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Rezensionen verfasst von
Zauberberggast

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Sauviel Glück für dich
Sauviel Glück für dich
von Joachim Groh
  Gebundene Ausgabe

5.0 von 5 Sternen Welches Schweinderl hättens denn gern? - Toller Spiralbuch-Glücksbringer!, 13. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: Sauviel Glück für dich (Gebundene Ausgabe)
Ich liebe Tiere und ich liebe Aphorismen, Sprüche, Zitate. Beide Leidenschaften zusammengeführt finde ich in sogenannten Spiralbüchern, also Büchern mit Spiralbindung zum Aufstellen, deren Motive (meist Fotografien mit Text) man je nach Laune wechseln kann.

Der Groh Verlag bietet eine riesen Auswahl solcher Bücher aus vielen unterschiedlichen Themenbereichen. Ich besitze bereits "Just do it" (mit schwarz-weißen Tierfotografien) und nun ist noch "Sauviel Glück für dich" dazugekommen.

"Sauviel Glück für dich" widmet sich natürlich dem Thema Glück und kulturhistorisch wird das Schwein mit diesem Attribut verbunden. So finden sich im Aufstellbuch die unterschiedlichsten Fotografien von Schweinen (jungen und alten, dicken und dünnen, gestreiften und gepunkteten - und natürlich den rosafarbenen Klassikern, wilden und domestizierten).

Zu jedem Foto gibt es einen kurzen (durchweg positiven, manchmal aufmunternden, gelegentlich einen Allgemeinplatz darstellenden, oft witzigen) Spruch, der zum jeweiligen Motiv passt.

Dazwischengeschaltet sind auf neutral bunten Seiten immer wieder Zitate von bekannten und berühmten, aber auch unbekannteren oder anonymen Autoren zum Thema "Glück". Also wenn man mal keine Lust auf Schwein hat kann man die einfache Spruchseite aufstellen.

Das Spiralbuch hat ein handliches Format und nimmt nicht viel Platz weg. Mit 192 Seiten hat man auch genügend Abwechslung in der Motivauswahl je nach Laune bzw. getreu dem Motto "Welches Schweinderl hättens denn gern?"

Vor allem ist dieser Kalender ein prima Geschenk zum Jahreswechsel oder einfach mal so wenn man jemandem "Glück" wünschen will.


Die Champagnerkönigin: Roman (Die Jahrhundertwind-Trilogie, Band 2)
Die Champagnerkönigin: Roman (Die Jahrhundertwind-Trilogie, Band 2)
von Petra Durst-Benning
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

5.0 von 5 Sternen Gehaltvoll, prickelnd, wunderschön!, 6. Oktober 2013
Kurz zum Inhalt: wir schreiben das Jahr 1898 und lernen Isabelle kennen, die schon im ersten Teil der "Jahrhundertwind"-Trilogie, "Solange die Welt noch schläft" als großzügige Berliner Großbürgerstochter im Radfahraffinen und vom Geist einer zukünftigen Gleichheit von Mann und Frau geprägten Freundeskreis von Josefine und Clara (die allerdings weniger gerne Rad fährt) ihre Rolle hat. Teil 2 gehört nun ganz ihrem Schicksal, das sich nach ihrer Heirat mit dem Radfahrer und Weinbauernsohn Leon Feininger entscheidend verändert. Ihre großbügerlichen Eltern brechen mit ihr. Sie zieht in die Pfalz auf den Hof der Familie, und lebt mit Vater, Mutter und Onkel Feininger ein langweiliges Leben, bis ihr Mann Leon vom anderen, kosmopolitischen Onkel Jacques (eig. Jakob) - dem "Schwarzen Schaf" der Familie - ein Weingut in der Champagne erbt. Für Isabelle verändert sich mit dem Umzug einmal mehr das ganze Leben - denn das was sie vorfindet ist zwar einerseits wunderschön, aber ganz anders als erwartet. Während ihr Mann Leon weiterhin seiner Leidenschaft, dem Radfahren fröhnt, rutscht Isabelle immer mehr in die Rolle der Geschäftsführerin und Winzerin. Sie will den "Feininger" wieder zu einer bedeutenden Marke machen - dabei hat sie allerdings nicht mit dem Gegenwind gerechnet, der ihr zusammen mit dem "Jahrhundertwind" ins Gesicht schlägt...

