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Persönliches Profil

Beiträge von Felix Richter
Top-Rezensenten Rang: 190
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Rezensionen verfasst von
Felix Richter
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   

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Die Geheimnisse der Küche des Mittleren Westens
Die Geheimnisse der Küche des Mittleren Westens
Preis: EUR 20,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Appetitanregendes Erstlingswerk, 24. August 2016
Eva Thorvald hat es in den Genen. Obwohl die Tochter eines Kochs und einer Sommelière bereits im Säuglingsalter verwaist, um von zwar liebevoller, aber leider äußerst fast-food-affiner White-Trash-Verwandtschaft aufgezogen zu werden, entwickelt sie früh einen einzigartigen Geschmackssinn. Im Gespann mit einer ausgeprägten Kämpfernatur stellt dieser früh die Weichen in Richtung einer ungewöhnlichen Gastrokarriere, die der Leser aus den Blickwinkeln diverser, Evas Lebensweg mehr oder weniger intensiv kreuzender Mitmenschen verfolgt.

Auch wenn dieses multiperspektivische Erzählprinzip nicht neu ist - jüngere Beispiele sind Elizabeth Strouts "Olive Kitteridge"/"Mit Blick aufs Meer" oder Eva (!) Menasses "Quasikristalle" -, macht es doch einen unglaublichen Spaß. Das liegt auch an den herzhaften Rezepten, die in tatsächlich nachkochbarer Weise ins Buch eingestreut sind, und natürlich an den nicht minder herzhaften Einblicken in das, was Mittlere Westler aller Schichten so umtreibt. (Dass Stradals Wohlwollen nicht unbedingt denjenigen kulinarischen Hipstern gilt, die keine Nahrung zu sich nehmen, bei der sie nicht jeden einzelnen Bestandteil bis zum Erzeuger zurückverfolgen können, hängt sicher mit seiner soliden regionalen Erdung zusammen, wo ein Einkauf im Supermarkt noch kein Sakrileg ist.) Dabei heißt es gut aufpassen, denn das personelle Aufgebot ist gewaltig; ich habe jedenfalls mehr als einmal zurückblättern müssen, um den Zusammenhang zwischen einzelnen Episoden zu verifizieren.

Interessanterweise rückt, je länger die Geschichte fortschreitet, die Hauptperson Eva mehr und mehr in den Hintergrund. Genau das macht die Neugier des Lesers aber umso drängender, doch bitte mehr über diese enigmatische Kochkünstlerin erfahren zu dürfen. Für ein Erstlingswerk ist dieser Roman jedenfalls ganz schön raffiniert konzipiert, und es ist beeindruckend, wie souverän Stradal die Fäden in der Hand behält. Ein absoluter Genuss, der Appetit auf mehr davon macht.


The Snow Kimono
The Snow Kimono
von Mark Henshaw
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

4.0 von 5 Sternen Zwei Romane in einem, ein großartiger und ein nicht ganz so großartiger, 12. August 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: The Snow Kimono (Gebundene Ausgabe)
Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn der Australier Mark Henshaw*) zwei Romane geschrieben hätte: Einen über den pensionierten Inspektor Jovert, den seine finstere algerische Agentenvergangenheit einholt, als er einen Brief von einer jungen Frau bekommt, die seine Tochter zu sein vorgibt, und einen zweiten über den japanischen Juristen Omura, der nicht darüber hinwegkommt, dass seine Ziehtochter zu ihrem Vater Katsuo zurückgekehrt ist, einem ebenso genialen wie diabolischen Verführer, als dieser aus dem Gefängnis entlassen wird. Beides wird dadurch zusammengehalten, dass die Männer in Paris im selben Haus wohnen und sich ihre Geschichten gegenseitig erzählen; auf eine Verknüpfung der Ereignisse wartet man vergeblich.

Mark Henshaw hat seine ganze Energie in Omuras Erzählung gesteckt, die wie eines dieser Himitsu-Puzzlekästchen aufgebaut ist und zeigt, dass das Miteinander der Geschlechter in Japan Eigenheiten hat, die aus europäischer Sicht recht exotisch erscheinen. Aus wechselnden Perspektiven werden Katsuos Schurkereien beleuchtet, jedes Kapitel bringt einen eine Ebene tiefer, und es wird mit den Zeitebenen jongliert, dass es eine Freude ist. Das ist große Erzählkunst.

