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Rezensionen verfasst von
lancelot

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Verdi: Un Ballo in Maschera (Gesamtaufnahme)
Verdi: Un Ballo in Maschera (Gesamtaufnahme)
Wird angeboten von EliteDigital DE
Preis: EUR 29,94

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Tebaldis letzte Aufnahme, 5. August 2011
Für Renata Tebaldi kam die Aufnahme zu spät. 1970 verfügte die Stimme nicht mehr über die Reserven und Qualitäten, die sie einst auszeichneten. Man darf Künstler aber nicht anhand ihrer schlechtesten Aufnahme bewerten, und so falle der Mantel des Schweigens über Tebaldis Amelia (die sie übrigens, wie auch Leonora (Trovatore), Liù (Turandot) und Elisabetta (Don Carlo) auf der Bühne nie gesungen hat). Schade, dass sie nicht die Gelegenheit bekommen hat, 1960 in Soltis erster Aufnahme des Werks neben Bergonzi, McNeil und Simionato und statt der unidiomatischen Nilsson die Partie der Amelia zu singen.

Pavarotti singt den Riccardo klangschön und gelöst, nicht so differenziert wie später unter Solti (neben M. Price/Bruson/Ludwig), aber technisch besser und freier als in der zweiten Aufnahme. Leider passt sein heller, hoher Tenor überhaupt nicht zur eingedunkelten Stimme der Tebaldi.
Sherrill Milnes ist ein etwas platter und uninspirierter Renato, er singt grob und etwas monoton, keine Konkurrenz für Bruson oder Cappuccilli, geschweige denn für Gobbi, Bastianini oder Merrill.

Sehr furchteinflößend ist Regina Resniks großartige Ulrica, die vielleicht musikalisch nicht optimal bewältigt wird, aber wegen ihrer eindrucksvollen Charakterisierung sehr überzeugt. Helen Donaths Oscar ist ordentlich, die übrigen Partien sind rollendeckend besetzt.
Bartoletti dirigiert ordentlich, nicht mehr.


Verdi: Un ballo in maschera (Gesamtaufnahme(ital.))
Verdi: Un ballo in maschera (Gesamtaufnahme(ital.))
Preis: EUR 19,33

3.0 von 5 Sternen Tebaldis letzte Aufnahme, 5. August 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Für Renata Tebaldi kam die Aufnahme zu spät. 1970 verfügte die Stimme nicht mehr über die Reserven und Qualitäten, die sie einst auszeichneten. Man darf Künstler aber nicht anhand ihrer schlechtesten Aufnahme bewerten, und so falle der Mantel des Schweigens über Tebaldis Amelia (die sie übrigens, wie auch Leonora (Trovatore), Liù (Turandot) und Elisabetta (Don Carlo) auf der Bühne nie gesungen hat). Schade, dass sie nicht die Gelegenheit bekommen hat, 1960 in Soltis erster Aufnahme des Werks neben Bergonzi, McNeil und Simionato und statt der unidiomatischen Nilsson die Partie der Amelia zu singen.

Pavarotti singt den Riccardo klangschön und gelöst, nicht so differenziert wie später unter Solti (neben M. Price/Bruson/Ludwig), aber technisch besser und freier als in der zweiten Aufnahme. Leider passt sein heller, hoher Tenor überhaupt nicht zur eingedunkelten Stimme der Tebaldi.
Sherrill Milnes ist ein etwas platter und uninspirierter Renato, er singt grob und etwas monoton, keine Konkurrenz für Bruson oder Cappuccilli, geschweige denn für Gobbi, Bastianini oder Merrill.

Sehr furchteinflößend ist Regina Resniks großartige Ulrica, die vielleicht musikalisch nicht optimal bewältigt wird, aber wegen ihrer eindrucksvollen Charakterisierung sehr überzeugt. Helen Donaths Oscar ist ordentlich, die übrigen Partien sind rollendeckend besetzt.
Bartoletti dirigiert ordentlich, nicht mehr.


