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Rezensionen verfasst von
Michael Collin
(REAL NAME)   

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Screwed: Projekt Frankenstein
Screwed: Projekt Frankenstein
von Keith Thomas
  Broschiert
Preis: EUR 16,99

2.0 von 5 Sternen Screwed!, 22. März 2015
Rezension bezieht sich auf: Screwed: Projekt Frankenstein (Broschiert)
Unansprechende Artwork, schlecht erzählte Story - hier taugt nur die Grundidee: Ein weibliches Frankenstein-Monster als Opfer / Produkt eines irren Wissenschaftlers, dazu dunkle Bezüge zur Regierung; das klang unterhaltsam genug und ich hatte mich darauf gefreut. Aber die Umsetzung ist katastrophal und bietet nichts als Gemetzel und eine weibliche Monsterheldin im kurzen Röckchen und mit übergroßen Brüsten. Nicht, dass ich etwas gegen Röckchen und Busen habe, aber die arme Heldin hat keine Persönlichkeit und zerlegt nicht nur andere böse Monster reihenweise ohne Skrupel. Blut muss fließen ist hier die Devise. Spaß und Interesse am Comic hatte ich schon nach wenigen Seiten verloren und auf Seite 60 hieß es dann endlich: Abbruch!


Narren
Narren
von Jason Lutes
  Taschenbuch

5.0 von 5 Sternen Narren von Jason Lutes, 21. März 2015
Rezension bezieht sich auf: Narren (Taschenbuch)
So sieht eine perfekte Graphic Novel für mich aus!
Schon der Untertitel verrät einiges: "A Picture Story" - und so erzählt Jason Lutes die Geschichte auch: unaufgeregt, unpathetisch, unpretentiös... es ließen sich wohl noch so einige Adjektive auf "un" finden. Ein Comic, das wie ein Indi-Film wirkt.

Ernie Weiss ist Magier, aber seine erfolgreiche Zeit liegt hinter ihm. Seit dem Tod seines Bruders und der Trennung von seiner Freundin hat er das Trinken angefangen und vegetiert mehr dahin, als dass er lebt.
Dann ist da der Betrüger Nathan Lender, der mit seiner begabten kleinen Tochter durch's Viertel streicht und Leute abzieht. Auch er von seiner Frau verlassen und mittellos wie Ernie.
Al Flosso ist ebenfalls Magier und der Lehrmeister von Ernie, inzwischen 79 Jahre alt und etwas dement. Er flieht aus dem Altenheim und schließt sich der vagabundierenden Truppe an, die unter einer Autobahnüberführung ein provosorisches Camp aufgeschlagen hat.
Und last but not least stößt Esther zum Trupp, die Ex-Freundin von Ernie.

Es ist eine intensiv erzählte Geschichte von Außenseitern und Verlierern, für die es wenig Hoffnung auf ein klassisches Happy End gibt. "Leben heißt Hakenschlagen" - das ist richtig und gilt auch für Magier und Co., vielleicht sogar in besonderem Maße. Aber die Story bleibt nicht in Trivialitäten stecken, sondern läßt den Leser eine kurze (aber bedeutende) Zeit an der Seite der Antihelden gehen. Doch so wirklich "Anti" sind sie auch nicht, es sind Menschen, die aus der bürgerlichen Gesellschaft herausgefallen und doch keine echte Minderheit sind. Das Schicksal hat es nicht gut mit ihnen gemeint (wenn man denn an ein Schicksal glauben möchte), und sie stellen sich nicht besonders schlau an, um wieder auf die Beine zu kommen. Aber gerade das macht sie zu Sympathieträgern, denn nie gehen sie soweit in ihrem Selbstmitleid, dass man ihnen in den Allerwertesten treten möchte.

JAR OF FOOLS, so der Originaltitel, ist ine ganz wunderbare Geschichte, melancholisch und warmherzig, deren größtes Manko wohl die Kürze ist, denn ich hätte Ernie und seine Freunde gerne länger auf ihrem Weg begleitet. Aber natürlich ist mir bewußt, dass es erzählerisch genau richtig war, die Story kurz zu halten und auf die wesentlichen Ereignisse zu fokussieren.
Sehr passend zur Ökonomie der erzählerischen Mittel auch die Artwork, die in schlichtem Schwarzweiß gehalten ist und nicht minder großartig als die Story ist.

