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Rezensionen verfasst von
Grobi "Borussenleser"

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Mein schönes falsches Leben
Mein schönes falsches Leben
von Hilary Freeman
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,95

4.0 von 5 Sternen Schöne Geschichte... das Ende "hm", 25. März 2017
Rezension bezieht sich auf: Mein schönes falsches Leben (Taschenbuch)
Die 17jährige Ella wacht eines Morgens auf und alles ist fremd. Ihr Zimmer ist anders möbliert, sie hat keinen Kurzhaarschnitt mehr, sondern lange Haare, ihre Mutter sieht verändert aus und anscheinend hat Ella auch einen völlig neuen Freundeskreis, während ihre alten Freunde sie nicht mehr zu kennen scheinen. Es ist, als hätte jemand Ellas Leben gegen das einer anderen Ella getauscht.

So beginnt Hilary Freemans „Mein schönes falsches Leben“, ein Buch, das ich an zwei Nachmittagen sehr gerne durchgeschmökert habe. Der Einstieg fällt auch wirklich nicht schwer. Der Schreibstil ist leicht und fließend und die Autorin baut gleich auf den ersten Seiten eine unterschwellige, leise Spannung auf, die sich durch das ganze Buch zieht.

Was die Handlung angeht, so hatte ich keine wirkliche Vorstellung, was auf mich zukommt. Vage geisterte der Begriff „Parallelwelt“ durch meinen Kopf, das war auch schon alles. Der Begriff suggeriert – jedenfalls war das bei mir so - eine Fantasygeschichte, aber eigentlich kann man den Plot nur schwer in eine Schublade stecken. Theoretisch könnte man „Mein schönes falsches Leben“ auch in einem übertragenen Sinne als fantasievolle, literarische Herangehensweise an die Themen "Identitätkrisen" und "Erwachsenwerden" lesen. Oder man bleibt beim Naheliegenden und spielt die Theorie der Parallelwelt für sich durch, was eigentlich nichts anderes bedeutet, als dass wir ständig Entscheidungen treffen, die sich auf unser Leben auswirken und die manchmal große, manchmal kleine Veränderungen nach sich ziehen. Je nachdem, wie wir uns entscheiden, entwickelt sich die Zukunft. Und Ella befindet sich auf einem von vielen möglichen Abzweigungen ihres Lebens.

Nun darf man Ella begleiten, wie sie versucht, einen Weg zurück zu finden und wie sie nach und nach entdeckt, in welchen Punkten sich das Leben dieser anderen Ella von ihrem bisherigen unterscheidet. Sie bemüht sich, alles wieder in die gewohnten Bahnen zu lenken und sich auch ihren alten Freunden zu nähern, vor allem ihrer besten Freundin Deeta und ihrem Freund Billy. Dabei gibt es die eine oder andere Überraschung für den Leser, wirkliche Dramatik entwickelt sich aber nicht. Die Geschichte nimmt auf eine realistische, ruhige Weise ihren Lauf. Und Ella lernt einiges über sich selbst. Ab der Hälfte hätte ich mir gewünscht, dass Ella etwas mutiger neue Möglichkeiten in Betracht zieht, statt vorwiegend ihrem alten Leben hinterher zu jagen. Das hätte auch innerhalb des steten, aber nicht allzu steilen Spannungsbogens noch einmal einige Akzente gesetzt. Andererseits ist es verständlich, dass man wiederhaben möchte, was man kennt und was einen ausmacht, egal ob es nun perfekt ist oder nicht. Daher konnte ich Ellas Gefühle und Beweggründe fast immer gut nachempfinden.

Da ich solche dezent-spannenden Geschichten ganz gerne lese, hat mir das Buch im Grunde gut gefallen. Und wäre da nicht dieses seltsame Finale, hätte ich wenig zu bemängeln. Ich möchte nicht spoilern, aber die Figur des jungen (und zunehmend dubiosen) Physikstudenten Daniel und seine Lösung für Ellas Problem ließ in meinem Kopf ein großes, verdattertes Fragezeichen entstehen. Und zwar ganz egal, wie man das Buch nun versteht, ob als Coming-of-Age-Variante oder als Roman zum Thema Parallelwelten. Diese Wendung hatte für mich einen bitteren Beigeschmack.
Das Ende bleibt übrigens ein wenig offen, glücklicherweise! Zwei, drei Seiten weniger und es wäre mir absolut suspekt gewesen.

Fazit: Ruhige, unterschwellig spannende Geschichte, die sich angenehm und flott lesen lässt. Mischung aus Selbstfindung und Fantasy. Das Ende versehe ich mal mit einem etwas unentschlossenen „Hm“.
Gute 3,5 Sterne.


Flo oder der Tag, an dem die Maus verrutschte
Flo oder der Tag, an dem die Maus verrutschte
von Anna Pfeffer
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 12,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Im Flo-Flow! Tolles, humorvolles Mädchenbuch., 22. März 2017
Nachdem "Für dich soll's tausend Tode regnen" im vergangenen Jahr zu meinen absoluten Highlights zählte, war es keine Frage: Auch "Flo oder der Tag an dem die Maus verrutschte", das zweite Buch, das das Autorinnenduo Ulrike Mayrhofer und Carmen Schmidt unter dem Pseudonym Anna Pfeffer geschrieben hat, musste bei mir einziehen UND... hat mich nicht enttäuscht.

Das Buch handelt übrigens weder von Flöhen, noch von Mäusen. Ein kleiner Fisch kommt darin vor, aber eher am Rande. Es ist wohl nahezu unmöglich vom Titel auf den Inhalt zu schließen. Denn der geht so: Flo, 13 Jahre jung, ist total schüchtern. Schlagfertige Antworten hat sie immer erst mit reichlich Verspätung parat und wenn sie vor der Klasse steht, bekommt sie keinen Ton heraus. Ganz anders sind da ihre beiden besten Freundinnen: Julia ist um keine Antwort verlegen und Anouk ist nicht nur klug, sondern auch wunderschön. Obwohl die drei total unterschiedlich sind, halten sie zusammen wie Pech und Schwefel. Bis zu dem Tag, an dem Anouk Ben küsst, Flos großen Schwarm. Das macht Flo so wütend, dass sie sich nicht nur ihren Frust über Anouk, sondern auch gleich den über ihre Mitschüler in einem bitterbösen Brief vom Herzen schreibt, den sie dann leider – kurz mit der Maus verrutscht - an Dr. Zomp, einen öffentlichen Online-Kummerkasten, abschickt. Der Shitstorm, der daraufhin losbricht, verlangt Flo einiges ab. Aber ganz unverdient ist er nicht…

(Ich schreibe hier mal SPOILER, auch wenn man sich einiges vielleicht denken kann)
So ist das also mit der Maus. Gar keine Tiergeschichte, sondern eher eine Mobbinggeschichte, die anfangs niedlich und witzig vor sich hin plätschert. Schulalltag, Gespräche über Jungs und Kennenlernen der Charaktere. Erzählerin Flo plaudert locker-flockig, aber scheinbar ziellos drauf los, so dass ich nicht recht eine Richtung ausmachen konnte. Die wird erst erkennbar, als Flo den Brief abschickt, der dann plötzlich in der Schule bekannt wird. Damit bekommt die Sache buchstäblich Pfeffer (Wortspiel!) und man leidet ehrlich mit.

