Hier klicken Sale Salew Salem Hier klicken Jetzt informieren studentsignup Cloud Drive Photos UHD TVs Learn More TDZ HI_PROJECT Hier klicken Mehr dazu Mehr dazu Shop Kindle AmazonMusicUnlimited longss17
Profil für A. Rieble > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von A. Rieble
Top-Rezensenten Rang: 172.183
Hilfreiche Bewertungen: 389

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
A. Rieble
(REAL NAME)   

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2 | 3
pixel
Falsche Zeugen: Außerchristliche Jesuszeugnisse auf dem Prüfstand
Falsche Zeugen: Außerchristliche Jesuszeugnisse auf dem Prüfstand
von Hermann Detering
  Taschenbuch
Preis: EUR 19,00

24 von 76 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Eliminierung eines Jahrhunderts, 29. Dezember 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Als ich von einem hartnäckigen Gegner des Christentums einige Tage vor Weihnachten 2011 auf Deterings Opus aufmerksam gemacht wurde, orientierte ich mich zunächst an den ersten vier mit 5 Sternen prämierten Rezensionen und einem Interview des Autors mit dem Humanistischen Pressedienst (HPD). Für mich als Katholiken, der aus der sakramentalen Gegenwart Jesu Christi und der Wahrheit des Evangeliums lebt, erscheint der Inhalt des Buches höchst irreal. Gleichzeitig erkenne ich an, daß der Autor die letzte Konsequenz gezogen hat aus dem Hin- und Hergezerre zwischen historischem Jesus und dem Jesus des Glaubens: er hat ihm einfach den Abschied gegeben. Was aber in logischer Konsequenz ad absurdum geführt worden ist, hebt sich auf und es rückt wieder die Einheit von Leben und Lehre Jesu ins Blickfeld.

Nach Detering ist Jesus eine pure Erfindung einer gnostischen Bewegung des 2. Jahrhunderts. Wenn es so gewesen wäre, sollte man eher ein einziges Evangelium erwarten, das die Unterschiede zwischen den vier Evangelien gemieden hätte und so im Sinne der Erfinder wirksamer gewesen wäre.
In dem genannten Interview spricht Detering erstaunlich von der "Wahrheit des Glaubens", der "sich nicht über Geschichte definieren sollte". Er geht also bei der Bildung der christlichen Religion im 2. Jahrhundert einerseits von einem zukunftsträchtigen geistigen Prozeß aus, dessen Endresultat andererseits durch betrügerische Rückprojektion auf einen geschichtlichen Jesus den Menschen verkauft werden mußte. Dafür muß man sich eine erhebliche Portion krimineller Energie vorstellen. Denn man mußte ja die "Wahrheit des Glaubens" einbetten in Handlungen, die eine große Zahl von Personen und Orte benötigten. Sie alle galt es zu erfinden. Darüber hinaus mußte man die heiligen Schriften der Juden berücksichtigen, deren hervorragende Kenntnis vorauszusetzen war. Weil es z.B. bei Sacharja 9,9 heißt "Sieh, dein König kommt zu dir... Er reitet auf einen Esel", zieht Jesus auf einen Esel nach Jerusalem ein (Joh. 12,14). Warum diese Harmonisierung durch die vielen Zitate? Vielleicht um Juden zu bekehren? Man frage den Autor.
Wenn es um die "Wahrheit des Glaubens" geht, warum dann dieser Wahn fortgesetzter Fälschung? Die Wahrheit rechtfertigt sich selbst, sie braucht keine zusätzliche betrügerische Stützung. Es ist kennzeichnend für einen Wahnsinnigen, daß er nur für sich selbst die richtige Erkenntnis der Wirklichkeit reklamiert, und alle anderen Menschen aber für verrückt hält. Von diesem Gesichtspunkt her ist die Geistesverfassung Deterings als bedenklich einzustufen.

