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Rezensionen verfasst von
osnalit "tstegemann"

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Sämtliche Opernlibretti
Sämtliche Opernlibretti
von Rudolph Angermüller
  Gebundene Ausgabe

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Mozarts Texte, 23. August 2006
Rezension bezieht sich auf: Sämtliche Opernlibretti (Gebundene Ausgabe)
Mozart war Zeit seines Lebens der unumstößlichen Meinung, dass „schlechterdings die Poesie der Musick gehorsame Tochter“ zu sein habe. Diese – von späteren Meistern nicht immer geteilte - Einschätzung hinderte ihn folgerichtig nicht daran, in die Gestaltung seiner Operntextbücher einzugreifen, denn die Leistung der Dichter war nur selten nach seinem Geschmack: „Wenn sie schon das Theater nicht verstehen, was die Oper anbelangt – so sollen sie doch wenigstens die Leute nicht reden lassen, als wenn Schweine vor ihnen stünden.“

Pünktlich zum 250. Geburtstag hat Reclam nun eine vollständige Ausgabe sämtlicher Opernlibretti herausgebracht und damit eine Editions- und Forschungslücke geschlossen, die überraschend lange offen bleiben konnte. Das von Rudolf Angermüller betreute 1000-Seiten-Werk basiert auf der Neuen Mozart-Ausgabe des Bärenreiter-Verlages und stellt so auch die italienischen Texte in einer konzisen deutschen Übersetzung vor. Dank kurzer Einführungstexte eignet es sich als Verständnishilfe, bietet darüber hinaus aber auch ausreichend Gelegenheit, die Qualitätssprünge nachzuvollziehen, die von der mit 11 Jahren komponierten „Schuldigkeit des Ersten Gebots“ über die großen da Ponte-Opern bis hin zur „clemenza di Tito“ führen.

Schade nur, dass der Band keine weitergehenden Informationen über die einzelnen Librettisten enthält.


Herz der Finsternis: Roman
Herz der Finsternis: Roman
von Joseph Conrad
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,90

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schlüsseltext der Moderne, 16. September 2005
Rezension bezieht sich auf: Herz der Finsternis: Roman (Taschenbuch)
Conrads weltberühmter Roman ist in nahezu jeder Hinsicht ein Schlüsseltext der Moderne. Die Geschichte, die Kapitän Marlow von seiner Reise ins Herz der Finsternis erzählt, kann als Versuch einer Standortbestimmung der menschlichen Erkenntnis- und Erlebnisfähigkeit, als literarische Traumdeutung, Zivilisationskritik, aber - wie Chinua Achebe Mitte der 70er Jahre zu Recht kritisierte - auch als latent rassistische Machtphantasie eines degenerierten Mitteleuropäers gelesen werden. Der letztgenannte Deutungsversuch geht auch dann auf, wenn wir berücksichtigen, dass Marlow und Kurtz bei ihrer Suche nach Elfenbein, sich selbst und dem Sinn des Lebens von Conrad nicht an einem geographisch fixierbaren Ort, der aller Voraussicht nach im Kongo liegen müsste, sondern infolge mangelnder Benennung auf einer terra incognita ausgesetzt wurden.
Manche Charakterisierung des geheimnisumwitterten Mr. Kurtz, der sich ins Zentrum der (eigenen) Unmenschlichkeit zurückgezogen hat, lässt uns nichts Gutes ahnen, zumal er vermutlich als Widerpart und alter ego seines Verfolgers verstanden werden muss: "Er hatte Glauben - verstehen Sie? Er hatte Glauben. Und er konnte sich dazu bringen, alles zu glauben - alles. Er wäre der hervorragende Führer einer radikalen Partei geworden."
Der Roman, der Francis Ford Coppola 1979 zu der Aufsehen erregenden Verfilmung "Apocalypse now" inspirierte, lässt sich auf Gedankenexperimente und Empfindungswelten ein, die mit politischer Korrektheit wenig zu tun haben, aber vielleicht gerade deshalb einen Schlüssel zum Verständnis von Gewalt, Unterdrückung und Intoleranz liefern. Er gleicht damit dem Fluss, auf dem Marlow und Kurtz das Herz der Finsternis wieder verlassen, "diesem Vorreiter des Wandels, der Eroberung, des Handels, der Massaker und der Wohltaten". Doch auch dieser Weg führt zu zweierlei Zielen: Der Kapitän kehrt in das vor hundert Jahren noch nicht ganz so alte Europa zurück, für Kurtz endet die letzte Reise mit dem Tod.
Sophie Zeitz hat mit der Neuübersetzung dieses bis heute fesselnden, ästhetisch überaus reizvollen und spannungsreichen Klassikers ein eigenes Sprachkunstwerk geschaffen. Wenn sie den Himmel in "eine gütige Unendlichkeit unbefleckten Lichts" verwandelt, ihre Figuren "eine ermüdende Pilgerfahrt durch angedeutete Alpträume" antreten lässt und schließlich dafür sorgt, "dass die Fixsterne von ihren Plätzen purzeln" setzt sie das viel diskutierte Meisterwerk in eben jenes Zwielicht, welches es verdient und verlangt.
Das kurze, aber aussagekräftige Nachwort von Tobias Döring rundet die Romanlektüre sinnvoll ab. dtv wäre zu empfehlen, noch sehr viel öfter auf solche Kommentare zu setzen. Wenn sie denn in vergleichbarer Qualität zu bekommen sind ...


