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Rezensionen verfasst von
Stefan T. (Wien)

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Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-20
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Das Experiment: Roman
Das Experiment: Roman
von Arkadi Strugatzki
  Taschenbuch

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Nicht einfach zu lesen, lohnend für philosophisch Interessierte, 13. Mai 2013
Rezension bezieht sich auf: Das Experiment: Roman (Taschenbuch)
"Das Experiment ist das Experiment" - nähere Erklärungen zum Geschehen gibt es in diesem sehr spät (1989) veröffentlichten Werk von Boris und Arkadi Strugatzki nicht. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass der Leser - wie in so vielen Werken der russischen Schriftsteller-Brüder - die Handlung des Romans großteils selbst deuten muss. Das sollte jedem potentiell Interessierten klar sein, bevor er dieses Buch kauft.

Dabei bietet "Das Experiment" oberflächlich betrachtet durchaus Elemente, die auch reine Science Fiction-Fans befriedigen könnten. Immerhin ist der Gedanke an eine Stadt, die von vielen "freiwilligen Versuchskaninchen" aus unterschiedlichsten Epochen, Ländern und Kulturen bevölkert wird eine phantastische Idee. Wer allerdings erwartet, näheres über die Art und Weise zu erfahren, wie das Experiment funktioniert, welchem Zweck es dient oder auch nur, wo sich diese Stadt befindet, wird enttäuscht werden. Auch eine nähere Erläuterung, wieso es in der Stadt immer wieder zu merkwürdigen Ereignissen (z. B. eine plötzliche Invasion durch Paviane) kommt, bleibt aus. Der Leser tappt also völlig im Dunkeln, was ihn auf wunderbare Weise mit den Charakteren im Buch verbindet, die ebenfalls nur Mutmaßungen über das Experiment anstellen können. Dieser Verzicht auf einen allwissenden Erzähler ist es, der manche Leser verzweifeln lässt, während andere die Strugatzkis dafür lieben. Ich persönlich gehöre zu letzterer Kategorie, kann aber auch verstehen, wenn jemand "Das Experiment" entnervt in die Ecke wirft. Wer bis zum Schluss durchhält, wird übrigens nicht mit einem Happy End belohnt - hier ist wirklich der Weg das Ziel. Das Ende kommt abrupt und ist genauso rätselhaft, wie das ganze Buch erscheint.

Soviel zur heutigen Lesart von "Das Experiment". Wer mit philosophischen Metaphern und der Suche nach einem Sinn des Lebens umgehen kann, wird es mögen. "Das Experiment" hat aber auch eine andere, subtile Ebene, unter der man sich heute nicht mehr so viel vorstellen kann. Das Buch kann durchwegs als Kritik auf politische Ideologien, vornehmlich natürlich jener der Sowjetunion, gelesen werden; das ist auch der Grund dafür, warum der Roman erst 1989 erschienen ist, obwohl er bereits zwischen 1969 und 1975 geschrieben wurde. Es mag sein, dass es Leser gibt, die auch diesen Aspekt des Buches verstehen und nachvollziehen können - mir selbst fehlt der Zugang, diese Lesart vollständig decodieren zu können. Natürlich versteht man einige Anspielungen, aber prinzipiell muss man wohl die Sowjetunion selbst erlebt haben, um gänzlich zu begreifen, warum das Buch eine so große Gefahr für die Obrigkeit war. In groben Zügen ist es aber durchaus verständlich.

Wie dem auch sei, ich habe "Das Experiment" mit Erstaunen und Vergnügen gelesen, auch wenn mir der Zugang des "Sowjetmenschen" fehlt. Einige Seiten sind zwar ausgesprochen zäh (z. B. das Schachspiel mit dem "großen Strategen"), diese Passagen bleiben aber in der Minderheit. Man ertappt sich jedenfalls nach der Lektüre immer wieder dabei, über Sinn und Zweck des Ganzen nachzugrübeln. Ein größeres Kompliment kann man den Autoren vermutlich schwer machen. Ganz reicht es zwar nicht für die Höchstwertung, weil die Strugatzkis auch wesentlich kompakter zu Werke gehen können, aber gute 4 von 5 Sternen ist das Buch allemal wert.


Schlafes Bruder: Roman
Schlafes Bruder: Roman
von Robert Schneider
  Broschiert

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wortgewaltige Geschichte über unentdecktes Wunderkind, 26. April 2013
Rezension bezieht sich auf: Schlafes Bruder: Roman (Broschiert)
Zunächst muss man konstatieren: "Schlafes Bruder" hat tatsächlich - wie in einigen Rezensionen angemerkt - eine gewisse Ähnlichkeit zum 1985 erschienen Roman "Das Parfum" (Patrick Süskind). Hier wie dort gibt es ein in seiner Kindheit unerkanntes Genie, das aufgrund seiner besonderen Begabungen unter seiner archaischen Umgebung leiden muss. Auch unerfüllte Liebe und der Versuch, aus dem engen Milieu auszubrechen, spielen in beiden Romanen eine Rolle.