Ich finde diesen Roman einfach klasse - und das auf so vielen Ebenen. Zum einen natürlich die Protagonistin, die eine klare Entwicklung durchmacht. Sie hat ein erzähltes Innenleben und einen durchaus komplexen Charakter, wie ihn leider sehr viele weibliche Hauptfiguren in historischen Romanen vermissen lassen. Es macht einfach Spaß mit ihren Augen die Champagne zu erkunden und mit ihr zu lernen - wobei wir schon bei der nächsten positiven Eigenschaft des Buches wären: sein interessantes Thema. Man ist nicht nur Zeuge einer spannenden Erzählung, man erlangt beim Lesen genau wie Isabelle neues Wissen zum Thema Weinbau und Champagnerherstellung (sofern man das alles natürlich nicht vorher schon wusste) - und das im historischen Zusammenhang. Dass sich aus dem ganzen Thema Champagne und dem Aufstieg teilweise bis heute produzierender und renommierter Marken ein spannender historischer Roman machen ließe zeugt vom innovativen Geist der Autorin. Endlich mal etwas anderes - und dann auch noch etwas so lesenswertes!

Auch die Idee eine Trilogie zum Thema "Jahrhundertwind" zu machen und in ihr jeweils drei Frauenschicksale zu verarbeiten, bei denen die drei Frauen durch Freundschaft miteinander verbunden sind und auch noch in den beiden Romanen eine erzählerische Rolle spielen, in denen die jeweils Dritte Hauptfigur ist - diese Idee finde ich wunderbar und in der "Jahrhundertwind"-Trilogie, Teil 2 perfekt umgesetzt. Nun bin ich sowohl auf Teil 1 neugierig, in dem Josefine die Protagonistin ist und auf den wohl im nächsten Jahr erscheinenden dritten Teil, wo Clara die Hauptrolle spielen wird.

Die emanzipatorische Komponente hat mir ebenfalls sehr gut gefallen sowie die damit einhergehende Tatsache, dass eben Frauen gerne mal die Geschäfte in ihren Champagnerdynastien leiteten. Ob Fiktion oder tatsächliche historische Realität - eine interessante Sache, die dem Ganzen einen zusätzlichen Mehrwert verliehen hat.

Der ganze Figurenkosmos ist bis in weniger bedeutende Nebenpersonen (z.B. Alphonse Trubert) wundervoll gezeichnet. Durch die unterschiedlichen Charaktere bekommt das Dorf Hautvillers eine Lebendigkeit und Dreidimensionalität, die jedes Leserherz erfreuen dürften. Ganz besonders gut fand ich die Zeichnung der "Antagonistin" Henriette Trubert, des geheimnisvoll-omnipräsenten und überaus anziehenden Daniel Lambert, des "Glöckner"-haften Kellermeisters Gustave Grosse, des leicht Dandyhaft-dekadenten Champagnerhändlers Raymond Dupont und auch die Schwestern Guenin sind eine Bereicherung für die Handlung.

Die Atmosphäre, die Petra Durst-Benning heraufbeschwört ist ebenfalls einzigartig - man kann das "silberne" Leuten, das über der Champagne liegt, geradezu zwischen den Trauben hervorschimmern sehen. Und die Unbedingtheit, mit der die Bewohner dieses Landstriches ihr ganzes Leben dem Schamwein widmen und ihr Jahr danach takten, ihre Feiern danach feiern - das ist so überzeugend beschrieben als wäre man beim Lesen Teil dieser eingeschworenen Champagner-Gemeinschaft.

