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Rezensionen verfasst von
D. Model (Berlin, Berlin Deutschland)

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David Live-2005 Mix (2016 Remastered Version) [Vinyl LP]
David Live-2005 Mix (2016 Remastered Version) [Vinyl LP]
Preis: EUR 29,99

4.0 von 5 Sternen Versöhnlich gestimmt: DAVID LIVE sollte im 2005 Mix nicht mehr die Geister scheiden, 18. Oktober 2017
--- Inhalt & Kritik ---

David Bowies erste Live-LP DAVID LIVE von 1974 fristet seit jeher ein weniger standhaftes Dasein, das den gekünstelten, auf kantenbefreite Perfektion ausgelegte Overdubs zuzuschreiben ist. Bowies professionelles Auftreten und Textsicherheit, die fließenden Übergänge zwischen den Songs und das wenig zu hörende Publikum lassen den Mitschnitt wie ein Konzept- statt Livealbum wirken.
2005 entschloss man sich schließlich, dem Album auf CD mehr Farbe zu verleihen. Eine neue Abmischung des ersten Teils seiner DIAMOND DOGS-Tour mit vier zusätzlichen Songs als Kaufanreiz für die Hardcorefans - Bowies Coverversion der funkigen Ohio-Players-Single HERE TODAY, GONE TOMORROW nebst SPACE ODDITY, PANIC IN DETROIT und TIME - wurde angefertigt. HERE TODAY, GONE TOMORROW und SPACE ODDITY waren damals schon auf der ersten Wiederveröffentlichung von DAVID LIVE aus dem Jahr 1990 zu finden, während die Darbietungen zu PANIC IN DETROIT und TIME vor zwölf Jahren wirklich neu waren. Für die Masse an neuer Musik wurde der 2016 in Auftrag gegebenen Vinylausgabe eine zusätzliche Schallplatte angefügt, was aus dem Set eine Triple-LP macht und den hoch veranschlagten Preis rechtfertigt. Die vier mehr oder minder neuen Titel fügen sich derweil nahtlos in die originale Setlist ein, so als wären sie immer schon dagewesen. Inhaltlich hat man also im Vornherein schon einen höheren Mehrwert als bei allen Ausgaben von DAVID LIVE davor.

--- Zum Vinyl-Set (2005er Mix auf 2016er LPs) ---

Der Umfang dieses LP-Sets ist weiß Gott nicht die einzige Verbesserung von DAVID LIVE. In Sachen Covergestaltung beweist Parlophone einmal mehr ein Auge für Ästhetik. Fort sind die Blauschleier, die tiefe Schatten geworfen in den spektakulären Fotografien von Cover und Rückseite geworfen haben. An dessen Stelle tritt ein mehr in die Mitte des Quadrats geschobener, seitenverkehrter David Bowie in satten, freundlichen und warmen Farben. Die schöne Haptik des Dreifachklappcovers passt dazu wie die Faust aufs Auge. Die Pappe ist matt, weswegen man Fingerabdrücke nicht so schnell sieht. Der Record-Store-Day-Release von CRACKED ACTOR, zweiter Teil der DIAMOND DOGS-Tournee, geht damit keinerlei Symbiose ein, da die Hülle hochglänzend ist. Die Pappe beider Konstrukte wirkt aber unglücklicherweise recht fragil, sodass sich bei meinem Exemplar bereits in der Einschweißfolie Ringwear bemerkbar machte. Natürlich drücken die schweren 180-Gramm-Scheiben gegen das Cover. Eine Verpackung in Form eines Schubers wäre bei dieser Anzahl an Platten mit ihrem hohen Eigengewicht einem Gatefold vorzuziehen gewesen.
Zusätzlich zu den gefütterten, schwarzen Innenhüllen erhält man bedruckte dazu, die den jeweiligen Ärmeln beigelegt wurden und eine Handvoll Fotos des Meisters bereithalten, die majestätisch den ganzen Platz einer Seite ausfüllen. Leider ist es um den Informationsgehalt zu den Aufnahmen selbst recht knapp bestellt (wie bei CRACKED ACTOR schon, aber dort hat man wenigstens die CD mit einem Augenzeugenbericht ausgestattet).
An dieser Stelle muss der penible Fan jedoch verlautbaren, dass er auf hohem Niveau meckert, denn der 2005 Mix ist im Hinblick zu früheren Abmischungen ein echter Zugewinn! Er klingt aufgeräumter, Gesang und Instrumental sind dabei stärker voneinander getrennt, weswegen der Klangteppich mehr Dynamik gewinnt. Die Instrumente rücken eine Ebene nach hinten und wirken mitunter etwas dumpfer als zuvor. Sie machen David Stimme gehörig Platz, die nun nicht mehr zu zischelnden S-Lauten neigt. Im Endeffekt wirkt der Sound hier gerade ruhig und geerdet. Ich habe dazu die deutsche Erstpressung von 1974 mit der vorliegenden von 2016 verglichen. Über Kopfhörer gehört, sorgten die überlauten Saxophoneinschläge in MOONAGE DAYDREAM und die übermotivierten E-Gitarren-Soli in SWEET THING/CANDIDATE/SWEET THING (REPRISE) für Anstrengungen und Hektik auf der 74er Doppel-LP, weil sie tatsächlich nach oben hin aussteuern. Davon ist im 2005 Mix nie etwas zu spüren. Selbst in den problembehafteten, weil engen Bereichen zur Außenrille hin gibt es keinerlei Verzerrungen zu beklagen. Wenn es das erklärte Ziel gewesen ist, DAVID LIVE das versteckte Potential herauszukitzeln, das noch in den Tiefen der alten Aufnahmen schlummerte, so kann man bescheinigen, dass man ein Biest von Sound mit dem 2005 Mix geweckt hat. Diesem sollte man allen vorangegangen Editionen ganz klar den Vorzug geben.

--- Fazit ---

Mittlerweile dürften sich an DAVID LIVE nicht mehr die Geister scheiden. David Bowies erstes Livealbum von 1974 ist damit zwar nicht sein bestes, weil die zu perfekten Overdubs immer noch dominieren und man aufgrund des gedrosselten Publikums an Atmosphäre einbüßt. Der 2005 Mix bringt dafür aber etwas mehr an Authentizität in die einzelnen Aufnahmen und fügt auch noch nahtlos weitere ungehörte Nummern in die bekannte Titelliste mit herein. Allerdings gebe ich den meiner Meinung nach viel interessanteren zweiten Teil der DIAMOND DOGS-Tour, unlängst in Form des Live-Albums CRACKED ACTOR erschienen, den Vorzug, weil der Mitschnitt als direkter Vorbote seines nächsten Studioalbums YOUNG AMERICANS dient. Mit diesem Album bringt Bowie dem Zuhörer den Philly Soul näher und er selber drehte sich wieder einmal um hundertachtzig Grad. Nichtsdestotrotz spricht die hohe Qualität und die ausgewogene neue Abmischung für DAVID LIVE. Hardcorefans werden die dreißig Tacken dafür nicht doll weh tun und gern Platz für dieses Produkt im überberstenden Bowie-Segment im Plattenregal schaffen - vier Sterne.


Let Go (Ltd.White Vinyl) [Vinyl LP]
Let Go (Ltd.White Vinyl) [Vinyl LP]

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Da werden Teenieträume wieder wach: Avril Lavignes Katalog ENDLICH auf Vinyl!, 15. Oktober 2017
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Let Go (Ltd.White Vinyl) [Vinyl LP] (Vinyl)
--- Inhalt & Kritik ---

