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Beiträge von Lilalu
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Rezensionen verfasst von
Lilalu

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Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-20
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Die Liebe zum Regen: Roman
Die Liebe zum Regen: Roman
von Claire Hoffmann
  Broschiert
Preis: EUR 14,99

1.0 von 5 Sternen Chance vertan!, 24. September 2017
Rezension bezieht sich auf: Die Liebe zum Regen: Roman (Broschiert)
Nach Lesen des Klappentextes hatte ich mich auf das Buch gefreut: Endlich mal ein Roman über eine Frau jenseits der 30 oder 40, die nochmal was Neues in ihr Leben lassen möchte. Außerdem erinnerte mich der Plot an meine Großmutter, die auch immer als Granny-Nanny nach England gehen und dort in einer Familie leben wollte.
Zunächst fing das ja auch alles ganz gut an - die Protagonistin Vera wird dem Leser als etwas schrullige, verpeilte, auch etwas lebensfremde Frau vorgestellt, die sich bisher - sieht man mal davon ab, dass sie einen etwas unempathischen Ehemann mit dem schauerlichen Namen Gernot geheiratet hat - kaum den Unbillen des Lebens stellen musste. Vera lebt ihr spießiges, gesetteltes und finanziell unbeschwertes Leben an der Seite ihres Mannes, sie hat sich das Denken abgewöhnt (oder hat sich vielleicht auch nie darum bemüht), und eigentlich könnte alles ganz nett sein, wenn Vera nicht immer wieder von seltsamen körperlichen Zuständen heimgesucht würde, die sie müde und leicht benommen machen. Doch, der Einstieg ins Buch war gar nicht so schlecht.
Leider läuft das ganze dann aber recht schnell gegen die Wand, und zwar so dermaßen brachial, dass man sich als Leser fast schon verschaukelt vorkommt, Dieser Roman ist eine Beleidigung an meine Intelligenz, das muss ich leider so sagen, denn was eigentlich eine gute Idee wäre - eine Frau jenseits der 50 geht als Au-Pair nach England - ist tatsächlich so grottenschlecht, so platt und so slapstickartig runtererzählt worden, dass man sich wirklich an den Kopf fassen muss!
In diesem Buch stimmt gar nichts, und es passt gar nichts zusammen, und diese Vera ist so dermaßen doof und unterbelichtet, dass man es kaum aushalten kann. Im einen Moment "fühlt sie sich kühn" und zieht eine scheußliche lilafarbene Bluse an, um sich 2 Zeilen später klein und weinerlich zu fühlen - diese ständigen Widersprüche muss man als Leser nahezu bei allen Personen aushalten und einsortieren; auch Zoe geht "glücklich in ihren Kindergarten", um im nächsten Moment bitterlich weinend vor demselben zu stehen - da ist keine der Figuren mit Feingefühl oder Liebe gezeichnet, da werden nur Aktionen aneinandergereiht, die sämtliche Protagonisten komplett unglaubwürdig erscheinen lassen.
Und dass Vera nicht schnallt, was mit der Mutter der Kinder, auf die sie in England aufpasst, wirklich passiert ist, das spricht auch dafür, wie schafsartig sie ist, und es zeigt einmal mehr, dass die Autorin wohl irgendwie damit rechnete, die Leser ihres Romans seien genauso deppert wie ihre Hauptfigur, denn hätte sie mit intelligenten Lesern gerechnet, dann hätte sie doch nicht solch einen Quark fabriziert.
Auch das Lektorat hatte wohl nicht seine allerbesten Tage - wenn ich lesen muss, dass jemand "seelig" lächelt, dann gruselt es mich!
Fazit: Eines der schlechtesten, unkreativsten, lieblosesten Bücher, das ich bisher in diesem Jahr gelesen habe!


Das Mädchen im Strom: Roman
Das Mädchen im Strom: Roman
von Sabine Bode
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 20,00

