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Rezensionen verfasst von
Skywalker (München)

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Jonathan Livingstone Seagull: A Story
Jonathan Livingstone Seagull: A Story
von Richard Bach
  Taschenbuch
Preis: EUR 6,99

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen I suppose Nietzsche would have loved this, 10. Juni 2016
I read this book on recommendation by a Catholic priest. I am not quite that religious myself, but the guy had a good reputation in our community, so I esteemed him and thought him to be an intelligent and well-meaning man.
This book is about anything but religion: it’s the exact contrary. It practically wants to convince you that you “only have to believe in yourself” and you will reach the highest of heights. You won’t need God any more. To me it seems like “Also spoke Zarathustra” (which was written by Friedrich Nietzsche, the man who formulated the statement “God is dead”) in a diluted version, easy enough to be understood by children and teenagers.
Seagull Jonathan, the books’ protagonist, is a creature that is always alone. He shuns his family because he feels superior to them and searches the company of “others like him” in order to “perfection himself” and then to lecture them. God does not exist. Nor does Paradise. Only he and his little “quest for perfection”.
What a wonderful idea, “just believe in yourself” is! How easy for you, never mind the rest of the world! Just do what you think is right. Someone who takes this message may feel encouraged and convinced to make an important decision in his life disregarding the points of view and the possible consequences for the ones around him, and then feel elated when he at first has success. Later, when things start to go wrong because the “ordinary, foolish” people around him just won’t get it that he of course has only the best intentions for everybody, he won’t allow himself to see this perhaps as a warning from above, from God who may be trying to tell him that he is erring. No, the fault is merely on the side of “unawakened souls” who don’t have such wonderful visions as the one who “believes in himself” has.
I wonder how many lives this book has destroyed, how many people it has made choose the wrong path, how many it has made unhappy together with the ones around them, because all it is about is, plainly, this: pride - the worst capital sin.
Who declares that this book is one of his favourites is not wise but deluded and blind. If someone told me he loves it, I would run away from them as far as I can.
A healthy self-esteem and the wish to purse your own dreams are of course not wrong in themselves; they become wrong if you only mind yourself and do not realize that you are a part of human community and that above all, you are just a creature of God like everybody else. You are neither more nor less than the others around you. You may believe to be wiser, better and stronger than others; but you could be dead wrong. Time and the outcome of your life will perhaps tell you - but if you are still adamant at “believing in yourself” you will never get it.


Zeit, gehört zu werden
Zeit, gehört zu werden
von Amanda Knox
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Ich glaube, hier gibt es noch eine Alternative, 12. Mai 2016
Rezension bezieht sich auf: Zeit, gehört zu werden (Taschenbuch)
Es ist sehr interessant, den Blickwinkel der Person nachzulesen, die in diesem äußerst komplizierten Mordfall im Fokus der Öffentlichkeit stand. Ich schreibe diese Rezension aber nicht, um die weithin bekannten, immer wieder diskutierten, überarbeiteten und kommentierten - und oft widersprüchlichen - „Beweise“ zu wiederholen, die sowohl die Autorin als auch ihre Fans und Gegner in zahlreichen im Internet auffindbaren Webseiten schreiben. Sondern um meine Meinung hierzu zu äußern - und zwar, dass die Beantwortung der Frage „schuldig“ oder „nicht schuldig“ hier nicht der Punkt ist.

Nach dem Mordfall sind einige Dinge geschehen und Tatsachen dokumentiert worden, die hochemotional waren und folglich oft widersprüchlich dargelegt und interpretiert wurden. Aber ich werde einen Gedanken nicht los: dass es vielleicht eine weitere Alternative zur „Wahrheit“ gibt, und diese lautet nicht schuldig oder nicht schuldig. Mein Eindruck ist der, dass der Autorin die ganze Angelegenheit schlichtweg völlig gleichgültig war.
Während die Stadt Perugia wochenlang wegen des Mordes und vor allem die barbarische Art der Ermordung ihrer Zimmerkameradin erschüttert war, hat die Autorin ihr Leben ruhig weitergelebt, als wäre nichts passiert. Es bereitete ihr offenbar auch keine Sorgen, dass der Mörder noch nicht gefasst war und ein anderes Opfer suchen könnte; dass sie das Opfer persönlich kannte und mit ihr im gleichen Haus wohnte, bewegte sie offenbar auch nicht im Mindesten.
Sie wurde dabei beobachtet, ihren Freund zu küssen, mit ihm Unterwäsche zu kaufen, ihn anzulächeln und intime Gespräche mit ihm über den „heißen Sex“ zu führen, den sie haben würden; ihr dringendster Wunsch war der, mit ihrer Mutter shoppen zu gehen; während der nächsten Tage machte sie auf dem Polizeirevier Gymnastikübungen, streckte den Ermittlern die Zunge heraus, und war alles in allem taub und blind für das ganze, grausame Verbrechen, als ob es sie nicht anginge.
Dass es sie nicht interessierte, ist hier sogar wörtlich nachzulesen: relativ am Anfang des Buches beschreibt sie bereits ihre Gefühle nach dem Mord und verkündet naiv ihre Wut darauf, dass die Italiener wegen eines so gewöhnliches (!) Verbrechens so ein Theater machten, wie dies ihr die Zeit in Italien verdarb und die Aussicht auf ihr eigenes Vergnügen erschwerte. Wer das nicht glaubt, sollte es bitte nachlesen. Die Autorin hat praktisch auf dem Grab des Opfers getanzt, ein Mädchen, das sie kannte, das angeblich ihre Freundin war, das mit ihr unter einem Dach lebte und deren Schicksal ihres hätte sein können; es wundert nicht, dass dieses Verhalten vielen Leuten seltsam und sogar verdächtig vorkam.

Mein Eindruck ist der, dass die Autorin nur nach Italien gekommen war, um Spaß zu haben - mit sexuellen Beziehungen, Alkohol, Drogen usw. Sie hatte sich das als Ziel in den Kopf gesetzt und nichts durfte ihr in den Weg kommen; nicht einmal eine menschliche Tragödie unter ihrem eigenen Dach konnte etwas menschliches Gefühl in ihr erwecken, einen Gedanken an jemand anderen als an SICH selbst. Sie hat sich verhalten, als hätte sie morgens in der Zeitung über einen Mord gelesen, der am anderen Ende des Landes stattgefunden hatte, zwei Minuten später wieder alles darüber vergessen und einfach ihr Leben weitergeführt. Und das ist meiner bescheidenen Ansicht nach der Grund, warum sie nach dem Tod ihrer Kameradin keinerlei Mitgefühl oder Entsetzen gezeigt hat: nicht, weil sie wirklich etwas damit zu tun hatte (ich weiß, darüber ist noch nicht das letzte Wort gesprochen, aber ich persönlich halte es für eher unwahrscheinlich), sondern weil es ihr völlig gleichgültig war. Punkt. Alles, woran sie dachte, war SIE selbst. Und dieses Buch ist der beste Beweis, denn sie schreibt praktisch nur über SICH SELBST.

Meiner Ansicht nach ist die Autorin eine völlig egozentrische, egoistische, unreife und verantwortungslose Person, auch wenn sie deswegen noch lange keine Verbrecherin ist oder die Komplizin eines Verbrechers.
Das italienische Polizei- und Rechtssystem hat einige Fehler gemacht, aber die größten kamen durch die Presse: viel Glaubwürdigkeit wurde zerstört durch die Anklage, die Autorin sei kalt und gefühllos (was ich für zutreffend halte), aber aus dem falschen Grund (die Ausführung oder die Beteiligung an einem Mord).
Und das Traurige daran ist, dass es die Autorin bis heute nicht interessiert. Alles, woran sie jemals dachte, war SIE selbst, was u.a. dazu führte, dass sie ihren damaligen Arbeitgeber anklagte, um den Verdacht auf jemand anderen zu lenken. Und all, woran sie heute denkt, indem sie dieses Buch veröffentlich hat, Interviews gibt usw., ist wiederum nur SIE selbst. Sie möchte, dass die Welt nur ihr und ihr allein glaubt, sprich dass es alles nur ein Fall von Falschanklage und Hasskampagne war. Sie mag keine Mörderin sein, aber sie ist bis heute unfähig zu jeglicher Art Empathie. Alles, woran sie denkt, worüber sie spricht, worüber sie schreibt, ist SIE selbst.
Über die Lebensweise der Autorin vor dem Mord, insbesondere ihre Vorliebe für flüchtige Affären, Alkohol und Drogen ist vieles gesagt worden; und natürlich beweist das nichts in Bezug auf den Mordfall und geht darum auch niemanden außer sie selbst an, aber meiner Meinung nach weist es nur zusätzlich darauf hin, wie gefühllos diese junge Frau schon damals war, ständig auf der Suche nach Kicks, als wäre sie nicht in der Lage, sich selbst ohne diese zu fühlen und zufrieden zu sein.