Was ist wohl schwieriger zu bewerkstelligen, die Evangelien so stimmig zu verfassen wie sie von gläubigen Christen wahrgenommen werden, oder sie durch raffinierte Täuschung stimmig erscheinen zu lassen? Wenn man letzteres für unmöglich hält, dann darf man mit innerer Erleichterung annehmen, daß sich alles so zugetragen hat, so "geschichtlich" gewesen ist, wie es dargestellt ist.
Einer der vier Rezensenten vermißt Urkunden zur geschichtlichen Existenz Jesu. Wie soll man sich das vorstellen? Petrus mit einer Geburtsurkunde und einer Sterbeurkunde in der Tasche sowie ein von Jesus eigenhändig gezeichnetes Auferstehungsdokument? Darüber hätten die Leute nur gelacht. Für die Geschichtlichkeit Jesu reicht einzig und allein die Überzeugungskraft des Zeugen. Diesen Anschub haben die Apostel, die Verkünder und die junge Kirche durch den Heiligen Geist in vollem Maße empfangen. Diese Zeugen hatten es wahrhaftig nicht nötig, sich auf ein Testimonium Flavianum oder auf Tacitus und Plinius zu stützen. Sie erstellten selbst eine Tradition des Christentums, dessen geschichtliche Grundlage für sie selbstverständlich war.

Zeugnis für den lebenden Jesus Christus in seiner Kirche haben unzählige Menschen während 2000 Jahre abgelegt, viele gaben für ihn, nicht für religiöse Ideen, ihr Leben hin. Diesen Zeugen ist mehr zu vertrauen als jede sich akribisch gebende Wissenschaft, die aber in die Irre führt.

Nach diesen Vorbemerkungen habe ich mich mit dem Buch selbst befaßt, das ich mir nach einigem Zögern beschaffte. Es ist in durchaus wissenschaftlicher Manier geschrieben, dient aber der wahnhaften Vorstellungen des Autors, das Christentum fuße auf Betrügereien und Täuschungen. Statt eindeutige Beweise zu erbringen, ergeht er sich hauptsächlich in Formulierungen von Vermutungen. Ich beschränke mich im folgenden auf den Textabschnitt bei Tacitus, gemäß dem Nero die Christen zu Sündenböcken für den Brand Roms macht und viele von ihnen in den Tod schickt.
Detering zitiert den Altphilologen Erich Koestermann (1901-1973), der eine kritische Ausgabe der Schriften des Tacitus besorgte: "Es ist seit jeher aufgefallen, daß die ... mit dem Brand Roms stehenden sog. Christenverfolgungen ... keinerlei Widerhall in der christlichen Literatur gefunden haben. ... Unter diesen Umständen kann ihr völliges Schweigen nur bedeuten, daß die Darstellung des Tacitus des inneren Wahrheitsgehaltes ermangelt. ..." (S.48) Das sind gewichtige Aussagen eines renommierten Gelehrten, den dennoch nicht als gefeit vor einseitiger Beurteilung betrachten kann. Es müßte z.B. grundsätzlich das Verhältnis der Christen und christlicher Schriftsteller zur nicht-christlichen Geschichtsschreibung geklärt werden. Für die Christen war Tacitus ein heidnischer Römer, dessen Denken für sie keinen gültigen Maßstab darstellte. Man verließ sich lieber auf eigene Überlieferungen. Hier stellt für die christliche Tradition der Clemensbrief, dessen Entstehung um 95 als gesichert gilt und im ganzen Reich Verbreitung fand, eine Pioniertat dar. Clemens, der vierte Bischof von Rom, bezeugt Verfolgungen unter Nero. Über den Tod des Petrus z.B. schreibt er: "... Petrus, der ... viele verschiedene Qualen erduldete und, nachdem er so seinen Glauben bezeugt hatte, an den verdienten Ort der Herrlichkeit gelangte." Charakteristisch ist ein rühmender Stil, den auch ein späterer Interpolator kaum verleugnen könnte. Daß christliche Quellen keinen historischen Wert besitzen, ist die durch nichts gerechtfertigte Unterstellung Deterings.

Nun finden sich aus dem Bericht des Tacitus über Neros Bestrafung der Christen einige wörtliche Übernahmen bei Sulpicius Severus (363-420) in seiner Chronik des Alten Testamentes und der Kirchengeschichte. Außer Detering zweifelt niemand daran, daß sich Sulpicius der taciteischen Quelle bedient hat. Dies geschah zu einer Zeit, als das Christentum Staatsreligion geworden war und christliche Schriftsteller wie der Kirchenvater Augustinus die gesamte Antike - mit christlichen Augen - rezipierte, also alle Scheu vor profanen Quellen abgelegt war.

