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Rezensionen verfasst von
Synbi "Synbi" (Magdeburg)

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Die Gewürzhändlerin (Kreuz-Trilogie, Band 2)
Die Gewürzhändlerin (Kreuz-Trilogie, Band 2)
von Petra Schier
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

5.0 von 5 Sternen Gute Fortsetzung, 2. Januar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Handlung:
Luzia verbringt mit ihrer Herrschaft die Wintermonate in Koblenz. Die Bauerntochter ist überwältigt: Das Leben in der Stadt ist so aufregend! Ihr Glück scheint vollkommen, als der Gewürzhändler Martin Wied sie um ihre Mitarbeit bittet: Ingwerwurzeln, Safranfäden, Paradieskörner, Zitronenöl, Muskatnuss - Luzia entdeckt ihre Passion. Ihr Verkaufstalent, ebenso wie ihr hübsches Äußeres, bleibt auch anderen nicht verborgen. Ausgerechnet Siegfried Thal, der Sohn von Martins größtem Konkurrenten, will Luzia zur Frau. Noch bevor Martin ihr seine eigenen Gefühle offenbaren kann, wird er des Mordes angeklagt. Überzeugt von seiner Unschuld, beginnt Luzia nach dem wahren Täter zu suchen.

Bewertung:
Dies ist der zweite Teil der Eifel-Serie, die Reihenfolge ist hier noch einmal dargestellt:
Die Eifelgräfin
Die Gewürzhändlerin

Petra Schier versteht es, wie auch ihre Kollegin Andrea Schacht, den Leser bereits nach wenigen Absätzen in die erzählte Geschichte und zugleich auch in die Historie hineinzuziehen. Ein gut erzählter, nicht zu langer Prolog lässt einiges erahnen und fesselt den Leser sofort. da dieser sofort an das letzte Kapitel der Eifelgräfin anschließt.
Die tatsächliche Handlung setzt jedoch erst nach 2 Jahren wieder ein und verrät uns den Grund, warum die Familie von Manten und Luzia sich in Koblenz aufhalten. Die Schilderung der Lebensverhältnisse in Koblenz steht wieder im Vordergrund, erst in der zweiten Hälfte gesellt sich, im Unterschied zur Eifelgräfin, eine Kriminalhandlung hinzu. So bleibt die Eifelgräfin der einzige, echte historische Roman ohne Krimi. Allerdings stehen auch in diesem Buch die Kriminal-Elemente eher im Hintergrund, vordergründig ist die Darstellung des mittelalterlichen Lebens in Koblenz, insbesondere im Gewürzhandel, und die Liebesgeschichte Luzias.
Diese Liebesgeschichte (mit wem, wird hier nicht verraten) ist gegenüber der Eifelgräfin noch weiterentwickelt, wunderschön und einfühlsam, wie bei Elisabeth hat auch Luzia hier die Auswahl aus gleich 3 Bewerbern, da sie in Koblenz ganz überraschend auch den Gaukler Roland wiedertrifft. Für mich persönlich war es schön, mit Koblenz als Handlungsort mal eine Stadt zu haben, wo ich mich schon vielfach als Tourist aufgehalten habe, mich deshalb ganz gut auskenne und die Wege von Lucia und den anderen Personen in der heutigen Stadt nachvollziehen kann.
Ein bisschen unlogisch erscheinen mir die Freiheiten, die Luzia als Magd von ihrer Herrschaft zugestanden bekommt, die Existenz des Kruzifixes dient hier als Begründung, ob es eine so nachsichtige Herrschaft wie Elisabeth und Johann von Manten im 14. Jahrhundert gegeben haben mag, scheint jedoch trotzdem etwas zweifelhaft. Dies tut dem guten Buch jedoch keinen Abbruch, im Gegenteil, wäre es nicht so, wäre Luzia nicht in der Lage, ihre Abenteuer in Koblenz zu erleben.
Die Flüssigkeit der Handlung resultiert sicher vor allem aus den liebevoll gestalteten Personen, auch den kleineren Nebendarstellern, die meist sehr lebendig daherkommen und nicht ohne Ecken und Kanten sind. Eine der Hauptfiguren, Martin Wied, gefällt mir sogar noch besser als Johann von Manten im ersten Band, dies mag vielleicht daran liegen, dass er durch seine Entstellung sehr viel mehr Probleme als Johann mit sich herumschleppen muss. Im Gegensatz zum Autorenpaar Lorentz, denen es einfach nicht gelingen will, gute männliche Charaktere zu erschaffen, ist Petra Schier hier einsame Spitze.
Einige Logikfehler sind mir aufgefallen, so befindet sich Lahnstein bspw. auf der rechten Rheinseite, Stolzenfels auf der linken. Warum ein Handelszug, der von Stolzenfels kommt und das Ziel Koblenz wahrscheinlich über die linke Rheinseite erreichen würde, über Lahnstein (also über den Rhein) nach Koblenz fahren sollte, erschliesst sich mir nicht. Auch möchte ich bezweifeln, dass Luzia ein paar Tage nach dem Besuch der Hübschlerin Klarissa mit ihren gelben Bändern ein gelbes Kleid trägt. Die damaligen Frauen dürften die gelbe Farbe von Kleidungsstücken strikt gemieden haben, um nicht ins Gerede zu kommen.
Das Ende der Geschichte ist wunderbar emotional, es wird den meisten Leserinnen sicherlich gefallen. Auch das Geheimnis des Kruzifixes wird gelöst, so dass mit einer Fortsetzung dieser Reihe sicher nicht so einfach zu rechnen ist, obwohl sicherlich Anton, Konrad und auch Enneleyn hier so einigen Stoff hergeben würden. Vielleicht überrascht uns die Autorin ja doch mit einem weiteren Roman dieser Serie. Mir würde es jedenfalls gefallen, da sie mit ihren äußerst lebendigen Figuren immer wieder neue und interessante Handlungsstränge zu bieten hat. Der Roman "Die Gewürzhändlerin" hat mich jedenfalls außerordentlich gut unterhalten, volle fünf Sterne und uneingeschränkt empfehlenswert!


Die Eifelgräfin (Kreuz-Trilogie, Band 1)
Die Eifelgräfin (Kreuz-Trilogie, Band 1)
von Petra Schier
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

5.0 von 5 Sternen Beste Unterhaltung, 30. September 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Dies ist der erste Teil der Eifel-Serie, die Reihenfolge ist hier noch einmal dargestellt:
Die Eifelgräfin
Die Gewürzhändlerin