Das alles ist so richtig schön unangenehm. Beim bloßen Lesen habe ich mich zusammen mit Flo in Grund und Boden geschämt. Wie kommt sie aus der Sache wieder raus? Kann man so einen heftigen Fehltritt überhaupt wieder gut machen? Das sind die Fragen, mit denen man Flo durch eine Geschichte begleitet, die sich trotz der ernsten Thematik lange nicht so ernst liest, wie sie sich in der Realität darstellt. Anna Pfeffer bleiben beim lässigen Erzählton, das ist ihre Stärke. Sie schaffen es aber an einigen Stellen ein wirklich unbehagliches Gefühl zu erzeugen und – trotz Netz und doppeltem Boden – beim Leser Mitgefühl für alle Betroffenen zu wecken.

Wobei sich Flo größtenteils wacker durch die Handlung schlägt. Realistisch ist das nicht immer, aber schön zu lesen. Denn – sollte man je in einer ähnlichen Situation sein – genau SO möchte man auch aus der Nummer wieder rauskommen. Gestärkt, mit erhobenem Kopf und deutlich klüger. Das Mädchenbild von Anna Pfeffer gefällt mir generell sehr gut. Ein bisschen (altersgemäß) unsicher, gleichzeitig ganz schön frech und stark.

Anfangs kam es mir zunächst so vor, als würde sich ab und zu der rote Faden verwickeln, weil hier mehrere Themen zeitgleich auf’s Tablett geworfen werden. Da wäre einmal Flo und ihre sogenannte „Flolitis“, ihre kleinen rhetorischen Blackouts, wenn jemand sie blöd anmacht und sie nicht weiß, wie sie reagieren soll. Dann ist da die Sache mit dem Mobbing und schließlich – wir befinden uns hier natürlich in einer Geschichte für jüngere Leserinnen (!) – geht es viel um Streitereien unter Freundinnen und Schwärmereien für Jungs. Nach und nach laufen die verschiedenen Schauplätze gut zusammen. Bis dahin trösten der aufgeweckte, trockene Humor und liebenswerte, teilweise schrullige Figuren (Flos Mutter!) über kleine Schwächen hinweg.
Am Ende gibt es noch einen Klacks zuckersüßer Schlagsahne obendrauf und eine handvoll bunter Streusel! Message: Es lebe die Freundschaft! Mit einem fetten Grinsen und einem langgezogenen Teenieseufzen (von dem ich nicht weiß, wo es herkam) habe ich das Buch zugeklappt.

Bitterböses Thema, zuckersüß erzählt. "Flo oder der Tag, an dem die Maus verrutschte" ist für Mädchen ab 11 Jahren ein toller, humorvoller Mutmachschmöker, der den Ton der jungen Generation trifft und für den auch ich mich nicht zu alt fühlte.


Chosen 1: Die Bestimmte
Chosen 1: Die Bestimmte
von Rena Fischer
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,99

5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Abgebrochen, 17. März 2017
Rezension bezieht sich auf: Chosen 1: Die Bestimmte (Gebundene Ausgabe)
Zum allerersten Mal schreibe ich einige Worte zu einem Buch, das ich nicht komplett durchgelesen, sondern nach 200 Seiten abgebrochen habe, weil mir sowohl die Erzählweise als auch die Handlung so enorm auf die Nerven gingen, dass ich es für Zeitverschwendung hielt, mich weiter durchzuquälen. Schade. Wirklich. Denn sowohl das wunderschöne, düstere Cover, als auch der Klappentext hatten mich direkt angesprochen.

Es geht um Emma, die eine besondere übersinnliche Gabe besitzt: Sie kann die Gefühle anderer Menschen spüren. Emmas Mutter kommt anfangs bei einem Unfall ums Leben und sie muss zu ihrem Vater (der lange Zeit verschollen war) nach Irland ziehen und schließlich auf eine Schule für übersinnlich begabte Jugendliche wechseln. Es gibt viele Geheimnisse und zwei mysteriöse Jungen – Aidan und Jared – die um Emmas Aufmerksamkeit kämpfen.

Nach wirklich vielen gelesenen Jugendfantasybüchern war mir klar, dass hier das Genre nicht revolutioniert wird, doch das Buch liest sich nicht nur wie eine Checkliste für sämtliche Klischees dieser Sparte, sondern es ist derart konfus geschrieben, dass mir nach wenigen Seiten regelrecht schwindelig war. Die Kapitel sind enorm kurz, teilweise eineinhalb Seiten lang (bzw. kurz) und es wird von einem Ereignis zum nächsten gesprungen. Für mich war da weder eine klare Struktur noch eine durchdachte Gewichtung zu erkennen. Stellt Euch vor, das Buch wäre eine DVD und jemand drückt den Schnellvorlauf... so in etwa fühlte es sich an. Ganz ehrlich: Das ist in meinen Augen keine echte, lebendige Geschichte, bei weitem nicht.

