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Rezensionen verfasst von
T. Wilde

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Afraid of Heights
Afraid of Heights
Preis: EUR 6,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wie ein guter Wein!, 21. September 2016
Rezension bezieht sich auf: Afraid of Heights (Audio CD)
Billy Talent begleiten mich schon seit einigen Jahren mit ihrem unverwechselbaren Alternative-Sound in verschiedensten Situation. Sie sind eine der wenigen Bands, die man praktisch in jeder Gefühlslage hören kann und die einfach nicht langweilig werden. Die Vorfreude auf "Afraid of Heights", das mittlerweile fünfte Album der Band, war riesig, genau wie die Erwartungen, die ich an die Scheibe hatte. Jetzt, nach knapp zwei Monaten, ist es für mich endlich an der Zeit, einige Worte über das Album zu verlieren.
Warum erst jetzt?
Anfangs war "Afraid of Heights" für mich ein gutes Rock-Album mit einem kleinen Billy Talent-Bonus. Einige Zeit und viele Durchläufe später stellte sich heraus, dass meine Einschätzung zu Beginn dem Album keinesfalls gerecht wurde. Bemängelte ich anfänglich das Fehlen der großen Hits, muss ich diese Aussage mittlerweile revidieren. Die Platte braucht einige Durchläufe, bis sie anfängt zu zünden, doch dann brennt es richtig. Dieser Eindruck hat sich bis heute gefestigt - das fünfte Album der Kanadier ist, auch ohne Aaron an den Drums, der ja durch seine MS-Erkrankung nicht als Musiker mitwirken konnte (Gute Besserung!), ein extrem starker Output!

Mit dem BT-typischen Opener "Big Red Gun", der durch seine zynischen Lyrics, die sich mit Waffengesetzen in den USA auseinandersetzen, und seinen sehr eingängigen Refrain besicht, beginnen knapp 50 sehr unterhaltsame und abwechsungsreiche Minuten. Das erste Highlight platzieren die Jungs also gleich zu Beginn des Albums. Der folgende Titeltrack startet langsamer und trotzdem voller Nachdruck, die Gitarren schaffen es, eine tolle Atmosphäre zu erzeugen, der Text steckt voller Metaphern und weder im Refrain noch in den Strophen wird das Tempo merklich angezogen, sodass ein Midtempo-Rocker erster Klasse entsteht. Der dritte Titel "Ghost Ship of Cannibal Rats" ist, wie schon der Opener, ein typischer Billy-Talent-Song, der auf den markanten Gitarren- und Basssound und die unverwechselbaren Backing Vocals setzt. Dazu gesellt sich ein Refrain, der sich festbrennt und zu den besten gehört, die die Jungs je geschrieben haben, und am Ende hören wir Ben sogar einen kleinen Schrei andeuten.
"Louder Than the DJ" wirkt zuerst textlich ein wenig stumpf, doch nach mehrmaligem Hören entwickelt sich der rotzige Punk'n'Roll-Song zu einem der Kracher aus dem Hause Billy Talent. Die Liebeserklärung an die Rockmusik, ähnlich schmissig ist , wie das Buzzcocks-Cover zu "Ever Fallen In Love (With Someone You Shouldn't've)", wird definitiv zu einem Live-Kracher werden und die Tanzfläche der Indie-Disko zum beben bringen. Mit dem bluesig-schepperndem "The Crutch", inklusive Gitarrenpart, der sich vor AC/DC verneigt, präsentieren die Kanadier eine neue Facette ihres Sounds, der ein wenig erweitert wurde. Doch man erkennt immer die Handschrift der Band und genau das macht diese Nummer so interessant und vor allem so brutal gut!
Mit einer Akustikgitarre beginnt die Gänsehaut-Ballade "Rabbit Down the Hole", ein Song, den man nicht erwartet hätte. Sechs Minuten brillanter und eingängiger 70er-Progressive-Rock mit Gitarrensoli zum Niederknien, Ben in gesanglicher Höchstform, Textzeilen, die sich im Gehirn einbrennen und einem Ende, das den Hörer sprachlos zurück lässt. Auch wenn einige Songs schon Highlights sind und noch einige richtig starke Nummern folgen werden, "Rabbit Down the Hole" stellt alles in den Schatten und ist einer der besten Songs, die Billy Talent bisher veröffentlicht haben, wenn nicht sogar der beste.
"Time Bomb Ticking Away" ist einer der härtesten und schnellsten Tracks des Albums und geht auch verdammt schnell ins Ohr. Während der Refrain noch eher zurückhaltend ist, präsentieren sich die Strophen als typisch leicht hysterische Passagen, die richtig Spaß machen. Anschließend wird es hymnisch, "Leave Them All Behind" ist ein Alternative-Rocker, der für große Arenen und Massensingalongs geschrieben wurde und sich nach "Rabbit Down the Hole" in der Liste der herausragenden Lieder des Albums einreiht. Billy Talent entdecken auf ihrem fünften Longplayer also endgültig ihre Stadionaffinität und beweisen Pop-Punk-Qualitäten, die leichte Green-Day-Erinnerungen wachrufen.
Mit "Horses & Chariots" wird eine weitere neue Sound-Facette beleuchtet: Synthesizer, um für einen tiefen und atmosphärischen Klang zu sorgen, was erstaunlich leicht gelingt. Teilweise könnte man denken, dass System of a Down um die Ecke spähen, ohne wirklich aufzufallen. Die Synthie-Töne fallen zwar auf, doch sie fügen sich in das Gesamtbild extrem gut ein, was nicht vielen Bands gelingt. "This Is Our War" bedient dann wieder alle, denen die Experimente nicht so sehr zusagen und rockt als kritischer Alternative Rocker mit leichten Punkeinflüssen. Auch hier prägt sich eine Textstelle ganz besonders ein: "Once there was a nation here/now there is no more". Ein kraftvolles "Hey!" leitet den vorletzten Song "February Winds" ein, der erneut sehr kritisch mit der Weltpolitik ins Gericht geht und auch musikalisch als nachdrücklicher und hymnischer Punksong überzeugen kann. Beschlossen wird das Album mit einer elektronischeren Version des Titeltracks, den man am besten als Mischung aus ebendiesem und "Horses & Chariots" bezeichnen kann. Mit persönlich gefällt die erste Version deutlich besser, auch wenn der schleppende und pumpende Sound der Reprise-Version auch seine starken Momente zu bieten hat, wie zum Beispiel ein Gitarrensolo nach zweieinhalb Minuten, das einfach nur Gänsehaut verursacht.

Am Ende steht ein starkes Album, dem man, wenn man nicht schon nach zwei- oder dreimaligem Hören überzeugt ist, seine Zeit zum Entfalten geben sollte. Hier ist es wirklich wie ein guter Wein, je mehr Zeit man der Platte gibt, desto besser wird sie. Textlich präsentieren sich Billy Talent als äußerst relevant, sie sprechen die Flüchtlingskrise an, lehnen sich gegen eine Klassengesellschaft auf und prangern Rassismus an. Vergleichbar mit vorherigen Alben ist "Afraid of Heights" nicht wirklich, trotzdem wirkt es runder und daher auch stärker als "Billy Talent III" und "Dead Silence". Aarons Abwesenheit hinter dem Drumset fällt zum Glück nicht sehr auf, da er beim Schreiben der Drumparts beteiligt war und auf der Deluxe-Version in der Demoversion von "Leave Them All Behind" auch selbst hinter den Drums Platz genommen hat. Dennoch wünscht man sich natürlich nichts mehr, als dass er Jordan Hastings bald wieder vollständig ablösen kann.

Anspieltipps: Rabbit Down the Hole, Leave Them All Behind, Chost Ship of Cannibal Rats, Louder Than the DJ, The Crutch, Big Red Gun
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 13, 2016 8:50 PM CET


California
California
Preis: EUR 5,99

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen So sehr blink wie seit mehr als einem Jahrzehnt nicht mehr!, 5. Juli 2016
Rezension bezieht sich auf: California (Audio CD)
Es ist eines der Comebacks des Jahres – blink-182 sind wieder da und bringen mit „California“ ihr siebtes Studioalbum auf den Markt. Nach dem Ausstieg von Tom DeLonge, der markanten Stimme des Pop-Punk-Trios, haben sich Mark Hoppus und Travis Barker mit Alkaline Trio-Frontmann Matt Skiba zusammengetan und präsentieren ein absolutes Highlight in der Diskografie der Kalifornier. Denn eines kann man vornweg nehmen: „California“ setzt irgendwo da an, wo man vor 15 Jahren mit „Take Off Your Pants and Jacket” aufgehört hat, reichert es mit wenigen Spielereien an und Matt Skiba ist ein würdiger Ersatz des nun nach Aliens forschenden Gründungsmitglieds Tom DeLonge.

