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Rezensionen verfasst von
Danton_Villon

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Dornig
Dornig
Preis: EUR 14,99

5.0 von 5 Sternen Ein dorniger Pfad - der richtige Weg!, 28. Juli 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Dornig (Audio CD)
Seit nunmehr einem ganzen Jahrzehnt ziehen die norddeutschen Mittelalter-Metaller von Ragnaröek schon durch die Lande. Wer den Fünfer kennt und seine ersten beiden Silberlinge RACHE (2009) und EISKALT (2011) gehört hat, der wird mit Sicherheit auch auf dem neuen Werk DORNIG mitreißende Musik erwartet haben. Dass Ragnaröek aber hiermit ein solch umwerfendes Meisterwerk abliefern würden, hatte wohl kaum einer zu hoffen gewagt!
Wo zuvor noch die ein oder andere Stelle nicht so zündete, da herrscht auf DORNIG einfach durchgehende musikalische Finesse. Durchhänger gibt es nicht. Ragnaröek manifestieren und perfektionieren ihr Alleinstellungsmerkmal: eine drückende Front an metallisch dominierter Neuer Deutscher Härte in dunkler Atmosphäre, gepaart mit dem Dudelsack sowie der einzigartigen rauen Stimme von Charon dem Fährmann. Wobei, ad addendum: Der musikalische Mittelalter-Anteil ist vergleichsweise gering – allerdings allein schon aus dem Grunde, dass Charon eben nur dann Dudelsack spielen kann, wenn er gerade nicht singt. Und ganz ehrlich: Bei so harten Granaten wie „Irrenhaus“, „Schach“, „Seelenjagd“, „Hungrig“ oder dem emotionalen „Herzlos“ stört es nur wenig, dass sie gänzlich ohne die Sackpfeife auskommen. Wenn diese dann – wie in „Mann“, „Schattengold“ oder „Gevadder“ – doch zum Einsatz kommt, erfreut sie dafür umso mehr mit herrlichen Melodeyen, bei denen man sich fragt, warum Man(n) erst jetzt auf sie gekommen ist. Eine Musik mal zum Fäusteballen, mal zum Trinkhornschwenken – eine Musik, die Laune macht!
Der größte Pluspunkt von DORNIG sind aber die Texte, die nicht nur mit der gewohnten derben bis brutalen Thematik, sondern auch mit unerwartet viel Tiefgang und lyrischem Können bestechen: „Dunkles Horn des Schreckensschergen / Schreit raus den Ruf zur ew’gen Jagd / Alles werden wir verderben / Mann und Maus, auch reine Magd.“ – Mit solchen Zeilen rufen Charon der Fährmann, Ark der Schnitter, Sigar der Schinder, Zeus und Rondall der Schläger scheinbar bereits das herbei, was der Name Ragnaröek bedeutet: die geballte Apokalypse! Bevor es aber soweit ist, steht die Empfehlung, DORNIG zu hören, „immer schnell, immer hoch, immer weiter / immer wild, immer laut, immer munter…“

Anspieltipps: Man(n) Liebt Dich, Schach, Mann, Seelenjagd, Gevadder

ALLE LIEDER IM SCHNELLDURCHLAUF:

Man(n) Liebt Dich (4,5 / 5)
Fantastischer Beginn! Geht ohne jegliche Vorwarnung mit der geliebten Kombination aus Dudelsack und schweren Gitarren gleich nach vorne. Der Refrain glänzt durch Eingängigkeit und enorm tiefen Gesang. Insgesamt ein zugleich harter und melodischer Einstieg – stark!

Irrenhaus (4 / 5)
Derbe NDH-Riffs treffen auf tiefe Töne von Charon dem Fährmann. Auch wenn der überdies noch das „r“ hier und da etwas rollt – bei aller Ähnlichkeit zu Rammstein behalten Ragnaröek doch ihre Eigenständigkeit! Ein hartes Lied, das auch ohne Mitsing-Refrain oder Dudelsäcke Spaß macht.

Schach (5 / 5)
Einer der Höhepunkte dieses Werks: Los geht’s mit dem Ticken einer Uhr und ruhigen, bedrohlichen Strophen. Auch insgesamt von langsamem Tempo, dabei aber mit einem gewaltigen, getragenen Refrain, dessen brutaler Gesang und Gitarrenwände nicht zu übertreffen sind. Der Text ist ohnehin etwas ganz Besonderes, erst recht in Kombination mit dieser düsteren Atmosphäre… Hammer!

Alles Dreht Sich (4 / 5)
Epischer Einstieg, die Spannung steigt mit den zunächst langsamen Klängen der genialen Leitmelodie, die dann so richtig loskracht und in Stakkato-Riffs übergeht. Der Brückenteil vorm Refrain mit seinem Sprechgesang passt nicht so ganz. Trotzdem: Macht Spaß und bleibt gut hängen.

Mann (4,5 / 5)
Mann o Mann, welch ein Kracher! Mit einer schönen Dudelsackmelodie geht es los, dann kreuzen sich Knochenbrecher-Riffs mit derbem Gesang. Sehr wohlklingend auch die eingestreuten Spielereien an den Gitarren. Doppelteiliger Refrain, der nicht so sehr hängen bleibt, aber dennoch: Granate!

Schattengold (4 / 5)
Das vielleicht „fieseste“ Lied des Albums, obwohl sich für diesen Platz hier so einige Kandidaten finden. Überwiegend ruhige Strophen mit Rumpelstilzchen-Gesang (und auch Text). Überzeugend besonders der kräftige Mitsing-Refrain sowie das Dudelsacksolo im Mittelteil.

Seelenjagd (5 / 5)
Faust hoch! Der Bass spielt hier die tragende Rolle. Ultra-düstere Gitarren in den Strophen und entsprechender Gesang setzen in Sachen Brutalität noch eins drauf! Der beschwingte Chorus bildet dazu den Kontrapunkt und geht sofort ins Ohr sowie Arme und Beine über. Dazu auch noch ein hochspannender Text – hier passt alles!

Herzlos (4,5 / 5)
Emotionaler Höhepunkt! Diese Ballade überzeugt mit melancholisch-gefühlvollen Melodien und pathetischem Gesang. Nach einer langen Zeit der Besinnlichkeit raffen sich ab dem 2. Refrain die Gitarren zu erhöhter Lautstärke auf. Starke Laut-Leise-Differenzen; kurzer, aber herrlicher Text!

Dornig (4,5 / 5)
Ein starkes Titellied! Statt der üblichen Sackpfeife gibt hier das Akkordeon den Ton an und sorgt für eine gelungene Leitmelodie. In den Strophen steigern sich langsam Intensität und Spannung, bevor der ziemlich harte Refrain ertönt. Textlich auch sehr interessant!

Drei Wege (4 / 5)
Beginnt melodisch, aber der Schein trügt: Es folgen die vielleicht brutalsten Riffs des Albums, gepaart mit Gebrüll und Echo im Hintergrund. Insgesamt ebenfalls ein sehr starkes Lied; von der Textstelle „Massenhaft digge Fans…“ mal abgesehen. Aber das war ja wohl auch Ironie?!...

Hungrig (4 / 5)
Achtung, es wird anrüchig! Die meisten Ragnaröek-Texte sind nicht unbedingt für kleine Kinder oder pazifistische Sektierer zu empfehlen, aber das hier dürfte in Sachen thematischer Brutalität die Spitze aufsetzen (einfach mal reinhören!). Musikalisch überzeugt v.a. das doppelläufige Gitarrenspiel.

Trinkfest 5-4-3-2-1 (4 / 5)
Der totale Kontrast folgt jetzt: Ein beschwingtes Trinklied, dominiert von der traditionellen Sackpfeife und flottem Schlagzeug. Simpler, aber auch lustiger Text; auch hier prägt sich der Chorus sofort ein. Ist vielleicht nicht die Meisterleistung des Albums, macht aber definitiv auch nüchtern Spaß!

Gevadder (5 / 5)
War ja schon „etwas“ länger bekannt (genauer gesagt über eineinhalb Jahre) und machte dementsprechend schon einige Zeit lang Lust auf mehr. Eigentlich sehr typisch Ragnaröek: Harte Gitarrenriffs, wie überhaupt das ganze Lied vor Kraft nur so strotzt. Höhepunkt: Das umwerfende Dudelsacksolo im Mittelteil. Der perfekte Schlusspunkt einer überragenden Scheibe!


