Shop now Shop now Shop now Shop now Shop now Hier klicken Jetzt informieren PR CR0917 Cloud Drive Photos UHD TVs Learn More TDZ HI_PROJECT Mehr dazu Hier Klicken Jetzt bestellen AmazonMusicUnlimitedEcho Fußball longSSs17
Profil für Caliban > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von Caliban
Top-Rezensenten Rang: 4.365
Hilfreiche Bewertungen: 7735

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
Caliban (Süddeutschland)

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-20
pixel
Die Muqaddima: Betrachtungen zur Weltgeschichte (Neue Orientalische Bibliothek)
Die Muqaddima: Betrachtungen zur Weltgeschichte (Neue Orientalische Bibliothek)
von Ibn Khaldun
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 38,00

46 von 46 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bereicherung!, 17. November 2011
Die Muqaddima des arabischen Philosophen Ibn Khaldun (14. Jahrhundert) wurde als Vorwort zu seinem umfangreichen Geschichtswerk konzipiert und hat sich unter der Hand des Autors selbst zu einem eigenständigen Opus entwickelt, an dem er bis zu seinem Lebensende arbeitete. Darin beleuchtet er die Strukturen der Zivilisation aus der Warte des 14. Jahrhunderts in einer Vielzahl von Facetten, von denen einige zur damaligen Zeit unerhört neu erschienen. So analysiert er Staatsgebilde auf der Basis der soziologischen Keimzelle der Stammes- oder Familiengemeinschaft, und zeigt, wie dynamische Prozesse im Staat durch diese Substruktur erklärt werden können. Kein Wunder, dass man Ibn Khaldun als einen frühen Vordenker der Soziologie begriffen hat und noch heute moderne Erkenntnisinhalte bereits in seinem Werk skizziert findet. Ähnliche Bezüge bestehen zur modernen Ökonomie; so erkennt Ibn Khaldun etwa den Zusammenhang zwischen der Höhe der Einkommenssteuer und deren Aufkommen und zeigt, wie eine Erhöhung der Steuer zur Senkung des Aufkommens führen kann (vgl. die moderne Laffer-Kurve). Diese beiden Beispiele sind weithin bekannt geworden und haben für den Ruhm des Werkes gesorgt. Was aber hat der Leser dieser Ausgabe davon? Ibn Khaldun erscheint zunächst nicht als ein systematischer Denker im Sinne Hegels, sondern wählt - zum Vorteil des Lesers - eine eher intuitive Herangehensweise. Seine Quelle ist die scharfe Menschenbeobachtung und trotz ständiger Anrufung des Schöpfers im Text ein sehr pragmatischer und nüchterner Blick auf die Strukturen, die den äußeren Geschehensabläufen zugrunde liegen. In der vollständigen Fassung des Werkes, die hier nicht vorliegt, findet der Leser eine unerschöpfliche Fundgrube an Ideen: vom Entstehen bestimmter Versmaße in der arabischen Dichtung bis hin zu Einzelheiten des privaten Erbrechts und seiner Auswirkungen auf die Gesellschaft. Er bewundert die scharfen Einblicke in die Bedingungen für das Entstehen und den Untergang politischer Herrschaft, oder kann vom Sufismus als Wissenschaft erfahren usw.

Ich kenne das Werk bereits aus der klassischen dreibändigen englischen Übersetzung von Franz Rosenthal, die man als privater Liebhaber kaum jemals in einem Stück lesen kann (sie ist mittlerweile auch im Internet zu finden), sondern die eher nach Lektüre des ersten Großkapitels über die Zivilisation im Allgemeinen wie ein Handbuch Einblicke in die Rechtsphilosophie, Wirtschaftstheorie usw. erlaubt. Das Werk umfasst bei vollständiger Übersetzung ca. 1200 Seiten. Ausgaben dieser Art gibt es wie gesagt von Rosenthal (sehr teuer) und in Frankreich als Pléiade-Band, (Gallimard). Vorliegend wird dem Leser ein editorisch gut aufbereiteter Digest geboten. Dass also nicht die ganze Muqaddima geboten wird, sondern eine Auswahl, will ich hier dennoch aus Sicht des gebildeten Lesers dennoch begrüßen, weil dieser sich bspw. nicht in gleicher Weise für die Entstehung eines bestimmten Versmaßes und seiner Implementation im Laufe der arabischen Literaturgeschichte interessieren wird wie für die soziologischen oder wirtschaftstheoretischen Überlegungen bzw. die an die Dialektik gemahnende Geschichtsphilosophie. Die Auswahl orientiert sich ein wenig an der einbändigen gekürzten Rosenthal-Übersetzung im Verlag Bollingen The Muqaddimah: An Introduction to History (Bollingen). Ein umfangreiches Vorwort stellt dem Leser die Vita Ibn Khalduns, die Zeitumstände der Entstehung des Werks und seine Rezeptionsgeschichte anschaulich dar. Die moderne Übersetzung ist gut lesbar und quält nicht mit Übersetzungsproblemen und Fragen zur authentischen Version (in einem Staatsarchiv in Tunis werden verschiedene Originalmanuskripte des Werke aufbewahrt, die zeigen, dass Ibn Khaldun daran ständig Änderungen vorgenommen wurden).

