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Trend Kurrent

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Fünfundreißig (35) Jahre im Kerker.
Fünfundreißig (35) Jahre im Kerker.
von Henry: Masers de Latude
  Gebundene Ausgabe

4.0 von 5 Sternen Fesselnd, 1. September 2017
Die wahre Geschichte des französischen Provinzadeligen Henri Maser de Latude (1725 – 1805), der wegen eines aberwitzigen und schon im Ansatz zum Scheitern verurteilten bizarren Annäherungsversuchs an die Mätresse König Ludwig XV. stillschweigend aus dem Verkehr gezogen und für immer in den Verliesen des Bastille weggeschlossen wird, schlägt unweigerlich auch solche Leser in ihren Bann, denen die 1790 zuerst erschienene authentische Autobiographie bisher kein Begriff war.

Schon der abstruse Einfall, sich die Gunst der Pompadour dadurch zu erschleichen, dass er sie brieflich vor einem angeblichen Mordkomplott warnt, obwohl er selbst ihr das Gift zugespielt hatte, ist ebenso abnorm und befremdlich, wie das unrechtmäßige Vorgehen des Machtapparates, der diesen klaren Fall für die Justiz ohne Not zur streng geheimen Staatsaffäre aufbauscht, die unter keinen Umständen ans Licht der Öffentlichkeit gelangen durfte.

Angetrieben von der Rachsucht der Pompadour, verstrickten sich hochrangige Staatsbeamte, allein um ihrer Karriere willen, in einem perfiden Spiel der Vertuschung, das mit jedem Aufschrei des Gefangenen aufzufliegen drohte. Extreme Haftbedingungen (Isolierung, Dunkelheit, Feuchtigkeit, Kälte, körperlicher und geistiger Nahrungsentzug), die jeden anderen binnen weniger Jahre zur Strecke gebracht hätten, waren die Folge. Doch seine unfassbar robuste Natur, gepaart mit einer eigentümlichen Mischung aus Naivität, Einfallsreichtum, unerschütterlichem Glauben an die Gerechtigkeit und das Mitgefühl der Verantwortlichen, erhielt ihn bis zu seiner höchst unwahrscheinlichen „Rehabilitierung“ im Alter von fast 60 Jahren am Leben.

Zu diesem Zeitpunkt war er längst nicht mehr der unbedarfte Täter, sondern nur noch beklagenswertes Opfer, dem sich jede Einzelheit seines grausamen Gefangenendaseins ins Gedächtnis eingebrannt hatte, und die er unbedingt der Mit- und Nachwelt mitteilen musste.

Die äußerst lebendige und an keiner Stelle ermüdende Schilderung der Tragik seines nicht gelebten Lebens, dessen einzigen Höhepunkte drei geglückte Fluchten und ebenso viele vorwiegend selbstverschuldeten Festnahmen waren, lässt den zwischen ehrlichem Mitgefühl, blanker Verwunderung, echtem Zorn und tiefer Trauer hin und her gerissenen Leser an der Chronik eines permanenten Ausnahmezustandes (35 Jahre im Kerker!) teilhaben, den man im Frankreich des 18. Jahrhunderts spontan als das sprichwörtlich „bedauernswerte Einzelschicksal“ betrachten möchte. Wären nicht die Errungenschaften der Aufklärung in unserem aus den Fugen geratenen 21. Jahrhundert längst wieder in Frage gestellt...


Im Westen nichts Neues
Im Westen nichts Neues
von Erich Maria Remarque
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,80

5.0 von 5 Sternen Hochaktuell, 3. Juni 2017
Rezension bezieht sich auf: Im Westen nichts Neues (Gebundene Ausgabe)
Was mich an dem Welterfolg von 1929 auf Anhieb so sehr fesselte, dass ich ihn nicht mehr aus der Hand legen konnte, war seine unfassbare Aktualität! Denn einhundert Jahre nach dem bitteren Stellungskrieg an der Westfront hält der Kampf um die Wahrheit überall auf der Welt an. - Alternative Fakten! Statt die Dinge offen und ehrlich bei ihrem richtigen Namen zu nennen.

Wie das geht, führt uns E.M. Remarque mit „Im Westen nichts Neues“ auf die einfachste und eindringlichste Weise vor: wenn die Soldaten sich ausrechnen, dass die nach frischem Holz riechenden Särge, an denen sie auf ihrem Weg zur Front vorbeikommen, für niemand anderen bestimmt sind, als sie selbst..

Denn das Überleben im Krieg ist nicht der Normalfall, sondern Glück! Genauer: eine höchst unwahrscheinliche, weil endlose, Abfolge glücklicher Zufälle, die sich kein Überlebender wirklich erklären kann!

Es gibt keine andere Wahrheit, als die auf der untersten Ebene. Dort, wo sich der Einzelne fragt, ob er vor dem Feindangriff seine Suppe schnell noch auslöffeln soll, weil man in einer Stunde wahrscheinlich schon nicht mehr lebt. Andere verzichten darauf, weil ein leerer Magen besser sein könnte, bei einem Bauchschuss...