Skills in Pills (Special Edition)
Skills in Pills (Special Edition)
Preis: EUR 15,98

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Zum Austoben geeignet, 21. Juni 2015
Rezension bezieht sich auf: Skills in Pills (Special Edition) (Audio CD)
Till Lindemann hat als Sänger, Lyriker und Pyrotechniker mit Rammstein schon Großes geleistet. Wer diese geniale Band kennt, weiß um ihren Wert - aber auch um wiederkehrende Spannungen zwischen den Musikern. Da bietet es sich natürlich an, dass der ein oder andere mal ausbricht, besonders, da Rammstein bekanntermaßen gerade pausieren. Flake wurde mit einer Autobiographie schriftstellerisch tätig. Richard betreibt sein Nebenprojekt Emigrate. Till hingegen wählte beide Wege; sowohl den Schriftstellerischen als auch den Musikalischen: Zuerst kam sein neuer Gedichteband "In Stillen Nächten", jetzt sein eigenes Musikprojekt mit Peter Tägtgren, der jedem Metaller ein Begriff sein dürfte.
Heraus kommt mit "Skills In Pills" beileibe kein Meisterwerk, aber doch ein ordentliches Stück Musik. Die Ähnlichkeit zu Rammstein ist dabei gar nicht mal so groß; hauptsächlich besteht sie in Tills Gesang. Dabei wären wir auch schon bei dem Punkt, der die "Lindemann"-Lieder hörenswert macht: Die Stimme des muskelbepackten Hünen strahlt mehr denn je ihre Kraft und Magie aus - zumindest im Studio, ohne dass man aber das Gefühl hätte, sie wäre allzu stark bearbeitet worden. Von bedrohlichem Geflüster bis zu lautem Gebrüll, von brutalem Sprechgesang im Befehlston bis hin zu pathetischem Heldengesang - Herr Lindemann bietet wieder das volle Programm, das man von seinem tiefen Organ auch schon bei Rammstein kennt.
Ansonsten hält sich allerdings die Genialität in Grenzen: Zwar überzeugt der massive Einsatz von Chören, doch nehmen daneben die elektronischen Samples etwas sehr viel Raum ein - deutlich mehr als bei Rammstein. Zwar kann Herr Tägtgren durchaus für beachtliche Kompositionen sorgen, dafür jedoch enttäuscht die Produktion: Gitarren und Schlagzeug klingen viel zu dünn, ja steril! Damit geht auch der metallische Charakter etwas verloren, den man ja bei der Zusammenarbeit dieser zwei Musiker durchaus hätte erwarten können.
Am meisten Aufmerksamkeit erregen natürlich wieder die Texte. Soll so sein, sicher. Und ist auch gut so. Trotzdem: Nicht alles, was hier glänzt, ist Gold. Thematische Ähnlichkeiten mit Rammstein sind nicht ganz von der Hand zu weisen, jedoch fließt hier mehr Sperma denn Blut - soll heißen: Wo Rammstein die Faust erheben, erhebt Lindemann sein ... äh ... Phallussymbol. Wo bei Rammstein der Springerstiefel donnert, knarzt bei Lindemann eher die Bettkante. Während in den Rammstein-Texten also sexuelle Inhalte bewusst meistens entweder in Zusammenhang mit Gewalt stehen ("Weißes Fleisch") oder aber zumindest durch martialische Metaphern verschlüsselt und zweideutig werden ("Waidmanns Heil"), stehen sie bei Lindemann, wenn auch hier auf Englisch, nackt im Raum ("Ladyboy", "Golden Shower"). Allenfalls bei "Fish On" - wirkt auf Kenner als qualitativ abgespeckte Version von "Laichzeit" - machen hinterhältige Metaphern die Runde. Wobei dieses Lied auch bestes Beispiel für das lyrische Gefälle des Albums ist: Peinliche Aussetzer wechseln sich mit wirklich durchdachten Wortspielen ab, wobei selbstverständlich nie das hohe Niveau erreicht wird wie in Tills deutschen Texten.
Heraus kommt ein unterhaltsames Album, das keine totalen Durchhänger bietet, aber auch nur ein wirkliches Meisterwerk ("Yukon"). Schätzenswert ist das Gesamtergebnis vor allem deshalb, da zu erwarten ist, dass Till sich nun ausgetobt hat und wieder motiviert zu Rammstein zurückkehrt - immerhin soll ab September ja wieder ein neues Album geschaffen werden! Wahrscheinlich machen die fünf anderen Rammsteiner nicht alle seine textlichen Ausflüge klaglos mit, müssen ihn hin und wieder bremsen. Was dem Ergebnis zumeist auch gut tut: Rammstein ist eben doch eine Klasse höher anzusiedeln als das "Lindemann"-Projekt. Eigentlich 3 von 5 Sternen, aber aus Sympathie zu Till und in der Hoffnung, dass er jetzt wieder Lust auf Rammstein hat, 4 von 5.

Skills In Pills 8 / 10
Ladyboy 5 / 10
Fat 7 / 10
Fish On 8 / 10
Children Of The Sun 6 / 10
Home Sweet Home 8 / 10
Cowboy 8 / 10
Golden Shower 6 / 10
Yukon 10 / 10
Praise Abort 6 / 10
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 25, 2015 10:09 PM MEST


Origins
Origins
Preis: EUR 15,87

5.0 von 5 Sternen Mehr denn je: saubere Schweizer Feinkost, 15. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Origins (Audio CD)
Produkte aus der Schweiz sind meist von bester Qualität. Auch in Sachen Musik scheint das zuzutreffen – zumindest was Eluveitie betrifft. Die achtköpfige (!) Formation bereichert schon seit über einem Jahrzehnt Freunde harter Musik mit dem wohl besten Folk Metal, den man derzeit finden kann. So weit, so gut. Auf ihrem neuesten Werk „Origins“ aber schafft das Oktett seinen bisherigen schöpferischen Höhepunkt – jegliche Schwächen und Längen, die es auf den früheren Werken vereinzelt nochmal gegeben hat, gehören nun der Vergangenheit an. Als wirklichen Schwachpunkt kann man auch „The Call Of The Mountains“ nicht werten, obwohl hier die Entfernung zur Popmusik schon sehr gering ist. Ansonsten: Auch wenn nach wie vor Eingängigkeit in den Refrains Trumpf ist, so gibt gerade die Death Metal- Fraktion auf „Origins“ mächtig Gas. Dazu setzt es verschiedenste alte Instrumente (Dudelsack, Flöten, Harfe, Drehleier, Geige, Mandoline) sowie den gewaltigen Gesang von Chrigel Glanzmann, teilweise im Duett mit der sanften Stimme von Anna Murphy – also all das, wofür man Eluveitie kennt und schätzt. Heraus kommen ebenso harte wie geniale Hymnen wie „The Nameless“, „From Darkness“, „Virunus“, „Vianna“, „King“ oder „Carry The Torch“, übertroffen nur noch vom fantastischen „Celtos“. Man kann nur so viele Hördurchgänge wie möglich empfehlen, wenn man all die musikalischen Feinheiten und vielschichtigen Melodien entdecken will, mit denen Eluveitie ihre Lieder fast schon überhäufen. Zweimal zeigen sich die Schweizer sogar brutal wie selten („Sucellos“, „Inception“).
Insgesamt aber ändern sich Eluveitie wenig, ziehen ihr Ding durch, bündeln aber dabei all ihre bisherigen Stärken, nicht nur musikalisch, auch textlich: Wieder einmal hat man tief in alten Schriften über Gallien herumgewühlt und erzählt daher von Königen, Stadtgründungen und immer wieder von einem Gott der Dunkelheit, den die Kelten als ihren Stammvater ansahen und zu dem sie nach dem Tod auch wieder zurückkehren wollten. Daher, so stellt man in „From Darkness“ völlig richtig fest, hat Dunkelheit nicht zwangsläufig mit etwas Negativem zu tun. Bester Beweis ist das Album mit seinem schlichten schwarzen Cover: Trotz der erfreulich hohen Spielzeit ist kein Lied langweilig, fast alles bleibt nachhaltig hängen und an der spielerischen Klasse der Musiker ist sowieso nicht zu zweifeln. Ein wissenschaftlich erklärendes Booklet sowie eine starke DVD komplettieren das Ganze.
Die acht modernsten Kelten aller Zeiten erklimmen den Berggipfel, dürfen vom Gipfelkreuz aus in die Alpenlandschaft herabblicken und erkennen: Sie haben sich mit „Origins“ nicht nur ihr eigenes Meisterwerk gesetzt, sondern mit einem Schlag auch das Album des Jahres 2014 rausgebracht. Respekt für dieses Stück uriger, authentischer und hochwertiger Musik!