Mit Marks Gesang begleitet von einer zurückhaltenden Gitarre beginnt das Album, bevor diese richtig aufkeimt und sofort einfach nur so klingt, wie man es von blink kennt. Dazu schlägt Travis mit der bekannten Präzision auf sein Schlagzeug ein – Fans der alten Alben sollten schon beim Opener “Cynical” Luftsprünge machen. Die erste Single-Auskopplung “Bored to Death” sitzt schon seit Monaten in meinem Ohr fest – ein hymnischer Refrain, den man praktisch sofort mitsingen kann und der Gesang von Matt und Mark, der wunderbar harmoniert, machen aus dieser Nummer einen absoluten Hit. Alle Skeptiker sollten spätestens jetzt beruhigt sein – blink klingen ohne Tom mehr nach blink als auf “Neighborhoods” mit Tom. Auch “She's Out Of Her Mind” fügt sich perfekt in das bisherige Gesamtbild ein und der Refrain könnte genauso gut 15 Jahre alt sein, dazu kommt Marks Bassspiel richtig gut zur Geltung. Auffällig ist hier auch das erste Mal Matts einprägsame Stimme, die in “Bored To Death” doch noch der von Mark ähnelte.
“Los Angeles” ist eines der wenigen Experimente auf “California” - die spacigen Sounds zu Beginn könnten fast noch auf Tom zurück gehen, dazu kommen fast im Sprechgesang vorgetragene Zeilen, bevor der Refrain doch wieder typischer Pop-Punk ist und die Bridge an alte blink-Songs erinnert. In den Strophen dominiert aber weiterhin ein etwas ungewöhnlicher Sound, der aber ordentlich funktioniert. Das folgende “Sober” zeigt wieder alles, wofür ich die Band seit Jahren liebe, also eingängige Melodien, Mitsing-Refrains und ein paar fröhliche “Nanana”'s. Und auch mit “Built This Pool” knüpfen die Jungs an alte Zeiten an, die Zeit der kurzen Spaß-Songs ist zum Glück noch nicht vorbei und man kann einmal mehr herzhaft lachen!
Weiter geht's mit “No Future”, ein Ausspruch, der in der Punk-Szene schon auf eine ordentliche Tradition zurückblickt. Der Beginn ist noch sehr ruhig, dann prescht der Chorus hervor und man kann nicht anders, als das Radio aufdrehen und ein bisschen rumspringen. Deutlich wird hier aber der Einfluss Matt Skibas, dessen Gesangsparts sehr an Alkaline Trio erinnern. “Home Is Such A Lonely Place” ist eine Ballade, die primär von einer akustischen Gitarre begleitet wird und so den Fokus auf das Zusammenspiel der beiden Sänger legt. Das funktioniert erstmal richtig gut und sorgt für Gänsehaut und ist dazu noch neben “I Miss You” eines der balladesken Meisterwerke der Band. An frühere Zeiten erinnert auch der Pop-Punk-Kracher “Kings Of The Weekend”, dessen Refrain einmal mehr zum Niederknien ist und dessen Bridge extrem fette Gitarrenläufe mitbringt. Wieviel Glaubwürdigkeit haben Männer über 40, die einen Song “Teenage Sattelites” nennen, eigentlich noch? Das ist bei der Nummer zum Glück ziemlich egal, da auch hier einfach ohne Punkt und Komma gerockt wird und man denkt eher an Jungspunde um die 20, die diese Nummer aufgenommen haben als an Männer, die allesamt mein Vater sein könnten.
Auch “Left Alone” beginnt mit etwas abgespaceten Sounds, bevor daraus ein wahrhaft bombastischer Pop-Punk-Hit mit ganz leicht elektronischen Einflüssen wird, der auch wunderbar auf das selbstbetitelte Album von 2003 gepasst hätte und den man nicht so schnell vergessen wird. Dann hauen blink mit dem Zweieinhalbminüter “Rabbit Hole” einen absoluten Kracher raus, hier passt einfach alles, fette Strophen treffen auf einen noch fetteren Refrain, dazu gesellt sich Travis' fantastisches Drumming. Herz, was willst du mehr? Etwas nachdenklicher gerät der Beginn von “San Diego”, übrigens auch die Stadt, die blink-182 vor über 20 Jahren hervorbrachte. Insgesamt ist die Nummer ein höllisch nostalgischer Rock-Kracher, der für mich ein absolutes Highlight auf dem Album darstellt. Man möchte einfach nur ins Auto steigen und eine Straße am Meer entlang fahren, während “San Diego” laut aus den Boxen dröhnt.
“The Only Thing That Matters” läutet das Ende von “California” ein, der Song ist ein knapp zweiminütiger Pop-Punker, der ins Ohr geht und für extrem gute Laune sorgt. Den Titeltrack haben sich blink fast bis zum Ende aufgehoben, er beginnt ruhig und erneut etwas nostalgisch, dann baut sich langsam ein unglaublich kraftvoller Titel auf, dessen Ende bei mit wieder für Gänsehaut sorgte und der in die halbminütige “Brohemian Rhapsody” übergeht, den Abschluss des Albums. Diesen letzten Song hätte man gerne noch zu einem vollwertigen Lied ausbauen können, denn die 30 Sekunden sind blink pur, doch andererseits mag ich diese kurzen blink-Nummern auch sehr gerne und freue mich, dass sie auf “California” zwei davon untergebracht haben.

Am Ende steht ein Album, das von vorne bis hinten einfach nur geil ist, großen Spaß macht und auf dem blink-182 auch ohne Tom zu ihrer alten Form zurückfinden. Sie können halt diesen jugendlichen Pop-Punk am besten und genau dafür werden sie von ihren Fans geliebt. “California” sollte alle Skeptiker, die meinen, dass blink ohne Tom nicht blink sind, vom Gegenteil überzeugen, denn so sehr blink wie 2016 waren sie seit mehr als einem Jahrzeht nicht mehr. Matt Skiba ist ein mehr als würdiger Ersatz für Tom und so wie er sich eingefügt hat, könnte man denken, er spiele schon seit Jahren in der Band. Ein Comeback mit Ansage - und mit was für einer!

Anspieltipps: Bored To Death, She's Out Of Her Mind, Home Is Such A Lonely Place, Kings Of The Weekend, Left Alone, Rabbit Hole, San Diego, California


Aggressive
Aggressive
Preis: EUR 6,49

10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hardcore mit dem Händchen für Melodien, 4. Juni 2016
Rezension bezieht sich auf: Aggressive (Audio CD)
Beartooth schlugen in der Hardcore- und Metalcore-Szene ein wie lange keine Band mehr und konnten auch abseits der Szene einige Erfolge verbuchen. Was das ursprüngliche Ein-Mann-Projekt vom ehemaligen Attack Attack!-Sänger Caleb Shomo, das mittlerweile ein Quintett ist, aber von anderen modernen Hardcore- und Metalcore-Bands unterscheidet, sind klassische Punk-Einflüsse, die man immer wieder in Beartooth-Songs hören kann, sowie das grandiose Gespür für großartige Refrains, die sofort im Ohr hängen bleiben - man bedenke nur den Über-Hit "In Between" vom genialen Debütalbum "Disgusting". Die Themen, die die Band in ihren vor Energie strotzenden Songs berührt, stammen oftmals von persönlichen Erfrahrungen von Caleb Shomo, die er mit Alkoholismus und Depression machte.
Das gefeierte Debüt der Jungs aus Ohio bestach mit einem krassen Kontrast zwischen brachialer Härte in den meisten Strophen und unheimlich catchy Melodien im Refrain, Screams und Shouts machten hierbei aber mehr als die Hälfte der Platte aus. Das hat sich auf "Aggressive" geändert, der Gesang hat wie im Vorfeld von der Band angekündigt die Oberhand gewonnen, geblieben ist das Händchen für Melodien.

Der Opener und Titeltrack beginnt fast schon zurückhaltend und mündet in einem Shout zu Beginn, der von harten Gitarren begleitet wird. Gesang und gescchriene Passagen wechseln sich ab, der Refrain ist wieder zum Niederknien und die Bridge zeigt, wie wunderbar Härte und Melodie zusammenpassen. Das folgende "Hated" beginnt als Alternative-Rock-Song mit einigen harten Gitarren und geht in Melodic Hardcore mit Pop-Punk-Anleihen über, der stellenweise an A Day To Remember erinnert, die Bridge stellt einen Bruch dar und mündet in einen Hardcore-Part, der zwar richtig Spaß macht, aber fast schon etwas aufgesetzt wirkt. Dennoch ist "Hated" ein klasse Track. Mit "Loser" wird dann in feinster Punk-Manier alles abgerissen, schnelle Gitarren, einige gescreamte Passagen machen die Strophen aus, der Refrain hat schon wieder absolutes Hit-Potenzial, die Bridge ist wieder relativ hart gehalten. Es könnte fast schon langweilig klingen, wenn die Versatzstücke immer so ähnlich sind, aber das fällt bei diesen Refrains gar nicht wirklich auf, man hat einfach nur ein Hochgefühl nach dem nächsten. "Fair Weather Friend" beginnt wie ein Brett, der Gesang ist extrem druckvoll und eindringlich und der Refrain ist Alternative Rock vom Feinsten, angenehmerweise bleibt auch das typische harte Zwischenspiel aus.
"Burnout" beginnt hart, hätte auch wunderbar auf "Disgusting" gepasst, dann treiben Gesang und klassisches Punkdrumming die Nummer stark nach vorne und man überlegt sich, wie man hier einen klaren Refrain platzieren könnte und dann präsentieren Beartooth einen Chorus, der sich immer zwischen Screams und Gesang bewegt, das hat man auf dem Album so noch nicht gehört. Dazu gesellt sich ein Breakdown, der einfach nur genial ist und man erwischt sich zuhause beim Headbangen, versprochen. Das sehr melodische "Sick Of Me" schließt sich hier an und präsentiert Beartooth von einer Seite, die man fast schon als stadiontauglich bezeichnen kann. Das können nicht viele Bands auf einem zweiten Album, auf dem verdammten zweiten Album, zeigen, ohne sich selber zu verraten. "Censored" ist zu Beginn ein feiner Metal-Song, dann steigt Caleb mit halbgeschrienem Gesang ein. Was hier nicht sofort zündet, ist der Refrain, der zwar wieder sehr eingängig ist, aber im Vergleich des Albums etwas zurückbleibt, dafür sind die Strophen der absolute Hammer. Der Mittelteil des Albums wird mit "Always Dead" beschlossen, einem Metalcore-Song ohne Pause, ohne Spielereien und mit gebündelter Energie. Keine zweieinhalb Minuten fegen Beartooth wie ein Tornado aus den Boxen und man hat einfach nur extrem viel Spaß.
"Ohohoh"-Chöre läuten "However You Want It Said" ein, das zu Beginn kurz so klingt, als hätten Sum 41 hier Modell gestanden, bevor es härter wird und der Refrain dafür sorgt, dass Fäuste in die Luft fliegen und man inbrünsig gen Himmel grölt. Mit "Find A Way" folgt darauf ein ordentlicher Hardcore-Song mit Alternative-Refrain, dessen Stärke in den Strophen steckt, die ein schönes Temop vorgeben und toll in den Chorus übergehen. In einem Breakdown kotzt sich Caleb ordentlich aus, bevor der Refrain den Song hymnisch zuende bringt und harte Gitarren die Nummer beschließen. Der vorletzte Titel hört auf den Namen "Rock Is Dead" und beweist, dass dem nicht so ist, jedenfalls nicht bei Beartooth. Die Nummer klingt wie The Bronx meets Deaf Havana, In-Your-Face-Hardcore mit einem rockigen Refrain, der im Kopf bleibt und den man nicht so schnell vergisst, wobei der obligartorische Breakdown rein instrumental ausfällt. Die größte Überraschung haben sich die Jungs aber bis zum Ende aufgehoben, der atmosphärische Closer "King Of Anything" besticht mit tief gestimmter Gitarre und Calebs ruhigem, fast beschwörendem und verzweifeltem Gesang, der bei mir für Gänsehaut gesorgt hat. Nach etwas mehr als zwei Minuten endet das Album also mit dem ruhigsten Beartooth-Song und komplett neuen Tönen.

