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Rezensionen verfasst von
jrgela

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MannHeim
MannHeim
Preis: EUR 14,99

2.0 von 5 Sternen "Ich habe mein Wissen. Ich sehe mich als jemand, dessen Berufung es ist, solche Dinge zu sagen", 25. Juni 2017
Rezension bezieht sich auf: MannHeim (Audio CD)
Ganz nüchtern betrachtet folgt dieses Album schließlich auch nur der Belanglosigkeit der Gefühls-und Betroffenheitsduselei, der Naidoos Texte und Attitüde schon immer anhängen. Einem Habitus, in dem im Übrigen mittlerweile der größte Teil der derzeitigen deutschen Popwelt aufgeht, weil er eben erfolgreich ist.
Darüber hinaus enthalten die Texte von "MannHeim" tatsächlich aber auch Ressentiment beladene, aggressive und verstaubte Begrifflichkeiten und Sichtweisen in ihrer reinen Emotionalität, ohne jede Reflexion, so dass es für mich schwer nachvollziehbar ist, dass man nicht damit rechnen konnte, auch aus einer Richtung großen Beifall zu erhalten, von der man nun meint, sich distanzieren zu müssen. Zumal man dabei aus der Erfahrung von Kollegen hätte lernen können. Hatte ja auch schon Heinz Rudolf Kunzes Sideprojekt "Räuberzivil" mit einem Lied entsprechend ungewollte Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Und das schon zu Zeiten, in der die Wogen noch gar nicht so aufgewühlt waren, mit einem viel weniger verfänglichen Text.

Auch hinterlässt bei mir die Anzahl derer, die undifferenziert Beifall klatschen den Eindruck, dass das Konzept des Anregens zum Nachdenken, welches die Söhne Mannheims laut ihrer Statements mit dieser Veröffentlichung verfolgt haben wollen, irgendwie auch gescheitert ist. Hier offenbart sich ein "Mainstream" des gleichförmig fahrlässigen Umgangs mit den Begriffen Mut und Wahrheit. Und das in einer Zeit, in der doch der Begriff "Mainstream" gerade dabei ist das Wort "Teufel" zu ersetzen.
Schade nur, dass auch die Medien wieder mit ihrem ähnlich einzuordnenden Hang zum Dramatisieren darauf angesprungen sind und dem dadurch gewissermaßen zusätzlich zur Bedeutung verholfen haben. Wird Naidoo ja damit in seiner eigentlich grotesken Selbstüberschätzung, die u.a. im Zitat in der Überschrift zur Rezension zum Ausdruck kommt, nur bestätigt.

Ich möchte aber trotz allem eine Textzeile im Song "Nie wieder Krieg" nicht vernachlässigen, welche mir dann doch treffend zu sein scheint:
"…Muslime tragen den neuen Judenstern…" Hier sollte wirklich ein Nachdenken ansetzten, wo wir schon wieder angekommen sind und was wir aus der Geschichte mitgenommen haben. Darin einen zu versöhnlichen Umgang mit dem Islam oder auch eine Verharmlosung des Holocaust zu sehen, ist aus meiner Sicht in jeder Hinsicht der falsche Ansatz und am Kern des Themas vorbei. Das ist ein echter Anstoß zum Weiterdenken, was jeder einzelne von der Zukunft erwartet und wie wir miteinander umgehen wollen. Wenn wir dann tatsächlich bei nie wieder Krieg ankommen, wäre das ein Traum. Dafür dann auch den einen Zusatzstern.

Ansonsten ist es halt wie oben beschreiben. Zusätzlich unsympathisch wird es für mich außerdem noch durch diese überflüssige und fade Larmoyanz, man dürfe dieses und jenes ja nicht sagen, welche leider auch hier wieder mitschwingen muss.
Kommentar Kommentare (6) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 4, 2017 4:07 PM MEST


Marionetten
Marionetten
Preis: EUR 1,29

1 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen "Kein Leben, kein Geräusch, dann wäre ich wie blind.", 21. Mai 2017
Rezension bezieht sich auf: Marionetten (MP3-Download)
Das ich mit Naidoos Musik nicht viel anfangen kann, ist die eine Sache. Viel bedenklicher fand ich schon immer den sprachlichen Ausdruck und Inhalt seiner Texte. Die Überschrift zur Rezension ist eine seiner Stilblüten. Und wenn sein Verstand, seine Waffe darstellt, obwohl er ja keinerlei Waffen braucht, hat er wohl nicht so viel in der Hand. Da bleibt ihm halt nichts anderes übrig, als doch zur Forke zu greifen.
Er wurde ja auch für seine sprachlichen Wirrnisse in der Vergangenheit geradezu vergöttert. Deshalb kann ich es ihm gar nicht übelnehmen, wenn er diese schließlich tatsächlich für Kunst hält.

