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Rezensionen verfasst von
Felix Hintz
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It
It
Preis: EUR 18,70

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das muss raus, 29. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: It (Audio CD)
"Aha" denkt man sich fragend, wenn man sich die Titelnamen anschaut. "Aha" sagt man sich mit einem Grinsen, wenn man sich das Cover anschaut. Und "Aha!" geht es einem auf, wenn diese Musik durch den Kopf bläst.

Auf "It" spielen sich Jan Klare (Saxophon, Flöte, Klarinette) - größeren Kreisen vielleicht bekannt als Bürgermeister, Komponist und Mastermind von "The Dorf", und wie auch hier hörbar fantastischer Bläser und sehr einfallsreicher Komponistenkopf -, Oliver Siegel (Synthesizer), dem die rare Gabe zueigen ist, dank kompletter Beherrschung der Synthesizermöglichkeiten elektronische Klänge menschlich klingen zu lassen und ihnen emotionale Tiefe zu geben (und der ganz nebenbei dafür verantwortlich ist, dass "You are so me" nach mehr klingt als drei Musikern) und Simon Camatta (Schlagzeug, Perkussion), der rhythmisch von Geradeaus bis Free alles beherrscht und ein ganz feines Ohr für die Mitmusiker hat, mehrfach in einen hochenergetischen Rausch. Dabei sind die Stück auf den ersten Blick rhythmisch oft recht einfach gehalten, fesseln aber dort sowohl im Detail als auch im harmonischen, klangästhetischen und dramaturgischen Bereich. Zugegebenermaßen muss man sich an den Klang dieses Dreiers gewöhnen (was ganz hervorragend über den Player auf ihrer Website [...] funktioniert, dort lässt sich die CD nämlich im Gegensatz zu den 30-Sekunden-Soundschnipseln hören, was den Kauf allerdings keinesfalls ersetzt!), hat man dies getan, eröffnet sich eine ungemein fesselnde Musik, die stets neu gehört werden will und sich so schnell auch nicht wieder aus dem Kopf verdrängen lässt.

"Es" muss raus, und das (meist) mit Hochdruck. Dass sie aber auch anders können, beweist "kαɩ" von Oliver Siegel, das Tongedicht-artig mit einem starken Sinn für Klangästhetik der CD einen zentralen Ruhepol ermöglicht.

Und freut man sich dann gespannt auf den Rausschmeißer am Ende der CD - Pustekuchen! Wunderbar begleiten Klare-Siegel-Camatta einen mit einer Mischung aus Gute-Nacht-Lied und Jahrmarktstimmung aus der CD. Grandios!

Anspieltipps: "It", "tā", "kαɩ", "O." (für Ungeduldige ab Minute 6:07 empfehlenswert) und "Det".


Original Pimpant
Original Pimpant
Preis: EUR 30,59

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die logische Weiterentwicklung, 29. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: Original Pimpant (Audio CD)
Man mag sich zunächst vielleicht über die kurze Spielzeit dieser CD wundern. Allerdings sind diese gut 40 Minuten bedeutend lohnenswerter als Vieles, was zur Zeit auf über einstündigen Jazzalben zu hören ist.

Auf dieser zweiten CD des Emile Parisien Quartets präsentiert sich die Musik nicht in dem Maße so direkt zugänglich, wie es auf dem ersten Album "Au revoir porc-épic" der Fall ist. Hat man sich aber ersteinmal hineingehört, gibt es viel Spannendes zu entdecken. Zunächst fällt auf, dass das Quartet seit der ersten Veröffentlichung zu einem noch gemeinsameren und homogeneren - aber beileibe nicht glatten! - Gruppensound gefunden hat. Wer wann genau ein Solo spielt oder was davon eher Begleitung ist, scheint ebenfalls nicht mehr von Belang. Bezüge zur modernen europäischen Klassik kristallisieren sich deutlicher heraus als dies bisher der Fall war, darüber hinaus findet sich erstmals eine "klassische Coverversion", "Le Bel à l'Agonie (d'apres Richard Wagner)", in der interessanterweise nicht im klassischen Sinne soliert wird, sondern vielmehr mit der vom Ursprungsmaterial evozierten Stimmung gearbeitet wird.

