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Rezensionen verfasst von
wandablue

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Warten auf Bojangles: Roman
Warten auf Bojangles: Roman
von Olivier Bourdeaut
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,00

3.0 von 5 Sternen Zu bemüht!, 21. Juli 2017
Ich merke immer wieder, dass weder das allzu Skurrile noch das Schelmenromangenre, also das allzu Übertriebene, mir liegt - es gibt sicherlich Ausnahmen, aber "Warten auf Bojangles" gehört nicht dazu. Dieses Büchlein lässt sich leicht weglesen, hat aber entgegen Christine Westermanns intensivem Leseeindruck, bei mir keinen tiefen Eindruck hinterlassen.

Der Roman erzählt von der Konsequenz unbedingter Liebe und hat einen zärtlichen Zungenschlag. Oder einen gewollt naiven. Oder einen süßlichen! Erzähler ist ein Knabe, der mit seinen geliebten Eltern ein von Konventionen losgelöstes Leben führt. Es ist eine tragische Geschichte, die ein lustiges Gewand trägt. Es ist die Absicht des Autors, Lebensfreude und Verzweiflung zu einer Übereinstimmung zu bringen. Ich pfeife auf das Schicksal, möchten die Protagonisten schreien, aber natürlich kann das keiner.

Ein Titel von Nina Simones Songs „Mr. Bojangels“ gibt dem Roman seinen Namen. Er ist und bleibt seinem Genre nach ein Schelmenroman und will auch gar nichts anders sein. Schelmenromane tragen dick auf. Sie haben so viel Schminke auf den Seiten. Das muss man mögen. Die maßlosen Übertreibungen, die seinem Wesen entsprechen, amüsieren mich aber nicht, ich finde sie anstrengend und ermüdend. Vielleicht sogar dem behandelten Thema "Krankheit" unangemessen.

Fazit: Ein Schelmenroman. Sein teilweise stimmiges Ende versöhnt etwas mit seiner Exaltiertheit, insgesamt ist mir die Geschichte jedoch viel zu bemüht und gekünstelt.

Kategorie: Schelmenroman
Verlag: Piper, 2017


Die Lieferantin: Thriller (suhrkamp taschenbuch)
Die Lieferantin: Thriller (suhrkamp taschenbuch)
von Thomas Wörtche
  Broschiert
Preis: EUR 14,95

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Doch nur wieder ein Revierkampf!, 17. Juli 2017
Ja mit Vorbehalt und ganz viel Nein. Es ist halt ein Krimi alter Machart. Der moderne Technikanstrich ist nur ein Bluff. Das kann Frau Poznanski viel besser.

Preise: Zoe Beck wurde mit zahlreichen Krimipreisen ausgezeichnet, mit welchen steht nicht im Buch, ein Versäumnis, das ich korrigiere (Auswahl):

2016: Deutscher Krimipreis (Rang 3); 2015: Buchkultur: Die besten Krimis der Saison Top; 2014: Virenschleuder-Preis, Marketingpreis der Frankfurter Buchmesse, Kategorie „Persönlichkeit“ und so fort, jedes Jahr bis 2010, als sie wohl ihren allerersten Preis erhielt, alles nachzulesen auf Wiki, wo auch steht, dass Zoe Beck eigentlich Henrike Heiland heißt, ebenfalls ein schöner Name.

Die Namen des Thrillers sind Declan, Mo, Ellie, Leo, Victor, Christine, Namen, die sich leicht ins englische übersetzen lassen werden.

Der Inhalt ist modern, denn es geht um Drohnen und Drogen. Drohnen und Drogen hätte mir auch gut gefallen als Titel. Ja, ich schwafle, denn es fällt mir schwer, Bedeutendes zum Buch zu sagen. Diese Drohnengeschichte ist modern, aber sie ist nicht durchgezogen. Ich mag Technikkrimis. Doch die Verteilung des Stoffes durch Drohnen ist nur der Aufhänger. Ellie und ihre Chefin haben in London einen neuen, sauberen Drogenservice aufgezogen per Darknet und kommen den altetablierten Drogenbossen in die Quere. Oh no, sag ich, als ich das merke, diese Mafiakämpfe haben mich immer schon schrecklich gelangweilt. Oder Bandenkämpfe. Und um nichts anderes geht es, um Revierkämpfe. Abgedroschen.

Protagonisten: Zugegeben die Drohnenmädels sind ein bisschen anders und haben ein bisschem mehr Gesicht. Aber nicht genug. Und hehre Motive. Kann man im Drogenhandel hehr sein? Da ist ein klitzekleiner Ansatz zur Reflexion. Das gibt einen Punkt. Eine gescheite Laienhelferin Mo ist eine ganz nette Figur, auf der Gegenseite, der sanfte Declan, Sohn des Drogenbosses, widerwillig ins Geschäft eingestiegen. Seine Psychologie ist völlig misslungen, denke ich, obwohl ein wenig Zynismus und Ironie mir durchaus zusagt. Das gibt den zweiten Punkt. Insgesamt immer noch Stereotypen. Sehr viel kann man hier nicht rausholen.

