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Rezensionen verfasst von
Der Wanderer "Der Wanderer" (Unterfranken,Bayern)

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Tristan und Isolde [Gesamtaufnahme]
Tristan und Isolde [Gesamtaufnahme]

16 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Tristan in der Tradition Furtwänglers, 29. Mai 2007
Man darf der BBC und Eastwest dankbar für die Veröffentlichung dieses konzertanten Tristans sein. Ohne die ganz großen Namen zu bieten, reiht er sich würdig in die ganz großen Aufnahmen von Furtwängler und Kleiber ein. Auch die - sicher nicht schlechte - Aufnahme mit Domingo/Stemme/Pappano überragt sie.

Das ist in erster Linie das Verdienst von Donald Runnicles und dem BBC Orchester. Es ist ein dunkel glühender, schmerzhaft-intensiver Tristan. Der sog. "deutsche Klang", dank Thielemann und Barenboim ja in aller Munde ist auch in England zu finden. Runnicles Tristan ersteht auf einem mächtigen Bassfundament, die im Tristan ja seltenen Orchesterentladungen kommen wuchtig, kraftvoll, aber nie schneidend. Die Balance zwischen Orchester und Singstimmen ist hervorragend - ein Lob auch an die Techniker. Runnicles versteht wohl sein Handwerk, etwa die heikle Stelle im 3.Akt kurz vor Tristans Tod bei den Worten "Die mir die Wunde ewig schließe" (bei der die meisten Tenöre zugedeckt werden)gelingt hervorragend mit kraftvollem Orchester während der Gesangspause und dann wieder sofortiger Rücknahme, ohne anämisch zu wirken.

Neben der handwerlichen Sicherheit beeindruckt die wahrhaft Furtwänglersche Disposition, in ruhigen Tempi führt uns Runnicles in die dunkle Tristan-Stimmung und hält die Spannung über 4 Std. 10 Min. Traumhaft und weltentrückt der Liebestod im exakten Tempo wie 2.Akt bei "So starben wir..." - insgesamt eine große Interpretation, die eigentlich eine Fahrkarte nach Bayreuth wert sein sollte.

John Treleaven ist ein liveerprobter Tristan (im Gegensatz zu Domingo). Manchmal ein paar gequetschte Töne, aber gerade im 3. Akt zeichnet er ein intensives Rollenporträt, er weiß was er singt. Für mich - ist natürlich subjektiv - besser als Kollo, Jerusalem, Domingo. Christine Brewer, bei uns auch nicht so bekannt, singt die Isolde auch mit großem Engagement, großer Stimme und sicherer Höhe. Dagmar Peckowa ist eine helle, jugendlich wirkende Brangäne und Boaz Daniel empfiehlt sich auch für größere Rollen, da fragt man sich schon, warum in Bayreuth ausgesungen Baritöne wie Schmidt oder Welker zu hören sind.

Ein wenig ungerecht gegenüber den Mühen des Titelpaares ist die beste gesangliche Leistung (wie bei der Pappano-Aufnahme) der Marke: Peter Rose ist nicht ganz so edel wie Rene Pape, aber vielleicht noch intensiver. Eine mächtige, sicher geführte Basstimme, hervorragende Artikulation - diese Klage geht unter die Haut.

Wie oben schon gesagt, trifft das BBC Orchester Wagners Tonfall hervorragend. Eine klare Empfehlung für diese "Außenseiteraufnahme", sowohl für den Einsteiger als auch den, der schon viele Aufnahmen hat.

Ein flabsiger bekannter Kririker würde vielleicht sagen: Furtwängler reloaded!


Ein Heldenleben
Ein Heldenleben
Preis: EUR 13,99

16 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Oberflächlicher Streicherglanz, 7. Juni 2006
Rezension bezieht sich auf: Ein Heldenleben (Audio CD)
Der Hype um den smarten Sir in Berlin hat sich schnell gelegt und in der Berliner Presse rumort es auch wohl schon. Sinnlos ist es aber, Rattle gegen Barenboim oder Thielemann auszuspielen. Vielleicht hätte man sich lieber seine äußerst durchschnittlichen früheren CDs anhören sollen.

Die zwei Sterne gebe ich denn auch nur aufgrund des Bürgers als Edelmann, im Studio ordentlich eingespielt, nicht mehr nicht weniger. Besonderen Witz oder Charme findet sich aber auch da nicht, aber zumindest Detailgenauigkeit und eine gewisse Schärfe.

