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vully "vully" (Neuhausen)
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Wagner: Lohengrin
Wagner: Lohengrin
Preis: EUR 22,90

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Knackig-dramatischer Lohengrin, 22. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Wagner: Lohengrin (Audio CD)
Zugegeben, wenn ich die freie Wahl zwischen allen Bayreuther Lohengrin-Besetzungen der Nachkriegszeit hätte, würde diese vielleicht nicht unbedingt auf Anhieb auf diesen Mitschnitt von 1962 fallen. Wer sich darauf einlässt, bekommt eine psychologisch überzeugende Aufführung:

Das fängt an mit dem schlanken, sehr transparenten Dirigat von Wolfgang Sawallisch, der der Oper einen großen Drive, eine dramatische Spannung gibt, ohne die lyrischen Momente zu vernachlässigen.

An die helle, vibartoarme Stimme von Anja Silja muss man sich ein wenig gewöhnen. Sie ist keine innig-menschliche Elsa wie Elisabeth Grümmer oder Gundula Janowitz, sondern hat die Energie einer jugenlichen Fanatikerin - was ihr Verhalten in der Brautgemach-Szene nachvollziehbarer macht.

Jess Thomas singt den Lohengrin sehr männlich-heroisch und auch freier als in seiner Studio-Aufnahme unter Kempe. Ein würdiger Nachfolger von Sandor Konya, wenn auch wegen seines leichten Akzents kein ganz so ausdrucksvoller Interpret wie Peter Seiffert oder Ben Heppner. Eine der besten Aufnahmen dieses beutenden Sängers.

Der "Clou" der Aufnahme ist das "dunkle" Paar Ortrud und Telramund, hier gesungen von Astrid Varnay und Ramon Vinay, die in den 50er Jahren u. a. als Tristan und Isolde, Siegmund und Sieglinde geglänzt hatten. Varnay ist eine geradezu hypnotische "wilde Seherin", Vinay ein endlich einmal ein Telramund, der ihr nicht nur vom Stimmvolumen her gewachsen ist, sondern auch den beleidigten Ritter glaubwürdig gestaltet.

König und Heerrufer sind mit Franz Crass und Tom Krause geradezu luxuriös besetzt.

Die Klangtechnik dieses Radio-Mitschnitt hat nicht die Qualität des einige Jahre später mitgeschnittenen Tristan unter Böhm, ist aber für einen Live-Mitschnitt aus den früheren 60er Jahren mehr als annehmbar. Kurz: Vielleicht nicht die absolute Referenz, aber eine sehr spannende, überzeugende Live-Aufnahme des Lohengrin.


Jess Thomas Sings Wagner
Jess Thomas Sings Wagner
Preis: EUR 12,55

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Eines der drei großen "J", 22. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Jess Thomas Sings Wagner (Audio CD)
Als in den 60er Jahren die erste Generation der Nachkriegs-Heldentenöre langsam abtrat, kamen drei junge Amerikaner, die die Lücke füllten: James King, Jean Cox und eben Jess Thomas. Wegen des identischen ersten Buchstaben der Vornamen nannte man sie auch "die drei großen J".

Thomas' Stimme war eigentlich ein jugendlicher Heldentenor, und so hatte er auch seine größten Erfolge als Lohengrin - z. B. in der in der berühmten Kempe-Aufnahme - Parsifal (sein Bayreuth-Debut 1961) und Stolzing. Das Timbre war angenehm, nie hart oder schrill, lediglich leicht gaumig. Die deutsche Artikulation ist in Ordnung, aber nicht akzentfrei. Wenn man ihn etwa mit Ben Heppner vergleicht (als Kanadier auch kein Muttersprachler) sind Thomas' Interpretationen etwas beliebig. Man hörte und engagierte ihn vor allem wegen der Stimme. Ein Sänger, der nie enttäuschte, aber als Interpret auch selten begeisterte.

Die CD vereint Live-Aufnahmen von den Bayreuther Festspielen mit Ausschnitten aus Karajans Studio-Ring mit den Berliner Philharmonikern, klanglich der Höhepunkt der CD.

