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DonMarcello.de (Berlin)

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Luther - Staffel 2
Luther - Staffel 2
DVD ~ Idris Elba
Preis: EUR 10,97

6 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Spannend recycelt, 3. April 2012
Rezension bezieht sich auf: Luther - Staffel 2 (DVD)
Krimifans wissen natürlich: Mit »Luther« ist nicht der Kirchenmann gemeint, sondern ein Ermittler. Dessen Temperament macht seinem Namenspatron alle Ehre; mit diversen Geboten nimmt er es allerdings weniger genau.

Vorab: Das Krimigenre definiert die BBC-Serie »Luther«, deren erste beiden Staffeln in diesen Tagen auf DVD erscheinen, ganz sicher nicht neu. Tatsächlich beschleicht den aufmerksamen Zuschauer immer wieder das Gefühl, alles irgendwie schon einmal gesehen zu haben: die Serienkiller, die die sattsam bekannte Grausamkeit anderer Mörder noch einmal zu übertreffen versuchen und deshalb dem titelgebenden Cop, DCI John Luther, das Leben zur Hölle machen.
Als hätte er sonst nicht schon genug Ärger.

Denn seine Ehe zu Gattin Zoe ist zerrüttet, weil sie mit den Widrigkeiten seiner Arbeit nicht zurechtkommt. Und weil sie seit kurzem einen Liebhaber hat, ausgerechnet einen zartbesaiteten der Sorte Künstler; das genaue Gegenteil zum großgewachsenen, muskulösen, lärmenden Luther - was ziemlich an dessen Ego kratzt.
Damit nicht genug, macht ihm auch noch die Dienstaufsicht zu schaffen, seit er einen Kindermörder in den Tod stürzen ließ, ohne ihm die rettende Hand zu reichen.

Entnervt von der Gattin, getrieben von den eigenen Kollegen, poltert Luther also wütend, cholerisch und meist eigenmächtig durch die Gassen Londons, was ihn freilich nicht daran hindert, wie weiland Tony Hill psychologisch einwandfreie Täterprofile zu entwerfen. Hilfe dabei findet er ausgerechnet bei Alice, einer jungen, hochintelligenten Frau, der er einst den Mord an ihren Eltern nicht nachweisen konnte.

Anfangs treibt dieses Biest ihren Schabernack mit Luther, doch je verzweifelter dessen Lage wird, umso mehr weicht ihrem bösen Spiel ein vertrautes Band, das Alice - eine Art weiblicher Ausgabe von Hannibal Lecter - zu Luther knüpft, bis der Zuschauer sich schließlich fragt: Küssen sie sich endlich oder küssen sie sich nicht?

Die Antwort bleibt am Ende von Staffel 2 offen, was verdrießlich ist, denn längst fiebert man - trotz aller Krimiversatzstücke, die die Serienmacher recyclen - durchaus mit Luther mit. Was im wesentlichen der Verdienst von Hauptdarsteller Idris Elba ist. Der machte sich bereits in der Fernsehserie The Wire - Die komplette erste Staffel [5 DVDs] - nach dem True Crime-Klassiker Homicide: Ein Jahr auf mörderischen Strassen von David Simon - einen Namen. Und so wie einst in dieser TV-Reihe als Drogenboß, entwickelt Elba auch als Luther eine bildschirmfüllende Präsenz, die den Zuschauer nicht nur für den Polizistenrüpel einnimmt, sondern auch die Geschichten temporeich vorantreibt.

Sicher, bei näherem Hinsehen entdeckt man das eine oder andere Logikloch, aber was soll's ... »Luther« ist derart flott und spannend erzählt, dass kaum Zeit zum Atemholen bleibt. Was will man mehr?


Luther - Staffel 1 [2 DVDs]
Luther - Staffel 1 [2 DVDs]
DVD ~ Warren Brown
Preis: EUR 12,15

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Spannend recycelt, 3. April 2012
Rezension bezieht sich auf: Luther - Staffel 1 [2 DVDs] (DVD)
Krimifans wissen natürlich: Mit »Luther« ist nicht der Kirchenmann gemeint, sondern ein Ermittler. Dessen Temperament macht seinem Namenspatron alle Ehre; mit diversen Geboten nimmt er es allerdings weniger genau.

Vorab: Das Krimigenre definiert die BBC-Serie »Luther«, deren erste beiden Staffeln in diesen Tagen auf DVD erscheinen, ganz sicher nicht neu. Tatsächlich beschleicht den aufmerksamen Zuschauer immer wieder das Gefühl, alles irgendwie schon einmal gesehen zu haben: die Serienkiller, die die sattsam bekannte Grausamkeit anderer Mörder noch einmal zu übertreffen versuchen und deshalb dem titelgebenden Cop, DCI John Luther, das Leben zur Hölle machen.
Als hätte er sonst nicht schon genug Ärger.

Denn seine Ehe zu Gattin Zoe ist zerrüttet, weil sie mit den Widrigkeiten seiner Arbeit nicht zurechtkommt. Und weil sie seit kurzem einen Liebhaber hat, ausgerechnet einen zartbesaiteten der Sorte Künstler; das genaue Gegenteil zum großgewachsenen, muskulösen, lärmenden Luther - was ziemlich an dessen Ego kratzt.
Damit nicht genug, macht ihm auch noch die Dienstaufsicht zu schaffen, seit er einen Kindermörder in den Tod stürzen ließ, ohne ihm die rettende Hand zu reichen.