Origins (Intro)
Düster beginnt das Album; man wird zu „The Nameless“ mit seiner wunderbaren Leitmelodie schon mal hingeführt. Der Dudelsack erzeugt neben aller Düsternis auch eine gewisse Aufbruchsstimmung.

The Nameless (4,5 / 5)
Gleich zu Beginn hämmernder Doppelbass, während sich im Kontrast dazu die flotte, fröhliche Melodie entfaltet. Zu „Hey“- Rufen für die Konzerte, Hintergrund- Chören und schüttelnden Riffs steigt dann auch Sänger Chrigel mit urigem Grimm ein. Das Vaterunser bezogen auf eine namenlose keltische Gottheit! Schon mal ein sehr guter Anfang!

From Darkness (4,5 / 5)
Steht dem Vorgänger in Sachen Qualität in nichts nach, beginnt aber – trotz des Titels – eher fröhlich und rein akustisch mit Geige und Flöte. Mit zunehmender Dauer steigt auch die Geschwindigkeit und es wird aggressiver, bevor der getragene Refrain einen Ruhepol darstellt. Echte Hymne!

Celtos (5 / 5)
Absolut genial: Startet in keltischer Tradition mit Zupfern und Flöten sowie dem überragenden Gesang von Anna Murphy. Kurz nach dem Einstieg des männlichen Gesangs wird das Ganze auf Grundlage harter Riffs fortgeführt, bleibt aber fröhlich. Der Text prägt sich, obwohl in alter Sprache, schnell ein. Bester Titel des Albums – jeder Kelte würde sich verbeugen!

Virunus (5 / 5)
Der nächste Hammer: Wechselt zwischen sanften Harfenklängen und einer enormen Härte ab, was die Sache spannend macht. Die Strophen entwickeln sich zunehmend aggressiv, während der einprägsame Refrain („One man…!“) für eine gewisse Epik sorgt. Stark: Trommeln und „Vir!“- Rufe.

Nothing (Intermezzo)
Klingt etwas seltsam; andächtige Athmosphäre, während eine Frauenstimme spricht.

The Call Of The Mountains (3 / 5)
Ein leichteres Lied von enormer Eingängigkeit, die Strophen sanft und besinnlich. Recht guter Gesang, im Refrain allerdings („Uuuuuh…“) wirkt alles etwas zu poppig. Ist das jetzt also Radio- Musik? Nein, natürlich nicht, immerhin herrschen traditionelle Instrumente und eine gewisse Grundhärte vor. Der Kinderchor am Schluss ist aber dann doch irgendwie überflüssig.

Sucellos (4 / 5)
Volle Breitseite! Beginnt ruhig und düster, entwickelt sich nach kurzer Zeit zu einem höchst aggressiven Titel mit schüttelnden Riffs und schnellem Schlagzeug. Völlig abgefahrene Töne der Blasinstrumente gehen sofort ins Ohr, der Refrain allerdings weniger. Überraschend eine weibliche Vokal- Sprech- Einlage zum Schluss.

Inception (4 / 5)
Erneut ein Maximum an Härte: Auf die Worte „There was nothing“ folgt ein ebenso vernichtendes Brett an Gitarren und Schlagzeug, von besessenem Kreischgesang begleitet. Trotzdem erweist sich der Refrain als melodisch und eingängig. Zwischendrin wird’s mit einer Sprechpassage ruhiger.

Vianna (4,5 / 5)
Einer der eingängigsten Titel, der beschwinglich startet, dann aber auch zu harten Riffs übergeht. Trotzdem eins der weniger harten Lieder. Das dritte Lied mit weiblichem Gesang, in den im Ohrwurm- Refrain Chrigel kompromisslos hineinbrüllt. Trommeleinlage mittendrin – starkes Ding!

The Silver Sister (3,5 / 5)
Beginnt synthetisch, was wohl irgendwie für die Athmosphäre des Mondes stehen soll. Der Rest aber mag so gar nicht zu dem passen, was man sich landläufig unter Mond vorstellt. Treibender Rhythmus, der in einen melancholisch- melodischen Refrain übergeht. Verblasst trotzdem etwas.

King (5 / 5)
Schon vorab veröffentlicht, steigert sich aber mit jedem Hören. Fröhliche Melodie paart sich mit schüttelnden Gitarrenriffs. Eine starke Gesangsleistung von Chrigel macht nicht nur den Refrain, sondern sogar die Strophen höchst eingängig. Aufgemerkt: Mittendrin ein total abgefahrenes Duett, in dem Geige und Schlagzeug um die Wette rasen.

The Day Of Strife (4 / 5)
Beachtliche Qualität, sticht aber nicht so heraus und geht deshalb im Vergleich zum anderen Material ein wenig unter. Das mindert jedoch nicht die Einzelleistung: keltische Männer- Rufe und eine fröhliche Leitmelodie zeichnen dieses schnelle, teils auch aggressive Stück aus.

Ogmios (Intermezzo)
Sehr kurze Einlage, in der ein Kind zu Wort kommt.

Carry The Torch (4,5 / 5)
Nach einem flotten Einstieg erklingt plötzlich düsterer keltischer Sprechgesang. Das Tempo zieht wieder an; das Lied klingt durch das herrrrlich gerollte R recht brutal, obwohl es mehr auf Melodien als auf Härte setzt. Hymnischer Refrain und am Schluss sogar ein Gitarrensolo. Stark!

Eternity (Outro)
Der passende Ausklang besticht wieder durch eine herrliche Melodie des Dudelsacks. Der Titel ist gut gewählt: „Origins“ ist wirklich ein Album für die Ewigkeit!


Tief.Tiefer
Tief.Tiefer

16 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Wahre Apokalypse klingt anders, 2. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Tief.Tiefer (Audio CD)
Wenn man eine bekannte Band nennen will, die für qualitativ starken deutschen Metal steht, kommt man an den Apokalyptischen Reitern nicht vorbei. Vor allem für ihre Vielseitigkeit sind die Weimarer, die lange Zeit sogar zur härteren Fraktion innerhalb des Metals gehörten, weithin geschätzt. Auf ihrem neuen Doppelalbum „Tief. Tiefer“ stellt sich allerdings ein Problem: Bisher wanderten die Reiter bereits zwischen den Stilen, aber innerhalb der metallischen Musik (Death Metal, Melodic Death Metal, Black Metal, Thrash Metal, Power Metal, Folk Metal…). Diesmal werden allerdings selbst die Grenzen des Metal überschritten. Das muss noch kein Aburteil sein und auf dem zweiten Albumteil „Tiefer“ zeigen die Reiter auch gekonnt, dass (beinahe) akustische Musik von ihnen gut funktioniert. Sie selbst sagen von sich, sie könnten beide Extreme, hart und das Gegenteil, spielen. Dagegen ist nichts einzuwenden. Nur müsste dann „Tief“ logischerweise für den harten Teil der Musik verantwortlich sein. Die Betonung liegt auf „müsste“…
Nur ist der Härtegrad im Vergleich zum letzten Album „Moral & Wahnsinn“ (2011) leider wieder etwas gesunken. Gerade die Gitarrenriffs, die sich bei vielen Titeln auf wenige Passagen beschränken, dürften ruhig druckvoller sein. Sir G. am Schlagzeug zeigt weiterhin seine Qualitäten, man hat jedoch das Gefühl, dass er sich – ähnlich wie schon auf den letzten beiden Alben – arg zurückhält, denn wie viel er wirklich kann, weiß man, wenn man sich „All You Need Is Love“ (2000), „Have A Nice Trip“ (2003), „Samurai“ (2004) und „Riders On The Storm“ (2006) zu Gemüte geführt hat. Gerade ein paar Blastbeats von ihm hätten der Scheibe gut getan. Sänger Fuchs kann man derweil kaum Vorwürfe machen; er hat seine stimmliche Leistung tendenziell sogar wieder etwas gesteigert (Anspieltipp: „Wir“). Lob dafür!
Zweiter Kritikpunkt: Gewisse neue Einflüsse lassen den Magen so manches Hörers bei so manchem Lied sich umdrehen. Gemeint ist die nicht zu leugnende Adaption von Electro- / Techno- Elementen, wie sie auf „Tief“ stattfindet. Was sich die Reiter bei Drumcomputer- Einsatz, flächigen Synthesizern und ähnlichem Zeug gedacht haben, bleibt ein Rätsel. Stattdessen hätte der an und für sich geniale Keyboarder Dr. Pest lieber mal wieder etwas mehr exotische oder traditionelle Instrumentals einstreuen sollen. Schade! Manch starke Lied- Idee, manch gute Komposition und manch genialer Lied- Aufbau wird dadurch versauert (bestes Beispiel das Titellied „Die Welt Ist Tief“). Die Texte werben weiterhin für die Intellektualität der fünf Musiker, auch wenn sich diesmal ein paar lyrische Schwachstellen eingeschlichen haben („Wo Es Dich Gibt“, „Ein Leichtes Mädchen“, „2 Teufel“). Letzteres ist jedoch nicht so weitgehend zu monieren, dass man dahinter eine Tendenz vermuten könnte.
Insgesamt ein eher schwächeres Werk für Reiter- Verhältnisse. Diesmal setzt es wenig Apokalypse, sondern leider überwiegend nur Elektro- Rock mit teils viel Bewerbung fürs Radio („Es Wird Nacht“), maximal mit einigen Anleihen aus dem Metal gesegnet. Man sollte aber deshalb nicht so ungerecht sein, der Gruppe Verrat an der Musik oder Kommerz- Geilheit vorzuwerfen. Alles passiert aus einer ungeheuren Experimentierfreudigkeit heraus. Zwar kann diesmal leider kein Titel restlos überzeugen, jedoch hat auch beinahe jedes Lied das gewisse Etwas; dahinter steckt einfach immer noch die Genialität der Apokalyptischen Reiter. Und die sind immer mal für ein richtig starkes Album gut; deshalb braucht man sich für die Zukunft nicht zu sorgen. Ein Wandel wieder hin zu härterer, schnellerer Musik und eine Abkehr vom elektronischen Pfad wären dafür allerdings schon nötig! Man greife als Motto einen schon älteren Titel auf: „Wir hoffen“…

Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit (4 / 5)
Im Voraus als erstes Lied bekannt geworden. Damals wirkte es für eine Vorabveröffentlichung eher mittelmäßig. Im Nachhinein betrachtet (gerade im Vergleich mit manch Anderem) ein gutes Lied, das sich v.a. mehr und mehr steigert. Starkes Schlagzeug; toller, hymnischer Refrain mit durchdachtem Text. Es stört die Elektronik.

Wir (4 / 5)
Das wohl, wenn auch knapp, stärkste (und härteste) Lied des Albums. Auch hier stören wieder elektronische Klänge ein wenig. Aber ansonsten wirkt es wie eine gelungene Zusammensetzung aus den beiden letzten Alben (Refrain und Gitarrenarbeit) und früheren Zeiten (Growl- Gesang, ja auch den gibt’s noch!). Der Chorus prescht schön nach vorn! Voll Energie!

Wo Es Dich Gibt (2 / 5)
Enttäuschend! Der ordentliche Gesang des Refrains und das Klavier sind schon das einzige, was irgendwie an die Reiter erinnert, selbst was die letzten neueren Werke betrifft. Elektro- Musik mit erschreckend drucklosen Gitarren zwischendurch, poppigem Refrain und belanglosem Text. Der TIEFpunkt des Albums; geeignet für Pop- Radiosender und ähnliches.

Was Bleibt Bin Ich (2,5 / 5)
Etwas härterer Elektro- Rock, in den Strophen eher holprig. Insgesamt weder metal-tauglich, dazu ist es zu wenig hart und die Gitarren nicht druckvoll genug, noch massentauglich, denn es fehlt (Gott sei Dank!) ein richtig schnulziger Refrain wie im Vorgängerlied. Drumcomputer im Mittelteil – traurig! Gesang und Text ordentlich, aber insgesamt ist das Lied eher unteres Mittelmaß.

Ein Leichtes Mädchen (2,5 / 5)
Plätschert nur vor sich hin. Sicher sind Gitarren unüberhörbar vorhanden, aber auch nur im Refrain, nicht in den Strophen. Bleibt überdies trotz wenig Härte kaum hängen. Ergo: Ein leichtes Liedchen, das in Sachen Text nun auch nicht unbedingt positiv auf sich aufmerksam machen kann.

Ein Vöglein (3,5 / 5)
Mehr oder weniger ein kurzes Interludium, wenigstens das kennt man in der Richtung schon von früheren Alben. Etwas sehr traurig, aber auch sehr ordentlich, weil man zumindest im Vergleich zum übrigen Material hier nichts bemängeln kann. Ein Höhepunkt ist es aber natürlich auch nicht.

Es Wird Nacht (3 / 5)
Das Lied zeigt immerhin gute Ansätze in Sachen Melodie und Komposition. Aber sehr schwach ist der ruhige, plätschernde Anfang einer jeden Strophe mit Drumcomputer im Hintergrund. Erst dann steigert sich die Strophe jeweils und im Refrain wird es härter. Durch das ständige Neubeginn- Schema des Refrains wirkt aber auch alles insgesamt eher schlageresk.

Die Wahrheit (4 / 5)
Gefällt schon besser: kraftvolle Strophen mit schnellen Gitarren, wenn auch durchmischt mit etwas Elektronik. Ein eingängiger Refrain, gut gesungen, der relativ reitertypisch klingt. Erinnert an „Erwache“ und wäre auf den letzten Alben als ordentliches, rockiges, nur eben weniger hartes Stück durchgegangen. Leider ist so etwas diesmal sogar noch eins der härteren Lieder…

2 Teufel (3,5 / 5)
Eigentlich ein recht guter Titel, der mit starkem Getrommel beginnt. Und, welch Wunder: Die elektronischen Töne bleiben aus oder zumindest im Hintergrund, stattdessen erklingt Klavier. Endlich! Auch die Gitarren können schon eher an früheren Glanz anknüpfen. Nur ist hier leider der Text eher schwach ausgefallen, was man von den Reitern eigentlich so nicht kennt.

Die Welt Ist Tief (3,5 / 5)
Sehr, sehr schade, dass diese tolle Komposition mit starkem Text von Synthies & Co. versauert wird. Gerade z.B. die Zupfer- Klänge in den Strophen, Gesang, die Rufe zwischendrin und auch die Riff- Passagen würden nämlich gut klingen. Das Titellied ist auch bestes Beispiel für den Hauptkritikpunkt am Album: Früher hätten sie mehr aus solchen Ansätzen gemacht.

So Fern (4 / 5)
Ein ordentlicher Abschluss, der auf „Moral & Wahnsinn“ noch etwas untergegangen wäre, auf „Tief“ aber eher positiv auffällt. Weit von wirklicher Härte entfernt, aber immerhin krachen die Gitarren im Refrain trotz viel Melodie und Eingängigkeit ordentlich. Gesanglich stark!
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 4, 2014 11:36 AM MEST


Have a Nice Trip
Have a Nice Trip

5.0 von 5 Sternen Eine knüppelharte Reise, 2. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Have a Nice Trip (Audio CD)
Was Deutschlands vielfältigste Metal- Band auf ihrem vierten Album abliefert, ist einfach der absolute reitermanische Wahnsinn. Für außergewöhnliche Klänge vom Keyboard innerhalb des beinharten Metal- Korsetts waren Die Apokalyptischen Reiter schon auf ihren allerersten Scheiben gut. „Have A Nice Trip“ erfährt darin allerdings die Vollendung, auch was Komposition und Epik angeht, nachdem die Weimarer mit „All You Need Is Love“ bereits ihre Genialität erstmals so richtig aufblitzen ließen. „Have A Nice Trip“ ist allerdings noch weit abwechslungsreicher: Vom härtesten Death Metal bis hin zu eher sanfter Rockmusik ist alles vertreten, der Gesang deckt quasi alle erdenklichen Vortragsweisen – Klargesang, Grunzen, Kreischen, Schreien – und auch Tonhöhen ab. Auch die lyrisch meist hochwertigen Texte sorgen für Kurzweil: Mal geht es getreu dem Bandnamen um Weltuntergang (siehe: der geniale Opener „Vier Reiter Stehen Bereit“) und düstere Szenarien („Terra Nola“, „Wo Die Geister Ganz Still Sterben“), mal geht es wesentlich fröhlicher zur Sache (siehe: „Du Kleiner Wicht“ oder die beiden Bandhymnen „We Will Never Die“ und „Ride On“). Dazu experimentiert man mit traditionellen orientalischen („Sehnsucht“, „Fatima“) und spanischen Klängen („Baila Conmigo“) und sogar mit Elementen des Hip-Hop („Das Paradies“), auch wenn letzteres weniger überzeugen kann. Die Sangeskünste von Fuchs und der Umstand, dass alle Musiker, insbesondere aber Sir G. am Schlagzeug, technisch enorm versiert sind, geben der Platte gemeinsam mit dem genialen Keyboarder Dr. Pest, der besonders häufig auf Klaviereinlagen setzt, ihr Übriges. Nach wie vor eines der innovativsten Alben der Metal- Geschichte, das für viel Abwechslung sorgt, ohne sich dabei Techno- Klängen hinzugeben, zu was die Reiter leider heute tendieren. Ein Album der Experimente, das trotzdem homogen wirkt und sich dank der damals noch höheren Grundhärte definitiv innerhalb der metallischen Musik bewegt.

