Fashion Sale Hier klicken b2s Cloud Drive Photos Learn More Restposten Hier klicken Fire Shop Kindle PrimeMusic Summer Sale 16
Profil für Polygraph > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von Polygraph
Top-Rezensenten Rang: 2.016
Hilfreiche Bewertungen: 7231

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
Polygraph

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-20
pixel
Sing Loud, Sing Proud
Sing Loud, Sing Proud
Preis: EUR 9,49

3.0 von 5 Sternen Das ging schonmal deutlich besser, 22. August 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Sing Loud, Sing Proud (MP3-Download)
Ich bin zwar langjähriger Murphys-Fan, aber ich muss mich dennoch zu dem Geständnis durchringen, dass ich keines ihrer Alben wieder so abgefeiert habe, wie "The Warrior's Code". Natürlich ist es eigentlich nur normal, dass jede Band meistens nur ein tadelloses Kracheralbum in ihrer Diskographie hinbekommt, aber bei den DKMs kommt eben, dazu, dass sich, zumindest meiner Ansicht nach, mit zunehmendem Erfolg nach und nach die musikalischen Gewichte verschoben haben, und sich der Rotz im Getriebe von Album zu Album verringert hat – sprich: die Murphys wandelten sich langsam von einer Straßenpunk/Oi!-Band mit einigen Folk-Elementen zu einer Folkband mit einigen harmlosen Punkelementen: Sie schrieben (und schreiben) immer noch gute Songs, aber räudige, durchschlagende Kracher werden seltener.

Dieses langsame Zurückfahren komplexen Songwritings hat für mich mit "Sing Loud, Sing Proud" seinen Höhepunkt erreicht – was ja in gewisser Weise schon aus dem Titel hervorgeht. Es ist nach wie vor das Album das einfach nicht anwachsen will – also Intro gibt es einen Stadionchor, und damit wird gewisserweise schon die musikalische Grundlinie vorgegeben. Die Songs sind im weitesten Sinne auf Stimmung ausgerichtet, d.h. komplexe Melodien oder große Überraschungen sind nicht zu erwarten: Das Album bietet Punkrock von der Stange, nicht so schlecht, dass man ausschalten will, aber eben auch nichts, was man sofort noch einmal hören will – die Folk-Elemente sind hier unterrepräsentiert, wie auf keinem anderen DKM-Album - einzig ein blechernes Keyboard-Konservenflötchen lässt sich hier und da vernehmen, aber wirkt auch nicht sinnvoll in die Songstrukturen integriert, sondern eher wie ein musikalisches Abhaken für die Fangemeinde.

Statt knackigen Refrains wird einfach skandiert („For Boston, for Boston“ // „Which side are you own“) oder geschunkelt (Allein, dass hier der jahrhundertealte Kneipen-Evergreen „Wild Rover“ gecovert wurde spricht für sich) – das die Band ihr ruppig-lokalpatriotisches Arbeiterimage abgelegt hat, konnte ich ja noch akzeptieren (mit blutendem Herzen, wohlgemerkt), aber was hier vorgelegt wurde, ist ein ein bedenklicher Schritt in Richtung Bierzelt-Mucke.
Sogar die große Gelegenheit, mit einem gekonnten Cover von „Rocky Road to Dublin“ der Folkszene einen neuen Klassiker zu schenken, lassen die Jungs verstreichen – eine unmelodisch-primitive Hochgeschwindigkeitsnummer, die vielleicht gerade noch als improvisierter Rausschmeisser bei einem Konzert durchgehen würde, und das Original eher verschandelt, als weiterentwickelt.

Mit fest zugedrückten Augen gebe ich diesem Album gerade noch drei Sterne und halte es von allem was die Murphys gemacht haben, für das verzichtbarste – alle paar Monate nehme ich es aus dem Schrank und lasse es durchlaufen, aber da kommt einfach nichts. Daher zumindest von meiner Seite der gutgemeinte Rat – wenn ihr auf der Kippe zwischen zwei Alben steht, und nicht wisst, wofür ihr Euer Geld ausgeben sollt – mit „Sing Loud, Sing Proud“ verpasst man wirklich gar nichts.


Thirteen Tales from Urban Bohemia
Thirteen Tales from Urban Bohemia
Preis: EUR 7,99

5.0 von 5 Sternen Der Höhepunkt ihres Schaffens, 14. Juli 2016
Rezension bezieht sich auf: Thirteen Tales from Urban Bohemia (Audio CD)
Kann es schlecht für eine Band sein, ein bisschen Abstand vom Experimentieren zu nehmen und sich einem breiteren Publikum zu öffnen? Die meisten Hörer werden wahrscheinlich schon bei der Frage aus dem Fenster springen. Wenn es also, wie bei den Dandy Warhols, bedeudet, sich von gewöhnungsbedürftigen Klanglandschaften und minutenlangen Intros zu verabschieden, dann kann zumindest ich nichts schlechtes daran finden.

