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Rezensionen verfasst von
Stefan T. (Wien)

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Atmen: Jemand muss atmen
Atmen: Jemand muss atmen
von Stefan Kalbers
  Broschiert

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Kurz, brutal und trostlos, 3. Juli 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Atmen: Jemand muss atmen (Broschiert)
Stefan Kalbers versucht sich in "Atmen: Jemand muss atmen!" an einer Art Kriminalroman. Seinen namenlosen Ich-Erzähler setzt er in eine triste und brutale Welt, die man so ähnlich auch in den Werken von Dirk Bernemann vorfindet. Trostlosigkeit, Kälte und Isolation sind die zumeist vorherrschenden Zustände in der ebenfalls namenlosen Stadt. Die Erlebnisse, die in diesem sehr kurzen Buch geschildert werden lassen keinen Zweifel über die völlig kaputte Existenz des "Helden" aufkommen. Auch das erinnert - genau wie der Schreibstil - mehr als einmal an Bernemann.

Davon abgesehen ist "Atmen" vor allem eines: verwirrend. Der Protagonist beobachtet an sich selbst den immer schnelleren geistigen und körperlichen Verfall, meist eingehüllt in einen Drogen- und Alkoholrausch, in dem gerne auch mal Tagräume und/oder Halluzinationen passieren. Kalbers gelingt es dabei sehr gut, diesen Nebel, durch den die Hauptfigur alles zu sehen scheint, zu transportieren. Durch seinen Stil schafft er es, dass der Leser den erbärmlichen und immer verwirrteren Zustand des tragischen Helden regelrecht mitfühlt. Dabei schießt er allerdings ein wenig über das Ziel hinaus - am Ende ist man nicht nur genauso planlos wie der Protagonist, sondern fragt sich unweigerlich, was das Ganze eigentlich soll; die Handlung ist an sich nämlich eher dünn.

Hoffnung gibt es in "Atmen" nur in homöopathischen Dosen. Gelegentlich blitzt ein kleiner Schimmer davon auf - nur um kurz darauf wieder zu verschwinden. Dass ein solches Buch kein Happy End haben kann, ist nicht schwer zu erraten.

Fazit: "Atmen: Jemand muss atmen!" ist lesenswert, hat allerdings nicht die Substanz eines Bernemann-Werkes. Muss natürlich nicht sein, aber mir ist das Ganze dann doch etwas zu dünn. Im wahrsten Sinne des Wortes - allerdings wird das Buch derzeit auch entsprechend günstig verkauft. Wer damit leben kann, erhält ein Werk von stellenweise beängstigend realistisch wirkender Intensität. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.


Man of Steel
Man of Steel
DVD ~ Henry Cavill
Preis: EUR 5,97

12 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Des Stählernen neue Kleider, 2. Juli 2013
Rezension bezieht sich auf: Man of Steel (DVD)
"Man Of Steel" scheut das Wort "Superman" wie der Teufel das Weihwasser. Nur eineinhalb mal rutscht es am Rande durch und wird sofort ins Lächerliche gezogen bzw. ins Aus gestellt. Das ist für den Neustart des mächtigsten aller Superhelden meiner Meinung nach eine gute Idee - der Begriff "Superman" wirkt nostalgisch, veraltet und passt einfach nicht in die heutige Zeit. Gleiches gilt für das Kostüm des Helden, das für diesen Film eine Frischzellenkur erfahren hat. Das ist ebenfalls als positiv zu vermerken, auch wenn man sich immer noch fragt, was das Cape soll - aber sei's drum, als eine Art "Uniform" seines kryptonischen Hauses kann man es durchgehen lassen.

Soviel zu den zur Heldenoptik, kommen wir zum Film selbst. Zack Snyder und Christopher Nolan haben mit "Man Of Steel" auf den ersten Blick einen grandiosen Action-Reißer geschaffen. Die Verwüstungen, die in diversen Kämpfen angerichtet werden, haben fast schon das Ausmaß von Roland Emmerichs "2012"-Katastrophe, wenn auch nicht auf globaler Ebene. Snyder gelingt allerdings das Kunststück, diese Zerstörungsorgie wesentlich gehaltvoller wirken zu lassen - man hat also selten das Gefühl, dass die Vernichtung ganzer Stadtteile und Landstriche der Demonstration moderner Filmtechnik dient. Die Filmemacher setzen in "Man Of Steel" die Technik vielmehr dazu ein, die Brutalität des Geschehens noch intensiver darzustellen. Dass dabei auch Unschuldige bzw. Unbeteiligte nicht ausgespart werden, lässt den Film trotz der eigentlich kindlichen Heldenthematik sehr ernsthaft wirken. Dass diese Orgie noch dazu unverschämt gut aussieht, ist heute fast schon selbstverständlich, soll aber trotzdem nicht unter den Tisch fallen. Speziell, weil ein grandioses Auge für Details bewiesen wird - erstmals wird z. B. gezeigt, dass der Stählerne nicht nur fliegen kann, sondern dabei auch die Schallmauer durchbricht. Nicht verhehlt werden soll allerdings, dass die Action vor allem gegen Ende hin übertrieben wird. Die finale Auseinandersetzung ist dann doch etwas zu lang und damit unnötig anstrengend geraten. Der Soundtrack ist meines Erachtens übrigens sehr unauffällig - man wird also diesmal eher von der Optik als von der Akustik (oder gar beidem zusammen) erschlagen.