Vier Reiter Stehen Bereit (5 / 5)
Einfach der perfekte harte Einstieg ins Album, der stilistisch an die „All You Need Is Love“ anknüpft. Das Herausragendste an dem Lied sind der apokalyptische Text, die rasenden Blastbeats und der hymnische Refrain mit großartigem Gesang. Reitermania pur!

Warum? (3 / 5)
Industrial- Elemente verschmelzen mit Metal, dazu guter Gesang und kritischer Text. Allerdings wirkt jener Text irgendwie etwas hineingezwängt und die Strophe so holprig. Schwächer als die meisten Lieder des Albums; insgesamt aber trotzdem eine sehr ordentliche Nummer.

Sehnsucht (5 / 5)
Ein flottes, härtetechnisch gemäßigtes Lied, das orientalische Einflüsse und galoppierendes Getrommel aufweist. Dank starker Melodieführung und Gesang sowie nicht zuletzt aufgrund des schwer zu deutenden, lyrisch hochwertigen Textes die wohl beste Nummer des Albums.

Terra Nola (4,5 / 5)
Beileibe keins der härteren Stücke, liegt aber mit seinen rüttelnden Gitarren definitiv innerhalb des Metals und kann in dieser Position mit Klavier und schönen Gitarrensoli zum Schluss hin punkten. Die größte Stärke sind aber zweifellos Text (Hammer!) und Gesang (bombastisch!).

We Will Never Die (4 / 5)
Beginnt wie ein Country- Song mit Western- Gitarre und schönem Gesang. Bald setzen schwere Gitarren ein, deren Schnelligkeit sich im Verlauf des Liedes steigert. Eine echte Bandhymne mit einfachem, aber fröhlichem Text und Ohrwurm- Refrain, gut geeignet für Konzerte.

Baila Conmigo (4 / 5)
Das vielleicht außergewöhnlichste Experiment des Albums: Wirkt, wenngleich selbstgedichtet, sowohl musikalisch als auch sprachlich wie ein traditionelles spanisches Volkslied; erst später setzen getragene, aber schwere Gitarren ein. Schön zum Augen zu machen und Genießen.

Ride On (3,5 / 5)
Musikalisch eine richtige Granate, denn dieses flotte Lied fetzt von der ersten Sekunde lang mit treibenden Riffs, harten Breaks und halb- guturralem Gesang. Der englischsprachige Text ist dabei leider zu kurz gekommen und so etwas simpel geraten. Spaß macht’s trotzdem.

Du Kleiner Wicht (4 / 5)
Ein echter Klassiker und das nicht zu Unrecht: Begeistert mit seinen Laut- Leise- Differenzen. In den Strophen beschwingliche, aber ruhige Trommeln und Flöten und sanfter Gesang. Im Refrain geht dann die Post ab. Lebensfroh und rasant, auch wenn die englisch gesungene Passage nach dem Refrain eher einen Bruch darstellt.

Komm (4,5 / 5)
Liegt über weite Strecken im härtetechnisch gemäßigteren Bereich, begleitet vom Klavier, doch im Refrain wird man plötzlich von Stakkato- Riffs gehörig durchgeschüttelt. Die Perle des Liedes ist vielleicht der ehrliche und poetische Text, dem man nur zustimmen kann.

Das Paradies (2,5 / 5)
Klar ist, dass bei so viel Abwechslung und Experimentierfreudigkeit nicht jede Saat auf einer Scheibe aufgeht. In diesem Fall können der rap- ähnliche Sprechgesang in den ruhigen Strophen sowie der Text nur wenig überzeugen. Pluspunkt dagegen für den Refrain, der insbesondere ab dem 2. Erschallen wie ein gregorianischer Choral anmutet. Trotzdem der Schwachpunkt des Albums…

Fatima (5 / 5)
Macht gemeinsam mit dem Opener und „Sehnsucht“ das Trio der Meisterstücke auf diesem Meisterwerk perfekt. Glänzt durch einen dreiteiligen Aufbau: Ruhige orientalische Klänge. Wütender Death Metal mit Blastbeat- Attacke und (fast) Kreischen. NDH / Industrial- artige Riffs. Genial!

Wo Die Geister Ganz Still Sterben (4,5 / 5)
In Sachen Brutalität die Nr. 1: Zwar geht es ruhig los, aber eher wie die Ruhe vor dem Sturm – und der erfolgt tatsächlich! Rasante Blastbeats, harte Gitarre, grausames Kreischen, Grunzgesang – alle Death Metal- Merkmale sind versammelt, dabei geht es meist schnell, aber auch mal langsam zu. Melodien sucht man eher vergebens, dafür findet man einen durchdachten Text. Stark!

Seid Willkommen (4 / 5)
Nach zwei harten Brettern erfolgt der Albumausklang eher besinnlich, aber trotzdem voll Energie. Ein getragenes Riff, das wie aus dem Viking Metal wirkt, ertönt, dazu wurde der wenn auch kurze, so doch passende Text gefunden, angelehnt an nordische Sagen.


Herzeleid
Herzeleid
Preis: EUR 17,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eine Musik mit Ecken und Kanten, 5. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Herzeleid (Audio CD)
Dass eine gerade neugegründete Band im Handumdrehen einen völlig neuen Musikstil hervorbringt, ist selten. Wenn schon zwei Jahre später viele Gruppen auf diesen Stil aufspringen, ist das schon sehr auffällig. Wenn die Band, die diesen Stil ins Leben gerufen hat, trotz aller Konkurrenz die Vorzeigegruppe jener Musikrichtung bleibt, ist das geradezu außergewöhnlich. Wenn jene Band aber über die nächsten beiden Jahrzehnte (und vielleicht noch darüber hinaus – wer weiß?) es immer wieder schafft, ihren Stil ein wenig aufzupolieren, sich selbst dabei aber auch treu zu bleiben und kontinuierlich riesigen Erfolg damit zu haben – dann kann nur Rammstein gemeint sein. Denn deren 1995er Debütalbum „Herzeleid“ sorgte für Begeisterung, Schock, Empörung und überdies für den Genrebegriff „Neue Deutsche Härte“. Und so muss man dieses Werk auch als eines der größten in der deutschen Rockgeschichte würdigen.
Kurz zu den Merkmalen der NDH (so die Abkürzung): Man kann diese Musik als Mischung der Gattungen Trash Metal, Industrial Rock/Metal und Electro Rock bezeichnen. Instrumental heißt das: Unglaublich harte E- Gitarren, brachiales Schlagzeug und dazu Keboardsamples oder auch Synthesizer. Bei Rammstein sind die beiden Erstwerke noch von relativ hohem Elektronikanteil geprägt, was sich mit der Jahrtausendwende etwas geändert hat. Unverzichtbar für den typischen Klang des Sextetts ist aber besonders Till Lindemanns tiefer, mal pathetischer, mal aggressiver Gesang, bei dem das R so schön gerrrollt wird. Die Themen betreffen v.a. die Schattenseiten, das Leid (siehe: Albumtitel) der Menschheit, indem auch Tabus konsequent gebrochen werden. Gesellschaftskritik verpackt in Metal also – das Ganze lyrisch übrigens auf höchstem Niveau!
Die Selbstvorstellung erfolgt gleich mal mit dem langsamen, bedrohlichen WOLLT IHR DAS BETT IN FLAMMEN SEHEN?; bestes Beispiel für Rammsteins Provokation: Sex und Gewalt als ausgewählte Lieblingsthemen, dazu eingearbeitete Klänge aus einem Ego- Shooter- Spiel und ein Text, der an die Rede eines gewissen Herrn Goebbels aneckt. Der Schluss des Albums knüpft übrigens in seiner Langsamkeit und düsteren Atmosphäre an den Eröffnungstitel an: RAMMSTEIN heißt nicht nur die Gruppe selbst, sondern auch das erste entstandene Lied, das ein bekanntes Flugezeugunglück thematisiert. Zwischen den recht langsamen Eckpunkten der Scheibe finden sich zwar hauptsächlich schneller gespielte Stücke, etwa DER MEISTER, LAICHZEIT mit seiner Thematisierung von Inzest, ASCHE ZU ASCHE oder auch das dynamische WEISSES FLEISCH, bei dem die direkte und brutale Beschreibung von Vergewaltigung empfindliche Gemüter wohl abschreckt. Mit DAS ALTE LEID trifft man jedoch noch einen weiteren Titel in eher schleppendem Tempo an, der neben besonders harten Riffs einen schwer interpretierbaren, lyrisch sehr komplexen Text birgt. Und mit dem SEEMANN gibt es auch eine eher ruhige (wenngleich kraftvolle) Nummer, die sich von den übrigen wie Tag und Nacht unterscheidet. Für Abwechslung ist also auch gesorgt!
Bekanntester Titel der Platte ist neben dem „Seemann“ und „Asche zu Asche“ mit Sicherheit das rasante DU RIECHST SO GUT, angelehnt an Patrick Süßkinds „Das Parfüm“, wobei Till Lindemanns enormes dichterisches Talent zum Ausdruck kommt. Damit wären wir auch schon beim ersten großen Höhepunkt auf „Herzeleid“ – die beiden anderen sind HEIRATE MICH, das eher kryptisch und gesanglich pathetisch daherkommt und von einem Nekrophilen erzählt, sowie das stampfende Titellied HERZELEID.
Rau, brutal, direkt und eine uneingeschränkte Härte – dafür steht „Herzeleid“, auf welchem sich keine echten Schwachpunkte oder gar Totalausfälle in der Titelliste finden. Kleine Abzüge gibt’s allenfalls wegen der damals noch etwas zu intensiven Elektronik. Bis heute ein großes Kontra gegenüber der weichmacherischen und simplen Musik für den Massengeschmack! Ein gelungenes Debüt einer ganz besonderen Musikkapelle!