Das beste kommt zum Schluss: Thomas als Lohengrin unter Sawallisch aus Bayreuth 1962 - klanglich freier und besser als in der Studio-Aufnahme unter Kempe. Ein männlich-ernster Schwanenritter.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 23, 2014 10:59 AM CET


Ben Heppner Sings Wagner
Ben Heppner Sings Wagner
Preis: EUR 15,85

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Portrait eines großen Wagner-Sängers, 22. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Ben Heppner Sings Wagner (Audio CD)
Ohne Übertreibung kann man sagen, dass der Kanadier Ben Heppner der neben Peter Seiffert führende Wagner-Tenor der letzten 20 Jahre war - und mit einigen altersbedingten Einschränkungen (er ist Jahrgang 1956) gehörte er bis zu seinem kürzlich verkündeten Bühnenabschied bis zum Schluss noch zu den besten.

Heppners Trumpf ist eine sehr gute, ursprünglich lyrische Gesangstechnik, die in zu Beginn seiner Karriere befähigte, virtuose Partien wie den Idomeneo zu singen - in dieser Rolle hatte er seinen Durchbruch an der MET und bei den Salzburger Festspielen. Zudem ging er zunächst sehr vorsichtig mit seiner Stimme um, beschränkte sich auf das jugendliche Heldentenorfach (Florestan, Max, Stolzing, Lohengrin, Siegmund), bevor er sich nach und nach auch die schweren Wagner-Partien erschloss, zuletzt den Siegfried. Und so ist er einer der wenigen Heldentenöre, die wirklich legato singen können und den Text nicht nur mühsam radebrechen oder durchbrüllen, sondern auch wirklich interpretieren.

Diese CD ist praktisch ein kurzer Querschnitt von Wagners Ring aus der Perspektive des Siegmund und Siegfried. Heppner ist besonders in den lyrischeren Passagen so überzeugend wie wenige andere ("Winterstürme", "Noch einmal. liebes Vögelein"), herzzerreißend in "Brünnhilde, heilige Braut", aber auch absolut überzeugend in den Schmiedeliedern, in denen die Spitzentöne endlich einmal nicht gebrüllt werden, sondern sauber gestützt werden.

Einwände? Allenfalls sein amerikanisch gefärbtes "r", sonst singt er nämlich akzentfrei. Eine sehr schöne CD.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 5, 2016 10:29 PM CET


Douce France: mélodies, chansons
Douce France: mélodies, chansons
Preis: EUR 19,99

12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Meisterin des Crossovers, 21. Januar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Douce France: mélodies, chansons (Audio CD)
Die schwedische Mezzo-Sopranistin Anne-Sofie von Otter wurde einmal von einem Kritiker als "Spezialistin für alles" bezeichnet. Und tatsächlich ist sie unglaublich vielseitig - von Purcell, Bach und Händel über Mozart und Sibelius, Brahms, Mahler und Strauss bis hin zu Offenbach, Kurt Weill (eine CD für die einsame Insel), ABBA(!) und Elvis Costello, allen hat sie mit ihre leicht brüchigen, sehr aparten Stimme, ihrer großartigen Gesangstechnik und ihrer Musikalität ihren unverwechselbaren Stempel aufgedrückt.

Jetzt also ein zweigeteiltes Album, das vollständig Frankreich gewidmet ist:

Die erste CD besteht aus spätromantischen und impressionistischen "Mélodies" (der französischen Version des Kunstliedes) von Saint-Saens, Gounod, Debussy (u. a. Clair de lune), Loeffler, Ravel und Reynaldo Hahn, die die Schwedin mit großer Eleganz, Stilsicherheit und gegenüber früheren Aufnahmen merklich besseren französischen Aussprache interpretiert, begleitet von ihrem langjährigen Klavierbegleiter Bengt Forsberg und dem wunderbaren Bratscher Antoine Tamestit.

Die zweite CD war für mich der Grund, die CD zu kaufen: Eine äußerst gelungene Sammlung von Chansons von Jacques Trenet, Edith Piaff, Barbara, Georges Moustaki und anderen, teils Welterfolge (Padam, Padam; Göttingen; La vie en rose), stilistisch und vom Ausdruck zwischen überschwänglich-jazzig (chanson des jumelles), heiter-gelöst (Boum) bis melancholisch (Les feuilles Mortes).

Von Otter interpretiert jeden Titel auf ihre ganz eigene, unverwechselbare Weise, begleitet von einem großartigen Ensemble, aus dem Margareta Bengtson als Duettpartnerin herausragt.

Wieder einmal eine wunderbare Platte einer der großen Sängerinnen unserer Zeit. Große Kaufempfehlung.