"Solche Dinge sind Probleme für uns" und "unsere Primitivität unsere Rettung. Wären wir differenzierter, wir wären längst irrsinnig, desertiert oder gefallen." Das Leben unter der ständigen Todesdrohung "hat uns zu denkenden Tieren gemacht, um uns die Waffe des Instinktes zu geben; es hat uns mit Stumpfheit durchsetzt, damit wir nicht zerbrechen vor dem Grauen, das uns bei klarem, bewussten Denken überfallen würde..."

"Der Krieg ist eine Todesursache wie Krebs, Tuberkulose, Grippe und Ruhr. Die Todesfälle sind nur viel häufiger, verschiedenartiger und grausamer." - "Trommelfeuer, Sperrfeuer, Minen, Gas, Tanks, Maschinengewehre, Handgranaten - Worte, Worte, aber sie umfassen das Grauen der Welt." - "Es ist heroisch und banal, wenn man es werten wollte - doch wer will das?"

"Man kann einen Schuss bekommen und tot sein... oder man fällt einem dieser Stabsärzte in die Hände" mit dem Kriegskreuz im Knopfloch.

Der Kompagnieführer, "einer dieser prachtvollen Frontoffiziere, die in jeder brenzligen Situation vorne sind", ist heute gefallen; das "musste ja endlich passieren." "Ruhr, Grippe, Typhus - Würgen, Verbrennnen, Tod. Graben, Lazarett, Massengrab - mehr Möglichkeiten gibt es nicht."

Was Bäumer so klar ausspricht, hat "nichts mit Meuterei und Miesmachen zu tun"; es ist "ehrlich" und "nennt die Dinge beim Namen, denn es besteht viel Betrug, Ungerechtigkeit und Gemeinheit beim Kommiß."

Diese Ehrlichkeit wird nicht jeder gutheißen. Aber „Im Westen nichts Neues“ ist ein grundehrliches Buch, dessen Erfolg im wesentlichen auf seiner Wahrhaftigkeit beruhen dürfte. Eine Wahrhaftigkeit, die immer rar und wertvoll gewesen ist, wie dieses erstaunliche Buch.


Im Westen Nichts Neues: Roman
Im Westen Nichts Neues: Roman
von E.M. Remarque
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 15,00

5.0 von 5 Sternen Hochaktuell, 3. Juni 2017
Was mich an dem Welterfolg von 1929 auf Anhieb so sehr fesselte, dass ich ihn nicht mehr aus der Hand legen konnte, war seine unfassbare Aktualität! Denn einhundert Jahre nach dem bitteren Stellungskrieg an der Westfront hält der Kampf um die Wahrheit überall auf der Welt an. - Alternative Fakten! Statt die Dinge offen und ehrlich bei ihrem richtigen Namen zu nennen.

Wie das geht, führt uns E.M. Remarque mit „Im Westen nichts Neues“ auf die einfachste und eindringlichste Weise vor: wenn die Soldaten sich ausrechnen, dass die nach frischem Holz riechenden Särge, an denen sie auf ihrem Weg zur Front vorbeikommen, für niemand anderen bestimmt sind, als sie selbst.

Denn das Überleben im Krieg ist nicht der Normalfall, sondern Glück! Genauer: eine höchst unwahrscheinliche, weil endlose, Abfolge glücklicher Zufälle, die sich kein Überlebender wirklich erklären kann!

Es gibt keine andere Wahrheit, als die auf der untersten Ebene. Dort, wo sich der Einzelne fragt, ob er vor dem Feindangriff seine Suppe schnell noch auslöffeln soll, weil man in einer Stunde wahrscheinlich nicht mehr lebt. Andere verzichten darauf, weil ein leerer Magen besser sein könnte, bei einem Bauchschuss...

"Solche Dinge sind Probleme für uns" und "unsere Primitivität unsere Rettung. Wären wir differenzierter, wir wären längst irrsinnig, desertiert oder gefallen." Das Leben unter der ständigen Todesdrohung "hat uns zu denkenden Tieren gemacht, um uns die Waffe des Instinktes zu geben; es hat uns mit Stumpfheit durchsetzt, damit wir nicht zerbrechen vor dem Grauen, das uns bei klarem, bewussten Denken überfallen würde..."

"Der Krieg ist eine Todesursache wie Krebs, Tuberkulose, Grippe und Ruhr. Die Todesfälle sind nur viel häufiger, verschiedenartiger und grausamer." - "Trommelfeuer, Sperrfeuer, Minen, Gas, Tanks, Maschinengewehre, Handgranaten - Worte, Worte, aber sie umfassen das Grauen der Welt." - "Es ist heroisch und banal, wenn man es werten wollte - doch wer will das?"

"Man kann einen Schuss bekommen und tot sein... oder man fällt einem dieser Stabsärzte in die Hände" mit dem Kriegskreuz im Knopfloch.

Der Kompagnieführer, "einer dieser prachtvollen Frontoffiziere, die in jeder brenzligen Situation vorne sind", ist heute gefallen; das "musste ja endlich passieren." "Ruhr, Grippe, Typhus - Würgen, Verbrennnen, Tod. Graben, Lazarett, Massengrab - mehr Möglichkeiten gibt es nicht."