2.0 von 5 Sternen Letztlich leider banal, 13. September 2017
Die ersten 100 Seiten dieses Romans fand ich toll! Da konnte man richtig eintauchen in die Familiengeschichte der Samuels, man konnte teilhaben am rebellischen, unangepassten Charakter des Mädchens Gudrun und an der Liebesgeschichte, die Gudrun mit ihrem Freund Martin verbindet. Sicher - auch im ersten Drittel des Romans wunderte ich mich etwas darüber, dass ein 13jähriges Mädchen zu Beginn der 1930er Jahre pausenlos Zigaretten qualmt und das niemanden groß zu stören scheint, und ich wunderte mich auch - einmal mehr - darüber, dass bereits auf Seite 17 einer der gängigsten Fehler in Bezug auf Juden in Deutschland zu lesen ist: Da steht nämlich "Dass er Jude war, empfand er als eine eher zufällige Zugehörigkeit, die sein Herz nicht berührte. Er war Deutscher!" Das ist ja bis heute eines der größten Missverständnisse überhaupt, dass viele Menschen die Zugehörigkeit zu einem Staat mit der Zugehörigkeit zu einer Religion gleichzusetzen scheinen, und leider sitzt Sabine Bode diesem Irrtum - wie so viele andere -mit diesem Satz auch auf. Niemand würde doch z. B. schreiben "Er war deutscher Christ." Oder: "Er war christlicher Deutscher!" Bei Menschen jüdischen Glaubens setzt man aber oft den Glauben mit der Nationalität gleich, dabei schließt das eine das andere doch nicht aus, man muss es also nicht extra erwähnen. Ich erinnere mich noch gut an den peinlichen Satz eines CDU-Kanzlers, der zu - ich glaube, es war Ignatz Bubis - sagte: "Woher können Sie eigentlich so gut Deutsch?" Latenter Antisemitismus zeigt sich in genau solchen Sätzen.
Dennoch: Ich freute mich beim Lesen der ersten Seiten dieses Romans auf ein richtig tolles Buch - und wurde so bitter enttäuscht.
Nach den ersten ca. 150 Seiten geht nämlich ein regelrechter Riss durch die Erzählung, alles wird holpernd und hektisch runtererzählt, plötzlich greift auch logisch nicht mehr alles ineinander, manchmal kapiert man gar nicht, was wer wo jetzt zu wem und weshalb gesagt hat.
Sabine Bode hat sich einen Namen durch ihre Sachbücher über die Traumata der Kriegskinder gemacht - und sie hätte beim Sachbuch bleiben sollen, von mir aus hätte sie auch eine Biografie in Sachbuchformat über jene Gudrun, die es ja wohl wirklich unter anderem Namen gegeben hat, schreiben können, denn: Die Romanform liegt ihr nicht! Das erste Romandrittel ist ihr zwar wirklich gut gelungen, aber danach reiht sie nur noch Lebensdaten und Orte und Personen aneinander, da "lebt" nichts mehr, da schwingt nichts, Unwichtiges wird endlos breit getreten, um dann aber im Nirwana der Informationsflut zu versickern, so dass man sich als Leser fragt, warum diese Bagatellen dann aber seitenlang so viel Aufmerksamkeit erfahren haben, während Wichtiges eher oberflächlich abgetan und zu einer schlammigen Masse zusammengedampft wird. Die Person der Gudrun/Judy (auch der Wechsel der beiden Namen geschieht übergangslos - manchmal ist auf ein und derselben Seite von "Gudrun" die Rede, während im nächsten Satz über "Judy" geschrieben wird) bleibt seltsam leer und äußerlich, und wenn eines der größeren Kapitel am Ende mit "Dilemma" überschrieben ist, in dem Gudrun/Judy dem Gestapo-Mann, der sie damals mehrere Monate und fast jeden Tag verhört hat, wieder begegnet und sich dieser von Gudrun/Judy für seinen demnächst zu erwartenden Prozess eine positive Zeugenaussage von ihr erhofft, weil er sie damals im Arrest ja anständig behandelt habe, dann nimmt man ausgerechnet Gudrun/Judy dieses angebliche "Dilemma" eben nicht ab. Gudrun/Judy neigt nicht zu Dilemmata, sie schwankt selten, kämpft selten mit Entscheidungen - auch, wenn die Autorin immer wieder beschwört, dass ihre Protagonistin starken Depressionen unterworfen sei - es wirkt leider nicht authentisch.
Einzelne Begebenheiten klingen für mich auch nicht ganz glaubwürdig - kann sein, dass die Damen - wie auf Seite 187 beschrieben - im Shanghaier Ghetto Seidenstrümpfe und Pumps trugen, ich glaube es aber eher nicht. Kann sein, dass es im Shanghaier Ghetto auch Kühlschränke gab - irgendwie glaube ich auch das aber nicht ganz. Und diese kleine Episode mit Anne Frank und der Vase, die ist schon ganz arg kitschig und auch für mich nicht zu glauben.
Etwas irritierend fand ich auch dieses übersinnliche Gespons, das sich durch den Roman zieht - erst in Person einer gewissen Lisa, einer Russin, die das zweite Gesicht zu haben scheint und Lebensereignisse anderer Menschen punktgenau vorhersagen und erahnen kann, und später dann in Gestalt eines nicht näher benannten Hellsehers, der Gudrun/Judy nur sagen muss, sie solle in die und die Straße gehen, und dort fände sie dann, was sie sucht - und zack!, genauso geschieht es dann. Naja.
Generell stört mich auch die Ungenauigkeit der Erzählweise: So richtig weiß man nie, in welchem Jahr man sich nun gerade befindet, wie alt jeweils die Protagonisten genau sind (erst gegen Ende wird die Autorin hier konkreter) und wie überhaupt alles miteinander verknotet ist und entsteht. Es reicht halt nicht, immer mal wieder zu schreiben, dass "... ein Kontaktmann aus Shanghai die Verbindung zu einem Mann aus Macao herstellte, und der organisiert ein Boot, und dann kam da noch ein Norweger" und so weiter und so fort. Das ist irgendwie schlampig und wenig nachvollziehbar, und diese ganzen Namen all der Leute, die da plötzlich auftauchen, wieder verschwinden, Jahre später plötzlich wieder auftauchen - die kann sich kein Mensch merken, die sind auch meist wenig interessant.
Es ist sehr schade um diese vertane Chance! Ich glaube, mit etwas mehr Liebe zu ihren Figuren, auch mit etwas mehr Empathie beim Schreiben, vielleicht auch mit dem Mut, ein paar unwichtige Personen wegzulassen, dafür bei den wichtigen Personen mehr zuzulassen, hätte sich die Autorin bei mir sehr viel mehr Sterne abholen können. Leider ist - in meinen Augen - nach gutem Beginn aber ein eher schwaches, auch banales Buch zurückgeblieben. Eine andere Rezensentin bemerkt sehr richtig, dass es sich beim vorliegenden Roman um ein "unzugängliches" Werk handele - ich würde dem noch hinzufügen wollen, dass ich das Buch nicht nur "unzugänglich", sondern traurigerweise auch "unzulänglich" empfinde.
Der beste Satz des Romans sei hier am Ende nochmal erwähnt: "Wie soll man verzeihen, wenn niemand bereut?" Das ist ein großer Satz, über den es sich nachzudenken lohnt. Ansonsten wird das Buch in mir nicht nachhallen. Leider!