Ein kleines Wunder von "Picture Story", dass ich jedem Interessierten nur wärmstens empfehlen kann!


Jar of Fools: A Picture Story
Jar of Fools: A Picture Story
von Jason Lutes
  Taschenbuch
Preis: EUR 17,40

5.0 von 5 Sternen Jar of Fools, 21. März 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Jar of Fools: A Picture Story (Taschenbuch)
So sieht eine perfekte Graphic Novel für mich aus!
Schon der Untertitel verrät einiges: "A Picture Story" - und so erzählt Jason Lutes die Geschichte auch: unaufgeregt, unpathetisch, unpretentiös... es ließen sich wohl noch so einige Adjektive auf "un" finden. Ein Comic, das wie ein Indi-Film wirkt.

Ernie Weiss ist Magier, aber seine erfolgreiche Zeit liegt hinter ihm. Seit dem Tod seines Bruders und der Trennung von seiner Freundin hat er das Trinken angefangen und vegetiert mehr dahin, als dass er lebt.
Dann ist da der Betrüger Nathan Lender, der mit seiner begabten kleinen Tochter durch's Viertel streicht und Leute abzieht. Auch er von seiner Frau verlassen und mittellos wie Ernie.
Al Flosso ist ebenfalls Magier und der Lehrmeister von Ernie, inzwischen 79 Jahre alt und etwas dement. Er flieht aus dem Altenheim und schließt sich der vagabundierenden Truppe an, die unter einer Autobahnüberführung ein provosorisches Camp aufgeschlagen hat.
Und last but not least stößt Esther zum Trupp, die Ex-Freundin von Ernie.

Es ist eine intensiv erzählte Geschichte von Außenseitern und Verlierern, für die es wenig Hoffnung auf ein klassisches Happy End gibt. "Leben heißt Hakenschlagen" - das ist richtig und gilt auch für Magier und Co., vielleicht sogar in besonderem Maße. Aber die Story bleibt nicht in Trivialitäten stecken, sondern läßt den Leser eine kurze (aber bedeutende) Zeit an der Seite der Antihelden gehen. Doch so wirklich "Anti" sind sie auch nicht, es sind Menschen, die aus der bürgerlichen Gesellschaft herausgefallen und doch keine echte Minderheit sind. Das Schicksal hat es nicht gut mit ihnen gemeint (wenn man denn an ein Schicksal glauben möchte), und sie stellen sich nicht besonders schlau an, um wieder auf die Beine zu kommen. Aber gerade das macht sie zu Sympathieträgern, denn nie gehen sie soweit in ihrem Selbstmitleid, dass man ihnen in den Allerwertesten treten möchte.

JAR OF FOOLS ist ine ganz wunderbare Geschichte, melancholisch und warmherzig, deren größtes Manko wohl die Kürze ist, denn ich hätte Ernie und seine Freunde gerne länger auf ihrem Weg begleitet. Aber natürlich ist mir bewußt, dass es erzählerisch genau richtig war, die Story kurz zu halten und auf die wesentlichen Ereignisse zu fokussieren.
Sehr passend zur Ökonomie der erzählerischen Mittel auch die Artwork, die in schlichtem Schwarzweiß gehalten ist und nicht minder großartig als die Story ist.

Ein kleines Wunder von "Picture Story", dass ich jedem Interessierten nur wärmstens empfehlen kann!


The Guild Volume 1
The Guild Volume 1
von Felicia Day
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,41