Wenig überraschend: Den Gefühlsregungen und Gedankengängen der Figuren konnte ich nicht folgen, noch aufgrund der abgehackten Erzählweise irgendeine Form von Bindung zu ihnen aufbauen. Im Zusammenspiel mit den vielen Stereotypen, die hier über die Buchbühne wandern, lesen sich die Dialoge teilweise unfreiwillig komisch.
Wie gesagt habe ich das Buch nur etwa bis zur Hälfte gelesen, glaube aber trotzdem, dass man sich nach sovielen Seiten ein gutes Bild machen kann. Wie die Bewertungsübersicht zeigt, gibt es jedoch Leser, die eine vollkommen andere Meinung vertreten und das Buch mit "gut" bis "sehr gut" bewerten. Ich kann mich da leider null anschließen!
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 14, 2017 12:32 PM MEST


Das Schloss in den Wolken
Das Schloss in den Wolken
von Lucy Maud Montgomery
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,99

5.0 von 5 Sternen Herzerwärmende Geschichte mit Seitenhieben auf die engherzige Spießbürgerlichkeit, 14. März 2017
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das Schloss in den Wolken (Gebundene Ausgabe)
Das Buch erzählt auf herzerfrischende Weise von einer jungen Frau, die sich Anfang/Mitte des vergangenen Jahrhunderts von herrschenden Konventionen löst und ihren eigenen Weg beschreitet. Haupfigur ist Valancy Stirling, für die sich einfach kein Mann findet. Mit knapp 30 Jahren tendieren ihre Chancen auf eine Ehe und damit die Aussicht, endlich aus dem Haus ihrer ewig eingeschnappten Mutter und der wehleidigen Tante herauszukommen gegen Null. Das ist bitter und genauso bitter sind Valancys Gedanken. Von der buckligen Verwandtschaft seit Kindertagen verspottet, herabgewürdigt und gerne daran erinnert, wie wenig anziehend sie sei, wie seltsam und farblos, ist das Selbstbewusstsein der jungen Frau inzwischen dahin. Trost und Zuflucht vor dem grauen Alltag findet sie lediglich in ihren Tagträumen vom blauen Schloss. An ihrem 29. Geburtstag jedoch gibt es für Valancy eine wichtige Erkenntnis und damit große Veränderungen. Brav und folgsam war gestern. Von jetzt an macht Valancy was ihr gefällt.

Das Buch wurde im Original bereits 1926 veröffentlicht, doch erst 2015 ins Deutsche übersetzt. Vielen ist die Autorin sicher von ihrer Buchreihe „Anne auf Green Gables“ bekannt, bei mir selbst fiel der Groschen erst nach ein wenig Recherche, weshalb ich anfangs dachte, es handele sich um eine moderne Geschichte. Es mag an der grandiosen Übersetzung liegen, aber ich war höchst erstaunt von dem ungekünstelten, formlosen und sehr melodischen Schreibstil der Autorin. Immerhin! Dieses Buch wurde vor 90 Jahren geschrieben. Aber die Sätze sind weder kompliziert noch verschwurbelt, falls dies irgendjemand befürchten sollte. Und die Handlung wird von einer feinen Ironie begleitet, die einer Jane Austen alle Ehre macht.

"Tante Isabel, geradeheraus und unangehm wie ein kalter Ostwind, würde sie auf irgendeine Art kritisieren. Wie, war nicht vorauszusehen, denn Tante Isabel sprach nie zweimal dieselbe Kritik aus." Seite15

Ein Drittel des Buches rechnet Valancy in dieser Art mit der spießigen, heuchlerischen, teilweise boshaften und sehr zahlreichen Verwandtschaft ab, bevor die Handlung eine Wendung nimmt. Bis dahin ist man bereits derart von der Geschichte gefesselt und von Valancys Leben berührt, dass man ihr überall hin folgen würde – in die tiefsten Tiefen des Schicksals oder aber hinauf zu den höchsten Höhen. Was sich Montgomery für Valancy ausgedacht hat sei jedoch nicht verraten. Vielleicht soviel: Ich hatte den Eindruck, dass es der Autorin darum geht, bei den Lesern ein Gefühl der Hoffnung und des Mutes zu erzeugen. So entwickelt sich die Geschichte teilweise märchenhaft und unwahrscheinlich, aber mit viel Augenzwinkern nie wirklich kitschig. Jedoch auch niemals albern oder parodistisch.

Lucy Maud Montgomery ist für ihre starken und mutigen literarischen weiblichen Figuren bekannt. So entdeckt auch Valancy in sich ein so tiefes Vertrauen in das eigene Gespür, dass – egal, was da kommen mochte – ich während des Lesens immer überzeugt war, es werde sich schon alles fügen, weil sich Valancys Handlungen und Worte für mich so enorm richtig anfühlten und damit auch nur das Beste verdienten.

Die Autorin besitzt ein großes Talent für sinnliche, poetische, teilweise verklärende Landschaftsbeschreibungen, die sich in der zweite Hälfte des Buches steigern. Man kann sich in diese Beschreibungen fallen lassen wie in ein weiches Kissen, muss dies aber wohl auch mögen. Sie unterstreichen für mich auf ganz wundervolle Weise das Abstreifen gesellschaftlichen Druckes und die Schlichtheit wirklichen Glücks.

"(…)doch von den größeren Inseln wuchsen Lichter wie Blumen auf den See hinaus und an den Ufern leuchteten Lagerfeuer auf, die in die Schatten des Waldes hineinflossen und große, blutrote Bänder auf das Wasser warfen." Seite 251

In nur zwei Tagen habe ich diese traumhaft schöne Geschichte regelrecht durchlebt und hätte mir gewünscht, dass sich das Lesegefühl und die Botschaft in mein Herz brennen: Seid furchtlos und haltet die Augen offen. Wenn das Glück kommt, greift zu!
"Das Schloss in den Wolken" wird in der ersten Reihe meines Buchregales stehen und mich hoffentlich täglich daran erinnern, mehr auf die eigene und weniger auf andere Stimmen zu hören. Ein Buch für Jung und Alt und alle, die Freude an herzerwärmenden Zeilen haben!


Dark Noise
Dark Noise
von Margit Ruile
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,95

3.0 von 5 Sternen Fängt gut an, bleibt aber zu lückenhaft, 11. März 2017
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Dark Noise (Taschenbuch)
Ich beginne mal mit dem Positiven: Margit Ruile hat für ihren All-Age-Thriller „Dark Noise“ ein Thema gewählt, das aktuell ist, wie kaum ein anderes. Es geht um die Manipulation der Öffentlichkeit. Die Autorin konzentriert sich auf zwei Bereiche. Einmal die großflächige Überwachung durch Kameras und zum anderen deren möglichen Missbrauch. Sie stellt die Frage: Was passiert, wenn Menschen digital einfach ausgelöscht oder ausgetauscht werden könnten? Wenn Überwachungsbilder bewusst manipuliert werden könnten? Wer Zugriff auf diese Technik hätte, könnte die Wirklichkeit nach eigenem Gutdünken gestalten. Und dass dies reizvoll ist, beweist ein Blick in die Tageszeitung. Ich sage mal: ALTERNATIVE FAKTEN!
Dabei mischt Margit Ruile reale Möglichkeiten (neuronales Netzwerk) mit Fantasie (absolute Unüberprüfbarkeit von Manipulation). Aber das Weiterdenken macht natürlich diese Art Technikdystopien aus und da kann die Realität schnell die Fiktion überholen. Zunehmend müssen Bilder im Internet bereits jetzt von Fachleuten auf ihre Richtigkeit geprüft werden. Unzählige Fotos sind gekonnt gefälscht. Gerade angesichts der rasanten Verbreitung über soziale Netzwerke entsteht da schnell eine Schieflage der Realität. Hier wird, nicht erst seit gestern, aber in wachsendem Umfang an einer der letzten großen Sicherheiten gerüttelt: Glaube nur, was du siehst! Das gilt nämlich nicht mehr.