Die Besetzung kann eigentlich nur als "gelungen" bezeichnet werden. Henry Cavill ist seinem "Vorgänger" Brandon Routh ("Superman Returns", 2006) sowohl in Ausstrahlung als auch Mimik deutlich überlegen und kann der Rolle durchaus neue Facetten hinzufügen. Bei der Darstellung des Helden-Alter-Ego "Clark Kent" gibt es allerdings noch Luft nach oben. Noch auffälliger ist die Überlegenheit in der Besetzung gegenüber dem 2006er-Film allerdings an der Rolle der "Lois Lane" erkennbar - Amy Adams spielt Kate Bosworth locker an die Wand. Aber auch ansonsten hat man für "Man Of Steel" die richtigen Mimen verpflichtet - speziell Russell Crowe ("Jor-El"), Laurence Fishburn ("Perry White") und auch Kevin Costner ("Jonathan Kent") sind gut gewählt. Die Rolle des Schurken wird von Michael Shannon recht gut verkörpert, auch wenn die Figur sehr farblos bleibt, vermutlich weil sich der Film mehr auf den Hauptdarsteller und dessen Entwicklung fokussiert. Einziges Ärgernis im Ensemble ist für mich Diane Lane ("Martha Kent"), die ich in dieser Rolle höchst unsympathisch finde.

In Bezug auf Drehbuch und Handlung ist "Man Of Steel" eher ambivalent. Die Balance zwischen Schein und Sein wird von Snyder und Nolan zwar gemeistert - stellenweise ist es aber recht knapp. Die Story ist prinzipiell die übliche Rettung der Welt, Nuancen gibt es nur in den ruhigeren Phasen. Der Versuch, den Kryptonier mit einer menschlich-tiefgründigen Seite auszustatten ist zumindest partiell gelungen - er pendelt sich irgendwo zwischen "Wolverine" und "Spider-Man" ein, ohne die "Bad Guy"-Attitüde des einen und die Schüchternheit des anderen. Damit fehlt dem Stählernen für mein Dafürhalten allerdings auch etwas, wirklicher Tiefgang sieht nämlich anders aus, als Szenen ähnlich wie in anderen Superhelden-Epen zu stricken. Es reicht aber aus, um einen wohltuenden Gegenpol zur ständigen Action des Films zu schaffen. Immerhin.

Drehbuch und Story weisen im Übrigen einige Logikfehler auf, insbesondere das Finale des Endkampfes ist kaum erklärbar. Da fragt man sich, ob einige Szenen, die dem besseren Verständnis dienen könnten, dem Schnitt zum Opfer gefallen sind.

Wie dem auch sei, "Man Of Steel" ist meines Erachtens ein sehr guter Film. Für die Höchstwertung reicht es zwar nicht ganz, aber für sehr gute vier Sterne. Punkte, die zu verbessern wären, habe ich aufgelistet - trotz aller Kritik wurde ich aber hervorragend unterhalten. Zum ersten Mal seit einiger Zeit hat das "höher, schneller, weiter" der Effekte nicht dazu geführt, dass man als Zuseher nicht ständig das Gefühl der geistigen Unterforderung hat. Und das allein zählt.


Abraham Lincoln - Vampirjäger [Blu-ray]
Abraham Lincoln - Vampirjäger [Blu-ray]
DVD ~ Benjamin Walker
Wird angeboten von media4world
Preis: EUR 8,49

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Kann man sich ansehen - zu einem Meisterwerk fehlt aber einiges, 12. Juni 2013
Auf die Idee, den 16. US-Präsidenten Abraham Lincoln zu einem Vampirjäger zu machen, muss man erst einmal kommen. Klingt bizarr, ist es auch - wobei man zugeben muss, dass der Vampirmythos einigermaßen "plausibel" in die amerikanische Geschichte rund um den Sezessionskrieg eingebunden wurde. Neben Lincoln tauchen im Film weitere historische Figuren auf, auch Anspielungen auf reale Ereignisse fehlen nicht. Wobei man die Darstellungsweise bzw. Umdeutung des großen Konflikts um das Ende der Sklaverei, der hunderttausende Opfer auf beiden Seiten gefordert hat, durchaus für fragwürdig halten könnte. Andererseits kann man den Film auch als Satire betrachten - und eine Satire darf bekanntlich (fast) alles.

Von diesen Überlegungen abgesehen ist der überraschend humorlose Film durchaus unterhaltsam. Die Story ist dermaßen absurd, dass es fast schon wieder genial ist. Nur "fast", weil die Geschichte eben zwar vom Ansatz her gut ist, ansonsten bleibt jedoch eher dünn bleibt. Auch das Drehbuch schafft es nicht, viel Spannung aufzubauen - viel mehr als eine Aneinanderreihung von Action-Sequenzen und eine kleine Liebesgeschichte darf man sich nicht erwarten. A pro pos "Action": Diesen Part darf man fast durchwegs als gelungen betrachten. Die Kampfszenen sind sehr gut choreografiert, die vollkommen übertrieben dargestellten Fights sehen immerhin richtig gut aus. Auch andere rasante Szenen wie eine Pferde-Stampede wurden sehr spektakulär eingefangen. Gerade diese Szene zeigt trotz der rasanten Sprungeinlagen aber auch, wo die Grenzen der Special Effects liegen. Dermaßen nach "Computer" aussehende Pferde hat man selten gesehen - und durch das gestochen scharfe Blu-Ray-Bild wird dieser Effekt noch deutlicher sichtbar.