2.0 von 5 Sternen Comicrezension aus der Sicht eines unwissenden Ignoramus, der die Web-Serie THE GUILD nicht kennt, 15. März 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: The Guild Volume 1 (Taschenbuch)
Cyd ist Mitte 20 und mit ihrem Leben nicht zufrieden. Sie spielt Geige - wenn auch nicht die erste - in einem Orchester und hat einen Freund, den sie getrost zum Teufel jagen könnte. Doch ein freundliches Wort von ihm, und schon läßt sie sich aufs neue schamlos ausnutzen. Cyd ist neurotisch und ihre Eltern bezahlen ihre psychotherapeutischen Sitzungen, aus denen Cyd auch keinen Nutzen zu ziehen vermag. Überhaupt: der Umgang mit anderen Menschen ist ihr Hauptproblem.
Das alles ist Jammern auf hohem Niveau und nicht wirklich mitreißend. Aber dann findet Cyd plötzlich durch Zufall die Rettung: ein Online-Rollenspiel, in dem sie sich ausleben und plötzlich mit Menschen (=Mitspielern) problemlos kommunizieren kann. Alles was im richtigen Leben nicht funktioniert, hier läuft's.
Äh, das kann doch jetzt nicht ernst gemeint sein, oder?
Ich kenne die "Kultserie" von Felicia Day nicht, aber die Handlung dieses Comics ist nicht nur dürftig, sondern auch fraglich. Hier wird die virtuelle Welt der realen vorgezogen, als ob nicht schon genug Menschen sich in Rollenspielen verlören. Aber ich will nicht moralisieren und kann die schlechte Bewertunbg auch mit der dünnen Handlung und der mässigen Artwork begründen. Auch als "Studies in Nerdology" hat mir das dünne Büchlein nicht gefallen.
Da die Bewertungen ansonsten aber sehr hoch liegen, muss es einen Kultfaktor um die Autorin geben, der mir nicht bekannt ist und der sich durch das Comic mir nicht erschlossen hat.
FAZIT: Offenbar ein must-read für alle, die die Web-Serie lieben. Für den kleinen Rest der Welt: nicht empfehlenswert.


Star Trek: Gold Key Archives Volume 1
Star Trek: Gold Key Archives Volume 1
von Arnold Drake
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 28,34

4.0 von 5 Sternen ...wo alles begann, 10. März 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ab 1967, ein Jahr nach dem Start der Fernsehserie STAR TREK, erschienen die ersten gleichnamigen Comics, geschrieben von Dick Wood und gezeichnet von Navio Zaccara (#1 u. 2) und Alberto Giolitti (#3-6). Da die Zeichner nur Fotos der Serie kannten und Wood mit der Terminologie der Serie nicht vertraut war, dürfte der Sammelband für echte Trekkies eine Enttäuschung sein. Die Figuren haben nur entfernte Ähnlichkeit mit den Schauspielern und sprechen anders.

Sehr gut getroffen ist hingegen die unbedarfte Naivität, mit der die Troubleshooter des Alls durch die unendlichen Weiten des Raums fliegen und zumeist Welt um Welt vor dem sicheren Ende retten.
Im ersten Abenteuer muss sich die Crew selbst vor fleischfressenden Pflanzen retten, die die dominierende Lebensform auf Planet Kelly Green sind, und im zweiten gerät man auf einen Gefängnisplaneten, der jederzeit zu explodieren droht, aber als diese Abenteuer überstanden sind, wird auch fleißig anderen geholfen: gigantischen städtebauenden Maschinen, kriegsbesessene Herrscher und kollidierende Planeten fordern die Crew um Captain Kirk und Spock zu kreativen und riskanten Höchstleistungen.

Ganz kolonialherrschaftlich bezeichnet Kirk die Bewohner der anderen Welten als Aliens, obwohl es ja recht eigentlich die Crew der Enterprise ist, die sich fern der Heimat in fremde Belange einmischt. Aber man kann sich auf diesen fremden Welten auch zu gut heimisch fühlen, denn Raumanzüge und Helme brauchen unsere Helden nie (was auch praktisch ist, da der Leser so zumindest Spock und Kirk erkennen kann und die Frisuren nicht Schaden nehmen). Und auch ein Kometenhagel im All, der Löcher in die Hülle der Enterprise reißt, ist doch nur eine kleine dramatische Beigabe, die uns seufzen läßt ob der romantischen Vorstellung von Gesteinsbrocken, die quer durch die Kommandozentrale der Enterprise fliegen. Nein, unter physikalischen Aspekten war diese Serie schon in den 60ern eine mittlere Katastrophe.

Wo also liegt der Charm? Wer sich mit "Mighty Samson" oder "Magnus Robotfighter" anfreunden kann, wird auch hier seinen Spaß haben. Es sind unterhaltsame Abenteuer fern jeder Glaubwürdigkeit, die den älteren Leser in die Zeit seiner Kindheit zurück versetzen. Eine Zeit, in der Raumfahrt mehr als alles andere en vogue war und Gutmenschentum nicht nur bei "Bonanza" zelebriert wurde.
Erfreulich ist auch die Qualität des Reprint-Bandes: fester, optisch ansprechender Einband und knackig scharfe Wiedergabe der Comics, die frisch coloriert wurden.


