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Rezensionen verfasst von
Dasting-Hussner
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Das Gender-Paradoxon
Das Gender-Paradoxon
von Ulrich Kutschera
  Taschenbuch
Preis: EUR 24,90

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Gesellschaftskrebs", 3. Januar 2017
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das Gender-Paradoxon (Taschenbuch)
Der Pflanzenphysiologe und Evolutionsbiologe Ulrich Kutschera hat mit seinem Buch "Das Gender-Paradoxon" eine fundierte Entlarvung der Gender Studies vorgelegt, die mittlerweile mit über 200 Lehrstühlen in Deutschland die Universitäten kontaminiert haben, sich immer weiter ausbreiten und Forschungsmittel zu Lasten anderer Wissenschaften und ohne erkennbaren Nutzen für den Erkenntnisfortschritt in den Wissenschaften vergeuden. Folgerichtig beschreibt Kutschera die Gender Studies und deren praktische Umsetzung (Gender-Mainstreaming) als "Gesellschaftskrebs". Kutschera, der Erfahrung im Umgang mit ideologischen und religiösen Pseudowissenschaften hat - er hat sich lange mit dem Kraetionismus beschäftigt und bekämpft dessen Versuche, sich in den Wissenschaften zu etablieren -, widerlegt in seinem Buch mit zahllosen empirischen Belegen die quasi-religiösen Glaubenssätze der Gender Studies.

Letztlich lässt sich die Basisthese der Genderisten, nämlich dass der Mensch als Unisexwesen zur Welt kommt und sich erst dann durch gesellschaftliche Einflüsse zu Mann oder Frau entwickelt, auf den amerikanischen Psychologen und Erziehungswissenschaftler John Money zurückführen. Er hat die Behauptung aufgestellt, man könne aus Männern problemlos Frauen machen, wenn man sie von Kleinkind an als Frauen erziehen würde. Als Versuchskaninchen hat er sich in den 60er Jahren einen Jungen (Bruce Reimer) ausgewählt, dessen Penis bei einer Phimose-Operation versehentlich so verstümmelt wurde, dass er entfernt werden musste. Money empfahl den Eltern sie sollten das Kind einer Hormonbehandlung unterziehen, ihm einen weiblichen Namen geben und es als Mädchen erziehen. Das Experiment scheiterte gründlich. Money hat sich jedoch nie davon distanziert. Bruce, umbenannt nach Brenda, der sich später David nannte und sich so gut es ging wieder zum Mann umoperieren ließ, beging in den Dreißigern Selbstmord. Die ganze Geschichte wird im Buch ausführlich dargestellt.

Kutschera gibt fundiert Auskunft über den Sexualdimorphismus in Tier- und Pflanzenwelt und beim Menschen und stellt den evolutionsbiologischen Kontext her, ohne den man ihn nicht verstehen kann. Weiterhin referiert er über die verschiedenen Gebiete, auf denen dieser Dimorphismus wirkt. Dem gegenüber stellt er die Aussagen der Gender Studies. Für die Behauptung etwa, dass alle Menschen Unisexwesen wären, gibt es nicht einen einzigen schlüssigen und vor allem empirisch abgesicherten Beweis. Die Biologie und alle verwandten Wissenschaften können hingegen neben den evolutionstheoretischen Aussagen Berge von empirischen Belegen für einen angeborenen Sexualdimorphismus vorlegen, der sich auch auf Verhaltensweisen bis hin zu unterschiedlichen Lebensentwürfen auswirkt. Ausführlich geht der Autor auch auf Abweichungen vom Sexualdimorphismus (Homosexualität, Transsexualität) ein. Vehement und fundiert widerspricht er der Behauptung, man könne seine sexuelle Orientierung frei wählen.

Der Autor zeigt zudem Parallelen zwischen den Gender Studies und dem Kreationismus auf. Er weist auf die gemeinsamen Prinzipien dieser pseudowissenschaftlichen Ideologien hin. Es sind dies nicht hinterfragte und völlig unbegründete Glaubenssätze, Immunisierung gegen Kritik von außen, Diffamierung der Kritiker, selektive Wahrnehmung von Daten, keine Ergebnisoffenheit und heuristische Sterilität. Scharfe Kritik erntet auch das Gender Mainstreaming, die politische Agenda der Gender Studies. Die Umsetzung geschieht nach einer Art Kaderprinzip, das etwa für sozialistische Staaten des ehemaligen Ostblocks maßgeblich war. Es handelt sich um eine Art Hidden Agenda, die der Bevölkerung unter dem Deckmantel der Gleichstellung verkauft wird, tatsächlich aber vom alten Unisexgedanken ausgeht. Die Gender Studies wurden nie einer ernsthaften Forschungsevaluation unterzogen, die ihre Wissenschaftlichkeit und ihren Nutzen für den Erkenntnisfortschritt der Wissenschaft nachweist.

Das Buch ist in einem gut lesbaren Stil und spannend wie ein Krimi geschrieben - stellenweise auch mit durchaus notwendiger Polemik und Sarkasmus. Ein gut 16 Seiten starkes Literaturverzeichnis listet die dem Buch zugrunde liegende Literatur. Es gibt bereits eine ganze Reihe Bücher, die dem Gender Mainstream entgegentreten. Das Buch von Ulrich Kutschera ist meines Erachtens das fundierteste. Man kann ihm nur weite Verbreitung wünschen, damit Gesellschaft, Wissenschaft und Politik von diesem "Gesellschaftskrebs" geheilt werden.


Mann, Frau, Gehirn: Geschlechterdifferenz und Neurowissenschaft
Mann, Frau, Gehirn: Geschlechterdifferenz und Neurowissenschaft
von Helmut Fink
  Taschenbuch
Preis: EUR 29,80

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Argumentations-Leitfaden gegen die Genderideologie, 5. November 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Das von Helmut Fink und Rainer Rosenzweig herausgegebene Buch ist eine Sammlung von Aufsätzen um das Thema Geschlechterdifferenz und ihre Auswirkungen. Nach einer Einleitung der Herausgeber wird in neun Beiträgen eine Sicht auf den aktuellen Stand der Forschung zur Geschlechterdifferenz gegeben.
Die ersten beiden Beiträge beschäftigen sich mit dem Geschlechtsdimorphismus im Gehirn und seine Auswirkungen auf intellektuelle Leistungen. Es folgt ein Beitrag über die unterschiedliche Wahrnehmung von Gerüchen bei beiden Geschlechtern - insbesondere im Hinblick auf das Partnerwahlverhalten. Ein weiterer Beitrag beschäftigt sich mit dem komplexen Thema "Intersexualität", d.h. den vielen möglichen Abweichungen von der normalen Sexualentwicklung, die aber nur bei ca. 3% der Menschen auftreten. Die beiden folgenden Beiträge von Claudia Quaiser-Pohl und Petra Jansen betrachten die Geschlechtsunterschiede auf der psychologischen Ebene. Hier wird aufgezeigt, dass die Unterschiede oft gar nicht so eindeutig sind. Sie werden außerdem auch stark durch psychosoziale Parameter beeinflusst. So können z.B. mathematische Fähigkeiten von Frauen sich mehr oder weniger stark unterscheiden, je nachdem, ob man ihnen vorher Geschlechterklischees präsentiert hat oder nicht. Solche Untersuchungen haben nicht zuletzt zur Entstehung des Genderparadigmas beigetragen - nämlich, dass Geschlechterrollen sozial konstruiert seien. Das hat zu Initiativen wie "Girl's Day" und "Komm mach MINT" geführt. In letzterer hat sich auch Quaiser-Pohl engagiert. Es ist keine Frage, dass unsere Fähigkeiten auch durch psychosoziale Parameter beeinflusst werden, entscheidend sind aber doch die Neigungen, die uns den einen oder den anderen Beruf bzw. das eine oder das andere Studium ergreifen lassen, - und die bleiben übrig, nachdem sich alle psychosozialen Parameter heraus gemittelt haben. Die Einflüsse der psychosozialen Parameter werden m.E. überschätzt. Wären sie tatsächlich entscheidend, so hätten sich die geschlechtsspezifischen Präferenzen aufgrund der pausenlosen, seit ca. 40 Jahren immer wieder neu aufgelegten Aktivitäten und Agitationen der politischen und medialen Ebenen längst aufgelöst. Die Neigungen sind und bleiben jedoch geschlechtsspezifisch, was aber nur im Sinne von Häufungen verstanden werden darf. Über den Einzelfall kann man keine Aussage, geschweige denn eine Voraussage machen. Die oben genannten Initiativen bergen jedoch die Gefahr, dass man Frauen zu Berufen bzw. Studiengängen überredet, d.h. also dazu verleitet, ihren Neigungen zuwider zu handeln. Nebenbei haben mich an den beiden Beiträgen folgende Punkte gestört: Petra Jansen zitiert eine Arbeit, in der mentale Rotationsleistungen an 6 Männern und 14 Frauen untersucht wurden, die zudem noch in je zwei Gruppen unterteilt wurden. Was will man an solchen Untersuchungen zeigen? Man kann doch bei einer so geringen Stichprobe überhaupt nicht ausschließen, dass die Ergebnisse nur allein vom Zufall hervorgerufen wurden. Solche Arbeiten sind höchst unseriös. Im Beitrag von Quaiser-Pohl habe ich ein schönes Beispiel für die Unzulänglichkeiten einer "geschlechtergerechten" Sprache gefunden, auf das ich in einem Kommentar näher eingehe.
Der darauf folgende Beitrag des Journalisten Ferdinand Knauß "Das Tabu der Gendertheorie" ist ein echtes Highlight. In klarer Sprache stellt er kurz das Gedankengebäude der Gendertheorie dar, um sodann ihren entscheidenden Schwachpunkt zu erörtern: Die Gendertheorie blendet den biologischen Sinn des Geschlechts - nämlich Fortpflanzung - vollkommen aus. Damit erweist sich dieses Gedankengebäude als Kartenhaus. Da sie den Diskurs mit den biologischen Wissenschaften verweigert, ja ihn sogar unterdrückt bzw. ihre Vertreter diskreditiert, lässt sich die Gendertheorie klar als Ideologie "dekonstruieren".
Die letzten beiden Beiträge von Johannes Johow / Eckart Voland und Volker Sommer beschäftigen sich mit den evolutionären Gründen der Geschlechterdifferenz und der Sexualbiologie unserer nächsten Verwandten, den Primaten. Sie runden die Sammlung ab und spannen den Bogen zurück zum Urgrund des Geschlechtsdimorphismus.
Alles in allem gibt diese Sammlung von Beiträgen einen hervorragenden und kompakten Überblick über den Stand der Forschung zur Geschlechterdifferenz auf 155 Seiten, der sich gut lesen lässt. Literatur ist jeweils nach den Beiträgen angegeben. Am Ende des Buches schließt sich ein Glossar der wichtigsten Begriffe und ein Kurzporträt der Autoren an. Ein durchweg gelungenes Buch, das man all denjenigen empfehlen kann, die sich einen sachlich fundierten und ideologiefreien Überblick über das Thema Geschlecht verschaffen wollen, um gute Argumente gegen die Genderideologie zur Hand zu haben.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 5, 2015 11:17 PM CET


