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Rezensionen verfasst von
nada-san

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Das Reichsorchester - Berliner Philharmoniker ..
Das Reichsorchester - Berliner Philharmoniker ..
DVD ~ Berliner Philharmoniker
Wird angeboten von Zweitausendeins Versand Dienst GmbH
Preis: EUR 9,99

6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gut oder Böse?..., 16. Februar 2009
Das zweite Mal nähert sich Enrique Sánchez-Lansch, der Co- Regisseur von 'Rhythm is it!', mit einer dokumentarischen Filmarbeit den Berliner Philharmonikern. 'Das Reichsorchester' erforscht in knapp 100 Minuten das Überleben des Orchesters zur Zeit des Nazi-Regimes.
Die Berliner Philharmoniker waren das einzige Orchester, dass bis Kriegende probte und regelmäßig Auftritte im In 'und Ausland vorzuweisen hatte. Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung 1933 übernahm das Reich die finanzielle Absicherung des Orchesters, dass zu der Zeit unter der Leitung Wilhelm Furtwänglers stand. Zum ersten Mal in der Geschichte waren die Philharmoniker kein Lohn-Orchester mehr, sondern wurden staatlich subventioniert. Sie konnten dadurch auf 'populäre Konzerte' verzichten. Mit der Übernahme kam aber die Verpflichtung, die musikalische Programmatik des Nazi-Regimes zu erfüllen. Vier Jahre hat Sánchez-Lansch nach Angehörigen gesucht und Filmschnipsel aus dem Bundesarchiv sondiert. Sanchez spricht dabei von einem Puzzlespiel. Das Orchester hatte nur 4 jüdische Mitglieder. Dies sei 1933 'im Vergleich zu anderen Organisationen im kulturellen Leben von Berlin' eine sehr geringe Zahl gewesen, so der Regisseur.
Der Regisseur wünscht sich abseits der informellen Ebene eine differenzierte Betrachtung seines Films. Man solle nicht einfach da sitzen und wissen, wer die Guten und und die Bösen sind, sondern merken, daß man auch selber ein bißchen involviert ist. Sanchez zeigt, dass es allesamt Menschen sind, die wie "Du" und "Ich" funktionieren - die sich in ähnlichen Situationen auch ähnliche Fragen stellen.

Dieser Dokumentarfilm will keine Antworten geben - er will fragen: Nach der eigenen Rolle in einem repressiven System; Nach der eigenen Verantwortung zu Handeln; Nach einer möglichen Instrumentalisierung.
Es ist gut sich bewusst zu machen, dass solche Fragen aus heutiger Sicht sehr schwer zu beantworten sind. Ein solcher Film kann aber vielleicht dazu beitragen, sich besser und klarer in die Situation hineinzuversetzen - ohne von außen mit dem Gefühl darauf zu schauen, man wisse genau wie das war.

Mit seinem Film verurteilt Sanchez-Lansch die jungen Musiker nicht - in Schutz nimmt er sie aber auch nicht. Vielmehr wird die komplizierte Situation verdeutlicht, in der sich die Musiker damals befanden: Das Für und Wieder - die Entscheidung zwischen künstlerischer Freiheit und beruflicher Sicherheit.


Das Gesicht
Das Gesicht
DVD ~ Max Sydow

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein Rest Geheimnis..., 13. Februar 2009
Rezension bezieht sich auf: Das Gesicht (DVD)
Ein Magier namens Vogler und seine Künstlergruppe kommen in die schwedische Hauptstadt um eine magnetische Heilmethode aufzuführen. Die Truppe, bereits von der Polizei wegen Betrugs verfolgt, wird kurz vor Stockholm abgefangen und eskortiert. Ein Komitee bestehend aus dem Medizinalrat, dem Polizeipräsident und dem Konsul empfängt Voglers Truppe um die Glaubwürdigkeit ihrer Künste zu überprüfen. Für den absolut wissenschaftsgläubigen Dr. Vergerus sind magnetische Heilmethoden, mystische Musik und übernatürliche Visionen nur Hokus Pokus und Scharlatanerie.
Das Komitee lädt die Truppe am nächsten Tag zu einer Privatvorstellung ein, die für alle Beteiligten zunächst lächerlich wirkt. Der letzte Akt der Vorstellung entwickelt sich jedoch zu einem Fiasko: Ein Fesseltrick mit einer unsichtbaren Kette. Der Diener Antonson macht mit, verliert aber die Nerven und erwürgt vor den Zuschauern den Magier Vogler. Er flieht und wird kurz darauf, an einem Strick erhängt, aufgefunden.
Nach dem Unglück bestimmt der Polizeipräsident Dr. Vergerus, zur Obduktion von Voglers Leiche - um eventuelle körperliche Abnormitäten festzustellen. Der Arzt schreitet sofort zur Tat, wird jedoch auf eine harte Probe gestellt. Als er allein mit der Leiche ist, passieren allerlei unheimliche Dinge. Der um Fassung ringende Dr. Vergerus glaubt den Verstand zu verlieren. Am nächsten Tag muss er sich eingestehen, dass er dem magischen Theater wohl auf dem Leim gegangen ist. Infolgedessen beeilen sich die Künstler aus der Stadt zu verschwinden. Da die Truppe nun finanziell am Ende ist, bettelt Vogler den Arzt um einen Lohn an. Als die Polizei die flüchtige Truppe am Ende noch einfängt, ist dann die Überraschung perfekt.