Reclams Lexikon der Päpste
Reclams Lexikon der Päpste
von J N Kelly
  Gebundene Ausgabe

7 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Reclams Lexikon der Päpste, 16. September 2005
104 Auslandsreisen, 14 Enzykliken, 1338 Selig- und 482 Heiligsprechungen, 231 Kardinalsernennungen und 1.160 Generalaudienzen mit über 17 Millionen Pilgern - die imposanten Zahlen, die im Umkreis des Ausnahmepapstes Johannes Paul II. immer wieder gern genannt werden, dürften auch bei der Neuauflage von „Reclams Lexikon der Päpste" auf reges Interesse stoßen. Doch Michael F. Feldkamp hat für die (nach 1987) nunmehr 2. Ausgabe auch schon einen Artikel über den amtierenden Oberhirten Benedikt XVI. hinzugefügt.
Die Geschichte des Papsttums geht also weiter, aber sie reicht vor allem weit zurück und nimmt seit nunmehr 2000 Jahren Einfluss auf die Entwicklung des Abendlandes, der Christenheit und immer wieder des gesamten Globus. Das in weiten Teilen unveränderte Kompendium des angesehnen Oxforder Kirchenhistorikers J.N.D. Kelly vereint historisches Fachwissen und Erzählkunst mit den Vorzügen eines Kriminalromans. Kelly verfolgt das Szenario von den ersten römischen Bischöfen Petrus, Linus und Anaklet über die Päpste und Gegenpäpste des Mittelalters bis zu den geliebten und/oder umstrittenen Kirchenfürsten der Neuzeit.
Erfreulicherweise spart der Autor nicht mit deutlichen Worten, wenn es darum geht, das zwielichtige Verhalten des einen oder anderen Amtsinhabers zu bewerten. So schreibt Kelly über die unrühmliche, weil schweigsame Rolle, die Pius XII. bei der beabsichtigten Vernichtung des europäischen Judentums spielte:
„In jedem Falle steht fest, dass die verhüllte oder verallgemeinernde Sprache, die der Kurie eigentümlich ist, kein geeignetes Instrument zum Widerstand gegen zynisch geplante Weltherrschaft und Völkermord abgab."
Es war also sinnvoll, einen anglikanischen Geistlichen mit der Abfassung dieses Lexikons zu betrauen, das auch als Geschichtsbuch, sprich: von vorne bis hinten und ohne länger abzusetzen, gelesen werden kann!