Was aufgrund dieser Beschreibung vielleicht kopflastig erscheinen mag, ist dennoch eine sehr vitale und extrem emotionale Musik, die nicht an treibenden und intensiven Momenten geizt und mit "Darwin à la Montagne" einen irrwitzigen Parforceritt durch verschiedenste Stile bietet. Die Musik dieses Quartetts schafft es tatsächlich, den vielbesungenen Weg abseits der ausgetretenen Pfade zu gehen, das aber nicht auf eine zwanghafte Art und Weise, sondern vom Klangerlebnis her vollkommen natürlich.

Ganz davon ab ist allein der Ton Emile Parisiens auf seinem Sopransaxophon den Kauf der CD wert.

Die kurzen Soundschnipsel, die auf gängigen Platformen wie auch amazon zu hören sind, können die Genialität dieser Musik nicht annöhernd abbilden. Es lohnt sich daher, bei youtube einen tieferen Eindruck zu gewinnen. Vorschläge:

"Requiem Titanium" ==> [...]
"Sopalynx" ==> [...]
"Darwin à la Montagne" ==> [...]
Ausschnitte der beiliegenden DVD ==> [...]
...

Klasse ist die Bonus-DVD: Dort findet sich ein 70-minütiges Livekonzert des Quartetts, in dem sie abgesehen von "Sopalynx" ausschließlich Material von ihrem fantastischen ersten Album "Au revoir porc-épic" spielen (dessen Erwerb sich ungeachtet dieser DVD ohne Einschränkung ebenfalls lohnt!). Abgerundet wird diese Beigabe durch eine interessante 30-minütige Dokumentation über die Probenarbeit des Trios anhand des Stückes "Requiem Titanium". Sehr empfehlenswert!


Au Revoir Porc-Epic
Au Revoir Porc-Epic
Preis: EUR 22,95

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Was für ein Debut!, 29. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: Au Revoir Porc-Epic (Audio CD)
Bereits diese erste Einspielung des Emile Parisien Quartets - bestehend aus dem Namensgeber am Sopransaxophon, Julien Touery am Piano, Ivan Gélugne am Bass sowie Sylvain Darrifourcq am Schlagzeug - weist eine erstaunliche Reife sowohl der Komposition als auch der Interpretation und Improvisation auf. Ihre Stücke haben mit der bekannten Abfolge Thema - Soli - Thema wenug am Hut, vielmehr entwickelt sich in den oft sehr narrativen Stücken vieles nach und nach, da werden Spannungsbögen aufgebaut, neue Themen und Motive eingeflochten, oft entwickeln sich die Stücke in eine gänzlich andere Richtung, als zunächst angenommen. Das erstaunliche dabei: Dies alles geschieht mit einer immensen Stimmigkeit und inneren Logik. Beispielhaft sie hier das grandiose "Le clwon tueur de la fête foraine" genannt, das als harmloser gefälliger Walzer beginnt und sich über monk-artige Klavierfiguren nach und nach in ein losstürmendes Vehikel für eine Improvisation Parisiens entwickelt, die fast schon essentielle Züge trägt. Einflüsse sind nach eigenen Aussagen neben John Coltrane und dem aktuellen Wayne Shorter Quartet - wobei gerade letzterer der Scheibe gelegentlich stark anzuhören ist - vor allem die Klassik des 20. Jahrhunderts. Aus der Melange des Wissens um die Jazztradition, Anklängen moderner Klassik, kraftvollen Ausbrüchen mit teils treibenden Riffs, improvisatorischer und technischer Finesse, einem großen Gespür für Gruppenklang und einer immer wieder eingestreuten gehörigen Portion Humor bildet sich eine ungeheuer spannende Klangästhetik, die bei jedem erneuten Hören neue Facetten entdecken lässt.