Malcolm Max: Band 1. Body Snatchers
Malcolm Max: Band 1. Body Snatchers
von Peter Mennigen
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 15,80

3.0 von 5 Sternen Unter Leichenräubern und Maschinenmenschen, 25. Februar 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Malcolm Max, ein Dandy und Ermittler in paranormalen Fällen, und die Halbvampirin Charisma machen sich gemeinsam im spätviktorianischen London daran, eine Reihe von Morden an Frauen aufzuklären. Leichenräuber, Londoner Friedhöfe und Maschinenmenschen sorgen für ein einigermaßen stimmungsvolles Setting. Und bald wird klar, dass hier längst nicht alles mit natürlichen Dingen zugeht.
Die erste Hälfte dieses ersten Bandes fand ich eher enttäuschend, weil ungeschickt und etwas umständlich konzipipiert auf der inhaltlichen Ebene. Vor allem die Sprache, die wohl das hochgestochenere / gebildete und steife Englisch der Zeit nachbilden soll, ist ein Schwachpunkt, denn Ton und Wort treffen nicht wirklich den Zeitgeist. Anstelle von "Sie" immer nur die Anrede "Ihr" zu setzen, reicht da nicht aus. Und dass Malcolm auf den allermeisten Panels nur unglaublich hochnäsig und arrogant aussieht, hilft auch nicht wirklich weiter.
Aber ab der Buchmitte hat mich die Handlung dann doch soweit gepackt, dass ich mir - nach dem Cliffhanger am Ende - gleich den zweiten Band bestellt habe.
Im Fazit gute drei Sterne, wenn die Story erst einmal in Gang kommt. Also nicht vorschnell aufgeben!


Egon Schiele: Ein exzessives Leben
Egon Schiele: Ein exzessives Leben
von Xavier Coste
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

3.0 von 5 Sternen Schieles Leben, 7. Februar 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Zeichnerisch ist diese Künstlerbiografie ganz wunderbar gelungen, Stimmungen und Farben sind perfekt eingefangen. Auf der sprachlichen und inhaltlichen Ebene allerdings leider schwache Durchschnittskost, was im Kontrast zum Anspruch, den ich bei einer Biografie von Schiele erwartet hätte, und Xavier Costes Artwork mich dann doch sehr gestört hat. Hier hat Coste enormes Potential verschenkt.


