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Rezensionen verfasst von
Schillorius

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In Spades
In Spades
Preis: EUR 9,99

5.0 von 5 Sternen Im Zeitraffer, 29. August 2017
Rezension bezieht sich auf: In Spades (MP3-Download)
Greg Dulli macht Ernst: erst die Retrospektive vor 10 Jahren, dann die energiegeladene Rückkehr mit „Do To The Beast“ und jetzt sogar das beste Afghan Whigs-Album seit über 20 Jahren. Wenn man sich bei den Afghan Whigs nie vor etwas fürchten musste, dann davor, dass ihre Musik irgendwann den Zahn der Zeit verfehlen wird. Als ihnen in den frühen 90ern der Durchbruch gelang, scheute schon damals ihr Soul getränkter Alternativerock jeden Vergleich mit den in Punk- und Metal verliebten Bands der Grunge-Ära. Und das obwohl der Vierer durch seine Labelheimat Sup Pop häufig mit ihnen in Verbindung gebracht wurde. „Gentlemen“, ihr immer noch bestes Album, war gespickt mit zerbrechlichen Songperlen, denen Dulli mit seiner leidenschaftlichen Performance zwischen Lust und Schmerz immer die Krone aufsetzte. 24 Jahre später hat sich daran nichts geändert. Nur das er heute gesünder lebt und den Drogen abgeschworen hat. Gut für die Afghan Whigs, den „In Spades“ hat wieder den großen Hunger alter Tage, potentielle Hits und sogar eine bisschen Platz für Innovation. Noch nie brachten sie auf Albumlänge ihre Vision von Rock so sehr auf den Punkt. In „Birdland“ verschrecken den Hörer anfangs noch die kurzen, dröhnenden Cello-Akkorde, eher sie ihn behutsam in den Schlag wiegen. Genau da dockt „Arabian Heights“ an, ein typisch stürmischer und mitreißender Whigs-Rocker. Und dann geht es Schlag auf Schlag weiter. „Demon In Profile“ glänzt mit tänzelnden, sehnsuchtsvollen Klavierakkorden. „Toy Automatic“ stampft mit seinen triumphierenden Rhythmus mutig voran, während heulende Streicher und Gitarren den Song dramatisch aufladen. Das sensationelle „The Spell“ ist der sichere Instand-Hit, der auf keinem Afghan Whigs-Album fehlen darf. Ausfälle und Rohrkrepierer sucht man hier glücklicherweise mal wieder vergebens. „Do To The Beast“ erstickte gekonnt alle Zweifel im Keim, die die Reunion der Afghan Whigs nur als ein unverbindliches Versprechen dastehen lassen wollten. Auch wenn ihnen dafür manchmal markige Gitarrenriffs reichten. „In Spades“ schöpft dagegen wieder aus dem Vollen, lässt niemals locker und blickt wieder entschlossen nach vorne. In gewisser Weise ist es aber auch der vertonte Zeitraffer, der 30 jährigen Bandgeschichte. Wer wie Greg Dulli keine 40 Minuten mit so viel Seele füllen kann, der hat noch nicht seinen Zenit überschritten. „In Spades“ ist mehr als die gelungene Fortsetzung eines starken Comebacks. Es ist schlichtweg brilliante Rockmusik auf der Höhe der Zeit.


Ich und Mein Bruder
Ich und Mein Bruder
Preis: EUR 13,99

5.0 von 5 Sternen Das Gude erkennen, 27. Juni 2017
Rezension bezieht sich auf: Ich und Mein Bruder (Audio CD)
Beobachter der Szene prophezeien ihnen schon länger eine große Karriere, doch ihr Schicksal sah dies bislang nicht vor. Jetzt bündelt das hessische Brüderpaar Döll all sein Können auf einem gemeinsamen Album und beschert Rap-Deutschland das beste Generationen-vereinende Album des Jahres.