Welche Idee wird alles verändern?: Die führenden Wissenschaftler unserer Zeit über Entdeckungen, die unsere Zukunft bestimmen werden
Welche Idee wird alles verändern?: Die führenden Wissenschaftler unserer Zeit über Entdeckungen, die unsere Zukunft bestimmen werden
von John Brockman
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,95

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein bisschen gemogelt, 18. August 2014
John Brockman, Herausgeber der Internetzeitschrift »Edge«, stellt den führenden Wissenschaftlern unserer Zeit alljährlich eine wichtige Zukunftsfrage, und veröffentlicht ihre Antworten in einem Buch. 2009 hieß die Frage: Welche Idee wird alles verändern?

Leider hat John Brokman ein bisschen gemogelt. Einige der Autoren sind nämlich gar keine führenden Wissenschaftler, sondern Journalisten, Schriftsteller, Künstler, Musiker, Architekten, Unternehmer und Schauspieler. Das wäre weiter nicht schlimm, wenn es denn auf dem Cover des Buches vermerkt worden wäre. Man hätte dann auch seine Erwartungen an das Buch runter schrauben können. Schwerer wiegt aber, dass eine Reihe von Beiträgen einfach lächerlich kurz sind und viele schlichtweg das Thema verfehlt haben. So schreibt z.B. der Physikprofessor Gerald Holton: "Die Antwort (auf die »Edge«-Frage) kann man in einem Satz geben: die absichtliche, feindliche Anwendung einer größeren Atomwaffe durch einen Staat, eine Terroristengruppe oder andere Personen." Doch die passende Frage dazu wäre nicht "Welche Idee (Entdeckung) wird alles verändern?" sondern "Welches Ereignis wird alles verändern?" Danach wurde aber nicht gefragt.

Auch die Qualität vieler Beiträge lässt zu wünschen übrig. So offenbart etwa Rupert Sheldrake in »Die Kreditklemme des Materialismus«, dass er überhaupt nicht verstanden hat, was Wissenschaft wirklich bedeutet, was ihre Prinzipien sind und was ihre Methodik ausmacht. Das ist mehr als peinlich, zumal er selbst Wissenschaftler ist. Andere Beiträge sind unausgegoren und nicht zu Ende gedacht, wie z.B. »Der wahre Lügendetektor« von Neurowissenschaftler Sam Harris. Es sind aber auch einige gute Beiträge dabei. Thomas Metzinger's »Seelenwanderung für selbstlose Wesen« etwa beschreibt die Möglichkeit der Übernahme von virtuellen Körpern (Avatare) und das Eins werden mit ihnen. »Babylon rückgängig machen« von Daniel L. Everett beschäftigt sich mit brauchbaren maschinellen Übersetzungen von einer Sprache in eine andere und die weitreichenden Konsequenzen, die sich daraus für die weltweite Verständigung ergeben würden.

Eine Reihe von Beiträgen im Buch hätte man ohne Verlust streichen können. Einige Texte wirken stellenweise etwas altbacken. Hätte man bei den Beiträgen mehr auf Qualität als auf Quantität gesetzt, hätte das Buch zwar einen geringeren Seitenumfang gehabt, wäre aber sicher gehaltvoller geworden.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 18, 2014 2:18 AM MEST


Heimspiel: Plädoyer für die emanzipierte Familie
Heimspiel: Plädoyer für die emanzipierte Familie
von Lisa Ortgies
  Gebundene Ausgabe

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Falsches Spiel, 3. August 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Lisa Ortgies, Journalistin und Moderatorin von Frau-TV, präsentiert hier ein buntes Sammelsurium von altbackenen feministischen Thesen, substanzlosen, mehr gefühlten als mit harten Zahlen belegten Behauptungen, willkürlich passend gewählten Einzelfällen und endlosem Männerbashing.

Ein Plädoyer für die emanzipierte Familie soll das Buch sein. Was versteht die Autorin unter einer emanzipierten Familie? Das soll eine Familie sein, wo Männer und Frauen sich zu genau gleichen Teilen Erwerbs-, Haus- und Erziehungsarbeit aufteilen, was auch bedeutet, dass Kinder aushäusig betreut werden müssen und das möglichst schon in oder nach der Stillphase. Gleichberechtigung heißt dann für sie, dass Männer und Frauen genau das Gleiche tun. Um diesen feministischen Lebensentwurf für alle als Notwendigkeit zu verkaufen, ist ihr kein Argument zu dumm, keine Manipulation zu unmoralisch, kein willkürlich gewählter Einzelfall zu extrem und kein Männermobbing zu übertrieben. Der Zweck heiligt bei Feministinnen eben immer die Mittel.

Viele Behauptungen der Autorin sind schlichtweg falsch. Evolutionsbiologische Erklärungen für geschlechtstypisches Verhalten lässt sie nicht gelten, weil sie sie meist nicht verstanden hat, ihr Kenntnisse / Interesse fehlen und die Fakten halt nicht in die feministische Ideologie passen. Mit Zahlen steht sie sowieso auf Kriegsfuß, daher werden auch nur wenig konkrete genannt. Fakten, die ihr nicht in den Kram passen, verschweigt sie einfach oder stellt sie nur unvollständig dar. Ständig werden Männer für alles Mögliche verantwortlich gemacht und Frauen als die »besseren Menschen« dargestellt. Es würde den Rahmen dieser Rezension sprengen, hier alle Textstellen aufzuführen.