Positiv möchte ich außerdem die zeitgenössischen Illustrationen und Zeichnungen nennen, die hier und da an den Text angefügt wurden und immer zu der jeweiligen Textstelle passten - eine tolle zusätzliche Bereicherung beim Lesen! Außerdem ist die Gesamtgestaltung sowie das Cover perfekt.

Fazit: "Die Champagnerkönigin" ist ein überaus prickelndes, süffiges und fesselndes Leseerlebnis, das ich unbedingt empfehlen kann!


Liebe unter Fischen: Roman
Liebe unter Fischen: Roman
von René Freund
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,90

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Von Elfen und Dichtern, 4. Februar 2013
Ich kann nur begeistert sein. Österreich- und Deutschlandhassliebe im Zerrspiegel des Protagonisten Fred Firneis, die Technik- und Modernismusverachtung, die auf einer Abhängigkeit basiert, wird thematisiert, Geld vs. Kunst, Natur vs. Ökonomie, Identität vs. Schein, Leben vs. Tod. Und das alles auf wenig mehr als zweihundert Seiten in einem prosaischen Kammerspiel auf den Punkt gebracht.
Zugleich kann sich auch der nach bloßer Unterhaltung sehnende Leser ergötzen am schwarzen Humor von René Freund, der als Autor nicht im Vordergrund steht sondern einzig und allein die Geschichte. Diese wird perspektivisch immer wieder gebrochen. Wir bekommen die unterschiedlichen Sichtweisen der handelnden Personen serviert und auch Briefverkehr (der hier noch tatsächlich einer ist) dürfen wir verfolgen.
Sind wir nicht alle ein bisschen Firneis – mit mehr oder weniger unausgeschöpftem Kreativitätspotential, in Sinn- und Schaffenskrisen, die wir uns alle mal in Berghütten ohne Strom zurückziehen sollten. In Klausur gehen, back to nature sind die Modelifestileworte unserer schnelllebigen Generation die alles erleben und nichts verpassen will und dabei natürlich sich selbst bzw. das eigene Ich verliert.
Alfred („Fred“) Firneis macht diesen ganzen Zirkus seiner allseits vernetzten Umgebung nicht mit. Er, der Exil-Wiener, würde lieber in Neukölln als in seinem immer hipper werdenden, von der Latte-Macciatofizierung immer schwerer betroffenen Kreuzberg wohnen – wären da nicht die Strapazen, die ein Umzug bedeuten würde. Allein all die leeren Weinflaschen!
Firneis ist der Spitzweg-Poet im Dachkämmerchen, der sich um die Welt nicht schert, ja sogar Angstzustände bekommt wenn er sie betritt.
Umso besser dass ihm seine Verlegerin Susanne Beckmann die Familienferienhütte in den Voralpen anbietet um dort sein System runterzufahren (wie schon im Krankenhaus mit seinem Herzschlag geschehen). Gewünscht ist natürlich, dass er wieder Gedichte schreibt denn von seinen Gedichten lebt der kleine Verlag von Susanne Beckmann – ein Lyriker als vertragstragender Autor, wenn das nicht skurril ist – wo gibt es denn sowas?
In der Abgeschiedenheit in Angesicht des Bergsees geht Firneis in „Grünbach am Elbsee“ in Klausur. Zunächst genervt von der Anti-Zivilisation gewöhnt er sich immer mehr an das reduzierte Leben um dann eines schönen Tages seines vierwöchigen Sommeraufenthalts Mara zu begegnen. Wer ist Mara? Eine Elfe, eine Zauberfrau, ein Fischweib? Nein, sie ist eine Forscherin, angehende Biologie-Doktorin aus der Slowakei mit Doppel-S-Fehler, die sich um das Verhalten der Elritze, einer vom Aussterben bedrohten Süßwasserbinnengewässerfischart schert. Balz von Fischen und das Balzverhalten erwachsener Menschen des 21. Jahrhunderts – was hat es gemeinsam? Nicht viel möchte man meinen, denn Menschen haben immerhin den Vorteil der Sprache. Mit diesem Ausdrucksmittel hadert wiederum Firneis, was alles ziemlich kompliziert macht: Gedichte schreiben ja oder nein, das ist hier die Frage.
Ob Mara als Muse fungiert muss der Leser nun herausfinden. Werden sich die pragmatisch-bezaubernde Biologin und der schrullige Dichter kriegen?
Natürlich wäre das alles fast schon eine Liebesschnulze, wenn der Roman nicht mit einem Twist überraschen würde, mit einer Plot-Wendung, die so nicht zu erwarten war.
Eine Dreiecks- (bisweilen Vierecks-) -geschichte entspinnt sich, die das Allzumenschliche mit dem Perfiden vereint. Das ist natürlich konstruiert – aber gut, sehr gut konstruiert und in die Geschichte passend.