Gerade Künstler sollten nicht davor zurückschrecken auch kontrovers zu sein. Das ist richtig und notwendig. Aber Xavier Naidoo ist nicht kontrovers, sondern eher in sich widersprüchlich. Und so besonders mutig ist das dann eben auch wieder nicht.
Ich kenne ihn nicht persönlich, aber ich bin mir tatsächlich nicht so sicher, ob er, in der religiös vernebelten Wohlstandsglocke, in der er zu leben scheint, die Tragweite z.B. seiner Pizzagate Anspielungen überhaupt begreift. Für mich bestätigt das eher, dass gerade der Verstand eben nicht seine Waffe ist.
Und dennoch halte ich den Umgang mit dem Song in den Medien für eher problematisch, weil ich denke, dass gerade diese Art des Umgangs Wasser auf die Mühlen der Daswirdmanjawohlnochsagendürfen Strömung ist.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 24, 2017 8:31 PM MEST


Was soll ich hier?: Eine Begründung der Welt
Was soll ich hier?: Eine Begründung der Welt
Preis: EUR 11,99

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen "Es gibt so viele Wege zu Gott, wie es Menschen gibt, …", 11. Dezember 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Das Zitat in der Überschrift wird den Sufi zugesprochen. Und so wie ein Sufi dreht sich Kotulla im Kreis. Seine Gedanken befinden sich in einer Endlosschleife, wieder und wieder vom gleichen Ausgangspunkt zum gleichen Ergebnis: Ich glaube an den christlichen Gott, weil alle anderen Glaubensrichtungen und schon gar nicht der Atheismus, oder die Evolutionstheorie erklären können, warum wir Menschen ein Gewissen haben, sprich: die ursprüngliche Gewissheit, dass Liebe und Gerechtigkeit gut sind.

Auf diese Weise kann man zweifellos seine eigene Welt begründen, entsprechend dem Sufi Zitat. So reduziert Kotulla dann auch den Anspruch seines ersten Buches, von "Die Begründung der Welt" auf "Eine Begründung der Welt".
Ansonsten sehe ich allerdings in diesem neuen Text keine wesentliche Bereicherung. Seine Ausführungen zu anderen Religionen sind wieder genauso kurzgefasst und dünn, wie in seinem ersten Buch. Und das Kapitel über Gerechtigkeit sowie die Darstellung menschlicher Charaktere erscheinen mir teilweise doch recht trivial.
Kotulla sortiert lediglich seinen Zettelkasten zum christlichen Glauben etwas anders, vermag es aber nicht etwas Erkenntnisförderndes hinzuzufügen.

Er unternimmt einen weiteren Versuch aufzuzeigen, dass die Option des Glaubens gerade an einen christlichen Gott auch rational begründbar ist. Aber er ist dann leider doch nur rational im Sinne von Auswahl und Reduktion auf Argumente die dienlich sind, um sein Ziel zu erreichen. Dabei bleibt er manchmal inhaltlich so ungenau, dass seine Konjunktive den Verdacht aufkommen lassen könnten, reines Stilmittel zu sein.
In einer anderen Rezension ist dann auch von der Aporie des rationalen Denkens die Rede. In Glaubensangelegenheiten stimme ich dem zu.
Je genauer man einen Gott bemessen will, desto ungenauer muss mit dem menschlichen Verstand gedacht werden.

Alles hat einen Ursprung und von mir aus auch einen Urheber. Auch wenn die Schöpfung wahr sein sollte, das Übernatürliche und Göttliche existiert und darauf unter anderem auch die Spiritualität zurückzuführen ist, der Schöpfer der Erscheinungsformen aller Götter und der Urheber jeder Religion bleibt der Mensch. So zumindest würde sich dann auch dieser Kreis schließen.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 12, 2017 12:45 PM CET


The Astonishing
The Astonishing
Preis: EUR 9,99

6 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Für mich eher entbehrlich., 30. Januar 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: The Astonishing (Audio CD)
Ich kann vieles nachvollziehen, was hier an Kritik angebracht wird, bin aber durchaus auch geneigt, das als jammern auf sehr hohem Niveau zu bezeichnen.