Entnervt von der Gattin, getrieben von den eigenen Kollegen, poltert Luther also wütend, cholerisch und meist eigenmächtig durch die Gassen Londons, was ihn freilich nicht daran hindert, wie weiland Tony Hill psychologisch einwandfreie Täterprofile zu entwerfen. Hilfe dabei findet er ausgerechnet bei Alice, einer jungen, hochintelligenten Frau, der er einst den Mord an ihren Eltern nicht nachweisen konnte.

Anfangs treibt dieses Biest ihren Schabernack mit Luther, doch je verzweifelter dessen Lage wird, umso mehr weicht ihrem bösen Spiel ein vertrautes Band, das Alice - eine Art weiblicher Ausgabe von Hannibal Lecter - zu Luther knüpft, bis der Zuschauer sich schließlich fragt: Küssen sie sich endlich oder küssen sie sich nicht?

Die Antwort bleibt am Ende von Staffel 2 offen, was verdrießlich ist, denn längst fiebert man - trotz aller Krimiversatzstücke, die die Serienmacher recyclen - durchaus mit Luther mit. Was im wesentlichen der Verdienst von Hauptdarsteller Idris Elba ist. Der machte sich bereits in der Fernsehserie The Wire - Die komplette erste Staffel [5 DVDs] - nach dem True Crime-Klassiker Homicide: Ein Jahr auf mörderischen Strassen von David Simon - einen Namen. Und so wie einst in dieser TV-Reihe als Drogenboß, entwickelt Elba auch als Luther eine bildschirmfüllende Präsenz, die den Zuschauer nicht nur für den Polizistenrüpel einnimmt, sondern auch die Geschichten temporeich vorantreibt.

Sicher, bei näherem Hinsehen entdeckt man das eine oder andere Logikloch, aber was soll's ... »Luther« ist derart flott und spannend erzählt, dass kaum Zeit zum Atemholen bleibt. Was will man mehr?


Das eiserne Haus: Thriller
Das eiserne Haus: Thriller
von John Hart
  Gebundene Ausgabe

3.0 von 5 Sternen Weniger ist mehr, 3. April 2012
Der US-Autor erzählt seinen neuen Thriller auf hohem Niveau - bis er ihn mit einem kruden Finale zum Absturz bringt.

Michael ist ein Killer, einer der besten, die im Auftrag der New Yorker Mobster meucheln. Doch jetzt, Mitte 30, möchte er seine Waffe an den Nagel hängen und ein bürgerliches Leben beginnen: weil er sich in eine Frau verliebt hat, die von ihm schwanger ist.

Zu seiner Überraschung erteilt ihm sein Boß Otto Kaitlin - einer der mächtigsten Mafiapaten der jüngeren Vergangenheit, der Michael einst auch vor der Gosse gerettet hat ' seinen Segen. Denn Kaitlin liegt im Sterben und hat inzwischen selbst erkannt, was im Leben wirklich zählt; und das sind eben nicht Verbrechen, Gewalt und Mord.
Als kleines Abschiedsgeschenk - und als Starthilfe ins neue Leben - bekommt Michael von seinem Boß sogar Zugang zum »Firmenvermögen«, knapp 60 Millionen Dollar. Was freilich Kaitlins Sohn Stevan, einem missratenen Bengel, gar nicht passt. Die Probleme für Michael sind also vorgezeichnet.

Im Grunde ist die Idee vom Mafiaaussteiger, dem sich allerhand Hürden in den Weg stellen, nicht neu. In ungezählten Variationen wurde sie bereits in Literatur und Film ausgeschlachtet. Doch immerhin, John Hart findet für seinen neuen Thriller eine eigene Sprache, mit der er bereits in Das letzte Kind: Thriller, einem der Krimihighlights 2010, zu überzeugen wußte.

Deshalb beginnt auch »Das eiserne Haus« ziemlich eindrucksvoll, zumal Hart auf halbem Weg die Richtung ändert. Da ist es dann plötzlich die Vergangenheit Michaels, die immer mehr ins Blickfeld der Geschichte rückt: sein Bruder Julian, mit dem Michael als kleiner Junge in dem Kinderheim »Iron House« landete.
Julian, der dort unter den ruppigen Zuständen litt und nur mit Michaels Hilfe die Attacken der anderen Kinder überlebte. Michael, der schließlich die Flucht ergreifen muste, während sein Bruder von einer hochangesehenen Senatorenfamilie adoptiert wurde. Michael, der auf der Straße landete, wo er schließlich in die Fänge der Mafia geriet, und am Ende (so scheint es) doch das bessere Los gezogen hat.
Allerdings nur, wenn es ihm jetzt gelingt, sich den Mobstern zu entziehen. Was gar nicht so einfach ist, denn - wie gesagt - die Vergangenheit klammert sich mit bösen Krallen an ihn.

Und genau da liegt bei aller sprachlichen Raffinesse, mit der Hart seine Geschichte erzählt, die eigentliche Krux: Denn die Auflösung, die der US-Autor seinen Lesern offeriert, die Gründe für all die blutigen Ereignisse, die Michael widerfahren, sind eine sich bis zum Finale ständig steigernde, krude Ansammlung familiärer Verstrickungen.

Wie genau diese ausschauen, soll an dieser Stelle freilich nicht verraten werden, aber nur soviel: Ein bisschen weniger wäre in diesem Falle mehr gewesen.