Mozart: Arias  (Special Limited Edition)
Mozart: Arias (Special Limited Edition)
Preis: EUR 19,99

7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Beeindruckend, überzeugend, 21. Januar 2014
Rolando Villazón ist alles andere ist als ein reiner Stimmbesitzer, sondern ein außerordentlich intelligenter Künstler. Das weiß man spätestens seit seiner entzückenden Inszenierung von Donizettis Elisir d'Amore in Baden-Baden.

Und so macht er aus der Not einer großen Stimmkrise vor einigen Jahren eine Tugend, indem er sich ein neues Repertoire erschließt, das schonender mit seiner Stimme umgeht als die Verdi-Rollen, in die er sich früher mit vollem Herzen und ohne Rücksicht auf seine Ressourcen gestürzt hatte.

Nun also Mozart. Nach Live-Auftritten in Don Giovanni und Così fan tutte hat sich Villazon nun für eine Studio-Produktion der Konzert-Arien angenommen - herausgekommen ist eine äußerst kurzweilige Platte, in der der Tenor mit deutlich verschlankter Stimmführung, ja sogar mit einem Messa di Voce (Track 6) überrascht, das man früher von ihm so nicht zu hören bekommen hat. Einige Intonationstrübungen bei tiefen Tönen stören mich nicht übermäßig.

Für unsere Ohren, die bei Mozart an sehr instrumental geführte, leichte Stimmen von Haefliger über Schreier und Blochwitz bis Schade gewöhnt sind, klingt einiges zwar immer noch sehr mediterran, aber nicht falsch. Mozart erscheint besonders in den komischen Arien (z. B. Track 10) deutlich als Vorgänger eines Rossini oder Donizetti.

Überhaupt sind die Konzertarien typischer Mozart - und stilistisch und vom Ausdruck sehr vielfältig, was nicht nur daran liegt, dass sie aus allen Schaffensperioden des Komponisten stammen.

Am Ende der CD hört man den Tenor sogar auf Deutsch - was allerdings eher lustig klingt als verständlich ist("ein ganzes Riedahear").

Begleitet wird der Tenor vom London Symphony Orchestra unter Antonio Pappano, einem der versiertesten Operndirigenten unserer Zeit. Und man muss sagen, dass sich Villazón eine solch hochkarätige Begleitung durch seine Leistung auf dieser Platte verdient hat.

Kurz - eine Platte, die mich positiv überrascht hat. Für Villazón gilt offenbar die erste Hälfte dessen, was die große Wagner-Sängerin Birgit Nilsson über ihre Ausflüge in Mozart-Rollen sagte ("Mozart ist gut für mich"), aber glücklicherweise nicht die zweite ("ich weiß aber nicht, ob ich gut für Mozart bin").

Allerdings rate ich lieber zur preiswerteren Einzel-CD, denn die Bonus-CD ist doch eher überflüssig bis ärgerlich: Sie enthält Ausschnitte der vor einiger Zeit erschienenen Gesamtaufnahmen von Così fan tutte und Don Giovanni aus Baden-Baden, die zum einen schon etwas merkwürdig ausgesucht sind für ein Porträt des Tenors. Vor allem aber ist die Così, die einen Großteil der Platte einnimmt, insgesamt weit weniger überzeugend als der Don Giovanni und vor allem die erste CD. Das gilt nicht nur, aber auch für den Tenor.


Mozart
Mozart
Preis: EUR 7,99

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Beeindruckend, überzeugend, 21. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Mozart (Audio CD)
Rolando Villazón ist alles andere ist als ein reiner Stimmbesitzer, sondern ein außerordentlich intelligenter Künstler. Das weiß man spätestens seit seiner entzückenden Inszenierung von Donizettis Elisir d'Amore in Baden-Baden.

Und so macht er aus der Not einer großen Stimmkrise vor einigen Jahren eine Tugend, indem er sich ein neues Repertoire erschließt, das schonender mit seiner Stimme umgeht als die Verdi-Rollen, in die er sich früher mit vollem Herzen und ohne Rücksicht auf seine Ressourcen gestürzt hatte.

Nun also Mozart. Nach Live-Auftritten in Don Giovanni und Così fan tutte hat sich Villazon nun für eine Studio-Produktion der Konzert-Arien angenommen - herausgekommen ist eine äußerst kurzweilige Platte, in der der Tenor mit deutlich verschlankter Stimmführung, ja sogar mit einem Messa di Voce (Track 6) überrascht, das man früher von ihm so nicht zu hören bekommen hat. Einige Intonationstrübungen bei tiefen Tönen stören mich nicht übermäßig.