Petra Schier versteht es, wie auch ihre Kollegin Andrea Schacht, den Leser bereits nach wenigen Absätzen in die erzählte Geschichte und zugleich auch in die Historie hineinzuziehen. Ein gut erzählter, nicht zu langer Prolog lässt einiges erahnen und fesselt den Leser sofort, da die typischen Verrichtungen zum jeweiligen Zeitpunkt, auf dem Kreuzzug 1148 eben die Reparatur eines Gespannes, sofort die Stimmung des jeweiligen Zeitabschnittes auf den Leser überträgt. Dies liegt sicher vor allem an den liebevoll gestalteten Personen, auch den kleineren Nebendarstellern, die meist sehr lebendig daherkommen und nicht ohne Ecken und Kanten sind.
Die 200 Jahre bis zum Jahr 1348 überwindet der Leser sofort, und taucht ein in die Reisebedingungen des 14. Jh.s und die Lebensbedingungen auf Burg Kempenich zu diesem Zeitpunkt. Sehr schön, dass die verschiedenen Zeiten zu Beginn der Kapitel genannt werden.
Das Hauptaugenmerk liegt eher auf der Schilderung der Lebensverhältnisse im 14. Jh. auf einer Burg, die Handlung tritt hinter der stimmungsvollen Schilderung der Lebensverhältnisse etwas in den Hintergrund, ohne dass das Buch langweilig wird.
Auch verfügt die Autorin über einen feinen, hintergründigen Humor, der des öfteren den Leser zum Schmunzeln bringt. Wie ihrem Kollegen Richard Dübell gelingt es ihr, ganz alltägliche Situationen, in denen fast jeder Leser auch schon einmal gesteckt hat, zu einer humorigen Szene zu gestalten, die wunderbar unterhaltsam ist.
Wie gesagt, sind alle handelnden Personen liebevoll und nicht einseitig, sicher aber mit einigen Klischees, gezeichnet. Für mich ist positiv, dass die Handlung endlich einmal nicht in Köln, sondern in weiterer Umgebung stattfindet.
Bemerkenswert ist auch das interessante, dem Mainstream entgegen stehende Coverbild, daher ist dieser Titel außergewöhnlich, da er bei der "Gewürzhändlerin" fortgesetzt wird, hat er somit auch einen hohen Wiedererkennungswert. Hierbei würde mich noch interessieren, ob es sich bei dem etwas eigenartig dargestellten Porträt um eine reale, wirklich in der Historie verankerte Person handelt. Leider wird hierzu im Impressum keine Aussage gemacht.
Besonders gefallen hat mir die Suche nach dem Geheimnis des Kruzifixes, das man durch den knappen Prolog nur vage erahnen kann, diesen Teil hat die Autorin wie eine Schatzsuche gestaltet, die ein bisschen an Indiana Jones und ähnliche Geschichten (Khoury, Brown) erinnert. Dies mag in einem historischen Roman nicht jedermanns Sache sein, mir hat dieser Teil des Romans gut gefallen und ich fand es auch nicht übertrieben mystisch.
Dieser historische Roman kommt ganz ohne Krimielemente aus, die meisten anderen historischen Romane dieser Autorin sind gleichzeitig auch historische Krimis. Diese Schiene fehlt in diesem Roman vollständig, der Ausbruch der Pest mit unzähligen Toten ersetzt einen derartigen Handlungsstrang. Erschreckend der erste Ausbruch der Pest in Europa, in diesem Buch wird sehr einfühlsam dargestellt, in welchem Maße die Menschen von dieser schrecklichen Krankheit überrascht und gebeutelt wurden, der moderne Leser erkennt natürlich sehr gut, auf welchem Wege sich die Pest ausbreitet und wundert sich, dass selbst recht gebildete Menschen wie Bruder Georg nicht auf die zündende Idee kommen. Betrachtet man das Leben der damaligen Zeit jedoch aus dem Blickpunkt der damals lebenden Menschen, gelingt es der Autorin sehr gut, uns diese Unwissenheit verständlich zu machen.
Auch in diesem Buch gelingt es der Autorin hervorragend, eine einfühlsame und mitreißende Liebesgeschichte zu erschaffen. Auch scheint Johann von Manten ein entfernter Verwandter von Hauptmann Grevenrode aus den Adelina-Bänden zu sein, die beiden haben wirklich einiges gemeinsam. Wie auch ihrer Kollegin Andrea Schacht gelingt es Petra Schier immer wieder, wirklich lebendige und gut ausgearbeitete, trotz aller Schwächen sympathische Männergestalten zu schaffen, hier ist sie dem Ehepaar Lorentz um Längen voraus, denen dies in all ihren Büchern nur sehr selten gelungen ist.
Hervorzuheben ist auch die sehr gelungene Einbeziehung von zwei Liedern des Walter von der Vogelweide, die echte Poesie erschließt sich dem Leser, wenn dieser versucht, den Originaltext zu lesen. Ich weiß nicht, ob es heute noch zum Schulstoff gehört, wir haben vor etlicher Zeit jedoch in der Schule tatsächlich den Originaltext gelesen, natürlich mit entsprechender Übersetzung, das Lied "Unter der Linde" mit seinem Tandaradei war auch dabei, und so war es für mich die Begegnung mit einem alten Bekannten.
Zum Ende hin gelingt der Autorin eine aktionsreiche Spannungssteigerung, die Gefahren für Elisabeth werden wirklich bis zum letzten ausgereizt und die Hoffnung auf ein Happy End schwindet. Hier kommen dann doch noch die Elemente eines Krimis zum Tragen, auch wenn es sich nicht um einen Mord, sondern "nur" um einen handfesten Betrug handelt. Der Autorin gelingt es nur durch einen ziemlich großen Zufall, Elisabeth aus ihrer Zwangslage zu befreien, dies tut jedoch dem Buch insgesamt und auch den Spannungshöhepunkten keinen Abbruch.
Im letzten Kapitel erfährt der Leser auch noch etwas über den Besitzer des dritten Bestandteils des Kruzifixes, aber speziell auf dieser Handlungsebene und beim Verbleib der Gaukler mit Luzias Freund Roland lässt die Autorin noch genug Handlungsspielraum für die Fortsetzung "Die Gewürzhändlerin". Ein sehr stimmungsvolles Buch, mit dem man in das alltägliche Leben auf einer Burg im 14. Jh. eintauchen kann, das aber trotzdem niemals langweilig wird. Uneingeschränkt empfehlenswert!