Jede Medaille hat zwei Seiten, und was für die einen der Ausverkauf und Schielen nach dem Massenmarkt bedeutet, ist für die anderen schlichtweg eine richtig schön eingängige Platte. Die DW haben das Wagnis geschafft, einen Kracher nach dem anderen einzuspielen, ohne sich dabei billigen Melodien anzubiedern. Experimente finden natürlich auch statt, diese betreffen aber eher einen wirklich bemerkenswerten Mix verschiedener Genre. Und was das Besondere ist: Jedes Experiment funktioniert: den Rahmen liefert wie üblich der bekannte Brit/Garage/Surf/Alternate-Rock und das charismatische Organ des Sängers - ansonsten finden sich Punk, Grunge und sogar Country.

Wer die DW kennen und lieben lernen will, ohne sich erst durch ihre etwas schwerer zugänglicherne Werke zu arbeiten kann sofort zugreifen, wer einfach nur eine Rockscheibe ohne auch nur einen einzelnen Durchhänger sucht, ebenfalls- hier zündet wirklich jeder Song gleich beim ersten Mal, und jede einzelne Nummer will man sofort noch einmal hören.
Eine Scheibe, die man nicht erst zwanzigmal Hören muss, bis es (vielleicht) Klick macht – eine Scheibe, die ich auch nach Jahren tatsächlich immer wieder gerne von vorne bis hinten durchhöre, und die ich sogar für die Mitnahme auf die berühmte Insel in Erwägung ziehen würde.
Fünf Sterne? Ich würde eher sagen: Mehr Sterne als es im Universum gibt - und ich beneide jeden, der sich dieses Album zum ersten Mal anhören wird.


Jurassic Park - Operation Genesis
Jurassic Park - Operation Genesis

5.0 von 5 Sternen Prallvolle, süchtigmachende Aufbausimulation, 11. Juli 2016
Es dürfte wohl keine Filmreihe geben, die öfter in Videospielen verwurstet wurde, als Jurassic Park ' Spiele für den GameBoy, Spiele für den SNES, Spiele für den MegaDrive, Genesis, Xbox, Playstation 2, für den PC - Shooter, Jagdsimulationen, Jump&Run, Adventure; ich habe eine Menge davon gespielt, und das meiste war (wie bei Filmlizenzen üblich) lieblos und mit niedrigem Aufwand produzierte Grütze. Ein Juwel in dieser Wüste gibt es allerdings ' und es ist ein sehr kurioser Zufall, dass eine der besten und originellsten Adaptionen der Lizenz weitgehend vergriffen ist, und zu einer absoluten Rarität wurde (zumindest für den PC). Operation Genesis ist gewissermaßen "Theme Jurassic Park" und kreuzt das Dino-Abenteuer mit einer Aufbausimulation ' eine großartige Idee, die noch besser umgesetzt wurde.

Jeder der ZooTycon oder Theme Park kennt, weiss was einen erwartet: Als Betreiber des Jurassic Parks hat man die Aufgabe einen funktionierenden prähistorischen Vergnügungspark aus dem Boden zu stampfen. Die Grundzüge sind dem Genrefan schon vertraut ' Wege ziehen, schöne Bäume pflanzen, Würstchenbuden, Toilettenhäuschen und Abfalleimer effektiv auf dem Areal verteilen etc. ' richtig spannend wird es dann aber bei der Züchtung und Gestaltung der Hauptattraktion, denn hier hat Operation Genesis den größten Originalitätsbonus.
Neben dem Aufbau des Parks betreut (und bezahlt) man mehrere Ausgrabungsteams, die den Park aus der Ferne mit den knöchernen Überbleibseln der dahingeschiedenen Großreptilien versorgen, aus denen man im Labor dann die eigentliche Spezies rekonstruiert. Das klingt nur nach einem Handgriff mehr, allerdings kann eine erfolgreiche Züchtung einer neuen Dinosaurierspezies erst nach Entschlüsselung von 50% einer neuen Genomsequenz erfolgen, d.h. man genug Fossilien zusammen hat, kann es bereits eine Zeit dauern; was dem Spiel bereits bevor es richtig losgeht eine gewisse Grundspannung und viele kleine Erfolgserlebnisse zufügt.

Hat man erstmal eine kleine Menagerie zusammen, beginnt das eigentliche Zuchtprogramm, und dem reinen wirtschaftlichen Grundzug kommt nun auch eine kleine (tier-)psychologische Komponente hinzu: Von den ca. 25 Spezies, die man züchten kann, hat wirklich jede einzelne ihre eigene "Persönlichkeit": es gibt große und kleine Gattungen, Pflanzen- und Fleischfresser; einige sind aggressiver als andere, manche kommen in kleinen Gehegen nicht klar, anderen ist es egal; einige sind eher friedlich, andere versuchen den Aufbruch oder beginnen sich sogar gegenseitig zu attackieren, wenn man nicht aufpassen (kleiner Tipp: Velociraptoren nicht zusammenhalten).
Die grafische Umsetzung ist dabei besonders liebevoll gelungen und beeindruckt auch nach zehn Jahren mit vielen kleinen Details: Die Dinos sind hervorragend animiert und bewegen sich realistisch, immer mal wieder kommt man gerade rechtzeitig vorbei, um sie bei einer unvorhergesehen Aktion zu beobachten (Reissen einer Ziege, Trinken aus dem Teich, und sogar (ja, tatsächlich) beim 'Reviermarkieren'. Jede Gattung gibt ihre eigenen Laute von sich, oder bewegt sich anders ' ein Albertosaurus hat tatsächlich ein anderes Wesen als ein Carchodontis; die Kameraführung ist dabei inuitiv und flüssig, auch beim Heranzoomen gibt es kein Nachpixeln.

