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Beiträge von Michael Collin
Top-Rezensenten Rang: 1.328
Hilfreiche Bewertungen: 964

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Rezensionen verfasst von
Michael Collin

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Phobia
Phobia
von Guy N. Smith
  Taschenbuch

3.0 von 5 Sternen Vertrauen Sie ihrer Triskaidekaphobie, meiden Sie Haus Nummer 13, 20. November 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Phobia (Taschenbuch)
Ich würde gerne sagen, dass das Spukhaus Schooner Street 13 in Südlondon die Familie Strike zerstört hat, aber so wie der Doktor dem Kranken schon ins Bett gelegt ist und nicht die Behörde die Schuld sucht, sondern die Schuld die Behörde anzieht, so ist es auch hier die im Kern bereits dysfunktionale Familie, die die Zeichen zu spät erkennt und in ein Haus zieht, dass alle anderen meiden, und dem Bösen Tür und Tor öffnet.
Zahlreiche Albträume und Angstzustände, die alle Familienmitglieder nach dem Umzug ins neue Haus befallen, sind noch das kleinere Problem, denn bald kommt es zu mehreren ganz realen Todesfällen.
In dieser Haunted House-Story arbeitet Guy N. Smith klassische Angsterreger nahezu systematisch ab, den Spaß am pulpigen Trash, den die Krabbenromane vermitteln, fehlt hier leider sehr. Klassischer und traditioneller erzählt ist eben längst nicht immer besser...
Und wenn schon Triskaidekaphobie, hätte Smith dem Leser dann nicht wenigstens das 13. Kapitel ersparen können?

2 1/2 Sterne


Ein Monat auf dem Land: Roman
Ein Monat auf dem Land: Roman
von J.L. Carr
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,00

5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Über die langsame Rückkehr ins Leben, 7. November 2016
Tom Birkin ist Anfang 20 und ein Mann mit "zerbombten Nerven", zuckend und stotternd. Die Schrecken des WK I und das Sitzengassenwerden von seiner Frau sind Grunderfahrungen, von denen er sich nur langsam im nordenglischen Dörfchen Oxgodby im Laufe eines Sommers erholen wird.
Als Restaurator hat er dort seine erste Anstellung gefunden: er soll eine übergekalkte Wandmalerei in der ärmlichen Dorfkirche freilegen.
Die Einsamkeit des Tagwerks und die Zurückgezogenheit seiner Nächte in die Stille der kärglichen Kammer im Glockenturm schaffen langsam Raum für erste vorsichtige Begegnungen mit den Dorfbewohnern. Und hier, in Oxgodby, lernt Tom die junge Alice Keach kennen, eine Botticelli-Schönheit, deren Ehe mit dem deutlich älteren verbiesterten Pfarrer alle verwundert. Es könnte die Liebe seines Lebens werden...

Dieser Sommer des Jahres 1920 hat noch tiefgreifendere Lektionen parat:
Keine Verwüstung, aber auch keine Liebe währt ewig. Bilder werden übertüncht, nach Jahrhunderten freigelegt und irgendwann wieder übermalt; Leichen beigesetzt und von entfernten Nachfahren exhumiert. Und Tom, der diese Lektion gelernt hat, wird, wenn er sich 1978 an den fast 60 Jahre zurück liegenden Sommer erinnert, den anderen Weltkrieg vielleicht auch gar nicht erwähnen müssen. Überhaupt ist ein großer Reiz des Buches für mich gewesen, dass so vieles unausgesprochen bleibt und die Dialoge oft knapp sind und einfach abbrechen,
zugleich viele Bilder und Ideen aber allegorisch sind.
Sehr sympathisch, sehr intensiv ist dieser kurze Roman, bei dem wirklich einmal kein Satz über flüssig ist und der mir ein wunderbares Leseerlebnis beschert hat.