Fünfzehn Jahre ist das Debütalbum LET GO der Kanadierin Avril Lavigne in diesem Jahr alt geworden, worüber der goldene Sticker der Limited White Vinyl Edition Auskunft gibt. Mir ist bewusst, dass ich zur Zeit der Veröffentlichung noch ein Teenager gewesen bin, der ganz klar zur BRAVO-lesenden Zielgruppe dieser Künstlerin gehörte und von ihrer rotzfrechen Art in ihren Musikvideos beeindruckt gewesen ist. Sie war etwas ganz Eigenes, schrieb den Großteil ihrer Texte selbst und spielte auch noch Gitarre. Ob Avril Lavignes Talent ihr dazu verholfen hat, auf LET GO größtenteils freie Hand gehabt zu haben, kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen, aber es wirkt an vielen Stellen roh und ungezwungen. In der Retrospektive erscheint ihr Debüt einfach als am besten gealtert. An der hohen Hitdichte durch die Singles COMPLICATED, SK8ER BOI und I'M WITH YOU, einer gefühlvoll vorgetragenen Ballade wie fürs Nachahmen in Castingshows gemacht, liegt das selbstverständlich auch. Auf LET GO trug Avril Lavigne aber eben noch eine eigene Handschrift. Die E-Gitarren hatten noch eine härtere Gangart. UNWANTED zum Beispiel ist ein unbekanntes Juwel, welches man fast schon als Alternative-Rock durchgehen lassen kann. MY WORLD konserviert mit seinem hallenden Schlagzeug in den Strophen Neunziger-Jahre-Rock, während Avril in NOBODY'S FOOL ein bisschen hochmütig am Rap versucht. Auf dem zweiten Longplayer UNDER MY SKIN, lange Zeit mein liebstes Album von ihr, ist der punkig-freche Charakter sogar noch einen Ticken prominenter. Für Album Nummer Drei THE BEST DAMN THING wurde dann allerdings unter anderem der Hitproduzent Dr. Luke (Ke$ha, Katy Perry, Marina and the Diamonds) verpflichtet. Er hat sie vom teils sperrigen Rockgewand der Vorgänger LET GO und UNDER MY SKIN befreit, um sie verstärkt in ein massentaugliches, schemenhaftes Soundkostüm zu zwängen, das mit der Bescheidenheit ihres Erstlings kaum noch etwas gemein hat. Die Lieder auf LET GO verströmen noch naiv-jugendlichen Charme, vergleichbar mit dem Mädchen von nebenan, das Tagebucheinträge vertont und dem Ende der Welt entgegenblickt. Das Gefühl stellt sich allein schon bei dem großartigen ANYTHING BUT ORDINARY mit solch epischen Emo-Herzschmerzzeilen wie "Somebody rip my heart out and leave me here to bleed" ein. Natürlich stand Avril Lavigne damals schon für (clever gemachte) Popmusik im Allgemeinen und feuchte Teenieträume. Auf LET GO hat man ihr aber noch Ecken und Kanten bzw. jugendlichen Leichtsinn zugestanden. Dies sind alles Komponenten, die sie im späteren Verlauf ihrer Karriere immer mehr verlieren wird.

--- Zur weißen Doppel-LP ---

Music on Vinyl holt nach, was der Vertriebsriese Sony Music bislang versäumt hat: Avril Lavignes Katalog auf Vinyl auszuwerten. Zunächst wurden die ersten drei Alben herausgegeben, UNDER MY SKIN auf einer roten, THE BEST DAMN THING auf einer pinken Platte. LET GO ist dabei das einzige Studioalbum, dem zwei LPs auf weißem Vinyl gegönnt wurde, welche sich jedoch den Platz in einer hochglänzenden Einfachhülle teilen müssen. UNDER MY SKIN und THE BEST DAMN THING kommen dagegen im Klappcover daher. Der Sinn dafür erschließt sich mir nicht, dafür wurden sie allesamt zufriedenstellend gestaltet. Im Inneren liegt jeweils eine gefütterte, unbedruckte Innenhülle und ein Begleitheftchen im Vinylformat bei, das sich vom Inhalt her mit den damaligen CD-Booklets deckt. So sind auch bei der Vinyl von LET GO alle Liedtexte in Avril Lavignes krakeliger Handschrift abgedruckt worden, was der Authentizität des originalen Lieferumfangs der CD zugute kommt. Lobenswert erscheint diesmal auch die Reproduktion von Cover, Grafiken und Texten. Bei Music on Vinyl ist es nicht selbstverständlich, dass die Bilder von Alben, die einst nur auf CD erschienen sind, gestochen scharf aussehen. Bei den Avril-LPs ist aber genau das glücklicherweise der Fall. Vielleicht hatte jemand die unkomprimierten Dateien des Albumlayouts noch auf dem Rechner? Fünfzehn Jahre sind ja eigentlich keine lange Zeit...
Übrigens ist die farbige Variante bei allen dreien Studioalben auf jeweils 2500 Exemplare limitiert. Eine Ziffer auf der Rückseite der Hülle, die mit silbernen Lettern eingestanzt wurde, gibt Auskunft über die laufende Nummer. Dass die Limitierung keine hohle Phrase darstellt, die so schnell wie möglich zum Kauf animieren soll, zeigt die knappe Verfügbarkeit der besagten Scheiben. Die sind nämlich einen Monat nach Erscheinen schon vergriffen. Man muss aber nicht verzagen, denn die Avril-Alben werden nachgepresst. Wer eh nicht so auf farbiges Material steht, wird froh sein, gezögert zu haben, denn die Nachpressung erfolgt in konventioneller schwarzer Farbe.
Die farbigen Vinyl-LPs klingen deshalb aber nicht schlechter. Die 180-Gramm-Platten sind entgegen allgemeiner Erwartungen recht laufruhig. Einzig zwischen den Stücken kann man ein gewisses Grundrauschen vernehmen, das aber erst über Kopfhörer auffällt. Die Musik selbst hat so viel Druck, dass störende Nebengeräusche ausbleiben. Zudem konnte ich bei meinen Exemplaren keine hörbaren Pressrückständen bei der Wiedergabe der LPs vernehmen. Das dargebotene Klangbild hätte ich LET GO nicht zugetraut! Die Soundkulisse wurde 2002 schon sehr verspielt angelegt. Beispielsweise ertönt im Eröffnungstitel LOSING GRIP das Becken abwechselnd auf dem linken und rechten Kanal. Der Hintergrundgesang im Refrain ist ganz klar in die Mitte eingebettet worden, während die lauten E-Gitarren drumherum arrangiert wurden. Was aber auf der Audio-CD mit kreischenden Kettensägen gleichzusetzen ist, erhält auf Vinyl genügend Raum für eine bombastische Laut-Leise-Dynamik. Nichts übersteuert oder klirrt. Man muss sich einmal vorstellen, dass Avril Lavignes Arbeit eigentlich dem überlauten, stark komprimierten Rock und Pop anzusiedeln ist. Davon merkt man nun auf Platte nichts mehr, denn die beiden schweren LPs sind regelrecht audiophil.

--- Fazit ---

Die lange auf sich wartende Auswertung von Avril Lavignes Alben auf Vinyl ist letztendlich bilderbuchhaft ausgefallen. Insbesondere ihr meines Erachtens wichtigstes Werk LET GO mit den großen Avril-Evergreens COMPLICATED, SK8ER BOI und I'M WITH YOU erstrahlt in nie dagewesenem Glanz. Ist das mehrdimensional angelegte Klangbild des Debüts digital den Loudness Wars zum Opfer gefallen, gewährt man ihm auf zwei Schallplatten richtig Raum zum Atmen. Music on Vinyl merzt sozusagen das aus, was das CD-Mastering damals vergeigt hat, und legt dann auch noch eine hochqualitative Reproduktion von Cover und Booklet bei. Wer ein echtes Sammlerstück sein Eigen nennen will, muss schnell zuschlagen, denn die weiße Doppel-LP ist nicht mehr im freien Handel erhältlich. Alle anderen, die sich gegen Mondpreise verwehren, warten einfach die Nachpressung auf schwarzem Vinyl ab, die demnächst auf den Markt kommen wird. Die wird der ersten Charge bestimmt in nichts nachstehen. Vielleicht bleiben dort dann die Bereiche zwischen den einzelnen Stücken zu hundert Prozent laufruhig - fünf Sterne.