Aber zum Buch. Obwohl mich das Thema begeistern und während des Lesens viel zum Nachdenken anregen konnte, war es ein eher durchwachsenes Lesevergnügen. Angekündigt war ein Technikthriller. Doch die Handlung gleitet immer wieder ab in ein Stück urbaner und medialer Entfremdung, bildhaft und metapherreich, etwas schwermütig, träumerisch. Gut geschrieben, aber in der Kombination weder für den Schwerpunkt noch die Spannungskurve ganz optimal und leider einfach nicht ganz meinen Geschmack treffend.
Zwischen fesselnde Szenen schieben sich die etwas surrealen Ansprachen der beiden Protagonisten Zafer und Emily, die rückblickend ihre Geschichte erzählen. Im Fokus steht der begabte, freiberufliche Bildretuscheur Zafer, den wir anfangs begleiten dürfen, während er am Computer Sequenzen einer Soap bearbeitet, aus denen er die Namen von Werbeprodukten tilgt. Sein Job ist eintönig und wenig anspruchsvoll. Zafer vertreibt sich die Langeweile, indem er ganz unauffällig kleine Monster, wie er sie nennt, in die Szenen einbaut - Gimmicks wie Gurken mit Augen, krabbelnde Insekten. Daraus macht er sich einen kleinen Spaß. Zafer vermittelt dem Leser ein Gefühl von Einsamkeit und Realitätsverlust. Die wirkliche Welt scheint ihm Angst zu machen, während er in seiner Arbeit völlig versinken kann. Ein Teufelskreis.
Zafer erhält plötzlich anonym einige seltsame Aufträge. Er soll Videos von Überwachungskameras verändern. Damit steckt Zafer aber bereits mitten in einem echten Mordfall, der vertuscht werden soll.

Um zu erklären, warum sich Zafer in diese recht eindeutig kriminellen Machenschaften hineinziehen lässt, ist es gar nicht einmal unschlüssig Zafer in seiner wirklichkeitsfremden medialen Blase zu zeigen. Leider versetzen die fast schon lyrischen Betrachungen Zafers zu seiner eigenen Situation die Handlung ab und zu in eine Art Schwebezustand, die das Geschehen festgefroren wirken lässt. Zafer, der in der Retrospektive erzählt, zoomt an die Ereignisse heran und wieder weg. Das ist eindrucksvoll beschrieben, aber lenkt auch ab.

Das Gefühl der Surrealität wird noch bestärkt durch einige beachtliche Zufälle, die die Protagonisten im Laufe der Geschichte zusammenführen (oder nicht zusammenführen, Stichwort Serviette). Personen, die sich nicht kennen, aber miteinander in Verbindung stehen, laufen sich mit traumwandlerischer Sicherheit mehrfach über den Weg.
Die Geschichte wirkt insgesamt ausschnitt- und lückenhaft, was nicht nur daran liegt, dass die Ereignisse immer wieder hinter Zafers und später Emilys Gedanken zurücktreten, sondern auch daran, dass die Gegenseite in Person quasi nicht vorkommt. Ab und zu taucht ein Bote auf, ein paar Schlägertypen, gegen Ende dann ein Funktionär. Größtenteils aber gab es da nichts, was wirklich greifbar war, außer Schattengestalten, die sich aus dem Dunkel lösen.

Immer wieder machen die Bösewichte extrem dumme Fehler. Für eine Verschwörung dieser Größenordnung ist das nicht glaubwürdig. Da wird die superwichtige Software halbherzig mit einem Passwort geschützt, das nie ausgewechselt wird. Da werden entscheidende Dateien nicht konsequent gelöscht, sodass der Zugriff auf wichtige Beweisstücke netterweise ganz leicht ist. Für ein einfaches Jugendbuch geht das in Ordnung. Für einen All-Age-Thriller war mir das zu wenig.

So richtig gepackt, hat es mich nicht. Das Buch hat einige starke Szenen, bringt diese aber nicht konsequent als Thriller zusammen. Manches kam mir bekannt vor und wurde noch dazu etwas oberflächlich präsentiert. Das matrixhafte Ende war da nur das I-Tüpfelchen.

Fazit: Auch wenn „Dark Noise“ letzten Endes nicht ganz meinen Geschmack getroffen hat, so ist es doch ein gut geschriebenes, interessantes – aber leider manchmal abschweifendes - Buch zu einem enorm wichtigen Thema. Wer nicht allzu hohe Ansprüche an Komplexität hat und auf der Suche nach einem unterhaltsamen, progressiven Jugendthriller ist, sollte vielleicht einfach mal reinlesen!


Das Jahr, in dem ich lügen lernte
Das Jahr, in dem ich lügen lernte
von Lauren Wolk
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,00

4.0 von 5 Sternen Nasty Betty, 10. März 2017
Amerika 1943: Die elfjährige Annabelle lebt gemeinsam mit ihrer großen Familie (Vater, Mutter, Opa, Oma, Tante und zwei Brüder) in einem kleinen, beschaulichen Dorf. Das Ungewöhnlichste hier mag wohl der stille Außenseiter und Kriegsveteran Toby sein, der sich in einer Hütte in den Wäldern niedergelassen hat. Eines Tages bekommt die Gemeinde einen weiteren Zuwachs: Die als schwererziehbar geltende Betty wird zu ihren Großeltern aufs Land geschickt und erscheint kurz darauf in der Schule. Vom ersten Moment an triezt sie ihre Schulkameraden und hat es besonders auf Annabelle abgesehen, der sie auf dem Schulweg regelmäßig auflauert.