Ich kenne Daniel Glattauers Bücher nicht, mit dem auf der Klappentextbauchbinde geworben wird, aber wenn man die Autoren miteinander vergleicht so werde ich den wohl auch unbedingt lesen müssen.


Adieu, Sir Merivel: Roman
Adieu, Sir Merivel: Roman
von Rose Tremain
  Gebundene Ausgabe
Wird angeboten von DISCOUNTBUCHLADEN
Preis: EUR 0,01

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Barocke Melancholie, 26. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: Adieu, Sir Merivel: Roman (Gebundene Ausgabe)
Zunächst: „Adieu, Sir Merivel“ ist eine Fortsetzung. Die Geschichte des Arztes und Höflings Sir Robert Merivel beginnt bereits im Buch „Zeit der Sinnlichkeit“ (engl. „Restoration“). In dem gegenwärtigen Buch ist vor allem die Rückschau auf sein Leben ein Thema (er schreibt seine Memoiren) und so erfährt der Leser gefiltert einiges, was wohl bereits im ersten Band thematisiert wurde.

Dieser historische Bekenntnisroman (wir haben einen Ich-Erzähler, dem wir quasi über die Schulter schauen können und der sein Leben vor uns ausbreitet) hat das Vermögen die Zeit in der er spielt auf besondere Weise lebendig werden zu lassen. Diese Zeit ist der englische (und französische) Barock: die Zeit des Sonnenkönigs Ludwig XIV. und von Charles II., jenem König, der nach dem englischen Bürgerkrieg („Interregnum“) und der Exekution seines Vaters Charles I. ab 1660 regieren durfte.

Den Roman durchweht das memento-mori-Gefühl jener barocken Epoche, die sich des Lebens so gefreut hat und dennoch immer mit dem Sterben konfrontiert wurde. Auch Merivel erlebt und erinnert sich an den Tod von Weggefährten, Patienten und Familienmitgliedern. Der Tod ist in der Mitte des Lebens angekommen und lauert stets auf der Schwelle – manchmal stellt er sich aber glücklicherweise „nur“ als Monarch heraus. Humor ist immer auch dort, wo Merivel ist: dem Tod die Zähne zeigen könnte sein Motto lauten. Das macht ihn so liebenswert und sympathisch, diesen weisen Tunichtgut Merivel, der das Leben so schätzt und verehrt wie manche königliche Mätresse und doch immer um seine Endlichkeit weiß.

So ist es auch die Leidenschaft, die den Endfünfziger in Gestalt der schönen (und auch schon nicht mehr ganz in der Blüte ihrer Jugend stehenden) Louise de Flamanville trifft wie zu seinen besten Zeiten. Ich finde diese Affäre der beiden anrührend wie das letzte Aufflammen der Liebe und Klammern an das Leben eben meistens ist.

Philosophische Gedanken durchziehen das Buch – solche über das Leben an sich und auch darüber, wie wir mit der Kreatur umgehen. Das Falkenmotiv ist hier der Bär, den Merivel in Versailles vor dem sicheren Tod rettet und nach England überschiffen lässt. Doch schafft er es ihn artgerecht zu halten und seiner tierischen Würde gerecht zu werden? Haben Tiere eine Seele und können wir nonverbal mit ihnen kommunizieren? Wie sehr soll der Mensch in die Natur eingreifen und was ist überhaupt Moral? Muss der König moralisch sein und ist sie nur dann angebracht wenn man von ihr profitiert?