Glücklicherweise schafft es das Quartett, die Energie des Liveauftrittes (den man sich nach Möglichkeit nicht entgehen lassen sollte!) mit ins Studio zu nehmen, und glücklicherweise erlaubte es das Label "Laborie" den Musikern auch - ebenso wie auf den folgenden Alben - den Stücken die Zeit zu geben, die sie brauchen, die Spielzeiten von bis zu 16 Minuten sind absolut notwendig und gut gefüllt.

Diese erste CD stellt einen guten Einstieg in den musikalischen Kosmos des Emile Parisien Quartets dar, einer der spannendsten Formationen, die es momentan zu entdecken gibt.

Anmerkung: Die zweite CD des Quartets, "Original pimpant" enthält eine Bonus-DVD mit einem Livemitschnitt eines Konzertes in Paris, bei dem fast ausnahmslos Stücke des hier vorliegenden ersten Albums gespielt werden. Das stellt zumindest eine Alternative zum Erwerb "nur" dieser CD dar, wobei man dann auf das unfassbare "Le clown tueur de la fête foraine" dann leider verzichten müsste...


Another Day
Another Day
Preis: EUR 17,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Und wieder mal die Europäer..., 11. März 2008
Rezension bezieht sich auf: Another Day (Audio CD)
In der Kategorie Piano-Trio scheint "das alte Europa" den Amerikanern in Sachen Innovation immer deulicher den Rang abzulaufen. Bewegen sich viele der - durchaus großartigen - amerikanischen Trios doch allzu oft in ausgetretenen Pfaden, die schon lange nichts neues mehr zu bringen scheinen, so findet man im europäischen Raum doch einige Formationen, die dem Jazz entweder neue Wege aufzeigen, oder ihm eine individuelle Note verleihen.

Eine dieser Formationen ist das Michael Beck Trio. Unüberhörbar mit europäischer Tonsprache aufwartend, prägt die Musik vor allem eines: Das konsequent benutzte Haltepedal Becks. Dadurch gewinnt die Musik Atmosphäre und Tiefe, ohne entrückt zu wirken. Möglich wird dies in Kombination mit einer weiteren Eigenschaft des Schweizers: er schlägt keinen Ton an, der nicht nötig ist. Dabei wirkt er mitnichten minimalisitsch und verkopft, vielmehr gewinnt sein sehr einfallsreiches und durchdachtes Spiel dadurch ein gehöriges Maß an Eloquenz.

Becks Kompositionen besitzen einen untergründigen Swing, teils wunderschöne, teils verstörende und teils treibende Momente. Unter den elf ausschließlich Eigenkompositionen befinden sich zudem drei Stücke, die rubato gespielt werden.

Grandios unterstützt wird Beck vom Bassisten Thomas Dürst und dem Schlagzeuger Samuel Rohrer. Letzterer tritt solistisch zwar kaum in den Vordergrund, doch strukturiert er durch sein Spiel das Geschehen ganz entscheidend. Er überzeugt durch agiles, präzises und einfallsreiches Spiel, das nie aufdringlich wirkt. Bassist Thomas Dürst setzt mit seinem Bass mehr als nur ein sattes Fundament, seine Soli zeugen von großer Vorstellungskraft, und auch in Triopassagen setzt er seine Töne sehr intelligent.

Das Michael Beck Trio spielt auf "Another Day" Musik, die sich vielleicht nicht gänzlich beim ersten hören erschließt. Hat man sie aber erst einmal entdeckt, wird sie einen so schnell nicht wieder loslassen.


Follow the Red Line-Live at the Village Vanguard
Follow the Red Line-Live at the Village Vanguard
Preis: EUR 7,99

11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Underground live, 25. Dezember 2007
Da ist sie nun also, die Nachfolger-CD von Chris PotterŽs Underground, und neben einem Personalwechsel (Adam Rogers ersetzt Wayne Krantz an der Gitarre) fällt noch ein anderer Unterscheid ins Auge: Es ist eine Live-CD, was ja bekanntlich für eine höhere Intensität spricht, als eine Studioplatte.