Joe Golem Occult Detective Volume 1- The Rat Catcher and The Sunken Dead
Joe Golem Occult Detective Volume 1- The Rat Catcher and The Sunken Dead
von Mike Mignola
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Joe Golem, 30. Oktober 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Joe Golem ist ein - - - nun, ein Golem; erschaffen von einem Priester im 15. Jahrhundert, um ein "Hexenproblem" von einem slowenischen Dorf abzuwenden, als die bösen Damen doch gar zu dämonisch=rabiat werden.
Eigentlich hätte dieser Golem nie erschaffen werden dürfen, doch offenbar wird er auch nicht zerstört, denn in den 1960er Jahren treffen wir ihn in New York wieder, jetzt in einer menschlichen Gestalt. Unter dem Namen Joe Golem (wer würde nun seine Herkunft erraten können) arbeitet er für Mr. Church (!), um das halb im Wasser versunkene New York vor paranormalen bösen Mächten zu beschützen. Mr. Church betrachtet Joe weniger als seinen Partner denn als seinen Gehilfen, was Joe gelegentlicht kränkt; weiß der arme Kerl ja auch gar nichts von der Natur seiner Beschaffenheit und trinkt immer brav seine Tees, mittels derer Mr. Church seine Erinnerungen ans Mittelalter unterdrückt.
Die Jobs, die Joe zu erledigen hat, sind klassische Mignola-Kost, wie wir sie aus den Hellboy-Comics kennen, und die beiden Storys lesen sich flott und unterhaltsam.
Sehr gut hat mir die Artwork gefallen, die die postapokalyptischen und bedrohlichen Szenen sehr stimmungsvoll illustriert.
Das "tragische" Potenzial der Story wird nur oberflächlich angekratzt. Joe leidet unter Alpträumen, kommt deren Ursache aber nicht auf die Spur (sein Erinnerungsvermögen wird von Mr. Church unterdrückt durch liebevoll für Joe zubereitete "Kräutertees"). Was würde Joe tun, wenn er erführe, dass er ein Golem ist? Bestimmt keine zarten Banden zur Leiterin eines Waisenhauses knüpfen, wie er es jetzt tut.
Vielleicht wird die Reihe ja fortgesetzt und dieser Aspekt, der Joe "menschlicher" machen würde, näher beleuchtet.


Flash Gordon Omnibus (Flash Gordon Omnibus Tp)
Flash Gordon Omnibus (Flash Gordon Omnibus Tp)
von Jeff Parker
  Taschenbuch
Preis: EUR 33,99

4.0 von 5 Sternen Flash Gordon is alive and well!, 18. Oktober 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Der tyrannische Ming weitet seine Schreckensherrschaft interplanetarisch aus, doch zum Glück gibt es Flash Gordon, der mit Hilfe des genialen Dr. Zarkov und der so intelligenten wie schönen Dale Arden der Tyrannei entschlossen entgegen tritt.
JEFF PARKERs Flash Gordon hat mir viel Spaß gemacht. Actionreiche Abenteuer mit einem Augenzwinkern erzählt, ohne die Düsternis und Gewalt, die in vielen aktuellen Comics vorherrscht.
In punkto Setting und Figuren hat Parker sich nah an den klassischen Flash Gordon-Comics orientiert; dass Dale Arden nicht mehr die Damsel in Distress ist, die ständig von Flash gerettet werden muss, sondern eine selbstbewußte Frau, die mehr als einmal für Flash das Denken und Reden übernimmt, erhöht ihren "Liebreiz" nur; man kann spüren, wieviel Spaß das Kreativteam an der Gestaltung der Figuren und der Handlungen hatte.

Dieser Omnibus-Band enthält die Hefte 1-8, außerdem das Annual 2014 und das Holiday Special 2014. Die beiden letztgenannten Hefte sind aus meiner Sicht absolut verzichtbar und haben mir überhaupt nicht gefallen. Ich habe sie aus der Wertung ausgeklammert als "überflüssiges Bonusmaterial".


Überseezungen: Literarische Essays
Überseezungen: Literarische Essays
Preis: EUR 8,99

4.0 von 5 Sternen Lebensgeschichte einer Zunge, 2. Oktober 2016
Yoko Tawada (geboren 1960 in Tokyo) lebt seit 1979 in Deutschland und schreibt sowohl auf Japanisch wie auch auf Deutsch. ÜBERSEEZUNGEN versammelt 14 kürzere Texte, die sich mit dem Thema Sprache und Sprechen beschäftigen, und auch mit kulturellen Unterschieden, die ein Übersetzen vom Japanischen ins Deutsche erschweren.
Feiner Humor und Sinnlichkeit zeichnen ihre Betrachtungen aus, die sich zwischen Prosa und Lyrik bewegen und von konkreten Anlässen und Überlegungen ausgehend ins Traumhafte, Surreale oszillieren.
Wer Freude an Texten hat, deren Protagonist die Sprache selbst ist, sollte sich an den ÜBERSEEZUNGEN versuchen.