Das Spiel liefert so viel, Mikro- und Makromanagement, dass man sich tatsächlich (ganz wie es bei einer gelungenen Simulation sein soll) Stundenlang in dieser Welt verlieren kann: Regulation von Eintrittspreisen, Bespaßen der Besucher, Stöbern auf dem Fossilienmarkt, Schutz bei Unwettern, Forschung von Impfstoffen (denn verschiedene Spezies sind anfällig für verschiedene Krankheiten) ' ein dutzend verschiedene Spielwiesen auf denen man sich versuchen kann; und wenn man gerade mal nichts zu tun hat, weil der Park von selbst läuft, kann man einfach die Sichtweise eines Aussichtsturms oder eines Besuchsjeeps annehmen und den eigenen Park in Echtzeit und Realgrafik aus Besucherperspektive bewundern.

Das Spiel hat seinen Klassikerstatus mehr als verdient und liefert sowohl eine gelungene Lizenzumsetzung als auch ein hervorragendes Exemplar der (mittlerweile ja fast ausgestorbenen) Gattung Aufbausimulation: Technisch und Grafisch gibt es rein gar nichts auszusetzen: keine langen Ladezeiten; dichte, fast meditative Atmosphäre und sogar die Originalmusik des Films darf man geniessen. Und der Clou: Da man immer nur eine bestimmte Anzahl verschiedener Fossilien erforschen kann, ist ein hoher Wiederspielwert gegeben, da man im nächsten Park dann ganz einfach mit neuen individuellen Dinospezies' ausstatten kann. Oder man beginnt eine der vielen Nebenmissionen, die das Spiel bereithält (Jagen, Fotografieren, Besucher retten etc.). Oder man öffnet einfach mal den Raptorenkäfig und geniesst das Gemetzel.

Mehr kann man von einer Aufbausimulation wirklich nicht verlangen ' von dem relativ hohen Preis, den ich für diesen vergriffenen Titel bezahlt habe, bereue ich keinen einzigen Cent.


Hellbilly Deluxe2
Hellbilly Deluxe2
Preis: EUR 14,82

3.0 von 5 Sternen Musik eines Mannes, der lieber Filme dreht, 8. Juli 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Hellbilly Deluxe2 (Audio CD)
Für mich markiert Hellbilly 2 die Trennlinie zwischen dem vor Ideen sprudelnden Tausendsassa der erst mit White Zombie seinen verdienten Platz in der Rockmusikgeschichte freikratzte und danach mit HB 1 und The Sinister Urge zwei Meilensteine hintereinander aus dem Ärmel geschüttet hat, und dem satten, desinteressierten "Universalkünstler", der sich jetzt aufs Filmemachen spezialisiert hat, und quasi nebenher immer mal wieder äußerst mäßige (und immer kürzere) Scheiben auf den Markt wirft (wobei man über die Qualität von Robs cinematischem Opus ebenfalls geteilter Meinung sein kann, ist aber eine andere Geschichte).

Man kann dieses Album also gewissermaßen als Trennlinie zwischen den beiden Abschnitten in Robs künstlerischer Biographie verstehen - und genauso klingt es auch: Wenn das Album gut ist, dann rockt es die Bude und man kommt aus dem Luftgitarrespielen gar nicht mehr raus (Werwolf Baby, WW-Woman of the SS), und wenn es schlecht ist, dann ist es wirklich grottenlangweilig (der überwiegende Rest) - einen Mittelfeld gibt es für mich kaum.
Das Album ist auch deutlich industriallastiger als die Vorgänger und dadurch (offenbar gewollt) deutlich weniger anspruchsvoll - viel Elektrogeschrammel, kaum Melodien, viele Verzerrer - das Album klingt rauer und weniger eingängig und rockig als die anderen Scheiben. Das ist nicht immer unbedingt schlecht - sehr häufig allerdings schon: Es gibt einfach viel zu viele unmelodisch-schrammelige Ausschussware, vieles nervt schon nach wenigen Sekunden - man merkt einfach, dass der Künstler kein Bock auf große Anstrengungen hatte, und nur schnell ein paar Soundschleifen aneinandergerreiht hat.Die wirklich sehr flachen Texte (Zwei Songs über Werwölfe, und ein Song, der allen Ernsters WHAT heisst) tun ihr übriges.

Ich bin im großen und ganzen enttäuscht von diesem Album, merke aber noch einmal an, dass sich hier auch das eine oder andere rockige Juwel verbirgt, und Fans von krudem Industrial durchaus auf ihre Kosten kommen könnten. Im Vergleich zu Robs früheren Großtaten markiert Hellbilly 2 aber wirklich einen deutlichen Qualitätsabsturz, und seitdem hat er zumindest mich nie wieder in ähnlicher Form begeistert.


