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Rezensionen verfasst von
Grobi "Borussenleser"

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Young Elites - Die Gemeinschaft der Dolche
Young Elites - Die Gemeinschaft der Dolche
von Marie Lu
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,95

4.0 von 5 Sternen Spannender Auftakt ... wenn man einen Draht zur Hauptfigur findet, 7. Mai 2017
Adelina wurde vom geheimnisvollen Blutfieber befallen, das bei den Erkrankten seltsame körperliche Merkmale verursacht und mitunter übernatürliche Fähigkeiten weckt. Genannt werden diese Gezeichneten Malfettos. Adelina hat das Blutfieber ein Auge gekostet und ihre schwarzen Haare, die jetzt silbrigweiß sind. Ungewöhnliche Fähigkeiten zeigt sie zur Enttäuschung ihres hartherzigen Vaters aber nicht, der Adelina auf brutale Weise spüren lässt, dass er ein Malfetto-Kind verabscheut. Adelina läuft davon und wird von der Gemeinschaft der Dolche rekrutiert, die gegen den König rebellierende Elite der Malfettos. Doch auch hier - unter ihresgleichen - stößt Adelina auf Feindseligkeit. Plötzlich und verspätet erwacht eine Kraft in ihr, mit der sie völlig überfordert ist. Das wiederum weckt das Misstrauen der anderen Malfettos. Und so kämpft Adelina nicht nur gegen ihre eigenen Dämonen, sondern auch gegen die Zweifel, die die Gruppe gegen sie hegt. Und schließlich ist da noch ein weiterer, sehr mächtiger Gegner.

Marie Lu arrangiert ihre Handlung hier rund um eine ungewöhnlich dunkle, zerrissene Heldin, an der sich die Geister scheiden. Manche finden Adelina Amouteru unerträglich unsympathisch, andere sind von ihr fasziniert. Ich selbst hatte von der ersten Seite an kein Problem mit ihr. Ehrlich gesagt hatte ich - vage einige Rezensionen im Kopf - eine sehr viel schurkischere Adelina erwartet. Ja, es passieren schlimme Dinge in der Geschichte und Adelina mischt kräftig mit. Jedoch hat Marie Lu viel Arbeit in Adelinas Biografie gesteckt und konnte mir auf eine sehr nahe gehende Weise vermitteln, warum ein normales Mädchen viele dunkle Gefühle in sich aufstaut - Wut und Angst, Ekel vor sich selbst, aber auch sturen Stolz, zähen Selbstbehauptungswillen und bisweilen die schiere Freude am Gefühl der Macht über andere. Tatsächlich zündet die Geschichte aber wohl nur dann, wenn man einen Draht zur Hauptfigur findet. Denn, obwohl es ein paar Perspektivwechsel gibt, erlebt man den Großteil der Ereignisse aus Sicht dieser sehr gespaltenen Heldin.

Mich konnte das Buch total fesseln, wobei die Faszination eben vor allem über das Mitfiebern und Hoffen mit Adelina entstand. Ich habe mir die ganze Zeit gewünscht, Adelina möge ihren Platz bei den Dolchen finden und hatte Angst, sie wird von ihrer dunklen Seite überwältigt. Adelina begeht Fehler. Ja. Normalerweise rümpfe ich die Nase über Heldinnen, die blindlings in Fallen tappen, die man als Leser lange voraus ahnt. Hier störte es mich ausnahmsweise nicht. Marie Lu erklärt jeden Schritt und jedes Gefühl Adelinas nachvollziehbar. Sie führt eine junge Frau vor Augen, die entwurzelt ist und deshalb zwischen ihrer dunklen und hellen Seite hin und her pendelt. Das macht Adelina teilweise zur Antiheldin, mir aber trotzdem nicht unsympathisch. Adelina kann grausam sein, ist aber selbst oft erschrocken darüber und bot mir damit immer noch ausreichend Identifikationsraum. Sogar sehr viel mehr, als viele andere Heldinnen dieses Genres. Der entscheidende Türöffner zur Figur war für mich jedoch Adelinas Liebe zu ihrer Schwester Violetta, der ein Mosaik aus widerstreitenden Gefühlen innewohnt, und in der sich die ganze Tortur ihrer Kindheit spiegelt.

Das Tempo ist etwas langsamer, aber es gibt einen (fast) durchgehend konstanten Spannungsbogen, resultierend aus vielen inneren und offenen Auseinandersetzungen der Protagonisten, garniert mit etwas Action und einer sich anbahnenden Liebe, die unter keinem glücklichen Stern steht. Als Kulisse dient ein märchenhaftes, venezianisch anmutendes Reich mit Gondeln, Wasserwegen und schillernden Masken. Allerdings - und da bekam mein Lese-Hochgefühl dann doch ab und zu einen Dämpfer - fehlten mir häufig genauere Beschreibungen. Viele Situationen beschwörten ein Meer aus Farben in mir herauf, aber keine wirklichen Örtlichkeiten. Der Fortunata-Hof, die königliche Residenz, unterirdische Geheimgänge, magische Wesen - da entstanden nur selten Bilder in meinem Kopf und ich hätte gerne mehr davon an die Hand bekommen. Stattdessen hätte die Autorin auf einige modische Eindrücke verzichten können. Durch ihr detailliertes Schwelgen in Äußerlichkeiten empfand ich im Mittelteil einige Längen. Lieber hätte ich mehr über die Nebencharaktere erfahren, deren Namen und Fähigkeiten ich schon wieder vergessen habe, so blass blieben sie.

Fazit: Wer sich auf Adelina und ihre zerrissene Art einlassen kann, wird mit einem ungewöhnlichen literarischen Experiment belohnt. Angelegt als Jugendfantasybuch mit vielen bekannten Motiven, kitzelt Marie Lu hier jede Menge Facetten aus ihren Helden heraus. Das Verhältnis von Gut und Böse ist ausnahmsweise mal nicht starr, sondern bekommt in "Young Elites - Die Gemeinschaft der Dolche" Risse, die für mich einen besonderen Reiz hatten und über kleine Schwächen hinweg trösteten. Das offene Ende, mitsamt eines spektakulären Showdowns, lässt auf viel Spannung für die Fortsetzungen hoffen und ich bin sehr neugierig, was da noch kommen wird.