Ich persönlich halte das Album in Anbetracht der Möglichkeiten, die Dream Theater zur Verfügung stehen, kompositorisch für ausgesprochen einfallslos. Hier werden tatsächlich Musical Themen aufgewärmt und Schlagermelodien dargeboten.
Für mich ist es z.B. absolut entbehrlich, dass in derartigem Zusammenhang Melodien wie "Rote Lippe soll man küssen" ausgegraben werden. Die zwischendurch von Jordan Rudess eingespielten Passagen, die wohl die von den "NOMACS" künstlich erzeugte Musik darstellen soll, welche die Menschen der Geschichte so apathisch macht, könnten da manchmal fast innovativer wirken.

James LaBrie singt diesmal verhältnismäßig viel. Dies ist erstmal absolut nichts Negatives, aber leider ist hier das Meiste davon so gar nicht mein Ding. Vieles ist mir zu seicht, bis hin zum Kitsch. Das erste Mal wirklich besonders unangenehm berührt war ich bei "Act of Faythe". Noch mehr auf die Spitze getrieben wird das dann aber schließlich bei "Begin again". Dieser Titel ist von der Instrumentierung her durchaus ansprechend und interessant, aber der Gesang ist hier wirklich zum Schütteln. Was soll das?
Dennoch tut er, wie auch seine Mitstreiter, was er immer getan hat: Musizieren auf gnadenlos hohem Niveau. Da bleibt eben nicht mehr so viel Raum, um über sich hinauszuwachsen. So agiert hier auch niemand aus dem Bandgefüge herausragend. Das wiederum führt aber auch zu einer gewissen Ausgewogenheit, die man durchaus positiv bewerten könnte, was dann schließlich auch ein bisschen mehr Gelassenheit in die immer wieder aufkommende Schlagzeugdiskussion brächte.

Es scheint im Augenblick ein bisschen Trend zu sein, dass Prog-Bands ihre einfache Rückbesinnung auf das, was sie in der Musikschule gelernt haben, als Weiterentwicklung verkaufen. Vielen tun sie damit offensichtlich wirklich einen Gefallen. Mir persönlich nicht. Ich finde das sogar sehr schade. Dennoch gelingt es mir anzuerkennen, dass das in seiner Form immer noch herausragende Musik ist, die sich durch Instrumentierung, Klang, Arrangements, Komplexität und perfektes Handwerk um einiges von anderem abzuheben vermag. Ich glaube allerdings nicht, dass ich es mir noch oft anhören werde. Dazu ist es dann auch einfach zu lang.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 11, 2016 1:21 PM CET


Terra
Terra
Preis: EUR 16,99

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Vielleicht etwas für Metalcore-Puristen, 25. Juli 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Terra (Audio CD)
Aber mir persönlich ist der Aufbau zu schlicht und zu vorhersehbar. Vor allem der Gesang bleibt dabei stur festgelegtes Gebrüll, ohne jede Facette. Die zweite Hälfte wird durch ein Instrumental eingeleitet und kommt möglicherweise auch deshalb bei mir etwas besser an.
Ab hier lässt sich schließlich an der ein oder anderen Stelle auch ahnen, dass WALKING WITH STRANGERS vielleicht zu mehr in der Lage wären, als sich beliebig austauschbaren Genre Merkmalen zu unterwerfen. Darauf könnte man aufbauen, wenn man denn überhaupt wollte.
Aus meiner Sicht ist das jedenfalls alles noch ausgesprochen steigerungsfähig.


Oddities
Oddities
Preis: EUR 7,99

5.0 von 5 Sternen So geht Musik., 17. Juli 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Oddities (MP3-Download)
Hier geben geniale Musiker ihren Instrumenten einen Ausdruck, der auch in seiner abgefahrenen Skurrilität einfach nur grandios lebensecht ist.
Schnellen und verzwickten Legato Tonfolgen, Staccato Riffs, einer teilweise halsbrecherischen Rhythmik und streckenweise etwas verschobenen Melodien wird gewissermaßen funky eine Liebenswürdigkeit verliehen, die mein musikalisches Herz aufgehen lässt.
Hier geht's vorwärts über etliche Abzweige und Umwege und ich fliege an Ohren gepackt, den überaus mutigen und kreativen Kompositionen hinterher.

Wenn man hier Vergleiche anstellen will, sollte man es sich nicht so einfach machen, und zu schnell wieder bei King Crimson ankommen.
Was hier geschieht, geht noch ganz andere und eigene Wege. Und ich wage zu behaupten, auf Augenhöhe mit den Altmeistern.