Interpretation
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"Das Gesicht" zeigt erst einmal die Auseinandersetzung zwischen Bürgern, die auf ihren Vernunftglauben bestehen und Künstlern, die sich das geheimnisvolle zelebrieren - auch wenn sie dafür als Scharlatane gelten. Die Figur Voglers in der Rolle des Magiers - als stummes und maskiertes Mysterium - offenbart sich als eifersüchtiger und ängstlicher Mensch, der zu einem Doppelleben verdammt ist. Die Truppe stellt ihr Blendwerk mit Apparaten her, doch lässt sich nicht alles von ihrer Kunst auf banale Tricktechnik und die fromme Naivität mancher Zuschauer reduzieren. Es gibt das Bedürfnis, an Wunder zu glauben und Bergman führt vor Augen, dass auch die Vertreter der aufgeklärten Skepsis, die verächtlich auf die anderen herabsehen, Momente des Schauderns erleben.
Der Film kann jedoch nicht über einige Längen im mittleren Teil hinwegtäuschen. Die Nacht vor der Aufführung wird mit dem eher belanglosen Schabernack des Sprechers, der Zaubergruppe und der Hexe aufgefüllt. Der Kampf - Vogler gegen Dr. Vergerus - ist der Höhepunkt und überzeugt durch subtile Schnittarbeit und gute Lichtsetzung. Der Schluss hingegen bestätigt die konzeptionelle Geschlossenheit des Werkes. Am Ende bleibt die cineastische Vorstellung. Manege frei für die nächste...


Bonnie und Clyde [Blu-ray]
Bonnie und Clyde [Blu-ray]
DVD ~ Warren Beatty
Preis: EUR 8,99

34 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Digital remastered von restaurierten Film- und Tonelementen..., 11. Februar 2009
Rezension bezieht sich auf: Bonnie und Clyde [Blu-ray] (Blu-ray)
...so wird es auf der Rückseite der Blu-Ray unter Specials aufgelistet. Ich habe dann eine Weile im Specials-Menu nach dem begehrten Feature gesucht, bis mir klar wurde, dass es gar nicht existiert. Es handelt sich nur um die simple Aufzählung, dass der Film digital überarbeitet worden ist. Sei es drum, dachte ich, werde ich eben nicht erfahren wie die das hingekriegt haben.

Über den Film & Hintergrund
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Der Film beginnt mit nostalgischen Originalaufnahmen und Texteinblendungen, die gleichsam den Prolog, jenes tragisch-berüchtigten Raub- und Mordepos, bilden. So harmlos - wie durch das Blättern der staubigen Seiten eines Familienalbums, landet man in dem noch staubigeren amerikanischen Südwesten der 30er Jahre. Bonnie Parker, eine arbeitslose Schriftstellerin, liegt nackt auf ihrem Bett und starrt in ihrer Lethargie, hilfesuchend auf das verlassen wirkende Land vor der Haustür.

In den 30er Jahren führte die Weltwirtschaftskrise dazu das die Industrieproduktion sich halbierte. Die Auswirkungen waren besonders für die Bauern in den USA katastrophal, viele mussten in den Westen flüchten.

Als Bonnie plötzlich den vor dem Haus parkenden Wagen bemerkt, weiten sich ihre Augen, scheint sie förmlich aus ihrer Lethargie gerissen. Clyde Barrow - gerade auf Bewährung aus der Haft entlassen, sieht galant aus und ist bewaffnet. Eine seltene Erscheinung in Bonnies gottverlassenem Nest. Da Bonnie aber nicht so schnell zu beeindrucken ist, zettelt Clyde kurzerhand einen Raubüberfall an und überzeugt so die Mittellose mit einer handvoll Dollar. Für Bonnie ist klar: Clyde redet nicht nur - er handelt auch. Der Rest ist Geschichte. Man schätzt, dass sie dreizehn Morde, etwa ein Dutzend Bankraube und weitere, ungezählte Überfälle auf Geschäfte und Tankstellen verübten. In der Zeit von 1931 bis 1935 sorgten ihre Verbrechen in den USA für erhebliches Aufsehen.