Also noch einmal: Warum sollte man dieses Werk zur Hand nehmen? Die Antwortet lautet, dass sein Autor ein seltener Menschenbeobachter war, dessen Gedanken man auch heute noch mit Gewinn folgt und der nach einer kurzen den Leser abverlangten Eingewöhnung sehr spannend und konzentriert schreibt. Ibn Khaldun präsentiert dabei vor allem die weltläufige, intellektuelle Seite des Islam, für die in der Medienberichterstattung oft kein Platz ist, die aber bis heute besteht. Der Einfluss seines Werkes auf das Denken arabischer Intellektueller vermittelt dem Leser im Detail sicher ein fundamentaleres Verständnis der Zusammenhänge islamischer Zivilsationskritik als mancher Tagesbeststeller über die Arabellion.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 18, 2011 8:33 AM CET


Octopus
Octopus
von Jennifer A. Mather
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 20,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Beeindruckender Band mit wissenschaftlichem Anspruch, 14. November 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Octopus (Gebundene Ausgabe)
Bilderreiche Werke über die Unterwasserwelt gibt es zuhauf. Hier liegt ein andere Werk vor, das geschickt einem Laienpublikum die neuesten Erkenntnisse der Wissenschaft vorstellt. Literaturverweise erlauben dem interessierten Leser rasch den Zugang zu den Originalveröffentlichungen der Zoologen. So wird etwa in leicht verständlicher Weise die Tarntechnik der Oktopoden vorgestellt, die auf verschiedenen Zelltypen (Chromatophoren usw.) beruht und verblüffende blitzschnelle Anpassungsleistungen erlaubt. Die Darstellung dringt vorliegend nicht sonderlich in die Tiefe, bleibt aber auch nicht einfach an der Oberfläche stehen, sondern vermittelt die Funktionsweise so, dass im Leser ein Grundverständnis entsteht. Der findet hier einen wirklich guten weiterführenden Hinweis, mit dem man sich einarbeiten kann, wenn man es genau wissen will. Insoweit handelt es sich um ein hervorragendes Buch für alle, die sich für diese verblüffenden Tiere wirklich interessieren und der einen oder anderen ihrer Eigenschaften auf den Grund gehen wollen. Ich kann es nur empfehlen!
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 30, 2012 5:22 PM MEST


Die Abenteuer von Tim & Struppi - Das Geheimnis der Einhorn
Die Abenteuer von Tim & Struppi - Das Geheimnis der Einhorn
DVD ~ Jamie Bell
Preis: EUR 4,97

4 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Es fehlt ein Spritzer Zitronensaft!, 14. November 2011
Der Film überzeugt in weiten Bereichen, ist aber leider insgesamt deutlich zu niedlich geraten. Ich will dies gern begründen:

Zu den Stärken zählt zunächst der beeindruckende Einsatz des Motion-Capture-Verfahren: Anders als etwa bei Beowulf leben die Gesichtszüge der Charaktere und erlauben dem Zuschauer eine spontane Identifikation. Geschickt wird die Technik dann für Action-Sequenzen genutzt, die sich auf diese Weise nie in einem Realfilm realisieren ließen und alles in den Schatten stellen, was man kennt.
Die 3-D Technik ist (zweite Stärke) ebenso geschmackvoll eingesetzt wie bei Avatar. Spielberg wartet nicht mit bombastischen Knalleffekten auf, sondern "vertieft" die Handlung im doppelten Sinne durch die dritte Dimension.
Eine dritte Stärke liegt in der weitgehenden Werktreue zumindest im ersten Teil. Der Anfang stimmt zunächst weitgehend mit dem Band "Das Geheimnis der Einhorn" überein. Die Stimmung auf einem belgischen Flohmarkt der 30er Jahre des 19. Jahrhunderts wird beeindruckend eingefangen; eine kleine Hommage an Hergé selbst, der Tim gerade zeichnet, eröffnet den Film. Später, wenn die Entführer Tim nicht in ein Schloss, sondern auf einen Frachter bringen, wird die Geschichte des Bandes "Die Krabbe mit den goldenen Scheren" stark verkürzt eingeschoben. Dies ist allerdings nicht ganz zu verstehen, weil dadurch der Folgeband von "Das Geheimnis der Einhorn", nämlich "Der Schatz Rackhams des Roten" unter den Tisch fällt und die Handlung am Ende in der Schwebe bleibt (die Pointe aus dem Rackham-Band bringt man doch).

