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Beiträge von K. Schneider
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Rezensionen verfasst von
K. Schneider
(TOP 1000 REZENSENT)   

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Die Besessenen: Roman (Witold Gombrowicz, Gesammelte Werke in elf Bänden (Taschenbuchausgabe))
Die Besessenen: Roman (Witold Gombrowicz, Gesammelte Werke in elf Bänden (Taschenbuchausgabe))
von Rolf Fieguth
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

4.0 von 5 Sternen „Was aber geschah zur gleichen Zeit im Schloss...?", 12. April 2017
Ein seltsames Zwitterwesen, dieser Roman. Inhaltlich wälzt er Grundfragen des Menschseins vor sich her, erkundet Wege der Identitätserkenntnis, spürt den Ambivalenzen guter und böser Wesenszüge nach, handelt gesellschaftliche Wandlungen im Polen des frühen 20. Jahrhunderts ab; formal bedient er sich hemmungslos des Instrumentariums des Schauerromans, es irrlichtert und spukt so unverhohlen wie grauselig. Und völlig ungeniert trägt der Roman die Narben zur Schau, die die ursprüngliche Fassung als Fortsetzungsroman der Erzählung schlug. „Was aber geschah zur gleichen Zeit im Schloss...?" - derlei Sätze schließen die Kapitel ab, und es fehlte nicht viel bis zur munteren Aufforderung: Erfahren Sie mehr in der nächsten Folge!

Wer sich Gombrovicz mit der grundsätzlich zutreffenden Vorstellung nähert, es mit einem der besten Erzähler des vergangenen Jahrhunderts zu tun zu bekomme, reibt sich über die offen aufgetragenen Klischees und Trivialitäten gelegentlich die Augen. Wenn da nicht noch etwas anderes wäre: die von Anfang an erkennbare ironische Distanz des Erzählers gegenüber Fabel und Figuren. Den "Besessenen" nähert man sich am besten, wenn man sie als Versuch betrachtet, die Erörterung gewichtiger Fragen parodistisch in die Stilmittel eines leichtgewichtigen Genres zu kleiden und die entstehenden Reibungen studiert. Verfolgt man den Text unter diesem Gesichtspunkt, wird allerdings auch die Finesse des Buches deutlich, und die "Besessenen" wandeln sich nach anfänglichem Wundern zu einem ausgesprochenen Lesevergnügen.


Bresser Okular - 4920170 - Super Plössl SPL-32mm (52°, 31,7mm)
Bresser Okular - 4920170 - Super Plössl SPL-32mm (52°, 31,7mm)
Preis: EUR 56,89

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Vorsicht, nicht alle haben gleiche Merkmale!, 14. Februar 2017
Einige Rezensionen sind möglicherweise missverständlich, soweit sie erkennbar das 6,5mm-Okular betreffen, und das ist vom Einblickverhalten her wirklich katastrophal. Bedingt durch die Produktpräsentation hier ist nicht ohne weiteres erkennbar, dass sie die längeren Brennweiten keineswegs betrifft. Ab dem 20mm-Exemplar stehen 20mm Pupillenabstand zur Verfügung. Das 12,5mm Okular ist vom Einblick her etwas kürzer, aber immer noch komfortabel.

Diese Okularserie entspricht den Super-Plössls aus der Serie 4000 des Anbieters Meade, die seit Mitte der 90er verbreitet waren . Für den aufgerufenen Preis sind die Brennweiten ab dem 12,5er immer noch respektable Okulare, wenngleich modernere Designs generell etwas mehr Eigengesichtsfeld bieten. Das 12,5er, das 20er und das 26er sind wahrscheinlich die gelungensten Typen dieser Okularserie.