Emma, der Faun und das vergessene Buch
Emma, der Faun und das vergessene Buch
von Mechthild Gläser
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,95

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Magische Internatsgeschichte für jüngere Mädchen, 28. April 2017
Während Emma und ihre Freundinnen eine verwaiste Bibliothek in dem altehrwürdigen Internat Schloss Stolzenburg entrümpeln, entdeckt Emma in einem Geheimfach ein seltsames, verstaubtes Buch, von dem sie annimmt, es handele sich um eine Art Chronik der Schule. Weit gefehlt! Als Emma selbst einige Zeilen hineinschreibt, stellt sie zu ihrem Erstaunen fest, dass alles, was einmal in dem Buch steht, wahr wird … jedenfalls so ungefähr, denn das Ding ist etwas unheimlich und folgt seinen eigenen, unberechenbaren Gesetzen. Trotzdem experimentiert Emma damit herum und nutzt es auch, um den arroganten Darcy de Winter, ein Ex-Schüler, der für einige Wochen das Internat besucht, zu einem kleinen Eingeständnis zu bewegen.

Von „Emma, der Faun und das vergessene Buch“ war ich anfangs - ehrlicherweise - enttäuscht. Die Geschichte beginnt zwar beschwingt mit viel heimeligem Internatsflair und der geheimnisvollen Entdeckung des magischen Buches, doch danach dauerte es etliche Kapitel, ja fast ein Drittel des Buches, bis für mein Empfinden wirklich Spannung aufkam. Mechthild Gläser bannt mit viel Detailliebe Internatsalltag auf die Seiten und setzt ihr Augenmerk auf die Einführung der wichtigsten Figuren. Diese Beschreibungen sind gekonnt formuliert und haben viel Charme, zumal die Autorin eine kleine Liebesgeschichte einbaut, die an Jane Austens „Stolz und Vorurteil“ angelehnt ist. Doch für diesen sehr gemütlichen Einstieg war ich möglicherweise einfach zu ungeduldig, vielleicht auch zu weit von der anvisierten Zielgruppe entfernt, die dem nachgezeichneten Schulleben womöglich mehr abgewinnen kann.

Rückblickend bin ich froh, dass ich das Buch nicht zu schnell aufgegeben habe, denn obgleich ich bis zum Ende immer wieder Längen feststellen musste, entwickelte sich ein aufregendes Abenteuer - eine Mischung aus Märchen, Internatsgeschichte, Detektivroman und unschuldiger Romanze - das mich immer mehr gefangen nehmen konnte und auf diese Weise offen für viele schöne Komponenten werden ließ. Eine davon war Protagonistin Emma, ein selbstbewusstes, sympathisches Mädchen, das mich mit ihrer Ehrlichkeit und Schlagfertigkeit für sich einnehmen konnte. Eine zweite Stärke des Buches ist sein Humor, der mich oft zum Schmunzeln und Lachen brachte. Herzstück ist jedoch eine liebevoll erdachte magische Hintergrundgeschichte, die sich nach und nach vor dem Leser auffächert und zum Miträtseln einlädt, ein bisschen tragisch, sehr träumerisch und zunehmend spannend.

Als großer Fan von „Stolz und Vorurteil“ freute ich mich, etliche Handlungsstränge und Figuren des Originals so oder ähnlich, aber natürlich sehr viel undramatischer, pfiffiger und jugendlicher in der Geschichte wiederzufinden und ich staunte darüber, wie leicht sich der Klassiker in eine gänzlich andere Erzählung einfügte.

Einige Nebenfiguren, vor allem Emmas Freundinnen, hätte ich gerne noch mehr im Zentrum gesehen. Gleichzeitig habe ich positiv wahrgenommen, dass auf einige gängige Klischees des Genres angenehm verzichtet wurde. Statt Teeniedrama steht hier wirklich die Geschichte selbst im Vordergrund. Etwas irritiert hat mich das Alter der Protagonisten. „Emma, der Faun und das vergessene Buch“ wird ab 12 Jahren empfohlen und die Figuren agieren auf dieses Alter zugeschnitten, sollen aber 16 bzw. 20 Jahre alt sein. Das erschien mir nicht ganz glaubwürdig, aber ich habe dieses Wissen irgendwann einfach ausgeblendet und mich von Altersvorstellungen freigemacht, da sie für die Ereignisse eigentlich keine Rolle spielen.

Letztendlich konnte mich Mechthild Gläser trotz des nicht durchgehend konstanten Spannungsbogens mit ihrem märchenhaften Abenteuer sowie ihrer knuffigen „Pride-and-Prejudice“-Variante packen. Dazu beigetragen haben vor allem der erfrischende Tatendrang von Protagonistin Emma und die vielen schönen Ideen, die nach und nach zu einem stimmigen Ganzen zusammenlaufen und mich ganz in die muckelige Welt von Internat Schloss Stolzenburg eintauchen ließen. Vor allem jüngere Mädchen, die zwar gerne fantastische Geschichten lesen, den häufig darin enthaltenen dominanten Lovestories aber noch nichts abgewinnen können, werden sich in diesem Buch wohlfühlen - sofern sie geduldige Leserinnen sind.


Guides - Die erste Stunde
Guides - Die erste Stunde
Preis: EUR 10,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Spannendes Kopfkino - aber bitte nicht nach Logik fragen, 27. April 2017
Rezension bezieht sich auf: Guides - Die erste Stunde (Kindle Edition)
"Guides - Die erste Stunde" von Robison Wells ist - kurz gesagt - ein Fun-Read, eine unterhaltsame, spannende Geschichte für trübe Regennachmittage oder einen Sonnentag auf einer Decke im Park (sofern die Temperaturen irgendwann nochmal über 10 Grad steigen). Das Buch wäre eine prima Vorlage für einen Hollywoodfilm. Man müsste nichts verändern, sondern könnte es 1:1 als Drehbuch übernehmen. Und das meine ich nicht negativ, sondern als Lob. Ich hatte einige Stunden lang viel Spaß mit den „Guides“ und habe vor allem teuflisch lange herumgeknobelt, was es mit dem Rätsel um die Aliens auf sich hat … bin aber trotzdem nicht auf die Lösung gekommen. Der Autor hat mich gekonnt in die Irre geführt und einige Male überrascht.

Worum geht’s?
Um ein riesenhaftes Raumschiff, das mitten in Minnesota auf die Erde gestürzt ist und dabei zehntausende Menschen unter sich begraben hat. Niemand weiß, was sich in dem gigantischen UFO befindet, denn auch nach Tagen hat sich kein Ausstieg geöffnet und sich kein einziger Außerirdischer gezeigt. Möglicherweise ist das auch gut so, denn dass die Aliens nach diesem tragischen Crash wirklich Gutes im Sinn haben, wird von vielen bezweifelt. Auch von der 17-jährigen Alice, die von ihrem Vater, der für die NASA arbeitet und die Absturzstelle erkundet, auf ein Internat ganz in der Nähe der Katastrophe geschickt wird und damit eine beängstigende Nähe zu den Ereignissen hat.