Der Plot: Die Kräfte auf der Waage balancieren hin und her, der Plot ist mäßig spannend, aber ohne logische Abweichungen, Kanten und Ecken, durchgezogen bis zum Ende. Das gibt keinen Stern, aber auch keinen Abzug.

Die Schreibe ist flüssig und leicht zu lesen, ohne Stilbrüche und ohne mich in die Luft gehen zu lassen: der dritte Punkt.

Was hätte besser sein müssen? Die modernen Drohnen hätten viel mehr Mittelpunkt sein müssen, die Autorin hätte viel mehr mit dem Thema anfangen können. Anfangen müssen!

Fazit: Trotz Technikthema nur ein mäßiger Plot, ansatzweise Figurenzeichnungen, flott geschrieben, nette Unterhaltung, kein Ausreißer nach oben oder unten.

Verlag: Suhrkamp, 2017
Kategorie: Krimi/Thriller


Mein Jahr im Wasser: Tagebuch einer Schwimmerin
Mein Jahr im Wasser: Tagebuch einer Schwimmerin
von Jessica J. Lee
  Broschiert
Preis: EUR 18,00

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Perle unter den Büchern!, 14. Juli 2017
Bei dem Buch „Mein Jahr im Wasser“ von Jessica J. Lee handelt es sich nicht um eine Biografie im klassischen Sinne, dafür ist die Verfasserin zu jung, obwohl das Buch biografische, das heißt persönliche Anteile hat. Die Autorin gibt sehr wohl einige intime Details über ihr Leben preis. Diese Intimität ist genau bemessen, der geneigte Leser kommt der schreibenden Person nah, angenehm nah, aber nicht zu nah. Peinliche Ergüsse über Seelen- oder Sexualleben, wie es andere junge Schreiber naiverweise manchmal zumuten, gibt es nicht. Jedoch darf man ein paar Einblicke in Jessicas psychische Verfassung tun. Gleichzeitig ist es ein Sachbuch über die Seenlandschaft der Mark Brandenburg. Eigentlich sogar eine Liebeserklärung an Brandenburg.

In wunderschöner, lyrischer Sprache beschreibt die junge Autorin die brandenburgische Landschaft, ganz ähnlich und doch ganz anders als es einst Fontane mit seinem vierbändigen Werk „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ tat. Aus jeder Zeile spricht ihre Naturverbundenheit, ihre Stärke, ihre Liebe zur Stille, zur Einsamkeit und zum Du. Und ihre Intelligenz und Feinheit, Belesenheit. Manchmal ist eine Freundin auf den Wanderungen, Streifzügen zum Wasser mit dabei, häufiger ist sie alleine, mal sinniert sie über verlorene Lieben nach, über ihre Ängste vor dem tiefen Wasser, über ihre Familie und immer will sie sich den Kopf frei radeln, wandern und schwimmen, weil sie als angehende Umwelthistorikerin an ihrer Dissertation über die „Hampstead Heath“ sitzt.

Um ihre Selbstheilungskräfte zu aktivieren, erlegte sie sich das Projekt zweiundfünfzig Seen der momentan bewohnten Gegend zu beschwimmen, auf, analog zu den zweiundfünfzig Wochen des Jahres, in allen Jahreszeiten. Dabei erfährt der schaudernde Leser, wie man es anstellt, im eiskalten Wasser keinen Atemstillstand zu bekommen, nachdem man sich mit dem Hammer eine Wasserinne frei haute, und wieviel genau bemessene Schwimmzüge man machen darf, bevor man wieder zurück an das Ufer muss, um nicht zu ertrinken. Es ist der Endorphinausstoss nach dem Schwimmen, wonach die Spezie der Eisschwimmer süchtig ist.

Man merkt, Jessica J. Lee ist der sportliche Typ. Unerschrocken, denkt man und „kanadisch“ halt, wenn man ihrem Stapfen durch dunkle Wälder folgt, mutterseelenallein oder ihrem stundenlangen Radeln zum Tagesziel, dessen Monotonie sie sich mit Singen vertreibt. Aber unerschrocken stimmt nur bedingt, Mut ist eine Sache der Gewohnheit, der Einlassung und der Disziplin.

Wunderschöne Zitate lassen mich mehr und mehr Jessicas Unbedingtheit, ihre Hingabe an das Projket begreifen. „Liebe ähnelt der Angst, sie verschlingt einen mit Haut und Haar wie Wasser" ist nur eines davon. Und das dem Buch vorangestellte Zitat von Margaret Atwood gefällt mir sehr: „Um uns ist die Illusion unendlichen Raumes, es gibt nur uns und das in Dunkel gehüllte Ufer, das wir scheinbar mit der Hand berühren können, das Wasser dazwischen wie nicht vorhanden.“

Völlig unverkrampft lernt man auch einiges. Über die Geschichte der Gegend, über die Landschaft, über die Pflanzen des Waldes, über die Schönheit des unscheinbaren Mooses und seine Bedeutung „evolutionsgeschichtlich irgendwo zwischen Algen und Landpflanzen angesiedelt, bilden Moose das Verbindungsglied zwischen dem Wasser und den umliegenden Landschaften“, über die Schichtungen des Wassers, über Limnologie, die Wissenschaft von den Seen. Die Autorin ist Akademikerin und das merkt man, in diesem Falle, im günstigsten Sinne, sie steifelt nicht gedankenlos durch Flora und Fauna, um sich irgendwo ins Wasser zu stürzen, nein, sie betreibt vorher umfassende Feldforschungen.