Also ich muss sagen dass dies eben kein üblicher historischer Roman ist, wie ihn die Mehrheit vielleicht gerne hat sprich: mysteriöse Tode und der spannende Aufstieg und/oder Fall einfacher Menschen (meist Frauen). Dies ist eben kein Allerweltshistorienreißer, es geht hier um ein spezielles Milieu, nämlich das Adlige zur Zeit des endenden englischen und französischen Barock. Das Lebensgefühl einer ganzen Generation neigt sich dem Ende zu, ähnlich wie am Ende des 19. Jahrhunderts herrscht ennui und zurück bleiben vernachlässigte, gelangweilte Mätressen, an denen der stille Zahn der Zeit nagt und eben Merivel, der auf seinem englischen Landsitz nicht nur den Verfall seines langjährigen Dieners miterleben muss. Deshalb bricht er noch einmal auf, um seinem Geist und Körper neue Energie zu verschaffen. Dass dies manchmal derbe wird ist zeittypisch und wenn man die Klassiker von Laurence Sterne kennt auch nicht weiter verwunderlich.

Rose Tremain hat ein nachdenkliches Buch geschrieben über einen Mann, der auf sein Leben zurückblickt und es dennoch noch einmal wissen möchte. Ich finde das gut und habe es gern gelesen, auch wenn es eben nicht randvoll gepackt mit Spannung ist.