Größter Bonuspunkt des Films sind die zwar auch nachbearbeiteten, aber ausgesprochen schönen Außenaufnahmen. Das Spiel mit den Farben wird in "Abraham Lincoln Vampirjäger" ausgesprochen exzessiv betrieben - immer mit außergewöhnlich gutem Ergebnis, das auf der vorliegenden Blu Ray natürlich besonders gut zur Geltung kommt. Wunderschönes Sepia dominiert, wird in passenden Momenten aber immer von intensiven Farben und Kontrasten abgelöst. Viel besser kann man das meiner Ansicht nach nicht hinbekommen, dafür gibt es sogar einen Bonusstern. Der Soundtrack ist im Vergleich dazu eher zweckmäßig, aber immer noch bombastisch genug.

Die Leistung der Schauspieler ist soweit in Ordnung. Charakterlichen Tiefgang sollte und darf man natürlich nicht erwarten, im Rahmen seiner Möglichkeiten agiert das Ensemble aber recht gut. Schade, dass das Drehbuch nicht ein paar mehr Ecken und Kanten an den Figuren zugelassen hat.

Unterm Strich bleibt "Abraham Lincoln Vampirjäger" ein zwar absurder, aber keineswegs durchgängig dummer Actionfilm. Die Vampirelemente wurden überraschend elegant verarbeitet, die Darsteller sind großteils glaubwürdig. Leider lässt das schwache Drehbuch keine bessere Bewertung zu, es kommt einfach zu selten wirkliche Spannung auf. Damit reicht es aus meiner Sicht nur für drei Sterne, vier wären mit ein bisschen (!) mehr Tiefgang möglich gewesen.


Star Trek Into Darkness
Star Trek Into Darkness
DVD ~ Chris Pine
Preis: EUR 5,99

19 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Weiterhin fehlt dringend notwendiger Tiefgang, 11. Juni 2013
Rezension bezieht sich auf: Star Trek Into Darkness (DVD)
Meine Hoffnung nach dem Neustart der alt-ehrwürdigen Filmreihe mit neuer Crew war, dass man sich nach Teil 1 ("Star Trek") um ein wenig mehr Tiefgang bemühen würde. Leider erfüllt "Into Darkness" diese Hoffnung nicht. Doch beginnen wir mit dem Positiven: Optik und Akustik sind wiederum sehr gut gelungen. Die Special Effects sind große Klasse und wirken im Vergleich zu anderen Blockbustern ausgesprochen "realistisch". Alles ist noch eine Spur rasanter, als beim ohnehin nicht gerade langsamen Vorgänger. Auch das wurde gut umgesetzt. Untermalt wird diese Action vom passenden, bombastischen Soundtrack. Gut komponiert, sehr gut eingesetzt.

... und viel mehr Positives gibt es eigentlich nicht zu berichten. Zumindest nicht für altmodische Trekkies, zu denen auch ich mich zähle. Denn: Man versucht krampfhaft, die Männerfreundschaft zwischen Kirk und Spock auf das Niveau zu bringen, das sie bereits in der Original-Serie, aber noch wesentlich mehr in den Filmen mit der "alten" Crew hatte. Das gelingt meines Erachtens kaum. Zum einen liegt das an den Schauspielern, an die man sich nach wie vor nicht so wirklich gewöhnt hat - während Shatner und Nimoy echte Charakterköpfe waren bzw. sich während langer Jahre dazu entwickelten, sind speziell Pine, aber auch Quinto nach wie vor relativ farblos. Wobei man hier schon eine Verbesserung gegenüber dem ersten Teil konstatieren kann. Zum anderen dürfte es dem Drehbuch geschuldet sein, das ausgerechnet dieses zentrale Star Trek-Thema nicht richtig zur Geltung kommt. Bis auf eine Szene, die - mit umgekehrten Vorzeichen - aus "Der Zorn des Khan" übernommen wurde, fällt es durch die rasante Action schwer, eine emotionale Bindung zu den Charakteren herzustellen. Sprich: Es gibt oberflächliche Streitigkeiten zwischen Kirk und Spock, die man schon aus "Star Trek" zur Genüge kennt. So richtig in die Tiefe geht das alles nicht, auch deshalb, weil kaum auf die Ereignisse aus Teil 1 Bezug genommen wird. So kann es natürlich kein Gefühl eines größeren Zusammenhangs geben. Sub-optimal ist auch, dass die Filmemacher fast vollkommen auf die restliche Crew vergessen, die zwar ihre Momente hat, insgesamt aber weit von einem eingespielt wirkenden Ensemble entfernt ist. Durch diese Problematik wirkt "Into Darkness" meines Erachtens relativ zerfahren und isoliert. Wobei, eigentlich wirkt nicht "Into Darkness" so, sondern das neue Star Trek-Universum. Mir persönlich fehlt das Gefühl für ein "Großes Ganzes".

Was gibt es noch zu berichten? Im Gegensatz zu "Star Trek", das eine neue Vorgeschichte erzählt, geht "Into Darkness" stärker auf Ereignisse ein, die man bereits aus den Original-Filmen bzw. der Original-Serie kennt. Ohne Spoiler ist das recht schwierig zu erklären - aber der Feind, der im ganzen Film gejagt wird, stellt sich am Ende als alter Bekannter heraus. Auch die neue Wissenschaftsoffizierin dürfte Kennern der Materie sehr bekannt vorkommen, um einen weiteren Querverweis zu nennen. Eigentlich ist dieser Versuch der Integration von altem Material sehr löblich, damit bekommen auch die alten Fans wichtige Punkte, an denen sie sich "festhalten" können. Andererseits tut sich dadurch ein weiteres Problem auf: Man sieht deutlich, wie groß der Unterschied in Bezug auf Action, Technik aber leider auch Tiefgang zwischen den alten Filmen und dem Neustart ist. Die Story von "Into Darkness" ist sehr dünn, schafft stellenweise aber dennoch das Kunststück, zu verwirren. Nicht Fisch, nicht Fleisch. Und auf die erneute Einbindung von Leonard Nimoy hätte man diesmal verzichten sollen - ist zwar nur eine ganz kurze Szene, aber völlig entbehrlich für die Handlung ist sie dennoch. Da ist mir der "Tribble", der auch zu kurzen Ehren kommt, lieber.