Kabel zur Ansteuerung von Canon EOS 350, 400, 550, 1000, 1100D, 60D, 60DA, 500D, 600D, 650D über M-Gen Autoguider, MGen-EOS1
Kabel zur Ansteuerung von Canon EOS 350, 400, 550, 1000, 1100D, 60D, 60DA, 500D, 600D, 650D über M-Gen Autoguider, MGen-EOS1
Wird angeboten von Teleskop-Service
Preis: EUR 21,90

5.0 von 5 Sternen Frostfeste Verkabelung, 22. Januar 2017
Kälteempfindliche Kabel sind ein lästiges Problem für Astrofotografen - oft sind es gerade die Nächte mit klarem Himmel, in denen der Frost zubeißt. Herkömmliche Kabelbeschichtungen können, wenn man unvorsichtig damit hantiert, besonders bei Abbau und Verstauen des Instrumentariums nach getaner Arbeit, schon einmal brechen. Die Kabel, mit denen der inzwischen legendär gewordene MGEN-Stand-Alone-Autoguider geliefert wird, also die Verbindung zwischen Kamerakopf und Handbox sowie zwischen Handbox und ST-4-Anschluss, sind bereits mit praktisch kälteresistenten Umhüllungen versehen. Für die Kamerasteuerungsfunktion steht mit diesem Kabel auch eine Lösung bereit, die auch zweistelligen Frost klaglos wegsteckt. Für Nutzer des MGEN absolut empfehlenswert!


Photecs® Fernauslöser-Adapter-Kabel Canon N3 Buchse zu 2,5mm Klinkenstecker RS-80N3 TC-80N3
Photecs® Fernauslöser-Adapter-Kabel Canon N3 Buchse zu 2,5mm Klinkenstecker RS-80N3 TC-80N3
Wird angeboten von PHOTECS - Schneller Versand aus Deutschland
Preis: EUR 13,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nichts zu meckern, 11. Januar 2017
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Das Adapterkabel ermöglicht den Anschluss von Kabelfernauslösern und Timern, die für die "alten" zweistelligen Canon-EOS-DSLR bestimmt waren (z.B. 10 D, 20 D...) an die neueren Modelle mit kleinem Klinkenstecker. Einmal in der richtigen Stellung eingerastet, die durch die Form der Buchse vorgegeben ist, kann das Kabel ständig an seinem Ort bleiben. Die Funktion ist einwandfrei.

Lieferung erfolgte prompt und unter dem avisierten Zeitrahmen.


Das Zeitalter des Irrationalen: Politik, Kultur und Okkultismus im 20. Jahrhundert
Das Zeitalter des Irrationalen: Politik, Kultur und Okkultismus im 20. Jahrhundert
von Marco Frenschkowski
  Gebundene Ausgabe

4.0 von 5 Sternen Harte Kost in liebloser Verpackung, 6. Januar 2017
James Webbs Buch ist kein leichter Stoff, und das betrifft schon den Originaltext. Webb wendet sich nicht an den alltäglichen Leser; sein Buch ist wissenschaftlich, aber eben nicht populärwissenschaftlich geschrieben. Es ist das Buch eines Historikers, das in erster Linie für Historiker gedacht war, und das sollte jeder wissen, der sich an die Lektüre wagen will.

Das bedeutet insbesondere, dass eine Menge an Hintergrundwissen über historische Ereignisse und Vorgänge vorausgesetzt wird. Es bedeutet ferner, dass das Buch einen beträchtlichen Apparat von Anmerkungen und Nachweisen mitschleppt, die der Normalleser mit vertretbarem Aufwand nicht wird auswerten können. Es bedeutet aber auch, dass eine bestimmte Darstellungsmethode gewählt wird, die die übergreifenden Zusammenhänge bei nicht absolut konzentriertem Lesen leicht unkenntlich werden lassen können: Webb geht biografisch vor. Die Geschichte des Okkultismus vom Ende des 19. Jahrhunderts an wird an Hand der Lebenswege von Protagonisten dargestellt. Für den wissenschaftlichen Leser ist das wie ein schier unerschöpflicher Steinbruch, und auf diese Weise läuft die Darstellung auch wie ein Kontrastmittel durch die Verbindungslinien der zahllosen Sekten und Gemeinschaften von „Erleuchteten“. Hochinteressant ist immer wieder, auf welche Namen man hier stößt, die man nicht auf Anhieb in diesen Zusammenhängen erwartet hätte. Das eröffnet eine Vielzahl von Einsichten am Rand des Darstellungsweges. Andererseits führt eine solche biografische Bearbeitung zu einer starken Fragmentierung des Gesamttextes, und der Leser muss ständig konzentriert bei der Sache bleiben, um den Faden – oder genauer: die vielen Fäden – nicht zu verlieren und die wechselseitigen Abhängigkeiten nicht aus dem Blick zu verlieren. Die Fragmentierung war wohl unvermeidlich, sie folgt neben einer zeitlichen Abfolge zusätzlich einer regionalen Aufteilung und stellt dann, meist ganz handgreiflich entlang von Reisewegen, die gegenseitigen Beeinflussungen der Szenen in unterschiedlichen Gegenden Europas dar. Das gleiche Werk wäre, hätte man diese räumlichen Aufteilungen nicht vorgenommen, wegen der Anomie der unzähligen, nebeneinander existierenden Gruppen und Grüppchen völlig unverdaulich geworden.