Mit "Aggressive" präsentieren die Jungs um Caleb Shomo einen würdigen Nachfolger des genialen Debüts "Disgusting", der die Klasse des Vorgängers nicht ganz erreichen kann, dazu fehlt ein zweites "In Between". Dennoch ist die Platte eine absolute Empfehlung für alle, die auf Hardcore/Metalcore und Rock mit großen Melodien stehen, denn sie vereint beides erneut auf fantastische Art und Weise. Beartooth haben erneut bewiesen, dass sie Melodien schreiben können, die man so schnell nicht mehr vergisst und dass sie zu den besten Bands im Hardcore-Bereich zählen.

Anspieltipps: Aggressive, Hated, Burnout, Rock Is Dead, King Of Anything


The Color Before the Sun
The Color Before the Sun
Preis: EUR 11,99

5.0 von 5 Sternen Wenn schon Mut zum Pop, dann bitte so!, 25. Mai 2016
Rezension bezieht sich auf: The Color Before the Sun (Audio CD)
Bis ins letzte Jahr hinein hätte man vermuten können, dass Coheed and Cambria dazu "verdammt" sind, Konzept-Alben zur Comic-Reihe "The Amory Wars" von Sänger Claudio Sanchez zu veröffentlichen, heißt sie doch wie die Hauptcharaktere der Comics. Mit "The Color Before The Sun" überrascht die Band aber mit ihrem ersten Album abseits eines Konzeptes und im stellenweise ungewohnten Soundgewand, das sich vom fantastischen Progressive Rock der Vorgängeralben hier und da entfernt und neue Wege geht, die Coheed and Cambria aber erstaunlich gut zu Gesicht stehen und großen Spaß machen.

Der Opener "Island" beginnt mit Bahnhofsgeräuschen und grandiosen Vocal-Harmonien, die fast schon Erinnerungen an Queen wecken, so groß, wie sie aufgezogen sind. Recht poppig kommt dieser erste von zehn Songs daher, dennoch weiß man sofort, dass er von CaC stammt, Claudios relativ hohe Stimme erkennt man praktisch sofort und auch die Gitarrenarbeit ist typisch für die Band. Der Chorus ist eine reinste Offenbarung und setzt sich mit Pop-Punk-Melodien schnell im Kopf fest. Die Überleitung zu "Eraser" ist dann etwas härter und betritt leichte Metal-Gefilde, der zweite Titel an sich besticht mit einer geilen Bassline, leichten Post-Hardcore-Einschlägen, einem unfassbar einprägsamen Refrain und teilweise herrlich verzerrten Gitarren. "Colors" ist dann ein etwas entschleunigender Song, der erst richtig ruhig gehalten wir und dann in einen träumerischen Refrain ausufert, der für erste Gänsehaut-Momente sorgt und zeigt, dass wir hier eine Band hören, die als Prog-Band bekannt geworden ist.
Ein absolutes Highlight stellt die Power-Pop-Ballade "Here to Mars" dar, die ein waschechtes Liebeslied ist, das nie in peinlichen Lyrics versinkt, sondern einfach nur eine wunderschöne Liebeserklärung ist. Der Refrain ist galaktisch gut, die Strophen interessant begleitet und die letzten anderthalb Minuten erinnern tatsächlich an My Chemical Romance in ihren besten Zeiten. Mit "Ghost" folgt ein sehr ruhiger, folkiger Titel, der durch den Gesang so besonders ist, Claudio singt ungewohnt tief und wird nur von einer Akustikgitarre begleitet, auch der Text berührt zutiefst, doch nach nicht einmal drei Minuten ist auch schon wieder Schluss und mit "Atlas" schließt sich ein Prog-Rocker erster Güte an, der textlich ein Schlaflied für ein Kind namens Atlas ist, der Name des Sohnes von Sänger Claudio Sanchez. Musikalisch haben einen Midtempo-Rocker mit eingängigem Refrain und extrem starken Vocals. Das folgende "Young Love" fährt das Tempo wieder etwas herunter und wird von ruhigen Gitarrentönen dominiert, die sich sofort ins Gedächnis brennen, dennoch ist diese Nummer trotz ihrer knapp vier Minuten Laufzeit relativ langatmig.
Das letzte Trio wird von "You Got Spirit, Kid" eröffnet, der Überraschung des Albums. Beginnend mit Gesangslinien, die ein wenig progressive Töne versprühen, findet ein krasser Bruch statt und CaC präsentieren dem Hörer astreinen Pop-Punk und der funktioniert ganz hervorragend. Die Nummer geht gut nach vorne, man hört "OhOh"-Chöre und treibendes Punk-Drumming - ein absolutes Highlight mit Hitpotenzial. Und dann schlägt "The Audience" auf, ein Prog-Song, der auf dem Album seinesgleichen sucht. Fantastische Riffs, verzerrte Gitarren und ein Refrain, der einfach genial ist und den man nicht mehr vergisst, treffen auf eine kleine, aber gewaltige Eruption im Mittelteil, in der Claudio in wenigen Sekunden alles herausscreamt, bevor die Nummer etwas ruhiger, aber mit bombastischen Arrangements zuende geführt wird. Zum Abschluss wird es nochmal etwas ruhiger, "Peace To The Mountain" beginnt akustisch und mit fast schon zurückhaltendem Gesang und entwickelt sich zu einem positiven Pop-Rock-Song für laue Sommerabende am Lagerfeuer - und auch das funktioniert ohne Probleme.

Am Ende steht ein Album, das sich stilistisch etwas vom Prog Rock/Metal der vorhergehenden Alben distanziert und mit Elementen des Pop-Punk und einer ordentlichen Prise der Eingängigkeit des Pop ein Klangerlebnis schafft, das man von CaC noch nicht kannte, das aber großen Spaß macht und dem Hörer knapp 50 Minuten eine wunderbare Zeit beschert, sodass man das Album gleich nochmal hören will. Wenn schon Mut zum Pop, dann bitte so!


XI (Eleven)
XI (Eleven)
Preis: EUR 7,74

5.0 von 5 Sternen Wir werden hoffentlich noch viel von Rebel Revive hören!, 15. März 2016
Rezension bezieht sich auf: XI (Eleven) (MP3-Download)
Manchmal hat man das Glück und entdeckt eine Band für sich, die einen immer irgendwie begleiten wird. Rebel Revive gehören für mich seit ein paar Jahren dazu, auch wenn man sie hierzulande wohl eher nicht kennt. Durch einen glücklichen Zufall bin ich vor zwei Jahren auf ihre "XI"-EP gestoßen und war sofort begeistert. Aufgenommen wurde die EP von Sänger und Songwriter Matthew Lindblad alleine, bevor die weiteren Bandmitglieder zu ihm stießen. Mittlerweile sind die Jungs aus Orange County, das ja bekanntermaßen eine Wiege des amerikanischen Punkrock ist, eine vierköpfige Band, die dieses Jahr ihr langersehntes Debütalbum veröffentlichen wird, worauf ich mich persönlich sehr freue.
Musikalisch sind Rebel Revive irgendwo im Alternative Rock zu verorten, wobei Elemente des Punkrock, Pop-Punk und Pop-Rock, aber auch aus Post-Hardcore und Emo zu hören sind.