Haus der Stummen: Roman
Haus der Stummen: Roman
von John Burnside
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Suche nach der Seele, 6. Februar 2015
Rezension bezieht sich auf: Haus der Stummen: Roman (Gebundene Ausgabe)
Mit der Unbedingtheit der großen existentialistischen Romane eines Camus beschreibt Burnside die Suche eines Laienforschers nach dem, was die Welt im Innersten zusammenhält, genauer die Suche nach der Seele, die der Held" des Romans mangels Messbarkeit nachzuweisen sucht durch die Beantwortung der Frage, ob es eine angeborene, überpersönliche Sprache gibt.
Luke, so heißt der Protagonist, erinnert an einen finanziell unabhängigen Stubengelehrten des 19. Jahrhunderts und könnte als Frankenstein-Erbe bezeichnet werden, der sich über alle sittlichen Standards hinwegsetzt. Sittlich, um einen Begriff der guten alten Zeit zu verwenden, denn recht eigentlich gibt es kaum eine Strafrechtsnorm, die Luke nicht verletzt, wenn es um die Durchführung seiner Forschungen geht. Mord, Unterlassene Hilfeleistung, Missbrauch von Schutzbefohlenen und Körperverletzung sind lediglich einige der Verfehlungen; nur würde Luke niemals für seine Taten zur Rechenschaft gezogen werden, denn: Luke ist ein Psychopath reinsten Wassers (und also käme nur die Sicherungsverwahrung in Betracht, um die Gesellschaft vor ihm zu schützen). Und so bitterböse düster und übelkeitserregend DUMB HOUSE auch ist, selten habe ich in der Literatur eine so exakte Schilderung eines Psychopathen gefunden, dessen Persönlichkeitsstörung psychopathologischen Lehrbüchern wahrscheinlich bis ins Detail entspricht. Dass wir diesem Gestörten dabei direkt in den Kopf schauen können, Zeugen seiner absurden und doch von einer subjektiven Folgerichtigkeit geprägten Gedanken werden, ist dabei eine der Besonderheiten des Romans: denn Luke begegnet uns als der Ich-Erzähler seiner Geschichte. Wir begleiten ihn in den Raum für Seelen, die ohne eigenes Verschulden vom Himmel ausgeschlossen sind, wenn wir denn Burnsides entsprechenden Hinweis aufgreifen wollen, der sich aus der vierfachen Erwähnung des Wortes limbo" ergibt. Dieser Raum, Lukes Leben, ist kalt, fühllos und einsam aufs Äußerste.
Lukes Persönlichkeitsstörung (von einer Krankheit kann hier nicht gesprochen werden) erlaubt es Burnside erzählerisch, Lukes Distanz zur Welt mit existentieller Wucht zu beschreiben und erinnert gelegentlich an Meursault, Mutter & Messer als Motive inklusive.
Anders als bei Hannibal Lecter im Schweigen der Lämmer" gibt es in Lukes Leben Faktoren, die zwar nicht erklären, wie aus einem Menschen ein solches Monster werden kann, trotzdem aber uns dem Verständnis vielleicht ein wenig näher bringen. Da ist der ferne Vater, der aus dem Familienverbund ausgeschlossen ist, ohne dass Luke sagen könnte warum; als Kompensation eine übermässig enge Bindung an die Mutter, die emotional aber nicht minder unerreichbar ist und schließlich die Vergewaltigung des Kindes Luke durch einen Fremden, die tabuisiert und nie wieder zur Sprache gebracht wird.
Früh quält Tiere, wer ein rechtes Monster werden will, und Luke sammelt hier Wissen und Erfahrungen mit anatomischen Eingriffen, die er für seine spätere Berufung - die Suche nach der Seele - noch sehr hilfreich und von Nutzen sein werden.
Wie reißerisch die Handlung auch immer daher kommt, Burnside erzählt in seinem Debutroman mit unglaublicher sprachlicher Dichte und verbindet Gedanken und Motive so engmaschig, dass ich nie auch nur für einen Moment dachte, einen Psychothriller in der Hand zu halten. Viele Sätze wollen mehrmals gelesen werden, bevor sich die Bedeutungsebenen erschließen, und hier wird der Lyriker Burnside spürbar.
Da kontrastiert die unglaublich intensive Schilderung des Sterbens der Mutter mit der sachlich-unbeteiligten Stimme des Erzählers, wenn er zum Beispiel vom Erstechen, Erschlagen und Verbrennen eines Widersachers berichtet.
Was Luke überhaupt fehlt, ist die Achtung vor dem Leben, der auch nur geringste Respekt anderen Menschen gegenüber. Beziehungen zu Frauen finden nach dem Tod der Mutter nur in missbräuchlichen Varianten statt, entweder in Form der Sleeping Beauty Erotik oder des Ausnutzens der Hilflosigkeit einer kindlichen Abhängigen. Kinder werden als Forschungsobjekte gezeugt und entsorgt, wenn das Experiment misslingt. Dass da überhaupt Gefühle im Spiel sein könnten, versucht Luke sorgsam zu vertuschen. Aber wenn er dann Panikattacken erleidet, weil er sich von den knapp zweijährigen Zwillingen, die wie die Midwich Cuckoos geschildert werden, ausgeschlossen und verfolgt fühlt und sich in eine regelrechte Tell=Tale Heart-Raserei hineinsteigert, bekommt die glatte Oberfläche Kratzer.
Je exzessiver die Mittel, mit denen Luke sich auf die Suche nach der menschlichen Seele begibt, umso mehr wird seine eigene seelische Deformation deutlich). Am Ende könnte man fragen: Hat dieser Mensch überhaupt eine Seele (wenn man den an dieses Konstrukt glauben möchte)?

Zu lachen gibt es in DUMB HOUSE höchst selten etwas, mir fiel sage und schreibe dieser eine Satz auf: "Her breathing was slow and shallow, somehow academic (...)" - gottlob sind slow & shallow" keine Adjektive, die diesem ungewöhnlichen Roman gerecht würden.