"Kann eine Sprache einen Ozean überfliegen? Ich bekam manchmal E-Mails mit Leerstellen. Eine Freundin aus Hamburg schrieb mir, daß die deutschen Umlaute auf dem Weg nach Amerika oft in den Atlantik fallen und darin verschwinden. Japanische Schriftzeichen hingegen fallen in den Pazifik und kkommen auch nicht an. Die Ozeane sind wahrscheinlich schon mit Umlauten und Ideogrammen überfüllt. Was wohl die "ocean engineers" von MIT mit den ganzen Buchstaben machen würden? Ob Walfische Umlaute fressen?"


X-Men: Season One (X-Men (Marvel Hardcover))
X-Men: Season One (X-Men (Marvel Hardcover))
von Dennis Hopeless
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,35

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen X-Men, auf ein Neues!, 28. September 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Unzählige Male ist der Beginn er X-Men aufs Neue erzählt worden, und trotzdem ist SEASON ONE ein herausragendes X-MEN Comic, reine Lesefreude.
Hopeless lässt das frisch gegründete Team nicht einfach die ersten Kämpfe gegen die Bruderschaft der Bösen Mutanten neu bestehen, sondern fokussiert sich auf die Teamfindung der X-Men. Schließlich handelt es sich um Teenager, für die Hormone und Fast Food nicht minder Thema sind als Magneto. Toll erzählt und mit cooler Artwork ist der Band leider viel zu schnell durchgelesen und ich wünschte, Hopeless und McKelvie hätten die Arbeit weiter fortgesetzt.
Comic-Glückseligkeit jenseits der 4,5 Sterne!
(Naja, auch weil ein Riesendinosaurier vorkommt ;)
Kommentar Kommentare (6) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 27, 2016 5:22 PM MEST


Alice Matheson. Band 2: Der Killer in mir
Alice Matheson. Band 2: Der Killer in mir
von Jean-Luc Istin
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,80

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Nicht das einzige Monster, das im Krankenhaus umgeht II, 20. September 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Schöne Steigerung zu Band 1: Sehr gute Artwork wie zuvor, aber handlungsmäßig ist jetzt Zug im Kamin. Entwicklung statt Aktionismus, da freue ich mich schon auf Band 3.


Grimms Wörter. Eine Liebeserklärung
Grimms Wörter. Eine Liebeserklärung
von Günter Grass
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 29,80

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "Gestern wird sein, was morgen gewesen ist", 14. September 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Sich alphabetisch durch das Wörterbuch bewegend, buchstabiert Grass sprachmächtig die Lebens- und Schaffensgeschichte der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm. Dass deren Lebensweg zur Märchenstraße verharmlost werde und die "als Doppelgespann lebenslänglich vor den stets überladenen Bücherkarren" gespannten Schwerstarbeiter nur als Märchenonkel in Erinnerung blieben, dem setzt Grass dieses Buch entgegen. Nicht die Märchensammlung war nämlich ihr Hauptwerk, sondern das nach ihnen benannte Wörterbuch, an dem sich noch weitere Generationen Gelehrter abmühen sollten, bis es endlich von A bis Z vollständig vorlag. "Glatt" verlief ihre Lebensbahn nicht, das verhinderte die große Politik, und davon kann Grass ein Lied singen, denn:
"Gestern wird sein, was morgen gewesen ist. Unsere Geschichten von heute müssen sich nicht jetzt zugetragen haben."
Dieser Satz aus dem TREFFEN IN TELGTE steht wohl mit im Zentrum von Günter Grass Leben, und es fällt dem Geschichtsbewußten leicht, Parallelen zu ziehen von den ins Exil geschickten Göttinger Sieben - darunter Jacob Grimm, Professoren, die sich öffentlich gegen die willkürliche Abschaffung der aufgeklärteren Verfassung durch Ernst August, König von Hannover, erklärten, "weil des Fürsten Zumutung ihr Gewissen wachrief"-, für deren Rehabilitation sich die Mehrzahl der leisetretenden Professoren nicht einzusetzen wagten, und dem opportunistischen Schweigen der Pantoffelhelden an den Hochschulen, als es "landesweit 33 schlug", Stichwort "innere Emigration".
Zugleich ist Grass bewußt, wie problematisch es ist, an einem einmal abgelegten Eid mit aller Entschiedenheit festzuhalten, und stellt dem erzwungenen Eidbruch der Göttinger Sieben den Aufreger schlechthin aus seiner eigenen Biografie gegenüber, den einzigen von ihm gleisteten Eid:
"Es geschah auf einer winterstarren Waldlichtung. Siebzehn zählte ich, als wir, ins Karree gestellt, unter frostklarem Nachthimmel auf Führer, Volk und Vaterland sowie auf den Reichsführer der Waffen-SS vereidigt wurden. Satz für Satz sprachen wir nach: "Ich gelobe..." Feierlich war uns, war mir zumute. Nach dem Schwur wurde gesungen: "Wenn alle untreu werden, so bleiben wir doch treu..."
Dazu kam es nicht (...) Nie wieder würde ich einen Eid leisten."