Madame Butterfly (Ital.)
Madame Butterfly (Ital.)
Wird angeboten von EliteDigital DE
Preis: EUR 23,95

3 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Gut, aber nicht großartig, 5. August 2011
Rezension bezieht sich auf: Madame Butterfly (Ital.) (Audio CD)
Auf den ersten Blick scheint dies eine wirklich grandiose Aufnahme zu sein, auf den zweiten hat sie jedoch geradezu übermächtige Konkurrenz. Zwar harmonieren die Stimmen von Tebaldi und Bergonzi perfekt, aber so ganz kann ich mich mit der Interpretation der Butterfly nicht anfreunden. Im Vergleich zu Renata Scotto oder Maria Callas ist Tebaldi eine wenig dramatische und etwas statuarische Geisha, deren Matronenhaftigkeit mich irritiert. Zwar produziert Tebaldi oft großen Wohlklang, aber ich finde die Stimmen von Victoria de los Angeles (unter Gavazzeni und Santini), Mirella Freni und Leontyne Price einfach schöner. Auch Tebaldi selbst klingt in der etwas hölzernen Aufnahme unter Erede aus dem Jahr 1951 frischer und glanzvoller.
Bergonzi kann man zudem in der grandiosen Aufnahme unter Barbirolli neben einer (wie gesagt) wesentlich differenzierteren und dramatischeren Butterfly (Scotto) hören. Zudem sind dort die Nebenrollen besser besetzt (Panerai als Sharpless).
Tullio Serafin dirigiert allerdings uneingeschränkt großartig, hätte er nur ein besseres Orchester zur Verfügung. Ansonsten ziehe ich die Produktionen unter Santini, Leinsdorf, Barbirolli und Karajan vor.


Puccini: Madama Butterfly (Gesamtaufnahme(ital.))
Puccini: Madama Butterfly (Gesamtaufnahme(ital.))
Preis: EUR 18,18

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Gut, aber nicht großartig, 5. August 2011
Auf den ersten Blick scheint dies eine wirklich grandiose Aufnahme zu sein, auf den zweiten hat sie jedoch geradezu übermächtige Konkurrenz. Zwar harmonieren die Stimmen von Tebaldi und Bergonzi perfekt, aber so ganz kann ich mich mit der Interpretation der Butterfly nicht anfreunden. Im Vergleich zu Renata Scotto oder Maria Callas ist Tebaldi eine wenig dramatische und etwas statuarische Geisha, deren Matronenhaftigkeit mich irritiert. Zwar produziert Tebaldi oft großen Wohlklang, aber ich finde die Stimmen von Victoria de los Angeles (unter Gavazzeni und Santini), Mirella Freni und Leontyne Price einfach schöner. Auch Tebaldi selbst klingt in der etwas hölzernen Aufnahme unter Erede aus dem Jahr 1951 frischer und glanzvoller.
Bergonzi kann man zudem in der grandiosen Aufnahme unter Barbirolli neben einer (wie gesagt) wesentlich differenzierteren und dramatischeren Butterfly (Scotto) hören. Zudem sind dort die Nebenrollen besser besetzt (Panerai als Sharpless).
Tullio Serafin dirigiert allerdings uneingeschränkt großartig, hätte er nur ein besseres Orchester zur Verfügung. Ansonsten ziehe ich die Produktionen unter Santini, Leinsdorf, Barbirolli und Karajan vor.
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La Boheme (Ga)
La Boheme (Ga)
Wird angeboten von Bessere_Musik ( 12-24 Tage Lieferzeit aus Kalifornien)
Preis: EUR 34,65

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Referenz mit kleinen Abstrichen, 5. August 2011
Rezension bezieht sich auf: La Boheme (Ga) (Audio CD)
Gewiß ist dies eine große Aufnahme (1958) dieses wunderbaren Werkes. Bergonzi singt elegant, klangschön und mit exemplarischer Technik, Ettore Bastianini veredelt die eigentlich etwas undankbare Partie des Marcello mit seinem herrlichen, wunderbar strömenden Bariton und Renata Tebaldi gibt eine sehr schöne und ergreifende Mimì. Auch Cesare Siepi ist als Colline allererste Wahl. Nicht ganz optimal erscheint mir Gianna d'Angelos etwas schrille und harte Musetta.
Auch das Orchester spielt unter dem großen Tullio Serafin (m.E. der bedeutendste italienische Operndirigent nach Toscanini) exemplarisch.

Dennoch scheint mir diese Aufnahme summa summarum ein wenig hinter den Produktionen Beechams (1956, mit de los Angeles/Björling/Merrill/Tozzi/Amara) und Karajans (1972, mit Freni/Pavarotti/Panerai/Ghiaurov/Harwood) zurückzustehen. Warum?

So sehr ich Renata Tebaldi schätze und bewundere - als Mimì sind ihr sowohl de los Angeles als auch Freni überlegen. Tebaldi wirkt in ihren Aufnahmen ab Ende der 50er Jahre für mich immer ein wenig matronenhaft, ein wenig zu reif für die jugendlichen Charaktere, die sie darstellt. Das gilt nicht nur für die vorliegende "Bohème", sondern auch für die fast gleichzeitig entsandenen "Madama Butterfly" unter dem gleichen Dirigenten, für die "Aida" unter Karajan und auch für die Minnie in Capuanas "Fanciulla del West".
Als Mimì klingt Freni einfach juveniler und frischer und de los Angeles berührt mich stärker, weil sie authentischer wirkt. Selbstverständlich ist ein solcher Eindruck rein subjektiv und im Vergleich mit Moffo, Caballé und Netrebko kann Tebaldi nach wie vor ohne weiteres bestehen.

