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Rezensionen verfasst von
Wortwerkstatt (Würzburg)

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Ein gerader Rauch
Ein gerader Rauch
von Denis Johnson
  Gebundene Ausgabe

7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Weltliteratur!, 21. August 2009
Rezension bezieht sich auf: Ein gerader Rauch (Gebundene Ausgabe)
Ein gerader Rauch" beginnt am Abend der Ermordung von J.F. Kennedy. In zwei Hauptgeschichten, die parallel verlaufen, wird zum einen von Colonel Sands erzählt, der in dem Kriegsgebiet Vietnam eine Abteilung aufbaut, deren erklärtes Ziel es ist, den Feind psychologisch zu unterwandern und durch gezielte Desinformation zu zermürben. Zugleich wird das Schicksal eines Brüderpaares geschildert, von denen der eine Bruder in der Heimat als krimineller Säufer endet, während der andere als brutale Kampfmaschine im Dschungel Vietnams wütet und mordet. In diesem vielschichtigen Elaborat existiert aber noch eine unglaubliche Fülle von Geschichten, Menschen und Schauplätzen wie Arizona, Manila, Kuala Lumpur, der Dschungel und die Bordelle Vietnams. Hier landen Menschen, die in den Krieg getrieben werden: ohne Vorbereitung, ohne zu wissen, was sie dort alles an Elend und Schrecken erwartet. Die Unschuld die sie einst besaßen, verlieren sie in dem Krieg, aus dem keiner schadlos herauskommt - wenn überhaupt lebend. Keiner wird sich jemals wieder im zivilisierten Leben zu Hause fühlen.

Denis Johnson beweist mit seinem neuen Roman Ein gerader Rauch", dass er zu den wichtigsten Autoren der amerikanischen Gegenwartsliteratur gehört. Es ist nicht leicht, sich in diesem Roman zurechtzufinden, die wechselnden Perspektiven und chronologischen Sprünge verlangen dem Leser viel ab, sind aber notwendig, um das Wesen des Krieges zu charakterisieren. Man muss sich als Leser förmlich den Weg durch das undurchdringliche Dickicht des Dschungels frei schlagen. Dieses komplexe Beziehungsgeflecht, die nicht wirklich nachvollziehbare konstruierte erzählerische Ordnung und das Verschmelzen von biblischen als auch literarischen und symbolischen Verweisen sind Programm und verleihen dem wuchtigen Text eine wilde, halluzinogene Wirkung. Hier wird vom abseitigen Amerika erzählt, von Außenseitern und Einzelgängern, Gestrandeten und Freaks. Denis Johnson führt uns den menschlichen Niedergang seiner Protagonisten erbarmungslos vor Augen und zeigt schonungslos, wie der Krieg den Menschen für immer verändert. Der Autor war selbst Kriegsberichterstatter im Irak-Krieg und daher wirkt dieses Plädoyer gegen Krieg und Gewalt so absolut überzeugend. Trotz seines Umfangs von knapp 900 Seiten ist keine Zeile zu viel und dieses weise und ergreifende Buch ist spannend, mitreißend und
bewegend, wie ein Faustschlag in die Magengrube. Beim Lesen muss man immer an Joseph Conrads Herz der Finsternis" und an die Antikriegsfilme Apokalypse Now" oder Die durch die Hölle gehen" denken. Ein gerader Rauch" ist eine gewaltige Metapher für den Irrsinn des Krieges, für den Verlust der Menschlichkeit und das daraus entstehende traumatische Verlorensein. Dennoch schwebt über diesem Buch, das voller Traurigkeit, voller Rätselhaftigkeit, voller Mythen und Symbolik von der unfassbaren Brutalität erzählt, zu der Menschen fähig sein können, eine unzerstörbare Hoffnung. Eine Hoffnung auf Erlösung, Frieden und Sinn.


Träume von Flüssen und Meeren
Träume von Flüssen und Meeren
von Tim Parks
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,90