Genaugenommen handelt es sich um eine einzige Parallele, die auch deshalb von Interesse ist, da die Mitte des betreffenden taciteischen Satzes verderbt ist, sodaß man heute mindestens drei störende Wörter streicht:

TACITUS
1 Et pereuntibus addita ludibria,
2 ut ferarum tergis contecti laniatu canum interirent
3 aut crucibus adfixi
4 [aut flammandi atque], ubi defecisset dies,
5 in usum nocturni luminis urerentur.

1 Und bei der Hinrichtung wurde zusätzlich mit ihnen Spott getrieben,
2 derart, daß sie, mit Tierfellen bedeckt, durch die Zerfleischung von Hunden umkamen
3 oder, an Kreuze geschlagen,
4 sobald der Tag zu Ende gegangen war,
5 zum Zwecke nächtlicher Beleuchtung abgebrannt wurden.

SULPICIUS
1 Quin et novae mortes excogitatae,
2 ut ferarum tergis contecti laniatu canum interirent;
3 multi crucibus affixi aut flamma usti
4 plerique in id reservati, ut cum defecisset dies,
5 in usum nocturni luminis urerentur

1 Ja, es wurden sogar neue Todesarten erfunden,
2 derart, daß sie, mit Tierfellen bedeckt, durch die Zerfleischung von Hunden umkamen;
3 viele wurden gekreuzigt oder verbrannt,
4 die meisten dazu aufgespart, um, nachdem der Tag zu Ende gegangen war,
5 zum Zwecke nächtlicher Beleuchtung abgebrannt zu werden.

Die taciteische Parallelkonstruktion wird von Sulpicius darin aufgegeben, daß er mit "affixi, usti, reservati" unter Auslassung der Copula "sunt" Hauptsätze bildet und nur vom letzten einen ut-Satz abhängig macht. Offensichtlich fand Sulpicius "flammandi" - Anzuzündende vor, da er er es mit "in id reservati, ut" umschrieb. Wie sollte ein Interpolator aus diesem unausgewogenen Satz die klassische Periode des Tacitus gebildet haben?

Detering unterläßt jeden Versuch, zeitliche Umstände einer Interpolation zu benennen. Ihm ist auch folgender Widersinn nicht aufgefallen: Wenn bis zur Zeit des Sulpicius die neronische Strafaktion unbekannt war, auf welche Quelle stützt sich dann Sulpicius? Natürlich auf eine unbekannte, die nach Deterings Maximen natürlich gefälscht sein mußte.

In Deterings Argumentation spielt die Wortform "Chrestiani" statt "Christiani" eine Rolle. Wenn aber Sulpicius durchweg "Christiani" verwendet, wie kommt der angebliche Interpolator dann auf die Idee, "Chrestiani" zu verwenden? Aber ja, damit die betrügerische Interpolation nicht auffällt. Der von Wahn Befallene kommt an kein Ende seiner Einbildung von Täuschungsraffinessen anderer.
Welchem christlichem Interpolator wäre es weiterhin eingefallen, seine eigene Religion so schlechtzumachen? Wie sollte er auf "odium humani generis" für das griechische Wort "misanthropia" - Menschenhaß kommen? Wie sollte er das Urteil fällen, die zu Tode Gemarterten seien schuldig und hätten die äußersten Strafen verdient (sontes et novissima exempla meritos)? Und wie hätte er seine eigene Religion als verhängnisvollen Aberglauben (exitiabilis superstitio) bezeichnen sollen? Aber sicher, alles im Dienste einer perfekten Camouflage.

Tacitus (58-120) war 113 Statthalter der Provinz Asia, Plinius der Jüngere (61-115) zur selben Zeit Statthalter der nördlich gelegenen Provinz Bithynia. Beide Männer waren befreundet. Das Christentum in diesen Gebieten hatte in diesen Gebieten eine solche Präsenz, daß Tacitus kaum umhin konnte, sich mit dem Ursprung des Christentums näher zu befassen und dabei Pontius Pilatus als verantwortlichen Richter im Prozeß gegen Jesus zu ermitteln. Ein Meinungsaustausch mit Plinius ist nicht ausgeschlossen. Ab 114 begann Tacitus die Abfassung der Annalen.