Mit Betty hat Lauren Wolk eine Figur erschaffen, die im Leser die dunkelsten Gefühle provoziert – Empörung, Wut und abgrundtiefe Abneigung. An Betty gibt es keine Grautöne zu entdecken, keine noch so winzige positive Eigenschaft. Sie ist fies, RICHTIG fies! Und sie tut Dinge, die abscheulich sind. So abscheulich, dass die Geschichte sich bald nervenzerrend liest wie ein Krimi. Bettys Handeln ist kriminell. Sie übt Druck und Gewalt aus und – was mindestens ebenso schlimm ist – sie lügt, verleumdet Menschen, sät Misstrauen und setzt damit Gefühle in der kleinen ländlichen Gesellschaft frei, die bisher am Rande des Bewusstseins geschwelt haben, sich nun aber offen bahnbrechen und bald zu ungeahnter Dramatik führen.

Zwischendurch war es schwer, das Buch aus der Hand zu legen. Denn die Fragen, die den Leser durch die Handlung jagen, sind scharf und brennend. Man möchte wissen, warum Betty ist wie sie ist. Ob es dafür eine Erklärung gibt, einen nachvollziehbaren Grund. Man möchte wissen, wie weit sie gehen wird. Und vor allem: ob sich Annabelle gegen sie behaupten kann. Denn Annabelle ist ein liebes, vernünftiges Mädchen, eine sympathische (teilweise fast schon zu erwachsene und korrekte) Protagonistin, der man vollsten Herzens beistehen möchte. Nach und nach schiebt sich dann die geheimnisvolle Figur des Toby in den Vordergrund. Ein Einsiedler, anders, seltam, zwielichtig. Toby streift, behängt mit drei Gewehren und einer Kamera durch die Wälder. Er sieht, hört und fotografiert alles. So durchschaut er Betty von Anfang an. Welche Rolle hat die Autorin ihm in der Geschichte zugedacht? Eine weitere Frage. Der für die deutsche Übersetzung gewählte Titel („Das Jahr, in dem ich lügen lernte") ist hierbei nicht unsinnig, aber auch etwas irreführend. Er drängt sich nicht zwingend auf, macht aber neugierig.

Die Geschichte entwickelt sich auf eine Weise, die ich nicht voraussehen konnte und schließlich mit einer Heftigkeit, von der ich nicht sicher bin, ob sie notwendig gewesen wäre. Am Ende war ich platt! Lauren Wolk erzählt unschuldig, kindlich, teilweise liest sich das Buch wie ein spannendes Kinderabenteuer. Mit seinen vielen ländlich-idyllischen Szenen teilweise auch wie eine Folge von "Die Waltons" oder "Unsere kleine Farm". Davon sollte man sich nicht täuschen lassen.

Zu einem Hauptmotiv wird die Angst vor der Andersartigkeit. In der Umsetzung arbeitet Lauren Wolk viel mit Schwarz-Weiß-Tönen, denen an einigen Stellen Schattierungen gut getan hätten. Negatives (hier in der Figur Betty) wird ebenso zugespitzt wie Positives (Annabelle) und lässt die Protagonisten scharf am Klischee vorbei schrappen. Für jugendliche Leser lässt sich mit derart heldengleichen bzw. schurkenhaften Charakteren natürlich wunderbar mitfiebern. Es darf gehasst und geliebt werden. Und es bleibt viele Seiten lang äußerst spannend.

Schade nur, dass die Autorin im letzten Drittel dann wieder zu einer etwas ausschweifenden, behäbigen Erzählweise zurückfindet, die mir auch auf den ersten Seiten aufgefallen ist. Gegen Ende verliert die Geschichte an Tempo, wird zu detailliert erzählt, was gerade in einem Finale wenig Sinn ergibt und das Leseerlebnis ein klein wenig trübt.

Fazit: Geschichte mit Diskussionspotenzial – über die Angst vor dem Fremden, die Gefahr von Vorurteilen und die Wichtigkeit von mutigem Einstehen für andere. Und ganz nebenbei auch über die Fallstricke von Lügen. Spannend und aufwühlend. Lässt aber mitunter Grautöne und gegen Ende das Tempo vermissen.


Das Reich der sieben Höfe - Dornen und Rosen: Roman
Das Reich der sieben Höfe - Dornen und Rosen: Roman
von Sarah J. Maas
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Unterhaltsam, aber schwächer als erwartet, 5. März 2017
Wenn Bücher ihr Dasein lange auf einer Wunschliste fristen, werden Erwartungshaltungen nicht unbedingt niedriger, was den Blick unter Umständen kritischer ausfallen lässt. Als großer Fan der Reihe „Throne of Glass“ von Sarah Maas habe ich Monate auf die deutsche Übersetzung von "Das Reich der sieben Höfe" gewartet und war schon vor dem Aufklappen im Lieblingsbuchmodus, den ich nun ein wenig herunterfahren muss. Sarah Maas‘ Adaption des Märchens „Die Schöne und das Biest“ konnte mich zwar - wie erhofft - gut unterhalten, wackelt allerdings in einigen Punkten. Und das, obwohl sich die Autorin nicht allzu weit von „Throne of Glass“ entfernt. Ähnlichkeiten lassen sich nicht verbergen und sollen es auch nicht. Hauptprotagonistin Feyre könnte in ihrer spröden, selbstbewussten Art glatt als kleine Schwester von Assassinin Celaena Sardothien durchgehen. Auch die Fae, ein angriffslustiges, elfenhaftes Volk dürfte Kennern von „Throne of Glass“ bekannt vorkommen. Schließlich würzt Sarah Maas das Buch mit einigen Vorlieben: heiße, männliche Protagonisten, dosierte Erotik und – darauf hatte ICH mich am meisten gefreut – originelle, magische Kreaturen.

Angesiedelt ist die Handlung in Prythian – einem märchenhaften Reich, dass sich Menschen, Fae und andere Wesen in einer Art brodelndem Waffenstillstand teilen, der jederzeit in offene kriegerische Auseinandersetzungen umschlagen kann. Feyre lebt mit ihrem Vater und zwei Schwestern in einer kleinen Hütte nahe eines Waldes, in dem Feyre eines Tages einen Wolf erlegt. Kurz darauf fordert ein Ungeheuer Feyres Leben für das des toten Tieres.
Viel mehr möchte ich gar nicht verraten, denn da wären wir schon bei meinem ersten kleinen Problem mit der Geschichte. In Grundzügen bleibt Sarah Maas nahe am Original von „Die Schöne und das Biest“. Kennt man das Märchen, wartet man zwangsläufig auf die bekannten Wendungen, die nicht nur eintreten, sondern leicht krampfhaft abgehakt wirken. Mehrere Übergänge empfand ich als zu abrupt und hastig eingebunden und daher wenig überzeugend. Nach einer fesselnden, atmosphärisch starken Einstiegsszene, die für mich zu den besten in dem Buch überhaupt zählt, konnte Sarah Maas mich so richtig erst wieder im Finale überraschen, wodurch sich bisweilen latente Langeweile einstellte.