Die ungewöhnliche Mischung von regionalem Bezug, Sport, Disziplin und Reflexion, Lyrik und Naturverbundenheit hat mich bezaubert vom ersten bis zum letzten Wort. Sicher ist „Mein Jahr im Wasser“ ein Buch für Wasserratten und für Menschen mit Bezug zur Region Berlin und Brandenburg, aber nicht nur; es ist ein langsames, lyrisches Buch zum Atemholen, das Mut zum Leben macht. Diese Mischung muss man mögen: Ich liebte sie.

Schon in der Inhaltsangabe sind alle Seen aufgeführt, die dem Leser begegnen werden, im Nachgang ist eine Kartenskizze angefügt samt jeweiliger genauer Anfahrtsbeschreibung, eine Kurzbeschreibung zum jeweiligen See liest sich wie eine Ausweiskarte!

Fazit: Eine Leseperle für Leser, die das Langsame und Zeitlose und Naturbeschreibungen lieben.

Mein bisheriges Lesehighlight 2017.

Kategorie: Sachbuch,
Verlag: Berlin Verlag, 2017


Am Anfang war Gewalt: Die deutsche Revolution 1918/19 und der Beginn der Weimarer Republik
Am Anfang war Gewalt: Die deutsche Revolution 1918/19 und der Beginn der Weimarer Republik
von Mark Jones
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 26,00

3.0 von 5 Sternen Keine Revolution ohne Blut und Tränen!, 30. Juni 2017
Untertitel: Die deutsche Revolution 1918/19 und der Beginn der Weimarer Republik.

„Die Auswüchse mörderischer Gewalt, die die Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert prägten, nahmen ihren Anfang nicht 1933, 1939 oder 1941. Vielmehr schlug ihre Geburtsstunde schon in der Gründungsphase der Weimarer Republik; hier schwenkte Deutschland auf den Kurs ein, der später in die Horror-Exzesse des Dritten Reiches und des Zweiten Weltkrieges mündete. … in den Frühjahrsmonaten 1918/19 hielten Formen von Gewalt Einzug, die bis dahin … niemals vorgekommen waren … . Dieses Buch will erklären, wie und warum es dazu kam.“ (Vorspann).

Da im Geschichtsunterricht selbst der Gymnasien dieses Kapitel deutscher Geschichte oft stiefmütterlich behandelt wird, bzw. überhaupt nicht vorkommt, nehme ich dieses Buch zur Hand, geschrieben von Mark Jones, Jahrgang 1981, einem amerikanischen Historiker mit dem Forschungsschwerpunkt „Zusammenhang von Gewalt und politischer Kultur in Deutschland im 20. Jahrhundert“. Es ist nicht verkehrt, den Gesichtspunkt eines nicht so unmittelbar Betroffenen, jedoch eines Fachmanns d.i. eines Historikers kennenzulernen.

Mark Jones erläutert, dass es keinerlei politischen Revolution(en) gibt, die nicht blutig verlaufen und das Leben vieler Unschuldiger kosten. Das mag nicht seine erste Lehrintention gewesen sein, aber das ist bei mir hängen geblieben. Als Quintessenz sozusagen.

Warum ist nun alles so gekommen, wie es gekommen ist? Nämlich dass brutale Gewalt mittels militärischer Einsätze gegen Teile des eigenen Volkes legalisiert und allgemein akzeptiert wurde?

In schnöden kurzen Worten: weil die Medien durchdrehten. Weil die Gerüchteküche kochte und weil es keine objektiven Beobachter gab. Weil es gelungen war, eine Handvoll Idealisten, oder Umstürzler, je nachdem wie man es sehen möchte, nämlich die Spartakisten, so zu verteufeln, dass die Massen jedes noch so ungerechte und gewaltsame Vorgehen gegen sie (oder wer dafür gehalten wurde) gut hießen. So wurden im Zuge der Niederschlagung ihres Aufstandes viele, viele Menschen auf brutalste Weise umgebracht, ohne dass es ein Verfahren gegeben hätte oder nach dem Maßstab der Verhältnismäßigkeit gefragt wurde. Kriegsverbrechen waren das, die auch nach der Zeit des Geschehens nicht oder nur ungenügend geahndet und aufgearbeitet worden sind.

Mark Jones arbeitet wie es Historikern eigen ist, dankbarerweise akribisch. Er durchforstet Archiv um Archiv, fördert Zeitungsartikel um Zeitungsartikel zutage. So besteht kein Zweifel an der Authentizität der Ereignisse. Er verschweigt auch nicht, wo es Wisssenslücken gibt.

Leider liest sich das Buch so trocken wie sich Akten und Zeitungsberichte eben lesen. Und falls man alle Zeitungszitate in Fussnoten stopfte, was bliebe von dem Buch noch übrig? Nicht sehr viel. Wobei es sowie so schon seitenweise Fußnoten gibt.