The Boy
The Boy
DVD ~ Lauren Cohan
Preis: EUR 9,99

3 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Eine gute Idee gegen den Baum gefahren, 2. Juli 2016
Rezension bezieht sich auf: The Boy (DVD)
Der Trailer sah eigentlich sehr vielversprechend aus, und auch die in jeder Pressemitteilung wiederholte Prämisse - "Babysitter muss auf Puppe aufpassen" - klang erfrischend neu, und hatte etwas von der verstörenden Abgefahrenheit, die heute man eher vom japanischen als westlichen Horrorkino gewohnt ist.
Aus der reinen Blaupause hätte also durchaus etwas werden können, aber die Umsetzung, so wie sie jetzt vorliegt, taugt kaum etwas: Das fängt schon mit der sehr biederen Inszenierung an, dass die Babysitterin zu Beginn in ein riesiges Gespensterschloss gerufen wird, wie es sich Anno 2016 wohl kein Privatmensch in England mehr leisten kann. Das Enterieur besteht natürlich restlos aus Ritterrüstungen, Kronleuchtern, nervös machenden Ölgemälden - "THe Boy" will im 21. Jahrhundert spielen, aber von seinen mehr als unglaubwürdigen Kulissen ist er irgendwo im Spätviktorianismus steckengeblieben. Und dass es in dem Haus kein Internet gibt, versteht sich da von selbst, und dient dem ohnehin schon humpelnden Drehbuch als bequeme Rechtfertigung, auf sämtliche moderne Technologie, die heute jeder Teenager zur weltweiten Kontaktaufnahme mit sich führt, samt und sonders zu verzichten.

Man könnte darüber hinwegsehen und einfach nur diesen etwas betulichen Gruselstreifen genießen, aber auch vom weiteren Ablauf ist der Film nur ein Frankensteinmonstern aus altbekannten Versatzstücken - ein bisschen Getrappel draußen im Flur, eine Szene in der das Mädel den verlassenen Speicher betritt, die ich in abgewandelter Form schon öfter gesehen habe, als ich zählen kann, nicht eine, sondern zwei(!) Szenen, die sich als Traumsequenzen entpuppen (billiger kann man wirklich nicht mehr um Schockeffekte buhlen) und natürlich gibt es auch Jumpscares, die genau dann kommen, wenn man es am meisten vermutet.

Selbst seine Trumpfkarte, die unheimliche Puppe, gibt der Film viel zu schnell aus der Hand - unter einem besseren Regisseur hätte das Groteske dieser Situation (Zu Bett bringen, Umarmen, Frühstückmachen etc.) viel besser, viel verstörender inszeniert werden können, aber so bleibt es bei einer ca. 150 Jahre-Alten Antikporzellanpuppe, die ab und zu mal ihren Sitzplatz verändert, wenn die Kamera wegsieht - im Ernst: Chucky hat zwar schon 40 Jahre auf dem Buckel, aber die Puppensequenzen haben immer noch mehr Biss, als was uns The Boy vorgaukeln will.

Im Schlussakt wird es dann richtig bescheuert: Der Boyfriend der Babysitterin, von dem immer mal kurz die Rede war, taucht plötzlich auf, und die große Auflösung um das Rätsel der lebenden/nicht lebenden Puppe ist so schal und einfallslos, dass buchstäblich jeder(!) andere Einfall mehr rausgeholt hätte. Und natürlich wird, entgegen aller Logik und Vernunft, in der letzten Szene die Tür für eine Fortsetzung offengehalten.

Ich sage es noch einmal: Aus der reinen Grundidee und einem moderneren Setting hätte man aus The Boy einen wirklich guten Streifen machen können, aber die Produzenten haben wie immer auf Nummer Sicher gespielt, und lieber langweilige Dutzendware produziert, als mal etwas neues, verstörendes zu riskieren.

Ich gebe einen Stern, dafür dass der Film nicht komplett missglückt ist, aber schade um die versiebte Idee bleibt es in jedem Fall


Niklas Frank Der Vater Eine Abrechnung
Niklas Frank Der Vater Eine Abrechnung
von Niklas Frank
  Taschenbuch

5.0 von 5 Sternen Der ewige Sohn, 16. Juni 2016
Niklas Frank hasst seinen Vater und nur wenige Söhne könnten einen besseren Grund haben als er. Sein Vater Hans Frank, Generalgouverneur im besetzten Polen, repräsentiert den Typus des Nationalsozialisten, über den sich in Nürnberg die Psychologen den Kopf zerbrachen: Ein hochgebildeter, stilbewusster Bürgersohn und erfolgreicher Rechtsanwalt auf der einen Seite, und ein herzloser, karrieregeiler, eiskalter Gewaltmensch auf der anderen Seite.
Unter Hans Frank war Polen nicht viel mehr als eine deutsche Kolonie: Alles, was Land und Leute zu geben hatten, ging unmittelbar in das Reich über. Während die Bevölkerung hungerte und sich zu Tode schuftete, logierte Hans Frank, als selbsternannter "König von Polen" im Krakauer Schloss.
Das Buch des Sohnes ist als eine einzige Anklagerede an den Vater formuliert. Aus Briefen, Tagebüchern und anderen Dokumenten, rekonstruiert Niklas Frank den Weg seines Vaters, von der Anwaltskanzlei zur NSDAP und von dort direkt ins Generalgouvernement.
Von allen Seiten wird der Vater besichtigt und jede Zeile strotzt vor abgrundtiefer Verachtung.
Das arrogante Auftreten des Vaters, seine gewollt weltmännischen Allüren, seine kriecherische Haltung vor Hitler und seine superlativ-überladenen Reden; die kleinste Eigenheit wird vom Sohn mit quälender Genauigkeit vorgeführt um aus dem aufgeblasenen Bild des Vaters die Luft herauszulassen. Zwischen den Zeilen ist unschwer herauszulesen, dass der Autor ein schwer traumatisierter Mensch ist.