Über die Blu-Ray
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Aber zurück zur Filmrestaurierung: Der Klassiker wurde von Warner im Bildseitenverhältnis 1.85:1 quadriert, was dem 16:9 Seitenverhältnis entspricht. Zu keiner Zeit scheint der Bildausschnitt schlecht gewählt zu sein. Ich hatte jedenfalls immer das Gefühl hier einen sorgfältig ausgewählten Bildanteil zu sehen. Für die Blu-Ray wurde ein neues hochauflösendes Master verwendet: Die Schärfe ist durchweg auf hohem Niveau und nicht unnatürlich überzeichnet. Einige Szenen erscheinen für wenige Sekunden unscharf - dies geht aber wohl dem Originalmaterial zu lasten. Kontraste und Farben wirken natürlich und sehr warm - besonders der staubige Südwesten mit seiner rötlich-gelben Strahlkraft. Ich habe den Eindruck, dass hierbei der charakteristische Farbraum des Films zur Geltung kommt. Und das vielleicht zum ersten Mal in der Geschichte der vielfältigen Veröffentlichungen von Bonnie & Clyde.

Der Ton ist nicht weiter spektakulär und ist als Mono 1.0 Spur in mehreren Sprachen vorhanden: Japanisch, Spanisch, Italienisch, Französisch, Englisch, Deutsch. Erwähnenswert bleibt die Rauschfreiheit und Klarheit des deutschen Tons.

Fazit
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Eine beispielhafte Restauration eines Genre-Klassikers. Der gelungene Blu-Ray-Transfer zeigt, dass es sich lohnt altes Filmmaterial zu entstauben!

Auch wenn ich wohl nie erfahren werde, wie die das gemacht haben...
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 21, 2015 3:39 PM MEST


Der Kontrakt des Zeichners
Der Kontrakt des Zeichners
DVD ~ Anthony Higgins

4.0 von 5 Sternen Minimalistischer Hochbarock-Krimi mit schwarzem Humor, 10. Februar 2009
Rezension bezieht sich auf: Der Kontrakt des Zeichners (DVD)
Michael Nyman zeichnet sich verantwortlich, für die ungewöhnlich beschwingte Barockmusik, die dem Historien-Drama sein besonders unprätentiöses Aroma verleiht. Peter Greenaway der selbst als Maler gearbeitet hatte, inszenierte seinen ersten Spielfilm wie ein filmisches Tagebuch: "Zeichnung Nr.7. Von sieben Uhr Morgens bis neun Uhr ist die gesamte Vorderseite des Hauses von Angehörigen des Hauses, der Dienerschaft, Pferden und Kutschen, freizuhalten." So lässt Greenaway seinen zeichnenden Protagonisten im Jahre 1694, Tag für Tag, aus der südenglischen Grafschaft Wiltshire berichten.

Der Kontrakt des Zeichners ist das unmoralische Geschäft des arroganten Mr. Neville, der für seine 12 Außenansichten des Anwesens von der Auftraggeberin Mrs. Herbert "persönliche Dienste" erwartet. Diese muss sich dem gemieteten Zeichenexperten jeden Tag auf frivole Art und Weise ausliefern - will sie, so ihr Wunsch - diese Bilder ihrem vorübergehend abwesenden Mann zum Geschenk machen. Der immer ungenierteren Haltung von Mr. Neville gewahr, ergänzt Mrs. Herbert den Auftrag schließlich um eine weitere Zeichnung und lässt den Zeichner abermals sein lustvoll-kreatives Werk beginnen.

In 108 Minuten bleibt die Handlung auf dem Anwesen: Nicht nur Mr. Neville - der Zuschauer selbst nimmt jeden Tag eine neue Perspektive ein und sitzt ebenso auf des Zeichners Stuhl. Witzig-Ironisch: Trotz des ermahnenden Off-Kommentars wird die Gartenlandschaft vom Personal besetzt oder sogar von einer Schafherde überrannt. Darüberhinaus verleihen die spritzig-barocken Fanfaren Nymans diesen Szenen den pikanten selbstgefälligen Charme, den Mr. Nevilles Kontrakt zu untermalen scheint.

Die scheinbare Unbeschwertheit des Films wird jedoch bald von der raffiniert-abgründigen Idee der gedehmütigten Mr. Herbert abgelöst. Zum Glück bleibt der Zuschauer lang genug im Ungewissen. Die brilliante Auflösung zeigt schließlich Greenaways Sinn für die bittere Ironie des Schicksals - die aber eine gewisse Schadenfreude provoziert und dabei kein Gefühl des Bedauerns hinterlässt.

Fazit:
Empfehlenswert. Minimalistisch-inszenierter, grotesk-ausgestatteter Hochbarock-Krimi, mit einer angenehm würzigen Prise schwarzen Humors.