Das Meer: Gedichte (Reclams Universal-Bibliothek)
Das Meer: Gedichte (Reclams Universal-Bibliothek)
von Andrea Wüstner
  Taschenbuch
Preis: EUR 4,00

12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Meer Lyrik geht nicht!, 20. April 2005
Reclams themengebundene Lyrikbändchen haben mittlerweile Kultstatus. Das hängt sicher mit der verhältnismäßig überschaubaren Preisgestaltung, dem ansprechenden Layout, vor allem aber mit der klugen Textauswahl zusammen, die im vorliegenden Fall sogar noch einige Überraschungen parat hält. Denn hinter den einzelnen Kapiteln, die das Meer als Ursprung des Lebens, Liebessymbol und Arbeitsplatz, Freigehege oder Heimat sagenhafter Wesen beleuchten, verbergen sich neben deutschsprachigen Klassikern wie Theodor Storms „Meeresstrand", Conrad Ferdinand Meyers „Zwei Segel" oder Christian Morgensterns „Fisches Nachtgesang" zahlreiche - zumindest hierzulande - unbekannte Texte.
Andrea Wüstners überzeugende Auswahl bezieht Gedichte von Pietro Metastasio, Paul Verlaine, D.H. Lawrence, Edgar Allan Poe und Lord Byron in deutscher Übersetzung ein und kennt nicht einmal Berührungsängste mit Helmut Käutners „La Paloma". Das handliche, von Henry Morets Gemälde „Ouessant, jour de clame" verschönte Format lädt also einmal mehr zu einer literarischen Entdeckungsreise ein, die sogar vom Liegestuhl aus problemlos zu bewerkstelligen ist.


Morgenlicht und Lerchenjubel: Märkische Landschaften
Morgenlicht und Lerchenjubel: Märkische Landschaften
von Theodor Fontane
  Gebundene Ausgabe

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Märkische Landschaften, 20. April 2005
Es gibt Bücher, mit denen man ganz einfach nichts falsch machen kann, und ein Fotoband mit Texten des großen Theodor Fontane und stimmungsvollen Bildern märkischer Landschaften gehört ganz zweifellos in diese Kategorie. Zugegeben, der Sprachwitz und die Detailfreude des Mannes, der die Mark Brandenburg als Gegenstand literarischer Betrachtung entdeckte, ist mit der Kamera nicht immer einzufangen. So müssen die Fotografen Harald Hirsch, Thomas Kläber und Therese Schneider schon mal improvisieren, wenn Fontane seiner Emilie von „nach Mist schmeckenden Riesen-Erdbeeren" vorschwärmt, oder Palmen, Kängurus, kreischende Papageien, Springbrunnen und Blumenteppiche zusammenschüttet, um die Pfaueninsel des 19. Jahrhunderts möglichst plastisch zu schildern. Und welcher Birnbaum wäre je so imposant wie der letztendlich ja doch fiktionale des Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland?
Gleichwohl entsteht vor den Augen der Betrachter das faszinierende Doppelporträt einer einzigartigen Landschaft, deren atmosphärischer Gehalt allerdings wohl tatsächlich so zu charakterisieren ist, wie der weise Autor es selbst einst getan hat: „Was wir die Stimmung der Landschaft nennen, ist in der Regel unsere eigene."
Herausgeber Gotthard Erler zitiert dieses Bonmot gleich im Vorwort, dessen auch ansonsten klugen Worten die Aufteilung des gesamten Bandes in vier überzeugende Sinneinheiten entspricht. „Landschaften und Flusslandschaften", „Parks und Friedhöfe" „Gärten, Blumen, Früchte" und „Bäume und Wälder" dienen so als idealer Wegweiser durch die märkischen Weiten.


Carl Zuckmayer: Geheimreport
Carl Zuckmayer: Geheimreport
von Gunther Nickel
  Taschenbuch