Die Entgegnung auf die vielen subtilen oder an den Haaren herbeigezogenen Begründungen für Interpolationen erspare ich mir und dem Leser, denn Zeit ist bekanntlich kostbar.

Eine ausführliche Darlegung der taciteischen Stelle findet sich in Antonie Wlosok, Rom und die Christen, 1970,1998.
Kommentar Kommentare (61) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 7, 2015 12:56 PM CET


Das Neue Testament und seine Autoren: Eine Einführung
Das Neue Testament und seine Autoren: Eine Einführung
von Karl Jaroš
  Taschenbuch
Preis: EUR 17,90

6 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Evangelistenehre wiederhergestellt, 15. Dezember 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Karl Jaros setzt in dieser gründlichen philologisch-theologischen Untersuchung Markus, Matthäus, Lukas und Johannes in ihre angestammten Rechte als Autoren der vier Evangelien ein, die ihnen seit Jahrzehnten von den meisten neutestamentlichen Exegeten verwehrt werden. Im Einleitungskapitel nennt er die gängigen Prämissen der Spätdatierung, die sich seit Zeit der Aufklärung (Reimarus, D.F. Strauß) bis heute fortgesetzt haben:
Wunder kann es nicht geben;
Jesus konnte keine prophetischen Voraussagen machen;
die in der Naherwartung lebenden Christen machten keine schriftlichen Aufzeichnungen;
die Evangelien sind Produkte der Gemeindetheologie.
Auf jedes dieser Axiome antwortet Jaros mit überzeugenden Gegenargumenten.

Als hilfreich erweist sich die statistische Erstellung der Textstellen, die zum Eigengut eines jeden Synoptikers gehören. Es fehlen allerdings die gemeinsamen Stellen von Matthäus und Lukas.

Auf eine "neue Hypothese" hinsichtlich der synoptischen Frage verzichtet Jaros. Dennoch wird man nach der Lektüre der synoptischen Kapitel Plausibilitätsüberlegungen anstellen dürfen. Demnach hatte jeder Apostel auf seiner ersten Missionsreise ein gemeinsames Vademecum im Gepäck, das exemplarisch die wichtigsten Aspekte des öffentlichen Wirkens Jesu als Anhaltspunkte der je eigenen Verkündigung enthielt. Aus Hochachtung gegenüber diesen Eckdaten gestaltete Markus das erste zusammenhängende Evangelium, zusätzlich gestützt durch die Predigt des Augenzeugen Petrus, den er zeitweise begleitete. Matthäus und Lukas knüpften an der Darstellungsform des Markus-Evangeliums an und gestalteten die Aufzeichnungen der Apostel nach ihren zusätzlichen Gesichtspunkten.

Nach der Lektüre des Buches kann der Gläubige erleichtert wieder zu den Evangelisten auf den vielen Darstellungen früherer Kanzeln aufschauen und sie für die halten, als die sie jahrhundertelang galten: für große Heilige und Eckpfeiler der Kirche.
Er wird ferner die Aufspaltung in den historischen Jesus und den Jesus der Verkündigung als eine monströse Chimäre theologischen Hochmuts beurteilen. Denn Jesus ist stets der gleiche in der Gegenwart seiner Kirche.


Bernadette und das Wunder von Lourdes
Bernadette und das Wunder von Lourdes
von Irmgard Jehle
  Gebundene Ausgabe

1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Rundum gelungen, 29. August 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Eine gewandte und flüssig lesbare Darstellung, die sachliche Information mit einfühlsamer Interpretation im Licht des Evangeliums und im Geist Bernadettes verbindet, ein Buch, das nicht angekränkelt ist durch modische Hinterfragungen, sondern die Schönheit des Glaubens aufzeigt.
Nicht erklärt wird der Begriff Marienkinder (S.32), was hiermit geschehen soll: Es handelt sich um eine Bewegung, die etwa 10 Jahre nach den Visionen der Nonne Catherine Labouré (Paris 1830) gegründet wurde. Mitglieder waren Mädchen und unverheiratete Frauen. Bei offiziellen Anlässen trugen sie weißes Gewand, weißen Schleier und blauen Gürtel. Der Verein in Lourdes umfaßte 130 Mitglieder. Seine überaus verehrte Vorsitzende, Elisa Latapie, war 1857 gestorben und von ganz Lourdes betrauert worden. War sie etwa Bernadette aus dem Jenseits erschienen?