Fazit: Eine bemerkenswerte, akribische Arbeit über die ins Visier genommene Zeit. Eine sicher grandiose Leistung eines Historikers. Die Lesbarkeit ist allerdings nicht genau so hoch zu veranschlagen.

Kategorie: Sachbuch
Verlag: Propyläen, 2017


Der Freund der Toten: Roman
Der Freund der Toten: Roman
von Jess Kidd
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 20,00

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Charmant und ein bisschen jenseitig!, 26. Juni 2017
Jess Kidd, 1973 in London geboren, wuchs in einem Dorf an der irischen Westküste auf. In einem solchen Dörfchen, nicht weit von der Küste, spielt denn auch ihr erster Roman, der mit viel Charme und einem Hauch vom Jenseitigen, anziehend komponiert ist.

Orla Sweeney ist aus Mulderrig, im County Mayo, Irland, spurlos verschwunden. Das ist schon lange her, aber irgendwann kommt immer irgendwer und fragt, was damals passiert ist. Und das ist Mahony. Er wuchs in einem Waisenhaus auf und hat gerade vor ein paar Tagen erfahren, dass Orla seine Mutter war.

Das Strickmuster ist bewährt. Einen alten Fall aufrollen. Befragungen. Unbequemlichkeiten. Dorfgeheimnisse, die zu Tage treten. Doch Jess Kidd stellt dem Helden Mahony eine ganze Schar ungewöhnlicher Helfer zur Seite, denn Mahony kann die Toten sehen und hören. Dieser mysteriöse Touch sowie die alte Mrs Cauley, die die Rolle der Miss Marple innehat, gibt diesem Kriminalroman den besonderen Ton. Überdies wird die schöne Landschaft des Landes gewürdigt und die Autorin spinnt die Befragungen der Dorfbewohner in ein originelles Geschehen ein.

Diese Krimigeschichte ist gut geschrieben, viele Details sind ersonnen und kleine Spitzen gegen die Dörfler stimmen den Leser fröhlich, literarische Passagen geben dem Roman Qualität, allerdings schreibt die Autorin Jess Kidd gerne im Präsens, dafür gibt es einen Punkt Abzug, denn Präsens lässt sich meines Erachtens schwerer lesen, und der Held zündet sich ungefähr zwanzig mal zu oft eine Zigarette an.

Sonst aber hat die Geschichte den Charme alter Agatha-Christie- Romane aufgegriffen, ohne aber deren Altbackenheit mitgenommen zu haben.

Fazit: Charmante irische Kriminalgeschichte mit viel Liebe zum Land mit besonderen Protagonisten.

Kategorie: Kriminalgeschichte
Verlag: Dumont, 2017


Bis an die Grenze: Roman
Bis an die Grenze: Roman
von Dave Eggers
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 23,00

5.0 von 5 Sternen Roman über das Leben mit hinreißender Protagonistin!, 21. Juni 2017
Rezension bezieht sich auf: Bis an die Grenze: Roman (Gebundene Ausgabe)
Dave Eggers ist ein großartiger Schriftsteller. Das vorweg. Vielseitig. Ich lese jetzt den dritten Roman von ihm und keiner ist wie der andere. Und alle super. Unvorhersehbare Autoren finde ich genial. Hat man Eggers bezüglich seines Romans „The Circle“ eine automatisierte Protagonistin vorgeworfen (Mae), hat Josie jetzt jede Menge Individualität!

"Bis an die Grenze" ist ein Roadmovie. Das habe ich vorher nicht gewusst. Roadmovies mag ich nämlich nicht besonders. Ich dachte, ich kriege Alaska. Landschaft. Leute. Krieg ich auch, aber nicht in erster Linie. In erster Linie kriege ich Josie. Und mit Josie haben die meisten LeserInnen so ihre Schwierigkeiten, wie ich an den Rezensionen sehe. Wenn man sich auf Josie nicht einlassen kann, kann man „Bis an die Grenze“ nicht mögen.

Vordergründig ist Josie etabliert. Sie ist vierzig und eine mehr oder weniger gute Zahnärztin mit eigener Praxis. Sie hat sich also etwas aufgebaut. Sie bekommt ihre beiden Kinder, also Beruf und Familie so einigermassen unter den Hut, aber von perfekt organisiert kann keine Rede sein. Das merkt man schon daran, wie sie den Ausführungen eines befreundeten Kollegen über seine Bilanzen, das Hin- und Herrechnen auf die Zukunft hin, befremdet lauscht: Josie weiß nur so ungefähr, was auf dem Konto ist, überschätzt in aller Regelmässigkeit ihre Einnahmen, während sie die Ausgaben unterschätzt. Doch bis zu einem bestimmten Punkt läuft es einigermassen.

In der Wahl eines Lebensgefährten hat Josie kein gutes Händchen bewiesen, Carl ist anspruchsvoll, lebt auf ihre Kosten und hat einige echt unangenehme Eigenschaften. Das weiß Josie genau und macht sich über ihn keine Illusionen, lacht innerlich über ihn. Dennoch schafft sie es nicht, Forderungen an das Zusammenleben zu stellen, geschweige denn, sie durchzusetzen oder ihm einen Tritt zu geben, „Fott mit dir!“. Nein, das kann sie nicht. Schon, wenn alles normal läuft, ist Josie mit ihrem Leben einigermassen überfordert, so nimmt sie gerne ein Schlückchen, um die Praxis, die Patienten und die undankbaren Mitarbeiter zu ertragen. Und Carl. Was wird erst sein, wenn etwas aus dem Ruder läuft?