Punkte:

Wollt ihr das Bett in Flammen sehen? (3,5 / 5)
Der Meister (2,5 / 5)
Weißes Fleisch (4 / 5)
Seemann (3,5 / 5)
Asche zu Asche (3 / 5)
Du riechst so gut (5 / 5)
Heirate mich (4,5 / 5)
Herzeleid (5 / 5)
Das alte Leid (3,5 / 5)
Laichzeit (3,5 / 5)
Rammstein (3,5 / 5)

Schnitt: 3.8

Anspieltipps: Du riechst so gut, Herzeleid, Heirate mich, Weißes Fleisch


Gimlie
Gimlie
Preis: EUR 17,99

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Goldenes Jahr für Mittelalter- Freunde, 16. November 2013
Rezension bezieht sich auf: Gimlie (Audio CD)
Ein goldenes Zeitalter – so kann man das Jahr 2013 wahrhaft bezeichnen, zumindest was neue Musikveröffentlichungen angeht! Hierbei wurden diesmal besonders die Freunde mittelalterlicher Klänge erfreut: Legten die Rocker von In Extremo im September grandios mit „Kunstraub“ vor, so ziehen im November die traditionell unverstärkten Spielmänner von Corvus Corax nach – mit dem Album „Gimlie“, das thematisch das goldene Zeitalter der Germanen und Wikinger nach dem Weltuntergang (Ragnarök) behandelt.
Gemäß dieser Thematik lassen die Kolkraben zum zweiten Mal seit „Sverker“ (2011) nordische Mythologien („Die Seherin“, „Gimlie“) hochleben, wobei diesmal auch die angelsächsische Legende des Helden Beowulf in einer Trilogie („Grendel“, „Beowulf Is Min Nama“, „Singsegelanse Sang“) geehrt wird. Dem Germanentum – natürlich übermittelt in Originalsprache – steht wieder einmal das Keltentum („Crenaid Brain“ mit Intro) gegenüber, dem ebenfalls eine Trilogie zuteil wird, nämlich die der schönen Deirdre („Der Schrei“, „Königinnen Werden Ihr Neiden“, „Derdriu“). Hinzu stoßen ein lateinischer Text („Unicornis“), ein isländisches Volkslied („Krummavisur“) und ein ganz besonderes Cover.
Musikalisch wird wieder vollste Corvus- Front aufgefahren: Marktsackpfeifen, Schalmeien, Flöten, Hörner treffen auf Schlagwerk verschiedenster Art, was wieder einmal perfekt funktioniert. Dazu ertönen ausgefallene Instrumente wie die Cister oder die größte Drehleier der Welt. Diese außergewöhnliche Mixtur klingt selbst für mittelalterliche (Markt-) Musik außergewöhnlich kraftvoll, was schon das Titellied GIMLIE beweist, nachdem das zugehörige Intro DIE SEHERIN mit hymnischem Frauengesang den Hörer eingestimmt hat. Man wähnt sich förmlich im goldenen Zeitalter! Zu diesem passen selbstverständlich auch die anderen nordischen Lieder der Scheibe: Aus dem Beowulf- Epos überzeugen besonders das düster und mystisch wirkende GRENDEL mit seinem hymnischen, schwermütigen Männergesang, der sofort hängen bleibt, sowie die Kampfeshymne BEOWULF IS MIN NAMA, eine echte Testosteronbombe, perfekt zum Mitsingen. SIGELEASNE SANG bietet ebenfalls starke Qualität, bleibt aber als einziges Lied auf dem Album nicht so richtig hängen, da der Refrain textlich äußerst umfangreich und kompliziert daherkommt. Der Mittelaltermarkt- Klassiker KRUMMAVISUR, den man in Metal- Version auch schon von In Extremo kennt, sorgt eher für sanfte Melodie, wozu auch der Gastgesang der Isländerin Arndis Halla beiträgt. Ganz anders TWILIGHT OF THE THUNDER GOD, mit dem die Death Metaller von Amon Amarth gecovert werden: Typisch für Corvus Corax, dass durch Dudelsäcke, viel Perkussion, enorme Gesangsleistung und sogar einige dem Original ähnliche Ur- Brüller die Kraft dieser Version dem Vorbild mindestens gleich kommt! Noch dazu passt der Text zur nordischen Welt des Albums.
Verlassen wir nun aber selbige und begeben wir uns auf die Spuren der Kelten: Die Deirdre- Trilogie überzeugt ausnahmslos: DER SCHREI und KÖNIGINNEN WERDEN IHR NEIDEN sind rhythmische und eingängige Titel in typischer Corvus Corax- Manier. DERDRIU ist nicht nur der Ohrwurm, sondern dank abwechslungsreicher und intelligenter Komposition vielleicht auch die Meisterleistung auf „Gimlie“! Ein Flöten- Intro leitet CRENAID BRAIN ein, das an Melodie und Perkussion eigentlich gar nicht mehr zu übertreffen ist. Es geht wie bei „Krummavisur“ um hungrige Raben – passt doch perfekt zu der Gruppe, die sich nach der Art der Kolkraben (corvus corax) benennt! Ein völlig anderes Tier thematisiert das beschwingliche, träumerische UNICORNIS: Julius Cäsar berichtete auf seinem Gallien- Feldzug einst von einem Einhorn, welches sich, wenn es nach Corvus Corax geht, auch im goldenen Zeitalter tummeln darf.
Gesanglich präsentieren sich die Kolkraben gar nicht krächzend, sondern sehr hymnisch und stimmgewaltig. Dies trägt ebenfalls dazu bei, dass das neue Werk wieder einmal großartig geworden ist. Ein neues Zeitalter wird angeleutet – aber 2013 bleibt alles beim Alten: Die Vorherrschaft unter den Spielmännern teilen sich weiterhin In Extremo und Corvus Corax; beide sind auf ihrem jeweiligen Gebiet unerreicht!