Das Parfum - Die Geschichte eines Mörders [Blu-ray]
Das Parfum - Die Geschichte eines Mörders [Blu-ray]
DVD ~ Ben Whishaw
Preis: EUR 11,49

3 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Das unverfilmbare Buch als Film., 4. Februar 2009
Jean-Baptiste Grenouille ist das Kind einer Fischverkäuferin. Er kommt auf dem "stinkendsten" aller stinkenden Orte auf die Welt - hat aber keinen Eigengeruch. Jean-Baptiste Grenouille ist die Kröte, die hässliche Zecke, geboren im Schmutz des 18.Jht. Als seine Mutter ihn mitsamt der Fischreste in der Seine entsorgen will, stößt Grenouille einen durchdringenden Schrei aus. Die Mutter landet wegen versuchten Kindmordes am Galgen - Grenouille in der Obhut von Madame Gaillard. Im Waisenhaus trainiert Jean-Baptiste Grenouille seinen Geruchssinn. Da er härter und zäher als gleichaltrige Kinder ist, landet er bei einem Gerber. Nach Jahren der Drecksarbeit kommt er dann endlich in die Stadt, wo er die "Gerüche der Welt" in sich hineinsaugt. Grenouille ist in der Lage zwischen den feinsten Nuancierungen zu unterscheiden: So riecht er zum Beispiel den Unterschied zwischen Stein und kaltem Stein. In den engen Gassen von Paris stößt seine Nase auf bis dato unbekannte Geruchswelten: Weizenmehl, Kaffee, Obst, Tierfutter, Tabak, Öl, Blüten, Korn und auch Parfum. Als er auf seinen nächtlichen Streifzügen durch Paris den Duft eines Mädchens einfängt, ist er so überwältigt, dass er von nun an kein anderes Ziel hat, als diesen Duft zu konservieren. Eines Tages bringt ihn ein Auftrag seines Gerber-Meisters zum alten Parfumeur Baldini. Grenouille, gierig auf eine Ausbildung, ergreift seine Chance und mischt in spontaner Manier den aktuellen Parfum-Schlager "Amor und Psyche". Baldini kann es kaum glauben, zumal er letzte Nacht erfolglos damit verbracht hat dieses Parfum zu analysieren und in seine Duftnoten aufzuspalten. So landet Grenouille in der Lehrwerkstatt des alternden, mittlerweile inspirationslosen Parfumeurs.

Schwarze Ironie
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Tom Tykwer gestaltet die Einleitung als großartiges Erzählkino mit der warm-timbrierten Stimme von Otto Sander. In nicht einmal 20 Minuten gelingt der formidable Zeitsprung von Grenouilles Geburt zum Parfum-Lehrling. Mit schwarzer Ironie nach Monty Python verfilmt, hinterläßt Grenouille immer dann Tod und Verderben, wenn er seinen Besitzern, Erziehern und Peinigern, Glück und Reichtum gebracht hat. So sterben eine Reihe von Menschen hinter seinem Rücken, ohne das er davon etwas mitbekommt.
Grenouille hat nur ein Ziel: Er will das beste Parfum der Welt schaffen. Durch Meister Baldini auf die Duftkompositionen aus 12 Essenzen zu drei Noten geeicht, zieht Grenouille nach "Grasse" um noch andere Duftgewinnungsmethoden als das Destillieren zu erlernen: denn, durch seinen Meister zum Experimentieren ermutigt, versuchte er kurzerhand den Duft seiner Hauskatze zu extrahieren - was natürlich nicht gelang.

Die Welt des 18.Jht.
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Die schmutzige Welt des 18 Jht. ist fast spürbar. Tykwer - bekannt durch sein Bemühen die Dinge nachvollziehbar und eindringlich zu gestalten, entschied sich für einen schmutzigen Look, jenseits ahlglatt-kostümierter Historienschinken. Die eindringliche Bilderwelt zeigt den "Riechzwang" Grenouilles durch beschleunigte Kamerafahrten in den Makrobereich. Frank Griebes Kamera agiert gewissermaßen als verlängerte Nase - der Zuschauer kann so mitschnüffeln. Der sehr detaillierte Roman böte sicherlich noch dutzende Szenarien mehr, das Produktionsteam hat die 147min aber gut genutzt um die Handlung zusammenzuhalten.

Der Look & der Sound
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Auffallend ist der insgesamt sehr grüne Look des Films, der das Bild manchmal künstlich erscheinen läßt, manchmal den Zuschauer visuell anekelt. Auditiv ekelt es hingegen kein bisschen. Seit "Winterschläfer" erarbeitet Tykwer durch sein musikalisches Trio "Pale3" alle Songs für seine Filme. So auch diesmal. Mit dem Soundtrack zu "Parfum" erzeugt das Trio ein atmosphärisch-dichtes Klangaroma und schafft mit einem sparsamen Instrumentarium, die flüchtig-zerstörerische Betörung der "grenouilleschen Duftwelt" einzufangen und wiederzugeben. Der Music-Score vermag durch seine leichten Tonartwechsel und spielerischen Überlagerungen, einen permanenten Sog zu erzeugen. Trotz einiger notwendiger Kürzungen, die Szene in der Grenouille sich in einer Berghöhle vor den Menschen versteckt zählt kaum 5 Minuten, kann die filmische Dramaturgie überzeugen und führt ohne Längen in das beispiellose Finale.