Eigentlich kennt man Audio88 in seinen Texten meistens nur als Alles und Jeden hassenden Misanthropen. Doch als er auf seinem letzten Album mit Kumpel Yassin seine Strophe von „Asiabox“ mit den Worten: „…wir kommen mit Mädness & Döll. Ihr mit Wackness und Müll!“ beendete, war dies der wohl liebevollste Gruß unter Freunden, den man vom rundlichen Glatzkopf mit der Hornbrille nie erwartet hätte. Dass die beiden Brüder schon länger gefeierte Szene-Größen sind, sieht man an dem Respekt, den sie seit Jahren von vielen Kollegen und der Fachpresse einheimsen. Döll`s Debüt-EP „Weit entfernt“ packte ihn endgültig auf die Karte und sein älterer Bruder Mädness wurde anlässlich seines Albums „Zuckerbrot & Peitsche“ von der Berliner Underground-Legende Marcus Staiger gar als der „komplette MC“ bezeichnet.

Auf ihrem Debüt geht es um die Startschwierigkeiten mit dem Musikerleben, Selbstverwirklichung und dem Lossagen von falschen Dingen. Wie sehr der Knoten bei den Beiden geplatzt zu sein scheint, spürt man auch daran, wie befreit und kraftvoll sie sich hier geben. Das bei Rappern nicht gerade unterentwickelte Mitteilungsbedürfnis wird auf „Ich und mein Bruder“ also nicht nur für reine Selbstdarstellung genutzt. Hinter jeder Textzeile steckt eine kluge Lebensweisheit, die so aufrichtig und direkt ausgesprochen wird, dass sie jeder versteht. Ihrem Ruf als versierte Reimkünstler werden Mädness & Döll trotzdem gerecht. Das handwerkliche Können und das präzise Erzählen: die Döll`s beherrschen beides hervorragend.

Passend zum authentischen Inhalt bleibt auch die ausgewogene Produktion angenehm auf dem Boden. Torky Tork, Yassin, Dexter und Weitere schneidern ein luftiges, aber durchgehendes Soundgewand, welches den Döll`s wie angegossen passt. Die 12 Songs auf „Ich und mein Bruder“ haben das nötige Popappeal für die Charts, können aber auch gekonnt die Muskeln spielen lassen. Um das Thema der brüderlichen Zusammenkunft auch wirklich konsequent auf Albumlänge zu zelebrieren, wurde auf Features übrigens komplett verzichtet. Und darin liegt letztendlich auch die größte Stärke von „Ich du mein Bruder“ verborgen: seine Geschlossenheit. Lyrisch wie musikalisch.


Sincerely, Future Pollution
Sincerely, Future Pollution
Preis: EUR 8,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Mit freundlichen Grüßen, 15. April 2017
Rezension bezieht sich auf: Sincerely, Future Pollution (Audio CD)
Timber Timbre werden auch mit ihrem sechsten Album keinen Innovationspreis mehr gewinnen. Dass „Sincerely, Face Pollution“ dennoch das herausragendste Album ihrer Karriere geworden ist, zeigt, dass bei den Kanadiern die Zeit doch nicht ganz stehen geblieben ist. Und für ein geschickt gesetztes politisches Statement ist diesmal auch Platz.

Taylor Kirk weiß, dass er mit seiner Musik die Welt nicht verändern kann. Aber er hadert mit ihr. Das auch einer wie er sich über die weltpolitischen Geschehnisse den Kopf zerbricht, ist nur verständlich. Und weil er nicht wie andere seiner Kollegen schwülstige Worte dafür finden kann, bleibt es auch bei diesem pessimistischen Titel, der wie eine düstere Vorahnung klingt. Musikalisch bleibt die Band nach wie vor ihrer Nische treu. Auch wenn sie so viel wie noch nie experimentiert. Timber Timbre`s Blues-Noire fiel besonders auf dem letzten Album mit seiner auffälligen Country-Textur äußerst ur-amerikanisch und bieder aus. „Hot Dreams“ wartet noch immer vergebens darauf, von Quentin Tarantino als Soundtrack für sein nächstes Western-Projekt entdeckt zu werden.