Für unsere Ohren, die bei Mozart an sehr instrumental geführte, leichte Stimmen von Haefliger über Schreier und Blochwitz bis Schade gewöhnt sind, klingt einiges zwar immer noch sehr mediterran, aber nicht falsch. Mozart erscheint besonders in den komischen Arien (z. B. Track 10) deutlich als Vorgänger eines Rossini oder Donizetti.

Überhaupt sind die Konzertarien typischer Mozart - und stilistisch und vom Ausdruck sehr vielfältig, was nicht nur daran liegt, dass sie aus allen Schaffensperioden des Komponisten stammen.

Am Ende der CD hört man den Tenor sogar auf Deutsch - was allerdings eher lustig klingt als verständlich ist("ein ganzes Riedahear").

Begleitet wird der Tenor vom London Symphony Orchestra unter Antonio Pappano, einem der versiertesten Operndirigenten unserer Zeit. Und man muss sagen, dass sich Villazón eine solch hochkarätige Begleitung durch seine Leistung auf dieser Platte verdient hat.

Kurz - eine Platte, die mich positiv überrascht hat. Für Villazón gilt offenbar die erste Hälfte dessen, was die große Wagner-Sängerin Birgit Nilsson über ihre Ausflüge in Mozart-Rollen sagte ("Mozart ist gut für mich"), aber glücklicherweise nicht die zweite ("ich weiß aber nicht, ob ich gut für Mozart bin").


Weihnachts-Oratorium (Ga)
Weihnachts-Oratorium (Ga)
Preis: EUR 7,99

8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mein Lieblings-Weihnachtsoratorium, 16. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: Weihnachts-Oratorium (Ga) (Audio CD)
John Eliot Gardiners Aufnahme des Weihnachtsoratoriums von 1987 lässt niemanden kalt - man liebt oder hasst sie. Kritiker werfen ihr extrem schnelle Tempi vor, mangelnde Feierlichkeit oder Frömmigkeit vor allem der Choräle.

Dem kann ich nur entgegnen, dass Gardiners Tempi zur Zeit des Erscheinens vor allem ungewohnt waren, inzwischen aber eher die Regel als die Ausnahme sind - gerade gestern durfte ich an einer Aufführung mitwirken, in der der Dirigent teilweise noch schnellere Tempi gewählt hatte. Auch andere Aufnahmen sind ähnlich flott (z. B. Otto, Herreweghe, Dijkstra, wenn sie auch meist die Choräle langsamer nehmen.

Die Charakterisierung der einzelnen Chorsätze ist hier auf die Spitze getrieben, wie es sicherlich nur in einer Studioaufnahme möglich ist - und mit einem absoluten Spitzenensemble wie dem Monteverdi Choir. Die Präzision und Homogenität dieses Chorklangs sind bis heute einzigartig. Die Begleitung der English Baroque Soloists steht dem in nichts nach.

Dazu kommt ein Solistenensemble, wie es nur wenige andere Aufnahmen zusammen bekommen haben:

Bei Anthony Rolfe Johnson als Evangelist mag man den leichten englischen Akzent kritisieren, als Interpret ist er der Prototyp der Nach-Schreier-Ära.

Nancy Argenta ist mit ihrer vibratolosen, leicht androgynen Stimme ein überzeugender Engel. Hans Peter Blochwitz singt die unglaublich virtuosen Tenorarien absolut souverän - ihn hätte ich mir auch als Evangelist sehr gut vorstellen können. Ein Glücksfall ist Olaf Bär, der die Basspartie ebenso ausdrucksvoll wie mühelos bewältigt.

Unübertroffen gut ist aber vor allem aber die Mezzosopranistin Anne Sofie von Otter, die zum Zeitpunkt der Aufnahme noch am Anfang ihrer Weltkarriere stand, und die so wichtigen Altarien ebenso innig wie musikalisch spannend interpretiert.

Ich habe schon viele andere Aufnahmen ausprobiert und komme doch immer zu dieser zurück - die in dieser Ausgabe endlich auch einmal bezahlbar ist.

Als Alternative für alle, die die Choräle gerne etwas feierlicher haben möchten, im übrigen aber ähnliche Qualitäten suchen, fällt mir auf Anhieb eigentlich nur die Aufnahme unter Ralf Otto mit dem Concerto Köln, dem Vokalensemble Frankfurt (nicht ganz so gut wie die Engländer, aber auch sehr gut) und den Solisten Christoph Prégardien, Ruth Ziesak, Monica Groop und Klaus Mertens ein.