Nicht mit mir: Roman
Nicht mit mir: Roman
von Per Petterson
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Irgendwie unrund, 6. September 2017
Rezension bezieht sich auf: Nicht mit mir: Roman (Gebundene Ausgabe)
Der erste Teil des Buches hat mir sehr gut gefallen. Die Sprache ist eigen. und einzigartig: Auf gewisse Weise distanziert, kühl, eher beschreibend, wenig Nähe aufkommen lassend - und dennoch vermag die erzählte Geschichte zu berühren, auch wenn man diese in sich verschachtelten Zeitsprünge, die der Autor - in meinen Augen - etwas künstlich bemüht, immer aufs Neue zusammenklauben muss.
In diesem Teil ist es ein Roman übers Erwachsenwerden im Angesicht des bereits Verfallenden - und das hat mir wirklich gut gefallen.
Ab dem zweiten Teil tat ich mir dann schwer mit dem Roman, ich brauchte dann auch mehrere Anläufe, um das Buch zu Ende zu bringen, und ich habe sehr wohl verstanden, wie es jeweils mit verschiedenen Personen in diesem Roman weiterging, ich habe auch verstanden, dass irgendwie alle Protagonisten schrecklich unglücklich vor sich hin leben und irgendwie alle in den Träumen ihrer jeweiligen Kindheiten verfangen sind, aber ich gebe zu, dass ich nicht verstehe, was der Autor mir damit sagen will. Und vielleicht bin ich zu doof, aber ich verstehe auch diese angeblich so wichtige Szene auf dem zugefrorenen See nicht wirklich. Was ist da genau passiert? Hab ich da was Entscheidendes verpasst? Oder symbolisiert diese Szene einfach das Ende von etwas, das Ende der Kindheit, das Ende der Unschuld? Keine Ahnung.
Ich hatte immer noch gehofft, diese Frage würde sich im Verlauf der Geschichte klären lassen, aber ich hoffte vergeblich, und somit bleibt mir am Ende dieses Buches zu sagen, dass ich den Schreibstil ungewöhnlich, teilweise auch ungewöhnlich gut! fand, dass ich den Roman insgesamt aber nur als mittelmäßig einstufen würde, weil er mir insgesamt zu viele Fragen aufwirft, zu viele Schicksale und Begebenheiten nur anreißt, ohne etwas davon wirklich fertig zu erzählen. Bei mir blieb nach Zuklappen des Buches ein etwas unbefriedigendes Gefühl zurück. Leider - nach diesem wirklich schönen ersten Teil.


Mit Feengeist und Zauberpuste: Zauberhaftes Arbeiten in Pädagogik und Therapie
Mit Feengeist und Zauberpuste: Zauberhaftes Arbeiten in Pädagogik und Therapie
von Anna-Elisabeth Neumeyer
  Taschenbuch
Preis: EUR 17,90