Für „Sincerly, Face Pollution“ will Kirk das Regelwerk nun erweitern und blättert dafür in der Rockhistorie ein paar Seiten weiter. Ergebnis dieser Weiterentwicklung ist eine für Timber Timbre untypische verlängerte Palette an Einflüssen. Besonders die 80er Jahre scheinen es Kirk angetan zu haben. Alte französische Synthesizer und Drumcomputer, die die Band in einem Schloss nahe Paris fand, in dem das Album aufgenommen wurde, kommen zum Einsatz und kolorieren den sonst so tristen Schwarz-Weiß-Vintage-Sound der Band angenehm auf. Jetzt kann man zu Timber Timbres sogar ein bisschen tanzen. „Grifting“ zappelt so herrlich funky vor sich hin und bedient sich dabei schon fast etwas zu dreist bei den Talking Heads. Die schunkelnden Synthie-Wogen in „Moment“ hätte auch Suicide-Keyboarder Martin Rev spielen können, auch wenn der Song in der zweiten Hälfte in etwas peinliche New Age-Gefilde abdriftet. Leider der einzige Augenblick des Albums, dessen Ende man auch nach mehrmaligen Hören herbeisehnt.

Die altbekannten Timber Timbre lassen einen aber auch hier nicht im Stich. Der träge Bluesrocker „Sewer Blues“ hätte auch auf „Creep On Creepin`On“ seine Platz gefunden - und das ruhige „Floating Cathedral“ sogar auf dem Vorgänger. Auch „Sincerly, Face Pollution“ schert sich wenig um den Zeitgeist, kommt aber so unerwartet frisch und abwechslungsreich daher, so dass es bei Timber Timbre nach fünf Alben spannend bleibt. Ein großer Glücksfall. Hoffentlich nicht mehr nur für Eingeweihte.


Run the Jewels 3 [CD]
Run the Jewels 3 [CD]
Preis: EUR 14,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Serienkiller, 26. Februar 2017
Rezension bezieht sich auf: Run the Jewels 3 [CD] (Audio CD)
Auf dem Albumcover steht es überdeutlich gedruckt: „El-P & Killer Mike wrote this sh**“. Das ist mehr als deutlich. Michael Render alias Killer Mike und Jaime Meline alias EL-P haben sich die letzten zwei Jahre nicht auf ihrem Erfolg ausgeruht, sondern erneut viel von ihrer Wut angestaut. Nun sind sie zum genau richtigen Zeitpunkt zurück. Da bounct nicht nur die weltweite Hip Hop-Gemeinde vor laute Freude. Seit einigen Jahren ist Rap mehr und mehr ein Schauplatz für Soloveranstaltungen geworden. Duo`s und Crew`s haben sich eher rar gemacht. Auch El-P und Killer Mike waren vor ihrer gemeinsamen Zeit als Solo-Künstler aktiv. Als Run The Jewels geben sie sich als das derzeitige Traumduo im Hip Hop, mischen seit nun drei Jahren die Szene gehörig auf und erinnern in ihrer kraftvollen Darbietung sogar an Legenden wie Public Enemy. Denn auch ihnen ist in Zeiten wie diesen die politische Botschaft wichtiger denn je. Während des US-Wahlkampfes sprach sich Killer Mike in einer wütenden Rede deutlich für den Demokraten Bernie Sanders aus und behauptete, dass dieser der Einzige Kandidat wäre, den die schwarze Bevölkerung wählen könne. Auch nach dem Tod des Afroamerikaners Michael Brown durch einem Polizisten klagte Killer Mike die Gewalt der Behörden in den USA heftig an. Diese Aufrichtigkeit und Leidenschaft offenbaren Run The Jewels auch in ihrer Musik. An ihren Mic`s sind Render und Meline pures Dynamit. Aber erst EL-P`s spektakuläre Produktion bringt alles zum explodieren. Seine düsteren Soundflächen sind modern, aber einfach gehalten und bieten genug Fläche für die lebendige Perfomance der Beiden. Die Rastlosigkeit der letzten Alben wird auf „RTJ3“ durch einem Mehr an Räumlichkeit und Musikalität entschleunigt. Feature-Gäste sind Boots, Trina, Zack De La Rocha und Danny Brown, den wohl derzeit buntesten Hund im Hip Hop. Er legt in „Hey Kids“ einen nicht weniger durchgeknallten Auftritt hin. Aber auch über den Genre-Tellerrand kommen auf „RTJ3“ diesmal spannende Kollaborationen zustande. Tunde Adebimpe, die Stimme von TV On The Radio, singt in „Thieves!“. Zu meckern gibt`s bei „RTJ3“ wieder nur wenig. Render und Meline haben sich wiederholt, was zu erwarten war. Aber sie haben sich erneut auf ihre Instinkte verlassen. Die zwingenden Hits des Vorgängers fehlen dafür sicherlich. So lange sie Form und Inhalt aber weiterhin so gut aufeinander abstimmen, geht das aber völlig in Ordnung.