Dennoch kann "Schlafes Bruder" sehr gut für sich bestehen. "Das Parfum" ist brutaler, direkter, handlungsintensiver, während "Schlafes Bruder" düsterer und abstrakter daherkommt. Robert Schneider gelingt es, in einer altmodisch eingefärbten Sprache mit zahlreichen quasi-dialektischen Elementen, die Lebensumstände seines (Anti-)Helden ausgesprochen realitätsnah zu beschreiben. Das Umfeld von Tradition, Armut, Inzest und ungebildeten Bauern, in das der Autor seine Figuren setzt, wird bedrückend realistisch dargestellt. Die Betroffenheit steigert sich noch durch eine Art "Wir-Gefühl" zwischen Erzähler und Leser, das Schneider durch geschickte Hinweise schafft und das zusätzlich das Gefühl erzeugt, eine vollkommen reale Geschichte zu lesen. Geschrieben ist "Schlafes Bruder" sehr flüssig, das Buch ist (zumindest großteils) schnell und einfach zu lesen.

Warum es trotz aller positiven Aspekte nicht zur Höchstwertung reicht: Robert Schneider entwickelt an mehreren Stellen im Buch eine Tendenz zu ausufernden Beschreibungen. Geht es um Landschaft, Umgebung und Figuren ist das in Ordnung - aber die Superlative und merkwürdigen Ausdrücke, in denen er versucht, die Musik seiner Hauptfigur in Worte umzusetzen, ist schlicht unlesbar. Ganze Abschnitte werden zu langwierigen und - noch schlimmer - langweiligen Passagen über die Kunst einzelner Partituren und des Orgelspiels im Allgemeinen. Es ist schon klar, dass der Autor das besondere Talent seines Hauptcharakters herauszustellen versucht, was ihm auch gelingt. Er übertreibt es nur ein wenig, sodass einige Passagen zum Querlesen einladen. Schade, ohne diese Problematik hätte es die volle Punktzahl geben können. So müssen vier Sterne reichen.


Welcome Farewell (Ltd.Digipack Incl.Bonus Tracks
Welcome Farewell (Ltd.Digipack Incl.Bonus Tracks
Preis: EUR 23,81

0 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Leider nicht der große Wurf, 18. April 2013
Vreid konnten mit ihren bisherigen Outputs eigentlich sehr gut aus dem übermächtigen Schatten von Windir heraustreten. Zu verdanken ist das zum einen dem mittlerweile doch recht großen stilistischen Unterschied, zum anderen dem guten, ausgesprochen rock n' rolligen Songwriting. Nun, Black n' Roll wird auch auf "Welcome Farewell" geboten, nur leider nicht mehr so hochklassig, wie man es von den Norwegern bisher eigentlich gewohnt war.

Bereits der Opener "The Ramble" ist relativ unspektakulär geraten. Kein schlechter Song und man merkt auch sofort, dass man Vreid hört - aber wirklich gut geht eben auch anders. Vor allem beim Gesang bedient man sich ohrenscheinlich bei bereits von Immortal ausgetretenen Pfaden, leider aber ohne deren Hymnencharakter zu erreichen. Dennoch kann man das Stück noch im Haben verbuchen, ebenso die um ein gutes Stück besseren, weil abwechslungsreicheren "The Devils Hand" (sic!) und "The Reap". Auch der in der Mitte des Albums platzierte Titeltrack ist ein Treffer, hätte allerdings speziell gegen Ende hin ein wenig Kürzung vertragen.

Auch sonst gibt es leider kein wirklich herausragendes Material auf "Welcome Farewell" zu entdecken. "The Way Of The Serpent" ist vollkommen belanglos und auch an den Rausschmeißer "At The Brook" kann man sich selbst nach vielen Durchläufen eher vage erinnern. Ansonsten gibt es noch das überlange (8:36 Minuten) "Sights Of Old" und "Black Waves" (mit 4:18 Minuten genau halb so lang) zu hören. Trotz unterschiedlicher Länge kranken beide Songs an demselben Syndrom: zu gesichtlos, der Funke springt absolut nicht über. Insgesamt eine merkwürdige Sache - Vreid sind natürlich nach wie vor sehr gute Musiker und haben auch an ihrem ureigenen Stil nicht viel geändert; aber aus irgendeinem Grund will "Welcome Farewell" als Gesamtwerk kaum zünden. Das war übrigens auch auf der Tour zu diesem Album zu bemerken - viele neue Songs wurden gespielt, auf alte Gassenhauer wurde großteils verzichtet (vom unverwüstlichen "Pitch Black" mal abgesehen) und die Reihen haben sich auch in kleinen Clubs wie dem Wiener "Escape" schneller gelichtet, als der Band lieb war.

Nach fünf guten bis sehr guten Alben seit 2004 ist "Welcome Farewell" damit der erste Durchhänger, den Vreid zu verzeichnen haben. Dafür kann es im Endeffekt eigentlich trotz aller Sympathie für die norwegischen Rocker nur zwei Sterne geben - wenn da nicht das super gestaltete, atmosphärische Albumcover wäre. Ist ein heißer Tipp für eines der besten Motive 2013, daher lasse ich mich - ausnahmsweise - zu einem Bonusstern für gutes Artwork hinreißen. Die Musik allein hätte es eigentlich nicht verdient.