Die Kritik des Sohnes ist bisweilen ätzend und in seinem Hassrausch fällt er auch nicht selten in eine eher pubertäre Ausdrucksweise, trotzdem wird einem gerade bei diesem Buch, das wie in einem Zug geschrieben scheint, zum ersten Mal deutlich, was es bedeutet, der Sohn eines Nazi-Kriegsverbrechers zu sein, ein Teil eines Menschen zu sein, für den man nichts als abgrundtiefe Abscheu empfindet.
Die Niederschrift bietet für den Sohn keine Erlösung. Er hat sich von seinem Hass befreit - aber Hans Frank ist immer noch sein Vater. Und wird es bis an sein Lebensende bleiben.
Das ist der Verdienst dieses Buches- es verdeutlicht, dass es ein Band im Leben gibt, von dem man sich durch nichts und niemanden befreien kann: Blutsverwandtschaft.


Die schwarze Macht: Der »Islamische Staat« und die Strategen des Terrors - Ein SPIEGEL-Buch
Die schwarze Macht: Der »Islamische Staat« und die Strategen des Terrors - Ein SPIEGEL-Buch
von Christoph Reuter
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

2.0 von 5 Sternen Journalistischer Schnellschuss, 13. Juni 2016
Es gibt historisch-analytische Sachbücher, die oftmals Quellenstudium und mehrere Jahre analytische Betrachtung eines Sachverhalts benötigen, und es gibt reine Konjunktursachbücher, bei denen ein Auslandskorrespondent verfügbare Fakten über ein gerade relevantes Thema notdürftig zusammenklaubt um eine Lücke auf dem Buchmarkt zu schliessen. "Die Schwarze Macht" vom SPIEGEL-Verlag gehört leider eindeutig zu der zweiten Kategorie - ein schnell heruntergeschriebenes Strohfeuer für den "Bücherherbst" ohne tieferen oder nachhaltigen Erkenntnisgewinn.

Der Autor mag sich eine Menge über den IS angelesen haben, verpacken und es vermitteln kann er dieses Wissen nicht: Bereits die ersten drei Kapitel, in denen der Aufstieg des IS aus den Trümmern des Irak geschildert wird (präziser: geschildert werden soll), bleiben vorbeiziehender Wortnebel. Glaubt man diesem Buch, dann ist der aus drei Staatsgebieten geborene IS in weiten Teilen dadurch entstanden, dass einfach irgendjemand in ein Dorf kam und mit Hilfe von ein paar anderen die verbliebenen Institutionen "infiltriert" hat. Das große Ganze, die Hintergründe und Entwicklungen - all das, was man von einem erzählenden Journalisten eigentlich erwartet - werden nicht erkennbar, es bleibt bei der reinen Nacherzählung.

Eigenes Fachwissen des Autors ist dabei kaum spürbar, es gibt nichts was einen wirklich überrascht, oder was man nicht schon einmal irgendwo anders gelesen hätte; statt Primärquellen und Rekonstruktionsarbeit zitiert der Autor größtenteils aus den Publikationen irgendwelcher ThinkTanks; statt eigener kulturell-religiöser Analysen, beruft er sich immer wieder auf diesen oder jenen "Sicherheitsexperten" (was auch immer so eine Person sein soll).

Kein schlüssiges Panorama entsteht; einen historisch-narrativen Bogen, durch dem einem die (Vor-)Geschichte des IS ja erst klar würde, sucht man vergeblich - stattdessen nur Akkumulation von Daten, Namen und Abkürzungen, die einem in Buchform auch nicht klarer werden, als in der Zeitung: Peshmerga und PKK, Nusra-Front und Sahwa-Milizen, "Stämme von Deir ez-Zor" und Einheiten, die "von Kafr Nasee [?] auf Tal Rifaat [???] vorrücken"' Das alles ist nichts als Druckerschwärze - angelesen statt selbst rekonstruiert. Wie und warum ein ISLAMISCHER STAAT quasi aus dem Nichts mit Gesetzen, Binnenwirtschaft, eigener Polizei und Medien entstehen konnte bleibt komplett unklar. Stattdessen grenzt die Faktenhuberei des Autors, der den Protagonisten des IS auf Teufel komm raus keine Konturen verleihen kann (das Buch hat weder Fotos noch detaillierte Karten) streckenweise an Realsatire: "In Anbar lernt Hischam al-Haschi dann Abu Musab al Zarqawi kennen" - na sowas.