Der Mann, der kein Mörder war (Ein Fall für Sebastian Bergman, Band 1)
Der Mann, der kein Mörder war (Ein Fall für Sebastian Bergman, Band 1)
von Michael Hjorth
  Broschiert
Preis: EUR 14,95

11 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Let's talk about sex, 3. April 2012
Im Krimidebüt des schwedischen Autorenduos liegt einiges im Argen - vor allem das Liebesleben der Kommissare. Das geht nämlich drunter und drüber.

Der leitende Ermittler der Mordkommission Torkel Höglund schläft mit seiner Kollegin, der Kriminaltechnikerin Ursula, die mit ihm wiederum ihren Ehemann betrügt. Derweil ist Polizist Thomas Haraldsson beinahe stündlich, sogar während der Arbeitszeit, bei seiner Ehefrau gefordert, die sich endlich ein Kind von ihm wünscht. Am exzessivsten aber treibt es Polizeipsychologe Sebastian Bergman, dessen Gattin und Kind beim Tsunami 2006 umgekommen sind. Seither sucht er vergeblich nach neuer Nähe ' bei jeder Frau, die seinen Weg kreuzt, jeder Zeugin; selbst Hinterbliebene sind vor ihm nicht sicher.

Was freilich zu allerhand Verwicklungen und Spannungen führt - und dazu, dass eigentlich keiner diesen wandelnden Lustbolzen mehr leiden kann. Selbst dem Leser fällt es schwer, Sympathien für ihn zu entwickeln. Der Klappentext »Sie werden es lieben, ihn zu hassen« bringt es daher auf den Punkt.

Dieser muntere erotische Reigen liest sich durchaus kurzweilig, phasenweise amüsant. Aber mit einem Krimi hat er nur wenig zu tun ' weswegen es noch einen Toten gibt, einen übelst zugerichteten Teenager. Das ist natürlich schrecklich, hält die vielen Polizisten aber nicht davon ab, ihren Gelüsten nachzugeben, sodaß so einiges erst einmal danebengeht. Also bei der Mordermittlung, haha.

Aber dann finden die liebestrunkenen Damen und Herren doch noch eine Spur, die sie zu einem Privatgymnasium führt, an dem sich Schüler und Lehrer seltsam wortkarg geben. Aus welchem Grund? Die Lösung, wenig überraschend: Sex.

Nicht nur die Kids schweigen sich über ihre pubertären Liebeleien aus, auch die Lehrer sind um Geheimhaltung ihrer Beziehungen bemüht. Kein Wunder, sind es doch schwule Affinitäten, die sich nicht mit der hohen Schulmoral vertragen, und obendrein ein gutes Motiv für einen Mord wären.

Sind sie jedoch nicht. Die Auflösung kommt recht banal daher, auch wenn das schwedische Autorenduo Hjorth und Rosenfeldt zum Schluß noch rasch ein knalliges Feuerwerk zündet - das ebensoschnell verpufft.

Aber um raffinierte Wendungen geht es den beiden vermutlich auch nicht, sondern wohl eher um das Prinzip Mensch und die schwierigen Beziehungen zu seinesgleichen. Und natürlich um Sex.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 16, 2015 8:04 PM CET


Homicide: Ein Jahr auf mörderischen Strassen
Homicide: Ein Jahr auf mörderischen Strassen
von David Simon
  Broschiert
Preis: EUR 24,90

4 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Teures Vergnügen, 3. April 2012
1988 gelang David Simon der Coup: Ein Jahr lang durfte er den Detectives der Mordkommission Baltimore auf Schritt und Tritt folgen. Er fuhr mit ihnen raus zu den Leichenfunden, spürte mit ihnen die Tatorte auf, überführte die Mörder, trank mit den Cops auf den Erfolg, oder teilte ihre Enttäuschung, wenn ein Fall trotz nächtelanger, wochenlanger Bemühungen ohne Verfahren oder Verurteilung zu den Akten gelegt werden musste. In »Homicide« breitet Simon die Erlebnisse und Erfahrungen der Polizisten auf mehr als 800 Seiten episch aus.

Keine Frage, Bücher wie dieses sind richtig und wichtig, denn sie halten uns vor Augen, dass der Polizeialltag in Wahrheit nicht ausschaut wie die ritualisierten, melodramatischen, meist glücklich endenden Krimifiktionen im Fernsehen (und natürlich auch in der Literatur).

Tatsächlich ist die Mördersuche eine zähe Sisyphusarbeit, die in den seltensten Fällen von einem Happy-End gekrönt wird. Viel mehr ist sie geprägt von den internen Konflikten einer Polizeibehörde, wo die Chefs, die keinen Fuß auf die Straße setzen, sich kaum oder gar nicht für das erlittene Leid der Opfer, die Möglichkeiten der Verbrechensbekämpfung oder die Schwierigkeiten ihrer Ermittler interessieren, sondern ihre Personalentscheidungen einzig an der Statistik beziehungsweise an ihrem öffentlichen Bild messen. Traurig, aber wahr.

Doch bei aller Bedeutsamkeit, die die Kritiker »Homicide« beimessen - vier Punkte trüben den »Homicide«-Lesegenuß:

1. Der Handlungsort
Baltimore mag für US-Leser durchaus von Interesse sein, zumal die Stadt als eine der ruppigsten und mörderischsten von ganz Amerika eingeführt wird. Aber trotzdem steht außer Frage: Mit dem Alltag der Mordermittler in deutschen Großstädten hat die Arbeit der Detectives und Sergeants rein gar nichts zu tun. Wer einen Überblick über die Tätigkeit einer Mordkomission hierzulande bekommen möchte, geht leer aus.