4.0 von 5 Sternen Zauberlehrlinge, 5. September 2017
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Das ist ein schönes, leicht zu lesendes und nicht zu umfangreiches Buch für die Praxis, in dem es nicht darum geht, Zaubertrick an Zaubertrick zu reihen, sondern in dem vielmehr die tiefere, therapeutische Dimension, die das Zaubern in der pädagogischen Arbeit haben kann, aufgezeigt wird.
Man spürt, dass die Autorin aus der Praxis kommt, dass sie viel Erfahrung mit unterschiedlichen Klienten hat - und dass sie selbst begeistert ist von der Möglichkeit, ratsuchende Menschen zu "verzaubern". Sie schreibt mit viel Enthusiasmus, man bekommt beim Lesen richtig Lust darauf, eines ihrer Seminare zu besuchen, weil allein schon ihre Schreibweise lebensvoll und lebensklug ist.
Allerdings ergeht sich das Buch irgendwann dann doch in vielen Wiederholungen, und auch wenn die einzelnen Überschriften scheinbar immer eine andere Bezugsklientel beinhalten ("Zaubern im Kindergarten", "Zaubern mit behinderten Menschen", "Heilpädagogisches Zaubern" etc.), so wird doch letzten Endes in jedem Kapitel immer dasselbe erzählt. Dass der Selbstwert von selbstunsicheren oder auch "problematischen" Kindern durch das Mitwirken an Zauberkunststücken und/oder durch das Selber-Zaubern nachhaltig gestärkt wird, das hat der Leser schon lange verstanden und verinnerlicht, das muss eigentlich nicht auf jeder zweiten Seite nochmal eigens erwähnt werden.
Auch die Darstellung der Zaubertricks (einige davon sind eigentlich keine Tricks, sondern eher Körperübungen) finde ich persönlich nicht so sehr gelungen. Alles ist recht unübersichtlich gelayoutet - es wäre vielleicht ansprechender gewesen, bei den Schritt-für-Schritt-Erklärungen Spiegelstriche und dahinter immer eine kleine Skizze oder Abbildung zur Veranschaulichung der einzelnen Schritte zu setzen, anstatt die Tricks im Fließtext vorzustellen und dann auf einer weiteren Seite sämtliche Handbewegungen zu skizzieren, ohne dass recht ersichtlich würde, welche Handbewegung jetzt zu welcher Stelle im Text passt.
Aber das sind wirklich vorwiegend Kritikpunkte, die das Layout betreffen - rein inhaltlich ist das Buch im wesentlichen sehr praxisorientiert und sehr gut geschrieben - und es macht Lust auf mehr Magie.


Ein Bild von dir
Ein Bild von dir
von Jojo Moyes
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,99

3.0 von 5 Sternen Sie kann es einfach, diese Jojo Moyes!, 26. August 2017
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Ein Bild von dir (Taschenbuch)
Ja, sie kann wirklich hervorragende Unterhaltungsliteratur schreiben, und sie kann - und das muss man ihr wirklich sehr zugute halten - um das Thema "Liebe" herum immer noch eine Geschichte spinnen, die durchaus Format und Niveau hat. Das können wenige AutorInnen; die meisten konzentrieren sich doch auf ihre Liebesgeschichte, kreieren darum herum allerlei Irrungen und Wirrungen - und das war es dann! Und Jojo Moyes schafft das Kunststück, dass sie eine Liebesgeschichte mit einem durchaus ernsthaften Hintergrund verschmelzen kann, und diesen ernsthaften Hintergrund hat sie in der Regel auch sehr gut recherchiert und aufbereitet.
Warum dann nur 3 Sterne? Nun, mir persönlich hat die Geschichte zwar gefallen - insbesondere, wie schon mehrere Rezensenten anmerkten, der erste Teil, der wirklich ganz groß und dicht erzählt ist! - letzten Endes ist sie mir aber im zweiten Teil deutlich zu ausufernd geraten, so dass sie mich über weite Strecken leider auch ein wenig langweilte, zumal die Protagonisten des zweiten Teils auch allesamt etwas dröge daherkommen. Liv ist in meinen Augen eine eher nervtötende, auch bissel unterbelichtet wirkende junge Frau, die auf verdammt hohem Niveau jammert und anscheinend kein anderes Lebensziel mehr im Kopf hat, als ein Bild aus ihrem Besitz, das eine junge Frau zeigt und das als Raubkunst gilt, für sich zu retten. Ja, ich gebe es zu, dass ich mich mit Kunst jetzt nicht so rasend gut auskenne, mich auch nicht so dafür begeistern kann, und dass es mir vielleicht deshalb schwer fällt, Livs geradezu obsessive Liebe zu diesem Bild nachvollziehen zu können - aber insgesamt erscheint mir dieses gesamte Szenario arg dramatisiert und vor allem gegen Ende auch sehr konstruiert. Auch diese ganzen Recherchen in Frankreich, die Liv und Mo betreiben und die Paul in verstaubte Keller führen, und dann noch am Schluss der große Showdown in Gestalt einer Zeitzeugin vor Gericht - das ist schon ganz großes Schmalzkino und war mir persönlich too much.
In diesem Roman sind fast alle irgendwie Gutmenschen - Paul, David, Edouard - und in dieser Einseitigkeit, in der sie gezeichnet sind, sind sie dann irgendwann halt auch bissel öde und verlieren auch an Glaubwürdigkeit. Eine besondere Heroine ist natürlich die "Jeune femme", die immer anwesende Sophie, die mit ihrer Strahlkraft den gesamten Roman durchleuchtet und über die - obwohl sie ständig Teil der Erzählung ist - ich trotzdem noch mehr hätte wissen wollen. Sie ist die einzig wirklich interessante Figur im gesamten Roman, denn sie weist Brüche und Ambivalenzen auf, die den anderen Protagonisten komplett fehlen.
Beim genauen Lesen sind mir dann auch noch ein paar logische Ungereimtheiten aufgefallen: Wer knallt denn heutzutage - noch dazu in einem modernen, durchgestylten, puristischen Architektenhaus - den "Telefonhörer auf die Gabel"? Kein Telefon in der heutigen Zeit hat noch "Gabeln".
Und warum blühen in Nordfrankreich in der Vorweihnachtszeit Alpenveilchen in den Balkonkästen? Und warum wird im Buch zuvor erwähnt, dass Liv kurzes Haar trägt, und etwas später ist dann davon die Rede, dass sich einige Strähnen aus ihrem Pferdeschwanz gelöst hätten?
Trotzdem: Jojo Moyes kann sehr gute und durchaus niveauvolle Unterhaltungsliteratur schreiben! Und man merkt ihr an, dass sie an ihrem Thema - "Fällt ein geschenktes Bild unter Raubkunst, oder nicht?" - richtig Spaß hatte, dass sie auch wirklich sehr gut recherchiert und sich richtig in das Sujet reingekniet hat. Sie hat nicht "einfach mal so" ein viel diskutiertes Thema zum Inhalt ihres Romans gemacht, sondern man spürt, dass sie sich ausgiebig damit beschäftigt hat und viel darüber weiß. Und vielleicht hat sie sich einen Ticken zu viel damit beschäftigt und weiß einen Ticken zu viel darüber, denn diese Geschichte um das Bild, dieser Hype, den Liv darum veranstaltet, die/der hat für mich fast manische Züge, und ich habe gewisse Schwierigkeiten damit, diese Affenliebe zur "Jeune femme" nachvollziehen zu können, Hochzeitsgeschenk hin und mangelnder Kunstverstand her.