Im Buch offenbart sich jedoch auch der Totalitarismus der feministischen Ideologie in unabsichtlich selbstenthüllenden Formulierungen. Zunächst ist es das uralte von Alice Schwarzer geprägte Leitmotiv "Das Private ist das Politische", dem auch die Autorin anhängt. Das ist nichts anderes als die Aufforderung an den Staatsapparat, sich in das Privatleben der Menschen einzumischen und es zu kontrollieren – ein Nogo für einen auf dem GG aufbauenden Rechtsstaat mit garantiertem Schutz der Privatsphäre, aber ein klassisches Markenzeichen aller totalitären Staaten, ob braun, rot oder islamistisch. Weitere Markenzeichen sind:

-- Propagierung eines universellen Feinds, der für alles Übel dieser Welt verantwortlich ist. Oft wird dieser Feind dann noch als Untermensch, Asozialer, etc. dargestellt. Was bei Nazis die Juden waren, bei Kommunisten die Kapitalisten oder Konterrevolutionäre, bei Islamisten die Ungläubigen, sind bei Feministinnen die Männer. Folglich gibt es im Buch auch bald in jedem zweiten Satz Männerschelte: Sie sind für die Finanzkrise verantwortlich, dafür, dass Frauen angeblich weniger verdienen als Männer, dafür, dass sich an Geschlechterrollen nichts ändert, etc. Auf S.93 lässt sie die Gender-»Forscherin« Karin Flaake zu Wort kommen, nachdem Fr. Ortgies sich fragt, ob Eltern nicht am selben Strang ziehen, wenn sie versuchen, aus dem Nachwuchs eigenständige und liebesfähige Menschen zu machen. Karin Flaake meint, dass sie das tun sollten, wenn sie die Menschwerdung des Sohnes nicht auf eine »Mannwerdung« beschränken wollen. Männer sind danach also keine richtigen Menschen, denn offensichtlich ist die »Mannwerdung« ja nur eine verkümmerte Menschwerdung, oder? Solche sexistischen Aussagen dürfen aber in Deutschland schon seit Jahren offen und auf höchster politischer Ebene geäußert werden, ohne dass man einen #Aufschrei befürchten müsste. Man lasse sich etwa den Satz aus dem Hamburger Programm der SPD von 2007 "Wer die menschliche Gesellschaft will, muss die männliche überwinden." auf der Zunge zergehen, ersetze in Gedanken »männlich« z.B. durch »jüdisch« und überlege sich, was dann mit einem solchen Satz in kürzester Zeit passieren würde, wenn er veröffentlicht würde.

-- Darstellung der Ideologie-Zielgruppe als die »besseren Menschen«. Beispiele hierfür sind je nach Ideologie die arischen Herrenmenschen, die neuen sozialistischen Menschen, die Gotteskrieger oder eben die Frauen. So zitiert Lisa Ortgies zum Thema Finanzkrise die Chefin der Women's World Bank (S.185): "Hätten wir nicht nur Lehman Brothers, sondern auch Lehman Sisters gehabt, wäre uns die Krise mit dem jetzigen Ausmaß erspart geblieben." Frauen hätten alles besser gemacht - so die implizite Voraussetzung dieser Aussage. Wirklich? Wusste die Autorin, das die Credit Default Swaps, die der amerikanische Groß-Investor Warren Buffet als finanzielle Massenvernichtungswaffen bezeichnet hat und die maßgeblich die Finanzkrise verursacht hatten, das Werk der amerikanisch-britischen Investmentbankerin Blythe Masters waren? Aber von dem Thema hat Lisa Ortgies sowieso keine Ahnung. Da hängt sie sich lieber an die populistischen Zeitgeist-Männerbashing-Parolen.

-- Universeller Geltungsanspruch und daraus resultierende Verpflichtung aller auf die Ideologie und gegebenenfalls Umerziehung. Dazu beruft man sich entweder ausschließlich auf eine natur- bzw. gottgegebene Ordnung (Nazis, Islamisten) oder man leugnet diese komplett und behauptet, der Mensch sei beliebig formbar (Kommunisten, Feministen). Das eine ist so falsch wie das andere. Auch im Buch kann man an den Formulierungen sehr schön sehen, wie Fr. Ortgies die feministische Ideologie mit ihren neuen Rollenzuweisungen am liebsten allen überbraten möchte.
Dazu ein Zitat von S.105: "Die Hausarbeit ist ebenso politisch wie die Kinderfrage, die Sexualität und alles andere angeblich Private. Sie ist die Antwort auf die Frage, warum gelebte Geschlechterrollen nur minimal bröckeln, statt sich so schnell zu wandeln, wie die Familienpolitik es vorgibt."
Die Familienpolitik es vorgibt? Wie jetzt: BMFSFJ befiehl (uns die Geschlechterrollen), wir folgen, oder was?
Ein weiteres schönes Beispiel ist das folgende Zitat (S.106): "Schaut man sich die Zahlen an, dann erscheint einem der Vorstoß der damaligen SPD-Gleichstellungsbeauftragten im Bundestag Ulla Schmidt, die 1995 den Vorschlag machte, Männer per Familienrecht zur Hausarbeit zu zwingen, als eine respektable Idee."
Die Autorin hält es für eine respektable Idee, trotz des verfassungsmäßig garantierten Schutzes der Privatsphäre Zwang bis ins Privatleben hinein auszuüben, damit eine totalitäre Ideologie durchgesetzt wird? Männer, die sich weigern, die von oben aufgezwungenen Rollen anzunehmen, würden dann wohl in Schutzhaft genommen, oder? Frauen bleiben natürlich verschont. Ob Lisa Ortgies und Ulla Schmidt wohl wissen, was ein Rechtsstaat ist, was Grundrechte bedeuten und was es mit Schutz der Privatsphäre auf sich hat?
An anderer Stelle (S.157) schreibt die Autorin: "Bastians Mutter hat ihm in bester Absicht ein Handikap anerzogen, das für die Partnerschaft des erwachsenen Jungen desolate Folgen hätte haben können. Wäre er nicht zufällig auf die Richtige gestoßen ... Die einzige Chance solche Jungs zurechtzubiegen, bevor sie auf die Realität in Form einer "unmütterlichen", weil emanzipierten Partnerin stoßen, wäre ein skandinavischer Lehrplan an deutschen Schulen."
"Jungs" müssen "zurechtgebogen" werden, Männer gezwungen werden und werden erst durch Frauenhand zu Menschen etc. - ja, das ist das Vokabular des Totalitarismus, bei dem Frauen bis in die Privatsphäre hinein über Männer bestimmen möchten! Frauen als die »besseren Menschen« bleiben bei diesem Konzept natürlich von jeglichem Zwang verschont.

Eins hat die Autorin wohl nicht verstanden oder will es nicht verstehen: In einem offenen liberalen Rechtsstaat bestimmen Paare selbst, welche Rollen sie einnehmen. Sie allein sind dafür verantwortlich, wie die vorhandene Erwerbs-, Haus- und Erziehungsarbeit unter den Partnern aufgeteilt wird. Kein Staatsapparat und keine Ideologie hat hier vorzugeben, wer wie und wann welche Arbeiten zu erledigen hätte. Gleichberechtigung heißt lediglich, dass Männer und Frauen vor dem Gesetz gleich behandelt werden. Es heißt NICHT, dass sie im Ergebnis das Gleiche tun müssen. Wer das dennoch durch Zwang von oben erreichen will, macht aus einem Rechtsstaat einen Unrechtsstaat. Wir sind auf dem besten Weg dazu und Bücher wie »Heimspiel« leisten durch ihr falsches Spiel einen traurigen Beitrag dazu.
Kommentar Kommentare (138) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 26, 2016 12:14 AM CET


Die gesetzliche Frauenquote in Führungspositionen als Instrument beruflicher Gleichstellung in der deutschen Wirtschaft
Die gesetzliche Frauenquote in Führungspositionen als Instrument beruflicher Gleichstellung in der deutschen Wirtschaft
von Mariya Chernoruk
  Taschenbuch
Preis: EUR 13,99

9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Vom Rechtsstaat zum Unrechtsstaat, 29. Juli 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Das "Buch" hatte ich mir bestellt, um einen Überblick über den Standpunkt pro Frauenquote zu bekommen. Es ist im GRIN-Verlag erschienen, der sich darauf spezialisiert hat, akademische Texte einem breiten Publikum zu präsentieren, und wird als Studienarbeit im Fachbereich "Frauenstudien/Gender-Forschung" bezeichnet. Als ich dann die Lieferung erhielt, stellte sich heraus, dass es sich dabei um eine einfach geheftete Broschüre handelte. Der eigentliche Text umfasste gerade einmal 14 (!) Seiten. Für 14,99 ist das allerdings geradezu ein Wucherpreis, den der Verlag dafür nimmt. Es handelt sich dabei lediglich um eine Hausarbeit "im Rahmen der Veranstaltung "Gender Policy in der EU und im Völkerrecht" im WiSe 2011/2012".