4 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schmöker mit Anspruch!, 21. August 2009
Als John James vom Tod seines Vaters im fernen Indien erfährt, macht er sich sofort auf den Weg zum Londoner Flughafen, um zur Beerdigung nach Delhi zu reisen. Sein Vater Albert James war ein berühmter Anthropologe, dessen Theorien nicht immer unumstritten waren und der seit Jahren in Indien lebte. Er starb an Prostata- krebs. John versucht im Trubel Delhis Erklärungen zu finden; Erklärungen über das seltsame und gefühlskalte Verhalten der Mutter Helen, die den Tod Alberts nicht wirklich an sich ranlässt. Als er nach London zurückkehrt, erreicht ihn ein verspäteter und unvollendeter Brief seines Vaters. Obendrein beginnt Johns Freundin, eine angehende Schauspielerin in London eine Affäre mit einem japanischen Regisseur und so flieht John erneut nach Delhi. Diesmal lässt er sich in einem billigen Hotel nieder, um mehr über das Leben seines Vaters zu erfahren: Warum schrieb sein Vater ihm kurz vor seinen Tod diesen mysteriösen Brief, in dem er über seine immer wiederkehrenden Träume von Flüssen und Meeren erzählt? Warum war die dreißigjährige Ehe zwischen Helen und Albert gar nicht so glücklich wie sie nach außen schien? Und warum lässt sich seine Mutter, eben erst verwitwet, mit einem Journalisten ein, der eine Biografie über den Vater Albert James schreiben will? Somit entsteht auf der Suche nach dem Leben eines Mannes, der viel mehr verkörperte, als alle Beteiligten zu wissen glaubten, ein Sog, dem man sich als Leser nicht entziehen kann. Plötzlich findet man sich in der Gluthitze Indiens, in dem Gefühlschaos, der Orientierungslosigkeit und den brodelnden Beziehungen aller Mitwirkenden wieder. John aber kann Indien immer weniger abgewinnen, für ihn ist Indien ein Land des Schmutzes und des Todes.

Auch wenn der Titel Idylle suggeriert und das Buch sich wie ein langsamer Fluss ausbreitet, wird einem im Verlauf der einzelnen Handlungsstränge deutlich, dass es hier um die Geheimnisse des Lebens geht und die wahren Beweggründe der Menschen, die dahinter stehen. Schicht für Schicht legt der Autor alles offen, die neuralgischen Punkte" im Beziehungsgeflecht der Figuren werden immer deutlicher und der Text wird immer rasanter.

Tim Parks zeigt meisterhaft, dass sich die Gewissheiten des Lebens und der Liebe von einem Moment auf den nächsten in Luft auflösen können, im Nichts verschwinden können. Dabei vermeidet er bewusst alle Klischees um Indien und die so häufig verwendete Indienkulissenexotik. Träume von Flüssen und Meeren" ist ein gradlinig erzählter und dennoch fulminanter Roman, der einem ein fesselndes und bewegendes Leseerlebnis bereitet. Am Ende ist man sich als Leser ziemlich sicher, dass dieses Buch seine Zeit überdauern und in die Literaturgeschichte eingehen wird.


Mirrored
Mirrored
Preis: EUR 14,99

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Fürwahr echter verschachtelter Prog-Rock, 13. Mai 2009
Rezension bezieht sich auf: Mirrored (Audio CD)
Ich gebe allen Rezensenten recht. Ein echtes Brett. Ausgetüftelte Gitarren, übereinandergeschichtete Fragmente. Progressive Soundeskapaden und innovatives Drums. Aber das Gesangsproblem ist doch sehr eigenartig gelöst. Merkwürdige gesampelte Falsettstimme, die zwar fugenhaft zusammengefügt ist, aber zu technoid und konstruiert daherkommt und teilweise einfach schrecklich dünn wirkt. Leider erschöpfen sich die kompositorischen Fähigkeiten, die Strukturen und Aufbau der Songs spätestens nach dem sechsten Stück und wiederholen sich etwas oft. Wie gesagt echt genial, aber eben mit Abstrichen!!!


So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein!: Tagebuch einer Krebserkrankung
So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein!: Tagebuch einer Krebserkrankung
von Christoph Schlingensief
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,95