Das Buch setzt also konzentriertes Durcharbeiten voraus, man kann es nicht nebenher lesen. Das alles macht dieses Werk anspruchsvoll, aber das ist kein Makel. Auch für Leser, die sich als interessiertes Publikum verstehen und bereit sind, sich mit dem harten Material ernsthaft auseinanderzusetzen, ist das Buch absolut empfehlenswert. Es vermittelt viele erhellende Einsichten in Voraussetzungen, Funktionsweisen und Wirkungsmacht okkulter Bewegungen in praktisch allen Bereichen von Gesellschaft, Kultur, Politik und kann so auch heute noch hilfreich sein, irrationale Anwandlungen der Zeitgeschichte zu erhellen.

Was zu meiner Abwertung führt, ist die ausgesprochen lieblose Edition durch den Marix-Verlag. Eine solche Anhäufung von Textfehlern ist Anspruch und Bedeutung des Buches unangemessen, das muss so deutlich gesagt werden. Neben Fehlern in Orthografie und Interpunktion stoßen immer wieder unvollständige Sätze auf, vertausche Kasus und vieles mehr. Was aber viel schlimmer ist, ist (mindestens) ein sinnentstellender und weitreichender Übersetzungsfehler im Kapitel „Paradiesvögel“, das sich hauptsächlich mit den Verhältnissen im Vereinigten Königreich auseinandersetzt. Webb beschreibt sehr anschaulich, dass das Wesen okkulter, „erleuchteter“ Gruppierungen dort häufig einen starken sozialreformerischen und – rückwärtsgewandten – volkswirtschaftlichen Untergrund hatte, und auch die Übersetzung macht die engen Beziehungen zum System der „Gilden“ (Guilds) zutreffend erkennbar. Wenn die Übersetzung dabei ferner auf die Beziehungen zu „Handelsunionen“ zu sprechen kommt, muss dem Übersetzer wohl entgangen sein, dass „Trade Unions“ nichts anderes sind als – Gewerkschaften. Der Begriff bezeichnete niemals etwas anderes, er ist in seiner wortwörtlichen Übersetzung irreführend. Dadurch wird in der vorliegenden Edition ein wichtiger Sinnzusammenhang glatt unterschlagen.


Die Maias
Die Maias
von José Maria Eça de Queiroz
  Gebundene Ausgabe

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Grandioser Gesellschaftsroman, 27. Dezember 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Maias (Gebundene Ausgabe)
Es ist eine Schande, dass dieser Roman, das opus maximus des José Maria Eça de Queiroz, des portugiesischen Zola, so sehr in Vergessenheit geraten ist. Tatsächlich handelt es sich um einen der ganz großen, auch sehr groß angelegten europäischen Gesellschaftsromane des fin de siècle, also der Wende vom 19. Zum 20. Jahrhundert. In keinen Belangen muss er sich hinter ähnlich groß angelegten Konkurrenten verstecken; in manchen Belangen übertrifft er sie sogar: in der Originalität, in der ironischen Brechung des tiefen Ernstes der Fabel, in der verschwenderischen Fülle der Einfälle und Anekdoten.