BEWERTUNG IN PUNKTEN:

Die Seherin (Intro)(wird zu „Gimlie“ gerechnet)
Gimlie (5 / 5)
Unicornis (5 / 5)
Der Schrei (4,5 / 5)
Königinnen Werden Ihr Neiden (4,5 / 5)
Derdriu (5 / 5)
Grendel (4,5 / 5)
Beowulf Is Min Nama (5 / 5)
Sigeleasne Sang (3,5 / 5)
Intro Crenaid Brain (wird zu „Crenaid Brain“ gerechnet)
Crenaid Brain (5 / 5)
Twilight Of The Thunder God (5 / 5)
Krummavisur (4 / 5)

Schnitt: 4.6

Anspieltipps: Gimlie, Unicornis, Derdriu, Beowulf Is Min Nama, Crenaid Brain, Twilight Of The Thunder God


Die Geschichte der Kirche: 2000 bewegte Jahre - Paket: Band I, II + III
Die Geschichte der Kirche: 2000 bewegte Jahre - Paket: Band I, II + III
von Richard Niedermeier
  Gebundene Ausgabe

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kirche ist für alle da, 31. Oktober 2013
1000 bewegte Seiten über 2000 bewegte Jahre! Richard Niedermeier hat mit seinem Großwerk, das er auf drei verschiedene Bände chronologisch aufteilt, das Kunstwerk geschafft, an dem schon so viele Autoren scheiterten: die Geschichte der katholischen Kirche sachlich, ehrlich und einleuchtend zugleich darzustellen. Grund genug, etwa ein Jahr nach Erscheinen des ersten Bands dies zu honorieren.
"Keine Institution sieht sich so vielen Fragen, Ressentiments, Anfeindungen und Missverständnissen gegenüber wie die Katholische Kirche", heißt es von Seiten des Verlags zu diesem Buch. Es scheint, als habe Richard Niedermeier diesen Satz als Arbeitsvorlage genutzt. Fragen? Niedermeier erklärt! Missverständnisse? Niedermeier räumt auf! Ressentiments? Gar Anfeindungen? Niedermeier kommt ohne sie aus, anders als so viele Kollegen, die alles, was mit Kreuz, Konzil und Kutte zu tun hat, mit größtem Vergnügen verreißen.
Solches Vergnügen bereitet der Autor sich selbst und dem Leser vielmehr mithilfe von Erklärungen. Letzten Endes bleiben wenig Fragen offen. Besonders die Entwicklung der Kirche wird höchst schlüssig dargelegt; Fakten werden nicht einfach hingepfeffert, sondern auch zeitgeschichtlich begründet. Dies alles schafft Niedermeier mit angemessenem Stil, der nur äußerst selten zu komplizierte Terminologie verwendet und fast nie ins Banale abschweift. Natürlich gehen angesichts dessen, wie ereignisreich die Vergangenheit des weltweit größten Arbeitgebers ist, manche Details unter (etwa, wie Petrus gekreuzigt wurde), doch sollte man hier Nachsicht walten lassen: Kann es ein einzelner Autor wirklich schaffen, alles, aber auch ausnahmslos alles aus dieser langen Geschichte zu beschreiben? Nein! Niedermeier kommt immerhin nahe dran. Zwei interessante Vorworte, ein passender Klapptext und eine aufwendige Gestaltung des Umschlags machen das Werk zudem so richtig rund.
Die Gründung der Kirche durch Jesus Christus und die frühe Entwicklung in der Zeit der Apostel. Die Zeit der Verfolgungen im Römischen Reich. Die langen Jahrhunderte des Mittelalters und der Renaissance. Die Zeitspanne von der Reformation bis in die Gegenwart. Jede wichtige Epoche der Kirche findet in diesem Werk seinen Platz, was es gut geeignet zur durchgehenden Lektüre macht. Dank eines übersichtlichen Inhaltsverzeichnisses und einer guten Gliederung ist es aber auch das perfekte Nachschlagewerk für Jedermann. Interesse für die Kirche einerseits und europäische Geschichte andererseits sollte man aber natürlich schon aufbringen, was einem bei solch einem spannenden Thema allerdings auch nicht allzu schwer fallen dürfte. Möglicherweise gelingt es dem Autor mit diesem Werk auch, Menschen wieder für die Verbreiter- Institution der Botschaft Jesu Christi zu begeistern. Denn Kirche ist für alle da!


Kunstraub (Limited Special Edition im Digipack + DVD)
Kunstraub (Limited Special Edition im Digipack + DVD)
Wird angeboten von LiveSteil_GmbH
Preis: EUR 14,71

7 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kunst zu machen liegt im Blut, 2. Oktober 2013
Seit „Sängerkrieg“ (2008), dem ersten Platz 1- Album in den Charts, ertönt massive Kritik an dem modernen Einschlag der im Mittelalter verwurzelten Rockband In Extremo. Dass die Gruppe den eingeschlagenen Weg mit „Sterneneisen“ (2011) weiter beschritt, rief viel Ärger hervor. Dass sie sich dabei qualitativ wieder ein Stück weit verbesserten, erkannten nur wenige. Nun, nach dem Erscheinen der neuen Scheibe „Kunstraub“, empören sich einige erst recht über angeblich vergessene Wurzeln etc. Dass aber hier eine nochmalige Steigerung gegenüber „Sterneneisen“ vorliegt, geht wieder etwas unter. Die Unkenrufe verhallen nicht – doch die Band selbst macht alles richtig: Nach der Meisterleistung „Mein Rasend Herz“ (2005) fing sie mit dem soliden „Sängerkrieg“ für ihre Verhältnisse relativ weit unten an – und arbeitete sich bis dato Schritt für Schritt wieder nach oben. „Auf den Sternen reisen“ hieß das Motto des Vorgänger- Albums. Nun erst wurde es umgesetzt, denn die volle Bewertung für „Kunstraub“ ist fast schon unumgänglich.
„In Extremo machen eben keinen Mittelalter Metal mehr, sondern Rock mit exotischen Instrumenten.“ So fängt häufig die Verteidigung treu gebliebener gegenüber den Anfeindungen an. Dabei hinkt diese Rechtfertigung aber: Wenn Dudelsäcke, Schalmeien, Harfe, Nyckelharpa und Drehleier so unmissverständlich erklingen und teilweise ein wahres Gewitter aus E- Gitarren und Schlagzeug übers Land fegt wie auf „Kunstraub“ – wie sollte man diesen Stil denn sonst bezeichnen?
Schon der Auftakt mit DER DIE SONNE SCHLAFEN SCHICKT begeistert mit den typischen In Extremo- Tugenden: brachiale Riffs, herrliche Melodie der Sackpfeifen. Die zugehörige Lyrik erweist sich zudem als überraschend hochwertig. Sicher gelingt nicht jeder einzelne Titel auf diese Weise: Beim rifflastigen HIMMEL UND HÖLLE enttäuscht der Text; das tiefgründige ALLES SCHON GESEHEN hat nicht ganz die gewohnte Durchschlagskraft. Das sind aber nur kleine Schönheitsfehler eines Gesamtbildes, für das In Extremo keine fremden Werke rauben mussten, sondern einzig ihre eigenen Stärken zusammentragen. Kunstmüll? Fehlanzeige! Vielmehr offenbart jedes Lied einen eigenen Charakter mit persönlichen Qualitäten: WEGE OHNE NAMEN durch extreme Laut- Leise- Differenz und gigantischen Refrain ein Wechselbad der Stimmung. GAUKLER, irgendwie sowohl hart als auch sanft, durch herzergreifenden Text und melancholischen Refrain.
Der LEBEMANN rockt grinsend und mit beißendem Spott ganz deftig. Die Vorab- Single FEUERTAUFE ist zwar weniger hart, lässt aber mit ihrer kräftigen Eingängigkeit das Herz brennen. BELLADONNA wurde mit frechem Text, bratender Gitarre und verstärkter Mittelalter- Schlagseite gestaltet. DIE BEUTE gefällt durch die ungewöhnliche Kombination aus Rammstein- ähnlichem Text und sanfter Musik mit Folk- Einschlag. Den umgekehrten Weg geht das Lied mit dem klingenden Namen DOOF: Hier warten wahnsinnige Riffs und ein (überraschend geistreicher) Text, über den man getrost lachen, aber auch ein bisschen nachdenken kann, auf den Hörer. Überhaupt setzt die Spielmannstruppe mehr denn je auf thrashige Klampfen, wie auch das ebenfalls sehr humorvolle Titellied KUNSTRAUB (mit herrlicher Uillean Pipes- Einlage) nachdrücklich bestätigt. Nicht nur hier liefern E- Gitarrist Van Lange und Schlagzeuger Specki eine hervorragende Leistung. Gerade letzterer drückt In Extremo seit 2010 immer mehr seinen Stempel auf: Schnelles Getrommel findet sich auch in DU UND ICH, das großen Wert auf die Dudelsäcke legt und als nächster Höhepunkt genannt werden darf. Ein 0815- Liebeslied? Nein, vielmehr erweist sich der Inhalt als äußerst tiefgründig!
Der ein oder andere, mit den Traditionen der Gruppe vertraut, mag sich – verständlicherweise – nach einem fremdsprachigen oder mittelalterlichen Text sehnen. Da kann man nur raten, sich die Version mit den beiden Bonus Tracks zuzulegen, darunter das herzerfrischende MEIE DIN (Mittelhochdeutsch), das ein Werk des Minnesängers Neidhart von Reuental aus dem 13. Jahrhundert aufgreift. In Extremo können also auch die alte Schiene noch! In musikalischer Hinsicht sind sie sich trotz einiger gelungener Experimente ohnehin treu geblieben: Besser noch als zuletzt finden historische und rockige Instrumente zusammen. Heraus kommt eine zugleich harte und eingängige Musik, die man getrost weiterhin als Mittelalter Metal einstufen kann. Ein Lob sei noch nachgereicht der sauberen Produktion, die u.a. für sehr epische Chöre sorgt – auch eines dieser Experimente. Ergo: Die neue Scheibe ist – ganz ohne nennenswerte Diebstähle – wirklich große Kunst!