Eine Milliarde Jahre vor dem Weltuntergang
Eine Milliarde Jahre vor dem Weltuntergang
von Arkadi Strugatzki
  Broschiert

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Harter Tobak in gewöhnungsbedürftigem Stil, 16. April 2013
Die Brüder Arkadi und Boris Strugatzki sind ja für ihren ausgesprochen interessanten, mitunter aber auch recht trockenen Zugang zur Science Fiction bekannt. "Eine Milliarde Jahre vor dem Weltuntergang" (auch als "Milliarden Jahre vor dem Weltuntergang" erschienen) ist ein Beispiel für die nicht gerade angenehm zu konsumierende Variante eines Strugatzki-Buches. In der dünnen Handlung wird der Frage nachgegangen, warum und unter welchen Umständen der Sprung von einer "normalen" zu einer "Superzivilisation" scheitern könnte.

Das liest sich in einer Rezension wie ein höchst spannendes Thema. Allerdings seien potentielle Leser gewarnt: Die Andeutungen, die die Autoren in die einzelnen Kapitel verpacken, bleiben höchst nebulös. Es gibt zwar Erklärungsansätze für die Ereignisse, die dem Protagonisten und seinen Kollegen widerfahren - wirklich verständlich und schlüssig ist allerdings kaum etwas. Zumindest nicht aus Science Fiction-Sicht... Aus den Anmerkungen geht hervor, dass das Buch als Allegorie auf die Zustände in der ehemaligen Sowjetunion zu lesen ist, ferner dass "Eine Milliarde Jahre vor dem Weltuntergang" das einzige Strugatzki-Werk ist, in dem alle Figuren einem realen Vorbild entsprechen. Das Buch ist also eine geschickt verpackte Kritik am Regime des Heimatlandes der Autoren und aus dieser Sicht dementsprechend wichtig.

Stilistisch wirkt "Eine Milliarde Jahre vor dem Weltuntergang" teilweise sehr befremdlich, wenn man "normale" Lesegewohnheiten als Maßstab nimmt. Die Präsentation der Thematik ist - wie man es aus der osteuropäischen Science Fiction kennt - eher trocken, lässt an einigen Stellen aber auch den bei den Strugatzkis durchaus vorhandenen Humor durchschimmern. Die elf (sehr kurzen) Episoden und ihre Unterkapitel beginnen mit Auslassungspunkten bzw. unvollständigen Sätzen. Warum das so ist, hat sich mir persönlich während der Lektüre nicht erschlossen. Gegen Ende des Buches gibt es auch noch einen Perspektivenwechsel von der dritten in die erste Person, ein stilistisches Mittel, das von den Autoren gelegentlich angewandt wird.

Wem dieses Buch letztendlich gefallen könnte, ist schwer zu sagen. Hauptsächlich werden sich wohl Leser von philosophischer Science Fiction, wie man sie beispielsweise auch von Frank Herbert, Philip K. Dick, Isaac Asimov oder auch Stanislaw Lem kennt, angesprochen fühlen. Ganz vergleichbar mit deren Werke ist "Eine Milliarde Jahre vor dem Weltuntergang" meines Erachtens aber nicht - zu stark steht hier der gesellschaftskritische Aspekt im Vordergrund. Einen Blick riskieren können die Fans der genannten Autoren aber auf jeden Fall. Jeder, der eine Art Space Opera oder ähnliches erwartet, sollte einen großen Bogen um dieses Werk machen. Im Endeffekt reicht es bei mir für vier Sterne - ich habe trotz des wichtigen Themas definitiv schon Besseres von Arkadi und Boris Strugatzki gelesen.


Milliarden Jahre vor dem Weltuntergang.
Milliarden Jahre vor dem Weltuntergang.
von Strugazki [Strugatzki] Arkadi N(atanovic) und Boris N.
  Broschiert

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Harter Tobak in gewöhnungsbedürftigem Stil, 16. April 2013
Die Brüder Arkadi und Boris Strugatzki sind ja für ihren ausgesprochen interessanten, mitunter aber auch recht trockenen Zugang zur Science Fiction bekannt. "Milliarden Jahre vor dem Weltuntergang" (auch als "Eine Milliarde Jahre vor dem Weltuntergang" erschienen) ist ein Beispiel für die nicht gerade angenehm zu konsumierende Variante eines Strugatzki-Buches. In der dünnen Handlung wird der Frage nachgegangen, warum und unter welchen Umständen der Sprung von einer "normalen" zu einer "Superzivilisation" scheitern könnte.

Das liest sich in einer Rezension wie ein höchst spannendes Thema. Allerdings seien potentielle Leser gewarnt: Die Andeutungen, die die Autoren in die einzelnen Kapitel verpacken, bleiben höchst nebulös. Es gibt zwar Erklärungsansätze für die Ereignisse, die dem Protagonisten und seinen Kollegen widerfahren - wirklich verständlich und schlüssig ist allerdings kaum etwas. Zumindest nicht aus Science Fiction-Sicht... Aus den Anmerkungen geht hervor, dass das Buch als Allegorie auf die Zustände in der ehemaligen Sowjetunion zu lesen ist, ferner dass "Milliarden Jahre vor dem Weltuntergang" das einzige Strugatzki-Werk ist, in dem alle Figuren einem realen Vorbild entsprechen. Das Buch ist also eine geschickt verpackte Kritik am Regime des Heimatlandes der Autoren und aus dieser Sicht dementsprechend wichtig.