Der Opener "The Voices" beginnt mit großartigen Gitarrenharmonien, die eine gute Stimmung und ordentlich Druck erzeugen. Die Drums treiben den Song mit den klaren Gitarren voran, der Gesang kommt hymnisch daher und der Refrain beißt sich durch mehrstimmigen Gesang und eine fanatstische Melodie fest. Das ist moderner und verdammt optimistischer Pop-Punk vom Feinsten! Mit "Skeletons" wird es zu Beginn etwas lauter, Gitarren und Drums jagen durch die ersten Sekunden, bis die erste Strophe das Lied etwas entschleunigt und Matthews Stimme starke Höhen erreicht. Der Refrain ist klingt extrem breit und ab der zweiten Strophe mischen sich Streichertöne unter. Die Halbballade bekommt zum Ende hin einen immer dicheren Sound, die Gitarren klingen immer härter, bis die letzten Sekunden von einem Breakdown zerrissen werden, der von starken Screams begleitet wird. Versöhnlichere Töne schlägt da schon "Better Days" an, der der perfekte Soundtrack für einen warmen Sommerabend ist. Der Song pendelt zwischen Pop-Rock und Pop-Punk, wird von eingänigen Gitarrenrhythmen und einem noch eingängigerem Refrain begleitet und setzt sich im Gehörgang nach dem ersten Mal Hören fest.
"Like You Mean It" beginnt mit poppigen Gitarren, dann steigen Drums ein, bevor Mathhew mit "OhOhOh"-Chören einsteigt, die einfach total euphorisch klingen. Zu Beginn erinnert mich der Song etwas an Deaf Havana, bis der Refrain wieder typische Pop-Punk-Töne einschlägt und sofort zum Mitsingen animiert. Gesprochene Parts kommen richtig stark zur Geltung, die Bridge wird musikalisch unruhiger, bevor Gesnag einsteigt, der von relativ harten Screams begleitet wird und dann sofort wieder vom melodischen Refrain verdrängt wird. Ganz große Kunst! Der nächste Titel "Nameless Faceless" ist vielleicht nicht der härteste, auf jeden Fall aber unruhigste, Song der EP, die Gitarren klingen fast schon nach Metal, der Refrain stellt das aber mit seiner Eingängigkeit ein wenig auf den Kopf. Auch hier werden einige Screamparts eingebaut, die perfekt funktionieren. Mit dem unfassbar guten Closer "Stars" endet die EP nach nicht einmal 20 Minuten - und trotzdem klingen die Töne von Rebel Revive schon so vertraut, als würde man die Band schon von unzähligen Alben zuvor kennen. "Stars" ist ein Rocksong erster Klasse, der wieder am Pop krazt und sich optimal bei ihm bedient, ohne zu poppig zu wirken, auch wenn der Refrain sehr groß aufgezogen ist, doch auch das funktioniert ohne wenn und aber.

Es ist eigentlich kaum zu glauben, dass diese EP von einer Band stammt, die bei der Aufnahme von "XI" eigentlich noch gar nicht existierte, so stark wie sie eingespielt und produziert ist. Ein musikalisches Mastermind namens Matthew Lindblad hat das Kunststück trotzdem fertig gebracht und einen Vorgeschmack auf die Band gegeben, die in diesem Jahr ihren ersten Longplayer veröffentlichen wird. Man kann nur hoffen, dass man von dieser Band in Zukunft noch viel hören wird und ich bin davon überzeugt, dass Rebel Revive ihren Weg gehen und dabei enorm an Bekanntheit gewinnen werden. In der alternativen Rockmusik werden sich die Jungs mit ihrem Sound zwischen Punk, Rock, Pop und Post-Hardcore ganz sicher etablieren können.


Taking One For The Team
Taking One For The Team
Preis: EUR 15,99

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Man könnte glatt nostalgisch werden..., 26. Februar 2016
Rezension bezieht sich auf: Taking One For The Team (Audio CD)
Simple Plan sind eine der ersten Pop-Punk-Bands, die ich gehört habe. Mit Songs wie "I'd Do Anything", "Addicted" oder "Shut Up!" drückten sie einem ganzen Genre ihren Stempel auf. Die kanadische Antwort auf blink-182 erspielte sich schnell eine große Fanbase und konnten bald schon Erfolge im Mainstream verbuchen, auch wenn ihr hierzulande wohl bekanntester Song "Summer Paradise" sehr den Konventionen langweiliger Top-40-Radiostationen erfüllt. Dennoch schafften sie es, auf jedem Album einige echte Kracher zu platzieren, auch wenn ihr Sound immer poppiger wurde.

Mit "Taking One For The Team" kehren die Jungs ganze fünf Jahre nach ihrem letzten Album zurück und präsentieren dem Hörer teilweise einen Ausflug in die frühen 2000er, in eine Zeit, als "No Pads, No Helmets ... Just Balls" gerade veröffentlicht wurde. Der krachende Opener "Opinion Overload" ist Pop-Punk-Nostalgie pur, mit Lyrics, die besagen, dass man einfach das machen soll, was man selbst für richtig hält, ohne sich beeinflussen zu lassen. Gleichzeitig wirkt es auch wie ein ausgestreckter Mittelfinger gegen Kritiker der Band. Eine ähnliche Richtung schlagen "Boom!", das mit tollen Gitarrenharmonien punktet und zum Mitgröhlen animiert, und das beschwingte "Kiss Me Like Nobody's Watching", das ein wenig an All Time Low erinnert, ein. Die ersten drei Songs sind also gute Laune pur und präsentieren Simple Plan so frisch und wild wie lange nicht mehr.
Das erste Feature auf "TOFTT" knüpft nahtlos an die vorherige Stimmung an und präsentiert Gast-Vocals von New Found Glory-Sänger Jordan Pundik. Allgemein könnte "Farewell" auch von NFG stammen, so druckvoll wie die Gitarren daherkommen. Der erste Durchhänger ist der Reggae-Song "Singing In The Rain", das zusammen mit dem Hip-Hop-Duo R. City aufgenommen wurde. Wäre die Nummer eine Minute länger gewesen, hätte sie durchaus funktionieren können, aber die letzte Minute zieht sich etwas in die Länge und ich wurde nicht wirklich warm damit. Das folgende "Everything Sucks" macht aber da weiter, wo "Farewell" aufgehört hatte, mit eingängigem Pop-Punk, der den Nostalgiker im Hörer weckt. Noch besser wird dann der nächste Song "I Refuse", der zu den härtesten und schnellsten, zugleich aber eingängigsten Simple-Plan-Songs zählt. Dieser Punk-Kracher ist einfach ganz starke Kost, die einen breit grinsend zurücklässt.
Danach kann man sich auch einen Ausfall leisten, denn "I Don't Wanna Go To Bed" mit Rapper Nelly ist der Tiefpunkt des Albums, irgendwo zwischen langweiligem R&B und Möchtegern-Funk lädt der Titel zwar zum Bewegen ein, wenn man aber nur zuhören muss, ist man spätestens nach einer Minute genervt und danach wird es schnell schlimmer, wenn Nelly dann alleine rappen darf. Aber um zu verkaufen, muss man sowas wohl mit hineinnehmen. Gott sei Dank präsentieren sie nach diesem schwachen Song einen weiteren schnellen und eingänigen Pop-Punker, der auf den Namen "Nostalgic" hört und den Hörer erneut genau so fühlen lässt - nostalgisch. Die erste richtige Ballade schließt sich mit "Perfectly Perfect" an, die Nummer tut keinem weh, ist aber gleichzeitig auch kein Höhepunkt, dennoch kann man sie sich sehr gut anhören und sie funktioniert als Entschleuniger ganz wunderbar. Es fogen wieder zwei grandiose Pop-Punk-Songs, das mit Ska-Elementen aufgepeppte "I Don't Wanna Be Sad" und das an Good Charlotte erinnernde "P.S. I Hate You", die die Stimmung wider zum sieden bringen und einfach nur großen Spaß machen. Die beiden letzten Songs erinnern an die großen Zeiten des Emo-Pop, die sich auch Anfang der 2000er abspielten. Die Balladen "Problem Child", das bei jedem Hören besser wird, und "I Dream About You", das zusammen mit Juliet Simms, deren Gesang fantastisch mit Pierre harmoniert, aufgenommen wurde und mit düsteren Synthie-Sounds spielt, lassen das Album ruhig und stimmungsvoll enden, sorgen aber nicht dafür, dass man seine gute Laune verliert, die man durch die Platte gewonnen hat.

Simple Plan liefern dem Hörer mit "Taking One For The Team" ein Pop-Punk-Album, das zu den besten Alben des Genres in den letzten Jahren zählt. Unheimlich kreativ und dabei sehr an den Wurzeln orientiert, sodass man glatt nostalgisch werden könnte, zelebrieren die Kanadier eine dreiviertel Stunde Energie pur und liefern sich nur kleinste Fehler in der B-Note, die aber nicht zu einem Punktabzug führen, denn als Gesamtwerk steht eine Veröffentlichung, die einfach Spaß macht und den Hörer einfach glücklich zurücklässt - und das zu schaffen ist an sich schon eine relativ große Kunst.


Death of a Bachelor
Death of a Bachelor
Preis: EUR 11,99

11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein erstes musikalisches Highlight in 2016, 2. Februar 2016
Rezension bezieht sich auf: Death of a Bachelor (Audio CD)
Panic! at the Disco ist ohne Zweifel eine der Bands, wenn man das mittlerweile zum Solo-Projekt Brendon Uries gewordene Kunstwerk noch als Band bezeichnen will, die es auf jedem Album schaffen, zu überraschen. Aus der Pop-Punk-Szene hatte sich Panic! schon vor Jahren verabschiedet, mit dem letzten Album schien man sich auch von der Rockmusik distanziert zu haben, doch hier nähert sich Brendon wieder seinen Wurzeln an - und die liegen nun mal auch irgendwo in der Nähe von Fall Out Boy und anderen Pop-Punk-Bands. Das bedeutet nicht, dass wir hier ein zweites "A Fever You Can't Sweat Out" zu hören bekommen, denn zu Einflüssen, die von Rock und Pop-Punk über Pop bis hin zu Hip-Hop reichen, mischen sich auch neue Elemente, Frank Sinatra wird von Brendon immer wieder als große Inspirationsquelle genannt, und das hört man auch auf "Death Of A Bachelor".