Vh1 Storytellers (CD+Dvd)
Vh1 Storytellers (CD+Dvd)
Preis: EUR 9,99

4.0 von 5 Sternen Ungezwungen, authentisch und intim: Das besondere Bowie-Konzert, auf CD leider unvollständig, 10. Oktober 2017
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Vh1 Storytellers (CD+Dvd) (Audio CD)
--- Inhalt & Kritik ---

VH1STORYTELLERS ist ein populäres TV-Format aus dem amerikanischen Musikfernsehen, das mit dem legendären MTV UNPLUGGED gleichzusetzen ist. Johnny Cash, Willie Nelson und Bruce Springteen sind nur ein paar der Künstler mit Rang und Namen, die in dieser Musiksendung ein intimes Clubkonzert vor einer Handvoll Zuschauer gegeben haben. Der Redeanteil der Künstler ist dabei ungewöhnlich hoch. Wer in diese Sendung eingeladen wird, der hat auch viel zu erzählen, vornehmlich zur Entstehungsgeschichte der gespielten Lieder. Es gleicht einem Ritterschlag, in VH1STORYTELLERS auftreten zu dürfen. Hat man allerdings das Kaliber eines David Bowie, welcher seit Jahrzehnten normalerweise ganze Stadien füllt, so befruchtet sich der Ruf beider Marken gegenseitig. Die folgende VH1STORYTELLERS-Episode dürfte somit in die Annalen der Seriengeschichte eingegangen sein, denn wir erleben hier einen unglaublich losgelösten David Bowie, der aus dem Nähkästchen plaudert und unter anderem sehr persönliche Geschichten über Marc Bolan von T.Rex, Iggy Pop und seine Zeit in Berlin zum Besten gibt. Seine Erzählungen sind äußerst lebhaft und unterhaltsam. In seinem Ich-bin-Zuhause-Schlabberlook, der ihn auf Anhieb sympathisch und geerdet erscheinen lässt, spielt er mit Akzenten, wenn er Gespräche wiedergibt. Während man die Begleit-CD hört, hat man manchmal den Eindruck, einem Hörspiel zu lauschen. Bowie war einfach der geborene Geschichtenerzähler. Sein schauspielerisches Talent hat ihm dabei sicherlich gut geholfen.
Die darin eingebettete Setlist enthält die meisten Titel aus seinem damals neu veröffentlichten Album 'HOURS...', insgesamt vier an der Zahl, wenn man die Bonusdarbietungen mitzählt, die aus der TV-Sendung herausgeschnitten wurden. Da aber mit CAN'T HELP THINKING ABOUT ME auch ein Titel aus der von ihm verschmähten Pre-SPACE ODDITY-Zeit dazuzählt, er die äußerst unbekannte, rührselige Nummer I CAN'T READ im Bonussegment der DVD vorträgt und Bowie die klassischen Siebziger-Balladen DRIVE-IN SATURDAY und WORD ON A WING mit seiner nunmehr gereiften Stimme vorträgt - und zwar eine Oktave tiefer singend und besser denn je klingend -, lässt diese VH1STORYTELLERS-Ausgabe nicht zur reinen Promotour verkommen. Man erlebt alte Hits und Fanfavouriten im neuen Gewand. Die Versionen von LIFE ON MARS? und CHINA GIRL dienen quasi als Blaupause für die Auftritte dieser Titel auf der A REALITY TOUR vier Jahre später.

--- Zum CD/DVD-Bündel ---

Das zehnjährige Jubiläum dieses legendären Konzert von 1999 hat das damals noch eigenständige Label EMI zum Anlass genommen, es in einer CD/DVD-Kombo im herkömmlichen Jewelcase zu veröffentlichen. Bei der DVD hat man alles richtig gemacht. Sie wird erst einmal sehr ansprechend mit interaktiven Menütafeln und musikalischer Untermalung in den einzelnen Menüpunkten präsentiert. Dann hat man auch noch die Qual der Wahl beim Tonformat. Der 42minütige Zusammenschnitt kann entweder in Stereo, 5.1 Dolby Digital oder kraftvollem 5.1 DTS Dolby Digital abgespielt werden. Besitzer von Heimkinoanlagen kommen insbesondere bei der zuletzt genannten Audiospur auf ihre Kosten, denn die hat, auch wenn sich der größte Teil vorn abspielt, echt Wumms! Zur besten Verständigung von Davids Reden können neben englischen und zahlreichen anderssprachigen Untertiteln auch deutsche (!) zu Rate gezogen werden. Im CD-Booklet befindet sich übrigens nebst wenigen Fotos vom Konzert eine informative Rezension, diesmal allerdings nur englischsprachig.
Bei aller Liebe zum Dargebotenen, warum aber nur vier Sterne? Leider sind die gelungenen Bonustracks nicht auf die CD gepresst worden, obwohl erstens die längst nicht erschöpfte Kapazität der Disc die weiteren 22 Minuten noch locker hergegeben hätte und zweitens Amazon selbst diese Titel bei seiner MP3-Ausgabe des Konzerts mit anbietet (?!). Den Sinn dahinter muss man nicht verstehen.

--- Fazit ---

Zeit seines Lebens hatte David Bowie Spaß auf der Bühne. Sie diente als Forum für seine charismatische Anziehungskraft. Kein andereres Konzert wie das von VH1STORYTELLERS bestätigt diese Annahme so gut. Stets mit einem Lächeln im Gesicht zieht er sein Publikum in den insgesamt gerade einmal zwölf Darbietungen seiner Evergreens und Fanfavouriten in seinen Bann, sodass man ihm wortwörtlich an den Lippen hängt. So ungezwungen hat man ihn selten erlebt, was das Konzert zu einem echten Highlight seiner Karriere macht. VH1STORYTELLERS ist gleichwohl für alle Bowiefanatiker und Ab-und-zu-Hörer, die ihn erst noch entdecken wollen, empfehlenswert.
Schade, dass es nicht alle zwölf Songs auf die Audio-CD geschafft haben - deshalb nur vier Sterne. Die DVD allein verdient aber fünf.


Travelling Without Moving [Vinyl LP]
Travelling Without Moving [Vinyl LP]
Preis: EUR 25,99

4.0 von 5 Sternen Die lässige Reise zum richtigen Groove: Jamiroquais Aushängeschild TRAVELLING WITHOUT MOVING auf Vinyl, 7. Oktober 2017
Rezension bezieht sich auf: Travelling Without Moving [Vinyl LP] (Vinyl)
--- Inhalt & Kritik ---

Dauerwellen, Brusthaare, Schlaghosen: Jamiroquais 1996 veröffentlichtes Album TRAVELLING WITHOUT MOVING beschwört ganz merkwürdige Bilder herauf, welche den Zuhörer dem ersten Teil des Albumtitels getreu auf eine Reise ("Travelling") mitnimmt. Der zweite Teil "without Moving", was auf Deutsch "ohne sich zu bewegen" bedeutet, passt dazu allerdings nicht wirklich. Denn die Reise in die Siebziger zum organischen Funk und R&B eines jungen Michael Jacksons geht ganz und gar nicht ruhig vonstatten. Wer bei diesem Album nicht Lust aufs Tanzen bekommt, dem ist nicht zu helfen!
Natürlich kann "Travelling without Moving" auch anders gedeutet werden. Das Album strahlt eine derartige Coolness aus, dass man dazu auch ganz chillig im Sessel sitzen und lässig mitwippen kann. Das Lied DRIFTING ALONG würde sich dazu anbieten, denn das ist poppiger Reggae, den Amy Winehouse auch ab und an gemacht hat. Ich denke diesbezüglich an ihre Lieder JUST FRIENDS und OUR DAY WILL COME.
In anderen Fällen denke ich ganz klar an Michael Jacksons Album OFF THE WALL, das den Inbegriff von gediegenen Discosound darstellt. Der Appetitmacher COSMIC GIRL, weswegen ich überhaupt auf diese Band aufmerksam wurde, führt die Zuhörer in die Welt von Jacksons Klassiker ROCK WITH YOU. Das hektische Treiben in USE THE FORCE (einfach klasse, Anspieltipp Nummer Eins!) erinnert dann noch stärker an seine Zeit kurz vor Einbruch der Achtziger, namentlich an die hinreißende Single WORKIN' DAY AND NIGHT.
Obwohl TRAVELLING WITHOUT MOVING in erster Linie Popappeal hat (VIRTUAL INSANITY mit seinem melodiösen Piano ist wie fürs Radio gemacht, Britpop at its best), so bleiben klangliche Experimente wie jene in dem Instrumentalstück DIDJERAMA nicht aus. Hierin hört man das erste Mal ein sehr motiviertes Didgeridoo, dem im anschließenden Stück DIDJITAL VIBRATIONS ordentlich Synthies und Bass hinzugegeben wird. TRAVELLING WITHOUT MOVING ist demnach ein äußerst abwechslungsreich und spannend gestaltetes Album, das in Deutschland viel zu wenige kennen. Selbst zwanzig Jahre nach Erscheinen und mit weltweit mehr als acht Millionen abgesetzter Einheiten geht der erfolgreichste Longplayer von Jamiroquai hierzulande immer noch als Geheimtipp durch.