10 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen So unerschrocken wie Schlingensief, kann nicht jeder sein, 7. Mai 2009
Christoph Schlingensief, Enfant terrible, Bürgerschreck, Provokateur, Aktionskünstler und Theaterregisseur machte bisher stets durch außergewöhnlichen Inszenierungen, verstörende Aktionen und provokant-frechen Installationen von sich reden. Im Januar 2008 wurde bei ihm Lungenkrebs diagnostiziert. Ein Lungenflügel und ein Teil des Zwerchfelles mussten entfernt werden, Chemotherapie und Bestrahlungen folgten, die Prognose ist und bleibt ungewiss. Nichts in seinem Leben wird mehr so sein wie es einst war. Während dieser langwierigen und schwierigen Prozedur spricht der expressive Autor all seine Gedanken in ein Diktiergerät, auf dass die kreisenden Gedanken, so der stets unangepasste Künstler, endlich ihren Grund finden. Wir begegnen dem bekannten Menschen, seinem egomanischen Größenwahn, seinem Pathos und seiner Empörung, aber auch einem ganz neuen, veränderten Menschen auf der Sinnsuche und der Frage nach Gott. Der Leser folgt gebannt den Höhen und Tiefen, durch welche Schlingensief in Hoffnung und Verzweiflung schreitet. Diese zutiefst persönliche Auseinandersetzung des Menschen mit Leben und Tod, mit Liebe und Hass, mit seinem toten Vater, mit Gott und Jesus, mit der Kunst und der Welt ist unglaublich eindringlich. Die aufgezeichneten Selbstgespräche dokumentieren die Trauer und Verzweiflung, aber auch die kindliche Unschuld des Fragenstellens und die unglaubliche Energie eines Menschen, die er selbst im Schmerz und in der Todesangst noch entwickelt. Am schönsten aber bleibt seine Fähigkeit, auch in der schlimmsten Phase dieser Genese manchmal albern und kindisch zu sein, nie seinen ganz eigenen Galgenhumor zu verlieren. Neugierig, wütend und voller Temperament spricht er all denen, die ein ähnliches Schicksal erleiden müssen, Trost und Zuversicht zu. Ja, er fordert sie regelrecht zur Rebellion auf, Rebellion gegen die Unmündigkeit, gegen das Ausgeliefertsein, gegen die unmenschliche und mechanische Abwicklung schwerkranker Patienten in unserem Gesundheitssystem, gegen die Angstspirale, die uns Menschen immer wieder manipulieren kann. Hier geht es auch nicht um literarische Qualitäten, denn man kann diesen Künstler eigentlich nur bewundern für seine Unerschrockenheit und seinen Mut. Schlingensief rekapituliert und argumentiert, will Autonomie, beschwört sie herauf, weil er sie angegriffen sieht und will sie gleichsam gegen und mit dem Leiden behauptet wissen. Somit ist dieses Buch voll an Emotionen, Geschichten, Aufbegehren, Scheitern und Zweifeln, voller Liebe und Hass, voller Trauer und Wut. Und dies ist alles authentisch, ehrlich und warmherzig. Nicht umsonst hat er diese Krankheitsgefühle in diesem Buch festgehalten und auch als Theaterstück Die Kirche der Angst vor dem Fremden in mir" inszeniert und aufführen lassen.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 31, 2010 2:00 PM MEST


Das kurze wundersame Leben des Oscar Wao
Das kurze wundersame Leben des Oscar Wao
von Junot Díaz
  Gebundene Ausgabe

7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Was für ein Roman!!!, 8. April 2009
Junot Diaz legt mit diesem Romandebüt eine wilde und rasante Familiengeschichte vor. Der Autor, aus der Dominikanischen Republik stammend, fegt wie ein Hurrikan über traditionelle Schreibweisen hinweg. Prall, exotisch und mit einer unglaublichen Sprachgewalt erzählt er vom Schicksal einer dominikanischen Familie. Held bzw. Antiheld und Ausgangsposition dieses vielschichtigen Buches ist Oscar, ein beleibter Nerd, zeitlebens auf der Suche nach der bedingungslosen Liebe, der mit seiner Schwester Lola aufwächst. Die Mutter der beiden farbigen Latinos, kurz Beli genannt, überlebte im Gegensatz zu ihren Schwestern die tyrannische Schreckenszeit der Vergangenheit. Es war die Regierungszeit des Armeegenerals und Diktators Trujillo, auch Ziegenbock genannt, der 1930 die dortige Demokratie stürzte und das Land und die Menschen bis 1961 mit gnadenloser Härte und unfassbarer Grausamkeit zu Grunde richtete. Folter, Mord und Vergewaltigungen waren an der Tagesordnung. An dem Tag an dem Beli fast zu Tode geprügelt wurde, sie hatte eine Affäre mit einem Trujillo-Gangster, erlag der Tyrann einem Attentat. Doch der unberechenbare Trujillo-Clan hält an den Zügeln der Macht fest und Belli muss nach New York fliehen, um zu überleben.

Der Autor Diaz erzählt in Rückblenden, von der Gegenwart ausgehend, vom Leben, von den Schicksalen, vom Kultur-Clash, von der Spuren- und Identitätssuche und vom Außenseiterdasein der Farbigen. Dabei fließen immer mehr Beziehungsebenen und Randgeschichten mit hinein, die von verhängnisvollen Leidenschaften, von liebestollen Männern und von stolzen Frauen erzählen. Dieser Roman ist ein buntes Panorama amerikanischen und dominikanischen Gesellschaftslebens. Geistreich und wuchtig werden die verschiedenen Aspekte des hispanischen Lebens ausgebreitet, in einer frischen, eigensinnigen und virtuosen Sprache. Manchmal poetisch, gelegentlich vulgär, aber immer temporeich und fesselnd. Hier begegnet man Mythen und Aberglauben genauso wie seltsamen Riten und Bräuchen.