Was Bäumer so klar ausspricht, hat "nichts mit Meuterei und Miesmachen zu tun"; es ist "ehrlich" und "nennt die Dinge beim Namen, denn es besteht viel Betrug, Ungerechtigkeit und Gemeinheit beim Kommiß."

Diese Ehrlichkeit wird nicht jeder gutheißen. Aber „Im Westen nichts Neues“ ist ein grundehrliches Buch, dessen Erfolg im wesentlichen auf seiner Wahrhaftigkeit beruhen dürfte. Eine Wahrhaftigkeit, die immer rar und wertvoll gewesen ist, wie dieses erstaunliche Buch.


Henry Fielding: Joseph Andrew´s Abenteuer
Henry Fielding: Joseph Andrew´s Abenteuer
von Henry Fielding
  Gebundene Ausgabe

5.0 von 5 Sternen Herrlich abgefahren!, 22. Mai 2017
Widerstände und Verbote sogar bewirken nicht selten das Gegenteil dessen, worauf sie abzielen.
Anstatt zu unterdrücken, oder zumindest zu bändigen, beflügeln sie vielmehr den kritischen Geist, indem sie ihn geradezu herausfordern und zu Höchstleistungen anspornen.

Henry Fielding, der sich mit dreiundzwanzig Jahren, nach dem erzwungenen Abbruch seiner juristischen Studien, seinen Unterhalt erst als Stückeschreiber und dann als Theaterleiter verdient, fordert damit die Staatsgewalt heraus. Sie macht dem respektlosen Treiben auf der Bühne, das die Heuchelei der britischen Oberschichten anprangert und die Regierung bloßstellt, mit einem neuen Lizenzgesetz eine Ende – und provoziert dadurch den noch massiveren Gegenangriff, bei dem der vermeintlich außer Gefecht gesetzte aufsässige Bühnendichter nun als Romancier zur Höchstform aufläuft.

Aus dem Gebiet Molièrs vertrieben, begibt er sich also auf das Gebiet des Cervantes und erhebt seine rebellische Stimme, nun vor noch größerem Publikum, gegen Gesellschaft, Politik und Religion – und da es in der ohnehin nicht fest umrissenen Form des Romans geschieht, zugleich auch gegen den seinerzeit erfolgreichsten Autor dieser literarischen Gattung in England, den Tugendprediger Samuel Richardson.

Ihn will er parodieren! Doch was dabei herauskommt, ist weit mehr als eine witzige Karrikatur, sondern etwas, das sich mit den Schelmen- und Abenteuerromanen seiner Zeit nur bedingt unter einen Hut bringen lässt.

Sein „Joseph Andrews“, neben „Jonathan Wild“, „Tom Jones“ und „Amelia“ eines der Hauptwerke Fieldings, zeugt von einer geistigen Unabhängigkeit, einer schriftstellerischen Freiheit und Abgeklärtheit (auch im Umgang mit den eigenen Projekten und Prinzipien), die nicht einmal davor zurückschreckt, dem Leser das Überspringen einzelner Kapitel zu empfehlen, falls er sich langweilen sollte. (Was bei mir übrigens nie der Fall war!)

So verwundert es letztlich auch nicht, dass anstelle des Titelhelden Joseph Andrews sein väterlicher Freund, der mittellose und weltfremde Armenpfarrer Abraham Adams, die abenteuerliche Geschichte dominiert – als Urheber und Opfer ständig neuer Verwicklungen, die der treuherzige, streitbare und rechthaberische Alte in seinem abgewetzten Priestergewand stets zuverlässig heraufbeschwört.

Josef Andrews, von seiner unausgelasteten Dienstherrin Lady Booby aus niederem Beweggrund als armseliger Lakai auf die Straße gesetzt, trifft dort auf den schusseligen Pfaffen, den er von Jugend auf kennt, und begleitet ihn auf dem Weg durch die schäbigen Gasthöfe, heruntergekommenen Gutshöfe und abgelegenen Poststationen, stets in Gedanken an seine geliebte Fanny, die er unbedingt wiedersehen will. So bleibt er über weite Strecken nur Zeuge der unsäglichen Missgeschicke seines bibelfesten Freundes, bevor der gewitzte Autor seine unverkennbar parodistische Absicht in einem turbulenten Finale, bei dem alle Schlüsselfiguren zusammentreffen, vollends auf die Spitze treibt.

Mindestens ebenso interessant (und heiter!) wie dieser außergewöhnliche Roman aus dem 18. Jahrhundert, ist der Autor Henry Fielding, dessen ironische Distanz zu allen Figuren und Ereignissen mir in dieser Ausprägung bis dahin noch nicht begegnet war, und dessen sämtliche Werke man keinesfalls versäumen sollte. Ein außergewöhnlicher Kerl, wie man ihn sicher auch im 21. Jahrhundert nur selten findet.