Robison Wells leichten und längenfreien Schreibstil kannte ich schon. Er scheint eine Vorliebe für einen sehr direkten Einstieg und abgelegene Internate zu haben, denn beides findet man auch in seiner Dilogie „Du kannst keinem trauen“/“Ihr seid nicht allein“. Ansonsten aber hat die Handlung keine Ähnlichkeit. Viel verraten sollte man ohnehin nicht, denn der Clou ist, dass weder Alice noch der Leser eine Ahnung haben, was als nächstes geschieht. "Guides" ist anfangs pures Kopfkino, im wahrsten Sinne des Wortes, denn natürlich kommen nicht nur Alice und ihren neuen Internatsfreunden, sondern auch dem Leser sofort sämtliche Science-Fiction-Filme der letzten cineastischen Jahrzehnte in den Sinn - von ET bis Aliens. Alle Überlegungen münden in der einen, alles entscheidenden Frage: Was zur Hölle verbirgt sich in dem Raumschiff? Sind es kleine, schrumpelige, gutmütige Knuddelaliens oder aber menschenfressende Monster? Das wird natürlich nicht verraten. Als Leser weiß man immer exakt soviel wie Alice und darf sich gemeinsam mit ihr überraschen lassen.

Wie gesagt, hat mich der Autor hier (zu meiner großen Freude) an der Nase herumführen können. Er lässt bekannte Verschwörungstheorien einfließen, macht aber etwas Eigenes daraus und die Umsetzung hat für mich größtenteils funktioniert. Sehr großzügig hinwegsehen muss man allerdings über die Kompetenzen, die den Jugendlichen im Laufe der Geschichte zugestanden werden und die es ihnen ermöglichen, immer mitten im Geschehen zu sein. Das ist natürlich kompletter Unsinn. Aber sehr unterhaltsamer Unsinn.

Alice selbst, ein Teenager mit indianischen Wurzeln mütterlicherseits, ist eine schlagfertige und witzige Protagonistin, die den humorvollen Ton im Buch vorgibt und durch ihren Mut und ihre Offenheit zugleich eine echte Sympathieträgerin ist. Eine kleine Liebesgeschichte entwickelt sich auch, sehr angenehm und gleichberechtigt mitten in den Wirren um das Alienmysterium.

Das Finale ist gemessen an der ruhigen, fies-schlummernden Spannung des Hauptteils extrem kurz geraten, hier hätte ich mir einige Seiten mehr gewünscht und hatte den Eindruck, dass Wells seine Story nach einer ganz bestimmten Wendung möglichst schnell zu Ende bringen wollte. Das war etwas uninspiriert und unübersichtlich! Den Lesespaß hat es allerdings nicht ernsthaft getrübt. Es war trotzdem ein amüsantes und aufregendes, kompaktes, kurzweiliges Abenteuer!


Digby #02. Zu cool zum Sterben
Digby #02. Zu cool zum Sterben
von Stephanie Tromly
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Macht süchtig!, 23. April 2017
Irgendwann zwischen Band 1 und Band 2 bin ich zum absoluten Fangirl dieser Teenager-Detektiv-Serie mutiert. Dabei hatte ich durchaus einige Kritikpunkte zum ersten Buch. Die Handlung war mir teilweise zu überdreht und warum sich Zoe so unreflektiert an den doch ziemlich dreisten Digby gehängt hat, habe ich auch nicht ganz verstanden. Viele Aktionen der beiden Hauptfiguren blieben mir ein Rätsel und doch hatte alles so unglaublich viel Charme, dass ich unheimlich neugierig auf die Fortsetzung war und ihr richtiggehend entgegen gefiebert habe. Ein riesengroßer, nein, ein megariesengroßer Stein, ist mir vom Herzen gefallen, als ich nach den ersten Seiten von „Digby #2. Zu cool zum Sterben“ merkte, dass Autorin Stephanie Tromly anscheinend meine Gebete erhört und sich all meine Kritik auf wundersame Weise in Luft aufgelöst hatte. Das Buch war ein Highlight und „Digby“ hat sich zur echten Lieblingsserie gemausert. Aber der Reihe nach.

Fünf Monate nachdem Zoe und Digby einen Drogenhändlerring enttarnt haben und Digby sich anschließend mit einem überraschenden Kuss von Zoe verabschiedet hat, um weiter nach seiner vor Jahren verschwundenen Schwester Sally zu suchen, ist Digby wieder da. Nur ist Zoes Leben in der Zwischenzeit weitergegangen. Einiges hat sich verändert. Sie hat neue Freundinnen und mit Austin auch einen festen Freund. Doch Digby hat offenbar neue Spuren im Falle seiner Schwester und bittet Zoe abermals um Hilfe. Nur, wie das so ist bei Digby, seine Pläne sind nicht immer ganz durchdacht und die Katastrophen programmiert.

Ja, „Digby“ ist immer noch absurd und völlig verrückt (glücklicherweise!). Alles ist zugespitzt, auf Schlagabtausch, Pointen und ständiges Fiasko ausgelegt. Aber diesmal gibt es auch ruhigere Passagen und vor allem liegt der Fokus mehr auf der Beziehung von Zoe und Digby. Zoe hat eine tolle Entwicklung hingelegt. Sie erscheint viel bedachter und selbstbestimmter und fordert auch mal die eine oder andere Erklärung, was ihr als Erzählstimme bisher gefehlt hat und ihr - wie ich finde - ausgesprochen gut zu Gesicht steht. Die Nebencharaktere, Footballstar Henry, die zickige Sloane, der nerdige Felix und die eigenwillige Bill, bleiben - bis auf Sloane - eher Randerscheinungen, während Digby und Zoe ein größerer Raum zugestanden wird, was dem Plot mehr Substanz verleiht, ihn aber auch in Richtung Lovestory lenkt, was ich jedoch als passend und nicht zu aufdringlich empfand.

Die umspannende Rahmenhandlung, das Rätsel um Digbys verschwundene Schwester, tritt erneut vor vielen brisanten Nebenschauplätzen zurück. Das ist gewollt und einfach der Stil der Serie. Ohne nennenswerte größere Zusammenhänge gibt es permanent kleine Spannungsspitzen durch brenzlige Situationen oder Spannungen zwischen den Figuren. Auch das Wichtigste ist unverändert: Der Witz der Serie! Er ist absolut klasse. Es ist ein übersprudelndes Gute-Laune-Buch erster Güte, wenn man den sehr trockenen Humor mag, der oft daraus besteht, dass Leute schonungslos ehrlich zueinander sind und selten tun, was politisch korrekt wäre oder die Etikette verlangt.
Ich mag diese rebellische, anarchistische Art, mit der sich eine handvoll Kids - mit einem Mix aus Dilettantismus, Größenwahn, Können und verdammt viel Glück - gegen Establishment, Kriminelle und ganz generell gegen Erwachsene durchsetzt. Vor allem Digby ist ein toller Charakter, weil er auf eine liebenswürdige Weise unglaublich respektlos und damit vollkommen unberechenbar und überraschend ist.