--- Zur Doppel-LP (Music on Vinyl, 2013) ---

Das Label Music on Vinyl ist hinlänglich für seine vorbildlichen Neuauswertungen großartiger Katalogtitel auf Schallplatte bekannt. Hier werden nicht einfach CDs auf Platte gezogen, sondern neue Master erstellt. TRAVELLING WITHOUT MOVING reiht sich in eine lange Liste luxuriös aufgemachter Alben mit der für MOV obligatorischen, mit einem edlen Sticker versehenen Klarsichthülle ein. Die beiden 180-Gramm-Platten tönen recht laut, wobei es zu keinerlei Verzerrungen oder hörbarem Hintergrundrauschen kommt. Der Klang ist voll, man könnte ihn sogar als richtig fett bezeichnen. Die Tiefen in COSMIC GIRL strahlen eine fühlbare Organik aus, die Spaß macht und die dem Album seine Kraft verleiht. Der Klangteppich lässt tief blicken; die Dynamik, die hier geboten wird, ist alles, was man von einer Vinyl erwartet. Da dreht man die Lautstärke automatisch richtig auf!
Zudem ist MOV für liebevoll gestaltete (Klapp-)Cover bekannt, die leider eine Schärfe in den Details vermissen. So sind genauso wie bei David Bowies HEATHEN und REALITY auch bei Jamiroquais TRAVELLING WITHOUT MOVING weichgezeichnete Konturen und "Pixel-Bilder" ersichtlich, so als hätte man tatsächlich bloß die Fotos des CD-Booklets ohne weitere Nachbearbeitung auf 12"-Größe hochgezogen. Beim Materialeinsatz wird hingegen geklotzt und nicht gekleckert: Das Bandlogo auf dem Titelbild fungiert als Automarke, die sich foliert vom Rest der dargestellten Luxuskarosserie und somit auch vom matten Hintergrund der Hülle abhebt. Die Innenhüllen wurden außerdem aus gestärker Pappe gefertigt und mit den Songtexten bedruckt. Auf eine ordentliche Haptik wurde viel Wert gelegt, denn im Gegensatz zu anderen Plattenhüllen samt innerem Staubschutz wabbert hier gar nichts... außer das Didgeridoo in DIDJERAMA und DIDJITAL VIBRATIONS, aber das ist eine andere Geschichte.
Apropos Geschichte: Jay Kay, die Stimme von Jamiroquai, trägt auf einem separaten Textblatt etwas zur Entstehungsgeschichte von TRAVELLING WITHOUT MOVING bei und spart dabei nicht mit persönlichen Anekdoten. Unter anderem bleiben Bekenntnisse zum damaligen Drogenmissbrauch und der Sucht nach internationalem Erfolg nicht aus.

--- Fazit ---

Ungekünstelter Funk, chillig und zeitlos umgesetzt: Jamiroquais TRAVELLING WITHOUT MOVING ist zwar Mitte der Neunziger entstanden, versprüht aber locker-flockig den Charme von 70s Disco und könnte durch die offensichtliche Verweise an die gute, alte Zeit auch locker heute entstanden sein. Stilistisch gesehen deckt das Album mit Funk, R&B, Soul, Reggae und Pop wirklich viel ab, ohne überladen zu klingen. Alles klingt wie aus einem Guss und irgendwie auch bodenständig.
Das Medium Schallplatte transportiert den Geist dieses clever durchdachten Konzeptalbums besonders gut an seine Hörerschaft und überzeugt durch fühlbare Texturen im Rundum-Sorglos-Paket aus High-End-Sound und hochklassiger Haptik. Den Aufpreis jenseits der Zwanzig-Scheinchen-Grenze ist dieses Set des Luxuslabels Music on Vinyl durchaus wert, wobei man wieder einmal Abstriche in Punkto Coverreproduktion machen muss. Trotzdem kann man sich an den Songtexten und einem informativen Begleittext des Sängers erfreuen, die das Erlebnis, eine Schallplatte aufzulegen, als ebensolches feiern: als Erlebnis. Weil die Doppel-LP nicht gerade günstig ist und eben optisch keine Perfektion ausstrahlt, vergebe ich nur vier Sterne. Klanglich wären es übrigens satte fünf. Das 1999er Album SYNCHRONIZED (auch von MOV herausgegeben) ist darüber hinaus noch durch den Bonustrack DEEPER UNDERGROUND zu empfehlen.


Witness [Vinyl LP]
Witness [Vinyl LP]
Preis: EUR 22,99

4.0 von 5 Sternen Auf Vinyl wieder einmal ein echter Zugewinn: Katy Perrys viertes Studioalbum WITNESS, 4. Oktober 2017
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Witness [Vinyl LP] (Vinyl)
--- Inhalt & Kritik ---

Im Februar 2017 war es endlich soweit: Hitgarantin Katy Perry veröffentlicht mit CHAINED TO THE RHYTHM nach langer Zeit ein neues Lied, welches meiner Meinung nach bis dato den besten Radiosong dieses Jahres darstellt. Mit gefälligen Neunziger-Jahre-Synthies im Gepäck trägt Katy einen ernsten Text über die Tücken des Smartphonezeitalters vor. Eigentlich soll uns die fortschrittliche Technik näher bringen, dabei entzweit sie uns voneinander. Manchmal ist man so bequem, dass man ganz isoliert in einer Blase lebt und nur über soziale Netzwerke kommuniziert. Diese Art Weckruf hat sie unter anderem mit der Sängerin Sia geschrieben, welche für starke Metaphern in ihren Songs bekannt ist.
Das dazugehörige Album WITNESS ließ etwas länger auf sich warten, greift den ernsten Grundton aber auf. Das merkwürdige Cover und Songtitel wie WITNESS, POWER, MIND MAZE und BIGGER THAN ME suggerieren, dass sich Katy mit Verschwörungstheorien beschäftigen wird, die sie seit Anfang ihrer Karriere begleiten. Dem ist nur bedingt so, denn natürlich würde Katy Perry nie zugeben, Teil einer Untergrundorganisation zu sein, die Gehirnwäsche betreibt. Sie spielt einfach wieder mit bedeutungsvollen, fast schon religiösen Symboliken, was WITNESS umso reizvoller erscheinen lässt.
Stiltechnisch bewegt sich das Werk irgendwo zwischen Mainstream-Pop, R&B und Hip Hop, ein bisschen Gospel ist bei dem kraftvollen PENDULUM auch dabei. Es ist die hinlänglich von ihr bekannte Richtung, die sie ab ihrem zweiten Album TEENAGE DREAM eingeschlagen hat. Die rotzfreche Rockröhre von ONE OF THE BOYS ist mittlerweile vollkommen verschwunden. Die feucht-fröhlichen, mehrdeutigen Songtexte glücklicherweise nicht. BON APPÉTIT (FEAT. MIGOS) ist eine kleine Erinnerung an alte Zeiten, in denen Katy wilden Sex mit scheinbar harmlosen Szenarien vermischt. Auf WITNESS ist sie das Büffet, "fresh out the oven", von dem man sich bedienen kann.
Dabei hat sie immer das Heft in der Hand. HEY HEY HEY ist ein echter Powersong, der sich gegen Sexismus richtet und mit "Marilyn Monroe in a monster truck" wohl die coolste Liedzeile des gesamten Albums enthält. Der Preis des schönsten Textes geht für mich aber zweifellos an den Titeltrack WITNESS, Anspieltipp Nummer Eins. Anders als vorangegangene Balladen, die teilweise etwas überladen waren und deshalb nicht ihre volle Wirkung entfalten konnten, mutet WITNESS bis auf einen eingängigen Beat und sanfte Pianoklänge fast akustisch an. Im Lied macht sich Katy Perry auf die rührselige Suche nach dem passenden Gefährten, den sie nach einer gescheiterten Ehe wohl immer noch nicht gefunden hat: "I'm just looking for someone who speaks my language, someone to ride this ride with me, can I get a witness?" Es ist ihr nur zu gönnen...