Gut, dachte ich, schaue ich mir dieses Heftchen mal inhaltlich an. Vielleicht ist der Preis ja gerechtfertigt. Aber auch das war wieder ein Flop. Man kann jetzt zwar von einer Hausarbeit nicht allzu viel erwarten, allerdings sollte der Text wenigstens ein paar wissenschaftliche Standards einhalten, da der GRIN-Verlag ja gerade akademische Texte präsentieren will. Was ich hier jedoch lesen musste, war das alte feministische Geleier.

Nach einer Einleitung erfolgt zunächst eine Begriffsklärung, was man unter "Führungsposition" und "Frauenquote" verstehen soll. Anschließend wird der Status Quo von Frauen in Führungspositionen in Deutschland und Europa beleuchtet. Danach erfolgt eine Diskussion der Einwände gegen eine Frauenquote (Eingriff in Auswahlprozesse, Vernachlässigung von Branchenunterschieden, Diskriminierung von Männern). Dann wird die mögliche Ausgestaltung einer gesetzlichen Quotenregelung besprochen. Das Heftchen schließt mit einem Fazit ab, an das sich dann noch das Literaturverzeichnis anschließt.
Wer erwartet, dass es in dem Text eine intensive Auseinandersetzung über die Rechtfertigung von Quoten allgemein und von Frauenquoten im Besonderen gibt, der wird schnell enttäuscht. Hier werden nur die bekannten Allgemeinplätze unkritisch widergegeben. Ein massiver Eingriff in die verfassungsmäßig garantierte Gleichbehandlung aller Menschen vor dem Gesetz würde zumindest eine mehr als sorgfältige Rechtfertigung und vor allem triftige Gründe erfordern. Immerhin ist diese Gleichbehandlung ein hohes Rechtsgut, dessen partielle Aufhebung nur in Abwägung mit gleichwertigen oder gar höheren Rechtsgütern überhaupt möglich wäre. Stattdessen wird auch hier als Rechtfertigung lediglich die bloße statistische Unterrepräsentanz von Frauen in willkürlich ausgewählten Bereichen genommen. Aus statistischen Unterrepräsentanzen lassen sich aber keine Diskriminierungen ableiten. Sie sind nämlich lediglich Ausdruck von Präferenzen (u.a. auch geschlechtsspezifischen) der Menschen. So liegt der Frauenanteil bei Flugzeugpiloten bei 3%. Bei der Müllabfuhr wird er noch geringer liegen. Liegt das daran, dass Frauen hier diskriminiert würden? Wohl kaum! Frauen haben einfach im statistischen Mittel weniger Interesse an solchen Jobs. Was hier klar auf der Hand liegt, wird bei Führungspositionen einfach wieder vergessen. Aber auch hier gibt es Belege dafür, dass Frauen im Mittel weniger Interesse daran haben. Es ist zudem bekannt, dass Frauen im Allgemeinen weniger in ihre berufliche Qualifizierung investieren und im Erwerbsleben weniger Stunden arbeiten als Männer. Das alles führt zu den beobachteten Verteilungen. Dies wird aber von den Quotenbefürwortern weder thematisiert noch überhaupt erforscht.

Selbst wenn man Diskriminierung von Frauen nachweisen könnte, wäre die Einführung einer gesetzlichen Frauenquote immer noch ein eklatanter Verfassungsbruch, denn der Staat darf eben nicht per Gesetz pauschal Männer diskriminieren, weil einzelne Männer einzelne Frauen diskriminieren. Es gibt im Grundgesetz keine Rechte von Gruppen, sondern nur solche von Individuen. Leider hat der Gesetzgeber selbst angefangen, das Grundgesetz diesbezüglich auszuhöhlen. Die rot-grüne Bundesregierung hat in den 90er Jahren in Artikel 3, Absatz 2 einen weiteren Satz hinzugefügt: "Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin." Dies kommt einer carte-blanche-Ermächtigung gleich, denn es ist weder definiert, was man unter einem Nachteil zu verstehen hat bzw. was als ein Nachteil gilt, noch wer das festlegt und wie das zu geschehen hat. Zudem wird hier normativ (!) ausgedrückt, dass empirisch (!) generelle Nachteile bestehen. Das ist jedoch logisch falsch, denn Gesetze dürfen nur normativ sein. Leider macht sich die Grundrechte-Inkompetenz auch im Bundesverfassungsgericht breit. So betont das BVerfG die Verfassungsmäßigkeit von Frauenfördermaßnahmen, da das Gleichberechtigungsgebot grundsätzlich dazu geeignet ist, Differenzierungen zwischen Männern und Frauen zu legitimieren. Anders ausgedrückt heißt das dann: Das Gebot, Männer und Frauen vor dem Gesetz gleich zu behandeln, ist grundsätzlich dazu geeignet, Männer und Frauen gesetzlich nicht gleich zu behandeln. Hier wird vor allem eines klar: Man sollte die Absolvierung eines Logik-Kurses für Verfassungsrichter zur Pflicht machen.

All das wird von der Autorin nicht hinterfragt. Mit einem wissenschaftlichen Text, der auch Thesen kritisch beleuchten bzw. sich über deren innerer Logik Gedanken machen muss, hat das nichts zu tun. Und so ist auch dieser Text wieder ein Beleg dafür, dass es sich bei Gender-Forschung und Frauenstudien um alles andere als Wissenschaft handelt. Die Genderstudies machen sich mittlerweile in vielen Fachrichtungen breit und unterwandern den Wissenschaftsbetrieb. Sie sind längst zu einer Jobgenerierungs-Institution für Frauen geworden, die sich in den Wissenschaften nicht auf gewöhnlichem Weg ihre Lorbeeren verdienen wollen oder können.


Wissen statt Moral: Fünf Thesen zur Wissensgesellschaft
Wissen statt Moral: Fünf Thesen zur Wissensgesellschaft
von Bernd-Olaf Küppers
  Gebundene Ausgabe

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Plädoyer für eine ideologiefreie Wissensgesellschaft, 25. Juli 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Der auf den ersten Blick provokante Titel des Buches, stellt sich beim Lesen als scharfsinnige Erkenntnis heraus. Der Autor meint keineswegs, dass Moral überflüssig wäre, "denn das moralische Bewusstsein gehört zum biologischen Erbe des Menschen und wird stets eine substantielle Rolle im menschlichen Leben und Zusammenleben spielen. Aber die Moral muss dem menschlichen Wissen nachgeordnet sein. Sie darf nicht das Wissen dominieren, sondern sie muss ihrerseits der Kontrolle durch das Wissen unterliegen." Um es auf einen einfachen Nenner zu bringen: Bevor man weiß, was gut / schlecht ist, muss man erst wissen, was wahr / falsch ist.

Bernd-Olaf Küppers, emeritierter Naturphilosoph und Physiker, entwickelt in diesem Buch fünf Thesen zur Wissensgesellschaft.

Unter der ersten These »Unwissenheit, die sich vermehrt, wird unsichtbar« arbeitet der Autor zunächst den Unterschied zwischen Glauben und Wissen heraus und weist sodann auf die Gefahren des Pseudowissens hin. Dabei lässt sich bei allen Spielarten des Pseudowissens (z.B. Esoterik, Anthroposophie, Ganzheitsideologien, etc.) stets ein Anti-Intellektualismus nachweisen. Pseudowissen wird im Laufe der Zeit unsichtbar, weil es im Gewand des Wissens daherkommt und man es nur bei genauen Kenntnissen entlarven kann. Am schwersten können sich die Geisteswissenschaften von den Pseudowissenschaften abgrenzen. Stellenweise gibt es hier auch anmaßende Ansprüche und eine gewisse Borniertheit.

Die zweite These »Unsere Zukunft liegt in unserer Urteilsfähigkeit« beschäftigt sich zunächst mit den verschiedenen Wahrheitsbegriffen. Es wird schnell klar, dass es absurde Konsequenzen hätte, wenn man Wahrheit komplett leugnen oder sie absolut setzen würde, wie das von Religionen immer wieder getan wird. Die Erkenntnis, dass Wahrheit etwas Relatives ist, führt zum erkenntnistheoretischen Relativismus. Der Relativismus wiederum ermöglicht erst unsere Urteilsfähigkeit, die von der Suche nach der Wahrheit getrieben wird. Das wichtigste Instrument unserer Urteilsfähigkeit ist jedoch der systematische Zweifel. Urteilsfähigkeit ist wichtig, um in der mittlerweile gigantischen Informationsflut bedeutende Informationen finden und bewerten zu können. Notwendige Voraussetzung für Urteilsfähigkeit ist Bildung, d.h. die individuelle Entfaltung der Persönlichkeit, ihrer Begabungen und Kritikfähigkeit. Bildung wird jedoch heute durch die Politik mit Ausbildung verwechselt. Man meint, man könne die Bildungsmisere politisch lösen, indem man sie mit Geld bewirft. Die Medien erweisen sich hier als treue Erfüllungsgehilfen der Politik, denn auch sie haben kein Interesse an kritischen Menschen, die sich eben nicht manipulieren und leicht führen lassen. Der Autor ist der Auffassung, dass Urteilsfähigkeit auf breiter Ebene möglich wäre, wenn die Menschen die Grundlagen von Wissenschaft – nämlich die Methoden und Ziele – besser verstehen könnten, um Pseudowissenschaft und Ideologie von Wissenschaft unterscheiden zu können.