Wenn die Autorin tatsächlich eine Mörderin wäre - was ich, wie gesagt, bezweifle - müsste sie die dümmste Mörderin seit Menschengedenken sein. Wer würde nach Ausführung eines Kapitalverbrechens einfach am Ort des Geschehens bleiben, gleichmütig lächeln und keinen Finger rühren, um ein überzeugendes Alibi vorweisen zu können bzw. die Beweise verschwinden zu lassen (was Guede, wenn auch unzulänglich, getan hat)? Und ohne jemals den geringsten Schrecken oder zumindest Trauer über das schreckliche Ende ihrer Zimmerkameradin zu zeigen? Ich glaube, dass sie das einfach nicht getan hat, weil sie nicht fähig ist, an jemand anderen als an SICH SELBST zu denken, nicht, weil sie wirklich schuldig wäre.
Und sie hat aus all dem nichts gelernt, ist niemals verantwortlicher, gefühlvoller, weitblickender geworden. Bis heute geht es ihr nur um SICH SELBST, darum, dass sie niemals etwas falsch gemacht hat, oder wenn, dann nur weil sie jung und unerfahren hat, im Drogentaumel, unter Druck gesetzt, ängstlich, allein in einem fremden Land, dessen Sprache sie nicht gut genug konnte usw.

Die Autorin weiß sehr gut, warum sie brav und sittsam gekleidet Interviews gibt, in denen sie wieder und wieder beteuert, „Ich habe es nicht getan, ich hätte es nicht tun können“: je öfter sie das tut, desto mehr fallen ihr die Fans zu Füßen und beschuldigen „diese barbarischen Italiener“ für das Geschehene. Die sogenannten Barbaren haben sehr viel mehr Mitgefühl und Respekt für die Tote und ihre Familie gezeigt als sie das jemals getan hat, obwohl sie sie persönlich kannte.
Ich kann im Text und im Stil der Autorin keinerlei Hass oder Blutrünstigkeit erkennen: nur eine absolut kalte, gleichgültige Distanziertheit, die sie nun als „inneren Frieden“ vermarktet, wiederum nur mit einem einzigen Ziel - SICH SELBST, und wie sie das gesamte Geschehen so weit als möglich allein zu IHREM EIGENEN Vorteil benutzen kann. Wenn sie einfach nur wollte, dass „endlich die Wahrheit bekannt wird“, warum hat sie keine Artikel mit ihrer eigenen Version der Ereignisse an die wichtigen Zeitungen des Landes zur Veröffentlichung geschickt? Warum hat sie stattdessen ein Buch geschrieben und bereichert nun SICH SELBST auf der Basis eines grässlichen Verbrechens?

Anscheinend reicht es aus, damit jemand ungerechtfertigt angeklagt wird, damit er zum Märtyrer wird, und ein „Märtyrer“ wird automatisch auf eine Stufe gesetzt mit einem Heiligen, auch wenn diese Person keinerlei besonders gute Eigenschaften aufweist (eher das Gegenteil), niemals in ihrem Leben etwas gutes oder intelligentes geleistet hat und außerdem aus ihren Erfahrungen nichts gelernt hat. Meine Güte, was für ein Grund, um mit einem Heiligenschein bedacht zu werden.
Hier findet offenbar der gleiche psychologische Mechanismus statt wie bei Geschichten wie Cinderella oder Jane Eyre: man sympathisiert automatisch mit der Hauptdarstellerin, weil sie, zumindest am Anfang der Geschichte, ein unterdrückter Verlierer ist oder zu sein scheint. Und wie viel mehr wächst unsere Sympathie, wenn das „Opfer“ sich wie der Phönix aus der Asche erhebt! Die Autorin hat den Ruf und das Leben ihres ehemaligen Arbeitgebers ruiniert (die Jahre, die sie wegen falscher Beschuldigung im Gefängnis verbracht hat, waren wohlverdient), während sie rund um den Globus unzählige Fans hat und sich durch den Verkauf dieses Buches und Interviewgebühren eine goldene Nase verdient.

Ich habe übrigens auch noch nie jemanden umgebracht, und ich glaube auch nicht, dass ich es könnte. Bin ich nun auch eine Heilige...? Ähm. Entschuldigt bitte den Sarkasmus.


Und jetzt alle noch mal aufs Klo: Wie meine beste Freundin Mutter wurde
Und jetzt alle noch mal aufs Klo: Wie meine beste Freundin Mutter wurde
von Judith Luig
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

7 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Seltsamer Humor, 14. Juni 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Einige Male habe ich über die Erzählungen in diesem Buch gelacht, aber ehrlich gesagt war ich dem Kopfschütteln und den Tränen meistens näher. Was viele der hier beschriebenen Mütter bzw. Eltern betreiben, ist narzisstischer Missbrauch in Reinstkultur.

Es ist erschreckend zu lesen zu müssen, wie die Planung, Empfängnis, Geburt und jedes Detail des weiteren Lebens von Kindern hier bis ins kleinste Detail geplant und kontrolliert werden. Die modernen technischen Möglichkeiten der Familienplanung erleichtern das Familienleben scheinbar nicht, sondern machen es zu einem Alptraum der erzwungenen Harmonie. Kinder sind keine Geschenke mehr, sie sind Projekte. (Auf einem Anrufbeantworter wurde das Kind der Schwangeren als "Arbeitstitel" bezeichnet. Man kann nur hoffen, dass dies ein Witz sein sollte.)
Während es früher gang und gäbe war, Kinder bei jeder Gelegenheit zu schlagen oder anzuschreien, gibt es jetzt subtilere Methoden der Gewalt: die Kinder werden seelisch unter Druck gesetzt, genötigt und erpresst. Sie werden völlig überzüchtet und überfordert, ein unfreiwilliges Lebensmodell wird ihnen von der ersten Sekunde an übergestülpt. Jede kleinste Regung wird ängstlich überwacht und so interpretiert, wie sie den Eltern am besten gefällt. Nichts dürfen sie allein unternehmen; nichts darf ihnen allein gehören. Fassungslos verfolgt man mit, wie Eltern ungehindert und ungeniert ihre offenbar nichtvorhandene Eigenliebe und Urteilskraft verkopft und überpsychologisiert an einem ihnen hilflos ausgelieferten Wesen auslassen.

Man kann deutlich erkennen, worum es diesen Eltern geht: um sich selbst. Sie projizieren, sie heucheln, sie behaupten. Sie leben in einer riesigen Lüge und die Kinder mit ihnen. Sie behaupten, dass sie nur um ihre Kinder kreisen; dabei ist klar zu erkennen, dass diese um ihre Eltern kreisen müssen. Kinder zu bekommen ist ein Charaktertest, doch bei diesen Eltern kommen offenbar ungezählte unaufgearbeitete seelische Konflikte und Probleme unbewusst an die Oberfläche und sollen nun durch die perfekte Familie, vor allem das perfekte Kind kompensiert werden.
Im ersten Kapitel bereits wird eine Einschulung mit soviel Aufwand inszeniert wie bei anderen Menschen allenfalls Hochzeiten. Unwillkürlich fragt man sich, was eigentlich auf der Einschulung der Mutter passiert ist, bzw. wie deren Schulkarriere überhaupt verlaufen ist: zu deutlich handelt es sich hier um IHR Event, IHRE Einschulung. Das Kind ist nur der Hauptstatist, es darf gerade noch die Einladungskarte unterschreiben. Es scheint sich um das Kind zu drehen, aber in Wirklichkeit inszeniert die Mutter sich selbst und ihre Familie. Das Kind wurde wahrscheinlich gar nicht erst gefragt, ob es zu seiner Einschulung überhaupt so ein Tamtam veranstaltet haben wollte oder ob es ihr völlig genügt hätte, zur Einschulung eine (mit Betonung auf eine) Schultüte in die Hand gedrückt zu bekommen und dann loszumarschieren. Aber allein darf man sein Kind nicht ins feindliche Leben lassen: überall lauern Bakterien, von der Mutter nicht vorher abgelutschtes Essen und halbwegs natürlich gebliebene Gleichaltrige.