Wer Tebaldis Mimì jedoch in Vollendung hören will, greift besser zur früheren Einspielung unter Erede (1950), die zwar keine Stereo-Aufnahme ist und unter einem einfallslosen und schleppenden Dirigat leidet, die Tebaldi aber auf der Höhe ihrer Kunst zeigt. Die Stimme entfaltet sich freier, erreicht die Höhe müheloser und hat einen samtigeren Klang. In Giancinto Prandelli, Giovanni Inghilleri und Raffaele Arié hat Tebaldi dort gute Partner, die leider nicht an das Ensemble Serafins heranreichen, aber eine mehr als akzeptable Leistung liefern.


La Boheme (Ga)
La Boheme (Ga)
Wird angeboten von nagiry
Preis: EUR 18,66

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Referenz mit kleinen Abstrichen, 5. August 2011
Rezension bezieht sich auf: La Boheme (Ga) (Audio CD)
Gewiß ist dies eine große Aufnahme (1958) dieses wunderbaren Werkes. Bergonzi singt elegant, klangschön und mit exemplarischer Technik, Ettore Bastianini veredelt die eigentlich etwas undankbare Partie des Marcello mit seinem herrlichen, wunderbar strömenden Bariton und Renata Tebaldi gibt eine sehr schöne und ergreifende Mimì. Auch Cesare Siepi ist als Colline allererste Wahl. Nicht ganz optimal erscheint mir Gianna d'Angelos etwas schrille und harte Musetta.
Auch das Orchester spielt unter dem großen Tullio Serafin (m.E. der bedeutendste italienische Operndirigent nach Toscanini) exemplarisch.

Dennoch scheint mir diese Aufnahme summa summarum ein wenig hinter den Produktionen Beechams (1956, mit de los Angeles/Björling/Merrill/Tozzi/Amara) und Karajans (1972, mit Freni/Pavarotti/Panerai/Ghiaurov/Harwood) zurückzustehen. Warum?

So sehr ich Renata Tebaldi schätze und bewundere - als Mimì sind ihr sowohl de los Angeles als auch Freni überlegen. Tebaldi wirkt in ihren Aufnahmen ab Ende der 50er Jahre für mich immer ein wenig matronenhaft, ein wenig zu reif für die jugendlichen Charaktere, die sie darstellt. Das gilt nicht nur für die vorliegende "Bohème", sondern auch für die fast gleichzeitig entsandenen "Madama Butterfly" unter dem gleichen Dirigenten, für die "Aida" unter Karajan und auch für die Minnie in Capuanas "Fanciulla del West".
Als Mimì klingt Freni einfach juveniler und frischer und de los Angeles berührt mich stärker, weil sie authentischer wirkt. Selbstverständlich ist ein solcher Eindruck rein subjektiv und im Vergleich mit Moffo, Caballé und Netrebko kann Tebaldi nach wie vor ohne weiteres bestehen.

Wer Tebaldis Mimì jedoch in Vollendung hören will, greift besser zur früheren Einspielung unter Erede (1950), die zwar keine Stereo-Aufnahme ist und unter einem einfallslosen und schleppenden Dirigat leidet, die Tebaldi aber auf der Höhe ihrer Kunst zeigt. Die Stimme entfaltet sich freier, erreicht die Höhe müheloser und hat einen samtigeren Klang. In Giancinto Prandelli, Giovanni Inghilleri und Raffaele Arié hat Tebaldi dort gute Partner, die leider nicht an das Ensemble Serafins heranreichen, aber eine mehr als akzeptable Leistung liefern.


Puccini, G.: Boheme (La) (Callas, Di Stefano, La Scala, Votto) (1956)
Puccini, G.: Boheme (La) (Callas, Di Stefano, La Scala, Votto) (1956)
Preis: EUR 15,98

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Callas als Mimì, 5. August 2011
Seit ihrem Erscheinen ist diese Aufnahme der "Bohème" eher etwas für hartnäckige Fans der Callas (wie mich). Die Mimì der Griechin hat harsche Ablehnung und Kritik erfahren, und ich kann die vorgebrachten Argumente gut nachvollziehen.