Trotz viel Spaß und Spannung schwingt etwas Dunkles mit, ein bisschen Tragik und Coming-of-Age, ganz sachte. Das ist wunderbar gemacht! Denn im Grunde stecken sowohl Digby als auch Zoe in ihrem Leben fest. Digby hat einen furchtbaren Schicksalsschlag erlitten. Für ihn gibt es weder eine Gegenwart, noch eine Zukunft, solange er nicht endlich herausfindet, was mit seiner Schwester geschehen ist. Die Suche nach der Wahrheit ist für ihn zum Lebenssinn geworden, der alles andere unwichtig erscheinen lässt.
Auf ihre Weise kommt Zoe ebenfalls nicht voran. Sie merkt langsam, dass ihr Ehrgeiz, auf die Eliteuni Princeton zu kommen, hauptsächlich von ihrem Vater forciert wird. Was sie selbst will, das weiß sie nicht so genau, ebenso wenig wie Digby. Vor diesem Hintergrund entwickeln sich zwischen den beiden Gefühle, die immer wieder im Nichts versanden, dann wieder neu aufleben und die ich mit einer kribbeligen Faszination verfolgte.

Die letzten Seiten habe ich im Zeitlupentempo gelesen. Ich war rettungslos im Digby-Sog und wollte nicht, dass es endet, zumal der dritte Band der Trilogie erst im Frühjahr 2018 auf Englisch erscheint und damit noch eine ganze Weile auf sich warten lässt. Ich rechne mit einem großen Showdown und habe gleichzeitig echte Angst. Denn dann geht es wohl tatsächlich um die entscheidende Frage: Was geschah mit Sally? Aber, wenn man beginnt, sich ernsthaft um fiktive Figuren zu sorgen, hat die Autorin wohl alles richtig gemacht.

Fazit: Übermütig, rasant, spannend, jugendlich und einfach anders. Macht süchtig! SCHREIB BITTE SCHNELLER STEPH! :-)


Nearly Dead: Am Ende stirbst du
Nearly Dead: Am Ende stirbst du
von Elle Cosimano
  Taschenbuch
Preis: EUR 16,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Hat mich leider nicht überzeugt - Wichtiges tritt zu oft hinter Details zurück, 12. April 2017
Rezension bezieht sich auf: Nearly Dead: Am Ende stirbst du (Taschenbuch)
Die 16jährige Nearly Boswell ist kein normaler Teenager. Ihre Mutter ist Stripperin, ihr Vater vor Jahren verschwunden, sie selbst ist eine hochintelligente Ausnahmeschülerin mit der ungewöhnlichen Gabe, Gefühle anderer Menschen durch Berührung fühlen zu können. Nearly gerät ins Visier eines Serienkillers, der an ihrer Highschool auf Jagd geht. Vor jedem Mord erhält sie eine verschlüsselte Botschaft, die den Fundort des Verbrechens preisgibt. Damit erregt Nearly schon bald nicht nur die Aufmerksamkeit der Polizei, sondern auch die des charismatischen Reece.

Elle Cosimanos Debüt und Reihenauftakt „Nearly Dead: Am Ende stirbst du“ hat eigentlich alle Zutaten für einen originellen Jugendthriller. Leider wurde hier eine Menge Potenzial am Wegesrand liegengelassen. Vieles wirkte auf mich nicht ausgereift, angefangen beim Erzählstil bis hin zu den Charakteren. Vor allem Hauptfigur Nearly Boswell hat es mir nicht leicht gemacht. Was wirklich schade ist, denn anfangs machte Nearly einen guten Eindruck, selbständig, zielstrebig, tough, aber mit dem richtigen Gespür dafür, wann es sinnvoll ist, in ihrer zwielichtigen Gegend - ein ärmliches Wohnwagenghetto - unterm Radar zu bleiben. Hätte die Autorin ihre Figur in diese Richtung konsequent weiterentwickelt und sie außerdem mit mehr Einfühlungsvermögen ausgestattet, hätte ich mich, trotz einiger anderer Kämpfe, die ich mit dem Buch ausgetragen habe, sehr viel mehr für die Geschichte erwärmen können.

Das war leider nicht der Fall. Zunehmend habe ich mich über Nearlys Verhalten gewundert und den Kopf geschüttelt. Eigentlich macht sie in fast jeder Hinsicht einen recht egoistischen Eindruck. Ihre Freundin Anh betrachtet sie vorwiegend als Konkurrenz um ein Stipendium und gegenüber ihrem besten Freund Jeremy ist sie nicht ganz ehrlich. Wirklich sehr gestört haben mich aber ihre Reaktionen auf die Verbrechen, die verübt werden. Im Laufe der Story gibt es mehr als nur einen Toten. Doch nach jeweils kurzer Betroffenheit seitens Nearly, schien ihre einzige Sorge zu sein, nicht mit den Morden in Verbindung gebracht zu werden und den eigenen Hintern zu retten. Das machte mir Nearly nicht nur sehr unsympathisch, sondern hatte auf den gesamten Plot eine ungute Wirkung. Die Jagd nach dem Mörder geriet darüber ins Hintertreffen, wirkte teilweise geradezu bedeutungslos, so dass der Handlung, trotz gut platzierter Geheimnisse, der Entwicklungsspielraum fehlte.

Die Geschichte zerfaserte auch oft in Details, wie das Essen von Sandwiches oder dem Anziehen von Klamotten, die sehr genau beleuchtet wurden, während wichtige Dinge auf der Strecke blieben. Bestes Beispiel: Nearlys paranormale Gabe! Dieses Thema wurde allenfalls touchiert, gegen Ende nicht einmal mehr erwähnt. Es war ehrlich gesagt völlig überflüssig und hatte überhaupt keinen Sinn innerhalb der Geschichte. Keine Ahnung, was die Autorin hier geritten hat. Man hätte es vielleicht besser weglassen sollen, da es falsche Erwartungen weckt.

Als sehr zermürbend habe ich den Schreibstil empfunden. Trotz klarer, einfacher Sätze fühlte sich das Lesen häufig an, als müsste ich mich mit einem Buschmesser durch einen Dschungel diffusen Informationsinputs kämpfen. Die Autorin hat eine ungewöhnliche Erzählart, die viele Dinge anreißt und sehr sparsam mit Erklärungen ist. Für Nearlys Leben im Wohnwagenghetto und ihren Wunsch, den Sprung aus dem sozialen Abseits zu schaffen, habe ich erst nach vielen gelesenen Kapiteln ein echtes Gespür entwickeln können. Auch die Einordnung der Machenschaften einiger Nebencharaktere, allesamt Kleinkriminelle und Drogendealer, viel mir mehr als schwer, da sich die Figuren kaum voneinander zu unterscheiden schienen.