Was bleibt also nach dem Genuss von "Into Darkness"? Für mich zwei Erkenntnisse: Erstens ist einer der erfolgreichsten Merchandises noch lange keine Garantie für einen guten Film. Das Star Trek-Universum ist ein unglaublich erfolgreicher Merchandise - aus guten Gründen, die mit dem Neustart leider nicht mehr viel zu tun haben. Zweitens - und diese Erkenntnis bezieht sich nicht allein auf "Into Darkness", sondern auf viele neue Filme - scheint die herausragende Technik, die den Regisseuren heute zur Verfügung steht, oft die Kreativität zu beeinträchtigen. Wer einen futuristischen Action-Film sehen will, wer Sternenflottenoffiziere mag, die sich wie Jedi-Ritter bewegen, wer auf Rasanz und perfekte Special-Effects steht, ist bei "Into Darkness" gut aufgehoben. Wer einfach nur "Star Trek" will, wie es ursprünglich gedacht war, wird - wie schon mit dem Vorgänger - auch mit diesem Film nicht warm werden.

Fazit: Drei Sterne - beim Vorgänger waren es ebenfalls "nur" drei, für meinen persönlichen Geschmack hat sich die Hoffnung nicht erfüllt, dass das Star Trek-Universum wieder etwas mehr Tiefgang erhält. Amüsant war der Film, das Gefühl etwas "Großes" zu sehen, ist ausgeblieben. Leider.
Kommentar Kommentare (5) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 1, 2013 10:08 AM MEST


Halo of Blood
Halo of Blood
Preis: EUR 6,99

3 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Positive Überraschung!, 11. Juni 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Halo of Blood (Audio CD)
Sieht man sich das Cover des 2013er Longplayers von Children Of Bodom an, könnte man fast an ein Weihnachtsalbum denken. Ok, statt dem Weihnachtsmann steht der "Reaper" groß im Bild, aber da ist ja noch der romantische Schneefall... Zum Glück wird man von solchen Fantasien sofort erlöst, wenn sich "Halo Of Blood" im CD-Player zu drehen beginnt.

Bereits der Opener "Waste Of Skin" zeigt eindrucksvoll, dass Children Of Bodom tatsächlich wieder zu alter Härte zurückgefunden haben - mehr noch als auf dem eher mittelprächtigen, gezwungen wirkenden Vorgängeralbum "Relentless, Reckless Forever". Sowohl Gesang als auch Gitarrenparts wirken einfach wesentlich spritziger als zuletzt, besserer Produktion sei Dank. Guter Song, guter Einstieg. Darauf folgt mit dem Titeltrack eine Überraschung. "Halo Of Blood" beinhaltet so viel Black Metal, wie man ihn von den Jungs um Alexi Laiho seit Stücken wie "Warheart" nicht mehr gehört hat. Wenn jemand nach den ersten Takten denkt, ein vergessenes Lied von Dimmu Borgir zu hören, würde es mich nicht wundern. Sehr gut, diese düstere Heaviness steht den Finnen ausgezeichnet. Auch "Scream For Silence" und "Transference" wissen mit alten Trademarks zu überzeugen und hören sich wie eine einzige Verbeugung vor der eigenen Vergangenheit an. Weitere hörenswerte Stücke: "Dead Man's Hand On You", einer der bisher langsamsten Bodom-Tracks überhaupt. Ein finsterer, schwerer Groover, der auch Doom-Anhängern gefallen dürfte. Eingebettet ist diese Atempause zwischen einem Kontrastprogramm, bestehend aus dem ultraschnellen "Your Days Are Numbered", das auch auf "Something Wild" eine gute Figur gemacht hätte und dem brutalen, fast an klassischen Death Metal erinnernden "Damaged Beyond Repair".

Im Vergleich zu diesem Top-Programm haben es die übrigen Stücke etwas schwerer, auch wenn es keinen wirklichen Ausfall gibt. "All Twisted" und der Rausschmeißer "One Bottle And A Knee Deep" sind in meinen Ohren durchaus in Ordnung, aber nicht essenziell. Ein gutes Finale hört sich jedenfalls anders an. Schwächster Track ist meiner Ansicht nach aber ausgerechnet "Bodom Blue Moon (The Second Coming)", das überhaupt nicht hängnbleibt und viel zu bemüht klingt. Damit ist das der erste Song, der ein "Bodom" im Titel trägt und mir trotzdem nicht gefällt.

Trotz dieser kleinen Schwächen überwiegt auf "Halo Of Blood" bei weitem das Positive. Der Gesang ist so aggressiv wie seit gefühlten Ewigkeiten nicht mehr, die zuletzt teilweise stark hörbare elektronische Verzerrung ist fast völlig verschwunden. Auch die Chöre klingen wesentlich besser, als die "Gangshouts", die man von Children Of Bodom in der Vergangenheit teilweise zu hören bekommen hat. Die Gitarren sind im Rhythmus-Bereich immer noch nicht so fett, wie man es gerne hätte, gehen aber zumindest in die richtige Richtung. Bei den Leads ist hingegen alles im grünen Bereich, "messerscharf" könnte man die Duelle nennen. Das Keyboard wurde partiell weiter zurückgefahren und ist außerhalb der obligatorischen Solo-Parts nicht allzu auffällig zu hören. Interessant: Irgendwie klingen Children Of Bodom auf diesem Album ein wenig nach ihren ehemaligen "Jüngern" Norther. Oder höre nur ich hier eine große Prise "Death Unlimited" heraus? Auch deshalb scheint mir "Halo Of Blood" ein guter und richtiger Schritt back to the roots zu sein, ohne die moderne Phase von Children Of Bodom völlig aus den Augen zu verlieren.