Die fehlen aber bei dem Live-Mitschnitt des Heldenlebens völlig. So stromlinienförmig an der Oberfläche entlang hat ja nicht mal Karajan dirigiert. Die Streicher decken alles zu, das Blech agiert unpräzise, die Intonation bei der Kritikerstelle in den Holzbläsern ist unsauber. Der Solist agiert nur noch überdreht. Nebenstimmen wie etwa die Staccato-Trompeten in der grandiosen Einleitungssequenz hört man garnicht, vieles klingt einfach schlampig. Vielleicht war es live ein Ereignis, aber die CD muss sich der Konkurrenz stellen und die ist beim vielgeschmähten Heldenleben groß.

So zeigen Thielemann und die Wiener in der ebenfalls live und vor kurzem eingespielten CD bei der DGG, welche Ungeheuerlichkeiten in dieser Partitur stecken. Welche grotesken Entwicklungen der Klassikmarkt nimmt, lässt sich am Heldenleben auch ganz gut belegen: Da verhökert die EMI Schätze wie die Gesamtaufnahme der Orchesterwerke von Strauss mit Rudolf Kempe und der Staatskapelle Dresden an eine Billigfirma. Für eine Rattle-CD gibt es so fast den kompletten Strauss mit d e m Straussorchester. Kempes schlankes und präzises Dirigat ist ja für Strauss so etwas wie Bruckner aus der Hand von Günter Wand. Zwischen den Extremen Thielemann und Kempe ist dieser Mitschnitt nicht mal mittelmäßig.


Parsifal (Ga)
Parsifal (Ga)
Preis: EUR 29,99

34 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Thielemanns Parsifal, 29. Mai 2006
Rezension bezieht sich auf: Parsifal (Ga) (Audio CD)
Auch wenn der Name Domingo werbeträchtiger auf dem Cover winkt, ist doch Thielemann der Mittelpunkt dieser Aufnahme. Wie kaum ein Dirigent heute spaltet Thielemann, wobei viele Gründe im außermusikalischen zu sehen sind - sein unglückliches Verhalten in Berlin, seine Schnoddrigkeit, sein angeblicher Konservativismus. Als Klassikhörer bin ich niemandens Fan, Thielemanns Parsifal-Sicht begeistert mich aber so, dass ich dafür schon mal 5 Sterne gebe, auch wenn manches nicht perfekt ist. Dabei ruhen ja einige Parsifal-Aufnahmen in meinem Schrank (der Kna, Solti, Barenboim, Levine, Boulez, Kubelik), wobei in der letzten Zeit Boulez (Bayreuth 1970) und Kubelik (Symphonie-Orchester des BR - allein Kurt Moll lohnt schon die Aufnahme) meine Favoriten waren und die langsamen Aufnahmen mich nicht mehr so begeistern. Die neue Aufnahme wird die Boulez und Kubelik nicht verdrängen, ergänzt sie aber durch wirkungsvollen Kontrast.

Das wichtigste für mich: Thielemann vertreibt jede Heiligkeit, das ist kein Bühnenweihfestspiel (allein bei diesem Wortungetüm möchte ich wieder zu Wagner sagen "si tacuisses...")sondern eine spannnende, hochdramatische Oper. Der Klang aus dem offenen Wiener Orchestergraben ist geradezu diametral gegenüber dem Bayreuther Mischklang. Hier mischt sich fast nichts, die Partitur gewinnt an Härte und bohrender Expressivität. Debussy ist da weit weg, der späte Bruckner und Mahler näher. Thielemann treibt den Parsifal auch rhythmisch konsequent voran, ohne an den Höhepunkten dann noch schneller zu werden und die Konturen zu verwischen. Atemberaubend die Verwandlungsmusik im 1.Akt und das Vorspiel zum 2., niederschmetternd die Verwandlungsmusik im 3.Akt, wo er an die Grenze des akustisch erträglichen geht. Kaum Schön- und Schwelgklang, sondern holzschnitthaft durchgezeichnet. Die Klasse der ja durchaus schwierigen Wiener zeigt sich, dass sie sich voll auf dieses Konzept einlassen, intensiv bis zur Wildheit spielen und weihevoller Schönklang vermieden wird.

Das Klangbild ist dazu recht orchester- und bassbetont.