Die Helden des Westens
Die Helden des Westens
von Karl May
  Taschenbuch

5.0 von 5 Sternen Auch heute noch unterhaltsam, 23. September 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Helden des Westens (Taschenbuch)
Die Rezension bezieht sich auf die Neuauflage 1990 (Erscheinung in 74 Bänden – 11. Band) bei der Manfred Pawlak Verlagsgesellschaft mbH, Herrsching.
Die Pawlak Verlagsgesellschaft legte 1990 die gesammelten Werke Karl Mays neu auf, der Vorteil dieser Neuerscheinung war vor allem, dass hier die ursprüngliche, von Karl May autorisierte Fassung wieder zugänglich gemacht wurde, so dass das Gesamtwerk Mays endlich wieder in seiner Urform erhältlich ist. Denn in den ca. 100 Jahren nach dem Erscheinungsdatum gibt es unzählige Versionen von Mays Romanen mit teilweise erheblichen Veränderungen. In den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurden die Romane ja bekanntlich auch aus ideologischen Gründen großzügig verändert. Leider hat dies dann auch zur Folge, dass die Bände insgesamt noch nicht einmal mehr im Buch an sich und schon gar nicht im Text übereinstimmen.
So ist es mir auch mit dem Buch "Die Helden des Westens" nicht gelungen, eine doppelte Anschaffung zu vermeiden. Dieses Buch enthält nämlich die etwas kürzere, allerdings trotzdem romanhafte Erzählung "Der Sohn des Bärenjägers", der unter diesem Namen bereits in anderer Form erschienen war. Der zweite Teil beinhaltet die ebenfalls kürzere romanhafte Erzählung "Der Geist des Llano Estacado", in anderen Auflagen erscheint genau diese Zusammensetzung der beiden größeren, insbesondere für jugendliche Leser gedachten Erzählungen unter dem vielleicht allgemein bekannteren Titel "Unter Geiern". Da die Erscheinungen im Pawlak Verlag allerdings recht preiswert sind, habe ich diese doppelte Anschaffung im neuen Gewand auch nicht allzusehr bereut.
Natürlich ist Karl May, wie den meisten seiner Leser sicher bekannt sein dürfte, ein typischer Kolportageschriftsteller des 19. Jahrhunderts, was für ihn zeitgenössische Romane waren, hat bis zum heutigen Zeitpunkt natürlich ordentlich historische Patina angesetzt. Natürlich erliegt er, bei seiner Biographie und seiner Frömmelei vielleicht nur allzu verständlich, den gängigen Klischees und Vorurteilen, seine Deutschtümelei hat zum Missbrauch seiner Werke im dritten Reich geführt und die Schwarz-Weiß-Zeichnung der Helden und Schurken gerät vielfach ins Humorige und lädt zum Schmunzeln ein. So empfinde ich auch die langwierigen Dialoge von Hobble Frank, mit denen er seine "weltmännische Bildung" darlegt, eher unterhaltsam als störend, die Zusammensetzung vieler abgewandelter und falsch gebrauchter Fremdworte grenzt ans Geniale und hat für mich persönlich Kultstatus.
Trotz alledem habe ich immer bewundert, wie es diesem Schriftsteller im 19. Jahrhundert ohne Radio, Fernseher, Internet, Smartphone, Tablet und einer wahrscheinlich nicht allzu umfangreichen Auswahl an guten Sachbüchern möglich war, einen derart gut recherchierten (zumindest für seine Zeit) historischen Hintergrund und gute und vor allem richtige Ortsbeschreibungen abzuliefern. Seine umfangreiche Bibliothek ist ja bis heute im Karl-May-Museum in Radebeul zu besichtigen und ist nach 1990 noch ausgebaut worden. Auch die Lebensweisen der verschiedenen Indianerstämme sind gut und richtig dargestellt, auch wenn May diese immer entweder den Guten oder den Bösen zuteilt. Winnetou als Apache und Halbgott thront natürlich als Idealbild des edlen und vor allem gebildeten Wilden über allem.
Für eine gute und immer actionreiche Handlung sehe ich ihm die ständige Selbstbeweihräucherung seines alter ego Old Shatterhand und die Skurrilität und Komik der anderen Helden auf jeden Fall nach, ich finde es im Gegenteil äußerst unterhaltsam, wie diese agieren. Hier lernen wir beispielsweise den dicken Jemmy und den langen Davy kennen. Der blutjunge Indianer Eisenherz stellt für die Zielgruppe der damaligen jugendlichen Leser sicher ein Ideal dar, sozusagen Winnetou in jung, stets höflich und auch gehorsam gegenüber den Älteren und Erfahrenen, so malte man sich in der Biedermeierzeit wahrscheinlich den pubertierenden Jugendlichen aus.
Es ist sicher richtig, dass durch die sehr originelle und einfühlsame Bearbeitung zur Verfilmung der 60er Jahre und durch die Bekanntheit dieser Filme Karl May (und genauso bspw. Edgar Wallace) eine Bekanntheit und einen Kultstatus über das 20. Jahrhundert hinaus erhalten hat, was allein durch die Bücher wahrscheinlich kaum möglich gewesen wäre. So wird bis zum heutigen Tag die gesamte Palette der Karl-May-Filme in jedem Jahr zu den Feiertagen einmal durchgespielt und obwohl man schon fast jeden Dialog mitsprechen kann, guckt man sie trotzdem immer wieder. Die Bücher haben natürlich viele nicht verfilmte Begebenheiten und viele nicht personifizierte skurrile Charaktere parat, die man nur auf diesem Wege kennen lernen kann. Natürlich stellt man sich beim Lesen die Personen und Orte so vor, wie sie in den Filmen dargestellt wurden. Selbst die unvergessliche Musik von Martin Böttcher erscheint automatisch im Kopf, wenn man sich in die Bücher vertieft. Allerdings kann ich mir auch gut die Leser der Fortsetzungsromane in den Zeitungen des 19. Jh.s vorstellen, die diese unglaublichen, damals eben zeitgenössischen und für sie vollkommen realistischen Abenteuer mit roten Ohren verschlungen haben (vor allem halbwüchsige Jungs) und mit Winnetou und Old Shatterhand vielfältige Abenteuer erlebten, die ihnen in der Realität mit Sicherheit versagt blieben. Urlaubsreisen im allgemeinen und Reisen in fremde Länder, wie sie uns durch den Flugverkehr möglich sind, kamen im 19. Jahrhundert wahrscheinlich nicht einmal in den kühnsten Träumen vor. Und so erhält man mit diesen für die Zeitgenossen des Schriftstellers geschriebenen Abenteuerromanen auch ein Gefühl für die Leserschaft, die die Zielgruppe des Schriftstellers Karl May darstellten.
Da die Geschichten für die einfachen Leute, dieser Band speziell für Jugendliche, geschrieben waren, lassen sie sich wahrscheinlich auch heute noch so flüssig und interessant lesen und sind immer noch faszinierend wie eh und je. Dass das Geschehen manchmal in die Räuber-pistole abgleitet, trägt eher zur Unterhaltung bei, als dass es störend ist. Es fällt natürlich auch auf, dass der Autor, obwohl er selbst aus einer niedrigen Schicht stammt, alle Vorurteile seiner Zeit gegen die farbige und hier vor allem gegen die unterdrückte schwarze Bevölkerung Amerikas teilt und in diesem Roman sogar ganz unbedarft und immer wieder das heute absolut gebrandmarkte Wort "N-g-r" benutzt, das mittlerweile sogar aus Kinderbüchern und aus dem Lebensmittelhandel (N-kuss) entfernt wurde. Zum Glück hat der Pawlak Verlag diese Kriterien 1990 noch nicht angesetzt, so dass hier eben auch in dieser Hinsicht die von Karl May autorisierte Version vorliegt. Alles andere wäre für mich auch eine Verfälschung, hier ist es dem einigermaßen gebildeten Bürger des 21. Jahrhunderts sicher zuzutrauen, den Zeitgeist zu erkennen und sich eine eigene Meinung zu diesem Problem zu bilden.
In der DDR wurden die Karl-May-Romane nicht aufgelegt, so waren die vielleicht gerade deshalb interessierten jugendlichen Leser auf heimliche Exemplare "aus dem Westen" angewiesen - bis die DDR 1983 aufgab, einige Karl-May-Romane selbst auflegte und ganz unfreiwillig das offiziell angesetzte Karl-MARX-Jahr zum Karl-MAY-Jahr stilisierte.
Es ist schon faszinierend, wie sehr ein vor mehr als 100 Jahren geschriebenes, im Stil natürlicherweise recht antiquiertes Buch seine Leser auch heute noch zu fesseln weiß. Da Old Shatterhand und Winnetou, Kara Ben Nemsi und Hadschi Halef Omar hoffentlich noch lange weiterhin an den Feiertagen durch unsere Wohnzimmer reiten werden, bleiben sicher auch die Bücher Karl Mays unvergessen. So mancher Leser wird sich gerade durch die Filme animieren lassen, auch die unbekannteren Werke, wie beispielsweise die „Waldröschen“-Serie, „Deutsche Helden – deutsche Herzen“ (ist zum Glück nicht so schlimm wie sein Titel), „Die Liebe des Ulanen“ und weitere kennen zu lernen. Bei allen genannten Werken handelt es sich um mehrbändige Romanserien, die völlig abseits der bekannteren Werke mit Old Shatterhand und Kara Ben Nemsi mit neuen faszinierenden Gestalten, Helden und skurrilen Figuren, aufwarten und nicht weniger unterhaltsam sind wie die bekannten Bücher.
Für alle Leser zu empfehlen, die die Karl-May-Filme lieben und sich von einem verständlicherweise nicht sehr modernen, in diesem Falle aber echten historischen und trotzdem sehr verständlichen Schreibstil nicht abschrecken lassen.


Weit ist der Weg nach Zicherie: Die Geschichte eines geteilten Dorfes an der deutsch-deutschen Grenze
Weit ist der Weg nach Zicherie: Die Geschichte eines geteilten Dorfes an der deutsch-deutschen Grenze
von Heinrich Thies
  Taschenbuch

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Tragisch und trotzdem stellenweise komisch, 16. September 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Inhalt:

Obwohl die Bewohner von Zicherie-Böckwitz nur einen Steinwurf voneinander entfernt lebten, konnten sie jahrzehntelang kein Wort miteinander reden. Keine Sprachbarriere trennte sie, sondern die deutsch-deutsche Grenze. Was bedeutete die Teilung für die Bewohner und wie erlebten sie die Wiedervereinigung 45 Jahre später? Heinrich Thies hat mit vielen Zeitzeugen gesprochen und ihre Erzählungen, ergänzt durch Informationen aus ehemals unzugänglichen Archiven, zu einer bewegenden Chronik verwoben, zu Geschichten von Schmuggel und Flucht, "Horch und Guck", Liebe und Gewalt, Vertreibung und neu gewonnener Heimat.

Bewertung:

Das Buch ist sehr flüssig geschrieben und durchaus interessant, für mich, die selber ihre Kindheit sehr nahe des Sperrgebietes verbracht hat (mein Heimatort wird auf der Karte verzeichnet, etwas nördlich von Zicherie), jedoch für meinen Geschmack des eigenen Erlebens zu sehr mit westlichen Klischees und westlicher Ideologie verbrämt.
Der Tod des westlichen Journalisten Kurt Lichtenstein wurde natürlich vom Westen unendlich aufgebauscht, wenn die Geschichte wie erzählt wirklich stimmt (warum wurde das Auto auf Westgebiet von Schüssen getroffen?), hat er sich allerdings nicht sehr klug angestellt, da er ja mit Sicherheit bei seinem Vorhaben, eine Reportage über die Sicherung der Ostgrenze zu schreiben, bestens hätte informiert sein müssen. Als passionierter Krimileser kommt mir die Geschichte, wie sie hier erzählt wird, zumindest an einigen Stellen ziemlich unlogisch vor. Hier frage ich mich immer, ob es keinen ostdeutschen Schriftsteller gab oder gibt, der diese Begebenheiten aus ostdeutscher Sicht schildern könnte. Vielleicht ist es jedoch genau so gewollt.
Ich befürworte nicht die Errichtung der deutsch-deutschen Grenzbefestigungen, auch ich selbst durfte so niemals meine Schulkameraden, die im Sperrgebiet wohnten, besuchen. Allerdings kann ich bestätigen, dass für mich in den 60ern geborenen Jugendlichen diese Grenze jedoch etwas Normales darstelllte und man ihren Zweck damals wenig hinterfragt hat. Trotz alledem hatte ich eine glückliche Kindheit im Schatten des Grenzzauns, die stetigen Ausweiskontrollen usw. auch im grenznahen Gebiet war man einfach gewohnt. Zumindest im grenznahen Bereich war man auch als Kind bereits hervorragend über die Grenzbefestigungen informiert, da ständige Belehrungen innerhalb des Schulunterrichts stattfanden. Dies hat tatsächlich zur Folge, dass ich auch heute noch bei Grenzkontrollen (bspw. an der Grenze zur Schweiz) ein ziemlich mulmiges Gefühl habe. Jeder, der die Flucht aus der DDR angetreten hat, muss sich dieses Risikos also bewusst gewesen sein, und zumindest mir selbst ist es in der DDR niemals so schlecht gegangen, dass ich eine solche Flucht erwogen hätte (ich kann allerdings nur für die Zeit ab 1970 davon sprechen, da in den Sechzigern erst geboren). Dass die Stasi an den Schulen bereits Mitarbeiter geworben hätte, kann ich nicht bestätigen, an mich ist jedenfalls diese Organisation niemals herangetreten, weder in der Schule, noch in der Berufsschule noch beim Studium. Auch konnte ich mich nach dem Studium (kostenlos und mit Stipendium) elegant dem Eintritt in die Partei entziehen (Leute wie mich nannte man damals Nachwuchskader), ohne Repressalien befürchten zu müssen.
Auch wir hatten sehr viele Verwandte im Westen, auch ziemlich räumlich nah, meine beiden Eltern wie auch ich selbst, meine Oma als Rentner sowieso ist bis 1989 mehrere Male im Westen gewesen, alle sind zurückgekommen und wohnen heute noch in den neuen Bundesländern. So beeinträchtigend waren die Lebensverhältnisse im Schatten des Grenzzauns also nicht.
Schwieriger wird es, wenn man die Folgen der Bodenreform gerecht beurteilen will. Für die Beschreibung der Nachwendezeit muss man dem Autor ein großes Lob aussprechen, hier sind ihm sicher bei seinen Recherchen die Informationen aus erster Hand und ziemlich zeitnah zuteil geworden. Die meisten Ostler in den Gemeinden haben hier schlechte Erfahrungen mit den "Rückforderern" ihres ehemaligen Eigentums gemacht, nach der Wende führten speziell einige dieser Menschen sich auf wie kleine Regionalkönige, weil sie meinten, alles was die durch die Bodenreform bevorzugten Kleineigentümer (und hierbei insbesondere Flüchtlinge aus den Ostgebieten) sich in den 45 Jahren DDR in bescheidenem Maße aufgebaut hatten, stände ihnen als Entschädigung zu. Als Angestellte in einer größeren Gemeinde habe ich hier Szenen miterlebt, die spotten jeder Beschreibung, leider sind sie der westlichen Ideologie nicht so gängig und deshalb habe ich über dieses Thema bis jetzt noch kein Buch gefunden. In diesem Buch hat der Autor sehr einfühlsam, indem er versucht hat, beide Seiten zu verstehen, über diese Problematik berichtet Letztendlich ist es so, dass man Unrecht nicht durch weiteres Unrecht (was zum Glück durch Geseze zumindest einigermaßen verhindert werden konnte) gutgemacht werden kann. Zumindest hat sich der Autor sehr bemüht, den Gegebenheiten auf beiden Seiten gerecht zu werden, ist durch seinen eigenen Werdegang aber dem westlichen Konsens natürlich näher als dem östlichen.
So habe ich erst durch dieses Buch erfahren, dass Zicherie und Böckwitz bereits durch die preußisch-hannoveranische Grenze getrennt waren, die Trennung ist also wahrlich nicht durch die Besatzungsmächte oder später die DDR entstanden, sondern hat bereits vorher bestanden. Auch die Verwandtschaftsverhältnisse nach Zicherie sind, glaubt man dem Autor, anscheinend erst entstanden, nachdem sich die in den Westen geflüchteten Böckwitzer gerade dort angesiedelt haben, um von ihrem neuen Wohnort nach Böckwitz schauen zu können. Das vom Autor geschilderte Auseinanderleben der beiden Orte, deren Bewohner wahrscheinlich völlig unterschiedliche Probleme und Sorgen haben, unterstreicht diese Ansicht.
Der Schlüsselsatz dieses Buches steht für mich auf Seite 30: "Der Kalte Krieg lässt auch in Zicherie-Böckwitz die Beziehungen zwischen Ost und West vereisen. Josef Stalin hat zuvor angeboten, Deutschland die staatliche Einheit zurückzugeben - allerdings um den Preis der Neutralität. Konrad Adenauer und seine westlichen Verbündeten winkten dankend ab." Was wäre denn aus Zicherie-Böckwitz geworden, wenn Herr Adenauer und seine westlichen Verbündeten nicht dankend abgewinkt hätten? Welche Interessen hatten Herr Adenauer und seine westlichen Verbündeten denn beim Abwinken im Blickfeld - die der "Brüder und Schwestern im Osten" sicherlich nicht. Über diese Tatsachen sollte jeder westliche Bundesbürger in diesem Zusammenhang vielleicht einmal nachdenken. Mit Sicherheit sollte dies auf eine Erpressung der damaligen Sowjetunion hinauslaufen, die Konsequenzen und die Zeitdauer der 45jährigen Teilung hat der Herr Adenauer dabei sicherlich etwas falsch eingeschätzt.
Trotz der Schwächen ein interessantes Buch, das sich gerade wegen einiger wirklicher Anekdoten sehr gut und auch tatsächlich unterhaltsam lesen lässt.
Im Naturpark Drömling existiert seit einiger Zeit ein kleines Freilichtmuseum/Grenzlehrpfad (freier Zutritt), in dem die Grenzbefestigungen der DDR erhalten geblieben sind und ein beeindruckendes Zeugnis für den Aufwand ablegen, mit denen die Grenze zur BRD "gesichert" wurde. Hier steht auch der Gedenkstein für den erschossenen Journalisten Kurt Lichtenstein. Sowohl der Naturpark Drömling, an dessen Rand Zicherie-Böckwitz liegt, wie auch dieser kleine Gedenkort ist durchaus einen Besuch wert.
Was mich ein bisschen gestört hat, ist, dass sich doch einige Fehler in das Buch eingeschlichen haben, die einem ein bisschen das Vertrauen in die Recherchearbeit des Autors rauben. Stellvertretend hierfür zwei für mich sehr grobe Fehler, die leicht hätten vermieden werden können:
1. Der Autor beschreibt das DDR-Fernsehen und stellt fest, dass "im Sandmännchen-Programm eine Ente namens Pittiplatsch" erscheint und die Kinder erfreut. Die Ente im Sandmännchen gibt es heute noch, sie heißt allerdings Schnatterinchen, und Pittiplatsch ist ein Kobold, also wahrscheinlich ein Vorfahr von Pumuckl. Ein paarmal Anschauen des aktuellen Sandmännchens hätte hier schon gereicht, um diesen Fehler zu vermeiden, den wahrscheinlich jeder Bürger der neuen Bundesländer, auch die jüngeren, registriert haben.
2. Auf der Seite 192 des Buches ist eine Abbildung, die beschriftet ist "Evi Oeltzsch am Tresen ihrer Dorfgaststätte in Steimke, 1988." Dieses Bild ist mit absoluter Sicherheit nicht 1988 aufgenommen, eher 1998, denn auf dem Tresen steht eine große Plasteflasche Sprite (in einer DDR-Gaststätte auch 1988 noch völlig undenkbar), ein Schild, wie das abgebildete Garley-Schild gab es vor der Wende ebenfalls noch nicht, typische Nachwendearbeit, und ein Tablett von Hasseröder, wie es auf dem Tresen liegt, war vor 1990 ebenfalls in keiner Gaststätte, noch nicht einmal in Wernigerode/Stadtteil Hasserode, zu finden. Entweder ist dies wirklich ein ziemlich grober Fehler und es soll wirklich 1998 heißen, oder es sollte mit der Bildunterschrift getrickst werden, was ein ziemlich plumper Versuch wäre und für mich unentschuldbar.
Aus diesen Gründen erhält das Buch von mir 4 Sterne, für eine sehr flüssige und interessante, z. T. sogar trotz des Themas humorige Dokumentation, die jedoch gerade in der Schilderung der DDR-Lebensverhältnisse nicht immer den richtigen Kern trifft.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 20, 2016 3:41 PM MEST


Verschwörung im Zeughaus (Apothekerin Adelina, Band 5)
Verschwörung im Zeughaus (Apothekerin Adelina, Band 5)
von Petra Schier
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