Fazit: Gut gemacht, die volle Punktzahl für diese Mischung gibt es nur deshalb nicht, weil dem einen oder anderen Song ein markanterer Refrain gut zu Gesicht gestanden hätte. Das ist aber Jammern auf hohem Niveau - Bodom-Fans können bedenkenlos zugreifen!


Battle Beast
Battle Beast
Preis: EUR 9,89

1 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Erfrischend altmodisch - "Just let it roaaaaaaaar!", 7. Juni 2013
Rezension bezieht sich auf: Battle Beast (MP3-Download)
Ganz an die Spitze ihres Genres reicht es für die Finnen Battle Beast 2013 (noch) nicht. Mit dem selbstbetitelten Zweitwerk geht es aber auf jeden Fall in die richtige Richtung. Das hat viel mit dem Songwriting zu tun, das großteils sehr gelungen ist. Klassischer Heavy Metal mit starken Anleihen aus den 1980ern geht halt (fast) immer, noch dazu, wenn er so erfrischend und kraftvoll umgesetzt wird. Um die Genre-Referenzen Accept bzw. U.D.O. oderauch die aktuell noch angesagteren Sabaton und Powerwolf zu erreichen, fehlt in meinen Ohren allerdings ein wenig die Konstanz. Dennoch sollte jeder, der mit den genannten Gruppen etwas anfangen kann und auch nichts gegen Doro, Gamma Ray, HammerFall, Stratovarius und Sonata Arctica hat, mal bei Battle Beast reinhören. So schön wird die gute, alte Zeit nicht mehr allzu oft vertont, mit so viel Power werden die genannten Gruppen selten vermischt.

Der aggressive und harte Einstieg "Let It Roar" zeigt gleich von Anfang an, wo bei Battle Beast der Hammer hängt: Hohes Tempo, eingängige Riffs und - als größtes Markenzeichen - der eigenwillige Gesang, besser das "Roaring" von Neuzugang Noora Louhimo. Wer mit dem German Tank Udo Dirkschneider als Sänger etwas anfangen kann, wird sich also auch seinem weiblichen Pendant kaum entziehen können. Neben dem Opener fallen gleich bei den ersten Durchläufen weitere Stücke positiv auf: die kurzen, knackigen "Out Of Control" und "Raven" lassen keine Wünsche offen, noch besser macht es das auf Platz 9 "versteckte" "Kingdom", das sich als wahre Hymne entpuppt. Zwar sind die Gitarren- und Keyboard-Soli ein wenig zu ausufernd, ob der songwriterischen Klasse ist das aber zu verschmerzen. Von den eher im Midtempo gehaltenen Songs stechen vor allem das Dio-affine "Into The Heart Of Danger" sowie das superbe "Black Ninja", zu dem es auch ein Video gibt, hervor.

Der Rest der Tracks fällt leider ein wenig ab bzw. hat das Problem, immer nach dem selben Muster aufgebaut zu sein. Immerhin noch im oberen Durchschnitt ist das fast schon AOR-mäßige "Out On The Streets". Aber "Neuromancer", "Machine Revolution", "Over The Top", "Fight, Kill, Die" (gibt's das nicht von Manowar?) sowie der Rausschmeißer "Rain Man"? Bestenfalls kann man der Band hier gute technische Fähigkeiten attestieren, das ändert aber nichts an der Beliebigkeit dieser Stücke. Von keinem der genannten Tracks bleiben mehr als kleine Häppchen in den Gehirnwindungen hängen. Ein eklatanter Qualitätsunterschied zu den weiter oben genannten, exzellenten Stücken.

Nimmt man das Instrumental "Golden Age", das als Einleitung für "Kingdom" dient heraus, sind von den 13 Songs auf "Battle Beast" also fünf nicht gerade das Gelbe vom Ei, während sieben wirklich gut sind. Klingt erstmal nicht so toll, dennoch wären ganz knappe vier Sterne möglich gewesen. Leider spielt die Produktion nicht ganz mit. Die Drums wirken tatsächlich sehr klinisch und haben bei "Raven" sogar einen gefährlichen "Flippers-Gedenksound". Schauderhaft. "Angelo Sasso" lässt meines Erachtens zwar nicht grüßen, aber viel fehlt nicht zu dieser zweifelhaften "Auszeichnung". Auch der Keyboard-Sound ist für meinen Geschmack etwas zu "quietschig" ausgefallen, ist aber noch in einem tolerierbaren Bereich. Insgesamt hätte wohl ein etwas "trockenerer" Mix der Platte sehr gut getan. Achja, das Cover lädt meiner Ansicht eher zum Fremdschämen ein, aber das soll jetzt niemanden vom Kauf abhalten. Im Endeffekt gibt es gute drei Sterne und den Hinweis, dass die starken Songs auf diesem Album wirklich ausgesprochen viel Spaß machen - und das ist ja immer noch das Wichtigste.