Mit dem Auftreten des mysteriösen Reece, der Bad Boy mit goldenem Herzen und stahlblauen Augen, gleitet die Handlung auch noch ins Klischeehafte ab. Und Nearly macht dabei keine sonderliche gute Figur. Obwohl sie sich Reeces’ dominanten Art zeitweise widersetzte, ließ sie sich ständig von ihm zu irgendetwas überreden (beispielsweise zu einem superknappen Blüschen mit gefühlt nur noch zwei geschlossenen Knöpfen) und dazu anleiten, sich vom Tatort aus dem Staub zu machen, was in Anbetracht ihres hohen IQ zumindest seltsam war. Der Lovestory-Anteil wirkte ansonsten auch eher halbgar und kam nicht wirklich zum Tragen, allerdings handelt es sich auch um eine Serie, so dass eventuell in den Fortsetzungen daran angeknüpft wird.

Die Auflösung ist dem Genre entsprechend nicht unbedingt glaubwürdig. Doch mit einer besseren Ausarbeitung der Geschichte und vor allem des Charakters Nearly Boswell hätte ich damit noch die wenigsten Probleme gehabt. Vor allem die unterschwellige Sozialkritik bietet einen interessanten Kontrast zu anderen Büchern des Genres und beinhaltet jede Menge Möglichkeiten, die meiner Ansicht nach nicht genutzt wurden.

Fazit: An "Nearly Dead: Am Ende stirbst du" hatte ich leider einiges auszusetzen. Die Charaktere sind teilweise flach und die Beweggründe von Hauptprotagonistin Nearly konnte ich oft nicht nachvollziehen. Zu kämpfen hatte ich auch mit der diffusen Erzählweise und dem achtlosen Blick auf brutale Verbrechen, so dass meine Neugier auf die Fortsetzungen eher gering ist.


Spiegel des Bösen
Spiegel des Bösen
von Björn Springorum
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Solide Gruselgeschichte, die mich aber nicht einfangen konnte, 3. April 2017
Rezension bezieht sich auf: Spiegel des Bösen (Gebundene Ausgabe)
Björn Springorum inszeniert seine Handlung rund um ein unheimliches, abgelegenes Grandhotel und versucht sich an einem Mix aus klassischer Horrorgeschichte und Jugendabenteuer. Dabei hält er sich nicht mit langen Vorreden auf. Nachdem Hauptprotagonistin Sophie gleich auf den ersten Seiten gemeinsam mit ihren Eltern in dem als Setting gut gewählten Gruselhotel - hoch oben in der kargen Berglandschaft - ankommt, wechselt der Autor mit scharfen Schnitten unvermittelt in eine surreale und teils albtraumhafte Odyssee durch verwaiste Etagen und leere Gänge.

Was folgte, war für mich eine Achterbahnfahrt der Lesegefühle, die mich insgesamt immer ein wenig auf Abstand zu der Geschichte gehalten hat. Zum einen fehlte mir die Zeit, um ein Gespür für die verschiedenen Stimmungen und Hauptcharakter Sophie zu entwickeln. Zusätzlich erschwert dadurch, dass manches verwirrend und teilweise unlogisch schien. Beispielsweise, wenn der Concierge Sophie - deren Eltern plötzlich verschwunden sind - in den Keller schickt, weil sie dort angeblich in Sicherheit sei und Sophie den Rat umgehend befolgt, weil ... Eltern weg, alles extrem gruselig und, äh, da geht man natürlich unbedingt IN DEN KELLER. Wie sich herausstellt, ist diese Idee aber nicht so dumm, wie sie in meinen Ohren zunächst klang, denn im Keller trifft Sophie auf sechs teilweise hilfsbereite Gestalten, einer davon ein Junge namens Max, in den sich Sophie schnell verliebt und gemeinsam versuchen sie das Rätsel des Spukhotels zu lüften.
Hier mangelte es mir einfach an Sinn, wenngleich die Geschichte sich diesem Vorwurf aufgrund ihres unwirklichen Moments natürlich zu entziehen scheint. Aber der Keller, seine Bewohner und der Umstand, dass ausgerechnet mit Sophies Auftauchen soviel ins Rollen kam, waren zu seltsam, um es einfach so hinnehmen zu können. All das blieb durchgängig ein Stolperstein für mich.

Seinen Zweck erfüllt der Keller insofern, als er einen Ruhepol in einem ansonsten völlig unberechenbaren Geschehen mit vielen Bedrohungsmomenten bildet. Denn immer, wenn die Protagonisten den Keller verlassen, kommt das Grauen. Da sich das Geheimnis jedoch nicht vom sicheren Rückzugsraum aus lösen lässt, ist der Schrecken programmiert. Gelungen sind hier viele der Gruselszenen - klassischer Horror, der auf effektvollen Schockmomenten aufbaut, aber nie blutig wird - bei denen mir teilweise die Spucke weg blieb und ich das Atmen vergaß, die jedoch nicht ausreichten, um mich an das Buch zu binden und die Spannung zu halten.

Zwischendurch gab es Rückblicke, in denen es um ein (zurecht!) extrem wütendes Zimmermädchen geht. Diese Szenen schlagen die Brücke zu den Ereignissen in der „Gegenwart“ und ich fand sie enorm wichtig. Sie verhindern ein Kippen der Story in völlige Verwirrung. Sie zeigen, dass den Mysterien Ursachen zugrunde liegen, etwas was sich erklären und am Ende irgendwie nachvollziehen lässt. Durch die Rückblenden wurde die Sache gut abgerundet, auch wenn die Auflösung zu früh auf der Hand liegt, um im Finale großes Staunen hervorrufen zu können.

Schwer tat ich mich vor allem mit der Liebesgeschichte. Natürlich lockert sie das düstere Geschehen angenehm auf und ist im Grunde ganz süß, aber eigentlich ging mir das alles zu schnell. Sophie und Max sind zwei nette Teenager mit genug Tatendrang, um die Ereignisse am Laufen zu halten, entwickeln aber (ebenso wie die Nebencharaktere) keine Tiefe, weil sie zu oft wie Pingpong-Bälle durch die „Horrorshow“ geschleudert werden. Die große Liebe habe ich ihnen vor dem Hintergrund dieser extremen Situation nicht abnehmen können und hätte es wohl besser gefunden, wenn ihre Gefühle nicht so sehr in diese Richtung zugespitzt worden wären. Irritiert hat mich hier übrigens auch der Erzählton, der mich anfangs an eine jüngere Protagonistin denken ließ, was zu kleiner Verblüffung führte, als mir klar wurde, dass es sich um ein 16jähriges Mädchen handelt und sich einiges tatsächlich auf dieses Alter zugeschnitten entwickelt.