Trotz dieser Mischung aus Einhämmerei und bedenklicher Langeweile hätte ich unterm Strich noch drei Sterne gegeben - Ehrenrettung war insbesondere das recht informative Kapitel 'Nordkorea in Arabien' in dem eine Innenansicht des IS und seiner Bewohner geliefert wird. Warum ich dann aber doch einen letzten Stern abziehe, liegt daran, dass dieses von einem Printjournalisten(!) verfasste Buch in weiten Teilen wirklich erschreckend schludrig geschrieben ist. Stilistische Wurschtigkeiten oder (im SPIEGEL immer gern verwendete) schnoddrige Punchlines finden sich in jedem Kapitel - und ab einer bestimmten Anzahl muss man wirklich kein Sprachpedant sein, um sich darüber zu ärgern:

Da sieht ein Flughafen mal aus "wie die Vielfliegerlobby von Al Qaida" ; da beginnt ein Absatz mal mit "Wie so oft begann es mit einer Zigarette" (so beginnt vielleicht ein Sechzehnjähriger seine erste Kurzgeschichte, aber kein seriöser Erzähler), Charlie Hebdo ist das "respektloseste" Satiremagazin (kann man '-los' steigern? "-los", "-loser", "am 'losesten"?), die 1400 Jahre alte Aufspaltung des Islams in Sunniten und Schiiten wird allen Ernstes als "Konkurrenz" bezeichnet - und in einem wirklich bedenklichen Fehlgriff lässt es sich der Verfasser nicht nehmen, Mädchen aus konservativ-islamischen Elternhäusern an einer Stelle als "verhuschte Schleiereulen" (S.266) zu bezeichnen. So jemand schreibt (und veröffentlicht) mit Rückendeckung des SPIEGEL-Verlags - man stelle sich mal vor, Thilo Sarrazin hätte soetwas gesagt.

Damit bleibt dieses Buch leider bestenfalls belanglos, schlimmstenfalls direkt ärgerlich. Hier wollte offenbar ein Zeitungshaus vorpreschen und die erste kompakte Analyse zum IS liefern, aber davon ist dieses Buch inhaltlich und stilistisch meilenweit entfernt: Statt Fakten gibt es Namedropping, statt stichhaltiger Analyse feuilletonistisches Gerede um den heissen Brei. Noch zwei Seiten vor Schluss lässt uns der Verfasser wissen: "Es steht zu vermuten, dass das nicht genutzte Terrorpotential des IS groß ist" (welch eine Erkenntnis ), und im letzten Absatz zieht der Autor kein analytisches Fazit sondern begnügt sich damit, eine anonyme Quelle zu zitieren, die sinngemäß sagt, dass islamischer Terrorismus nichts weiter sei, als (gähn) "Machtmissbrauch im Namen Gottes" sei, und die Menschen der Welt diese Gewalt nun einfach "durchleben" müssten, bis die Moslems der Welt irgendwann von selbst wieder zur Besinnung kommen werden.

An diesem 12.06.2016. an dem ich das Buch beendet habe und diese Rezension schreibe, hat Omar Mir Mateen mit einem Maschinengewehr einen Schwulenclub in Florida betreten und 50 Menschen erschossen, die er nie zuvor gesehen hat - an einem solchen Tag (und auch schon davor) wirkt ein solches Statement wie blanker Hohn.

Ganz zum Schluss möchte ich noch auf (gerade für eine SPIEGEL-Publikation) doch recht überraschenden Umstand hinweisen, dass der Autor in einem Kapitel das Königshaus Jordanien lobt, welches bis dato keine Terrorangriffe und auch keine IS-Infiltration zu verzeichnen habe. Warum das so ist? Das Land "vermag es auch vier Jahre nach der Krise seine Grenze penibel zu sichern."
Ein solcher Satz sollte zu Denken geben...


Graveyard Classis IV-Number of the Priest
Graveyard Classis IV-Number of the Priest
Preis: EUR 16,99

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Nicht aufgehört, als es am schönsten war, 8. Juni 2016
Ich bin einer der wenigen, die tatsächlich jedem einzelnen GraveyardClasiscs etwas abgewinnen konnten, auch wenn sie wirklich von Mal zu Mal schlechter wurden. Das erste hatte noch den Party- und Humorbonus (und, meine Fresse, „In League with Satan“ war einfach böser und härter als Venoms punkiges Original), auch die AC/DC-Verwurstung höre ich immer wieder gerne, quasi als groovende Ergänzung zu einer der besten HardRock-Scheiben in der Historie – und ja, selbst auf der dritten Scheibe habe ich immer noch genug Perlen gefunden, deren härtere Neueinspielung dem Original doch manchmal ebenbürtig, wenn nicht sogar überlegen war ("Not Fragile").
Das wichtigste war, dass SFU die Songs nicht einfach nur verhackstückt und zu primitiven Headbang-Geschrammel umfunktioniert haben, wie das andere Combos gerne tun. Ich war also durchaus aufgeschlossen für weitere Grave.Class-Scheiben, denn für mich war da immer noch Potential.