The Hope Six Demolition Project by PJ Harvey (2013-08-03)
The Hope Six Demolition Project by PJ Harvey (2013-08-03)
Wird angeboten von London Lane Deutschland
Preis: EUR 105,83

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mit Herz & Kopf, 22. November 2016
Eines der letzten überlebenden Originale des 90er-Indie`s wiederholt sich zum ersten Mal in seiner Karriere mit einem neuen Album. Eine Künstlerpersönlichkeit wie PJ Harvey darf sich das längst leisten. Nicht nur weil sie auf ihrem neuen Album den politischen Blickwinkel in den Texten von ihrer Heimat England auf den ganzen Planeten vergrößert, sondern weil „The Hope Six Demolition Project” musikalisch an seinen Vorgänger nahtlos anknüpft und erneut auf ganzer Linie überzeugt. Angekündigt wurde das Album bereits im Januar 2015, als sich Harvey als Teil einer Kunstinstallation im Londoner Museum Somerset House für einen Monat bei den Arbeiten über die Schulter schauen ließ. Hinter einer nur für Besucher durchsichtigen Glaswand konnte man mit etwas Glück Harvey und ihre Band beim Einspielen ganzer Songs beobachten. Die Entstehungsgeschichte von „The Hope Six Demolition Project” reicht aber noch weiter zurück. Harvey reiste durch den Kosovo, Afghanistan und Washington D.C und ließ sich von Land und Leute inspirieren. All diese Eindrücke hält sie auf diesem Album textlich fest. Der Sound nimmt dem Album dafür die drohende Kopflastigkeit vorweg und knüpft hörbar und gekonnt am fantastischen Vorgänger „Let England Shake“ an. Hinter der ländlichen und malerischen Silhouette der Songs schimmert wie immer verdreckter Blues durch, der, trotz Harvey`s gewohnt wunderschöner Stimme, verhindert, dass die Musik allzu lieblichen Geschmack bekommt. Die schon seit dem Vorgänger aus dem Soundgerüst nicht mehr wegzudenkenden hymnischen Seemannschöre und brummigen Bläsersätze präsentieren sich entsprechend zahlreich auf „The Hope Six Demolition Project”. Ein Grund, hier von einem musikalischen Neuaufguss zu sprechen, ist dies aber noch lange nicht. Harvey und Band klingen immer noch erstaunlich hungrig und kompakt und spielen Songs, die sich in den Vordergrund drängen, berühren und manchmal sogar sprachlos machen. Musik mit Kopf, Herz und Instinkt. Und das wird für immer eine seltene Kombination bleiben. Eine Antwort bleibt uns PJ Harvey zum Schluss aber trotzdem noch schuldig: warum liegen zwischen zwei so ähnlichen, aber dermaßen staken Alben wie „Let England Shake“ und „The Hope Six Demolition Project” nur so viele Jahre?


Pj Harvey - Hope Six Demolition Project [Japan CD] HSU-10072 by PJ HARVEY (2016-04-15)
Pj Harvey - Hope Six Demolition Project [Japan CD] HSU-10072 by PJ HARVEY (2016-04-15)
Wird angeboten von DeepOceanStoreuk
Preis: EUR 80,06