Mit "Victorious" beginnt das Album mit einer mitreißenden Mischung aus Pop und eingänigen Rockrhythmen, ein Chor singt den Refrain mit Brendon und elektronische Elemente laden zum Bewegen auf der Tanzfläche ein. Mit treibendem Drumming und fetten Gitarren weiß der Opener zu begeistern, man bekommt das Gefühl, dass die Indie-Disko für Nummern wie diese erfunden wurden.
Auch "Don't Threaten Me With A Good Time" schlägt zu Beginn in eine ähnliche Kerbe, eine geniale Bassline, die wohl direkt aus einem Punksong entnommen wurde schlägt ein hohes Tempo an, das mit Einsetzen des Gesangs etwas entschleunigt wird. Der Refrain hat dann wieder ein höheres Tempo zu bieten. Spannend ist das Lied durch die immer wieder ein wenig andere Instrumentalisierug und die dadurch erzeugte Stimmung. Das folgende "Hallelujah" erinnert auf der einen Seite an Broadway-Musicals, spielt auf der anderen Seite aber mit Hip-Hop-Anleihen und Rock-Elementen, wobei nichts wirklich auf den Titel passen möchte, er lässt sich nicht in ein starres Genre einordnen und genau das macht seine Faszination aus. Das nennt man Kreativität!
"Emperor's New Clothes" nimmt dann noch mehr Hip-Hop-Einflüsse mit, nur um im Refrain als Synth-Rocker richtig nach vorne zu gehen. Ohne die meiner Meinung nach fast schon nervigen Einspielungen am Anfang und vor Refrains und Strophen würde mir auch diese Nummer richtig gut gefallen. Zum Glück wird das Lied aber nicht zu lange ausgekostet. Es folgt der Titeltrack, der jetzt tatsächlich direkt von Sinatra zu stammen scheint, ein Swing-Jazz-Pop-Song, der genauso gut 60 Jahre eher sein Publikum gefunden hätte. Brendon liefert eine grandiose stimmliche Leistung ab und kreiert mit "Death of a Bachelor" einen Pop-Song aller erster Klasse. Mit "Crazy=Genius" wird das Tempo wieder ordetlich angezogen, ruppige Drums und schnelle Gitarren sorgen für einen Titel, der an frühe Zeiten von Panic! erinnert und gleichzeitig doch eindeutig erst für DOAB geschrieben wurde, da Swing-Elemente an alle Stellen zu finden sind. Erstaunlich, wie hervorragend Swing-Pop-Punk funktioniert...
Die rockige Schiene wird auch mit "LA Devotee" weitergefahren, der an Stücke aus der "Vices & Virtues"-Zeit erinnert, Alternative Rock mit poppigen Einflüssen. Aber auch hier schien sich Brendon wohl nicht mit einfacher Nostalgie zufrieden gegeben und so erscheinen Ska-Bläser, die für ein beschwingtes, lockeres Gefühl sorgen. "Golden Days" spielt dann wieder mit Hip-Hop, mixt gleichzeitig aber noch unruhigen Rock dazu, der vor dem Refrain etwas entspannt wird und nur um den kraftvollen Chorus noch mehr zu unterstreichen, der sich sofort einbrennt und der zu den stärksten gehört, die von Panic! je veröffentlicht wurden. Es schließt sich "The Good, The Bad And The Dirty" an, ein Lied, das auch auf aktuellen Fall-Out-Boy-Releases ganz vortrefflich funktioniert hätte. Pop-Rock mit Anspruch, der noch ein wenig an alte Pop-Punk-Einflüsse denken lässt und einfach Spaß macht.
"House Of Memories" schlägt eine ähnliche Richtung ein, ist aber um einiges elektronischer und poppiger, New-Wave-Anleihen und Pop-Punk-typische "OhOhOh"-Chöre zeichnen das vorletzte Lied des Albums neben seinem verdammt eingängigen Refrain aus. Die Bridge hätte man sich vielleicht sparen können, aber das ist Meckern auf extrem hohem Niveau. Mit einer weiteren Jazz-Pop Ballade ("Impossible Year") wird dieses äußerst ansprechende Album zuende geführt, Brendons Stimme und das Piano unterstützt von Bläsern bestimmen diesen runden und majestätischen Abschluss, der wieder eine gesangliche Meisterleistung darstellt, aber gerne etwas beschwingter hätte ausfallen können.

Als erstes Solo-Album unter altem Namen weiß "Death Of A Bachelor", alte Fans an den richtigen Stellen abzuholen und gleichzeitig neue Einflüsse einzubeziehen. Mit bekannten Zutaten von elektronisch aufgepepptem Pop-Punk und Rock und neuen Rezeptideen wie Hip-Hop und Swing-Jazz zaubert Brendon Urie ein Pop-Rock-Swing-Jazz-Punk-Album, das bisher seinesgleichen sucht. Die Platte ist sowohl ein neues Hörerlebnis, kommt aber gleichzeitig den Pop-Punk-Ursprüngen von Panic! so nahe, wie es zuletzt "Vices & Virtues" geschafft hat. So kann es gerne weitergehen!


Sounds Good Feels Good (Limited Deluxe Edition)
Sounds Good Feels Good (Limited Deluxe Edition)
Wird angeboten von mivendo UG
Preis: EUR 5,59

3 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Zwischen langweiligen Pop-Anbiederungen und launigem Pop-Punk, 2. November 2015
Mit dem zweiten Album ist es ja immer so eine Sache, besonders bei Senkrechtstartern wie den Australiern von 5 Seconds of Summer. Nachdem man für die Debütplatte gefeiert wurde, muss man wieder produktiv sein, muss man einfach wieder liefern. Nebenbei ist man aber auch noch auf Tour, schreibt Songs und immer tickt die Zeit im Nacken. Dass das zweite Album bei vielen Künstlern gehörig daneben ging, ist jedenfalls kein Mythos, sondern die logische Konsequenz aus dem Druck, der entsteht, sobald sich Musiker hohen Erwartungen ausgesetzt sehen, vielleicht auch zu hohen.
Von 5SOS erwarte ich relativ wenig, weshalb mich ihr selbstbetiteltes erstes Album durchaus positiv überrascht hat und mein vorheriges Bild einer billigen Boygroup über den Haufen geworfen hat, da ihr Sound weniger an den Bubblegum-Pop von "Bands" wie One Direction erinnert, sondern eher Assoziationen mit All Time Low und den frühen (den guten) Good Charlotte geweckt hat.
Mit ihrem zweiten Album "Sounds Good Feels Good" wollen sie nun an ihr Debüt anknüpfen und zumindest den Erfolg werden sie wiederholen können - ob das für ihren Sound das beste ist, bleibt abzuwarten.

Mit "Money" beginnt das Album auf jeden Fall vielversprechend, druckvolle Gitarren und kraftvolle Gangvocals dröhnen aus dem Radio und vermitteln eine reine Feel-Good-Atmosphäre. Der Refrain ist sofort im Ohr und auch wenn der Text nicht unbedingt der einfallsreichste ist, die Nummer ist einfach cool. Nach nicht einmal drei Minuten und somit der perfekten Länge für einen Pop-Punk-Song geht es weiter mit "She's Kinda Hot", einem Lied, das einen ganz witzigen Text hat und mit immer wieder aufkeimenden Gitarren sehr an Green Day erinnert - aber halt nur in den Refrains. Die Strophen sind durch die eigenartigen akustischen Parts unpassend entschleunigt und zu routiniert vorgetragen, auch die immer wieder eingebrachten Synthies sind nicht wirklich passend. Gute Laune um jeden Preis hinterlässt schon bei Song Nummer zwei einen Beigeschmack, der so einem Album nicht wirklich guttut.
"Hey Everybody!" beginnt ähnlich blass und viele "Oh"'s sind nicht immer mitreißend, im Chorus fehlt das Feuer, das die vorherigen Lieder noch in den Refrains zu bieten hatten. Irgendwie ist mir das zu wenig Punk und zu viel Pop, den Spagat haben sie schon deutlich besser hinbekommen. Die Textzeile "we can all get paid" sollten sie nicht so oft heraushängen lassen, wenn sie wirklich weiterhin "Nischenmusik" wie Pop-Punk machen wollen. Das folgende "Permanent Vacation" ist dann wieder ein kleiner Lichtblick, wieder ist etwas Nachdruck dabei und der Refrain klingt frisch und bezieht auch einige Einflüsse aus Alternative Rock der 90er und Post-Punk-Gitarrenläufe mit ein, die der Nummer äußerst gut zu Gesicht stehen. Ein absolutes Highlight auf dem Album! Der jetzt aufgekommene äußerst positive Eindruck wird durch die anschließende Power-Ballade "Jet Black Heart" leider etwas geschmälert, wobei das Problem hier eindeutig beim Refrain liegt, während die Strophen mit leisen blink-182-Erinnerungen richtig stark geworden sind. Der poppige Chorus bleibt aber, und das muss man den Jungs lassen, sofort im Ohr hängen und man erwischt sich möglicherweise sogar beim Mitsingen. Mit "Catch Fire" beginnen ein paar Minuten zum Vergessen - dieser Einstieg schmerzt in den Gehörgängen, der Refrain und die Strophen sind langweilig poppig und können nicht überraschen, auch die Alibi-Gitarren täusche nnicht darüber hinweg, wer hier abgeholt werden soll: kreischende 15-jährige Mädchen, die von gut gemachtem Pop-Punk sonst wenig Ahnung haben. Lied Nummer sieben reißt wieder nach oben aus und erinnert mich stellenweise an All Time Low, natürlich darf man keine musikalische Offenbarung erwarten, aber das Lied ist auf jeden Fall eine mehr als nur solide Nummer.
Mit "Waste The Night" folgt wieder ein Song, der die Bezeichnung "unnötig" verdient: langweilige Melodie und ein Allerwelts-Refrain locken heutzutage niemanden mehr hinterm Ofen vor. Die viereinhalb Minuten sind eindeutig zu lang, auch wenn die Gitarre in der Bridge mit fast schon progressiven Tönen daherkommt. Und mit "Vapor" kann man dann einen Tiefschlag verzeichnen, synthetische Töne zu Beginn, R&B-Gesang und dann wieder ein Refrain ohne jeglichen Anspruch und ohne Wiedererkennungswert und auch die nicht mal drei Minuten kommen dem genigten Hörer vor wie eine halbe Ewigkeit. Im Folgenden soll das Tempo mit "Castaway" wieder etwas angezogen werden. Okay, angezogen wird es auf jeden Fall - besser wird es kaum, wieder nerven elektronische Töne im Hintergrung und Gesang, der eher an One Direction als an Green Day oder vergleichbare Bands erinnert. Das Dreiergespann zum Vergessen sollte irgendwann wieder ausgebügelt werden - aber nein, auch "The Girl Who Cried Wolf" ist nicht wirklich ein Ausreißer nach oben, auch wenn es etwas besser zu gefallen weiß als die drei Vorgänger. Die Geigen und der Gitarren-Breitband-Sound sollen wahrscheinlich etwas an Yellowcard erinnern, doch die hätten aus der Nummer auch etwas gemacht, mit einem wirklich guten und eingängigen Refrain. Am Ende steht Emo-Pop, der das Augenmerk zu sehr auf die Pop-Komponente legt.
Die Schlafwagenabteilung müsste irgendwann wieder geweckt werden, aber auch das die Trennung der Eltern beschreibende "Broken Home" bleibt balladesk und ruhig, ist aber dennoch ein Lied, das aufgrund seines wirklich gut geschriebenen Texts und den damit transportierten Emotionen einen sehr ordentlichen Eindruck hinterlässt und thematisch durchaus interessant ist. Und endlich werden wir alle wieder wach, denn "Fly Away" ist ein krachender Pop-Punker mit starker Instrumentalisierung, ein hervorragenden Stimmung und gutem Gesang. Sie können es also doch noch, diese hymnenartigen, nach vorne gehenden Lieder zu schreiben, die einfach nur großen Spaß machen und nicht frustrieren. Doch bitte nicht zu wild, deswegen hängen sie erneut eine Ballade dran - "Invisible" ist aber auch nicht schlecht und erinnert an ruhigere blink-182-Songs, es geht eine Ruhe von dem Lied aus, die sich sofort auf den Hörer überträgt und tatsächlich zum Träumen einlädt. "Airplanes" spielt dann wieder mit 90s Alternative-Rock und hier gesellen sich sogar noch Space-Rock-Einflüsse hinzu, die daraus eine ansprechendes und interessantes Stück machen, das im Refrain Yellowcard ähnelt, aber hier den Vergleich nicht scheuen muss, da er extrem mitreißend ist.
Die nächste Nummer "San Francisco" beginnt wieder akustisch und mündet dann in einen Pop-Rock-Song, der mit Backgroundsängerinnen aufwarten will, aber irgendwie nicht richtig mitreißen kann, auch wenn der Refrain durchaus eingängig ist, aber genauso schnell wieder aus dem Ohr verschwindet, wie er drinnen ist. Ein Zwischenspiel am Ende von "San Francisco" leitet zum letzten Song "Outer Space / Carry On" über, welcher noch einmal hymnisch beginnt, nur um ein paar Tempo-Wechsel einzubauen, die sehr gut funktionieren und eine gewisse Spannung erzeugen. Das Ende des ersten Teils "Outer Space" könnte fast schon einem Rockmusical entnommen sein und sorgt für auf der Platte selten aufkeimende Begeisterung. Der zweite Teil, logischerweise "Carry On", ist wieder etwas ruhiger gehalten und es werden wieder elektronische Elemente eingearbeitet, die hier erstaunlicherweise gut funktionieren und das groß aufgezogene Ende gut unterstreichen.