--- Zur Vinyl-LP ---

Über drei Monate hat sich die Vinylveröffentlichung von Katy Perrys WITNESS verzögert. Schleppende CD-Verkäufe und eine Vielzahl kritischer Stimmen haben mich zweifeln lassen, ob Katys viertes Studioalbum überhaupt noch die Analogbehandlung erhält. Gott sei Dank kam sie dann doch noch und sie ist genauso wie ich sie erwartet habe: Die Doppel-LP von WITNESS ist der CD klanglich weit überlegen! Katys Arbeit hört sich auf Schallplatte einfach besser an. Vielmehr noch, ihr letztes Album PRISM mit dem mörderisch guten Tiefenbass habe ich in die Liste meiner audiophilen Pop-Platten aufgenommen. WITNESS ist auch auf diesem Niveau. Die Übersteuerungen, die man im mitgelieferten Amazon-MP3-Download (Amazon Auto-Rip) vernimmt, werden auf Vinyl geglättet. Außerdem habe ich den Eindruck, dass die beiden schwarzen Schallplatten mehr Einblicke in den überraschend komplexen Klangteppich gewähren. In CHAINED TO THE RHYTHM beispielsweise steht Katys klare Stimme im Zentrum des Geschehens, während die Instrumentalisierung im Hintergrund weich gezeichnet wurde und an bedeutungsschwangeren Stellen lauter wird. Der MP3-Download dagegen bietet keinen ansatzweise vergleichbaren dynamischen Raum. Genau deshalb kauft man sich Schallplatten, Loudness adieu!
Die ästhetisch anspruchsvolle Präsentation im glänzenden Klappcover mit allen Songtexten und weiteren Bowie-resken Katy-Bildern auf zwei separaten Textblättern (wobei... ein Foto scheint eine direkte Hommage an Madonnas ikonisches TRUE BLUE-Albumcover zu sein) macht den Eindruck einer gut durchdachten LP-Veröffentlichung komplett. Wie gut, dass die weißen Papierhüllen diesmal gefüttert daherkommen. Nur die Kartonärmel für die beiden ebenen Schallplatten, die bei mir ohne störende Krümel oder Verschmutzungen ausgeliefert wurden, sind, wie für das Label Universal Music üblich, etwas zu eng geraten. Die Vinyl-LPs wieder in die Hülle zu bekommen, kann ein Drahtseilakt werden.

--- Fazit ---

Es ist für mich unverständlich, weshalb WITNESS von Katy Perry bei den Fans so schlecht abschneidet. Es ist mindestens genauso hitverdächtig wie die Alben davor und enthält zudem meines Erachtens die bislang anspruchsvollen Texte. Sie zeigen, dass aus der mitunter etwas albernen Katy Perry der Anfangsjahre, die deswegen aber nicht weniger unterhaltsam war, eine gereifte Frau geworden ist, die gerne ihre Umgebung hinterfragt. Im Zeitalter der Digitalisierung und Trump ist es das passende Album einer Stimme, die immer schon für pop in Reinkultur stand. Die Texte hat sie dabei so formuliert (bzw. ließ sie so formulieren), dass sie das Gegenüber nicht überfordern. Für mich ist das Album ausdrucksstärker als PRISM, stilistisch ist es aber nicht so farbenfroh wie ihr kommerzielles Debüt ONE OF THE BOYS. Wie wär's mal wieder mit etwas Rock?
Die Doppel-LP ist klanglich und haptisch gesehen ein echter Zugewinn: ein stärker differenziertes Klangbild für den anspruchsvollen Pophörer, gefütterte Innenhüllen, Klappcover, Songtexte und null Produktionsreste... was will man mehr? Vier Sterne dafür.


The Girlie Show Live
The Girlie Show Live
Preis: EUR 17,96

3.0 von 5 Sternen Irgendwie ist da der Wurm drin: Ein fehlerhafter Bootleg zu Madonnas GIRLIE SHOW, 3. Oktober 2017
Rezension bezieht sich auf: The Girlie Show Live (Audio CD)
--- Inhalt & Kritik ---

Wieder einmal eine gelungene Konzertreise von Madonna. Die GIRLIE SHOW aus dem Jahr 1993 reizt mit sehr sinnlichen Themen. Sex war seit jeher Gegenstand von Madonnas Bühnenshows, aber in solch einer Variation hat man das von ihr noch nicht gesehen. Mit Lederpeitsche bewaffnet (EROTICA), im deutschen Kabarettstil der Zwanziger Jahre einer Marlene Dietrich mit passend hart artikuliertem Akzent (witzig und experimentell: LIKE A VIRGIN) oder aber im Zuge der Französischen Revolution, wo Madonna im Setting von GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN zu sehen ist und wie einige Auftritte zuvor eine maskuline Rolle einnimmt (JUSTIFY MY LOVE). Sexuelle Selbstbestimmung ist ein zentrales Thema von Madonnas Musik und Auftritten in TV und Film, was sie für Millionen Fans einfach zum Vorbild macht.

--- Zur Doppel-CD ---

Live-CDs können diese Bildgewalt selbstverständlich nicht einfangen, aber sie sollten in der Lage sein, die etwas anderen Versionen von Madonnas Songs und Evergreens abzuzeichnen. Von der GIRLIE SHOW liegt nun nach über zwanzig Jahren eine Radioübertragung ihres japanischen Konzerts Ende 1993 vor, die auf zwei CDs gepresst wurde und offensichtlich vollständig ist. Madonnas Ansprachen sind nämlich auch vorhanden. Das Mastering geht dabei voll in Ordnung, vor allem in Anbetracht dessen, dass der Gesang meist nur über ein mobiles Headset übertragen wird. Das Klangbild wirkt nicht klanglich aufgeblasen, sondern hat sogar eine gewisse Dynamik inne.
Man hat anscheinend in keinster Weise nachbearbeitet, was gleichzeitig ein großes Problem darstellt: Wie andere Rezensenten schon geschrieben haben, kommt es oftmals zu Aussetzern und klanglichen Fehlern, als würden die CDs springen. WHY'S IT SO HARD ist bis nach der ersten Strophe einfach nicht hörbar, man erschreckt sich mehrfach. Das habe ich in solch einer Form noch nie erlebt! Dadurch ist das Produkt als fehlerhaft einzustufen.

--- Fazit ---

Irgendwie scheint bei Madonnas Livealben auf CD immer der Wurm drin zu sein. Entweder sind sie unvollständig (CONFESSIONS TOUR, STICKY & SWEET) oder die Abmischung wirkt durchs hinzugefügte Playback gekünstelt (kürzlich geschehen bei der Doppel-CD zur REBEL HEART TOUR). THE PARTY'S RIGHT HERE, eine inoffizielle Live-CD zur BLOND AMBITION TOUR, bildet dabei die einzige schöne Ausnahme und ist uneingeschränkt empfehlenswert. Bootleg hin oder her, endlich ist das legendäre Konzert in 1A-Qualität verfügbar.
Bei der GIRLIE SHOW hatten Fans schon Vorfreude, einen ähnlich hochqualitativen Mitschnitt zu erwerben. Unglücklicherweise haben die Herausgeber diesmal gepatzt und ein fehlerhaftes Produkt auf den Markt gebracht. Wenigstens ist im Finale EVERYBODY, meinem liebsten Teil, nichts von den angesprochenen Aussetzern zu hören. Mein Tipp für unterwegs: Den Beginn der MP3-Dabei von WHY'S IT SO HARD nach der ersten Strophe setzen (über iTunes steht solch eine Funktion zur Verfügung) und sich nicht allzu sehr über die kleinen Hacker während anderen Tracks ärgern, dann geht's. Schließlich erlebt man die Tournee endlich in all ihrer Vollständigkeit, was dieses Produkt leider zum bisher besten rund um die GIRLIE SHOW macht (wenn man von der Live-DVD von Warner Music einmal absieht). Viel Luft nach oben ist noch offen. Also Warner, macht endlich einmal etwas Gescheites mit Madonnas Katalog und zwingt uns nicht mehr dazu, solch durchwachsene Bootlegs zu kaufen!


Rebel Heart Tour (2cd)
Rebel Heart Tour (2cd)
Preis: EUR 17,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen "I can't hear you"..., 3. Oktober 2017
Rezension bezieht sich auf: Rebel Heart Tour (2cd) (Audio CD)
--- Inhalt & Kritik ---

... ruft eine gut gelaunte Madonna während ihrer verrockten Neuinterpretation des Klassikers BURNING UP dem tobenden Publikum zu. Eigentlich müsste dieser Satz von den Zuschauern kommen, denn auf den beiden CDs zur REBEL HEART TOUR hört man sie selber weniger, sondern vielmehr Gesang vom Band. Wenn man keines ihrer Konzerte besucht hat, könnte man dem Irrglauben erliegen, sie hätte gar nicht live gesungen. Dem ist aber nicht so. Die Ausnahmen bilden die auf Akustikgesang reduzierten Balladen TRUE BLUE (ein echter Höhepunkt!) und LA VIE EN ROSE. Diese Songs werden nicht von Playback gestützt, sondern wirken authentisch, mitunter etwas schräg. Von Madonna erwartet man ja eh keinen astreinen Live-Gesang. Weswegen man ihn aber so auf perfekt getrimmt hat, dass er ab und zu überhaupt nicht von den jeweiligen Albumversionen zu unterscheiden ist (Hat man bei DEEPER AND DEEPER tatsächlich die über zwanzig Jahre alte Studiofassung in ihre Darbietung von 2015 gemischt?!), ist eine Entscheidung, die ich nicht nachvollziehen kann. Leider bilden die insgesamt 22 Nummern dieser Setlist, in der LOVE DON'T LIVE HERE ANYMORE bedauernswerter Weise nur instrumental angespielt wird, nicht das ab, was ich in Berlin gesehen und gehört habe.