5.0 von 5 Sternen Tolle Fortsetzung, 7. September 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Dies ist der 5. Bd. der Adelina-Serie.
Schade, dass das Buch sehr schnell gelesen ist, ich hätte gern länger in Adelinas Haushalt verweilt, trotz manch unliebsamer Ereignisse. Wie immer bei Petra Schier ist das Buch flüssig und spannend geschrieben, es bietet zwar historischen Hintergrund, die gute Beschreibung des täglichen Lebens im Köln des 15. Jahrhunderts steht jedoch im Vordergrund. Adelinas interessantes Hauswesen bietet besonders gute Unterhaltung.
Besonders gelungen finde ich bei den Romanen Petra Schiers, dass keine Schwarz-Weiß-Malerei stattfindet, grundsätzlich alle Protagonisten einschließlich Adelinas haben ihre Fehler und Schwächen, hier insbesondere Grevenrode, es findet keine Einteilung in gute und böse Charaktere statt. So ähnlich ist es ja auch im wirklichen Leben. Neklas will mir noch immer nicht gefallen, er bleibt blass und nichtssagend und leistet Adelina kaum Hilfe, heutzutage würde man ihn wahrscheinlich als Softie bezeichnen..
Die wunderschöne Beziehungsgeschichte zwischen Grevenrode und Mira, die man bei "Frevel im Beinhaus" bereits erahnen kann, ist wirklich das Meisterstück der Autorin in diesem Bereich und macht alle Unzulänglichkeiten bei der Liebesgeschichte zwischen Adelina und Neklas im ersten Band "Tod im Beginenhaus" wieder wett. Alle Charaktere (Ausnahme vielleicht Neklas" sind wieder sehr liebevoll gezeichnet, hier fallen insbesondere Greverode, Vitus, Beede und Mira auf.
Insgesamt auch wieder ein gutes und spannendes Abenteuer mit allem Drum und Dran, das den gut gelungenen Band "Frevel im Beinhaus" sehr schön fortsetzt und durchaus mithalten kann. Störend ist wiederum, dass kein Datum genannt wird, am Alter der Kinder habe ich errechnet, dass dies wohl 1403 sein müsste.
Der historische Hintergrund ist diesmal nicht allzu ausgeprägt, spielt aber dennoch eine wichtige Rolle und ist, dies ist für mich als Nicht-Kölnerin das Wichtigste, gut zu verstehen und nachzuverfolgen.
Die Wartezeit bis zum nächsten Adelina-Band wird sicher lang. Ich werde mich jetzt erst einmal auf die Marysa-Serie stürzen, die ich zum Glück noch nicht gelesen habe.
Für diesen Band 5 Sterne plus, uneingeschränkt empfehlenswert, schade nur, dass der Roman nicht umfangreicher ist.


Ich bin ein kleiner König.
Ich bin ein kleiner König.
von Martin: Selber
  Gebundene Ausgabe

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein kleines Meisterwerk, 29. August 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf die 1. Auflage 1986, Kinderbuchverlag Berlin

Martin Selber erzählt die Geschichte des Häuslersohnes Heinrich, er erzählt von der 48er Revolution in einem Dorf der Magdeburger Börde.
In der DDR wurde mit dem Fach „Geschichte“ in der 5. Klasse begonnen. In den Geschichtsbüchern von der 5. bis zur 10. Klasse waren immer auch Literaturhinweise für ergänzende historische Romane enthalten, die wahrscheinlich eigens zur Unterstützung des Geschichtsunterrichts von den Autoren geschrieben wurden. Dies waren vor allem die Autoren Götz Gode, Herbert Mühlstädt und Willi Meinck. Diesen Hinweisen folgend habe ich fast alle diese Bücher in unserer Stadtbibliothek ausgeliehen und die Leidenschaft für historische Romane hat mich bis heute nicht losgelassen.
Revolutionen und Aufstände wie der Spartacusaufstand, der Bauernkrieg, die Französische Revolution, die Revolution von 1848 und natürlich die Oktoberrevolution in Russland waren für die DDR Meilensteine der Geschichte. Von Martin Selber ist mir nur dieses eine Buch bekannt, das wirklich für Kinder geschrieben wurde, ansonsten kannte man M. Selber in der DDR als sehr beliebten regionalen Autor, der Geschichten für Erwachsene aus der Magdeburger Börde, aus der er selber stammte, erzählte. Gerade aus diesem Grund war Selber als Autor besonders in der Region Magdeburg, sehr geschätzt, seine Bücher erinnern vom Stil her an die Bücher von Erwin Strittmatter.
In diesem kleinen Roman wurde die Revolution von 1848 aus kindlicher Sicht, nämlich aus der des 12-jährigen Häuslersohnes, Heinrich in Ockendorf, 2 Stunden Fußmarsch von Magdeburg entfernt, geschildert. Dies hat zur Folge, dass auch dieses Buch eine sehr verständliche und trotz der Ernsthaftigkeit und schrecklichen Realitätsnähe sehr unterhaltsame und lebendige Unterstützung des Geschichtsunterrichtes darstellt. Hier erfolgt eine wirklich ehrliche und wahrheitsgemäße Abrechnung mit dem Kommis- und Beamtenstaat Preußen, der 1848 einen Aufbruch in eine bessere und gerechtere Gesellschaftsordnung verpasste. Hier weicht die Geschichtsbetrachtung der DDR gar nicht so sehr von der Betrachtung der heutigen Sicht ab, die Anfänge einer demokratischen Bewegung werden in diesem Buch in kindlich verständlicher Form gewürdigt. Hinzu kommt ein sehr realistischer und bewegender Schluss, der für ein klassisches DDR-Buch schon sehr mutig und außergewöhnlich ist, da der Ausweg, den die Familie Pechau wählt, so gar nicht mit der DDR-Linie übereinstimmen mag. Es ist schon erstaunlich, dass ein Kinderbuch mit einem solchen Ende die DDR-Zensur passieren konnte. Gewisse Parallelen des verkrusteten preußischen Staatssystems mit dem heutigen Neoliberalismus sind allerdings auch nicht zu übersehen.
Insbesondere hat mich die Figur des Kantors Bosse beeindruckt, der sich wie ein Schilfhalm immer unter der Obrigkeit duckt, obwohl er selbst eigentlich eine völlig entgegengesetzte Denkart besitzt. Er personifiziert das Mitläufertum schlechthin, auch unter dem System der DDR sowie unter dem heutigen System wird es solche Menschen zu Tausenden geben, die sich nur leise und hinter verschlossenen Türen zu schimpfen wagen, wenn es aber auf ihre Zivilcourage ankommt, sich der gängigen Meinung zuneigen, weil dies der eigenen Karriere dienlicher ist. So idealistisch und unvernünftig wie Heinrichs Vater mit allen Konsequenzen werden wohl in jeder Gesellschaftsordnung nur wenige ihre Ansichten vertreten.
Das Buch bietet vieles Lehrreiche für Kinder zwischen 11 und 15 Jahren. Es macht die Kinder mit nicht so gängigen Begriffen wie Lehen, Katechismus, Vollspänner und Häusler bekannt, zeigt sehr vordergründig die Ungerechtigkeiten der Abgabenverteilung in den 40er Jahen des 19. Jahrhunderts und beweist, dass es früher so gar nicht besser war als heute, da es die wirklich große Not nach zwei Missernten im ländlichen Raum mit thematisiert. Es zeigt jedoch auch, wie Unzufriedenheit und Wut sich im einfachen Volk Raum verschafft und schlägt damit auch einen Bogen in die heutige Zeit. Es beweist, dass das "dumme ungebildete Volk" schon immer 2 und 2 zusammenzählen konnte.
Dieses Buch beleuchtet eine wenig von Schriftstellern beachtete Zeit und ist sehr kindgerecht und verständlich geschrieben, 1991 erfolgte eine Neuauflage, so dass es nicht nur antiquarisch zu erwerben ist. Zur Ergänzung des Geschichtsunterrichts für junge Leser (aber auch für Junggebliebene) uneingeschränkt empfehlenswert.


Nik
Nik

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eintauchen ins Mittelalter, 30. Mai 2013
Rezension bezieht sich auf: Nik
Die Rezension bezieht sich auf die 1. Auflage von 1987.

Handlung:

Das Buch umfasst die 3 Bände um den 13jährigen Fuhrmannssohn Nik Rynck aus Köln:

- Nik auf der Wasserburg
- Nik in dunklen Gängen
- Nik auf gefährlichen Wegen.