2. Die Handlungszeit
Seit 1988 ist viel Blut die Straßen Baltimores hinuntergeflossen, was zwangsläufig dazu führt, dass die Arbeit der Cops in »Homicide«, nun ja, nostalgisch anmutet, wenn sie zum Beispiel erst einmal ein Münztelefon suchen müssen, sobald sie ihre Kollegen um Verstärkung bitten wollen. Wer wissen möchte, wie Verbrechensbekämpfung in Zeiten moderner, technischer Ermittlungsmethoden ausschaut, erfährt nichts.

3. Der Handlungsumfang
Simon begleitete die Cops ein Jahr lang. Er schildert nicht nur Fälle, deren Aufklärung oder deren ernüchternder Verbleib in offenen Akten, sondern erzählt auch die Werdegänge seiner Detectives, ihre Gespräche, Gedanken, Gefühle. Das ist durchaus lobenswert, aber bei fast 20 Protagonisten hat das Buch phasenweise Längen, zumal ja auch ständig irgendwelche, sich wiederholende Mordfälle im Drogenmilieu oder Todesfälle bei häuslichen Auseinandersetzungen im Detail ausgebreitet werden. Hier und da hätte das Lektorat durchaus den Rotstift ansetzen dürfen.
Woraus sich Punkt 4 ergibt:

4. Das Lektorat
Zugegeben, in einem Buch von über 800 Seiten kann das Lektorat durchaus einmal einen Tippfehler übersehen. Aber durch »Homicide« ziehen sie sich en masse. Oder Namen, die wiederholt falsch geschrieben werden. Oder Sätze, denen bei der Übersetzung jeglicher Sinn verloren gegangen ist. Das trübt das Lesevergnügen ganz erheblich, zumal der Preis dafür (Euro 24.90) kein geringer ist.

Bleibt das Fazit: Ende der 80er-Jahre mag »Homicide« durchaus bedeutsam gewesen sein, weil es die Schwierigkeiten dokumentierte, mit denen die Cops der Verrohung in den nordamerikanischen Großstädten kaum noch Herr wurden. Heute ist das Buch längst überholt und daher ein zäher, dank der deutschsprachigen Bearbeitung obendrein unerfreulicher Lesegenuß.

So, und jetzt sehe ich mir die erste Staffel von »The Wire« an, die von Kritikern hochgelobte Krimifernsehserie, für die David Simon mit 'Homicide' die Vorlage geschaffen hat. Schauen wir einmal ...
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 16, 2012 7:36 AM MEST


Tanz unter Sternen
Tanz unter Sternen
von Titus Müller
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Hoffnung geht baden, 3. April 2012
Rezension bezieht sich auf: Tanz unter Sternen (Gebundene Ausgabe)
Titus Müller hat sich inzwischen eine große Fangemeinde erschrieben, mit aufwendig recherchierten, opulenten Mittelalterschmökern. »Tanz unter Sternen«, sein jüngstes Werk, ist ebenfalls ein historischer Roman, der die Uhr allerdings nur um 100 Jahre zurückdreht; zur Jungfernfahrt der Titanic nämlich.

Dem Titanic-Mythos noch etwas Neues hinzufügen - geht das überhaupt? Ja, sehr gut sogar, indem der Autor seinen Fokus nicht auf das inzwischen sattsam bekannte Eisbergdrama richtet, sondern auf die Geschehnisse, die die Welt zu Beginn des 20. Jahrhunderts veränderten: die industrielle Revolution, der Wettlauf der Nationen um die Vormacht, ihr militärisches Säbelrasseln, das dann mit dem Ersten Weltkrieg einen vorläufigen Höhepunkt fand.

Die Titanic wählt Müller nur als einen von vielen Gigantismen, mit denen die Großmächte einander zu beeindrucken versuchten. Vor diesem Hintergrund widmet er sich dem Leben der »einfachen Leute«, die fernab der großen Politik ihre ganz eigenen Probleme haben ' die sich im Grunde nicht von den heutigen unterscheiden:

»Heute hängt alles aneinander, mit Schienen, Gasleitungen, Telegraphenkabeln und Elektrizitätskabeln, eine Menge Sachen, die ich nicht mehr verstehe. So war das früher nicht. Da war man mehr für sich.'
»Fanden Sie es damals besser?«
»Ach, wissen Sie, jede Zeit hat ihre Bürden. Jetzt bringen diese neuen Kühlschiffe Fleisch aus Neuseeland und Argentinien, und es gibt bezahlbaren Kaffee und Südfrüchte, die wir früher nicht hatten.«
»Das ist doch gut.«
»Ja, aber in den Städten stört überall diese Leuchtwerbung. Die ist gräßlich, finden Sie nicht? Und alles muss schnell gehen, man kommt kaum hinterher, schnellschnell an der Kasse, schnellschnell am Bahnsteig. Die Kinder wollen nicht mehr Polizist werden, sondern Rennfahrer ' Für die Liebe und für Freundschaften hat heute keiner mehr Zeit.«

Da ist zum Beispiel die junge Nele, die im legendären Wintergarten Berlins als Barfußtänzerin scheitert. Was nun, in einer Stadt, die keine Zeit mehr zu haben scheint für die Muse ' und auch für die Liebe? Denn zur gleichen Zeit geht die Ehe von Pastor Matheus in die Brüche. Seine Ehefrau Cäcilie, die aus reichem Hause stammt, ist unzufrieden mit der Armut ihres Mannes.