17 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Essayistisches Bravourstück, 18. Mai 2004
Rezension bezieht sich auf: Carl Zuckmayer: Geheimreport (Taschenbuch)
Die Geschichte dieses Buches ist mindestens so aufregend wie sein Inhalt. In den Jahren 1943 und 44 verfasste der deutsche Dramatiker Carl Zuckmayer im Auftrag des amerikanischen Geheimdienstes "Office of Strategic Services" 150 sehr persönliche Charakterstudien. Sie galten den wichtigsten Kulturschaffenden des Dritten Reiches, Schriftstellern und Schauspielern, Journalisten und Verlegern, Regisseuren und Theaterleitern. Zuckmayer skizzierte nicht nur die politische Einstellung, sondern auch private Besonderheiten.
Historisch bringt das bis 2002 gesperrte Geheimdossier, das also fast 60 Jahre auf seine Veröffentlichung warten musste, nicht viel Neues. Doch die Art und Weise, wie sich Zuckmayer der offenbar nicht unangenehmen Aufgabe entledigt hat, enthüllt ein essayistisches Talent, das man dem Autor des "Hauptmanns von Köpenick" und "Des Teufels General" nicht zwingend zugetraut hätte. Mit knappen Worten, gestochen scharfen Formulierungen, viel Humor, Hintersinn und jeder Menge boshafter Sottisen entwirft Zuckmayer hier ein einmaliges Breitbandpanorama deutscher Kultur- und Zeitgeschichte.
Heinz Rühmann wird von dem Vorwurf, sich von seiner jüdischen Frau getrennt zu haben, nonchalant freigesprochen, weil es sich bei der Dame "nach dem persönlichen Eindruck des Verf." um eine regelrechte "Landplage" handelte. Leni Riefenstahl darf sich dagegen der uneingeschränkten Abscheu des Verfassers sicher sein. Die unfein als "Reichsgletscherspalte" eingeführte Regisseurin "soll auch mit Hitler geschlafen haben was Verf. aber nicht glaubt. (Beiderseitige Impotenz anzunehmen.)"
Heinrich George steht "Disziplinlosigkeit, Herrschsucht, Sauferei" im Wege, und Gustav Gründgens wird "skrupelloser Erfolgsinstinkt, völlige Vorurteils- und Bedenkenlosigkeit, immer mit einem Schuss tollkühnen, fast manischen Abenteurertums" attestiert. Ina Seidel und Agnes Miegel haben "kein Käthe-Kollwitz-Format sondern etwas von schöngeistigen Mädchenschullehrerinnen und Kränzchenschwestern", aber Emil Jannings kommt in den Genuss einer ganz besonderen Sympathieerklärung: "Ich liebe die alte Sau."
Zwischendurch staunt der Leser über ein ungewöhnliches psychologisches Einfühlungsvermögen, dass dem jenseits des Atlantik weilenden Zuckmayer erlaubt, differenzierte und überaus filigrane Einschätzungen vorzunehmen.
Die Taschenbuchausgabe des "Geheimreports" enthält ausführliche Anmerkungen zu den im Text genannten Personen, ohne die manche Passagen für den Laien schwer verständlich wären. Zur Aufhellung biografischer und zeitgeschichtlicher Umstände trägt aber auch das informative, beträchtliche 70 Seiten umfassende Nachwort bei.
Insgesamt ein seltenes und in vielerlei Hinsicht auch sensationelles Lektüreerlebnis!


Digitale Bibliothek 95: Deutsche Dramen von Hans Sachs bis Arthur Schnitzler
Digitale Bibliothek 95: Deutsche Dramen von Hans Sachs bis Arthur Schnitzler

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Grandioses Kompendium, 9. März 2004
Was so unscheinbar klingt und auf einer kleinen Silberscheibe Platz findet, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als eine der spektakulärsten und verdienstvollsten Literatureditionen seit langer Zeit. Denn diese CD-ROM versammelt auf unfassbaren 70.000 Bildschirmseiten rund 500 Theaterstücke von über 170 Autorinnen und Autoren aus fünf Jahrhunderten.
Dabei setzt die Zusammenstellung nicht nur auf große Namen und deren weltbekanntes Oeuvre, obwohl Goethe, Schiller und Kleist, Lessing, Büchner oder Hebbel mit ihren wichtigsten Werken natürlich vertreten sind. Den Status des Außergewöhnlichen gewinnt die von Markus Finkbeiner herausgegebene Auswahl aber durch die Hinzuziehung heute vergessener, ehemals überaus erfolgreicher oder doch wenigstens in Fachkreisen rege diskutierter Werke, die irgendwann aus dem Kanon der literaturgeschichtlichen Überlieferung gedrängt wurden. Wer diesen Texten nachspürt, begibt sich auf eine schier endlose Entdeckungsreise.
Die Autorinnen und Autoren werden durch Abbildungen und eine Kurzbiografie vorgestellt, außerdem finden sich Hinweise zu den Entstehungszeiträumen bzw. zu Erstdrucken und Uraufführungen. Darüber hinaus ist die bislang umfangreichste digitale Sammlung deutschsprachiger Dramen mit einer komfortablen Suchfunktion ausgestattet.
Es versteht sich von selbst, dass auch diese Publikation noch Wünsche offen lässt, weil beispielsweise Gerhart Hauptmann keinerlei Berücksichtigung findet. Auf der anderen Seite befriedigt sie die Neugier und Sammelleidenschaft berufsbedingter und privat ambitionierter Literaturfreunde in so eminentem Ausmaß, dass sich ernsthafte Beanstandungen eigentlich verbieten. Außerdem bleibt es den Betrachtern unbenommen, den Verlag mit Ergänzungsvorschlägen zu erfreuen ....