Köln und Umgebung 1214/1215. Nik Rynck ist der Sohn eines ehrbaren Kölner Fuhrmanns, der beim reichen Kaufmann Overkamp tief in der Kreide steht. Als Pfand zur Tilgung der Schulden muss Nik beim Kaufmann Dienste tun: zunächst auf einer Wasserburg unweit der Stadt und dann auf dem Landgut Overkamps. Das ist übel. Jedoch – Nik ist ein pfiffiger Bursche und so leicht nicht unterzukriegen. Er besteht alle Prüfungen und Abenteuer, die auf ihn warten. Das gefällt dem reichen Overkamp und er holt den Jungen in sein Haus nach Köln. Dort gibt es neue Probleme zu bestehen. Die spannenden Geschichten von Nik erschienen hier in neuer Bearbeitung und gesammelt in einem Band.
Für Leser ab 12 Jahren – Kinderbuchverlag Berlin 1987.

Bewertung:

In der DDR wurde mit dem Fach „Geschichte“ in der 5. Klasse begonnen, die Zeit des 13. Jahrhunderts war also Lehrstoff der 6. Klasse. In den Geschichtsbüchern von der 5. bis zur 10. Klasse waren immer auch Literaturhinweise für ergänzende historische Romane enthalten, die wahrscheinlich eigens zur Unterstützung des Geschichtsunterrichts von den Autoren geschrieben wurden. Für die Epoche des Feudalismus (wie die Herrschaft des Adels bis hin zum Frühkapitalismus in der DDR grundsätzlich bezeichnet wurde) waren dies vor allem die Autoren Götz Gode, Herbert Mühlstädt und Willi Meinck. Diesen Hinweisen folgend habe ich fast alle diese Bücher in unserer Stadtbibliothek ausgeliehen und die Leidenschaft für historische Romane hat mich bis heute nicht losgelassen. Auf diesem Wege las ich auch die 3 einzeln erschienenen Bände um die Abenteuer von Nik Rynck und war als Jugendliche von diesen Büchern hellauf begeistert. Als mir Mitte der 20 der Sammelband „Nik“ in die Hände fiel, habe ich diesen sofort gekauft und bis jetzt so 6-7mal gelesen. Der vorwitzige und neugierige Nik ist immer wieder unterhaltsam und steht modernen Helden der heutigen Kinderbücher wahrlich in nichts nach.
Das Buch ist äußerst einfach und kindgerecht geschrieben, es ist eben für jugendliche Leser zwischen 12 und 15 Jahren gedacht. Wer im Erwachsenenalter Harry Potter liest, dem wird auch dieses Buch gefallen. Durch seine Neugier und seine ständige Fragerei und Wissbegier bringt Nik sich ständig in Schwierigkeiten, so dass das Buch niemals langweilig wird. Im Gegensatz zu historischen Frauenromanen von heute wie beispielsweise Romane von Iny Lorenz und Andrea Schacht, fehlt dem Buch über das Leben eines 13jährigen Jungen natürlich jegliche Romantik. Da Nik allerdings kein verwöhntes Adelssöhnchen ist, sondern egal wo er sich aufhält, meist kräftig mit anpacken muss, erfährt der Leser jedoch viel über die Lebensverhältnisse der einfachen Leute im 13. Jahrhundert. Dies fängt bei Arbeitsgeräten und Nahrungsmitteln an, ein Buch, das in der DDR geschrieben wurde, lässt natürlich auch die Ungerechtigkeiten der mittelalterlichen Hierarchien und politischen Zwistigkeiten nicht außen vor. Natürlich werden die kritikwürdigen Rechtsverhältnisse der Leibeigenschaft und des Krieges zwischen König Otto und König Friedrich (II.) aus der Sichtweise der DDR-Ideologie geschildert. Allerdings wird hier die Geschichte nicht verfälscht und der jugendliche Leser wird mit dem historischen Hintergrund auch nicht überfordert. Zudem wurden in der DDR historisch bedeutsame Gestalten wie Friedrich II. nicht übermäßig personifiziert oder sogar idealisiert, gerade die Persönlichkeiten des Feudalismus wurden gern in die Schubladen ihrer Klassenzugehörigkeit gesteckt. Auch Friedrich II. war also nur ein König unter vielen anderen. Hier hat der Autor mit der Gestalt des sehr reichen Heinrich Overkamp schon einen recht vielschichtigen Charakter geschaffen, der sowohl positive wie auch negative Charaktereigenschaften aufweist.
Die Hauptfigur Nik ist nun aus gutem Grund weder ganz oben noch ganz unten in der Gesellschaft. Nik ist der Sohn eines angesehenen Bürgers aus Köln, der sich jedoch extrem verschulden musste, um seine große Familie ernähren zu können. So muss Nik als Schuldenpfand seine Heimatstadt Köln verlassen, kann das Leben auf einer Burg, auf einem Landgut und (nachdem er lesen und schreiben gelernt hat, was damals sicher nicht selbstverständlich war) wieder in die Stadt Köln zurückkehren und das Leben dort aus einer neuen Sichtweise erleben. Allerdings bewahrt ihn sein Bürgerrecht nicht davor, von vielen über ihm Stehenden gezaust oder auch schon mal wirklich gezüchtigt zu werden. Die Burgherrin Gerda ist mir in diesem Zusammenhang über lange Jahre im Gedächtnis geblieben, zänkische und ständig unzufriedene (meist weibliche) Zeitgenossen wie sie wird es wohl immer gegeben haben. Die Vorfälle zwischen Nik und Gerda führen geradewegs zum Schluss des ersten Bandes „Nik auf der Wasserburg“ und sind für meine Begriffe besonders gut gelungen, auch weil sie die Verhältnisse und Strafen bei Wilderei im kleinsten Maße beleuchten.
Das Buch bringt dem jugendlichen Leser viele Sachverhalte des mittelalterlichen Lebens inmitten einer interessanten und abenteuerlichen Handlung näher. So lernt er wenig bekannte Begriffe wie Brünne und Weiler kennen, erfährt, wie zu dieser Zeit die Nahrung zubereitet und überhaupt erst gewonnen wird, wird mit Waffen- und Verteidigungstechnik dieser Zeit vertraut gemacht. Das Buch ist also tatsächlich das, was es sein sollte: eine wunderbar lebendige Ergänzung zum Geschichtsunterricht.
Hinzu kommen dann noch die spannungsgebenden Elemente der verschiedenen Burgkammern (übrigens ohne Folterkammer), geheimnisvoller unterirdischer Gänge und verbotener Wege in der Stadt Köln. Welcher Jugendliche träumt nicht davon, so wie Nik ein Gewirr geheimnisvoller unterirdischer Gänge zu entdecken, auch wenn das manchmal zu seltsamen Ereignissen führt? Nun gut, heute mag diese Entdeckungstour vielleicht eher am Computer stattfinden, allerdings dürfte das tatsächliche Erleben bspw. einer Höhlenwanderung auch heute noch intensiver sein als am Computer. Diese Bücher haben meine Jugendzeit geprägt, so komme ich auch heute noch nicht ohne Abstecher an einer Burgruine vorbei. Allerdings konnten wir damals in der DDR von der Besichtigung von Städten wie eben Köln, aber auch Worms, Speyer usw., nur träumen, für mich waren dies die Traumstädte meiner Jugendjahre, ich rechnete jedoch nicht damit, sie jemals besuchen zu können. Natürlich habe ich diese Besichtigungen nach der Wende nachgeholt, so dass sich Köln sicher auch beim Autor Götz Gode für (sicher ganz unbeabsichtigte) Werbung bedanken darf. Ich frage mich heute noch, ob die DDR-Autoren wie Götz Gode zu Recherchezwecken die westdeutschen Städte aufsuchen durften.
Der Schluss des 3. Bandes lässt vieles offen, bereits als Jugendlicher hätte ich mir diesen etwas anders gewünscht. Dies war meine erste Konfrontation mit einem Buch, das am Schluss nicht alle Lösungen bietet und ich weiß heute noch, dass mich das Ausmalen der verschiedenen Möglichkeiten von Niks Schicksal mehrere Wochen beschäftigt hat. Bis heute gehört das Buch zu meinen Lieblingsbüchern.
Es könnte auch heute noch Lebendigkeit in trockenen Geschichtslehrstoff bringen, auf jeden Fall ist es ein sehr spannender Einstieg in die Welt der historischen Romane für die jugendlichen Leser, ohne gleich mit historischem Hintergrundwissen erschlagen zu werden.
Uneingeschränkt empfehlenswert!
Kommentar Kommentare (6) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 29, 2013 2:57 PM MEST