Was am Ende bleibt, ist ein Album, das irgendwo im Mittelmaß des Pop-Rock mit leicht punkigen Ansprüchen versinkt. Es gibt einige gute Songs auf der Platte, die Spaß machen und an ihr Debütalbum erinnern, auf der anderen Seite gibt es auch Totalausfälle, die man lieber schnell vergessen sollte. Mit zu vielen Pop-Anbiederungen kann man ein Gesamtbild schnell kaputt machen und die existierenden guten Nummern in den Rückraum drängen.
Das verflixte zweite Album hat hier tatsächlich seinen Namen verdient, ich würde 2,5 Sterne geben, runde deswegen auf. Den Ansprüchen nach "5 Seconds Of Summer" können die Jungs hier nicht gerecht werden und unterm Stich bleibt ein Werk, das schnell in Vergessenheit geraten wird und das die Angst schürt, dass sich 5SOS zu einer reinen Pop-Band entwickeln. Und das wäre einfach nur schade.


Adam Angst
Adam Angst
Preis: EUR 10,49

18 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Adam Angst. Rocken. Geil., 21. Februar 2015
Rezension bezieht sich auf: Adam Angst (Audio CD)
Deutschsprachiger Punkrock ist wieder im Kommen: Feine Sahne Fischfilet, Radio Havanna, Dritte Wahl, die Donots und Adam Angst hauen in den ersten beiden Monaten in 2015 Alben raus, die in den Feuilletons besprochen werden, die Broilers stürmen 2014 die Charts, Kraftklub sind noch immer ein Massenphänomen, viele deutsche Newcomer-Bands spielen Punkrock oder sind zumindest von Punk beeinflusst und Die Toten Hosen melden sich mit Konzerten zurück, von denen eines mit 70.000 Besuchern innerhalb weniger Tage bis auf den letzten Platz ausverkauft war.
Punk ist im Prinzip zurück im Mainstream und trotzdem extrem relevant - "Schüsse in die Luft" von Kraftklub, "Dann ohne mich" von den Donots, "Ich will hier nicht sein" von den Broilers und "Professoren" von Adam Angst dürfen auf keiner *GIDA-Gegendemo fehlen. Doch um wieder zurück zum eigentlichen Thema der Rezension zu kommen - Adam Angst? Wer ist denn das?
Ich könnte jetzt den wirklich genialen Pressetext, mit dem die Band auf Facebook und Co. wirbt, hier einfügen, oder, um mich etwas kürzer zu fassen, eine eigene kurze Erklärung bringen. Ich denke letzteres reicht aus - Adam Angst ist eine Punkband, die sich aus Mitgliedern der Bands Fjørt, Blackmail und Frau Potz zusammensetzt. Sänger Felix Schönfuss, der auch bei Frau Potz und der Screamo-Band Escapado den Gesang beigesteuert hat, steht auch bei Adam Angst hinterm Mikro und trägt durch seine Stimme mit unglaublich hohem Wiedererkennungswert zu dem geilen Sound von Adam Angst bei. Schon nach dem ersten Mal Hören war ich absolut begeistert von den Texten und der Musik dieser Newcomer-Band voller alter Hasen. Adam Angst schaffen was sehr wenige Bands überhaupt schaffen - sie sind relevant und paaren diese Relevanz mit enormer Eingängigkeit, ohne poppig zu wirken.

01. JESUS CHRISTUS
Er ist wieder da - also Jesus natürlich! Und er ist gekommen, um im Auftrag von ganz oben, die Menschheit zu vernichten. Dummerweise kann Jesus den "finalen Overkill" nicht durchführen, sondern möchte auf der Erde bleiben, denn er ist sozusagen "fame" geworden, er ist YouTube-Star und hat eine Show auf Pro7. Der Text ist schön sarkastisch und zielt unter anderem auf das total irrationale Star-Tum in der Welt der modernen Medien ab. Musikalisch umgesetzt wird das mit rotzigem Punkrock, knallenden Gitarren und einem gewissen Metal-Appeal, dazu kommt Felix' tolle Stimme, die hier nicht ganz so hyperaktiv wie bei Frau Potz ist. Ein Einstieg, der Bock auf mehr macht!

02. JA JA, ICH WEISS
Die Nummer hat mich auf Adam Angst aufmerksam gemacht. Der Text ist einfach genial und extrem humorvoll, macht großen Spaß und wirft mit genialen Zitaten en masse um sich, die man in dieser Fülle sonst eher auf einem ganzen Rap-Album findet. Der "Ja ja, ich weiß" ist sehr punkig, ohne den Metal-Einfluss vom Opener und Felix kann mal wieder so richtig schön rumkeifen und -schreien. Auch sehr empfehlenswert ist das Musikvideo zu diesem tollen Titel.

03. PROFESSOREN
Was jetzt folgt, ist einer der besten Anti-Nazi-Songs aller Zeiten. Hie wird nicht der typische Neo-Nazi beschrieben, sonder der Rassist im typischen Stammtisch-Klientel, die sich auf die BILD berufen, mit Vorurteilen um sich werfen, total übertreiben und total unreflektiert Hass und Angst säen und dann wahrscheinlich zu PEGIDA und Co. rennen, um ihre Sorgen zu äußern. Der Text ist auf der einen Seite unglaublich wütend und angepisst, auf der anderen stellenweise total sarkastisch, aber nie flach oder zu plakativ, sondern nennt Probleme beim Namen. Was sich am Anfang in etwas elektronischen Tönen äußert, geht dann in schnellen Punkrock über, der keinen ruhig sitzen lässt, eine Bridge entschleunigt etwas, was außerdem am Text das gut zu erkennen ist. Auch zu diesem Lied wurde ein geniales Musikvideo gedreht, das zeigt, wie eklig (im wahrsten Sinne des Wortes) Rassismus ist.

04. WUNDERBAR
"Wunderbar" beginnt hymnisch, Helene Fischer, Bauer sucht Frau und insgesamt die Medien bekommen ihr Fett weg, die unter anderem eine gewisse Politikverdrossenheit fördern, außerdem wird fehlende Zivilcourage thematisiert. Der ganze Titel könnte ohne den markanten Gesang durchaus von den Hosen stammen, so eingängig ist er - der Refrain beißt sich sofort im Ohr fest. Der Text zeichnet ein ziemlich ernüchterndes Bild unserer Gesellschaft und trifft den Nagel dabei auf den Kopf.