Und dann kam Graveyard Classics IV – und hier hat die Masse zum ersten Mal recht. Im ganzen Internet hat die Scheibe für Entsetzen gesorgt, und diesmal schliesse ich mich nahtlos an: Was hier fabriziert wurde, hat nicht nur nichts mehr mit augenzwinkernden DeathMetal-Covern zu tun, die dem Song vielleicht doch eine neue Dimension hinzugefügt haben, es hat auch gar nichts mehr mit den Spielkünsten früher SFU-Scheiben zu tun.
Die Scheibe ist von vorne bis hinten so unmelodisch und primitiv, dass ich sie mir wirklich nur Song für Song anhören konnte – und selbst das nur mit zusammengebissenen Zähnen. Gitarren und Bässe sind mittlerweile oweit runtergestimmt, dass wirklich kaum mehr ein Melodiebogen zu erkennen ist - kein Funken Originalität, gar nichts mehr von der rauhen Energie und dem Mitwippfaktor von früher Und auch was Chris Barnes hier fabriziert klingt nicht mehr nach Growlen und Grunzen sondern eher nach dem Stimmverzerrer aus den Scream-Filmen – er rotzt und keucht gepresst und monoton über das schwache Gerumpel im Hintergrund und macht damit die Katastrophe komplett. Allein was hier aus Iron Maidens "Stranger in a Strangeland" und dem wunderbar-operesken „The Evil that Men Do“ gemacht wurde, ist schlichtweg eine Katastrophe und Geschmacklosigkeit sondergleichen und würde jeder Amateur-Realschulband um die Ohren gehauen werden, wenn sie die Cojones hätte, soetwas einem Plattenlabel anzubieten.

Minus fünfhundert Sterne – grauenhaft von der ersten bis zur letzten Note: Und neben der berechtigten Ohrfeigen für SFU die das hier fabriziert haben, verdienen auch Metal Blade Records eine Tracht Prügel – denn dass sich hier eines der ehrwürdigsten Genrelabels dieses Album angehört, und zur Veröffentlichung geeignet befunden hat, hinterlässt einen wirklich mehr als bitteren Nachgeschmack.


The American Dream Died
The American Dream Died
Preis: EUR 10,99

2 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Ein Schatten ihrer Selbst, 6. Juni 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: The American Dream Died (Audio CD)
Wer will noch mal, wer hat noch nicht? Geht es mit dem Soziologie- und Genderstudium nicht recht voran? Reicht das BaFög nicht mehr für die wöchentlichen Appletinis? Dann herzlich willkommen zu unserem Lehrgang zur Herstellung eines "gesellschaftskritischen Hardcore-Albums", mit dem auch Sie, lieber Leser, sofort Erfolg haben werden, ganz egal, ob sie überhaupt ein Instrument beherrschen oder nicht. Als Anschauungsmaterial sehen, dient uns dabei dieser Tiefpunkt in der Agnostic Front-Diskographie:

Schritt 1: Der Albumtitel.
Für unser Opus suchen wir uns einen griffigen Namen, der in den letzten fünfzig Jahren nur von ca. siebenhundert anderen Bands in verschiedenen Variationen verwendet wurde ("The End of The American Dream' / "The Death of the American Dream" / "The American Dream is Dead" / "The American Dream has been Destroyed" / "The American Dream is over" / "The American Dream is a lie" und jetzt halt (hui) "The American died" ' Mann, dieser amerikanische Traum muss ja verdammt zäh sein, dass er schon seit fünfzig Jahren stirbt)

Schritt 2: Das Songwriting
Wir spielen Hardcore, Baby - Gitarrenriffe, Refrains und ein genereller Wiedererkennungswert sind was für Mainstream-Poser. Also schrammeln Sie einfach ohne Plan und Konzept drauflos, unterlegen sie das mit einem langweiligen, immer gleichen Schlagzeug-Stakkato und portionieren Sie das Ergebnis danach bequem in 90-Sekunden-Teile. Das sind dann ihre "Songs - dass bei so einer Herangehensweise vieles natürlich austauschbar oder sogar komplett gleich klingt (einfach mal den Titeltrack mit "Social Justice" ' vergleichen) und manche (ähem) Songs nicht mal eine Minute lang sind sollte sie dabei nicht stören ' jeder der Sie dafür kritisiert ist nur ein Weichei, versteht ihre harte, ungezügelte Hardcore-Wut nicht und soll am besten wieder BravoHits hören.
(Was war das? Es gibt auch Hardcore-Bands, wie z.B. Sheer Terror, The Suicidal Tendencies oder The Bronx, die bahnbrechende Härte mit knackigen Refrains oder (KEUCH) Melodien verknüpfen können? Alles Poser, sagen ich Ihnen...)

Schritt 3. Lyrics
Kommen wir zum einfachsten Teil, denn nun müssen sie sich hinter dem Mikro einfach nur noch ein bisschen über gesellschaftliche Missstände auslassen. Das klingt erstmal etwas einschüchternd, ist aber eigentlich ganz einfach, denn auch wenn Sie aber noch nie in Ihrem Leben eine Zeitung gelesen haben, können Sie auch einfach nur ohne sinnvolle Einbettung abgegriffene Schlagwörter aneinanderreihen, die man ansonsten eher begleitet von fünfzig Ausrufezeichnen auf Twitter findet. Hören Sie sich nur mal den ersten Song an: da reimt sich gleich in der ersten Strophe "Multinational Corporation" auf "Social System Degradation" ' und dann sogar noch auf "Military World Domination" und "Nuclear Contamination" und zum Schluss dann sogar noch auf (Trommelwirbel) "NATURAL RESOURCE EXPLOITATION" ' Mann, wer will da noch behaupten, eine Steuererklärung kann man nicht auf einem Bierdeckel machen?