In Teilen entfernt sich Sarah Maas dann wieder deutlich von dem Märchen, was dem Ganzen gut bekommt, aber dazu führt, dass ein entscheidender Aspekt verloren geht. Im Märchen ist das Biest – und das ist wirklich entscheidend - ein echtes Biest, hässlich, furchterregend, abweisend. Und Belle ist verängstigt und abgestoßen, woraus letztlich der Reiz der Annäherung zwischen beiden besteht. Der langsame Prozess des Blickschärfens, vom Äußeren hin zu den inneren Werten fehlt bei Sarah Maas fast vollständig, was ich enorm schade fand. Ihr Biest ist ein Feen- bzw. Elfenprinz von unfassbarer Schönheit. Zwar kann sich Fae-Mann Tamlin nach Lust und Laune in ein Biest verwandeln und ist wegen eines Fluches dazu verdammt, stets eine goldene Maske zu tragen, doch sein makelloses Gesicht und seine (ihr ahnt es) wahnsinnig grünen Augen sind kaum zu verbergen. Tamlin ist ein nobler, aber glatter Charakter, der sich im Mittelteil mit einigen romantischen Szenen angenehm profilieren kann, der aber nur ein einziges Mal seine Fassung verliert, was wohl genau deshalb ein heftiges Knistern verursacht.

Die Charakterzeichnung fällt insgesamt etwas dünn aus. Sarah Maas spart (wie so oft) nicht an Klischees, wie dem perfekten Tamlin, dem obligaten Bad Boy und einem sich möglicherweise anbahnenden Love Triangle, was natürlich Unterhaltungswert hat, womit die Autorin aber auch auf ausgetretenen Pfaden wandelt. Eventuell behält sich Sarah Maas einen schärferen Blick auf ihre Figuren für die nächsten Teile vor. Luft nach oben ist vorhanden und einige Protagonisten scheinen noch nicht alle Facetten offenbart zu haben. Da hoffe ich mal ganz auf Rhysand!

Gut gefallen hat mir Feyres freche, emanzipierte und kämpferische Art. Die Nackenhaare stellten sich mir allerdings gegen Ende des Buches auf: Hier tut Feyre etwas ausgesprochen Gewalttätiges, was sich schlicht und ergreifend nicht mit meinen moralischen Vorstellungen deckt und auch nicht mit meinem Bild von echtem Heldentum. Mit dieser Szene büßte Feyre bei mir Sympathiepunkte ein. Vielleicht hätte man die Handlungsweise mit deutlicheren, inneren Zweifeln der Protagonistin relativieren können. In dieser Kürze möchte ich ambivalente Brutalität ungerne untergejubelt bekommen. Auch nicht in einem Jugendfantasybuch. Oder vielleicht gerade hier nicht.
Zuviel des Guten war mir auch das Finale. Auf den letzten Seiten räumt Sarah Maas mit einem ganz speziellen, allerletzten Hindernis auf. Musste das sein? Nun ja…

Stark ist "Das Reich der sieben Höfe" immer dann, wenn die Autorin ihren faszinierenden magischen Kreaturen die Führung überlässt, wie dem unheimlichen Bogge und den wilden Naga. Oder auch dann, wenn ihr Talent aufblitzt, mit einer handvoll Worte aus dem Stand heraus eine Wahnsinnsatmosphäre zu schaffen. Davon hätte es für mich gerne mehr sein dürfen.
Ersichtlich wird immerhin, dass Sarah Maas mit dem Reich Prythian und seinen vielen verfeindeten Fae-Höfen die nächsten Bände der Trilogie locker mit Konfliktpotenzial füllen kann und sich wohl auch weiter von Belle und dem Biest entfernen wird, was die Handlung etwas unberechenbarer und hoffentlich auch spannender machen dürfte.

Alles in allem ein solider, abenteuerlicher, romantisch-erotischer Reihenauftakt mit kleinen Längen, der Fans des Genres begeistert. Mir persönlich fehlt der Zauber des Märchens und eine etwas mutigere Abgrenzung von Stereotypen. Da ich mich insgesamt aber gut unterhalten fühle und ich die magische Ideenvielfalt von Sarah Maas sehr verehre, sind die Fortsetzungen Pflicht.


Mord in der Mangle Street
Mord in der Mangle Street
von MRC Kasasian
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 20,00

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein Ermittler wie aus der Muppet Show und eine selbstbewusste junge Frau auf Holmes Spuren - schräg aber spannend, 1. März 2017
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Mord in der Mangle Street (Gebundene Ausgabe)
Schön, wenn Bücher halten, was sie versprechen. „Mord in der Mangle Street“ von M.R.C. Kasasian lässt mit seinem nostalgischen Cover auf eine viktorianische Detektivgeschichte im Stile Arthur Conan Doyles schließen. Und in der Tat: Der Titel ist Programm. Die Geschichte ist allerdings trotzdem ungewöhnlich, in Erzählstruktur, Besetzung und Verlauf.

London 1882. March Middleton, Raucherin, Gelegenheitstrinkerin, alleinstehend und schlagfertig, befindet sich – nach dem Tod ihres Vaters - auf dem Weg zu ihrem Patenonkel Sidney Grice, einem bekannten Privatdetektiv, der March gleich bei der ersten Begegnung mit Unverschämtheiten und Überheblichkeit brüskiert. Da March keine andere Bleibe hat, bezieht sie ein Zimmer in Grices‘ Haus und befindet sich kurz darauf in den Ermittlungen zu einem mysteriösen Kriminalfall wieder. Eine Frau ist brutal ermordet worden. Der einzige Verdächtige ist ihr Ehemann. Doch dessen Schwiegermutter und Mutter des Opfers, Grace Dillinger, glaubt an seine Unschuld. Sie bittet Grice um Hilfe, der sich umgehend auf die Suche nach der Wahrheit macht, March widerwillig im Schlepptau.