Vielleicht mag ich dich morgen: Roman
Vielleicht mag ich dich morgen: Roman
von Mhairi McFarlane
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Das grenzt an Leserverdummung!, 3. August 2017
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Es war mein drittes Erlebnis mit dieser Autorin. Ihr erstes Buch "Wir in drei Worten" mochte ich wirklich ganz gern, wenngleich ich auch damals schon anmerkte, dass Mhairi McFarlane gegen Ende gewaltig in den Schmalztopf langte und damit ihren eigentlich guten Stoff bissel in den Abgrund riss. Das zweite Werk der Autorin - ich hab schon wieder vergessen, wie dieses Machwerk hieß - fand ich grauenvoll, und jetzt eben habe ich den vorliegenden Roman beendet und bin einigermaßen verblüfft, wie jemand solch einen Schmonzes auf die Bestsellerlisten bringen kann!
Ziemlich am Ende des Romans sagt der Superheld James den einzig wahren Satz, der die gesamte Schrecklichkeit dieses Buchs zusammenfasst: "Ich finde, dass die schlechte Wahl der Metaphern den Text ruiniert." Besser hätte die Autorin ihren eigenen Roman nicht zusammenfassen können!
Mag der Beginn des Romans noch ganz gut gelungen sein - klar, auch hier fallen schon ein etwas bemühter Witz und ein krampfhaft auf "ach Gott, ist diese Anna ein armes, traumatisiertes Mobbing-Opfer" getrimmter Stil auf, aber das erste Drittel des Romans ist immerhin noch so geschrieben, dass man durchaus eine Sympathie für die Protagonisten entwickeln kann und bei der Stange bleibt - so ist es etwa ab der Hälfte wirklich nicht mehr auszuhalten! Es ist doch von Anfang an klar, auf was das ganze Salbadern und all die umständlichen und unnötigen Verwicklungen, die ach so zufälligen und scheinbar unausweichlich notwendigen Treffen von Anna und James hinauslaufen - warum kann man so etwas nicht flirrender, nicht charmanter, nicht spritziger und ja, auch intelligenter!!! in Szene setzen? Warum muss man so affig um etwas völlig Klares herumschwurbeln, warum meint die Autorin auch immer, dass dümmliche sexuelle Anspielungen so wahnsinnig witzig seien. Mir wäre es lieber gewesen, sie hätte mal eine ordentliche Bettszene zwischen Anna und James geschildert, anstatt sich dauernd in diesen pubertären pseudoerotischen Wortspielchen, oft unter der Gürtellinie, zu verlieren, die höchstens noch 12jährige gut finden können.
Die meiste Zeit über ist dieser Roman auf den billigen Witz und Schenkelklopfer ausgerichtet - mir kam das vor wie in einer schlecht gemachten Sitcom. Grundsätzlich hätte die Autorin das Zeug dazu, gute leichte und romantische Lektüre zu schreiben. Aber was sie hier abliefert, das mutet plump und pubertär an und hat einfach wenig mit den Personen, die sie beschreibt - nämlich intelligente Mittdreißiger - zu tun. Da passt gar nichts zusammen, und man merkt auch recht schnell, dass Mhairi McFarlane auch nicht wirklich viel zu erzählen weiß, ihr fällt nicht wahnsinnig viel Neues ein, und wieso sie dann aber über dieses "Nichts" so endlos viele Seiten dahinplappert, das bleibt ihr großes Geheimnis.
Und die eingangs erwähnten Metaphern? Ja, die sind wirklich bodenlos und so trivial, dass es sich nicht lohnt, sie extra noch einmal zu erwähnen.