Da kommt ihnen allen die Titanic gerade recht, deren Jungfernfahrt nach Amerika führen wird. Eine Reise wie ein großes Versprechen ' auf einen Neuanfang in einer neuen Welt. Doch endlich an Bord des riesigen Liners, lässt sich Cäcilie vom Lebemann Tyndal umgarnen, der in Wahrheit ein britischer Spion ist und ein ganz anderes Ziel verfolgt als eine Liebelei. Derweil wird auch Matheus' Glaube auf eine harte Probe gestellt, als er der verführerischen Nele begegnet.

Und während die Titanic sich unaufhaltsam ihrem Ziel zu nähern scheint, zerbrechen nach und nach all die schönen Träume ihrer Passagiere, und es ist nur konsequent, dass auch das Schiff, das Symbol ihrer Hoffnungen, an einem Eisberg zerschellt.

Der eigentliche Titanic-Untergang nimmt dann nur ein Drittel des Buches ein, das mit nicht einmal 400 Seiten erfreulicherweise nicht an die Mächtigkeit üblicher Historienschinken heranreicht. Auch das sprachlich ausgereifte, packende Gewand, in das Titus Müller seinen Roman kleidet, hebt ihn von der Vielzahl anderer Genretitels ab.

»Tanz unter Sternen« ist zweifellos Unterhaltung auf hohem Niveau. Als kleine Zugabe bietet der Autor zum Schluß noch ein umfangreiches Nachwort, in dem er kundig über die Mythen und Fakten der Titanic berichtet.


Sündige Gier: Thriller
Sündige Gier: Thriller
von Sandra Brown
  Gebundene Ausgabe

3 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Stück für Stück, 3. März 2012
Rezension bezieht sich auf: Sündige Gier: Thriller (Gebundene Ausgabe)
Die einen können's, die anderen nicht. Manche basteln ihre Thriller eben aus Versatzstücken zusammen ' wie das Beispiel dieser Autorin zeigt. Kein Wunder, dass es hinten und vorne rumpelt.

Stephen King hat einst behauptet, seine Romane seien das literarische Pendant zu einem Big Mac: eben Fast Food. Diese Selbsteinschätzung ist schwer zu glauben, wenn man, wie ich, gerade erst Der Anschlag gelesen hat, den neuen Roman des King of Horror.

Aber noch mehr Zweifel kommen auf, wenn man einen Thriller von Sandra Brown zur Hand nimmt. Denn während King mit geradezu spielerischer Leichtigkeit seiner Fiktion wahres Leben einhaucht, gleicht die Geschichte seiner Kollegin einem billigen Kunstprodukt. Wie am Fließband Stück für Stück zusammengesetzt ' und fertig ist der Thrillerplot.

Paul Wheeler, millionenschwerer Unternehmer, wird bei einem Raubüberfall erschossen. Doch seine 15 Jahre jüngere Geliebte Julie Rutledge will nicht an einen Akt zufälliger Gewalt glauben. Sie verdächtigt den Neffen des Toten, Creighton Wheeler, einen dandyhaften Playboy, der endlich an das Erbe seines Onkels herankommen wollte.

Um zu verhindern, dass Creighton den Starverteidiger Derek Mitchel engagiert, geht Julie kurzerhand mit diesem ins Bett. Jetzt ist der Anwalt befangen ' aber auf ihrer Seite, denn welcher Mann kann schon das Angebot einer so hübschen Dame ablehnen?

Jawohl, so schaut es aus, das Brownsche Weltbild: Die Männer sind heldenhaft stark, die Frauen hinreißend attraktiv. Und die Bösewichter sind, naja, eben abgrundtief böse. Grautöne existieren nicht, nur Schwarz oder Weiß. So ist es auch wenig überraschend, dass die Polizisten ' die eher beiläufig agieren -, sich zwar als wackere Gesellen versuchen, zur Lösung eines Mordfalles aber nicht das geringste beitragen können.

Ebenso hanebüchen ist, dass sich von einem Schurken Brownscher Machart trotz schlimmster Handgemenge keinerlei Spuren an den Tatorten finden lassen ' kein Schweiß, keine Haare, keine Schuppen, rein gar nichts. Als hätte es all die Errungenschaften moderner Kriminaltechnik nie gegeben.

Immerhin: Sieht man über derlei Merkwürdigkeiten hinweg, und nimmt man »Sündige Gier« schlicht als das, was es ist ' ein Fließbandprodukt -, dann eignet es sich wohl für den kleinen Lesehunger zwischendurch. Die Magenbeschwerden kommen erst danach. Wie bei Fast Food eben.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 6, 2014 5:33 PM MEST


Hautnah - Die Methode Hill - Die komplette Serie [24 DVDs]
Hautnah - Die Methode Hill - Die komplette Serie [24 DVDs]
DVD ~ Andrew Grieve
Wird angeboten von playhouseclub
Preis: EUR 44,99

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Grauen Mensch, 3. März 2012
Es wäre ein Leichtes, in die Lobeshymnen für diese britische TV-Produktion einzustimmen: eine bessere Thrillerserie hat man schließlich schon lange nicht mehr gesehen. Weshalb sich Don Marcello lieber beschweren möchte ...