Man muss sich für die Grimmbrüder und für Grass interessieren, wenn man GRIMMS WÖRTER liest, denn gut trennbar sind die Biografien nicht. Viele Parallelen weiß Grass zu ziehen und gelegentlich klingt er, man kennt das von ihm, etwas besserwisserisch; manchmal ist auch die barocke Sprache etwas dick aufgetragen, und trotzdem hat mir die diese Liebeserklärung sehr gut gefallen. Vor allem hat sie mir Zeit und Leben der berühmten Brüder näher gebracht (und, ich muss es zugeben, auch mein Bild von Bettina von Arnim hat sich sehr geändert).

4,5 Sterne.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 27, 2017 2:28 PM CET


Bargfelder Ausgabe. Briefe von und an Arno Schmidt: Band 1: Der Briefwechsel mit Alfred Andersch
Bargfelder Ausgabe. Briefe von und an Arno Schmidt: Band 1: Der Briefwechsel mit Alfred Andersch
von Bernd Rauschenbach
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 42,80

5.0 von 5 Sternen UND NUN FAHR ZU, SCHWAGER POSTILLION, 13. September 2016
Am 19.08.1952 lernt Arno Schmidt den 17 Tage jüngeren Alfred Andersch kennen und übergibt sogleich die Manuskripte von DIE UMSIEDLER und ALEXANDER, die Andersch 1953 in seiner ambitionierten STUDIO FRANKFURT - Reihe veröffentlicht. Fortan ist Andersch sehr darum bemüht, den notorisch unter Geldnot leidenden Schmidt bei der Veröffentlichung seiner Bücher zu unterstützen.
Aber weder FAUN, KOSMAS noch POCAHONTAS lassen sich bei der Frankfurter Verlagsanstalt, für die Andersch arbeitete, unterbringen; Schmidts Antiklerikalismus und seine Schreibweise sind den Verlegern ein zu hohes unternehmerisches Risiko. Und auch Anderschs Versuche, die Texte bei Kiepenheuer (wo er Böll kannte) oder im Arche Verlag zu platzieren, scheitern. Die Briefe von Andersch zeugen von dem Engagement, dass auch von zahlreichen Rückschlägen nicht gebrochen wird: "Aber wir müssen es schaffen - Sie müssen einen halbwegs anständigen Verleger finden".
Trotz vieler Fehlschläge, wohl weil die Begeisterung spürbar echt war, bleibt der Kontakt zwischen Andersch und Schmidt nicht nur bestehen, sondern intensiviert sich und wird bald weniger formell. Hier haben sich zwei Nachkriegsautoren gefunden, die Adenauers Politik und den miefigen Zeitgeist der 50er verachten und öffentlich mit ungewöhnlich deutlichen Worten kritisieren.

1955 veröffentlicht Andersch in seiner neu gegründeten Zeitschrift TEXTE UND ZEICHEN, die bei Luchterhand erscheint, gleich in der ersten Nummer die POCAHONTAS in einem Stück.
Neben den bei Rowohlt erschienenen schmalen Bänden LEVIATHAN (1949), BRAND'S HAIDE (1951), dem FAUN (1953) sowie dem KOSMAS als Supplement-Band der Zeitschrift "Augenblick" (1955) liegen nun sechs Schmidt-Titel veröffentlicht vor, wenn auch (noch) nicht in bleibender Buchform, wie Schmidt es sich gewünscht hätte.