»Das Fundament der Wissensgesellschaft ist der Relativismus« ist die dritte These des Buchs. Hier zeigt der Autor zunächst auf, dass die Wissenschaften in politisch korrekten Zeiten von allen Seiten mit moralischen Statements bombardiert werden: "Zum Handlanger der Politik sind hier vor allem die Massenmedien geworden, die uns seit geraumer Zeit mit moralischen Appellen, Forderungen und Belehrungen nachgerade überschütten. Neben der Angst war die Moral schon immer ein probates Mittel, um Menschen für Machtinteressen gefügig zu machen und sie den bestehenden Machtstrukturen unterzuordnen." Moral ist das wichtigste Instrument, um eine Gesellschaft auf gemeinsame Ziele zu verpflichten. Moral mit Absolutheitsanspruch ist aber stets mit Dogmatismus verbunden. Dies lässt sich nur verhindern, wenn Moral durch Wissen kontrolliert wird. "Werte gewinnen überhaupt erst einen konkreten Gehalt, wenn man sie in der Lebenspraxis zu anderen Werten in Relation setzt. Dies ist kein Mangel, sondern eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass Werte ihre regulative Funktion ausüben können." Küppers zeigt, dass die Herrschaft der Moral über das Wissen bis in die griechische Antike zurückgeht und sich durch die gesamte Geschichte der Philosophie zieht. Neuauflagen gab es mit Hegel (Weltgeist) und in der Neuzeit Habermas und Ex-Papst Benedikt. Letzterer sprach von der Einheit von Glauben und Vernunft und stellte dem den »instrumentellen« Verstand in Technik und Naturwissenschaften gegenüber – ein weiterer Versuch, dogmatische Moral über das Wissen zu stellen. Der Autor ist der Auffassung, dass wir den Weg in die Wissensgesellschaft nur finden werden, wenn wir den moralischen Dogmatismus bekämpfen.

In der vierten These »Der Mensch ist das Maß aller Dinge« negiert Bernd-Olaf Küppers den scheinbaren Gegensatz von Natur und Kultur, der eine weitreichende Folge des christlich-abendländischen Denkens ist. Dieses Denken hat letztlich in eine "Ethik der Verantwortung" (Hans Jonas) geführt, die für einen Erhalt der Natur aus moralischer Verantwortung kämpft. Dem zugrunde liegt die Annahme einer Natur-immanenten Norm, der zufolge alles Lebendige das Ziel der Daseinserhaltung verfolgt. Dies entspricht jedoch einem falschen Verständnis von Natur, denn es gibt in ihr weder Ziele noch Zwecke. Zudem sind Ökosysteme keine stabilen Gleichgewichtssysteme, sondern metastabile Systeme mit teilweise immanent chaotischen Tendenzen. Niemand kann daher Ökosysteme so bewahren, wie sie sind. Wir sind also gut beraten, wenn wir stattdessen den Mensch als das Maß aller Dinge nehmen, was natürlich nicht bedeutet, dass wir auf unsere natürlichen Grundlagen keine Rücksicht nehmen müssten.

Die fünfte These »Nur Wissen kann Wissen beherrschen« führt aus, dass unsere Zukunftsfähigkeit im Wesentlichen davon abhängt, ob wir den Einstieg in die Wissensgesellschaft schaffen. Nach Bernd-Olaf Küppers ist dies nur möglich, wenn wir alle ideologischen, metaphysischen und religiösen Einflüsse in den Wissenschaften zurückdrängen und nur Wissen als Kontrollfunktion von Wissen zulassen. Unser Wissen muss sich frei entfalten können, indem es im Prinzip jede denkbare Entwicklungsrichtung einschlagen darf.

Dies ist ein wichtiges Buch, dem man nur eine weite Verbreitung wünschen kann. Seine Erkenntnisse sollten neben einer Einführung in die Wissenschaftstheorie in jedem Grundstudium vermittelt werden, damit zukünftige Wissenschaftler sich besser gegen Übergriffe von Pseudowissenschaften und Ideologien wehren können.


Genug gegendert!: Eine Kritik der feministischen Sprache
Genug gegendert!: Eine Kritik der feministischen Sprache
von Tomas Kubelik
  Gebundene Ausgabe

13 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Komplett, kompetent und kompakt - Kompliment!, 26. Juni 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Thomas Kubelik, promovierter Germanist und Gymnasiallehrer für Deutsch und Mathematik, hat in "Genug gegendert!" das Thema "Feministische Sprache" wirklich komplett, kompetent und kompakt von allen Seiten betrachtet. Mehr kann man zu diesem Thema nicht sagen. Es wurde Zeit, dass ein solches Buch geschrieben wurde. Daher: großes Kompliment an den Autor.

In seiner Einführung räumt Tomas Kubelik kurz mit weit verbreiteten und ständig runter gebeteten feministischen Glaubenssätzen auf, von denen die angebliche sprachliche Unterdrückung von Frauen nur einer ist. Sodann setzt seine Kritik bei der Sprache der political correctness an, von der das feministische Neusprech eine Teilmenge darstellt. Er zeigt klar die totalitären Tendenzen dieser von oben verordneten Sprachnorm auf, die sich auf leisen Sohlen in der Gesellschaft breit macht. Im Folgenden beschäftigt sich der Autor dann genauer mit der feministischen Linguistik, ihren Zielen, Methoden und Wurzeln. Dabei wird an Originalzitaten ihrer Protagonisten klar, dass es sich bei der feministischen Linguistik letztlich um ein sexistisches Projekt handelt, das unter dem Deckmäntelchen der Gleichberechtigung Misandrie offenbart. Im anschließenden Kapitel wird der Grundirrtum der feministischen Linguistik offen gelegt: die Gleichsetzung des grammatikalischen Geschlechts mit dem biologischen. Anhand der Kontexte wird nachgewiesen, dass auch bei historischen Texten das generische Maskulinum geschlechtsübergreifend verstanden worden sein muss. Es folgt eine ausführliche Darstellung aller Formen des Sprachgenderns und seiner absurden Konsequenzen. Eine davon ist die Tatsache, dass etwa beim Binnen-I das Geschriebene vom Gesprochenen abweicht - eins der zahllosen ungelösten Probleme dieser aufgezwungenen Sprachnorm. Im nächsten Kapitel zeigt der Autor nun auf, welche Fehler, Inkonsequenzen und Inkonsistenzen aus der Anwendung des feministischen Neusprechs folgen. Spätestens hier wird klar, dass dieses Projekt sprachlogisch überhaupt nicht durchführbar ist. Die logischen Inkonsistenzen sind nicht auflösbar. Die Ausdrucksweise wird unnötig verkompliziert, ohne dass es einen Verständnisgewinn gäbe, die Lesbarkeit von Texten würde eklatant erschwert und das Geschlecht würde dauernd in Zusammenhängen in den Fokus gerückt, die nichts mit dem Geschlecht zu tun haben. Damit befördern die Verfechter des feministischen Neusprechs gerade den Sexismus, den sie eigentlich bekämpfen wollten. Im nächsten Kapitel widmet sich Tomas Kubelik der Psycholinguistik, die angeblich die wissenschaftlichen Begründungen für die Einführung der Sprachnorm geliefert hätte. Hier soll herausgefunden worden sein, dass das generische Maskulinum Frauen in der Sprache "unsichtbarer" als Männer macht. Der Autor zeigt jedoch klar an vielen Beispielen, dass die entsprechenden Studien nicht einmal minimale Wissenschaftsstandards erfüllen. Es wird dort mit schwammigen Begriffen operiert, Forscher sind von feministischem Wunschdenken okkupiert, arbeiten nicht unvoreingenommen und ergebnisoffen, wenden falsche oder unzulängliche Methoden an und sind unfähig, die Tragweite von Statistiken richtig einzuschätzen und zu interpretieren. Es werden Daten nicht-repräsentativ erhoben, teils mit zu geringer Stichprobe und mit den vermuteten Abweichungen, die einerseits meist marginal sind und bei denen andrerseits nicht einmal ausgeschlossen werden kann, dass sie auf Zufall beruhen. Die schlimmsten Fehler werden jedoch dort begangen, wo man die Kontextabhängigkeit der Sprache einfach ignoriert. So können Effekte beim generischen Maskulinum überhaupt erst entstehen, wenn man die Aufmerksamkeit in einer Befragung auf das Geschlecht lenkt, ansonsten aber gar nicht vorhanden sein. Dies wird in keiner der Studien berücksichtigt. Hier offenbart sich am meisten die ideologische Blindheit der feministischen Forschung. Im letzten Kapitel geht es dann um die Folgen der verordneten Gender-Sprachnorm: Verkomplizierung der Sprache, Überbetonung des Geschlechts, Zurücktreten von Inhalten zu Gunsten der Form und Verlust von Klarheit.