Dass man es nicht mit gewohnten Erzählmustern zu tun bekommt, ist nach wenigen Seiten klar. M.R.C. Kasasian gibt fast keine Orts- und Charakterbeschreibungen an die Hand und nur ein Minimum an Atmosphäre. Stattdessen lässt er seine Figuren erzählen, besser gesagt drauf los poltern. Fast ausschließlich über Dialoge darf man sich das Wesen der Protagonisten selbst erschließen, womit man erst einmal beschäftigt ist, da diese mit Ecken, Kanten und Marotten aufwarten und sich fortwährend Wortgefechte liefern. Konzentration ist nützlich. Die minimalistische, pointierte Erzählweise erfordert eine ruhige Leseumgebung. Zwischendurch, in Bus und Bahn zu lesen, war keine gute Idee. Zu hektisch, zu unruhig und im Ergebnis musste ich viele Passagen fünf, sechs oder sieben Mal Revue passieren lassen, bis alles den Weg von den Augen in den Kopf gefunden hatte.

Dabei war alles furchtbar fesselnd. Viel spannende Recherchearbeit, kniffliges Indiziensammeln sowie messerscharfe Kombinationsgabe. Gut nachvollziehbar und mit viel Wortwitz. Der Ekelfaktor liegt im Mittelfeld. Die eine oder andere brutal zugerichtete Leiche wird etwas genauer inspiziert, ohne jedoch das Maß über zu strapazieren. Bewundernswert lässig schafft der Autor allein über die Anlage seiner Charaktere ein Gefühl für das historische London, wobei er sich vor allem in die armen, weniger ansehnlichen Teile der Stadt begibt.

Dazwischen ein Ermittler, von dem man nicht recht weiß, ob er der Muppet Show oder einer vergessenen Geschichte von Charles Dickens entsprungen ist. Grice; eine Fusion aus Holmes, Scrooge, Waldorf und Statler, Veganer aus Überzeugung und Menschenverachter aus Prinzip, Empathie nahe null. Ein Bein zu kurz, ein Auge zu wenig und das Ersatzauge ploppt ständig aus der Höhle. Mit March Middleton tritt eine gefühlvolle, junge Frau in sein Leben. Damit kann er nichts anfangen, ist aber bald beeindruckt von der Schlagfertigkeit und Hartnäckigkeit seines Mündels. Ein Team sind die beiden noch nicht, könnten es aber werden.

Die für ihre Zeit erstaunlich unkonventionelle March Middleton bildet einen interessanten Kontrast zu dem ewig zeternden Grice, bleibt aber größtenteils rätselhaft. Vor ihrer Ankunft in London scheint sie gemeinsam mit ihrem Vater, einem Militärarzt, Kriegsgebiete bereits zu haben. In melancholischen, tagebuchartigen Einschüben berichtet sie von der medizinischen Versorgung verletzter Soldaten, von denen ein ganz bestimmter wohl eine wichtige Rolle in ihrem Leben gespielt hat. Die kleinen Informationsbrotkrumen zur Vergangenheit dieser ungewöhnlichen Protagonisten streut der Autor sehr geschickt und weckt - jedenfalls bei mir - erfolgreich die Neugierde auf weitere Teile.

Langeweile gab es nie, nur leider kann die Auflösung aufgrund des winzigen Verdächtigenkreises nicht ganz überraschen. M.R.C. Kasasian gleicht dieses Manko zur Hälfte mit einer interessanten List aus, die ich so noch nie in einer Detektivgeschichte vorgefunden habe. Das ist mal innovativ! Doch auch irritierend, zumal nicht nur die Reputation der Ermittler, sondern auch gleich der Spannungsgehalt des ganzen Buches auf dem Spiel steht. Dem Autor gelingt es aber, das Niveau zu halten, indem er die Leser in der Ungewissheit zappeln lässt, ob die Gerechtigkeit am Ende siegen wird. In dieser Hinsicht ist das Ende ausgefallen.

Fazit: Gestört hat mich wenig. Das wanderlustige Glasauge und die ständigen Kabbeleien waren mir irgendwann zu viel. Ansonsten gibt es nichts zu meckern, außer eines: Ich hätte gerne direkt den nächsten Teil zur Hand genommen. Leider gibt es ihn nicht, jedenfalls nicht in deutscher Sprache. Eine Anfrage beim Verlag Hoffmann und Campe ergab die knappe Auskunft, es lägen keine Informationen vor, ob weitere der bislang insgesamt fünf Bände der Serie um Grice und Middleton übersetzt werden, was etwas frustrierend ist, denn ich möchte beide gerne näher kennenlernen!


Teestunde mit Todesfall: Der zweite Fall für Wells & Wong
Teestunde mit Todesfall: Der zweite Fall für Wells & Wong
von Robin Stevens
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,95

5.0 von 5 Sternen Noch besser als Teil 1 ... spannender und dichter, 26. Februar 2017
Wells und Wong die Zweite! Die (inzwischen) 14jährigen Detektivinnen Daisy Wells und Hazel Wong haben einen neuen Fall. Während einer Geburtstagsfeier auf dem Anwesen der Familie Wells wird ein Gast ermordet. Fast jeder der Anwesenden hatte ein Motiv und die Gelegenheit. Umgehend nimmt die Detektei W & W die Ermittlungen auf und bekommt dieses Mal sogar tatkräftige Unterstützung. Bald aber deutet sich an, dass die Lösung dieses Falles niemandem gefallen könnte, am allerwenigsten Daisy, die gar nicht mehr genau weiß, ob sie den Täter oder die Täterin wirklich entlarven möchte.

Wer sie noch nicht kennt: Die Serie um Wells und Wong ist eine (bewusst) altmodisch wirkende, aber sehr charmante Kinder- und Jugendhommage an alte Agatha Christie und Hercule Poirot Krimis, die in den 1930er Jahren angesiedelt ist. Daisy Wells und ihre asiatische Freundin Hazel Wong sind zwei normale Mädchen, ohne übertrieben unglaubwürdige Fähigkeiten, die genau hinschauen, recht pfiffig sind und auf diese Weise oft die richtigen Schlüsse ziehen. Der Zufall kommt ein ums andere Mal zu Hilfe. Ansonsten aber wird viel belauscht und beobachtet und das eben ziemlich gut.

Bereits der erste Fall des Detektivinnenduos hatte mir gut gefallen. „Teestunde mit Todesfall“ legt aus meiner Sicht noch einmal einen drauf. Während mich in Teil eins Kleinigkeiten störten, etwa einige verwirrende Namensähnlichkeiten und ein leicht diffuser Wechsel zwischen Charaktereinführung und Mordaufklärung, schreibt die Autorin dieses Mal von Beginn an dicht und ohne Längen, wozu auch das Setting, ein abgelegenes Anwesen, beiträgt.