Sicher läuft etwas aus dem Ruder. Das tut es immer. Josie kriegt die diversen Krisen, die alle auf einmal auf sie zuzurennen scheinen, nicht unter die Füße, und so erscheint ihr die Aussicht, alles hinzuschmeißen und wegzulaufen, verlockend. Gedacht, getan. Denn Josie ist impulsiv. Sie schnappt ihre Kinder und ein Wohnmobil und schon ist sie auf und davon.

So beginnt ein Roadtrip durch Alaska. Obwohl sich der ganze Roman um die Protagonistin Josie handelt, die jedoch keineswegs sympathisch ist oder rational handeln würde oder sich in der üblichen Form um ihre Kinder kümmert, kommen Land und Leute nicht zu kurz. Die Leserschaft befindet sich richtiggehend mitten in Alaska. Straßen, Bäume, Wildnis, Einsamkeit, Waldbrände. Elche. Kauzige Typen. Dave Eggers beschreibt die Natur wunderbar, dabei beiläufig.

Josie hat trotz ihres sozialen Berufs nicht viel Menschenkennntnis. Und Josie ist ziemlich unvorbereitet aufgebrochen und Josie hat Angst. Und die Angst betäubt sie weiter mit Alkohol. Wenn Josie nicht aufpasst (oder nicht genug trinkt), dringen Fetzen der Erinnerung in ihr Bewusstsein. Und Josie passt nicht immer auf. So erfährt der Leser, was so alles schief gelaufen ist in ihrem Leben.

Unterwegs passieren die merkwürdigsten Dinge. Und Josie benimmt sich auch immer merkwürdiger und, liebe LeserInnen, Josie weiß das. Aber sie kann nichts dagegen tun, eine gewisse Lethargie hat sich über sie gelegt. Irgendwie aber kommt sie immer wieder aus der Bredouillie, einmal habe ich echt Angst um sie, weil ich denke, sie hat jemanden umgebracht. Und das hätte leicht sein können, Josie schrammt mit ihren Kindern immer haarscharf an einer Katastrophe vorbei.

Als Josie endlich die letzte Kontrolle verloren hat, das letzte bisschen Sicherheit und Berechenbarkeit weggebrochen ist, erkennt sie eine wichtige Lektion: „Mut ist einfach eine Form von Weitergehen.“ Und so lebt Josie den Augenblick und verliert die Angst davor, dass sie das Unvorhergesehene, das das Leben in jedem Augenblick mit sich bringen kann, vielleicht nicht gebacken bekommt und vertraut auf ihr Improvisationstalent, das die LeserInnen während der Reise bereits hinlänglich kennen gelernt haben, Josie bisher aber nicht als ihre eigentliche Stärke erkannt hat.

Warum behaupte ich, Josie sei hinreißend, da die meisten LeserInnen sie nicht einmal ausstehen können? Weil der Autor sie mit so vielen Facetten ausgestattet hat. Sie ist so echt. Solche Menschen gibt es. Verunsicherte. Die erst lernen müssen, auf sich und das Leben zu vertrauen. Sämtliche Protagonisten leben. Und wie. Alle sind glaubhaft dargestellt. Auch der altkluge Paul. Solche Kinder gibt es ebenfalls. Die mit acht den Haushalt schmeißen und ein Partnerersatz sind. (Keiner hat gesagt, dass das „gut“ ist).

Der englische Titel des Romans „Heroes of the Frontier“ ist mit „Bis an die Grenze“ sehr gut übertragen und doppelbödig. Einmal ist Alaska die Grenze von Josies Welt, das Ende der Vereinigten Staaten und andererseits geht auch Josie mit ihren Kindern bis an die Grenze. Bisweilen unerträglich für die Leserschaft.

Fazit: Fantastische Personenzeichnungen inmitten von Alaskas Weite, was will man mehr?

Kategorie: Anspruchsvolle Literatur
Verlag: Kiepenheuer & Witsch, 2017


Homo Deus: Eine Geschichte von Morgen
Homo Deus: Eine Geschichte von Morgen
Preis: EUR 19,99

9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hat Harari die Science-Fiction-Autorin Margaret Atwood gelesen?, 7. Juni 2017
„Homo Deus wird Sie schocken. Es wird Sie unterhalten. Und vor allem wird es Sie zum Denken bringen, wie Sie noch nie vorher gedacht haben“, sagt Daniel Kehlmann. Das kann sein. Oder aber: Harari hat Margaret Atwood gelesen !

Deren Maddaddam-Trilogie beschreibt nämlich mehr oder weniger ebenfalls das, was Harari uns über die Zukunft suggerieren möchte: ein kleiner elitärer Teil der Menschheit wird mit allen Schikanen leben, sich mit den modernsten und innovativsten Techniken jung halten oder sogar unsterblich werden, persönliches Glück und Komfort vervollkommnet haben, jedoch gefangen in Compounds leben müssen, weil alle „da draußen“, die Abgehängten, sie sonst in Stücke reißen würden. Ein bisschen ist das heute schon so. Schwerreiche Menschen müssen von eigenen Personenschützern begleitet werden und leben hinter dicken Mauern.