Das Titelbild des Buches sollte richtig aufgefasst werden, bei dem schreienden Wesen mit dem weit aufgerissenen Mund handelt es sich nicht um eines der Kinder: es ist das jeweilige Elternteil, das unbedingt seinen Willen durchsetzen muss.
Als Erwachsener muss nicht mehr erzogen werden, nun erzieht man also selbst und behauptet, die Kinder müssten für diese pausenlose seelische Vergewaltigung dankbar sein. Und das Beste ist: man kann seelenruhig behaupten, man tue dies nur "aus Liebe". Diese Kinder werden später wahrscheinlich von einer Missbrauchsbeziehung in die nächste stolpern, da sie von klein auf gelernt haben, "Liebe" mit seelischer Nötigung und Dauerüberwachung in Verbindung zu bringen.
Den Kindern werden Märchen erzählt (falls diese nicht als kontraproduktiv für die Erziehung angesehen werden), doch die Eltern haben das nicht nötig: sie leben in ihrem eigenen, selbstgestrickten Märchen von der perfekten Familie. Und wem haben sie das zu verdanken? Natürlich sich selbst, niemandem sonst. Sie schaffen das alles allein, und zwar mit links. Hier deckt die Autorin ganz klar Lügen auf: sind die Kinder einmal da, haben die Mütter vergessen, wie hysterisch sie ihre Ernährung während der Schwangerschaft überwacht haben, und die Kinder werden als süßer kleiner Unfall bezeichnet, obwohl vorher jede auf dem Markt verfügbare Fruchtbarkeitsmethode ausprobiert worden war.

Nicht Menschlichkeit zählt, sondern Erfolgsgeschichten. Nicht Liebe und Geborgenheit machen diese Menschen glücklich, sondern das Wissen, dass sie bewundert und beneidet werden. Kirchen sind Eventstätten. Die Heilige Familie ist man selbst. Die Eltern sehen sich ständig mit anderen Eltern im Konkurrenzkampf und benutzen ihre Kinder, um sich als besonders gute, aufopfernde Menschen in Szene zu setzen. Die Einhaltung von Klischees wird auf das penibelste verfolgt. So müsse z.B. die Beziehung zur Schwiegermutter gepflegt werden, da "die Großmutter für das Kind eine wichtige Bezugsperson" sei, obwohl es sich in diesem Fall offenbar um eine grässliche Frau handelt. Bei der Entbindung riskiert man den Kindstod, weil man einen dringend erforderlichen Kaiserschnitt umgehen will - denn für eine gute Mutter-Kind-Bindung sei "ein ordentlicher Durchmarsch durch den Geburtskanal" unumgänglich. Ein Kind mit offenkundig unterentwickelter sozialer Reife wird als "hochbegabt" bezeichnet. Hat man einen Gast, hält man sich nicht einmal mehr an die Regeln der Höflichkeit: der Gast wird links liegen gelassen, er darf nur als Zuschauer und Zeuge fungieren, während vor ihm das Schauspiel "perfekte Familie mit perfekten Kindern" durchgespielt wird. Keine Gelegenheit wird ausgelassen, um Kinderlosen unter die Nase zu reiben, man sei diesen bei weitem überlegen, da man ja nun Eltern ist.

Vielleicht stimmt es einfach nur, dass Geld den Charakter verdirbt: die hier beschriebenen Familien gehören der Beschreibung nach alle zum höheren bis gehobenen Mittelstand, von Häuschen im Grünen ist die Rede, von Designermöbeln und -kleidung und riesigen Altbauwohnungen. Hoffentlich erzieht heutzutage wenigstens der Durchschnittsbürger mit Normaleinkommen seine Kinder noch zu gesunden menschlichen Wesen anstatt zu perfekt funktionierenden kleinen Maschinen, die man als wesentlichen Teil der eigenen Erfolgsgeschichte stolz vorführen will. Der preußische Drill ist offenbar immer noch gang und gäbe, nur geht man heute subtiler damit um. Angeblich wurden diese Eltern durch ihre Kinder weiser, geduldiger und demütiger - man fragt sich, wie sie wohl vorher waren. Keinen Deut besser, steht zu vermuten: auf die gleiche berechnende Art, mit der sie früher ihre Karriere geplant haben, scheuchen sie nun ihre Kinder.

Über eine solcherart funktionierende Gesellschaft kann ich mich nicht amüsieren, die Sache ist in meinen Augen bitterernst. Bei mindestens drei der hier beschriebenen Familien müsste man meiner Meinung nach das Jugendamt einschalten.
Die Autorin ist nicht immer eine gute Beobachterin: von einer Familie behauptet sie, dass die Kinder glücklich und gut erzogen seien, dabei musste sie selbst am Frühstückstisch beobachten, wie nach einem unwichtigen Zwischenfall alle vier Kinder minutenlang schluchzten - offenbar sind alle völlig verängstigt. Das Haus, in dem sie wohnen, klingt nach einem Gefängnis, der Vater nach einem üblen Tyrann. Man fragt sich unwillkürlich, wann das erste Kind beim Psychologen landen wird und wie lange es dort bleiben wird. Wie eine andere dieser Frauen ihr Ziel "Berufsgattin" erreicht hat, liest sich wie eine Horrorgeschichte, von der Art, wie sie ihre Kinder "erzieht", ganz zu schweigen - arrogante Übergriffigkeit an der Familie zu Höchstform stilisiert. Dass die Autorin dies seelenruhig niederschreibt und sogar Neid bekundet, grenzt ans Unglaubliche.

Möglicherweise habe ich mich geirrt und dieses ist kein Unterhaltungs-, sondern ein Sachbuch, ein Leitfaden darüber, was man seiner Familie keinesfalls antun sollte. Seelischer Missbrauch ist nicht durch Dummheit und / oder Sehnsucht nach Anerkennung entschuldbar und schon gar nicht durch Mutterinstinkt und weibliche Hormone erklärbar, und er ist auch kein Gegenstand für Schadenfreude: es ist ein Verbrechen.
Der Schreibstil der Autorin ist zu versöhnlich, um sarkastisch zu sein, und zu selbstmitleidig, um einfühlsam zu sein. Dass man bedauert, die beste Freundin zu "verlieren", weil diese nun auch Mutter wird, ist verständlich - aber ehrlich gesagt nicht, dass man es ihr nicht gönnen kann, wenn ihr langgehegter Kinderwunsch endlich in Erfüllung gegangen ist. Das ist in meinen Augen keine Freundschaft. Beim Lackmus-Test ehrlicher, unverfälschter Gefühle - wenn es so einen gäbe - würden fast alle in diesem Buch beschriebenen Beziehungen mit Pauken und Trompeten durchfallen.

Ich kann nur hoffen, dass die hier beschriebenen Anekdoten sehr satirisch überzogen und nicht realistisch sind. Denn ehrlich gesagt, wenn die von diesen Eltern großgezogenen Kinder die Erwachsenen von morgen sind, und wenn dies die Elite ist und eines Tages die Gesellschaft dieses Landes mitbestimmen wird - dann gute Nacht.


Nymphomaniac Vol. I & II [2 DVDs]
Nymphomaniac Vol. I & II [2 DVDs]
DVD ~ Charlotte Gainsbourg
Preis: EUR 14,49

22 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Langweilig, dumm, abstoßend, bösartig, Trier (Vorsicht Spoiler), 29. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Nymphomaniac Vol. I & II [2 DVDs] (DVD)
Ich gebe zu, dass ich nicht Triers gesammelte Werke kenne. Ich habe es ein paar Mal versucht, bin aber nie zum Ende gekommen, weil ich nur gelangweilt, verwirrt und angeekelt war und immer noch nicht verstehen konnte, was seine Filme mir sagen wollen. "Nymphomaniac" war keine Ausnahme. Die Geschichte von Joe's sexuellen Exzessen könnte in 4 Minuten erzählt werden, aber Triers "Geschicklichkeit" liegt darin, sie auf eine Länge von 4 Stunden zu strecken. Mich schaudert, wenn ich daran denke, dass Joe von Charlotte Gainsbourg gespielt wird, die wunderbare Schauspielerin, die unter der Ägide von Franco Zeffirelli den Zuschauer mit nur einem leichten Beben ihrer Lippen berühren konnte, während sie hier nur plumpe Sexszenen "spielt", die nicht einmal im Geringsten erotisch sind.