Diese Scheibe bereitet mir größtes Vergnügen, reißt mich aus der Welt, um mich danach ganz fest wieder auf die Erde zu stellen.


Judas: Roman
Judas: Roman
von Amos Oz
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,99

9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen „Wenn die Juden ihn akzeptiert hätten…, 13. Mai 2015
Rezension bezieht sich auf: Judas: Roman (Gebundene Ausgabe)
...hätte die Geschichte ein völlig anderes Gesicht bekommen. Die Kirche wäre nicht entstanden (…) So wäre uns die Diaspora, die Verfolgungen, die Pogrome, die Inquisition (…) und auch die Schoah erspart geblieben.“ (S. 126)

Über die Beschreibung des Mikrokosmos einer etwas ungewöhnlichen Wohngemeinschaft lässt Amos Oz ein gelungenes Gesellschaftsporträt entstehen. Ich halte es für eine großartige Beschreibung eines menschlichen Dilemmas, nämlich der Hoffnungslosigkeit, die mit jeder religiösen und ideologischen Auseinandersetzung einhergeht.
Es ist ein Buch über Zäune, die Gesellschaften und Individuen um sich ziehen, falsche Voraussetzungen und Schlussfolgerungen, und schließlich auch eine ganz besondere Liebesgeschichte.

Oz bedient sich einer Erzählweise, die sich nicht aufdrängt, von der ich mich aufgenommen gefühlt habe und von der ersten Seite an bereit war, diese bei mir aufzunehmen. Ich habe mich in dem angenehmen Geisteszustand wiedergefunden, in dem ich in meiner Jugend Dostojewski gelesen habe.

Wunderbare Literatur.


42,195: Warum wir Marathon laufen und was wir dabei denken
42,195: Warum wir Marathon laufen und was wir dabei denken
von Matthias Politycki
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 20,00

18 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen "Marathon ist eine ganz einfache Disziplin, deshalb ist sie so schwer.", 9. Mai 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Nun ja, ich weiß nicht so recht.

Ich war freudig gespannt darauf, was ein Marathon laufender Schriftsteller, mir als Marathon laufenden Leser an Antworten liefert, warum wir das tun, was wir da tun.

Wahrscheinlich lautet die Antwort auf die Frage nach dem Warum auch beim Massenphänomen Laufen, genauso wie bei den Massenphänomenen Schlager, Public Viewing oder ähnlichem tatsächlich lapidar: Weil es oberflächlich ist.
Dennoch gäbe es sehr viel mehr Möglichkeiten sich dem zu nähern. Und ich hätte vermutet, dass ein Schriftsteller in der Lage ist, zumindest den Versuch zu unternehmen, diese auszuschöpfen.

Auf Seite 21, wenn es ums Geradeauslaufen geht, liest man den Satz: "Kein einziges Hindernis im Weg, und trotzdem kommt man dem Horizont keinen Schritt näher..." Dieser sagt aus meiner Sicht, wenn auch völlig anders gemeint und angebracht, einiges über das Buch aus.

Ich befinde mich während des Lesens im Feuilletonteil einer Laufzeitschrift. Auch wenn es sich im weiteren Verlauf etwas entwickelt und intensiver wird, betreibt Matthias Politycki mir persönlich zu sehr die übliche Effekthascherei. Zum Beispiel halte ich das ewige Männer - Frauensache Gerede mittlerweile nur noch für ausgesprochen langweilig.
Einige seiner Geschichten verlieren durch die Reduzierung auf die schlichte Aussage ein wenig ihre Glaubwürdigkeit. So ist es z.B. wenig nachvollziehbar, dass ein erfahrener Marathonläufer mit nagelneuen Schuhen, einer Marke, die er vorher nicht kannte, Schuhen, die außerdem noch das Barfußlaufen simulieren, einen 30km Trainingslauf angetreten haben soll. Vieles wirkt auf diese Art doch sehr konstruiert.
Auch bedient er mir zu oft nur Klischees. Sicher sind Klischees immer ein Teil der Wahrheit, aber als solche dann eben auch nicht besonders originell. Ich persönlich habe z.B. weder beim Halbmarathon, noch beim Marathon jemals unfreundliche Damen beim Medaillenverteilen erlebt. Auch nicht in der Stadt, wie Matthias Politycki, von der auch die wissen die niemals da waren, dass alle Taxifahrer unfreundlich sind.
Mir persönlich entpuppt sich sein "Wir" an zu vielen Stellen zu sehr als das "Bildzeitungs-Wir"