Töchter der Sünde: Roman (Die Wanderhuren-Reihe)
Töchter der Sünde: Roman (Die Wanderhuren-Reihe)
von Iny Lorentz
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,99

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Vorläufiger Tiefpunkt der Serie, 25. März 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Es handelt sich hier um den 5. der Teil Wanderhuren-Serie. Das Ehepaar Lorentz ist mit diesem Buch auf dem bisherigen Tiefpunkt ihres Niveaus angekommen, dieses Buch ist von SAT1 ohne weitere Verfälschungen und Verflachungen verfilmbar, vielleicht war dies die Ursache für ein dermaßen flaches und triviales Buch. Kann natürlich auch sein, die Autoren haben ihr Pulver zu diesem Zeitpunkt verschossen. Hierbei mache ich ihnen noch nicht einmal zum Vorwurf. dass der historische Hintergrund wie immer sehr flach ist, auch wenn verschiedentlich von Friedrich III. die Rede ist, erfährt der Leser hier wenig Wissenswertes oder gar Neues. Aber dies war auch bei den vorangegangenen Büchern der Autoren bereits ihre große Schwäche, vor diesem Buch las ich Rebecca Gable, hier werden die englischen Könige und der Hochadel wirklich zum Leben erweckt.
Mehr noch hat mich an diesem Buch gestört, dass die Autoren vollkommen die Logik in einer Geschichte und bei der Entwicklung von Personen außer acht lassen, gerade hierfür hatte ich sie bei den vorhergegangenen Büchern immer noch sehr gelobt. In diesem Buch ist von einer fesselnden, gut erzählten Geschichte nichts mehr vorhanden. Gerade aus Falkos Italienbesuch hätte man hier sehr viel herausholen können, genau wie die 3 Wanderhuren-Filme beschränken sich die Autoren aber mittlerweile auf ausführliche und langweilige Beschreibungen erotischer Abenteuer, alle Männer einschließlich Falko scheinen nur mit einem bestimmten Körperteil zu denken, auch die Frauen, selbst die Äbtissin Elisabeth, sind nur auf der Jagd nach Liebesabenteuern. Dies macht den Roman nicht nur trivial, sondern geradezu billig und langweilig.
Hildegards Befreiung nach ihrer Entführung bringt ein bißchen Salz in die Suppe, verläuft allerdings auch relativ schnell und flach und wir kehren zum Einheitsbrei zurück. Man kann sich des Gefühls nicht erwehren, dass die Autoren hier bereits das Drehbuch für den 5. Wanderhurenfilm geschrieben haben, viel flacher geht es nicht. Ein historischer Hintergrund ist so gut wie nicht mehr vorhanden, die Handlung könnte bei Auswechslung der historischen Namen zu fast jedem Zeitpunkt der letzten tausend Jahre spielen. Die Männer sind einfach nur dümmlich und etwas, was ich hier nicht benennen möchte, die Frauen auch nur von Liebesabenteuern besessen.
Die Handlung an sich ist eigentlich nur einen Stern wert, für die flüssige Schreibweise und die gute Schilderung der Handlungsorte, hier insbesondere bei der Überquerung der Alpen, gewähre ich im Zurückdenken an bessere Romane des Autorenpaares hier noch einmal 2 Sterne.
Langsam nehme ich wirklich Abstand von Büchern des Ehepaares Lorentz, an das Niveau der "Kastratin" und der "Goldhändlerin" können sie schon lange nicht mehr anknüpfen, wahrscheinlich wird es wirklich Zeit, dass die "Wanderhuren"-Serie endlich beendet wird. Ich überlege stark, ob ich es mit der "Feuertochter" und dem neu erscheinenden Buch noch einmal mit diesen Autoren versuchen soll, "Töchter der Sünde" ist vorerst ihr schlechtestes Buch, ich habe schon weitaus bessere triviale Historicals mit mehr historischem Hintergrund und einer besseren Liebesgeschichte gelesen.
Gerade die Liebesgeschichte(n), insbesondere von Falko, haben die Autoren schon weitaus besser hinbekommen, die Figur Falko sieht in dieser verworrenen, wenig bewegenden Geschichte wahrlich nicht gut aus, so hat er bspw. gleich nach der dramatischen Geburt seiner Tochter deren Existenz sofort verdrängt. Weder die männlichen noch die weiblichen Protagonisten können (ohne Ausnahme) die Sympathie des Lesers erringen, die männlichen Akteure einschließlich Falko wirken meistens ziemlich dümmlich. Maries übertriebene Sehnsucht nach der Rückkehr ihres Sohnes kann man aufgrund dessen Verhaltens nicht nachvollziehen, er ist wahrlich kein Superheld. Hier wäre bei der Gestaltung des Haupthelden und dessen Abenteuern wahrlich mehr drin gewesen. Besonders stört mich bei Falko seine absolut unüberlegten, egoistischen Handlungen, eben auch seine vielfachen Liebesabenteuer, bei denen er stets und ständig nur an sich denkt, kein gelungener Hauptprotagonist. Ich frage mich wirklich, was für ein Männer- und Frauenbild die Autoren selbst haben, um so unsympathische Männerfiguren zu schaffen. Ob Frau Lorentz einen solchen Ehemann wirklich gut finden würde?
Aus diesem Grunde ist die Handlungsweise Margaretes, insbesondere am Schluss, nicht nachzuvollziehen, wenn man die Autoren kennt, allerdings vorhersehbar. Bei der Liebesgeschichte Margaretes wäre mir sehr viel mehr echte Dramatik und echte Gefühle allerdings lieber gewesen. Bei solchen Hauptprotagonisten wäre selbst Frau Neldel als Schauspielerin nicht überfordert, zu ihrem Leidwesen wird sie hier dann allerdings ja nur noch eine Nebenrolle abbekommen.
Die gleiche Flachheit gilt bei den Gegenspielern, ein echter Schurke von Format ist nicht auszumachen, ich hätte mir hier den Ausbau von Gianni gewünscht, der zumindest ein paar Anlagen zu einem echten Schurken hat. Hier hätte man ihn lange unerkannt unter Falkos Reisegruppe sein Unwesen treiben lassen können. Aber die Autoren outen ihn relativ schnell und lassen ihn dann auf recht unspektakuläre Weise von der Bildfläche verschwinden, schade um einen potentiell guten Gegenspieler, der sein Talent zum Unheil stiften nicht ausleben durfte. Die politischen und privaten Intrigen sind unspektakulär und immer nur laue Lüftchen, dem Buch fehlen eindeutig die Spannungshöhepunkte.
Fazit: Nur wirklichen Lorentz-Fans ist dieses Buch zu empfehlen, es ist flach und uninteressant. Zumindest ist es flüssig geschrieben und lässt sich somit einigermaßen lesen. Wer die flachen Sat-1-Verfilmungen der Wanderhuren-Serie mag, mag vielleicht auch dieses Buch, eine gute Fortsetzung der vorhergehenden 4 Bände, wo auch die "Tochter der Wanderhure" noch einigermaßen mithalten konnte, ist es jedoch nicht. Ich werde mir mehrfach überlegen, ob ich ein weiteres Buch des Ehepaares Lorentz lesen werde, der Niveauabfall war doch ein bisschen zuviel des Guten.
Die guten Bewertungen resultieren wahrscheinlich daraus, dass die kritischeren Bewerter mittlerweile die Geduld mit den Autoren verloren haben und deren Bücher nicht mehr lesen.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 6, 2013 1:54 PM MEST


Blutbuchen - Ein Altmarkkrimi: Judith Brunners erster Fall (Judith Brunner ermittelt 1)
Blutbuchen - Ein Altmarkkrimi: Judith Brunners erster Fall (Judith Brunner ermittelt 1)
Preis: EUR 3,99