Joverts Geschichte fällt dagegen deutlich ab. Zu den Untaten der Franzosen in Algerien gibt es bessere Bücher (Jérôme Ferraris "Und meine Seele ließ ich zurück" zum Beispiel), und sie wird auch nicht zu Ende erzählt, sondern bricht einfach ab, obwohl Jovert eigentlich der Angelpunkt des Romans ist. Da hatte sich Henshaw schon zwischen seinem ersten und seinem zweiten Roman 25 Jahre Zeit gelassen, da hätte er auch noch einen vernünftigen Schluss scheiben können. So gibt es fünf Sterne für Omura, drei für Jovert, im Mittel also vier.
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*) nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen amerikanischen Thrillerautor ("Erbarmungslos")


Regeln für einen Ritter
Regeln für einen Ritter
von Ethan Hawke
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 12,00

27 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gebrauchsanweisung für ein aufrechtes Leben, 8. August 2016
Rezension bezieht sich auf: Regeln für einen Ritter (Gebundene Ausgabe)
Es brauchte nur edle Vorfahren, einen unaufgeräumten Keller und ein wenig Finderglück, und schon könnten einem die "Regeln für einen Ritter" in den Schoß fallen. Wenn diese Voraussetzungen fehlen, muss man wenigstens eine Menge gelesen haben. Ethan Hawke, berühmter Schauspieler und nicht ganz so berühmter Autor, hat, unbeschadet der Anmerkungen des Herausgebers, eine Menge gelesen - die Liste von Danksagungen ist lang und illuster und führt neben den üblichen Verdächtigen wie Nelson Mandela und Martin Luther King auch einige unübliche wie Laurence Fishburne oder River Phoenix, aus deren Ideen er ein Buch destilliert hat für Eltern und für Jugendliche (beiderlei Geschlechts, was vielleicht auch nicht unwichtig ist zu erwähnen).

Ein Ritter fürchtet, die Schlacht, in die er am nächsten Tag ziehen wird, nicht zu überleben. Der Gedanke an seine Kinder lässt ihn nicht schlafen, und so setzt er sich hin und schreibt sein Vermächtnis auf. All das, was in seinen Augen einen Ritter zum Ritter macht, zusammengefasst in zwei Kernsätzen: "Rede nie darüber, dass du ein Ritter bist, sondern verhalte dich wie einer" und "Du bist nicht besser als andere, und niemand ist besser als du"*), die Quintessenz dessen, was ihm sein geliebter Großvater durch Wort und Tat beigebracht hatte.

Das mag jetzt ein wenig bemüht und moralinsauer klingen, ist es aber nicht. Es ist auch nicht kitschig. Es ist genau das Buch, das ein liebevoller Vater schreibt in dem Bestreben, dass seine Kinder zu glücklichen, zufriedenen und respektierten Menschen heranwachsen, ganz gleich ob Ethan Hawke heute oder Sir Thomas Lemuel Hawke vor über 500 Jahren. Dass es für einen Ritter von Nachteil sein kann, in der Nacht vor einer Schlacht zu schreiben anstatt zu schlafen, ist leider eine andere Sache und mit Sicherheit ungesünder, als am nächsten Drehtag mit roten Augen aufzukreuzen.
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*) Falls der deutsche Text hier abweicht, liegt das daran, dass ich das Original gelesen habe.


Familie der geflügelten Tiger: Roman
Familie der geflügelten Tiger: Roman
von Paula Fürstenberg
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Spurensuche im Wendechaos, 8. August 2016
In der Uckermark, wenige Tage vor dem Mauerfall. Die kleine Johanna ist gerade zwei, als ihr Vater auf Nimmerwiedersehen verschwindet. Zwanzig oder so Jahre später ruft er bei der Mutter an, erzählt dem Anrufbeantworter wirres Zeug und schließt mit "Das Kind kann mich ja mal zurückrufen."

Das "Kind", inzwischen Berliner Straßenbahnführerin kurz vor Abschluss der Ausbildung und passionierte Landkartensammlerin, hat zunächst wenig Lust - schließlich ist sie die ganze Zeit gut ohne einen Vater ausgekommen. Und dann ruft sie ihn doch zurück, denn in zwanzig vaterlosen Jahren haben sich eine Menge Fragen angesammelt, die sie ihm gerne stellen möchte. Doch mit jeder Antwort, die sie bekommt, tun sich weitere Rätsel auf, und die Geschichte, die ihre Mutter ihr erzählt hat, bekommt unschöne Risse.