Worin liegt der fehlende Spritzer Zitronensaft? Die Handlung bleibt leider viel zu harmlos und braucht zu lange Zeit um anzulaufen. Dies hängt ironischerweise mit der Werktreue zusammen. Denn - ich sage dies als Hergé-Fan mit Bedacht - der Einhorn-Band zählt aus heutiger Sicht nicht zu den stärksten der Serie. Was für den Leser der 30er Jahre noch sehr aufregend gewesen sein mag (finstere Gestalten jagen einen Schatz) hat man spätestens seit Indiana Jones doch deutlich fantasievoller erlebt. Die Zeit ist einfach ein wenig über den schönen Grundeinfall Hergés hinweggegangen. Ich habe mich deshalb gefragt, warum man nicht eine bessere Geschichte (Tim im Tibet oder Die 7 Kristallkugeln+Sonnentempel) ausgewählt hat und konnte mir das nur so erklären, dass die Finanziers auf Nummer sicher gehen und an die vorherrschende Piratenwelle anknüpfen wollten. Herausgekommen ist so ein Kinderfilm, dem im Unterschied zu anderen Genre-Vertretern (Star Wars, Indiana Jones) das fehlt, was der Zuschauer im Blick von Harrison Ford und Carrie Fisher findet.


Symphony No.6
Symphony No.6
Preis: EUR 21,21

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Endlich!, 28. Oktober 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Symphony No.6 (Audio CD)
Für mich zählt Bruckners 6. Symphonie zu seinen beeindruckendsten Werken; ich weiß, dass hier die Meinungen weit auseinandergehen, aber für mich war es sozusagen "Liebe auf den ersten Soundbyte", als ich das majestätische erste Thema des ersten Satzes hörte. Ebenso lange aber währt die Suche nach einer rundum befriedigenden Aufnahme. Hier habe jedenfalls ich sie gefunden: Leider hatte es Günther Wandt ja in seinem zweiten Bruckner-Zyklus mit den Berliner Philharmonikern nicht mehr geschafft, dieses Werk einzuspielen. Nach allem, was zu hören ist, stand er unmittelbar vor einer Aufführung der sechsten. Deshalb hatte man als Liebhaber immer die Wahl zwischen den beiden Geschmacksrichtungen würdevoll-mystisch, aber auch musikalisch starr (Jochum, Karajan) oder dynamisch-musikalisch artikuliert, aber irgendwie auch etwas leer (Blomstedt). Eigene, für mich aber nicht restlos befriedigend Maßstäbe setzten Klemperer und Wandt in der älteren Einspielung.

Nun hat die Suche - zumindest aus meiner Sicht - einstweilen ein Ende: Angelockt durch die atemberaubende Mahler-Gesamtaufnahme Giehlens Symphonien Nr. 1-9 habe ich eine gebrauchte Einspielung über Marketplace erstanden (Hänssler-CD sind immer noch unglaublich teuer): Sie zeigt dieselben Vorzügen Giehlens. Er vereint die Stärken beider oben genannter Richtungen: Das SWR:-Symphonieorchester spielt artikuliert, rhythmisch dynamisch und präzise; dennoch lässt Giebeln der Musik ihren großen Atem. Höhepunkte werden dynamisch raffiniert vorbereitet und dann in aller musikalischen Großartigkeit gesetzt; jedes Ritardando ist geschmackvoll und nicht auf vordergründigen Effekt hin angelegt, der herrliche Übergang von der zweiten zur dritten Themengruppe wird voller Gefühl, doch nicht auf Kosten von Metrum und musikalischer Artikulation geboten. Über das rasche Tempo im zweiten Satz war ich zunächst schockiert; aber auch dieses schien mir nach zweimaligem Hören überzeugender als die vielen Aufnahmen, die hier in Schönheit schwelgen, ja oft baden, dabei aber die Gesamtstruktur des Satzes zerstören: Wichtig ist, das Giebeln diesem Satz trotz des raschen Tempos das Verinnerlichte lässt. Vor allem im letzten und problematischsten Satz passt Giehlens Zugang. Fokussiert und auf den Punkt kommend, gelingt auch hier ein Akzent, der die Gewichte innerhalb der Symphonie, die hier eindeutig im Eröffnungssatz liegen, nicht falsch verschiebt, dennoch einen befriedigenden Eindruck hinterlässt. Ich kann die Einspielung rundum empfehlen!