Triers Werke scheinen immer auf ein und dasselbe hinauszulaufen: das absolute Leugnen bzw. die Flucht vor jeder Art von menschlichem Gefühl, bzw. der ewige Kampf des kläglichen menschlichen Verstands gegen die explosive Urkraft des Libido. (Vielleicht noch mit Ausnahme von "Dancer in the Dark", wo Emotionalität gleichgesetzt wird mit Rührseligkeit, Intelligenzmangel, fehlende Selbstbeherrschung und Realitätsverlust am Rande der Schizophrenie. Und ich will jetzt nicht Selma gegenüber unsensibel sein - das ist, wie Trier einen fühlenden Menschen darstellt!)

Meiner Meinung nach kann man in Triers ganzem sogenannten Filmemachen nur die grundlegende Idee von "Des Kaisers neue Kleider" finden: bloß nicht zugeben, was für ein hohler, überflüssiger Müll das ist, man könnte dich für dumm halten! Und im Fall von Filmen wie "Nymphomaniac" außerdem noch für verklemmt und politisch unkorrekt. Der Autor und Regisseur versucht NICHT, Geld und Erfolg aus dem Voyeurismus der Zuschauer zu schlagen, nein, nie im Leben! Es geht hier um "ernste Themen" und um "Tabubruch". Es geht um jedermanns Lieblingsthema, also MUSS dieser Film natürlich erleuchtend, innovativ und wohldurchdacht sein. - Ist es nur ein Zufall, dass "Des Kaisers neue Kleider" ein Märchen von Hans Christian Andersen ist, der ebenfalls Däne war?

Entschuldigung, aber ich verstehe diese Filme nicht. Und ich will keine Zeit mehr damit verschwenden, es zu versuchen. Dieser ganze Film ist genauso sinn- und geschmacklos wie alle Werke von Trier, mit denen ich bis jetzt zu tun hatte, und meiner Meinung nach können sowohl begeisterte Kritiker als auch Fans ganz einfach nicht akzeptieren, dass sie schlichtweg nichts aussagen. Triers Filme kommen nie zu einem Schluss, es gibt keine wirkliche Entwicklung und Dynamik, und er kann auch keine Charaktere beschreiben, die man mögen, respektieren oder zumindest verstehen könnte; die Handlungen haben weder wirklichen Inhalt noch Bedeutung, die Personen kleben in ihrer Hoffnungslosigkeit fest und sind trotzdem langweilig, die Handlungsstränge sind schäbig und abstrus. Trier setzt zwar Bilder und Musik ein, die oft sehr schön sind, und gute Schauspieler und / oder Sänger (auch wenn ich nicht verstehe, warum diese überhaupt dazu bereit sind, mit einem so offensichtlich gestörten Mann zusammenzuarbeiten); aber all das führt nie zu einer Geschichte, aus der das geringste an Weisheit und / oder Mitgefühl sprechen würde, oder die zumindest unterhaltsam wäre.
Anstatt Qualität zu produzieren, genießt es Trier, das Umfeld der Kinogänger mit scheinbar tiefsinnigen und intellektuellen Filmen zu vermüllen, deren Inhalt genauso falsch sind wie das "von", das er seinem Nachnamen hinzugefügt hat, um ihn eindrucksvoller klingen zu lassen. Wir sprechen von einem Mann, der während eines Festivals in Cannes behauptet hat, ein Nazi zu sein; nicht, dass er wirklich einer wäre - er wollte nur um Aufmerksamkeit buhlen durch das Brechen eines neuen Tabus. (Oder vielleicht nur testen, wie viele Menschen naiv genug sein würden, um es ihm "abzukaufen", genauso, wie er es offenbar mit seinen Filmen macht.)

Wenn man sich Triers Filme ansieht - oder es zumindest versucht - wird man nur in eine endlose Depression hineingesogen: auf der Welt zu sein ist S******, die ganze Welt ist S******, Tod und Verderben können jeden Moment über einen hereinbrechen, nichts kann den alles durchdringenden grauen, leeren, deprimierenden, aussichtslosen Geschmack des Lebens lindern. Also lasst uns in der Zwischenzeit jede Menge dummer, sinnloser F**** haben, in der Hoffnung, das Desaster zu beschleunigen. Die Frau ist der Teufel selbst, die Hölle residiert innerhalb ihrer Vagina (nichts Neues an der Front seit "Antichrist"). Joe bezeichnet sich selbst als "böse": der Liebesakt, der zwei Menschen in Freude und Vertrauen zusammenbringen sollte, wird hier zu Schmerz, Demütigung und Hässlichkeit entwertet für jeden, der damit zu tun hat.
Ich verstehe nicht, warum es keine Einschränkungen in der Filmwelt gibt gegen die Produktion von Filmen, die soviel Unmenschlichkeit darstellen, Besessenheit mit allem, das grausam und boshaft ist und Ekel gegen die gesamte Menschheit, insbesondere Frauen. O.k., Trier will auf dem schnellsten Weg zur die Hölle fahren. Vielen Dank für die Information. Aber man muss ihm nicht dorthin folgen.

Ich bin vielleicht zu dumm, um Triers Lebenseinstellung und seine Werke zu verstehen, aber ich bin lieber dumm, als dass ich behaupte, dass ich auch nur das geringste davon habe oder lerne, indem ich mir dieses pseudo-intellektuelle, trostlose und vor allem völlig ÜBERFLÜSSIGE Zeug ansehe. Trier mag es genießen, sich selbst als den "besten Regisseur der Welt" zu bezeichnen, aber meiner Ansicht nach produziert er nichts als Müll. Er mag geschickt erzählt und intelligent aufgezogen sein, aber es ist trotzdem nur Müll. Trier kann wahrscheinlich keinen Therapeuten finden, der mit ihm arbeiten würde - kein Wunder -, also teilt er seine Störungen, sein Unglücklichsein und seinen Hass mit so vielen unglückseligen Zuschauern, wie er finden kann, indem er ihnen vormacht, dass seine Filme irgendeine Art von Weisheit oder Erkenntnis bieten.
Die Wahrheit ist, dass der Zuschauer, von Impulsen überwältigt während er in grausiger Faszination zuschaut und in dem Glauben, dass er Zeit und Gedanken mit diesen Filmen verschwenden muss, um nicht für dämlich gehalten zu werden, blind dafür gemacht wird, dass das jeweilige Werk nicht die kleinste Aussage beinhaltet, weder intellektuell noch gefühlsmäßig, oder auch nur den geringsten Sinn ergibt. Man wird nur verwirrt, angewidert, deprimiert und langsam aller positiven Energie beraubt.

Wenn man glücklich sein und sich selbst und sein Leben genießen und ein mitfühlendes menschliches Wesen bleiben will, sollte man von diesen Filmen fern bleiben: sie haben keine andere Wirkung, als den Zuschauer auf eine abscheuliche Art innerlich zu verderben. Man muss nur genug Zeit mit ihnen verbringen und man verliert jeglichen Glauben, außer den an die Boshaftigkeit und die Trostlosigkeit.