Der ungeladene Gast: Roman
Der ungeladene Gast: Roman
von Sadie Jones
  Gebundene Ausgabe
Wird angeboten von rhein-team
Preis: EUR 5,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schrödingers Gäste, 5. September 2012
Ich liebe Bücher und Filme die im frühen 20. Jahrhundert in englischen Landhäusern spielen. So gehören „Was vom Tage übrigblieb“ von Kazuo Ishiguro und „Gosford Park“ („The Shooting Party“) von Isabel Colegate zu meinen Lieblingslektüren bzw. Filmen. Auch dieses Buch erfüllte das von mir so geliebte Settingversprechen: wir befinden uns in „Der ungeladene Gast“ auf dem englischen Landsitz Sterne, bewohnt von der Familie Torrington-Swift im Jahr 1912. Englische Landhäuser haben einfach ein einzigartiges Flair und das weiß sich die Autorin Sadie Jones zunutze zu machen indem sie eine faszinierend harmonische und eindringliche Atmosphäre heraufbeschwört, die den Leser sofort in den Bann zieht.
Der Tag an dem ein Großteil der Handlung spielt ist der 30. April 1912, Emerald Torringtons 20. Geburtstag. Zusammen mit ihrem jüngeren Bruder Clovis und der jungen Nachzüglerin Imogen, genannt „Smudge“ ist sie das dritte und älteste Kind von Charlotte Swift und ihrem verstorbenen Mann Horace Torrington. Zu Beginn des Romans reist ihr neuer Ehemann und ungeliebter Stiefvater, der Jurist Edward Swift nach Manchester, um den finanziellen Ruin seiner angeheirateten Familie und den Verlust des geliebten Anwesens zu vereiteln. Auch Emerald könnte ihren Teil zur Rettung des Familienvermögens beitragen wenn sie den zu ihrer Geburtstagsfeier eingeladenen Millionär John Buchanan heiraten würde. Und dann ist dann auch noch das Geschwisterpaar Patience und Ernest Sutton, die Kinder einer befreundeten Familie, die etwa im gleichen Alter wie Emerald und Clovis und der Erinnerung nach so gar nicht nach deren Geschmack sind. Zusammen mit den Hausangestellten (Myrtle und Florence) erhält die kleine Gesellschaft am Abend des Festtages die Nachricht von einem Zugunglück in der Nähe. Die verunglückten Passagiere stehen plötzlich vor der Tür und werden vorerst im Studierzimmer untergebracht. Wenige Zeit später klopft es und die Nachzüglerin Smudge öffnet dem Nachzügler Charlie Traversham-Breechers die Tür, der mit seiner besonderen Art und seinem exklusiven Auftreten schnell aus der Masse der Verunglückten heraussticht…
An der Handlung des Romans fasziniert mich die gelungene Verbindung von der Darstellung einer Familienrealität in der gehobenen englischen Mittelschicht des frühen 20. Jahrhunderts mit dem Bizarren und Außergewöhnlichen, das plötzlich seinen Einzug hält und die gesellschaftliche Ordnung unterminiert. Aufgrund dieser Symbolik und der Erzählstruktur kann man den Roman fast schon als klassisch bezeichnen, man merkt ihm seine moderne Autorin jedenfalls kaum an.
Auch sonst setzt Sadie Jones ganz auf Metaphorik und Ironie. Wie das ebenfalls in der Handlung präsente Kätzchen, das in seiner Kiste auf seine Befreiung wartet ist lange Zeit unklar, was es denn genau mit dem Vitalitätsgrad der Passagiere auf sich hat: Schrödingers ungeladene Gäste eben, wenn man den Vergleich zum Theorem des berühmten Physikers ziehen mag. Auch durch das andere, das unrenovierte Zweithaus auf dem Anwesen wird die Holzhammermetaphorik ausgepackt. Die Verfallssymbolik deutet auch schon auf den lauernden ersten Weltkrieg hin: nichts wird mehr so sein wie zuvor.
Die Charakterzeichnung ist auch eine besondere Stärke von Sadie Jones, vor allem wenn ich an die kleine Smudge denke, die mit ihren exzentrischen Handlungen und ihrem liebenswerten Außenseitertum fast zur heimlichen Hauptfigur wird.
Für den spannungsverwöhnten Leser hält der Plot allerlei Überraschungen bereit, obwohl man sich das ein oder andere durch zahlreiche Hinweise schon vorher zusammenreimen kann.
Interessant ist dass der titelgebende „ungeladene Gast“ im Singular steht während im englischen Original die „uninvited guests“ vermehrt im Titel stehen. Ich weiß nicht ob es die unterschiedlichen Sichtweisen von Autorin bzw. englischem Verlag und der deutschen Übersetzung zeigen soll, die einerseits die vielen Eindringline, anderseits den Einen als prominentestes Handlungselement sehen.
Ich fand dieses Buch hervorragend und kann es nur allen empfehlen, die symbolträchtige Lektüren, bizarre Handlungselemente und eine leichte Prise englischen schwarzen Humors bevorzugen.


Die Gebeine von Avalon: Aus den höchst vertraulichen Papieren des Dr. John Dee, Astrologe und Berater Ihrer Majestät, der Königin
Die Gebeine von Avalon: Aus den höchst vertraulichen Papieren des Dr. John Dee, Astrologe und Berater Ihrer Majestät, der Königin
von Phil Rickman
  Gebundene Ausgabe
Wird angeboten von buchrausch--ihre_buchhandlung
Preis: EUR 15,95

7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Morbide Lebendigkeit, 25. Oktober 2011
Bei diesem Mix aus dem History und Mystery-Genre (mit einer Prise Thriller) handelt es sich um den ambitionierten und, wie ich finde äußerst gelungenen Versuch, ein Geheimnis aus der tiefen Vergangenheit (in diesem Fall der mystischen Vorzeit Britanniens) durch eine historische Figur aus der ebenfalls tiefen, aber nicht ganz so lange vergangenen Vergangenheit (dem England des 16. Jahrhunderts) zu lösen.