Und genau das ist es auch, was die neue Platte noch spannender macht als den Vorgänger. Die ausnahmslos großartigen Soli bekommen viel Platz eingeräumt, und jeder der Solisten nutzt sie auf seine Art und Weise: Chris Potter schraubt sich gewohnt in die Improvisation hinein, klimmt höher und höher und erreicht mal ein großes Ausmaß an Dramatik, mal an Grooves, kann aber auch ganz einfühlsam spielen, wie im eigentlich vollkommen aus der Reihe tanzenden, aber nichtsdestotrotz wunderschönen "Zea". Adam Rogers beginnt stets wie ein schlafender Riese und erwacht langsam, dann aber mit Macht, Craig Taborn ist aufgrund seines Daseins als Fender-Rhodes-Pianist mit Bassaufgaben in seinen Soli eher atmosphärisch, aber nicht minder spannend zu Gange. Und Nate Smith kommt selten, aber eigentlich permanent zu Wort, ist er es doch, der durch seine präzisen Klasserhythmen der Combo ein solides Fundament verschafft und die Wirkung der Musik großteils mitprägt.

Chris Potters überbordende Kreativität äußert sich nicht nur darin, dass es zeitgleich zwei CDs auf den Markt bringt, sondern auch darin, dass es mit seiner Underground-Combo durchgehend neue Stücke präsentiert. Die sind zwar immer noch unverkennbar Chris-Potter-Stücke, mit einfallsreichen, klugen, groovenden und einfach auch schönen Ideen, jedoch ging die Entwicklung dahin, dass die meisten Stücke zwei verschiedene Charakter haben, meist einen etwas ruhigeren und harmonisch anspruchsvolleren und einen anderen eher grooveorientierten. Das mag zwar abwechslungsreicher sein, hat leider aber auch zur Folge, dass die Stück nicht immer eine innere Geschlossenheit aufweisen können, wie es der Musik nur guttun würde.

Aber dennoch überwiegt das Positive ganz eindeutig, und dass ich mal liebend gerne wieder etwas von seinem akustischen Quartett hören möchte, das ist nun wirklich mein persönliches Problem.


Live in Hamburg
Live in Hamburg
Preis: EUR 16,99

11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Live eine Offenbarung, 25. Dezember 2007
Rezension bezieht sich auf: Live in Hamburg (Audio CD)
Man hörte es immer wieder von begeisterten Konzertbesuchern, zu denen ich mich glücklicherweise auch zählen kann, dass die Platten von e.s.t. eine feine Sache seien, aber die Livekonzerte eine Offenbarung. Und in der Tat: Was die drei Schweden im Novemeber 2006 in Hamburg auf die Bühne zauberten, war ein Beleg dafür, dass sie vollkommen zu Recht seit einigen Jahren als die Speerspitze der Trioformation gelten.

Ihre Musik erreicht live eine ganz andere Intensität als auf Platte, nicht zuletzt deshalb, weil die Soli sich über längere Zeiträume aufbauen können und die Musiker in der großen Hamburger Halle weiteren Ansporn duch das euphorische Publikum erhielten. So steigerten sich e.s.t. in ihren wunderbaren Stücken in die hypnotischen Soge, in denen man sich beim hören einfach nur ergehen lassen kann; die Liveelektronik wirkt in keinster Weise wie effekthascherisches Beiwerk, sondern ist ein Mittel für weitere Klangfarben und erweitert in ganz natürlicher Weise das Vokabular des Jazz. Grandios an e.s.t.: Da rocken sie in einem Stück heftig los, lassen das Stück atmosphärisch ausklingen und spielen daraufhin - ohne Bruch, sowohl gedanklich als auch akustisch - eine Ballade, die ganz einfach und unverfälscht daherkommt. e.s.t. beherrscht diesen Brückenschlag im Schlaf und bietet somit nicht nur ein mitreißendes, sondern auch äußerst abwechslungsreiches Konzert, das nur einen einzigen Kritikpunkt aufweist: Esbjörn Svensson benutzt doch ein wenig zu häufig sein Einheitslick für schnelle Passagen.