»Menschlich«. »Tragisch«. »Glaubwürdig«. »Raffiniert«. »Hochspannend«. »Toll gefilmt«. »Grandios«. Nur einige Stimmen, mit denen Kritiker sich zu »Hautnah ' Die Methode Hill« geäußert haben. Und zweifellos, jede einzelne ist zutreffend. Doch wie um alles in der Welt ist es möglich, dass eine Fernsehreihe, die derart erfolgreich ist, von heute auf morgen eingestellt wird?
Mag sein, dass die Produktionskosten mit 900.000 Euro pro Episode ' im Vergleich zu anderen TV-Serien ' exorbitant hoch ausfielen. Und ja, es ist richtig, man soll aufhören, wenn es am schönsten ist. Aber das Problem ist: Etwas Besseres als »Die Methode Hill« hat es bis heute auf dem internationalen Thrillermarkt kaum gegeben.

Bis zu ihrer Einstellung Ende 2008 brachte es die Fernsehserie auf 24 Episoden à 90 Minuten, von denen die ersten beiden Fälle, »Das Lied der Sirenen« und »Schlußblende«, auf die gleichnamigen Romane der britischen Autorin Val McDermid zurückgingen. 24 Folgen, deren aufwendiger Style fast zu schade war für den kleinen Fernsehschirm daheim. Selbst die spannend konstruierten Skripte, die ' anders als ihre amerikanischen Pedants ' in der Action entschleunigt, und stattdessen mit viel Liebe fürs Detail ausgetüfelt worden waren, ließen so manche Kinoproduktionen langweilig wirken.
Und während die ersten drei Staffeln sich noch streng an die Schöpfungen Val McDermids hielten, wurden die Figuren in den Episoden der letzten drei Staffeln von den Drehbuchschreibern eigenständig weiterentwickelt ' hin zu ausgereiften, überzeugenden Charakteren.

Allen voran natürlich der titelgebende Polizeipsychologe Tony Hill, dessen Versponnenheit kongenial vom Schauspieler Robson Green umgesetzt wurde. In sich versunken stolpert er durch seinen Alltag, sich an ein blaues Plastiktütchen klammernd, als bewahrte es nicht nur sein ganzes Hab und Gut, sondern auch ihn vor den Schrecken dieser Welt; zugleich versetzte er sich auf beängstigende Weise in die Hirne der Bösewichter, bis man glaubte, ihn selbst trenne nicht mehr viel vom letzten Schritt hin zum Killer. Weshalb er ' nicht nur einmal ' selber unter Verdacht geriet. Aber mit bestechender Logik gelang es ihm immer wieder, die wahren Schurken zu überführen.

Natürlich konnte man den Machern der Serie vorwerfen, dass sie das Thema Serienkiller zum Ende hin überstrapazierten, und die Morde immer düsterer, beklemmender, grausamer, blutiger wurden. Aber bitte, hinter all diesen bizarren Greueln steckten am Ende immer noch »nur« Menschen, und ein täglicher Blick in die Zeitungen beweist, wozu der Mensch fähig ist. Tony Hill erklärte es uns, trotz aller Schrullen, die er wie das blaue Tütchen mit sich schleppte. Auch das war, irgendwie, menschlich.

Und damit ist jetzt also Schluß? Eine Schande.

So bleibt nichts anderes als der wiederholte Genuß aller sechs Staffeln, die jetzt endlich in einer Gesamtbox vorliegen; gemeinsam mit der Special-Episode »Mörderisches Trauma«, in der Hill ausnahmsweise nicht durchs kühle, britische Bradford, sondern durch die staubige Wüste in Texas irrlichtert. Ein Pflichtkauf für alle, die perfekten Thrillergenuß schätzen.

Einziges Manko, wie immer bei Edel: Die DVDs sind ohne jedes Extra.


Der Anschlag
Der Anschlag
von Stephen King
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 26,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Was wäre wenn ..., 21. Februar 2012
Rezension bezieht sich auf: Der Anschlag (Gebundene Ausgabe)
... man den Lauf der Geschichte verändern könnte? Wäre dann tatsächlich alles besser? Eine Frage, die der US-Autor auf mehr als 1000 Seiten zu beantworten versucht ' und dabei einen großartigen Roman schafft. Dabei ist die Geschichte, die Stephen King in dem Ziegelstein von Buch ausbreitet, nicht einmal spektakulär. Sie handelt von Jake Epping, der von Al Templeton, einem guten Bekannten und Betreiber eines Imbißladens, erfährt, dass sich hinter dessen Diner ein »Portal« befindet. Ein »Kaninchenloch«, wie Al es nennt.

Tritt man hinein, gelangt man zurück ins Jahr 1958, um genau zu sein, zum 9. September 1958, 11:58 Uhr vormittags. Von da an kann man soviel Zeit in der Vergangenheit verbringen, wie man möchte, im Zweifelsfalle bis zur Jetztzeit. Kehrt man allerdings durchs Kaninchenloch heim in die Gegenwart, sind dort gerade einmal zwei Minuten vergangen. Wagt man danach einen neuerlichen Sprung in die Vergangenheit, gelangt man wieder zum 9. September 1958, 11:58 Uhr vormittags. Quasi ein kompletter Neustart.