Johannas "Familienforschung" liest sich wie ein Krimi: Hatte die Stasi etwas mit dem Verschwinden zu tun, oder gar ihre Mutter? Oder vielleicht doch die Großmutter? Paula Fürstenberg versteht es aber nicht nur, die Spannung hochzuhalten, sondern vermittelt gleichzeitig einen sehr intimen Eindruck, was für ein Schlag die Vereinnahmung der DDR durch die BRD für viele der Vereinnahmten gewesen sein muss, auch für solche, die sie eigentlich herbeigesehnt hatten. All das macht die "Familie der geflügelten Tiger" zu einem weiteren gelungenem Erstlingswerk in diesem mit bemerkenswerten Jung- und Jüngstautoren erfreulich reich gesegneten Literaturjahr.

Einen Hinweis allerdings noch, den ich mir als Baden-Württemberger Besserwessi nicht verkneifen kann: Auf Seite 73 die Fächerstadt Karlsruhe zur Quadratestadt umzubauen und so die Mannheimer vor den Kopf zu stoßen, gehört sich nicht, schon gar nicht in einem Roman mit einer kartenbesessenen Heldin. Wenn es einen Preis für den Lektoratsklops des Jahres zu gewinnen gäbe, läge der hier sicher gut im Rennen.

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Nackter Mann, der brennt: Roman
Nackter Mann, der brennt: Roman
von Friedrich Ani
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 20,00

8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Rache ist sein, spricht der Herr, denn mich gibt es nicht., 6. August 2016
Heiligsheim ist ein bayrisches Bilderbuchidyll, doch für den kleinen Coelestin und seine Freunde die Hölle auf Erden. Der Zahnarzt, der Apotheker, der Herr Pfarrer und andere honorige Mannsbilder sind die Teufel; diejenigen, die nicht mitmachen, schauen zu oder schauen weg. Es gibt niemanden, dem sich die Kinder anvertrauen können, nicht mal die eigenen Eltern: Von nicht allzu weit hört man die Klosterkirche Ettal läuten, und auch die Tosa-Klausner senden letzte Grüße.

Mit 14 schafft es Coelestin, nach Berlin abzuhauen, und kommt in der Punkerszene unter. 40 Jahre später kehrt er nach Heiligsheim zurück, mit neuem Namen und von Drogen so gezeichnet, dass ihn selbst seine Verwandten nicht erkennen. Die Männer, die seine Kindheit zerstört haben, leben alle noch. Noch...

Kindesmissbrauch ist kein neues Thema für Friedrich Ani; die Drehbücher zu "Das unsichtbare Mädchen" und "Operation Zucker - Jagdgesellschaft" stammen von ihm. Neu ist allerdings die Art, wie er es angeht. Während das Leiden der Kinder Jahrzehnte zurückliegt und zum Glück nur angedeutet wird, geht es den Tätern umso schmerzhafter an den Kragen; es fließt eine Melange aus Blut und Tränen, Rotz und Kotze - das als Warnung für diesbezüglich empfindliche Leser. Und man gönnt den Schweinen ihr Schicksal von Herzen - wenn Opfer zu Tätern werden, dann entdeckt auch jemand wie ich, der sich mit beiden Beinen auf rechtsstaatlichem Boden verankert wähnt und der bei Forderungen wie "Todesstrafe für Kinderschänder!" oder "Kastrieren!" normalerweise heftigst den Kopf schüttelt, den Racheengel in sich. Aber was ist bei Ani schon normal - mich hat es jedenfalls so gefesselt, dass ich das Buch am Stück verschlungen habe.

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Der letzte beste Ort: Stories
Der letzte beste Ort: Stories
von Callan Wink
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,00

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Großartiges Erstlingswerk, 6. August 2016
Es ist schon ein eigenartiger Zufall, dass ich unmittelbar nacheinander zwei beeindruckende Erstlingswerke amerikanischer Autoren gelesen habe, die beide im hinterländlichen Montana spielen: Smith Hendersons Roman "Fourth of July Creek" (deutsch "Montana") und Callan Winks Erzählungen "Dog Run Moon" (deutsch "Der letzte beste Ort"). Damit hat es sich dann aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten: Während Henderson den Leser Kopf voraus in ein höllisches Milieu kaputter, zukunftsloser Existenzen tunkt, ist Winks Blick auf das auch nicht immer einfache Leben seiner kleinen Leute wesentlich freundlicher.