--- Zur Doppel-CD ---

Mit dem Mix der REBEL HEART TOUR verhält es sich genauso wie mit dem der MDNA WORLD TOUR. Er fällt sehr höhen- und basslastig aus und neigt ab und an zu Übersteuerungen (so geschehen in DEEPER AND DEEPER mit seinen etwas zu knackig dargestellten Beats). Der Liveatmosphäre wird dabei aber dem ihr gebührenden Raum gewährt. Bei Madonnas Konzerten geht immer die Post ab und die Hardcorefans honorieren dies mit einer regen Beteiligung. Obwohl Madonnas Stimme wie in den Auswertungen zur CONFESSIONS und STICKY & SWEET TOUR so stark ins Playback gemischt wurde, hat man durch das Publikumsgeschrei letztlich doch nicht den Eindruck, einem Studioalbum zu lauschen.
Das dazugehörige Booklet deckt sich mit jenem, das der Blu-ray beiliegt. Schade, dass darin keine Songtexte abgedruckt wurden. Dafür punktet es mit äußerst schönen Fotos von Madonna in Action. Das Cover, welches meiner Meinung nach das gelungenste von all ihren bisherigen Livealben darstellt, spricht Bände über diese eigentlich tolle Konzertreise der Popqueen.

--- Fazit ---

Mit Blut, Schweiß und Tränen läutet Madonna auf ihrer REBEL HEART TOUR ihre Revolution der Liebe ein. Eine ausgewogene Setlist mit reifen Neuinterpretationen von BURNING UP, TRUE BLUE, LIKE A VIRGIN, MATERIAL GIRL, HOLIDAY und anderen im Gepäck präsentiert sie einmal mehr eine Show der Superlative, die ihrem Legendenstatus gerecht wird. Anscheinend wollte man den Hang zur Perfektion wahren und Madonnas nicht perfekten Gesang auf eine glasierte Ebene bringen, wobei man aber leider an Wahrheitsgehalt des Dargebotenen eingebüßt hat. LOVE DON'T LIVE HERE ANYMORE fehlt vermutlich aufgrund von Lizenzschwierigkeiten (es ist nunmal seit jeher eine Coverversion) und TAKE A BOW hat man nur dem japanischem Publikum auf DVD und Blu-ray vorbehalten... das ist alles nicht so schlimm, wenn da nicht das omnipräsente Playback und das auf Dauer anstrengende Mastering der Aufnahme wäre. Die MDNA WORLD TOUR hatte eine andere Richtung eingeschlagen, von der man sich leider wegbewegt hat - nur drei Sterne.


Colonia Dignidad - Es gibt kein zurück - Majestic Collection [Blu-ray]
Colonia Dignidad - Es gibt kein zurück - Majestic Collection [Blu-ray]
DVD ~ Emma Watson
Preis: EUR 9,29

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der für mich beste Film 2016 über ein erstaunlich unbekanntes, dunkles Kapitel der deutschen Nachkriegsgeschichte, 26. September 2017
--- Inhalt ---

COLONIA DIGNIDAD, mit dem reißerischen, im Blockbusterformat formulierten Untertitel "Es gibt kein Zurück", handelt von jener einflussreichen Sekte in Chile, in der Deutsche unter der tyrannischen Führung von Paul Schäfer gefügig gemacht wurden. Mit einer "Kolonie der Ehre", was Colonia Dignidad übersetzt heißt, hat das herzlich wenig zu tun. Der Film spielt im Jahr 1973 und hat dokumentarischen Charakter, ist dabei jedoch als packender Thriller aufgezogen. Das Liebespaar in den Hauptrollen ist zwar fiktiv, die Geschehnisse innerhalb der Mauern der Colonia Dignidad und jene, die darüber hinausgehen, beruhen allerdings auf wahren Begebenheiten.
Daniel (Daniel Brühl) und Lena (überraschend taff: Emma Watson) sind Widerstandskämpfer, die sich gegen General Pinochet und dessen Regime auflehnen. Während einer in Gewalt ausufernden Demonstration wird Daniel verschleppt. Die aufgebrachte Lena findet daraufhin hinaus, dass er von der chilenischen Polizei zur sogenannten Colonia Dignidad gebracht wurde. Paul Schäfer (geht unter die Haut: Michael Nyovist) lässt sich darin als Abgesannter Christi feiern und fährt bei seiner Regierung eine gefährliche Linie, die aus Unterdrückung, Demütigung, Brutalität und Folter besteht. Der Deckmantel des Erlösertums, des Pinochet-Regimes und der Deutschen Botschaft (!) spielen ihm dabei ihn die Hände. Seine Ziele sind rein eigennütziger Natur: Schäfer vergeht sich an kleinen Jungen, während seine unter Gehirnwäsche stehenden Anhänger für die Herstellung von Schusswaffen bis zum Umfallen schuften müssen.
Sich dieser perfiden Machenschaften nicht im Vollen bewusst, schleust sich die mutige Lena als neues Mitglied in die Sekte ein. Es wird von ihr erwartet, sich komplett aufzugeben und nur noch für Schäfer zu leben. Die Gedanken an die Liebe zu Daniel sind stärker als die an die eigene Sicherheit, sodass sich Lena auf dem riesigen Gelände auf die Suche nach dem Deutschen macht. Die strikte Geschlechtertrennung auf dem Hof macht ihre Aufgabe schwerer als vermutet.

--- Kritik ---

COLONIA DIGNIDAD hat eine Liebesgeschichte eines entzweiten Paares als Grundgerüst, um die erschütternden Erlebnisse der Augenzeugen und die aus Aufzeichnungen einzubetten. Regisseur Florian Gallenberger, der ganze fünf Jahre für die Recherche zum Film zugebracht hat und für den Dreh ein Opfer der echten Sekte am Set hatte, ist es meisterhaft gelungen, auf eine Thematik aufmerksam zu machen, von der viele noch gar nichts wussten, mich eingeschlossen. Die Grausamkeiten innerhalb der Colonia sind ein absolutes Verbrechen an der Menschheit in der jüngeren Geschichte, die die Zuschauer deshalb so betroffen macht, weil sie nicht einmal dreißig Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg einzuordnen ist. Die Verstrickung der Deutschen Botschaft, welche die Menschenrechtsverletzungen regelrecht zugelassen hat, machen daraus einen handfesten Skandal, der den Bundespräsidenten Steinmeier dazu veranlasste, die Archive rund um die Colonia Dignidad früher zugänglich zu machen. Die Aufarbeitung der Verbrechen ist dennoch nicht abgeschlossen. Aktuell plant man, eine Gedenkstätte auf dem ehemaligen Gebiet der Colonia zu errichten und Sektenführer und Ärzte, die wegen Beihilfe zum Kindesmissbrauch noch nicht zur Rechenschaft gezogen wurden, zu belangen. Nur die Deutsche Botschaft bleibt nach wie vor außen vor, was einen ganz bitteren Nachgeschmack bei den von Emotionen getriebenen Zuschauern hinterlässt.
Zurück zum eigentlichen Werk: Natürlich schaffen es insbesondere die hervorragenden schauspielerischen Leistungen in COLONIA DIGNIDAD - ES GIBT KEIN ZURÜCK, dass sich das Auswärtige Amt zu schnellen Entscheidungen gezwungen fühlte. Michael Nyovist hat für die Rolle des grausamen Sektenführers Paul Schäfer laut eigenen Angaben das abgrundtief Böse in seinem Kopf generieren müssen, das ihn auch nach dem Dreh einer Szene schwer mitgespielt hat. Hut ab davor, solch eine Rolle mit diese Hingabe und Überzeugungkraft darzulegen! Überrascht dürften eine Vielzahl von Zuschauern auch von Emma Watson sein. Die schöne Schauspielerin ist nicht mehr bloß auf die Rolle der süßen Hermine aus den HARRY POTTER-Filmen zu reduzieren, sondern hat sich als erwachsene Mimin starker Charakterrollen gemausert. Sie ist als Feministin bekannt, weswegen es nicht weiter verwunderlich ist, dass sie auf die Rolle der Lena, die alles tut, um ihren Freund Daniel zu retten, direkt angesprungen ist. Daniel Brühl harmoniert derweil perfekt mit Emma Watson, sodass man ihnen das Liebespaardasein tatsächlich abkauft.