Junot Diaz schreibt in einem trashigen Immigrantenslang, der gelegentlich Science-Fiction-Metaphern, aber auch Sequenzen des lateinamerikanischen, magischen Realismus verwendet. Das kurze wundersame Leben des Oscar Wao" handelt von den Sehnsüchten, Ängsten, Enttäuschungen und Hoffnungen generationsübergreifenden Lebens. Dieser Roman ist ein Schmelztiegel, ein Mischwesen, feurig, brennend und leidenschaftlich. Kein Wunder, dass er 2008 mit den begehrten Pulitzerpreis ausgezeichnet wurde.


Slumdog Millionaire
Slumdog Millionaire
Wird angeboten von DVD Overstocks
Preis: EUR 7,63

7 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Enttäuschend!, 23. März 2009
Rezension bezieht sich auf: Slumdog Millionaire (Audio CD)
Trotz treibenden Rhythmen wirken viele Songs durch ihre banalen Melodien sehr schwach und dünn. Es ist alles perfekte auf dem höchsten Stand der Technik, entworfene Musik mit vielen technoiden Samples, besonders auch die indischen Tablas und Sitars. Oft ist es einfach süßlich und sülzig, auch wenn dies beabsichtigt sein mag, sind die Kitschsequenzen recht häufig und die Beats doch nur schnell am Drumcomputer zusammengestückelt und mit allerlei Effekten versehen. Die ganzen Versatzstücke aus Hip-Hop, RŽn`B und Rock sind doch sehr effektheischend eingesetzt...Für mich ist dies seelenlos, uninspiriert und ehrlich gesagt, habe ich dies schon auf vielen vielen Indien-Musik-Samplern gehört.


Bis ans Ende der Meere: Die Reise des Malers John Webber mit Captain Cook
Bis ans Ende der Meere: Die Reise des Malers John Webber mit Captain Cook
von Lukas Hartmann
  Gebundene Ausgabe

9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die abenteuerliche Geschichte eines Entdeckers, 11. März 2009
Mit großer Liebe zum Detail und in klassischer Manier wird in diesem Roman die Geschichte des englischen Malers schweizerischer Herkunft John Webber erzählt. John Webber nahm in den Jahren 1776 bis 1780 als Zeichner an der dritten und letzten Südsee-Expedition von James Cook teil. Dabei hält der Maler alles im Bild fest, was ihn der ehrgeizige und disziplinierte Kapitän James Cook an Bord der Resolution" erlaubt zu malen. Denn einige Motive darf er nicht wahrheitsgemäß im Bild festhalten, um der Nachwelt nur dass zu hinterlassen, was James Cook für richtig hält. So reist er in der stinkenden und bedrückenden Enge, die sich Mensch und Tier teilen, mehr als drei Jahre über die Weltmeere. Bis zu jenem schicksalhaften 14. Februar 1779 - der Tag, an dem Cook auf einer Hawaiiinsel durch ein unglückliches Missverständnis von Einheimischen ermordet wird. Vier Jahre später kehrt John Webber nun nach England zurück, doch die Sehnsucht nach der Südsee und das Liebesverhältnis zu einer Eingeborenen wird ihn nie mehr loslassen. Das von ihm gemalte Portrait James Cooks, will die verbitterte Witwe des Kapitäns aber nicht als das Bild ihres Mannes anerkennen.

Lukas Hartmann, schweizerischer Autor, gelang mit diesem historischen Roman ein spannendes und unterhaltsames Lesevergnügen. Seine Fähigkeit aus Quellenberichten lebendige Figuren zu entwickeln und sich mit Empathie in die historischen Personen hineinzuversetzen, machen diesen Roman zu einem aktuellen und ergreifenden Leseabenteuer. Geschickt werden hier Fakten und Fiktion zu einem Ganzen verknüpft, welches aufzeigt, dass die Wünsche, Ängste und Sehnsüchte der Menschen zeitlos sind und sich durch nichts von denen heutiger moderner Menschen unterscheidet. Bis ans Ende der Meere ist endlich mal wieder ein historischer Roman, der nicht nach dem üblichen Schema gestrickt ist und sich sprachlich aus der Flut historischer Romane angenehm hervorhebt.