Germania
Germania
von Heiner Müller
  Gebundene Ausgabe

7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gespenster am toten Mann, 9. März 2004
Rezension bezieht sich auf: Germania (Gebundene Ausgabe)
Wenn Skandalstücke von einst zu Klassikern von heute und morgen erklärt werden, hinterlässt dieser Vorgang in aller Regel einen bitteren Nachgeschmack. Denn niemand vermag mit Gewissheit zu sagen, ob es sich bei der literaturgeschichtlichen Neueinordnung tatsächlich um eine Beförderung handelt. Gerade bei Heiner Müller steht zu befürchten, dass die politische Brisanz seiner Stücke immer seltener auf ein reales Theaterpublikum trifft. Stattdessen wird sie zwischen wohlgeformten Buchdeckeln aufgerieben und dem fleißigen Studium von Historikern und Sprachvirtuosen überantwortet, die Müllers blutunterlaufene Blicke auf die deutsche Geschichte unter ganz anderen Gesichtspunkten interessant und vielleicht sogar aufregend finden mögen.
Doch die beiden zwischen 1956 und 71 beziehungsweise zwischen 1990 und 95 entstandenen Stücke "Germania Tod in Berlin" und "Germania 3 Gespenster am toten Mann" haben ein anderes Schicksal verdient. Die Fragen, die Müller mit verbaler Urgewalt und bedenkenlosem Ungestüm stellt, zielen nicht nur mitten ins Herz des nationalen Selbstverständnisses. Sie sind auch bis heute unbeantwortet und müssen deshalb mit steter Regelmäßigkeit neu formuliert werden.


Ausgewählte Werke, 4 Bde.
Ausgewählte Werke, 4 Bde.
von Stefan Zweig
  Gebundene Ausgabe

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Werke von Stefan Zweig, 3. Februar 2004
Was der Fischer-Verlag, möglicherweise im Hochgefühl, nicht nur John M. Coetzee, den aktuellen Literatur-Nobelpreisträger, sondern auch die letztjährige Trägerin des Friedenspreises des Deutschen Buchhandel, Susan Sontag, zu verlegen, hier ganz nebenbei präsentiert, ist in vielerlei Hinsicht geeignet, die Herzen von Bücherfreundinnen und -freunden höher schlagen zu lassen.
In vier liebevoll gestalteten Bänden präsentiert der Verlag ausgewählte Werke des großen österreichischen Schriftstellers Stefan Zweig (1881-1942).
Der Schuber enthält zwei Bände mit Erzählungen, darunter die berühmten, titelgebenden Werke "Phantastische Nacht" und "Verwirrung der Gefühle". Zu ihnen gesellen sich die vierzehn historischen Miniaturen "Sternstunden der Menschheit" und die große Auseinandersetzung mit dem traurigen, aber - wenn man Zweig folgen will - durchaus auch selbstverschuldeten Schicksal der "Maria Stuart". Der Dichter, Sprachvirtuose, Geschichtsschreiber und Geschichtenerzähler stellt sich in dieser Auswahl ebenso eindrucksvoll vor wie der pointierte Essayist und der stilsichere Gelegenheitslyriker. Die instruktiven Anmerkungen des Herausgebers Knut Beck runden den positiven Gesamteindruck ab, der insgesamt zu beweisen scheint, dass Zweig auch heute noch zu den wichtigsten Schriftstellern deutscher Sprache gezählt werden darf. Vielleicht auch deshalb, weil er sich bewusst von einigen Hauptströmungen abzusetzen versuchte: "Ist es Bequemlichkeit, Feigheit oder ein zu kurzes Gesicht, dass sie - unsere Schriftsteller und Dichter - alle immer nur den obern erhellten Lichtrand des Lebens zeichnen, wo die Sinne offen und gesetzhaft spielen, indes unten in den Kellergewölben, in den Wurzelhöhlen und Kloaken des Herzens phosphorhaft funkelnd die wahren, die gefährlichen Bestien der Leidenschaft umfahren, im Verborgenen sich paarend und zerfleischend in allen phantastischen Formen der Verstrickung?" (Zitat aus: "Verwirrung der Gefühle")


