstlerische Einordnung der Opern nimmt entsprechend deutlichen Raum ein. Zugleich erweist sich die Verf. als beeindruckende Kennerin der venezianischen Geschichte, deren Verlauf für die Einordnung des Werks von Vivaldi so bedeutsam sind. Auch wird dem Leser das Lokalkolorit der zahlreichen Orte vermittelt, an denen Vivaldi wirkte und die bis heute unverändertn sind. Der Eingangstext, der hier als Leseprobe geboten wird, wirkt leider etwas sehr blumig, steht aber nicht für den lebendigen und konkret werdenden Stil des Werks insgesamt. Wer also im Anschluss an die Neuveröffentlichungen der Musikwerke Vivaldis nach weiteren Informationen sucht, wird hier begeistert zugreifen. Man würde sich wünschen, dass das Werk ins Deutsche übersetzt werden könnte. Leider aber fehlt in Deutschland ein Verlag wie Fayard, der sich auf Biographien von höchstem Niveau speziallisiert hat (vgl. nur die bei Fayard erschienene Voltaire-Biographie von Pommeau). Eine unbedingte Empfehlung für denjenigen, der die französische Sprache einigermaßen beherrscht!


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