Der Schreibstil ist ansonsten einfach und flüssig, kam mir aber an einigen Stellen sprunghaft vor. Immer wieder hatte ich das Gefühl, dass sich Ereignisse überschlagen, Dinge ausgelassen werden, ich nicht hinterher kam, immer noch in der einen Szene feststeckte, während bereits wieder etwas Neues begonnen hatte.

Viele sind von dem Buch begeistert. Das muss auch gesagt werden. Aber ich kann es nicht ändern, der Funke wollte nicht überspringen. Idee und Setting sind toll, einige Szenen sehr gelungen, die Auflösung nachvollziehbar, aber als Gesamtpaket hat mich „Spiegel des Bösen“ nicht erreicht. Manches blieb ungeklärt oder wollte mir einfach nicht einleuchten, die Charaktere blieben mir ebenso fremd wie die Liebesgeschichte und der Spannungsbogen bestand aus einer Aneinanderreihung von Schreckmomenten, deren Wirkung sich für mein Empfinden zu schnell aufbrauchte.


Johnny Sinclair - Beruf: Geisterjäger: Band 1
Johnny Sinclair - Beruf: Geisterjäger: Band 1
von Sabine Städing
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 12,00

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Humorvoller Start in die neue Gruselreihe, dem noch ein bisschen Kontur fehlt, 31. März 2017
Johnny Sinclair ist 12 Jahre alt und lebt zusammen mit seinem haitischen Kindermädchen Cécile auf dem alten, schottischen Anwesen Greyman Castle, während seine Eltern - geachtete Ethnologen - in der Weltgeschichte herum bummeln. Langweilig wird es Johnny in der gruseligen Burg mit ihrer düsteren Bibliothek, den zerfallenen Türmen und Geheimgängen aber nicht. Denn seit kurzem sieht Johnny Geister. Und davon gibt es hier gleich vier auf einen Streich. Weil ihm keiner glauben will, muss Johnny sich selbst helfen und bekommt dabei ungewöhnliche Unterstützung von einem eigenwilligen, sprechenden Totenschädel.

Mit Geistern kann man mich fast immer glücklich machen, und auch Sabine Städing ist es gelungen, mir – obwohl deutlich Ü10 – ein paar schöne Lesestunden zu bescheren. Insgesamt erfindet die Autorin das Gespensterrad zwar nicht neu, peppt Bekanntes aber gekonnt mit eigenen Ideen auf, wie etwa die Geisterjagd mit Salzwasserpistole. Ganz im Gegensatz zum großen Vorbild "Geisterjäger John Sinclair" geht es hier größtenteils humorvoll zu. Mit viel schottischem Moor-und-Nebel-Flair auch (der Zielgruppe entsprechend) gruselig und so unterhaltsam, dass man sich fix durch die Seiten liest.

Was jedoch sofort auffällt, ist der Schreibstil: Viele Dialoge, rasche Szenenwechsel, wenige Beschreibungen und leider auch wenige Erklärungen. Die Geschichte ist spaßig heruntergeschrieben, ein einordnender Erzählrahmen und eine intensivere Charakterzeichnung habe ich jedoch vermisst. Nicht nur dem Hauptprotagonisten würde ein wenig mehr Kontur gut zu Gesicht stehen. Auch die Nebenfiguren könnten etwas Farbe um die Nase definitiv vertragen. Und: Warum kann Johnny eigentlich plötzlich Geister sehen? Wo kommen die her? Was wollen die? Warum kann anfangs nur Johnny Geister sehen, im Laufe des Buches aber auch alle anderen? Was hat es mit dem Voodookult des Kindermädchens auf sich? Wo genau sind Johnnys Eltern? Fragen über Fragen, auf die es vielleicht in den nächsten Bänden Antworten gibt.

Auf der Plus-Seite muss der einfache, natürliche Erzählton genannt werden. Die Autorin vermeidet eine gewollt-coole Teenagersprache und besticht durch ungekünsteltes, lebendiges Erzählen. Und: Sie steigt ohne langen Vorlauf in die Geschichte ein, so dass junge Leser schnell gefesselt sein dürften.

Das Buchensemble ist im Zusammenspiel überschaubar, aber bunt und vielversprechend: das voodoo-affine Kindermädchen Cécile, der trottelige, treue Freund Russell, der altkluge Schädel und die sonderliche junge Millie, spielen sich so langsam warm und könnten sich zu einem tollen Team entwickeln.

Es handelt sich zwar um einen Reihenauftakt, allerdings kann man die Geschichte prima als Einzelband lesen: Johnny macht erste Erfahrungen mit der Geisterwelt, legt sich gemeinsam mit seinen Freunden wirksame Strategien gegen die spukenden Störenfriede zurecht und am Ende hat er seinen ersten „Fall“ erfolgreich abgeschlossen und ist bereit für neue Abenteuer.

Fazit: Burg Schreckenstein trifft Geisterjäger. Altersgerecht-gruseliges und humorvolles Buch für Jungs, an dem sicher auch Mädchen ihre Freude haben. Einige Erklärungen und eine prägnantere Charakterzeichnung könnten aber nicht schaden. Da darf man der Altersgruppe ruhig mehr zutrauen!


Cavaliersreise. Die Bekenntnisse eines Gentlemans
Cavaliersreise. Die Bekenntnisse eines Gentlemans
von Mackenzi Lee
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen DIESES Buch bleibt im Regal! Ein großartiges Abenteuer und absolutes Jahreshighlight, 29. März 2017
"Cavaliersreise. Die Bekenntnisse eines Gentlemans" von Mackenzi Lee ist in diesem Frühjahr der Spitzentitel des Königskinder Verlags, ein Imprint von Carlsen, der leider immer noch vielen unbekannt ist. Bücher, die der Verlag herausbringt, lohnen - soweit ich das bisher beurteilen kann – fast alle einen zweiten Blick, lassen sich aber nur schwer in eine Schublade stecken. Sie entziehen sich dem Mainstream, überzeugen stattdessen mit ungewöhnlichen bis unbequemen Themen und beweisen zugleich, dass unbequem nicht automatisch dröge bedeutet, sondern fast jedes Thema mitreißend erzählt werden kann.