Die Blu-Ray
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Das Bild ist sauber und mit guten Schärfepunkt transferiert worden. Hier und da ist der grüne Look ein wenig zuviel des Guten. Das gilt aber ebenso für die DVD.

Fazit
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Tykwer hat bewiesen, was zu beweisen war: Ein Buch hat seine Gesetze - ein Film ebenso. Das Buch von Patrick Süßkind, dass als unverfilmbar galt, wird es auch weiterhin bleiben. Tykwer, der zusammen mit Andrew Birkin und Bernd Eichinger auch am Drehbuch schrieb, hat nichts anderes getan als das Buch in eine zweieinhalbstündige Form zu gießen. Frei nach der alten Formel "Form follows function" funktioniert der Film in seiner dramaturgisch-geschlossenen Erzählweise.
Doch: Hat man das Buch gerade erst gelesen, kann man enttäuscht sein - aufgrund der schnellen Erzählweise, oder der Handlungssprünge, oder der Mitleid-erregenden Darstellung von Grenouille durch Ben Whishaw. Ist es länger her, kann der Film die Erinnerung erhellen und auch die damit verbundenen Gefühle - aufgrund der dramaturgisch-klugen Zusammenfassung, oder der authentizitätsstiftenden Erzählweise, oder der verstörend-genialen Darstellung von Grenouille durch Ben Whishaw.

Das unverfilmbare Buch hat es als Film nicht leicht, kann aber unabhängig vom Buch, als penibel ausgestattetes Schnüffel-Kino der morbiden Art überzeugen.


Thomas Crown ist nicht zu fassen - SZ-Cinemathek 45
Thomas Crown ist nicht zu fassen - SZ-Cinemathek 45
DVD ~ Steve McQueen

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nicht nur visuell intelligentes Kino!, 4. Februar 2009
Thomas Crown ist reich. Er braucht eigentlich kein unnötiges Risiko. Dennoch braucht er den Nervenkitzel - der perfekte Banküberfall scheint gerade gut genug um den gelangweilten Geschäftsmann auf Touren zu bringen. So koordiniert er eine Handvoll Männer, die sich weder zuvor kannten, noch jemals wiedersehen werden. Die Polizei, machtlos ob der fehlenden Hinweise, setzt erstens auf Rasterfahndung und zweitens auf die kühle Versicherungsdetektivin Vicki Anderson (Faye Dunaway). Sie hat zwei Vorteile: Erstens ein unfehlbares Gespür für abgründige Menschen und zweitens, sie braucht dringend Geld.
Steve McQueen spielt den siegessicheren Kapitalisten, der seine monotonen Überschläge mit einem gelben Segelflugzeug zieht, um in seinen einsamsten Stunden etwas Bewegung in seinen satten Geist zu bringen. Die symbolische Melodie: "The Windmills of Your Mind".
1968 gefilmt, beeindruckt die innovative Erzählweise: Mittels Split-Screen Technik werden in Kaskaden von kleinen Filmfenstern, Handlungsstränge für den Zuschauer parallel sichtbar gemacht. Besonders die Planungssequenz, gleich zu Beginn, ist ein Meisterwerk der analogen Filmmontage. Ästhetisch dem fotografischen Kontaktabzug nicht unähnlich, werden die Filmfenster aufgebaut, die Inhalte varriert, die Bilder kaskadiert aufgezogen und wie mit einem Schalter wieder ausgeknipst. Fernab jeglicher Effekthascherei haben es die Macher geschafft den logischen Bezug zur Handlung zu bewahren und damit den Streifen auf eine höhere Bedeutungsebene zu heben.

Fazit
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Die Thomas Crown Affair von 1968 ist ein zeitloser, logisch-schlüssig aufgebauter Krimi mit faszinierenden Wendungen. Regisseur Norman Jewison hat hier einen visuell-intelligenten Film geschaffen, dessen pikant-ironisches Spiel der Hauptakteure die kritische Auseinandersetzung mit dem zeitgenössischen "Establishment" enthält.


Hana bi - Feuerblume - SZ Cinemathek 67
Hana bi - Feuerblume - SZ Cinemathek 67
DVD ~ Takeshi Kitano