Der Vogelhndler
Der Vogelhndler
Preis: EUR 7,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen unübertroffenes Ensemble in Operettenklassiker, 14. Dezember 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Vogelhndler (Audio CD)
Carl Zellers "Vogelhändler" von 1891 gehört bis heute zu den beliebtesten Werken aus dem so genannten "goldenen Zeitalter" der Wiener Operette, die mit unsterblichen Klassikern wie "Grüß' Euch Gott, alle miteinander", "Ich bin die Christel von der Post", Schenkt man sich Rosen in Tirol" aufwartet. Das besondere des Stückes ist, dass es viele größere Rollen gibt, die auch musikalisch anspruchsvoll sind und deshalb ein sehr ausgewogenes Ensemble erfordern, und das ist das besondere an dieser Aufnahme von 1973, die nicht nur sehr prominent, sondern durchgehend nahezu optimal besetzt ist:

Da ist zum einen das junge Liebespaar. Das Postfräulein Christel singt Renate Holm als selbstbewusste junge Frau mit unübertrefflich jugendlichem Charme. Adolf Dallapozza erinnert als Tiroler Vogelhändler Adam in den besten Momenten an Fritz Wunderlich, kann als jugendlicher Draufgänger mehr als überzeugen. Ein besonderer Trumpf ist, dass er als Südtiroler den geforderten Dialekt sehr authentisch hinbekommt.

Die zweite - musikalisch fast größere - weibliche Hauptrolle, die Kurfürstin Marie, singt hier Anneliese Rothenberger. Zu der erwachseneren Rolle passt ihr im Verhältnis zu früher etwas reiferes Timbre gut. Zudem ist die Mannheimerin Rothenberger eine glaubwürdige Pfälzerin. Nur in ihrem Hit "Fröhlich' Pfalz" würde man ihr eine etwas leichtere Stimmführung wünschen.

Den intriganten, korrupten, dünkelhaften Baron Weps gibt Walter Berry wunderbar schmierig und mit einer überraschend leichten Höhe für einen Bassbariton. Auch er ist eine Idealbesetzung.

Die zweite große Tenorrolle, den Neffen des Barons, Stanislaus, einen adelligen Schwerenöter und Tunichtgut, singt Gerhard Unger, dem man seine 57(!) Jahre wahrlich nicht anhört. Der bekannteste deutsche Spieltenor der 50er und 60er Jahre überzeugt hier immer noch durch jugendlichen Charme und seine leichte Höhe.

Die Nebenrollen sind ebenfalls prominent und sehr überzeugend besetzt (z. B. mit Wolfgang Anheisser als Schneck und Jürgen Förster und Karl Dönch als korrupte Professoren mit dem wunderbaren Duett "Ich bin der Prodekan").

Schade ist lediglich der zwar sehr ausdrucksvoll gesprochene, aber stark gekürzte Text, der die etwas verwickelte Handlung, besonders die vielen Scheinidentitäten (verkleidete Kurfürstin, angeblicher Kurfürst) etwas schwer verständlich macht. Auch der Chor dürfte etwas deutlicher artikulieren. Sonst ist man ohne Textbuch etwas aufgeschmissen. Trotzdem ist dies eine insgesamt wunderbare Operetten-Gesamtaufnahme.


Plácido Domingo: The Verdi Opera Collection
Plácido Domingo: The Verdi Opera Collection
Preis: EUR 37,13

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen 6 großartige Gesamtaufnahmen, 25. November 2013
Unter den vielen verdienstvollen - und meist sehr preiswerten - Wiederveröffentlichungen von Sony zum Verdi-Jahr 2013 ist diese ein besonderes Schnäppchen, bietet sie doch insgesamt sechs (!) Operngesamtaufnahmen zum Preis einer einzigen. Und dabei handelt es sich keineswegs um Ladenhüter, sondern größtenteils um Aufnahmen, die zur Spitzenklasse gehören, nicht nur wegen Placido Domingo, der hier - mit einer Aufnahme - im ersten Jahrzehnt seiner Weltkarriere und damit auch in stimmlicher Topform zu hören ist. Im einzelnen enthält die Box folgende Aufnahmen (chronologisch sortiert):

Il Trovatore (Leontyne Price, Placido Domingo, Sherrill Milnes, Fiorenza Cossotto, New Philharmonia Orchestra, Zubin Mehta, 1969): *****
Eine der besten Aufnahmen des Troubadours überhaupt, keine andere ist in jeder der vier Hauptrollen so großartig besetzt, eine Sternstunde