Der Hofwissenschaftler der jungen Königin Elizabeth Tudor (zum Zeitpunkt der Handlung erst 2 Jahre auf dem Thron), Dr. John Dee, wird mit der schier unlösbaren Aufgabe konfrontiert, die seit der Auflösung der Klöster verschollenen Gebeine ihres 'Vorfahren' König Artus aus Glastonbury nach London zu holen, um ihre Regentschaft gegen ihre Feinde und Gegner abzusichern , aber auch, wegen ihrer Ängste und ihres Aberglaubens. In einer Zeit, in der die neue Religion, der Protestantismus, von Staatswegen wieder durchgesetzt wird und es dennoch unterschwellig im ganzen Volk brodelt, einem Volk, dass sich seine eigenen Götter sucht, dem Aberglauben anhängt und in der Höflinge bereit sind die Religion wie die Kleidung zu wechseln, ist es für den Wissenschaftler Dee ein Canossagang in die einstige Hochburg des britischen Katholizismus und gleichzeitig des vorchristlichen Heidentums zu gehen. Er trifft auf ehemalige Mönche, Kräuterfrauen und Reliquienhändler und muss einen grausamen Ritualmord an einem Diener seiner Königin erleben, um näher zum Geheimnis der 'Gebeine von Avalon' zu gelangen.

Was an diesem Buch so besonders ist und mich absolut anspricht: obwohl es um Altes und Abgelebtes geht, also um Jahrhunderte alte Knochen, um das Zurücklassen des Überholten (sei es um Religion oder den Aberglauben, der sich in Hexenverbrennungen etc. geäußert hat) und schließlich um das ultimative Nicht-Sein, den Tod (zartbesaitete Leser ' zu denen ich mich auch zähle ' müssen sich hin und wieder auf äußerst morbide und teilweise grausame Szenarien einstellen) und die Angst davor (das 'memento mori'-Motiv wird oft anzitiert), atmet dieser Roman auf jeder Seite Lebendigkeit. Rickman schafft es wie kaum ein anderer das Glastonbury des 16. Jahrhunderts so greifbar werden zu lassen, als wäre man selbst ein Teil dieser Stadt, die ' durch die zerstörte Abtei repräsentiert ' nur noch ein Anachronismus ihrer Selbst ist. Man spürt förmlich die kalte Luft des Februarmorgens, wenn der Schmied seine Pferde beschlägt, man isst mit Dr. John Dee die verschrumpelten Winteräpfel auf dem Markt und spürt schließlich die unwirklich schleierhafte Atmosphäre, den Spirit an diesem Ort, der etwas ganz Besonders ist.

John Dee ist in der Überlieferung eine eher dunkle Gestalt, die sich der Alchemie und Astrologie verschrieben hat. Diese Vorstellung von ihm geht aber ganz und gar nicht mit der sympathisch-menschlichen Charakterisierung von ihm durch Phil Rickman einher. Dr. Dee ist Anfang dreißig und beschreibt sich selbst ganz faustisch als einer, der zwar viel Wissen angesammelt, aber wenig erlebt hat und mit Menschen nicht so gut umzugehen weiß. Sehr bescheiden lebt er trotz seiner (unbezahlten) Eigenschaft als Haus- und Hofwissenschaftler der Königin mit seiner Mutter zusammen auf dem Land, die spärlichen erotischen Kenntnisse hat er bei der heimischen Magd gesammelt. Im ruinenhaften Glastonbury begegnet er nun bewusstseinserweiternden Zuständen und: der Liebe.

Das Gegenteil von Dee ist der großsprecherische Sir Robert Dudley, Geliebter, Höfling und Oberstallmeister der Königin, der Dee auf seiner Reise nach Glastonbury begleitet und unfreiwillig durch Krankheit in die Rolle des Untätigen gelangt. Auch er ist trotz seiner vielen Fehler und inneren Zerrissenheit (er schwankt zwischen der Liebe zu seiner Frau Amy und der zur Königin) sympathisch charakterisiert. Die beiden geben ein fast schon amüsantes frühneuzeitliches 'Ermittler-Duo' ab, ihre lebendigen Dialoge sind ein sehr schöner Nebenaspekt des Buches.