Joseph Andrews' Abenteuer. Roman aus d. Engl. v. Horst Höckendorf.
Joseph Andrews' Abenteuer. Roman aus d. Engl. v. Horst Höckendorf.
von Henry Fielding
  Gebundene Ausgabe

5.0 von 5 Sternen Herrlich abgefahren!, 22. Mai 2017
Widerstände und Verbote sogar bewirken nicht selten das Gegenteil dessen, worauf sie abzielen. Anstatt zu unterdrücken, oder zumindest zu bändigen, beflügeln sie vielmehr den kritischen Geist, indem sie ihn geradezu herausfordern und zu Höchstleistungen anspornen.

Henry Fielding, der sich mit dreiundzwanzig Jahren, nach dem erzwungenen Abbruch seiner juristischen Studien, seinen Unterhalt erst als Stückeschreiber und dann als Theaterleiter verdient, fordert damit die Staatsgewalt heraus. Sie macht dem respektlosen Treiben auf der Bühne, das die Heuchelei der britischen Oberschichten anprangert und die Regierung bloßstellt, mit einem neuen Lizenzgesetz eine Ende – und provoziert dadurch den noch massiveren Gegenangriff, bei dem der vermeintlich außer Gefecht gesetzte aufsässige Bühnendichter nun als Romancier zur Höchstform aufläuft.

Aus dem Gebiet Molièrs vertrieben, begibt er sich also auf das Gebiet des Cervantes und erhebt seine rebellische Stimme, nun vor noch größerem Publikum, gegen Gesellschaft, Politik und Religion – und da es in der ohnehin nicht fest umrissenen Form des Romans geschieht, zugleich auch gegen den seinerzeit erfolgreichsten Autor dieser literarischen Gattung in England, den Tugendprediger Samuel Richardson.

Ihn will er parodieren! Doch was dabei herauskommt, ist weit mehr als eine witzige Karrikatur, sondern etwas, das sich mit den Schelmen- und Abenteuerromanen seiner Zeit nur bedingt unter einen Hut bringen lässt.

Sein „Joseph Andrews“, neben „Jonathan Wild“, „Tom Jones“ und „Amelia“ eines der Hauptwerke Fieldings, zeugt von einer geistigen Unabhängigkeit, einer schriftstellerischen Freiheit und Abgeklärtheit (auch im Umgang mit den eigenen Projekten und Prinzipien), die nicht einmal davor zurückschreckt, dem Leser das Überspringen einzelner Kapitel zu empfehlen, falls er sich langweilen sollte. (Was bei mir übrigens nie der Fall war!)

So verwundert es letztlich auch nicht, dass anstelle des Titelhelden Joseph Andrews sein väterlicher Freund, der mittellose und weltfremde Armenpfarrer Abraham Adams, die abenteuerliche Geschichte dominiert – als Urheber und Opfer ständig neuer Verwicklungen, die der treuherzige, streitbare und rechthaberische Alte in seinem abgewetzten Priestergewand stets zuverlässig heraufbeschwört.

Josef Andrews, von seiner unausgelasteten Dienstherrin Lady Booby aus niederem Beweggrund als armseliger Lakai auf die Straße gesetzt, trifft dort auf den schusseligen Pfaffen, den er von Jugend auf kennt, und begleitet ihn auf dem Weg durch die schäbigen Gasthöfe, heruntergekommenen Gutshöfe und abgelegenen Poststationen, stets in Gedanken an seine geliebte Fanny, die er unbedingt wiedersehen will. So bleibt er über weite Strecken nur Zeuge der unsäglichen Missgeschicke seines bibelfesten Freundes, bevor der gewitzte Autor seine unverkennbar parodistische Absicht in einem turbulenten Finale, bei dem alle Schlüsselfiguren zusammentreffen, vollends auf die Spitze treibt.

Mindestens ebenso interessant (und heiter!) wie dieser außergewöhnliche Roman aus dem 18. Jahrhundert, ist der Autor Henry Fielding, dessen ironische Distanz zu allen Figuren und Ereignissen mir in dieser Ausprägung bis dahin noch nicht begegnet war, und dessen sämtliche Werke man keinesfalls versäumen sollte. Ein außergewöhnlicher Kerl, wie man ihn sicher auch im 21. Jahrhundert nur selten findet.


Joseph Andrews' Abenteuer. Roman. Aus dem Englischen von Horst Höckendorf. Mit einem Nachwort von Georg Seehase.
Joseph Andrews' Abenteuer. Roman. Aus dem Englischen von Horst Höckendorf. Mit einem Nachwort von Georg Seehase.
von Henry: Fielding
  Gebundene Ausgabe

5.0 von 5 Sternen Herrlich abgefahren!, 22. Mai 2017
Widerstände und Verbote sogar bewirken nicht selten das Gegenteil dessen, worauf sie abzielen.
Anstatt zu unterdrücken, oder zumindest zu bändigen, beflügeln sie vielmehr den kritischen Geist, indem sie ihn geradezu herausfordern und zu Höchstleistungen anspornen.