Herr Nakano und die Frauen: Roman
Herr Nakano und die Frauen: Roman
von Hiromi Kawakami
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 13,99

20 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein Trödelladen in Tokio, 11. März 2009
Herr Nakano hat viel Sinn für die Schönheit von alten Kunstgegenständen und jungen Frauen. Er ist Besitzer eines Trödelladens im hektischen Tokio. Die Ich-Erzählerin Hitomi nimmt einen Job im Laden des wunderlichen Herrn Nakano an und taucht ein in eine Welt, in der die Zeit stillzustehen scheint. Denn dieser Trödelladen ist Treffpunkt vieler Menschen mit den unterschiedlichsten Schicksalen: Masayo, die Schwester des Inhabers, die den Laden täglich betritt und durch ihre Erscheinung immer wieder für Umsatz sorgt und Hitori, ein beziehungsunfähiger Angestellter, der mit der Liebe Hitomis nichts anzufangen weiß. So fließt die Zeit langsam dahin und während sich die Welt da draußen verändert, die Jahreszeiten wechseln, halten alle Figuren in der Stille des Trödelladens inne um neue Kraft zu schöpfen, sich auszutauschen über ihre persönlichen Kämpfe und die kleinen Wunder des Lebens und der Liebe. Doch eines Tages wird auch dies Zentrum der Ruhe und Einkehr Opfer der modernen Entwicklungen, denn Herr Nakano beschließt, den Trödelladen nur noch im Internet weiterzuführen, was symptomatisch für unsere Zeit ist. Somit verschwindet dieser Ort, der über der Hektik des Zeitgeistes und der Globalisierung stand und seine eigene Kultur entwickelte. Trotzdem wird Nakanos Laden nie vergehen" heißt es dann aber verheißungsvoll am Ende.

Die Autorin Kawakami erzählt in einer diskreten und kunstfertigen Sprache, präzise und sinnlich von den Höhen und Tiefen des menschlichen Lebens, vom Streben nach Glück, von Missverständnissen, von der Vergänglichkeit und vor allem von der Liebe. Herr Nakano und die Frauen" ist ein feinsinniger und ruhiger Roman, der ganz ohne Knalleffekte den Leser durch seine Zartheit und Schönheit zu verzaubern weiß. Es ist somit das absolute Gegenstück zu den vielen Romanen der jungen japanischen Literatur wie Misosuppe" oder Tokio Love". Hier gibt es keine brutalen Gewalt - und Sexszenarien, keine Darstellungen des Ekels, der Feuchtgebiete" und Intimrasuren. Ähnlich wie in dem in New York angesiedelten Spielfilm Smoke", in dem ein Tabakladen der Treffpunkt unterschiedlicher Menschen ist, beschreibt dieser Roman ebenfalls eine Enklave, an dem man sich trifft, liebt und leidet.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 19, 2009 7:46 PM MEST


Buzzz
Buzzz
Preis: EUR 16,54

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Akustische Höhepunkte, 11. März 2009
Rezension bezieht sich auf: Buzzz (Audio CD)
Nach dem unübertroffenem Erstling Trip-tease nun endlich wieder ein rundum gelungenes Tipsy Album. Die Jungs haben sich eindeutig weiterentwickelt und ihren eigenen Sound nun mit etwas elektronischen Einflüssen veredelt. Die Musik passt wirklich in gar keine Schublade. Erinnert oft an verruchte Barjazz-Musik aus den 50ern, manchmal an Soundtracks von Science-Fiction-B-Movies. Hier ist jede Minute ein Ohrenschmauss und Tipsy waren 1997 mit ihrem erstling weit ihrer zeit voraus und beeinflussten solche Bands wie Boozoo Bajou, De-Phazz oder Kruder & Dorfmeister gewaltig. Schräg, cineastisch und abgefahren!!!


Tanz der Tiere: Erzählungen
Tanz der Tiere: Erzählungen
von Hannah Tinti
  Gebundene Ausgabe

4.0 von 5 Sternen wahrlich dunkel und verstörend, 2. März 2009
Es ist wahrlich verstörende aber dennoch großartige Literatur. Auch ich bin Tierfreund und empfand bei vielen Darstellungen Entsetzen, dennoch handelt es sich hier um Literatur mit Tiefgang. Eben keine leichte Unterhaltungskost, sondern Geschichten wie die Realität sie schreibt. Denn
die Bestie ist auch hier der Mensch und nur weil der Inhalt dies beschreibt, kann man hier nicht von schlechter Literatur reden. Der Umgang mit Tieren (Schlachthöfe, Ausrottungen) des Menschen ist gerade deswegen ja so barbarisch weil der Mensch sich noch immer für die Krone der Schöpfung hält und dagegen schreibt die Autorin, versteckt natürlich an.


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