Ein besonders produktiver Schriftsteller ist Callan Wink nicht. Die neun Erzählungen entstanden über fünf Jahre hinweg und, wie er sagt, in solchen Phasen, in denen er sich von einem nach wie vor unvollendeten Roman erholen wollte. Dass er den größeren Teil des Jahres fliegenfischende Touristen auf dem Yellowstone River betreut, bremst den Output sicher auch, hat allerdings auch einiges Material für seine Geschichten beigesteuert. Darunter ist zwar die eine oder andere Groteske (nackter Mann mit Hund auf der Flucht vor dessen Besitzer), aber Callan Winks Stärke ist eher das Vermögen, seine Protagonisten in entscheidenden Momenten ihres Lebens greifbar zu machen und zwischenmenschliches Mit- und Gegeneinander mit wenigen Worten auf den Punkt zu bringen. Ein ungewöhnlich kluges und einsichtiges Buch für einen so jungen Autor.


Das Unglück anderer Leute
Das Unglück anderer Leute
von Nele Pollatschek
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,99

8 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ungütiger Gott mit schwarzem Humor, 6. August 2016
Ein bisschen albern geht es ja los, mit viel Wortspielerei, Schnarcherwitzen, gewagten Metaphern und wohlbekannten Vorurteilen über das Gastland, wenn Oxford-Studentin Thene mit Papa und Oma nach England fliegt, um sich graduieren zu lassen. In Heathrow werden sie sich mit ihrer durchgeknallten Mutter treffen, einer egomanischen, rabenmütterlichen Diva, die sich passenderweise meist in rotes Tuch kleidet und die nicht nur von ihrer Tochter mit aller Leidenschaft gehasst wird.

Nele Pollatschek rollt eine Familiengeschichte auf, bei der man sich immer wieder ängstlich fragt, wie viel davon wohl dem eigenen Leben entnommen wurde. Was man so auf die Schnelle über sie herausfindet (Wurzeln in der DDR, kulturschaffende Eltern, kleinteiliges Familienpatchwork, Stationen in Heidelberg, Frankfurt, Oxford), deckt sich erschreckend gut mit der Vita ihrer Heldin; auch dass in der abschließenden Danksagung ihr Vater sehr, ihre Mutter aber gar nicht gewürdigt wird, passt ins Bild. Ich frage mich, ob man solche Fragen, die sich dem neugierigen Leser automatisch stellen, nicht gleich von vornherein klären sollte, um Spekulationen über noch lebendes Personal vorzubeugen...

Dann steuert das Buch aber zügig in tieferes Fahrwasser, und man darf das mit dem Unglück durchaus wörtlich nehmen - es besteht nicht allein darin, als mehr oder weniger einzige Normale in einer Familie von "Bekloppten" aufzuwachsen. Am Ende überschlagen sich die Ereignisse und scheren sich einen Dreck um irgendeine Eintrittswahrscheinlichkeit. Doch zum Glück für Thene und Leser hat jede Tragik auch ihre spaßigen Seiten, und Nele Pollatschek versteht es meisterhaft, dieselben mit leichter Hand und nur unter geringen Verletzungen der Grenzen des guten Geschmacks zur Geltung zu bringen. Eine erstaunliche Leistung, vor allem wenn man bedenkt, dass die Autorin hauptamtlich gerade über "Victorian Literature and the Problem of Theodicy" promoviert (im Klappentext etwas salopp als "Das Böse in der Literatur" übersetzt), was aber irgendwie auch wieder passt, denn das, was Nele Pollatschek sich ausgedacht hat, hätte sich ohne Einwirkung eines fädenziehenden Gottes wohl kaum so ergeben, allerdings eines Gottes mit deutlich mehr schwarzem Humor, als ihm gemeinhin zugeschrieben wird.

- Kostenloses Rezensionsexemplar -


Power Play: Thriller
Power Play: Thriller
von Mike Nicol
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Verschwitzter Epilog zur Rache-Trilogie, 1. August 2016
Rezension bezieht sich auf: Power Play: Thriller (Taschenbuch)
Bekannt geworden ist der Südafrikaner Mike Nicol in Deutschland durch seine furiose Rache-Trilogie, bestehend aus den Romanen "Payback", "Killer Country" und "Black Heart", in der Mace Bishop und Pylon Buso, zwei trotz dubioser Vergangenheit höchst sympathische Personenschützer, ihrer gefährlichen Tätigkeit nachgehen. "Power Play" ist eine Art Epilog dazu, allerdings zu lose verknüpft, um das Ganze zu einer Tetralogie zu erweitern. Es schadet natürlich nichts, die Trilogie gelesen zu haben, bevor man "Power Play" in die Hand nimmt, dann machen einige Referenzen etwas mehr Sinn, aber unbedingt nötig ist es nicht.