Ex: Roman
Ex: Roman
von Helen FitzGerald
  Broschiert
Preis: EUR 14,99

3.0 von 5 Sternen Wer ist in diesem Buch eigentlich nicht komplett durchgeknallt?, 29. Juli 2017
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Ex: Roman (Broschiert)
Boah! Da hat sie ja mal wieder einen rausgehauen, die Helen FitzGerald! Vor ein paar Jahren habe ich mehrere Romane hintereinander von ihr gelesen, und wenn ich den allerersten noch richtig gut fand, so nahm meine Begeisterung für ihren Schreibstil von Buch zu Buch ab, und insofern griff ich nun etwas skeptisch zu diesem Werk über die kapriziöse, bipolar erkrankte Catriona, die sich mit der Tatsache konfrontiert sieht, dass sich drei ihrer Ex-Lover nach einem allerletzten One-Night-Stand mit ihr mit abgeschnittenem Geschlechtsteil auf dem Tisch in der Gerichtsmedizin wiederfinden - und natürlich fällt der Verdacht recht schnell auf Catriona! Ein vierter Ex-Lover konnte dem Massaker mit der Gartenschere nur deswegen entgehen, weil sein Flug nach Glasgow ausfiel.
Und nun tummeln sich in diesem Roman lauter merkwürdige Gestalten um Catriona herum, erzählt wird zudem auf mehreren Zeitebenen und auch aus Sicht verschiedener Protagonisten. Die Szenerie spielt wechselnd in Schottland und in der Toskana, da Catriona - bevor sie des dreifachen Mordes verdächtigt und deswegen in Untersuchungshaft eingeknastet wurde - eigentlich vorhatte, einen Arzt aus Lucca, den wunderbaren Joe, der ein sehr besonderes Verhältnis zu seiner verstorbenen Nonna hat, zu heiraten.
Soweit der Plot - das liest sich flüssig weg, man wundert sich, schmunzelt, erschrickt und ekelt sich auch manchmal als Leser, teilweise kommt es einem so vor, als sei die Sprache bewusst sehr deftig gewählt, fast, als ob Helen FitzGerald ihre Leser testen möchte: "Na? Haltet ihr das aus? Ganz schön krass, was ich für deutliche Worte benutze, nicht wahr?" Mir kam das so vor, als ob ein Kind verschiedene Flüche und "verbotene Wörter" verwendet, um damit seine Eltern zu schockieren - ich bin nicht prüde oder pietistisch, aber mir war das teilweise zu aufgesetzt, zu künstlich, zu sehr auf "shocking" ausgerichtet - und irgendwann auch bissel langweilig.
Wie immer benutzt die Autorin diesen sehr atemlosen Stil, dieses Grobgeschnitzte: Sie macht ja immer gebrochene Charaktere zu Heldinnen ihrer Geschichten, und ich mag das an ihr, aber ihr gelingt es leider nicht, dieses Gebrochene feinfühlig oder sensibel oder mit leisen Worten darzustellen, bei ihr ist immer alles brachial, wuchtig und wie auf der Überholspur und mit dem Holzhammer geschrieben, und damit nimmt sie sich selbst viel von ihren - an sich guten - Ideen weg.
Dieses Buch ist total crazy, da gibt es keine einzige Person, die normal denkt oder handelt, und mit psychiatrischen Diagnosen wird nur so um sich geworfen: Die eine ist manisch-depressiv (und eine kleine Borderline-Störung scheint mir da auch noch mitzuschwingen, aber das kommt bei bipolar Erkrankten ja nicht so selten vor), die andere schützt ein Münchhausen-by-proxy-Syndrom vor, weil es ihr grade opportun zu sein scheint, um die eigene Tochter zu schützen (eine an sich schon paradoxe Idee: Ausgerechnet mit einem Münchhausen-by-proxy das eigene Kind schützen zu wollen...), und wieder ein anderer hat eine heftige narzisstische Störung, eine weitere Person ging - mit Steinen an den Füßen beschwert - freiwillig ins Wasser, und diese Tatsache löst bei Catriona immer wieder ein Trauma hinsichtlich Wasser aus, und dann gibt es noch jede Menge Personen, die irgendwie mit ihrer sexuellen Identität ein Problem zu haben scheinen - und das alles wäre - jeweils für sich genommen und in Ruhe erzählt - eine wahrscheinlich richtig gute 5-Sterne-Story, aber bei Helen FitzGerald fliegt eben immer alles in einen Topf, wird kurz und brachial angerissen und dann zu einer dicklichen Soße eingekocht, und wie gesagt: Das liest sich locker (und auch im letzten Teil ein bisschen spannend) weg, es lässt einen nach Zuklappen des Buches auch leicht verstört zurück, aber so richtig gut, so gut, dass man aus vollem Herzen und enthusiastisch beide Daumen hochrecken möchte, nee, so ist es halt auch nicht.