Das alles schreibt Tomas Kubelik in einer klaren, unmissverständlichen Sprache und in einem hervorragenden Stil. Das Lesen hat mir großes Vergnügen gemacht und ich kann das Buch all denen empfehlen, die sich diesem feministischen Neusprech nach Orwell-Manier nicht beugen wollen. Ich habe jedenfalls diesen Gender-Unsinn konsequent aus meinem Leben verbannt.


Frauenquote: Wie die Gender-Ideologie Politik, Wissenschaft, Recht und Verfassung unterwandert
Frauenquote: Wie die Gender-Ideologie Politik, Wissenschaft, Recht und Verfassung unterwandert
von Hadmut Danisch
  Taschenbuch
Preis: EUR 24,90

81 von 87 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unbedingt lesenswert, 19. Juli 2013
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Das Buch von Hadmut Danisch ist mehr als eine fundierte Kritik an der Frauenquote. Es geht in dem ca. 500 Seiten starken Buch auch darum, "wie die Gender-Ideologie Politik, Wissenschaft, Recht und Verfassung unterwandert". Der Autor weist nach, dass es sich bei Gender-Mainstreaming (GM) um ein totalitäres Programm handelt, das per EU-Beschluss vorbei an allen demokratischen Legitimierungen und ohne breite öffentliche Diskussion top-down eingeführt wurde.

Aufhänger für das Buch war Hadmut Danischs Rechtsstreit wegen seiner Promotion im Fach Informatik, den er bis ans Bundesverfassungsgericht getragen hatte. In diesem Zusammenhang stieß er auf die Verfassungsrichterin Susanne Baer, deren offensichtliche Inkompetenz ihm auffiel. Dadurch wiederum beschäftigte er sich intensiv mit dem Thema Feminismus und dessen Auswirkungen.

Der Autor hat akribisch Fakten zusammengetragen, die ich in dieser Fülle noch nicht gelesen habe. Er beschäftigt sich ausführlich mit dem Genderbegriff, seinen postmodernen Schöpfern Foucault, Butler, de Beauvoir und seinen Auswirkungen auf politische Debatten bzw. auf politisches Handeln. Er zeigt auf, wie die bekannten haltlosen Thesen des Feminismus verwurstet mit dem verqueren Genderbegriff zu einer alles durchdringenden Ideologie geworden sind, die sich wie eine totalitäre Soße bis in die letzten Lücken der Gesellschaft ergießen soll. Politisch korrekt wird das heute schönfärberisch Gender-Mainstreaming genannt. Er geht auf die Unsinnigkeit der Gendertheorie ein, indem er deren Argumenten moderne wissenschaftlichen Erkenntnisse gegenüberstellt. Er stellt dar, wie sich die pseudowissenschaftlichen "Gender-Studies" an den Hochschulen breit machen und die Wissenschaften zersetzen. Dabei wird klar, dass hierdurch und über Frauen-Quoten bzw. spezielle Frauen-Förderung letztlich Frauen in hochdotierte fachliche Positionen gehievt werden, die kaum Kompetenzen in den jeweiligen Fachrichtungen besitzen. Explizit zeigt der Autor dies für die Fächer Informatik und Jura, etwa an der Vita und den Texten von Susanne Baer, die mittlerweile ins Bundesverfassungsgericht berufen worden ist. Hier wurde tatsächlich jemand in das höchste richterliche Amt berufen, der nicht einen einzigen Tag als Richter gearbeitet und auch sonst fachlich nur marginale Beiträge geliefert hat, sich aber den größten Teil seiner Laufbahn lediglich mit Feminismus und Gender-Studies beschäftigt hat und dem nicht einmal der Unterschied zwischen Gleichberechtigung und der Staatskompetenz-überschreitenden Gleichstellung klar ist.

Das Erschütternde, das mir erst beim Lesen des Buches klar geworden ist, ist der Fakt, dass nach politischem Plan die Gender-Studies in allen Fachrichtungen implementiert werden sollen. Die Gender-Studies sind aber klar in der Soziologie verortet und stellen letztlich ein sexistisches Programm dar. Dieses Vorhaben ist damit nichts anderes als ein Arbeitsplatzgenerierungs- und Versorgungsmechanismus für in den Fachrichtungen inkompetente Frauen. Auf Dauer erweisen sich Feministinnen damit selbst einen Bärendienst. Schlimmer wiegt jedoch, dass auf diese Weise Wissenschaft von innen zerstört wird, indem dort ein epistemischer Relativismus eingeführt wird, der zu einer Zersetzung der Wissenschaftsideale Wahrheit, Objektivität, Ergebnisoffenheit und Kritisierbarkeit führt.

Hadmut Danisch gebührt Dank, dass er das thematisiert hat. Das Buch ist durchweg interessant geschrieben und schildert eine Fülle von Details. Zwei kleine Kritikpunkte habe ich dennoch, die aber nicht in meine Bewertung einfließen. Zum einen wäre bei der Fülle an Information ein Register nicht schlecht gewesen. Dann könnte man das Buch auch gut zum Nachschlagen benutzen. Zum anderen ist die Diskreditierung des Wissenschaftsphilosophen Popper nicht berechtigt. Der Autor unterstellt ihm quasi, dass dessen Erkenntnis der Nicht-Verifizierbarkeit von Hypothesen dazu geführt hätte, dass jeder behaupten könne, was er wolle. Poppers Theorem ist gerade das Gegenteil davon und besagt eigentlich, dass wissenschaftliche Hypothesen zwar nicht verifiziert werden können, aber immer falsifizierbar sein müssen. Die Nicht-Verifizierbarkeit ist eine erkenntnistheoretische Konsequenz aus der Tatsache, dass man nicht alle Fakten ermitteln kann, die eine Hypothese stützen. An deren Stelle kann aber die Falsifizierung treten, indem man Fakten benennen muss, die eine Hypothese zu Fall bringen können. Insofern sind nur die Hypothesen wissenschaftlich ernst zu nehmen, die in sich logisch konsistent, mit plausiblen Annahmen versehen und mit bereits bekanntem Hintergrundwissen kompatibel sind und vor allem die Möglichkeit der Falsifikation bieten. Gerade die Gendertheorie erfüllt diese Kriterien allesamt nicht und ist damit eben keine wissenschaftliche Theorie.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 4, 2015 2:30 AM MEST


Wege der Wissenschaft: Einführung in die Wissenschaftstheorie
Wege der Wissenschaft: Einführung in die Wissenschaftstheorie
von Niels Bergemann
  Taschenbuch
Preis: EUR 22,99