Henry Fielding, der sich mit dreiundzwanzig Jahren, nach dem erzwungenen Abbruch seiner juristischen Studien, seinen Unterhalt erst als Stückeschreiber und dann als Theaterleiter verdient, fordert damit die Staatsgewalt heraus. Sie macht dem respektlosen Treiben auf der Bühne, das die Heuchelei der britischen Oberschichten anprangert und die Regierung bloßstellt, mit einem neuen Lizenzgesetz eine Ende – und provoziert dadurch den noch massiveren Gegenangriff, bei dem der vermeintlich außer Gefecht gesetzte aufsässige Bühnendichter nun als Romancier zur Höchstform aufläuft.

Aus dem Gebiet Molièrs vertrieben, begibt er sich also auf das Gebiet des Cervantes und erhebt seine rebellische Stimme, nun vor noch größerem Publikum, gegen Gesellschaft, Politik und Religion – und da es in der ohnehin nicht fest umrissenen Form des Romans geschieht, zugleich auch gegen den seinerzeit erfolgreichsten Autor dieser literarischen Gattung in England, den Tugendprediger Samuel Richardson.

Ihn will er parodieren! Doch was dabei herauskommt, ist weit mehr als eine witzige Karrikatur, sondern etwas, das sich mit den Schelmen- und Abenteuerromanen seiner Zeit nur bedingt unter einen Hut bringen lässt.

Sein „Joseph Andrews“, neben „Jonathan Wild“, „Tom Jones“ und „Amelia“ eines der Hauptwerke Fieldings, zeugt von einer geistigen Unabhängigkeit, einer schriftstellerischen Freiheit und Abgeklärtheit (auch im Umgang mit den eigenen Projekten und Prinzipien), die nicht einmal davor zurückschreckt, dem Leser das Überspringen einzelner Kapitel zu empfehlen, falls er sich langweilen sollte. (Was bei mir übrigens nie der Fall war!)

So verwundert es letztlich auch nicht, dass anstelle des Titelhelden Joseph Andrews sein väterlicher Freund, der mittellose und weltfremde Armenpfarrer Abraham Adams, die abenteuerliche Geschichte dominiert – als Urheber und Opfer ständig neuer Verwicklungen, die der treuherzige, streitbare und rechthaberische Alte in seinem abgewetzten Priestergewand stets zuverlässig heraufbeschwört.

Josef Andrews, von seiner unausgelasteten Dienstherrin Lady Booby aus niederem Beweggrund als armseliger Lakai auf die Straße gesetzt, trifft dort auf den schusseligen Pfaffen, den er von Jugend auf kennt, und begleitet ihn auf dem Weg durch die schäbigen Gasthöfe, heruntergekommenen Gutshöfe und abgelegenen Poststationen, stets in Gedanken an seine geliebte Fanny, die er unbedingt wiedersehen will. So bleibt er über weite Strecken nur Zeuge der unsäglichen Missgeschicke seines bibelfesten Freundes, bevor der gewitzte Autor seine unverkennbar parodistische Absicht in einem turbulenten Finale, bei dem alle Schlüsselfiguren zusammentreffen, vollends auf die Spitze treibt.

Mindestens ebenso interessant (und heiter!) wie dieser außergewöhnliche Roman aus dem 18. Jahrhundert, ist der Autor Henry Fielding, dessen ironische Distanz zu allen Figuren und Ereignissen mir in dieser Ausprägung bis dahin noch nicht begegnet war, und dessen sämtliche Werke man keinesfalls versäumen sollte. Ein außergewöhnlicher Kerl, wie man ihn sicher auch im 21. Jahrhundert nur selten findet.


Joseph Andrews
Joseph Andrews
von Henry Fielding
  Gebundene Ausgabe

5.0 von 5 Sternen Herrlich abgefahren!, 22. Mai 2017
Rezension bezieht sich auf: Joseph Andrews (Gebundene Ausgabe)
Widerstände und Verbote sogar bewirken nicht selten das Gegenteil dessen, worauf sie abzielen.
Anstatt zu unterdrücken, oder zumindest zu bändigen, beflügeln sie vielmehr den kritischen Geist, indem sie ihn geradezu herausfordern und zu Höchstleistungen anspornen.

Henry Fielding, der sich mit dreiundzwanzig Jahren, nach dem erzwungenen Abbruch seiner juristischen Studien, seinen Unterhalt erst als Stückeschreiber und dann als Theaterleiter verdient, fordert damit die Staatsgewalt heraus. Sie macht dem respektlosen Treiben auf der Bühne, das die Heuchelei der britischen Oberschichten anprangert und die Regierung bloßstellt, mit einem neuen Lizenzgesetz eine Ende – und provoziert dadurch den noch massiveren Gegenangriff, bei dem der vermeintlich außer Gefecht gesetzte aufsässige Bühnendichter nun als Romancier zur Höchstform aufläuft.

Aus dem Gebiet Molièrs vertrieben, begibt er sich also auf das Gebiet des Cervantes und erhebt seine rebellische Stimme, nun vor noch größerem Publikum, gegen Gesellschaft, Politik und Religion – und da es in der ohnehin nicht fest umrissenen Form des Romans geschieht, zugleich auch gegen den seinerzeit erfolgreichsten Autor dieser literarischen Gattung in England, den Tugendprediger Samuel Richardson.