Franz Liszt - Leben und Sterben in Bayreuth: Mit Lina Schmalhausens Tagebuch über Liszts letzte Tage
Franz Liszt - Leben und Sterben in Bayreuth: Mit Lina Schmalhausens Tagebuch über Liszts letzte Tage
von Ernst Burger
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kleines Juwel, 28. Oktober 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Das Werk nimmt sich gegenüber dem prächtigeren Band von Ernst Burger Franz Liszt: Die Jahre in Rom und Tivoli deutlich kleiner aus, doch folgt es demselben Prinzip. Vor allem Originalquellen - hier die Aufzeichnungen von Lina Schmalhausen über Liszts Tod, aber auch Teile aus den Erinnerungen von Göllerich sowie Auszüge aus dem Briefwechsel von Liszt und Wagner - werden durch Fotographien und Reproduktionen von Gemälden eindrucksvoll bebildert. Das Werk beginnt mit einer Charakterisierung des komplizierten Verhältnisses von Liszt und Wagner, wobei Höhepunkte der Korrespondenz hintereinander montiert sind (vgl. umfassender Briefwechsel zwischen Wagner und Liszt. Erster Band. Vom Jahre 1841 bis 1853 sowie den in derselben Reihe entstandenen zweiten Band). Im Mittelteil geht es um Liszts Besuche in Bayreuth, und den Schlussteil bilden die Aufzeichnungen von Schmalhausen über Liszts Tod.

Als Autor gerade des Vorworts nimmt Burger den Leser zunächst durch seine eigenständige Sicht auf die Rolle Cosima Wagners ein, die Liszt wohl in seinen letzten Tagen persönlich und aufopferungsvoll gepflegt hat und gerade nicht späte Vergeltung für eine unglückliche Kindheit übte. Bedrückende Gefühle hinterlässt die überaus kritische Auseinandersetzung mit der englischen Übersetzung der Aufzeichnungen von Lina Schmalhausen durch Alan Walker im Vorwort. Offensichtlich ist Walker wenig seriös und sehr oberflächlich verfahren, was den Leser seiner dreibändigen Lisztbiographie natürlich nachdenklich stimmt.

Das vorliegende Werk ist deutlich kleinformatiger als die anderen Liszt-Bände Burgers (vgl. auch den Überblicksband über das Leben Liszts und den Band über Liszt in der Fotographie seiner Zeit). Der Liebhaber entnimmt hier aber mehr an Informationen als aus den Standard-Listzbiographien, die das Bekannte immer wieder aufwärmen und letztens allenfalls etwas versöhnlichere Töne bei der Bewertung des musikalischen Oeuvres finden. Vor allem handelt es sich auch um eines jener Schmuckstücke, nach denen der Bibliophile unablässig sucht.

Ich kann das Werk rundum empfehlen!


Le passager (Roman)
Le passager (Roman)
von Jean-Christophe Grangé
  Broschiert

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Schwacher Grangé, 14. Oktober 2011
Rezension bezieht sich auf: Le passager (Roman) (Broschiert)
Ich bin seit Jahren ein treuer Grangé-Fan mit Durchhaltevermögen. Aber dies hier ist eines der schwächsten Werke, die ich aus seiner Feder kenne.

Der Roman umfasst im französischen Original ca. 750 Seiten. Im Vordergrund stehen wie bei La foret des manes (Wald der stummen Schreie) eine junge Ermittelerin (diesmal eine Polizistin) und ein Psychiater. Ausgangspunkt sind zunächst rätselhafte Morde mit einem mythologischen Touch. Deren Bedeutung wird durch das Auftreten von Personen überlagert, die unter einer ganz besonderen psychischen Erkrankung leiden: Sie wechseln unter traumatischen Umständen einfach ihre Persönlichkeit und lassen die alte Persönlichkeit untergehen. Im Buch werden sie als Passagiere ohne Gepäck bezeichnet (daher der Titel). Der Hauptinhalt des Buches besteht in der Rekonstruktion der ursprünglichen Persönlichkeit einer im Vordergrund stehenden Figur (ich will hier nicht zu viel verraten). Leider fehlt es Grangé jedoch an packenden Ideen und Wendungen, um den Leser hier länger fesseln zu können. Ich hatte das Buch in einen Strandurlaub mitgenommen und mich sehr darauf gefreut: Am Ende wurde es ein harter Kampf, weil viele Szenen schlicht in der ewig gleichen Jagd nach Indizien und Zusammenhängen bestehen, die selbst nicht besonders spannend sind. Dabei ist bei weitem nicht alles missraten: Teilweise flammt das Interesse auf, etwa wenn die Welt der Obdachlosen in einer kleinen südfranzösischen Stadt beschrieben wird, die abends von Wohltätigkeitsorganisationen aufgelesen und in Notunterkünfte gebracht werden. Hier und später in der Pariser Speed-Dating-Szene gelingen Grangé sehr dichte Szenen, die Spaß machen. Leider bilden diese jedoch die Ausnahme. Meist rennen seine Helden gegen unsichtbare Wände an, um dann doch noch die Kehre zu bekommen. Leider gelingen auch die wenigen Action-Szenen nicht so beeindruckend wie im Herz der Hölle. Hinzu kommt, dass die beiden Helden nicht in gleicher Weise überzeugen wie die schroffen Haudegen im Herz der Hölle, den purpurnen Flüssen usw. Vor allem die medikamentenabhänige Ermittler strapaziert die Nerven des Lesers nach einiger Zeit gehörig.