Strache: Im braunen Sumpf
Strache: Im braunen Sumpf
Preis: EUR 16,99

29 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hinterlässt den Leser fassungslos, 6. Juni 2013
Rezension bezieht sich auf: Strache: Im braunen Sumpf (Kindle Edition)
Mit "Strache - Im braunen Sumpf" liefert der österreichische Journalist Hans-Henning Scharsach ein erschütterndes Zeugnis darüber, wie weit rechts die FPÖ und ihr aktueller Bundesparteiobmann Heinz-Christian "HC" Strache stehen (Scharsach hat sich übrigens u. a. bereits in "Haiders Kampf" mit der FPÖ angelegt). Mit mehr als 1.000 Quellenangaben werden in der blauen Parteilandschaft braune Flecken belegt, die teilweise weit außerhalb der Verfassung und der Gesetze liegen. Der Autor zeigt überaus anschaulich, welch enge Verbindungen zwischen der FPÖ und rechtsextremen Personen bzw. Gruppierungen bestehen. Beschrieben wird dabei auch Straches "Schritt zurück", der ideologische Rückbau der FPÖ und die Machtübernahme der bisweilen am äußersten rechten Rand angesiedelten Burschenschafter, die nach der Abspaltung des BZÖ immer stärker forciert wurde. Fast schon "nebenbei" beschreibt das Buch, wie der Feindbildwechsel vom FPÖ-Klassiker "die Ausländer" zur "drohenden Islamisierung" von Statten gegangen ist, ein Prozess der allerdings noch nicht abgeschlossen ist. Wenn man liest, welche Slogans und Botschaften dafür verwendet werden, welcher Quellen und Redner sich die FPÖ bedient, wo und wofür sich Parteifunktionäre engagieren und wen sie als "Freunde" bezeichnen, kann einem tatsächlich Angst und Bang werden. Im Prinzip erzählt Scharsach nichts Neues. Vieles, worüber er berichtet, wurde in den vergangenen Jahr(zehnt)en mehrfach in verschiedensten Medien thematisiert, wie man an den vielen Quellenangaben erkennen kann. Aber auch wenn der Journalist im Eifer des Gefechts gelegentliche Polemik nicht vermeiden kann, ist es definitiv starker Tobak, dermaßen viele Verfehlungen österreichischer Politiker gesammelt und genau belegt vor sich zu sehen.

"Strache - Im braunen Sumpf" erschöpft sich jedoch nicht in einer Kritik an der FPÖ, ihrer Vergangenheit, ihrem aktuellen Chef und ihrer Verbindungen zum Rechtsextremismus. Scharsach beschäftigt sich auch mit den Folgen des von der FPÖ maßgeblich geschaffenen, feindseligen Klimas der Angst. Speziell in den neuen Medien, insbesondere auf Facebook sind die aktuellsten Auswüchse eines - hoffentlich - kleinen Teils der FPÖ-Wählerschaft zu beobachten. Die Kommentare von Usern, die man nach wie vor regelmäßig auf Straches Facebook-Auftritt zu lesen bekommt (und die oft lange ungelöscht stehen bleiben), sprechen für sich; ebenso die Kommentare und Links, die Administratoren und User auf anderen FPÖ-Facebook-Seiten posten. Es wird aber auch nicht verhehlt, dass es in der FPÖ durchaus kritische, vernünftige und besonnene Stimmen gibt - die allerdings kaum durchzudringen scheinen. Scharsach negiert auch nicht die Gegengewalt, die dieses vorsätzlich geschürte Klima des Hasses schaffen kann. Seiner Ansicht nach könnte ausgerechnet die ständige Panikmache und Hetze, die von der FPÖ betrieben wird, letztlich die Zustände schaffen, vor denen die Partei so unermüdlich warnt.

Einziger Wermutstropfen: Im Buch existiert zwar ein Namensregister, eine Übersicht mit den bisherigen (rechtskräftigen) Verurteilungen der einzelnen FPÖ-Politiker wäre jedoch noch schlagkräftiger gewesen. Dass die vielen Anzeigen und Verurteilungen im Text genannt werden ist zwar gut, aber meines Erachtens nicht so wirkungsvoll.

Fazit: Die schiere Ballung an rechtsextremen "Ausrutschern", Provokationen und Verharmlosungen, die Anzahl und Art der Verbindungen in ein neonazistisches Milieu lässt den Leser betroffen und fassungslos zurück. Wer nach der Lektüre dieses Buches Straches FPÖ - allem (teilweise) berechtigten Ärger über die Regierungsparteien zum Trotz - ernstlich für eine wählbare Alternative hält, darf sich nicht wundern, wenn er selbst "ins rechte Eck" gestellt wird. Dementsprechend muss man das Buch nicht nur Strache-Gegnern, sondern speziell auch seinen Anhängern empfehlen. Leider ist die Hoffnung, dass FPÖ-Wähler zu diesem Buch greifen werden, eher begrenzt.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 25, 2013 6:01 PM MEST


Die bewohnte Insel: Roman (suhrkamp taschenbuch)
Die bewohnte Insel: Roman (suhrkamp taschenbuch)
von Arkadi Strugatzki
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,00

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Robinson Crusoe im Kriegsgebiet, 27. Mai 2013
"Die bewohnte Insel" ist der erste Teil der "Maxim Kammerer-Trilogie" der russischen Schriftstellerbrüder Arkadi und Boris Strugatzki. Der Titel weist bereits darauf hin: Ähnlich wie Robinson Crusoe verschlägt es den Helden Maxim Kammerer auf eine ihm unbekannte Welt, auf der er sich erst zurecht finden muss. Doch anders als die Insel im Klassiker von Daniel Defoe ist der Planet, auf dem die Hauptperson landet, alles andere als unbewohnt.