Verglichen mit den großen Mimì-Interpretinnen der LP-Ära (de los Angeles, Tebaldi, Freni) fehlt Callas Mimì der seidige Schmelz in der Stimme, die Weichheit und Zärtlichkeit, die die Szenen der Figur so berührend machen.
In der Tat gelingen Callas die unendlichen Melodiebögen weniger eindringlich als ihren Kolleginnen, und wer sich daran stört, mag zu den zu recht gerühmten Einspielungen Beechams, Serafin, Schippers' und Karajans greifen.

Auf der anderen Seite kann und will ich Callas' Interpretation nicht gänzlich verdammen, gelingt ihr doch auch hier, aus der etwas eindimensionalen Figur einen wirklichen Charakter zu formen. Ihre Mimì wirkt erwachsen, eigenständig und leidenschaftlich. Damit eröffnet Callas den Blick für Facetten der Rolle, die von anderen Sängerinnen nicht erschöpft worden sind. Meines Erachtens ist dies eine Bereicherung der Interpretationsgeschichte des Werks.

Was die übrige Besetzung angeht, muss sich die Aufnahme nicht hinter der Konkurrenz verstecken. Di Stefano ist ein wunderbarer Rodolfo, technisch nicht ganz so einwandfrei wie Björling, Bergonzi, Gedda oder Pavarotti, aber nicht weniger authentisch und klangschön.
Rolando Panerai klingt wesentlich frischer und klangvoller als in der späteren Karajan-Aufahme. Dennoch ziehe ich Bastianini vor. Zaccaria ist kein besonders eindrucksvoller Colline, aber Anna Moffo ist für mich die verführerischste Musetta aller Aufnahmen, auch wenn sie wenig genau singt.

Votto dirigiert ein wenig spannungslos und ohne Esprit.

Für Bewunderer der Callas ein must have, für alle anderen eine interessante Bereicherung der Sammlung.


Puccini: La Bohème (Gesamtaufnahme) (Aufnahme Mailand 1956)
Puccini: La Bohème (Gesamtaufnahme) (Aufnahme Mailand 1956)
Wird angeboten von hifi-max
Preis: EUR 19,76

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Callas als Mimì, 5. August 2011
Seit ihrem Erscheinen ist diese Aufnahme der "Bohème" eher etwas für hartnäckige Fans der Callas (wie mich). Die Mimì der Griechin hat harsche Ablehnung und Kritik erfahren, und ich kann die vorgebrachten Argumente gut nachvollziehen.

Verglichen mit den großen Mimì-Interpretinnen der LP-Ära (de los Angeles, Tebaldi, Freni) fehlt Callas Mimì der seidige Schmelz in der Stimme, die Weichheit und Zärtlichkeit, die die Szenen der Figur so berührend machen.
In der Tat gelingen Callas die unendlichen Melodiebögen weniger eindringlich als ihren Kolleginnen, und wer sich daran stört, mag zu den zu recht gerühmten Einspielungen Beechams, Serafin, Schippers' und Karajans greifen.

Auf der anderen Seite kann und will ich Callas' Interpretation nicht gänzlich verdammen, gelingt ihr doch auch hier, aus der etwas eindimensionalen Figur einen wirklichen Charakter zu formen. Ihre Mimì wirkt erwachsen, eigenständig und leidenschaftlich. Damit eröffnet Callas den Blick für Facetten der Rolle, die von anderen Sängerinnen nicht erschöpft worden sind. Meines Erachtens ist dies eine Bereicherung der Interpretationsgeschichte des Werks.

Was die übrige Besetzung angeht, muss sich die Aufnahme nicht hinter der Konkurrenz verstecken. Di Stefano ist ein wunderbarer Rodolfo, technisch nicht ganz so einwandfrei wie Björling, Bergonzi, Gedda oder Pavarotti, aber nicht weniger authentisch und klangschön.
Rolando Panerai klingt wesentlich frischer und klangvoller als in der späteren Karajan-Aufahme. Dennoch ziehe ich Bastianini vor. Zaccaria ist kein besonders eindrucksvoller Colline, aber Anna Moffo ist für mich die verführerischste Musetta aller Aufnahmen, auch wenn sie wenig genau singt.

Votto dirigiert ein wenig spannungslos und ohne Esprit.

Für Bewunderer der Callas ein must have, für alle anderen eine interessante Bereicherung der Sammlung.