Wer an einem gutgemachten Film interessiert ist, der das Thema Sexsucht verständlich macht, sollte es mit Steve McQueen's "Shame" versuchen.
Kommentar Kommentare (9) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 10, 2015 4:30 PM CET


Das Böse Frauen-Buch: Lieber rotzfrech als kreuzbrav (Goldegg Gesellschaft)
Das Böse Frauen-Buch: Lieber rotzfrech als kreuzbrav (Goldegg Gesellschaft)
von Gabriele Hasmann
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 21,40

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Kein lustiges - ein freudloses Buch, 29. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Noch vor 10 Jahren hätte ich wahrscheinlich über dieses Buch lachen können, aber inzwischen nicht mehr. Ich habe mich bei diesem Buch leider gründlich verkauft und werde es auf schnellstem Wege entsorgen.
Gut, es ist satirisch, und vieles ist natürlich überspitzt dargestellt. Aber die darin enthaltene Grundeinstellung habe ich nicht als bewunderns- oder nachahmenswert empfunden, oder auch nur als lustig - sie ist in meinen Augen freudlos. Pausenlos werden Kommentare dazu abgegeben bzw. Geschichten darüber erzählt, wie "rotzfreche" Frauen "von heute" sich im Alltag verhalten, was intelligent und selbstbewusst sein soll. Mein Eindruck war nur der von Rücksichtslosigkeit und Gefühlsarmut. Diese Frauen dürfen sich nicht wundern, wenn sie irgendwann völlig vereinsamen, weil es niemand in ihrer Nähe lange aushält.

Besonders nervtötend die Anekdoten zum Thema Partnerschaft: Männer sind abwechselnd Idioten oder sexsüchtige Machos, und in "Beziehungen" geht es stets nur darum, wer den anderen besser kontrolliert bzw. erpresst. Irgendwann fragte ich mich, warum solche Menschen überhaupt "Beziehungen" eingehen und nicht einfach allein leben (bzw. die Männer bei ihren Müttern bleiben, damit sie für sie kochen und putzen) und ihren Sexualtrieb durch Affären und One-Night-Stands befriedigen. Damit würden sie sich jede Menge Ärger ersparen und die ahnungslosen Leser nicht mit Berichten über ihre pausenlose Frustration über das andere Geschlecht quälen.

Aber nein, halt: die erfolgreiche Frau von heute hat natürlich auch einen tollen Beruf und muss Karriere machen, dazu muss man sich wahrscheinlich einen sogenannten Partner anschaffen und irgendwann diesen Deppen bzw. diesen A... ggf. sogar heiraten und mit ihm Familie gründen, damit Bosse, Kollegen, Geschäftspartner usw. denken, man sei ein treusorgender Familienmensch und somit solide. (Entschuldigung, das ist jetzt einmal meine "rotzfreche" Interpretation). Mit Gefühlen hat Partnerschaft natürlich nichts zu tun, denn die "rotzfrechen" Frauen sind sich dafür zu schade, und bei Männern führt allein so etwas simples wie fünfminütiges Schmusen vor dem Sex angeblich schon zu krankenhausreifen Schäden an den Geschlechtsorganen.

Zu ihrer Einschätzung des anderen Geschlechts - zumindest der Exemplare, mit denen sich Frau hier abgibt - zitiere ich:

* ZITAT *

Es ist Montag. Der Mann will Sex, die Frau hat keine Lust.
Es ist Dienstag. Der Mann will Sex, die Frau hat Migräne.
Es ist Mittwoch. Der Mann will Sex, die Frau schläft bereits, als er ins Bett steigt, und ist nicht mehr wach zu bekommen.
Es ist Donnerstag... Guess what?
Am Freitag sagt sie: "Du willst ja immer nur Sex"!
Liebe Frau: er hatte doch noch gar keinen!
(Stefan Kreuzer)

* ZITAT ENDE *

Die "moderne Beziehung" sieht also scheinbar so aus: der Mann sieht in der Frau nur ein Objekt zu seiner Bedürfnisbefriedigung, es kommt ihm nicht im mindesten darauf an, in ihr einen Menschen zu sehen, dem er nahe sein will. Er will halt seinen Sex, und um Ruhe zu haben, hat frau keine andere Chance, als ihm umgehend und ohne Rücksicht auf sich selbst das zu geben, was er will, am besten sofort.
Ich meine, wie dumm und wie gefühllos kann "Mann" sein? Warum verschwendet eine Frau überhaupt ihre Zeit mit so einem Exemplar? Ich interpretiere jetzt noch einmal auf meine Art "rotzfrech": weil diese Art Frau und diese Art Mann einander verdienen.

Wieso kann ich nicht darüber lachen, wenn in einem Buch dauernd über alles gemotzt und auf jeden herabgesehen und das ganze Leben als ein einziger Kampf dargestellt wird? Dieses Buch soll angeblich zum Lachen sein, aber es feiert nur die Verbohrtheit und Humorlosigkeit, mit der die sogenannten "bösen Frauen" durchs Leben gehen. Dass diese das Leben noch genießen oder sogar glücklich sein können, wage ich zu bezweifeln - kurzfristige, boshafte Triumphe über angeblich schwächere und dümmere Menschen müssen als gelegentlicher Kick ausreichen.

Es gibt übrigens einen Mittelweg zwischen "rotzfrech" und "kreuzbrav", und das ist "damenhaft". Damit wird man überall respektiert und muss sich nirgendwo kleinmachen, man kann menschliche Gefühle zulassen, ein erfülltes Liebesleben genießen und vor allem auch über sich selbst lachen. Das mag mancher als altmodisch vorkommen; aber mir persönlich kommt es sinnvoller vor, als mich damit zu identifizieren, "böse" zu sein, weil dies angeblich "modern" ist, und freudlos und verbohrt, aber angeblich "selbstbewusst" und "durchsetzungsfähig" mit spitzen Ellenbogen durchs Leben zu stapfen.
Mein Fazit, liebe AutorInnen und liebe LeserInnen: lieber Lady als Bitch!


Der Weg ins Licht.
Der Weg ins Licht.
von Pearl S.: Buck
  Broschiert

2.0 von 5 Sternen Enttäuschend in seiner Engherzigkeit, 10. November 2013
Rezension bezieht sich auf: Der Weg ins Licht. (Broschiert)
Die Geschichte eines New Yorker Geschäftsmanns, Mitglieds der High Society und "Erfolgsmenschen", der noch rechtzeitig umkehrt und den wahren Sinn seines Lebens im Einsatz für andere findet, wird in diesem Buch überzeugend und nicht allzu klischeehaft beschrieben. Wie üblich bei Pearl S. Buck sind die Charaktere Originale und die Handlung erfrischend, wenn auch ein sehr melancholischer Unterton auffällt, der im Gegensatz zum Titel des Buches steht.
Traurig mutet für meine Begriffe hier die Auffassung der Autorin in verschiedener Hinsicht an; ich hätte von der toleranten und weltoffenen Pearl S. Buck nicht soviel selbstgefällige Arroganz erwartet, auch wenn das Buch zu einer viel konservativeren Zeit als der unseren geschrieben wurde.

Die erste Frau des Hauptdarstellers eröffnet ihm kurz vor der Hochzeitsnacht, dass sie keine Jungfrau mehr ist - ob das für ihn ein Problem sei? Natürlich nicht, beteuert er nach der ersten Verblüffung. Einige Jahre später stellt sich heraus, dass sie heimlich bereits ein Kind hatte. Natürlich, ob eine Frau nicht mehr Jungfrau ist, ist SEHR wichtig, denn das macht wahrscheinlich, dass sie bereits Mutter ist und das Kind irgendwohin abgeschoben hat! Die Puritaner und Moralisten werden begeistert sein ob dieser Darstellung "falscher" Sexualität. Seine zweite Frau liebt ihn natürlich schon seit vielen Jahren und hat, stets unberührt, darauf gewartet, dass er sie endlich zu seiner Frau macht (natürlich heißt sie auch noch Mary); dazu musste nur seine erste Frau endlich von der Bildfläche verschwinden - durch Selbstmord. Die wahrhaft christliche zweite Frau baut ihr künftiges Glück auf der Tragödie eines anderen Menschen, einer anderen Familie auf.
Der Selbstmord findet kurz nach der Geburt der Zwillinge statt, obwohl vorher nichts deutlich darauf hinwies, dass sie unter so schweren Depressionen litt. Eine Schwangerschaftsdepression wäre eine mögliche Erklärung, doch die Autorin bezeichnet die Selbstmörderin einfach als "krank". Verwöhnt und oberflächlich, findet sie anscheinend keinen Sinn in ihrem Leben, lebt nur für sich selbst und bringt sich zuletzt um, zu egoistisch, um wenigstens für ihre neugeborenen Kinder am Leben zu bleiben.
Am Ende gründet der Hauptdarsteller, nicht damit zufrieden, den Sinn seines Lebens darin gefunden zu haben, anderen zu "helfen", die "Gemeinschaft der Guten"; d.h. jeder, der sich für gut hält, darf sich bei ihm vorstellen und in diese Gemeinschaft aufgenommen werden. Ob es sich bei diesen "Guten" möglicherweise um Schwindler, Heuchler oder Schlimmeres handelt, wird nicht hinterfragt. Man kann offenbar - so wird von der Autorin propagiert - nur gut oder schlecht sein, wir Menschen sind nicht alle Sünder, sondern es gibt eine klare Abgrenzung. Die Autorin scheint das alte biblische Wissen nicht zu kennen oder erfolgreich verdrängt zu haben, dass Stolz nicht nur eine der Todsünden ist, sondern die schlimmste von allen.