Der Roman spielt nur in Frankreich (eine Szene allerdings in Brügge), und zwar in Bordeau, Marseilles, Nizza und später Paris. Vor allem im Pariser Kapitel steigt die Stimmungsdichte, weil Grangé sich hier richtig auskennt. Der Schluss ist leider dennoch misslungen; die Aufklärung der Morde empfand ich als ziemlich hanebüchen und aufgesetzt. Als Leser legt man das Buch eher enttäuscht beiseite. Für mich zählt das Werk eindeutig zu den schwächeren Arbeiten von Grangé.


Das Unheimliche
Das Unheimliche
Preis: EUR 0,00

14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Kleinere, gut lesbare Schrift!, 22. September 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das Unheimliche (Kindle Edition)
Von dieser Schrift wusste ich als lebenslanger E.T.A.-Hoffmann-Fan schon Jahre; sie war jedoch bisher nur stets mit anderen Werken Freuds gemeinsam zu nicht unansehnlichen Preisen zu beziehen. Nun kann sie auf dem Kindle kostenlos heruntergeladen werden. Erkennbar handelt es sich um ein kleineres, weniger stringent argumentierendes Werk von Freud. Mit der Traumdeutung und der Abhandlungen zur Hysterie ist es nicht zu vergleichen. In einfacher, leicht verständlicher Sprache gefasst, hat es der geübte Leser in einer Stunde bewältigt. Ein erster Teil setzt sich dem "Sandmann" von E.T.A. Hoffmann auseinander. Die Passage endet mit der Behauptung, der Augendiebstahl - zentraler Gegenstand dieser Erzählung - versinnbildliche die Kastrationsangst. Eine tiefere Begründung liefert Freud dabei nicht. Im zweiten Teil geht es allgemeiner um das Unheimliche, wobei die Elixiere des Teufels als Vorbild dienen. Hier entwickelt Freud die bekannter gewordene These, dass die Furcht vor dem Unheimlichen eine verdeckte Furcht vor dem eigenen Tod zum Ausdruck bringe. Bedenkenswert ist dies allemal und trifft sicherlich einen Teilaspekt. Mir als Laie fällt aber mindestens noch das menschliche Instinktprogramm im Zwischenhirn ein: Die Gänsehaut, die sich beim einsamen Aufenthalt im dunklen Wald einstellt, hat wohl ebenso wie die Gänsehaut bei der Lektüre des "Exorzisten" ihre Ursache in den Instinkten des Fluchttiers.

Wie immer man dies auch sehen mag: Für 0 Euro kann jeder das Wagnis eingehen, aus diesem Text vielleicht doch noch etwas mehr zu entnehmen, als mir dies gelungen ist. Wegen der im Text zum Ausdruck kommenden Begeisterung für Hoffmann gebe ich - hier völlig voreingenommen - doch noch vier Punkte.


Hymnen an die Nacht
Hymnen an die Nacht
Preis: EUR 0,00

15 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Richtigstellung!, 22. September 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Hymnen an die Nacht (Kindle Edition)
Auf die "Hymnen an die Nacht" in der Kindle-Version gehe ich hier aus zwei Gründen ein: wegen des selten unkundigen Verrisses von Herrn Seeger auf dieser Seite, der niemand entmutigen sollte, und wegen eben dieser Kindle-Ausgabe.