Also, diese Compounds, das beschreibt nur Margaret Atwood. Harari geht an diesem Punkt in eine andere Richtung, bzw. vernachlässigt Revolutionen, Unterdrückung und Kriminalität. Die Endlichkeit von Ressourcen wird ebenfalls nicht behandelt, kaum erwähnt sogar. Was wäre, wenn die Menschheit sich durch die unbegrenzte Ausnutzung aller Ressourcen und aufgrund der Abhängigkeit von Bits und Bytes eines Tages in die steinigste aller Steinzeiten zurückkatapultieren würde? Das ist ein Szenario, das mir momentan das wahrscheinlichere zu sein scheint.

Es sind die Autoren Atwood und Harari, jeder auf seine Weise, Visionäre, Menschen, die spielerisch in die Zukunft schauen und den Leser dabei mitnehmen. Der Autor Yuval Harari analysiert aufgrund der heute vorherrschenden digitalisierten Welt, wohin die Reise der Menschheit insgesamt gehen könnte. Genau wie ein SF-Romancier muss man dabei kühne Thesen in den Raum stellen. Wird die Menschheit sich nicht selbst entsorgen? Etwas Spekulation ist sicherlich immer mit dabei.

Im Prolog, der mir am besten gefallen hat, stellt der Autor manch steile These auf, von denen einige im Schlussteil wieder aufgegriffen werden, er erklärt aber auch, warum aus der Geschichte nichts gelernt werden kann, denn dadurch, dass man geschichtliches Geschehen analysiere, würden die daraus gezogenen Schlussfolgerungen und Konsequnzen sich verändern und anders ausfallen als sie es täten, wenn man das Geschehen nicht analysiert hätte, dieses veränderte Gesamtbild müsste man neu analysieren, wodurch es sich jedoch wieder verändern würde, und so fort. Ergo: Geschichte plus Analyse ist leider nicht statisch.

Zitat:
„Sich mit Geschichte zu befassen heißt, bei der Entstehung und Auflösung dieser Geflechte zuzusehen und zu erkennnen, dass das, was den Menschen in der eigenen Epoche als das Wichtigste im Leben erscheint, für ihre Nachfahren völlig bedeutungslos wird.“

Der Autor lässt in in eigener Weise die Gesamtgeschichte des Planeten Revue passieren. Dabei schreibt er für einen Sachbuchautor in sehr eingängiger, einfacher und unterhaltsamer Weise, eindeutig populärwissenschaftlich, was auf der einen Seite reines Vergnügen für den Leser ist, jedoch, wie wir alle wissen, liegt in der Verallgemeinerung leider auch die Abweichung, die Schieflage von der Wahrheit. A propos Wahrheit. Was ist das? Bewusstsein, Denken, was ist das? Algorithmen. Mit diesem Begriff sollten Sie sich schon einmal vertraut machen, wenn sie "Homo Deus" lesen wollen.

Der Abschnitt Tier und Mensch macht betroffen. Gott sei Dank. Ach ja, Gott ist tot. Sagt Harari. Christentum und Islam hätten sich überlebt. Was bleibt, ist der Mensch, der endlich Gottähnlichkeit erlangt hat. Nicht mehr Homo sapiens, sondern Homo Deus. Und trotzdem nur eine Ansammlung von Daten.

Besonders interessant ist, was heute tatsächlich schon alles machbar ist. Was Google und Facebook längst in Gang gesetzt haben. Dass es den gläsernen Menschen längst gibt. Die moderne Datengesellschaft kennt keinerlei Hemmungen. Was daraus werden wird? Das weiß kein Mensch, auch Harari nicht, wie er unumwunden zugibt.

Aber es ist allemal höchst vergnüglich, darüber zu spekulieren. Sogar notwendig, darüber nachzudenken.

Über gewohnte gedankliche Tellerränder hinauszugucken, unterhält immer gut. Stimmen alle Prämissen? Wahrscheinlich nicht. Es spielt keine Rolle. Man muss die Dinge einmal zu Ende denken, auch wenn sie einige Fehlmessungen enthalten.

Fazit: Absolut leicht zu lesender, gut geschriebener Zukunftsschocker auf Sachbuchebene! Vergnüglich und erschreckend, je nach dem, wie weit man Harari folgen mag.

Kategorie: Sachbuch, 2017
Verlag: C.H. Beck


Ein Mann der Tat: Roman
Ein Mann der Tat: Roman
Preis: EUR 19,99

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Köstliches Understatement: vom Kleinstadtleben., 5. Juni 2017
Rezension bezieht sich auf: Ein Mann der Tat: Roman (Kindle Edition)
Humor ist nach wie vor ein Genre, das die wenigsten Schriftsteller beherrschen. Man kann sich darüber streiten, ob der Roman "Ein Mann der Tat" wirklich zu diesem Genre gehört. Ich finde schon. Richard Russo war mir als Autor nicht bekannt, dabei hat er schon einmal den Pulitzer Preis gewonnen. Man müsste einen zweiten Roman von ihm lesen ...gibt ja genug ... !