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Rückkehr in eine vergangene Zeit, 12. Januar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Es handelt sich hier um einen Altmark-Krimi, der im Jahr 1985 in Gardelegen/Altmark und Umgebung spielt, das Dorf Waldau b. Gardelegen gibt es allerdings nicht, dieses scheint fiktiv zu sein. Die Hauptfigur,Julia Brunner, wird allerdings von der Bezirksbehörde Magdeburg geschickt.
Für mich ist dieses ein sehr guter Regionalkrimi, allerdings gleichzeitig auch ein historischer Roman, da er in den Endjahren der DDR spielt. Heike Schroll vermeidet, wahrscheinlich ganz bewusst und sehr geschickt, jeglichen Politikhintergrund der DDR. Es ist keine Rede von Stasi und ähnlichen Gegebenheiten, die in der Bundesrepublik stets und ständig im Vordergrund stehen, so dass man den Eindruck gewinnen kann, dass hierdurch den Ost-Bürgern ihre Kindheit und auch ihre Identität geraubt werden. Nicht so die Autorin, genauso wie in diesem Buch beschrieben habe ich das Leben in meinem Heimatdorf (auch in der Nähe von Gardelegen) hier wiedergefunden, meine Kindheit liegt jedoch eher in den 70er Jahren. Einige Ungereimtheiten zu meinem Erleben in der DDR habe ich gefunden, z. B. möchte ich ein Waffengeschäft in Gardelegen mit frei verkäuflichen Schusswaffen doch eher bezweifeln. Osterfeuer durch die Feuerwehr wurden Ende 60er/Anfang 70er in der DDR verboten, wahrscheinlich wegen drohender Menschenansammlung oder auch wegen des christlichen Feiertages. Ein Telefon besaßen in der DDR nur sehr wenige Privatpersonen, es war auch ausgesprochen schwierig, einen Telefonanschluss genehmigt zu bekommen, ein solches Gerät in einem fast ständig leer stehenden Haus möchte ich doch eher bezweifeln. Ein Gut mit Gutsbesitzer, Fuhrpark und Angestellten passt auch nur schlecht in die DDR, gerade 1985 gab es solche Güter sicher nicht mehr, hier wäre LPG mit LPG-Vorsitzendem und Familie bei weitem glaubhafter gewesen.
Mit ihren Rezepten versucht die Autorin, Lokalkolorit in die Handlung zu bringen, das Rezept für die altmärkische Hochzeitssuppe ist jedoch nicht ganz richtig, in die altmärkische Hochzeitssuppe gehören weder Nudeln, Erbsen noch Mohrrüben, sondern nur Eierstich, Spargel und Fleischklößchen. Nicht alle Menschen der Altmark haben sich zu dieser Zeit in Plattdeutsch verständigt, dies waren meistens nur noch die alten Leute, so hat meine Oma noch fließend Plattdeutsch gesprochen, meine Mutter jedoch nicht mehr. Die plattdeutschen Einschläge sind jedoch sehr gut gelungen, auch anderes gelungenes Lokalkolorit bringt die Autorin in eine flüssige und gute Kriminalhandlung ein. Das Rezept für Zuckerkuchen ist authentisch und sehr gut (habe ich gleich wieder einmal ausprobiert), auch erinnerte ich mich plötzlich an gewisse Redewendungen, die nur in der Altmark gebräuchlich sind. So ist in der Altmark ein Schlachter ein Schlachter und kein Fleischer. Auch insgesamt ist der Roman sprachlich sehr gut gelungen, erinnert an manchen Stellen sogar an DDR-Literatur wie z. B. Blaulicht-, DIE-, Greif-Kriminalromane. Da unpolitisch, könnte der Roman genausogut in der alten Bundesrepublik spielen, allerdings scheint die Autorin eine etwas weiter zurückliegende Zeit zu beschreiben, so etwa 60er /70er Jahre, eigentlich scheint mir der Roman am ehesten eine Mischung aus Nachwendezeit und 60er/70er der DDR.
Krimis wie diesen, die ins 3. Reich reichen und Nachkriegsgeschichte aufarbeiten, gab es in der DDR sehr viele. Das Buch ist flüssig und auch einigermaßen spannend, ohne reißerisch zu sein. Besonders gut hat mir die Beschreibung von Gardelegen gefallen, besonders die Szenen auf dem Bahnhof, der damals noch ein Knotenpunkt in kleineren Städten war. Damals gab es noch Bahnhofskneipen, in denen man meistens das Neueste aus der Stadt und der Umgebung erfuhr. Heute stehen die wunderschönen Backsteinbahnhöfe der Altmark und der Börde meistens leer, die Eingänge und Fenster sind mit Brettern vernagelt und diese sind wahrlich kein Aushängeschild der Bahn und der Gemeinden. Das Schloss, in dem die Winter-Schwestern leben, gibt es tatsächlich, es steht in Staats ganz in der Nähe von Gardelegen. Auch den Gasthof "Altmärkische Schweiz" gibt es wie beschrieben in Zichtau, hieß 1985 allerdings noch Zichtauer Hof (oder so ähnlich).
Gut gefallen hat mir die Schilderung des beschaulichen Lebens in einer altmärkischen Gemeinde, mit den verschiedenen Charakteren, die sehr gut gezeichnet sind. Wer in der DDR in einem Dorf groß geworden ist, kennt auch mindestens einen Ortspolizisten, die richtige Bezeichnung wäre hier wohl Abschnittsbevollmächtigter. Auch wenn die meisten ABVs nach der Wende wegen Mitgliedschaft in der S-tas-i in Verruf gekommen sind, war auch der langjährige ABV in unserem Dorf genauso menschlich und im Dorf verwoben wie der in diesem Buch beschriebene Ortspolizist (einen solchen Charakter finden wir mit Polizist Krause auch in den Polizeiruf-110-Filmen, die Ähnlichkeit besteht hier vor allem darin, dass die ABVs als Dienstfahrzeug meistens ein Moped hatten).
Zum Ende hin gelingt der Autorin eine gute Spannungssteigerung, wie bereits gesagt fehlt ein gut gestalteter und mitreißender Bezug zur Nazizeit nicht. Das Buch hat auch recht glaubhafte Motive zu bieten, insbesondere das Verhalten der Winter-Schwestern ist ganz gut nachzuvollziehen. Auch wenn einiges vorhersehbar ist, ist Heike Schroll hier ein sehr guter Krimi im Nachgang der Blaulicht-Romane und etwa auf dem Niveau der Polizeiruf-110-Filme gelungen, es ist beileibe kein Reißer, aber flüssig und gut geschrieben. Zu empfehlen ist es allen Krimi-Freunden, Altmark-Kennern aus eben diesem Grunde, Leser, die die Altmark nicht kennen, lernen hier ein Gebiet der Bundesrepublik kennen, das selten in den Blickpunkt gerät, vielleicht aber gerade deshalb mal eine kurze oder sogar längere Reise wert ist.


Sturz in den Tod (Küsten Krimi)
Sturz in den Tod (Küsten Krimi)
Preis: EUR 8,49

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Krimi mit viel Lokalkolorit, 5. Januar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Seit vielen Jahren fahren wir in jedem September zum Relaxen in die Nähe von Travemünde in Urlaub - mal hat man um diese Zeit gutes, mal auch schlechtes Wetter. Aus diesem Grunde hat mich dieser Travemünde-Krimi aus dem Blickwinkel der Einheimischen sehr angesprochen. Aufmerksam geworden bin ich durch eine Werbepostkarte am Kiosk einer der schönsten kleinen Häfen Deutschlands, dem Niendorfer Hafen, der im Buch als ein Handlungsort erwähnt wird.
Meine Erwartungen an dieses Buch wurden auch wirklich nicht enttäuscht. Der Roman ist sehr flüssig geschrieben und gut aufgrund des recht geringen Umfangs in einem Rutsch zu lesen. Der Leser, der sich wie ich in der Gegend um Travemünde auskennt, bekommt viel Lokalkolorit geboten, das Buch ist ein guter Regionalkrimi mit einiger Gesellschaftskritik. Das Niveau bewegt sich ungefähr auf dem Level der Tatort-Krimis. Positiv fällt die gute Zeichnung der Personen mit Ecken und Kanten sowie die hervorragende Schilderung von Travemünde auf. Die Autorin hat ein gutes, nicht ganz vorhersehbares Ende zu bieten, was einiges offen lässt. Ein hervorragender Travemünde-Krimi, den man sehr gut in Vorbereitung eines Urlaubs in dieser Gegend lesen kann, hier bekommt man sogar noch einige Ausflugstipps wie eben den Niendorfer Hafen oder die Hermannshöhe geboten. Ich habe ihn in Nachbetrachtung meines Urlaubs gelesen, auch diese Verfahrensweise ist durchaus zu empfehlen.
Nach Kauf eines Kindle-Lesegerätes war dieses mein erstes Buch auf diesem Gerät, für die Lesbarkeit und Gebräuchlichkeit des Buches auf dem E-Book-Reader gibt es keine Beanstandungen, auch die Rechtschreib- und Grammatikfehler der E-Book-Version halten sich in äußerst erträglichen Grenzen.Ein sehr empfehlenswerter Regional-Krimi für fast jeden Krimiliebhaber.


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