Bernadette Soubirous: Visionen und Wunderheilungen
Bernadette Soubirous: Visionen und Wunderheilungen
von Patrick Dondelinger
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Themaverfehlung, 28. August 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Patrick Dondelingers "Bernadette Soubirous" ist in zwei Teile untergliedert, in einen kürzeren, der knapp und informativ Bernadettes Lebensumstände und 18 Visionen beschreibt, und einen längeren deutenden Teil, der dem eigentlichen Anliegen des Autors entspricht. Sein offensichtlicher Ehrgeiz besteht darin, sich von allen früheren Darstellungsmustern zu trennen und in allem einer anthropologischen Sichtweise nachzuspüren, der er sich in seinem Nachwort durch diesbezügliche Überlegungen Joseph Ratzingers versichern möchte. Dondelinger verliert sich jedoch in mythische Welten des Volksglaubens und des kollektiven Unbewußten, gesellschaftlich und zeitgeschichtlich bedingter Haltungen, Vorstellungen, Erwartungen und Wertungen, beschränkt sich also auf eine rein innerweltliche Denkebene. Die eigentliche theologische Perspektiven gehen dabei völlig unter. Diese würden lauten: Wie handelt Gott am Menschen in seiner geschichtlich verfaßten Kirche? Welchen Bezug haben die Geschehnisse von Lourdes zur Botschaft Jesu? Es müßte klar werden, daß religionsgeschichtliche Ergebnisse der Anthropologie und des Unbewußten nicht außerhalb des heilsgeschichtlichen Horizonts stehen. Diesen Bereich jedoch vermag der Universitätsprofessor nicht in seine wissenschaftliche Denkprinzipien zu integrieren. Es fragt sich freilich, ob er nicht den Nebenschauplatz pyrenäischer Vorstellungswelt zu einem Hauptschauplatz aufgebauscht hat.

Natürlich weiß der Verfasser, daß den Visionen Bernadettes die der Kinder von La Salette (1846) und der Nonne Catherine Labouré (1830) vorangegangen sind, da er aber kirchengeschichtliche Denkkategorien ausklammert, kümmert er sich nicht um die inneren Zusammenhänge dieser drei Erscheinungen.

Die Lektüre des Buches wirft einmal mehr die Frage auf, welchen Wert theologische Wissenschaft ohne Erleuchtung und Führung durch den Glauben hat. Relativierende innerweltliche Rationalität wird ihr nicht gerecht.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 9, 2010 11:03 PM CET


Der dunkle Spiegel: Roman (Historische Romane um die Begine Almut Bossart, Band 1)
Der dunkle Spiegel: Roman (Historische Romane um die Begine Almut Bossart, Band 1)
von Andrea Schacht
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