Falleri-Fallera: Fertig ist unser "gesellschaftskritisches Hardcorealbum" . Das ganze packen Sie dann in einen Umschlag und schicken ihn mit besten Grüßen an die Piratenpartei, die das Ganze mit Sicherheit gerne auf ihrem Parteitag spielen wird.
_____
So, und nun mal Spaß beiseite: Was AF hier auf den Markt geworfen haben, ist nicht weniger als eine große Peinlichkeit. Ich gebe einen Stern für das kongenial-kraftstrotzende "Never Walk Alone", bei dem tatsächlich die alten Zeiten anklingen und bei dem man am liebsten einen fünfzig-Kilo-Sandsack mit bloßen Fäusten zu Staub prügeln würde ' aber ansonsten sieht es mehr als finster aus: Statt echter Sozialkritik werden uns abgegriffenen Politplatitütden um die Ohren gehauen, die man sich nicht mal auf ein T-Shirt drucken lassen würde, statt echter Härte gibt es melodiefreie Primitivität. Lange Rede kurzer Sinn: Die großen Agnostic Front, die in ihren wilden Tagen ein ruppig-patriotisches Arbeiterimage gepflegt haben, die keiner Kontroverse aus dem Weg gegangen sind, und sich ohne mit der Wimper zu zucken auf ihrem Debüt mit dem politkorrekten Establishment angelegt haben, in dem sie wütend gegen all jene ansangen, die sich von der Sozialhilfe aushalten lassen, während der integre Malocher von der Straße in der Fabrik schuftet um seine Familie zu ernähren ' diese Männer haben sich nun bei pubertären Krawallmachern der Marke GreenDay eingereiht, die pickeligen Wohlstandskindern den Soundtrack zur politischen Halbstarkenphase liefern und dafür Goldene Schallplatten kassieren.

Oder wie soll man sich sonst erklären, dass dieselben Männer sich im Jahr 2015 in ihren Lyrics allen Ernstes über Gentrifizierung Sorgen machen, die Polizei beschimpfen oder uns - endgültig auf der Höhe ihrer politökonomischen Analysefähigkeit angekommen - die größte Flachheit um die Ohren hauen, seit es Stoßstangenaufkleber gibt: "The Rich Get Richer - The Poor get Poorer".

Solche Ergüsse haben rein gar nichts mit berechtigter Empörung über soziale Missstände zu tun, sondern sind schlicht und ergreifend nachgeplapperte Schlagwörter. Mit diesem Album wollte sich die Band ganz eindeutig der Occupy-Fraktion anbiedern, die sich ihre Che-Guevara-TShirts von Mutti bügeln lässt, ihre politische Bildung in erster Linie von Tumblr und Twitter bezieht, noch nie in ihrem Leben eine Steuererklärung ausgefüllt hat, aber schon genau darüber bescheid weiss, dass wir "vom System" ausgebeutet werden.
Na dann - Prost Mahlzeit.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 21, 2016 12:15 PM MEST


Schmutzige Liebe runderneuert
Schmutzige Liebe runderneuert
Preis: EUR 18,99

5.0 von 5 Sternen Ab zum Grand Prix mit ihnen - und zwar sofort!, 3. Juni 2016
Rezension bezieht sich auf: Schmutzige Liebe runderneuert (Audio CD)
Auf meinem Interessenradar liegen deutsche Bands eigentlich normalerweise sehr, sehr weit am äußeren Rand, aber was uns hier aus Hamburg um die Ohren geworfen wird, verdient einen Kniefall. Weg mit Lena Meyer-Irgendwie, und diesen ganzen anderen Witzfiguren, die beim GrandPrix seit Jahren verlässlich Null Punkte kassieren - schickt diese Jungs und wir gewinnen zehnmal Platin. Das ist Musik, bei dem es niemand im Sessel aushält, bei dem selbst Komapatienten wieder fit werden: feinster erdiger, whiskeygetränkter Bluesrock, dem die Coolness aus allen Poren sickert, melodische Gitarrenbretter, die einen buchstäblich vor Verzücken in die Hände klatschen lassen, ein großartiger Refrain nach dem anderen, dazu ein heissblütiger, keifiger Sänger, der in einer halben Sekunde von Null auf Hundert geht (schon bei Fluchtwagenfahrer geht die Post ab) und - das ist das Wichtigste - humorige, niemals peinliche Texte, bei denen die Reime nicht von einem Computerprogramm erstellt wurden.

Daher spare ich mir sämtliche weiteren Lobhudeleien und sage: Fünfhundert von fünf Sterne und eine meiner Entdeckungen des Jahres 2016 - danke OhrenfeindT! Danke, dass ihr zeigt, dass aus Deutschland auch echter schweinischer Straßenrock kommt!


Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-20