Pearl S. Buck war eine Missionarstochter und ihre Abneigung gegen faule, oberflächliche Menschen, die nur an sich selbst denken, ist in fast jedem ihrer Werke in Form von Kritik an und negativer Darstellung solcher Personen erkennbar. In diesem Buch gipfelt diese Haltung aber geradezu mit der oben erwähnten erstickenden Arroganz, mit der "gut" und "schlecht" deutlich voneinander getrennt und "böse Menschen" als unentrinnbar dem Untergang geweiht abgestempelt werden. Ich habe zeitweise sogar angezweifelt, ob Pearl S. Buck wirklich die Autorin dieses Buches war, aber der Schreibstil kam mir zu bekannt vor, also ist es unwahrscheinlich, dass sich jemand illegal ihres Namens bemächtigt hat, um dieses Buch besser zu vermarkten.

Aus dieser Einstellung spricht nicht die Weisheit, wie ich sie aus anderen Büchern der Autorin kenne, sondern nur überlegene Verherrlichung angeblicher christlicher "Tugend". Man ist also gut, wenn man a) sich dafür hält, b) erkennen kann, wer "schlecht" ist und c) keinerlei Selbstbeobachtung oder Selbstkritik ausübt. Bravo. Ich habe dieses Buch einmal gelesen und umgehend entsorgt. Und ich finde es auffällig, dass es seit über 20 Jahren weder auf deutsch noch in der Originalsprache Neuauflagen dieses Buches gibt. Die Leser, auch die Fans der Autorin, scheinen zu wissen, warum sie dieses Buch meiden.


Du sollst nicht merken: Variationen über das Paradies-Thema
Du sollst nicht merken: Variationen über das Paradies-Thema
von Alice Miller
  Taschenbuch
Preis: EUR 13,00

4 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Nicht das Vierte Gebot ist das Problem, sondern das Erste, 2. März 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Zunächst einmal alle Achtung vor dem Mut der Autorin, die Einhaltung des Vierten Gebots auf Kosten der psychischen Gesundheit von Patienten anzuprangern; auch vor ihrer scharfen Kritik an den vielen von der Triebtheorie überzeugten Kollegen, die ihren Patienten einreden wollten (oder bis in unsere heutigen Tage wollen), dass man an sexuellen Konflikten leide und eventuelle Depressionen, Neurosen etc. keinesfalls damit zu tun haben könnte, dass man von seinen Eltern schlecht beeinflusst oder sogar misshandelt wurde.
Trotzdem glaube ich, dass Alice Miller den Kern des Problems nicht wirklich erkannt hat. Sie prangert zwar das Vierte Gebot an, aber dieses sagt bekanntlich aus, man solle seine Eltern ehren: es ist nicht die Rede davon, dass man sie lieben muss, egal was sie einem angetan haben, und auch nicht, dass man immer mit ihnen einer Meinung sein und ihnen immer gehorchen muss.
"Ehren" bedeutet meiner Ansicht nach, einen Menschen in seiner Ganzheit zu *akzeptieren* und sein zu lassen, auch wenn man mit ihm nicht einverstanden ist oder sogar Schlimmes durch ihn (oder sie) erdulden musste. Das bedeutet nicht, dass man nicht auf seine Eltern wütend sein darf, wenn diese grausam und ungerecht waren; schließlich fordert die christliche Religion den Menschen auch auf, seinen Nächsten zu lieben wie sich selbst, und man kann sich nicht selbst lieben, wenn man jemandem vorsätzlich erlaubt, einen jahre- oder jahrzehntelang zu misshandeln, ohne sich diesen Personen zu widersetzen oder zumindest zu entziehen. Es bedeutet mit Sicherheit auch nicht, dass man nicht seinen eigenen Weg gehen darf, auch wenn die Eltern damit nicht einverstanden sind.

Für weit wichtiger halte ich in diesem Zusammenhang das Erste Gebot: dieses lautet "Du sollst keinen Gott haben neben mir". Ich glaube, dass man dieses Gebot leicht unterschätzt, indem man sich sagt, man bete ja keine kuhköpfigen Götzen an und darum sei es kein großes Problem, sich an dieses Gebot zu halten. Leider ist es im Alltag aber sehr häufig so, dass man bestimmten Personen oder sogar ganzen Gruppen und / oder Institutionen gottähnliche Eigenschaften wie Allwissen und Allmacht unterstellt; nur findet dies meist unbewusst statt und man ist sich nicht darüber im Klaren, dass man jemanden vergöttert, der dies nicht wert ist, da er nun einmal kein Gott ist.
Für ein Kind haben die Eltern in den ersten Lebensjahren immer einen gottähnlichen Status, gleich, ob es gute oder schlechte Eltern sind; in jedem Fall bedeutet aber das Erwachsenwerden für jeden Menschen, sich von dieser Illusion zu lösen und den Menschen hinter dem Vater und der Mutter zu erkennen und zu akzeptieren. Das erfordert von beide Seiten den Mut, die neue Lebensphase des Kindes geschehen zu lassen; in Wirklichkeit sieht es aber so aus, dass sehr oft sowohl Eltern als auch Kind sehr große Schwierigkeiten mit dieser wichtigen Aufgabe des Loslassens haben.
Andersherum ausgedrückt: kein Elternteil kann von seinem Kind verlangen, dass es immer zu ihm aufsieht, ihm stets recht gibt und alles tut, um es diesem Menschen recht zu machen. Genau das ist aber meiner Meinung nach der Punkt - viele Eltern sonnen sich in der absoluten Macht, die ihnen das Kinderkriegen über ein lebendes Wesen einräumt, und verlangen bis an ihr Lebensende von diesem nicht geehrt, sondern angebetet zu werden. Manche Kinder nehmen dies ggf. als willkommenen Anlass, nie wirklich erwachsen zu werden und sich immer hinter Vater und Mutter zu verkriechen. (Dies erwähnt die Autorin zwar nicht, doch ich halte es für sehr wichtig, es zu erwähnen; in solchen Fällen ist auch meistens schwer definierbar, ob mehr die Eltern oder mehr das Kind die Verantwortung für das Nichtgeschehen der Abnabelung tragen.)

Zwar schreibt die Autorin mehrmals, dass ihr völlig bewusst ist, dass keine Mutter und kein Vater perfekt sein kann, aber trotzdem unterstellt sie den Eltern immer wieder, allein verantwortlich zu sein für das Glück und Unglück ihres Kindes; an einer Textstelle behauptet sie sogar, übermäßige Sensibilität bei einem Kind könne daher rühren - was aber noch nicht genau erforscht sei - dass das Kind im Mutterleib diese oder jene Probleme der Mutter mitbekäme und daher schon mit übermäßiger Verletzbarkeit auf die Welt kommt.
Entschuldigung, aber das ist zu stark aufgetragen. Alice Miller erwähnt mit keinem Wort, was ein Kind wirklich ist - ein Geschöpf Gottes, das den Eltern anvertraut wurde, damit diese es mit Respekt und Verantwortung großziehen; sie geht davon aus, dass ein Kind nicht bereits als fertiges, gottgegebenes Wesen mit bestimmten Eigenschaften und vor allem einer eigenen Seele und Würde auf die Welt gekommen ist, sondern grundsätzlich von Anfang bis Ende von den Eltern geformt wird. Nach meiner Erfahrung haben z.B. sensible Kinder im allgemeinen auch sensible Eltern, oder zumindest ein sensibles Elternteil - Alice Miller scheint aber zu meinen, dass ein Kind als tabula rasa, ohne jegliche eigene Anlagen auf die Welt kommt, oder dass sich das Erbgut allein auf den Körper beschränkt.