12 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gelungene und kompakte Einführung, 11. Mai 2013
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Das Buch ist eine gut verständliche Einführung in die Wissenschaftstheorie und liegt bereits in der 6. Auflage vor. Chalmers schafft es tatsächlich, die Fragestellungen und Probleme der Wissenschaftstheorie interessant und mit vielen Beispielen darzustellen.
Am Anfang steht die Frage, was das Besondere an Wissenschaft und ihren Methoden ist, genießt sie doch hohes Ansehen in allen modernen Gesellschaften. Sukzessive stellt der Autor die Hauptansichten dar, die Philosophen dazu entwickelt haben, und ihre jeweiligen Schwächen. Am Ende steht die Erkenntnis, dass sich die Frage eigentlich nicht definitiv und zweifelsfrei beantworten lässt, obschon es einige Methoden gibt, die stillschweigend von allen Wissenschaftlern akzeptiert und angewandt werden.
An erster Stelle steht die Idee, dass Wissenschaft von Tatsachen geleitet werden soll. Tatsachen gewinnt man aus systematischen Beobachtungen. Aus diesen sollen dann Generalisierungen abgeleitet werden. Diese Methode bezeichnet man als Induktivismus. Doch Beobachtungen sind bereits ihrerseits theorieabhängig und daher subjektiv. Außerdem kommt man so kaum zu neuen nicht unmittelbar naheliegenden Theorien, weil man immer nur das beobachtet, was naheliegend ist. Theorien gehen also weit über das Beobachtbare hinaus.
Einen Ausweg bietet hier die Methode des Falsifikationismus, die erstmals von Popper beschrieben wurde. Hier steht eigentlich eine Hypothese am Anfang. Sie muss Beobachtungen widerspruchsfrei erklären können und – noch wichtiger – zu überprüfbaren neuen Aussagen führen, wie spektakulär und abenteuerlich sie zunächst auch sei. Sprechen die überprüfbaren Aussagen gegen die Hypothese, so wird sie modifiziert oder gar verworfen – sie wurde dann falsifiziert. Danach schreitet Wissenschaft durch einen ständigen zyklischen Prozess voran: die eintreffenden Voraussagen einer Theorie/Hypothese bilden ihrerseits wieder die Grundlage zu neuen Hypothesen, die wiederum zu neuen überprüfbaren Aussagen führen etc.. Doch auch der Falsifikationismus steht vor einem Problem: Wann gilt eine Hypothese als falsifiziert? Bereits wenn eine der überprüfbaren Aussagen falsifiziert wurde? Wendet man nämlich den Falsifikationismus auf historische Beispiele an, so versagt er in der Regel. Die kopernikanische Revolution z.B. hätte sich nie durchsetzen können, weil sie durch die damalige aristotelische Physik in vielen Punkten falsifiziert wurde. Wie konnte sich die kopernikanische Wende schließlich doch gegen die gesamte damalige Physik durchsetzen? Ein Hauptproblem des Popperschen Falsifikationismus liegt also darin, dass es keine klaren Richtlinien dafür gibt, welcher Teil einer Theorie von einer auftretenden Falsifikation betroffen ist.
Nach Thomas Kuhn vollzieht sich daher Fortschritt in der Wissenschaft durch Paradigmenwechsel. Durch Betreiben von "Normalwissenschaft" tauchen allmählich immer mehr Probleme bei einem gerade gültigen Paradigma auf. Dies führt zu einem Umdenken bei immer mehr Wissenschaftlern, was schließlich zu einem Wechsel des Paradigmas führt. Danach setzt wieder eine Phase von "Normalwissenschaft" ein, während der Forschung im Sinne der Leitidee betrieben wird, bis sich wieder nach Häufung von Problemen und Widersprüchen ein neuer Wechsel abzeichnet. Kuhn vertritt jedoch die Ansicht, dass die Frage, ob ein Paradigma besser ist als eines, das es infrage stellt, nicht definitiv und neutral beantwortet werden kann, sondern von Werten Einzelner, Gruppen oder Kulturen abhängt. Aus Kuhns Sicht ist es Aufgabe für Forscher aus den Reihen der Soziologen und Psychologen, die Faktoren aufzudecken, warum Wissenschaftler einen Paradigmenwechsel vollziehen.
Imre Lakotos löst das erwähnte Hauptproblem des Falsifikationismus, indem er die Forschungsprogramme in der Wissenschaft in "harte Kerne" und "Schutzgürtel" aufteilt. Es gibt offensichtlich Gesetze und Prinzipien, die so fundamental sind, das sie einem konstituierenden Merkmal einer Wissenschaft gleichkommen. Dies bezeichnet Lakatos als "harten Kern". Die "harten Kerne" sind schwer durch Falsifikationen angreifbar. Falsifiziert werden können jedoch die Zusatzannahmen und -Hypothesen eines "harten Kerns", die er als "Schutzgürtel" bezeichnete. Aber auch hier tauchen Schwierigkeiten auf. Zum einen stellt sich die Frage, ob es "harte Kerne" überhaupt gibt und wie sie sich identifizieren lassen. Das gilt im Besonderen für die "weichen" Wissenschaften, nicht zuletzt deswegen, weil Lakatos' Methode in erster Linie auf die Physik ausgerichtet ist. Zum anderen ist die Methode bei aktueller Wissenschaft kaum anwendbar. Seine Kriterien sind so weich zur Charakterisierung von Wissenschaft, dass kaum etwas davon abgeleitet werden konnte.
Paul Feyerabend stellt dem seine anarchistische Wissenschaftstheorie gegenüber. Die besagt als scheinbare Quintessenz der bisherigen Erfahrungen nichts anderes als: Es gibt keine wissenschaftliche Methode. Wissenschaftler folgen ihren subjektiven Bedürfnissen, anything goes. Wissenschaft weise keinerlei Merkmale auf, die sie notwendigerweise anderen Erkenntnisformen überlegen mache. Das wichtigste Beispiel Feyerabends bezieht sich auf die Fortschritte Galileis in der Physik und Astronomie.
Chalmers selbst gibt Feyerabend insofern recht, dass es keine universelle Methode gibt. Das schließt aber nicht aus, dass Wissenschaft sich in fortlaufenden Methodenwechseln vollziehen kann. Beispiele dafür sind die Wechsel von Beobachtungsmethoden, Standards und Theorien. Dieses ist der Ansatz des Autors. Doch auch hier gäbe es so etwas, was man als einen Common Sense bezeichnen könnte, was man aber auch wieder zumindest temporär als universell bezeichnen könnte.
Ein weiterer Ansatz, dem Thema gerecht zu werden, ist der Wahrscheinlichkeitsansatz von Bayes. Im allgemeinen haben Wissenschaftler und Laien so viel Vertrauen in wissenschaftliche Theorien, dass sie sich um so fester auf Voraussagen verlassen und entsprechend planen für je wahrscheinlicher sie Theorien halten. Man kann daher Theorien Wahrscheinlichkeiten ungleich Null zuweisen. In diese Berechnungen fließen auch Belege und subjektive Wahrscheinlichkeiten ein und es lässt sich damit sogar Konvergenz von unterschiedlichen subjektiven Priorwahrscheinlichkeiten berechnen. Das Problem bei diesem Ansatz ist jedoch, dass es schwierig ist, diese subjektiven Wahrscheinlichkeiten zu bekommen, besonders wenn es sich um komplexe Theorien handelt.
Die neuen Experimentalisten, deren Leitidee am klarsten durch die Wissenschaftsphilosophin Mayo formuliert wurde, räumen dem Experiment wieder einen größeren Stellenwert in der Wissenschaft ein. Sie bezweifeln die Theorieabhängigkeit gut durchdachter Schlüsselexperimente. Der neue Experimentalismus hat aufgezeigt, wie experimentelle Ergebnisse untermauert werden können und experimentelle Effekte durch eine Vielzahl von Strategien, wie praktischer Intervention, Gegenproben, Fehlerkontrolle und -elimination, auf eine Art und Weise erzielt werden können, die unabhängig von komplexen Theorien sein können und dies auch typischerweise sind. Damit haben die neuen Experimentalisten die Wissenschaftstheorie wieder auf den Boden der Tatsachen zu-rückgeholt.
Meines Erachtens sind die relativistischen Positionen von Kuhn und Feyerabend ein verhängnisvoller Irrweg. Kuhn sieht die Bewertung der Paradigmenwechsel als eine Aufgabe der Soziologen und Psychologen. Da deren Bewertung aber eben auch nicht neutral sein kann, könnte man letztlich keine Aussagen darüber machen, warum es besser scheint, das eine Paradigma durch ein anderes abzulösen. Es ist jedoch müßig, diese Frage von einer Meta-Ebene (hier Soziologie/Psychologie) aus zu betrachten. Das Ganze läuft nämlich dann darauf hinaus, Argumente zu sehr an Personen zu binden. Argumente in der Wissenschaft sollten sich aber immer an der Sache orientieren und niemals an Personen oder Gruppen. Feyerabends anarchistischer Ansatz ist aber noch katastrophaler. Danach hat wissenschaftliche Erkenntnis keinerlei Vorzüge gegenüber anderen Erkenntnisformen, d.h. Wissenschaft, Religion, Mystizismus, Esoterik, etc. stehen auf gleicher Ebene. Jemand, der das in einer wissenschaftlichen Abhandlung – und ich nehme an, dass Feyerabend seine Betrachtung als eine solche verstanden wissen will – ernsthaft vertritt, hat im selben Augenblick seine Ausführungen ad absurdum geführt, ganz abgesehen davon, dass die Erfolgsgeschichte der Wissenschaft Feyerabends Vorstellungen zumindest praktisch widerlegt. Es wurde hier wohl der weit verbreitete Fehler begangen, das Kind mit dem Bade auszuschütten, nach der Devise: wenn es keinen Weg gibt, die Überlegenheit der Wissenschaften ultimativ zu zeigen, dann gibt es eben keine Überlegenheit der Wissenschaften. Das ist jedoch völliger Unsinn. Wenn es auch keine beste Methode gibt, so gibt es aber zu jeder Zeit bessere Methoden und es gibt durchaus auch für alle nachvollziehbare Kriterien, woran man praktisch festmachen kann, ob eine Methode besser ist. Das wird von Leuten wie Kuhn und Feyerabend übersehen.
Chalmers Einführung in die Wissenschaftstheorie ist wirklich gelungen, besonders auch, weil sie die Probleme offen anspricht und zeigt, dass es niemals auf irgendeinem Gebiet sichere Erkenntnis gibt. Auch hieraus kann man nicht schließen, dass es dann überhaupt keine Erkenntnis gibt.
Zum Schluss noch eine pointierte Meinung des Physikers und Nobelpreisträgers Richard P. Feynman, die zwar nicht im Buch vorkommt, aber – nicht so ganz falsch – ein ganz anderes Licht auf das Thema wirft: Wissenschaftstheorie ist für die Wissenschaft so wichtig wie Ornithologie für die Vögel.