4 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Merkwürdige Mischung ohne "Kuleschow-Effekt", 3. Februar 2009
Rezension bezieht sich auf: Hana bi - Feuerblume - SZ Cinemathek 67 (DVD)
Takeshi Kitano selbst spielt den wortkargen Polizisten Yoshitaka Nishi, der einiges zu verkraften hat: Seine Tochter ist gestorben, seine Frau Miyuki ist an Leukämie erkrankt und wartet förmlich auf den Tod. Ein Kollege wird bei einem Einsatz gegen die Tokioter Yakuzo erschossen, ein anderer (Horibe) wird dadurch zum lebenslangen Krüppel. Von Traumbildern verfolgt macht Nishi sich Vorwürfe. Er führte den Einsatz - machte aber einen verhängnissvollen Fehler.
Um seiner Frau noch ein paar schöne Wochen zu bescheren, fährt er mit ihr auf eine Reise zum schneebedeckten Fuji. Nebenbei entwickelt sich der schweigsame Nishi zu einer brutalen Mordmaschine, der die Yakuza bis auf den letzten Mann bekämpft.
Kitano inszeniert Nishi einigermaßen unbeweglich. Es dauert einige Zeit bis er anfängt zu sprechen. Er geht sehr sparsam mit seinen Reaktionen um und drückt sich lakonisch aus. Schauspielerisch bewegt Kitano sich in einem sehr engen Korsett - dabei wirkt er auch nicht immer glaubhaft. Ist es der "Kuleschow-Effekt" den Kitano bemüht?
Kuleschow experimentierte mit den Emotionen der Zuschauer und fand heraus das, dass zu erzeugende Gefühl nur durch die Kombination der bildnerischen Mittel, nicht aber durch das Schauspiel selbst evoziert wird. So zeigt Nishi weder als Polizist, noch als sorgsamer Ehemann, noch als brutal zuschlagende Kampfmaschine, eine Regung auf seinem vernarbtem Gesicht. Nur das gelegentliche Zucken seiner rechten Gesichtshälfte weist auf die innere Verarbeitung des Geschehens. Bis zum Schluss bleibt Nishi eine paralysiert-hohle Figur, die zu spekulativen Interpretationen seines Seelenzustandes einlädt. Auch Nishis Beziehung zu seiner Frau wird eher am Rande abgehandelt und verläuft im eisigen Schnee des winterlichen Panoramas. Sehr viel wärmer: Horibe, an den Rollstuhl gefesselt, fragt Nishi ob ihm eine Baskenmütze stehen würde - denn er will mit dem Malen anfangen. Doch Horibe hatte nie etwas mit Malen am Hut. Eines Tages sitzt er am Strand und probiert, etwas ungelenk, seine neue Baskenmütze. Mit sparsamer Mimik und hilflosem Blick sucht er unterwegs nach Inspiration für die neue Zwangsbeschäftigung. Schliesslich entdeckt er in einem kleinen Geschäft die fehlende Verbindung, gleichsam "Missing Link" und entwirft fortan seine naive Malerei. Kitano zeigt hier seine eigenen Bilder. Die Einsamkeit und die Entwicklung des Ex-Polizisten zum eigenständigen Künstler zeichnet Kitano in wundervollen, stillen Bildern nach. Diese Randgeschichte ist der eigentliche Höhepunkt des Films.

Fazit
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Einige schöne Momente bietet der Film noch, allerdings wirkt die Geschichte, um den wandelbaren Polizisten Nishi und seine Frau, seltsam belanglos. Die Brutalität einiger Szenen, mit der Kitano die stoisch-stumme Wut seines Protagonisten auffächert, erinnert an die grotesk-übertriebene Blutästhetik einiger Manga-Comics. Der oft hölzerne Musikeinsatz, die kitschig-überladenen Melodien, wirken neben der Handlung wie ein Abziehbild der steifen und oberflächlichen Charakterdarstellung. Kitanos Spiel wirkt lustlos, wie in die Handlung hineingestellt, wie ein Schauspieler der auf eine Anweisung wartet - der auf das Ende wartet. Und so steuert die Handlung auf das fatale Ende zu. Die merkwürdige, teils unbefriedigend-starre Mischung bietet weder "Aha"- noch "Oho"-Effekt, auch keinen gelungenen Kuleschow.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 11, 2016 1:24 PM MEST


The Good German
The Good German
DVD ~ George Clooney
Wird angeboten von ronnypb
Preis: EUR 4,99

10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Interessante Dekonstruktion des Film noir, 27. Januar 2009
Rezension bezieht sich auf: The Good German (DVD)
Ich möchte hier nur auf den Erzählstil eingehen...

Der Erzählstil und die Filmtechnik erinnern stark an den "Film noir" der 40er und 50er Jahre. Regisseur Steven Soderbergh hat versucht die Bild- und Tonästhetik der Filme aus jener Zeit zu kopieren. Die eingeschobenen Originalaufnahmen der 40er Jahre fügen sich so nahezu bruchlos in die neuen Filmaufnahmen ein.

Über den Film noir
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Die typischen Merkmale eines Film noir finden sich hier wieder: S/W Film, OFF-Erzählerstimmen der Protagonisten, Low-Key Beleuchtung für kräftige Hell-Dunkel Kontraste, starke Schattenbilder, ungewöhnliche Kameraperspektiven. Die Stimmung ist pessimistisch und die Charaktere kämpfen in einer korrupten Welt gegen aussichtslose Situationen an. Der Held ist ein Antiheld, der am Ende einfach nicht gewinnen kann. Er muss sich dem Schicksal fügen - und das ist in der Regel unbarmherzig. Der sogenannte Film noir hat sich im Nachkriegs-Amerika entwickelt und kam dort zur Blüte. Im wesentlichen spiegelt der Film noir die soziale Paranoia in einer durch den Krieg geistig und wirtschaftlich zerrütteten Gesellschaft wieder.