Alle Achtung vor Alice Millers akribischen Recherche z.B. der Kindheit von Franz Kafka und vor ihrem Mut, die Selbstverständlichkeit anzuklagen, mit der viele Eltern ihre Kinder wie Marionetten behandeln und dafür noch Dankbarkeit erwarten, aber wie gesagt: meiner Ansicht nach schießt sie am Ziel vorbei und übertreibt auch in ihrer harschen Kritik am Vierten Gebot bzw. der Einführung eines angeblichen neuen Gebots in Form von "Du sollst nicht merken"; nicht das Vierte Gebot ist das Problem, sondern dessen Interpretation, sowie die Leugnung und ungenügende Beachtung des Ersten Gebots. Alice Millers vehemente Ablehnung des Vierten Gebots sowie die daraus folgende Ablehnung der gesamten christlichen Religion hat mich zeitweise sehr verärgert, und auch die ungenügende Betonung der Tatsache, dass man als Kind nicht allein vor diesem Gebot Angst hat, sondern vor allem davor, mit der Ablehnung der Eltern die eigenen Wurzeln zu verlieren; die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, und ich weiß aus Erfahrung, wie oft und wie lange man hofft, eines Tages vielleicht doch noch zu den Eltern durchzudringen.

Die Bibel wurde und wird bekanntlich sehr oft dafür missbraucht, Ungerechtigkeiten und Grausamkeiten mit scheinbar unwiderlegbaren Argumenten durchzusetzen; unter dem Mantel der "Religion" haben Menschen schon sehr oft die übelsten Taten verübt. Dies gilt mit Sicherheit auch für viele "wohlmeinende" Menschen, die das Kindheitsleid vieler Opfer bagatellisieren und eine "gute Beziehung" zwischen Eltern und Kind für wichtiger halten als die Wahrheit um einen psychischen und / oder körperlichen Missbrauch durch die Eltern, wenn dieser tatsächlich stattgefunden hat.
Das ist jedoch meiner Ansicht nach kein Grund, um die Bibel bzw. die christliche Religion und ihre Gebote rundheraus abzulehnen; dadurch erkennt man ihre Missbräuche auch nicht besser. Ich glaube jedenfalls nicht, dass die Abwendung von der christlichen Religion und die Anprangerung der eigenen Eltern irgend jemandem dabei helfen können, loszulassen und zu sich selbst zu finden. Dies führt vielleicht zu einer kurzfristigen anfänglichen Erleichterung der von den Eltern und ggf. der näheren Umgebung eingeredeten Schuldgefühle, aber auf Dauer nicht zu einem wirklich erfüllten Leben.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 17, 2015 11:59 AM CET


Anne Bronte's "The Tenant of Wildfell Hall" (1996) [2 DVDs]
Anne Bronte's "The Tenant of Wildfell Hall" (1996) [2 DVDs]
DVD ~ Cathy Murphy
Preis: EUR 7,99

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Enttäuschend und fast langweilig, 9. September 2012
Ich gebe zu, dass dieses Buch weniger leicht zu verfilmen ist als z.B. "Jane Eyre" von Anne Brontës Schwester Charlotte, das schon zahlreiche Verfilmungen und auch Bühnenversionen erlebt hat. Janes Partei ergreift man normalerweise bereits von Anfang an, da sie als Opfer dargestellt wird; Helens Situation wird erst mit der Zeit klar. Vor allem, denke ich, hätte man an den Anfang dieses Films einige Erklärungen zu den Gepflogenheiten der damaligen Zeit (frühes 19. Jahrhundert) abgeben müssen, was die Rolle und Stellung der Frau in der englischen Gesellschaft betraf: "The Tenant of Wildfell Hall" wurde von den damaligen Lesern mit einem Skandal empfangen, da es sich um eine Frau handelt, die ihren Ehemann verlässt. Die eheliche Formel "in guten wie in bösen Tagen" galt damals ohne Ausnahme, auch wenn der Ehemann, wie in diesem Fall, immer mehr dem Trunk verfällt, seine Frau betrügt, vor allen Augen demütigt, schlägt und zuletzt auch anfängt, seinem Sohn das Töten von Tieren und das Trinken beibringen zu wollen. Eine Frau hatte normalerweise auch kein Anrecht auf ein eigenes Vermögen und war stets einem Mann - dem Vater, Onkel, Vormund, später dem Ehemann - auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Dass sie für ihren Lebensunterhalt arbeitete, galt darum ebenfalls als skandalös. Jane Eyres Situation ist für heutige Begriffe leichter verständlich, da sie eine Waise und bis fast zuletzt ledig ist; das erklärt vielleicht, warum ihre Geschichte sehr viel beliebter und universell verständlicher ist als die von Helen Huntingdon, obwohl diese mindestens genau so tiefgründig, tragisch und der damaligen Gesellschaft gegenüber kritisch ist: in beiden Fällen handelt es sich um eine Frau, die um ihre Unabhängigkeit und persönliche Würde ringt entgegen allen widrigen Umständen.

Ich denke, man hätte dieses Buch also durchaus interessant verfilmen können; aber anstatt die gesellschaftlichen Umstände stärker herauszuheben, damit man Helens Situation versteht, verlassen sich die Produzenten auf Effekthascherei. Man bekommt die Sauforgien von Arthur und seinen Freunden deutlich mit, sieht einmal, wie Arthur Helen fast vergewaltigt, die Geburt ihres Kindes ist fast plastisch dargestellt; der Sturz ihres Sohnes in eine Felsspalte anlässlich des Ausflugs an die Küste kam im Buch niemals vor, auch bekam Helen niemals mit, wie Gilbert ihren Bruder aus Eifersucht geschlagen hat. Am Ende des Films glaubt nicht Gilbert irrtümlich, dass Helen wieder heiratet, sondern sie denkt, dass er der Bräutigam ist; doch der Bräutigam ist ihr eigener Bruder, und wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie nicht wusste, dass er heiratet und genau an diesem Tag? Außerdem wurde Helen im Buch als sehr begabt dargestellt, man sieht ihre Bilder im Film aber kaum; zudem war sie sehr schön, was man von Tara Fitzgerald leider nicht sagen kann. Ihr Verhalten ist oft heftig und aufbrausend, und man fragt sich, warum Gilbert sich eigentlich in sie verliebt.

Arthurs Freundeskreis spielt im Buch ebenfalls eine sehr wichtige Rolle, aber sie sind im Film sehr blass und verschmelzen mit dem Hintergrund, obwohl die Verfilmung wirklich lang genug ist und solche Kürzungen nicht notwendig waren. Helens Freundinnen, vor allem Hattersleys spätere Ehefrau, die sanfte Milicent, und die selbstsichere Esther, gehen völlig unter. Auch die Verwicklung um Lord Lowborough und Arthurs Affäre mit dessen Frau kommen nicht vor, obwohl sie im Buch sehr wichtig sind. Hargrave, ein weiteres Beispiel für einen Mann, der Helen quält und nicht als sie selbst anerkennt, ist ebenfalls zu blass; und Gilbert ist sehr heftig und impulsiv, so dass man sich unwillkürlich fragt, warum ausgerechnet er so viel besser für Helen sein soll.

Es ist das übliche - Qualität geht unter zugunsten von Effekthascherei, und die Handlung wird dadurch nicht interessanter, im Gegenteil. Anstatt das Buch wirklich zu lesen, haben sich die Produzenten dazu hinreißen lassen, die dramatischen Höhepunkte herauszufiltern, ein paar dazu zu erfinden und das mit schönen Bildern und Kulissen auszustaffieren. Schade! Ich hoffe, dass dieses Buch irgendwann doch noch zu einer Verfilmung kommt, die ihm gerecht wird, denn diese war es definitiv nicht.