„Die Maias“ könnten fast – aber nur fast – als lusitanische Variante des Niedergangs der Buddenbrooks gelesen werden. Was sie von diesen unterscheidet, ist die enorme Sinnlichkeit der Erzählung; wo in den Buddenbrooks das Papier raschelt, rauschen in den „Maias“ Tüll und Spitze durch die Geschichte eines Ehebruchs, der seinen fatalen Abgrund einer „verbotenen Liebe“ erst spät, dann aber umso furchtbarer offenbart. Garniert ist der rote Faden der Erzählung mit einer Vielzahl von Nebenfiguren und Nebenhandlungen, die zum Kolorit der Folie und letztlich auch zu dem Fortschritt der Geschichte beitragen. Die „Maias“ sind mit ihrer ganzen Emotionalität, ihrer Gesellschaftskritik, ihrem Humor damit für den aufmerksamen Leser noch etwas weiteres: ein formales Wunderwerk.

Im portugiesischen Sprachraum haben „Os Maias“ übrigens durchaus eine hohe Reputuation behalten; das zeigen mehrere Verfilmungen und die Verarbeitung in einer mehrteiligen Telenovela von beachtlicher Qualität (Brasilien, 2001). Es wäre zu wünschen, dass dieser Roman auch außerhalb dieses Raumes bekannter wäre – er hätte es verdient.


C. M. Wielands sämmtliche Werke, Achtzehnter Band Erzählungen Und Mährchen
C. M. Wielands sämmtliche Werke, Achtzehnter Band Erzählungen Und Mährchen
von Christoph Martin Wieland
  Taschenbuch
Preis: EUR 26,39

5.0 von 5 Sternen Verserzählungen für Genießer, 27. Dezember 2016
Im XVIII. Band von Wielands „Sämmtlichen Werken“ sind sieben „Erzählungen und Mährchen“ versammelt. Es handelt sich ausnahmslos um kleinere Versdichtungen, die im ursprünglichen Seitenumbruch einen Umfang zwischen zehn und sechzig Seiten umfassen – im modernen Druckbild jeweils etwa die Hälfte. Inhaltlich sind die Geschichten sehr heterogen, sie folgen keiner konsistenten Agenda, dafür zeigen sie sich als formales Spiel- und Erprobungsfeld für in Verse gesetzte Erzählformen. Die Stoffe sind älteren Quellen entlehnt; zwei stammen aus dem orientalischen Erzählungskreis („Das Wintermärchen“ und „Hann und Gulpenhee“), die übrigen fünf greifen Episoden aus Dichtungen des Mittelalters und der frühen Neuzeit auf. Unter diesen fällt „Geron der adeliche“, der neben „Des Maulthiers Zaum“ um die Artusgeschichte kreist, mit seiner scheinbar bemühten Erhabenheit und demonstrativen Ironieferne so sehr aus Wielands gewohntem Stil heraus, dass an dessen Urheberschaft überhaupt vereinzelte Zweifel geäußert wurden. Den „typischen“ Wieland findet der Leser am ehesten in den heiter-sinnenfrohen Erzählungen von der „Wasserkufe“, in der ein dem frommen Dünkel verfallener Eremit eine Lektion in wahrer Tugendhaftigkeit erteilt bekommt, im Schicksal des von gütigen Feen mit freien Wünschen gesegneten Einfaltspinsels „Pervonte“, sowie in den „drei Lehren“, die ein neureicher Protz im „Vogelsang“ erteilt bekommt.

Die „Erzählungen und Mährchen“ sind zeitlich rings um die Entstehung von Wielands großen Versdichtungen „Oberon“, „Idris und Zenide“ und „Klelia und Sinibald“ entstanden, der XVIII. Band der „Sämmtlichen Werke“ erschien 1796. Der heutige Leser kann sich unbefangen dem Genuss der federleichten und wie selbstverständlich hinfließenden Verssprache überlassen – wenn er/sie denn ein Gespür für die darin liegende Meisterschaft hat.

Textreferenz für diese Besprechung war, wie immer, die Hamburger Reprintausgabe von 1984, Band VI.