Puccini: La bohème (Gesamtaufnahme(ital.))
Puccini: La bohème (Gesamtaufnahme(ital.))
Preis: EUR 17,26

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Referenz mit kleinen Abstrichen, 5. August 2011
Gewiß ist dies eine große Aufnahme (1958) dieses wunderbaren Werkes. Bergonzi singt elegant, klangschön und mit exemplarischer Technik, Ettore Bastianini veredelt die eigentlich etwas undankbare Partie des Marcello mit seinem herrlichen, wunderbar strömenden Bariton und Renata Tebaldi gibt eine sehr schöne und ergreifende Mimì. Auch Cesare Siepi ist als Colline allererste Wahl. Nicht ganz optimal erscheint mir Gianna d'Angelos etwas schrille und harte Musetta.
Auch das Orchester spielt unter dem großen Tullio Serafin (m.E. der bedeutendste italienische Operndirigent nach Toscanini) exemplarisch.

Dennoch scheint mir diese Aufnahme summa summarum ein wenig hinter den Produktionen Beechams (1956, mit de los Angeles/Björling/Merrill/Tozzi/Amara) und Karajans (1972, mit Freni/Pavarotti/Panerai/Ghiaurov/Harwood) zurückzustehen. Warum?

So sehr ich Renata Tebaldi schätze und bewundere - als Mimì sind ihr sowohl de los Angeles als auch Freni überlegen. Tebaldi wirkt in ihren Aufnahmen ab Ende der 50er Jahre für mich immer ein wenig matronenhaft, ein wenig zu reif für die jugendlichen Charaktere, die sie darstellt. Das gilt nicht nur für die vorliegende "Bohème", sondern auch für die fast gleichzeitig entsandenen "Madama Butterfly" unter dem gleichen Dirigenten, für die "Aida" unter Karajan und auch für die Minnie in Capuanas "Fanciulla del West".
Als Mimì klingt Freni einfach juveniler und frischer und de los Angeles berührt mich stärker, weil sie authentischer wirkt. Selbstverständlich ist ein solcher Eindruck rein subjektiv und im Vergleich mit Moffo, Caballé und Netrebko kann Tebaldi nach wie vor ohne weiteres bestehen.

Wer Tebaldis Mimì jedoch in Vollendung hören will, greift besser zur früheren Einspielung unter Erede (1950), die zwar keine Stereo-Aufnahme ist und unter einem einfallslosen und schleppenden Dirigat leidet, die Tebaldi aber auf der Höhe ihrer Kunst zeigt. Die Stimme entfaltet sich freier, erreicht die Höhe müheloser und hat einen samtigeren Klang. In Giancinto Prandelli, Giovanni Inghilleri und Raffaele Arié hat Tebaldi dort gute Partner, die leider nicht an das Ensemble Serafins heranreichen, aber eine mehr als akzeptable Leistung liefern.


Verdi:Don Carlos
Verdi:Don Carlos
Wird angeboten von colibris-usa
Preis: EUR 113,41

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Erste Einspielung der fünfaktigen Modena-Fassung, 4. August 2011
Rezension bezieht sich auf: Verdi:Don Carlos (Audio CD)
Gut, dass diese Aufnahme des "Don Carlo" wieder erhältlich ist, handelt es sich doch um die erste Einspielung der fünfaktigen Modena-Fassung des Werkes und eine Produktion, die sich neben den berühmteren Versionen unter Solti und Giulini nicht verstecken muss.

Santini dirigiert solide und kompetent, das Orchester der Mailänder Scala spielt inspiriert und klangvoll.

Flaviano Labò ist sicher kein Sänger in der Klasse Carlo Bergonzis oder Domingos, aber seine Stimme klingt schön und voluminös. Sein Porträt des innerlich zerrissenen Infanten überzeugt. Antonietta Stella und Boris Christoff waren schon in Santinis erster Einspielung des Don Carlo (vieraktige Version; mit Fillipeschi, Gobbi, Nicolai) zu hören. Stella kann ihren Erfolg wiederholen, auch wenn Caballé klangschöner und freier singt und Tebaldi die Figur reicher gestaltet. Boris Christoff als Philipp II. ist einmal mehr großartig, seine etwas rauhe, sehr individuelle Stimmfarbe ist wie geschaffen für den einsamen, strengen König. Auch die blutjunge Fiorenza Cossotto kann als Prinzessin Eboli überzeugen.
Einen weiteren Höhepunkt der Aufnahme stellt Ettore Bastianinis Marquis Posa dar. In keiner anderen Aufnahme wird diese Partie so schön, so klangvoll und strömend gesungen. In dieser Hinsicht deklassiert er nicht nur Fischer-Dieskau und Sherill Milnes, sondern auch Gobbi und Cappuccilli.
Ein Schwachpunkt ist leider Ivo Vincos wenig furchteinflößender Großinquisitor.

Alles in allem eine gute Aufnahme ohne Schwachpunkt.


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