5.0 von 5 Sternen Mit Herz & Kopf, 22. November 2016
Eines der letzten überlebenden Originale des 90er-Indie`s wiederholt sich zum ersten Mal in seiner Karriere mit einem neuen Album. Eine Künstlerpersönlichkeit wie PJ Harvey darf sich das längst leisten. Nicht nur weil sie auf ihrem neuen Album den politischen Blickwinkel in den Texten von ihrer Heimat England auf den ganzen Planeten vergrößert, sondern weil „The Hope Six Demolition Project” musikalisch an seinen Vorgänger nahtlos anknüpft und erneut auf ganzer Linie überzeugt. Angekündigt wurde das Album bereits im Januar 2015, als sich Harvey als Teil einer Kunstinstallation im Londoner Museum Somerset House für einen Monat bei den Arbeiten über die Schulter schauen ließ. Hinter einer nur für Besucher durchsichtigen Glaswand konnte man mit etwas Glück Harvey und ihre Band beim Einspielen ganzer Songs beobachten. Die Entstehungsgeschichte von „The Hope Six Demolition Project” reicht aber noch weiter zurück. Harvey reiste durch den Kosovo, Afghanistan und Washington D.C und ließ sich von Land und Leute inspirieren. All diese Eindrücke hält sie auf diesem Album textlich fest. Der Sound nimmt dem Album dafür die drohende Kopflastigkeit vorweg und knüpft hörbar und gekonnt am fantastischen Vorgänger „Let England Shake“ an. Hinter der ländlichen und malerischen Silhouette der Songs schimmert wie immer verdreckter Blues durch, der, trotz Harvey`s gewohnt wunderschöner Stimme, verhindert, dass die Musik allzu lieblichen Geschmack bekommt. Die schon seit dem Vorgänger aus dem Soundgerüst nicht mehr wegzudenkenden hymnischen Seemannschöre und brummigen Bläsersätze präsentieren sich entsprechend zahlreich auf „The Hope Six Demolition Project”. Ein Grund, hier von einem musikalischen Neuaufguss zu sprechen, ist dies aber noch lange nicht. Harvey und Band klingen immer noch erstaunlich hungrig und kompakt und spielen Songs, die sich in den Vordergrund drängen, berühren und manchmal sogar sprachlos machen. Musik mit Kopf, Herz und Instinkt. Und das wird für immer eine seltene Kombination bleiben. Eine Antwort bleibt uns PJ Harvey zum Schluss aber trotzdem noch schuldig: warum liegen zwischen zwei so ähnlichen, aber dermaßen staken Alben wie „Let England Shake“ und „The Hope Six Demolition Project” nur so viele Jahre?


Hope Six Demolition Project [Vinyl LP]
Hope Six Demolition Project [Vinyl LP]
Preis: EUR 32,43

5.0 von 5 Sternen Mit Herz & Kopf, 22. November 2016
Eines der letzten überlebenden Originale des 90er-Indie`s wiederholt sich zum ersten Mal in seiner Karriere mit einem neuen Album. Eine Künstlerpersönlichkeit wie PJ Harvey darf sich das längst leisten. Nicht nur weil sie auf ihrem neuen Album den politischen Blickwinkel in den Texten von ihrer Heimat England auf den ganzen Planeten vergrößert, sondern weil „The Hope Six Demolition Project” musikalisch an seinen Vorgänger nahtlos anknüpft und erneut auf ganzer Linie überzeugt. Angekündigt wurde das Album bereits im Januar 2015, als sich Harvey als Teil einer Kunstinstallation im Londoner Museum Somerset House für einen Monat bei den Arbeiten über die Schulter schauen ließ. Hinter einer nur für Besucher durchsichtigen Glaswand konnte man mit etwas Glück Harvey und ihre Band beim Einspielen ganzer Songs beobachten. Die Entstehungsgeschichte von „The Hope Six Demolition Project” reicht aber noch weiter zurück. Harvey reiste durch den Kosovo, Afghanistan und Washington D.C und ließ sich von Land und Leute inspirieren. All diese Eindrücke hält sie auf diesem Album textlich fest. Der Sound nimmt dem Album dafür die drohende Kopflastigkeit vorweg und knüpft hörbar und gekonnt am fantastischen Vorgänger „Let England Shake“ an. Hinter der ländlichen und malerischen Silhouette der Songs schimmert wie immer verdreckter Blues durch, der, trotz Harvey`s gewohnt wunderschöner Stimme, verhindert, dass die Musik allzu lieblichen Geschmack bekommt. Die schon seit dem Vorgänger aus dem Soundgerüst nicht mehr wegzudenkenden hymnischen Seemannschöre und brummigen Bläsersätze präsentieren sich entsprechend zahlreich auf „The Hope Six Demolition Project”. Ein Grund, hier von einem musikalischen Neuaufguss zu sprechen, ist dies aber noch lange nicht. Harvey und Band klingen immer noch erstaunlich hungrig und kompakt und spielen Songs, die sich in den Vordergrund drängen, berühren und manchmal sogar sprachlos machen. Musik mit Kopf, Herz und Instinkt. Und das wird für immer eine seltene Kombination bleiben. Eine Antwort bleibt uns PJ Harvey zum Schluss aber trotzdem noch schuldig: warum liegen zwischen zwei so ähnlichen, aber dermaßen staken Alben wie „Let England Shake“ und „The Hope Six Demolition Project” nur so viele Jahre?