Ihn will er parodieren! Doch was dabei herauskommt, ist weit mehr als eine witzige Karrikatur, sondern etwas, das sich mit den Schelmen- und Abenteuerromanen seiner Zeit nur bedingt unter einen Hut bringen lässt.

Sein „Joseph Andrews“, neben „Jonathan Wild“, „Tom Jones“ und „Amelia“ eines der Hauptwerke Fieldings, zeugt von einer geistigen Unabhängigkeit, einer schriftstellerischen Freiheit und Abgeklärtheit (auch im Umgang mit den eigenen Projekten und Prinzipien), die nicht einmal davor zurückschreckt, dem Leser das Überspringen einzelner Kapitel zu empfehlen, falls er sich langweilen sollte. (Was bei mir übrigens nie der Fall war!)

So verwundert es letztlich auch nicht, dass anstelle des Titelhelden Joseph Andrews sein väterlicher Freund, der mittellose und weltfremde Armenpfarrer Abraham Adams, die abenteuerliche Geschichte dominiert – als Urheber und Opfer ständig neuer Verwicklungen, die der treuherzige, streitbare und rechthaberische Alte in seinem abgewetzten Priestergewand stets zuverlässig heraufbeschwört.

Josef Andrews, von seiner unausgelasteten Dienstherrin Lady Booby aus niederem Beweggrund als armseliger Lakai auf die Straße gesetzt, trifft dort auf den schusseligen Pfaffen, den er von Jugend auf kennt, und begleitet ihn auf dem Weg durch die schäbigen Gasthöfe, heruntergekommenen Gutshöfe und abgelegenen Poststationen, stets in Gedanken an seine geliebte Fanny, die er unbedingt wiedersehen will. So bleibt er über weite Strecken nur Zeuge der unsäglichen Missgeschicke seines bibelfesten Freundes, bevor der gewitzte Autor seine unverkennbar parodistische Absicht in einem turbulenten Finale, bei dem alle Schlüsselfiguren zusammentreffen, vollends auf die Spitze treibt.

Mindestens ebenso interessant (und heiter!) wie dieser außergewöhnliche Roman aus dem 18. Jahrhundert, ist der Autor Henry Fielding, dessen ironische Distanz zu allen Figuren und Ereignissen mir in dieser Ausprägung bis dahin noch nicht begegnet war, und dessen sämtliche Werke man keinesfalls versäumen sollte. Ein außergewöhnlicher Kerl, wie man ihn sicher auch im 21. Jahrhundert nur selten findet.


Henry Fielding: Joseph Andrews Abenteuer
Henry Fielding: Joseph Andrews Abenteuer
von Henry Fielding
  Gebundene Ausgabe

5.0 von 5 Sternen Herrlich abgefahren!, 22. Mai 2017
Widerstände und Verbote sogar bewirken nicht selten das Gegenteil dessen, worauf sie abzielen.
Anstatt zu unterdrücken, oder zumindest zu bändigen, beflügeln sie vielmehr den kritischen Geist, indem sie ihn geradezu herausfordern und zu Höchstleistungen anspornen.

Henry Fielding, der sich mit dreiundzwanzig Jahren, nach dem erzwungenen Abbruch seiner juristischen Studien, seinen Unterhalt erst als Stückeschreiber und dann als Theaterleiter verdient, fordert damit die Staatsgewalt heraus. Sie macht dem respektlosen Treiben auf der Bühne, das die Heuchelei der britischen Oberschichten anprangert und die Regierung bloßstellt, mit einem neuen Lizenzgesetz eine Ende – und provoziert dadurch den noch massiveren Gegenangriff, bei dem der vermeintlich außer Gefecht gesetzte aufsässige Bühnendichter nun als Romancier zur Höchstform aufläuft.

Aus dem Gebiet Molièrs vertrieben, begibt er sich also auf das Gebiet des Cervantes und erhebt seine rebellische Stimme, nun vor noch größerem Publikum, gegen Gesellschaft, Politik und Religion – und da es in der ohnehin nicht fest umrissenen Form des Romans geschieht, zugleich auch gegen den seinerzeit erfolgreichsten Autor dieser literarischen Gattung in England, den Tugendprediger Samuel Richardson.

Ihn will er parodieren! Doch was dabei herauskommt, ist weit mehr als eine witzige Karrikatur, sondern etwas, das sich mit den Schelmen- und Abenteuerromanen seiner Zeit nur bedingt unter einen Hut bringen lässt.

Sein „Joseph Andrews“, neben „Jonathan Wild“, „Tom Jones“ und „Amelia“ eines der Hauptwerke Fieldings, zeugt von einer geistigen Unabhängigkeit, einer schriftstellerischen Freiheit und Abgeklärtheit (auch im Umgang mit den eigenen Projekten und Prinzipien), die nicht einmal davor zurückschreckt, dem Leser das Überspringen einzelner Kapitel zu empfehlen, falls er sich langweilen sollte. (Was bei mir übrigens nie der Fall war!)