Al, der viele Jahre in der Vergangenheit verbracht hat (oder von jetzt aus betrachtet: nur zwei Minuten) und dabei zwischenzeitlich schwer an Krebs erkrankt ist, bittet Jake, seinen Job fortzuführen (bzw. noch einmal anzufangen): nämlich herauszufinden, ob Lee Harvey Oswald am 23. November 1963 tatsächlich Teil einer Verschwörung oder doch nur ein Einzeltäter war, um anschließend dessen Attentat auf John F. Kennedy zu verhindern. Würde dies gelingen, wäre das Schicksal Amerikas und das der ganzen Welt zweifellos ein anderes. Ein besseres, davon sind Al und Jake überzeugt.

Also begibt sich Jake zurück ins Jahr 1958, wo er fünf Jahre lang auf den Moment warten muss, in dem Lee Harvey Oswald das Gewehr auf den Präsidenten richten wird. Fünf Jahre, in denen gar nicht so viel passiert. Und andererseits verdammt viel.

Was nun? Ein Science Fiction-Roman aus der Feder des King of Horror? Mitnichten, denn am allerwenigsten ist »Der Anschlag« SF, auch wenn Stephen King sich bemüht, die üblichen Paradoxon-Fragen einer Zeitreise aufzuwerfen. Aber um schlüssige Erklärungen geht es ihm dabei nicht, ging es ihm noch nie, auch nicht in seinen populärsten Horrorromanen, in denen man das Grauen, das schleichend in unsere heimelige Welt einbrach, einfach akzeptieren musste ' oder es bleibenließ.

Horror bietet Kings neuer Roman aber ebensowenig, obwohl es eine traumhafte Szene gibt, die in Derry spielt, wenige Wochen, nachdem die Stadt das erste Mal von ES heimgesucht worden ist. Jake trifft dort sogar auf Beverly und Richie, zwei aus dem »Club der Verlierer«, die glauben, ES besiegt zu haben. Doch Jake spürt das Böse, das noch immer in den Kanälen unter der Stadt haust - und dass es irgendwann zurückkehren wird.

Wenn überhaupt, ist »Der Anschlag« ein historischer Roman, in dem der Autor, mit 400 Millionen verkauften Büchern einer der erfolgreichsten Schrifsteller der Welt, das ruppige, rassistische, aber auch das schlichte, durchaus liebenswerte Leben der 60er Jahre vor den Augen der Leser entfaltet. Dabei ist Stephen King ganz in seinem Element. Mit scheinbarer Beiläufigkeit taucht er in den Alltag seiner Protagonisten, denen der Leser nur zu gerne auf ihrem Kampf gegen die Widrigkeiten des Lebens folgt. Menschen wie du und ich, die er deshalb lieben lernt und mit denen er leidet.

So sehr, dass er sich auch nach 1000 Seiten nicht von ihnen trennen möchte. Darin, in der liebevollen Figurenzeichnung, seiner mitreißenden Betrachtung des Lebens, der fesselnden Analyse einer Gesellschaft und ihrer Befindlichkeit, ist Stephen King tatsächlich ein König. Gerade das macht seine Geschichten so ... großartig!

Doch in diesem Fall ist die Geschichte unerbittlich, im doppelten Sinne sozusagen. Denn je näher der verhängnisvolle Moment rückt, der 23. November 1963, den Jake Epping verhindern soll, umso mehr wehrt sich die Vergangenheit gegen ihre Korrektur, und zwar mit allen Mitteln. Klingt ein bisschen wie »Final Destination«, und irgendwie ist es das auch: Jede Veränderung der Vergangenheit, und sei sie noch so winzig und unbedeutend, ruft eine Gegenreaktion hervor, mit der die Geschichte ihren ursprünglichen Lauf wiederherzustellen versucht. Denn wird ihre »Harmonie«, wie Jake es nennt, zu oft durchkreuzt, könnte das Ergebnis verheerend sein. Könnte.

King wollte seinen Roman schon 1972 schreiben, wie er in diesen Tagem wiederholt in Interviews erklärt, aber er konnte es nicht, weil die Ereignisse des November 1963 noch zu nahe waren. Erst jetzt, nach der Wahl Barack Obamas, begab er sich endlich an die Umsetzung von »Der Anschlag«. Weil erneut ein junger Präsident gewählt worden war, der als Hoffnungsträger galt. »Aber Obama hat die übergroßen Erwartungen nicht erfüllt«, sagt King. »Kennedy hätte es wohl auch nicht gekonnt.«
Tatsächlich?

Womit wir bei der Moral der Geschichte angelangt wären, bei der Frage: Wäre tatsächlich alles besser, wenn man die Vergangenheit verändern könnte?
Wenn man die Vergangenheit ändern könnte, würde sich dies »vielleicht als Wohltat für die Welt erweisen«, denkt Jake kurz vor Schluß. »Oder nicht. Ich weiß es nicht.«

Eines aber ist sicher: »Der Anschlag« ist zwar nicht ganz so gut (und schon lange nicht so komplex) wie »Es«, das zweifellos als Opus Magnum des US-Autors gilt, aber es ist fast ein ebenso großer Wurf. Nicht zuletzt dank der rührendsten Schlußszene, die King je geschrieben hat.


Scheiterhaufen: Thriller
Scheiterhaufen: Thriller
von Derek Nikitas
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Radikal geht anders, 13. Februar 2012
Rezension bezieht sich auf: Scheiterhaufen: Thriller (Taschenbuch)
Das Beste vorab: Der US-Autor kann schreiben, und zwar ziemlich gut. Sein Plot und die Figurenzeichnung dagegen weisen Mängel auf.