Stilistisch wirkt "Milliarden Jahre vor dem Weltuntergang" teilweise sehr befremdlich, wenn man "normale" Lesegewohnheiten als Maßstab nimmt. Die Präsentation der Thematik ist - wie man es aus der osteuropäischen Science Fiction kennt - eher trocken, lässt an einigen Stellen aber auch den bei den Strugatzkis durchaus vorhandenen Humor durchschimmern. Die elf (sehr kurzen) Episoden und ihre Unterkapitel beginnen mit Auslassungspunkten bzw. unvollständigen Sätzen. Warum das so ist, hat sich mir persönlich während der Lektüre nicht erschlossen. Gegen Ende des Buches gibt es auch noch einen Perspektivenwechsel von der dritten in die erste Person, ein stilistisches Mittel, das von den Autoren gelegentlich angewandt wird.

Wem dieses Buch letztendlich gefallen könnte, ist schwer zu sagen. Hauptsächlich werden sich wohl Leser von philosophischer Science Fiction, wie man sie beispielsweise auch von Frank Herbert, Philip K. Dick, Isaac Asimov oder auch Stanislaw Lem kennt, angesprochen fühlen. Ganz vergleichbar mit deren Werke ist "Milliarden Jahre vor dem Weltuntergang" meines Erachtens aber nicht - zu stark steht hier der gesellschaftskritische Aspekt im Vordergrund. Einen Blick riskieren können die Fans der genannten Autoren aber auf jeden Fall. Jeder, der eine Art Space Opera oder ähnliches erwartet, sollte einen großen Bogen um dieses Werk machen. Im Endeffekt reicht es bei mir für vier Sterne - ich habe trotz des wichtigen Themas definitiv schon Besseres von Arkadi und Boris Strugatzki gelesen.


Near Dark - Die Nacht hat ihren Preis [Deluxe Edition] [2 DVDs] [Deluxe Edition]
Near Dark - Die Nacht hat ihren Preis [Deluxe Edition] [2 DVDs] [Deluxe Edition]
DVD ~ Adrian Pasdar

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Trotz Nostalgiebonus eher bescheiden, 15. April 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
So ist das mit der Nostalgie... Vor vielen Jahren hat man einmal einen Film im Fernsehen gesehen - und aus irgendeinem Grund, der vielleicht gar nichts mit dem Film selbst zu tun hat, hat man das Gefühl, dass er ausgezeichnet war. Nach langer Zeit, in der man nicht an den Streifen gedacht, sogar den Namen vergessen hat, sieht man ihn zufällig im Geschäft oder im Netz und greift zu. Die Vorfreude ist groß und auch die ersten Minuten sind durchaus in Ordnung, nach dem Ansehen regiert allerdings die große Enttäuschung und man merkt: Nur eine nostalgisch verklärte Sicht hat den Film so toll erscheinen lassen, wie er in Wirklichkeit nie war.

Lange Einführung, kurzer Sinn: "Near Dark - Die Nacht hat ihren Preis" habe ich einmal gesehen und der Film wurde in meiner Erinnerung zum Klassiker. Warum das so war kann ich bis heute nicht verstehen. Objektiv betrachtet ist der Film von Kathryn Bigelow (u. a. "Strange Days" und "Zero Dark Thirty") zwar gar nicht schlecht, das Zeug zum Klassiker hat er definitiv nicht.

Beginnen wir aber mit dem Positiven: Der Film aus dem Jahre 1987 ist ein Vampirfilm, der stilistisch und auch von der Handlung her stark an den wesentlich bekannteren und erfolgreicheren "The Lost Boys" (ebenfalls 1987) erinnert. Wobei in "Near Dark" das Wort "Vampir" und seine Synonyme kein einziges Mal ausgesprochen wird. Ist auch nicht notwendig - die Bilder sprechen ja für sich. Die Optik entspricht dem in den 1980er Jahren offensichtlich sehr beliebten "moderner Western"-Setting, dementsprechend wird die Vampir-Gang als eine Art "Outlaws" portraitiert. Die Bilder sind sehr gut gelungen, alles wirkt stimmig und wurde wunderbar fotografiert. Zu beachten ist die teilweise recht explizite Gewaltdarstellung, insbesondere wenn Vampire dem Sonnenlicht ausgesetzt werden. Der Soundtrack stammt von den Elektro-Pionieren Tangerine Dream, ist und entspricht im Wesentlichen dem, was man von einem Film dieser Epoche erwartet. Spektakulär geht anders, aber immerhin gibt es wesentlich schlechtere Filmmusik.

Zu den Charakteren ist zu bemerken, dass der Film abgesehen von kleinen Andeutungen keinerlei Wert auf tiefe Einblicke legt. Man erfährt nichts relevantes über die Hintergrundgeschichte der Protagonisten - alle sind einfach so, wie sie sind. Die Vampirbande ist - mit einer Ausnahme - eine Gang von sadistischen, gefühllosen Outlaws, die von ihren Schauspielern zumindest gut verkörpert werden. Was das betrifft ist eigentlich alles im grünen Bereich, speziell Bill Paxton als Cowboy-Vampir "Severen" und Lance Henriksen als Ober-Blutsauger "Jesse Hooker" können überzeugen.