Die Autoren stellen in "Die bewohnte Insel" die Anpassungsprobleme, die der Protagonist in einem für ihn völlig fremden System hat, sehr anschaulich dar. Die fremde Sprache zu lernen ist dabei noch das geringste Problem. Viel schwerer fällt es dem Helden, mit seinen irdischen (in diesem Fall: utopisch-sozialistischen) Wertvorstellungen, die Bewohner der "Insel" auf gesellschaftlicher und philosophischer Ebene zu verstehen. Um aber seinem Schicksal zu entkommen, muss er sich anpassen, was eine starke Veränderung seiner Persönlichkeit und seiner Moral zur Folge hat. Letztlich scheint "Die bewohnte Insel" damit ein Plädoyer dafür zu sein, dass selbst ein Einzelner mit genügend Willenskraft ein System verändern kann. Dass es dabei zwangsläufig zu Verlusten kommt, die das Umfeld, die eigene Persönlichkeit und auch die eigene Moral betreffen, ist die Folge. Ob sich ein solcher Eingriff in das System lohnt, lassen die Autoren ein wenig offen - der überraschende Schluss legt allerdings nahe, dass es ohne genaue und umfassende Kenntnis der Fakten leicht zu einer Katastrophe kommen kann, egal, wie gut die verfolgten Absichten gewesen sein mögen.

Andererseits zeigt "Die bewohnte Insel" auch sehr deutlich, wie sich ein repressives Regime durch Propaganda und Manipulation absichert. Die Art und Weise wie die Bewohner der "Insel" unterdrückt werden, wie man Andersdenkende verfolgt und ausrottet, hat etwas bedrückend Realistisches. Übrigens wird in diesem Roman auch die Bedrohung durch atomare Aufrüstungs- und Abschreckungspolitik sehr deutlich dargestellt, ebenso die Folgen eines modernen, hochtechnisierten Krieges.

Fazit: Zunächst hatte ich für "Die bewohnte Insel" schon die Vier-Sterne-Wertung reserviert - zu oft wurde die spannende Grundhandlung von philosophischen Exkursen unterbrochen, die man nur schwer versteht. Allerdings hat sich das nach einem zweiten Durchgang geändert und ich habe Details entdeckt, die ich vorher in der stark verdichteten Geschichte überlesen habe. Der Schluss ist sowieso über jeden Zweifel erhaben, sodass ich im Endeffekt fünf Sterne springen lasse. Knapp, aber doch.


Gesammelte Werke 2: Drei Romane in einem Band: Picknick am Wegesrand; Eine Milliarde Jahre vor dem Weltuntergang; Das Experiment
Gesammelte Werke 2: Drei Romane in einem Band: Picknick am Wegesrand; Eine Milliarde Jahre vor dem Weltuntergang; Das Experiment
Preis: EUR 9,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Für Strugatzki-Anfänger und alte Hasen gleichermaßen interessant, 27. Mai 2013
Die erste Frage, die sich stellt, wenn man die dicken Bücher der Strugatzki-Gesamtausgabe sieht, ist natürlich: Braucht man das, wenn man bereits alles von den russischen Schriftsteller-Brüdern im Schrank hat? Ich persönlich würde den Kauf jedem empfehlen, der ein paar Euro übrig hat und gerne diese Klassiker der russischen Science Fiction liest - auch wenn man vielleicht schon das eine oder andere Strugatzki-Werk im Regal stehen hat. Die in den Gesamtausgaben enthaltenen Romane wurden nämlich nicht nur neu übersetzt, sondern auch um in früheren Veröffentlichungen gestrichene Passagen ergänzt. Das bedeutet, dass man hier erstmals in den vollständigen Genuss der Bücher kommt, was früher kaum möglich war. Hinzu kommen umfangreiche Anmerkungen zu allen enthaltenen Geschichten - verfasst von Boris Strugatzki persönlich. Der Autor geht dabei nicht nur auf die Entstehungsgeschichte jedes Romans ein, sondern versucht auch zu erklären, was der jeweilige Hintergrund war und warum die Brüder in der Sowjetunion durchaus um ihr Leben fürchten mussten. Diese Anmerkungen sind mitunter genauso spannend wie die eigentlichen Geschichten und für sich schon beinahe den Kaufpreis wert. Noch dazu fällt durch die Anmerkung die Interpretation des teilweise doch recht schwer zu entschlüsselnden Stoffes wesentlich leichter. Für mein Dafürhalten ist die Gesamtausgabe also eine runde Sache.

Und wer noch nichts von den Strugatzkis hat, ist mit der Gesamtausgabe ohnehin bestens bedient. Gerade in Band 2 sind die drei enthaltenen Geschichten sehr unterschiedlich, was ihn meiner Ansicht nach perfekt zum Kennen lernen des Werkes von Arkadi und Boris Strugatzki macht. Fazit: 5 Sterne und eine Kaufempfehlung.

Hier noch ein paar Worte zu den einzelnen Geschichten in diesem Band:

***** "Picknick am Wegesrand" ist einer der bekanntesten Romane der Brüder. Ein Mitgrund ist natürlich die Verfilmung unter dem Titel "Stalker" bzw. das (fast) gleichnamige Computerspiel "S.T.A.L.K.E.R.". Der Roman ist sehr gut geschrieben und meiner Ansicht nach die beste Geschichte in diesem zweiten Band. Im Fokus steht hier das Gefühl der Hilflosigkeit angesichts einer vollkommen unbekannten Technologie, die unerklärbar ist und keinen bekannten Naturgesetzen folgt. Nebenbei gibt es - wie in allen Strugatzki-Werken - zahlreiche mehr oder weniger gut getarnte Anspielungen auf die Gegebenheiten in der Sowjetunion.