Neue Erzählungen aus dem Gebirge
Neue Erzählungen aus dem Gebirge
von Miguel Torga
  Broschiert

5.0 von 5 Sternen Große Erzählkunst, 14. Dezember 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Jetzt lege ich diesen schmalen Erzählungsband aus der Hand: nicht ganz zwei Dutzend Texte mit Umfängen zwischen fünf und zwölf Seiten; kleine Geschichten aus dem kargen Alltag einer ärmlichen Landbevölkerung am äußersten Rande Westeuropas, dabei stehe ich vor dem Regal und denke: was habe ich noch davon, wenn ich dieses ganze andere gedrechselte und parfümierte Zeug lese, in dem eine ganz andere Gesellschaft in ihrem noblen ennui Gefallen an Rundflügen um die eigenen Befindlichkeiten findet? Hier, in den „Neuen Erzählungen aus dem Gebirge“, werden aus den knorrigen Bewohnern eines rauhen Landes Charaktere mit der Wucht sophokleischer Helden freigelegt. Genauso urwüchsig, genauso ambivalent in Lebenswillen, Leidensfähigkeit und Zähigkeit, aber auch in Zorn und Laster. Adolfo Correira da Rocha, alias Miguel Torga, erzählt bis zu einem gewissen Grad von Menschen seinesgleichen, als Kind des Tras-os-Montes – aber die Distanz des aus diesen Verhältnissen herausgewachsenen Akademikers, zu dem Torga wurde, schützt seine Erzählungen zugleich vor realitätsferner Verklärung der elenden Verhältnisse. Die Erzählungen werden wohl von zugeneigter Teilnahme getragen, aber der aufgeklärte Blick bleibt immer erhalten.

Die „Neuen Erzählungen“ sind große Erzählkunst, am Ende von 2016 gehörten sie für mich zu den beeindruckendsten Leseerlebnissen des gerade vergangenen Jahres.


Kein Titel verfügbar

4.0 von 5 Sternen Ein Snob auf dem Weg zu den Wurzeln, 24. November 2016
"Stadt und Gebirg" ist ein Spätwerk des Autors, das erst kurz nach dessen Tode veröffentlicht wurde. Entgegen verbreiteten Darstellungen handelt es sich meiner Ansicht nach nicht um die Geschichte des Dualismus zweier befreundeter junger Männer, sondern um einen Entwicklungsroman über das Schicksal nur eines der beiden, nämlich des portugiesischstämmigen, aber im Luxus der eleganten Gesellschaft im Paris des ausgehenden 19. Jahrhunderts aufgewachsenen Jacintho. Sein Widerpart, der Ich-Erzähler Zé Fernandes, bleibt während des Geschehens der ruhende Pol, oder besser: der Katalysator für die Wandlungen seines Freundes Jacintho.

Jacintho durchläuft eine Entwicklung von anfänglicher Begeisterung für Gesellschaft, Kultur und Zivilisationsgrad der städtischen Gesellschaft hin zu Überdruss und Langeweile, bevor er, von einem jähen Ruck bewegt, sich auf das Leben in der ländlichen portugiesischen Gebirgswelt seiner Vorfahren wirft. Auch hier muss er nach anfänglichem Enthusiasmus ernüchternde Erfahrungen von Armut, Rückständigkeit und Härte der Lebensbedingungen machen, ehe er seinen Platz findet.

Es ist vermutlich den Eigenheiten eines Alterswerks geschuldet, wenn ein Autor, dessen Leben und Werk eigentlich ausschließlich in städtischen, bürgerlichen Verhältnissen stattfand, den rustikalen Frieden des Landlebens lobt. Immerhin bewahrt er dabei den nötigen realistischem Blick auch auf dessen Härten und Erschwernisse. Ungeachtet dieses ernsten Rahmens bietet auch dieser kurze Roman viele wunderbare Beispiele des Humors und der treffenden, plausiblen Personenzeichnung bei Jose Maria Eca de Queiroz. Die Schilderung der chaotischen Eisenbahnreise des Helden Jacintho von Paris in die tiefste portugiesische Provinz, man kann sie lesen wie die Parodie einer Odyssee, ist einfach köstlich.

Die Manesse-Edition hat gegenüber zahlreichen Neueditionen gemeinfrei gewordener Texte ein Preishandicap - aber dafür mindestens einen unbestreitbaren Vorzug: die vorbildliche Textverarbeitung.