Ganz zu letzt sei noch die Klangqualität zu erwähnen: Für eine CD ist sie großartig, für einen Livemitschnitt phänomenal.

Uneingeschränkt zu empfehlen.


Lontano
Lontano
Preis: EUR 9,99

45 von 45 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Offenbarung, 3. September 2006
Rezension bezieht sich auf: Lontano (Audio CD)
Sicherlich ist bei ECM-Künstlern stets zu beobachten, dass sie das Material, das sie bei Liveauftritten oft druckvoll und offensiv spielen, auf Tonträgern stets einige Nummern ruhiger zu spielen haben. Das ist die ganz eigene ECM-Ästhetik. Doch bei dieser Platte ist es ganz und gar nicht angebracht, möglicher Liveenergie hinterherzutrauern, denn die Musik hier ist nur dynamisch zurückgefahren, aber keineswegs emotional. Und so verschwinden Gedanken über einen möglichen Vergleich auf der Stelle.

Versammelt sind hier wiederholt Balladen, die in einer ganz eigenen Musiktradition zu stehen scheinen, keiner unbekannten, aber doch einer wunderbar eigenständigen, die stets von tiefer Melancholie getragen ist. Das Spiel des Quartetts ist im Vergleich zum Vorgänger "Suspended Night" noch reduzierter geworden, aber es fehlt an nichts. Jede Note scheint das Produkt einer genauen Überlegung zu sein, ohne dass die Musik
auch nur im Ansatz kopflastig wirkt. Daneben gibt es Krzysztof Komedas "Kattorna" in einer großartigen, leicht borstigen Neuaufnahme (1995 spielte Stanko es bereits für sein Komeda-Tribut-Album ein) und die drei titelgebenden Stücke Lontano I, II und III. Diese drei völlig frei improvisierten und verhältnismäßig langen Stücke zeigen am deutlichsten, auf welchem Level sich diese Ausnahmemusiker bewegen. Ist das Zusammenspiel der vier schon auf den komponierten Stücken eng verzahnt, so ist es hier einmalig zu hören, wie die vier aufeinander hören, einzelne eingeworfene Motive aufnehmen, verarbeiten, die Stücke weitertragen, sich entwickeln lassen, wobei alle als gleichberechtigte Partner agieren und jeder den anderen Raum lässt, sich zu entfalten. Manchmal glaubt man gar nicht, dass diese Musik frei improvisiert ist, so essentiell scheint sie.

Tomasz Stankos Trompetenton ist voll melancholischer Atmosphäre, mal schwebend, mal schmerzhaft, mal leicht nervös. Er verschwendet keine Note, findet aber immer die richtige und lässt seinen drei Mitmusikern viel Raum, den diese ausnahmslos perfekt nutzen. Am stärksten tut dies Marcin Wasilewski. Seine Voicings sind stets dicht und beweisen ein superbes musikalisches Vorstellungsvermögen, die Improvisationen sind sehr lyrisch und teils auch sphärisch, ohne belanglos zu klingen. Slawomir Kurkiewicz legt in den Balladen ein volles Fundament, interagiert in den freien Imrpovisationen auch gerne in höheren Lagen, schöpft die Klänge seines Basses auch mit dem Bogen aus und wirkt insgesamt wie ein drittes Melodieinstrument. Michal Miskiewicz schafft es, nicht wie das fünfte Rad am Wagen zu wirken, als das Schlagzeuger in solch ruhigen Stücken oft wirken. Er spielt sein Schlagzeug eher klangdienlich als perkussiv, setzt kleine Impulse oder entwirft neue Schattierungen, wirkt dabei aber nicht aufdringlich.

"Lontano" ist eine Offenbarung. Selten hört man eine so eingespielte Gruppe, in der herausragende Individuen zusammen eine Identität finden und so eine große Emotionalität hervorzaubern können.