Zunächst zum Novalis-Verriss: Jedem Rezensenten ist selbstverständlich sein eigener lyrischer Geschmack konzediert; nicht aber Ahnungslosigkeit in der Sache beim Verfassen einer Rezension. Die "Hymnen an die Nacht" sind entgegen einem hartnäckigen Vorurteil gerade keine unmittelbare Reaktion auf den tragischen Tod der Verlobten von Novalis, Sophie von Kühn. Wer sie deshalb als Erlebnislyrik liest, wählt schon im Ansatz den falschen Weg zum Verständnis. Zwar stimmen einige kürzere Passagen in autobiographischen Skizzen von Novalis, die unmittelbar im Anschluss an das tragische Ereignis entstanden sind und Selbsttötungsabsichten bekunden, mit wenigen Zeilen des späteren Werks überein. Dieses ist jedoch Jahre nach dem Tod der Sophie von Kühn zu einer Zeit entstanden, in der Novalis bereits wieder mit einer anderen Frau verlobt war und deshalb keinen irgendwie gearteten Grabgesang anstimmen musste. Nachlesen kann dies der Interessierte etwa in der beindruckend kommentierten Werkausgabe Werke. Ist dieses Missverständnis einmal ausgeräumt, sollte man als Leser tief durchatmen und den unnachahmlich intensiven hohen Ton sowie die selten verdichtete Inspiriertheit dieser Werke in sich einsaugen. Sie stehen in einer Reihe mit den besten Werken Hölderlins und des Duineser Elegien. Begehen Sie vielleicht nicht den Fehler, alle Hymnen in einem Durchgang lesen zu wollen, sondern starten Sie bei der zweiten und lesen Sie diese mehrmals intensiv oder - ich wage es kaum zu sagen - lernen Sie sie vielleicht auswendig. Spätestens dann bedürfen Sie keiner dürftigen Kommentierung durch mich und wissen auch den Verriss einzuordnen.

Die Kindle-Ausgabe schließt an die spätere Athenäums-Ausgabe an, in der rhythmisierte Prosatexte und Gedichteinschübe einander abwechseln. In der älteren Version war die rhythmisierte Prosa ganz in Gedichtzeilen gesetzt, was dem Texteindruck jedoch aus Sicht von Novalis schadete (vgl. auch dazu Schulz). Was ist zu dieser Ausgabe sonst noch zu bemerken: zunächst einmal einen herzlichen Dank, dass sie für 0, 0 Euro herunterzuladen ist. Sie ist auf meinem Gerät mittlerweile neben den ebenfalls kostenlosen Gedichten Goethes und Hölderlins abgespeichert und wie diese jederzeit zur Hand und überall dabei! Gibt es eine bessere Kaufempfehlung für ein elektronisches Lesegerät, wenn man bedenkt, wie viele sonstige Klassiker zum Nulltarif zu haben sind?
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 20, 2012 12:17 AM CET


Novalis: Biographie
Novalis: Biographie
von Wolfgang Hädecke
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,90

15 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Klare Empfehlung!, 22. September 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Novalis: Biographie (Gebundene Ausgabe)
Ich beurteile das Buch hier aus der Warte eines privaten Liebhabers und darf kurz meine Ausgangssituation schildern. Begeistert von der kommentierten Werkzusammenstellung von Gerhard Schulz Werke wollte ich eigentlich auf die Biographie desselben Autors warten, die für Herbst angekündigt ist Novalis: Das Leben Friedrich von Hardenbergs. Eine abermalige Begegnung mit den Hymnen an die Nacht (nach langer Zeit) ließ jedoch die Neugier obsiegen, so dass das vorliegende Werk bestellte. Es war eine gute Wahl!
Der Autor ist ein Philologe, der - laut Wikipedia - lange Zeit in Weißenfels gelebt hat, also genau dort, wo Novalis auch den größten Teil seiner Kindheit und Jugend verbracht hat. Mir wurde dadurch erst rückblickend klar, warum das Buch vor allem das Lokalkolorit der Landschaft so brillant auffängt. Erfreulich empfand ich schon den Anfang des Werkes: Anders, als bei den meisten von den amerikanischen Writing Schools geprägten Büchern eröffnet das Werk nicht mit einer schockierenden oder skurrilen Szene, die den Leser auf künstliche Weise fesseln soll. Stattdessen beginnt der Autor mit einer Analyse des einzigen authentischen Portraits von Novalis, das auch auf dem Buchrücken abgebildet ist und leitet darauf zu einem Überblick über das nur 29 Jahre währende Leben dieses Dichters über. Der kurze Abriss, der bereits deutliche Bewertungen und Schwerpunktsetzungen vornimmt, überrascht, weil man Ähnliches als Leser ja erst auf den folgenden Seiten erwartet. Das Leben des von Hardenberg wird aber nicht nur als Dichter präsentiert, sondern auch als Mensch seiner Zeit, der nach einem lieblos betriebenen Jura-Studium in Rekordzeit die Bergakademie in Freiberg durchlaufen hat, um später - dem Vorbild des Vaters folgend - im Bergwerksdirektorat erfolgreich tätig zu sein. Gerade, wenn man die Hymnen an die Nacht vor Augen hat, tut es gut zu erfahren, wie pragmatisch und erfolgreich Novalis (von Hardenberg) sich im täglichen Leben in schwerer Zeit bewährt hat. Es wird das Leben einer Persönlichkeit gezeichnet, die sich nur in einem vergleichsweise engen räumlichen Kreis von Harz, Thüringen und Sachsen zu seltener geistiger Größe heranbildet. Es ist eine vermeintlich zurückgebliebene Welt, die keine Metropolen im heutigen Sinne kennt und die schon durch die regelmäßig im Herbst durch Regen verschlammten Straßen kaum zu größeren Exkursionen ermutigt. Das Buch schildert in angenehm lesbarer Sprache das kurze Leben des Protagonisten mit den dem Leser meist schon in Umrissen bekannten Ereignissen (Verlobung mit der 13jährigen Sophie von Kühn und deren qualvollem Tod, Begegnung mit Schiller, Romantikertreffen in Jena usw.). Dies bedarf hier keiner weiteren Erwähnung, sondern versteht sich bei einem Werk dieser Art.