Woran es letztlich krankt ist die Story, die einerseits absolute Standardkost ist, andererseits unter einem relativ trägen Drehbuch leidet, wodurch sich letztlich wohl auch die Schauspieler nicht richtig in Szene setzen können. Im Prinzip ist es das Übliche: Ein Mensch verliebt sich in einen Vampir, wird selbst zum Vampir, weigert sich, sein neues "Leben" zu akzeptieren (also: zu töten), wird schließlich doch Teil der Vampirgesellschaft und wird dann noch vor die Wahl der Rückkehr in ein menschliches Leben gestellt. All das wurde stark komprimiert und passiert ohne jegliche Überraschungsmomente, bis hin zum erwartungsgemäß kitschigen Finale. Mehr ist es nicht - wer möchte, kann noch die Themen der körperlichen und psychischen Abhängigkeit in den Film interpretieren, aber auch dazu gibt es besseres Material.

Fazit: "Near Dark - Die Nacht hat ihren Preis" ist eine Mischung aus Horrorfilm, Western, Road-Movie und Liebesfilm, die von den Grundvoraussetzungen her bestens ausgestattet wurde und mit großteils ambitionierten Schauspielern aufwarten kann. Leider machen eine Story, die auf Nummer sicher geht und ein wenig durchdachtes Drehbuch dem Erfolg einen Strich durch die Rechnung. Damit sind maximal drei Sterne möglich, von denen einer nur aus Nostalgiegründen vergeben wird. Von einem "frühen Meisterwerk" der Regisseurin kann aus meiner Sicht leider keine Rede sein.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 31, 2016 10:39 PM MEST


Near Dark - Die Nacht hat ihren Preis
Near Dark - Die Nacht hat ihren Preis
DVD ~ Adrian Pasdar

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Trotz Nostalgiebonus eher bescheiden, 15. April 2013
Rezension bezieht sich auf: Near Dark - Die Nacht hat ihren Preis (DVD)
So ist das mit der Nostalgie... Vor vielen Jahren hat man einmal einen Film im Fernsehen gesehen - und aus irgendeinem Grund, der vielleicht gar nichts mit dem Film selbst zu tun hat, hat man das Gefühl, dass er ausgezeichnet war. Nach langer Zeit, in der man nicht an den Streifen gedacht, sogar den Namen vergessen hat, sieht man ihn zufällig im Geschäft oder im Netz und greift zu. Die Vorfreude ist groß und auch die ersten Minuten sind durchaus in Ordnung, nach dem Ansehen regiert allerdings die große Enttäuschung und man merkt: Nur eine nostalgisch verklärte Sicht hat den Film so toll erscheinen lassen, wie er in Wirklichkeit nie war.

Lange Einführung, kurzer Sinn: "Near Dark - Die Nacht hat ihren Preis" habe ich einmal gesehen und der Film wurde in meiner Erinnerung zum Klassiker. Warum das so war kann ich bis heute nicht verstehen. Objektiv betrachtet ist der Film von Kathryn Bigelow (u. a. "Strange Days" und "Zero Dark Thirty") zwar gar nicht schlecht, das Zeug zum Klassiker hat er definitiv nicht.

Beginnen wir aber mit dem Positiven: Der Film aus dem Jahre 1987 ist ein Vampirfilm, der stilistisch und auch von der Handlung her stark an den wesentlich bekannteren und erfolgreicheren "The Lost Boys" (ebenfalls 1987) erinnert. Wobei in "Near Dark" das Wort "Vampir" und seine Synonyme kein einziges Mal ausgesprochen wird. Ist auch nicht notwendig - die Bilder sprechen ja für sich. Die Optik entspricht dem in den 1980er Jahren offensichtlich sehr beliebten "moderner Western"-Setting, dementsprechend wird die Vampir-Gang als eine Art "Outlaws" portraitiert. Die Bilder sind sehr gut gelungen, alles wirkt stimmig und wurde wunderbar fotografiert. Zu beachten ist die teilweise recht explizite Gewaltdarstellung, insbesondere wenn Vampire dem Sonnenlicht ausgesetzt werden. Der Soundtrack stammt von den Elektro-Pionieren Tangerine Dream, ist und entspricht im Wesentlichen dem, was man von einem Film dieser Epoche erwartet. Spektakulär geht anders, aber immerhin gibt es wesentlich schlechtere Filmmusik.

Zu den Charakteren ist zu bemerken, dass der Film abgesehen von kleinen Andeutungen keinerlei Wert auf tiefe Einblicke legt. Man erfährt nichts relevantes über die Hintergrundgeschichte der Protagonisten - alle sind einfach so, wie sie sind. Die Vampirbande ist - mit einer Ausnahme - eine Gang von sadistischen, gefühllosen Outlaws, die von ihren Schauspielern zumindest gut verkörpert werden. Was das betrifft ist eigentlich alles im grünen Bereich, speziell Bill Paxton als Cowboy-Vampir "Severen" und Lance Henriksen als Ober-Blutsauger "Jesse Hooker" können überzeugen.

Woran es letztlich krankt ist die Story, die einerseits absolute Standardkost ist, andererseits unter einem relativ trägen Drehbuch leidet, wodurch sich letztlich wohl auch die Schauspieler nicht richtig in Szene setzen können. Im Prinzip ist es das Übliche: Ein Mensch verliebt sich in einen Vampir, wird selbst zum Vampir, weigert sich, sein neues "Leben" zu akzeptieren (also: zu töten), wird schließlich doch Teil der Vampirgesellschaft und wird dann noch vor die Wahl der Rückkehr in ein menschliches Leben gestellt. All das wurde stark komprimiert und passiert ohne jegliche Überraschungsmomente, bis hin zum erwartungsgemäß kitschigen Finale. Mehr ist es nicht - wer möchte, kann noch die Themen der körperlichen und psychischen Abhängigkeit in den Film interpretieren, aber auch dazu gibt es besseres Material.