Geliebte Luise: Königin von Preußen - Ihr Leben in Bildern
Geliebte Luise: Königin von Preußen - Ihr Leben in Bildern
von Johannes Thiele
  Gebundene Ausgabe

8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Geliebte Luise, 3. Februar 2004
Geliebte Luise
"Ich bin nicht zur Königin geboren, das glaube mir", bat Prinzessin Luise von Mecklenburg-Strelitz ihren Bruder Georg, doch diese Selbsteinschätzung war offensichtlich falsch. Denn keine deutsche Fürstin wurde so gefeiert und verehrt wie eben diese Luise, welche nicht nur die Gattin des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III., sondern auch die Mutter des ersten deutschen Kaisers war. Doch das Bestreben der im Alter von nur 34 Jahren gestorbenen Königin ging über die Erfüllung eines familiären Pflichtprogramms weit hinaus.
Welchen genauen Anteil sie an den preußischen Reformen hatte, lässt sich zwar nicht mehr feststellen, dass sie immer wieder zwischen dem konservativen Ehemann und den innovationsfreudigen Reformkräften vermittelte, gilt dagegen als sicher. Ihr Interesse für Kunst und Kultur trug nach Einschätzung des Schriftstellers Günter de Bruyn außerdem dazu bei, "die Verbundenheit zwischen dem preußischen Geist und dem von Weimar" zu verstärken. Beobachter, Freunde und Dichter wie Kleist, Jean Paul oder Novalis rühmten überdies die legendäre Anmut und Schönheit, die sich mit Geist, Witz und Herzenswärme vereinte, und die gekrönten Häupter Europas ebenso in Entzückung versetzte wie das ungeadelte Normalvolk.
Im Nicolai Verlag ist Königin Luise eine Würdigung zuteil geworden, die ihresgleichen sucht. Aber ganz sicher nicht so schnell findet, denn der mit großem Aufwand und viel Liebe zum Detail gestaltete Bildband, den ein Vorwort von Günter de Bruyn ziert, besticht nicht nur durch die hochwertigen Abbildungen berühmter Porträts, Bilder oder Skulpturen, sondern auch durch die gründlichen und präzisen Erläuterungstexte von Johannes Theile. Die immer wieder geäußerte Vermutung, die Nachwelt könne sich von Königin Luise kein optisches Bild machen, weil ihre Darstellung zu sehr variiert, wird auf den gut 200 Seiten eindrucksvoll bestätigt. Ohne übertriebene Schönfärberei entwerfen Wort und Bild eine preußische Biografie, die mit den einschlägig bekannten, aber oft negativen gewendeten "Tugenden" erfreulich wenig gemein hat.
Dass ihre Bemühungen um ein friedliches Zusammenleben in Europa nicht immer Erfolg hatten, ist bekannt. Trotzdem dürfte es Leserinnen und Lesern des 21. Jahrhunderts ebenso schwer fallen, sich dem Charisma dieser außergewöhnlichen Frau zu entziehen, wie Kaiser Napoleon, der noch auf St. Helena von unruhigen Erinnerungen verfolgt wurde.


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