Da liegt denn auch die Gefahr dieses Mitschnitts: Auch wenn sie nicht zugedeckt werden, haben es die Sänger viel schwerer als in Bayreuth, sich durchzusetzen und eindrucksvoll zu profilieren. Wie Michael Wersin schon schreibt, sind es wirklich auch nicht die jungen frischen Sänger. Die gibt es schon, z.B. im Berliner Parsifal in der Lindenoper mit Burkhard Fritz und Rene Pape. Aber wer kauft schon einen Parsifal mit Burkhard Fritz? Dabei macht Altstar Domingo seine Sache noch ordentlich, von seinen üblichen Sprachproblemen wollen wir garnicht mehr reden. Hat man Rene Pape als Gurnemanz im Ohr, ist man aber von Selig schon enttäuscht, in der Tiefe noch ganz ordentlich, bei der grandiosen Stelle (auf die alle warten) "So wart es uns verhießen.." kann er sich am Ende nur noch in die Höhe hauchen.

Selbst das Riesenorgan von Struckmann hat auf der CD Probleme mit der Durchschlagskraft, was live ja nicht der Fall gewesen sein soll. Dabei bemüht der sonst so rauhbeinige Sänger sich um Differenziertheit. Über Waltraud Meier lasse ich auch nach vielen Dienstjahren nichts kommen, an ihrer Gestaltung und Artikulation sollten sich jüngere ein Vorbild nehmen (z.B. deYoung in Bayreuth).

Also kein Parsifal für Stimmfetischisten und Karfreitagshörer. Das Drama lebt dank Thielemann und den Wienern. Wers dann doch ein bisschen weihevoller und klangschöner mag, dem empfehle den immer unterschätzten Kubelik (Arts) mit dem grandiosen Kurt Moll und einer ansonsten sehr soliden Sängerbesetzung.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 7, 2013 11:11 PM MEST


Sinfonie 9 "Die Grosse"
Sinfonie 9 "Die Grosse"
Wird angeboten von westworld-
Preis: EUR 15,57

30 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Geglückte Synthese, 3. Februar 2006
Rezension bezieht sich auf: Sinfonie 9 "Die Grosse" (Audio CD)
An Aufnahmen von Schuberts großer C-Dur-Sinfonie herrscht wahrlich kein Mangel. Mit Furtwängler, dreimal Günter Wand und Riccardo Muti liegen auch völlig unterschiedliche, aber für mich Maßstäbe setzende Aufnahmen vor. Rattles neue Aufnahme stellt sich daneben würdig in einer eigenen, neuen Weise. Er übernimmt Spieltechniken der sog. "Orignalklang"-Dirigenten, die alle bisher mehr oder weniger an Schubert gescheitert sind (Norrington, Gardiner, Harnoncourt, Mackerras - Schubert geht halt nicht im zackigen Eilzugtempo).
Die Berliner spielen mit Hingabe und Leidenschaft, ein großes kammermusikalisches Ensemble - welch eine Entwicklung seit Karajan. Rattle lässt der Musik Raum und Luft zum Atmen, eine riesige, herbstliche Sommerwanderung entsteht vor unserem Ohr, ein schier endloses, manisches Wandern letztlich ohne Ziel und Ergebnis. Das Doppelbödige der Sinfonie wird genau getroffen.
Die schwierigen Temporelationen im ersten Satz meistert Rattle souverän und ohne die berüchtigten Hauruck-Accelerandi und Ritardandi in den verschiedenen Übergängen zwischen den Motiven aus der Einleitung und dem Allegro-Teil. Höhepunkt der Aufnahme ist das Andante, dessen erst fröhliches Marschieren gefährlich aus dem Tritt gerät, dessen Rhythmus sich zwanghaft verselbständigt, wie eine Schallplatte mit einem Sprung, die nicht weiter läuft. Erst im Adagio von Bruckners Neunter wird wieder so ein Zusammenbruch komponiert werden, bevor er bei Mahler quasi beliebig in jeder Sinfonie eingesetzt wird. Gespenstisch und tonlos die ersten Pizzicati danach - das ist eine wirkliche grandiose Durchdringung, die Rattle und die Berliner hier leisten.
Der Klang ist drahtig, kraftvoll und trotzdem leicht. Mit gewaltigen, aber nicht aufgesetzten Paukenschlägen endet ein einstündiger und immer faszinierender musikalischer Gang, um bei der Wanderer-Assoziation zu bleiben.
Als Resume vielleicht folgender Gedankengang: Große Werke werden immer neue Interpretationen hervorrufen, Lust am Vergleichen wecken und qualitätvolle Aufnahmen immer willkommen sein. Schön, das trotz angeblicher Klassik-Krise doch noch Studio-Aufnahmen produziert werden. Dazu scheinen sich nun die großen traditionnellen Orchester intensiv mit dem sog. Originalklang (wie auch immer dieser aussieht) auseinander zu setzen.In diesem Fall ist eine geglückte Synthese aus verschiedenen Interpretationsansätzen gelungen.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 11, 2013 10:08 AM MEST