Aida (Leontyne Price, Grace Bumbry, Placido Domingo, Sherrill Milnes, Ruggero Raimondi, John Alldis Choir, London Symphony Orchestra, Erich Leinsdorf, 1970):*****
Stimmlich ähnlich überzeugend wie der Troubadour, nur das etwas schwammige Dirigat und die nicht perfekte Aufnahmetechnik stören etwas

I Vespri Siciliani (Martina Arroyo, Placido Domingo, Sherrill Milnes, Ruggero Raimondi, New Philharmonia Orchestra, James Levine, 1973):*****
Eine der wenigen Aufnahmen der Sizilianischen Vesper überhaupt, schon deshalb konkurrenzlos; sehr gut besetzt, leider nicht die französische Originalfassung

La Forza del Destino (Leontyne Price, Placido Domingo, Sherrill Milnes, London Symphony Orchestra, James Levine, 1976): ****
Prices zweite Forza-Aufnahme; sie selbst ist in der ersten (unter Schippers) besser, der Rest hier mindestens gleich gut

Otello (Placido Domingo, Renata Scotto, Sherrill Milnes, National Philharmonic Orchestra, James Levine, 1978): ****
Domingos erster Otello ist noch etwas vorsichtig geraten, dafür sind die anderen Sänger sehr überzeugend

Luisa Miller (Florence Quivar, Placido Domingo, Jan-Hendrik Rootering, Paul Plishka, Metropolitan Opera Orchestra, James Levine, 1991): ***
die neueste Aufnahme der Sammlung ist die am wenigsten überzeugende wegen der übrigen Sänger - da gibt es bessere Aufnahmen von Verdis Vertonung von Schillers Kabale und Liebe, z. B. unter Fausto Cleva
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 9, 2013 11:55 AM CET


Verdi: Otello
Verdi: Otello
Preis: EUR 11,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Domingos erster Otello, 17. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Verdi: Otello (Audio CD)
Placido Domingo war für zwei Jahrzehnte weltweit der Inbegriff des Otello, und hat die Vorstellungen der Hörer von dieser Rolle mindestens so entscheidend geprägt wie vor ihm Martinelli, del Monaco oder Vickers, trotz seiner im Vergleich zu den drei anderen sehr viel lyrischeren Stimme.

Dies ist die erste seiner drei Gesamteinspielungen der Rolle aus drei Jahrzehnten (1978, 1985 und 1993!) und weist mit Renata Scotto und Sherill Milnes die prominentesten Sänger für die beiden anderen Hauptrollen auf.

Milnes ist auch tatsächlich der beste der drei Jagos, weil er den für die Rolle so nötigen wie schwierigen Mittelweg findet zwischen bloßem Schöngesang und Overacting zu Lasten der musikalischen Linie. Seine kraftvolle Stimme mit dem nasalen Timbre passt ideal zur Rolle und lässt verschmerzen, dass sein Vorbild Leonard Warren die Rolle nie im Studio gesungen hat.

Scotto präsentiert sich ebenfalls in guter Form - obwohl sie zu dieser Zeit eigentlich schon ein sehr viel dramatischeres Repertoire sang, was zu Lasten der Stimmqualität ging. Hier aber zeigt sich sich angemessen verletzlich und jugendlich im Timbre.

Domingo selbst hört man am besten in der zweiten Aufnahme: Dort hat seine Stimme mehr Kraft und Metall, die Interpretation hat enormes Temperament - Domingo geht gesanglich mehr Risiken ein, vielleicht weil es sich um einen Filmsoundtrack handelte. Hier ist er musikalisch vorsichtiger, überzeugt vor allem in den lyrischeren Passagen, während ihm in den großen dramatischen Ausbrüchen etwas Volumen fehlt ("Ora per sempre," "Si, pel ciel," "Niun mi tema"). Ein guter Otello, der aber zumindest in dieser Aufnahme z. B. Jon Vickers nicht vergessen machen kann.

Der Rest der Sänger lässt keine Wünsche offen - kein Wunder, hat doch James Levine, der GMD der Metropolitan Opera New York seine besten Sänger mitgebracht. Auch Chor und Orchester des Hauses tragen zu einem prächtigen, glanzvollen Gesamtbild bei.

Insgesamt ist diese Aufnahme sehr hörenswert. Wenn man Placido Domingo aber wirklich als Konkurrenz zu den großen Otellos der Vergangenheit erleben will, muss man zu der Maazel-Aufnahme von 1985 greifen.


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