Während wir warten, bis die schönen Zeiten wiederkehren: Roman
Während wir warten, bis die schönen Zeiten wiederkehren: Roman
Preis: EUR 15,99

4.0 von 5 Sternen Eigenwilliger Erzählstil, 16. Juli 2017
Dieses Buch ist irgendwie eigensinnig, hintersinnig, absolut nicht mainstream. Stellenweise vielleicht auch etwas zu "verrückt", weswegen ich ihm auch nur 4, statt 5 Sterne gebe.
Erzählt wird in einem "Fast-Nebenbei-Stil", einer nonchalanten, irgendwie sehr französisch-distanzierten Art und Weise, und diese lässt es vielleicht auch erträglich werden, dass in diesem Roman irgendwie allerlei Verrücktheiten, teilweise auch psychiatrisch auffälliger Art, so erzählt werden, dass man ihnen als Leser zwar etwas stirnrunzelnd, jedoch durchaus wohlwollend folgt.
Nein, das ist kein Buch, das ich jeden Tag lesen möchte, es ist auch kein Buch, das ich jederzeit wieder lesen würde - einmal genügt vollkommen! Aber bei diesem einen Mal hat mich dieses Buch befremdet, amüsiert, erschüttert, irgendwie auch angeekelt und stellenweise berührt, ohne jedoch wirklich an meiner Seele zu kratzen und mich nachhaltig zu erreichen. Es ist ein merkwürdiger Roman, ich kann nicht wirklich aus voller Überzeugung sagen, dass er "super" sei, ich kann aber auch nicht sagen, dass er mir nicht gefallen hätte - beides wäre zu einfach und würde diesem Buch nicht gerecht.
Und deswegen sage ich: Der Roman ist in jedem Fall sehr besonders, es liegt eine seltsame Melancholie über ihm, die allerdings nicht lähmt - und gleichzeitig liegt eine stille Kraft in ihm, die allerdings nicht so weit reichen würde, als sie über das Lesen hinaus fortwirkte. Und insgesamt ist es ein Buch, das ich - allem Befremden zum Trotz - sehr gern gelesen habe.


Dich will ich töten: Der zehnte Fall für Roy Grace
Dich will ich töten: Der zehnte Fall für Roy Grace
von Peter James
  Broschiert
Preis: EUR 14,99

1.0 von 5 Sternen Unkreativ und zäh, 15. Juli 2017
Generell bin ich niemand, die solche Endlosfortsetzungen über das Außen- und Innenleben irgendwelcher Detektive und Kommissare besonders mag; irgendwie erinnert mich das immer an Agatha Christies Hercule Poirot und an Miss Marple. Dennoch griff ich in der örtlichen Bücherei zu diesem Buch, und erst daheim merkte ich, dass ich von diesem Autor schon mal einen Roman in der Hand hatte, den ich jetzt auch nicht erste Sahne fand.
Am vorliegenden Werk kann ich wirklich wenig gut finden. In erster Linie, und das muss ich wirklich als gewaltigen Minuspunkt vermerken, ist der Roman eine einzige Wiederholung bereits bekannter Tatsachen. Immer und immer wieder muss man erneut lesen, dass der psychopathische Killer es nicht aushalten kann, seine Angebetete in den Armen eines anderen Mannes zu wissen, immer und immer wieder wühlt man sich durch diese peinlichen SMS-Nachrichten, die der Killer einst von seiner großen Liebe erhielt und an denen er sich aufgeilt - da passiert nichts Neues, man liest immer wieder dasselbe, seitenlang.
Und genauso verhält es sich auch mit dem Stalking-Opfer Red, die - in meinen Augen - eine selten dusselige Kuh ist: Auch sie wiederholt in Endlosschleife immer wieder allseits Bekanntes - das ist echt eintönig. Man kann in diesem Buch getrost immer mal wieder Seiten überblättern, ohne Entscheidendes zu verpassen, und ich habe selten etwas Öderes gelesen - und so was firmiert unter Thriller???
Furchtbar finde ich auch dieses endlose Geschwätz auf dem Polizeirevier, diese privaten Angelegenheiten der Ermittler, die so viel Raum einnehmen und irgendwie aber nicht so wahnsinnig wichtig für den Fortgang der Geschichte sind - und all das wäre irgendwie noch erträglich, wenn diese Figuren irgendwie kreativ und liebevoll gezeichnet wären. Das sind sie aber nicht, auch der Superoberkommissar Roy Grace (allein der Nachname ist schon irgendwie dämlich) ist dermaßen platt und eindimensional in Szene gesetzt, dass es mich wirklich wundert, wie der Autor um diese langweilige Figur so viele Einzelbände in Fortsetzung herumspinnen konnte. Und okay, ich kenne die anderen Bände nicht, aber was soll diese komische Sequenz mit Sandy, Roys Irgendwie-Immer-Noch-Ehefrau? Das ist doch alles unnötig aufgequirlter Schmu.
Und die Story an sich? Naja, zum Thema Stalking gibt es deutlich bessere Thriller! Und irgendwann genügt es halt auch nicht mehr, immer wieder zu betonen, dass der Stalker so ein toller Zauberer und Magier sei, und allein diese Tatsache ist die Erklärung dafür, dass er jedes Polizeiverhör abhören und in jedes noch so gesicherte Zimmer eindringen kann. Das kann man Kindern erzählen - aber wenn man für einigermaßen intelligente Erwachsene schreibt, dann muss da doch bissel mehr Substanz dran, als nur zu sagen "Der kann das halt, weil er ja ein Zauberer ist!"
Es ist schön, dass der Autor mit diesem Buch so vielen Leuten offensichtlich Lesegenuss bereitet hat. Ich persönlich finde das Buch trotzdem schlecht.