Wagner: Tristan und Isolde
Wagner: Tristan und Isolde
Wird angeboten von FastMedia "Versenden von USA"
Preis: EUR 88,63

30 von 37 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Dramatisch mitreißend, 11. Juli 2005
Rezension bezieht sich auf: Wagner: Tristan und Isolde (Audio CD)
Obwohl diese Aufnahme das Bayreuther Traumpaar der frühen neunziger Jahre verewigt, kam sie bei der hohen Kritik nie sonderlich gut weg. Das liegt sicher auch daran, dass sich die Hohenpriester der Wagnerkritik voll auf Furtwängler festgelegt haben und anderen Aufnahmen keine Chance geben. Dazu kommt, dass man Barenboim wohl nicht positiv bewerten kann.
Wenn man unvereingenommen diesen inzwischen ja auch preisgünstigen Tristan hört, bleibt folgendes:
Barenboim heizt die Berliner Philharmoniker zu einem dunklen, oft rauen und für mich immer leidenschaftlichen und warmen Tristan an. Den Orchesterklang dominieren die kraftvollen Hörner, was aber nicht heißt, das der Streicherklang dünn ist. Es wird mit dickem Pinselstrich gemalt. Das hat eine direkte Attacke, die sicher manchen feinfühligen erschreckt. Er ist hier eher auf der Linie mit Karl Böhm, wenn man Furtwängler und Kleiber auf der lyrisch-sensualistischen Seite sieht. Das Orchester ist sehr präsent, überdeckt (auf meiner Anlage) die Stimmen aber nicht (im hochgelobten Soltiring klingen die Stimmen viel dünner im Blechgewitter). Barenboim kann auf seine Art wie Furtwängler und Kleiber Klänge im Raum stehen und schweben lassen, die Kunst des Übergangs beherrscht er wie kein anderer heute, man höre nur den Beginn des 2.Aktes wie der Hörnerklang sich in das Holzbläsermurmeln des Baches auflöst oder schon den aus dem Nichts kommenden Anfang.
Waltraud Meier ist für mich die bewegendste Isolde, keine interpretiert die Erzählung im 1.Akt so vielgestaltig zwischen Haß und Liebe. Die dunkle Stimme verströmt auch ein gewisses Maß an Eros gegenüber der doch sehr altbackenen Flagstadt, der stählernen Nilsson, der sicher traumhaft schönen, aber leidenschaftslosen Price. Dazu eine hervorragende Textverständlichkeit und immer eine intellegente Gestaltung. Wenn ab dem 2.Akt dann Tristan immer mehr die Führung im Werk übernimmt, bleibt sie doch emanzipiert. Auch heute noch ist sie live eine immer noch bewegende Isolde.
Ihr Partner Jerusalem hat da natürlich vom Stimmmaterial einen schweren Stand, er klingt immer ein wenig stumpf und nasal. Aber auch er identifiziert sich total, leidet großartig und vermag die lyrischen Stellen im 2.Akt auch zu "singen". Wie unbeteilgt klingt da z.B. Moser bei Thielemann, obwohl auch noch live aufgenommen. Sicher hat Suthaus eine monumentalere Stimme, aber er kommt immer schwer in die Gänge und mogelt in der Höhe. Windgassen bei Böhm wird von der Nilsson niedergesungen (sie schildert in ihren Memoiren ja Windgassens Art des Durchmogelns). Meier und Jerusalem harmonieren im Gegensatz auch zu Behrens/Hofmann, Dernesch/Vickers und Price /Kollo wirklich. Die zentralen Stellen des Liebesduetts sind ein wirklicher Liebes- und Klangrausch, die schwierige Balance der "Handlung", die ja jeden vordergründigen sexuellen Aspekt meidet, obwohl ja hörbar nicht nur Gänseblümchen gepflückt werden, ist für mich gut getroffen.
Salminen und Struckmann singen wie man sie kennt, rauh, aber herzlich. Die Lipovsek hat mit den dramatischen und hohen Stellen Probleme, erinnert in den gelungenen lyrischen Passagen an Christa Ludwig. Johan Botha gibt als Melot eine Visitenkarte für die Zukunft ab. Sehr schön auch der Beginn mit Uwe Heilmann als jungem Seemann.
Fazit: Den perfekten Tristan gibt es nicht, als leidenschaftlich-kraftvolle und auch spannende Aufnahme kann ich sie insb. Neueinsteigern, die sich an dieses extreme Werk annähern, empfehlen. Daher die volle Punktzahl. Wer sich dann in das Werk verstrickt, wird sicher um Furtwängler und Kleiber nicht herumkommen.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 21, 2013 1:09 PM CET