Inzwischen hat ein Generationswechsel stattgefunden. Papa Mace hat sich aus dem Geschäft und auf die Caymans zurückgezogen, während Töchterchen Krista jetzt das Security-Business betreibt, zusammen mit Mace's ehemaliger Bürokraft Tami. Mike Nicol beschreibt einerseits sehr flott und spannend und mit reichlich Sadismus und Schusswaffen-Knowhow, wie seine Heldin in Kapstadts Halb- und Unterwelt ihre Schützlinge betreut, doch kann man ihm nicht nachsagen, dass er seine Belegschaft sonderlich ausdifferenziert hätte: Alle vier Frauenrollen sind nahezu deckungsgleich mit feuchten Männerträumen besetzt, deren knackige sekundäre Geschlechtsmerkmale Nicol nicht müde wird zu beschreiben, und die sich äußerlich eigentlich nur in Hautton und dem Grad ihrer körperlichen Durchtrainiertheit unterscheiden - ein bisschen verschwitzt, das Ganze. Auch die teilnehmenden, zumeist einander umbringen wollenden Herren sind nicht frei von maskulinen Stereotypen: Ein korrupter Politiker, ein stahlharter Agent, ein kettenrauchender russischer Killer, zwei schmierige Chinesen und eine Gangsterfamilie, die sich so unglaublich dämlich verhält, dass man sich wundern muss, dass sie überhaupt so lange so zahlreich überlebt hat. (Nur der indische Fahrer, der den Russen von einem Einsatzort zum nächsten fährt und ihm ein bisschen südafrikanische Lebensart beizubringen versucht, fällt aus dem Rahmen und entwickelt sich nach und nach zum Sympathieträger.)

Auch wenn mir die multiperspektivische Erzählweise gefallen hat, in der viele Ereignisse noch einmal aus der Sicht anderer Protagonisten geschildert werden - für Nicols gelegentlich eingestreuten Kapstadtslang gibt es hinten netterweise ein Glossar, im Gegensatz zur Originalfassung -, so empfand ich "Power Play" unterm Strich dann doch nur als eine recht überflüssige Fortsetzung der von mir eigentlich sehr geschätzten Rache-Trilogie. Schade.


Power Play
Power Play
von Mike Nicol
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,79

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Verschwitzter Epilog zur Revenge Trilogy, 1. August 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Power Play (Taschenbuch)
Bekannt geworden ist der Südafrikaner Mike Nicol in Deutschland durch die furiose Revenge Trilogy, bestehend aus den Romanen "Payback", "Killer Country" und "Black Heart", in der Mace Bishop und Pylon Buso, zwei trotz dubioser Vergangenheit höchst sympathische Personenschützer, ihrer gefährlichen Tätigkeit nachgehen. "Power Play" ist eine Art Epilog dazu, allerdings zu lose verknüpft, um das Ganze zu einer Tetralogie zu erweitern. Es schadet natürlich nichts, die Trilogie gelesen zu haben, bevor man "Power Play" in die Hand nimmt, dann machen einige Referenzen etwas mehr Sinn, aber unbedingt nötig ist es nicht.

Inzwischen hat ein Generationswechsel stattgefunden. Papa Mace hat sich aus dem Geschäft und auf die Caymans zurückgezogen, während Töchterchen Krista jetzt das Security-Business betreibt, zusammen mit Mace's ehemaliger Bürokraft Tami. Mike Nicol beschreibt einerseits sehr flott und spannend und mit reichlich Sadismus und Schusswaffen-Knowhow, wie seine Heldin in Kapstadts Halb- und Unterwelt ihre Schützlinge betreut, doch kann man ihm nicht nachsagen, dass er seine Belegschaft sonderlich ausdifferenziert hätte: Alle vier Frauenrollen sind nahezu deckungsgleich mit feuchten Männerträumen besetzt, deren knackige sekundäre Geschlechtsmerkmale Nicol nicht müde wird zu beschreiben, und die sich äußerlich eigentlich nur in Hautton und dem Grad ihrer körperlichen Durchtrainiertheit unterscheiden - ein bisschen verschwitzt, das Ganze. Auch die teilnehmenden, zumeist einander umbringen wollenden Herren sind nicht frei von maskulinen Stereotypen: Ein korrupter Politiker, ein stahlharter Agent, ein cooler Schlapphut, ein kettenrauchender russischer Killer, zwei schmierige Chinesen und eine Gangsterfamilie, die sich so unglaublich dämlich verhält, dass man sich wundern muss, dass sie überhaupt so lange so zahlreich überlebt hat. (Nur der indische Fahrer, der den Russen von einem Einsatzort zum nächsten fährt und ihm ein bisschen südafrikanische Lebensart beizubringen versucht, fällt aus dem Rahmen und entwickelt sich nach und nach zum Sympathieträger.)