--- Zur Blu-ray ---

Bei Bild und Ton gibt es an sich nichts zu beanstanden. Neben des fehlenden Wendecovers, welches im Inneren wenigstens mit einem großen Foto ausgeschmückt wurde, ist das Einzige, was man vielleicht hätte besser anlegen können, der Ton. COLONIA DIGNIDAD ist eigentlich kein Film, der auf Effekthascherei aus ist. Weshalb man die Dialoge, die hier essentiell wichtig erscheinen, der krassen Soundkulisse untergeordnet und recht leise abgemischt hat, erschließt sich mir nicht. DTS-HD MA 5.1 mit einer hohen Dynamik schön und gut, aber ist es in diesem Fall wirklich angebracht? Ich weiß ja nicht...
Jedenfalls ist COLONIA DIGNIDAD um eine akurate Abbildung des Terrors bemüht. Diese Präzision schlägt sich auch auf die Längenangabe der Extras auf dem Cover nieder. Ziemlich genau drei Stunden wie angegeben sind es geworden, zu 95% in hochauflösendem HD und vor allem in deutscher Sprache bestehend, was überraschend positiv ist, weil COLONIA DIGNIDAD durch die internationale Besetzung einen gewissen Hollywoodanstrich besitzt und man eigentlich englische Beiträge erwartet. Aber weit gefehlt, die Sonderausstattung setzt sich aus deutschen Fernsehinterviews, TV-Auftritten und Dokumentationen zusammen. Unter anderem sind Promomaterial und Reportagen des Pay-TV-Sender Sky und des Schweizer Privatsenders joiz zu sehen, darüber hinaus die Dankesrede beim Bayerischen Filmpreis und sechs kompakte Interviews mit den Darstellern, Machern und einem ehemaligem Mitglied der Colonia. Zwei der Specials sind aber besonders erwähnenswert: Das ist zum Einen die Stellungnahme von Dr. Frank Steinmeier und die daraus resultierende Veranlassung, die Akten zehn Jahre früher zur Durchsicht freizugeben und zum Anderen die dreiviertelstündige SPIEGEL TV-Reportage, die sehr aufwühlend ist. Ein kleiner chilenischer Junge berichtet unter Tränen, was das Monster Paul Schäfer ihm angetan hat und man ist aufgrund der bildhaften Ausführung nicht nur fassungslos gestimmt, sondern weint mit ihm.

--- Fazit ---

Ich habe COLONIA DIGNIDAD - ES GIBT KEIN ZURÜCK bereits dreimal gesehen und bin immer noch erschüttert über die Geschichte, die dahintersteckt. Besonders schlimm ist die Tatsache, dass die Aufarbeitung seit mehreren Jahrzehnten zäh andauert, ohne allen Beteiligten die ihnen gerechte Strafe oder aber Entschädigung zukommen zu lassen. Man muss es dem Regisseur Florian Gallenberger hoch anrechnen, sich dieser Thematik angenommen und sie in den Mainstream gebracht zu haben. Obwohl als Thriller konzipiert, ist COLONIA DIGNIDAD letzten Endes ein sehr politischer Film, den man einfach gesehen haben muss! Daniel Brühl, Emma Watson und Michael Nyovist bringen die nötige Tiefe und Glaubwürdigkeit mit, um dieses recht unbekannte, dunkle Kapitel der deutschen Nachkriegsgeschichte ans nun stärker scheinende Tageslicht zu bringen.
Diesmal rundet nicht unbedingt die hohe Qualität von Bild und Ton die Blu-ray ab, sondern die umfangreichen, tiefgründigen Bonusinhalte, die man sich nicht bloß ein einziges Mal ansehen wird. Wer nur einen DVD-Player besitzt, dem empfehle ich, sich nicht unbedingt die günstigere Einzel-DVD, sondern die Doppel-DVD aufgrund der informativen Extras zuzulegen, die auf dieser Blu-ray zum Standard gehören - fünf Sterne für den meines Erachtens beste Film 2016!


Terminator [Blu-ray]
Terminator [Blu-ray]
DVD ~ Arnold Schwarzenegger
Preis: EUR 7,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Über einen bedeutungsvollen Vertreter des Sci-Fi-Actiongenres und irreführende 4K-Vermerke auf dem Cover: TERMINATOR auf Blu-ray, 24. September 2017
Rezension bezieht sich auf: Terminator [Blu-ray] (Blu-ray)
--- Kurzinhalt & Kritik ---

TERMINATOR machte den einstigen Mister Universum Arnold Schwarzenegger mit den einfachen Worten "I'll be back" zur Blaupause für muskelbepackte Popcornhelden. Dabei ist er im ersten Teil der Filmreihe noch der Böse und sagt nicht wirklich viel. Aus der Zukunft kommend, um nach Sarah Connor (Linda Hamilton, nicht zu verwechseln mit der deutschen Sängerin) zu suchen, metzelt der unbesiegbare Roboter alles nieder, was seinen Weg kreuzt. Sarah wird später nämlich einmal einen Sohn zur Welt bringen, der Arnies Spezies der Killerbots Einhalt gebieten wird. Das will er natürlich verhindern, koste es, was es wolle.
TERMINATOR ist eine spannende Mischung aus Action (gewaltig!), Sci-Fi (definitiv!) und Horror (ein bisschen...), realisiert von James Cameron, der später einmal durch die Blockbusterkolosse TITANIC und AVATAR zu den bedeutensten Regisseuren der Filmgeschichte zählen wird. Geholfen hat ihm dabei Gale Anne Hurd, eine von den Machern der blutigen Fernsehserie THE WALKING DEAD, die er wenig später sogar heiratete.
In den Bonusmaterialien zum Film wird gesagt, man hätte nur mit einem begrenzten Budget arbeiten können. Ich finde, das sieht man dem ersten TERMINATOR überhaupt nicht an. Die Stunts, Schnitte und visuellen Effekte, inklusive Arnies Robotergesicht und das Terminatorskelett am Ende des Films, wirken immer noch höchst professionell und überzeugend, weswegen TERMINATOR zu recht zu einem der denkwürdigsten Actionfilme Hollywoods zählt. Und ja, trotz FSK-16-Flatschen: Es handelt sich dabei um die ungekürzte Fassung, die von 18 auf 16 Jahre heruntergestuft wurde.