Auf Null
Auf Null
von Catharina Junk
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Gut begonnen, dann leider auf fast Null runtergefahren, 10. Juli 2017
Rezension bezieht sich auf: Auf Null (Gebundene Ausgabe)
Meine Betreffzeile fasst im wesentlichen das zusammen, was ich zu diesem Erstlingswerk der Autorin sagen kann! Ich habe den Anfang des Romans, der mit Sicherheit viele autobiografische Züge enthält, sehr, sehr gern gelesen, und ich hatte mir innerlich schon notiert, dieses Buch zwei Bekannten zu schenken, die beide letztes Jahr an Krebs erkrankt sind, der eine Freund sogar an derselben Krankheit wie die Protagonistin Nina. Ja, es ist sicherlich ein Jugendbuch bzw. eher eine Coming-of-Age-Story, aber normalerweise tut das nichts zur Sache, im Gegenteil: Für wen, wenn nicht für Kinder und Jugendliche, soll man denn gute Bücher schreiben? Und es schadet Erwachsenen überhaupt nicht, ab und an mal zu einem Jugendbuch zu greifen, finde ich.
Und das fand ich zunächst auch bei diesem Roman. Mir gefiel der unsentimentale Ton, in dem es geschrieben ist, ich fand zu Beginn auch den Sarkasmus der Protagonistin erfrischend, und ich kann gar nicht genau sagen, ab wann mich diese Nina dann plötzlich wahnsinnig nervte. Sie mutiert im Laufe der Geschichte irgendwie zu Superwoman, die sich allem und jedem mit einer Mischung aus Aggressivität, Sarkasmus und Heldenhaftigkeit widmet, und damit macht die Autorin sie leider sehr, sehr unglaubwürdig. Das ist schade!
Gut nachvollziehbar ist nämlich durchaus, wie wenig Nina dem Leben und dem eigenen Körper noch vertrauen kann/will, nachdem sie das Trauma einer Leukämie durchlitten hat und ihr Leben mehrmals am seidenen Faden hing. Diese Thematik hätte die Autorin sehr viel sensibler aufriffeln können, vielleicht auch müssen - leider haut sie darauf aber mit dem Schlaghammer rum und nimmt ihrer Protagonistin dadurch sehr viel an Authentizität. Gut nachvollziehbar wären für mich auch diese gut gemeinten Missverständnisse zwischen Eltern und Tochter gewesen - keine Seite will die andere verletzen, alle schleichen wachsam umeinander herum, jeder hat ein schlechtes Gewissen und Angst um den anderen und vermeidet potenzielle Verletzungen und zieht damit das Spinnennetz aus gegenseitigen Erwartungen immer enger - das hätte man sehr viel besser und feinfühliger darstellen können, dem hätte man viel mehr Zeit und Gefühl widmen müssen - aber auch hier lässt die Autorin viel zu früh und viel zu unsensibel die Pferde los, und damit bekommt ihre Geschichte plötzlich etwas fast Groteskes, und auf einmal mag man Nina nicht mehr besonders.
Der Roman möchte etwas Großes erzählen und beginnt damit auch wirklich ambitioniert und richtig gut - manche Dialoge sind dabei hochintelligent und messerscharf formuliert, und deswegen rettet sich die Geschichte bei mir auch noch auf 2 Sterne. Leider möchte Catharina Junk ihre eigentlich schon großartige Geschichte dann noch viel großartiger werden lassen, da kämpft Nina nicht mehr nur gegen Leukämie und Missverständnisse bzw. eigene Zweifel, sondern auf einmal auch noch gegen eine evangelikale Gemeinde, sie schimpft und raunzt gegen jeden und alles, dann aber besinnt sie sich eines besseren und erfüllt einer kranken Freundin letzte Wünsche, kuriert den depressiven Vater ihres Freundes und bekommt dank Fallschirmsprung auch noch selbst die Kurve zurück ins Leben.
Was sonst noch? Ach ja, in chinesischen Lokalen platzen auf einmal Aquarien, und die Fische fliegen durch die Gegend, und nicht zu vergessen: Nina kann die Bilder von van Gogh nicht ausstehen! Allerdings bin ich mit ihr in diesem Punkt einer Meinung: Auch ich mag van Gogh überhaupt nicht - allein, diese Übereinstimmung mit der Protagonistin reicht bei mir nicht für 3 Sterne, sorry.


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