Fazit: "Near Dark - Die Nacht hat ihren Preis" ist eine Mischung aus Horrorfilm, Western, Road-Movie und Liebesfilm, die von den Grundvoraussetzungen her bestens ausgestattet wurde und mit großteils ambitionierten Schauspielern aufwarten kann. Leider machen eine Story, die auf Nummer sicher geht und ein wenig durchdachtes Drehbuch dem Erfolg einen Strich durch die Rechnung. Damit sind maximal drei Sterne möglich, von denen einer nur aus Nostalgiegründen vergeben wird. Von einem "frühen Meisterwerk" der Regisseurin kann aus meiner Sicht leider keine Rede sein.


Picknick am Wegesrand: Utopische Erzählung (suhrkamp taschenbuch)
Picknick am Wegesrand: Utopische Erzählung (suhrkamp taschenbuch)
von Arkadi Strugatzki
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die "Zone" lässt keinen los, 12. April 2013
Wer schon immer wissen wollte, woher die Macher des Spiels "S.T.A.L.K.E.R. - Shadow Of Chernobyl" die merkwürdigen Spitznamen für ihre Charaktere und Artefakte haben, wird in diesem ausgesprochen düsteren Roman aus dem Jahr 1971 fündig. Auf allzu viele Gemeinsamkeiten zwischen Buch und Spiel sollte man dennoch nicht hoffen - weder Ursache noch Ort der "Zone" sind identisch und die erzählte Geschichte weist nur in den Grundzügen rudimentäre Ähnlichkeiten auf.

"Picknick am Wegesrand" ist eine auf den ersten Blick merkwürdig wirkende Mischung aus Fiktion und Philosophie. Die Einordnung des Gelesenen fällt relativ schwer - die Gebrüder Strugatzki haben sehr viele Möglichkeiten zur Interpretation offen gelassen. Die vordergründige Handlung ist eine Art Science Fiction-Geschichte, wobei Fans von "Techno-Babble" vergeblich auf derartige Ausführungen warten. Es gibt zwar Ansätze von pseudo-wissenschaftlichen Erklärungen über die "Zonen", im Endeffekt überwiegt aber eine philosophische Sichtweise. Die Absicht dahinter ist wohl, den Leser in eine Situation zu bringen, in der es ihm ähnlich geht, wie den Protagonisten. Es gibt keinen "allwissenden Erzähler", es gibt nur die sehr eingeschränkte Sicht der Charaktere, die sich letztlich in hilflosen Erklärungsversuchen über etwas gänzlich Unverständliches verlieren.

Im Prinzip ähnelt die Geschichte - wie auch von Stanislaw Lem selbst angemerkt - dem zehn Jahre vor "Picknick am Wegesrand" erschienen Roman "Solaris". Auch hier stehen die Menschen der unfassbaren Fremdartigkeit außerirdischen Lebens völlig unbeholfen gegenüber. Der Unterschied liegt im Detail: "Solaris" ist ein fremder Planet, das "Picknick" findet auf der Erde statt, ist dem Leser also wesentlich näher. Die Ansiedelung der "Zone" an und in einer normalen (mutmaßlich britischen) Stadt macht es möglich, dass sich theoretisch jedermann als "Stalker" versuchen kann. Dass die Artefakte und der Einfluss der "Zone" nicht nur innerhalb, sondern auch weit weg spürbar sind, ohne auch nur ansatzweise erklärbar zu sein, ist ein weiterer Punkt, der diesen düsteren Roman so intensiv macht.

Auszusetzen gibt es an "Picknick am Wegesrand" eigentlich nichts. Lediglich der abrupte Schluss, der nicht einmal Ansätze einer Aufklärung bereit hält, könnte bei einigen Lesern zu Kritik führen. Zwar ist das Ende durchaus konsequent - aber den einen oder anderen wirklichen Schlusssatz hätte man sich dann doch gewünscht. Andererseits führt gerade dieses Finale dazu, dass man sich tage- oder sogar wochenlang nach der Lektüre immer noch mit "Picknick am Wegesrand" auseinandersetzt. Abschließend noch ein genereller Hinweis zur Sprache: Die - ich verallgemeinere - "Ost-Science-Fiction" ist insgesamt nicht ganz so leicht lesbar, wie die westliche Literatur. Das merkt man auch in diesem Roman, der sich einer zeitweise eher umständlichen Sprache bedient. Wieviel davon auf das Konto der Übersetzung geht, entzieht sich allerdings meiner Kenntnis - bedenken sollte man es vor dem Kauf jedenfalls.


Predator
Predator
DVD ~ Arnold Schwarzenegger
Preis: EUR 5,99

4 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Klassiker aus der "Goldenen Action-Ära", 10. April 2013
Rezension bezieht sich auf: Predator (DVD)
Arnold Schwarzenegger als muskelbepackter Anführer einer Such- und Rettungsmannschaft, irgendwo im zentralamerikanischen Dschungel? Noch dazu gejagt von einer unsichtbaren, außerirdischen Kreatur? Starker Tobak, den Regisseur John McTiernan dem geneigten Zuseher in "Predator" (1987) auftischt...