Hüte für Alice
Hüte für Alice
von Julian Rios
  Broschiert

3.0 von 5 Sternen "Damit du dem, was deine Augen sehen werden, keinen Glauben schenkst", 5. Februar 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Hüte für Alice (Broschiert)
Auf dem Umschlagtext der zweisprachigen Ausgabe aus dem Aufbau-Verlages ist die Rede von 32 Erzählungen. Tatsächlich beinhaltet HÜTE FÜR ALICE aber nur 23 Kurz- und Kürzesttexte des Autors von LARVA, das ja gerne mit dem ULYSSES von Joyce verglichen wird. Für den Umschlagtext hat sich das Lektorat offenbar also nicht mehr zuständig gefühlt.
Für eine weitere Irritation könnte ein ebenfalls dort abgedrucktes Zitat aus dem Times Literary Supplement sorgen: "Diese entzückende, geniale Reise wird niemanden unberührt lassen". Ein Buch also für alle Leser, das alle Erwartungen erfüllt, endlich!
Oder doch nicht?
Unter der Schirmherrschaft des verrückten Hutmachers darf Alice 23 exzentrische Hüte aufprobierenn und bekommt zu jedem Hut die passende Geschichte mitgeliefert, Geschichten, die geographisch und literarisch die ganze Welt bereisen.
Der Story-Bogen ist ein postmodernes Feuerwerk an verrückten Ideen und Assoziationen, wobei im Mittelpunkt immer die Sprache, nie die Handlung steht.
Einige Geschichten gefallen mir ausgesprochen gut, andere hingegen atmen nicht. Es ist, als habe Rios eine Schreibwerkstatt besucht und dort sei beschlossen worden, dass jeder Teilnehmer Texte zum Thema "Hut" schreibt. Fleißige, assoziative Finger-, nein, Federübungen, die dem Schreibenden vermutlich mehr Freude gemacht haben als mir als Leser. Oftmals, so mein Eindruck, ergibt sich die jeweils nächste Idee aus der Sprache, entzündet von einem einzelnen Wort oder einer literaritschen Assoziation. Das ist mir dann zuweilen doch zu artifiziell, zu inhaltsarm. Andere Texte hingegen funkeln dann wirklich und sind eine Freude.


Nachrichten von Büchern und Menschen 1. 12 CDs: Elf originale Radio-Essays
Nachrichten von Büchern und Menschen 1. 12 CDs: Elf originale Radio-Essays
von Arno Schmidt
  Audio CD

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schatzgräbereien & Selbstauskünfte, 1. Februar 2015
Jahrzehnte vor dem päpstlich=literarischen Quartett hat Schmidt in seinen 1955-1961 ausgestrahlten Funkfeatures bereits bewiesen, dass im Rundfunk über Literatur unterhaltsam geplaudert werden kann, scharfsinnig und spitzfindig.

Aber ob Schmidt in den Dialogen nun Wezel, Wieland, Moritz, Brockes, Klopstock, Meyern, Tieck oder Karl May abhandelt: vor allem spricht Schmidt immer über Schmidt, und seine Features sind für den Schmidtianer vor allem Selbstauskünfte des Autors, in welchen er zumeist mehr über Schmidt als über die Verbiografierten erfährt - und das ist auch recht gut so. Denn das, was hier über Prosaformen und Realismus in der Literatur abgehandelt wird, über Schreckensmänner und Gehirntiere, ist für das Verständnis von Schmidts Texten nicht weniger interessant als seine "Berechnungen", aber gottlob sehr viel unterhaltsamer vorgetragen.

Äußerst beeindruckend finde ich immer wieder, wie Schmidt hier auch entlegene Literatur dem Leben anverwandelt und bedingungslos eintritt in die Welt der Bücher und Autoren, die ihm bedeutsamer ist als die bundesrepublikanische Gegenwart.
Hier wird Literaturgeschichte gegen den Strich gebürstet, neu- und umbewertet. Geheimrätliche Rumpelkammperprosa kann da schon mal schlechter wegkommen als Mays "Im Reiche des silbernen Löwen".
Schmidt betätigt sich als literarischer Schatzgräber, der vergessene Schätze hebt und und vielleicht sogar wieder bekannt machen würde, wenn - - - ja, wenn Schmidt denn nur mehr verdiente Leser hätte!
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 20, 2015 9:35 PM CET


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