Außerdem: Rickman schafft es bei aller schwierigen Thematik sowohl Lesbarkeit zu erzeugen als auch den: 'Muss-weiterlesen'-Effekt zu kreieren ' und das ohne spektakuläre Cliffhanger (wobei die Kapitel sehr gut in sich strukturiert und angenehm kurz sind). Einfach die Story an sich ist so gut, dass man unbedingt wissen möchte, wie es weitergeht und was Dr. Dee auf die Spuren der Gebeine von Artus bringen wird.

Zum Schluss noch ein Lob für die geniale Covergestaltung mit dem erhabenen haptischen Titel und überhaupt den Softumschlag, der beim Lesen sehr angenehm ist und auch nachher im Regel viel hermacht.

Ich bin froh dieses Buch gelesen zu haben und kann es nur allen empfehlen, die gerne durch das Zwielicht dringen und sich für historische Mysterien interessieren: 5 Sterne!


Für immer und eh nicht
Für immer und eh nicht
von Heike Wanner
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

4.0 von 5 Sternen Von Engeln und Männern, 21. Juni 2011
Rezension bezieht sich auf: Für immer und eh nicht (Taschenbuch)
Die Idee, die Protagonistin in einem Frauenroman mit ihrem Traummann und der damit verbundenen Realisierung ihrer kühnsten Träume zu konfrontieren, ist für mich nicht neu. Das hat bereits Alexandra Potter in "Be careful what you wish for" (dt. "Träumst du noch oder küsst du schon?") gemacht. Bei Heike Wanner kommt der besagte Traummann aber nicht aus dem Nichts wie bei Potter, sondern aus dem Himmel und hat damit eine quasi göttliche Legitimation, den Segen "von oben". Dies bringt allerlei heitere Situationskomik mit sich: das himmlische Organisationskommitee, dessen Mitglieder nur allzu menschliche Charakterzüge haben, die (moderne) Kommunikation (per Mobiltelefon) des Engel-Mannes mit diesem etc.

Die Protagonistin Theresa erlebt in diesem Roman, wie fatal es sein kann wenn Wünsche, an deren Erfüllung man doch nie geglaubt hat, plötzlich Realität werden und wie schön es doch ist ein bisschen Menschlichkeit in einem Mann verkörpert zu sehen. "Nobody is perfect und das ist auch gut so" könnte die Botschaft lauten, die dieser heitere Frauenroman - den man übrigens flugs durch hat - zu vermitteln sucht.

Der Verlauf der Geschichte ist ziemlich vorhersehbar: Theresa trifft in einem Südafrikaurlaub den Mann, der ganz allein für sie mit himmlischer Macht konzipiert wurde: Raphael von Hohenstein (39), Graf, Millionär, Schloss- und Pferdebesitzer, der dazu auch noch höllisch gut aussieht - und das obwohl es sich hier um einen Engel handelt (das weiß Theresa zu Anfangs natürlich nicht). Das Interesse wächst und Theresa fühlt sich mit diesem Mann wie in ihren eigenen Traumvorstellungen...dass das alles doch nicht das Gelbe vom Ei ist, dass ein bisschen Eigenständigkeit, Witzigkeit und Charakter bei einem Mann durchaus attraktiv sein können merkt sie, als sie Harald, den Polizistenkollegen ihres Bruders bei der Umbauhilfe im Haus ihrer Elter näher kennenlernt. Plötzlich ist es nicht mehr Raphael, der durch seine Perfektion glänzt sondern der "echte" Mann Harald, zu dem sie sich hingezogen fühlt...

Wie das Ganze ausgeht lässt sich zwar erahnen, aber es macht trotzdem Spaß Theresa auf ihrem Weg zum (wahren) Glück zu begleiten. Ab und an hätte ich mir ein bisschen mehr witzige Begebenheiten mit Raphael gewünscht. Seine plötzliche Obsession für das Pokern habe ich auch nicht verstanden, denn wenn er Theresa für ihren Nenn-Onkel versetzt verhält er sich ja alles andere als perfekt, aber naja. Ich gebe für diesen vergnüglichen Sommerroman dennoch 4 Sterne, denn er hat mich gut unterhalten-wie es sein soll.


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