Grundsätzlich fällt es leicht, "Predator" als reinen Action-Streifen abzutun. Schließlich besteht das Testosteron-strotzende Söldner-Team neben Schwarzenegger u. a. aus den nicht minder gut gebauten Jesse "The Body" Ventura (ex-Wrestler, später interessanterweise genau wie Schwarzenegger zum Gouverneur gewählt), Carl Weathers (ex-Footballer, "Apollo Creed" in "Rocky") und Sonny Landham (Star in diversen Porno-Produktionen). Neben der geballten Muskelmasse gibt es außerdem: Markige Sprüche ("Das Zeug macht dich zum supergeilen Dinosaurier!"), exzessiven Einsatz unterschiedlichster Waffen (vom Revolver bis zur Kalaschnikow, von der Hubschrauber-kompatiblen Minigun bis zum Granatwerfer, von Pfeil und Bogen bis zum futuristischen Equipment des Predators), viel Blut (dunkelrot und grün-fluoriszierend), unübersichtlichen Urwald und einen eklatanten Mangel an Frauen (nur eine einzige Schauspielerin im gesamten Film). Das Drehbuch ist nicht Oscar-verdächtig, aber immerhin brauchbar, die Story ist zweckmäßig, Dialoge und Handlung sind vollkommen übertrieben bzw. überzeichnet.

Unglaublich ist, wie es der Regisseur schafft, aus diesen archaischen Zutaten einen absolut stimmigen Film zu generieren, der in seinem Genre zu Recht als Klassiker gilt. Die Komposition der Bilder ist einzigartig, derart bedrohlich und realistisch wurde der Dschungel selten eingefangen. Die Darstellung der Söldnertruppe ist konsequent und logisch; auch wenn es naturgemäß keine Charakterentwicklung gibt, hat man mit der Identifikation keinerlei Probleme. Die Umkehrung der Rollen (von den Jägern zu den Gejagten und wieder zurück) gelingt nahtlos und die immer stärker werdende Bedrohung, die vom Predator ausgeht, wird im Laufe des Filmes geradezu meisterhaft inszeniert. A pro pos "Predator": Der Jäger aus dem Weltall wurde maskentechnisch sehr gut umgesetzt. Und dass die Kamera gelegentlich die ganz persönliche Perspektive des riesenhaften Trophäensammlers einfängt, ist ausgesprochen erfrischend.

Viel Negatives gibt es von diesem Film eigentlich nicht zu berichten, zumindest nicht, wenn man keine tiefgründigen Charaktere und eine Story zum Nachdenken erwartet (wobei: wer unbedingt will, kann den Film auch als Anspielung auf das ewige US-Trauma "Vietnam" lesen). Zwar wird für meinen Geschmack das Prinzip "Zehn kleine Negerlein" ein bisschen zu sehr strapaziert, aber damit kann man leben. Einzig das Finale ist dann doch ein wenig zu überzeichnet, aber auch das kann den guten Gesamteindruck nicht schmälern.

Fazit: Einer der besten Filme aus der "Goldenen Ära" des Action-Kinos. An "Predator" kommt keiner seiner Nachfolger heran - und auch andere, neuere Action-Streifen erreichen die Klasse dieses Films selten. Damit kann es nur die volle Punktezahl geben.


S.T.A.L.K.E.R. - Shadow of Chernobyl
S.T.A.L.K.E.R. - Shadow of Chernobyl

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Tolle Atmosphäre lässt über Bedienmängel hinwegsehen, 9. April 2013
"S.T.A.L.K.E.R. - Shadow Of Chernobyl" lässt die kontaminierte Zone rund um das 1986 havarierte Kernkraftwerk lebendig werden. Im wahrsten Sinne des Wortes - im Laufe der Geschichte, die dem Spiel zugrunde liegt, habt sich "die Zone" (im besten Strugatzkischen Sinn) mit allerlei Artefakten und Anomalien unbekannter Herkunft gefüllt. Es gibt Fraktionen und mutierte Wesen - also alles, was eine Mischung aus Ego-Shooter und Rollenspiel braucht.

Das verstrahlte Setting erinnert an die postapoklyptische Welt von "Fallout", ohne eine reine Kopie davon zu sein. "S.T.A.L.K.E.R." ist durchaus eigen, wesentlich linearer und viel mehr vom "Sammel-Zwang" geprägt. Die Story ist interessant, wenn auch stellenweise ein wenig wirr, sie trägt allerdings wesentlich zum größten Plus des Spiels, zur Atmosphäre, bei. Unterstützt wird das durch einige interessante und zynische Charaktere, die die Masse an unwichtigen Figuren ein wenig ausgleichen. Ebenfalls positiv zu vermerken sind Optik und Akustik. Die Grafik bildet nicht nur die Umgebung des AKW Tschernobyl sehr akkurat und lebensnah ab, sie ist einfach sehr gut gelungen und auch aus heutiger Sicht (2013) sehr schön. Insbesondere die Lichteffekte sind ausgesprochen hübsch anzusehen. Der Sound fügt sich nahtlos und unaufdringlich ein, speziell die im Vorbeigehen immer wieder aufgeschnappten, russischen Sprachfetzen wissen zu gefallen. Dass die Charaktere alle mit russischem Akzent sprechen ist allerdings etwas merkwürdig... Ebenfalls im Haben zu verbuchen: Das Leveldesign ist anfangs verwirrend, aber nach kurzer Eingewöhnungszeit doch sehr gelungen und schlüssig. Es gibt auf Schritt und Tritt diverse Verstecke und Geheimnisse zu erkunden - das gefällt. Die Aufträge der Hauptmission passen auch, man hangelt sich gerne am roten Faden entlang und freut sich über jeden Erfolg. Um in den Genuss einer der sieben (!) verschiedenen Finalsequenzen zu kommen, steht auch ein großes Waffenarsenal zur Verfügung, wobei sich für meinen Geschmack einige der Gewehre und Pistolen zu sehr ähneln. Aber sei's drum, die Vielfalt ist trotzdem schön.