--- Zur Blu-ray ---

Ich wünschte, die Vertriebsriesen FOX und Sony Pictures Home Entertainment würden auf die unglücklich gewählte, neuerliche Bezeichnung "4K Transfer Blu-ray" auf der oberen Kante des Covers verzichten. Das Produktfoto von Amazon ist diesbezüglich veraltet, denn ohne diesen Vermerk wird die Blu-ray nicht mehr ausgeliefert. Die 4K-Technologie im Einklang mit einer einfachen (1K-)Blu-ray zu bringen, ist zwar werbewirksam, aber auch irreführend. Mit echter 4K-Auflösung hat das nämlich nichts zu tun. Wie wäre es auch möglich, 4K über einen gewöhnlichen Blu-ray-Player darzustellen? Richtig, das geht nicht. Das wissen leider nur wenige, weswegen ich es verstehen kann, dass viele den Vermerk "4K Transfer Blu-ray" als Etikettenschwindel abtun.
Was hat es nun damit auf sich? Es bedeutet, dass für das Abtasten und den letztendlichen HD-Transfer von TERMINATOR hochqualitatives Material in 4K-Auflösung vorlag. Ziel dieses Werbemittels ist ganz offensichtlich, eine bessere HD-Bildqualität als gewöhnlich zu gewährleisten, weil man mehr Details einfangen kann. Im Falle von TERMINATOR muss man sich aber eingestehen, dass das Bild tatsächlich hervorragend ist! Es gibt fast überhaupt kein Filmkorn zu sehen. Das Bild erstrahlt in einer unglaublichen Klarheit und wirkt regelrecht frisch, so als sei der erste TERMINATOR erst wenige Jahre alt und noch nicht 33.
Die Dialoge der deutschen 5.1-DTS-HD-MA-Spur fallen dagegen etwas ab. Sie wirken ein wenig muffig, bleiben aber trotzdem klar verständlich. Um die Sprache herum wurde ein umso eindruckvolleres Effektumfeld gebaut. Die Lautstärke der Schüsse und Explosionen haben sich gewaschen. So gehört es sich für einen echten Actionfilm! Im englischen Originalton in 5.1 DTS HD High Resolution Audio kommen die audiovisuellen Effekte sogar noch einen Ticken besser zum Tragen.
Nach dem Ende ist vor dem Ende: Die Blu-ray von TERMINATOR besitzt kein Hauptmenü (genauso wie bei der BD von DIE FLIEGE), sondern der Film läuft in Dauerschleife. Um die Sonderausstattung aufzurufen, muss man die Pop-Up-Taste der Fernbedienung drücken. Sie besteht aus einer Dreiviertelstunde Extras in Standard Definition: ein Featurette über die Mache der visuellen Effekte und Filmmusik sowie ein Interview zwischen Arnold Schwarzenegger und Regisseur James Cameron und sieben entfallene Szenen. Ein Wendecover ohne FSK-Aufdruck ist auch noch vorhanden. Es befindet sich in einer fesch roten Amarayhülle, dieselbe wie bei der Blu-ray-Ausführung von CARRIE - DES SATANS JÜNGSTE TOCHTER.

--- Fazit ---

TERMINATOR sollte in keiner gut sortierten Blu-ray-Sammlung fehlen. Der kurzweilige Sci-Fi-Actionstreifen präsentiert nicht nur beunruhigende Zukunftsvisionen à la MAD MAX, sondern kann sich aufgrund seiner glaubwürdig angelegten Effekte selbst dreißig Jahre nach Veröffentlichung noch sehen lassen. Für Arnold Schwarzenegger bedeutete TERMINATOR der endgültige Durchbruch als Actionstar, der auf Rollen mit einer unglaublichen Körperlichkeit abonniert ist, die höchstens noch mit Lou "Herkules" Ferrigno und Dwayne "The Rock" Johnson vergleichbar ist.
Die Blu-ray zeugt davon, es mit einem wahrlich wichtigen Vertreter des Actiongenres zu tun zu haben. Trotz unglücklich formuliertem "4K Transfer Blu-ray"-Vermerk, unter dem sich manche vielleicht etwas anderes vorstellen, kann sich das Bild in seiner 1K-Auflösung sehen lassen. Tonal und bonitechnisch wird dem High-Def-verwöhntem Endkunden auch noch Einiges geboten, was den Sack zum Kauf zumacht - fünf Sterne.


Craft,the [Vinyl LP]
Craft,the [Vinyl LP]
Preis: EUR 31,80

2.0 von 5 Sternen Wenn man Wein in ein Shotglas gibt, geht viel verloren: 55 Minuten an kultiger THE CRAFT-Filmmusik auf nur EINER Vinyl?!, 24. September 2017
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Craft,the [Vinyl LP] (Vinyl)
--- Inhalt & Kritik ---

THE CRAFT, in Deutschland unter dem Titel DER HEXENCLUB bekannt, genießt hierzulande einen gewissen Kultstatus. Der Thriller um vier geächtete Highschoolfreundinnen, die ihre Vorliebe für das Okkulte entdecken, ist mittlerweile mehr als zwanzig Jahre alt, bleibt bis dato ein großartiger Nischentipp für Genrefans und hat dabei kaum Staub angesetzt. Das liegt zum Einen an der unglaublichen Darstellung von Hauptdarstellerin Fairuza Balk, die als Hexe ganz schön gruselig wirkt. Co-Star Neve Campbell wird später durch die Horrorfilmserie SCREAM und Robin Tunney an der Seite von Simon Baker in der US-Serie THE MENTALIST einem breiteren Publikum bekannt, wodurch der Film in Punkto Besetzung durchaus reizvoll erscheint. Die Damen hatten damals noch keinen Namen aus sich machen können, spielen aber schon so wie die ganz Großen.
Zum Anderen kann man den Nachhall von THE CRAFT, der ganz besonders noch in den USA zu spüren ist, dem gelungenen Soundtrack zuschreiben. Dreizehn Nummern, die man in die Sparte Indie-Rock einordnen kann, sind es im gros, darunter auch Love Spit Loves mysteriös angehauchte Coverversion von The Smiths HOW SOON IS NOW?, die gleichzeitig - und wichtiger noch - als Titelsong der erfolgreichen TV-Serie CHARMED - ZAUBERHAFTE HEXEN fungiert. Darüber hinaus singt Heather Nova mit I HAVE THE TOUCH noch eine äußerst schöne Rockballade und Matthew Sweet arbeitet in DARK SECRET mit Lindsey Buckingham zusammen, Ex-Mitglied der legendären Fleetwood Mac. DANGEROUS TYPE von Letters to Cleo im US-Highschoolrock-Gewand könnte als moderne Hommage an David Bowies SUFFRAGETTE CITY durchgehen. Alles in allem bietet der Soundtrack von THE CRAFT eine perfekt aufeinander abgestimmte Mischung, die den Zuhörer zurück zum Sound der Mittneunziger führt, der sich gar nicht einmal so stark vom derzeitigen Rock unterscheidet.

--- Zur Vinyl-LP ---

Fast zwanzig Jahre nach Veröffentlichung des Soundtracks auf dem damals populärsten Medium der CD wird ENDLICH die Verwirklichung auf Vinyl nachgeholt. Eigentlich schade, dass man dem Nischenfilm damals keine analoge Ausgabe gegönnt hat, geben doch gerade Genrefans etwas mehr für schön aufgemachte Editionen aus. Solche können auch gerne einmal eine Vinyl zum Gegenstand haben.
Nach der ganzen Zeit hat man leider das Potential für THE CRAFT nicht erkennen wollen. Der stimmige Soundtrack wird regelrecht lieblos auf den Markt geworfen. Klappcover? Fehlanzeige. Gefütterte, bedruckte Innenhülle? Auch Fehlanzeige! Dass sich Columbia dann auch noch so beim Umfang hat, schlägt dem Fass fast den Boden aus. Gut dreißig Minuten an eigentlich recht dynamischer Rockmusik wird auf nur eine Plattenseite mit einem außerordentlich hohen Laufgeräusch (!) gequetscht, sodass sie nicht wirklich gut klingen kann! Bei Madonnas SOMETHING TO REMEMBER kann man sich solch ein Knausertum noch gefallen lassen, weil die Zusammenstellung nur aus ruhigen Balladen besteht. Aber bei lauter Rockmusik? Definitiv nein!
Hinzu kommen einige Reste vom Presswerk, die man dann auch in den Rillen mit dem dünnen Raum hören kann. Glücklicherweise sind sie nach einigen Runden auf dem Plattenteller verschwunden, aber das kann es doch nicht sein! Ganz ehrlich, wie sehr ich es auch beglückwünsche, dass die tolle Filmmusik aus der Versenkung geholt und nochmals veröffentlicht wird, die Vinyl-LP in DIESER Form hätte man sich echt klemmen können! Eine Doppel-LP mit ansprechendem Gatefoldcover wäre das einzig Richtige gewesen.

--- Fazit ---

Vielversprechende Filmmusik vollkommen unansprechend wiederverwertet: Wer sich seinerzeit die Soundtrack-CD von THE CRAFT bzw. DER HEXENCLUB geleistet hat, braucht sich die Vinyl nicht ins Haus zu holen. Den Mehrwert sehe ich nicht. Der Klang entspricht nicht dem, den man sich von einer Schallplatte erwartet. Zusammengestaucht bezeichnet das Klangbild dieses Produkts ganz gut. Wenn man wie hier guten Wein in ein klitzekleines Shotglas gibt, geht zwangsläufig etwas daneben... und bei der Schallplatte von THE CRAFT ging vieles RICHTIG daneben! Warum soll sich der Fan nach der langen Zeit solch ein lieblos aufgezogenes Produkt kaufen, obwohl es gleichzeitig einen der genialsten TV-Titelsongs enthält? Der Inhalt stimmt, die Ausführung ganz und gar nicht - zwei Sterne, bitte in neuer Form nochmal nachholen (oder besser gesagt nachbessern).


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