Was herausragt, sind drei Dinge:

(1) Mit der Liebe des Lokalpatrioten wird die Affinität Novalis zum Bergbau und sein Studium in der berühmten Akademie Freiberg geschildert, was besonders berührt.

(2) Eindrucksvoller empfand ich als Leser jedoch die individuelle Auseinandersetzung mit dem Werk. Eigene Kapitel sind den "Lehrlingen zu Sais", dem "Heinrich von Ofterdingen" oder dem Werk "Die Christenheit oder Europa" gewidmet. Ausschnitte aus den Werken durchziehen den Text und werden vom Autor gewürdigt. Mich hat dies vor allem im Hinblick auf die Jugendlyrik begeistert, um die man als Leser - verwöhnt von einer Fülle außergewöhnlicher Lyrik aus Jahrhunderten - normalerweise schon aus Zeitgründen einen großen Bogen schlagen würde. Der Autor präsentiert dem Leser hier aber anregende Ausschnitte auch aus diesem Werk, die durch die erkennbar hohe Qualität die Lust auf mehr wecken. Ähnliche sind die "Geistlichen Lieder" oder die "Hymnen an die Nacht" immer auch durch Kostproben im Text gegenwärtig und werden dabei wertend eingeordnet und kommentiert. So kann man die vorliegende Arbeit auch als Werkführer lesen, was dem Interessierten natürlich sehr entgegenkommt.

(3) Die philosophische Welt Fichtes, aber auch die des Friedrich Schlegels, in der sich Novalis vor allem bewegte, wird dem Leser hier verständlich gemacht und als Schlüssel zur Werkerklärung präsentiert. Dem Interessierten würde ich ergänzend immer auch das Werk von Safranski Romantik: Eine deutsche Affäre empfehlen. Allerdings ist dies - begleitend zum vorliegenden Werk - nicht erforderlich, weil die wesentlichen Strukturen des frühen Idealismus auch hier auf packende Weise deutlich werden.

Ein Wermutstropfen bleibt; und hier geht die Kritik an den Verlag. Das Werk enthält keinen Bildteil, was deshalb schmerzlich ist, weil der Autor ständig auf ikonographische Zeugnisse in seinem Text verweist (das Bild des nicht unproblematischen Vaters, Skizzen des jugendlichen Novalis usw.). Gerade wegen dieser Art der Argumentation hätte man als Leser die in Bezug genommenen Abbildungen dringend erwartet. Dass dies - wohl aus Kostengründen - unterblieben ist, stellt dem Verlag kein gutes Zeugnis aus.

Ich ziehe dafür aber keinen Punkt ab! Dafür ist das Werk schlicht zu engagiert und für den Leser bereichernd. Es zeigt an einem Beispiel eindrucksvoll, wie in einem Deutschland ohne äußeren Glanz sich eine ganze Generation von Dichtern und Philosophen zu innerer geistiger Größe mit Weltgeltung erhoben hat. Vergleicht man diese Zeit mit den heutigen Verhältnissen, wo Preisverleihungen, Messen und Events einander abwechseln, aber erkennbar kaum jemals auch nur ein annähernder Grad an Inspiriertheit erreicht wird wie in der zweiten Hymne an die Nacht, beschleicht den Leser eine leichte Wehmut. Es tut gut, im vorliegenden Werk nachzulesen, worum es im geistigen Leben wirklich ankommt!


Introduction to Persian
Introduction to Persian
von W. M. Thackston
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 57,49