Die Kameliendame: Roman
Die Kameliendame: Roman
von Alexandre (Sohn) Dumas
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,90

1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein Klassiker - aber irgendwie nicht ganz überzeugend, 9. September 2012
Rezension bezieht sich auf: Die Kameliendame: Roman (Taschenbuch)
Zwar ist "La dame aux camélias" schön geschrieben und es ist auch interessant, einmal den Urtext zur berühmten Oper "La Traviata" zu lesen, aber teilweise fand ich die Psychologie der handelnden Personen nur schwer verständlich; es ist ein Buch aus dem Zeitalter der Romantik, und vielleicht bin ich doch zu modern eingestellt; man muss es wohl aus der damaligen Zeit heraus lesen, um es zu verstehen.
Es fängt schon damit an, dass die Akteure sehr oft weinen (auch die Männer) und oft an Nervenfieber oder ähnlichen Krankheiten leiden, bei denen das körperliche Leiden das seelische widerspiegelt; auch bei Marguerite hat man am Ende den Eindruck, dass sie eher an gebrochenem Herzen stirbt als an der Tuberkulose.

Leider muss ich vor allem sagen, dass mir beide Hauptpersonen ziemlich unsympathisch waren und ich nicht verstehen konnte, warum ihr Schicksal unzählige Leser hat mitleiden und mitfiebern lassen. Armand ist ein Kindskopf und er vertraut Marguerite nie wirklich; er ist äußerst eifersüchtig, obwohl er von Anfang an wusste, dass er sich mit einem käuflichen Mädchen eingelassen hat. Marguerite ist in meinen Augen nichts als arrogant und manipulierend. Sie wird von ihren Liebhabern zwar teuer bezahlt, wirtschaftet aber niemals und stirbt trotz allem hochverschuldet, da sie, bis auf eine kurze Unterbrechung, stets als das Luxusgeschöpf lebt, als das sie sich offenbar sieht. Als Armand ihr Geliebter wird, wird er in ihren Augen ihr Eigentum; sie erwartet von ihm, ich zitiere wörtlich, "blinden Gehorsam" und keine Fragen oder Zweifel an ihrer Liebe, auch wenn sie mit anderen schläft. Sie plant einen Aufenthalt auf dem Land für sie beide, ohne ihn auch nur zu fragen; sie finanziert alles mit eigenen Mitteln, worüber sie ihn im Dunkeln lässt; zuletzt verlässt sie ihn ohne ein Wort der Erklärung. Eine seltsame Art von "Liebe", wenn man mich fragt. Armand hatte sich scheinbar auf den ersten Blick in Marguerite verliebt, weil er eine "affinité des fluides" zu ihr spürte (?) Was soll das für eine Affinität sein, ohne Vertrauen, ohne gemeinsame Entscheidungen?

Marguerites schlussendliches Opfer wird als wahrhaft christlich dargestellt, ihr Ende als das einer Märtyrerin, als Sühne für ihre bisherigen Sünden; für mich war es nur ein Zeichen von beispielloser und sinnloser Arroganz. Sie verlässt Armand ohne ein Wort und nimmt einfach ihr altes Leben wieder auf; verletzt und verraten nimmt er sich eine andere Geliebte und quält mit ihr zusammen Marguerite, wo er nur kann. Erst als es zu spät ist, erfährt er, dass sein Vater sie darum gebeten hat, ihn zu verlassen, da Armands Schwester heiraten will und die Familie ihres Bräutigams keine Verbindung mit einer Familie will, deren Sohn mit einer käuflichen Frau zusammenlebt. (Eine Kurtisane zu haben und teuer zu unterhalten war damals völlig in Ordnung, eine Frau dazu zu bringen, sich nicht mehr zu prostituieren und mit ihr einfach zusammen zu leben war eine schwere Sünde - muss ich das verstehen? Seltsame Zeiten.) Da sie stirbt, muss er für den Rest seines Lebens damit leben, ihr, dem tugendhaften Opfer, Unrecht angetan zu haben. Marguerite opfert ihre und Armands Liebe, er darf darüber nicht entscheiden; sie sieht sich durch ihr Opfer zum ersten Mal als wahrhafte Christin und ihre Eitelkeit springt auf diese Chance an, die Rolle der Heiligen zu spielen, obwohl Armand mindestens genau so leidet wie sie, da weder seine Geliebte noch sein Vater ihn für würdig erachten, die Wahrheit zu erfahren.
Armands Vater wird als gütig und gerecht dargestellt - er, der Marguerite ihr "wahrhaft christliches Opfer" einredet, da sie sonst angeblich die Zukunft seiner Tochter zerstören würde; und der, als er von ihrer Krankheit erfährt, ihr 1.000 Ecus schickt - für die damalige Zeit ein Taschengeld. Im Verlauf ihrer Krankheit schaut Marguerite immer wieder nach der Tür, ob nicht Armand zu ihr kommt - warum? Sie hatte ihn doch selbst fortgeschickt und dafür gesorgt, dass er sie hasst, damit er die Wahrheit erst erfährt, wenn es zu spät ist?

Sinnlos ist Marguerites "Opfer" vor allem, da sie bereits schwer krank ist und wahrscheinlich ohnehin höchstens noch ein Jahr zu leben hatte; doch das sagt sie natürlich niemandem, da dies ihrem "Opfer" den Glanz nehmen würde. Im Nachwort zu der französischen Originalversion, die ich gelesen habe, stand auch, dass sich Dumas hier eine dramaturgische Freiheit genommen hat: es war nach den Sitten der damaligen Zeit keinesfalls so, dass die künftige Schwiegerfamilie ein Recht darauf hatte, sich in das sittliche Verhalten des Bruders der Braut einzumischen oder sogar Ansprüche darauf zu stellen, dass er sich ändert. Emotional betrachtet mag das alles sehr tragisch wirken, aber wenn man sich einfach nur die Tatsachen vor Augen führt, fragt man sich, wozu sich diese Menschen selbst und einander so quälen mussten, als wäre ihre Situation nicht von Haus aus schwierig genug.

Als Porträt einer vergangenen Zeit mag dieses Buch sehr interessant sein, aber die dargestellte Mentalität bleibt mir fremd. Wenn dies die "wahre Liebe" und "edle christliche Nächstenliebe" sein sollen, kann ich sie nicht verstehen und möchte niemals im Leben davon berührt werden.


Lucky Luke - Daisy Town: Der Kinofilm
Lucky Luke - Daisy Town: Der Kinofilm
DVD ~ Nancy Morgan

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Gähn!, 18. Mai 2012
Rezension bezieht sich auf: Lucky Luke - Daisy Town: Der Kinofilm (DVD)
Mit einem wirklich guten Film hatte ich zugegebenermaßen nicht gerechnet, aber zumindest mit einem unterhaltsamen. Es ist zu auffällig, wie in diesen Film alle Klischees und Standards, die man a) in einem Western und b) in einem Lucky-Luke-Stoff erwarten kann, hineingerührt wurden, wohl in der Hoffnung, damit möglichst viele Zuschauer zu erreichen.

Dieser Film ist ein Paradebeispiel für die alte Weisheit, dass viele Köche den Brei verderben. Es ist zwar alles da - der edle Held, die tapfere Saloonbesitzerin (sogar eine kleine Liebesgeschichte wird angedeutet, obwohl sich der Lucky Luke aus den Comics meines Wissens nie für eine Frau interessiert hat), Indianer, die Kavallerie, eine Klapperschlange, Schießereien, Duell beim Sonnenaufgang, Siedler, Prügeleien, Bohnen am Lagerfeuer, die Daltons (leider wurden keine Schauspieler in passender Größe, d.h. wie die Orgelpfeifen, gefunden, warum eigentlich nicht?)
Kurzum, es ist alles drin, aber nichts wirklich da. Die Handlung ist zusammengeschustert, weder Western noch Comicverfilmung, und die Personen zu klischeehaft, um einen zu interessieren. Es kommt zwar etwas Selbstironie vor, aber als Westernparodie taugt dieser Film leider auch nichts. Originell ist nur der Erzähler: Lukes Pferd, Jolly Jumper.

Mich hat dieser Film ehrlich gesagt ziemlich gelangweilt; irgend jemand hätte den Autoren sagen sollen, dass man Qualität mit Originalität erreicht und nicht mit der Erfüllung von möglichst vielen Schablonen. Aber eingefleischten Western- und / oder Lucky-Luke-Fans mag er eventuell ganz gut gefallen. Wenn sie nicht zu viel erwarten.


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