So auch "Cavaliersreise", ein Buch für Jugendliche und eigentlich jedes Alter, das für mich das Zeug zum Kult hat und auf geniale Weise verschiedene Genre und Thematiken vereinigt. Coming-of-Age, Homosexualität, Historie, Abenteuer, Mystik, Rassismus, Liebe, Emanzipation und vor allem - sehr viel Humor. Im Mittelpunkt stehen Grafensohn Henry Montague (kurz Monty) und sein bester Freund, der dunkelhäutige Percy, die gemeinsam auf besagte Cavaliersreise gehen, jene Art von Bildungsreise, die Söhnen der Oberschicht in früheren Jahrhunderten zuteil wurde, um sie auf ihr väterliches Erbe vorzubereiten und ihnen noch einmal die Gelegenheit zu geben, sich die Hörner abzustoßen. Im Falle von Monty hofft das Elternhaus hingegen mehr auf Einsicht und ein wenig Ruhe, denn der junge Mann hat eine Schwäche für Männer und Alkohol und tanzt nur selten in der Reihe. Von Beginn der Reise an stehen sie Sterne für gesittete Tage schlecht, denn Monty ist einfach unverbesserlich und noch dazu unsterblich in seinen besten Freund Percy verliebt…

Vor allem für Leser, die gerne mal den Klappentext ignorieren, ist die Handlung völlig unvoraussehbar. Was als Cavaliersreise beginnt, entwickelt sich schon bald zu einem spannenden Abenteuer rund um Räuber, Piraten, schurkische Adelige und seltsames Zauberwerk. Mittendrin die Liebe von Monty zu Percy, die den Leser mit Szenen fesselt, die vor herzzerreißender Sehnsucht und sexueller Spannung die Luft flirren lässt. Dabei ist es völlig egal, ob man die Geschichte als Mann oder Frau liest; DIESE Liebe springt über, geht unter die Haut, reißt mit und ging mir wahnsinnig ans Herz.

Die an die Zeit (18. Jahrhundert) angepasste, gewählte, aber hochironische Erzählweise, die bisweilen von modernen Ausdrücken durchdrungen wird, erfordert möglicherweise eine kleine Umstellung in den Lesegewohnheiten, ist allerdings neben den Charakteren das A und O des Buches. Erzähler Monty, eine Mischung aus adeligem Schnösel, Ferris Bueller und Jack Sparrow sorgt auf fast jeder Seite für Lacher, wenngleich sich durchaus ernste Töne in das Geschehen mischen.

Kleine Längen und ein etwas oberflächlich angerissenes mystisches Handlungselement werden von den Charakteren, die die Autorin wahrhaft zum Leben erweckt, mehr als wettgemacht. Neben dem durchtriebenen aber hochsympathischen Monty und seinem ernsten, treuen Freund Percy überzeugt vor allem Montys ebenso schlagfertige wie kluge Schwester Felicity, die in jeder Situation einen kühlen Kopf bewahrt und mit dem Kopf voran diverse Wände und Widerstände niederwalzt. YES!

Für mich ein großartiges, kluges, bewegendes in jeder Hinsicht überraschendes, unheimlich amüsantes historisches Abenteuer, das ich gerne ewig weiter gelesen hätte und das mir den Abschied von Monty, Percy und Felicity sehr sehr schwer gemacht hat. Ein Buch wie eine Fundtruhe auf Omas Dachboden, voll mit herrlichen Schätzen und faszinierendem, kuriosem Krimskrams, das auch beim zweiten oder dritten Auspacken/Lesen immer wieder Neues entdecken lässt. Absolute, uneingeschränkte, begeisterte Leseempfehlung!


Saint Lupin´s Academy 1: Zutritt nur für echte Abenteurer!
Saint Lupin´s Academy 1: Zutritt nur für echte Abenteurer!
von Wade Albert White
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,99

4.0 von 5 Sternen Witzig und kreativ, teilweise etwas wuselig, 28. März 2017
Die Welt, wie wir sie kennen, gibt es nicht mehr. Statt eines runden Planeten existieren verschiedene Ebenen, von denen man herunterfallen oder auf die man hinauf katapultiert werden kann. Auf einer dieser Ebenen befindet sich das triste Waisenhaus Saint Lupins, das von einer hartherzigen Oberin geleitet wird, die Kinder in Bergwerken schuften lässt. Für die 13jährige Anne Anvil und ihre Freundin Penelope ergibt sich unerwartet die Chance von diesem Ort zu entkommen, als sie von der Direktorin einer Abenteuerakademie angeworben werden und sich bald darauf gemeinsam mit dem Jungen Hiro auf ihre erste Mission begeben. Eine Prophezeiung soll erfüllt werden. Und Anne hat die Hoffnung, hierbei auch etwas über ihre eigene, unbekannte Vergangenheit zu erfahren.

Sandwölfe, Zombiehaie, Navigations-Sperlinge, Echsendrachenhunde, Roboter. Wade Albert White hat anscheinend alle (Alb-)Träume seiner Kindheit in seinem Debüt untergebracht. Es passiert unfassbar viel in diesem Buch. Es wimmelt von verrückten Ideen, für die man leider kaum genug Zeit erhält, sie angemessen zu bestaunen, da man gemeinsam mit den drei Helden von einem Schlamassel in den nächsten geschickt und mit Aktion buchstäblich überschüttet wird. Ruhige Passage gibt es wenige und entsprechend kommen die Charaktere auch zu kurz. Die drei Helden bleiben bedauerlicherweise blass und die vielen kuriosen Einfälle sind teilweise verwirrend. Was nichts daran ändert, dass die Geschichte definitiv besonders ist.
White jongliert mit bekannten Motiven aus (Kinder-)Geschichten, baut Kampfszenen, Explosionen, bedrohliche Wesenheiten und Items ein, die an Computerspiele angelehnt sind und die Charaktere von einem Level bzw. einer Ebene zur nächsten führen. Alles sehr kindgerecht und mit Appellen zu Mut und Freundschaft, unterlegt mit einem großartig trockenen Humor. Besonders witzig sind die Auszüge aus verschiedenen Regelwerken, die den Kapiteln vorangestellt sind. Seitenweise habe ich mich einfach durch das Buch gekichert. Die ironische und sich selbst hinterfragende Schreibweise ist genial und erinnert mehr als einmal an Lemony Snickets „Betrübliche Ereignisse“ oder auch an William Goldmans „Die Brautprinzessin“. Einige meiner absoluten Lieblingsbücher! Der Humor traf bei mir exakt ins Schwarze.