Kleines Film-Fazit
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Soderbergh kann zeitweise fesseln, schafft es aber nicht seinen Charakteren wirklich Leben einzuhauchen. Durch seine klare audiovisuelle Form und erkennbar-nachvollziehbare Methode kann der Film aber ebensogut als Dekonstruktion eines Film noir gesehen werden. Als Studie ist er allemal einen Blick wert!


The Dark Knight [Blu-ray] [Special Edition]
The Dark Knight [Blu-ray] [Special Edition]
DVD ~ Christian Bale
Preis: EUR 8,97

0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Dark Voice - Dark Suit - Dark Characters - Dark Light - Dark Mood - Dark, Dark, Dark, 27. Januar 2009
Batmans Stimme machte Christian Bale zu schaffen, wie er mal in einem Interview erklärte. Die wahrscheinlich dunkelste Real-Stimme aller Superhelden, ist schliesslich auch Trainingssache. Man müsse mit ihr erst einmal vertraut werden und was beim ersten Teil noch eine Weile gebraucht habe, so Bale, sei beim zweiten Teil schon wie Fahrradfahren. Das wahrscheinlich schwärzeste Kostüm aller Superhelden, ist auch leichter geworden. Nun kann Bale sogar seinen Kopf bewegen. Im ersten Teil, erklärt Bale, litt er noch sehr unter der schmerzenden Gesichtsmaske. Er fühlte sich wie in einen Schraubstock eingespannt, würde es aber gut die Rolle nutzen können - für den Zorn und die Wut des dunklen Großstadt-Rächers.

Batman vs. Joker
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In "The Dark Knight" hat sich Batman emanzipiert, er bewegt sich frei und handelt auf eigene Kosten - nicht nur gegen das Verbrechen sondern, wenn es sein muss, auch gegen die Staatsgewalt. Aber Batman kennt Regeln, kennt Moral und Gerechtigkeit - sein neuer Gegner nicht. Der Joker, wie er sich nennt, handelt scheinbar willkürlich - nach eigenen Regeln. Denn "Alles was nicht stirbt, wird irgendwie komisch" wie er selbst feststellt. Sein Vater sorgte persönlich dafür, dass der kleine Jack Napier (alias Joker) die "Übergriffe" an seiner Mutter nicht mehr mit trauriger Miene quittierte - er sorgte für das teuflisch-verzerrte Grinsen in des Jokers Gesicht. Als Comicfigur war der Joker zunächst als Produkt eines chemischen Unfalls gedacht. In "The Dark Knight" entwickelt die Figur des Jokers allerdings eine düster-tragische Dimension, die mit der krankhaften Genese eines Norman Bates aus Hitchcocks Psycho mithalten kann. Heath Ledger schafft es seiner Rolle den nötigen psychotischen Drall zu geben und eine glaubhaft-bedrohliche Atmosphäre voller Ungewißheit aufzubauen. So landet der Joker einen unvorhersehbaren Coup nachdem anderen und der Zuschauer bleibt im Dunkeln.

Der Ton macht die Musik
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Besonders interessant in diesem Zusammenhang: Hans Zimmers düster-morbider Musikeinsatz, der ein gewisses Unbehagen durch eine schräge Mixtur aus Cello und Gitarren, zu vermitteln weiß. Geradezu genial in diesem Zusammenhang ist das Moment der "Stille". Der bewußte Umgang mit Pausen. Hans Zimmer lässt weg! Genau das, was vielen Blockbuster-Produktion nicht gelingt: Sie lärmen, sie müssen alles untermalen, das Bild auf den Ton kopieren, möglichst "Fett" zubereiten - wie eine Makrele mit Butter.
Wenn aber der "Joker" nach seinem genialsten Coup, nach seinem Gefängnisausbruch, berauscht durch die wiedererlangte Freiheit, sich lachend aus dem Fenster eines Taxis hängt - dann ist es still, dann schweigt die Tonspur. In dieser fast unheimlichen Stille wird klar: Der Joker fühlt sich lebendiger als je zuvor - er hat überlebt und findet es "irgendwie komisch".
Es ist ein ungleicher Kampf: Batman muss sich schliesslich eingestehen, dass er gegen jemand der keine Grenzen kennt, chancenlos ist: "Ich habe nun gesehen, was ich werden muss, um jemanden wie ihn aufzuhalten."