Doch mit dem nächsten Skandal haben wohl beide nicht gerechnet, auch wenn Schmidt am 1.3.55 an Andersch schreibt:
"Daß Christen und Nazis, also Thron & Altar, auf die "Seelandschaft" schimpfen, habe ich nicht anders erwartet : da müßte ich auch merkwürdiges Zeug geschrieben haben, um aus der Ecke Applaus zu erhalten ! -"
Am 2. Juni teilt Andersch mit:
"Bei dieser Gelegenheit möchte ich Ihnen mitteilen, daß bei der Berliner Staatsanwaltschaft (Gerichtsstand für "Texte und Zeichen" ist Berlin) eine Anzeige gegen "Texte und Zeichen" /Arno Schmidt wegen Verletzung religiöser und sonstiger Empfindungen durch "Seelandschaft mit Pocahontas" eingegangen ist. Die Berliner Staatsanwaltschaft prüft gegenwärtig, ob eine Anklageerhebung möglich ist, und vernimmt zu diesem Zwecke zunächst am 10. Juni den Verleger. Im Falle eines Prozesses werden natürlich Sie und ich die Verantwortlichen sein - ins Gefängnis muß wahrscheinlich ich gehen. Dies nur zu ihrer Information."
Ins Gefängnis muss zum Glück keiner, aber erst am 26.7.1956 wird das Verfahren endgültig eingestellt.

Andersch lässt Schmidt keineswegs fallen, sondern unterstützt ihn nun, indem er als Leiter der Redaktion "Radio-Essay" beim Süddeutschen Rundfunk Stuttgart Schmidts legendäre Nachtprogramme senden lässt, eine willkommene (Neben)Einkommensquelle für Schmidt. Auch hier ist es neben dem schnöden Mammon die Anerkennung, dass in jedem Radioessay Stoff für mehrere Dissertationen steckt, die Schmidts Werdegang als Schriftsteller fördert.

Eine andere Großtat von Andersch wird hingegen sehr viel seltener erwähnt. Noch bevor DAS STEINERNE HERZ veröffentlich wird, ändert sich die politische Lage in der Bundesrepublik, die allgemeine Wehrpflicht wird wieder eingeführt.
Schmidt schreibt am 18.7.55 an Andersch:

"Das "Steinerne Herz" behalten Sie getrost noch bis Ende des Monats (aber bitte nicht aus der Hand geben ! ). An den Stahlberg-Verlag geben Sie es aber bitte nicht weiter, sondern an mich zurück. Es war zur Veröffentlichung noch vor Inkrafttreten irgendwelcher Wehrgesetzte bestimmt (was mir Agis seinerzeit auch zubilligte), und ich hatte deshalb noch einmal lustig alle Schleusen meiner Abneigungen geöffnet. Nach den beiden letzten Landtagswahlen jedoch sah ich, daß "mein deutsches Volk" wieder einmal nicht eher zufrieden ist, bis es die gewohnte Knute auf dem Hintern spürt - und zum ewigen Getreuen Eckart fehlt mir die finanzielle Grundlage, vor allem die Altmeister=Villa in der Schweiz. : Das "Steinerne Herz" wird also nicht mehr erscheinen !! Ich werde es mit schiefem Lächeln in den Koffer zu diversen anderen Fehlgeburten legen, und mich endgültig der Anfertigung von Skizzen, "Plaudereien", Glossen zuwenden : wenns gar nischt mehr wird, wirds immer noch ein Essay, hat Tucholsky einmal gesagt."

Zum Glück für die literarische Welt hält sich Andersch an Schmidts Gebot sowenig wie Brod an das von Kafka. Andersch übermittelt die obige Absichtserklärung Schmidts an Ernst Krawehl, Mitinhaber des Stahlberg-Verlages, und schreibt:

"Es bleibt mir also nichts weiter übrig, als das Manuskript Herrn Schmidt zurückzuschicken. Ich möchte Ihnen aber doch von dem Vorgang Mitteilung machen, damit Sie von sich aus den Versuch machen können, mit Herrn Schmidt in Verbindung zu treten und durch direkte Verhandlungen das Manuskript für Ihren Verlag zu erwerben.
"Das steinerne Herz" ist in politischer und erotischer Hinsicht das gewagteste, was ich von Arno Schmidt kenne. Und selbst ich, der ich einiges zu riskieren bereit bin (wie ich es z.B. mit der Veröffentlichung der "Pocahontas" in Heft 1 von "Texte und Zeichen" getan habe), möchte sagen, daß die Erzählung nicht ohne weiteres im üblichen Verlagsverfahren herausgebracht werden kann. Ein Ausweg ergibt sich meiner Ansicht nach, wenn man das Verfahren der Subskriptions-Ausgabe anwendet, das Rowohlt bei Henry Miller mit so großem Erfolg durchexerziert hat. (...)
Ein Manuskript wie "Das steinerne Herz" unveröffentlicht zu lassen, ist jedenfalls ganz unmöglich. Man mag zu Arno Schmidts politischen, theologischen und sonstigen Ansichten stehen, wie man will, was in seinen Arbeiten sozusagen in jedem Satz sprachlich geschieht, ist ohne Beispiel und wird, zwar nicht sofort, aber auf lange Sicht, sich für den deutschen Sprachstand auswirken."
Der Rest ist (Literatur)Geschichte, die künftigen Bücher Schmidts bis hin zu ZETTELS TRAUM erscheinen im Stahlberg-Verlag.