The Hope Six Demolition Project
The Hope Six Demolition Project
Preis: EUR 6,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mit Herz & Kopf, 22. November 2016
Rezension bezieht sich auf: The Hope Six Demolition Project (Audio CD)
Eines der letzten überlebenden Originale des 90er-Indie`s wiederholt sich zum ersten Mal in seiner Karriere mit einem neuen Album. Eine Künstlerpersönlichkeit wie PJ Harvey darf sich das längst leisten. Nicht nur weil sie auf ihrem neuen Album den politischen Blickwinkel in den Texten von ihrer Heimat England auf den ganzen Planeten vergrößert, sondern weil „The Hope Six Demolition Project” musikalisch an seinen Vorgänger nahtlos anknüpft und erneut auf ganzer Linie überzeugt. Angekündigt wurde das Album bereits im Januar 2015, als sich Harvey als Teil einer Kunstinstallation im Londoner Museum Somerset House für einen Monat bei den Arbeiten über die Schulter schauen ließ. Hinter einer nur für Besucher durchsichtigen Glaswand konnte man mit etwas Glück Harvey und ihre Band beim Einspielen ganzer Songs beobachten. Die Entstehungsgeschichte von „The Hope Six Demolition Project” reicht aber noch weiter zurück. Harvey reiste durch den Kosovo, Afghanistan und Washington D.C und ließ sich von Land und Leute inspirieren. All diese Eindrücke hält sie auf diesem Album textlich fest. Der Sound nimmt dem Album dafür die drohende Kopflastigkeit vorweg und knüpft hörbar und gekonnt am fantastischen Vorgänger „Let England Shake“ an. Hinter der ländlichen und malerischen Silhouette der Songs schimmert wie immer verdreckter Blues durch, der, trotz Harvey`s gewohnt wunderschöner Stimme, verhindert, dass die Musik allzu lieblichen Geschmack bekommt. Die schon seit dem Vorgänger aus dem Soundgerüst nicht mehr wegzudenkenden hymnischen Seemannschöre und brummigen Bläsersätze präsentieren sich entsprechend zahlreich auf „The Hope Six Demolition Project”. Ein Grund, hier von einem musikalischen Neuaufguss zu sprechen, ist dies aber noch lange nicht. Harvey und Band klingen immer noch erstaunlich hungrig und kompakt und spielen Songs, die sich in den Vordergrund drängen, berühren und manchmal sogar sprachlos machen. Musik mit Kopf, Herz und Instinkt. Und das wird für immer eine seltene Kombination bleiben. Eine Antwort bleibt uns PJ Harvey zum Schluss aber trotzdem noch schuldig: warum liegen zwischen zwei so ähnlichen, aber dermaßen staken Alben wie „Let England Shake“ und „The Hope Six Demolition Project” nur so viele Jahre?