Parsifal
Parsifal
Preis: EUR 49,99

82 von 86 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Musikdrama statt Bühnenweihe, 15. Januar 2004
Rezension bezieht sich auf: Parsifal (Audio CD)
Diese Aufnahme des bayer. Rundfunks unter dem unvergessenen Rafael (nicht Jan !!!) Kubelik ist eine Legende und der Fa. Arthaus ist zu danken, dass sie nun nach fast einem Vierteljahrhundert veröffentlicht wurde. Welche obskuren rechtlichen oder wirtschaftlichen Gründe dazu führten, dass diese Aufnahme einmal im Rundfunk gesendet wurde und dann im Archiv verschwand, weiß ich nicht. Zufällig entstand halt Karajans Hochglanz-Parsifal mit viel schlechteren Sängern wohl zur gleichen Zeit...
Zusammen mit Kubeliks Meistersinger von 1967, die ebenfalls von arthaus nun veröffentlicht wurden und mit Thomas Stewart voran über die wohl beste Sängerbesetzung verfügen (und dem von der DG jetzt günstig verkauften Lohengrin) zeigen sie einen großen, ernsten Interpreten weit entfernt vom Bild des böhmischen Musikanten, das von Kubelik noch so übrig geblieben ist.
Kubeliks Parsifal ist monumental, brucknerisch, der Klang der Aufnahme geradzu entgegengesetzt dem Bayreuther Mischklang oder Karajans "Impressionismus". Dadurch wird aber auch die ganze Härte des Wagnerschen Spätstils deutlich, da ist nichts süsslich und trotz Brucknernähe sind die massiven Choräle und Glocken des "Oberkirchenrats Wagner" (so Wagners selbstironische Widmung der Partitur an Nietzsche)kein Kniefall vor Rom sondern Teil des Dramas. Kubelik vermeidet große Temposchwankungen a la Furtwängler oder Barenboim, die meistens ja darauf hinauslaufen: leise = langsam, laut = schnell. Dadurch, dass er z.B. in den Verwandlungsmusiken das Tempo nicht anzieht, erreichen sie eine ungeheure Intensität, wie sie die anderen Schallplatten-Parsifale (außer vielleicht Levines BT-Livemitschnitt von 85) nicht erreichen.
Kurt Moll gibt geradezu eine sängerische Lehrstunde, er gestaltet sehr menschlich, ist viel präsenter als bei Karajan oder der Levine-Studio-Aufnahme. Sein Gurnemanz ist nie langweilig, die Stimme verfügt über alle Facetten von zarter Wehmut bis zu fast heldenbaritonalen Ausbrüchen, wobei der Basskern immer vorhanden ist. James King am Karriereende sicher nicht mehr strahlend, aber immer noch heldentenoral, Yvonne Minton sehr dramatisch, nicht so weich wie die Ludwig, eher wie die junge Meier. Weikl und Mazura in ihren Glanzparien auch auf ihren stimmlichen Höhepunkten, ohne die bei ihnen sonst leider oft zu hörenden Manierismen.
Der nicht weit hinten in der Gruft singende Salminen ist mit seinen drohenden "Enthüllet den Gral" fast schon allein den Kauf wert.
Blumenmädchen ( mit Lucia Popp !!!) und Chöre auf allerhöchsten Niveau.
Und abschließend braucht man für diese Aufnahme kein Textbuch, so textverständlich wird gesungen. Fazit: ernste Konkurrenz zu Soltis Wiener Parsifal, klanglich sogar noch "satter". Und eine wunderschöne Erinnerung an Rafael Kubelik!


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