Derek Nikitas' Erzählstil ist einnehmend, opulent, dank einer ungezählten Fülle an Sprachbildern fast schon literarisch. Oder »poetisch«, wie der Verlag zu Recht im Klappentext anpreist. Eigentlich keine schlechte Ausgangsbedingung für den jungen Autor, um den Lesern einen tiefen Einblick in die Psyche seiner Protagonisten zu verschaffen. Es gibt nur ein Problem: So richtig realistisch gelingen ihm die Figuren nicht. Obendrein sind sie mit allerhand Klischees behaftet.

Tanya zum Beispiel, ein vom Leben und den Männern vernachlässigtes Unterschichten-Girl, das schwanger ist vom Taugenichts Mason Reynold, dessen größter Traum die Mitgliedschaft im örtlichen Rockerclub ist. Tiefstes Prekariat also, das sich wie gewohnt rücksichtslos und brutal am Leben hält ' aber erstaunlicherweise denken und reden kann wie nach einem sechsjährigen Studium der Geistenswissenschaften. Glaubwürdig ist was anderes.

Nicht anders verhält es sich mit Greta, eine Polizistin, die an ihrem Dienst, der Brutalität, den vielen Toten zerbricht, darüber ihre Familie vernachlässigt, dies zutiefst bedauert, sich aber trotz aller Bemühungen nicht zu helfen weiß. Hat man ja auch schon alles irgendwie anderswo gelesen, als dass man eine solche Figur noch ernst nehmen könnte (und wollte).

Ausgerechnet diese Greta soll nun den Mord am Literaturprofessor Oscar Moberg aufklären. Er wurde bei einem Raubüberfall erschossen, vor den Augen seiner 15jährigen Tochter Lucia. Wenn man so will: Das junge Mädchen ist selber Schuld am Tod ihres Vaters, denn sie war es, die ihn darum gebeten hat, sie zum Einkaufszentrum zu fahren, wo sie für ihre Freundin eine CD aus dem Musikshop stehlen wollte. Doch kaum war der Tonträger in ihrer Jackentasche verstaut, packte Lucia das schlechte Gewissen und sie drängte ihren Vater, sie wieder heimzufahren. Als er den Wagen vom Parkplatz lenkte, wartete dort der Mörder.

Vielleicht hätte Derek Nikitas gut daran getan, es bei Lucia als einziger Heldin seiner Geschichte zu belassen. Sie ist ein Teenager wie jeder andere, launisch, rebellisch, schwärmt für den Nachbarbuben Quinn, den ihre Mutter Blair nicht ausstehen kann. Überhaupt ist ihr Verhältnis zur Mutter gespannt. Ohne Zweifel wäre es jetzt interessant zu lesen gewesen, wie Lucia mit der Gewalt und dem Tod, die unverhofft in ihr Leben platzten, umzugehen lernt, damit wächst ' oder im schlimmsten Fall daran scheitert. »Scheiterhaufen« wäre eine bewegende Coming-of-Age-Geschichte geworden.

Unglücklicherweise hat der Autor versucht, Lucias Geschichte zusammen mit der unglücklichen Polizistin Greta sowie den tumben Taugenichtsen Tanya und Mason in ein Thriller-Gewand zu hüllen. Doch dafür ist der Plot, der bei einem Thriller nun einmal von ebensolcher Wichtigkeit ist, zu dünn geraten. Die Mordmotive und die eigentlichen Hintermänner sind für jeden halbwegs gescheiten Krimileser schon nach ein paar Dutzend Seiten auszumachen, das Finale dementsprechend wenig überraschend.

Zwar versucht sich Nikitas wiederholt an Storytwists, die insbesondere auch die Actionschraube anziehen (sollen), doch leider verlässt er sich dabei zu sehr auf die nordischen Mythen, die Lucia als Kind von ihrem Vater erzählt bekommen hat und die bis heute in ihrem Bewußtsein nachwirken. Das raubt der Geschichte schlußendlich auch den letzten Rest Glaubwürdigkeit.

So sieht Lucia zum Beispiel eines Abends, wenige Tage nach dem Tod ihres Vaters, einen kleinen Gnom durch ihr Zimmer huschen. Natürlich ist das nur ein Produkt ihres verzweifelten, trauernden Verstandes, eines jener Wesen, die ihr Vater mit seinen Geschichten in ihrer Phantasie zum Leben erweckte. Aber jetzt treibt sie diese Phantasie ' ausgerechnet! ' in die Waschküche, wo sie ein unter dem Trockner verstecktes Kuvert mit einem Geldbündel entdeckt.

Noch viel fadenscheiniger aber ist die wundersame Heilung ihrer Kurzsichtigkeit. Als die Bösewichter Lucia entführen, verliert sie unterwegs ihre Brille. Doch in dem Augenblick, in dem es darauf ankommt, schwappt die Erinnerung an die alten, nordischen Mythen über Lucia hinweg. Plötzlich sieht sie klar, kann eine Pistole ergreifen, ihre Gegner niederschießen, sich aus ihrer Gefangenschaft befreien, nur um gleich darauf wieder von ihrem alten Augenleiden befallen zu werden.

Was wirklich verwundert: Derek Nikitas hat seinen Master in Creative Writing gemacht und unterrichtet heute in diesem Fach. Aber seinem Debüt geht jede Originalität ab - für einen Thriller zu dünn, für eine anrührende Entwicklungsgeschichte zu unrealistisch. Einzig die anmutige Sprache des Autors rettet »Scheiterhaufen« einigermaßen.


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