So verwundert es letztlich auch nicht, dass anstelle des Titelhelden Joseph Andrews sein väterlicher Freund, der mittellose und weltfremde Armenpfarrer Abraham Adams, die abenteuerliche Geschichte dominiert – als Urheber und Opfer ständig neuer Verwicklungen, die der treuherzige, streitbare und rechthaberische Alte in seinem abgewetzten Priestergewand stets zuverlässig heraufbeschwört.

Josef Andrews, von seiner unausgelasteten Dienstherrin Lady Booby aus niederem Beweggrund als armseliger Lakai auf die Straße gesetzt, trifft dort auf den schusseligen Pfaffen, den er von Jugend auf kennt, und begleitet ihn auf dem Weg durch die schäbigen Gasthöfe, heruntergekommenen Gutshöfe und abgelegenen Poststationen, stets in Gedanken an seine geliebte Fanny, die er unbedingt wiedersehen will. So bleibt er über weite Strecken nur Zeuge der unsäglichen Missgeschicke seines bibelfesten Freundes, bevor der gewitzte Autor seine unverkennbar parodistische Absicht in einem turbulenten Finale, bei dem alle Schlüsselfiguren zusammentreffen, vollends auf die Spitze treibt.

Mindestens ebenso interessant (und heiter!) wie dieser außergewöhnliche Roman aus dem 18. Jahrhundert, ist der Autor Henry Fielding, dessen ironische Distanz zu allen Figuren und Ereignissen mir in dieser Ausprägung bis dahin noch nicht begegnet war, und dessen sämtliche Werke man keinesfalls versäumen sollte. Ein außergewöhnlicher Kerl, wie man ihn sicher auch im 21. Jahrhundert nur selten findet.


Joseph Andrews Abenteuer
Joseph Andrews Abenteuer
von Henry Fielding
  Gebundene Ausgabe

5.0 von 5 Sternen Herrlich abgefahren!, 22. Mai 2017
Rezension bezieht sich auf: Joseph Andrews Abenteuer (Gebundene Ausgabe)
Widerstände und Verbote sogar bewirken nicht selten das Gegenteil dessen, worauf sie abzielen.
Anstatt zu unterdrücken, oder zumindest zu bändigen, beflügeln sie vielmehr den kritischen Geist, indem sie ihn geradezu herausfordern und zu Höchstleistungen anspornen.

Henry Fielding, der sich mit dreiundzwanzig Jahren, nach dem erzwungenen Abbruch seiner juristischen Studien, seinen Unterhalt erst als Stückeschreiber und dann als Theaterleiter verdient, fordert damit die Staatsgewalt heraus. Sie macht dem respektlosen Treiben auf der Bühne, das die Heuchelei der britischen Oberschichten anprangert und die Regierung bloßstellt, mit einem neuen Lizenzgesetz eine Ende – und provoziert dadurch den noch massiveren Gegenangriff, bei dem der vermeintlich außer Gefecht gesetzte aufsässige Bühnendichter nun als Romancier zur Höchstform aufläuft.

Aus dem Gebiet Molièrs vertrieben, begibt er sich also auf das Gebiet des Cervantes und erhebt seine rebellische Stimme, nun vor noch größerem Publikum, gegen Gesellschaft, Politik und Religion – und da es in der ohnehin nicht fest umrissenen Form des Romans geschieht, zugleich auch gegen den seinerzeit erfolgreichsten Autor dieser literarischen Gattung in England, den Tugendprediger Samuel Richardson.

Ihn will er parodieren! Doch was dabei herauskommt, ist weit mehr als eine witzige Karrikatur, sondern etwas, das sich mit den Schelmen- und Abenteuerromanen seiner Zeit nur bedingt unter einen Hut bringen lässt.

Sein „Joseph Andrews“, neben „Jonathan Wild“, „Tom Jones“ und „Amelia“ eines der Hauptwerke Fieldings, zeugt von einer geistigen Unabhängigkeit, einer schriftstellerischen Freiheit und Abgeklärtheit (auch im Umgang mit den eigenen Projekten und Prinzipien), die nicht einmal davor zurückschreckt, dem Leser das Überspringen einzelner Kapitel zu empfehlen, falls er sich langweilen sollte. (Was bei mir übrigens nie der Fall war!)

So verwundert es letztlich auch nicht, dass anstelle des Titelhelden Joseph Andrews sein väterlicher Freund, der mittellose und weltfremde Armenpfarrer Abraham Adams, die abenteuerliche Geschichte dominiert – als Urheber und Opfer ständig neuer Verwicklungen, die der treuherzige, streitbare und rechthaberische Alte in seinem abgewetzten Priestergewand stets zuverlässig heraufbeschwört.

Josef Andrews, von seiner unausgelasteten Dienstherrin Lady Booby aus niederem Beweggrund als armseliger Lakai auf die Straße gesetzt, trifft dort auf den schusseligen Pfaffen, den er von Jugend auf kennt, und begleitet ihn auf dem Weg durch die schäbigen Gasthöfe, heruntergekommenen Gutshöfe und abgelegenen Poststationen, stets in Gedanken an seine geliebte Fanny, die er unbedingt wiedersehen will. So bleibt er über weite Strecken nur Zeuge der unsäglichen Missgeschicke seines bibelfesten Freundes, bevor der gewitzte Autor seine unverkennbar parodistische Absicht in einem turbulenten Finale, bei dem alle Schlüsselfiguren zusammentreffen, vollends auf die Spitze treibt.