Bath und Shuyler sind benachbarte Kleinstädte. Während Shuyler jedoch ein aufstrebendes Wirtschaftswachstum aufweist, geht in Bath alles den Bach runter. Der gemeine Bather liest sogar listiger- und heimlicherweise den Dummokrat, die Zeitung von Shuyler, in der von den jüngsten Eskapaden des tolpatschigen Douglas Raymer, dem Chief der Bather Polizeibehörde, berichtet wird oder denen von Bürgermeister Gus Moynihan oder von den windigen Geschäften des sexbesessenen Bauunternehmers Carl Roebuck. Die Schuyler hingegen lesen die Zeitung von Bath, um informiert zu sein darüber, wo die neuesten Events der Schuyler Kinos oder den Galerien oder den Schulaufführungen oder was auch immer, stattfinden. Bather haben Pech, Schuyler haben Glück. Das war immer so und wird immer so bleiben.

In liebenswürdigster Weise nimmt der Autor das Leben amerikanischer Kleinstädtler auf die Schippe. Man lacht nicht laut los, sondern schmunzelt unentwegt in sich hinein. Auch wenn man sich immer wieder vornimmt, dass man einige von den unzähligen Banalitäten dieser Kleinstädtler des immerhin 650 Seiten fetten Buches überblättern wird, man kommt von deren diversen Verrücktheiten nicht los und saugt jedes Detail ein.

Alle Figuren sind bis ins Kleinste ausstaffiert. Sie gehen einem gehörig auf den Keks, wie sie sich untereinander auch, man lacht über sie und man liebt sie. Doch das Leben der Bather ist hart. Nur Schuyler haben Glück, Bather haben Pech. Es bestätigt sich immer wieder.

Wie überall hadern die Geschlechter miteinder. Ruth meint zum Beispiel: „…sie würde ganz bestimmt allein verreisen. Sie verspürte nicht den geringsten Drang, mit Sully oder ihrem Mann oder irgendeinem anderen Mann, Brad Pitt eingeschlossen, an einen solchen Ort zu reisen. Einen Mann in so ein makelloses Badezimmer hereinzulassen, käme einer Schändung gleich.“ Douglas Raymer kommt nicht davon los, das seine Ehe gescheitert ist und auch Gus wird aus Alice nicht schlau. Die ihm vererbt wurde. Und dann ist da noch eine Klapperschlange und Rassismus und Alkoholismus, Inkontinenz und Liebe. Alles halt.

Die Ereignisse sind genau so komisch wie sie tragisch sind. Echt komisch, echt tragisch, wie das Leben halt ist, doch wird die Tragik im Understatment des Autors halt doch wieder lustig. Das ist im Leben, also im Real Life, jetzt nicht so. Richard Russo gelingt das Genre Humor! Er hält genau die Balance zwischen nicht zu viel, so dass es ganz unwahrscheinlich würde und nicht zu wenig, so dass es langweilig wäre. Die Ereignisse sind also in ihrer Unwahrscheinlichkeit durchaus glaubhaft. Es könnte sich so zugetragen haben. Nicht überall, aber in Bath. Nicht jedoch in Schuyler. Denn? Genau. Bather haben Pech. Schuyler haben Glück. Jetzt alle im Chor: Das war so und wird immer so bleiben. Oder sollten sich die Gesetze des Universums doch noch umkehren? Ich verrate es nicht.

Fazit: Ein feines Buch mit subtilem Humor im Genre Humor. Ein Roman, der dennoch die Realität schildert,sogar auf ganz besonders tiefgründige Weise.

Kategorie: Humor // gute Unterhaltung
Verlag, Dumont, 2017


Das Gedächtnis der Insel: Roman
Das Gedächtnis der Insel: Roman
Preis: EUR 15,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Kriminalistische Erzählung vom Feinen., 2. Juni 2017
Christian Buder, Jahrgang 1969, freier Autor und Journalist, hat ein Gespür für Atmosphäre. Vielleicht liebt er auch nur Meer, Wellen, Wind und Insel. Jedenfalls, als ich mit ihm, beziehungsweise seinem Protagonisten Yann, die kleine Insel in der Bretagne betrete, die Gegenstand seiner Erzählung ist und die nur von 200 Menschen bewohnt wird, aber stets von einigen verrückten Touristen besucht wird, die entweder der Ornithologie frönen oder sensationslüsterne Sturmfotografen sind, bin ich gleich mitten drin im Wetter, in der Gischt, dem Möwengeschrei und der Brandung.

Die Insel ist karg, die Vegetation nicht nennenswert und Yann war seit über zwanzig Jahren nicht mehr hier. Der Menschenschlag ist rau. Ich wollte, ich könnte sagen, rau, aber herzlich. Nix. Rau. Harsch. Verschlossen. Kurz angebunden. Man erkennt Yann fast nicht wieder, dann bekommt er doch ein Zimmerchen in Roses kleiner Pension. Er hätte auch in sein Elternhaus gehen können. In das große Steinhaus, in dem er aufgewachsen ist. In dem aber Rykel haust. Die seinen Vater geheiratet hat, der nun tot ist. Deswegen ist Yann gekommen. Oder? Nun, ich sag es gleich, da ist noch mehr. Unter anderem Gwenn, seine Jugendliebe. Doch gemach, der Sturm zieht ja herauf und sicherlich regnets.