14 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Literarische Glaubwürdigkeit auf dem Prüfstand, 31. August 2007
Ich kann mich früheren Rezensionen fast uneingeschränkt anschließen: Andrea Schacht schreibt gewandt und entwirft sympathische Figuren, weswegen man literarische Schwächen nachzusehen geneigt ist. Der Leser erwartet auch eine gewisse historische Authentizität und Stimmigkeit der Charaktere. Drei Dinge sind mir dabei weniger angenehm aufgefallen: Pater Ivo klärt Almut auf, daß ihre bronzene Marienstatue eigentlich die Göttin ISIS darstellt. Almut könne vor dieser Statue weiter zu Maria beten, doch wenn sie in großer Not sei, dann solle sie sie mit ihrem alten Namen ISIS anrufen. Hier geht es weniger um einen historisch unglaubwürdigen Ausrutscher, sondern um die Einführung eines esoterischen bzw. Mystery-Elements, dem die Verfasserin - aus welchen Gründen auch immer - nicht widerstanden hat. Damit werden Erzählelemente christlicher Frömmigkeit mit einem Schlag entwertet.
Auch die Einbeziehung von Homosexualität ist heutzutage schick. Deshalb verwundert es zunächst, wie Almut darüber zu Maria spricht: "Wie konnte sich de Lipa so an einem jungen Mann vergehen, der seinem Schutz anvertraut wurde?" Und Pater Ivo spricht von einer rätselhaften Veränderung des jungen Mannes. Am Schluß des Buches aber scheint sich die Verfasserin zu besinnen, daß man sich über Homosexualität nur positiv äußeren dürfe. Daher läßt sie Almut behaupten, zwischen beiden habe gegenseitige Liebe bestanden: "De Lipa liebte Jean und wurde von ihm wiedergeliebt".
Seit auf dem 4. Laterankonzil 1215 Gottesurteile verboten wurden, schwanden diese aus dem Rechtsleben. Ein Gottesurteil an der Bahre eines Toten ist daher im 14. Jh. nicht mehr denkbar. Da die Autorin auf eine solche Zutat nicht verzichten wollte, garnierte sie diese zusätzlich mit dem angeblichen Erfordernis der Nacktheit der Probandin - eine voyeuristische Szene nicht nur für Notker den Dicken, sondern auch für den unkritischen Leser.
Der Leser sollte sich einerseits zwar an den Grundsatz halten, keine fiktionale Literatur zu genau unter die Lupe zu nehmen, andererseits möchte er sich bei allem legitimen Unterhaltungszweck noch ein Bewußtsein von eigentlicher Realität bewahren.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 5, 2012 10:05 AM CET


Das Geheminis der Drei. Kleine Kulturgeschichte der Trinität
Das Geheminis der Drei. Kleine Kulturgeschichte der Trinität
von Norbert Scholl
  Gebundene Ausgabe

8 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Die Dreifaltigkeit als kirchengeschichtliches Konstrukt, 3. Februar 2006
Der Untertitel von Norbert Scholls neuester Buchveröffentlichung "Kleine Kulturgeschichte der Trinität" zeigt die Problematik ihres theologisch-wissenschaftlichen Charakters: Kulturgeschichte bezeichnet unter der Perspektive evolutionären Denkens das, was Menschen an Ideen und Erfindungen hervorgebracht und spätere Generationen aufgenommen und weiterentwickelt haben. Von der Perspektive christlichen Denkens jedoch ist Gott der Herr und Lenker der menschlichen Geschichte. Jede Phase menschlicher Geschichte leistet ihren unverwechselbaren und gültigen Beitrag zum Plan der Heilsgeschichte.
Der Autor gehört jener Generation von Exegeten an, die sich der historisch-kritischen Methode verschrieben haben und in der Entstehung und Entwicklung des Christentums schließlich nur Menschenwerk sehen. Menschlicher Geist bringt nicht überzeitlich Gültiges, sondern nur zeitgeschichtlich Bedingtes hervor. Dementsprechend lehnt der Verfasser die dogmatische Definition des einen Gottes in drei Personen ab (S.92f.) und möchte sie durch eine eigene Definition ersetzt wissen als "Gott-vor-uns – Gott-mit-uns – Gott-in-uns" (S.104ff.)
Scholls theologisches Anliegen geht indes weit über die Kritik an dogmatische Positionen der "römisch-katholischen Kirche" hinaus: In den Kapiteln VIII. und IX. plädiert er für einen Zusammenschluß aller Religionen zu einer Weltreligion, da "alle Religionen denselben Ursprung" haben (S.190f.). In diesem Sinne läßt er den deutsch-amerikanischen Theologen Paul F. Knitter zu Wort kommen: "Die christliche Theologie muss den jüdischen Zweifeln Rechnung tragen und zugestehen, dass Jesus in einem realen Sinn noch nicht der Messias gewesen ist. (...) Die Christen müssen den alten Anspruch aufgeben, in Christus habe sich die jüdische Messiashoffnung erfüllt." (S.183)
Was am Anfang der Lektüre nicht gleich erkennbar ist, zeigt sich am Ende in voller Deutlichkeit: Der Autor stellt seine wissenschaftliche Qualifikation ganz in den Dienst seiner religiösen Utopien.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 24, 2008 2:27 PM MEST


Seite: 1 | 2 | 3