Zwar ist es bei ECM eigentlich unnötig, auch nur ein Wort über die Tonqualität zu verlieren, aber hier sei es mir gestattet: So grandios klang wohl noch nie eine CD. Der Klang ist außerordentlich rund und warm, und dennoch klar und transparent bis ins kleinste Detail. Schließt man die Augen, so ist man mitten zwischen diesen vier Ausnahmemusikern.


Live in Tokyo
Live in Tokyo
Preis: EUR 8,99

8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Grandios, 15. August 2006
Rezension bezieht sich auf: Live in Tokyo (Audio CD)
Die Erwartungen sind natürlich groß, wenn Brad Mehldau, der wohl einer der prägendsten Pianisten der letzten Jahre war, ein Soloalbum vorlegt. War sein erstes, "elegiac cycle", eines der schönsten Soloalben überhaupt, sehr persönlich, introvertiert, klassisch geprägt, so präsentiert sich sein Solospiel hier gänzlich verwandelt. Bis auf ein kleines Intro spielt er ausschließlich Fremdkompositionen, und wenn man vermuten würde, dass er diese auseinandernehmen und neu zusammenbauen würde, so liegt man falsch. Mehldau nimmt sich diese Stücke und spinnt komplexe Linien darum, verwandelt Begleitungen in insistierende Tonrepititionen und baut oft Klanggebilde auf, dass es fast schwerfällt zu glauben, ein einziger Pianist improvisiere sie. So bei "Paranoid Android", das über fast zwanzig Minuten hin einen großen Spannungsbogen schlägt, fesselt, kocht, fast resignierend erscheint und dann doch wieder vor Kraft strotzt. Mehldau spielt dieses ursprüngliche Popstück mit der Sprache des Jazz, großartig, man vergisst fast den Ursprung und glaubt, diese Stück habe schon immer so klingen müssen, und nicht anders. "MonkŽs Dream" wird von ihm zu einer Tour de force gemacht, mit viel Einfallsreichtum und Witz gespielt, "From this moment on" zu einer treibenden Uptempoimprovisation, man wundert sich doch immer wieder, was aus vermeintlich totgenudelten Standards und bekannten, oft gespielten Stücken werden kann, wenn man einen Könner daran lässt. So auch bei "How long has this been going on?", das ganz schlicht, mit simpler Stridebegleitung daherkommt, aber mit sehr viel Liebe improvisiert ist. Und da schleicht sich am Ende doch tatsächlich ein Kinderlied ein...

Mehldau hatte wohl nicht einmal das Ziel, irgendwelchen Erwartungen zu entsprechen. Er hat vermutlich einfach versucht, aus den Stücken, die ihm am Herzen liegen, das beste für einen Soloauftritt zu machen. Und dabei ist er über sich hinausgewachsen. Selten gingen technische Fertigkeiten und kreative Ausführung eine Musik so eng Hand in Hand.


Easy Living (2004)
Easy Living (2004)
Wird angeboten von J A Z Z w o r k s
Preis: EUR 15,90

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Italienisches Flair, 15. August 2006
Rezension bezieht sich auf: Easy Living (2004) (Audio CD)
Wenn man diese Musik hört, dann klingt sie typisch italienisch, ohne dabei Klischees zu bedienen. Woran liegt es? Es ist nicht einmal das italienische Temperament, das durch die Musik scheint, es ist eher ein Lebensgefühl, ein Charakter, der sich in der Musik niederschlägt. Und Erfahrung, viel Erfahrung, von Enrico Rava in Töne gegossen. Stücke wie "Sand" oder der Opener "Cromosomi" sind durchzogen von Melancholie. Rava spielt durchdacht, fast schon spartanisch, aber das verfehlt seine Wirkung nicht, denn das, was er spielt, seine melodischen Linien, sein nervöses Flattern, geht tief.