Vetter Basilio. Aus dem Portugiesischen von Rudolf Krügel.
Vetter Basilio. Aus dem Portugiesischen von Rudolf Krügel.
von José Maria: Eca de Queiroz
  Unbekannter Einband

3.0 von 5 Sternen Sittengemälde im Querformat, 23. November 2016
Sittenbilder haben im Allgemeinen eine Tendenz zum Querformat; das Sittengemälde, das Eca de Queiroz mit seinem „Vetter Basilio“ ausbreitet, füllt es in der Breite überreichlich aus, und das ist das zentrale Problem dieses Buchs. Der Verfasser hatte das selbst früh erkannt und war aus genau diesem Grund selbst mit diesem Buch gar nicht glücklich.

Der Roman führt eine Unmenge von Personen in liebevoller und detailliertester Beschreibung und Charakterisierung ein, die aber in dieser Vertiefung für die Geschichte gar nicht essentiell sind. Dafür drängt sich immer wieder der Eindruck auf, dass viele Anknüpfungspunkte für Erzählfäden wegen ihrer Überfülle zwangsläufig liegengelassen bleiben. Was hätte man aus diesen Personen an anderer Stelle alles machen können!

Immer wieder verläuft sich die Erzählung so auf Nebenwegen, die für sich genommen viele entzückende Elemente enthalten, in der Summe und im Zusammenhang der Erzählung aber den Eindruck der Geschwätzigkeit und der Unkonzentriertheit vermitteln. Anekdotisches Erzählen kann durchaus Methode und als stilbildendes Element seine Berechtigung haben – wie hat ein Albert Vigoleis Thelen trefflich zu faseln gewusst! Dergleichen war hier aber nicht beabsichtigt, Vetter Basilio erzählt im Kern die durchaus handfeste Geschichte einer ehelicher Untreue aus unreif und unverstanden gebliebener Romantik heraus, die am Verrat durch eine auf andere Weise ebenso untreue Nebenperson tragisch scheitert. Natürlich verdienten es die Schleichwege des Ehebrechers, in ihrer aufreizenden wie raffinierten Gemächlichkeit, mit einer gewissen Breite dargestellt zu werden. Die ausufernden Beschreibungen der schmutzigen Kleidung spionierender Nachbarn tut aber dabei herzlich wenig zur Sache.

In mancher Hinsicht wirkt der Vetter Basilio dadurch wie ein noch nicht recht geglückter Probelauf zum - allerdings großartigen und noch weiter ausholenden - Gesellschaftsroman „Die Maias“, in dem die Konstellationen der originellen Typen aber im richtigen Verhältnis angeordnet sind und in der verschlungenen, aber konzentriert voranschreitenden Fabel ein angemessenes Gegengewicht finden.

Die Zerstreutheit der Erzählung findet hier und da auch ihre Entsprechungen in Übersetzung und Edition. An einer Stelle z.B. unterhalten sich die Herren über die Vorzüge einer „Bergpartie“. Der mit den Gebräuchen von Zeit und Ort etwas vertrautere Leser weiß natürlich, was damit gemeint ist, alle anderen müssen etwa 50 Seiten auf die Auflösung des Rätsels warten (wenn sie sich dessen dann noch entsinnen). Dann folgt nämlich im Text die portugiesische Vokabel „Monte“ und in einer Textanmerkung die Erklärung: der "Hügel" ist gleichzeitig der Name eines Kartenglücksspiels, des guten alten Monte Bank.

Auf der Habenseite des „Vetter Basilio“ steht trotz aller Kritik allemal der oft etwas verschüttete Faden der Erzählung, die bei allem Ernst stets herrschende ironische Distanz und eine Unmenge entzückender Miniaturen, die, wenn man sie für sich betrachtet und nicht nur als Hemmschuh der Erzählung, einfach wunderbar sind. Schade, dass beides hier nicht in ein angemessenes Verhältnis fand.

Letztlich ist es auch meiner Auffassung geschuldet, dass man großen Autoren nicht nur in den Höhen, sondern auch in den gelegentlichen Missgriffen folgen darf, dass immerhin noch drei Sterne und eine kleine Leseempfehlung herausschaut.


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