Der Ton ist etwas ernster. Zwar wird die Geschichte mit Witz und Leichtigkeit aus kindlich-jugendlicher Perspektive spannend erzählt,
aber Robin Stevens spiegelt auch dieses Mal wieder die komplizierte, problembehaftete Welt der Erwachsenen, die teilweise egoistisch und moralisch fragwürdig wirkt. Daisys Mutter hat eventuell ein Verhältnis mit einem jüngeren Mann, Daisys Vater, Lord Hastings, leidet still vor sich hin und der Mörder befindet sich mit großer Wahrscheinlichkeit unter den Familienangehörigen. Das muss von den beiden Detektivinnen erst einmal verdaut werden. Robin Stevens bringt das gut rüber. Die mutlose Wut und Traurigkeit, die Daisy in manchen Szenen zeigt, wirkt echt. Auch der Mord selbst wird keineswegs als bloßes Abenteuer dargestellt, sondern als das, was er ist: kaltblütig und brutal. Bewusst wendet Robin Stevens den Blick auf das Mordopfer erst dann ab, als genau dies deutlich wird. Gerne mehr von soviel unverklärter, aber keineswegs unangemessener Ehrlichkeit in Kinder- und Jugendbüchern.

Die Mädchen werden in ihrem zweiten Fall schon als eingespieltes Team dargestellt. Beide wirken vertrauter, rücken – vor dem Hintergrund dieses speziellen Mordfalles - näher zusammen. Erzählerin ist wieder Hazel Wong, Schriftführerin der Detektei. Sie ist ein kleiner Watson, ruhig und überlegt. Ein sympathisches, zurückhaltendes Mädchen, das manchmal verunsichert ist, weil sie im England der 30er Jahre nicht selten als fremdartig wahrgenommen wird. Daisy ist das genaue Gegenteil, wild und sehr von sich überzeugt, was in Teil 1 zu kleineren Reibungspunkten führte. Dieses Mal kommen die Freundinnen fast ohne Zankereien aus, was ich sehr angenehm fand, weil es von dem Mordfall abgelenkt hätte.
Schließlich darf der Leser zwei Charaktere etwas besser kennenlernen: Kitty und Küken. Vor allem die piepsige Küken bringt Leichtigkeit in eine ansonsten spannende aber auch eindringliche Kriminalgeschichte.

Die Auflösung ist gut verborgen und es darf – ganz klassisch - munter drauf los geraten werden. Einfach ist das allerdings nicht. Denn jeder Verdächtige hat ein Geheimnis, denen die Mädchen nach und nach auf die Schliche kommen. Das Ende ist dann gut nachvollziehbar. Robin Stevens präsentiert in „Teestunde mit Todesfall“ nicht nur einen Täter oder eine Täterin, sondern erneut ein MOTIV, das moralisch zwar nicht gutgeheißen, wohl aber erklärt und damit nicht ganz und gar verurteilt wird.

Mein Fazit: Well done, Robin Stevens! Ein spannender, dicht erzählter zweiter Band, der Lust auf weitere Abenteuer dieser etwas anderen Serie weckt.


Eine Geschichte der Zitrone
Eine Geschichte der Zitrone
von Jo Cotterill
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,99

5.0 von 5 Sternen Kleines Buch ganz groß, 17. Februar 2017
Einsamkeit ist seit dem Tod ihrer Mutter für Calypso zum Normalzustand geworden. Abgeschottet lebt sie zusammen mit ihrem Vater, einem Schriftsteller, der sich die meiste Zeit über in seinem Arbeitszimmer einigelt und an seinem Lebenswerk „Eine Geschichte der Zitrone“ feilt. Als kluges, interessiertes Mädchen füllt Calypso ihr Leben mit Büchern, in denen sie sich wohl und geborgen fühlt, während die Regeln von Freundschaft und Liebe unbekannt, unberechenbar und riskant erscheinen. Aber dann gibt es da plötzlich Mae, die Calypsos Freundin sein will.

Das Buch hat viele Facetten, die zu einem runden und wunderschön erzählten Ganzen zusammenfinden. Zentral sind die Themen Depression und Trauer. Insbesondere die Frage: Wie ist das für Kinder, wenn ein Elternteil an einer Depression erkrankt ist? Der Leser nimmt die Perspektive der elfjährigen Calypso ein, die begreift, dass bei ihr zuhause irgendetwas nicht so richtig stimmt, aber nicht fassen kann, was das eigentlich ist. Sie schultert die Verantwortung für sich selbst, den Haushalt und einen Vater, der nur noch für seine Arbeit lebt und Calypsos Bedürfnis nach Liebe mit emotionaler Schwäche gleichsetzt.

Was die Geschichte besonders macht, ist Calypsos Sicht auf die Dinge, die vieles einfach nicht einordnen kann, weil sie ein Kind ist und es nicht versteht. Calypso versucht stark zu sein, weil ihr Vater das von ihr verlangt. Damit überdeckt sie ganz viele Sehnsüchte, die man als Leser nach und nach entdecken darf. Aber auch viele ambivalente Emotionen - Sorge, Überforderung, Zweifel, Ratlosigkeit, Andersartigkeit, den Wunsch nach Normalität, Verantwortung-abgeben-dürfen. Ein kleines, starkes Mädchen, das gelernt hat, Gefühle wegzusperren, sich aber tief im Innern nach Wärme und Geborgenheit sehnt.

Der Ton ist abwechslungsreich. Von traurig, über bitter bis leicht und schön, vornehmlich aber melancholisch. In das Gefühl der Wut über den Vater, der seine Tochter fast völlig sich selbst überlässt, mischt sich das Verständnis, dass Betroffene weder etwas für ihre Depression können, noch immer in der Lage sind, diese selbst zu erkennen oder sich Hilfe zu holen.
Völlig unverkrampft, in einer lebendigen, alle Sinne ansprechenden Schreibweise, lässt die Autorin helle Hoffnungsstrahlen über ihre Geschichte scheinen, indem sie aus der Rückzugswelt der Bücher letztlich Calypsos Brückenschlag zum Leben gelingen lässt.
Über die zarte, aber schnell intensiver werdende Freundschaft zu der lebenslustigen, ebenfalls buchbegeisterten Mae mit ihrer völlig normalen, lauten Familie bekommt Calypso eine Ahnung davon, dass Stärke nicht aus Abhärtung und Abkapselung entsteht, sondern aus der Öffnung gegenüber dem Leben und den Menschen. Mit allen Freuden und Enttäuschungen, die da möglich sind.

Fazit: Thema Depression und Trauer, wunderbar erzählt, im hoffnungsvollen bibliophilen Gewand. Anrührend und deutlich, ohne abwertend zu sein. Ein kleines, großes Buch!


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