Christian Buder legt in seiner kriminalistischen Erzählung das Gewicht nicht auf die Aufklärung eines Falles, sondern auf die Stimmung und Schilderung des heraufziehenden Jahrhundertsturms. Kann man ihm trotzen? Standhalten? Überleben? Wasser ist wunderbar, Meer ist superschön, Wasser ist tödlich, Meer ist gefährlich. Hungrig. Nach Insel.

Christian Buders Schilderungen der Leute, des Lands und des Wetters kann man nicht anders als großartig bezeichnen. Seine Sätze sind oft kurz. Man hat schließlich in den Sturmvorbereitungen keine Zeit für Langatmiges. Kurz sind seine Sätze, aber nicht stakkatohaft. Seine Vergleiche sind schön und treffen ihr Ziel. Gegen Ende hin vermischen sich Kriminalistik und Sturm zu einer Einheit und mir wird es ein bisschen zu actionreich.

Fazit: Sehr gut gelungener Krimi mit ganz viel Meer, Sturm, Wind und Wellen, knorrigen Leuten, Spuren der Vergangenheit und natürlich unvermeidlicher Leichen, die aber nicht weiter stören.

Weitere Bücher von Christian Buder sind - (Kriminalromane): Die Eistoten. Der Tote im Meer. (Sachbuch): Schwimmen ohne Nass zu werden, wie man mit Philosophie glücklich wird.

Kategorie: Krimi bzw. kriminalistische Erzählung // Verlag: Insel, 2017


Therapier dich selbst!: Innere Probleme erkennen, verhandeln und löschen. Mit 26 Übungen zum Selbstanwenden
Therapier dich selbst!: Innere Probleme erkennen, verhandeln und löschen. Mit 26 Übungen zum Selbstanwenden
Preis: EUR 10,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Durchaus machbar, durchaus brauchbar., 7. Mai 2017
Ich gebe es zu: Ich war skeptisch. Und bin es noch ein bisschen. Ob es funktioniert, sich selbst zu therapieren? Kann das jeder? Soll das jeder? Dass die Autorin zu diesen Fragen schon im Vorwort Stellung nimmt, finde ich sehr gut.

Das kann eigentlich jeder, soll aber nicht jeder. Nicht Menschen, die ernsthaft krank sind und unter schweren psychischen Störungen leiden. Die Autorin wendet sich an denjenigen, der zunehmend unzufrieden mit sich selbst ist, psychischen Stress hat und dem Grund seiner seelischer Belastungen näherkommen möchte, ohne sich vor einem anderen gleich „nackt auszuziehen“, im Prinzip aber an psychisch stabile Menschen. Man sollte allerdings offen für die machmal seltsam anmutenden Übungen sein und/oder ein bisschen spielerisch veranlagt sein.

Aufgrund eines inneren Dialogs zum Beispiel mittels der Stuhltechnik kann man einiges erkennen, vor allem, wer es wirklich ist, der einen stresst. Ist man es selber? Oder ist es doch ein Etwas, eine wiederkehrende angstmachende Situation vielleicht. Man kriegt den Störfaktor durch reines Nachdenken ja nicht immer so schnell zu fassen, deshalb soll die Intuition ebenfalls zu Rate gezogen werden.

Yvette Pichlkostner führt sehr verständlich durch das Buch. Anhand von bestimmten Übungen kann man es lernen, die beiden Hirnhälften zu aktivieren, damit sie einander zur Hilfe zu kommen. Dabei erklärt sie, wiederum leicht nachvollziehbar, die Funktionen der beiden Hirnhälften. Fiktive Fallbeispiele machen das Erklärte noch deutlicher.

„Die meisten Ursachen für seelische Belastungen (sind) gar keine Krankeitsbilder“, sagt die Autorin. „Entsprechend ist der Coach auch kein Arzt und kann nicht heilen.“ Helfen kann sich im psychischen Bereich im Grunde nur jeder selbst.

Es braucht sicherlich Zeit und Geduld, wenn man mit dem Buch der Autorin arbeitet. Und man darf sich nicht davor scheuen, sich ein bisschen vor sich selber lächerlich vorzukommen. Doch unter den genannten Voraussetzungen könnte dieser „Selbsthelfer“ nützen. Ob es allerdings mit dem Abstellen des einmal erkannten Problems so einfach ist, wage ich zu bezweifeln. Erkenntnis ist das eine, konsequentes Handeln das andere.

Yvette Pichlkostner redet nicht ins Blaue hinein, nach einer kaufmännischen Ausbildung sattelte sie um und kann eine fundierte Ausbildung in „ausgewählten Bereichen und Methoden der Psychotherapie“ vorweisen sowie langjährige Praxis. Sie ist auf professionelles therapeutisches Coaching und Mentaltraining spezialisert.

Fazit: Besonders die Einfachheit und Verständlichkeit dieses Ratgebers haben mir zugesagt.

Kategorie: Ratgeber
Verlag: J. Kamphausen, 2017


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