Aber das ist nur ein Teil der Wahrheit. Denn andere Titel wie "Travelling Night" und "Algir Dalbughi" spiegeln Lebensfreude wieder, ein Augenzwinkern. Eine breite Palette von Stimmungen lebt in diesem Album komprimiert.

Ganz stark präsentiert sich hier neben Rava auch Pianist Stefano Bollani: Oft scheint es, als würde er das Spiel eher durcheinanderbringen als begleiten, und doch passt das, was er macht, kongenial dazu. Das mag paradox klingen, aber Bollani ist mit einem Einfallsreichtum und einer Klangvorstellung gesegnet, die ihn sehr unkonventionell agieren lassen. Gianluca Petrella greift das Timbre Ravas auf, fügt sich mit seinem jungen Alter nahtlos in diese Gruppe, als sei es das natürlichste der Welt und überzeugt durch tolle Improvisation. Bonaccorso und Gatto spielen stark wie gewohnt, entfalten allerdings nicht so viel Druck wie bei Liveauftritten. Aber das macht auch gar nichts. Wenn bei ECM auch oft dazu gedrängt wird, alles eine Spur ruhiger angehen zu lassen, so ist das im Falle der Musik von Enrico Rava scheinbar nicht ganz durchgesetzt worden. Und wo es das ist, da schadet es keineswegs. Stefano Bollani bewegt sich so frei, wie er es wünscht (besonders bei seinem Solo in "Travelling Night" oder seinem grandiosen Vorabsolo in "Algir Dalbughi"), und Ravas Spiel ist über solche Limitierungen sowieso erhaben. Es bewirkt teilweise schlichtweg, dass sich das ganze Album entspannter anhört. Wohlgemerkt ohne zu langweilen. Ob man solchen Vorgaben eines Labels nun skeptisch gegenübersteht oder ob man sie begrüßt, spielt bei diesem Album aber eigentlich keine Rolle. Denn was das Quintett aus dieser Vorgabe macht, ist grandios.


In Amsterdam
In Amsterdam
Wird angeboten von Fulfillment Express
Preis: EUR 20,47

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Lyrisch, abwechslungreich, wunderbar, 15. August 2006
Rezension bezieht sich auf: In Amsterdam (Audio CD)
Das Solospiel gehört zu den größten Herausforderungen eines Jazzpianisten. Nur alleine mit den 88 Tasten des Klaviers, die keinen Fehler verzeihen, alles ist direkt hörbar, man kann sich nicht hinter Mitspielern verstecken. Fred Hersch muss solche Furcht allerdings nicht haben, er steht über diesen Dingen. Eindrucksvoll zu hören auf seiner Liveaufnahme im Amsterdamer Bimhuis, wo er auf dem nagelneuen Steinway das letzte Konzert seiner Solotour durch Europa gab.

Hersch lässt sich Zeit, ohne dabei langweilig oder geschwätzig zu werden. Er spielt außergewöhnlich lyrisch und dicht, nutzt die gesamte Breite der Klaviatur aus, was man sonst selten hört, wenn er beispielsweise kristallklar (auch dank der grandiosen Aufnahmequalität, so realistisch hat man selten ein Klavier auf einer Aufnahme gehört) hoch im Diskant improvisiert. Er schafft es, den Hörer in den Fluss seiner Improvisationen hineinzuziehen, oder ihn von Atmosphären zu umgeben (wie im fast mystischen "The Peacocks", großartig, wie er mit den Stimmungen spielt). Ein nie versiegender Ideenfluss prägt sein Spiel, sei es bei den gewählten Fremdkompositionen oder den Eigenkompositionen (besonders schön das schlichte aber darum umso eindringlichere "Valentine"). Zudem ist nicht - wie oft bei Solopianisten der Fall - jedes Stück stilistisch vergleichbar, Hersch vermag jedem Stück einen neuen Charakter zu geben, ohne dabei den roten Faden zu verlieren, sodass man am Ende der CD das Gefühl hat, gerade ein wunderbar lyrisches, abwechslungsreiches und sehr, sehr gutes Solokonzert live erlebt zu haben.


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