Für Kinder ab 10 Jahren sind allerdings einige Begriffe anspruchsvoll und könnten (trotz kurzer Erklärungen) zu Fragezeichen in den Augen führen. Klischees, Antagonisten, Deus-Ex-Machina. Termini aus der Welt der Literatur, anhand derer White augenzwinkernd seine eigene Geschichte auf den Prüfstand bringt. Ein Beispiel: Habe ich gerade noch gedacht, dass die Handlung insgesamt ziemlich überfrachtet ist, da kommt der Autor mit einer Stelle wie dieser um die Ecke:

"So viele Handlungsstränge, und alle wollen deine ungeteilte Aufmerksamkeit. Um ehrlich zu sein, war das ein bisschen viel auf einmal. In der Einfachheit liegt die Eleganz."

Wenn der Autor sich schon selbst auf die Schippe nimmt, sollte man als Leser wohl nicht alles so genau nehmen. Andererseits ändert Whites kleiner Scherz auf eigene Kosten nichts daran, dass dieses Abenteuer tatsächlich etwas überladen wirkt. Vor allem in der zweiten Hälfte bewirken das hohe Tempo und der reiche Ideenschatz zugleich eine gewisse Oberflächlichkeit. Häufig fehlten mir Beschreibungen, um mir alles bildhaft vorstellen zu können und ich fand es sehr schade, dass ich über die sympathischen jungen Charaktere nur wenig erfahren durfte. So habe ich mich größtenteils von Szene zu Szene gelacht, ohne wirklich in die Geschichte abtauchen zu können.

Man sollte auch nicht den Anspruch haben, am Ende alles verstanden zu haben. "Saint Lupin's Academy" von Wade Albert White ist ein Reihenauftakt, der zwar einen guten Abschluss findet, geklärt wird hier am Ende aber leider gar nichts. Die Rätsel um das Waisenkind Anne Anvil, ihre Herkunft und das Geheimnis der „Scheibenwelt“ verlagern sich weiter ins nächste Buch. Und wenn man den Autor beim Wort nehmen darf, wird dieses dann (Zitat) „schon sehr viel geradliniger verlaufen.“ Ich bin gespannt!

Fazit: Ein vielversprechender, kreativer, sehr witziger Reihenauftakt, der mit seinen vielen absurden Ideen etwas überladen und fahrig wirkt. Für die Zielgruppe trotzdem ein tolles, mal etwas anderes Abenteuer.


Mein schönes falsches Leben
Mein schönes falsches Leben
von Hilary Freeman
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,95

4.0 von 5 Sternen Schöne Geschichte... das Ende "hm", 25. März 2017
Rezension bezieht sich auf: Mein schönes falsches Leben (Taschenbuch)
Die 17jährige Ella wacht eines Morgens auf und alles ist fremd. Ihr Zimmer ist anders möbliert, sie hat keinen Kurzhaarschnitt mehr, sondern lange Haare, ihre Mutter sieht verändert aus und anscheinend hat Ella auch einen völlig neuen Freundeskreis, während ihre alten Freunde sie nicht mehr zu kennen scheinen. Es ist, als hätte jemand Ellas Leben gegen das einer anderen Ella getauscht.

So beginnt Hilary Freemans „Mein schönes falsches Leben“, ein Buch, das ich an zwei Nachmittagen sehr gerne durchgeschmökert habe. Der Einstieg fällt auch wirklich nicht schwer. Der Schreibstil ist leicht und fließend und die Autorin baut gleich auf den ersten Seiten eine unterschwellige, leise Spannung auf, die sich durch das ganze Buch zieht.

Was die Handlung angeht, so hatte ich keine wirkliche Vorstellung, was auf mich zukommt. Vage geisterte der Begriff „Parallelwelt“ durch meinen Kopf, das war auch schon alles. Der Begriff suggeriert – jedenfalls war das bei mir so - eine Fantasygeschichte, aber eigentlich kann man den Plot nur schwer in eine Schublade stecken. Theoretisch könnte man „Mein schönes falsches Leben“ auch in einem übertragenen Sinne als fantasievolle, literarische Herangehensweise an die Themen "Identitätkrisen" und "Erwachsenwerden" lesen. Oder man bleibt beim Naheliegenden und spielt die Theorie der Parallelwelt für sich durch, was eigentlich nichts anderes bedeutet, als dass wir ständig Entscheidungen treffen, die sich auf unser Leben auswirken und die manchmal große, manchmal kleine Veränderungen nach sich ziehen. Je nachdem, wie wir uns entscheiden, entwickelt sich die Zukunft. Und Ella befindet sich auf einem von vielen möglichen Abzweigungen ihres Lebens.

Nun darf man Ella begleiten, wie sie versucht, einen Weg zurück zu finden und wie sie nach und nach entdeckt, in welchen Punkten sich das Leben dieser anderen Ella von ihrem bisherigen unterscheidet. Sie bemüht sich, alles wieder in die gewohnten Bahnen zu lenken und sich auch ihren alten Freunden zu nähern, vor allem ihrer besten Freundin Deeta und ihrem Freund Billy. Dabei gibt es die eine oder andere Überraschung für den Leser, wirkliche Dramatik entwickelt sich aber nicht. Die Geschichte nimmt auf eine realistische, ruhige Weise ihren Lauf. Und Ella lernt einiges über sich selbst. Ab der Hälfte hätte ich mir gewünscht, dass Ella etwas mutiger neue Möglichkeiten in Betracht zieht, statt vorwiegend ihrem alten Leben hinterher zu jagen. Das hätte auch innerhalb des steten, aber nicht allzu steilen Spannungsbogens noch einmal einige Akzente gesetzt. Andererseits ist es verständlich, dass man wiederhaben möchte, was man kennt und was einen ausmacht, egal ob es nun perfekt ist oder nicht. Daher konnte ich Ellas Gefühle und Beweggründe fast immer gut nachempfinden.

Da ich solche dezent-spannenden Geschichten ganz gerne lese, hat mir das Buch im Grunde gut gefallen. Und wäre da nicht dieses seltsame Finale, hätte ich wenig zu bemängeln. Ich möchte nicht spoilern, aber die Figur des jungen (und zunehmend dubiosen) Physikstudenten Daniel und seine Lösung für Ellas Problem ließ in meinem Kopf ein großes, verdattertes Fragezeichen entstehen. Und zwar ganz egal, wie man das Buch nun versteht, ob als Coming-of-Age-Variante oder als Roman zum Thema Parallelwelten. Diese Wendung hatte für mich einen bitteren Beigeschmack.
Das Ende bleibt übrigens ein wenig offen, glücklicherweise! Zwei, drei Seiten weniger und es wäre mir absolut suspekt gewesen.

Fazit: Ruhige, unterschwellig spannende Geschichte, die sich angenehm und flott lesen lässt. Mischung aus Selbstfindung und Fantasy. Das Ende versehe ich mal mit einem etwas unentschlossenen „Hm“.
Gute 3,5 Sterne.


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