THE WAITING ROOM by Tindersticks
THE WAITING ROOM by Tindersticks
Wird angeboten von Book Seashore
Preis: EUR 36,20

5.0 von 5 Sternen Die hoffnungsvollen Romantiker, 13. November 2016
Rezension bezieht sich auf: THE WAITING ROOM by Tindersticks (Audio CD)
Manche Dinge bleiben einfach für immer: Freundschaften aus Kindheitstagen, der Lieblings-Fußballverein, eine tief empfundene Abneigung gegenüber Spargelgerichten oder der bildgewaltige Kammer-Pop von Stuart Staples und seiner Band. Seit über 20 Jahren geht das jetzt schon so. Andere hätten da ihr kreatives Potential längst ausgeschöpft gesehen und entkräftet aufgeben. Doch nicht die Tindersticks. Die treibt das Musikmachen immer noch an. Dabei erweitern und verfeinern sie in kleinen Trippelschritten mit jeder weiteren Platte ihr selbst geschaffenes Klangspektrum aus kuschligen Indierock, rustikalem Orchester-Pop und jazziger Beschwingtheit. Kleine Vorhersehbarkeiten in der Produktion und überraschende Verwechslungen mit älteren Songs verzeiht man der Band trotzdem gerne. Auch weil „The Waiting Room“ so kraftvoll und präzise wie schon lange nichts von den Tindersticks daherkommt. Die für ihren bildgewaltigen Pop Noir geliebten Briten haben diesmal sogar für jeden Song ihres neuen Albums einen eigenen Mini-Film drehen lassen, mit teils verstörenden Bildern. Was gut passt, denn die Gruppe hat sich in den vielen Jahren schon mehrmals an Soundtracks beteiligt, zuletzt für den Film „Bastads“, sowie einer Auftragsarbeit für das belgische „In Flanders Fields Museum“. „The Waiting Room“ wartet mit sehr hörenswerten Gastbeiträgen auf, u.a mit der Savages-Sängerin Jenny Beth in „We are Dreamers!“ und der im Jahr 2010 an Brustkrebs verstorbenen Lhasa Del Sela in „Hey Lucinda“. Es ist schön zu wissen, dass die Indie-Institution auch im 25. Jahr ihres Bestehens noch so starke Alben hinlegen kann. Denn das macht große Hoffnung darauf, dass Staples & Co auch in Zukunft eine verlässliche Größe bleiben.


The Waiting Room
The Waiting Room
Preis: EUR 9,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die hoffnungsvollen Romantiker, 13. November 2016
Rezension bezieht sich auf: The Waiting Room (MP3-Download)
Manche Dinge bleiben einfach für immer: Freundschaften aus Kindheitstagen, der Lieblings-Fußballverein, eine tief empfundene Abneigung gegenüber Spargelgerichten oder der bildgewaltige Kammer-Pop von Stuart Staples und seiner Band. Seit über 20 Jahren geht das jetzt schon so. Andere hätten da ihr kreatives Potential längst ausgeschöpft gesehen und entkräftet aufgeben. Doch nicht die Tindersticks. Die treibt das Musikmachen immer noch an. Dabei erweitern und verfeinern sie in kleinen Trippelschritten mit jeder weiteren Platte ihr selbst geschaffenes Klangspektrum aus kuschligen Indierock, rustikalem Orchester-Pop und jazziger Beschwingtheit. Kleine Vorhersehbarkeiten in der Produktion und überraschende Verwechslungen mit älteren Songs verzeiht man der Band trotzdem gerne. Auch weil „The Waiting Room“ so kraftvoll und präzise wie schon lange nichts von den Tindersticks daherkommt. Die für ihren bildgewaltigen Pop Noir geliebten Briten haben diesmal sogar für jeden Song ihres neuen Albums einen eigenen Mini-Film drehen lassen, mit teils verstörenden Bildern. Was gut passt, denn die Gruppe hat sich in den vielen Jahren schon mehrmals an Soundtracks beteiligt, zuletzt für den Film „Bastads“, sowie einer Auftragsarbeit für das belgische „In Flanders Fields Museum“. „The Waiting Room“ wartet mit sehr hörenswerten Gastbeiträgen auf, u.a mit der Savages-Sängerin Jenny Beth in „We are Dreamers!“ und der im Jahr 2010 an Brustkrebs verstorbenen Lhasa Del Sela in „Hey Lucinda“. Es ist schön zu wissen, dass die Indie-Institution auch im 25. Jahr ihres Bestehens noch so starke Alben hinlegen kann. Denn das macht große Hoffnung darauf, dass Staples & Co auch in Zukunft eine verlässliche Größe bleiben.


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