Gäbe es nur die oben genannten Punkte wäre "S.T.A.L.K.E.R." ein nahezu uneingeschränkt empfehlenswertes Spiel. Leider gibt es aber auch ein paar Stolpersteine, die letztlich sogar die Höchstwertung verhindern. Behoben werden kann einiges davon wohl durch Community-Patches und Mods, ich bewerte hier allerdings nur das mit offiziellem Patch upgedatete Spiel. Was dem Einsteiger als erstes negativ ins Auge fällt: Die Übersichtskarte verdient ihren Namen nicht wirklich. "Übersicht" stelle ich mir jedenfalls anders vor - die Karte ist zu undetailliert, noch schlimmer aber: vollkommen unpraktisch zu bedienen. Zoom- und Zentrierfunktionen, Anzeige von Questzielen - alles schön und gut, wenn es denn richtig funktioniert. Das ist hier aber leider nicht der Fall und so irrt man vor allem anfangs öfter durch die Gegend, als einem lieb sein kann. Da helfen auch die eher marginalen Einträge im Questlog selten weiter.

Zweiter Minuspunkt: Lange Laufwege. Es mag realistisch sein, aber wer einmal von der Müllkippe zurück zum Händler im Startgebiet musste, weiß, wie frustrierend das sein kann. Vor allem auch, weil das Inventar nicht so großzügig (auch realistisch!) bemessen ist, dass man genug verkaufbare Gegenstände mitnehmen kann, damit sich diese Reise wirklich lohnt. Und wer zuviel im Inventar hat, kann nicht lange sprinten und wer nicht sprinten kann, braucht ewig für die Strecke. Ein Teufelskreis. Hier wäre eine Schnellreisefunktion, wie sie im nachfolgend erschienenen Prequel "Clear Sky" andeutungsweise eingeführt wurde, höchst angebracht gewesen - vor allem, weil man die langen Wege ja nicht freiwillig geht, sondern durch die Aufträge teilweise dazu gezwungen wird.

A pro pos Aufträge: Wie erwähnt ist die Hauptquest sehr gut gelungen und spannend. Abseits davon gibt es auch viel Interessantes zu sehen und einige sehr schöne Nebenaufträge. Was man allerdings ansonsten so von den NPCs als Standardquests serviert bekommt, langweilt sehr schnell. Hole dieses Artefakt, töte dort Banditen, räuchere hier Mutanten aus. Dauernd. Oft erhält man solche Missionen auch beim Betreten eines Gebietes. Ja, auch eines gesäuberten Gebietes, die Respawn-Rate ist ausgesprochen hoch in der Zone. Diese Nebenbeschäftigungen können mitunter so lästig sein, dass man die Aufträge einfach verfallen lässt (funktioniert, weil es ein Zeitlimit für solche Missionen gibt). Das hätte nicht sein müssen.

Mit dem ständigen Respawnen hat irgendwo auch der letzte der größeren Kritikpunkte zu tun, den ich ansprechen möchte. "Verkauft" wird einem die Zone als eine Art militärisches Sperrgebiet, in das sich die "Stalker" hineinwagen, dessen Betreten aber prinzipiell verboten ist. Trotzdem gibt es dort Tausende, eher Zehntausende Banditen, Fraktionsmitglieder und Soldaten. Gegen Spielende zeigt die Statistik für den eigenen Charakter mehrere hundert oder sogar tausend getötete Personen an. Das stört meines Erachtens die sorgsam aufgebaute "Zonen-Atmosphäre" erheblich. Ein wirklich gefährlicher und unberechenbarer Ort sieht meiner Meinung nach anders aus, jedenfalls nicht derart dicht besiedelt. Wenn es wenigstens nicht dauerndes Respawnen gäbe...

Damit wären die - aus meiner Sicht - wichtigsten Negativpunkte ausführlich beschrieben. Optisch wirkt das natürlich so, als ob ich mehr zu kritisieren als zu loben hätte - stimmt nicht, ich finde, dass "S.T.A.L.K.E.R." ein wirklich empfehlenswertes Spiel ist. Jeder, der etwas mit einem postapokalyptischen Setting anfangen kann, kann hier bedenkenlos zugreifen. Über die angesprochenen Kritikpunkte muss man entweder hinwegsehen oder sie selbständig beheben. Für die volle Punktezahl reicht es angesichts der Mängel zwar nicht ganz, aber gute vier Sterne lasse ich springen.


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