8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Auch aus deutscher Sicht die Nr. 1!, 20. September 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Introduction to Persian (Gebundene Ausgabe)
Ich habe persisch vor Jahren mit Hilfe der beiden Lehrbücher von Sobhani Persisches Lehr- und Lesebuch für die Umgangssprache. (Persisch 2.) (Lernmaterialien) und Lorenz/Alavi Lehrbuch der persischen Sprache, nachgedruckt als Langenscheidts Praktisches Lehrbuch Persisch iim Rahmen eines Studiums der Oirentalistik gelernt. Den Sobhani kann man schwer ernst nehmen; Der Lorenz/Alavi hat ein ganz anderes Gewicht, aber auch erhebliche Eigenarten: Die Vokabellast in den späteren Lektionen ist immens. Das Buch zwingt zum Erlernen von Spezialvokabeln für den Einsatz an der Baustelle (sic!) ebenso wie zur Beschreibung der U-Bahnstationen und verlangt selbst dem Geduldigsten einiges ab, denn diese Wörter werden in den nachfolgenden Lektionen stets vorausgesetzt und können nicht in einem Stichwortverzeichnis am Ende des Werks nachgeschlagen werden. Da meine Beweggründe für das Erlernen der Sprache in Richtung persische Dichtung gingen, war dies überaus belastend.
Jahre später - aus einem Spleen heraus - ist das Interesse an Hafez, Rumi, Saadi und Nizami erneut erwacht. Deshalb nahm ich mir den Lorenz/Alavi noch einmal vor, schaffte es im zweiten Durchgang aber nur bis Lektion 22. Danach stieg ich auf das vorliegende Werk um, weil ich Thackstons bilinguale Ausgabe des Golestan The Gulistan (Rose Garden) of Sa'di: Bilingual English and Persian Edition with Vocabulary und sein Lehrbuch zur persischen Lyrik A Millennium of Classical Persian Poetry: A Guide to the Reading & Understanding of Persian Poetry from the Tenth to the Twentieth Century: A Guide to ... from the Tenth to the Twentieth Century überaus schätze. Die Entscheidung war richtig.

Das vorliegende Buch bereitet sowohl auf die moderne Sprache als auch auf die klassische Dichtung vor. Im Hinblick auf den modernen Alltagswortschatz geht Thackston einen vernünftigen Weg. Er bringt am Ende einzelner Lektionen spezielle Wortfelder, die im weiteren Verlauf des Buches nicht mehr vorausgesetzt werden, macht den Leser ansonsten aber mit den Vokabeln vertraut, die für das Erlesen moderner und klassischer Texte vor allem wichtig sind. Ein klarer Vorteil gegenüber dem Lorenz/Alavi besteht darin, dass von der ersten Lektion an Wert auf das Erlernen der Nastaliq-Schrift gelegt wird. Obwohl mit dem Arabischen gut vertraut, hatte ich mit dieser Schrifttype immer meine Schwierigkeiten. Diese Lücke konnte ich systematisch mit Hilfe dieses Buchs schließen. Ansonsten zeigt Thackston einen überragenden Wissensstand hinsichtlich semantischer und syntaktiver Feinheiten der Sprache, der mich oft verblüffte. Dass bspw. "tschaharomin" nicht einfach "der vierte", sondern der Vierte ab einem spontan festgelegten Punkt aus einer bereits angefangenen Reihe bedeutet, erfährt man nur hier. Das Werk erklärt die Zusammenhänge gründlich, entschlackt aber auch die ohnehin nicht komplizierte Grammatik um Unnötiges. Das Futur, das bei Lorenz/Alavi noch ein ganzes Kapitel ausmachte, wird hier nebenbei behandelt, da es in der Praxis kaum eine Rolle spiel. Dafür wird zum Glück sehr viel mehr Wert auf die komplizierte Syntax des Persischen gelegt. Wer sich nur ein wenig auskennt, weiß, dass diese Sprache einer der einfachsten Grundgrammatiken überhaupt hat, aber syntaktisch äußerste Anforderungen stellen kann. In Anhängen zum Buch leitet der Autor den Leser einmal zur modernen Aussprache des Teheraner Dialekt, zur modernen Literatur und auch zur klassischen Literatur. Aufs engste verdichtet erfährt der Leser, was in den klassischen Texten besonders zu beachten ist. Einige Lesebeispiele, etwa aus dem Golestan, runden das ganze ab. Sämtliche Vokabeln werden am Ende mit Bedeutung und Verweis auf die Lektion aufgeführt.

Das Buch erscheint also fast perfekt; dennoch würde ich gerade für den Anfänger eine Warnung aussprechen. Wer sich noch nie mit der arabischen Schrift befasst hat, wird hier wirklich ins kalte Wasser geworfen. Die Einleitung ist äußerst knapp und dicht. Ich könnte mir vorstellen, dass ein Leser ohne jede Vorbildung hier rasch resigniert. Ihm würde ich eine kurze Einführung in die arabische Schrift (vielleicht anhand eines der vielen anderen, weniger gehaltvollen Einfühungen in das Persische) empfehlen, bevor er hier weiter macht.

Nach Lektüre dieses Werkes kann es allerdings nicht sofort mit Nizami weitergehen; dies kann man aber auch ernsthaft nicht erwarten. Hier empfiehlt sich vor allem die Arbeit mit Thackstons Lehrbuch zur persischen Dichtung (s.oben). Ansonsten ist das Werk erste Wahl!


Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-20