Das besondere Bildformat
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Während des Films findet häufiger eine Formatumschaltung zwischen den 1.78:1 IMAX-Szenen und dem üblichen 35mm Kino-Breitbild 2.4:1 statt. Ich finde das nicht störend. Besonders die IMAX-Szenen zeigen ein unglaublich frisches und detailscharfes Bild. Ich habe mich über jede Einstellung gefreut und die "Übersicht" in den Flugszenen genossen! Zumal es eine solche Bildqualität bisher wirklich nur selten auf Blu-Ray Discs zu sehen gab, abgesehen von Ron Frickes Werken wie "Barracka" oder "Chronos".

Fazit
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Sehr düsterer, psychologisch-raffinierter, moderner Film noir mit unvorhersehbaren Wendungen. Einen Stern weniger wegen Batmans lächerlicher Düster-Stimme.


Hexenkessel
Hexenkessel
DVD ~ Robert De Niro
Wird angeboten von dvd-schnellversand
Preis: EUR 10,71

11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Scorseses Milieustudie, 23. Januar 2009
Rezension bezieht sich auf: Hexenkessel (DVD)
Die Produktion
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Die Dreharbeiten zu "Mean Streets" (engl. Orig.) waren zermürbend: Scorsese hatte weder Zeit, noch Geld. Nur 27 Drehtage, bei 36 Einstellungen am Tag, forderten das Improvisationstalent des Teams. Scorseses Nerven waren wohl dermaßen strapaziert, dass er eines Tages mit weißen Baumwollhandschuhen auftauchte, um seine Fingernägel nicht weiter abkauen zu können. Glücklicherweise funktionierte das Zusammenspiel von Keitel und DeNiro reibungslos. Die Szene in der die beiden sich mit Abfalleimern bewerfen, entstand zum Beispiel spontan beim Proben.

Der Film
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In Hexenkessel zeigt Scorsese das Little Italy, dass er so gut kennt: Abgebrannte Typen wie Johnny Boy, die "Rumhängen" und ständig auf der Suche nach neuen Geldgebern sind. Scheinheilige Organisatoren wie Charlie, die sich "Kümmern" und auf der Leiter der Respektabilität aufsteigen wollen. Zinswucher, Glücksspiele und einfache Arbeiten als Barkeeper, treiben die Leute im Viertel umher. Schlägereien sind an der Tagesordnung und werden von Scorsese in seiner Rohheit realistisch gezeigt: es gibt keine durchkomponierte Action-Choreographie. Der Film zeigt im wesentlichen das Milieu. Mafiosis sind eher Randerscheinungen. Die rohe Qualität des Filmes spiegelt sich auch in den inneren Monologen des Protagonisten Charlie wieder, der etwas müde und zusammenhangslos vor sich hin sinniert. Die plötzlichen Temperamentsausbrüche von Charlie sind aber nicht immer nachvollziehbar. Die dramaturgische Struktur- und Spannungslosigkeit ist dennoch ein geeignetes Mittel um die Aufmerksamkeit auf die durchaus interessanten Ecken des Straßenmillieus zu lenken. So wirkt der Film eher wie eine Beobachtung, eben eine Studie. Man geht quasi als imaginärer Mitwisser nebenher: Auf den kleinen schmierigen Straßen, in die abgewrackten Kneipen und in die engen, dreckigen Häuser. Das ganze macht so lange Freude, bis man die deutsche Synchonisation von Robert DeNiro hört. Dann sollte man sich den qualitativ besseren Originalton und die deutschen Untertiteln einschalten. Wer Christian Brückners DeNiro-Synchro kennt und liebt, wird die "lispelige" Stimme, die zu allem Überdruß auch noch richtig dämlich klingt, nicht lange ertragen können.

Die "Mean Streets" zeigen sich bzw. der Hexenkessel wird deutlich, wenn die Handlung auf das Finale zusteuert. Erst zum Schluß wird klar, das sich die Protagonisten schon lange in einer Abwärtsspirale befanden. Die Handlung und das Finale enthalten schon alle Attribute die Scorseses Werk auszeichnen - Abwärtspirale, plötzliche - nahezu unvermittelte Gewalt, überraschend und blutrünstig inszeniert.

Bild/Ton
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Aufgrund unterschiedlicher Aufnahmequalitäten hat das Bild nur mittelmäßiges Niveau. In einigen Szenen grieselt es recht stark und die Farben sind nicht besonders satt. Ist aber alles in allem kein Grund zur Aufregung. Von der deutschen Synchro rate ich eher ab. Der englische Ton kommt gut rüber, leider nur in 2.0 Mono. Mit Dolby Prologic II oder der DTS Neo:6 Matrix bekommt man aber eine ganz gute Surround-Basis.

Fazit
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Der Film bleibt etwas hinter seinen Möglichkeiten. Als inszenierter Augenzeugenbericht aus Little-Italy, sozusagen, bleibt dieser Streifen aber sehenswert. Nichts für Scorsese-Einsteiger, eher was für Kenner. Zumindest sollte man schon einmal Taxi Driver, Goodfellas und Casino gesehen haben - noch mehr wollen, aber mehr in Richtung Arthaus-Kino denken.


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