05. LAUFT UM EUER LEBEN
Mit einer geilen Oldschool-Bassline und Sirenen beginnt dieser Kracher, der am Anfang wie amerikanischer California-Hardcore gepaart deutschem Text klingt. Dann fühlt man sich an ZSK erinnert und feiert die unglaublich bissigen Lyrics, die wieder die Medien aufs Korn nimmt - namentlich private Sender wie VOX nennt, die aus den Makeln von Menschen perverse TV-Formate machen, an denen sich andere Menschen aufgeilen können, nur um zu sagen, dass sie besser seien. Dazu wird sehr metaphorisch umschrieben, was solche Formate eigentlich für Folgen haben können - "Mit der Kamera im Anschlag stellen sie euch an die Wand. Und es macht: "Cut! Cut! Cut!" denn neu Versager braucht das Land. Der Makel anderer Menschen war schon immer amüsant." Sprachlich wächst der sowieso schon geniale Felix Schönfuss hier über sich heraus, selten habe ich einen pointierteren Text gehört.

06. WAS DER TEUFEL SAGT
Der Titel ist musikalisch mal etwas anderes, dazu kommt der sehr ironische Text, der mit verschiedenen Rollen spielt und teilweise wie ein Dialog daherkommt. "Was der Teufel sagt" beschreibt mich bei Pflichtterminen, auf die ich einfach keinen Bock habe, ziemlich gut. Man würde gerne mal ausrasten, macht es am Ende aber natürlich nicht. Außerdem hat die Nummer einiges von den ironischen Songs der Ärzte, die ich seit ein paar Jahren etwas vermisst habe - ein bissiger und respektloser Text gepaart mit schmeichelnder Musik und tanzbaren Rhythmen.

07. AM ENDE GEHT ES IMMER NUR UM GELD
Und spätestens mit dem Anfang dieses Liedes wird klar, dass Felix Schönfuss einer der besten Songwriter der deutschsprachigen Musik ist - ein krachender Zweieinhalbminüter, schnell nach vorne gehend und textlich genau auf den Punkt gebracht. Keine Atempause und Stoff zum Nachdenken, denn die Nummer ist eine passende Zustandsbeschreibung des Kapitalismus und der Gesellschaft, in der wir leben.

08. WOCHENENDE. SAUFEN. GEIL.
Ich habe mich ja gefreut wie Bolle, als ich den Songtitel gelesen habe. Das passende YouTube-Video dazu hat sich im Kopf festgesetzt und ich bezweifle, dass es ihn jemals wieder verlassen wird. Mit einer flirrenden Bassline und punkigen Drums beginnt die Beschreibung eines relativ typischen Freitag der etwas proletenhaften Jugend, die glaube ich jeder von uns kennt - Dorfdisko und solche Dinge fallen mir dazu ein. Wochenende. Saufen. Geil. Ich liebe den Text, der trotzdem sehr humorvoll ist - und so den übermäßigen Alkoholkonsum bei Jugendlichen ziemlich scharf kritisiert.

09. SPLITTER VON GRANATEN
Und es wird wieder politisch. Hier werden so viele Dinge auf einmal thematisiert, dass man irgendwann gar keinen richtigen Durchblick hat - und genau das will der Song auch aussagen und dazu vehement politische Geschehnisse kommentieren und kritisieren - nicht eingehaltene Wahlversprechen, die NSA-Affäre, den NPD-Verbot, Putins Politik - und das ist erst die erste Strophe. Der Refrain zeigt dann auf, dass viele Probleme doch an Deutschland vorbeigehen und vielen Deutschen somit mehr oder weniger egal ist. Man bedauert zwar, schaut aber nicht über den Tellerrand (die Metapher stammt aus dem Lied) und solange hier keine Gefahr droht, ändert sich das auch nicht. Eine Abrechnung mit der weit verbreiteten Ignoranz derer, denen es gut geht und die vermeintlich weit weg von den ganzen Geschehnissen leben. Auch musikalisch ist "Splitter von Granaten" ein Brett, das trotz der ernsten Thematik großen Spaß macht.

10. FLIEH VON HIER
Staubtrocken beginnt "Flieh von hier", Felix keift mal wieder los, man hört, dass er ziemlich wütend ist. Ein paar Screamo-Einflüsse finden sich im starken und aggressiven Prechorus, dann folgt ein starker und äußerst eingängiger Refrain. "Ich reiß die Familie dann nachts aus dem Schlaf" zitiert fast schon die Broilers ("Vom Scheitern (The World Is Yours, nicht!)"), bevor wieder "Ich muss hier raus" gescreamt wird. Die Nummer endet nach einem sehr lauten und sehr geilen 45-sekündigen Instrumentalteil, der live zelebriert werden muss.

11. ALTAR
Und jetzt ist man doch sehr verwundert. Hat sich echt noch ein Liebeslied auf das Album gemogelt? Anfangs könnte man das echt denken, sehr hymnisch beginnt die Nummer, die Großstadtromantik mit einer ziemlich schönen Liebeserklärung verbindet. Man fragt sich vielleicht etwas, was der Textauszug "Können diese Augen lügen?" bedeuten kann, das sagt man ja nicht so oft, wenn man jemandem seine Liebe gestehen will, aber der sehr eingängige und mit "Oh Oh"s angereicherte Refrain lässt die Frage fast vergessen, bis Felix von Pop-Punk-Gesang in rauen Punkrock übergeht - denn in Wirklichkeit ist das lyrische Ich etwas nicht der liebende Mann, sondern ein, Zitat, "Sexist". Genial finde ich den plötzlichen Übergang von süßem Pop-Punk in relativ hart gespielten Punkrock, auch die Stimme schlägt von schmeichelnd in arrogant und verdammt fies über. Trotzdem hätte ich auch ganz gerne mal ein Lied gehört, das die Stimmung vom Anfang von "Altar" die ganze Zeit über durchhält, denn auch das kann Felix richtig gut singen.

Fazit:
Adam Angst präsentieren mit ihrer Debütplatte ein phänomenales Punkalbum, das relevant ist, ohne belehrend zu wirken, das rockt, ohne aufgesetzt zu wirken, das poetisch ist, ohne arrogant zu wirken und das Texte aus dem Leben präsentiert, mit Humor würzt und durchaus Überraschungen bieten kann. Schon jetzt zweifellos ein Anwärter für das Album des Jahres 2015, da hier einfach alles passt, von der Aussagekraft der Songs über die musikalische Umsetzung mit relativ schnörkellosem Punkrock bis hin zu einem gewissen Spaßfaktor, der von einigen Titeln ausgeht. Ich möchte mehr von den Jungs hören und setze sie ganz oben auf der Bands, die man sich unbedingt mal live anhören sollte, da diese Songs zum Eskalieren einfach nur perfekt sind. Danke für diese Platte irgendwo zwischen Frau Potz, den Donots und Marathonmann!
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 2, 2015 7:49 AM MEST


5 Seconds Of Summer
5 Seconds Of Summer
Wird angeboten von Softbayglobal
Preis: EUR 23,00

9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Soundtrack für den Sommer, 14. Februar 2015
Rezension bezieht sich auf: 5 Seconds Of Summer (Audio CD)
Heutzutage geht es schnell, international bekannt zu werden. Man muss nur irgendeinem Mitglied der mittlerweile vielleicht nicht mehr ganz so unsäglichen Boygroup One Direction zusagen, dann bekommt man innerhalb weniger Stunden gefühlte Millionen kreischender weiblicher Fans mehr. So verhielt es sich in etwa beim Durchbruch den Australiern, die pünktlich im Sommer 2014 ihr erstes Studioalbum "5 Seconds Of Summer" veröffentlichten. Über das Image der Band aus Down Under muss man da eigentlich nichts mehr sagen - das ist eine Boygroup mit der Zielgruppe Mädchen von 13 bis 18.
Meine Meinung über die Jungs stand damit fest: "Mach einen großen Bogen darum, billigen Bubblegum Pop musst du dir nicht antun!" Ich komme ja schließlich aus der (Pop-)Punk- und Allesmögliche-Core-Ecke, singe in einer Punk- und Melodic-Hardcore-Band und höre auch dementsprechend selten Radio beziehungsweise Popmusik. Irgendwie aus Zufall landete ich dann bei YouTube doch mal auf einem Video von 5 Seconds Of Summer und war angenehm überrascht. Da war kein langweiliger Bubblegum Pop à la One Direction zu hören, sondern angenehmer Pop-Punk, der an Bands wie All Time Low, The Downtown Fiction und Boys Like Girls erinnert. Also kaufte ich mir die Platte im November, die seitdem irgendwo zwischen Rise Against, Billy Talent, Lagwagon und AFI stand und auf den Sommer wartete. Der 14. Februar ist dummerweise auch noch nicht annähernd Sommer, aber das Wetter brachte mich irgendwie dazu, meine ganzen Pop-Punk-Scheiben anhören zu wollen und dann kam mir "5 Seconds of Summer" in die Hände und ich muss sagen, der Name des Quartetts umschreibt ihre Musik anscheinend wirklich sehr gut, denn die Musik, die sie machen, ist ein ordentlicher Soundtrack für den Sommer beziehungsweise kann den Sommer für 40 Minuten in die Wohnung holen. Die folgende Track-by-Track-Review zeigt bei aller Begeisterung aber eine neutrale Meinung zum Album, aus musikalischer Sicht natürlich, wie die Musiker aussehen, wenn sie ihre Musik machen, ist mir total egal:

1. She Looks So Perfect
Ja, viele "Hey"s wie hier am Anfang werden wir auch in Folge zu hören bekommen, soviel dazu. Aber das ist schon keine schlechte Kost, die hier abgeliefert wird. Die Strophen sind noch recht poppig geraten und auch der Refrain ist noch mehr Pop-Rock als Pop-Punk, aber die Instrumentalisierung weiß durch eine angenehme Schnörkellosigkeit zu gefallen und auch der variable Gesang (unter dem Motto "Jeder darf irgendwann mal singen!") überzeugt. Textlich wird hier typischer 2000er Emo-Pop geboten, tut niemandem weh, macht Spaß und ist ein guter Opener.
4/5