Das Arbeitspensum, das Schmidt sich auferlegt & absolviert, wird in den Briefen beeindruckend deutlich, und eben auch die stete Unterstützung durch Andersch, sowohl mit Wort und Tat als auch finanziell.
Andersch wendet sich auch an Adorno und regt an, für Schmidt – vor allem in Sachen Pocahontas - ein gutes Wort einzulegen; Adorno ist nicht abgeneigt, letztlich aber kommt es nicht zum erbetenen Aufsatz.

Schmidt, der auf Kritik äußerst sensibel reagiert, lässt sich von Andersch überraschend auch gelegentliche deutliche Kritik gefallen: Einmal verbannt Andersch einen Cooper-Aufsatz in den Kinderfunk, ein anderes Mal schickt er drei Kurztexte an Schmidt zurück:
"Ich sag kein Wort gegen die Sprachkraft dieser drei Stücke, aber es besteht einfach eine solche Diskrepanz zwischen eben dieser Sprachkraft und dem, was damit bewegt wird, daß ich sie nicht bringen möchte. Es kommt mir so vor, als benutzten Sie ein Atomkraftwerk zum Eierkochen. Ich bin mir der Möglichkeit eines Irrtums durchaus bewußt und bitte Sie, mir wenigstens eine solche Möglichkeit zu konzedieren." (5.6.56)
Wohl weil Schmidt Andersch als Kollegen Schriftsteller und Freund akzeptiert, führt die Kritik nicht zum Bruch, wie es ansonsten mit hoher Wahrscheinlichkeit der Fall gewesen wäre.

Beim Lesen des Briefwechsels wird klar, wie sehr Andersch Schmidt gerade in den schweren Jahren gefördert und ihm in mancher Hinsicht den Rücken frei gehalten hat. Phasenweise scheint es fast zweifelhaft, ob Schmidt ohne diese stete Unterstützung und Ermutigung überhaupt zu dem Schriftsteller geworden wäre, als der er heute bekannt ist.
Schmidt kann sich gegenüber Andersch in Pose werfen, aber auch nach Herzenslust auf den Literaturbetrieb und das „Vaterland“ schimpfen; gegenüber Andersch nimmt er Stellung zum Vorwurf des Joyce-Epigonentums, wettert gegen Goyerts (skandalöse) ULYSSES-Übersetzung, erwägt die Emigration nach Irland und die Annahme einer Küster-Stelle in der Nähe von Bremen.
Andersch bestätigt Schmidt zumeist, gelegentlich erlaubt er sich aber auch mäßigende Kommentare. Vielleicht ist der Schriftsteller Schmidt nie näher an eine Freundschaft gekommen, als mit Andersch. Ihr Briefwechsel ist von Dauer und führt schließlich sogar zum "Du".

Auch wenn Schmidts Arbeitspensum nach seinem Umzug nach Bargfeld noch einmal zunimmt (so unmöglich das scheint), und er sich weiter von der Welt zurückzieht und immer tiefer in sein Werk eintaucht, werden die Briefe zwischen ihm und Andersch zwar weniger, aber bis zum zu Schmidts Tod reißt der Kontakt nie ganz ab.

Immer wieder ist auf den Missstand hinzuweisen, dass es bis heute keine umfangreiche ordentliche Schmidt-Biografie gibt. Der Briefband Schmidt / Andersch kann die Lücke nicht schließen, erlaubt aber tiefe Einblicke in Schmidts Schriftstellerexistenz vor allem in den fünfziger Jahren; über das Aus- und Einkommen als Autor, über Brotarbeiten und ernsthaftestes Bemühen um Form und Inhalt, und nicht zuletzt über die Zensur durch Staat und Kirche im Adenauerdeutschland.