BEWERTUNG IN PUNKTEN:
Der Die Sonne Schlafen Schickt (5 / 5)
Wege Ohne Namen (4 / 5)
Lebemann (4 / 5)
Himmel Und Hölle (3,5 / 5)
Gaukler (4,5 / 5)
Kunstraub (5 / 5)
Feuertaufe (4 / 5)
Du Und Ich (5 / 5)
Doof (4,5 / 5)
Alles Schon Gesehen (3 / 5)
Belladonna (4 / 5)
Die Beute (4 / 5)

BONUS TRACKS:
Bunter Vogel (3,5 / 5)
Meie Din (5 / 5)

Schnitt: 4.3

Anspieltipps: Der Die Sonne Schlafen Schickt, Gaukler, Kunstraub, Du Und Ich + Meie Din


Sterneneisen
Sterneneisen
Preis: EUR 7,99

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Auf den Sternen reisen, 23. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Sterneneisen (Audio CD)
Im Jahre des Herrn MMXI erstrahlen die 7 Mittelalterrocker von In Extremo in neuem Glanz. Das liegt zum einen an dem Titel ihres neuen Albums: Drei Jahre zuvor hatten In Extremo den „Sängerkrieg“ gewonnen, sprich einen großen Erfolg mit jenem Album eingefahren. Nun war der Weg frei für ganz oben: Beim insgesamt 7. Studioalbum „Sterneneisen“ sind es neben dem Titelstück auch Lieder wie „Gold“, „Siehst du das Licht“, „Hol die Sterne“ oder „Schau zum Mond“, bei denen man nicht abstreiten kann, dass sie zumindest vom Namen her glänzen. Eine Reise auf den Sternen also!
Der neue Glanz liegt zum anderen auch an einer personellen Neubesetzung: Statt „Morgenstern“ werkt nun „T.D. Specki“ am Schlagzeug herum. Selbst wenn der Name „Morgenstern“ vielleicht besser zum Titel „Sterneneisen“ und dem angesprochenen neuen Glanz gepasst hätte – rein sachlich, sprich musikalisch, gesehen ist Neu- Drummer „Specki“ ein Gewinn für das Septett: Die Schlagzeugbreaks sind auf „Sterneneisen“ so dynamisch wie noch nie zuvor bei In Extremo. Die häufigere Verwendung der Doublebass- Drum ist dabei nur ein Aspekt. So kommt es, dass man, obwohl die Gitarren über weite Strecken nicht allzu hart ausfallen, doch von richtig brachialem Metal reden kann. Das andere stilistische Merkmal, für das In Extremo so bekannt ist, nämlich der Anteil traditioneller Texte und Melodien, ist freilich nicht mehr so hoch wie noch zu Zeiten von „Verehrt und Angespien“. Im Vergleich zum Vorgängeralbum wurde er aber nicht weiter dezimiert.
Nun gilt es aber noch, zu prüfen, was das Album von dem Glanz hält, den es verspricht, denn bekanntlich „ist nicht alles Gold, was glänzt“. Doch keine Sorge: Schon der Einstieg ins Album mit dem fröhlichen und textlich zumindest entfernt ans Mittelalter angelehnten ZIGEUNERSKAT gelingt in alter Manier (Karten) spielend. Gleich zu Beginn der erste Höhepunkt – doch nicht der letzte: Musikalisch auf harter Schiene, thematisch derweil nachdenklicher geht es weiter mit GOLD, in dem vor falschen Freunden gewarnt wird. Auch daneben finden sich einige ernste sozialkritische Themen, etwa im ebenfalls brachial-harten STALKER (der Name ist Programm) sowie in AUGE UM AUGE, dessen (selbstgedichteter) mittelalterlicher Text immer noch aktuell ist, auch wenn es heutzutage nicht mehr der Galgen ist, der im Mittelpunkt der Diskussionen um die Todesstrafe steht. Gibt es noch Fragen, wie diese sozialkritischen Themen musikalisch umgesetzt werden? Natürlich: Glänzend! Und auch mit dem brachialen Stimmungsmacher STERNENEISEN als Titellied sowie mit UNSICHTBAR (mit Gastsänger Mille Petrozza und wunderbaren Doublebass- Breaks) wird schon an den Fixsternen der obersten Himmelsgrenze gekratzt. Selbiges gilt für das religiös angehauchte Liebeslied SIEHST DU DAS LICHT, für das erfreulicherweise mit „Stella Splendens“ noch ein Melodieklassiker der mittelalterlichen Musikszene gefunden wurde. Bei der Gelegenheit sollte übrigens der Gesang des „Letzten Einhorns“ gepriesen werden, der auf „Sterneneisen“ so stark ist wie noch nie.
Da fällt es dann nicht mehr allzu sehr ins Gewicht, dass bei manchen Nummern, etwa HOL DIE STERNE (mit dem Graf von Unheilig als Gastsänger), VIVA LA VIDA, das immerhin in den Charts Erfolg gebracht hat, oder VERMISS DICH, das den Abschluss des Albums bildet, die Reise auf den Sternen zwar ehrlich angestrebt, aber nicht immer mit Glanz gemeistert wird – mal fehlt es am Text, mal an der Dynamik. Echte „Aussetzer“ gibt es jedoch nach wie vor bei In Extremo nicht. Titel wie SCHAU ZUM MOND und der ZAUBERSPRUCH NO. VII sind zwar auf einem Album einer solchen Band nur Lückenfüller, jedoch können auch diese beiden eher ruhigen, besinnlichen Lieder auf ihre Weise einen gewissen Glanz ausstrahlen.
Da wären wir wieder beim Stichwort: „Glanz“. Nicht alles, was glänzt, ist Gold wert – „Sterneneisen“ aber schon, auch wenn es sich kleinere Abzüge wegen ab und an fast zu sanften Gitarren und der oft noch verbesserungswürdigen lyrischen Ausgestaltung gefallen lassen muss. Dieses Album ist also zwar kein solches Meisterwerk geworden wie einst „Verehrt und Angespien“ oder auch „Mein Rasend Herz“. Doch es reiht sich nahtlos in die Ansammlung an Werken In Extremos ein. Und die haben alle eines gemeinsam: Sie strotzen nur so vor glänzenden Rocknummern in bester Spielmannsmanier.

Punkte:

Zigeunerskat (4,5 / 5)
Gold (5 / 5)
Viva la Vida (3 / 5)
Siehst du das Licht (4,5 / 5)
Stalker (4 / 5)
Hol die Sterne (3 / 5)
Sterneneisen (5 / 5)
Zauberspruch No. VII (3,5 / 5)
Auge um Auge (5 / 5)
Schau zum Mond (3,5 / 5)
Unsichtbar (5 / 5)
Vermiss Dich (2,5 / 5)

Schnitt: 4,0

Besondere Anspieltipps: Gold, Sterneneisen, Auge um Auge, Unsichtbar


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