Qualifikation statt Quote: Beiträge zur Gleichstellungspolitik
Qualifikation statt Quote: Beiträge zur Gleichstellungspolitik
von Harald Schulze
  Taschenbuch
Preis: EUR 13,90

8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Klare Absage an die Frauenquote, 24. Februar 2013
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Das vorliegende Buch, erschienen bei "Books on Demand", einem Verlag, der Bücher auf Anforderung druckt und damit unabhängig von Verkaufszahlen und Mainstream-Zensur ist, beschäftigt sich in 18 Aufsätzen auf breiter Basis mit dem Thema "Gleichstellungspolitik". Alle Autoren entstammen dem akademischen Umfeld, sind teils Lehrstuhlinhaber und teils Angestellte des Mittelbaus, oder arbeiten freiberuflich teils als Journalisten bzw. Schriftsteller. In der Hauptsache geht es im Buch um die umstrittene Frauenquote. Da man das Thema nicht isoliert von der übrigen Feminismus-zentrierten Politik trennen kann, wird nebenher auch massive Kritik an sonstigen geschlechterpolitischen Maßnahmen geübt. Die Beiträge verzichten weitgehend auf Polemik und liefern gute Argumente für eine sachliche Diskussion. Dass diese Diskussion dringend eine öffentliche Plattform braucht, sieht man schon daran, wie die Mainstream-Medien mit Feminismuskritik umgehen: sie wird ignoriert, zensiert oder diffamiert. Wir haben es hier tatsächlich mit einer neuen Art von Totalitarismus zu tun, der sich nicht polternd, hemdsärmelig und offenkundig breit macht, sondern auf Samtpfoten daherkommt. Während es vorne eine breite öffentliche Front gegen den braunen Totalitarismus gibt, schleicht sich bereits von hinten eine neue weichgespülte Form an, die sich unter dem Deckmäntelchen der "Gleichstellung" in allen gesellschaftlichen Institutionen ausgebreitet hat. Das eigentlich Totalitäre daran ist, dass es sich um strukturelle Maßnahmen handelt, die vom Staat kompetenzüberschreitend aufgezwungen sind und massiv in die Autonomie von Einzelnen sowie von Gruppen eingreifen, die nicht vom Souverän diskutiert bzw. legitimiert sind und nicht zuletzt an bestimmten Grundrechten Rechtsbeugung begehen. Nebenbei beruhen diese Maßnahmen noch auf völlig falschen Annahmen, die gegen jede ergebnisoffene Debatte und Kritik immunisiert werden. Genau das sind die typischen Zutaten eines jeden Totalitarismus.

Das Buch ist in drei Teile gegliedert. Im ersten Teil werden die Begriffe Gleichberechtigung und Gleichstellung diskutiert. Der zweite Teil behandelt die Facetten der Quotenpolitik. Der dritte Teil schildert die Quoten- und Gleichstellungspraxis besonders an den Hochschulen. In den Beiträgen werden alle wesentlichen Einwände gegen eine Frauenquote (im Grunde aber auch gegen jede Quote) aufgeführt. Rechtlich ließe sich die Frauenquote angeblich mit dem Grundgesetz rechtfertigen. Gemeint ist hier der Zusatz zum Artikel 3, Absatz 2, der von der rotgrünen Bundesregierung in den 90er Jahren dort hineingebracht wurde: "Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin." Dieser Zusatz hat dort eigentlich nichts zu suchen, denn "hier wird normativ (!) ausgedrückt, dass empirisch (!) generelle Nachteile bestehen, ohne dass gesagt würde, welche das denn seien. Es ist jedoch logisch falsch, normativ etwas über empirische Gegebenheiten auszusagen. So etwas ist prinzipiell unmöglich und es ist schlicht unsinnig. Außerdem ist m.E. auch nicht zulässig, Ermächtigungen an völlig unklare Sachverhalte zu knüpfen, also eine carte-blanche-Ermächtigung zu erteilen, denn weder ist bekannt, was ein "Nachteil" ist - oder zumindest als ein solcher angesehen wird - noch, wer diese Nachteile feststellt und auf welche Art und Weise dies geschieht." (Zitat aus dem Beitrag von Günter Buchholz). Mit diesem Zusatz wird auch gleich Art. 3, Absatz 1 und Absatz 3 sowie Art. 2, Absatz 1 ausgehebelt. Danach ist nun eine "positive Diskriminierung" möglich. Mit diesem mittlerweile politisch korrekten Terminus wird euphemistisch übertüncht, dass jede "positive Diskriminierung" eine negative nach sich zieht: wenn man jemand bevorzugt, muss man automatisch jemand anderes benachteiligen. Zu dem verqueren Rechtsverständnis unserer Staatsvertreter gesellt sich ein grobes Missverständnis bei den Befugnissen der Staatsmacht. Aus der passiven Gleichberechtigung ist die aktive und übergriffige Gleichstellung geworden. Gleichheit kann ein Staat aber nur vor dem Gesetz garantieren, nicht im gesellschaftlichen Ergebnis, denn dann greift er massiv in die Autonomie seiner Bürger ein.

Und damit wären wir beim nächsten Aspekt der Quotendebatte, der im Buch in mehreren Beiträgen behandelt wird: die Messlatte, an der Gleichstellungspolitiker den Grad der Gleichstellung ablesen wollen. Hier geistert die magische Zahl 50% durch die Köpfe. Aus der bloßen statistischen Unterrepräsentanz von Frauen in bestimmten Bereichen, wird geschlossen, dass Frauen in diesen Bereichen diskriminiert würden. Diese Annahme, die seit Jahrzehnten behauptet wird und für die noch nie (!) jemand einen schlüssigen Beweis vorgelegt hat, ist ein Dogma, das nicht ergebnisoffen diskutiert werden darf. Sie ist genauso unsinnig wie die Annahme, die statistische Unterrepräsentanz von Brillenträgern (oder irgendeiner anderen willkürlich herausgegriffenen Gruppe) in irgendeinem willkürlich gewählten Bereich bezogen auf ihren Anteil an der Gesamtbevölkerung würde auf ihre Diskriminierung in diesem Bereich hinweisen. Sie lässt völlig außer Acht, dass es statistische Häufungen geben kann, die auf Neigungen und Präferenzen von Menschen beruhen und nicht das Geringste mit deren Diskriminierung zu tun haben. Dass dies nicht wahrgenommen wird, liegt wiederum an einem weiteren blinden Fleck der feministischen Ideologie: Der falschen Annahme, dass es zwischen Männer und Frauen außer dem rein biologischen keinen sonstigen Unterschied gäbe.

Neben diesen Aspekten der Debatte werden im dritten Teil auch die totalitäre Praxis der Gleichstellungspolitik geschildert (hier besonders im Hochschulbereich), sowie die mittlerweile manifesten Benachteiligungen von Jungen in den Schulsystemen und Männern in der Gesellschaft. Alexander Ulfig plädiert in seinem Beitrag konstruktiv für bessere Standards bei der Bewertung von Qualifikation. Auch das sind gute Argumente dafür, dass Quoten völlig überflüssig sind. Es sei noch erwähnt, dass alle Gleichstellungsmaßnahmen, die ja im Grunde gegen Sexismus wirken sollen, diesen durch die Hintertür wieder einführen. Denn was anderes als Sexismus ist es, wenn ein Mensch einen Job wegen seines Geschlechts bekommt (oder nicht bekommt) und nicht wegen seiner Qualifikation?

Ich kann diesem Buch nur eine weite Verbreitung wünschen und dass seine Argumente von möglichst vielen beherzigt werden.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 2, 2013 10:39 PM CET


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