Auch wenn mir die multiperspektivische Erzählweise gefallen hat, in der viele Ereignisse noch einmal aus der Sicht anderer Protagonisten geschildert werden - wobei Nicol gerade so viel Kapstadtslang einstreut, dass man die Atmosphäre spürt, ohne sich ständig lexikalische Hilfe holen zu müssen -, so empfand ich "Power Play" unterm Strich dann doch nur als eine recht überflüssige Fortsetzung der von mir eigentlich sehr geschätzten Revenge Trilogy. Schade.


Zahltag: Ein Fall für Kostas Charitos (detebe)
Zahltag: Ein Fall für Kostas Charitos (detebe)
von Petros Markaris
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,00

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ermittlungen im Dickicht von Korruption und Verkehr, 27. Juli 2016
Die Figur des edlen Rächers, der das Recht in die eigene Hand nimmt, wenn die Ordnungsmacht versagt, hat seit jeher Leser und Kinogänger fasziniert, von "Robin Hood" bis "Death Wish". Petros Markaris hat sein sehr eigenes Phantom geschaffen, das im Griechenland des Jahres 2011 Steuersünder und andere Mitverantwortliche für die Misere des Landes auf eigenartig geschichtsbewusste Weise zur Strecke bringt und bald unter dem etwas schwerfälligen Namen "Nationaler Steuereintreiber" zum Volkshelden wird. (Obwohl die Zeit des Geschehens nur fünf Jahre zurückliegt, wirkt der Roman schon fast aus der Zeit gefallen, denn Deutschland und seine Rolle im hellenischen Gesamtgeschehen werden, wenn überhaupt, eher wohlwollend beleuchtet. Und wenn Markaris schon damals all die Migranten im Athener Stadtbild ein Dorn im Auge waren, dann mag man sich gar nicht ausmalen, wie er sich heute fühlt.)

Für mich war "Zahltag" die erste Begegnung mit Markaris und seinem biederen, aufrechten Kommissar Kostas Charitos, nachdem mir das Buch von meiner krimiaffinen Tochter in die Hand gedrückt worden war. Es war sicher kein schlechter Einstieg, als der Roman einiges an Hintergrund zu bieten hat, indem er die ganze Tragödie von Ineffizienz und Korruption, die Griechenland im Würgegriff hält, und ihre Auswirkungen auf die unschuldige Bevölkerung sehr schön auf den Punkt bringt. Wobei, auf den Punkt kann man kaum sagen, denn das Buch ist etwa doppelt so lang wie nötig. Damit meine ich weniger, dass sich die Morde zu sehr ähneln, um jedes Mal neue Spannung zu erzeugen, sondern die Tatsache, dass ich über das Straßennetz Athens und die jeweils aktuelle Staulage ganz erheblich mehr erfahren habe als mir lieb war: Sätze wie "Da ich keine Lust auf eine nach dem nationalen Steuereintreiber johlende Menge habe, biege ich in die Voulis-Straße ein, gehe dann weiter in die Karajorgi-Straße, folge der Fußgängerzone auf der Voukourestiou-Straße und erreiche über die Akadimias-Straße den Vassilissis-Sofias-Boulevard" (S. 360) gibt es ungelogen auf jeder Seite - für Athener vielleicht ganz anschaulich, für Ortsfremde haarsträubender Ballast. Da hätte die Übersetzerin durchaus den Rotstift ansetzen dürfen, wenn schon der Autor stadtplanmäßig nicht an sich halten konnte.

Insgesamt ist "Zahltag" in meinen Augen ein durchschnittlicher Krimi, mit einer guten Idee, einem Underdog als Kommissar und einer Menge Mikro- und Makropolitik, aber, wie gesagt, viel, viel zu langatmig. Angesichts der filigranen Arbeitsweise des nationalen Steuereintreibers empfiehlt sich das Buch übrigens auch für empfindsame Gemüter, die kein Blut lesen können.


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