**** "Eine Milliarde Jahre vor dem Weltuntergang" versucht sich eher am Beschreiben geheimer Kräfte, die irgendwo im Hintergrund wirken. Hier geht es mehr darum, wie jeder seinen Teil zu einem Gesamten beiträgt, ohne das Endergebnis irgendwie absehen zu können. Dabei kommt es zu Strugatzki-typisch zu zahlreichen unerklärlichen Ereignissen, die einfach hingenommen werden müssen. Vom Stil her ein eher schwierig zu lesendes Werk, ausgesprochen spröde.

**** "Das Experiment" kann man fast als Entwicklungsroman bezeichnen. Der Held der Geschichte durchlebt in einer Stadt, die einzig einem Experiment mit unbekanntem Zweck dient, verschiedene Stationen und wird auf unterschiedlichste Weise indoktriniert. Dass er sich dabei als Sowjet unter anderem mit einem ehemaligen Unteroffizier der Wehrmacht anfreundet ist nur ein Grund, wieso der Roman erst viele Jahre nach seiner Fertigstellung veröffentlicht werden durfte. Prinzipiell kann "Das Experiment" durchaus als Allegorie auf das mittlerweile gescheiterte Experiment des Kommunismus gelten - kein Wunder also, dass die Strugatzkis an diesem Buch nur unter strengster Geheimhaltung arbeiten konnten. Allzu leicht lesbar ist der Roman nicht. Zwischendurch gibt es zwar immer wieder "schnelle" Passagen, die das Ganze auflockern, durchsetzt ist das Buch aber auch von vielen philosophischen Auseinandersetzungen und Metaphern, die schwer zu verstehen sind. Zumindest für Menschen, die nicht in der Sowjetunion gelebt haben.


Gemini Rue: Verschwörung auf Barracus
Gemini Rue: Verschwörung auf Barracus
Wird angeboten von SEDIVA Deutschland
Preis: EUR 8,49

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Kein Augenschmaus, dafür ein Spiel mit Herz und Seele, 17. Mai 2013
Wenn "retro" in ist, müsste sich "Gemini Rue - Verschwörung auf Barracus" verkaufen wie warme Semmeln. Die Grafik erinnert an die seligen 1990er Jahre, aber nicht an das Ende, sondern an den Anfang. Sogar die - (für manche) noch seligeren - 1980er schimmern in Bezug auf die Optik deutlich durch. Die Animationen verdienen kaum ihren Namen, die Figuren als "pixelig" zu bezeichnen wäre ein Kompliment. Immerhin sind die Hintergründe sehr schön gezeichnet und fangen die Stimmung gut ein. Gleich mehrere Schritte zurück in die Vergangenheit macht auch die Bedienung, die sämtliche Komfort-Funktionen, die man seit gefühlten Jahrzehnten gewohnt ist, außen vor lässt. Ein Menü mit den rudimentären Funktionen "Ansehen", "Benutzen", "Treten" (!) und "Sprechen", dargestellt in simplen Piktogrammen, die schwer zu erkennen sind, reicht für dieses Spiel aus. Lediglich zwei technische Aspekte von "Gemini Rue" gemahnen nicht an die Computer-Steinzeit: Die ausgezeichnete musikalische Untermalung (ok, die gab es früher auch, allerdings nicht am PC) und die - speziell für eine Indie-Produktion - unfassbar professionelle Sprachausgabe. Diese zwei Punkte gehen problemlos als höchster Standard durch.

Und trotz all der genannten "Mängel" verdient "Gemini Rue" locker vier Sterne. Das Spiel schafft nämlich etwas, wovon viele Software-Riesen mit ihren Hochglanz-Produkten nur träumen können: eine interessante, packende Story zu erzählen und eine Welt zu kreieren, die den Spieler voll und ganz gefangen nimmt. Die düstere, bedrückende Atmosphäre ist ein weiterer Pluspunkt, der schwer beschrieben werden kann, der einfach erlebt werden muss. Um das zu schaffen, muss man dem Spiel natürlich trotz des auf den ersten Blick "hässlichen" Äußeren eine Chance geben.

Einen Stern Abzug gibt es, weil die Charaktere nicht so ausgefeilt sind, wie sie hätten sein können. Das ändert zwar nichts an der Sympathie, die man für die tragischen Figuren empfindet, ist aber doch ein wenig störend. Dass das Spiel sehr geradlinig ist, stört mich hingegen weniger. Wer allerdings Möglichkeiten sucht, den Spielverlauf durch eigene Entscheidungen zu beeinflussen, ist hier fehl am Platz - wenn man deshalb einen Stern abzieht, kann ich es gut verstehen. Genauso verhält es sich mit der Bedienung - das Menü an sich ist schon in Ordnung, wenn es auch merkwürdig ist, dass es nur in Verbindung mit einem klickbaren Punkt auf dem Bildschirm geöffnet werden kann. Die Steuerung in den Kampfsequenzen ist hingegen viel zu komplex und umständlich. Zum Glück gibt es sehr wenige Kämpfe, sodass man für dieses Problem nichts abziehen muss.

Fazit: Ein gelungenes Spiel, dass zeigt, welche Bedeutung Story und Atmosphäre wirklich haben - gerade weil die Grafik wie aus der Computer-Steinzeit wirkt, wird noch deutlicher, wie wenig Seele viele moderne Spiele haben. Für mich sind das glatte vier Sterne.


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