Mindestens ebenso interessant (und heiter!) wie dieser außergewöhnliche Roman aus dem 18. Jahrhundert, ist der Autor Henry Fielding, dessen ironische Distanz zu allen Figuren und Ereignissen mir in dieser Ausprägung bis dahin noch nicht begegnet war, und dessen sämtliche Werke man keinesfalls versäumen sollte. Ein außergewöhnlicher Kerl, wie man ihn sicher auch im 21. Jahrhundert nur selten findet.


Die Geschichte der Abenteuer des Joseph Andrews und seines Freundes Mr. Abraham Adams. Roman
Die Geschichte der Abenteuer des Joseph Andrews und seines Freundes Mr. Abraham Adams. Roman
von Henry Fielding
  Gebundene Ausgabe

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5.0 von 5 Sternen Herrlich abgefahren!, 22. Mai 2017
Widerstände und Verbote sogar bewirken nicht selten das Gegenteil dessen, worauf sie abzielen. Anstatt zu unterdrücken, oder zumindest zu bändigen, beflügeln sie vielmehr den kritischen Geist, indem sie ihn geradezu herausfordern und zu Höchstleistungen anspornen.

Henry Fielding, der sich mit dreiundzwanzig Jahren, nach dem erzwungenen Abbruch seiner juristischen Studien, seinen Unterhalt erst als Stückeschreiber und dann als Theaterleiter verdient, fordert damit die Staatsgewalt heraus. Sie macht dem respektlosen Treiben auf der Bühne, das die Heuchelei der britischen Oberschichten anprangert und die Regierung bloßstellt, mit einem neuen Lizenzgesetz eine Ende – und provoziert dadurch den noch massiveren Gegenangriff, bei dem der vermeintlich außer Gefecht gesetzte aufsässige Bühnendichter nun als Romancier zur Höchstform aufläuft.

Aus dem Gebiet Molièrs vertrieben, begibt er sich also auf das Gebiet des Cervantes und erhebt seine rebellische Stimme nun vor noch größerem Publikum gegen Gesellschaft, Politik und Religion – und da es in der ohnehin nicht fest umrissenen Form des Romans geschieht, zugleich auch gegen den seinerzeit erfolgreichsten Autor dieser literarischen Gattung in England, den Tugendprediger Samuel Richardson.

Ihn will er parodieren! Doch was dabei herauskommt, ist weit mehr als eine witzige Karrikatur, sondern etwas, das sich mit den Schelmen- und Abenteuerromanen seiner Zeit nur bedingt unter einen Hut bringen lässt.

Sein „Joseph Andrews“, neben „Jonathan Wild“, „Tom Jones“ und „Amelia“ eines der Hauptwerke Fieldings, zeugt von einer geistigen Unabhängigkeit, einer schriftstellerischen Freiheit und Abgeklärtheit (auch im Umgang mit den eigenen Projekten und Prinzipien), die nicht einmal davor zurückschreckt, dem Leser das Überspringen einzelner Kapitel zu empfehlen, falls er sich langweilen sollte. (Was bei mir übrigens nie der Fall war!)

So verwundert es letztlich auch nicht, dass anstelle des Titelhelden Joseph Andrews sein väterlicher Freund, der mittellose und weltfremde Armenpfarrer Abraham Adams, die abenteuerliche Geschichte dominiert – als Urheber und Opfer ständig neuer Verwicklungen, die der treuherzige, streitbare und rechthaberische Alte in seinem abgewetzten Priestergewand stets zuverlässig heraufbeschwört.

Josef Andrews, von seiner unausgelasteten Dienstherrin Lady Booby aus niederem Beweggrund als armseliger Lakai auf die Straße gesetzt, trifft dort auf den schusseligen Pfaffen, den er von Jugend auf kennt, und begleitet ihn auf dem Weg durch die schäbigen Gasthöfe, heruntergekommenen Gutshöfe und abgelegenen Poststationen,stets im Gedanken an seine geliebte Fanny, die er unbedingt wiedersehen will. So bleibt er über weite Strecken nur Zeuge der unsäglichen Missgeschicke seines bibelfesten Freundes, bevor der gewitzte Autor seine unverkennbar parodistische Absicht in einem turbulenten Finale, bei dem alle Schlüsselfiguren zusammentreffen, vollends auf die Spitze treibt.

Mindestens ebenso interessant (und heiter!) wie dieser außergewöhnliche Roman aus dem 18. Jahrhundert, ist der Autor Henry Fielding, dessen ironische Distanz zu allen Figuren und Ereignissen mir in dieser Ausprägung bis dahin noch nicht begegnet war, und dessen sämtliche Werke man keinesfalls versäumen sollte. Ein außergewöhnlicher Kerl, wie man ihn sicher auch im 21. Jahrhundert nur selten findet.


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