2. Don't Stop
Der Beginn ist schon etwas flotter, der Gesang aber sehr poppig, man muss sich reinhören, besonders in die Strophen. Der Refrain ist beim ersten Mal Hören auch noch etwas gewöhnungsbedürftig, setzt sich aber nach ein paar Sekunden im Ohr fest und beißt sich auch fest. Man muss die "Oh, oh, oh, oh"s mitsingen und ertappt sich spätestens beim letzten Refrain dabei, auch den Rest lautstark mitzusingen. Das gelingt nicht vielen Bands, dass man ganze Teile eines Liedes noch beim ersten Hören mitsingen kann. Auch hier wird das Themenfeld "Liebe" groß abgegrast, aber wirkt trotzdem nicht peinlich oder aufgesetzt.
3,5/5

3. Good Girls
Auch hier ist der Anfang nicht sonderlich einfallsreich, aber schon die erste Strophe überzeugt sofort. Im Refrain wird es dann endlich etwas nachdrücklich, das würde ich doch mal wirklich Pop-Punk-Hymne nennen. Die Nummer geht über die gesamten dreieinhalb Minuten Spielzeit richtig gut nach vorne und ich könnte mir "Good Girls" als wahren Live-Kracher vorstellen, die Drums und Gitarren versprechen das jedenfalls - wenn da nicht die ganzen Teenage-Girls rumkreischen würden. Auch textlich finde ich dieses Lied ziemlich cool, natürlich weiterhin leichte Kost, aber durchaus mit einem Augenzwinkern vorgetragen. Sehr sympathisch und ein Anspieltipp!
5/5

4. Kiss Me Kiss Me
"Halt mal kurz! Das sind doch All Time Low oder?" - Das waren meine ersten Gedanken zu "Kiss Me Kiss Me". Und tatsächlich hatte hier ATL-Sänger Alex Gaskarth beim Songwriting seine Finger im Spiel und das hört man dem Lied immer an. Dennoch wirkt es nicht wie ein Cover oder eine Kopie, sondern wie ein eigenständiger Titel, der einfach super funktioniert, großen Spaß macht und spätestens in einem kurzen Breakdown zeigt, dass 5 Seconds Of Summer wirklich richtig rocken können. Im Text geht es natürlich wieder um die Liebe, aber auch hier gefällt die Herangehensweise, die zugegebenermaßen auch kein Alleinstellungsmerkmal ist und an All Time Low erinnert. Dennoch ist die Nummer für mich das absolute Highlight auf der Platte.
5/5

5. 18
Und weiter geht's mit einem genialen Einstieg, der von den Instrumenten her etwas an Green Day erinnert. Mit Einsetzen des Gesangs muss man sich erstmal wieder reinhören, bevor der Refrain absolut überzeugt. Was mich wirklich etwas stört, ist der Gesang in den Strophen, der für mich nicht ganz zu der richtig guten Instrumentalisierung passt, sondern eher enttäuscht und sehr blass bleibt. Wie schon erwähnt, ist der Refrain wieder sehr stark, auch die wieder etwas härtere Bridge macht Spaß und sogar textlich weiß "18" wieder durch angenehmen Humor zu überzeugen.
3,5/5

6. Everything I Didn't Say
Der wohl entspannteste Song auf dem Album beginnt mit hymnischen "Oh oh oh"s (im Booklet des Albums mit "lots of!" beziffert) und geht dann in einen Sommerrocker zwischen All Time Low (ja, auch ohne Alex' zutun) und Foster The People über, der besonders im Refrain wieder mit dem Mitsingfaktor punktet. Textlich gibt's auch hier nicht wirklich Neues zu berichten, außer vielleicht, dass es diesmal etwas ernster wird. Die Bridge ist dann etwas eigenwillig, möchte ich mal sagen, auf der einen Seite sehr poppig, auf der anderen sollen wieder ein paar härtere Akzente gesetzt werden, die dem Lied nicht wirklich gut zu Gesicht stehen. Insgesamt aber sehr ordentlich mit coolem Ende.
4,5/5

7. Beside You
Und jetzt wird's noch poppiger, den Einstieg und der Gesang sagen mir anfangs nicht wirklich zu, bis der der Refrain zu einer angenehmen Pop-Rock-Ballade übergeht. Die Schwachstelle des Songs sind eindeutig die Strophen, in denen der Gesang irgendwie aufgesetzt und uninspiriert klingt. Zwischendurch wird aber ein richtig guter Instrumentalteil platziert, der richtig gut funktioniert und in eine Bridge übergeht, die das starke Ende des Songs einleitet. Einen deutlichen Abstrich gibt's hier aber wegen der Strophen.
3/5

8. End Up Here
Das ist doch wieder andere Kost, ein richtig cooler Beginn, etwas elektronisch angereichert geht in eine relativ ruhige erste Strophe über, die mich textlich, trotz des typischen Themas, irgendwie positiv überrascht hat. Der Refrain ist dann reinster Pop-Punk und irgendwie kann man hören, dass hier wieder Alex Gaskarth beim Songwriting beteiligt war. Wieder erinnert das an typischen High School Pop-Punk, der für Partys in lauen Sommernächten einfach wie gemacht ist. Trotzdem hätte ich mir in den Strophen noch etwas mehr Feuer gewünscht.
4/5

9. Long Way Home
Der Beginn erinnert sehr an 90s College Rock von Weezer, R.E.M. und Co., bevor plötzlich der Refrain aus den Boxen dröhnt, weil man die erste Strophe für ein zu langes Intro gehalten hat. Der Refrain jedenfalls ist wieder Pop-Punk vom feinsten, ja, All Time Low lassen wieder grüßen, und, ja, Alex Gaskarth hatte seine Finger im Spiel - man hört es wirklich immer, da der Refrain etwas von dem Drive des Lieds "Backseat Serenade" von ATL in sich hat. Auch die zweite Strophe ist wieder etwas ruhiger und entspannt und punktet dennoch mit unüberhörbaren musikalischen Qualitäten, die auch die erste auszeichnen. Und endlich erkennt mal jemand, wie romantisch Green Day im Radio eigentlich sind!
5/5

10. Heartbreak Girl
Der zehnte Titel ist von vorne bis hinten ein Ohrwurm vom Feinsten, der textlich auf der einen Seite sehr hoffnungsvoll ist, auf der anderen Seite wirklich direkt aus dem Leben gegriffen zu sein scheint, jedenfalls klingt das alles ziemlich authentisch. Besonders positiv sticht das Drumming hervor, das im extrem eingängigen Refrain so entfesselt klingt, wie selten auf der Platte. Auch die Gitarren kommen angenehm druckvoll durch die Lautsprecher und machen aus "Heartbreak Gril" einen weiteren Anspieltipp.
5/5

11. English Love Affair
Mit einer starken Bassline beginnt der vorletzte Titel auf diesem äußerst kurzweiligen Werk. Dass keine tiefgründige lyrische Offenbarung mehr zu erwarten ist, muss ich glaube ich nicht mehr erwähnen, aber das habe ich ehrlich gesagt auch nicht erwartet. Ich möchte sogar sagen, dass ich das von Pop-Punk sowieso nicht vordergründig erwarte. Musikalisch wird zwar bekannte Kost abgeliefert, aber genau das will ich hören, einen schönen Rocksong für den Sommer, und genau das liefern 5 Seconds Of Summer hier wieder ab - mit starken Gitarren und treibendem Bass, der hier sogar vergleichbar mit Mark Hoppus gespielt wird. Nur die (glücklicherweise sehr kurze) Bridge passt nicht in den Flow dieses Dreiminüters.
4,5/5

12. Amnesia
Und jetzt kommt ein Lied, an das ich sehr hohe Erwartungen hatte - waren doch die Madden Brothers von Good Charlotte an dem letzten Song beteiligt. "Amnesia" ist aber leider nicht der erwartete Pop-Punk-Kracher am Ende, sondern eine Akustikballade, die leider verdammt langweilig ist und nur in den einigermaßen gelungenen Refrains funktioniert, die wenigstens ansatzweise mit akustischen Liedern von Good Charlotte mithalten können. Trotzdem ist der Abschluss der Platte unterm Strich nur ein vor Pathos triefender Popsong, mit dem ich mich wohl nie mehr so wirklich anfreunden kann.
1,5/5

Fazit:
Vielleicht schaffen es die Australier mit ihrem Album Debütalbum noch nicht, ihr Boyband-Image abzulegen, dazu fehlen ihnen einfach die Themen und die Fans, die auf Livekonzerten auch mal ordentlich mitpogen als mitkreischen. Aber 5 Seconds Of Summer sind auf dem richtigen Weg dorthin. Sie zeigen, dass wirklich mehr in ihnen steckt als nur ein paar Mädchenschwärme, die mit guttem Aussehen und schlechten Songs Geld verdienen, denn ihre Songs überzeugen im Großen und Ganzen. Auch wenn sie in ihren Themen gerne noch etwas variabler werden könnten, ihre Lyrics sind auf jeden Fall alles andere als schlecht und ich bin mir sicher, dass wir noch viel von den Aussies, deren Name wirklich Programm ist, hören werden. Und ich kann nur sagen, dass ich mich schon irgendwie darauf freue.
Wer Pop-Punk mit dem richtigen Händchen für eingängige Melodien und Mitsing-Refrains sucht, sollte sich nicht vom Ruf von 5 Seconds Of Summer verunsichern lassen. Für Fans von All Time Low, Simple Plan und The Downtown Fiction ist diese Platte eine Bereicherung der Sammlung, die Lust auf den Sommer macht.
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