Ärgerlich an diesem Buch ist allenfalls das fehlerhafte und teils unvollständige Register, wie es mir z.B. beim Stichwort LILIENTHAL aufgefallen ist. Aber dieses Manko schmälert die Bedeutung des Briefwechsels an sich nicht.

Gegen Ende dieses Briefwechsels befällt mich die Melancholie, die sich sonst nach der Lektüre der großen Familien- und Generationenromanen einstellt, JAHRESTAGE und BUDDENBROOKS zum Beispiel : da zeichnet sich ein Ende ab, mit dem ich mich nicht arrangieren kann. Plötzlich sind sie da, Alter und naher Tod. Canetti hatte sehr recht, sich über den Skandal zu empören, den die Existenz des Todes darstellt.

Damit die Rezension nicht unter Tränen endet, hier ein paar Schmidt-Zitate:

"Etwas Schreckliches ist passiert : der Südwestfunk hat den "Kosmas" gelobt (...)"
(AS am 22.7.55 an AA)

"Haben Sie schon die neueste Kulturschweinerei gehört? : daß man jetzt Bense und dem "Augenblick" an den Leib will? Die Deutschen sind doch immer der selbe unveränderbare Misthaufen, ganz gleich, welche Regierungsform (schließlich ist es ja auch wirklich egal, ob ein Kuhfladen rund oder ins Quadrat getreten ist : Scheiße bleibt's immer !)"
(22.01.5)

"Der PEN-Club tat mir die Ehre an, mich einstimmig als Mitglied zu wählen; was ich, für alle Ehre unempfindlich, mit höflich=dürren Worten prompt ablehnte."
(9.5.57)

"Wenn ich Silbenfälle lese wie "In Schönheit aufgelöste Trauer" - dann möchte ich immer laut "Scheiße" schreien, oder sonst irgendeine grobe Unflätigkeit begehen; nur um solch impotentem Buchstabenfiligran ein Stück Realität entgegenzusetzen !"
(14.10.57)

"Aber wo mir auch in schlaffer Hose knacke das morsche Knie : Ich bleibe Einer, der porträtiert werden will, soll und muß ! (Jott, was werden sich meine Gegner mokieren - und neidisch sein!)"
(31.12.57; Gisela Andersch wollte AS porträtieren, leider kam es nicht dazu)

"(Bitte, wähle deine Briefmarken etwas sorgfältiger : wenn ich das Porträt unseres Bundespräsidenten sehe (und mir zusätzlich vorstelle, wie Du ihn, zwecks Befestigung desselben, auch noch am Gesäß lecken mußtest) möchte ich alle Geduld verlieren (...)"


Seduction of the Innocent
Seduction of the Innocent
von Ande Parks
  Taschenbuch
Preis: EUR 17,49

3.0 von 5 Sternen Solide Noir-Graphic-Novel, 10. September 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Seduction of the Innocent (Taschenbuch)
1953 wird der junge FBI-Agent Jennings nach San Francisco versetzt. Zeit zur Eingewöhnung findet er nicht und auch seine schwangere Frau muss sich alleine zurechtfinden, denn Jennings wird sofort in eine kaltblütige Mordserie verwickelt: gezielt werden führende Gangster und Mafiosi in SF ermordet, und die Täter verschonen auch deren Kinder nicht (kein Wunder, dass den werdende Vater Albträume plagen).
Korrupte Cops und Nazis, die das amerikanische System destabilisieren wollen, sorgen dafür, dass Jennings jugendlichen Idealen nur eine kurze Halbwertzeit beschieden ist.
Ande Parks erzählt die die Story im zynischen Tonfall des hardboiled crime der 50er. Trotz guter Ansätze hat mich die Story aber nicht vollends überzeugt; es gibt die klassischen Noir-Momente, die von Esteve Polls zeichnerisch auch schön umgesetzt werden, aber insgesamt fehlt es der Geschichte ein wenig an Spannung und Eigenständigkeit. Nun punkten die Pulps traditionell zumeist nicht mit Überraschungen und komplexen Persönlichkeiten, aber etwas "moderner" hätte es für meine Geschmack hier zumindest in punkto Storyentwicklung zugehen dürfen.Es gibt ein paar emotionale Momente, aber ansonsten fehlt es der linearen Geschichte für meinen Geschmack an erzählerischer Dynamik.

Fazit: Schnell zu lesender Noir-Krimi, solide, aber nicht herausragend.


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