Es geht mir nicht darum, dass meine Erfahrungen und Antworten zum Thema Laufen andere sind, als die Matthias Polityckis. Ganz im Gegenteil. Aber was mir hier eröffnet wird ist leider wieder nur eine irgendwie, wie soll ich sagen, elitäre Weltsicht, die sich nicht aus ihrer Komfortzone traut.
Leistungsgesellschaftsgerede, bunte Schuhe, "Schwanzvergleiche". Geschieht denn wirklich auch das Laufen, wie scheinbar alles, was wir in unserer satten Selbstgefälligkeit tun, nur aus diesen gnadenlos banalen Motivationen heraus?
Ja, ich bin etwas ungerecht, das ein oder andere mehr kommt dann schon noch zur Sprache. Aber dennoch, bei mir bleibt nichts hängen. Auch der reine Unterhaltungswert erzeugt lediglich ein Achselzucken.


Die Nacht ist Leben: Autobiographie
Die Nacht ist Leben: Autobiographie
von Sven Marquardt
  Broschiert
Preis: EUR 14,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "I cast my vote upon this earth…, 30. April 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
take my place for what it's worth
hunger for a pair of eyes
to notice and to recognize''

Suzanne Vega, "Institution Green"(1990)

Ich gebe diesem Buch die fünf Sterne nicht deshalb, weil ich es für ein literarisches Meisterwerk halte. Es sind fünf Sterne für eine sehr gute und ehrliche Einschätzung der eigenen Person. Er ist gerecht mit der eigenen Vergangenheit.

Ohne Berührungspunkte kann man es sicher schnell, ja wohl sogar quer lesen, ohne dass viel dabei verloren geht. Es ist schon richtig, dass der ein oder andere, obwohl im "Hamsterrad", Tiefgründigeres und Spannenderes zu erzählen hätte, nur kennt denjenigen halt keiner. Bekanntheit entsteht am sichersten durch Äußerlichkeiten. So sollte man sich also auch nicht beschweren, dass nicht das Erwartete zum Vorschein kommt, wenn man dann doch mal an der Oberfläche kratzt.

Und es ist ja durchaus auch ein Zeitdokument. So kann man z.B. bei der Beschreibung der DDR, als ein Land der Nischen, in dem eigentlich jeder irgendwie in die ihm entsprechende abgetaucht ist, auf interessante Gedanken etwa über Zweckfreundschaften stoßen, die es vielleicht dann doch lohnen, tiefer einzudringen.

Auch denen, die etwas über das Berghain erfahren wollen, biete es eher wenig. Es ist tatsächlich dann am lesenswertesten, wenn es um Menschen geht, Freundschaften, Weggefährten. Mit dem Thema Türsteher gleitet es sogar ab. Es bekommt eine andere Sprache. Das geht soweit, dass vor allem die Episode über die Anfänge wirkt wie von einem anderen Autor verfasst.
Dennoch scheint er genau dort am richtigen Ort zu sein, denn als Einlasser ist er auch durch die, gleich im Prolog beschriebene Eigenschaft (sein "Abschiedig") intuitiv gut. Und mit dem, worin man intuitiv gut ist, ist man schließlich immer noch am nächsten bei sich selbst. Auch wenn man sich im richtigen Leben mit der Reaktion sich "abschiedig" abzuwenden nur für eine Beklemmung, um der Gefahr einer anderen Beklemmung zu entgehen, entscheidet.
Als Fotograf zwingt ihn genau diese Eigenschaft zur Inszenierung. Das Gutsein wird wesentlich schwieriger und aufwendiger, wie dann auch das Schreiben von Büchern.


Invisible Rays
Invisible Rays
Preis: EUR 31,23

5.0 von 5 Sternen "Panakustikum" der Geräuscherzeugung, 19. März 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Invisible Rays (Audio CD)
Der Drummer Morgan Ågren, Gitarrist Henry Kaiser und Trey Gunn (Touch Guitar und Bass) haben "Invisible Rays"
an nur einem Tag aufgenommen. Was dabei rausgekommen ist, verschiebt alle Grenzen herkömmlicher Musik.
Es ist lebendig, kantig, schwer, herausfordernd, komplex, mitreißend, überwältigend und vernichtend.
Hier sind drei geniale Musiker am Werk, die der von allen Zwängen befreiten intensiven Klangkunst frönen.
Großer Spaßfaktor für Musikhörer, die empfänglich sind für ausgefallene, technisch brillante Improvisationen.


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